Full text: Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

W. Thompson. 
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zu bringen und schliesst sich naturgemäss an an die herrschende 
Stellung der begünstigten Minorität, welche die Arbeit Aller 
leitet, organisirt und dadurch fruchtbar macht. Es ist un- 
schädlich, weil es ein unvertilgbarer Trieb jedes Menschen ist, 
mehr haben zu wollen als Andere und weil ein Theil der 
Menschen diesen Trieb mehr zur Aneiferung als auf Kosten 
Anderer befriedigen kann; es ist segensreich, weil nur her- 
Vorragende Individuen erfolgreich jene Entfaltung von Herrlich- 
keit und ästhetischer Pracht leisten können, welche auch von 
Anderen mitgenossen wird und als leuchtendes Vorbild mensch- 
licher Macht, Grösse und Schönheit Alle hebt. 
Der Uebereifer für Gleichheit bei Thompson beruht zu- 
Meist darauf, dass er constant die Ungleichheit der mensch- 
lichen Anlagen ignorirt (s. z. B. S. 21), womit es zusammen- 
hängt, dass er mit Owen von richtiger Bildung und Erziehung 
der Menschen die höchsten Erwartungen hegt und die mensch- 
liche Willensfreiheit leugnet (S. 339—491, 579). 
. Eine Abschwächung oder Modification der Schwärmerei 
für Gleichheit ist die Idee, alle Güter nur nach Gere chtig- 
keit zu vertheilen, so dass nur die Arbeitenden je nach ihren 
Leistungen Einkommen beziehen. Um dies durchzusetzen, 
Schlagen die eigentlichen Socialdemokraten völlig consequent 
Sewaltsame Abschaffung alles individuellen Capitalbesitzes vor. 
Es ist nun sehr interessant zu sehen, wie Thompson diese 
Idee als Ideal vollständig ausgebildet und die späteren Marx’- 
Schen Sätze vielfach der Sache nach schon entwickelt hat — 
die revolutionäre Consequenz der Abschaffung des Capital- 
besitzes aber nicht zieht, weil er zu viel von Benthamitischer 
Freiheitsliebe in sich hat und noch tief in dem regierungs- 
feindlichen Radicalismus Cobbetts steckt. Er ist ja Cobbett 
Überlegen, indem er die socialen Probleme der Zeit über- 
haupt erfasst. Aber er kommt weder dazu, seine extremen 
Vordersätze über ökonomische Gleichheit zu modificiren, noch 
dazu, die richtigen extremen Consequenzen daraus zu ziehen. 
Seite 15—16 ist ähnlich wie später bei Marx ausgeführt, 
dass das Durchschnittsmaass der Leistung gewöhnlicher Ar- 
beit, auf welches anders geartete Arbeit reducirt werden müsse.
	        
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