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        <title>Die Selbstkosten-Berechnung industrieller Betriebe</title>
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            <forname>Friedrich</forname>
            <surname>Leitner</surname>
          </persName>
        </author>
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            <idno>1000912612</idno>
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        ﻿
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        ﻿DK

Selb s tko s t en^B er e Ghnuno
industrieller Betriebe

von

Friedrich Leitner

Professor an der Handels-Hochschule Berlin

Siebente, erweiterte Anflage

Frankfurt a. M. — j. D. Sauerländers Verlag

1921
        <pb n="3" />
        ﻿J. ü. Sauerländer’s Verlag, Frankfurt a. 31.

Im Oktober 1920 ist erschienen:

Die Kontrolle

in kaufmännischen Unternehmungen

Von

Professor Friedrich Leitner.

Zweite stark vermehrte Auflage,
gr. 8°. VIII u. 297 Seiten. Mit 4 Schaltbildern im Text und 3 Tafeln.

Preis: brosch. M. 30.—; geh. M. 36.—

Das vorliegende Buch des in Fachkreisen aufs beste eiugeführten Ver-
fassers behandelt die kaufmännischen Kontrollmaßnahmen. Besonderes
Gewicht wurde auf die Statistik, das Revisionswesen und die Finauz-
verwaltung gelegt. Soweit die vorhandene Literatur Brauchbares bot und
sich nicht auf die Darstellung von Sonderfällen beschränkte, wurde sie heran-
gezogen.

Neben grundsätzlichen Erörterungen über die Organisation und Verwaltung
von privaten Erwerbs wirtschaften — Großbetrieben — wurden im Text
typenmäßige Beispiele und etwa 30 Tabellen zur Veranschaulichung
des Allgemeinen am Besonderen verwandt.

Inhaltsverzeichnis:

Literatur — I. Abschnitt: — Die Kontrolle im allgemeinen:
Systematik II, Abschnitt: Die Kontrolle der organischen Arbeit;
Innendienst: Arbeiter — Der Außendienst — III. Abschnitt: Die Revi-
sionen; Revisionswesen der Genossenschaften — Vorbereitung der Revision

—	Revisionstätigkeit — Revisionsberichte — Die Revision bei Aktiengesell-
schaften — Bücherrevisoren — Revisionsgesellschaften —- Kontrollrecht bei
anderen Unternehmungsformen — Interne Revisionen — IV. Abschnitt: Buch
Führung und Kontrolle — V. Abschnitt: Kontrolle der Kalkulation

—	VI. Abschnitt: Die Statistik — A. Die Statistik im Fabrik-
betriebe; Bestellungen, Beschäftigungsgrad — Einkauf- und Lagerbestands-
statistik — Produktionsstatistik — Statistik des Vertriebes — Statistik der
allgemeinen Verwaltung B. Sozialstatistik — G. Statistik im Bank-
gewerbe; Reichsbank — Preußenkasse — Hypothekenbanken — Kredit-
genossenschaften — VII. Abschnitt: Die formularmäßigeKontrolle;
Materialverwaltung — Das Bestellungswesen — Montage — VIII. Abschnitt:
Finanz Verwaltung und Finanzkontrolle; Die Einnahmen — Die
Ausgaben — Deckung des Geldbedarfes — Kapitalanlage — Bilanzpolitik
Ertragswirtschaftliche Kontrolle — IX. Abschnitt: Kreditkontrolle —-

Anhang — Sachregister.
        <pb n="4" />
        ﻿Leitner

Selbstkosten-Berechnung*
        <pb n="5" />
        ﻿Die

Selbstkosten-Berechnung
industrieller Betriebe

von

Friedrich, Leitner

Professor an der Handels-Hochschule Berlin

Siebente, vermehrte Auflage

Frankfurt a. M.

J. D. Sauerländers Verlag
1921

1
        <pb n="6" />
        ﻿
        <pb n="7" />
        ﻿

Vorwort.

Die zahlreichen literarischen Neuerscheinungen und meine kriegs-
amtliche Tätigkeit (1917/18) haben mir gezeigt, daß die Methoden
der Selbstkostenberechnung in ihren Grundlagen feststehen, daß es
sich nunmehr darum handelt, diese Methoden zu verfeinern, für ein-
zelne Industriezweige auszubauen. Mit Befriedigung konnte ich fest-,
stellen, wie mein Buch, das erstmals 1905 in einem Umfange von
125 Seiten erschien, mit beigetragen hat, die deutsche Industrie auf
die Probleme der Kostenermittelung hinzuweisen und Lösungsmethoden
zu zeigen. Der Zusammenbruch der deutschen Wirtschaft und ihr
Wiederaufbau haben die Notwendigkeit der Selbstkritik und damit
der schärfsten Kostenberechnung gesteigert.

Die aus typographischen Gründen erfolgte Vergrößerung des
Satzspiegels läßt die beträchtliche Erweiterung der Neuauflage durch
Aufnahme zahlreicher neuer Beispiele und Vermehrung des Textes
nicht in Erscheinung treten. Die Zahlenwerte der Beispiele sind den
schwankenden Verhältnissen der Übergangszeit nicht angepaßt worden.

Berlin, im Dezember 1920.

Leitner.



i
        <pb n="8" />
        ﻿Inhaltsverzeichnis.

I.	Abschnitt: Einleitung.....................................

§ 1. Begriff. § 2. Einteilung. S. 2 f. Vor-, Nach-, Zwischen-,
Einzel-, Gesamt-, Einkaufs-, Produktions-, Verkaufskalkulationen,
Ertragsberechnungen. § 3. Die Selbstkosten im allgemeinen,
S. 4 f.: im Kaufmannshandel, Einkaufs- und Ergänzungskosten;
Gewinnzuschläge. Selbstkosten eines Fabrikates. § 4. Geld-,
Lager-, Anlagezinsen, Zinsverluste S. 8 f. § 5. Anlage- und
Betriebskosten, S. 14. § 6. Begriff: Selbstkosten im Tausch-
verkehr und im Gewerbe, S. 16.	§ 7. Schwierigkeiten der

Selbstkostenberechnung, a) bei der Gesamtkalkulation der Ge-
samtuntemehmung, b) bei der Einzelkalkulation, S. 18. § 8.
Aufgaben und Bedeutung der Selbstkostenermittlung. S. 23.
§ 9. Preispolitik und Selbstkosten; Gewinnanalyse, S. 29. § 10.
Organisation der Selbstkostenberechnung, Darstellungsformen,
Systematik, S. 34. § 11. Methoden der Feststellung der Kosten,
technische, kaufmännische Methode; Formulare; Statistik, Bilan-
zen, Kostenbuchführung, Kontensystem, S. 44. §12. Voran-
schläge, Preisprüfungen, S. 61. § 13. Spezial- und General-
kosten, S. 70.

II.	Abschnitt: Die Materialkosten.......................

§ 14. Fabrikations-, Unkostenmaterial, Materialunkosten; Fest-
stellung des Verbrauches, Materialkontrolle, S. 72. § 15. Material-
preise; Verrechnungs., Tagespreis; Preisschwankungen. Selbst-
erzeugung, S. 75. § 16. Zwischenprodukte, Selbstverbrauch;
Produktionskostenpreis, Teilkosten-, Marktpreis, Normalpreis,
S. 84. §§ 17/18. Abfallstoffe, Nebenprodukte Materialverluste:
a) chemisch-technologische Betriebe, S. 90. § 19. b) Mechanisch-
technologische Betriebe, S. 96. Ersatzlieferungen, Ausschub,
Bruch. § 20. Einkaufskalkulationen im Warenhandel; Divisions-,
Zuschlags-, Paritätsmethode; Kalkulationstabelle; retrograde
Vorkalkulation, S. 102.

III.	Abschnitt: Die Arbeitskosten..............................

§ 21. Stundenlohn, Lohnskala, S. 111. § 22. Akkordlohn; Stück-
akkord, Einheitsberechnung, Elementenberechnung, S. 112. § 23.
Verteilung der Akkordlöhne, Gruppenakkorde, S. 119. § 24.
Prämienlöhne; Halsey, Kowan, Strohmeyer, S. 122. § 25. Geld-
prämien, S. 126. § 26. Gewinnbeteiligung, S. 126. § 27.
Lohnverrechnung, -Verwaltung. Fabrikationslöhne, Unkosten-
löhne, Lohnunkosten, S. 127. § 28. Arbeitskontrolle, Verteilung
der Löhne, Gliederung der Lohnverrechnung, S 128. § 29.
Sonderkosten, S.'134.
        <pb n="9" />
        ﻿YII

IV. Abschnitt: Die allgemeinen Kosten (Unkosten) .	.	.	.

§ 30. Gliederung der Unkosten; feste, veränderliche Kosten;
Betriebs- und Handlungsunkosten, S. 136.
Betriebsunkosten (Fabrikationsunkosten).............

A)	Unkostenverrechnung (Gesamtkalkulation) .	.	.

§ 31. Abteilungskosten, Verteilungsmodus, -Schlüssel, S. 143.
§ 32. Kosten der Betriebskraft (Dampf, Elektrizität, Gas);
Anlage- und Betriebskosten, S. 152. § 33. Verteilung der Kraft-
kosten, S. 159. § 34, Betriebsmaterial, Werkzeuge, S. 163.
§ 35. Fuhrwerkskosten, S. 164. § 36. Unkostenlöhne, S. 165.
§ 37. Montagekosten, S. 166. § 38. Modellkosten, S. 166. § 39.
Reparaturkosten, S. 167.

B)	Die Betriebsunkosten in der Spezialkalkulation .
§ 40. Verteilung der Ergänzungskosten, Kontrolle, S. 168. § 41.
Normal-Kalkulation, S. 175. § 42. Zuschlagsmethoden, S. 176.
§ 43. Divisionsmethode, S. 178. § 44. Prozentzuschläge, S. 179.
§ 45. Werkstattzuschläge, S. 186. § 46. Platzkostenzuschläge,
8. 196. § 47. Stundenzuschläge, S. 199. § 48. Verteilung der
Unkosten nach dem Anlagekapital; S. 205. § 49. Kritik der
Zuschläge, S. 206.

C)	Die kaufmännischen Verwaltungskosten und die

Vertriebskosten (Handlungsunkosten...............

§ 50. Allgemeines; Gesamt- und Einzelkalkulation; besondere
Verkaufskosten, S. 212. § 51. Zusammenfassung, S. 220. § 52.
Kalkulationsformeln aus der Industriepraxis 220.

V. Abschnitt: Die Abschreibungen......................

Literatur, Übersicht, Bilanzschema, S. 226. § 53. Allgemeines
über Abschreibungen, S. 227. § 54. Abschreibungsmethoden,
offene Abschreibungen; Buchwert--, Anschaffungswert; technische,
kaufmännische Abschreibungen, Abschreibungstabelle, S. 230.
§ 55. Beanspruchung, Produktion, S. 240. § 56. Zinsenrechnung,
S. 242. § 57. Gewinnquote; Zugänge, Erhaltungskosten, S. 243.
§ 58. Verteilung der Abschreibungsbeträge, S. 247. § 59. Wir-
kungen der Abschreibungen, S. 249. § 60. Buchhaltung und
§ 61. Bilanzbewertung und Abschreibungen, S. 253 (Exkurs).

VI. Abschnitt: Normalkalkulationen, Rentabilitätsrech-

nungen, Gründungsvoranschläge .....................

§ 62. Normalkalkulationen; Mindestumsatz, S. 262.	§ 63.

Monatliche Gewinnermittelung ohne Inventur, S. 276. 8 64.
Rentabilitätsberechnungen, S. 293. § 65. Sanierungsrechnung,
8. 296. § 66. Differenzial-Kalkulation, S.' 300. § 67. Ertrags-
berechnung auf Grund einer Bilanz, S. 306. § 68. Gründungs-
voranschlag, Berechnung des Betriebskapitals, 8. 309. § 69.
Erweiterungsvoranschläge für die Aufnahme neuer Artikel 316.

VII. Abschnitt: Selbstkostenberechnungen in einzelnen

Gewerbegruppen ............................. . . .

Die Kalkulation in der Textilindustrie.............

Die Selbstkostenberechnung in der Maschinenin-
dustrie. .........................................

Die Selbstkostenberechnung in der Eisengießerei .
Bergbau, Hüttenbetriebe, Walzwerke.................

Seit«

136-225

143—212

143—168

168—212

212—225

226—269

270—321

I

322—378

322—330

330—333

334—342

342—360
        <pb n="10" />
        ﻿



iKÜlüi



— VIII —

Seit«

Kalkulationsb ei spiele aus der chemischen Groß-
industrie .....................................  361—365

Verschiedene Industriezweige: . . . ,............ 365—378

Möbel................................................. 365

Zementfabrikation..................................... 366

Gaswerk .............................................. 368

Leder................................................. 371

Papierindust riefZei t ungsdr uckp api er, Dach.pappe)	374

Brückenbau...........................................  375

Metallverarbeitung...................................  376

Zwischenberechnung...................................  377

Literatur (Auswahl)........................................... 379

Sachregister.................................................  381

Die folgenden Gewerbe wurden durch ltechnungsbeispiole
besonders berücksichtigt.

(Die Zahlen bedeuten Seite.)

Baugewerbe 202, 295.

Bergbau 38, 43, 60, 279, 342 f.
Bierbrauerei 48, 294.

Brikett 359, 360.

Chemische Großindustrie 55, 77, 90,
147, 172, 361 f.

Eisen- und Metallgießerei 98, 175, 202,
308, 334 f.

Elektrotechnik 223, 303.

Gaswerk 368.

Holzwagen-, -bearbeitung 66, 188, 204.
Hüttenbetrieb 75, 78, 350.

Künstliche Masse 81, 221, 314, 319.

Lederindustrie 179, 371.

Lohnarbeit 180.

Maschinenbau 13, 54, 58, 172, 173, 183,
190, 197, 201, 204, 217, 223, 224,
248, 277, 278, 281, 297, 331 f.

Metallwaren 20, 34, 47, 65, 68, 70, 77,
78, 82, 101, 102, 115f., 135, 139, 170,
184, 187, 194, 211, 248, 289, 307,
316, 355 f., 376, 378.

Möbel 365.

Papier, Pappe, Tapeten 47, 372, 374.
Porzellanwaren 101, 219.

Stahlgießerei 37, 347, 348.

Straßenbahn 151.

Textilindustrie 79, 89, 97, 98, 108, 110,
324 f.

Wagenbau 66, 193, 204, 273, 282, 306.
Walzwerke, Zieherei 82, 133, 161, 355 f.
Warenhandel 102, 216, 283 f.
Werkzeugbau 192, 221,

Zementindustrie 367.

Zuckerindustrie 88, 270, 304

-'S	* ;:.y
        <pb n="11" />
        ﻿1.	Abschnitt.

Einleitung.

Begriff.

§ 1. Der Begriff des „Kalkulierens“ läßt sich am besten an
der Hand von Einzelfällen ableiten, die das Material für eine all-
gemeine Begriffsbestimmung liefern sollen.

Die einfachste, jedem Kaufmann geläufige Kalkulation ist die
Berechnung der Gestehungskosten von Handelswaren. Der Zwischen-
händler kauft Waren in der Absicht, sie weiter zu veräußern.
Er berechnet den Aufwand, d. h. den Einkaufswert, die Kosten
des Erwerbes oder der Anschaffung, schlägt die Anschaffungs-,
Verwaltungs- und die Verkaufsunkosten zu und berechnet oder
schätzt den Gewinnaufschlag.

Der Spediteur kalkuliert im Interesse seines Auftraggebers den
billigsten Transportweg.

Ein industrielles Unternehmen untersucht, ob eine neue ratio-
neller arbeitende .Maschine beschafft werden soll: es ermittelt den
wirtschaftlichen Nutzen gegenüber den Anschaffungskosten.

Ein sorgsamer Hausvater stellt einen. Ausgaben-Etat auf, er
kalkuliert das Maximum des Aufwandes im einzelnen und in seiner
Gesamtheit, im Verhältnis zu seinen Einnahmen gleichwie die Wirt-
schaften des öffentlichen Rechts — Gemeinde, Staat — die Aus-
gaben und ihre Deckungsmittel berechnen bziw. schätzen.

Diese Beispiele zeigen, daß es kaum eine (Verbrauchs- oder
Erwerbs-) Wirtschaft gibt, deren Leiter nicht kalkuliert. Ob es
sich um die Einzelwirtschaft einer natürlichen Person handelt, oder
um die Wirtschaftsführung nicht physischer Personen, sei es des
öffentlichen oder des Privatrechts (Erwerbsgesellschaften, Genossen-
schaften, Vereine): jede Wirtschaftsführung soll sich
auf eine Kalkulation gründen.

Was heißt nun Kalkulieren. Die angeführten Beispiele lehren:

T. Ziel einer jeden Kalkulation ist die Berech-
nung eines Aufwandes, ist Kostenberechnung. Ent-
weder wird der voraussichtlich entstehende Aufwand geschätzt .■—-
Etat der Staatsverwaltungen, Haushaltungsvoranschläge, Vorkalku-

Leitner, Selbstkostenberertmuug. 7. Aufl.	1
        <pb n="12" />
        ﻿2

iationen industrieller Betriebe, fingierte Rechnungen der Waren-
händler u. a. — oder es wird der tatsächliche Aufwand ermittelt
— Bezugskalkulationen —: Spekulative Wahrscheinlichkeitsrech-
nungen mit Hoffnungs- und Schätzungswerten in dem einen Fall,
zahlenmäßige Darstellung des Tatsächlichen im andern.

2.	Die Kalkulation kann überdies Differenz-
rechnung, Ertrags- oder Gewinnberechnung sein.
Z. B. wenn sie die Nutzung, den Nutzwert, den Gebrauchswert
eines Vermögensobjekts für die Wirtschaftsführung in Geld ermittelt.
Man berechnet die Rentabilität bei bzw. vor Einführung einer neuen
Arbeitsmaschine, einer neuen Arbeitsmethode; hier ermittelt man
den mittelbaren Nutzen,- die Ersparnis, die darin zu finden ist, daß
der Aufwand für eine Produktionseinheit geringer ist oder werden
soll. Und zwar spart die Wirtschaft entweder an Geldausgaben durch
Verminderung der Produktionskosten oder es wird bei gleichen Aus-
gaben der Erfolg vermehrt infolge! Erhöhung der Produktionsfähigkeit,

Die Differenzkalkulation kann auch den Ertrag oder den Gewinn
berechnen oder schätzen, der in dem Unterschiede zwischen Ein-
nahmen und Ausgaben, Erlös und Aufwand liegt oder liegen soll,
z. B. Berechnung des Verkaufspreises, Ertragsberechnungen der
Landwirtschaft und landwirtschaftlicher Nebengewerbe und sofort.

Wir fassen zusammen: Kalkulation ist die Berechnung des Auf-
wandes, ist Kostenberechnung. Ihr Zweck kann sein: Ermittelung
der Anschaffungs- oder der Herstellungskosten,- des Verkaufspreises,
des Nutzwertes oder des Ertrages. Industrielle, gewerbliche Kosten-
berechnungen stellen die Wertentstehung1) und die Wertzusammen-
setzung zahlenmäßig dar.

Einteilung.

§ 2. Die gewerbliche Kostenberechnung kann sein:

I.	Nach dem Zeitpunkt ihrer Aufstellung:

a)	V o r kalkulation, Voranschlag, Vorberechnung.

b)	Nach kalkulation, Nachberechnung, Abrechnung, Kon-
trollkalkulation.

c)	Zwischen kalkulation.

‘) Die Wertsteigerung infolge Verarbeitung zeigt Gottstein (Natur-
wissenschaft. Wochenschrift 1911, S. 2) an zwei Beispielen. 1 cbm Holz hat
im Wald einen Wert von etwa 10,50 Mk.; die daraus erzeugten Schnittmaterialien
kosten etwa 21,— Mk., die aus dem Holz erzeugten 200 kg Zellulose 35 Mk.,
das Zellulosepapier kostet 50 bis 80 Mk., die Umwandlung der Zellulose in
Viskose und die Erzeugung von Kunsthaar steigert den Wert auf 2100 Mk.,-die
Verarbeitung auf Viskoseseide auf 3500 Mk. 100 kg Eisen kosten im Erz etwa
30 Pf., als Boheisen 3 Mk., als Gußware 9 Mk., als Schmiedeeisen 9,90 Mk., als
Blech 11 Mk,, als Draht 12 Mk., als Gußstahl 27 Mk., als Messerklingen 1500
bis 2000 Mk., als feinste Uhrfedern 600 000 Mk.
        <pb n="13" />
        ﻿3

Berechnet man (richtiger: schätzt man) die voraussichtlich ent-
stehenden Kosten und damit den Herstellungspreis einer zu er-
zeugenden Ware sowie den erzielbaren Gewinn, so spricht man
von einem .Voranschlag, einer Vorkalkulation. Die Nachkalku-
lation hingegen berechnet den wirklichen Selbstkostenwert eines
Fertigfabrikates, eines erledigten Auftrages auf Grund der tatsäch-
lichen Ausgaben; sie kontrolliert die Ergebnisse der Vorkalkulation,
— ohne daß jede Nachkalkulation einen Voranschlag bedingt —
und ergibt den Gewinn gegenüber einem im voraus bestimmten
Verkaufspreis, wie bei Submissionen und Sonderangeboten, oder sie
bildet die Grundlage für die Bestimmung des Verkaufspreises.
Zwischenkalkulationen dienen besonderen Zwecken, bei-
spielsweise der Feststellung des Entschädigungsanspruches an den
Versicherer im Falle einer Zerstörung des Eigentums durch Ele-
mentarereignisse; oder der Entschädigungssumme im Fälle des
Widerrufes eines teilweise in Ausführung begriffenen Auftrages;
dann zwecks Bewertung der Halbfabrikate für die jährliche Schluß-
bilanz.

II.	Mit Rücksicht auf den Umfang:

a)	Gesamt- oder Generalkalkulation, d. i. Berechnung des
Gesamtaufwandes, des Gesamterfolges der Unternehmung und ihrer
Teile: Betriebskalkulation, vgl. § 7.

b)	Einzel- oder Spezialkalkulation, d. i. Ermittelung des Auf-
wandes etc. für die Produktions- oder Verkaufs- (Maß-) Einheit,
Kostenberechnung des Einzelfabrikates oder seiner Einzelteile,
vgl. § 71).

In der Gesamtkalkulation werden Aufwand und Leistung peri-
odisch in Beziehung gesetzt. Man rechnet für die Bestimmungs-
periode (mittelbar) einen durchschnittlichen Kostenpreis für die
Leistungseinheit. Auch die monatweise Massenberechnung in Be-
trieben mit Massenproduktion (z. B. für Koks, Roheisen, Stahl,
vorgewalzte Blöcke und die Erzeugnisse der Walzwerke), die die
Einzelberechnung der Schienen, Schwellen usf. aus zwingenden
Gründen durch eine Durchschnittsrechnung für die Tonne oder für
100 kg gleichartiger oder für die Berechnung als gleichartig ange-
nommener Produkte ersetzt, ist in unserem Sinne eine Gesamt-
kalkulation. Die Einzelkalkulation berechnet den Aufwand für die
Leistungseinheit (z. B. Bestellung, Stück, Gießcharge) direkt, ist

') Calmes, Statistik, S. 4 spricht noch von einer Serienkalkulation,
d. i. Berechnung der Selbstkosten einer zu gleicher Zeit und gemeinsam herge-
stellten Serie von gleichartigen Maschinen (Fahrrädern, Nähmaschinen u. ä.). Die
Kosten des einzelnen Stückes ergeben sich erst mittelbar aus dem Durchschnitt
der Kosten der Serie. Diese Serienkalkulation ist eine besondere Berechnungs-
methode der Einzelkalkulation.

1*
        <pb n="14" />
        ﻿4

dementsprechend schwieriger, teurer, aber auch für die Betriebs-
kontrolle zuverlässiger. Die Schwankungen in den Produktions-
kosten werden bei der Gegamtkalkulation in längeren Perioden nach-
gewiesen, können sich innerhalb der Berechnungsperiode mehr oder
weniger ausgleichen, so daß die Betriebsökonomie nicht so scharf
verfolgt werden kann wie bei der Spezialkalkulation.

Die Berechnung der Selbstkosten des Produktes kann ver-
schiedene Wege einschlagen: Man ermittelt die Gesamtkosten eines
Betriebes (Teilbetrieb oder Unterbetrieb) und rechnet den Durch-
schnittspreis für das Einzelprodukt öder für eine Gruppe von Pro-
dukten (Walzwerke); oder man berechnet zuerst die Selbstkosten
der Produkte und ermittelt die Betriebsselbstkosten (Gesamtkalku-
lation) durch Addition der Selbstkosten sämtlicher Produkte derselben,
Produktionsstelle. Endlich werden beide Verfahren kombiniert:
Gesamtkalkulation und Einzelkalkulation laufen parallel, indem die
Gesamtselbstkosten aufgezeichnet werden, ebenso fortlaufend der
Kostenaufwand der Einzelprodukte notiert wird.

III.	Nach dem Zweck der Aufstellung:

a)	Ermittelung der Anschaffungskosten (Bezugs - oder
E i n k a u f s - Kalkulation) für Waren, die gegen Entgelt erworben
werden.

b)	Ermittelung der Herstell ungs kosten (Produktions-
Kalkulation) für selbsterzeugte Waren oder Fabrikate.

c)	Berechnung der Selbstkosten einer Ware als Grundlage
für die Bemessung des Verkaufspreises oder, sofern dieser von den
eigenen Selbstkosten unabhängig ist, als Rentabilitätsmaß. (Ver-
kaufs- oder Versand-Kalkulationen.)

d)	Preisvergleichungen, Paritäten, als Grundlage für Arbi-
tragen im Waren- und Effektenhandel.

e)	R e n t a b i 1 i t ä t, s - und Ertragsberechnungen.

Die Selbstkosten im allgemeinen.

§ 3. Der Begriff „Selbstkosten“ ist ein privatwirtschaftlicher.
Wie verworren in der Praxis dieser Begriff ist, lehrt die Kontro-
verse1), die im Anschluß an das neue Gesetz betr. die Bekämpfung
des unlauteren Wettbewerbes geführt wurde. In juristischen und
kaufmännischen Kreisen beschäftigte man sich sehr lebhaft mit
der Frage, wie der Begriff „Selbstkostenpreis“ auszulegen ist. In
dieser Kontroverse trat die Sachkennern längst bekannte Tatsache
zutage, daß Handel, Industrie und Verkehr ganz verschiedene Dinge
unter Selbstkosten verstehen.

b Vgl. beispielsweise Berliner Tageblatt vom 9. März und 25. Mai 1911.
        <pb n="15" />
        ﻿I. Im kaufmännischen Handel — Zwischenhandel:
Einkauf und Weiterveräußerung ohne Bearbeitung oder Verarbeitung
— insbesondere im Detailhandel identifiziert man den Selbstkosten-
preis häufig mit dem Einkaufs- oder Einstandspreis, d. h. mit dem
Preis, den der Käufer dem Verkäufer bezahlt, zuzüglich der Bezugs-
kosten. Mag diese Auffassung verkehrsüblich sein oder nicht, falsch
ist sie jedenfalls. Der Selbstkostenpreis einer Handelsware
setzt sich zusammen aus den Kosten des Einkaufs und den
Kosten der Verkaufsbereitschaft (Ergänzungs- oder Zusatz-
kosten), gewöhnlich als „Handlungskosten“ oder „Generalspesen“
bezeichnet1). Ob der Händler die Handlungsunkosten gesondert auf-
schlägt und dann einen Gewinnaufschlag berechnet oder durch einen
entsprechend höheren Gesamtaufschlag deckt, ist im Prinzip neben-
sächlich.

Der Veräußerungs - oder Verkaufspreis einer Handels-
ware setzt sich zusammen aus dem Selbstkostenpreis, zu-
züglich der besonderen Verkaufskosten für Absatzvermittler

*) Die lebhaften Auseinandersetzungen unter den Beteiligten wegen der
Auslegung der Ankündigung „Verkauf zum Selbstkostenpreis zuzüglich
10 V, die an das Verkauf ssystem einer Berliner Weinfirma (etwa seit 1910) an-
knüpften, haben durch ein Reichsgerichtsurteil (Aktenzeichen II 267/15) ihre Er-
ledigung gefunden: Die Ankündigung ist zu unterlassen, wenn in der Ankündi-
gung nicht angegeben wird, daß der Aufschlag von 10°/» den Reingewinn der
Firma darstellt. Der deutsche Handelstag (Dez. 1912) hat darauf hingewiesen,
daß man im Handel unter „Selbstkosten“ den Einkaufspreis verstehe, welchen
der Händler an den Lieferanten zu zahlen hat, zuzüglich Transportkosten, Zoll-
spesen und ähnlicher Kosten. Die allgemeinen Handlungsunkosten (z. B. die
Reklamekosten) dagegen seien im Selbstkostenpreis nicht mit einbegriffen. Das
Publikum habe die gleiche Auffassung.

