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gungsmitteln usw., all dies und ähnliches erhöht in so bedeutendem
Maße die Arbeitsproduktivität, daß die Getreidepreise in der exten
siven Wirtschaft um das Mehrfache sinken, oder daß die Steige
rung der Preise beim Übergang zum intensiven Wirtschafts
betriebe verhindert wird. Dennoch bleibt die landwirtschaftliche
Arbeit mit Maschinen bei extensivem Betrieb vorteilhafter als bei
intensivem Betriebe.
Daraus lassen sich zwei Schlüsse ziehen. Erstens: in der
Landwirtschaft besteht ebenso wie in der Industrie das die Pro
duktion bestimmende Moment in dem Bestreben, die Arbeit am
produktivsten anzuwenden. Folglich muß als Kriterium die Ar
beitsproduktivität und nicht die Bodenfruchtbarkeit dienen.
Zweitens: in der extensiven Wirtschaft ist die Arbeit produktiver
als in der intensiven.
Der Leser wird vielleicht den Einwand machen, daß dies eine
allbekannte Tatsache ist. Würde man jedoch diese Schlußfolge
rungen konsequent durchdenken, so müßte man eine gewisse
Korrektur der herrschenden Ansichten über die Grundrente vor
nehmen.
In seinem „dritten sozialen Briefe an von Kirchmann“ sucht
Rodbertus die Grundrententheorie von Ricardo durch den Hinweis
darauf zu widerlegen, daß die landwirtschaftliche Bevölkerung nicht
stets von dem fruchtbareren Boden zu dem minder fruchtbaren
übergegangen ist, sondern daß sich oft der entgegengesetzte Prozeß
vollzog. Der neu angebaute Boden sei häufig produktiver als der
bereits von Alters her in Anbau befindliche. Daraus folgt aber
nur, daß Rodbertus ebenso wie Ricardo die Frage unrichtig stellt.
Die Landwirte können von minder fruchtbarem Boden zu frucht
barerem übergehen und umgekehrt. Dies ist aber für die Frage
der Grundrente bedeutungslos, weil die Rente nicht als Folge ver
schiedener Fruchtbarkeit der einzelnen Grundstücke, sondern in
folge der verschiedenen Produktivität der Arbeit auf verschiedenen
Grundstücken oder bei sukzessiven Kapitalaufwänden entsteht.
Rodbertus hat recht, daß die Landwirte oft zuerst weniger pro
duktiven Boden bestellt haben und dann zu ertragsfähigeren Bö
den übergegangen sind, aber dies geschah bloß deshalb, weil bei