Object: Statische oder dynamische Zinstheorie?

AR 
Alfred Amonn scheint anzunehmen, daß der Bankier 
auf sein Zinseinkommen nicht verzichten will, und kommt damit 
zu dem Schluß, daß, wenn Sich der Zifs erst einmal vom Unter-” 
nehmergewinn abgespalten hat, er auch in der Statik als ständiger 
Kostenbestandteil bestehen muß, da sonst die Unternehmer 
Verluste erleiden. würden, Andererseits: kann er aber nach 
Amonns Ansicht für den einzelnen Fall eliminiert werden, 
indem die entliehene Kaufkraft dem Bankier aus einem die 
Zinsen übersteigenden Überschuß des Unternehmergewinns 
zurückgezahlt wird!). Dieser Schluß ist allerdings recht sonder- 
bar, so meinen wir. Wenn einige Unternehmungen dauernd 
ein Agio erzielen können, um damit die Zinsverpflichtungen 
gegenüber dem Bankier zu bestreiten, so müssen auch. diejenigen 
Betriebe, die.mit.eigenem Kapital arbeiten, ein entsprechendes 
Agio erzielen, da sonst sofort eine Bewegung einsetzen würde; 
um. die--Gewinne” der” erstgenannten- Betriebe, zu beseitigen. 
Damit ist aber eine statische Erklärung des Zinses gegeben?). 
der Bankier einen bestimmten Zinsfuß erreichen will, so können ihn ge- 
gebenenfalls die gerade durch diesen Zinsfuß hervorgelockten Sparsummen 
daran hindern, Oder aber, wenn er den Zins eliminieren will, so verschwindet 
das Angebot der Sparsummen, die nur des Zinses wegen dargeboten werden, 
so daß eine Verknappung des Subsistenzmittelangebotes eintritt und die 
Zinselimination, wenigsten vorläufig, in Frage gestellt ist. Das wird bei 
der Diskussion des ersten und zweiten Grundes noch in einem klareren 
Lichte erscheinen. 
1) Amonn, Alfred: Die Probleme der wirtschaftlichen Dynamik, 
Arch. f. Sozialwiss. u. Sozialpol., 38. Bd., Tübingen 1914, S. 109/10, be- 
sonders S. 110, Anm, 17, 
2) Vgl. Vogel, Die- Theorie des volkswirtschaftl. Entwicklungs- 
prozesses u, d. Krisenproblem, S. 199 Anm. 31. Anscheinend will Amonn 
mit der eben kritisierten Bemerkung eine letzte Konzession an Schum- 
peter machen, indem „Zins“ für ihn nur das für die vom Bankier ent- 
jiehene Kaufkraft bezahlte Aufgeld ist, während ein „ursprünglicher‘‘ 
Zins für ihn nicht existiert. Auf diese Weise entsteht aber folgendes 
Dilemma: In der Statik erzielen gewisse Betriebe Überschüsse über die 
Kosten, was in der Statik nicht möglich ist. In späteren Ausführungen 
zieht Amonn dann auch gegenüber Schumpeter einen deutlichen 
Trennungsstrich: „Der empirische Umfang des Zinsphänomens 1äßt 
sich erst von Seite der Dynamik her erkennen, aber das Wesen des 
Zinses findet sich auch in der Statik‘‘ (Amonn, Grundzüge, S. 281, vgl. 
auch S. 284, 287). Und wie aus seinen sonstigen Ausführungen hervorgeht, 
ist der Zins für ihn ein Agio an konkreten Gütern, und es gibt für ihn auch 
„ursprünglichen‘‘ Kapitalzins (vgl. Amonn, Grundzüge; S. 254/62, 274).
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.