Auch die Ankündigung: „Einzelverkauf zu Fabrikpreisen“ hat eine
grundsätzliche reichsgerichtliche Regelung erfahren (24. 4. 1914, Aktenzeichen II
518/13). Dem Beklagten — Schokoladenfabrik — wurde verboten anzukündigen,
daß er seine Waren im Einzelverkauf an Private zu Fabrikpreisen abgebe, oder
daß er an Händler zu gleichen Preisen wie an Private verkaufe. Das Publikum
verstehe unter Fabrikpreisen den Preis des Fabrikanten, der im Großen abgebe
und meine, die häufig erheblichen Kosten des Vertreibers der Ware bis zum
Publikum seien im Fabrikpreis nicht mit einkalkuliert. (Der Beklagte gab bei
Einkauf von 30 Pfund aufwärts einen Rabatt von 10 °/o und hatte die Kosten
des Vertriebes, insbesondere die erheblichen Kosten der Einrichtung und Erhal-
tung von Filialgeschäften in den von ihm als Fabrikpreis (Kosten der Erzeugung)
der Ware bezeichneten Verkaufspreis mit eingerechnet).

Für den Warenhandel (Anschaffung und Weiterveräußerung von Waren)
wäre eine Trennung von Einkaufsselbstkosten und Verkaufsselbst-
kosten nicht unzweckmäßig. Die Einkaufsselbstkosten umfassen: Einkaufspreis
4* Einkaufsunkosten (wie Transport, Vermittlungsgebühren, Abgaben, Gewichts-
verluste) -j- Geschäftsunkosten (Kosten der Verwaltung). Die Einkaufsselbst-
kosten zuzüglich Verkaufsunkosten (Lagerung, Verkaufsvermittlung, -Organi-
sation) ergeben die Verkaufsselbstkosten. Vgl. Haese, Unkosten plus 10 °/®
(Plutus, 21. Juni 1916).
        <pb n="16" />
        ﻿6

(wie Verkaufsprovisionen jeder Art, Umsatzprämien, Rabatt, Zoll-
und Frachtkosten bei kostenfreier Lieferung) und den Gewinn-
aufschlag. In dieser Formel liefert der Gewinnaufschlag einen
Rein gewinn, der sich auf den Selbstkostenpreis bezieht. Bei Be-
rechnung des Verdienstes wird der Gewinnzuschlag häufig in Pro-
zenten auf den Verkaufspreis, auf den Umsatz bezogen. Ein
allgemeiner Handelsbrauch, daß die Verdienstprozente sich nur auf
die Selbstkosten oder nur auf die Verkaufspreise beziehen, besteht
nicht.

Die Rechenpraxis des Warenhandels untei'scheidet a) Rein-
gewinn- und b) Brutto- oder Rohgewinnzuschläge.

a 1. Der Reingewinn wird durch ZuschlagaufdieSelbst-
kosten errechnet:

Beispiel:

Einkaufswert.............1000

-j- Bezugskosten ....	750

Einstands-, Einkaufskosten .	1750 (Anschaffungswert im Sinne

des § 2611, H.G.B.)

-f- Handlungsunkosten 10p/o 175
Selbstkosten .	.	.	.	.	1925

-f- 20°/o Reingewinn . .	385

Verkaufswert, Erlös, Umsatz 2310

a 2. Der Reingewinn errechnet sich durch Abschlag vom
Verkaufspreis [Umsatz], Bei einem Verkaufspreis von
2310 Mk. verdient man 16 2/3 o/0 (= 385 Mk.). Bezeichnet man mit
p den Reingewinnzuschlag auf die Selbstkosten, mit p' den Umsatz-
reingewinn, dann ist:

100 p'	,	100-p

P —100 —p&lt;;	P ~ 100 + p

Zahlenbeispiele:

vom Verkaufspreis von Selbstkosten
Wenn p' = 10&lt;&gt;/o, dann ist p = 111/9°/o
13°/o, dann ist p = 15°/o
20%, dann ist p = 25%’

25%, dann ist p = 331/3 %’

Der Reingewinnzuschlag auf die Selbstkosten

von p =	15%	ist	(p' =)	13 o/o	Gewinn	vom	Verkaufspreis

20 o/o	ist	(p' =)	15 1/e°/o	Gewinn	vom	Verkaufspreis

25%	ist	(p' —)	20 o/o	Gewinn	vom	Verkaufspreis.

....................................... .

pnBPüBP'
        <pb n="17" />
        ﻿7

Ein Erzeuger, der bisher eine Ware für 240 Mk. mit 15%'
Nutzen verkaufte, und nunmehr 20% verdienen möchte, rechnet wie
folgt:	'

240 Mk. alter Verkaufspreis
-7- 36 „	15% Gewinn

204 Mk. Selbstkosten
51 „ + 25o/o
255 Mk. neuer Verkaufspreis.

Wer 20% am Verkaufspreis verdienen will, muß 25,%. auf die
Selbstkosten aufschlagen.

b)	Durch einen Rohgewinnaufschlag sollen außer einer Gewinn-
quote noch Kosten gedeckt werden:

1.	Der Bruttogewinn wird auf die Anschaffungskosten
auf geschlagen; im Beispiel a l1 sind die Anschaffungskosten 1750 Mk.;
ein Rohgewinnzuschlag von 32 % = 560 Mk. deckt 20 % Reingewinn
auf die Selbstkosten, 10% Handlungskosten und 20_%J Gewinn von
dem Handlungskostenzuschlag.

2.	Der Bruttogewinn wird auf den Umsatz bezogen; bei einem
Verkaufswert von 2310 Mk. werden etwa 241/i°/o1 brutto verdient.

Die industrielle Kostenberechnung rechnet im allgemeinen nach
a l1., der Warenhandel gewöhnlich nach a 2. oder b 2.

Die kaufmännische Gesetzgebung kennt nur die Begriffe
Börsen- oder Markt preis, Anschaffungs- und Herstel-
lungspreis [§ 261 Ziff. 1—3 des H.G.B.]. Der Begriff Selbst-
kostenpreis erscheint erstmals in Entscheidungen zu dem früher
zitierten Wettbewerbsgesetz. Selbstkosten-, Einkaufs- bzw.
Herstellungs- oder Erzeugungspreis und Verkaufs-
preis sind nicht gleichbedeutend1).

II.	Die Zusammensetzung des Verkaufs-, des Selbstkostenpreises
und des Herstellungswertes eines Fabrikates ergibt sich aus dem
folgenden Schema2):

*) Über die Bedeutung der Gewinnzuschlftge in der Kriegsgesetzgebung
vgl. Alsberg, Kriegswucherstrafrecht, 2. Aufl., Berlin 1917, S. 48 ff.

s) Die schon in früheren Auflagen durchgeführte scharfe Trennung ist
inzwischen allgemein übernommen worden. Auch die englische Literatur schließt
sich ihr an. Ridgway, Cost account in principle and practice (London, etwa
1911) S. 30 ff. unterscheidet: flat cost, works cost, Gross cost, selling price. Die
allgemeinen Kosten (establishment charges) trennt er in works charges und selling
charges.
        <pb n="18" />
        ﻿— ' 8 —

a)	Grundkosten:

1.	Werkstoffkosten

2.	Arbeitskosten

3.	Sonderkosten

b)	Ergänzungskosten:

d. h. allgemeine Kosten für die Produk-
tion und die Produktionsbereitschaft1 *)

c)	Absatz- und Handlungskosten:
d. h. allgemeine Kosten für den Verkauf,
für die Verkaufsbereitschaft und die Ge-
samtunternehmung *)

d)	Besondere Verkaufskosten
wie Versandfracht, Rabatt usf.

e)	Reingewinnzuschlag
auf die Summe a-t-b-(-c

an Q
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&lt;z&gt;

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3

©

&gt;

Nach dieser vorläufigen summarischen Zusammenstellung ist
der Begriff Selbstkosten der weitere,; jener der Erzeugungskosten der
engere. Die Selbstkosten bilden quasi den kaufmännischen Wert
und die Grundlage für den Verkehrswert, die Herstellungskosten
stellen den produktionstechnischen Wert des Erzeugnisses dar. Schon
daraus folgt, daß bei der Ermittelung der Selbstkosten Kaufmann
und Techniker mitzuwirken haben.

§ 4. Über das Schema der Selbstkosten ist mau sich ziemlich
einig. Meinungsverschiedenheiten bestehen nur hinsichtlich der Zu-
teilung einiger Ausgaben und Verluste zu den Unkosten und die
Bestimmung dieser Begriffe sowie die Gruppierung der einzelnen
Unkosten. Die Formulierung: zu den Unkosten zählt man alles,
„was man nicht als Lohn oder Material verrechnen oder als Neu-
anschaffung auf Inventarkonto verbuchen kann“,; ist schon für die
Eisengießerei nicht stichhaltig, für die diese Formulierung aufge-
stellt wurde3). Ob sich eine allgemein gültige, zweifelsfreie Be-
griffsbestimmung finden läßt, ist fraglich. Wir verstehen unter
Unkosten alle Ausgaben, Leistungen und Verluste, die
bei der Einzelkalkulation nicht unmittelbar in
Rechnung gestellt werden können. Dabei ist es gleich-
gültig, ob die Unkosten mit der Erzeugung oder mit dem Absatz
in unmittelbarer enger Beziehung stehen (Fäbrikations- und
direkte Absatzunkosten) oder nicht (allgemeine Unkosten der Er-
zeugung und des Absatzes).

') Einschließlich der durch Abnutzung gerechtfertigten Abschreibungsbeträge
auf die Produktionsmittel.

!) Einschließlich der Abschreibungen auf die Vertriebsmittel und der über-
mäßigen Abschreibungen, sofern sie in toto in der Selbstkostenermittelung ein-
gerechnet werden und nicht teilweise aus dem Bruttoverkaufsgewinn genommen
werden.

3) Winkler, Eisengießerei, S. 43; dagegen Leber, a, a. 0. Seite 17.
        <pb n="19" />
        ﻿9

Die Auslegung des Begriffs: Selbstkosten eines Fabrikats ist in
der industriellen Praxis subjektiv. Die Methoden ihrer rechne-
rischen Ermittelung sind individuell verschieden. Eine einheitliche
Auffassung und Abgrenzung der Selbstkosten bestehen nirgends.
Die eine Unternehmung zählt zu den Selbstkosten Posten, die eine
andere Unternehmung aus dem Unternehmungsgewinn deckt; um
Beispiele zu nennen: übermäßige Abschreibungen auf Anlagen, Be-
triebsverluste einzelner Werkabteilungen, Prozeß Verluste, Tantiemen
des Vorstandes u. v. a. Die Subjektivität der Auffassung dessen, was
zu den Selbstkosten gerechnet werden soll, trat nie so stark in Er-
scheinung wie in den Zeiten der Kriegswirtschaft, als von behörd-
lichen Preisprüfungsstellen die „angemessenen“ Preise auf Grund
der von den Heereslieferanten eingereiehten Unterlagen bestimmt
wurden. Die Meinungsverschiedenheiten zwischen Preisprüfungs-
stellen und Lieferer sind in den beteiligten Kreisen noch in Er-
innerung. Damals, in den Zeiten gebundener Wirtschaft und unter
dem Druck der finanziellen Notlage des Reiches, mußte der Standpunkt
vertreten werden, daß die Preisbildung in jener Zeit unter anderen
Gesichtspunkten stattzufinden habe wie in der freien Friedenswirt-
schaft mit ihrer preisausgleichenden Konkurrenz! der Anbieter. Es
war nicht immer leicht, den rein fiskalischen Standpunkt unter
Verleugnung mancher bisher vertretenen und nach Kriegsschluss
wieder zu vertretenden Grundsätze zu wahren1).

Also: Die Grenze zwischen den „Selbstkosten“ und den aus
dem Unternehmergewinn zu deckenden, diesen vermindernden Ver-
luste und Ausgaben ist, rein theoretisch betrachtet, flüssig. Der
Wettbewerb zwingt mitunter eine Unternehmung, die Selbstkosten
ihrer Fabrikate enger zu fassen mit Rücksicht auf die Verhältnisse
des Marktes und die Preisbemessung der Mitbewerber, einwandfreie
Selbstkosten teilweise geringer einzurechnen. Wir würden in einem:
solchen Valle allerdings vorschlagen, die als Selbstkosten anerkannte^
Ausgaben und Verluste unter allen Umständen zu berechnen, hin-
gegen bei der Preisbemessung auf die angeführten Verhältnisse
Rücksicht zu nehmen.

Während in der Vorkriegszeit der Begriff Selbstkosten nur in
der zivilrechtlichen Judikatur ein verboi'genes Dasein führte, erlangte
er in der Kriegswirtschaft durch das Kriegswucherstrafrecht eine
besondere den kaufmännischen Handel beherrschende Bedeutung.
Im Anschluß an die erste Kriegswucherverordnung vom Juli 1916

‘) Vgl. meine Aufsätze: „Kriegswucher der Industrie“ (Plutus, Juli 1918);
»Übermäßiger Gewinn“; „Organisation und Technik der Preisprüfung für Heeres-
oedarf“; Über staatliche Preispolitik in der Kriegswirtschaft“, sämtlich in der
Zeitschr. f. Handelswissenschaft 1917 und 1918. „Industriewirtschaftliche Kriegs-
risiken“ in der (Nordd.) Allgein. Ztg., 13. Okt. 1918.
        <pb n="20" />
        ﻿Ml

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hatte die Rechtsprechung des Reichsgerichts den in der Verordnung
nicht genauer umschriebenen Begriff Selbstkosten in zahlreichen
Entscheidungen erläutert. Die Begründung der zweiten Verordnung
vom 8. Mai 1918 gab endlich eine Rezeptur für die Errechnung
des Gestehungspreises im Sinne dieser Verordnung. Danach bilden
Unternehmerlolin, Kapitalzins und Risikoprämie Bestandteile der Ge-
stehungskosten, d. h. hier der Selbstkosten, soweit dieser Begriff
im Einzelfall einer straf gerichtlichen Nachprüfung unterzogen wird.
Die Risikoprämie als Selbstkostenbestandteil ist eine Erfindung der
Kriegswirtschaft. Vorher berücksichtigte man „unvorhergesehene“
Ereignisse durch Sicherheitszuschläge, Abrundung der Beträge, Er-
höhung des Gewinnzuschlages.

Dieses Berechnungsschema hat jedoch nur Geltung für jene
Fälle, in denen Kriegswucherverdacht oder übermäßige strafrechtlich
zu verfolgende Preissteigerung bestimmter Gegenstände vorliegen;
hatte jedoch keine bindende Kraft für die Preisprüfungsstellen bei
der Errechnung eines angemessenen Preises als Grundlage für zivil-
rechtliche Werk- und Kaufverträge mit der Militärverwaltung. Zur
Klärung der vorhin angeschnittenen Fragen hat diese Verordnung
nicht beitragen können. Die Subjektivität des Begriffes bleibt auch
weiterhin bestehen.

Hier soll nur eine Frage grundsätzlich erörtert werden: Ge-
hören die Zinsen zu den Selbstkosten oder nicht? In dieser
Frage sind die Meinungen heterogen1).

Es sind zu unterscheiden aktive und passive Zinsen, je
nachdem sie als Einnahme- oder Ausgabeposten erscheinen, und
rechnungsmäßige Zinsenverluste. Hier interessieren nur
Zinsenausgaben und Zinsenverluste. Besonderer Erwähnung be-
dürfen : die Zinsverluste auf das Anlagekapital und die Liager -
zinsen, das sind Zinsverluste von der Fertigstellung bis zum Ver-
kauf des Fabrikats bzw. Verluste auf die Barauslagen vom Einkauf

’) Vgl. beispielsweise Esch, Über den Einfluß der Geschwindigkeit der
Beförderung auf die Selbstkosten der Eisenbahnen. Jena 1911, S. 13. Er unter-
scheidet Betriebskosten und Selbstkosten. Die Betriebskosten, vermehrt um die
Verzinsung des in Fahrzeugen angelegten und des sonstigen Anlage-
kapitals, geben die Selbstkosten; dagegen Nördling, Die Selbstkosten der
Eisenbahntransporte, und andere Autoren, welche die Zinsen des Anlagekapitals
nicht zu den Selbstkosten rechnen. Vgl. auch Meitzer, Die Grundzüge der
geschäftlichen Kostenberechnung. Saarbrücken 1910. S. 21. Berliner, Ab-
schreibungen und Zinsen in der Kalkulation. In der Zeitschrift für Handels-
wissenschaft und Handelspraxis. 1909. In den praktischen Beispielen dieses
Buches sind wiederholt Zinsen verschiedener Art in Rechnung gestellt, auch
dann, wenn dieses Verfahren mit den theoretischen Erörterungen nicht in
Einklang steht.
        <pb n="21" />
        ﻿11

der Roh- und Hilfsstoffe bis zur Verarbeitung und Ablieferung.
Zinsenverluste entstehen auch bei länger dauerndem Er-
zeugungsprozeß auf die bar bezahlten Arbeitslöhne, vom
Tage der Verausgabung bis zur Fertigstellung (bei Arbeiten auf
Bestellung) bzw. bis zum Rückersatz der Barausgaben bei Ein-
gang des Verkaufswertes (bei Arbeiten auf Vorrat). Die auf den
baren Verkaufswert berechnete Vergütung des Käufers für Zins-
verluste vom Verkaufstage bis zum Verfalltag bzw. bis zur Be-
zahlung der Rechnung (aktive Zinsen, Verzugszinsen, vgl. Verkaufs-
kalkulation) heißt Skonto. Endlich sind die Zinsenausgaben für
die Beschaffung von Geldkapital auf dem Wege des Kredits als
Unkostenbestandteile zu erörtern (Darlehenszinsen).

1.	Ob Zinsen auf das eigene Unternehmerkapital, die Rech-
nungszinsen, wie wir sie bezeichnen wollen, als ein Teil der Selbst-
kosten angesehen werden dürfen, ist strittig. Die einen wollen sie
aus dem zu erzielenden Reinertrag der Unternehmung decken, andere
rechnen sie zu den Unternehmungskosten r). Nach preußischem Ein-
kommensteuergesetz zählten sie nicht, nach bayerischem Steuer-
gesetz zählen sie zu den abzugsfähigen Erwerbs- oder Betriebskosten.

An sich sind solche Zinsen keine Ausgaben, sondern ein Teil
des Jahresgewinnes, ein „Bruchstück des produzierten Mehrwertes“
(Marx). Rechnet der Unternehmer Zinsen auf das eigene Unter-
nehmerkapital (Aktiva —- Schulden) zum üblichen Zinsfuß, so
ist er von seinem subjektiven Unternehmerstandpunkt im Recht:
erst über diese Verzinsung des Kapitals hinaus ist persönlicher
Unternehmergewinn vorhanden. Die Kapitalverzinsung gibt dem
Unternehmer an, was er erhalten könnte, wenn er sein Kapital
gegen Zinsen ausleiht, was er spart an Zinsenausgaben durch Besitz
eigenen Kapitals. Sie zeigt ihm den Kapitalgewinn ohne eigene
Unternehmerarbeit durch Beteiligung am Erträgnis an der Wirtschaft
eines Dritten.	t

Es handelt sich also nur um eine rechnungsmäßige
Scheidung des Unternehmereinkommens in Kapitalzins und persön-
lichen Unternehmergeswinn — Unternehmerlohn und Unternehmer-
gewinn — im Sinne der Volkswirtschaftslehre. Mit dem Betrieb
der Unternehmung haben diese Zinsen nichts zu tun, sind somit
objektiv kein Bestandteil der Selbstkosten, keine Betriebsaus-

’) So hat der deutsche Handelstag (Mitteilungen Nr. 17 von 1916 S. 42)
folgenden Bechluß gefaßt: Zu den Geschäftsunkosten gehört auch der Leihzins
des im Geschäft angelegten fremden und eine dem Geldmarkt entsprechende
Verzinsung des eigenen Kapitals sowie eine angemessene Risikoprämie;
vgl. dazu meinen Aufsatz: Übermäßiger Gewinn, i. d. Zeitschrift f. Handels-
wissenschaft usw., August 1917.
        <pb n="22" />
        ﻿12

gaben, keine Aufwendungen, obgleich man sie für die Kalkulation
des Unternehmers als Kostenbestandteil anzusehen pflegt1).

2.	Der unter l1. angeführte Fall der Zinsberechnung ist be-
deutungsvoll für Einzelunternehmungen, Personalgesellschaften und
für Rentabilitätsberechnungen. Von allgemeinerer Bedeutung für
die Selbstkostenermittelung ist die Anrechnung von Zinsen auf
das Anlagekapital, beispielsweise bei der Ermittelung der W erk-
statt- oder Maschinenunkosten. Die Mehrzahl der uns bekannt ge-
wordenen Kalkulationsmethoden rechnet neben der Abschreibung
auch Zinsen auf das in der betreffenden Werkstätte oder Maschine
investierte Kapital, und zwar rechnen die einen Betriebe sie vom
ursprünglichen Anschaffungswert, die anderen vom jeweiligen
Buchwert, entsprechend der Abschreibungsmethode.

Durch die Immobilisierung eines erheblichen Teils des Kapitals
entstehen Zinsverluste, die vom Käufer der erzeugten Güter zu
tragen sind. Es sind Verluste auf Kapitalwerte, die der Produktion
dienen, mittelbare Aufwendungen für die Bereitstellung von Mitteln
zum Zwecke der Herstellung und somit Teile der Selbstkosten. Ein
im Verhältnis zur Produktions- und Absatzfähigkeit zu großes An-
lagekapital verteuert die Selbstkosten insofern, als die Zinsen (und
die Amortisation) einen Bestandteil dieser Selbstkosten bilden.

3.	Die (passiven) Darlehnszinsen sind der Mietpreis für
Leihkapital, der Preis für Kapitalnutzung, ihrer Höhe nach im
voraus durch Vertrag bestimmt und in ihrer Gesamtheit von der
Art der Finanzierung der Unternehmung abhängig. Sie sind Er-
trägnisse einer anderen Wirtschaft und zweifellos ein Teil der Unter-
nehmerselbstkosten. Schuldzinsen für Hypotheken, Anleihen, Bank-
gelder sind Werbungskosten, feste Ausgaben, unabhängig von der
Leistung der Unternehmung. Sie bilden in der Selbstkostenberechnung
einen Durchgangsposten. Was der Verkäufer durch Einrechnung
der Schuldzinsen in den Selbstkostenpreis der Produkte an Zinsen
erhält, geht mit dem Fälligkeitstag der Schuld in die Hände der
Gläubiger über.

Die Zinsen des fremden Kapitals schmälern den Gewinn.
Schulte2) meint, die Selbstkosten eines Betriebes sind von den
finanziellen Verhältnissen der Unternehmung unabhängig, weshalb

') Wagner, Gemischte Werke, S. 41, rechnet 4% des Aktienkapitals zu
den Selbstkosten; 15 Mill. Kapital zn 4% = 600000 Mk., pro Monat 50000 Mk.,
verteilt mit 38 % = 19000 Mk., auf die Hochöfen, mit 60% auf das Walzwerk,
mit 2 % = 1000 Mk. auf die Eisengießerei! Ein anderes Beispiel für die Berechnung
des Betriebskapitals und dessen Verzinsung bringt Scliuchardt, Selbst-
kostenberechnung in Hüttenwerken, 1909, S. 49 ff.

2) Zeitschr. f. handelswiss. Forschung, IV. Jahrg., S. 335; ähnlich auch
Meitzer, Grundzüge, S. 22.
        <pb n="23" />
        ﻿13

die Schuldzinsen nicht zu den Selbstkosten zählen. Von zwei unter
sonst gleichen Produktions- und Absatzbedingungen arbeitenden
Unternehmungen wird die eine, die mit eigenem Kapital wirtschaftet,
einen höheren Geschäftsgewinn erzielen als die andere, die über-
schuldet ist oder mit erheblichem fremden Kapital arbeitet. Richtig
ist in dieser Anschauung, daß im letzten Fall nicht die Erzeu-
g u n g s kosten bei gleichen Verkaufspreisen die Entstehung eine's
größeren Reingewinns hindern. Eine Unternehmung dieser Finanz-
lage muß eben mit höheren Se 1 bstkosten rechnen; die Spannung
zwischen Selbstkosten und Verkaufspreis ist gering.

4.	Ein Beispiel für die Berechnung der Zinsenverluste während
der Produktion. Der Verkaufspreis einer Maschinenanlage wäre
45 000 Mk. Zahlungsbedingungen: ein Drittel bei der Bestellung,
ein Drittel nach der Ablieferung und Abnahme, ein Drittel des Kauf-
preises drei Monate später. Das Material für diesen Auftrag wird
Ziel drei Monate gekauft, die Herstellung dauert gleichfalls drei
Monate, Montage, Probelauf usw. bis zur Ablieferung einen Monat.
Berechnen wir auf Grund dieser Angaben die Zinsenverluste und die
Zinseneinnahmen des Produzenten bis zur Umwandlung des Waren-
in Geldkapital, d. h. bis zur endgültigen Bezahlung des Kauf-
preises :

a) Zinseneinnahmen

auf die Barzahlung 15 000 zu 5% auf 7 Monate = Mk. 437,50
» » Barzahlung 15 000 r 5% „ 3 „ = „ 187,50

Der Rest von	15 000 wird am Ende des

7. Monats bezahlt	„	—

Gesamteinnahmen Mk. 625,—

b) Zinsverluste

a. d. Materialeinkauf 18000 zu	5%	auf 4 Monate	=	Mk.	300,—

a.d.Herstellungsunk.1) 17 000 „	ö°/0 „5	„	=	„	354,—

auf die Montage 1000 ,	5 % „ 3 ’/s „	=	„	14,60

Gesamtverluste Mk. 668,60

Die tatsächlichen Zinsverluste sind demnach	Mk. 42,06

Während der Kriegsjahre hatten die Zinsverluste größere
Wichtigkeit erlangt. Die Rohmaterialien mußten an die Kriegs-
Rohstoffabteilung und Kriegsgesellschaften im voraus bezahlt werden,
die Militärverwaltung verzögerte die Abnahme, Prüfung und die
Bezahlung der Lieferungen um Wochen und Monate. Änderungen der
Konstruktion während der Bearbeitung, Verzögerungen in der Be-
lieferung mit Werk- und Betriebsstoffen (Bahnsperre, „Organisation“
der Beschaffung und Verteilung seitens der Kriegsämter) verlang-

') Eine genaue Berechnung muß die allmählich anwachsenden Ausgaben vom
Tage , der Verausgabung bis zur endgültigen Bezahlung des Kaufpreises in Tagen
rechnen. Wir nehmen hier im Durchschnitt 5 Monate bzw. 3 V* Monate.
        <pb n="24" />
        ﻿14

samten die Umlaufszeit der Güter in der Fabrikation, machten
Arbeiterverschiebungen innerhalb der Unternehmung nötig, ver-
ringerten in der Regel auch das Arbeitstempo. Eiu Teil des Nutzens
wurde durch Zinsenverluste aufgezehrt.

§ 5. Jede Produktion erfordert einen Aufwand an sachlichen '
Gütern und Arbeit. Eine wirtschaftlich vollkommene Produktion
liegt vor, „wenn der dem Produkte zugesprochene Wert höher ist
als der Wert der Kosten“. (Philippovich, Politische Ökonomie,

I,	1.) Der wirtschaftliche Erfolg der Produktion liegt in der Wert-
vergleichung zwischen Kosten wert der Güter — das ist die Summe
aller Aufwendungen — und ihrem Verkehrs- oder Gebrauchswert,
Das ökonomische Ziel der Produktion ist Gewinn, ist Reinertrag.
Demnach sind die Selbstkosten — ein privatwirtschaftlicher Be-
griff — Werbungs- oder Erwerbskosten, mittelbare und
unmittelbare Ausgaben und Verluste, die zur Erwerbung, Sicherung
und Erhaltung des Ertrages aufgewendet werden.

