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Alt-Kifjas íícwerhlichcs Leben.
Schusterbrücke (pons siitorum) wird erwähnt wohl in nächster
Nähe der Pforte gleichen Namens.
Ähnlich stösst man in dem Reval des vierzehnten Jahrhunderts
auf eine Schmiede-, Schneider-, Krämer- und Schuhstrasse, wie auf
eine Hadstüberpforte (Porta bahteatoruni)'^.
Ohne Zweifel war die Anordnung, alle Handwerker der gleichen
Art in eine Strasse zu verweisen, nie streng durchgeführt und
überhaupt das gewerbliche Leben nicht auf bestimmte Gegenden
beschränkt. An verschiedenen Stellen innerhalb der Stadt, theil-
weise auch ausserhalb, aber noch zum Weichbilde gehörig, zeigen
sich Gebäude, die zu gewerblichen Zwecken dienten.
Mühlen gab es vor der Stadt, auf dem Holm, vor der Sand
pforte, vor dem Schlosse und vor der Weberpforte. Sie wurden
grösstentheils, bis auf eine Wassermühle und bis auf eine, deren
Motor, wie^ aus der Bezeichnung ,^perdcinole^^ oder „rosinole^^
ersichtlich, die Pferdekraft war, vom Winde getrieben. Die Ross
mühlen schliessen in der Entwickelung bekanntlich an die Hand
mühlen an; seit Ciceros Zeit kamen die Wassermühlen, seit dem
9. Jahrhundert die Windmühlen auf, und zwar zuerst die unvoll
kommenen deutschen. Die sogenannten holländischen Windmühlen
gehören erst der Mitte des sechszehnten Jahrhunderts an®.
Die Zahl der älteren rigischen Mühlen festzustellen, macht
Schwierigkeiten, weil einige der unter verschiedenen Namen vor
kommenden identisch sind. Sicher lassen sich von 1382 bis 1482
auseinanderhalten die Sandmühle, die Windmühle auf dem Rige-
holm, die Pferdemühle, die Bruder Bertholdsmühle, dem Erzbischof
gehörig, die Domherrenmühle, dem Domkapitel gehörig, und eine
wie es scheint auf Kosten der Stadt errichtete Sägemühle (zage-
inölle), im Ganzen mithin sechs. Sie scheinen bis auf die letztere
Getreidemühlen gewesen zu sein und gehörten, abgesehen von den
beiden in geistlichen Händen befindlichen, der Stadt, die für ihre
Erhaltung zu sorgen hatte und sie zu verpachten pflegte. Ob Mühlen
und wieviele im Privatbesitz waren, entzieht sich unserer Kenntniss.
Die Sägemühle erscheint insofern als ein besonders bemerkens-
werthes Institut, als nach allgemeiner Annahme sich diese Etablisse
ments meist erst seit dem 16. Jahrhundert (in Norwegen, Holstein,
1 Napiersky, Erbeb. I, Nr. 17.
2 Arbusow, Das älteste Wittschopbuch cl. Stadt Reval. E. v. Nottbeck, Das
Zweitälteste Erbebuch der Stadt Reval. 1888-i8qo.
® Roscher, Ansichten der Volkswirthschaft. 1878. II, S. 180.