hres Denkens den herrschenden Klassen folgen. Davon
war der Patriotismus früher — und st er heute bei vielen
och ⸗ein llares Beispiel. Die herrschenden Ideen einer
Zeit“ sagt Marx, „waren immer die Ideen der herrscheu—
den Klassen.“ Sobald die unterdrückte Klasse aber eine Ge—
egenheit sieht, zum Beispiel in Zeiten einer Revolution,
kommt sie mit ihrem eigenen tiefsten Interesse zum Vor
chein, kehrt sie ihre tiefste Seele hervor und verwirft die
ihr von den Herrschenden aufgenötigten Ideen. Und in
dem Maße, wie eine Klasse allmählich stärker wird, so daß
sie ihre eigenen Interessen verteidigen kann, gelaugt ihre
Gefühls- und Gedankenwelt immer kräftiger un schließlich
kühn und offen ohne falsche Scham zum Ausdruck
Wir gehen jetzt zu den „höheren“ Gebieten der Sitt—
lichkeit über, Der Drang des Albeiters nach Entwicklung,
der Drang der Frau nach gesellschaftlicher Gleichberech—
tigung mit dem Manne, die Vaterlandsliebe, sie sind alle
nur niedere Empfindungen gegenüber der Uneigennützig⸗
keit, der Liebe zum Nächsten, der Selbstaufopferung, der
Treue, der Ehrlichkeit, der Gerechtigkeit
Diese Tugenden gehbren zu der höheren Sittlichkeit,
sie sind die Sittlichkeit selbst
Wie steht es mit diesen Tugenden? Woher kommen
sie? Sind sie ewig, leben immer die gleichen in der mensch—
lichen Brust, oder sind sie gerade so verändersich wie alle
die anderen geistigen Dinge, die wir kennen gelernt?
Diese Fragen sind Jahrhunderte lang, seitdem der
griechische Phildsoph Sokrates und seine Zeitgenossen sie
zu stellen anfingen, für die Menschen unlösbar geblieben.
Sie bieten auch eine eigentümliche Schwierigkeit
Es gibt nämlich eine Stimme in uns, die uns in vie—
Fällen unmittelbar sagt, was gut, was schlecht ist.
Taten der Nächstenliebe, der Selbstaufopferung ge—
schehen spontan, do n selbst, auf Geheiß dieser Stimme
Wahrheitsliebe, Treue, Ehrlichkeit, sie werden uns gebie—
terisch, von selbst von ihr vorgeschrieben. Unser Gespis—
en mahnt uns, wenn wir auf diese Stimme nicht hören.
Wir werden von Ssch am erfüllt, wenn wir, auch ohne daß
es jemand weiß, nicht gut gehandelt haben Das Sit
dengese tz, die Gebote der Pflich tleben in uns, ohne
daß die Erziehung und das eigene Lustgefühl sie ausreichend
exklären öönnen
sen
) Nur die Gewohnheit kann uns taub machen für diese
Stimme