Full text : Die Wirkung der Getreidezölle

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sprechende  Stellung-  Englands  dem  Weizen  gegenüber  in  Vergleich
zieht,  da  der  Einfuhrbedarf  Deutschlands  an  Roggen  durchschnittlich ­
  nur  600—700,000  Tonnen  beträgt.  Da  aber  diese  Menge  zu
mehr  als  drei  Vierteln  aus  Russland  bezogen  wird,  so  fällt  sie  doch
bei  der  Preisbildung  höchst  entscheidend  in’s  Gewicht.  Auch  für
die  Wirkung  des  Zolles  kommt  es  also  hauptsächlich  darauf  an,
wie  sich  Ernte  und  Vorräthe  in  Deutschland  und  in  Russland  zu
einander  verhalten,  und  insbesondere  wird  bei  beiderseits  günstiger
Ernte  die  Abwälzung  des  Zolles  auf  Russland,  das  eben  für  seinen
Ueberfluss  keinen  anderen  erheblichen  Absatz  findet,  wahrscheinlich
fast  vollständig  gelingen.  Weist  dagegen  die  deutsche  Roggenernte
einen  ungewöhnlichen  Fehlbetrag  auf,  so  wird  Russland  auch  bei
guter  eigener  Ernte  leichter  aus  diesem  Umstande  Nutzen  ziehen
können,  weil-  es  eben  der  Hauptlieferant  für  dieses  Getreide  ist  und
nicht,  wie  bei  Weizen,  überseeische  Mitbewerber  zu  fürchten  hat.
Im  Folgenden  vergleichen  wir  die  Roggenpreise  von  Danzig,
Berlin,  Köln  und  Bremen  nach  den  Angaben  der  Monatshefte  der
Reichsstatistik.  Der  Danziger  Preis  bezieht  sich  auf  Roggen  im
freien  Verkehr  von  etwa  71,5  Kilo  Hectoliter-Gewicht;  für  Berlin
ist  wieder  die  frühere  handelsübliche  Lieferungswaare  von  65,9  Kilo
(seit  October  1887  66,8  Kilo)  Qualitätsgewicht  gemeint;  der  Kölner
Preis  bezieht  sich  auf  fehlerfreien  rheinischen  Roggen  von  mindestens ­
  70  Kilo  Hectoliter-Gewicht;  der  von  Bremen  seit  1883  auf
unverzollten,  guten,  gesunden  südrussischen,  vorher  auf  Nikolajeff-Odessa-Roggen.
  Mannheim  hat  als  Handelsplatz  für  Roggen  bei
weitem  nicht  die  Bedeutung  wie  für  Weizen,  der  (nebst  dem  Spelz)
in  Süddeutschland  den  Roggen  als  Brodgetreide  entschieden  in  die
zweite  Reihe  gedrängt  hat.  Der  Mannheimer  Roggenpreis  ist
übrigens  meistens  nicht  viel  höher  und  zuweilen  niedriger  als  der
Kölner.  Für  die  Jahre  1880  bis  1884  stellen  wir  im  Folgenden  die
höchsten  und  niedrigsten  monatlichen  und  die  jährlichen  Durchschnittspreise ­
  (für  die  I  onne  von  1000  Kilo)  zusammen,  wobei  die
Monate  wieder  durch  die  eingeklammerten  Zahlen  bezeichnet  sind.

Jahr  Da,lzi *  B"lin  Köln  Bremen
1880  Niedrigster  Mon.-Pr.  157,«(.)  167,„(<)  187,,ob)  164,00(4)
Höchster  Mon.-Pr.  .  204,.(„)  215,00(1,)  222, 0 (n,..)  202,„(„)
Jahresdurchschnitt  .  180,«,  187, 90  2  04,«,  179, 74
            
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