Full text : Schutz dem Arbeiter!

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Nach  Inhalt  einer  statistischen  Tabelle  über  das  Lebensalter  der  meist  berechtigten
Mitglieder  der  Knappschaftsvereine  befanden  sich  am  Jahresschluß  1886  von  den  Mügliedern
  des  oberschlesischen  Knappschaftsvereins  nur  12,47  Procent  im  Alter  von  46  bis
55  Jahren,  im  Alter  von  über  55  Jahre  sogar  nur  2,10  Proeent,  während  über  5Ñ
Jahre  alt  wurden:  im  nafsauischen  Knappschnftsverein  4,51  Procent,  im  Mansfelder  Verein ­
  5  Procent,  im  Wurmverein  5,60  Procent,  im  Knappschaftsverein  der  Eisenhütten  5,72
Procent,  im  neupreußischen  Knappschaftsverein  8,27  Procent  und  im  Klausthaler  Verein
9,40  Procent.  Nach  der  Tabelle  der  lebenden  Bergmannswittwen  in  Procenten  die  ständigen ­
  Mitglieder  und  Invaliden  der  vier  größten  Knappschastsvereine  berechnet,  hatte  Oberschlesien
  auch  die  meisten  Bergmannswittwen.  Es  zahlte  der  märkische  Verein  "M
10,20  Procent,  der  Saarbrücker  Verein  11,50  Procent,  der  Essen-Verden'sche  Verein  10,4'
Procent,  dagegen  der  oberschlesische  15,22  Procent.  (Vgl.  „Zeitschrift  des  Oberschlesische"
Berg-  und  Hüttenmännischen  Vereins"  1889  Juni-Heft.)

Bcrbot  der  Nachtarbeit.  —  Schluß.
Der  Tag  ist  zur  Arbeit  bestimmt,  die  Nacht  zur  Ruhe.  Die  Arbeit
  der  Nacht  bei  künstlicher  Beleuchtung  ist  anstrengender,  der  Schlaf
am  Tage  weniger  erguickend.  Die  Nachtarbeit  stört  die  Ordnung  der
Familie  und  Hauswirthschaft.  Die  Nachtarbeit  sollte  deshalb  auch
für  männliche  Arbeiter,  so  weit  nicht  die  Natur  des  Betriebes
Ausnahmen  fordert,  verboten  sein.  Dieses  um  so  mehr,  als  die  e  lek'
des  Erzbergbaues  um  das  Doppelte.  Während  der  Zeit  von  1873—76  wurden  vo»
1000  Bergleuten  jährlich  37  5  ärztlich  behandelt,  also  über  ein  Drittheil,  218  davo"
litten  an  innern  Erkrankungen.  Die  Steinkohlenbergleute  athmen  Kohlenwasserstofsg"^'
Schwefel  und  Phosphorwasserstoff  in  großen  Mengen  ein.  Sie  werden  durch  diese  SuMpn
grubengase  langsam  vergiftet  und  nur  reichliche  Zufuhr  von  Sauerstoff  durch  die  Benü'
Moren  verringert  die  Athemnoth  und  das  Auftreten  von  andern  krankhaften  Zuständen.
Die  Steinkohlenbergleute  haben  eine  sogenannte  ..Kohlenlunge",  wie  der  medicinşş
Ausdruck  lautet.  Jeder  dauernd  in  Kohlenstaub-Atmosphäre  Beschäftigte  ist  derselben  n"sgesetzt.
  Beim  Beginne  der  Arbeit  schon  bestehende  Katarrhe  der  Athmungsorgane  uiķ
stützen  die  Entwickelung  dieser  Krankheit,  die  ausnahmslos  ungünstig  verläuft.  Ein
mittet  gibt  es  nicht,  da  die  im  Innern  der  Lunge  befindlichen  und  fest  eingelagerten  Fremdkörper, ­
  die  Kohlentheilchen,  nicht  wieder  zu  entfernen  sind.  Zu  den  Gewerben,  bei  denen
Arbeiter  ohne  chronischen  Luftröhrenkatarrh  wahrhafte  Seltenheiten  sind,  gehören  die  Kohle"-arbeitet.
  Nicht  Alle  suchen  natürlich  im  Hospital  Hülfe,  aber  immerhin  stellen  die  Kohlenarbeiter ­
  in  Hospitälern  22,4  Procent  aller  am  Bronchialkatarrh  Leidenden.
Man  nimmt  weiter  an,  daß  durchschnittlich  von  acht  bis  zehn  an  chronischen  Katarrhen
leidenden  Staubarbeitern,  zu  denen  die  Grubenarbeiter  gehören,  einer  in  der  zweiten  Lebenshälfte ­
  an  Athemnoth  und  Beklemmungen  erkrankt.  Die  Aussichten  auf  Wiedererlangung
der  vollständigen  Gesundheit  sind  alsdann  ganz  schlecht.  Unter  100  erkrankten  Kohle"'
arbeitern  litten  46,9  an  irgend  einer  Erkrankung  der  Athmungsorgane,  wovon  22,4,
fast  die  Hälfte,  auf  Bronchialkatarrhe  und  2  auf  Lungenschwindsucht  kamen.  Arbeitet  dO
Bergmann  stehend,  so  geschieht  es  mit  stark  vornüber  gebeugtem  Oberkörper  und  Bl"'
andrang  nach  dem  Gehirn;  Kopfschmerz,  ja  wirkliche  Hirnkrankheiten  sind  die  Folge;  ot,e *  j
er  arbeitet  mit  über  das  Haupt  erhobenen  Händen  und  dann  wird  das  Blut  nach  de"
Herzen  gedrängt  und  es  tritt  schnelle  Erschöpfung  ein.  Arbeitet  der  Hauer  in  ïuiecnt> el
Stellung,  so  sind  Local-Erkrankungen  des  Kniees  die  Folge.
            
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