27 Anschauung kennen zu lernen und sich ihnen anzupassen. Er vertreibt seine Fabrikate unmittelbar an die Konsumenten (z. B. als Versandgeschäft), errichtet Fabrikniederlagen in den wichtigsten Verbrauchsorten; ein Teil der Umarbeitung oder gar der Erzeu gung der Rohstoffe wird im eigenen Betriebe besorgt. Dieser Unter nehmer kauft im großen ein gegen Barzahlung, daher billiger; er verfügt über technisches Wissen und ist deshalb nicht ausschließlich vom guten Willen oder dem Können fremder Leute abhängig. Ein anderer Betrieb derselben Branche ist wesentlich ungünstiger gestellt. Das Unternehmen arbeitet mit fremdem Geld, infolgedessen wird ein Teil des Betriebserfolges auf Zinsen verbraucht, die bei geringer Kreditfähigkeit höher sein werden. Der Betrieb liegt in der Stadt, daher teure Arbeitskräfte, in ungünstiger Verkehrslage, daher teure Transportkosten x ). Die Betriebskraft ist wesentlich teurer; der Verkauf erfolgt durch Kommissionäre, Reisende, infolgedessen hohe Verkaufsspesen; unter dem Druck der Konkurrenz müssen längere Kreditfristen insbesondere durch Teil zahlungen in längeren Terminen bewilligt werden, was Verluste zur Folge hat; vielfach sind Unternehmungen zu groß und zu teuer gegründet, was erhöhte Selbstkosten bedingt. Kurz, die Einzel betriebe sind in finanzieller und technischer Beziehung durchaus verschieden. Jede Unternehmung hat, betriebswirtschaftlich be trachtet, ein eigenes individuelles Leben. Das sind Gründe genug, die jeden Unternehmer veranlassen sollten, selbst zu kalkulieren und nicht nach den Preisen der Konkurrenz zu verkaufen. Ist der Verkaufspreis so gering, daß er keinen Gewinn übrig läßt und ist wegen des Wettbewerbs eine Besserung nicht zu erwarten, so muß eben versucht werden, die Herstellungskosten zu verringern durch billigeren Einkauf des Materials, technische Verbesserungen, bessere Organisation des Verkaufes und des Betriebes, Herabdrücken der allgemeinen Kosten usf. Auch dies ist vielfach nur möglich an der Hand einer zuverlässigen Selbstkostenberechnung. Wie wenig, und wie falsch kalkuliert wird, dafür bilden die sonderbaren Submissionsblüten * 2 ) einen Beweis für viele andere. Die ') So rechnete man in Rheinland-Westfalen 28—30°/o der Gestehungskosten des Roheisens auf Fracht, in England (Cleveland) hingegen nur 8—10°/o. 2 ) 1908 wurden bei der Vergebung der Bauarbeiten für einen 3,5 km langen Tunnel zwischen Schlüchtern und Flieden (Bahnstrecke Frankfurt—Bebra) von einer Firma 14,9 Mill., von einer anderen 4,385 Mill. Mark gefordert. Zwar sind gerade im Tiefbau die unvorhergesehenen Ereignisse sehr zahlreich (Witte rung, Gesteinsart u. a. m.) und ein exakter Kostenvoranschlag schwer möglich. Doch ist der Unterschied von 10 */* Mill. Mark doch zu groß, um durch diese Umstände gerechtfertigt zu sein. Über andere Submissionsergebnisse (50 Bei spiele) berichtet Haeder, Die Preisbildung in der Maschinenindustrie. Wies baden 1911. (Heidelberger Diss.)