Full text : Die wirtschaftlichen und politischen Motive für die Abschaffung des britischen Sklavenhandels im Jahre 1806/07

104

XXV  1.

britischen  Sklavenhandels  zunächst  nicht  berührt  worden.
Mannigfache  Umstände  vereinigten  sich,  auch  diesem  Handelszweig ­
  unmittelbar  darauf  den  Untergang  zu  bereiten.
Als  der  wichtigste  von  ihnen  sei  der  in  der  ganzen
bisherigen  Literatur  noch  nie  berücksichtigte  Interessenkonflikt ­
  zwischen  den  Pflanzern  der  älteren  und  denen
der  neueren  britisch  -  westindischen  Inseln  hervorgehoben.
Er  brachte  in  dem  eigenen  Lager  derer,  die  bisher  geschlossen ­
  gegen  jedwede  Abolition  gestritten  hatten,  einen
Zwist  zum  Ausbruch,  an  dem  der  letzte  Widerstand  zerschellen ­
  sollte.
Die  bisherigen  Importverbote  bezogen  sich  auf  <lie  ausländischen ­
  Kolonien  oder  auf  die  während  des  seit  1803  wieder
ausgebrochenen  Krieges  gemachten  Eroberungen.  Zu  beiden
Gebietsarten  nahmen  das  ehemals  spanische,  seit  1802  englisch
gewordene  Trinidad,  sowie  in  gewissem  Sinne  auch  die  drei
holländischen  Guyanakolonien  —  insofern  nämlich  die  britische
Regierung  sie  dauernd  zu  behalten  wünschte  (siehe  die  1800
eingeleiteten  Friedensverhandlungen  bei  Thiers,  1806)  —  eine
besondere  Stellung  ein.  Laut  Friedensvertrag  gehörte  Trinidad
seit  1802  mit  genau  denselben  Rechten,  wie  die  schon  vor
1793  von  England  besessenen  Gebiete,  zu  dem  Verband  der
britischen  Sklavenkolonien.  Bei  der  Übergabe  waren  nur
über  die  innere  Verwaltung  und  Rechtssprechung  gewisse  Vereinbarungen ­
  getroffen  worden  (Southey  III,  S.  279  und  309);
die  Sklaveneinfuhr  stand  ihm  vorläufig  frei.  Diese  Freiheit
aber  stand  zu  den  Lebeusinteressen  der  älteren  britischen
Kolonisten  in  striktem  Gegensatz;  denn  Trinidad  hätte  unter
britischer  Verwaltung  und  unter  sonst  gleichen  Erwerbsbedingungen ­
  wegen  seiner  gröfseren  Ertragsfähigkeit  binnen  kurzem
sämtliche  übrigen  britischen  Zuckerkolonien  im  Konkurrenzkampf ­
  geschlagen,  einen  erheblichen  Teil  ihrer  Zuckerproduktion ­
  an  sich  gerissen  und  deren  ohnehin  auf  schwachen
Füfsen  ruhenden  Plan  tagen  Wirtschaft  den  Rest  gegeben.
„Trinidad  hatte  so  viel  kulturfähiges  Land  (über  800000  acres),
dais  es  in  wenigen  Jahren  mit  Leichtigkeit  100000  hgd.  Zucker
und  eine  entsprechende  Menge  Rum,  Baumwolle  usw.  (d.  h.
mehr  als  Jamaika)  hervorgebracht  und  fast  den  gesamten
Bedarf  Grofsbritanniens  gedeckt  hätte“  (Fr.  M.  Eden,  S.  70
u.  77).  Wegen  seiner  Fruchtbarkeit  hätte  es  notwendig  den
Hauptstrom  des  britischen  Kapitalszuflusses  und  der  Negerimporte ­
  an  sich  gerissen.
Dafs  dies  keine  leeren  Befürchtungen  waren,  beweist
sein  rapider  Aufschwung  während  der  kurzen  Okkupationszeit, ­
  die  dem  Frieden  von  Amiens  voranging.  Von  1798
bis  1802  hatte  es  seinen  Sklavenbestand  fast  verdoppelt,  wie
folgende  Zahlen  bekunden  (Southey,  III,  S.  149,  189,  228  u.
339):
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.