Full text: Vergangenheit und Zukunft der Sozialwissenschaften

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ter erhält, wenn Physiologie, Biologie, Chemie usw. 
ihre an sich wissenschaftlich ziemlich gleichgültigen 
Tatsachenmengen verarbeiten, — und wenn der histo 
rische Rohstoff andererseits zur Basis von Abstrak 
tionen wird, wenn sich direkt aus ihm und an ihm 
Regelmäßigkeiten ergeben, die sich mehr oder weni 
ger allgemein formulieren lassen. 
Das nun geschah damals: Man begann die Ge 
schichte immer mehr mit dem Auge des Theoretikers 
zu betrachten und in der Geschichte immer mehr nach 
Notwendigkeiten zu suchen. Schon auf fachhistori 
scher Seite sehen wir eine Wendung nach dieser 
Richtung — daher das Präponderieren der Kulturge 
schichte in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts, da 
her die Neigung zu großen Ausblicken auf die „Ge 
schichte der Menschheit“ in ihrer Gänze, ein Aus 
druck, der fast zu einer Modephrase wurde. Der 
Sinn für die Notwendigkeiten, für das Wesen, für die 
Gründe der Dinge zeigte sich auch hier. Aber hoch 
interessant ist es, zu beobachten, wie weit sich dieses 
Interesse außerhalb des engsten Fachkreises vor 
wagte und wie gesund sein Instinkt war. Möchte 
man es glauben — Iselin begann seine „Geschichte 
der Menschheit“ (1791) mit einer Psychologie und 
wendete das dann in der Weise auf die Geschichte 
an, daß er Entwicklungsstufen unterschied, die er 
psychologisch charakterisierte, was also jene Methode 
der Geschichtstheorie ist, die in unseren Tagen durch 
Karl Lamprecht zu neuem Leben erweckt wurde. 
Natürlich, psychologisch wie historisch gibt uns Iselin 
genug zu entschuldigen, wie denn, sei es gleich ge
	        
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