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AUnhang.
brauch entstanden, Frankreich mußte für die weitere Ausbildung
derselben maßgebend sein. So war das Gift fremder Eigen—
thümlichkeit schon der frischen Blüthe des deutschen Ritterthums
eingeimpft. Das frohe Leben zerfiel je länger, je mehr,
Sentimentalität wurde das Grundgefühl aller derer, welche sich
noch den hellen Blick für den Gang der Zeiten bewaährt hatten.
Ihnen kam das ideale Streben der Vergangenheit abgestanden
oor; Andere suchten dasselbe noch zu überbieten. In wider—
licher Weise treten die schlimmen Folgen frühreifer, mehr ge—
züchteler, als gezogener Individualität zu Tage. Der Minne—
dienst eines Ulrich von Liechtenstein paßt mehr auf einen Kinder—
ball, als auf die ernste Bühne des Lebens; er war ganz dazu
geeignet, die Reaction aller gediegeneren Charactere gegen sich
aufzurufen. Man wandte sich ab von diesem wunderlichen
Treiben verspäteter Sonderlinge, und besonders in den Kreisen
des höheren Adels kehrte wieder mehr Solidität ein; zwar
finden sich auch hier noch später geniale Lumpe, fo fast durch—
veg die Angehörigen des Luxemburgischen Geschlechts, aber
neben ihnen dominiert der verständig-practische Sinn eines
Rudolf von Habsburg. Indeß war auch dieses excentrische
Wesen des absterbenden Ritterthums in der zweiten Hälfte des
18. Jahrhunderts nicht ohne heilsamen Einfluß auf die äußere
Durchbildung der Persönlichkeit. Im Treiben des Verkehrs,
in der Regelung des Alltagslebens waren die Zeiten der
höchsten Blüthe des Ritterstandes noch sehr einfach und mehr
als maßvoll gewesen; in jugendlicher Unbefangenheit nahm
man auch mit mancher nicht mehr passenden Ueberlieferung der
Väter vorlieb. Hier sorgten die späteren Geschlechter für
Uebereinstimmung mit den veränderten Anschauungen der Zeit.
In die Tracht, welche bisher fast ohne Wandelung von
Menschenalter zu Menschenalter vererbte, kam jetzt der Geist
individueller Gestaltung, die Gleichförmigkeit des täglichen
Treibens wurde durchbrochen durch Einführung größerer Be—
quemlichkeit und glänzenderer Ausstattung in Wohnung und
Hausgeräth.
Während so das Leben selbst bis in seine innersten Fugen