Jede Produktion setzt in der heutigen verkehrswirtschaftlichen
Organisation eine Unternehmung voraus, welche produziert, einen
Unternehmer, der in wirtschaftlicher und rechtlicher Beziehung für
die Unternehmung die Verantwortung trägt, den Wert der Pro-
duktionsmittel — Grund und Boden, Kapital und Arbeit — für
den Produktionszweck einsetzt „in der bewußten, vernünftigen und
erfahrungsmäßigen Voraussicht auf den Wiederersatz dieses Wertes
und Erlangung eines höheren Wertes dabei in den neuen Produkten“',
(W a g n e r, Theoretische Sozialökonomie, I, S. 146.)

Selbstkosten sind somit Unternehmungskosten, teils persönlichen
Art — Unternehmer- und Lohnarbeit — teils sachlicher Art, wie
Grund und Boden, Kapital in verschiedenen Formen. Will man eine
vom Standpunkt des Produzenten brauchbare Gruppierung der
Unternehmungskosten gewinnen, eine Einteilung, welche den die
Unternehmerkosten beeinflussenden Umständen gerecht wird, so er-
scheint uns die natürliche Gruppierung zunächst die Scheidung in
Anlagekosten und Betriebskosten zu sein.

Die Anlagekosten, das sind einmalige Ausgaben zur Be-
schaffung aller Produktionsmittel vor Beginn der produzierenden
Tätigkeit, sind abhängig von der zukünftigen und beabsichtigten,
technischen und wirtschaftlichen Gestaltung der Unternehmung. Sie
haben uns hier nur insoweit zu beschäftigen, als sie die Selbstkosten
der produzierten Güter beeinflussen.

Zu den Betriebskosten im weiteren Sinne zählen alle
Aufwendungen während des Betriebes einer Unternehmung (laufende
Ausgaben). Sie sind veranlaßt durch die produzierende und er-
werbende Tätigkeit des Unternehmers und abhängig von der wirt-
        <pb n="25" />
        ﻿15

schaftlichen und technischen Art des Betriebes, wie Betriebs-
einrichtungen, Arbeitsmethoden, lokalen Verhältnissen und anderen
mehr.

Die Höhe der Anlagekosten hat bestimmenden Einfluß auf die
Selbstkosten der produzierten Güter wegen ihrer Verzinsung
und der Amortisation. Beide zusammen bilden einen Teil der
Kosten des Betriebes. Man bezeichnet diesen Teil der festen oder
konstanten Kosten am besten als Kapitalkosten.

§ 6. Versuchen wir nunmehr eine Formulierung des Begriffes
„Selbstkosten“ und eine Gliederung mit Rücksicht auf die Bedürfnisse
der Kalkulationslehre. (Vgl. S. 5ff.) Unter Selbstkosten im
allgemeinen verstehen wir alle Ausgaben und Ver-
luste, welche mit der Anschaffung, der Herstel-
lung und dem Vertriebe von Sachgütern verbunden
sind. Die Gliederung der Selbstkosten wird danach unterschiedlich
sein, je nachdem es sich nur um die Anschaffung, um1 die Anschaffung
und Weiterveräußerung in wesentlich unveränderter Gestalt, um
die Erzeugung eines Gutes oder schließlich um Herstellung und
Weiterveräußerung handelt.

a)	Wenn wir unter Handel im engeren Sinne, Kauf- oder
Zwischenhandel, den gewerbsmäßig betriebenen Tausch-
verkehr verstehen, das ist Anschaffung von Waren für den
Wiederverkauf in wesentlich unveränderter Gestalt zum Zwecke
eines regelmäßigen Einkommenerwerbs, so ergibt sich ohne weiteres,
daß die Selbstkosten einer Handelsware sich zusammen-
setzen aus Anschaffungs- und Verkaufskosten. Im einzelnen gliedern
sie sich wie folgt:

I.	Anschaffungskosten (erste Kosten) der Ware:

1.	Preis der Ware am Einkaufsort.

2.	Einkaufs- und Bezugskosten am Einkaufsort, während der
Ortsveränderung und am Bestimmungsort.

3.	Deckungsspesen des Bankiers für den Gegenwert an den
Verkäufer der Ware, z. B. Wechselstempel, Kourtage, Bankzinsen,
Provision.

H. Zusatz-(Ergänzungs-)kosten:

4.	Allgemeine Kosten für die Verwaltung der Unternehmung,
den Vertrieb und die Verkaufsbereitschaft: Kosten für die Auf-
bewahrung bis zum Wiederverkauf (Versicherung, Lagergeld,
Lagerkostenanteil); Anteil an den allgemeinen ,V e r w altungs-
kosten, den sog. Handlungsunkosten; Zinsverluste auf die
Anschaffungskosten der Ware vom Tage der Verausgabung bis zum
Eintreffen der Gegenleistung des Käufers; Geldverluste durch
        <pb n="26" />
        ﻿vüi i ra

mmm

Mim?

— 16 —

Unverkäufliehkeit oder Verderben, Nichteingang der Forderungen;
allgemeine .Vertriebskosten, wie Reklame, Reisekosten und
ähnliches.

5.	Besondere Verkaufskosten an Vermittler des Ver-
kaufes (Rabatt, Umsatzprämie, Provision, Delkredere), an Vermittler
des Einzuges der Kaufpreisforderung (Inkassospesen), besondere
Kosten für die .Verpackung, Transport und Zollgebühren bis an
den Bestimmungsort bei fracht- und zollfreier Lieferung.

Schon jetzt müssen wir betonen: die Kalkulation der
Selbstkosten und die Kalkulation des Verkaufs-
preises sind zwei verschiedene Dinge. Die Berechnung
der Selbstkosten gehört zur guten Ordnung einer jeden Unternehmung.
Der Verkaufspreis einer Ware ist vielfach eine
gegebene Größe, die sich nicht nach der Höhe der
Selbstkosten richtet. Deshalb kalkuliert mancher Großhändler
den Verkaufspreis einfach durch Zuschlag einer (Roh-) Gewinn-
quote auf die ersten Kosten, d. i. der Gestehungspreis; der Unter-
schied zwischen Anschaffungskosten und Verkaufserlös soll auch die
allgemeinen Unkosten decken. (S. 7.) Sie unterlassen die Anrechnung
eines besonderen Aufschlages für Zusatzkosten, da diese Kosten
den Verkaufspreis nicht bestimmend beeinflussen können. Qualität
des Kunden, der Wettbewerb und manche andere, vorwiegend preis-
politische Erwägungen bestimmen die Festsetzung des Verkaufs-
preises im Einzelfall. Bei etwa gleichen Verkaufspreisen kann der
eine Warenhändler vielleicht die doppelten Handlungsunkosten
verausgaben, ohne daß er dementsprechend einen höheren Erlös
erzielt. Der Schwerpunkt der Tätigkeit des Zwischenhändlers liegt
im billigen Einkauf und in dem Bestreben, größere Umsätze zu
erzielen.

Die preispolitischen Verhältnisse liegen übrigens für die
einzelnen Geschäftszweige des Handels, für Groß- und Kleinhandel
so sehr verschieden, daß man von einheitlichen Gebräuchen bei
der Kalkulation des Verkaufspreises nicht sprechen kann: der eine
Kaufmann berechnet einen Durchschnittssatz für Handlungskosten
auf alle Waren, ein anderer differenziert diese Aufschläge nach
Warengruppen, d. h. nach dem größeren oder geringeren Anteil
der einzelnen Gruppen an den Ergänzungskosten, andere schließlich
verzichten überhaupt auf einen Zuschlag.

Die Theorie allerdings fordert, daß auch der Händler in jedem
Fall die Selbstkosten seiner Waren kennen müsse, gleichgültig,
ob diese Kosten den Verkaufspreis bestimmen oder nicht.

ß) Unter Selbstkosten des Produzenten eines
Sachgutes (S. 8) versteht man die Summe aller Ausgaben imd
Verluste, welche dem Produzenten durch Herstellung und Vertrieb
        <pb n="27" />
        ﻿17

erwachsen. Zu den Herstellungs- oder Produktionskosten (im privat-
wirtschaftlichen Sinne) sind zu rechnen die Kosten der Gewinnung
(z. B. Bergbau), Bearbeitung und Verarbeitung; zu diesen Kosten
treten bei den Erzeugnissen der Umformungsindustrie noch die
Kosten des Rohstoffes am Orte der Verarbeitung unter Berück-
sichtigung der Mengenverluste infolge der Bearbeitung, des Erlöses
der Abfälle und der Nebenprodukte. Die Anschaffungskosten für
Roh- und Hilfsstoffe sind wie die Anschaffungskosten einer Handels-
ware zu kalkulieren. Die Vertriebskosten entsprechen den früher
angeführten Verkaufskosten.

Die Selbstkosten eines Fabrikates entstehen nicht erst mit der
Erzeugung selbst, sondern von dem Zeitpunkt, in welchem der
Produzent an die Frage der Anfertigung herantritt — man denke
an Offertkonstruktionen, Vorversuche und ähnliches —; sie endigen
mit der Ablieferung der Ware und dem Eintreffen der Zahlung
des Kaufpreises, in anderen Fällen erst mit dem Erlöschen der
Haftpflicht des Verkäufers, d. h. mit dem Ablauf der Garantiedauer1).

Der Verkaufspreis soll den Aufwand an Kapital bei der Pro-
duktion und bei dem Verkauf ersetzen und den Mehrwert über die
Selbstkosten, das ist den .Gewinn enthalten.

Eine Gliederung dieser Selbstkosten kann nach verschiedenen
Gesichtspunkten versucht werden. Zunächst werden gewöhnlich
Herstellungs- (Produktions- oder Fabrikations-) Kosten von
denen des Vertriebes, des Absatzes unterschieden; die
Herstellungskosten nach Art der Berechnung wiederum in un-
mittelbare und mittelbare Aufwendungen. In der Um-
formungsindustrie spricht man in bezug auf das Einzelfabrikat von
Spezial- und Generalkosten des Fabrikates [§ 13]. Die Generalkosten
lassen sich scheiden in solche die für den einzelnen Werkbetrieb,
die Abteilung, die Werkstätte oder den Arbeitsplatz sich unmittelbar
feststellen lassen — Sonderkosten unter den Generalspesen, besondere
Betriebsunkosten — und gemeinschaftliche, allgemeine Betriebs- oder
Herstellungsunkosten, die nach bestimmten Verteilungsschlüssen
auf die Werkbetriebe, Abteilungen usw. verteilt werden müssen,
da sie nicht direkt erfaßbar sind.

Man spricht von einmaligen und von laufenden in regelmäßigen
Zeitabschnitten wiederkehrenden Kosten und unterscheidet letztere
in feste und veränderliche. Diese Gruppierungen sollen zur vor-
läufigen Orientierung genügen; sie lassen zahlreiche Modifikationen
zu. Jede der angeführten Einteilungen hat ihre theoretische Be-

‘) So berechnet beispielsweise eine Akkumulatorenfabrik einen X°/o Selbst-
kostenaufschlag für „Reklamationen“.

L$itn»r, Selbstkostenbereehmmg. 7„ Auf}.

2
        <pb n="28" />
        ﻿18

rechtigung ebenso wie der Wunsch, daß die Selbstkostenschemata
gleichartiger Unternehmungen vereinheitlicht werden mögen *): eine
Forderung von größter und für die Gewinnung brauchbarer Resultate
von ausschlaggebender Bedeutung für allgemeine volkswirtschaftliche
Untersuchungen. Die Praxis hat keine Veranlassung, sich solchen
theoretischen Wünschen anzupassen. Man wählt entweder eine
Gliederung, die durch Rücksichten auf eine richtige und für die
Kalkulationszw'ecke brauchbare Buchführung bedingt ist, geht also
von der Buchführung aus, oder der Betrieb teilt die Selbstkosten
ein mit Rücksicht auf die Förderungen einer ordnungsmäßigen Be-
triebskontrolle, auf die Abhängigkeit einzelner Kostenbestandteile
von bestimmten Größen, auf absolute und relative Größe und Be-
deutung der Kosten u. a.

Schwierigkeiten der Selbstkostenberechnnng.

§ 7. Welche Schwierigkeiten und Probleme treten bei der
Selbstkostenberechnung industrieller Betriebe auf?

I. Bei der Gesamtkalkulation, der Unkosten -Ver-
rechnung der Gesamtunternehmung (§§ 31 ff.).

a) Denken wir an einen isolierten Betrieb, der massenhaft
gleichartige Produkte liefert (Kohlenbergbau, Brauerei, Zement-
fabrikation). Die Feststellung der gesamten Jahreskosten eines der-
artigen Betriebes ist einfach, soweit die Ausgaben in Betracht
kommen. Schwierigkeiten bietet die Bestimmung der rechnungs-
mäßigen Unkosten bzw. Verluste, das sind Abschreibungen durch
Abnutzung und Amortisation durch Substanzverluste. Doch sind
die Berechnungsgrundlagen festgelegt, so daß Fehler eines Jahres
durch andere der folgenden oder früheren Jahre ausgeglichen werden.

Bedeutungsvoll für diese Unternehmungen ist
die Kenntnis der Zusammensetzung der Kosten und
des Anteiles der einzelnen Bestandteile an den Ge-
samtkosten, die Kenntnis ihres Einflusses auf den
Erlös der Produktion und die Rentabilität der
Unternehmung. Wir fordern:

1. Systematische und planmäßige Gliederung
sowie weitgehende Spezialisierung der Unter-

’) Es sei erwähnt, daß eine Vereinheitlichung und Schematisierung der
Kalkulationsformel für Betriebe der gleichen Branche als Mittel der Preis-
politik einer Absatzgemeinschaft versucht wurde; vgl. Boetzkes, Die Seiden-
warenproduktion. Tübingen 1909. S. 31, 82, 85.
        <pb n="29" />
        ﻿19

nehmungsk osten. Je schärfer der Wettbewerb, je geringer
der Nutzen ist, den der Verkauf läßt, desto mehr müssen die Kosten
in der Jahresrechnung und in der Unkostenstatistik spezialisiert
werden. Eine genaue Kostengliederung gibt das beste Spiegelbild der
äußeren und inneren Existenzbedingungen der Unternehmung. Man
kann behaupten, je mehr man die Selbstkosten einer Unternehmung
zerlegt, desto mehr spart man an. Kosten.

Diese Gliederung soll sich gleichmäßig auf Betriebs- und Ver-
triebskosten erstrecken. Die Tendenz, den berufsmäßigen Zwischen-
handel auszuschalten und mit dem Verbraucher in unmittelbare
Fühlung zu kommen, beherrscht vorwiegend die Industrie. Die Aus-
gestaltung des „Fabrikhandels“ und der zunehmende Wettbewerb
führen naturgemäß zu einer außerordentlichen Steigerung der Hand-
lungsunkosten, was wiederum die Forderung begründet, durch weit-
gehende Gliederung dieser Kosten sich die Kenntnis ihrer Ange-
messenheit und ihres Erfolges zu verschaffen (§ 50).

2.	Die Kosten der Erzeugung sind von jenen des Absatzes
zu trennen. Die Kostenstatistik muß ersichtlich machen, was der
technische Prozeß der Herstellung und was der Vertrieb kostet
(§§ 30, 50). Die Trennung zwischen Herstellungs- und Vertriebs-
kosten ist schon wegen der Bewertung der Bestände für die jährliche
Schlußbilanz erforderlich (vgl. § 261 Handelsgesetzbuch).

3.	Wo es angeht, ist der Gesamtherstellungsprozeß
rechnerisch in Einzelprozesse aufzulösen. Der aus
der wertschaffenden Tätigkeit des Unternehmers entstehende Pro-
duktionswert ist als eine Summe von Einzelwerten aufzufassen.
Jeder Einzelwert erfordert technische Operationen mit eigenem
Aufwand. Deshalb soll jede einzelne Operation innerhalb der durch
die Natur des Erzeugungsprozesses bedingten Grenzen mit ihrem
Geldaufwand aufgezeichnet ■werden. Die Selbstkostenberechnung muß
einen klaren Einblick in den Erzeugungsprozeß geben; deshalb muß
dieser in seine Einzelteile aufgelöst werden (§ 10).

Die folgende Berechnung bietet ein Beispiel besonders weit-
gehender Zerlegung der Kosten einzelner Operationen (Transport
von Kisten von der Bahn bis zum Abladen der fertigen Ware
sowie die Kosten der Verpackung). Die scheinbar so klaren Auf-
zeichnungen sind nicht leicht nachzuprüfen; im vorliegenden Fälle
sollten sie ungewöhnlich hohe Forderungen verschleiern.

2*
        <pb n="30" />
        ﻿20

1. Transport- und Fabrikationslöhne.

Transporte Bearbeitungs-
löhne:	löhne:

Mk. —,06
—&gt;20

Mk. —,16
— ,06

—,04	_,04

-M

1,30
—,08

—,32
—,08
—&gt;25

-,16_____________

Mk. 1,25 Mk. 1,64

2.	Emballagen.

4 Kisten zu Mk. 2,50..............................Mk. 10,—

40 Uberziehbeutel, Inhalt 2‘/a kg,

für 0/00 Stück Mk. 34,— ..........................„	1,36

80 Einlegebeutel, Inhalt 1 % kg,

für 0/00 Stück Mk. 32,50 .........................„	2,60

260 g Nägel, Mk. 56,30 für 100	kg ..... .	„	—,15

80 g Klebstoff, je kg Mk. 2,—........................ „	—,16

1,5 kg Tauchmasse, je kg Mk. 3,90.....................„	5,85

10 g Farbe........................................... „	— ,07

Mk. 20,19

3. Zusammenstellung.

a)	Löhne:

Transportlöhne...............1............... Mk. 1,25

20% Zuschlag................................................. „	—,25

Fabrikationslöhne............................................ „	1,64

50% Zuschlag ................................................ „	—,82

b)	Emballagen.................................................. „	20,19

10 % Emballagenverlust....................................... „	2,02

Mk. 26,17

4.	Erforderlich ist eine zweckmäßige Darstellungs-
form, die es ermöglicht, den inneren Zusammenhang der zahlen-
mäßigen Ergebnisse leicht zu erkennen. Notwendig ist die Um-
wandlung der absoluten Zahlen in Verhältuiszahleii (§ 10).

Kistentransport von der Bahn zum Lagerplatz:

1 Waggon = 3000 Kisten :	Transport Mk. 15,—

Ausladen „	25,—

Mk. 40,—

also auf 4 Kisten umgerechnet.................

4 Kisten, Transport bis zur Kistenmacheroi .	. ,

4	„	, zusammennageln je 4 Pfg................

4	„	, zeichnen je 1 ‘/4 Pfg..................

Aufsicht......................................

4 Kisten, zum Packhaus tragen....................

4	„	, emballieren und zunageln...............

Aufsicht......................................

4 Kisten, zum Lager fahren und stapeln ....

Aufsicht......................................

Waggon beladen einschließlich Aufsicht . . . .
Transport zum Bahnhof............................
        <pb n="31" />
        ﻿I.	b) Schwieriger ist die Unkostenberechnung, wenn innerhalb^
einer Unternehmung Haupt-, Neben- und Hilfsbetriebe1) vorhanden
sind. Beispielsweise vereinigt ein chemischer Großbetrieb eine
Säure-, eine Anilinfarbenfabrik, eine pharmazeutische Abteilung,
denen als Hilfsbetriebe ein Gaswerk, ein Wasserwerk und eine
Material-Transportbahn angegliedert sind. Oder einer Weberei sind
zwecks voller Ausnutzung der vorhandenen Betriebseinrichtungen
eine - Färberei und eine Appreturanstalt angeschlossen. Man denke
auch an die gemischten Werke der Großeisenindustrie.

Für diese Fälle gilt als Axiom, daß Haupt-, Neben - und
Hilfsbetriebe rechnerisch auseinander zu halten
sind, um ihren Einfluß auf das Gesamtergebnis festzuhalten.
Jeder Betrieb ist als ein Rechnungselement anzu-
sehen, dessen Aufwand festzustellen ist. Die für den
einzelnen Betrieb unmittelbar bestimmbaren Kosten sind ihm sofort
zuzuschreiben. Der auf ein Mindestmaß reduzierte Rest gemein-
samer nicht unmittelbar verteilungsfähiger Kosten ist auf die Einzel-
betriebe dem .Verbrauch, entsprechend zu verteilen. Die Schwierig-
keit liegt darin, einen richtigen Verteilungsmaßstab zu finden,
dessen Anwendung eine möglichst gerechte Aufteilung dieser oft
sehr erheblichen gemeinsamen Kosten gestattet (§ 31).

Die gleichen Schwierigkeiten treten auf, wenn es sich darum
handelt, die Gesamtkosten bei weitgehender Gliederung für kleinere
und kleinste Rechnungseiiiheiten zu ermitteln, beispielsweise die
Kosten einer Werkstätte, einer Maschine, eines Arbeitsplatzes oder
einer Gewinnungsstelle (Bergbau). Die Schwierigkeiten häufen sich
in gleichem Maße wie die Auflösung der Unternehmung in Rechnungst-
einheiten zunimmt.

II.	Schwierigkeiten bei der Kalkulation des Einzel-
produktes (§40 und VII. Abschnitt).

a)	Erzeugt eine Unternehmung nur ein Produkt oder Massen
gleichartiger Produkte, so besteht die Ermittelung der Selbstkosten
für die Verkaufs- oder Produktionseinheit in einer Teilung der Ge-
samtkosten des Gesamtbetriebes eines Jahres oder eines kürzeren
Zeitraumes durch die Produktionsmenge. Sämtliche Kosten für das
Einzelprodukt sind unmittelbar bestimmbar. Daraus ist zu folgern:
je mehr eine Unternehmung Massenfabrikation gleichartiger Pro-
dukte anstrebt und erreicht, um so genauer kann der Unternehmer
die Selbstkosten seiner Fabrikate berechnen. Generalisierung der

') Haupt- und Nebenbetriebe sind Betriebsabteilungen einer Unternehmung
mit fabrikatorischer Zweckarbeit; Hilfsbetriebe sind Betriebe ohne Produktions-
zweck und zur Unterstützung der Haupt- und Nebenbetriebe, beispielsweise Gas-,
Wasser- und Kraftwerk, Fabrikeisenbahn.
        <pb n="32" />
        ﻿22

Erzeugung und Spezialisierung der Betriebe ermöglichen eine genaue
Kostenermittelung.

b)	Viel schwieriger ist eine Kalkulation, wenn in einer Unter-
nehmung mehrere oder viele ungleichartige Produkte hergestellt
werden. In diesem Falle bilden die Selbstkosten eines Einzelproduktes
nur einen Teil der Unternehmungskosten; von den Selbstkosten
wiederum ist nur ein Teil unmittelbar für das einzelne Erzeugnis
bestimmbar. Der andere Teil läßt sich nur als Nährungswert an-
rechnen. Und gerade dieser Teil ist es, der eine wirtschaftlich
absolut richtige Kostenberechnung vielfach unmöglich macht. Die
wichtigste und häufigste Fehlerquelle bilden die sog. allgemeinen
oder gemeinsamen Kosten (§§ 41 ff.).

Eine richtige Kostenberechnung für das Einzelfabrikat ist in
Unternehmungen mit der oben charakterisierten Produktion dann
möglich, wenn die Erzeugung der Fabrikate örtlich getrennt ist.
Dann zerfällt der Betrieb in kalkulatorischer Hinsicht in mehrere
Unterbetriebe, die durch die Einheit des Vermögens zusammen-
gehalten werden. Findet aber zur rationellen Gestaltung der Fabri-
kation eine örtliche und zeitliche Arbeitsvereinigung statt, und ist
diese so eng, daß eine Wiederzerlegung rechnerisch nicht möglich
ist, dann ist die Schwierigkeit der Kostenberechnung die, ein Maß
zu finden, an dem der Anteil des Einzelproduktes an den gemeinsamen
Ausgaben mit größtmöglicher Annäherung an die wirklichen Aus-
gaben für dieses Produkt zahlenmäßig gemessen werden kann. In
der Praxis der Kalkulation finden sich als solche Maßstäbe: Material-
wert, Arbeitslohn, Produktionswert, Arbeitszeit u. a. Je vollständiger
der Aufwand für das Einzelfabrikat unmittelbar darauf verrechnet
werden kann, desto genauer wird die Selbstkostenberechnung und
um so mehr nähert sich der berechnete Wert der absoluten Richtig-
keit 41 ff.).

Eine richtige Lösung der angeführten Schwierigkeiten hat die
Kenntnis folgender Faktoren zur Voraussetzung:

1.	Genaue Kenntnis des technischen Prozesses der Herstellung und

2.	des derzeitigen Wertes der in der Unternehmung wirkenden
Produktionsmittel, des Anlage- und des Betriebskapitals, ihrer
Bestandteile, ihrer Verteilung auf die einzelnen Unterbetriebe, Ab-
teilungen, Werkstätten, Arbeitsplätze, Gewinnungsorte usf.

Jede Wirtschaftsführung und jede Wirtschaftsperiode beginnt
mit der Feststellung des in der Unternehmung festliegenden oder
umlaufenden Kapitals — Inventar und Bilanz — um die Beziehungen
der einzelnen Kapitalteile zum Gesamtbetrieb und den Gesamtwirt-
schaf tserfolg bestimmen zu können. Die Verteilung des produ-
zierenden Kapitals im angegebenen Sinn rechnerisch zu fixieren
ist notwendig wegen Bestimmung des Aufwandes und des Ertrages
        <pb n="33" />
        ﻿23

der Unterbetriebe und wegen Ermittelung der Selbstkosten der
Produkte.

3.	Die Kenntnis der Art der laufenden Ausgaben, des Auf-
wandes oder der Selbstkosten, ihre Gliederung und ihre Größe.
(Siehe Ia und b.)

4.	Beteiligung der Unter betriebe, Werkstätten, Arbeitsstellen
usf. an diesen Kosten (vgl. I und II oben).

5.	Kenntnis der Leistungen der sachlichen und persönlichen
Produktionsmittel, also der Arbeits- und Kraftmaschinen, der Be-
triebsanlagen, der Arbeiter usf.

Aufgaben und Bedeutung der Selbstkostenermittelung.

§ 8. Die wesentlichste Aufgabe1) der Selbst-
kostenberechnung besteht in der Berechnung des Aufwandes
der technischen Arbeit an Stoff, Kraft und Zeit, Aveil diese Faktoren,
die Kosten des Produktionsprozesses und damit den Preis der Arbeit
bedingen. Damit ist die Notwendigkeit eines geordneten Selbst-
kostenwesens bewiesen: Der technische Prozeß ist im einzelnen
und in seiner Gesamtheit auf seine Wirtschaftlichkeit zu prüfen;
die wirtschaftlichen Aufwendungen für den Arbeitsprozeß muß der
Produzent kennen. Die Kostenberechnung ermöglicht es dem Unter-
nehmer, Produktionswert vom Verkaufswert, die Selbstkosten vom
Reinertrag zu trennen, die Rentabilität der Unternehmung und ihrer
Teile zu bestimmen, den ganzen Betrieb auf seine Ordnungsmäßig-
keit zu kontrollieren, die Wirtschaftlichkeit neuer Einrichtungen
zu ermitteln u. v. a.

Die wirtschaftliche Besserung des Produktionsprozesses, das
Sparen in technischer Beziehung, kann vielfach nur auf Grund
eines geordneten Kostenwesens herbeigeführt werden. Wenn der
Einkaufspreis des Rohstoffes nicht herabgedrückt werden kann, der
Verkaufspreis nicht zu erhöhen ist, wie soll der Unternehmer
Kenntnis erlangen, wo er sparen kann, wenn er sich über die
Angemessenheit der (Produktionskosten seines Betriebes keine Rechen-
schaft geben kann. Nicht sparen an sich, sondern sparen am
richtigen Orte erhöht die Wirtschaftlichkeit eines Betriebes tatsäch-
lich. Die Selbstkostenberechnung beschränkt sich auf die zahlen-
mäßige Wiedergabe des Aufwandes. Doch ist ohne weiteres klar,
daß gewisse Erscheinungen innerhalb des Betriebes sich aus den
Zahlenergebnissen der Kostenrechnung beurteilen lassen. Deshalb
darf man sich nicht damit begnügen, die Einzelerscheinungen nur
arithmetisch -zu erfassen: man muß versuchen, den Kausalzusammen-

^ ^‘) Vgl. Schmalenbach in der Zeitschr. für handelsw. Forschung, 3. Jahrg.
        <pb n="34" />
        ﻿24

hang zwischen Ursache und Wirkung dieser Ergebnisse darzulegen.
Neben der formalen Prüfung der Ergebnisse muß eine fortgesetzte
aufmerksame Kritik der Zahlenergebnisse durchgeführt werden.
Vielfach führt die Vergleichung der Zahlen aus früheren Betriebs-
perioden oder aus analogen Verhältnissen auf Zweifel und Un-
richtigkeiten, wenn allzugroße Abweichungen ohne ersichtliche
Gründe auftreten.

