Neue Gesellschaft, nenes Seelenleben.
1. In der soeben beendeten Schilderung der wirtschaft—
lichen Entwicklung vornehmlich vom Dreißigjährigen Kriege
bis ins 18. Jahrhundert hinein sind die einzelnen Entwicklungs—
reihen beinahe verbindungslos nebeneinander gestellt worden.
Es entspricht dem Stande der Forschung, die, Deutschland als
Ganzes betrachtet, noch nicht weiter fortgeschritten ist als bis
zur Herstellung von allerdings teilweise trefflich behauenen
Bausteinen für die Wirtschaftsgeschichte dieser Zeiten.
Läßt sich aber nicht doch schon der allgemeine Verlauf
wenigstens in seinen wichtigsten Zügen feststellen? Eben aus
der Betrachtung der Einzeldarstellungen des vorigen Abschnittes
her in Verbindung mit einigen allgemeinen Beobachtungen darf
es versucht werden.
Da ist denn die erste, unbezweifelte und charakteristische
Tatsache, daß die deutsche Volkswirtschaft seit dem 16. Jahr—
hundert etwa durch vier Menschenalter hindurch bis mindestens
in die Zeit nach dem Dreißigjährigen Kriege in ein bedenk—
liches, ja bedrohliches Stocken geraten war.
Es ist eine Erscheinung, die Deutschland mit dem ganzen
kontinentalen Europa teilte, dem mittleren wie dem östlichen,
mit Italien, Ungarn, Polen und auch Rußland, soweit von
diesem schon gesprochen werden darf. Und insofern fiel sie
natürlich nicht Ursachen der inneren, spezifisch heimischen