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Zweiundzwanzigstes Buch
Menschheit auf ihrem Pilgrimszuge zu diesen Bergen begleiten,
bis sie dem Triumphliede weichen werden, daß der Gipfel er—
reicht sei. — —
Sehen wir aber jetzt von dem mit Beethoven erreichten
Standpunkte rückwärts auf die Entfaltung der Phantasie⸗
tätigkeit und des Denkens unseres Volkes von der Mitte bis
über das Ende des 18. Jahrhunderts: welch unglaublich reicher
Verlauf tritt da uns entgegen! Welches Drängen von tausend
Gestalten, welcher Zug von Genies und Talenten, welches
Hasten nach vorwärts und welche Erträge! Aber es kann hier
nicht die Aufgabe sein, diese Erträge in reich gebundenen
Garben noch einmal zusammenfassend in weiter Scheuer zu
sammeln; und noch weniger ist es möglich, den Zug der ge—
samten Entwicklung noch einmal auch nur in seinen Hauptphasen
an uns wie eine Prozession von unerhörter Pracht vorüber
zu führen. Ja selbst der höchsten Gipfelpunkte der Entwicklung,
der Taten Herders und Kants, Goethes und Schillers, Mozarts
und Beethovens kann hier nur im monumentalsten Sinne,
durch bloße Namenskündung, gedacht werden; denn der Ver—
lauf unserer Erzählung bedarf einer Zusammenfassung der
Kultur der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts an anderer
Stelle, da, wo von 'dem weiteren Ausbau unseres geistigen
Lebens die Rede sein wird, und eilt zunächst ganz anderen
Zielen, der Schilderung der äußeren, öffentlichen, politischen
Entwicklung des frühen Subjektivismus zu.