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daß sie die Konzession für Pferdebahnlinien in der 7. und
10. Avenue, in der 42. Straße, in der Avenue D und für die
„Belt“-Linie erhielten. Es wurde allgemein angenommen,
daß die Durchsetzung dieser fünf Erlasse die Unternehmer
250 000 Dollar in bar und in Aktien gekostet habe, die
unter die käuflichen Mitglieder der Legislatur verteilt wor-
den seien!).
Von allen New Yorker Straßenbahnen wurde die Broadway-
Linie als die rentabelste angesehen. Ihre momentanen und
künftigen Chancen wurden so hoch bewertet, daß 1852
Thomas E. Davies und seine Kompagnons sich als Ver-
zütung für die Konzession erboten hatten, die Passagiere
für eine Taxe von drei Cent zu befördern und der Stadt eine
Tantieme von ı Million Dollar zu zahlen. Andere unter-
nehmungslustige Kapitalisten beeilten sich, der Stadt eine
dauernde Vergütung von 100000 Dollar jährlich anzu-
bieten. Ähnliche nutzlose Versuche, die Konzession zu be-
kommen, wurden Jahr für Jahr gemacht. «Die reichen
Anwohner des Broadways widersetzten sich einer Pferde-
bahnlinie, da sie annahmen, sie würde ihnen nur Lärm
und Unbequemlichkeit verursachen; ebenso opponierten
die Droschkenkutscher, die sich ihr Monopol erhalten woll-
ten. 1863 wurde der Wert der Broadway-Konzession an sich
auf rund 10 Millionen Dollar geschätzt. Um die Konzession
bewarben sich jetzt Vanderbilt und George Law. Während
Vanderbilt den Gemeinderat bestach, bestach Law die
Staatsgesetzgebung?). Eine derartige Konkurrenz seitens der
Kapitalisten bei der Bestechung öffentlicher Körper-
schaften war sehr häufig.
Überlistung der Stadträte
Aber die Stadträte waren in den üblichen Handels-
praktiken keineswegs unerfahren. Sie entwarfen einen Plan,
&)) Vel. „The History of Public Franchises in New York City“, S. 120—125,
?) Die geschäftliche Rivalität zwischen Vanderbilt und Law wurde verstärkt
durch eine heftige persönliche Feindschaft auf seiten Laws. Als einer der Haupt-
:igentümer der United States Mail Steamship Company war Law äußerst erbittert
Jarüber, daß es Vanderbilt gelingen konnte, von ihm und Roberts so große Summen
Zu erpressen,