Full text: Die Schweiz

154 
Volk und 
Erwerb 
Linthkorrektion 
Die regsame und unternehmende Bevölkerung des 
Berglandes hat es verstanden, durch die Baumwollindustrie 
einen Wohlstand zu erarbeiten, den ihr die Alpwirtschaft 
der frühern Zeiten nie hätte verschaffen können. Tal- 
einwärts erscheinen überall die fenfterreichen Fronten 
und die qualmenden Schlote der Baumwollspinnereien 
und -Webereien, die der abgeschlossenen idyllischen Gegend 
den Charakter einer hochentwickelten Industrielandschaft 
verleihen. Immerhin hat der industrielle Erwerb die 
Blütezeit hinter sich; seit 1870 ist die Bolkszahl zurück 
gegangen. Ein altvererbter Trieb zum Wandern und 
Handeln führt die glarnerische Jungmannschaft in die 
Geschäftszentren europäischer und überseeischer Länder; 
hier suchen die Ausgewanderten für die heimische Industrie 
neue Absatzgebiete und tragen ans diesem Wege zur 
Förderung ihrer engern Heimat bei. Die infolge starker 
Abwanderung verwaisten Arbeitsplätze in den Glarner 
Fabriken werden neuerdings durch ganze Kolonien ita 
lienischer Arbeiterinnen besetzt. Die Zahl der Arbeiter 
beläuft sich auf rund 8000 bei einer Gesamtbevölkerung 
von 33300 Seelen; das spricht deutlich für die hohe 
Bedeutung der Industrie. Die Alpwirtschaft und Vieh 
haltung tritt nur in einzelnen Produkten hervor; so kennt 
man überall den grünen Glarner Schabzieger, der im 
Unterland fabrikmäßig hergestellt wird. 
Der natürliche Eingang des Landes öffnet sich an 
der Linthebene am untern Ende des Walensees. Die 
Ebene wurde aus den Geschiebemassen des wilden Berg 
flusses aufgeschüttet; das Delta trennte den einst zusammen 
hängenden, langen Talsee in die beiden Becken des Walen- 
und Zürichsees. Hier fand vor einem Jahrhundert eine 
der bedeutendsten Entsumpfungsarbeiten statt. Früher 
wurde die Ebene häufig überschwemmt und mit Kies 
verschüttet; man leitete nun die Linth zur Geschiebeablage 
rung in den Walensee und gab dem Abfluß zum Zürich 
see in geradlinigem Kanalbett ein stärkeres Gefälle. Die 
Korrektion, angeregt und durchgeführt von Hans Konrad
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.