Die Zahlen der Kostenberechnung liefern dem Unternehmer
außerordentlich wertvolles statistisches Material für die Beurteilung
der Ökonomie seines Betriebes; sie müssen nur untereinander in
. Beziehung gebracht, die absoluten Zahlen müssen in Verhältnis-
zahlen umgewandelt werden. Die richtige Deutung dieser Zahlen
setzt allerdings genaue Kenntnis des Betriebes und der Einzelheiten
des Fabrikationsprozesses voraus. Dem einen Unternehmer zeigt
die Kostenberechnung, daß der Betrieb oder die Fabrikationsmethode,
d. h. also der Produktionsprozeß besser oder billiger zu organisieren
ist und organisiert werden kann, um die Produktionskosten zu ver-
ringern; sie zeigt ihm, welcher Fabrikationszweig gewinnbringend
ist, mehr oder weniger forciert oder erweitert werden kann, welcher
Artikel unrentabel oder verlustbringend ist, so daß seine Erzeugung
eingeschränkt werden muß. Dem anderen wird der Nachweis ge-
liefert, daß nur durch Organisation des Verkaufes, durch Vergröße-
rung des Umsatzes die Ertragsfähigkeit seines Betriebes erhöht
werden kann, daß die Reklamekosten und die Provision erhöht
werden müssen, um den Umsatz zu steigern u. a. m.

Das Kostenwesen ermöglicht auch die Beurteilung der Qualität
und der Intensität der Arbeit durch Vergleichung der Leistungen;
denn der Arbeitslohn an sich ist nur der Geldwert der Arbeit,
das Äquivalent für die Leistungen.

Trotz der Bedeutung und der Vorteile einer ordnungs-
mäßigen, fortlaufenden Selbstkostenberechnung kalkulieren einzelne
Unternehmer überhaupt nicht. Die Scheu vor Neueinrichtungen
und deren Kosten, unzweckmäßige Organisation der Buchführung,
große Rentabilität des Unternehmens, geringe Konkurrenz und
manches andere halten den Unternehmer von der Einführung einer
genauen Kostenrechnung ab. Solche Produzenten verschaffen sich
die Preislisten der Konkurrenten und bestimmen danach die Ver-
kaufspreise in der stillen Hoffnung zu gewinnen. Sie überwälzen
die Mühe der genauen Kostenermittelung auf die Konkurrenz. Am
Ende des Jahres werden Gewinn und Umsatz ermittelt. Ein derartiges
Verfahren wäre nur bedingungsweise richtig: wenn alle Betriebe
derselben Gattung unter den gleichen wirtschaftlichen und tech-
nischen Verhältnissen produzieren würden. Und selbst in diesem
Falle ist die Ungewißheit über die wirklichen Selbstkosten der
        <pb n="35" />
        ﻿25

eigenen Fabrikate sehr bedenklich; denn der Unternehmer kann
Viele Fragen, die sich ihm in Beziehung auf seinen Betrieb ohne
weiteres aufdrängen, entweder gar nicht oder doch nur sehr unzu-
verlässig beantworten. Vielfach wird in syndizierten Industrien
nicht kalkuliert; die führenden Mitglieder des Syndikats kennen die
Selbstkosten ihrer Fabrikate, können also den Verkaufspreis danach
bestimmen. Die übrigen Unternehmer sind mit der Preis-Fixierung
einverstanden, verkaufen danach ohne zu wissen, wieviel sie das
Fabrikat kostet. Die Syndizierung gleichartiger Industrien hindert
vielfach die Entwickelung der Selbstkostenberechnung; da die Ver-
kaufspreise normiert sind, so können die Mitglieder die Ergebnisse
der Selbstkostenberechnung als Grundlage für Bemessung des Ver-
kaufspreises praktisch nicht verwerten — und sparen die Ausgaben
für eine ihrer Meinung nach unproduktive Organisation.

Solange eine Unternehmung ohne oder ohne nennenswerten
Wettbewerb arbeitet, vielleicht ein Produktions-Monopol besitzt,
solange überreiche Jahresgewinne erzielt werden, mag eine ober-
flächliche Kostenberechnung aus den Jahressummen ausreichend
erscheinen. Wenn aber der preisausgleichende Wettbewerb eintritt,
oder der Absatz und die Hochkonjunktur zurückgehen, dann wird
eine solche Unternehmung sehr häufig mit Verlust abschließen,
obwohl sie nicht schlechter als früher arbeitet und mit den Ver-
kaufspreisen zufrieden ist. Dann stellt sich bei genauer Nach-
forschung heraus, daß einzelne Artikel schon zur Zeit der Hochkon-
junktur mit großen Verlusten verkauft wurden, daß ihr Verkaufs-
preis zwei- oder dreimal so hoch hätte sein sollen, als er tatsächlich
war, ohne daß der Unternehmer davon Kenntnis hatte. Nun treten
diese Verluste in den Vordergrund; sie werden infolge der billigeren
Verkaufspreise der übrigen Fabrikate nicht mehr gedeckt. Häufig
ist es zu spät, genauer zu kalkulieren. Es wurden zu. teure, zu
große Betriebseinrichtungen angeschafft, deren Produktionsfähigkeit
nicht ausgenutzt werden kann. Der Absatz läßt sich nicht ver-
größern, kurz das Geschäft ist finanziell ruiniert. Viele den wirt-
schaftlichen Organismus schädigende Erscheinungen würden sich
vermeiden lassen, wenn mehr als bisher kalkuliert würde: mangel-
hafte Fabrikate, finanzielle Katastrophen, Preisschleuderungen usw.

Die Selbstkostenberechnung wird in kartellierten Industrien und
in solchen, deren Verkaufspreise vom Markt und dem Wettbewerb
abhängig sind, sich somit nicht ausschließlich oder vorwiegend
nach den kalkulierten Selbstkosten richten, mehr der Kontrolle des
inneren Betriebes, der Selbstkritik dienen. Sie wird einer solchen
Unternehmung angeben, wie lange sie bei den herrschenden Preisen
mitbieten kann, wann sie aufhören muß zu produzieren, ob die vom
        <pb n="36" />
        ﻿26

Syndikat, zugewiesene Menge genügt, die Kosten zu decken und Ge-
winn zu erzielen u. a. m.

Für Geschäftsbetriebe mit geringer Konkurrenz oder einem
Produktionsmonopol bildet die Selbstkostenberechnung gleichzeitig
die Grundlage für die Bestimmung des Verkaufspreises.

Wir halten einen Industriellen, der nicht kal-
kuliert, ebenso strafbar, wie einen Kaufmann, der
durch Aufwand übermäßige Summen verbraucht hat
oder schuldig geworden ist1). Da eine sachlich richtige
Kalkulation nur auf Grund einer detaillierten Kostenbuchführung
möglich ist, so ist ein Unternehmer, der sie unterläßt, wie ein
Kaufmann strafbar, der seine Handelsbücher nicht vollständig ge-
führt hat.

Manche Unternehmer begnügen sich damit, Normal-Zahlen
für den' Verbrauch festzustellen. Nützlichkeit und Zweck dieses
Verfahrens werden illusorisch, wenn der tatsächliche Aufwand nicht
fortgesetzt kontrolliert wird; dann fehlt die zweite Größe, die mit
der ersten verglichen werden soll (§§ 40, 62).

Wie wir schon früher andeuteten, ist das noch heute geübte
Verfahren, ohne Rücksicht auf seine eigenen Betriebsverhältnisse,
einfach billiger als die Mitbewerber zu verkaufen, ganz verwerflich.
Diese können veranlaßt sein, zu Schleuderpreisen zu verkaufen, um;
einen Mitbewerber wirtschaftlich zu ruinieren, ihn aus dem Kon-
kurrenzkampf auszuschalten. Bei mangelhafter Kalkulation wird es
längere Zeit brauchen, bis diese Absicht erkannt wird. Das Unter-
lassen der Kostenberechnung bringt in die ganze Unternehmung
einen Zug von Unsolidität; einige Artikel werden zu teuer, ändere
z u b i 11 i g verkauft. Die Betriebe derselben Branche arbeiten unter
ganz verschiedenen wirtschaftlichen und technischen Verhältnissen 2).
Der eine Unternehmer arbeitet mit eigenem Kapital auf einem
schuldenfreien Anwesen, ihm stehen billigere Arbeitskräfte (z. B.
bei günstiger örtlicher Lage des Betriebes), billige Betriebskräfte
(Anschluß an Elektrizitätswerke, Wasserkräfte), die neuesten Arbeits-
maschinen zur Verfügung bei verhältnismäßig geringer Steuer-
leistung. Er hat ein großes Absatzgebiet in der Nähe der Industrie-
zentren, ein kaufkräftiges, zahlungssicheres Publikum, hat auch
Gelegenheit zu billigem Ankauf des Rohmaterials in der Nähe der
Verkaufsorte. Er ist in der Lage, die Marktverhältnisse aus eigener

’) Vgl. § 240 Ziff. 1 der Konkursordnung. Ein Aufwand kann in über-
mäßigen Ausgaben für an sich berechtigte Zwecke gefunden werden. Über-
mäßige Ausgaben für 1 geschäftliche Zwecke können Strafbarkeit begründen.
(P et er sen-Kl ein fei ln er, Konkursordnung, etc., 4. Aufl., Lahr 1900; S. 704.)

0 Vgl. Reiser, Die Betriebs- und Warenkalkulation für Textilstoffe.
Leipzig 1903. S. 124. Weber, Uber den Standort der Industrien. Teil I.
Tübingen 1909.
        <pb n="37" />
        ﻿27

Anschauung kennen zu lernen und sich ihnen anzupassen. Er
vertreibt seine Fabrikate unmittelbar an die Konsumenten (z. B.
als Versandgeschäft), errichtet Fabrikniederlagen in den wichtigsten
Verbrauchsorten; ein Teil der Umarbeitung oder gar der Erzeu-
gung der Rohstoffe wird im eigenen Betriebe besorgt. Dieser Unter-
nehmer kauft im großen ein gegen Barzahlung, daher billiger; er
verfügt über technisches Wissen und ist deshalb nicht ausschließlich
vom guten Willen oder dem Können fremder Leute abhängig.

Ein anderer Betrieb derselben Branche ist wesentlich ungünstiger
gestellt. Das Unternehmen arbeitet mit fremdem Geld, infolgedessen
wird ein Teil des Betriebserfolges auf Zinsen verbraucht,
die bei geringer Kreditfähigkeit höher sein werden. Der Betrieb
liegt in der Stadt, daher teure Arbeitskräfte, in ungünstiger
Verkehrslage, daher teure Transportkostenx). Die Betriebskraft ist
wesentlich teurer; der Verkauf erfolgt durch Kommissionäre,
Reisende, infolgedessen hohe Verkaufsspesen; unter dem Druck der
Konkurrenz müssen längere Kreditfristen insbesondere durch Teil-
zahlungen in längeren Terminen bewilligt werden, was Verluste
zur Folge hat; vielfach sind Unternehmungen zu groß und zu
teuer gegründet, was erhöhte Selbstkosten bedingt. Kurz, die Einzel-
betriebe sind in finanzieller und technischer Beziehung durchaus
verschieden. Jede Unternehmung hat, betriebswirtschaftlich be-
trachtet, ein eigenes individuelles Leben. Das sind Gründe genug,
die jeden Unternehmer veranlassen sollten, selbst zu kalkulieren
und nicht nach den Preisen der Konkurrenz zu verkaufen.

Ist der Verkaufspreis so gering, daß er keinen Gewinn übrig
läßt und ist wegen des Wettbewerbs eine Besserung nicht zu erwarten,
so muß eben versucht werden, die Herstellungskosten zu verringern
durch billigeren Einkauf des Materials, technische Verbesserungen,
bessere Organisation des Verkaufes und des Betriebes, Herabdrücken
der allgemeinen Kosten usf. Auch dies ist vielfach nur möglich
an der Hand einer zuverlässigen Selbstkostenberechnung. Wie wenig,
und wie falsch kalkuliert wird, dafür bilden die sonderbaren
Submissionsblüten* 2) einen Beweis für viele andere. Die

') So rechnete man in Rheinland-Westfalen 28—30°/o der Gestehungskosten
des Roheisens auf Fracht, in England (Cleveland) hingegen nur 8—10°/o.

2) 1908 wurden bei der Vergebung der Bauarbeiten für einen 3,5 km langen
Tunnel zwischen Schlüchtern und Flieden (Bahnstrecke Frankfurt—Bebra) von
einer Firma 14,9 Mill., von einer anderen 4,385 Mill. Mark gefordert. Zwar
sind gerade im Tiefbau die unvorhergesehenen Ereignisse sehr zahlreich (Witte-
rung, Gesteinsart u. a. m.) und ein exakter Kostenvoranschlag schwer möglich.
Doch ist der Unterschied von 10 */* Mill. Mark doch zu groß, um durch diese
Umstände gerechtfertigt zu sein. Über andere Submissionsergebnisse (50 Bei-
spiele) berichtet Haeder, Die Preisbildung in der Maschinenindustrie. Wies-
baden 1911. (Heidelberger Diss.)
        <pb n="38" />
        ﻿28

Preisunterschiede zwischen dem höchsten und niedrigsten Angebot
sind in der Regel zu bedeutend, um sie nur durch die (Verschiedenheit
der betriebstechnischen und -wirtschaftlichen Verhältnisse der Be-
teiligten zu rechtfertigen. Wenn auch einzelne solcher Blüten der
Sucht nach Reklame, andere wieder dem Streben nach Vermehrung
der Arbeitsintensität des Unternehmens entspringen,, zumeist finden
sie ihre Begründung in der Unfähigkeit, ein verwickeltes schwie-
rigeres Angebot richtig zu berechnen. Viele Unternehmer kalkulieren
nach alten, traditionellen, nunmehr falschen
Formeln, die nicht der eigenen Denkarbeit entsprungen sind,
und ohne sie auf ihreRichtigkeit kritisch zu prüfen. Während
man der Weiterentwicklung des technischen Prozesses alle Sorgfalt
widmet, berechnet man die Kosten nach dem alten Rezept. Mag
sein, daß die Arbeitsüberhäufung und die gesteigerten Anforde-
rungen an seine wissenschaftliche Weiterbildung den Betriebsleiter
hindern, der Kostenberechnung größere Aufmerksamkeit zu schenken,
oder, daß man diese Arbeit als ein notwendiges Übel technisch und
kaufmännisch unzülänglich vorgebildeten Hilfsbeamten überläßt, oder
daß man auf Fehler nicht aufmerksam gemacht wird, kurz, die
Tatsache ist nicht zu leugnen, daß die Kalkulationssysteme einzelner,
wenn nicht vieler Betriebe durchaus nicht der Höhe ihrer tech-
nischen Entwicklung entsprechen.

Vor einer Übertreibung ist zu warnen; wenn ein Unternehmen
mit Verlust arbeitet, so darf nicht alle Schuld den Mängeln der
Kostenverrechnung zugerechnet werden. Geringe Leistungsfähigkeit,
Mangel an Ökonomie und vieles andere werden mitschuldig sein.
Häufig arbeiten junge Unternehmungen mit Verlust, da die not-
wendigen Betriebserfahrungen fehlen.

Preispolitik.

§ 9. Wir erwähnten, daß die Kostenberechnung die Grund-
lagen für die Kalkulation des Verkaufspreises liefert. Dieser be-
rücksichtigt die allgemeinen und die besonderen Verkaufskosten,
z. B. Handlungskosten, Zinsenverluste, Preisnachlässe, Provisionen
usw. Die Verkaufskalkulation gibt somit an, welchen Verkaufspreis
das Produkt auf Grund der Kostenberechnung haben müßte. Die
Formel hierfür ist:

V (Verkaufspreis) =r Herstellungskosten -J- Verkaufsunkosten

= Selbstkosten -f-
-j- Gewinnaufschlag.
        <pb n="39" />
        ﻿29

In dieser Formel stehen V, und der Gewinnaufschlag* 1) bei
gleichen Selbstkosten in einem direkten proportionalen Yerhältnisse:
Je höher der Verkaufspreis, desto größer der Gewinn. Da sich
der Verkaufs- als Marktpreis im allgemeinen nach Angebot und
Nachfrage richtet, so sind V und Gewinn variable Größen. Syndikate
beeinflussen den Verkaufspreis in der Regel günstig. Im Angebot
kommen zum Ausdruck Selbstkosten, Verkaufsdringlichkeit,
Vorratsmenge, Möglichkeit anderweitigen Absatzes (Konkurrenz der
Käufer); die Nachfrage richtet sich nach der Größe des Bedürfnisses,-
Kaufdringlichkeit, Zahlungsfähigkeit des Käufers, Möglichkeit ander-
weitiger Beschaffung (Konkurrenz der Verkäufer).

Die Beobachtung der erwähnten wirtschaftlichen Preisbestim-
mungs - Momente ist Sache der Preispolitik. Die Selbst-
kosten-Kalkulation hat die Aufgabe, die „Selbstkosten“ des
Verkäufers zu berechnen, d. h. die Summe aller unmittelbaren und
mittelbaren Aufwendungen mit erreichbarer Genauigkeit zu bestim-
men, die die Erzeugung und der Absatz eines Produktes ver-
ursachten. Wird auch der Verkaufspreis kalkuliert, einschließlich
des Gewinnaufschlages, so kann es sich um ein Produktionsmonopol,
einen patentierten Artikel handeln, dessen Verkaufspreis sich noch
nicht nach der Konkurrenz der Verkäufer richten muß, oder um
einen Voranschlag, oder schließlich um die Ermittelung eines „theo-
retischen“ Verkaufspreises, eines Hoffnungswertes. Aber stets
werden bei der Festsetzung des Verkaufspreises preispolitische
Momente mitsprechen. Die Preiskalkulation ist eine Kosten-

’) Analyse der Gewinne einer Produktionsunternehmung:

1.	Fabrikationsgewinn durch Steigerung des Marktwertes der Erzeug-
nisse infolge der Bearbeitung des Roh- oder Zwischenproduktes mit Ein-
schluß des Gewinnzuschlages auf den Verkaufspreis des Betriebsstoffes.
Reingewinn ist der Unterschied zwischen Selbstkosten und Verkaufserlös.

2.	Materialpreisgewinne, d. i. der Unterschied zwischen Einkaufskosten
und dem angerechneten Verkaufspreis der Rohstoffe, wenn der Tagespreis
höher ist als der selbstbezahlte Einkaufspreis. Hierher zählen auch die
spekulativen Bedarfsdeckungen in der Form der börsenmäßigen Termin-
geschäfte.

3.	Lieferungsprämien, d. s. Preiszuschläge für Belieferung in bestimmten
Mengen bzw. über eine Mindestmenge hinaus.

4.	„Stille“ Gewinne im Unterschied zwischen aufgerechneten und veraus-
gabten Unkosten.

5.	Ersparnisgewinne durch Ausschaltung von Zwischengliedern: Selbst-
verarbeitung der Nebenprodukte, Selbstverwertung der Abfälle, Selbst-
erzeugung der Betriebsstoffe und Selbstverbrauch der Vor- und Zwischen-

. produkte im Wege der Betriebsvereinigung, Selbstverkauf der Fabrikate.

5. Anorganische Gewinne, wie Finanzierungs- und Beteiligungsgewinne
an industriellen Unternehmungen.

7. Handelsgewinne, wenn neben der Erzeugung auch Handel mit Industrie-
produkten getrieben wird.
        <pb n="40" />
        ﻿30

berechnung mit Rücksicht auf alle den erreichbaren Verkaufspreis
bestimmenden Einflüsse. Z. B. Zuschlag eines „Preisnachlaß-
Aufschlages“, wenn das Abhandeln zu den Gewohnheiten des Käufers
gehört (Käufersitte).

a) Der Gewinnaufschlag bei Bestimmung der Verkaufsmöglich-
keit eines patentierten Artikels, bei dem also das Angebot nur
von einer Seite erfolgt, wird höher sein als der Aufschlag auf ein
auch von Mitbewerbern erzeugtes Fabrikat. Der zukünftige Gang
des Preises eines solchen Artikels läßt sich nur annähernd und
mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit im voraus berechnen. Von
Einfluß werden sein: Absatzminimum mit Rücksicht auf die Pro-
duktionskosten; Größe des zukünftigen Marktes; Zahlungsfähigkeit
der zukünftigen Abnehmer; Befriedigung eines vorhandenen Be-
dürfnisses oder die Möglichkeit, durch Erzeugung des betreffenden
Artikels ein Bedürfnis künstlich hervorzurufen; Bedarfsmenge; die
Kosten der Neuanlagen und der bisherigen Versuche; der Kaufpreis
einer dem Unternehmer überlassenen Erfindung, usw. Ein unver-
hältnismäßig hoher Gewinnaufschlag kann zur Ablehnung des
Artikels seitens des kaufenden Publikums führen. Oft wird bei ver-
hältnismäßig niedrigen Preisen der höchste Gewinn erzielt (z. B.
bei Konsumartikel); der große Umsatz liefert dann bei kleinerem
Nutzen das Maximum des erreichbaren Gewinnes. Gegen das Ende
der Patentdauer wird man mit den Preisen heruntergehen; einerseits
weil infolge der Verbesserung der Betriebseinrichtungen billiger
produziert werden kann, andererseits will man einen Massenkonsum
erzielen; bis andere Betriebe eingerichtet sind, Erfahrungen sammeln
und ebenso billig produzieren können, hat das erste Unternehmen
einen schwer einzuholenden Vorsprung.

ß) Die Preispolitik hat auch die Verkaufsmöglichkeit bei einem
im voraus vom Käufer bestimmten Preis (Verdingung, Anfrage)
zu ermitteln. In diesem Falle kann nur eine genaue Selbstkosten-
berechnung angeben, ob das angebotene Geschäft zum angegebenen
Preis übernommen werden kann oder nicht. Viele Betriebe erzeugen
Artikel, die trotz soi’gfältiger Kostenberechnung mit Verlust1) ver-
kauft werden müssen, ohne daß die Einstellung der Fabrikation,
teils aus technischen Gründen, vielfach wegen kaufmännischer
Überlegung zweckmäßig erscheint. Solche Verluste müssen durch
vermehrten Umsatz in anderen Artikeln wieder hereingebracht
werden. Sie entstehen häufig dadurch, daß man nicht alle einem
Produkt rechnungsmäßig zukommenden Unkosten (Verkaufs- oder
Verwaltungsspesen) auf den Kosten preis des Produktes schlagen

’) Aktienfabriken reservieren mitunter einen Teil des Reingewinnes, um
solche unvermeidliche, Verlust bringende Geschäfte für das Betriebsjahr unwirk-
sam zu machen.
        <pb n="41" />
        ﻿31

kannx), um gegenüber den Mitbewerbern noch einen „Marge“ zü
haben. Eben deshalb muß ein geordnetes Selbstkostenwesen vor-
handen sein, damit zum mindestens nichts an Material, Lohnkosten
und Betriebsspesen verloren wird (§ 30).

In einzelnen Fabriken wird schon bei der Verteilung der allge-
meinen Spesen (Unkostenverrechnung) auf die schlechte wirtschaft-
liche Lage einzelner Betriebsabteilungen Rücksicht genommen:
Sogenannte „kranke Betriebe“, die an sich schon mit Verlust
F.rbeiten, werden mit geringeren Beträgen belastet, während anderen
Betrieben eben höhere Anteile zugerechnet werden. Diese Ver-
rechnungsweise muß zu einer Trübung des kalkulatorischen Bildes
führen, vermengt Kostenrechnung und Preispolitik und kann im
Interesse einer klaren Selbstkostenermittelung nicht empfohlen
werden. Ein nicht rentierender Betrieb kann nicht ohne weiteres
aufgegeben werden. Man wird versuchen, ihn zu halten in der Er-
wartung besserer Zeiten. So führte der Geschäftsbericht einer
sächsischen Maschinenfabrik aus, „daß, um die Beamten und Arbeiter
halten zu können, die Gesellschaft ausländische Aufträge zu Verlust-
preisen übernehmen mußte, daß die Konkurrenz im Dampfmaschinen-
bau so stark wurde, daß nur verdienstlose Aufträge erlangt werden
konnten. Im Werkzeugmaschinenbau waren, da alle Werkzeug-
maschinenfabriken Mangel an Beschäftigung hatten, die Preise stark
gedrückt, so daß trotz des erheblich größeren Umsatzes mit Ver-
lust gearbeitet wurde“. Die in anderen Abteilungen erzielten Ge-
winne sollen die Betriebsverluste und die Abschreibungen decken.

Daß auch verdienstlose Aufträge angenommen oder schlecht
rentierende Artikel erzeugt werden müssen, ist vielfach ein Ge-
bot der Geschäftspolitik. Durch die Einstellung eines Betriebes geht
immer Kundschaft verloren, die auch gewinnbringende Artikel
kaufte. Andererseits decken solche Aufträge wenigstens die Kosten,
Denn es gibt konstante Ausgaben, die im Fälle der nicht ausreichenden
Beschäftigung eines Betriebes mit um so größeren Anteilen den
übrigen Betrieben zur Last fallen, d. h. dadurch die Produktion
allgemein verteuern. Aus dem gleichen Grunde füllt man geschäfts-
lose Zeiten mit der Erzeugung von Lagerartikeln aus, selbst wenn
diese später mit Verlust abgestoßen werden müssen. Solche Ver-
luste sind häufig geringer, als jene, die durch die Reduktion oder
die Einstellung des Betriebes entstehen.

Viele Unternehmer berücksichtigen in ihrer Kalkulationsformel
auch Zinsen auf das Anlagekapital und die Materialbestände, andere
überdies die Lagerzinsen bzw. Zinsen Verluste bis zum Verkauf des

l) So werden z. B. sogenannte Luxusspesen industrieller Großbetriebe
(Kosten der Wohlfabrtseinrichtungen) häufig nicht in den Kostenpreis eingerechnet.
        <pb n="42" />
        ﻿32 —

Produktes. In solchen Fällen können Aufträge, die sich gegenüber
dem Kalkulationspreis als verdienstlos darstellen, immerhin über-
nommen werden; denn in diesem Preis steckt ein indirekter Nutzen:
die Verzinsung des eigenen Kapitals.

y) Ähnlich liegt der Fall, wenn gegenüber der Konkurrenz das
mögliche Minimum des Verkaufspreises zu bestimmen ist. Hier
wird ein umsichtig organisiertes Kostenwesen die Möglichkeit bieten,
zu ermitteln, wie weit der Unternehmer mit seinem Angebot herunter-
gehen darf — wie lange er ,,mitlaufen“ kann — ohne Schaden zu
erleiden.

b)	Es gibt Fälle, in welchen die Preise mehrerer Güter in
einem gegenseitigen Abhängigkeitsverhältnis oder doch in einem
solchen Zusammenhang stehen, daß die Preisbildung des einen durch
die des anderen unmittelbar beeinflußt wird (Zusammenhängende
Preise)1). Solche Fälle sind:

a)	Zusammenhängende Produktion mehrerer Güter. Z. B. Bei der Einzel-
produktion ergeben sich neben dem Hauptprodukt, auf das das Ziel der Pro-
duktion gerichtet ist, Nebenprodukte (Teile der Rohstoffe oder Reste des Ver-
arbeitungsprozesses).

b)	"Verschiedene Produktionen werden durch die Einheit des Unternehmens
zusammengehalten: die Betriebe hängen technisch vielfach untereinander zu-
sammen; zwar werden die Kosten der verschiedenen Produktionsabteilungen ge-
sondert verrechnet, doch ist die Rentabilität des Unternehmens nicht von der
günstigen Preisgestaltung in jedem Produktionszweig abhängig.

c)	Verschiedene Unternehmen mit selbständiger Produktion werden durch
die Einheit des Vermögens zusammengehalten: Es besteht zwar kein sachlicher
Zusammenhang zwischen den Einzelproduktionen, aber sie werden von einem
Eigentümer geleitet. Die Preise der Produkte haben zunächst die Kosten der
eigenen Produktion zu decken.

