Kämpfe zwischen Papsttum und Kaisertum; goldene Bulle. 97
gegen Johann XXII., trotz alles Verbrennens seiner Bild—
nisse. Ende Februar 1330 fand sich Ludwig wieder in Deutsch⸗
land; die italienischen Abenteuer waren verlöscht, und als
schaler Satz aller Phantasmagorieen schien nichts zurück—
geblieben als der Fluch der Lächerlichkeit für alles Deutsche,
das sich in Italien blicken ließ.
IV.
In Deutschland indes schadete der Ausgang der italieni—
schen Unternehmung dem Kaiser nicht in gleicher Weise. Am
13. Januar 1330 war Friedrich von sterreich gestorben;
Ludwig war jetzt unumstrittener Alleinherrscher. Die Theorieen
des Defensor pacis konnten unter den deutschen Verhältnissen
höchstens in den städtischen Verfassungsbewegungen teilweis
Anwendung finden); der Entwicklung der Territorien und des
Reiches standen sie in dem Grade fern, daß die Fürsten sie
wohl kaum verstanden, gewiß nicht fürchteten und das Eigen⸗
artige ihrer Anwendung in Italien wohl schwerlich begriffen
haben. Für die deutsche Auf fassung genügte es, daß Ludwig
mit dem Kaisertitel heimkehrte, und daß das Reich weiterer
kriegerischer Aufwendungen für Italien überhoben blieb.
So hätte der Kaiser die Lage für befestigt genug halten
können, um einer Auseinandersetzung mit dem Papste, falls sie
sich anbahnen ließ, ruhig entgegenzusehen. Dies um so mehr,
als die Ration, vor allem die Bürgerschaft der großen Städte,
in rührender Weise bei dem Papste zu Gunsten des Kaisers
vorstellig zu werden begann. Aber nun fügte es sich, daß die
Sorge um das eigene Seelenheil den Kaiser allen Halt gegen⸗
über der Kurie verlieren ließ.
Als Vermittler zwischen Ludwig und dem Papste bot sich
König Johann von Böhmen dar. Ein Luxemburger der
schlimmen, halbgenialen Art, wie sie nachher in Kaiser Sigmund
gipfelte, schön, unverwüstlich gesund und übersprudelnd von
Lebenslust, aber höchst unstet, der Prostitution seiner Persön—
lichkeit zugeneigt, ein abenteuernder Ritter, ein leidenschaftlicher
1 Vgl. dazu unten S. 192 ff., auch S. 101.
Lamprecht, Deutsche Geschichte. IV.