Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Sildende Kunst und Musik. 
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Genien, der reine musikalische Wohllaut entzückend hervor und 
beugt alle Bedenken. Und wie durchaus deutsch ist nun auch 
äußerlich diese Oper! Zum ersten Male ist die Deklamation 
eines deutschen Textes auch deutsch empfunden, und da, wo 
der begeisterte Freimaurer Mozart für die Priester des Reichs 
Sarastros Töne religiöser Weihe sucht, da hallt wohl die 
Weise des alten Chorals „Ach Gott im Himmel sieh darein“ 
bon der Bühne herab, und kontrapunktisch gesetzte Stimmen 
in der Art des großen Bach umspielen ihr Gefüge. Nach der 
weltlichen Seite hin aber welche Fülle des Volkstümlichen! 
Neben dem schwermütig-strengen Liede „In diesen heil'gen Hallen“ 
tehen die losen Melodien Papagenos — bis sie im Vorgefühl 
der Elternfreude mit seiner Papagena in die Ausgelassenheit 
ilbenmäßigen Plapperns übergehen. 
In der Tat: Mozart hat nie so rein, so ungegängelt 
durch letzte Reste fremder Tradition, so liebenswürdig und so 
hegeistert, so ganz deutsch in Tönen gesprochen; und nicht 
umsonst ist die „Zauberflöte“ eine der Lieblingsopern unseres 
Volkes geworden, während die Romanen sie weniger verstehen 
aund schätzen. 
Freilich: eine zeitliche Umgrenzung hat auch dieses letzte 
und größeste Werk des Meisters. Für eine ganze große 
Stimmungsgruppe hat es, vergleichen wir es etwa mit Webers 
„Oberon“, einen spezifischen Ton noch nicht geschaffen: für 
die der Wesen, die sich um die Königin der Nacht gruppieren, 
und bis zu einem gewissen Grade auch für diese selbst. Wie 
würde Weber, wie am Ende jeder Romantiker die musikalischen 
Flemente dieser Gruppe entwickelt haben! Hier die noch in 
der italienischen Arie steckende, Koloraturen singende Königin 
der Nacht, mit ihren „Damen“ und Genien, so sehr sich schon 
Keime romantisch-dämonischer Musik finden, dort Oberon, der 
schmachtende, in den Tönen des voll entwickelten deutschen 
Liedes sich ergehende Herrscher des duftig-verklärten Elfen— 
reiches: welcher Gegensatz zwischen einem noch rokokomäßig 
gebundenen Klassizismus und der Romantik! Und bedeutet 
der Gegensatz nicht zugleich auch einen Gegensatz in der In—
	        
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