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redung mit dem lakonischen Ausspruch: „Wenn ich etwas
gebe, gebe ich es selbst.“ Ein andermal versprach Vanderbilt
einem Freunde, ihm tausend Anteile der New Yorker Zentral-
eisenbahn zu überlassen. Der Kurs stieg auf 155 Dollar pro
Aktie und fiel dann auf 90 Dollar. Gleich darauf, vor der Ein-
bringung eines wichtigen Gesetzentwurfes, der, wie Vander-
bilt wußte, den Wert der Aktien wesentlich erhöhen würde,
ging der alte Magnat zu dem Freunde und stellte ihm vor,
daß, da der Aktienkurs gesunken, es nicht recht sei, den
Freund einem Verlust auszusetzen. Vanderbilt bat um Rück-
gabe der Aktien und erhielt sie, Als das Gesetz herauskam,
stiegen die Aktien rapide, zum äußersten Entsetzen des ver-
trauensvollen Freundes, der einen Gewinn vorn 80 000 Dollar
auf diese Weise in Vanderbilts Hände fließen sah?).
In seinen persönlichen Ausgaben vermied Vanderbilt in
der Regel alles, was er als überflüssig ansah. Er trug eine
denkbar einfache Kleidung, und Juwelen bewilligte er sich
überhaupt nicht. Das Menü überwachte er mit mehr als
kritischen Augen. Sogar physische Gründe konnten ihn
nicht veranlassen, für kostspielige Arzneien Geld auszu-
geben. Wenige Tage vor seinem Tode verordnete ihm sein
Arzt Champagner zur Anregung. „Champagner!“ rief
Vanderbilt mit vorwurfsvollem Blick, „Champagner kann
ich nicht bewilligen. Eine Flasche jeden Morgen! Soda-
wasser wird’s auch tun, denke ich!“
Aus allen Berichten ist ersichtlich, daß er auch in seinem
eigenen Hause eine Atmosphäre der Verbitterung um sich
schuf. Er wird als streng, eigensinnig, herrisch und knau-
serig geschildert; in seinem Hause spielte er den Tyrannen
and bekam Wutanfälle, wenn seine Stimmungen, Absichten
und Pläne auf Widerspruch stießen, Seine Gattin schenkte
ihm dreizehn Kinder, von denen zwölf am Leben blieben.
Da sie eine Frau von fast ländlicher Einfachheit des Geistes
und der Gewohnheiten war, fügte sie sich willenlos seiner
eisernen Disziplin. Croffut sagt von ihr, sie beugte sich
„nachgiebig und geduldig seinem beherrschenden Willen
und seinen Launen“, Er fährt fort: „Der Umstand, daß
1) Diese und ähnliche Anekdoten finden sich in einer Biographie in der NewYorker
„Times“ vom 5, Januar 1877,