Metadata: Die Zucker-Industrie auf Cuba

120 
YII. Die Gemeinde und der Kultus. 
(S. 76). Diese drei Kugeln halten die eigentlichen Gebetskugeln 
in ihrer Lage und geben dem Betenden an, daß er mit einer 
Runde fertig ist. Beim Gottesdienst werden ferner im Lamaismus 
verwendet: Kirchenmusik, Klingeln, brennende Kerzen, Opferschalen, 
Weihrauch, Weihwasser. Nimmt man dazu den Pomp der Kleidung 
der Priester, ihre Tonsur, ihr Gebetszepter, die Beichte, die Heiligen 
bilder, so kann es nicht wundern, wenn dem ersten katholischen 
Missionar, der einem Gottesdienst der Lamen beiwohnte, Huc, der 
selbe wie ein „Blendwerk des Teufels" erschien, und daß seine Schil 
derung desselben sein Werk auf den Index Ilbrorum probibitorum 
brachte. Ohne Zweifel ist vieles aus dem Lamaismus in die katholische 
Kirche gewandert, die ja auch Buddha selbst als Josaphat = Bo- 
dbisattva unter ihre Heiligen ins Martyrologium Eomanum auf 
genommen hat. Auch die Sage vom Priesterkönig Johannes in 
Asien mag in letzter Linie auf den nördlichen Buddhismus zurückgehen. 
Die Zahl der religiösen Feste wurde später noch vermehrt, ist 
aber in den einzelnen Ländern sehr verschieden. Allen gemeinsam 
sind drei: das Lampenfest, ursprünglich am Ende der Regenzeit 
abgehalten und mit großer nächtlicher Illumination, Predigt und 
Verteilung von Almosen verbunden, das Fest des Frühlings 
anfangs und das Fest des Geburtstags Buddhas. Sie 
werden in den einzelnen buddhistischen Ländern zu verschiedener 
Zeit und in mannigfacher Weise gefeiert. 
Es gibt keine Religion der Erde aus alter Zeit, deren Ge 
schichte schon jetzt so klar vor Augen liegt, und deren Quellen so 
reichlich fließen, wie den Buddhismus. Er zeigt uns, wie aus 
einer ursprünglich sehr einfachen, kultuslosen Lehre eine in Formel 
kram und pfäffischem Schaugepränge aufgehende Kirche entstehen 
konnte. Buddha ist an der Entartung, die seine Lehre im Norden 
erfahren hat, nicht schuld. In den alten buddhistischen Texten tritt 
uns in Buddha ein Mann entgegen, der ein bequemes, üppiges 
Leben eintauschte gegen ein Leben voll Mühsal und Entbehrungen, 
und der von der Heimat in die Heimatlosigkeit ging, um die Wahr 
heit zu suchen. Während seines langen Lebens hat er nur Gutes 
gewollt und Gutes getan. Ein echter Sohn seines Volkes muß er 
als Inder beurteilt werden. Und wer dies tut, wird nicht Anstand 
nehmen, ihn für einen der größten und bedeutendsten Männer zu 
erklären, die die Weltgeschichte kennt. 
1) Vgl. Ernst Kuhn, Barlaam und Joasaph. München 1894.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.