Rathgen: Entwickelungstendenzen im Aussenliandel Chinas und Japans. 951
Chinas ist liachdriicklichst darauf liinzuweisen, dass seine Produktion
ebenso unentwickelt, wie seine Kaufkraft gering ist. In Japan ist zwar
der rasche Fortschritt erstaunlich. Aber für eine Bevölkerung von
46 Millionen Köpfen sind die Zahlen immer noch recht gering. Eine
Ein- und Ausfuhr von etwa 30 Mark auf den Kopf ist nur ein Drittel des
Betrages, der beispielsweise auf Italien entfällt.
Die Analyse der Ein- und Ausfuhr zeigt uns, warum
Japan so viel schnellere Fortschritte macht, seine Kaufkraft verhältnis
mässig so viel grösser wird, als die Chinas. Betrachten wir zunächst
die Ausfuhr: Bezeichnend ist für beide Länder, dass sie allmählich
immer mannigfaltiger zusammengesetzt ist. Seide und Tee waren
die eigentlichen Produkte des Ostens. Sie bildeten die Masse der gan
zen Ausfuhr, und zwar überwog bis Ende der achtziger Jahre in China
der Tee, erst seitdem die Seide, was in Japan immer der Fall war. Mitte
der sechziger Jahre kamen auf Tee und Seide allein in China 82 Prozent,
in Japan 94 Prozent der ganzen Ausfuhr, und der Anteil wäre noch
grösser gewesen, wenn nicht damals der Sezessionskrieg eine abnorme
Ausfuhr von Rohbaumwolle hervorgerufen hätte. Noch Ende der acht
ziger Jahre machten Seide und Tee drei Fünftel der chinesischen, die
Hälfte der japanischen Ausfuhr aus. Aber 1904 waren es in China nur
mehr zwei Fünftel, in Japan nur ein Drittel, trotz des enormen absoluten
Steigens der Seidenausfuhr (auf das vierfache in Japan, auf das zwei
einhalbfache in China während der letzten 15 Jahre). Auch die sonstigen
herkömmlichen Ausfuhrartikel haben sich absolut vermehrt, aber die
starke Ausfuhrzunahme ist nicht vor allem ihnen zu danken. Die Aus
fuhr der neun wichtigsten, der herkömmlichen chinesischen gewerblichen
Erzeugnisse aus China (Seidenstoffe, chinesische Kleidung, Strohborten,
Matten, Feuerwerk, Porzellan, Papier, Medizinen und Nudeln) stieg von
1889 bis 1904 von 16 2 / :J auf fast 35 Mili. Tis., ihr Anteil an der Aus
fuhr sank von 17 auf gut 14 Prozent. Woher kommt nun die Zunahme
der chinesischen Ausfuhr? Sie ist die Folge der grossen Zunahme der
Ausfuhr landwirtschaftlicher Rohprodukte: Bohnen und Bohnenkuchen,
öle und Ölsaat, Baumwolle und Hanf, Obst, Eier und andere Lebens
mittel, Federn, Borsten und Wolle, Vieh und Talg, Häute und Felle.
Tabak und Zucker (der allein abgenommen hat). Auf diese Waren ent
fielen Ende der achtziger Jahre 10 bis 13 Mill. Tis., 1904 über 80 Mil
lionen, trotz der Störung der mandschurischen Ausfuhr.*) Ihr Anteil
an der Ausfuhr stieg von einem Neuntel auf ein Drittel.
*) Ausfall bei Bohnen und Bohnenkuchen gegen 1903 3,5 Mill.