Gemeinsam diesen Fällen ist, daß der Preis des einzelnen Produktes über-
haupt nicht der Ausdruck seiner Produktionskosten sein kann, weil die Produktions-
kosten nur für die Gesamtheit aller Güter festgestellt werden können. Oder es
wird ein Produktionskostenpreis zwar gefunden, der für die Wirtschaftsführung
und die Möglichkeit der Fortführung insofern keine Rolle spielt, als er durch
die Preisentwicklung anderer Produkte ausgeglichen werden kann. Infolge-
dessen kann bei der Produktion innerhalb des gleichen Unternehmens und Ver-
mögens andauernd unter den Produktionskosten verkauft werden, wenn die
damit zusammenhängenden Produktionen hinreichend Gewinn abwerfen, um den
Gesamterfolg der Wirtschaftsführung rentabel zu machen.

Die technischen und wirtschaftlichen Vorteile einer Betriebs-
vereinigung2) (Fälle b und c) kommen unzweifelhaft in den ver-
minderten Selbstkosten der Produktion zum Ausdruck: Geringere

*) Vgl. Philippovich, Grundriß der politischen Ökonomie. Tübingen
1913, I. Bd., S. 274. Wagner, Die gemischten Werke der Großeisenindustrie.
Berlin 1912, S. 156 f., 218 f.

*) Vgl. Hey mann, Die gemischten Werke im deutschen Großeisengewerbe.
Berlin 1904, S. 211 ff.
        <pb n="43" />
        ﻿33

Anlage- und Betriebskosten für notwendige Nebenbetriebe, die allen
Betrieben gemeinsam dienen (Gas- und Wasserwerke, Eisenbahnen);
Wegfall der Zwischenfraeht, der Vergütung an Zwischenhändler;
Ersparnis durch Verarbeitung der Nebenprodukte im eigenen Be-
triebe, Verwertung der Hochofengase. Die Vorteile der Vereinigung
verschiedener Produktionsstufen in einer Unternehmung — z. B.
in der Montanindustrie: Gruben und Hochofen, Hochofen und Stahl-
werk, Walzwerk und Maschinenfabrik, von denen der eine Betrieb
das Material liefert, der andere es verarbeitet — treten um so stärker
in Erscheinung, wenn die verschiedenen Betriebe auch örtlich kon-
zentriert sind.

e) Von der unter ß erwähnten Politik der Unkosten Verteilung
ist die Politik der Schaffung von Kostenreserven zu
unterscheiden, mit denen Unternehmungen mit stark schwankenden
Betriebsergebnissen bzw. Betriebsunkosten oder mit einem ungenauen
System der Kostenberechnung zu arbeiten pflegen. Es wird beispiels-
weise bei Preisangeboten auf Grund einer Vorkalkulation das Roh-
gewicht des Werkstoff Verbrauchs höher veranschlagt (Material -
k ostenreserve); oder die Zentral Verwaltung bestimmt, daß für
das Jahr 1920 mit 250% Unkosten zu kalkulieren ist, während die
wirklichen Unkosten nur bis 200%' betragen. Wenn eine finanziell
gut fundierte Unternehmung trotz bilanzmäßig vollständig abge-
schriebener Anlagewerte in die Unkostenberechnung die normalen
Abschreibungen auf diese Produktionsanlagen einrechnet, schafft
sie sich durch dieses für, die Dauer der Produktionsfähigkeit der
Anlagen durchaus zu rechtfertigendes Verfahren eine stille Un-
kostenreserve, die sie in den Stand setzt, unter Umständen
beim Preis entgegenzukommen. Wir haben eine Unternehmung
kennen gelernt, die durch Einrechnung der stillen Abschreibungen
auf die Anlagewerte und die Lagerbestände, der sozialen Lasten wie
Spenden, Pensionskassendotierung und anderer „Unkosten“ in die
Kosten des folgenden Geschäftsjahres den Unkostenzuschlag von
160 o/o' auf 370% hinaufsetzte, und bei diesem Unkostensatz dank
ihrer vorzüglichen technischen Einrichtungen immer noch konkur-
renzfähig blieb. Falls eine Fabrik gewohnheitsmäßig mit 6 o/o
Ausschuß kalkuliert, obgleich sie tatsächlich zwischen 3—5% Aus-
schuß hat, liegt in dem Unterschied wiederum eine Gewinn- bzw.
Kostenreserve. Bekannt sind auch die Ausbeutereserven in
der chemischen Großindustrie, die sich ein Betriebsleiter durch An-
gabe ungünstigerer Ausbeutezahlen schaffen kann, eine Reserve, aus
der er ohne Kenntnis der Zentralverwaltung gelegentliche un-
günstigere Betriebsergebnisse, z. B. Fehlchargen in der Farben-
industrie deckt oder besser gesagt: verschleiert.

Löitner, Selbtkostöubereehnung 7, Auf].
        <pb n="44" />
        ﻿

Lieferpreis 195,— Mk. das Stück.

Die Organisation der Selbstkostenberechnung.

§ 10. I. Das Selbstkostenwesen eines industriellen Betriebes
hat sich nach zwei Richtungen hin zu betätigen. Zunächst sind
die Gesamtkosten der Unternehmung und ihrer Werkbetriebe zu er-
mitteln sowie auf die einzelnen Unter betriebe und Werkstätten zu
verteilen. Diese Summen werden in mehr oder weniger spezifizierte
Teilbeträge, d. h. in Unkostengruppen zergliedert. Je weiter diese
Unterteilung geht, desto besser können die Ökonomie des Betriebes
und die Schwankungen innerhalb einer Betriebsperiode beurteilt
werden. Wir bezeichnen dieses Teilgebiet — Berechnung, Zer-
gliederung und Verteilung der Kosten in ihrer Gesamtheit — als
Betriebskalkulation oder Kostenverrechnung.

Sie hat brauchbare Grundlagen zur Lösung der zweiten Teil-
aufgabe zu liefern: zur Kalkulation des Produktes. Die Kalkulation
der Selbstkosten eines Fabrikates erfolgt in jedem Unternehmen
nach einer mehr oder weniger spezialisierten, feststehenden Formel,
deren Hauptsummanden die folgenden sind: Materialwert, Kosten
der Arbeit und allgemeine Unkosten. Auf die Einzelheiten wird
später ausführlich einzugehen sein.

Das Selbstkosten wesen eines industriellen Be-
triebes umfaßt somit Kostenberechnung des Ge-
samtbetriebes, der Teilbetriebe und die Kalku-
lation der Einzelfabrikate.

II.	Ein gut organisiertes Kostenwesen muß sich den besonderen
Verhältnissen des Betriebes anpassen. Die Kalkulation ist
individuellwiedie Unternehmungselbst. Deshalb läßt
        <pb n="45" />
        ﻿35

sich kein allgemein gültiges Schema der Kostenberechnung und
der Kalkulation aufstellen. Es können nur die Grundsätze erörtert
werden, die bei der Organisation maßgebend sein sollen.

Die praktischen Zwecke der Selbstkostenermittelung lassen sich
nur dann erreichen, wenn die gestellten Aufgaben so einfach wie
möglich und in kurz begrenzter Zeit gelöst werden. Jede Kalkulation
, hat mit Fehlern und Unvollkommenheiten zu rechnen. Je weniger
Rechnungskontrolle angewendet wird, desto größer werden die Wahr-
scheinlichkeit und die Zahl der Fehler. Deshalb hat man bei der
Organisation der Kostenberechnung zu sorgen, daß die
Fehlerquellen so viel wie möglich eingeschränkt und die bestehen
bleibenden Fehlergrenzen in ihrer Bedeutung für das Gesamter-
gebnis herabgedrückt werden.

Je einfacher, klarer und übersichtlicher das
Kostenwesen organisiert ist, desto besser werden die unmittelbar
praktischen Zwecke und die Einzelaufgaben erfüllt. Die Einfach-
heit ermöglicht die rasche Aufdeckung von Unrichtigkeiten in der
Verrechnung, die Kontrolle der Eintragungen, leichten Ersatz der
oder des Rechnungsbeamten und Berechnung der Kosten eines zu
erzeugenden oder in Arbeit befindlichen Produktes. Die Kosten-
berechnung für die Einzelbetriebe soll möglichst rasch fertig sein,
damit Störungen innerhalb des Betriebes,' die durch Vergleichung
des normalen mit dem tatsächlichen Verbrauch ohne weiteres fest-
zustellen sind, dem Betriebsleiter sofort zur Kenntnis gebracht und
rechtzeitig abgestellt werden können.

Die Organisation eines zweckentsprechenden Selbstkostenwesens
setzt umfassende Kenntnisse des Betriebes nach der technischen
Seite hin und planmäßige Vorbereitung voraus. Sie erfordert genaues
Studium der in der Produktion wirkenden Teilursachen, der einzelnen
Arbeitsprozesse, der vorhandenen Einrichtungen, der Arbeiten des
inneren Betriebes. Die planmäßige Vorbereitung wird sich vorerst
über die Wege und die Grenzen einer richtigen Lösung der gestellten
Aufgaben, über die Beschaffung der Berechnungsgrundlagen sowie
über die Zusammenstellung des Zahlenmaterials klar werden müssen.
Man versuche zunächst an Vorhandenes anzuknüpfen und erst
allmählich die Organisation und Verrechnung auszubauen, eine
Arbeit, die mitunter Jahre in Anspruch nehmen wird. Eine plötz-
liche und gänzliche Veränderung des bisherigen Verrechnungs-
systems wird häufig mit Unzufriedenheit, Verbitterung und Auf-
lehnung der von der Neuorganisation betroffenen Personen, mit
groben Fehlern in der Verrechnung verbunden sein. Notwendig
ist die Erziehung des Personals1). Jede Neueinrichtung, insoweit

‘) Mit gutem Recht betont Meitzer (Grundzüge S. 84) die Bedeutung der
Persönlichkeit für eine brauchbare Selbstkostenberechnung, das Psycho-
se
        <pb n="46" />
        ﻿36 —

sie dem Arbeiter zum Bewußtsein komlmt, begegnet Mißtrauen;
denn jeder Arbeiter glaubt zunächst, daß es der Zweck der Neu-
organisation sei, seinen Lohn- oder Gewinnanteil zu kürzen, und
darin sind Arbeiter bekanntlich am empfindlichsten. Die Werkmeister
fürchten eine Vermehrung der Schreibarbeit, und die Betriebsleiter
schließlich — ihrer Meinung nach sind ihre Betriebe stets zu
hoch mit Unkosten belastet — befürchten eine weitere Belastung.
Bei der Aufzeichnung eines Aufwandes, der dem Arbeiter überlassen
bleiben muß, z. B. Eintragung der auf eine Arbeit verwendeten
Zeit, erleichtere man dem Arbeiter die Schreib- und insbesondere
die Yerstandesarbeit. Je mehr Gedankenarbeit man ihm zumutet,
mit um so geringerer Gewissenhaftigkeit wird die Aufzeichnung
erfolgen; man muß eben den Arbeiter nehmen wie er ist und nicht
wie er sein soll.

Der Ausbau soll planmäßig und stets im Einvernehmen mit
dem Betriebsleiter erfolgen. Der Organisator wird zunächst die
Faktoren der Yerrechnung im einzelnen bestimmen, vorerst die
Hauptbetriebe, dann die Nebenbetriebe, zuerst die Hauptarbeiten,
dann die Nebenarbeiten allmählich genauer verrechnen. Es kann
infolge wirtschaftlicher Erwägungen wünschenswert erscheinen, die
Kosten einer Betriebsabteilung genauer zu zergliedern, diejenigen
einer anderen Abteilung weniger zu spezialisieren. Selbst gut aus-
gebaute Yerrechnungssystame bedürfen mitunter einer vorüber-
gehenden oder dauernden Erweiterung und Änderung, die einer ver-
änderten Sachlage und neuen Anforderungen an die Kalkulation
entsprechen.

Die Organisation der Werkstätte muß Hand in Hand mit der
Organisation des Kostenwesens gehen; der Werkmeister hat die
erforderlichen Grundlagen für das Yerrechnungssystem zu liefern.
Man versuche, zunächst ihn für eine Neueinrichtung zu interessieren;
man wird seine Ratschläge hören, seine Sachkenntnis verwerten
und die Hauptsachen der Verrechnung mit ihm besprechen. Schließ-
lich ist er derjenige, der neben dem Kalkulationsbureau am meisten
in Mitleidenschaft gezogen wird.

Unerläßlich ist es bei der Organisation (oder Kritik) eines
Verrechnungssystems, zu prüfen, ob die mit den primären Auf-
zeichnungen betrauten Personen den angegebenen Weisungen ent-
sprechend handeln, ob diese Personen auch befähigt sind, die Auf-
zeichnungen und Beobachtungen mit hinreichender Genauigkeit zu
machen.

logische (Trägheitsmoment, Uninteressiertheit u. ä.) Vgl. auch Moral, Re-
vision und Reorganisation. Berlin 1911.
        <pb n="47" />
        ﻿37	—

Die Organisation des Magazindienstes (richtige örtliche Lagerung
der Materialien, innerer Verwaltung und Verrechnung) und der
Lohn Verrechnung sind unerläßlich. Die Intervalle, in denen die
Kostenberechnungen abgeschlossen werden, müssen so gewählt sein,
daß die Ergebnisse der Rechnung zu Vergleichszwecken sich eignen.

III.	Die Kostenberechnung, d. h. die Betriebskalkulation hat
eine Darstellungsform der Ergebnisse zu wählen, die das
gesamte Zahlenmaterial übersichtlich vorführt und die eine Kon-
trolle durch hinreichend Sachkundige möglich macht. Es sind zwei.
Formen möglich, die tabellarische und die graphische.

a) Die tabellarische, zumeist angewendete Form bietet
die kürzeste Wiedergabe der Zahlen. In Unternehmungen mit Massen-
produktion empfiehlt es sich, außer den Angaben der Gesamtzahlen
die Summen auf gleiche Maßgrößen — Tonnen, Meter, Kilogramm,
Kubikmeter — oder auf Prozente der Gesamtaufwendungen zu be-
ziehen und diese Reduktionszahlen (Verkältniszahlen) in Parallel-
spalten dem Schema einzuverleiben. Dadurch wird die Beurteilung
des Mehr oder Weniger erleichtert. (Siehe Schema S. 38 ff.) Die
Unkostenspalten oder -gruppen werden addiert: aus ihren Haupt-
summen und der Gesamtproduktion läßt sich der Durchschnitt auf
die Maß- oder Verkaufseinheit berechnen, nach der die Verhältnis-
zahlen für die einzelnen Unkostenteile in ihrer Bedeutung beurteilt
werden. Keinesfalls soll man die erwähnten Durchschnittszahlen
aus den Summen der Reduktionszahlen berechnen.

Die nachfolgende Selbstkostentabelle einer großbetrieb-
lichen Unternehmung — Stahlwerke mit örtlicher Dezentralisation
der Fabrikation — zeigt die Kostensteigerungen der einzelnen Öfen
und Betriebsstellen.

Martinstahl  Ofen	8 t	10 t	25 t	Bessemerstahl  Betriebsort	I	II	III	IV
Okt. 1916	126.95	103.65	142.17		155.-	167.98	161.95	180.96
Dez. 1917	166.05	117.25	159.28		192.12	200.73	198.75	187.97
März 1918	188.25	130.15	177.25		212.85	216.95	218.-	213.89

b) Die graphische Darstellung setzt an Stelle der Zahlen
ein Größenbild, das den Zahlen verhältnismäßig ist; sie erreicht
dadurch eine leichtere Übersicht und eine Vereinfachung der Be-
urteilung. Gewöhnlich wird die Zahl durch die Länge eines Striches
ausgedrückt; und zwar werden die Striche als Ordinaten auf eine
        <pb n="48" />
        ﻿38

Schema der Selbstkostenberechnung für eine Kohlenzeche

(Tiefbau).

Monatsrapport.

Förderung pro Monat

ab Selbstverbrauck

19

netto

Zahl der Arbeiter . . .
„	„ Arbeitstage . .

„	„ Förderschichten

Durchschnittsförderung:
pro Fördertag ....
„ Förderschicht . . .
„ Hauerschioht . . .
„ Arbeitsschicht. .

&lt;D

rÖ

a

O»

3

X

Bezeichnung der Arbeiten
und Materialien

Summe

der

Kosten

Jl



Kosten
pro Tonne
der Netto-
Förderung

•Ji

I. Löhne und Gehälter:1
a) In der Grube:

1.

2.

2a.

3.

4.

5.

6.

7.

8.

9.

10.

Kohlengewinnung (Kohlenhauer)

Gesteins- und Versuchsarbeiten
Querschläge und Schachtabteufen
Schachthauer
Anschläger am Schacht
Schlepper und Nachschieber
Bremser und Anschläger
Pferdebeförderung

Zimmerung und Reparatur (Zimmerhauer)
Wetterführung

Aufsicht in der Grube (Steiger, Fahrhauer)

Summe a)

b) Uber Tage:

11.

12.

13.

14.

15.

16.

17.

18.

19.

20.

21.

Verladungs- und Platzarbeiten (Tafelführer,
Abnehmer, Schmierer, Abschlepper, Auf-
bereitung, Verlader etc.)

Eisenbahn- und Wegeunterhaltung

Rangierarbeiten

Werkstätten (Schmiede, Schlosser, Wagner)

Schachtförderung

DaampTkeasseTg } einschließlich Reparaturen

Wettermaschine

Unterhaltung der Gebäude (Maurer)

Aufsicht über Tage (Schichtmeister, Auf-
seher etc.)

Diverses (Hilfsarbeiter, Boten, Kauen- und
Lampenwärter u. a.)

Summe b) |
Summe unter a) und b) |

l) Lit.: Zeitschrift f. handelsw. Forschung. 6. Jahrgang (1911/12), über
Löhnungstechnik bei Kohlenzechen S. 120f. S. 265 f.
        <pb n="49" />
        ﻿39

u  Ä  ©  *Ü  fl  ©	Bezeichnung der Arbeiten und Materialien	Summe  der  Kosten		Kosten per Tonne der Netto- Förderung	
CÖ  A		Ji	4	Ji	
	II. Materialien.				
22.	Pferdebefördorung				
23.	Grubenholz				
24.	Baumaterialien				
25.	W asaer verbrauch				
26.	Grubenschwellenvorbrauch				
27.	Grubenschienen				
28.	Öle und Fette				
29.	Sprengmaterialien				
30.	Förderwagen				
31.	Förderseilverbrauch				
32.	Schmiedeeisen und Stahl				
33.	Maschinenteile und Gußsachen				
34.	Gezähe, Werkzeuge				
35.	Diverses				
	Summe für Materialien				
	III. Allgemeine Kosten.				
36.	Knappschaftsbeiträge				
37.	Berufsgenossenschaftsbeiträge				
38.	Alters-, u. Invaliditäts-Versicherungs-Beiträge				
39.	Bergwerkssteuer				
40.	Allgemeine Verwaltungssteuer				
41.	Eisenbahn (Versand, angelieferte Güter)				
42.	Anleihe-Zinsen				
43.	Bergschäden				
44.	Abschreibung auf Grubenfelder				
45.	Diverses (Markscheiden, Wohnungsentschädi-				
46.	gung u. ä.)  Allgemeine Grubenunkosten				
	Summe der allgem. Kosten				
	Summe sämtlicher Kosten				

Abszissenlinie aufgesetzt, die wechselnden Längen zu größerer Deut-
lichkeit durch Querlinien verbunden. Diese diagrammatische Dar-
stellung bildet eine Ergänzung der zahlenmäßigen; sie ist in ameri-
kanischen Großbetrieben nahezu die Regel. Unentbehrlich erscheint
sie uns für die fortlaufende Kontrolle der Unkosten eines Unter-
nehmens.

Ein Beispiel aus der Praxis einer Metallwarenfabrik soll diese
Form veranschaulichen (S. 40 u. 41).

Schaubild (Diagramm) und Indexzahlen zeigen, daß der Umsatz
von 1903 auf 1906 um mehr als das Dreifache gestiegen ist,
während die Betriebs- und General-(Handlungs)kosten sich nur wenig
verändert haben. Dem gesteigerten Umsatz entspricht die Zunahme
        <pb n="50" />
        ﻿— 40

1905
        <pb n="51" />
        ﻿41

der Selbstkosten, die aber einen jährlich steigenden Gewinn übrig
lassen. Unter den Selbstkosten steigen die Rohstoffpreise am
schnellsten.

	I	.Indes	zahlen		II.	Proze	ntzahl	en
	1903	1904	1905	1906	1903	1904	1905	1906
Umsatz .	.	.	100	126,5	257,9	310,5		_	' 		___
Selbstkosten .	.	100	137,0	225,0	340,0	100,0	100,0	100,0	100,0
Rohstoffe . .	.	100	149,5	261,0	350,9	60,1	65,7	69,6	73,4
Arbeitslöhne. .	100	126,5	218,9	250,5	19,5	17,9	18,9	17,0
Generalkosten .	100	117,3	119,0	126,7	11,2	9,6	5,9	4,9
Betriebskosten .	100	101,7	136,0	146,8	9,2	6,8	5,6	4,7

Die Prozentzahlen, — d. h. die auf die Summe der Selbst-
kosten bezogenen Verhältniszahlen der einzelnen Kosten teile —
bringen die tatsächlichen Verhältnisse des Betriebes noch deutlicher«
zum Ausdruck. Es ist zu erkennen, daß der Anteil des Rohstoff-
wertes an den Selbstkosten stetig steigt, die allgemeinen Kosten
stetig sinken.

Die Beobachtungsperiode ist zu kurz, um ein abschließendes
Urteil zu gestatten. Die Darstellung hat den Zweck, die Vorzüge
der Umwandlung der absoluten Zahlen einer Kosten-
statistik in Verhältniszahlen zu beweisen1).

IV.	Noch einige Worte über die Systematik der Ver-
rechnung. Man kann bei der Einrichtung der Selbstkostenbe-
rechnung im wesentlichen zwei Methoden wählen:

1.	Das Rohmaterial, das den Gegenstand der Bearbeitung bildet,
wird in die Selbstkostenberechnung einbezogen.

2.	Oder man berechnet nur die Kosten der Veredlung, der
Fabrikation im engeren Sinn mit Einschluß der Generalkosten. Man
hat dann dem Einkaufs-, Markt-, Grund- oder Verrechnungspreis des
Rohstoffes die Herstellungskosten zuzurechnen. Diese Methode ist
anwendbar in Unternehmungen mit Massenproduktion gleichförmiger
Waren, deren Rohstoffe häufigen Preisschwankungen unterworfen
sind, z. B. Kupferwalzwerken2).

Ist die Gewinnung eines Rohstoffes Selbstzweck der Unter-
nehmung (z. B. Bergbau, Ziegelei), dann sind die Kosten der Ge-
winnung identisch mit den Selbstkosten; Rohstoffkosten kommen
nicht in Frage.

') Vgl. auch Calmes, Statistik, S. 38 f.

2) Vgl. das Beispiel S. 83.
        <pb n="52" />
        ﻿42

In Betrieben, die den Rohstoff selbst erzeugen und weiter ver-
arbeiten, sind die Kosten der Herstellung oder der Gewinnung von
jenen der Weiterverarbeitung rechnerisch zu trennen.

,V. Die Kalkulation eines Fabrikates in Unternehmungen knit
individuell bestimmbaren Erzeugnissen kann*) eine Einzel- oder
eine Gesamtkalkulation sein (vgl. auch § 2).

Die Einzelkalkulation stellt die Selbstkosten des ganzen
Fabrikates fest, hält jedoch dessen Einzelteile rechnerisch derart
auseinander, daß neben dem Gesamtpreis des Produktes auch der
Preis eines jeden einzelnen Teiles oder Stückes ersichtlich ist. Es
werden beispielsweise alle Teile einer zu kalkulierenden Dampf-
maschine — Grundplatte, Anker, Ankerplatten, Dampfzylinder,
Zylinderkolben usf. — aus Stücklisten, Zeichnungen etc., so zu-
sammengestellt, daß die Gesamtkosten eines jeden Maschinenteils
zu ersehen sind. Diese rechnerische Auflösung eines
Fabrikates in Einzelteile hat manche Vorzüge: Leichte
Berechnung der Ersatzstücke, der Änderungen in der Ausführung
einzelner Teile usw.

Die Gesamtkalkulation hingegen berechnet nur die Ge-
samtkosten eines Fabrikates, ohne eine Übersicht über die Her-
stellungskosten der Einzelteile oder -arbeiten zu geben. Material
und Löhne werden so wie sie verausgabt sind, fortlaufend notiert,
nach Kommissionsnummern verteilt und schließlich nach Beendigung
der Arbeit zusammengezählt.

VI. Unternehmungen, die die Erzeugung homogener Massen
zum Gegenstand haben, begnügen sich häufig, in der Kostenauf-
stellung die Ausgaben planlos aneinander zu reihen, ohne zweck-
mäßige systematische Gliederung. In bergbaulichen Betrieben
beispielsweise findet man Kosten der Aufsicht, Wetterführung, des
Abbaues usw. im bunten Durch- und Untereinander. Systematischer
ist das folgende Schema, das die Kosten der Produktion trennt in:
Löhne in der Grube, Löhne über Tag, Materialien, allgemeine Un-
kosten (vgl. S. 38/39).

Zweckmäßiger ist es, die Produktionskosten so zusammen-
zustellen, daß die Gesamtkosten der einzelnen Arbeiten Zu
ersehen sind. Das hat den Vorzug, daß die Rentabilität und die
Angemessenheit einer jeden Einzelarbeit beurteilt werden können;
nach dem oben angeführten Schema ist dies vielfach unmöglich.
Man vergleiche hingegen das Schema Seite 43.

In Betrieben, deren Produktionsarbeit in scharf voneinander
geschiedene Prozesse zerfällt, soll der Gesamtproduktions-
pro/eß auch rechnerisch in seine Einzelprozesse

*) Nach Bailewski, Der Fabrikbetrieb. Berlin 1905, S. 195 ff.
        <pb n="53" />
        ﻿Selbstkostenschema einer Kohlenzeche (andere Systematik).

Berechnung für Monat ......................... 19.

Laufende Nr.	*9  Bezeichnung	Anzahl  der  Schichten	Durch-  sclmittslohn  je Schicht	Gesamtausgabe								Durchschnittliche Selbstkosten			
				für  Arbeits-  lohn		für  Materi-  alien		für  Verschie-  denes		im  ganzen		für  Arbeits-  lohn  M	für  Materi-  alien  M	für  Verschie-  denes  M	im  ganzen  M
1.  2.  3.  4.  5.  6.  7.  8. 9.  10.  11.  12.  13.  14.  15.  16. 17. 18a. 18b.  19.  20.  21.  22.  23.  24.  25.	Kohlengewinnung  Gesteins- und Versucharbeiten Füllortsbetrieb  Schlepper- und Bremsbergförderung Grubenförderung {*&gt; “?eU»g. Unterhaltung der Förderwagen Berieselung  Gruben-Zimmerung und Mauerung Bahnlegen- und Bahnunterhaltung Grubengeleneht  Wetterlosung  Aufsicht unter Tage  Verladungs- und Platzarbeiten Rangierarbeiten  W erkstättenbetrieb Schachtförderung  Aufsicht über Tage  Beleuchtung über Tage Verschiedenes  Wasserhaltung  Unterhaltung der Immobilien  ,	(») Kraulten-,Pens.-und  Knappschafts- 1 Unterstützungskasse Gefälle:	j *&gt;) Invalidität«- und  1 Alterskasse  Knappschafts-BerufsGenossenschaft  Gemeindesteuern  Staatssteuerh  V er waltungskosten														
	Im ganzen			[■
        <pb n="54" />
        ﻿:

44



aufgelöst werden. Diese Trennung ist auch notwendig für
die Jahres-Inventur, um den Wert des Lagers und der in einzelnen,
Fabrikationsstadien sich befindlichen Produkte aufnehmen zu können.
In einigen Industrien findet sich Gelegenheit, Halbfabrikate ver-
schiedener Arbeitsstadien abzustoßen, deren Herstellungskosten be-
kannt sein müssen. Z. B. in einer Bleischmelze können die
Kosten (Löhne, Material, Kohlen, Koks, Reparaturen), wie folgt
verrechnet, d. h. dargestellt werden: Aufnehmen; Bleiarbeiten: rösten,
schmelzen; Saigern, Bleiraffination; Treiben; Kupferarbeit: rösten,
schmelzen, Raffination; Mühlen; Laugerei; Laboratorium; Allge-
meines.

