fullscreen: Gesellschaftslehre

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ahmung bis in allerlei charakteristische Einzelheiten ist erst eine Folge 
davon, daß die verehrte Person als Ganzes in der Seele des Verehrenden 
waltet: eben damit bringt sie ihren Sul und ihre Formen in ihm nach 
Möglichkeit der gegebenen Verhältnisse zur Geltung. Gerade die Treue 
der äußeren Nachbildung spricht mehr für ihren Ursprung von innen 
her als für ihr Hervorgehen aus genauer Beobachtung und einem Willen 
zum Kopieren. Gabriel Tarde, der als erster diese Nachbildung von innen 
heraus festgestellt und untersucht hat, formuliert ihr Geseg dahin, daß 
die Nachahmung in diesem Fall von innen nach außen schrei- 
tet. Ein Volk (und entsprechend eine Klasse), das ein anderes nach- 
ahmt, eignet sich zuerst seinen Geschmack, seine Literatur, seine Ideen 
und seinen Geist an und kopiert erst dann seinen Luxus und seinen äuße- 
ren Lebensstil. Als Frankreich im sechzehnten Jahrhundert seine Klei- 
dermoden aus Spanien holte, hatte es sich bereits vorher mit seiner Lite- 
ratur vertraut gemacht. 
In naiven Verhältnissen kann diese Art Nachahmung soweit gehen, 
daß der Nachahmende.in den Augen des Zuschauers dauernd eine fremde 
Rolle spielt, indem er sich nämlich gebärdet, als s ei er die andere 
Person. Hierhin gehören die bekannten Spiele der Kinder, in denen sie 
solche Berufsarten Erwachsener nachahmen, die einen besonders anschau- 
lichen Charakter besitzen wie die des Kutschers, Kohlenträgers usw. Sie 
gebärden sich dabei bekanntlich vollständig als die andere Person und 
weisen jeden Versuch, sie wieder in ihr eigenes Wesen zurückzubringen, 
energisch ab. Das Motiv der Nachahmung ist jedenfalls darin zu suchen, 
daß die ausgesuchten Tätigkeiten als besonders wichtig und gehaltvoll 
und ihre Vollbringer demgemäß als nachahmungswürdige Persönlich- 
keiten erscheinen. Auch bei dem Theaterspielen in diesem Lebensalter 
ist es beteiligt, bei dem vor allem die Heldenrollen begehrt werden wegen 
der Erweiterung des Ich, die sie gewähren. . Auch die Nachahmung von 
Tieren ist ähnlich zu beurteilen, weil auf dieser Stufe ähnlich wie bei 
primitiven Völkern biologische Maßstäbe in erster Linie für das Be- 
werten maßgebend sind und an diesen gemessen Tiere vielfach als über- 
legen erscheinen. Die Nachbildung des äußeren Verhaltens geht auch hier 
überall hervor aus dem Wunsche, der überlegenen Person gleich zu sein 
und dem Willen, diese Gleichheit herzustellen. Die Nachahmung von 
innen heraus zeigt sich hier also in ihrer radikalsten Form: man fühlt 
sich als das überlegene Wesen, indem man sich als dieses benimmt. Denn 
Eins sein und als Eins erscheinen fließt auf dieser Stufe noch zu- 
sammen. 
Der Unterordnungstrieb. 
Der Bereich der menschlichen Zustände als Vorbilder für Nachahmungen war 
in den vorhergehenden Beispielen bereits gelegentlich überschritten. Aus der reli- 
giösen Welt gehören große Gebiete hierher. Seinem Gotte sucht sich der Cläu-
	        
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