Full text : Die wirtschaftlichen und politischen Motive für die Abschaffung des britischen Sklavenhandels im Jahre 1806/07

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XXV  1.

Tote  angemeldet  wurden.  Acht  bis  neun  Mann  verlor  durchschnittlich ­
  jedes  aus  England  absegelnde  Sklavenschiff,  bei
einer  mittleren  Besatzung  von  30—40  Mann  (Clarkson  S.  57).
1786  waren  rund  5000  Seeleute  im  Sklavenhandel  beschäftigt.
Davon  kehrten  heim  2320;  auf  den  Totenlisten  standen  1130;
in  Westindien  entlassen  oder  desertiert  waren  1470,  daselbst
neuangeworben  610,  so  dafs  etwa  860  als  Vermifste  in  Westindien ­
  verblieben  sein  müssen,  von  denen  nur  wenige  auf
Kriegsschiffen  oder  sonstwie  nach  England  zurückgekehrt  sein
können.  Die  Mehrzahl  von  ihnen,  vielleicht  500,  trieb  sich
elend  aus  Krankheit,  Hunger  und  Not  als  Proletarier  auf  den
Strafsen  Jamaikas  herum.  Zusammen  mit  den  1130  Verstorbenen ­
  sind  mithin  im  Jahre  1786  im  ganzen  1630  Matrosen
dem  Vaterlande  verloren  gegangen.  Ebenso  war  es  früher
und  später  (ibid.  S.  63).  Bei  je  900  verschifften  Sklaven  setzte
Grofsbritannien  60  Seeleute  zu!  Alle  übrigen  Handelszweige
zusammengenommen  hatten  nicht  mehr  Verluste  (Impol.  S.  136).
Also  nicht  als  eine  Pflanzschule,  sondern  als  das  Grab  für
unsere  Marine  mufs  der  Sklavenhandel  bezeichnet  werden.  In
seiner  Verurteilung  geht  Clarkson  so  weit,  zu  wünschen,  dafs
man  Frankreich  Englands  Anteil  daran  ruhig  überlassen  sollte,
weil  auf  diese  Weise  die  französische  Flotte  am  sichersten
zugrunde  gerichtet  würde  (Impol.,  S.  134)!
Über  so  schwere  Anschuldigungen  konnten  die  amtlichen
Untersuchungen  nicht  mit  Stillschweigen  hinweggehen.  Der
Report  von  1791  (siehe  „Abstract  of  the  Report  of  the  H.  o.  C.
on  the  Slave  Trade  in  1790  und  1791)  enthält  sehr  eingehende,
unanfechtbare  Ergebnisse  über  die  Sterblichkeitsverhältnisse
der  Matrosen  an  Bord  der  Afrikafahrer.  Sie  bestätigen  den
von  Clarkson  mitgeteilten  Bericht  (siehe  Wilberforce,  II.  o.  C.,
18.  April  1791).  „Während  der  Zeit  vom  September  1784  bis
Januar  1790  waren  nach  dem  Ausweis  der  dem  königl.  Kommitee
  vorgelegten  Musterungsrollen  auf  350  Sklavenschiffen
12  263  Matrosen  beschäftigt.  Nur  5760  von  ihnen  kehrten
heim.  Von  den  übrigen  6503  waren  vor  ihrer  Ankunft  in
Westindien  2643,  d.  h.  mehr  als  Ve  des  ursprünglichen  Mannschaftsbestandes, ­
  gestorben.“  Das  Schicksal  der  übrigen  3860,
das  in  den  Musterungsrollen  nicht  erwähnt  ist,  erfährt  man
aus  folgenden  Zeugnissen  (siehe  auch  Blake,  S.  136  ff.)  :  Kapitän
Hall:  Die  Matrosen  befinden  sich,  wenn  sie  in  Westindien  ankommen, ­
  gewöhnlich  in  einem  kranken,  entkräfteten  Zustande.
„They  are  the  most  miserable  objects  he  ever  met  with  in
any  country  in  his  life.“  Oft  waren  ihnen  die  Zehen  abgefault,
ihre  Beine  bis  zum  Umfang  ihrer  Schenkel  angeschwollen  und
in  gänzlicher  Verschwärung  begriffen.  So  sah  man  sie  auf
den  Werften  von  Barbadoes,  Antigua,  Jamaika.  „Von  70  Mann,
die  auf  Sklavenschiffen  gedient  hatten,  waren  nur  30  zum
Dienst  auf  einem  Kriegsschiff  tauglich,  und  das  soll  nicht
            
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