fullscreen : Die Frau und die Arbeit

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Es  ist  eine  erfreuliche  Tatsache,  und  jede  Frau,  die  mit
Erfolg  irgendein  Gebiet  männlichen  Schaffens,  sei  es  der
Wissenschaft,  Literatur  oder  eines  anderen  Berufes,  betreten
oder  darin  etwas  geleistet  hat,  wird  es  bestätigen,  daß  die
Hände,  die  sich  ihr  am  freundlichsten  zum  Willkomm  entgegenstreckten, ­
  die  von  Männern  waren,  daß  die  Stimmen,
die  ihrem  Erfolg  am  freigebigsten  Beifall  gespendet  haben,
die  männlicher  Mitarbeiter  auf  demselben  Gebiete  gewesen
sind.  An  keine  Tür  eines  neuen  Arbeitsgebietes  pocht  die
Hand  der  Frau,  ohne  daß  die  Hand  eines  starken,  großmütigen ­
  Mannes  sie  ihr  öffnen  würde,  fast  noch,  ehe  sie
gepocht.
Für  uns,  die  wir  am  Beginn  eines  neuen  Jahrhunderts,  das
Auge  beschattend,  den  Blick  in  die  Zukunft  richten,  um  die
Umrisse  der  in  der  Feme  aufragenden  Nebelgestalten  zu
entdecken,  gibt  es  keine  beglückendere  Hoffnung,  als  daß
wir  schattenhaft  einen  Zustand  zu  erkennen  glauben,  in  welchem ­
  ein  engeres  Band  Mann  und  Frau  verbinden  wird,
als  die  Welt  es  bisher  gesehen  hat:  wo  die  Walhalla  unserer ­
  alten  nordischen  Väter  zur  Wirklichkeit  wird,  die  Walküre ­
  und  ihr  Held  an  derselben  Tafel  in  treuer  Kameradschaft ­
  des  Mahles  Freuden  teilen.
In  unsern  Träumen  hören  wir  die  Tür  des  letzten  Frauenhauses ­
  zufallen;  wir  hören  die  letzte  Münze  klingen,  mit  der
Leib  und  Seele  einer  Frau  gekauft  wird;  wir  sehen  die  letzte
Wand  zusammenbrechen,  die  künstlich  der  Frauen  Tätigkeit ­
  einschränkt  und  sie  vom  Manne  trennt;  wir  malen  uns
immer  wieder  die  Liebe  der  Geschlechter  aus,  die,  einst
ein  blinder,  kriechender  Wurm,  dann  eine  starre,  erdgeer
  schätzt  mich,  aber  das  ist  alles!“  Vielleicht  nur  im  vertrautesten  Geständnis ­
  von  Mann  zu  Mann  oder  Frau  zu  Frau  berührt  man  diese  offene
Wunde,  die  aus  der  Verschiedenheit  der  Erziehung,  der  Lebensgewohnheiten ­
  und  Beschäftigungen  von  Mann  und  Frau  entsteht;  aber  hier  liegt
die  Tragik  von  Millionen  moderner  Ehen,  die  sich  unter  der  glatten
Oberfläche  unseres  gesellschaftlichen  Lebens  verbirgt  und  nur  gelegentlich ­
  in  Enthüllungen  der  Scheidungsprozesse  zutage  tritt.
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