Nähnadelfabrikation: Richten, Spitzen schleifen und
blankmachen, stampfen, stechen des Öhrs; anreihen, überbrechen
und Kopfschleifen; härten und ablassen; scheuern und polieren;
suchen, bläuen und sortieren; einbriefen; verpacken. Vgl. auch
„Elementenkalkulation“.







Methoden der Feststellung der Kosten.

§ 11. Die Produktions- und Selbstkostenberechnung bezweckt
die Ermittelung der Verkaufspreise auf Grund der Selbstkosten oder
der unteren Grenze eines Verkaufspreises, die Rentabilität der Einzel-
erzeugnisse und die Kontrolle des Innenbetriebs der Unternehmung.
Die Organisation der Selbstkostenermittelung erstreckt sich auf die
Bestimmung des Zeitpunktes der Berechnung (vgl. S. 3), die Art
der Feststellung, das Verhältnis der Kostenberechnung zur Buch-
führung und zur Statistik.

1.	Auf die Vor-, Zwischen- und Nachkalkulation wurde
bereits verwiesen (vgl. S. 3). Man berechnet danach den So 11-
verbraueh auf Grund von Einzelberechnungen, Tabellen *), Er-
fahrungen, stellt eine Vorkalkulation (z. B. Maschinenbau) oder
Normalzahlen für die Sollkosten (z. B. Bergbau, Hüttenwerke)
auf und vergleicht damit den tatsächlichen, den Istverbrauch, stellt
also Aufwand und Leistungen dem1 geschätzten bzw. berechneten
Soll gegenüber.

2.	Die Selbstkosten können auf zwei grundsätzlich verschiedenen
Wegen ermittelt werden: Die sogen, technische Methode sucht
die die Selbstkosten bestimmenden Faktoren während eines längeren
oder kürzeren Zeitraumes durch Beobachtungen, technische Mes-
sungen und Berechnungen im Anschluß an den Betrieb zu ermitteln.

‘) Uber Kalkulationstafeln vgl. Schlesinger in der „WerkstatlSfehnik“,
1910, S. 129; Tabellen für die Textilindustrie bei Rexroth in der Zeitschr. f.
handelsw. Forsch., III. Jahr., S. 553f.; Winkler, Eisengießerei, S. 51 ff.;
Lilienthal, a. a. 0. S. 121 ff.
        <pb n="55" />
        ﻿45

Selbstkosten und Leistungen innerhalb der Beobachtungsdauer werden
aufgezeichnet und danach die Selbstkosten einer Leistungseinheit
berechnet. Beispiele hierfür sind die auf Versuchen fußenden theo-
retischen Berechnungen der Kosten einer Kilowattstunde, des Dampf-
verbrauches und seiner Kosten für eine Pferdestärke-Stunde, die
Kosten der Tagesleistung des Fuhrwerkes, Ermittelung des Akkord-
satzes und des Materialverbrauches auf Grund von Formeln u. ä.

Besonderen Wert besitzt diese Methode für die Gewinnung von
Vergleichszahlen, sei es, daß ähnliche Berechnungen des eigenen
Betriebes oder anderer Unternehmungen vorliegen, sei es als Kon-
trolle der zweiten Methode.

3.	Die kaufmännische Methode berechnet die Selbst-
kosten der Erzeugnisse oder der Leistungseinheit auf Grund des
in Büchern und Formularen aufgezeichneten Gesamtaufwandes und
der Gesamtleistungen für das Ende eines Monates, des Jahres oder
eines kürzeren Zeitraumes. Das vorliegende Buch bedient sich vor-
nehmlich dieser Methode.

4.	Costkeepingisnotbookkeeping, Buchführung und
Selbstkostenermittelung sind nicht dasselbe. In ihrem beiderseitigen
Verhältnis lassen sich gewisse Typen feststellen1). In Fabriken
mit Produktion von Massenartikeln (Zement, Walzmühlen, teilweise
in der chemischen Industrie) wird die kaufmännische Geschäfts-
buchführung so ausgebaut und vervollständigt, daß sie den kalkula-
torischen Zwecken unmittelbar dienstbar wird. Die kaufmännische
und die Kostenbuchführung sind vereinigt, eine Organisation, die
für Fabriken mit komplizierter Produktionstechnik unvorteilhaft
erscheint: Die große Zahl der Konten macht die Buchführung
unübersichtlich, es sind wiederholte Umbuchungen erforderlich,
einige Kosten bleiben unverteilt etc. Zweckmäßiger ist die Ab-
trennung einer technischen oder Betriebs- oder Kostenbuchführung,
d. h. die Verselbständigung des Kostennachweises, die dann häufig
in eine Lager- und Materialbuchführung, Lohnbuchführung/Unkosten-
buchführung etc. zerlegt wird. Die Betriebsbuchführung gliedert
und zerlegt den Kostenaufwand nach Bedarf, während die kauf-
männische Buchführung nur die Endsummen des Verbrauches konten-
bzw. buchmäßig zusammenfaßt2). Die Verselbständigung der Kosten-.

’) Ausführlicher Schmalenbach, Technik der Produktionskostenermitte-
lung. In seiner Zeitschrift, 3. Jahrg. S. 14 f.

In dem vorliegenden Buche wird die Selbstkostenberechnung als „Ding an
sich“ behandelt; die Unterlagen, also auch die Buchhaltung, sind nur gelegent-
lich und veranschaulichend horangezogen worden.

s) Lilienthal, a. a. 0., S. 24 f., 40, 157 ff. berichtet über ein besonders
geartetes System. Die Betriebsbuchführung weist ein vollständiges in sich ge-
schlossenes Kontensystem auf, die Kosten werden nach den Grundsätzen der
        <pb n="56" />
        ﻿46

buchführung erfordert die,Schaffung brauchbarer Formulare und
Betriebsbücher, die mit einem Mindestmaß von Schreibarbeit
sicher, schnell und einfach die Unterlagen abgeben, die zur Beant-
wortung aller wichtigen Fragen des Haushalts einer Unternehmung
notwendig sind. Diese Aufzeichnungen umfassen nicht nur den
Geldwert der Leistungen und des Verbrauchs, sondern auch das
Wichtigste über den Verlauf des Erzeugungsprozesses, über die
Leistungen nach Menge, Zeit und Ort, so daß eine Prüfung der
Angemessenheit des Verhältnisses zwischen Arbeitsleistung, Arbeits-
zeit und Lohn sowie die Aufdeckung arbeitstechnischer oder betriebs-
ökonomischer Fehler möglich wird. In den letzten Jahren sind
zahlreiche Publikationen über die Selbstkostenberechnung einzelner
Unternehmungen erschienen (vgl. Literaturangaben am Schluß dieses
Buches), monographische Darstellungen, die mit Recht großen Wert
auf die Darstellung von Formularen legen, häufig nur Sammlungen
solcher Vordrucke darstellen. Da diese Monographien stets nur die
besonderen Betriebsverhältnisse der beschriebenen Fabrik berück-
sichtigen, so wird eine einfache Übertragung der in Vorschlag ge-
brachten Vordrucke auf den eigenen Betrieb des Lesers nicht ohne
weiteres angängig sein. Wir verzichten deshalb auf eine Darstellung
solcher Formulare.

5.	Der Statistik1) sind besondere Aufgaben zugewiesen.
Sie soll Vorgänge produktionstechnischer und wirtschaftlicher Art
zahlenmäßig erfassen, die Buchführung und die Kostenberechnung
in solchen Einzelheiten ergänzen, die aus diesen beiden Teilen der
Rechnungsführung nicht unmittelbar oder nicht in der gewünschten
Zusammenstellung ersichtlich sind. Die Statistik insbesondere groß-
betrieblicher Unternehmungen dient der allgemeinen Kontrolle,
ermöglicht ein tieferes Eindringen in die zahlenmäßig erkennbaren
Wirkungen und Ursachen und bildet dergestalt eine wertvolle Hilfe
der Fabrikleitung und der Organisation. Gegenstand statistischer
Aufzeichnungen sind beispielsweise: Die Aufteilung der Lohnsumme
in Stunden- und Akkordlöhne, nach männlichen, weiblichen und
jugendlichen Arbeitern, nach Beruf und Betrieben, Berechnung des
durchschnittlichen Stundenlohns, Aufzeichnungen und Arbeits-
leistungen, Beschäftigungsgrad, Bestellungen, Lagereinkaufs- und Ver-
kaufspreise, Absatzmenge u. dgl. m.2).

doppelten Buchführung verrechnet. Die für den Jahresabschluß notwendige
Verbindung zwischen Geschäfts- und Betriebsbuchhaltung wird durch gemein-
same Konten hergestellt: Konto des Betriebes, Konto der Zentrale.

') Lilienthal, a. a. 0., S. 192 f. Calmes, Die Statistik in Fabrik- und
Warenhandelsbetrieben. Leipzig 1911 ff.; Leitner, Die Kontrolle in kaufm.
Unternehmungen, Frankfurt a. M., 1920, S. 116—193.

2) Wegen der Bedeutung der Persönlichkeit für den Erfolg einer ge-
ordneten Selbstkostenberechnung vgl. Meitzer, Grundzüge, S. 24. Hier ist
        <pb n="57" />
        ﻿47

6.	Die jährlichen Schlußbilanzen1) (Vermögensbilanz,
Gewinn- und Yerlustrechnung) geben häufig auch einem Fern-
stehenden wertvollen Einblick in die ökonomischen Verhältnisse
der Unternehmung und Anhaltspunkte für die Kostenberechnung.
Wir lassen hier einige Beispiele folgen:

1. Beispiel.

Bilanzrechnung einer Metallwarenfabrik.

Lagerbestände aus dem Bilanzjahr .... Mk. 74220,—

Versand der Fertigware (abzüglich Frachten,

Provisionen]........................... 591447,91

Produktion.....................Mk. 665 667,91	= 100%

Rohmaterialien und Fracht . Mk. 401368,19 (=73,3°/o	== 60,3 %

Arbeitslöhne...............„	92 753,17	(=	16,9 °/o	£ J	=	14,0 °/o

Betriebs Unkosten..........„	25 753,68	(=	4,8 %	“ 3	=	3,9 %

Handlungsunkosten	....	„	27 523,61	(=	5,1%	•§’*	=	4,1%



Selbstkosten.................Mk. 547 398,65	= 82,3%

Fabrikationsgewinn.................Mk. 118 269,26	=17,7%

Arbeitslöhne und Betriebskosten verhalten sich wie 93:26, rund
100:30, Handlungs- und Herstellungskosten (Mk. 519 875,04) wie
28:520, rund 54:1000. Die Betriebsunkosten werden gedeckt durch
einen Aufschlag von 30o/o auf den Arbeitslohn, die Handlungsun-
kosten durch 5,5o/o Zuschlag zum Herstellungspreis (oder 30%,
zum Lohn). Mit 100 Mark Verkaufserlös werden Löhne und Be-
triebskosten (17,9) und Gewinn (17,7) ungefähr zu gleichen Teilen
bezahlt; auf 100 Mk. Lohn entfallen etwa 127,— Unternehmerein-
kommen.

Der wichtigste Rentabilitätsfaktor dieser Unternehmung liegt
im Einkauf der Rohstoffe; ca. 75%/ der Selbstkosten entfallen auf
die Rohstoffkosten.

2. Beispiel.

Bilanzrechnung der Verkaufsstelle einer
Tapetenfabrik.

1.	Verkaufserlös, Habenseite des

Tapetenkontos .  ...........Mk. 64938,75

Linoleumkontos.............. „ 12176,02

____________ Mk. 77114,77 = 100%

noch zu erinnern, daß die Kritik der Selbstkostenberechnung einer Unternehmung
auf die geschichtliche Entwicklung der Unternehmung Rücksicht zu
nehmen hat, auf die örtliche Lage und den Umfang des Werkes, den Aufbau
der Unternehmung, kurz auf alle individuellen Verhältnisse des Betriebes.

‘) Über die Verwertung der monatlichen Probebilanzen vgl. den VI. Ab-
schnitt, § 63.
        <pb n="58" />
        ﻿48

2.	Kosten:

a)	Ausgaben:

Agenten..........................Mk.	1 372,19

Gehälter, Löhne, Zinsen, Generalia „ 14 564,06
Provisionen...................... „	1628,11

Mk. 17 564,36= 23%

b)	Verluste:

Abschreibungen...................Mk.	870,06

Verluste an Forderungen ....	„	196,65

,	1066,71 = 1,3%

3.	Einkaufswert der verkauften Waren:

Tapeten-Konto Soll (einschließlich

Anfangsbestand)................Mk. 58 655,48

Linoleum-Konto Soll (einschließlich
Anfangsbestand)..................» 13 074,20

Mk. 71 729,68

Ab Schlußbestand................. „	31 605,39 „ 40 124,29 = 52%

Reingewinn Mk. 18 359,41 = 23,7%

Berechnungen:

1:. Die Umsätze von Täpeten und Linoleum verhalten sich etwa
wie 5:1.

2.	Die Kosten betragen 24,3o/o’, rund 25°/o vom Umsatz oder
46 1/2 % vom Einkaufswert.

3.	Der Gewinn = 23,7 o/o vom Erlös oder 32o/o' der Selbst-
kosten (Einkauf und Kosten), d. h. mit Mk. 100,— Barausgabe deckt
der Käufer (24,3-j-52) = 76,3 Mk. Selbstkosten.

4.	Die Umsatzdauer beträgt: Verkaufs wert des duchschnitt-
lichen Lagerbestandes angenommen mit Mk. 28 000; Umsatz: 28 000
— 2,75, d. h. der Lagerbestand wird etwa 3 mal umgeschlagen.
Umschlagsdauer (365:2,75) 133 Tage. Anstatt die Verkaufswerte zu
dividieren, könnte man auch den Einkaufswert des Umsatzes durch
den Einkaufswert des durchschnittlichen (Jahres-, Monatsdurch-
schnitt) Lagerbestandes teilen.

3.	Beispiel (Seite 49—53).

Berechnung der Selbstkosten auf Grund einer
Gewinn - und Verlust-Rechnung (BrauereiJ)).
Vormerkungen:

Die Vermögensbilanz wurde als unerheblich weggelassen.

Die Aktiva gliedern sich wie folgt:

‘) Literatur: Schaer, Der Kaufmann in der Brauerei. Zürich 1905.
Pohl-Taussing, Brauerei-Buchhaltung. 2. Aufl. Leipzig 1901.
        <pb n="59" />
        ﻿49

a)	Feste Kapitalien für die Produktion

Mk. 1937 092,88 = 41,20/0 der Bilanzsumme oder Mk. 18,55
pro hl der Produktion.

b)	Feste Kapitalien für den Absatz (Wirtschaftshäuser, Nieder-
lagen, Geräte, Fässer, aktive Hypotheken und Darlehen)
Mk. 455 645,54 = 9,7 o/o oder Mk. 4,53 das hl des Absatzes.

c)	Betriebskapitalien:

Flüssige Mittel Mk.	471135,38 = 10 o/o J	49,1%

Vorräte	„	480 877,44 = 10,2% &lt; der

Forderungen „	1360 564,95 = 28,90/0] ' Bilanzsumme.

Rechnet man auf das Anlagekapital 5% Zinsen und 5%
Amortisation im Durchschnitt, so bedeutet dies:

Anlagekapital a mit Mk. 18,55 belastet die Produktionskosten)
bereits mit (10°/o) Mk. 1,855 das hl, während das Anlagekapital
b (Mk. 4,53) die Absatzkosten erhöht um Mk. 0,453 das hl.

Diese konstanten Kosten vermehren oder vermindern sich
für die Einheit mit abnehmender oder zunehmender Größe der
Leistung: ein wichtiger Faktor für die kritische Vergleichung
mehrerer Unternehmungen in wirtschaftlicher Hinsicht.

Die Schulden setzen sieh wie folgt zusammen:
a) Langfristige, feste Schulden

Hypotheken auf	Brauereianwesen	Mk.	145 671,43

„	„	Wirtschaftshäuser	„	132 800,—

(Anleiheschulden	nicht vorhanden)	Mk.	278 471,43

ß) Kurzfristige, laufende Schulden

Kreditoren und Akzepte (nicht vorhanden).

Auf 1 hl der Produktion entfallen (Mk. 145 671:104 500 =)
Mk. 1,39 Schulden zu 5% = Mk. 0,0695 Zinsenlast.

Auf 1 hl des Absatzes kommen (Mk. 132 800:100 450 =) Mk. 1,32
zu 5% = Mk. 0,066 Schuldzinsen; diese werden teilweise ver-
mindert durch Zinseneinnahmen aus aktiven Darlehen. —

Die eigenen Mittel des Unternehmens ohne Reingewinn belaufen
sich auf Mk. 3 899 838,—, d. h. Mk. 37 das hl der Produktion bei
einem Reingewinn von Mk. 4,80 das hl = 12,86% des verantwort-
lichen Kapitals.

I.	Ermittelung der Produktionskosten:

Allgemeine Kosten:	Kohlen................Mk.	58 590,29

Eis einbringen, V* dient der Erzeugung .	.	.	„	22 880,25

Fourage zur Herbeischaffung der Brauerei-Bedarfs-

materialien 1/s der	Ausgaben................„	17 004,36

Pech und Harz.....................................„	1 398,60

Übertrag:	Mk.	99 873,50

Leftner, Selbatkoatenberechnnng. 7. Anfl.	4
        <pb n="60" />
        ﻿50

Vortrag:	Mk.	99 873.70

Beleuchtung...................................„	6 729,44

Betriebskosten................................„	80 278,89

Brausteuer, Anteil an Grundsteuer............,,	100 000,—

Löhne der Brauer, Anteil der Schmiede ... „	200000,—

Unterhaltung, Reparaturen: Brauerei .... „	31925,—

Vs Fuhrpark . . .	,,	5138,39

Mälzereimiete.................................„	6 820,—

Abschreibungen: Brauerei........................... 16 028,40

Abschreibungen: Maschinen.....................„	13	388,87

Eis- und Kälteerzeugungsanlagen	.	.	.	.	„	9	065,89

Lagerfässer..............................„	10	753,52

Vs Fuhrpark..............................„	3	652,07

Geräte...................................„	10169,86

Kraft-, Lichtanlagen .........	^____________4	982,18

Mk.	598 806,01

Malz............................................... 238 533,02

Hopfen........................................„	87	395;33

Gerste ......................................„	295	330.65

Summe der Produktionskosten:	Mk.	1 220 065,01

II.	Ermittelung der Kosten des Vertriebes:

Handlungskosten..............................Mk.	163 013,79

V» Eiseinbringungskosten, an Kundschaft kosten-
los abgegebenes Eis.......................„	22	880,26

Löhne für den Absatz (Bierführer etc.)	.	. . .	„	4	751,20

Einkommensteuer und andere....................„	29148,65

Unterhaltungskosten: Wirtschaftshäuser	....	„	5492,20

Fuhrpark 1 Gespanndienst .	.	. .	„	10 276,79

2/s Fouragekosten J für den Ausstoß	....	„	34008,72

Abschreibungen:

Wirtschaftshäuser........................ .	„	2 955,17

Bierniederlagen................................ 467,54

Transportfässer, Flaschen............... „	6	980,77

2/3 Fuhrpark............................ „	7	304,15

Eisenbahnwaggons, Gleisanschluß.............. „	2178,13

Wirtschaftsgeräte (Leihinventar	bei	der	Kundschaft) „___________58	247,42

Summe	der	Vertriebskosten:	Mk.	357 704,79

Überdies könnten in Frage kommen:

Verluste an Forderungen, Anteil an Beleuchtung,

Frachten auf Bier und Retourfrachten u. a.
        <pb n="61" />
        ﻿51

Herstellungskosten . .
-r Treber, Malzkeime
Absatzkosten .	.	.	.

-f- Zinsen, Mieten .	.

III. Zusammenstellung:

. Mk. 1 220 065,01	vom Erlös: pro hl

. „	74103,58 Mk. 1 145 961,43 = 60,50% Mk. 10,97

. Mk. 357 704,79
. ,	47 704,57

310000,22 = 16,35%

3,09

Selbstkosten Mk. 1 455 961,65 = 76,85 V0 Mk. 14,06
Erlös für 100 450 hl „ 1894 878,48= 100% „ 18,86
Gewinn . . .

Mk.

438 916,81 = 23,15% Mk. 4,80
55 000,—

-7- Delkredere-Konto ,

Laut Bilanz .... Mk 383 916,81 Jahresreingewinn

Die Produktion in hl beträgt:

Lagerbestand am Ende des Jahres
Haustrunk

Ausstoß (= Verkauf)

ab Anfangsbestand
(eventuell ab Retourbier)

Berechnete Produktionsmenge

11 850 hl
2 500 „
100 450 „
114 800 hl
10 300 „

104 500 hl

(Tatsächlich ist die Produktion größer; Mengenverluste ent-
stehen vom Kühlschiff bis zum Schlauchen in das Lagerfaß und in
die Transportfässer.)

Selbstkosten pro hl Bier:

Produktionskosten .
Vertriebskosten . .

. Mk. 1 145 961,43 auf 104500 hl, pro hl = 10,97 Mk.
. „	310000,22 , 100450 ,, , , = 3,09 „

Selbstkosten bis in den Keller des Wirtes pro hl = 14,06 Mk.

Die Selbstkostenberechnung auf Grund der Ertragsbilanz kann
nur einen Näherungswert zu Vergleichszweeken ermitteln. Die oben
angeführte Produktionsmenge ist dem Fernstehenden unbekannt;
ungenau sind die geschätzten Verteilungszahlen für die Steuern,
Arbeitslöhne, Fuhrwerkskosten. Die Zinseneinnahmen bilden den
Saldo zwischen Zinsgewinnen aus Darlehen und den Zinsverlusten
aus Darlehen auf Wirtschaftshäuser und Brauereianwesen, Zinsaus-
gaben an Banken und Kreditoren, die auf Produktion und Absatz
zu verteilen wären.

4*
        <pb n="62" />
        ﻿— 52

Debet	Gewinn- un&lt;l

				M	
An Malz-Konto:	V erbrauch				238 533	02
	Gerste-Konto:	„			95 330	65
77	Hopfen-Konto:	„			87 395	33
	Eis-Konto:	„			45 760	51
	Kohlen-Konto:	„			58 590	29
n	Fourage-Konto:	„			51 013	08
	Pech-Konto:	„			1398	60
77	Beleuchtungs-Konto:	„			6 729	44
77	Handlungsunkosten-Konto:	„				
	Gehalt des kaufmännischenDirektors, des Bureaupersonals, div. Materialien, diverse Mieten, Provisionen und sonstige				
	Spesen				163 013	79
	Betriebskosten-Konto:				
	Gehalt des technischen Direktors, des Braumeisters, Ver- sicherungbeiträge und verschiedene zum Betrieb ver-				
	wendete Materialien				80 278	89
77	Lohn-Konto				214 751	20
77	Steuer-Konto				129 148	65
77	Unterhaitungs- und Reparaturen-Konto				
	a) Brauerei		Mk.	31 925,—		
	b) Wirtschaftshäuser etc			5 492,20		
	c) Fuhrpark			15 415,18	52 832	38
»	Mälzereimiete-Konto				6 820		
U	Abschreibungen:				
	auf Immobilien-Konto:  a)	Brauereianwesen 1 IJ/o Mk. 16 028,40  b)	Wirtschaftshäuser 1°/« „	2 955,17  c)	Biemiederlagen l°/o „	467,54	Mk.	19451,11		
	auf Maschinen-Konto 12°/oi	  auf Eis- und Kälteerzeugungsanlage-	77	13 388,87		
	Konto	  auf Fastagen-Konto:	17	9 065,89		
	a)	Lagerfässer	10°/o Mk. 10753,52  b)	Transportfässer 20°/o „	6 980,77	9	17 734,29		
	auf Fuhrpark-Konto  a)	Pferde	20°/o Mk. 9 284,86  b)	Wagen und Ge-		.		
	schirre	20°/o „	1671,36	77	10 956,22		
	auf Brauereigeräte und Mobilien-Konto auf Eisenbahnwaggons und Gleise-	»	10169,86		
	anschluß-Konto 20* o			2178,13		
	auf Wirtschaftsgeräte-Konto 20°/o . . auf Elektrische Kraft- und Lichtanlage-	»	58 247,42		
	Konto 20 °/o			7f	4 982,18	146 173	97
9	Übertrag auf Delkredere-Konto ....			55 000	
	Reingewinn:				
	a) Gewinnvortrag		Mk.	50 370,70		
	b) Jahresreingewinn		„ 383 916,81		434287	51
				2 067 057 j	31
        <pb n="63" />
        ﻿54

4. Beispiel1) (Maschinenfabrik).

Aktiva	Bilanz für den 31. Dezember.		Passiva
Immobilien .	.	. .	Mk. 724 949,73	Aktien-Kapital . .	.	Mk. 1200 000,-
Einrichtung .	.	.	.	„	490 620,25	Obligationen ....	„	597 000,—
Mobilien		„	21176,27	Amortisation. .	.	.	„	437 351,42
Waren		,	438507,91	Sparkasse d. Arbeiter	24 194,07
Hilfsmaterial . . .	„	6 696,55	Pensions-Kasse .	. .	129 960,52
Kassa und Wechsel .	12 621,93	Delkredere-Konto . .	,	24386,56
Effekten		„	305 575,83	Unerhobene Dividende	„	150,-
Bar-Kautionen .	.	.	„	4504,14	Obligations - Zinsen-K.	12 260,—
Bankguthaben .	.	.	,	48 575,21	Gesetz!. Res.-Konto •	41 794,06
Debitoren		„	1223455,97	Spezial-Res.-Konto	„	65000,—
		Kreditoren . .	. .	„	609 796,36
		Gewinn-u.Verl.-Konto	„	134 610,80
	Mk. 3 276 683,79		Mk. 3 276 683,79
Soll	Gewinn- und Verlust-Konto.		Haben
Material-Verbrauch .	Mk. 1423 809,54	Vortrag von 1904/05 .	Mk. 24195,84
Betriebs- u. Verkaufs-			
Spesen, Löhne, Ge-			
hälter usw. .	.	.	,	914 644,91	Fabrikations-Konto .	„	2 500 479,84
Amortisation.	.	..	,	51610,43		
Gewinn		„	134 610,80		
	Mk. 2 524 675,68		Mk. 2 524 675,68

Der Umsatz war . .................Mk. 2 500 480 = 100%

Materialverbrauch................Mk. 1 423 810 = 56,94% 1

Löhne und Kosten.................„	914 645 = 36,57% ! ,zus'	,0

Abschreibungen....................„	51610= 2,06 % J des Umsatzes

Jahresgewinn.....................Mk. 110415	4,43 °/0

Die Abschreibungen betragen 5,3% des Anlagekapitals, der
Jahresgewinn nur 4,63% der Selbstkosten (110415:2 390 065).

Das Anlagekapital (abzüglich der Abschreibungen Mk. 799 395)
ist 32% des Umsatzes, d. h. für je 100 Mk. Absatz waren 32 Mk.
für feste Produktionsmittel aufzuwenden.

Die Bilanzsumme war................Mk. 3 276 684, davon

der Amortisationsfond ab .... „	437 351 {&lt;-

bleibt ein Vermögen von .... Mk. 2839333,

davon Mk. 1223 456 Debitoren, d. h. 48,9% des Umsatzes (außer-
ordentlich hoch!) und 43,1% des Gesamtvermögens.

