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steigt in noch stärkerem Verhältnis und steht im October 49,50 Mark,
im December 48 Mark über dem Bremer, während die Differenz im
April nur 25,73 Mark betragen hatte. Während uns also das Jahr 1885
ein Beispiel dafür bot, dass die Preisdifferenz des einheimischen und
des unverzollten fremden Roggens durch stärkeres Sinken des letz
teren zunehmen kann, haben wir im Jahre 1888 ein Beispiel des
Wachsens dieser Differenz in Folge rascheren Steigens des ein
heimischen Preises. Der Unterschied war dadurch bedingt, dass
Deutschland in dem ersteren Jahre eine bessere Ernte hatte, als in
dem letzteren. In Russland allerdings standen die beiden Ernten
im entgegengesetzten Verhältniss; anderenfalls würde die Preis
steigerung von 1888 in Deutschland noch bedeutend weiter gegangen
sein, während jetzt der höchste in Berlin erreichte Monatspreis noch
33 Mark upter dem Durchschnittspreis der Jahre 1879—1885 ge
blieben ist.
vm.
Die obigen Einzeluntersuchungen stimmen im Ganzen mit den
vorausgeschickten allgemeinen Betrachtungen befriedigend überein;
zugleich aber lassen sie erkennen, dass von einer einheitlichen Wir- I
kung der Getreidezölle in einem grossen Lande wie Deutschland
gar nicht die Rede sein kann, dass vielmehr fortwährend sehr ver
schiedenartige örtlich bedingte Wirkungen nebeneinander auftreten,
die theils in dem einen, theils in dem anderen Sinne gerichtet sind
und nur rechnungsmässig zu einem Gesammtergebniss vereinigt
werden können, das aber nirgendwo konkret hervortritt.
Die Preisbildung erfolgt nicht nur im Osten unter wesentlich
anderen Bedingungen als im Westen, sondern in jedem dieser
Hauptgebiete gibt es wieder mehrere Bezirke, die durchschnittlich
ständige Preisdifferenzen, zeitweise aber auch von einander unab
hängige Preisbewegungen zeigen. Die Preisunterschiede zwischen
den massgebenden Märkten dieser Bezirke sind häufig weit grösser,
als die Differenz der für die Zufuhr von aussen aufzuwendenden
Transportkosten, wie das namentlich aus einem Vergleich der Weizen
preise in Köln und in Mannheim ersichtlich ist. Mannheim hat eben
die ständige Aufgabe, die ihm Köln nicht abnehmen kann, die Er-