Gemeindefeiern.
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Sünden, die gesühnt werden sollten. Es kam auch vor, daß die
Mönchsgemeinde sich am Bett eines Schwerkranken versammelte.
In dem Versammlungsräume nahmen die Mönche bei Fackelschein
auf niedrigen Sitzen Platz. Nur ordinierte Mönche durften zu
gegen sein, da jetzt das Lratiiuoüsa (S. 97) vorgetragen wurde,
dessen Kenntnis nur ordinierten Mönchen gestattet war. Der Vor
sitzende eröffnete die Vorlesung mit folgender Ansprache: „Ver
ehrung dem Erhabenen, Heiligen, Vollständigerleuchteten! Die Ge
meinde höre auf mich! Heut ist am fünfzehnten der Upavasatha.
Wenn es der Gemeinde recht ist, möge sie den llpavasatba voll
ziehen und das Lratimoirsa verlesen. Gebet an, Ehrwürdige, ob
ihr frei von Sünde seid; ich werde das kraiimoüsa verlesen."
„Wir wollen es alle hier sorgfältig hören und beherzigen." H „Wer
eine Sünde begangen hat, der bekenne sie; wer keine Sünde be
gangen hat, schweige. Ein Mönch, der dreimal gefragt, eine Sünde,
deren er sich bewußt ist, nicht bekennt, macht sich einer wissentlichen
Lüge schuldig. Eine wissentliche Lüge aber hat der Erhabene als
ein Hindernis (für die Erlösung) bezeichnet. Deswegen muß ein
Mönch, der sich einer Sünde, die er begangen hat, bewußt ist und
von ihr frei zu werden wünscht, sie bekennen. Denn ein Bekenntnis
bringt ihm Erleichterung." Darauf werden an jeden einzelnen die
Fragen gestellt, und wer sich einer Schuld bewußt war, bekannte und
sühnte sie. In Ceylon hat sich die Feier bis heute treu erhalten, wie
die Mitteilungen von Dickson zeigen, der auch dem Ilpavasatba-
Fest 1874 beiwohnen konnte, wie 1872 derI7pa8ampaää(S.109).
Außer dem Upavasatha gab es noch eine alljährlich wieder
kehrende Feier, die Lravarauä (Pali Uavärayä), die „Ein
ladung", „die Aufforderung". Sie fand alle Jahre am Ende der
Regenzeit statt, ehe das Wandern wieder begann. Alle Mönche
desselben Bezirks kamen zu einer feierlichen Sitzung zusammen,
und jeder einzelne bat seine Brüder, ihm anzugeben, ob er irgend
eine Schuld gegen sie begangen habe. Er legte dabei sein Ober
gewand über eine Schulter, setzte sich auf den Erdboden, streckte
die gefalteten Hände aus und sprach dreimal: „Ich fordere, ihr
Brüder, die Gemeinde auf: wenn ihr etwas von mir gesehen oder
gehört, oder einen Verdacht gegen mich habt, so mögen es die
Ehrwürdigen mir aus Mitleid sagen. Wenn ich es einsehe, werde
ich es sühnen." Die LravarauZ sank später, ebenso wie die Upa-
1) Diesen Satz spricht die Gemeinde.