Object: Ferdinand Lassalle

181 
ein neunjähriger Kampf, voll der grausamsten Leiden 
für die Gräfin und für mich; ein Kampf, der jeden Tag 
mit undenkbaren Gefahren verbunden war, ein un 
möglicher Kampf, in dem ich aber nicht ein einziges 
Mal auch nur um einen Schritt zurückgewichen bin, 
und den ich endlich als Sieger, mit einem vollen Triumphe 
beendet habe! Heute noch, sechs Jahre nach diesem 
siegreichen Ende, kann ich es selbst kaum begreifen, wie 
es möglich gewesen ist, daß ich ganz allein gegen Stöße 
aller dieser vereinten Mächte standhalten und den Sieg 
erkämpfen konnte. 
Im Jahre 1846 hatte ich in Berlin zwei sehr intime 
Freunde, beide sehr hohen und reichen Familien Berlins 
angehörig. Einer von ihnen, Oppenheim, war Richter 
an einem Obergericht in Berlin, was bei uns ein hohes 
Amt ist. Er war der Sohn eines der reichsten Bankiers 
Deutschlands. Sein Vater besaß fünf bis sechs Millionen 
Taler. Der andere, Mendelssohn, war Arzt und gehörte 
einer nicht minder vornehmen und angesehenen Familie 
an. Beide waren älter als ich. Aber ich hatte zu allen 
Zeiten die Gabe, daß die Menschen auf meine Stinnne 
hörten. 
Ich setzte ihnen die Geschichte dieser Frau auseinander 
und fragte sie, ob sie auf Tod und Leben mir helfen 
wollten, sie zu schützen, und ob sie, wenn es sein müßte, 
wohl auch ihre eigene Existenz zu opfern bereit sein 
würden. Sie schworen eS mir zu. Ich reiste darauf 
mit ihnen in die Rheinprovinz, nach Düsseldorf, in die 
Nähe des damaligen Aufenthaltes des Grafen. Er war 
in Aachen. Ich ließ durch meine Freunde in der ganzen 
Provinz juridische Beweise für die verschwenderische und
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.