22 Erzeugung und Spezialisierung der Betriebe ermöglichen eine genaue Kostenermittelung. b) Viel schwieriger ist eine Kalkulation, wenn in einer Unter nehmung mehrere oder viele ungleichartige Produkte hergestellt werden. In diesem Falle bilden die Selbstkosten eines Einzelproduktes nur einen Teil der Unternehmungskosten; von den Selbstkosten wiederum ist nur ein Teil unmittelbar für das einzelne Erzeugnis bestimmbar. Der andere Teil läßt sich nur als Nährungswert an rechnen. Und gerade dieser Teil ist es, der eine wirtschaftlich absolut richtige Kostenberechnung vielfach unmöglich macht. Die wichtigste und häufigste Fehlerquelle bilden die sog. allgemeinen oder gemeinsamen Kosten (§§ 41 ff.). Eine richtige Kostenberechnung für das Einzelfabrikat ist in Unternehmungen mit der oben charakterisierten Produktion dann möglich, wenn die Erzeugung der Fabrikate örtlich getrennt ist. Dann zerfällt der Betrieb in kalkulatorischer Hinsicht in mehrere Unterbetriebe, die durch die Einheit des Vermögens zusammen gehalten werden. Findet aber zur rationellen Gestaltung der Fabri kation eine örtliche und zeitliche Arbeitsvereinigung statt, und ist diese so eng, daß eine Wiederzerlegung rechnerisch nicht möglich ist, dann ist die Schwierigkeit der Kostenberechnung die, ein Maß zu finden, an dem der Anteil des Einzelproduktes an den gemeinsamen Ausgaben mit größtmöglicher Annäherung an die wirklichen Aus gaben für dieses Produkt zahlenmäßig gemessen werden kann. In der Praxis der Kalkulation finden sich als solche Maßstäbe: Material wert, Arbeitslohn, Produktionswert, Arbeitszeit u. a. Je vollständiger der Aufwand für das Einzelfabrikat unmittelbar darauf verrechnet werden kann, desto genauer wird die Selbstkostenberechnung und um so mehr nähert sich der berechnete Wert der absoluten Richtig keit 41 ff.). Eine richtige Lösung der angeführten Schwierigkeiten hat die Kenntnis folgender Faktoren zur Voraussetzung: 1. Genaue Kenntnis des technischen Prozesses der Herstellung und 2. des derzeitigen Wertes der in der Unternehmung wirkenden Produktionsmittel, des Anlage- und des Betriebskapitals, ihrer Bestandteile, ihrer Verteilung auf die einzelnen Unterbetriebe, Ab teilungen, Werkstätten, Arbeitsplätze, Gewinnungsorte usf. Jede Wirtschaftsführung und jede Wirtschaftsperiode beginnt mit der Feststellung des in der Unternehmung festliegenden oder umlaufenden Kapitals — Inventar und Bilanz — um die Beziehungen der einzelnen Kapitalteile zum Gesamtbetrieb und den Gesamtwirt schaf tserfolg bestimmen zu können. Die Verteilung des produ zierenden Kapitals im angegebenen Sinn rechnerisch zu fixieren ist notwendig wegen Bestimmung des Aufwandes und des Ertrages