306
Zweiundzwanzigstes Buch.
bis 1807) doch nicht so weit, daß er Lichtstudien gemalt hätte;
erst Ludwig Heß (1760 — 1800) hat dem heimischen Gebirge
Töne freieren Lichtes abgewonnen. Jedenfalls konnte die Er—
kenntnis dessen, was not tat, viel eher durch die dunstige
Landschaft des deutschen Nordens vermittelt werden, vor allem
durch die malerischen Gegensätze der Seeküste, wo bei West—
wind alles in Ton gehüllt, bei Ostwind alles klar und rein
erscheint.
In der norddeutschen Malerei der Zeit, die, soweit die
Landschaft in Frage kam, in der Tat eine Kunst der Küsten—
—DD——
Strömung unterscheiden; Strömungen, die freilich, wie das
bei der Kulturstellung Hamburgs für die Nordgermanen in
dieser Zeit selbstverständlich ist, gelegentlich ineinander über—
gingen.
Durchgangspunkt der nordischen Bestrebungen war Kopen⸗
hagen, wo unter dem Dänenkönige Friedrich V. (1746 -1766)
im Schlosse Charlottenborg eine Kunstakademie nach fran—
zösischem Muster begründet worden war. Aus dieser Akademie
sind Carstens und Thorvaldsen hervorgegangen: sie war also
an erster Stelle klassisch. Aber daneben regten sich doch auch
stille Anfänge einer heimischen Kunst, einer Kunst unmittelbarer
Erfassung des dänischen Lebens und der dänischen Landschaft
mit ihren weichen Akzenten. Sie führten hinunter zu der
späteren Malerei Eckersbergs (1783—1853), des Begründers
einer ersten nationaldänischen, von deutscher und französischer
Übermacht gleichmäßig befreiten Kunst. Eine Generation früher
aber war der Vertreter dieser Richtung in Kopenhagen ein
Hamburger, Jens Juel (1742 - 1802), ein Schüler des Ham—
burger Amtsmalers Gehrmann.
Juel hat schon Landschaften gemalt, in denen die Um—
risse im Lichte aufgelöst find, doch neigte er im ganzen, trotz
allem Studium des Lichtes, zur plastischen Auffassung: und
so finden sich bei ihm schon die ersten, intuitiven Ahnungen
jener Lösung des Lichtproblems in seiner Verbindung mit dem
Raumproblem, die die Neuidealisten seit den achtziger und