selbständigen politischen Betätigung enthalten, und daß ein
bemerkenswerter Unterschied zwischen der deutschen und
amerikanischen Arbeiterschaft darin bestehe, daß die Organi
sation der Arbeiter in Deutschland eine politisch-wirtschaft
liche sei, während die amerikanischen Arbeiter weiter nichts
im Auge hätten, als die Wahrung ihrer wirtschaftlichen In
teressen. Es ist eine Tatsache, daß bis in die jüngste Zeit
die Diskussion politischer Fragen in den amerikanischen
Gewerkschaften streng verpönt war.
Als ich mit Herrn Gompers unter dem Eindruck des
eben damals ausgebrochenen Kohlenarbeiter-Streiks die all
gemeine Situation besprach und seine Meinung hierüber
wie über die großen Kapitals- und Industrie-Verbände, wie
sie u. a. in erster Reihe die Trusts darstellen, erbat, ant
wortete er mir: „Mit Abraham Lincoln spreche und meine
ich: »Das Kapital ist die Frucht der Arbeit und könnte
nicht bestehen, hätte die Arbeit nicht vorher bestanden.
Deswegen verdient die Arbeit die viel höhere Berück
sichtigung.« Wir wollen das Produkt der Arbeit sichern.
Anderseits ist der Feldzug gegen die Trusts ebenso wirt
schaftlich unmodern wie der gegen die Arbeitervereinigungen.
Jede Partei muß sehen, zu ihrem Recht zu kommen. Alles
muß auf den praktischen Boden gestellt werden; dabei ist
es nur die Konzentration, die Stärke verleiht.“ Und als ich
ihm dann sagte, „ich kenne die Auffassung, die Sie vor
einigen Jahren ausgesprochen haben, und möchte jetzt von
Ihnen hören, ob, wie man mir berichtet hat, die »American
Federation of Labor« die Absicht hat, eine eigene politische
Partei zu bilden,“ entgegnete er: „Nein und ja. Wir sind
zur Zeit keine politische Partei. Natürlich wollen wir
Gesetze haben, die uns fördern; daher müssen wir durch
die Politik und durch die von uns zu erstrebende politische
Macht uns Einfluß für unsere güte Sache verschaffen.“