206 Hite, Geburtenrüdgang und Sozialreform
tnd die Hauptarbeit der Durchführung zufallen. Hier kann auch nicht für jede Auf»
yabe eine befondere Organifation gefchaffen werden. In jeber, auch der einfachtten
Landgemeinde aber follte ein Familienaus[chHußB gebildet werden, mit dem
ber Mfarrer regelmäßig Beratungen pflegt, wie den Familien mit Nat und Tat zu Hel-
jen ilt, mo Gefahren drohen und wie insbefondere die Jugend davor zu bewahren
it, was zu ihrer fittliden und phyfilchen Erftarfung gefhehen kann uf. Dabei find,
oweit caritative Vereine (Vinzenzverein, EClijabethHenverein) oder Standesvereine
NMütterverein, Jurgendverein, Bauernverein und DarlehHnskalje, Gewerkfchaft u[m.)
heitehen oder gegründet werden Können, diefe tunlichft zur Mithilfe heranzuziehen,
Die Mitglieder des Familienausichuffes müfjffen Männer und Frauen von Anfehen
ind Einfarß und erprobten Charakter fein, in erfter Linie Väter und Mütter, die
elbit die Schwierigkeiten des Lebens durchgemacht Haben. Ihr Auge wird weiter
ceichen al3 das des Pfarrers. . Ihr Wort wird Eingang und Verjtändnis finden, wo
dem Riarrer die Tür verfdloffen, das Gehör verfagt bleibt. „Organijation” {ft die Pa-
cole für alle Bedürfniffe der Zeit; auch in den einfachiten VBerhältniffen behauptet fie
hr Recht. — Eine befondere Nufgabe ijft e8: den Rekuten und jegt den hHeimkehrenden
Rriegern eine erhöhte Teilnahme und Fürforge zuzumwenden. Die Erhaltung und
Wiedergewinnung der innigen hHeimatlihen Beziehungen find der befte Schug gegen
bie Verlodungen und Gefahren, die nun einmal das militärijdhe Leben bietet, Das
felbe gilt aber au für die Söhne und Töchter der Gemeinde, die draußen ihr Brot
ucen müffen.
Was wir bezüglich der Bedeutung und der Aufgaben der Seeljorge
in der IatholiihHen Kirche ausgeführt Haben, gilt gewiß in weitem Unıfange,
wenn auch in andern Formen, auch für die andern Religionzgemein-
ichaften. Die evangelijhe Landeskirdhe findet dabei eine befondere wirk-
ame Hilfe in der „Innern Miffion“. — Neben der Kirche ijt e& die
Schule, die die Liebe zur Familie weden, das VBerfjtändnis für das
Slück des Familienleben8 erjhließen, die Tugenden, die das Familien-
glüct begründen: SGehorfam, dankbare Gefinnung und Pietät gegen die
Eltern, Opferjinn und Liebe für die GefHwijter u. a. pflegen und
fördern muß. Lehrer wie Seelforger follen [id als die treuen SGehilfen
der Eltern bewähren; fie werden auch ftetz mit Hochachtung von Ihner
brechen, fid) teilnehmend nad ihnen und den SGejhwijtern erkundigen,
jie werden den Kindern die Wege zeigen und ihnen Helfen, wie fie den
Eltern und GejHwijtern Freude machen können, 3. B. durch ECrlernung
eine8 Gedichte für Familienfejte, Pflege der Bollsliede3, des VBorlefens,
der häuslichen Unterhaltung und Spiele. Durch Eltenabende werden fie
auch direkt mit den Familien Beziehungen gewinnen. Wie Schule und
Rehrer auch für die Häusliche Ausbildung der Mädchen, für den Gartenbau,
Dbftbau (Banumihule), in der Iugendpflege und der fonftigen Wohlfahrts-
pflege mittvirfen fönnen, it bereit8 mehrfach erörtert.
Dit mehr noch al8 das Wort de3 Seiftlidhen ift die Anjhauung und der
Nat des Arzte8s in dielen Fragen in den Familien von Bedeutung.
Leider, daß hier vielfach Auffajfungen beftehen, die nicht bloß mit den Ge»
leben des Chrifltentums, fondern auch mit den Forderungen des nationaler: