thumbs : Handbuch der vergleichenden Statistik- der Völkerzustands- und Staatenkunde

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DEUTSCHLAND.  —  Kurhessen  'Militär  .

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Auf  das  Lotterieanlehen  sind  jährl.  255,000  Thlr.  behufs  Tilgung
abzuzahlen.  Das  Haus  Rothschild  sollte  den  Amortisationsfonds  asserviren
  und  davon  S'/s  Proc.  Zins  vergüten.  Als  dieser  Fonds  auf  r;PJG,579
Ihlr.  angewachsen  war,  bot  das  Handelshaus  die  Aushändigung  an.
Kurhessen  acceptirte,  und  man  verwendete  nun  die  daraus  flüssig  werdenden ­
  Mittel  zur  Tilgung  der  oben  unter  3  u.  1  aufgeführten  Anlehen.
Beide  sind  vollständig  zurückbezahlt.  Gleichwol  werden  die  verbrielungsmässigen
  Capitalabtragungen  und  Zinsen  im  Staatsgrundetat  in
Ausgabe  fortgeführt,  und.  neben  dem  Ueberschuss,  welchen  die  Tilgungsrente ­
  von  2.)5,000  Thlr.  (nach  Abzug  der  jährl.  Lotteriegewinne)
auf  bringt,  zur  Herstellung  des  Lolterieanlehens-Tilgungsfonds  benutzt.
Auf  diese  Weise  wird  letzter  also  zum  entsprechenden  Antheil  mit  4  %
statt  3‘/j  verzinst  und  in  einer  weit  kürzeren  Reihe  von  Jahren  zu  der
erforderlichen  Höhe  gebracht,  als  nach  dem  Vertrage  über  das  Anlehen
der  Fall  gewesen  sein  würde.  Dieses  Verfahren  bietet  noch  den  Vortheil
dar,  dass  für  die  Folgezeit  die  Staatscasse  eine  erhebliche  Erleichterung
erfahren  wird.
Zur  Schuldyeschichte.  Während  die  Reichthümer  der  Landgrafen
sich  häuften,  vermehrten  sich  die  Schulden  des  Landes.  Nach  der  Restauration ­
  verweigerte  der  Kurfürst  den  unzweifelhaftesten  Rechtsverpflichtungen ­
  aus  der  westfälischen  Zeit  die  Anerkennung.  Dagegen  wurden ­
  300,000  Thlr.  Schulden  des  Kurprinzen  auf  die  Staatscasse  überwiesen. ­
  Der  Schuldenstand  war  1810  I  '304,1  07  Thlr.  —  Der  Landtag
suchte  seit  1831  Ordnung  in  das  Finanzwesen  zu  bringen.  Allein  die
Regierung  bekümmerte  sich  niemals  um  dessfallsige  Bestimmungen.  Ein
Beispiel  bildet  das  Lotterieanlehen  von  1815.  Statt  für  0  Mill,  wurden
lür  0’725,000  Thlr.  Papiere  ausgegeben;  statt  Pariausgabe  wurden  12%
Broc.  Provision  bewilligt;  statt  3*/*%  Zinsen  erhalten  die  Gläubiger
Weit  weniger  ;  statt  einer  sogleich  beginnenden  und  wachsenden  Tilgung
wird  bis  1872  nicht  einmal  der  Zins  vollständig  abgetragen,  so  dass
1.  Jan.  1888  (!)  die  Gläubiger  noch  0  725,000  Thlr.  zu  fordern
haben,  die  dann  in  grossen  Summen  getilgt  werden  sollen  (s.  Land-^agsverh.
  vom  20.  Juni  1848).
Militär.  Conscription  ;  Losung  ;  Stellvertretung  ;  5  Jahre  Dienstzeit, ­
  wovon  1  in  der  Reserve.
Infanterie:  4  Regim.  (wovon  1  Leibgarde),  in  2  Bataill.  und  8
'-omp.  —  1  Jäger-  und  1  Schützenbataill.,  zus.  5770  activ,  mit  Reserve  9,157
Cavallen'e;  2  liusarenreg.  zu  4  Escadr.,  2  Esc.  Cürassiere  oder
'■»arde  du  Corps,  988  M.  activ,  mit  Reserve  )  ,508
Artillerie:  1  Reg.  mit  19  Geschützen;  1  Pioniercomp.,  act.  651  .  1,0.13
Mit  Nichtcombattanten,  Train  u.  2.  Aufgebot  15,209,  ohne  diese  11,998
Im  J.  1780  unterhielt  der  Landgraf  15,000  Soldaten.  1792  stellte
zu  den  in  die  Champagne  eindringenden  Preussen  8000,  im  nächsten
Jahre  zu  den  Engländern  in  Flandern  12,000,  gegen  Geldsubsidien.
(Das  Königreich  Westfalen  stellte  25,000  M  zum  Rheinbunde.  Westlälische
  Truppen  kämpften  in  Oesterreich,  Spanien  und  Russland.)  Nach
der  Restauration  wurde  die  active  Militärmacht  gegen  Napoleon  auf
2J,0l)0  Mann  gebracht,  wovon  0500  Landwehr.  Aber  nicht  blos  der
^»andsturm  (82,000,  wovon  indess  nur  17,000  mit  Feuerwaffen  Verse-'^üe),
  sondern  selbst  die  Landwehr  wurde  bald  aufgelöst.
            
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