II. Das nordöstliche Indien zur Zeit -es Buddha.
So lange wir etwas von Indien wissen, zerfiel es in eine An
zahl mehr oder weniger großer Reiche. Nur selten hat ein Mann
eine Herrschaft gegründet, die sich über einen größeren Teil von
Indien erstreckte, wie Oandragupta aus der Familie der Maurz-a8
im 4. Jahrhundert vor Chr., und die Familie der Guptas im
4. Jahrhundert nach Chr. Zur Zeit des Buddha, d. h. im 6. Jahr
hundert vor Chr., gab es im nordöstlichen Indien vier König
reiche von teilweise erheblichem Umfange und Ansehen, außerdem
eine Anzahl aristokratisch regierter Republiken und etwa ein Dutzend
kleinerer Fürstentümer, von denen sich einige auch Königreiche
nannten. Von diesen Königen und Adligen haben mehrere im
Leben des Buddha eine hervorragende Rolle gespielt. Einige der
Hauptstädte sind oft die Stätte der Wirksamkeit Buddhas gewesen
und kehren in der Geschichte des Buddhismus beständig wieder.
Unter den Königreichen ist vor allem zu nennen das Reich
Magadha (heute Bihar) mit der Hauptstadt Räjagrha ({jeute
Rajgir), an deren Stelle später als Hauptstadt Pätaliputra
(heute Patna) trat. Magadha unterworfen war das weiter nach
Osten gelegene Land der Angas mit der Hauptstadt Campä.
Zur Zeit des Buddha war König von Magadha Liiuhisära
oder Lrsyiha, ein treuer Anhänger Buddhas. Auf Anstiften
des Devadatta, des Vetters und Verräters Buddhas, wurde
Uiiuhisara von seinem Sohne Asätaöatru oder Künika ge
tötet, als Buddha schon hochbetagt war. Von Gewissensbissen
getrieben, ging Azätasatru zu Buddha, der ihm verzieh und ihn
in die Gemeinde aufnahm.
Nordwestlich von Magadha lag das Königreich der Losalas,
oder genauer Gttara-Losalao, „der nördlichen Losalas" mit
der Hauptstadt Srävasti, unter König Uraseuazit, später dessen
Sohne Virüdhaka oder Yidüdahha. Wie Bimbisära, war
auch Prasenajit ein treuer Verehrer Buddhas. Südlich schloß sich
an die Lasalas an das Königreich der Vatsa« mit der Hauptstadt