Metadata : Ferdinand Lassalle

eine  gefeierte  Schönheit  gewesen  war.  Das  sah  man  ihr
freilich  nicht  mehr  an.  Sie  wirkte  auf  mich  auch  älter,
als  sie  war;  aber  sie  hatte  in  ihrem  ganzen  Wesen  etwas
ungemein  Liebenswürdiges,  Artiges;  und  die  Art  und
Weise,  in  der  die  Gräfin  und  Lassalle  miteinander  verkehrten, ­
  mußte  jeden  Unbefangenen  aus  das  angenehmste ­
  berühren:  von  seiner  Seite  wahrer  Re'pekt,
dankbare  Verehrung,  von  ihrer  Seite  wärmstes  freundschaftliches ­
  Interesse  an  allem,  was  ihren  jungen  Freund
berührte,  und  feinstes  Verständnis  eines  jeden  Wortes,
das  er  sprach.  Unser  gemeinsames  kleines  Diner  verlief
in  angeregtester  und  heiterster  Stimmung.

Mit  welchem  Schwung  Lassalle  auch  in  dieser  letzten  Zeit  am
Werke  war,  nicht  ermattet  und  nicht  im  geringsten  mutlos,  das
beweist  der  folgende,  am  13.  März  1864  geschriebene  Jubelbrief
an  seine  Schwester.  Gleich  nach  der  Prozeßgeschichte  setzt  ein
zarteres  Thema  ein.

Geliebtes  Kind!
Gestern  war  große  Bataille:  Mein  Hochverratöprozeß
fand  vor  deni  Staatögerichtshof  statt.  Es  ging  hart  her.
Der  Oberstaatsanwalt  plädierte  in  Person  und  beantragte ­
  bloß  die  Kleinigkeit  von  drei  Jahren  Juchthaus, ­
  fünf  Jahre  Stellung  unter  Polizeiaufsicht  und
hundert  Taler  Geldstrafe.  Die  Sitzung  dauerte  von
zehn  Uhr  bis  sechs  Uhr.  Ich  plädierte  vier  Stunden,
stellenweise  mit  der  Wut  eines  hyrkanischen  Königstigers! ­
  Drei-  bis  viermal  wurde  ich  durch  ein  wahres
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.