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Diese Kommission hatte es nicht nötig, erst die grund-
legenden Tatsachen zu erforschen; diese kannte sie bereits.
Aber es gehörte zur Komödie dieser Untersuchungskom-
missionen, mit der Miene kindlicher Unwissenheit vorzu-
gehen.
Es wurden viele Zeugen vernommen, und manche Prü-
fung fand statt. Die Kommission berichtete, daß, nach
Drews Aussage, 500 000 Dollar dem Vermögen der Erie-
Bahn entnommen seien, angeblich für Prozeßkosten, und
daß zweifellos aus dem Gesellschaftsvermögen große Sum-
men stammten, die in Albany verausgabt seien und für die
sich in den Büros der Gesellschaft keine Belege fänden.
Die Kommission konstatierte ferner, daß während der
Session 1868 große Summen für Bestechungszwecke von
Gesellschaften verausgabt wurden, die an den Eisenbahn-
gesetzen interessiert waren.
Aber wer verübte die hauptsächlichen Bestechungen?
Und welches waren die bestochenen Parlamentsmitglieder ?
Die Kommission gab an, darüber nichts Genaues zu wissen.
Die Untersuchung endete, wie fast immer in ähnlichen Fäl-
len, damit, daß die Schuld auf gewisse „reich gewordene“
Agenten geschoben wurde. Diese Agenten waren Männer,
deren Gewerbe es war, die Bestechung der Parlamentsmit-
glieder zu vermitteln. Gould und Thompson — letzterer ein
Mitschuldiger — gaben an, daß sie an Payn, einen Agenten,
der später ein mächtiger republikanischer Politiker wurde,
10 000 Dollar bezahlt hatten, dafür, daß er wenige Tage sich
in Albany für das Erie-Gesetz verwandte; ferner wurde fest-
gestellt, daß den Agenten Luther Caldwell und Russell
F, Hicks 100 000 Dollar gezahlt wurden, damit sie das Parla-
ment und durch die Presse auch die öffentliche Meinung be-
einflußten. Caldwell hat scheinbar große Summen von
Vanderbilt wie auch von Gould bekommen?). Eine spätere
Untersuchungskommission, die sich 1873 mit anderen Be-
schuldigungen beschäftigte, berichtete, daß allein im Jahre
1868 die Direktoren der Erie-Eisenbahn, nämlich Drew,
Gould, Fisk und ihre Verbündeten, mehr als eine Million
1) Report of the Select Committee of the New York Senate, Senate Document
No. 52, 1869, S. 3—12, 137, 140—146,