Full text : Antike Wirtschaftsgeschichte

28  Zweites  Kapitel.  Zeitalter  des  Schatzhandels  in  Griechenland.
gender  Dorfschaften  zusannnensiedelten  (Strabo,  Vili  3),  sei  es
in  einem  der  bisherigen  Orte,  sei  es  in  einem  neugegründeten
Zentrum,  ein  Vorgang,  der  sich  noch  häufig  in  historischer  Zeit
wiederholte.  Die  gesamte  Griechenheit  hat  sich  aber  damals  ebensowenig ­
  wie  in  den  nächsten  Jahrhunderten  als  Ganzes  organisiert.
Die  Zersplitterung  ist  immer  für  die  Griechen  charakteristisch  geblieben, ­
  sie  förderte  zwar  eine  überaus  nlannigfaltige  und  rege
Kulturentwicklung,  lähmte  aber  die  politische  Widerstandskraft,  so
daß  es  als  ein  glückliches  Zusammentreffen  bezeichnet  werden  muß,
daß  die  heranreifende  griechische  Welt  zunächst  mit  keinem  der
großen  Weltreiche  in  nähere  Berührung  trat.
Zu  Beginn  des  ersten  Jahrtausends  sind  die  großen  Königsherrschaften ­
  der  mykenischen  Epoche  meist  verschwunden.  Wir  finden ­
  nun  neben  dem  Könige  einen  starken  gruudbesitzenden  Adel,
dessen  Macht  sich  immer  mehr  vergrößerte,  bis  schließlich  das
Königtum  im  8.  Jahrhundert  fast  überall  beseitigt  wurde.  Nur
in  Sparta,  das  auch  sonst  eine  eigentümliche  Entwicklung  durchmachte, ­
  treffen  wir  es  in  modifizierter  Form  weit  länger  an
(S.  91).  In  den  Ländern,  die  damals  den  Großgrundbesitz  bereits
kannten,  wurde  der  freie  Bauer,  der  halbfreie  oder  unfreie  Knechte
nicht  in  genügender  Zahl  besaß,  vielfach  genötigt,  sich  mit  der  Bebauung ­
  des  Bodens  zu  befassen,  den  Krieg  und  daher  die  Beute
mußte  er  dem  Adel  überlassen.  Denn  in  den  Krieg  zu  ziehen  war
damals  der  Beute  wegen  in  weit  größerem  Maße  ein  Recht  als
eine  Pflicht.  Die  Zahl  der  Landwirte,  die  nur  ein  kleines  Stück
Land  besaßen  und  nebenbei  Arbeit  für  die  Großen  leisten  mußten,
mag  in  vielen  Ländern  sehr  angewachsen  sein.  Die  Adelsgeschlechter
waren  häufig  die  Leiter  des  Staatswesens,  sie  schirmten  den  kleinen ­
  Mann  und  beuteten  ihn  entsprechend  aus.  Die  Bedeutung
der  Städte,  die  zum  großen  Teil  erst  damals  entstanden,  begann
zu  wachsen,  sie  bildeten  die  politischen  und  wirtschaftlichen  Zentren,
dort  befand  sich  die  Zentralregierung,  dort  wurden  die  Volksversammlungen ­
  abgehalten,  wo  eine  solche  noch  ihre  Bedeutung  bewahrt ­
  hatte,  dort  wurde  Recht  gesprochen.  Nur  wer  neben  seinem
Grund  und  Vieh  ein  Haus  in  der  Stadt  hatte,  konnte  ohne
Schwierigkeit  auf  die  Leitung  des  Gemeinwesens  Einfluß  nehmen,
der  kleine  Bauer  vermochte  nur  selten  hinzukommen  und  wurde
dadurch  noch  weiter  entrechtet.
Neben  den  Freien,  die  rechtlich  oder  tatsächlich  oft  eine  sehr
verschiedene  Stellung  im  Staatswesen  einnahmen,  standen  Halb-
            
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