Full text : Zur Frage der Naturalteilung

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Eine  Statistik  über  das  Abströmen  der  überschüssigen  Bevölkerung
existiert  nicht,  obwohl  einer  solchen  nicht  unüberwindliche  Schwierigkeiten ­
  entgegenstünden.  Wir  haben  eine  derartige  Statistik  für  Merkershausen, ­
  das,  wie  schon  erwähnt,  rein  agrarischen  Charakter  hat,  aufgestellt. ­
  Die  Erhebung  erstreckt  sich  nur  ans  bäuerliche  Haushaltungen.
Da  die  Tabelle  nur  die  Schichtung  der  Bevölkerung  in  einem
gewissen  Zeitpunkt  aufweist,  so  mußte  sie  etwas  dürftig  ausfallen.
Durch  eine  Beobachtung  ans  längere  Zeit  würde  das  Bild  sehr  an
Vollständigkeit  gewinnen.  Immerhin  können  wir,  unterstützt  durch
persönliche  Erhebung,  einige  Schlüsse  ziehen.  Der  Bauer  im  naturalteilenden ­
  Grabfeld  kommt  verhältnismäßig  früh  zum  Heiraten,  gewöhnlich ­
  nicht  lange  nach  Ableistung  des  Militärdienstes.  Besondere  Schwierigkeiten ­
  zur  Ermöglichung  der  Heirat  hat  er  nicht  zu  überwinden,  da  er
soviel  Grundbesitz,  als  seine  Familie  vorläufig  zum  Lebensunterhalt
braucht,  schon  besitzt.  Auf  die  Haushaltung  treffen  in  Merkershauseil
im  Durchschnitt  3  Kinder;  der  Bauer  mit  größerem  Grundbesitz  legt
sich  in  der  Zahl  der  Kinder  eine  gewisse  Beschränkung  mit  Rücksicht
auf  die  spätere  Grundbesitzteilung  auf,  doch  kann  mail  bei  tveitem  nicht
voil  einem  Zweikindersystem  sprechen,  wie  es  die  Zwangsteilung  des
Code  Napoleon  zeitigte.  Die  Zahl  5—6  zu  überschreiten,  sticht  er  zil
vermeiden.
Was  nun  die  Entlastung  des  Grund  und  Bodens  in  Merkershauseu
  durch  Auswanderung  betrifft,  so  ist  zu  bemerken,  daß  die  Söhne
der  Bauern  mit  größereni  Grundbesitz  meist  im  Orte  selbst  wieder  eineil
eigenen  Haushalt  gründen,  während  man  die  Töchter  auch  auswärts
zu  versorgen  sucht.  Die  Söhne  begüterter  Bauern  erlernen  selten  ein
Handiverk,  die  Handwerker  werden  fast  ausschließlich  voin  Kleinbesitz
gestellt.  In  dienender  Stellung  befinden  sich  sehr  wenig  Personen.
Die  gülistige  Besitzverteilnng  und  die  Stabilität  der  Bevölkerung
in  Merkershausen  zeigt,  daß  eine  Abstoßung  der  überflüssigen  Elemente
erfolgt.  Voll  den  Söhnen  siild  10,  von  den  Mädchen  13  auswärts
versorgt;  andererseits  ist  auch  wieder  nach  Merkershausen  eingeheiratet
worden.  Von  110  Ehegatteil  sind  20  Männer  und  22  Fraueil  von
auswärts.  Hier  ist  zu  berücksichtigen,  daß  die  Statistik  über  das  Abströmen ­
  der  bäuerlichen  Bevölkerung  eineil  kürzeren  Zeitraum  limfaßt,
etwa  10—15  Jahre  als  die  über  das  Zuströmen,  etiva  30—40  Jahre.
Es  zeigt  sich  also,  daß  die  Bevölkerung  in  starkem  Maße  fluktuiert.
2.  Einfluß  der  Naturalteilung  auf  die  Häufigkeit
der  unehelichen  Geburten.
Es  ist  schoil  des  öfteren  daralif  hingewiesen  worden,  daß  für  die
Häufigkeit  der  unehelichen  Geburten  die  Frage  von  Bedeutnng  sei,  ob
            
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