Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

582 Fünfundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel. 
Deutschen Reiches, das die kleindeutsche Einheitsbewegung über 
das Erwarten vieler hinaus dem Kranze der deutschen Länder 
nach langer Abwesenheit wiederum eingefügt hatte, noch durch 
Erzählung seiner Anfangsschicksale im neuen Reiche besonders 
begrüßten? 
Gewiß hat es mindestens im Elsaß, weniger wohl in 
Lothringen, auch vor 1870 noch Männer gegeben, die, treu zu 
deutscher Art haltend, auch den Rückfall dieser Lande an deutsche 
Herrschaft erhofften; die mit den Deutschen jenseits des Rheins 
fühlten und selbst in den schwersten Tagen deutscher Ohnmacht 
das Zukunftsbild eines eigenen, auch sie umfassenden Deutsch— 
lands verkündeten. 
Wenn um den Berg dereinstené 
Die Raben nicht mehr drehn, 
Dann wird der große Kaiser 
Aus seinem Schlaf erstehn. 
Dann hat es ausgeschlummert, 
Das schwere deutsche Haupt, 
Die kräft'ge Hand wird rütteln, 
Die Rüstung dicht bestaubt. 
Er kommt ans Licht der Sonne, 
Ein mächtig Riesenbild; 
An eine dürre Eiche 
Hängt er den Eisenschild. 
Dann wird durch ihre Äste 
Ein heil'ger Schauer ziehn, 
Dann wird aus ihren Zweigen 
Ein heil'ger Frühling blühn. 
Sie wird von allen Bäumen 
Der herrlichste wohl sein. 
Sie wird mit Gottes Segen 
Zum Himmel hingedeihn. 
(Gustav Mühl, 1841.) 
Allein es ist bekannt, daß Gesinnungen, wie sie sich in 
diesen schönen Versen Mühls aussprechen, in dem heutigen 
Reichsland um 1870 schon recht selten zu werden begannen; 
eben die letzten Generationen waären allmählich, mindestens in
	        
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