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der Trunk die Indianer zu Aufständen aufreizen und das
Leben der Männer, Weiber und Kinder gefährden konnte.
Aber die Rücksicht auf den Handel war sogar stärker als
der Instinkt der Selbsterhaltung, und die Praxis ging ruhig
weiter, obschon sie nicht selten die Niedermetzelung von
anschuldigen weißen Opfern und große Kosten für das
ganze Gemeinwesen herbeiführte.
Strenge Gesetze, welche Strafen für Unfrömmigkeit und
Unterlassen des Kirchenbesuches aussprachen, schwiegen
dazu, daß man die Indianer systematisch um Land und
Pelze betrog. Dafür hatte man zwei starke Gründe: erst-
lich waren die Indianer Heiden, und die Zivilisation ging
vor; sie wurden als Freibeute betrachtet. Zweitens die
Forderungen des Handels, durch den die Kolonien blühten.
In der Tat wurde allmählich überall der Sittenkodex der
Handelsklasse herrschend und verdrängte sogar die strengen,
fast asketischen Anschauungen der Puritaner. Das gemeine
Volk — das hauptsächlich aus Lohnarbeitern bestand —
betrachtete die Methoden der Reichen mit Mißtrauen
und Feindschaft und hatte das deutliche Bewußtsein, daß
die Vermögen nur durch einseitige Gesetze und durch
Betrug aufgehäuft wurden. Einige der berühmten Seeräuber
jener Zeit benutzten wiederum diese Volksstimmung als
Vorwand, den Handel zu plündern.
In Virginia hing die Existenz der Gemeinschaft vom
Ackerbau ab; daher sah man die Sklaverei für den Grund-
pfeiler der Verfassung an und verteidigte sie eifrig. In
Massachusetts und in New York war Handel der Haupt-
{aktor, und alles, was den Umfang und den Profit des
Handels vermehrte, wurde als ein Segen für das Gemein-
wesen betrachtet und gebilligt. Die Gesetze, die Richter,
welche sie aufzwangen, und der Zeitgeist spiegelten nicht so
sehr die Moral des Volkes wider, wie ihre Handelsnot-
wendigkeiten. Beides wird oft miteinander verwechselt.
Die Knechtung von Arbeitern
Das zeigte sich wiederholt in den Handelskonflikten zwi-
schen den konkurrierenden Kaufleuten, in ihrem System,