') Entnommen Leitner, Bilanztechnik und Bilanzkritik, Berlin, 4. Aufl.,
1920, S. 227; dort sind auch die Bilanzen einer Brauerei kalkulatorisch verarbeitet,

S.	187 f., S. 369 f.
        <pb n="64" />
        ﻿55

Die Schulden betrugen Mk, 1373 361, davon entfielen auf die
Kreditoren Mk. 609 796 (nur Warenschulden), d. h. 137 % der Lager-
bestände (Mk. 445 204). Die eigenen Mittel (ohne Jahresreingewinn),
d. h. Grundkapital, Reserven und Gewinnvortrag aus dem Vorjahr
beliefen sich auf Mk. 1355 557. Die Schulden machen 50,3 %,
die eigenen Mittel 49,7 o/o des Gesamtkapitals, die Schulden 48,4%,
des Vermögemr(Schulden-Koeffizient). Auf 100 Mk. Umsatz kommen
54,2 EigenkapitaL das also etwa 2 mal umgeschlagen wird, und
54,9 Mk. Leihkapital, endlich 4,43 Mk. Reingewinn und 16,4 Mk.
Lagerbestände (im groben Durchschnitt 409 172 Mk. Bestand). Mit
100 Mk. Eigenkapital wird ein Umsatz von 110,7 Mk. und ein Rein-
gewinn von 8,14 Mk. erzielt. Die Aktiendividende ist 9%.

Auf 100 Einheiten des „werbenden“ Kapitals (d. h. eigene
Mittel und feste Schulden, wie Anleihen und Hypotheken, hier
Obligationen Mk. 600 000) kommen Mk. 127,7 Umsatz und Mk. 6,87
Gewinn (Reingewinn und Mk. 23 880 Anleihezinsen). Auf 100 Mk.
Umsatz kommen 78,2 Mk. werbendes Kapital.

Die Kapitalrente für den Aktionär berechnet man gewöhnlich
auf den Nennwert der Aktie zuzüglich des Emissionsagios und
etwaiger Zuzahlungen (Sanierungen); das ist richtig, soweit Grün-
dungs- und Daueraktionäre in Frage kommen. Der Ertrag der Kapital-
anlage in Aktien berechnet sich aus dem Verhältnis zwischen Divi-
dende, dem Wert oder Erlös des Bezugrechts und dem Kurskapital
(d. h. Anschaffungswert der Aktie) zuzüglich sonstiger Leistungen
des Aktionärs. Die Rente des Unternehmerkapitals, der eigenen
Mittel und des werbenden Kapitals, muß den Bestand bei Beginn
des Geschäftsjahres, bei Gewinnverteilungsgesellschaften unter Heran-
ziehung der Gewinnverteilung des Vorjahres berücksichtigen. Der
Anfangsbestand beider Kapitalien war an der Kapitalproduktion be-
* teiligt; die Statistiker rechnen häufig falsch, indem] hie die Rentabilität
auf den Schlußbestand beziehen.

5.	Beispiel.

Die Vereinigung der kaufmännischen mit der
Kostenbuchführung zeigt das folgende der chemischen Groß-
industrie entnommene Beispiel3): Für die Kostenberechnung kommen
in Betracht: Konto der Generalkosten, Konto der Magazinkosten, die
Konten der Hilfsbetriebe (Konto des Wasserwerks, Konto der elek-
trischen Zentrale, Konto des Kesselhauses, Konto der Fabrikbahn,
Konto der Bauabteilung, Konto der Werkstätte, Konto der Kraft-
zentrale) und die Konten der Hauptbetriebe. Die Magazinkost en

') Ein Beispiel fiir Hüttenbetriebe bei Waink, Leitfaden dei montanisti-
schen Buchführung. Leoben 1898, S. 74 f., 102 f.
        <pb n="65" />
        ﻿Beispiele für die kontenmäßige Kostenverrechnung

Aufwand (Soll)	1. Konto der Generalkosten	Verteilung (Haben)

1. direkte Kosten:	
a)	Bauarbeiterlöhne und Löhne anderer nicht  produktiver Fabrikabteilungen einschl. Auf- schläge dieser Abteilungen	Mk. —.—  b)	Waren einschl. 10% Aufschlag . . . .	„  c)	Portier, Bureau, Beamte, Wohlfahrt usw. „	Arbeiterlöhne der Gesamtfabrik  ß Mark
2. anteilmäßige Kosten des Gesamtbetriebes: . .  d)	Heizung	  e)	Gleisanlagen und Lokomotive (Löhne, Werkstattkosten, Materialien Kapitalkosten  = 5% Zinsen, . . % Abschreibung) . .	„  f)	Licht . . Kilowattstunden zu . . Pfg. „  Gesamtkosten	Mk. a	Aufschlag: ——abgerundet nach oben, hier angenommen
	mit 70% (Lohnaufschlag).

Ausgaben	2. Kosten des Wasserwerkes	Verteilung

1.	Kohlen (Anteil des Maschinenhauses) .... Mk. —.—

2.	Beleuchtungskosten..........................„

3.	Dampfkosten : PS X Arbeitsstunden X Tagezahl

= PS.-Stunden................................„

. . . PS.-Stunden zu	.	Pfg...............„

4.	Löhne70 °/o Aufschlag.......................„

5.	Materialien verbrauch10% Aufschlag , . .	„

6.	Abschreibung) ,	. ,

7.	Zinsen / auf dle AnlaSen.................»

Selbstkosten für 240 000 cbm Mk. 2119,—

Leistung: Tägliche Förderung 8000 cbm, in 30
Tagen = 240000 cbm
Kosten pro 1000 cbm = Mk. 8,83

Verteilung nach dem Wasserverbrauch, z, B.

1.	Kessel (Konto 3)	300 cbm tägliche

2.	Konto	des Betriebes	I 6300	„	„	l	zu Mk. 8,83

3.	»	»	II 1400	„	„	J

4.	Etwa angeschlossene fremde Betriebe

Ausgaben

3. Konto des Kesselhauses

Verteilung

1.	Wasserverbrauch pro Tag z. B. 300 cbm X 30

Arbeitstage = 9 000 cbm zu Mk, 8,38 . . . = Mk. 79,50

2.	Brennstoffe:

Kohlen (eventuell Teer, Koks aus dem eigenen
Betrieb, und zwar einzusetzen mit ihrem Heiz-
wert gemessen an Kohle).....................

3.	Löhne; Aufsicht und Meistergehälter anteils-
mäßig -f- 70 °/o Zuschlag....................... „

4.	Dampf zum Betrieb der Speisepumpen täglich

4 Tonnen X Arbeitstage X Preis.............. „

5.	Materialien: Schmieröl, Putzmaterialien, Glüh-
lampen, Kohlenstifte............................ „

6.	Allgemeine Kosten: Eeparaturen, Unterhal-
tung, Zinsen, Abschreibung .... ■ ■ .	„

Selbstkosten für 9 000 Tonnen .... S. Mk. 16016,75

Leistung: Täglich 300 X 30 = 9000 Tonnen Dampf, Kosten
für 1 Tonne = Mk. 1,78.

Verteilung nach dem Dampfverbrauch bei Pumpen, Dampf-
maschinen; bei Kochapparaten, Destillation u. a. nach der
Menge des laufenden Kondensationswassers geschätzt, z. B.:

1.	Betrieb I .... 65

2.	„ II .... 60

3.	„ III ... . 131

4.	Dampfmaschinen . . 40

5.	Speisepumpe ...	4

Buchung:

An Konto Betrieb I
II

„	„	,. III usf.

Tonnen täglich zu Mk. 1,78.

Aufwand

4. Konto eines Hanptbetriebes (I)

Produktion

OT

-T

1.	Holzverbraueh..........................Mk.	—,—

2.	Heizstoffe..............................„

3.	Löhne: produktive Mk..	—)-70°/o Aufschlag

für Generalkosten (Konto	1)......... „

für Werkstättenarbeit Mk. .	-j- 120 % Auf-
schlag 	 ,,

für Bauarbeiter Mk. .	.	-(-80%	Aufschlag	„

4.	Kapitalkosten.......................... „

5.	Materialien .	. -f	10°/o	Aufschlag	...	„

6.	Wasser: 6300 cbm tägl. X Tagesanzahl X 8,83

Mk. (Konto 2)............................ „

7.	Elektrizität: Licht und Kraftverbrauch. 95

Kilowattstunden täglich x 30 Arbeitstage des
Monats zu . Pfg. die Kilowattstunde . .	„

8.	Dampfkosten 65 t x 30 zu Mk. 1,78 (Konto 3)	„________

Monatliche Selbstkosten Mk. 106839,—

I. Abfälle und Nebenprodukte:

. . kg Holzkohle ... zu
■kg *

.	. kg Teer . .

. . cbm Heizgas
Wert der Abfälle
II. Kosten der Holzproduktion
II. Kosten der Holzessigproduktion

8073 cbm...................

pro cbm Mk. 5,— Selbstkosten

Mk.

Mk.

66 476,-

40363,-

40 363,—

Mk. 106 839,-
        <pb n="66" />
        ﻿— 58 —

umfassen Arbeitslöhne, Abschreibungen der Gebäude, Gewichtsver-
luste, Lagerzinsen; sie werden durch Zuschlag zum Anschaffungs-
wert der eingekauften und an die Betriebsabteilungen zum durch-
schnittlichen Selbstkostenpreis abgegebenen Waren verrechnet. Die
Yerrechnung der Was s er besch af f ungs k o s ten zeigt das
Schema (S. 56). Die Kosten der elektrischen Zentrale (An-
teil an den Dampfkosten und Löhnen, zuzüglich Aufschlag für
Generalunkosten, Materialien 10% Aufschlag für Magazinkosten,
Abschreibung und Verzinsung der Anlagen) werden dem Konto
für diesen Hilfsbetrieb belastet, die Gesamtleistungen —- Stromab-
gabe in Kilowattstunden — für die Arbeitstage eines Monats er-
mittelt und auf die einzelnen Betriebsstellen imi Verhältnis des Kraft-
und Lichtverbrauches verteilt. Andere großbetriebliche Unter-
nehmungen begnügen sich mit einer quartalsweisen Kostenverteilung,
was insofern unzweckmäßig ist, als die Schwankungen in den
Betriebsverhältnissen durch die Länge der Bestimmungsperiode ver-
schleiert werden können. Die Kosten der Dampferzeugung
werden auf dem Konto des Kesselhauses verrechnet (s. Schema S. 57).
Die Kosten der Fabrikeisenbahn werden auf dem Hilfskonto
verrechnet und auf Generalunkostenkonto umgebucht. Ihnen sind
zuzurechnen: Betriebs- und Unterhaltungskosten, Verbrauch an
Kohle, Schmieröl und anderen Materialien, Verzinsung und Ab-,
Schreibung auf Gleis- und Bahnanlagen. Die Konten der Werk-
statte und der Bauabteilung verrechnen die Kosten der
Reparaturen und Bauarbeiten: Lohn und Nebenkosten im Soll; soweit
die Arbeit für eine bestimmte Abteilung der Fabrik ausgeführt wird,
werden dieser die Löhne -j- Aufschlag (im Beispiel 120% und
80%) für Nebenkosten belastet, dem Werkstattkonto kreditiert. Der
unverrechnete Rest der Werkstattkosten wird den Generalspesen
zugeschlagen.

Die Kontenbeispiele zeigen, daß eine monatliche bzw. in anderen
Betrieben vierteljährliche Auflösung, d. h. Ausgleichung der Kosten-
konten durch Übertragung der Kostenanteile auf die einzelnen Be-
triebsabteilungen (Produktionsbetriebe) stattfindet. In Brauereien bei-
spielsweise begnügt man sich, die einzelnen Bestandteile der Selbst-
kosten kontenförmig festzustellen, deren Saldo beim Jahresabschluß
auf die Gewinn- und Verlustrechnung zu übertragen (vgl. das Bei-
spiel S. 50 f.) und die Selbstkostenberechnung bzw. Kostenverteilung
selbständig durchzuführen.

6.	Beispiel.

Die folgende Übersicht gibt einen Einblick in das vielgliedrige
Kontensystem eines Großbetriebes des Maschinenbaues, soweit die
Unkosten in Frage kommen. (Vgl. auch, das Kontierungsschema eines
Hüttenbetriebes im VH. Abschnitt.)
        <pb n="67" />
        ﻿59

Konto	Buchungsinhalt
Krankenkasse  Alters- u. Invaliditätsvers. Pensions-, Witwen-, Waisenkasse Berufsgenossenschaft Haftpflichtversicherung	Beiträge a) Betrieb; b) kaufmännische Angestellte Beiträge  Beiträge, Pensionszuschüsse, Lebensversicherungs- beiträge  Beiträge  Prämienzahlungen, einschl. jener für Unfallversiche-
Feuerversicherung  W eihnachtsgratifikationen Überstunden	rung  desgl.  an Beamte, Werkmeister  a) an Meister, Kalkulatoren p.; b) an andere Ange- stellte
Inventurlöhne	Lohnvergütung für Ausfälle während der Inventur und für die Inventur selbst
Verbandsbeiträge	an verschiedene Unternehmerverbände, an Handels- kammer
Arbeiterunterstiitzungen  Kasino  Steuern  Postgebühren  Bureaubedarf	Unterhaltungskosten  Staats-, Gemeindesteuern, Umsatzsteuer, a! Porti, Depeschen; b) Telephon  Geschäftsbücher, Drucksachen, Bureaubedarf der
Bibliothek	kaufm. und t echn. Bureaus, Lager, Meisterbureaus Zeitungen, Zeitschriften, Verwaltungskosten der Fach- und Werkbibliothek
Buchbinderei  Buchdruckerei  Lichtpauserei  Inserate  Keisespesen, Reprä- sentation  Hotel  Spedition	Kosten des Hilfsbetriebes  Kosten des Hilfsbetriebes einschl. Photographie  Kosten der Anzeigen  Kosten des Werkhotels  Fuhrparkunterhaltung, Automobilunterhaltung, Per- sonenfuhrwerk für Beamte usf. vom Werk zur
Versuche  Ersatzlieferungen  Heizung  Verschiedene Kosten	Bahnstation und umgekehrt  Kosten der Versuche  kostenlose, auf Grund der Lieferungsbedingungen Kohlen, Brikettkosten, Holz für Bureaus Konventionalstrafen, Beiträge an Wohltätigkeits- vereine, Umzugskostenzuschüsse für Arbeiter und Beamte, Teuerungszulagen
Unkostenlöbne	Transport-, Hof kolonnen, Lager- und Betriebsarbeiter, Stundenlöhner in den Bureaus
Patentkosten  Modellkosten  Lizenzgebühren  Gehälter  Gratifikationen, Tantieme Abschreibungen  Werkzeug  Betriebskosten: Dampferzeugung Stromerzeugung Dampfrohrleitung  Licht- und Kraftleitung  Elektromotoren  Transmissionen  Gas  Fabrikbahn  Kräne und Aufzüge Unkosten-Materialien	einschl. Gebühren für Marken- und Musterschutz  empfangene und bezahlte a) kaufmännische; b) techn. Beamte vertragliche Vergütungen auf Gebäude und Grundstücke  Verbrauch  Betriebskosten, Unterhaltung, Abschreibungen.
        <pb n="68" />
        ﻿60

Schema für die Verwendung.

I.	Kanfm. Buchführung'):

Verbuchung auf 45 Konten,
summarische Verrechnung;

Ziel: Bilanzaufstellung.

II.	Betriebsbuchführung:	III. Selbstkostenberechnung:

Verteilung der Kosten auf die', Werk- Verwertung der Ergebnisse unter II
betriebe, Werkstätten, Arbeitsplätze; für die Berechnung der Gesamt- und
Ziel: Unkostenverteilung, Gesamt-	der Teilkosten der Fakrikate.

kostenberechnung, Vorbereitung und Deckung der Unkostenanteile des Einzel-
Grundlage der Einzelkalkulation. produktes durch Zuschläge auf Material-

und Lohnkosten.

Kontrolle und statistische Verarbeitung.

7.	Beispiel:

In Großbetrieben mit verwickelten Betriebsrechnungen, ins-
besondere bergbauliche Unternehmungen, werden gewöhnlich „Er-
läuterungen zur Betriebsrechnung“, „Kontierungs-Schemata“ u. a.
Anweisungen zur Benutzung durch die Beamten der Rechnungs-
zentrale ausgegeben, um Einheitlichkeit und Richtigkeit der Ver-
teilung des umfangreichen Zahlenmaterials zu gewährleisten. Ein
Ausschnitt aus einer „Feststellung und Beschreibung der einzelnen.
Kapitel der monatlichen Betriebsrechnung, Steigerjournale und
Verbrauchshefte“ eines westfälischen Bergbaubetriebes folgt:

Kapitel 15:	Auf Kapitel 15 „Werkstättenbetrieb“ bleiben in der Betriebs-

Werkstätten- abrechnung stehen die Meister unter Arbeitslöhnen, ferner die
betrieb. Gezäheschmiede und ständigen Arbeiter an der Kreissäge, sowie
alle Schichten und Materialien, welche auf Unterhaltung und
Ersatz der Werkzeuge und Werkzeugmaschinen nebst Betriebs-
maschine verwendet sind.

Alle übrigen Schichten und verbrauchten Materialien werden
auf diejenigen Kapitel übertragen, zu deren Gunsten die betr.
Leistungen erfolgt sind. Größere Arbeiten, welche in Akkord
oder von einer bestimmten Kameradschaft ausgeführt sind, werden
mit den betr. Schichten und Beträgen direkt auf das bezügliche
Kapitel übertragen; alle übrigen nicht getrennt zu verrechnenden
Arbeiten werden nach einem zu ermittelnden Durchschnitts-Schicht-
lohnsatze auf die betr. Kapitel verteilt.

Kapitel 16:	Auf Schachtförderung sind zu verrechnen die Förderma-

■Schachtförderung. schinenwiirter, Putzer, Tafelführer, Abnehmer, Aufschieber der
leeren und Abschlepper der vollen Wagen, insofern letztere nicht
gleichzeitig als Abstürzer fungieren, ferner die auf Unterhaltung
der Fördereinrichtungen, wie Maschine, Förderkörbe, Förderseile,
Seilscheibe, Aufsatzvorrichtungen, Schachtführung usw., ver-
fahrenen Schichten und aufgewendeten Materialien; endlich ein
bestimmter Anteil an den Kosten des Kesselbetriebes.

Kapitel 17:	Auf Kapitel 17 werden die eigentlichen Beamten ohne

AufsichtüberTage. Schichten unter Verschiedenes, die übrigen Angestellten, wie
Brückepaufseher, Wiegemeister, Rottenführer, Maurerpolier mit je
25 Schichten unter Arbeitslohn geführt.

') Über Fabrikbuchführung vgl. Literaturangabe im Anhang.
        <pb n="69" />
        ﻿61

Kapitel 18:	Kapitel 18a ist für diejenigen Zechen, wo Kapitel 19 d

a)	Beleuchtung eingerichtet wird, wie folgt abzuändern:

über Tage.	Auf Kapitel 18 a sind zu verrechnen alle für die Unter-

haltung der Beleuchtungsanlage benötigten Materialien, als Glüh-
lampen und Kohlenstifteersatz, Leitungs- und Installationsmate-
rialien, sowie die Kosten für die Bedienung der Tagesbeleuchtung.

Ferner ist hier außerdem noch eine bestimmte Kate der
Kosten des Kapitels 19 d in Rechnung zu stellen.

b)	Verschiedenes. Auf Kapitel 18b gehören diejenigen Tagesarbeiter, welche

auf den übrigen Kapiteln nicht wohl unterzubringen sind, so die
Schichtmeistergehilfen, Bureaudiener, Zechenboten, Nachtwächter,
Kauenwärter, Kutscher, die Arbeiter im Materialien- und Holz-
magazin; auch die Löhne der Holzschlepper zum Schacht.
Kapitel 19:	Auf Kapitel 19 sind zu verrechnen die Wärter der Wasser-

a) oberirdische haltung, die Pumpenwärter und die bei Reparaturen der Maschinen
^'unterirdische unc* PumPen&gt; sowie bei etwaigem Wasserfördern, Dammschlagen
Wasserhaltung. U3w. beschäftigten Hilfsmannschaften. Außer den direkten Be-
triebsmaterialien und Ersatzstücken ist auch hier wieder eine
bestimmte Rate der Kosten des Kesselbetriebs in Rechnung zu
stellen.

c)	Kesselbetrieb. Auf Kesselbetrieb sind zu bringen die Kesselwärter, Schürer,

Kesselreiniger, Asche- und Kesselkohlenfahrer; sodann die Unter-
haltungskosten der Dampfkessel, Speisepumpen, Vorwärmer,
Speisebassins, Dampf- und Speiseleitungen, auch die Unterhaltung
der Wasserhaltungstrumme der Hauptschächte, während die
Unterhaltung der Fördertrumme im besonderen wie der zur Förde-
rung dienenden Schächte im allgemeinen auf Kapitel 16 zu ver-
rechnen ist. Die verbrauchten Kesselkohlen sind zu einem alljährlich
festzusetzenden Durchschnittspreise in die Rechnung einzustellen,
der möglichst dem für die gleiche Kohlensorte zu erzielenden
Verkaufspreise entsprechen soll. Die Kosten des Kapitels 19 c
werden nach einem für jede Schachtanlage besonders zu be-
stimmenden Verhältnis auf die Kapitel 11, 16 und 19 bzw.
Neuanlage-Konten und Ziegelei verteilt.

(l)Elektr.Zentrale. Das Kapitel 19 d ist überall da einzurichten, wo von
der elektrischen Zentrale Energie für Licht- und Kraftzwecke
abgegeben wird. Es sind hierauf zu verrechnen alle durch den
Betrieb der Dynamos nebst Antriebsmaschinen, Umformer, Akku-
mulatorenbatterie, Schalttafeln usw. entstehenden Wartungs- und
Unterhaltungskosten, ferner auch die bei Reparaturen der Ma-
schinen beschäftigten Hilfsmannschaften. Außer den direkten
Betriebsmaterialien und Ersatzteilen ist hier außerdem noch eine
alljährlich zu bestimmende Rate der Kosten des Kesselbetriebes
in Rechnung zu stellen.

Die Kosten des Kapitels 19 d werden nach einem für jede
Schachtanlage besonders zu bestimmenden Verhältnis auf die in
Betracht kommenden Kapitel verteilt.

Voranscliläge, Preisprüfungen.

§ 12. Über Kostenvoranschläge. Vorkalkulationen
sind notwendig bei der Gründung eines Unternehmens (Gründungs-
plan), bei Neueinrichtung von Betrieben oder Einführung neuer
        <pb n="70" />
        ﻿62 —

Arbeitsmethoden. Hier haben sie den Zweck, die Anlage- und die
Produktionskosten annähernd zu berechnen; zu ermitteln, wieviel
unter bestimmten Voraussetzungen erzeugt werden kann (hier richtet
man die Kalkulation der übrigen Faktoren danach), oder wieviel
erzeugt werden soll (hier richtet man die Anzahl, Leistungsfähigkeit
der Maschinen, Arbeiterzahl, Möglichkeit der Beschäftigung der not-
wendigen Arbeitskräfte danach). Solche Voranschläge sind außer-
ordentlich schwierig, wesentlich schwieriger als die Kalkulationen
eines im Betriebe befindlichen Unternehmens (vgl. Griindungs-
plan, § 66).

Eine Vorkalkulation ist auch erforderlich, wenn es sich um die
Herstellung eines noch nicht erzeugten Fabrikates handelt. Hier
sollen die voraussichtlich entstehenden Kosten auf die Produktions-
möglichkeit bei den erzielbaren Verkaufspreisen ermittelt werden.
Soweit es sich uim rein technische Berechnungen, z. B. solche von
Gewichts- und Maßverhältnissen, der statischen Momente u. a. m.
handelt, bleiben sie hier außerhalb unserer Erörterungen. Die Be-
rechnung des Aufwandes hat alle Nebenumstände zu berück-
sichtigen, die bei der Erzeugung eintreten können, außerordentliche
Ausgaben, welche die Herstellung ungünstig beeinflussen, z. B.
Fehlarbeit, höherer Arbeitslohn, größere Abnutzung der Maschinen,
die Häufigkeit der Herstellung, ob neue Einrichtungen hergestellt
und erprobt werden sollen usw. Der gesamte Arbeitsvorgang muß
im voraus bestimmt sein; je mehr Teilarbeiten zu verrichten sind,
desto genauer aber auch schwieriger wird die Berechnung. Voran-
schläge werden im allgemeinen unter Zugrundelegung von Mittel-
werten, häufig unter Benutzung von Tabellen berechnet, die jedoch
im einzelnen Fall auf ihre Richtigkeit zur Zeit der Berechnung ge-
prüft werden sollen. Zwischen dem veranschlagten Selbstkosten-
preis und dem Verkaufspreis soll ein entsprechender Spielraum ge-
lassen werden, um den etwaigen Schwankungen der Produktions-
kosten gerecht zu werden.

Kostenvoranschläge werden entweder genau berechnet, gewöhn-
lich eine schwierige und zeitraubende Arbeit, oder man begnügt
sich, die Preise nach den in ähnlichen Fällen verausgabten Kosten
zu bestimmen oder nach Formeln zu berechnen, welche annähernd
den Herstellungspreis ergeben. Man unterscheidet generelle und
spezielle Voranschläge; letztere benennen und berechnen den kleinsten
Gegenstand.

Hier möchten wir eine Bemerkung nicht unterdrücken: Gas
Konstruktionsbureau soll Hand in Hanoi mit dem Betrieb arbeiten.
Nicht die Durchführung einer Idee, sondern die Durchführung dieser
Idee mit den zu Gebote stehenden Betriebseinrichtungen ist Aufgabe
des Konstruktionsbureaus. Eine Konstruktion ohne Kenntnis der
        <pb n="71" />
        ﻿63

Betriebseinrichtungen, der vorhandenen Arbeitsmethoden ist mit-
unter wertlos. Was nützt die schönste konstruktive Durchführung
einer Idee, wenn sie Detailarbeiten und Arbeitsmethoden erfordert,
die mit den bestehenden Einrichtungen nicht durchführbar sind,
oder welche die Einführung neuer Arbeitsmethoden bedingt, deren
Anschaffungskosten den Produktionspreis so verteuern, daß das
Fabrikat nicht konkurrenzfähig werden kann.

Erlacher1) meint mit Recht, daß nichts so sehr geeignet
ist, das konstruktive Gefühl des Zeichners weiterzubilden wie die
Kostenberechnung. Denn sie zwingt zur Überlegung, wie die einzelnen
Teile bearbeitet, wie die Kosten herabgedrückt werden können. Der
Konstrukteur, der sich nicht um den Preis zu bekümmern hat,
wird kompliziert und teuer arbeiten. Die mit der Konstruktion,
verbundene Kostenberechnung lehrt einfach und billig arbeiten.
Notwendig ist nur, daß der Konstrukteur auch imstande ist, die
Kalkulation durchzuführen. Längere Übung wird auch ihn befähigen,
die Kosten in verhältnismäßig kurzer Zeit zu berechnen. Dieser
Zeitaufwand wird reichlich aufgehoben werden durch die Vorteile,
die ein mit der Kalkulation vertraüter Konstrukteur in bezug auf
seine Konstruktion hat. Während die interne Vorkalkulation die
einzelnen Kostenbestandteile (Material, Löhne, Unkosten, Gewinn)
trennt, können in einer Offertkalkulation nur Einheitspreise
berechnet werden, die sich aus der internen Gesamtkostenberechnung
ermitteln lassen.

Beispiel:

Material (Einzelheiten bleiben hier weg): 20 m zu 1,08 .	.	21,60

Löhne.....................................................80,57

Unkosten 40°/o der Löhne..................................32,23

Selbstkosten.............................................134,40

+ 25% Nutzen............................................. 33,60

168,—

Im Voranschlag für den Besteller: 20 m Rohr zu 8,40 =
Mk. 168,—.

Jede Vorkalkulation soll durch die Ergebnisse des tatsächlichen
Aufwandes, wie er durch die Werkstätte ermittelt wird, nachträglich
kontrolliert -werden. Nur durch Vergleichung der veranschlagten
mit den tatsächlichen Kosten wird der Vorteil, den die Kosten-
berechnung einer Konstruktion durch deren Schöpfer hat, voll zur
Geltung kommen; sie zeigt, ob der Konstrukteur gefehlt hat etwa
durch zu komplizierte und zu teure Konstruktionen mit verhältnis-
mäßig großen Schwierigkeiten. Andererseits wirkt diese Kontrolle

’) Briefe eines Betriebsleiters über Organisation technischer Betriebe,
Hannover 1903, S. 22 ff.
        <pb n="72" />
        ﻿64

auch auf die Werkstatt zurück, wenn dieser klar geworden ist, daß
man sich nicht mit der einfachen Feststellung1 der tatsächlichen
Kosten begnügt, sondern diese mit den als wahrscheinlich ver-
anschlagten Aufwendungen vergleicht. Dadurch werden nicht allein
Fehler des technischen Personals aufgedeckt und wird erwiesen,
in welcher Werkstätte schlecht, teuer oder nicht intensiv gearbeitet
wird; es ist auch die Möglichkeit der Herabsetzung der Herstellungs1-
kosten und der annähernden Bestimmung des Gewinnes gegeben.
In diesem .Verfahren, liegt eine gute, nicht zu unterschätzende
Präventivmaßregel gegen unnütze Mehrausgaben.

