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Dichtung.
Henschel, selbständiger Fuhrmann in dem Hotel eines schlesischen
Bades, ein herkulisch gebauter, gutmütiger, gerader, aber nicht
weltkluger Mann, hat im Haushalt mehrfach Unglück gehabt
und ist im Begriff, seine Frau zu verlieren. Diese erschließt,
hilflos ans Bett gefesselt, aus kleinen Zügen gutmütigen Ent⸗
gegenkommens ihres Mannes gegenüber der Dienstmagd Hanne
eine Neigung zu derselben; eifersüchtig läßt sie sich von Henschel
versprechen, daß er nach ihrem Tode Hanne nicht heiraten
werde. Henschel giebt das Versprechen, ohne ihm großen Wert
beizulegen, da er sich rein fühlt (erster Akt). Die Frau stirbt.
Henschel entschließt sich auf Zureden des Hotelwirts, Hanne
gleichwohl zu heiraten, da er von deren hartem, ja grund⸗
bösem Charakter trotz langer Möglichkeit der Beobachtung keine
Ahnung hat (zweiter Akt). Hanne, nun Frau Henschel, ist
ihrem Mann untreu; ein Kind aus der ersten Ehe, das sie zu
pflegen hatte, stirbt. Henschel leidet unter der Ehe; in seiner
Gradheit glaubt er, frohes Leben in sein Heim bringen zu
kinnen, indem er ein uneheliches Kind seiner Frau, dessen Dasein
ihn nicht von der Heirat abgehalten hatte, dieser ohne ihr
Wissen zuführt. Der Eindruck bei der Frau ist der entgegen—
gesetzte des erwarteten (dritter Akt). Andere Leute kennen die
Frau besser. Henschel wird an öffentlichem Orte, im Wirts—
hause, von der Untreue seiner Frau unterrichtet, nachdem er
schon lange unter der stillen Zurückhaltung früherer Freunde
gelitten (vierter Akt). Er bricht unter der Wahnvorstellung,
daß sein Unglück Folge des Bruches des Versprechens an
seine erste Frau sei, zusammen und giebt sich selbst den Tod
fünfter Akt).
Man sieht auf den ersten Blick, daß es sich hier nicht
bloß um eine der impressionistisch herkömmlichen Katastrophen
handelt; nicht die zufällige Störung eines labilen Gleichgewichts
erzeugt plötzliches Verderben, sondern das längere Nebeneinander
zweier Charaktere reift allmählich das Unglück. Charakteristisch
hierfür ist schon, daß in dem Stück wohl die Einheit des Ortes
gewahrt ist, nicht aber mehr die der Zeit. Dabei ist einer
dieser Charaktere kieselhart und im ganzen darum unveränder—