Getreideimport, Bevölkerung. 61
welche der internationale Großhandel in Getreide und ähnlichen
Produkten beanspruchte, genügte die Flotte.
Die Stellung der großen Städte wie die Athens im Handel des
Mittelmeerbeckens brachte das Wesen der internationalen Ar
beitsteilung denkenden Köpfen jener Zeit zum Bewußtsein, nicht
derselbe Staat produzierte Flachs und Holz, auch konnte man nicht
waldreiches Bergland in flachen Flachsboden verwandeln, wenn das
Bedürfnis dazu da war. Athen hatte nun ähnlich wie England am
Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts große Vorteile
von dieser Teilung, indem es den Austausch vieler Produkte in die
Hand nahm und sich auf die Erzeugung einiger Jndnstrieerzeugnisse
in erster Reihe beschränkte, wie überhaupt damals sehr häufig eine
Stadt vorwiegend einen Spezialindustriezweig betrieb (Lenophon,
Memorabilien II, 6 u. 7). Den Athenern, die die See beherrschten,
wurde alles zugeführt, die Stricke für die Segel der Schiffe, die
Klammern, welche diese zusammenhielten, das Holz, aus dem sie
erbaut wurden, alles erhielt man von auswärts, und mit dem,
was die fremden Staaten lieferten, wurden sie beherrscht (Pseudo-
Lenophon, Verfassung der Athener 2). Als eine der Folgen des
Welthandels zeigte sich in Athen eine gesteigerte Konsumtion,
besonders aber ein gesteigerter Luxus. Was im Osten oder Westen,
im Süden oder Norden begehrenswert war, Athen vereinigte es
auf seinem Markte. Die Sprache aller Schichten nahm immer
mehr Fremdworte auf, Sitten und Tracht wurden international
und glichen sich immer mehr denjenigen der übrigen Griechen
und jenen der Ausländer an (Pseudo-Xenophon, Verfassung der
Athener 2).
Das Wachstum der Bevölkerung Griechenlands hielt im all
gemeinen bis in die hellenistische Zeit an. Als die Kolonisation
allmählich zum Stillstand gelangte, gingen viele als Söldner in
fremde Dienste, wodurch meist eine ausreichende Abwanderung ge
schaffen wurde, auch die wachsende Zahl der Sklaven verdrängte
viele freie Bürger und nötigte sie zur Auswanderung. Staaten,
die ohne ausgedehnte Industrie eine hohe Bevölkernngsziffer auf
wiesen, wie z. B. Arkadien, waren unter den Söldnern stark ver
treten. So finden wir im 6. Jahrhundert griechische Söldner im
ägyptischen Heer, in das sie seit ältesten Zeiten eingetreten zu sein
scheinen (Ş. 26), unter ihnen Rhodier, die auch späterhin gern
als Söldner in die Fremde zogen, so befanden sich z. B. rhodische
nnd kretische Schleuderer im Heere des jüngeren Cyrus. Nach