772 —
auferlegt, sondern für vielerlei höchst unbedeutende Ver-
stöße, wie z. B. für Fortgehen ohne Meldung, für „Miß-
verhalten“, indem man dem Aufseher widerspricht, für
das Öffnen eines Fensters ohne Erlaubnis, für zu langes
Verweilen, wenn man den Wirkungen der Natur Folge
leistet, und für ein Dutzend anderer solcher schwerer Ver-
brechen, und alle werden mit eiserner Disziplin und mit-
leidloser Tyrannei eingetrieben. Der Arbeiter kann kaum
eine nichtproduktive Bewegung machen, ohne streng dafür
bestraft zu werden.
Das Wenige, was von dem Lohn der Arbeiter übrigbleibt,
wird dann in vielen Fällen noch durch die Schulden ver-
kürzt, die er bei der besonderen Gesellschaft, für die er
arbeitet, hat. Viele von den Textilgesellschaften in den
Dörfern und kleinen Städten besitzen ihre eignen Blocks
von Miethäusern, welche sie ihren Arbeitern zu übertrieben
hohem Zins vermieten, und führen ihre eignen Gesell-
schaftswarenhäuser, in denen sie Lebensmittel und Waren
zu übermäßigen Preisen an die Arbeiter verkaufen. Sollten
irgendwelche Arbeiter sich weigern, diese zu unterstützen,
so würden sie sofort ohne Arbeit sein, und sollten sie wagen,
zu streiken, so würden sie erbarmungslos vertrieben und
dem Hunger preisgegeben werden.
Die Wollindustrien
Dieselben Verhältnisse gelten für die Woll- und Kamm-
garnspinnereien, die von dem Wolltrust beherrscht werden.
Diese Spinnereien beschäftigen durchschnittlich 168 000
Arbeiter. Der soeben ausgegebene Bericht des U. S. Bureau
of Labor über den „Streik der Textilarbeiter in Lawrence,
Mass.‘ im Jahre 1912 gibt eine lebhafte Beschreibung der
entsetzlichen Bedingungen, unter denen diese Leute
arbeiten müssen. Die Zustände in den Spinnereien in
Lawrence sind typisch für die Wollspinnereien und
andere Textilfabriken in andern Teilen der Vereinigten
Staaten.
Von den 23 000 Arbeitern in den Woll- und Kammgarn-
und den Baumwollspinnereien in Lawrence sind beinahe