Full text: Geschichte der großen amerikanischen Vermögen (Bd. 1)

Es ist keine Übertreibung, wenn man sagt, daß ein hoher 
Beamter der gesetzgebenden Körperschaften oder der Ver- 
waltungen nach dem anderen und ein Magnat nach dem 
anderen nicht nur einmal, sondern dauernd das Strafgesetz 
vergewaltigt hat. Sie blieben unangefochten; da sie die 
Macht hatten, es zu verhindern, würden sie sich wohl auch 
schwerlich der Farce einer Anklage unterzogen haben. Ver- 
einzelte Beschuldigungen, die mit verdächtigem Elan von der 
Regierung gegen die Standard-Oil-Company, gegen den 
Zuckertrust, den Tabaktrust und andere erhoben wurden, 
erwiesen sich als absolut harmlos und hatten nur das eine 
Resultat, die Stellung der Truste zu befestigen. Die Magna- 
ten gewannen ihren Reichtum durch eine unendliche Kette 
von Betrügereien und Diebstählen. Im Moment aber, wo 
der Reichtum oder die Basis dieses Reichtums im entfern- 
testen durch irgendein Gesetz oder eine Bewegung bedroht 
wurde, trat sofort die ganze Regierung, Verwaltung, Gesetz- 
geber, Gerichte ein, um ihn zu schützen. 
# Die Arbeiter indessen, denen der Reichtum geraubt 
wurde, wurden von dem Gesetz in dem Augenblick, wo sie 
verarmten, als Verbrecher angesehen. Wenn sie obdachlos 
waren und ohne ersichtliche Subsistenzmittel, wurden sie als 
Vagabunden verhaftet. Teilweise wurden sie ins Gefängnis 
gesteckt oder zu Zwangsarbeit verurteilt. Wenn sie es unter- 
nahmen, Massenversammlungen abzuhalten, um die Re- 
gierung zur Inangriffnahme einer Anzahl von öffentlichen 
Arbeiten zu veranlassen, durch welche die Arbeitslosen be- 
schäftigt würden, wurden ihre Versammlungen aufgehoben 
und die Versammelten auf brutale Weise auseinandergetrie- 
ben, wie es in Tompkins-Square in New York 1873, in 
Washington 1892 und in Chicago und im Union-Square in 
New York 1908 geschah. Die Zeitungen stellten diese Ver- 
sammlungen als Taten unverantwortlich handelnder Agi- 
tatoren hin, die den „Mob“ zu Gewalttaten aufreizten. 
Das Auseinandertreiben der Beschäftigungslosen und der 
Justizmord gegen ihre Wortführer ist lange Zeit eine be- 
liebte Unterdrückungsmethode seitens der Behörden ge- 
wesen. Dagegen hat scheinbar die Gewährung der Redefrei- 
heit, die Berücksichtigung der Leiden der Arbeiter und 
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