Full text: Die Entwicklung der deutschen Portland-Zement-Industrie ...

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Die Kartelle in der deutschen Portland-Zementindustrie. 
Gruppe waren zwar dem nordwest-mitteldeutschen Syndikate 
nicht angeschlossen, hatten jedoch eine Abmachung mit ihm 
getroffen, die sie vor Unterbietungen seitens des Syndikates 
schützte. Der Preis stand im unterelbischen Gebiete auf 
2,80—3,60 Mk. für 100 kg, die Fracht von Hannover bis Hamburg 
beträgt 51 Pfennig, die hannoverschen Fabriken hätten also die 
an der Unterelbe gut unterbieten können, wenn kein Vertrag 
bestanden hätte, denn die Preise des nordwest-mitteldeutschen 
Syndikates waren oft noch niedriger als 2,30 Mk., besonders bei 
Verkäufen in fremdes Gebiet. Ebenso hätte Süddeutschland 
unterboten werden können. Dort stand der Preis über 3,00 Mk., 
die Fracht von den nächstgelegenen rheinisch-westfälischen 
Werken beträgt z. B. nach Frankfurt a. M. 52 Pfennig, ihr Preis 
sank im Laufe des Jahres 1901 häufig unter 2,50 Mk., eine Kon 
kurrenz wäre also sehr wohl möglich gewesen. 
Nach Auflösung des nordwest-mitteldeutschen Syndikates 
setzte in 1902, wie wir wissen, ein ganz regelloser Kampf ein. Die 
ungeheure Produktion Mittel- und Westdeutschlands, die 1901 
noch bedeutend eingeschränkt war, wurde nun mit einem Male 
frei, die Preise mußten daher erheblich sinken und gingen sogar 
vielfach unter die Kosten herab. Der Grund für die Preisherab 
setzung lag vor allem in der Absicht, den Absatz zu vergrößern, 
um so möglichst viel von der Überproduktion los zu werden. 
Da der Markt dazu jedoch nicht genügend aufnahmefähig war, 
suchte einer dem andern die Abnehmer durch Unterbietungen 
streitig zu machen, was der zweite Grund für den Preisrückgang 
war. Süddeutschland und Unterelbe mußten jetzt ihre Preise 
natürlich auch erheblich herabsetzen, da nun nach Wegfall der 
Verträge auch sie von der Überproduktion überflutet wurden. 
In dem Gebiete des nordwest-mitteldeutschen Syndikates 
erreichten die Preise einen solchen Tiefstand, daß die einzelnen 
Gruppen dadurch vor der Konkurrenz der Nachbargruppen ge 
schützt waren, obgleich teilweise nur ganz geringe Frachtdifferenzen 
bestanden. Im Osten des Reiches änderte sich nicht viel, da 
hier die Verhältnisse so ziemlich dieselben blieben wie in 1901.
	        
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