Bildende Kunst und Musik.
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Hexe“ (1847), das „Leben eines Wüstlings“ (18606) niemals
ohne Teilnahme betrachten läßt. Freilich: erreichbar war das
Ziel, das Genelli vorschwebte, mit Carstens Mitteln nicht.
Genelli weist über sich selbst hinaus auf Licht und Farbe, und
er hat noch die Anfänge von Freilicht und Impressionismus
selbst mit erleben können.
In der Tat: ließ sich denn die Lehre vom reinen Zeichnen,
so schön sie aus der Antike gezogen war, im 19. Jahrhundert
wirklich halten? Charakteristisch ist, was schon einer der
frühesten Theoretiker des Stils, Fernow, dazu bemerkt hat!.
Die Zeichnung, meint er, gäbe gewiß Form, Rundung, Be—
leuchtung, Haltung, Helldunkel, ja bis zu einem gewissen
Grade auch die Farbe. Lege man aber auf das Beiwerk Nach—
druck und trete in die Welt des Farbigen, so sei freilich das
Licht in seiner Wirkung unerreichbar. Aber im übrigen lasse
sich immerhin im Kolorit die Überlegenheit des Künstlers über
die Natur dartun. Er ordne die Beleuchtung planmäßig und
verteile im Helldunkel und in den Luftpartien tieferer land—
schaftlicher Hintergrunde Licht, Schatten und Mitteltöne der⸗
art, daß eine durch sich selbst gefällige Einheit für die Emp—
findung entstehe: und er werde die größte Wahrheit und
Schönheit des Kolorits im einzelnen mit der größten Schön—
heit und Harmonie im ganzen vereinigt haben.
Das waren immerhin beträchtliche Zugeständnisse über die
Zeichnung hinaus. Dabei ist es kein Zufall, wenn sie sich zunächst
auf die Landschaft bezogen. Die Landschaft hatten strengste
Vertreter des Klassizismus, wie Lessing, überhaupt beinahe ver—
pönen wollen: von ihrem Standpunkte aus mit Recht. Aber
ließ sich da etwas wie ein Verruf wirklich durchführen? — Der
Klassizismus selbst hat dennoch eine Landschaft entwickelt — und
gerade diese hat, als verhältnismäßig bei weitem modernster
Zweig der klassizistischen Richtung, am längsten fortgelebt.
Freilich: da man wenig oder nichts von antiken Land—
schaften hatte, so setzte sich der Hinweis auf die Antike in
1Vgl. Gurlitt, Deutsche Kunst im 19. Jahrhundert S. 57.
Lamprecht, Deutsche Geschichte. VIII. 2. in