ausgebaut worden ist, sogenannte Luxusab-
wehrzölle. Ich kann Ihnen aus meiner doch
jetzt vier Jahre zurückliegenden Tätigkeit am
Zolltarif sagen, daß unaufhörlich aus allen
Kreisen der deutschen Wirtschaft gegen diese
sogenannten Luxuszölle angegangen wird —
2atürlich nur soweit der Betreffende nicht ge:
‚ade das betreffende Produkt selbst fabriziert!
Die Kehrseite dieser Medaille ist: wenn
wir heute dem Auslande gegenüber erklären,
laß wir entschlossen sind, durch höhere Zoll:
sätze die Luxuseinfuhr — und über den Be:
griff Luxus kann man ja schon sofort streiten
— abzuwehren, dann wird die Antwort zuz
nächst in England sein, daß man auf Grund
des neuen. Industrieschutzgesetzes. uns, ders
artıge. Einfuhrmauern,.entgegenstellt, _ daß
unsere. Ausfuhr nach. England leiden. muß.
Und die anderen Länder haben andere
Mittel, um sich gegen unsere Einfuhr zu
wehren.
Nun frage ich aber: war denn der Ein:
fuhrüberschuß wirklich nur im großen Um:
fange ein Luxusüberschuß? Ist denn die Tat-
sache, daß ausländische Seidengarne einge:
führt werden, ein Beweis dafür, daß in
Deutschland der Luxus überhand genommen
hat, oder nur lediglich ein Beweis dafür, daß
die deutsche Seidenindustrie rührig geblieben
ist und versucht hat, ihre Produktion auf der
Höhe zu halten? Ist denn die erhöhte Einfuhr
von Garn, von Kammgarn ein Beweis dafür,
daß man hier etwa dazu übergegangen ist, an
Stelle von halbwollenen Stoffen nur ganz
wollene Stoffe zu tragen?
Das erstaunliche in der Entwicklung der
deutschen Wirtschaft in den letzten 3 Jahren
ist für mich gewesen, daß zunächst die Kurve
in der Qualität nach oben ging, entsprechend
den steigenden Löhnen, daß man. lange. Zeit
erklärt hat, daß man in Deutschland nur noch
wollene_Stoffe_— ich spreche von_Kleider-
stoffen. —. tragen wolle, _um_ die Relation
zwischen Stoff und Macherlohn wieder zu fin
den, Ehe diese Kurve nun wirklich ihre steilen
Punkte erreicht hatte, begann ein Absacken;
ınd wir müssen es mit Betrübnis feststellen,
daß heute schon wieder die Parole in dem
größten Teil der deutschen Wirtschaft lau-
tet: nur billig, billig und noch einmal billig,
sinerlei, wie die Qualität aussieht. Meine
Herren, das ist die größte Gefahr, die für die
jeutsche Wirtschaft erwachsen kann. Solange
es sich bei dieser Minderung der Qualitäten
1ur darum handelt, den Inlandbedarf zu bes
iriedigen, kann man vielleicht die Erklärung
Snden, daß die gesunkene Kaufkraft des Vol:
ces höhere Qualitäten nicht mehr im Augen:
ılick erwerben kann. Soweit unsere Ausfuhr
n Frage kömmt, sehe ich in der Herstellung
»illiger Qualitäten und in dem Versuch, nur
ıllein durch Dumping den Auslandsmarkt auf.
;echtzuerhalten, die schwerste und aller-
arnsteste Gefahr für die gesamte deutsche
Wirtschaff,
Ich habe darauf hingewiesen, daß die eng-
ische Ausfuhr in ihrer Gesamtheit und die
Spezialau$fuhr noch besonders außerordent:
ich gesurtken sind. Ich muß zum Schluß eine
Erklärung wiederholen, die ich gestern in dem
ıngeren Kreise des Präsidiums abgegeben
1abe, eine Erklärung, die mir von manchen
Mitgliedern des Reichsverbandes stark ver:
ibelt worden ist.
Ich Hehaupte, daß die Ziffern unserer Ein
ınd Ausfuhrstatistik falsch sind. Ich Stütze
mich dabei auf meine mehr als zwei jahr“!
zehntelangen Erfahrungen bei der Fest:,
stellung unserer Handelsstatistik. Ich stehe‘
ıuf dem Standpunkt, daß ein Interesse der
Jeutschen Wirtschaft daran besteht, die Ein-
“ührziffern sehr groß und die Ausfuhrziffern
ehr niedrig erscheinen zu lassen. Ich bin
erner der Meinung, daß die Änschreibungen
n der Statistik dauernd mangelhaft sind. Und
wenn der Herr Staatssekretär von Simson
vorhin erklärt hat, daß in 2000 Jahren die
Medizin keine Fortschritte gemacht hätte und
ıeute nicht viel mehr wüßte, wie es im Innern
jes Körpers aussieht, so kann ich ihm er-
widern, daß die Statistik, die ja sehr große
„eute schon die feilste Dirne genannt haben,
veil sie jedem zugänglich ist, weder in ihrer
'nneren Konstruktion, noch in der Auswir-
zung ihrer Zahlen irgendwelche Fortschritte
semacht hat. (Sehr richtig!) Es ist ein fort:
vährendes Experimentieren in der Leitung
ler statistischen Ämter, in dem Aufbau der
;tatistischen Zahlen, die mich die Hoffnung
ıegen läßt, daß diese Statistik gegenüber
ınserer Zahlungsbilanz, die ja, wie uns der
Terr Kollege Bücher so musterhaft klar aus-
»inandergesetzt hat, gar nicht so ungünstig
‚ussieht, falsch sein muß. Und darum habe ich
lie dringende Bitte an Sie alle zu richten,
hrerseits doch einmal den Versuch zu
nachen, auf dem speziellen Arbeitsgebiet, auf
lem Sie tätig sind, von Verbänden und allen
loch einmal Ihre Produktions; und Auslie-
'erungsziffern mit den Ausfuhr: und Produk-
:jonsziffern der Vorkriegszeit zu vergleichen
ınd dann einmal die Anschreibungen für Ihr
sigenes Fach mit Ihren tatsächlichen Er-
nittelungen zu vergleichen. Sie werden zu er: