Full text : Neueste Zeit (Abt. 3)

Bildende Kunst und Musik.

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Meister freier. Aber der junge Musiker, der Musiker, der um
die Wende erst des 18. Jahrhunderts groß wurde: konnte er
sich diesem alten Milieun noch völlig fügen? Für ihn begeisterte
sich schon neben der alten, noch fortwährenden Musikwelt eine
neue Welt, die der Gebildeten überhaupt: und alles persön—
lichen Dienstes frei trat er als moderner Komponist neben den
Dichter.
Es sind Richtungen der Entwicklung, deren Ziele Beet—
hoven instinktiv gesichtet, deren Wege er stolz beschritten hat.

6. In Ehrfurcht beugen wir uns vor dem Namen Beet—
hoven, dem die Schlußbetrachtung dieses Bandes gewidmet
sein soll.
In Ehrfurcht vor allem vor dem Menschen. Denn wenn
ein Mensch ein Kämpfer gewesen ist, so war er es. Sein
Vater war ein Trunkenbold, und auch ihm selber hat der
Wein verführerisch gewinkt. Er ist der Gefahr Herr geworden;
und erblich belastet ist er mit einer Willenskraft den Weg zu
den Sternen gezogen, die flüchtigen Schlachtenmut aufwiegt.
Dazu drohten seinem Genius feinere, nicht minder verderbliche
Gefahren. Eine übertriebene Gewissenhaftigkeit ließ ihn zeit⸗
lebens für Verwandte sorgen, die seiner Hilfe nicht wert
waren, und unzählige Disharmonien der täglichen Lebens—
führung waren die Folge. Eine glühende Liebe zum Weibe
hat ihn von Schwärmerei zu Schwärmerei geführt: wie hat
er sich stets nach einer glücklichen Ehe gesehnt: es kam nur zu
leidenschaftlichen Ergüssen in der Weise des Briefes an die
unsterbliche Geliebte: dauernd einsam zog der Einsame seines
Weges. Und zu alledem noch das furchtbare Schicksal, daß das
größte musikalische Genie der west- und mitteleuropäischen Welt
früher Schwerhörigkeit und bald der Taubheit verfiel! Und
dies, aus den edelsten Beweggründen, jahrelang selbst den
Freunden verschwieg! „Noch war's mir nicht möglich, den
Menschen zu sagen: Sprecht lauter, schreit, denn ich bin taub!
Ach wie wäre es möglich, daß ich damit die Schwäche eines
Sinnes zugeben sollte, der bei mir in einem vollkommeneren
            
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