Full text : Graf Georg Kankrin in nationalökonomischer und finanzwirtschaftlicher Beziehung

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des  Staates  die  Revolution  herbeiführe.  Als  Todfeind  des
Liberalismus  war  Kankrin  denn  auch  überzeugt  von  der
»ewigen  Unmündigkeit  der  Massen«,  die  beständig  bevormundet ­
  werden  müssen,  denn  »sonst  drohe  der  Gesellschaft
Verderben«. 1 )
Wohl  darum  besaß  Nikolaus  I.  trotz  einer  gewissen
persönlichen  Abneigung  volles  Vertrauen  zu  Kankrin  und
zeigte  großen  Respekt  vor  seinen  Kenntnissen.  So  hat  er
im  J.  1838  sogar  den  finanzwissenschaftlichen  Unterricht
seines  Sohnes,  des  nachmaligen  Alexanders  II.,  Kankrin
übertragen.  Die  Notizen  zu  den  Vorlesungen  hat  Kankrin
seinem  Sekretär  in  die  Feder  diktiert,  und  diese  Notizen
sind  dann  1881  in  Petersburg  aus  dem  Archiv  des  Finanzministeriums ­
  dem  Drucke  übergeben  worden  (russisch,  erschienen ­
  im  XXXI.  Bd.  der  Sammlungen  der  »Kais.  Russ.
Hist.  Gesellschaft«).
An  Intrigen  und  Feinden  hat  es  Kankrin  nicht  gefehlt.
Von  den  letzteren  sind  ihm  Vorwürfe  gemacht  worden,  daß
er  seine  Stellung  für  seine  Privatinteressen  benutzt  habe.
Und  das  ganz  entschieden  mit  Unrecht.  Wenn  man  Kankrin
vieles  vorwerfen  könnte,  so  doch  unmöglich  Habsucht  und
Veruntreuungen,  von  denen  er  absolut  freigesprochen  werden
muß.  Sogar  gegen  den  Willen  seines  Herrn  ließ  er  seine
Söhne  auf  eigene  Kosten  erziehen  und  hat  sich  auch  niemals ­
  erlaubt,  Börsenpapiere  und  Aktien  zu  kaufen.  Er  hielt
das  für  unvereinbar  mit  seiner  Stellung.  Sein  ganzes  Vermögen, ­
  das  er  in  Rußland  erworben  hat,  erhielt  er  ausschließlich ­
  für  seine  Dienste  und  Treue  vom  Kaiser  selbst,
der  ihm  im  Jahre  1829  auch  den  Grafentitel  verlieh.
Im  Jahre  1839  hat  die  Gesundheit  Kankrins  eine  erste
grosse  Erschütterung  erfahren.  Auch  begann  seitdem  seine
Stimme  in  Finanzsachen  an  Kraft  zu  verlieren.  Im  folgenden ­
  Jahre  begab  er  sich  zur  Herstellung  seiner  Gesundheit
nach  dem  Ausland,  wohin  er  auch  in  den  Jahren  1841  und
9  Rtgb.  l.  11.  —
            
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