Für jede Nachkalkulation ist ein Haupterfordernis, daß nach
Beendigung der Arbeit die Grundlagen hierfür übersichtlich und
vollständig dem Konstruktionsbureau vorliegen, was seinerseits wieder
eine gute Organisation der Verrechnung bedingt.

Preis prüfungen.

Der behördlichen Preisprüfung der Angebote wird
in der künftigen Friedenswirtschaft des Deutschen Reiches eine
größere Bedeutung zukommen als vorher; deshalb mögen einige
allgemeine Bemerkungen über diesen Gegenstand eingeschoben
werden. Die Verschiedeinheit der Angebote bei privaten und öffent-
lichen Submissionen ist zunächst auf den verschiedenen Aufbau der
Kostenberechnungen zurückzuführen, ist also methodologischer
Natur. Will eine Behörde die Einzelheiten der eingereichten Kosten-
berechnungen prüfend vergleichen, muß sie ein einheitliches Be-
rechnungsschema, ein Kalkulations-Skelett, vorschreiben.
Die erste Grundlage für eine richtige Kostenvergleichung und Preis-
festsetzung ist ein einheitliches Schema. Dann erst können die
Gründe für die Verschiedenheit der Angebote untersucht und ge-
würdigt werden. Die Aufgaben einer behördlichen Preisprüfung
erschöpfen sich nicht mit der Bewilligung eines angemessenen
Preises; sie muß synthesieren und analysieren. Fehlen die Unter-.
lagen für die Kostenberechnung der Angebote, ist eine Synthese,
fehlen Einzelheiten, ist nur die Summe der Kosten für das Ganz-
fabrikat angegeben, ist eine Analyse der Selbstkosten unmöglich.

Die Vereinheitlichung des Berechnungsschemas um Gleiches
mit Gleichem einander gegenüberzustellen, ist für eine Preisprüfung
der gedachten Art nicht ausreichend. Ohne Kenntnis des
Betriebes des anbietenden Produzenten, ohne Rücksicht auf seine
produktionstechnischen und betriebswirtschaftlichen Verhältnisse
muß eine Preisprüfung und -Vergleichung mit andern Angeboten
und Preisforderungen zu unberechtigten Ergebnissen führen. Die
Vergabe einer Lieferung an den Mindestbietenden, unter sonst gleichen
Voraussetzungen hinsichtlich der Güte der Fabrikate, der Lieferungs-
        <pb n="73" />
        ﻿65

möglichkeit, der terminsickern Bereitstellung usf., ist doch zu sehr
mechanisch, privatwirtschaftlich orientiert. Der Staat als Besteller
hat neben fiskalischen auch noch volkswirtschaftliche Interessen
zu wahren — Unterstützung des Handwerkes, Vorbeugung der
Bildung von Lieferungsmonopolen, räumliche Verteilung der Pro-
duktion auf das ganze Land, Förderung bestimmter Landesteile usw.
Fachmännische Betriebsbesichtigung und -beobachtung sind u. E.
unerläßlich. Die angeführten Gründe sprechen häufig auch gegen
das System der Einheitspreise bei der Vergabe an mehrere
räumlich weit auseinanderliegende Lieferungsbetriebe: das betriebs-
wirtschaftliche Eigenleben einer jeden Unternehmung bedingt Ver-
schiedenheit, d. h. eine Individualisierung der zu billigenden Preise.

Die an den folgenden, dem Leben entlehnten Beispielen, ge-
zeigten Unterschiede in den Herstellungslöhnen und in den Gesamt-
forderungen finden ihre sachgemäße Erklärung durch folgende
Umstände: Einige der anbietenden Firmen hatten Zeit und Kosten
sparende Sondereinrichtungen für die Bearbeitung der einzelnen
Arbeitsvorgänge konstruiert, dadurch die Leistungsfähigkeit wesent-
lich erhöht. Die musterhafte Ausnutzung der Werkeinrichtungen
läßt die konstanten Kosten verhältnismäßig sinken. Produktions-
menge und Fähigkeit sind zu berücksichtigen. Die Arbeitsgeschick-
lichkeit ist verschieden, in einigen Industrieorten traditionell.
Während des Krieges haben sich die Arbeitsleistungen der Arbeiter
verringert (Nahrung, Ermüdung), die Lohnverdienste wesentlich ge-
steigert, die Rohmaterialien verschlechtert, der Ausschuß hat sich
infolge der Verwendung ungelernter Arbeiter ebenfalls gesteigert.
Bei der Einführung neuer Erzeugnisse in den Betrieb entstehen
zunächst größere Unkosten als später, wo Betriebserfahrungen vor-
handen sind. Kurzum, die Preisforderungen können nicht schematisch
verglichen, sie wollen analysiert sein.

1. Beispiel:

	Wochenmenge.	Herstellungslöhne		
		für 1 Stück		
Betrieb 1  2	180  180	330 Pf.  466 „		rsllf  || g-f®
3	240	506	ff	*-t	*-*•	a&gt;	,	,  e B	ffl	hg  W»	ft	o
4	400	322	ff	cf-	&gt;~t  ET.	O.  2 PC s 2
5	480	424	ff	P 2-	3
6	750	244	ff	eL ®
7	800	308	ff	M CD «O1 CD CTi
8	1600	267	ff	SÜ. pu
9	7200	250	ff	• CD pi
10	8050	229	ff	o  pr

Leitner, Selbotkoatenberecimung. 7. Aufl»	5
        <pb n="74" />
        ﻿66

2. Beispiel:	Betrieb	I	II	III	IV	V
Wochenmenge		270	250	?	?	400
Löhne 		225	559®	500	358	377
Fertigmachen		?	50	60	125	?
Transport, Kontrolle ....	35	130	80	110	?
zusammen	?	739®	640	593	?

Das nun folgende 3. Beispiel der Kostenberechnung einer Wagen-
type gibt einen guten Einblick: in die Ursachen der verschiedenen
Kosten verschiedener Unternehmungen. Die Fabrik 1 stellt den
größten Teil der Einzelteile selbst her, 5 dagegen kauft fast alles
fertig. 1, 2 und 3 sind Spezialfirmen in Berlin und der nächsten
Umgebung, 4 ist eine Maschinenfabrik, 5 eine westfälische Holz-
industriefirma; die beiden letzten Firmen hatten die Wagentype
als Kriegsbeschäftigung (1917) aufgenommen. Die Kostenberech-
nungen sind vereinheitlicht; beachtenswert ist die Verschiedenheit
der Unkosten, während die Barausgaben (a—d) ungefähr die gleichen
Beträge ergeben, trotz der Verschiedenheit der Fabrikationsmethoden
(Einwirkung der Verbandsbildung?).

Firma	1	2	3	4	5	Durch-  schnitt
Fertig bezogene Teile:						
Wagenbeschläge ....	57,80	402,20	| 602,53	289,-	417,16	
Radbeschläge		127,40	208,26		276,—	283,39	
5% Ausfall		9,26	30,52	30,12	28,25	35,03	
a)	194,46	640,98	632,65	593,25	735,58	559,38
Fabrikations- Material:						
Holz einschl. Verschnitt	233,36	158,—	100,64	105,50	98,70	
Eisenblech, Stahl usw. einschl. 10 °/0 Verschnitt						
und Abfall		153,34	16,56	31,35		—	
Klemmaterialien und 10°/„						
Ausfall		44,83	41,97	33,79	156,25	25,27	
Belederung und 5°/, Abfall	8,96	5,78	5,78	—	7,33	
Anstrich usw		10,50	7,75	29,50	20,-	21,69	
b)	451,—	230,06	201,06	281,75	153,—	263,37
Löhne:						
Holzmaschinenarbeit . . .	21-	56,74	35,—	20,-	22,-	
Holzhandarbeit		143,35	56,64	89,-	125,31	97,52	
Schlosser, Schmiede . . .	235,75	72,80	141,45	72,69	64,84	
Sattler . . . . .	. .	2,75	2,-	6,-	2,-	2,20	
Lackierer		16,35	7,-	16,-	20,-	17,68	
c)	419,20	195,18	287,45	240,—	204,24	269,22
Nebenspesen . . .	. d)	10,-	34,67	11,-	11,-	16,-	16,53
Summe a)—d)	1074,66	1100,89 |	132,16	1126,—	1108,82	1108,5
Unkosten (auf c)	100 */#	184	148	185	155	155 %
        <pb n="75" />
        ﻿67

Durchschnittskalkulation:

Materialien (a u. b) . . . . 822,75 + 15 % Gewinn =	123,41

Löhne.................... 269,22	«=	40,38

Unkosten 155%............ 417,30	=	62,60

Nebenspesen................16,53	=	2,48

Selbstkosten 1525,80	zus. 228,87

+ 15 % Gewinn............ 228,87

1754,67

Auch die Prüfung der Gewinnzuschläge muß sich von
einer mechanischen Entscheidung fernhalten. Das folgende Beispiel,
auch dem Leben entnommen, ist wirtschaftlich nicht ziu rechtfertigen:

a)	Fertig bezogene Teile.....................................1000

Materialien, einschließlich Verschnitt......................500

Arbeitslöhne...............'.............................400

1900

50% Unkosten................................................950

285Ö

10% Gewinn..................................................285

3l35

Richtige Berechnung:

b)	Fertig bezogen......................................1000

+ 5% Gewinn, einschließlich kleiner Unkosten . .	50	1050

Materialien, selbsterzeugt................................. 500

Arbeitslöhne..........................................400

+ 150%............................................... 600	1000

2550

+ 10% auf 1500 ............................................ 150

2700

Es ist nicht angängig, auf . fertig bezogene Teile, die ohne Um-
arbeitung auf montiert werden, Fabrikationskosten in Höhe von 50%,
sowie einen Fabrikationsgewinn von 10,%' aufzuschlagen. Ein anderer
Fall: Ein Fabrikant übernimmt, Lohnarbeit im Großen, d. h. die
Bearbeitung ihm gelieferter Halbfabrikate; der Gewinnzuschlag (auf
die Selbstkosten bezogen) wird billigem Ermessen nach höher sein
müssen als jener eines Fabrikanten, der dieselbe Arbeit fertigt, jedoch
das Halbfabrikat selbst beschafft (einkauft) und der seine Gewinn-
quote, wie üblich, auf Materialien und auf die reinen Bearbeitungsj-
löhne aufschlägt. Der eine Fabrikant bezieht die Beschlagteile für
Wagen beispielsweise fertig, der andere erzeugt sie im eigenen
Betriebe. Der absolute Gewinn wird im ersten Fäll bei gleichem

5*
        <pb n="76" />
        ﻿68

prozentualem Gewinnaufschlag größer sein, weil in der Regel der
Einkauf teurer ist als die Selbstanfertigung, die Gewinnprozente
auf einen größeren Betrag gerechnet werden.

Es erscheint nicht angemessen, wenn der Hauptlieferant auf
die Bearbeitungskosten seiner Unterlieferanten Gewinnaufschläge be-
rechnet; ein Risikozuschlag hingegen ist zu billigen, da der Haupt-
lieferant dem Besteller gegenüber die Verantwortlichkeit trägt.

Eine Nachprüfung jener Betriebskosten, die durch Lohnzuschläge
gedeckt werden sollen sowie eine Prüfung der Zuschlagsrechnung
selbst erscheint zweckmäßig. Auch hierfür Beispiele: Ein Fabrikant
berechnet 150.%' auf die Arbeitslöhne; in den produktiven Löhnen
waren Werkmeister- und Hilfsarbeiterlöhne eingerechnet. Es war
zu untersuchen, ob diese Unkosten bereits in dem Aufschlag von
150°/o eingeschlossen waren und etwa doppelt in Ansatz kamen.
Das Gehalt des Werkmeisters, der produktiv mitarbeitet, kann nur
teilweise und zwar insoweit den produktiven Arbeitslöhnen zuge-
rechnet werden, als seine Tätigkeit sich nicht auf die Aufsicht
und Kontrolle erstreckt. Ob dieser Anteil 10 o/o. oder 331/3°/o o. ä.
des Gesamtbetrages ausmacht, entscheidet der Betriebsleiter. Ein
anderer Produzent rechnete wie folgt:

Arbeitslohn ....	53,70

Ausschuß 25% .	.	.	13,45

67,15

-j- 300% Zuschlag . 201,45

268,60

Abgesehen von der unangemessenen Höhe der Einzelbeträge
ist es unzulässig, die Unkostenzuschläge auch auf den Ausschuß
zu rechnen.

Die Erfahrung hat gelehrt, daß nachträglich eingeforderte
Kostenberechnungen zwecks Prüfung der Angemessenheit der Preis-
forderung entweder nicht genügend spezialisiert oder auf den be-
reits angegebenen Angebotspreis eingestellt, „frisiert“ werden.

Ein praktischer Fall: das Angebot für einen Artikel aus ver-
zinktem (verbleitem) Blech war 30,80 Mk. für ein Stück und erschien
unangemessen hoch, selbst wenn man die Dringlichkeit der Ab-
lieferung in Anrechnung brachte. Menge 10 000 Stück; ohne Garantie
für die Stärke des Bleches und rechtzeitige Lieferung. Die einge-
forderte Kostenberechnung, gekürzt, ergab folgendes interessante
Bild (für 100 Stück):
        <pb n="77" />
        ﻿Materialien . . . ............................ 904	Mk.

Preisdifferenz hierauf.........................100	„	= 20%

Arbeitslöhne...................................416	„

Lohndifferenz.................................. 80	„	= 20 °/o

1580 Mk.

Werkzeuge......................................100	„

1680 Mk.

Unkosten...................................... 420	„	=25%

2100 Mk.

Gewinn........................................ 700	„	=33%%

Fracht, Verpackung............................ 280	„

3080 Mk.

Ein Preis von 16,70 Mk. erschien angemessen und wurde vom
Lieferanten angenommen.

Die Unkostenzuschläge müssen für die Zwecke der Preisver-
gleichung hinsichtlich ihrer Unterlagen spezialisiert sein. Wo die
Vorarbeiten erheblichen Umfang annehmen und nicht im Akkord
der Hauptarbeit entlohnt werden — z. B. Zentrieren, aufspannen
der Werkzeuge, einspannen und auswechseln des Arbeitsstahls,
richten — (müssen die Zuschläge für die Unkosten auf Haupt-, Vor-
und Nebenarbeiten getrennt berechnet werden.

Während des Krieges wurde von Unterlieferanten über unver-
hältnismäßig niedrige Bearbeitungsptreise von seiten der Haupt-
lieferanten geklagt1). Die Unterlieferanten übernahmen ohne Be-
triebserfahrungen die Bearbeitung von Halbfabrikaten u. ä. zu
Preisen, die noch nicht, die Selbstkosten deckten. Wenn Kosten
auf Grund der eigenen Erfahrung noch nicht feststellbar sind, die
Übernahme „unter Vorbehalt der Preisberechnung“ nicht angängig
erscheint, dürfte es sich empfehlen, zunächst durch Übernahme
eines kleineren Probeauftrages (bei Massenbearbeitung) sich
über die eigenen Selbstkosten zu unterrichten.

Es ist nicht uninteressant, den Einfluß der Menge auf die Preis-
politik des Erzeugers an einem Beispiel zu zeigen und die Preis-
forderungen mit der endgültigen Preisabrede mit dem Besteller zu
vergleichen. Es handelt sich um einen Massenartikel verhältnismäßig
einfacher Konstruktion und um die Ergebnisse einer privaten Sub-
mission (Stückpreis).

1) Einen Schutz bildet die vertragliche Bindung des Hauptlieferanten durch
den Staat, der die Bearbeitungspreise für die Unterlieferanten vorschreibt.
        <pb n="78" />
        ﻿70

Preisforderungen der Firmen .	a	b	c	d	e	f
bei 10000 Stück  25000	„  50000	„ und darüber	3,2  3,15  3,10	3,1  3,-  2,93	2,95  2,90  2,85	3,05  2,98  2,85	3,12	j 3,2
Zuschlag erfolgte für ....  Stück (1000)	  zum Preise von		100  2,95	75  2,93	125  2,85	125  2,85	70  3,-	70  3-
Ermäßigung gegen den niedrig. Angebotspreis		15 4 =4,8»/.	—	—	—	124  = 4°/o	204  9,4 o/o

Die Angemessenheit einer Preisforderung kann im Hinblick auf
die Gestehungskosten, die .Marktlage, die Angebotsmenge, die Dring-
lichkeit des Bedarfes geprüft werden. Die technisch-kalkulatorische
Prüfung allein hat dann keinen entscheidenden Einfluß auf die
Vergabe einer Lieferung, wenn die Preisbestimmung eine Macht-
frage der Beteiligten ist. (Produzentenmonopole, Syndikate ohne
Außenseiter u. a.)

Spezial- und Generalkosten.

§ 18. Wir haben ausgeführt, daß die Produktionskalkulation
die Bestimmung der Selbstkosten bezweckt, daß die Verkaufs- oder
Warenkalkulation den Verkaufspreis eines Fabrikates ermittelt, zu
dem die Ware abgesetzt werden muß, um sämtliche Kosten zu decken
und Gewinn zu erzielen. Diese ist technisch und rechnerisch ein-
facher. Veranlassung zur Kalkulation ist die Frage, wieviel ein
Produkt nach Fertigstellung gekostet hat oder wieviel der Gegen-
stand voraussichtlich kosten wird, oder ob es möglich ist, ein
Objekt für einen im voraus bestimmten Preis den vorgeschriebenen
Bedingungen entsprechend zu lie'fern.

Die Kalkulation eines Produktes der Veredelungs-In-
dustrie1) — diese soll zunächst erörtert werden — erfordert die
genaue Ermittelung folgender Elemente:

a) Spezialkosten, d. h. Selbstkosten, die durch die Fabri-
kation des betreffenden Produktes entstehen und für das
einzelne Produkt in ihrer Höhe nachweisbar sind.

') Die Produktion mechanisch - technologischer Fabrikbetriebe ist eine
Massen-, eine Reihen- oder eine Einzelherstellung, eine betriebstechnisch
und kalkulatorisch wichtige Unterscheidung. Die Massenherstellung ermöglicht
eine weitgehende Zerlegung der Produktionsarbeit in Teilarbeiten, die Verteilung
der Arbeiten auf eine Reihe von Maschinen (Werkzeugmaschinen), sowie Anpas-
sung der Maschinen, Vorrichtungen und Werkzeuge an den Sonderzweck. Auch
die Reihen- oder Serienherstellung gestattet eine Arbeitszerlegung. Die Sonder-
anfertigung verteuert die Herstellungskosten.
        <pb n="79" />
        ﻿7T

1.	Menge der verbrauchten. Rohmaterialien und der
verkaufsfertigen Waren, sowie deren Wert.

2.	Ausgaben für Löhne, d. i. der Geldwert der zur Er-
zeugung erforderlichen Arbeitsleistungen.

3.	Ausgaben für besondere Leistungen.

b) Generalkosten, die für die Unternehmung als Ganzes
verausgabt werden, im einzelnen für eine bestimmte Ware
nicht nachweisbar sind:

4.	Ausgaben für allgemeine, nicht unmittelbar verteilungs-
fähige Erzeugungs-, Vertriebs- und Verwaltungskosten.

In der durch dieses Schema gegebenen Reihenfolge sollen die
Kostenbestandteile ausführlich erörtert werden.
        <pb n="80" />
        ﻿II.	Abschnitt.

Die Materialkosten.

§ 14. Die Selbstkostenberechnung hat zu unterscheiden:
1. Fabrikations- oder Produktionsmaterial. 2. Material-
unkosten. 3. Unkostenmaterial oder unproduktives Material.

Als Roh- oder Fabrikationsmaterial, das in vielen
Betrieben nach Haupt- und Nebenmaterial zu trennen ist, gilt alles,
was als Substanz des Fabrikats nach mechanischer oder chemischer
Verarbeitung bzw. Bearbeitung ganz oder teilweise wieder erscheint.

Materialunkosten erhöhen die Selbstkosten des Fabri-
kationsmaterials: Kosten der Materialprüfung und Materialabnahme,
Bezugsspesen, Kosten der Lagerverwaltung (Umlagern, Gehälter,
Löhne, Reinigung, Anteil an den allgemeinen Kosten wie Heizung,
Beleuchtung, Versicherungsgebühren, Abschreibung der Magazin-
räume), bei länger lagernden Materialien Zinsenverluste, Material-
verluste durch Lagerung und Verarbeitung, Transporte der Arbeits-
stoffe innerhalb der Unternehmung zur Verwendungsstelle u. a. m.
(vgl. Materialaufschlag). Man verrechnet die Materialunkosten häufig
mit den allgemeinen Betriebsunbosten, ein Verfahren, das in Be-
trieben mit spezialisierter Fabrikation dann unzulässig ist, wenn
der Selbstkostenpreis des Rohmaterials für die Kalkulation größere
Bedeutung hat.

Unkostenmaterial ist alles, was nicht in der Substanz
des Fabrikats sich wiederfindet, aber zu dessen Herstellung erforder-
lich ist (z. B. in der Eisengießerei Koks, Formsand). Der Wert
des Unkostenmaterials zählt zu den mittelbaren Aufwendungen des
Fabrikationsbetriebes, der nicht als Materialwert des Einzelprodukts
kalkuliert werden kann. Unkostenmaterial wird mit den Betriebs-
unkosten bzw. Werkstattunkosten verrechnet (vgl. allgemeine Un-
kosten).

Die Feststellung des Verbrauchs1) an Material ist
der Eigenart des Betriebes und des' Fabrikationsprozesses angepaßt.

*) Auf die verschiedenen Arten der Material- und Lohnermittelung kann
hier nicht eingegangen werden; wir empfehlen als Nachschlagewerke: Grim-
shaw, Werkstattbetrieb und -Organisation, Hannover, 1903 , 3. Aufl., 1908.
        <pb n="81" />
        ﻿73

1!. Man „berechnet“ den theoretischen So 11 verbrauch
nach Erfahrungssätzen und Formeln, beispielsweise in der Weberei
die Berechnung aus der Garnnummer und der Soll-Länge des Fadens.
In Walzwerken wird die produzierte Menge häufig nicht gewogen,
sondern berechnet; aus einem Profilbuch ergibt sich für jedes Profil
das theoretische Gewicht pro laufenden Meter. In Walzwerken be-
rechnet man die Förderung auch nach der Tourenzahl in der Minute
und dem Walzendurchmesser. Der kalkulatorische Sollverbrauch
wird später mit dem tatsächlichen Istverbrauch verglichen (retro-
grade Methode) oder nicht. Der Minder- oder Mehrverbrauch läßt
auf die innere Betriebsökonomie, die Zuverlässigkeit des Rechnungs-
wesens und der Kontrolle sowie auf die Organisation der Verbrauchs-
aufzeichnungen schließen.

2.	Man ermittelt nach den fortlaufenden Aufzeich-
nungen im Betriebe den Einzelverbrauch für die Leistungs-
einheit (Wiege-, Materialausgabescheine, Stücklisten, Materiallisten,
Magazinanweisungen, Materialrücklieferungsscheine usf.). Die Auf-
zeichnungen beziehen sich auf das einzelne Stück (z. B. Maschinen-
industrie; Spezialkalkulation, direkte, konkrete Berechnung); oder
man zeichnet für einen bestimmten Zeitraum — Monat, Quartal —
den Verbrauch auf und ermittelt daraus einen Durchschnittswert
für die Einheit (z. B. Eisengießereien; indirekte, abstrakte Berech-
nung, Gesamtkalkulation).

3.	Eine bestimmte Menge des Rohstoffs wird probe-
weise verarbeitet und der Verbrauch nach Fertigstellung be-
rechnet (Musterkonstruktion der Maschinenindustrie, Holzbearbei-
tungsindustrie).

4.	Ähnlich ist eine Methode, welche die innerhalb einer Lohn-
oder Arbeitsperiode in Arbeit gegebene Menge des Materials,
die Menge der Fertigfabrikate auf zeichnet und danach den Ver-
brauch feststellt (Holzbearbeitung).

5.	Man bestimmt am fertigen Arbeitsstück durch
Messen den Materialverbrauch und trägt das Ergebnis in die Kal-
kulationszettel ein (Möbelindustrie).

6.	Man ermittelt den Verbrauch durch monatliche In-
ventur: Anfangsbestand = Materialeingang — Schlußbestand, gibt
den tatsächlichen Verbrauch durch Fabrikation und
sonstigen Abgang (Gießereien), den man mit den Betriebsaufzeich-
nungen, d. i. mit dem buchmäßigen Verbrauch oder mit dem theo-

Daele, Moderne Buchführung, Stuttgart, 1904. Schmelzer, Werkstattbuch-
führung für Maschinenbauer, 3. Auf!., 1900. Garcke u. Fells, Factory
Accounts, 5. Edition, London 1902. Lew in, Werkstättenbuchführung für
moderne Fabrikbetriebe, Berlin 1906. Schlesinger, Selbstkostenberechnung
im Maschinenbau. Berlin 1911.
        <pb n="82" />
        ﻿retischen, kalkulatorischen Sollverbrauch vergleicht. Nach einem
anderen Verfahren ermittelt man den Sollbestand auf Grund des
berechneten oder auf gezeichneten Verbrauchs und vergleicht ihn
mit dem tatsächlichen Istbestand, der durch Inventur oder Schätzung
bestimmt wird (Hüttenwerke).

Diesen Methoden entsprechend gestaltet sich die k o n t e n - -
förmige Verrechnung der Materialkosten. Auf der Eingangs-
oder Sollseite des Materialienkontos stehen Anfangsinventurbestand
und Eingangswert der eingekauften oder selbsterzeugten Betriebs-
rohstoffe: a) Auf der Habenseite (Ausgang) wird der Schlußbestand,
beispielsweise am Ende des Jahres eingestellt. Der Kontensaldo (An-
fangsbestand -j- Eingang — Schlußbestand) ergibt den buchmäßigen
Verbrauch an Materialien, b) Auf der Ausgangsseite wird ent-
sprechend den Verbrauchsaufzjeichnungen monatlich der Wert (Selbst-
kosten-, Normalpreis) der an die Produktionsbetriebe abgegebenen
Materialien verbucht, beim Jahresabschluß durch Inventur der
Schlußbestand festgestellt. Der Saldo des Kontos liefert eine Kal-
kulationsdifferenz bzw. ein Manko im Lagerbestand, dessen Be-
rechtigung durch Nachprüfung der Verrechnung zu kontrollieren
ist. c) Der Soll verbrauch wird dem Materialienkonto kreditiert,
dem Fabrikations- oder Aufwandkonto belastet und der Schlußbestand
durch Inventur festgestellt. Der Kontensaldo gibt den Mehr- oder
Minderverbrauch gegenüber dem Sollverbrauch an.

Entsprechend der Bestimmung des Materialverbrauchs wird
auch die Ermittelung der Materialverluste gehandhabt:
Messen oder Abwiegen des Rohmaterials und der Fertigfabrikate
sowie der Abfälle; Vereinfachung des Verfahrens durch Anwendung
von Normalzahlen, das sind Schätzungszahlen für Abbrand, Abfälle
und anders benannte Material Verluste, verbunden mit einer General-
probe auf Grund der Betriebsaufzeichnungen oder ohne eine solche
nachträgliche Prüfung der theoretischen Zahlen (der Sollverluste)
und demnach ohne Feststellung des Wechsels in den Betriebsver-
hältnissen.

Schließlich eine kurze Bemerkung über die Materialkon-
trolle und -ausgabe1). Die erstere erstreckt sich auf fach-
männische Überwachung der Materiallieferungen hinsichtlich der
Güte — durch technisch gebildete Beamte zu prüfen — und der
Menge, sachgemäßer Ausführung, der Richtigkeit und der Ange-
messenheit der Preise; endlich hat sie die ordnungsmäßige Gebarung
mit den Lagerbeständen und di© richtige Verrechnung der ausge-
gebenen Materialien zu überwachen. Je größer die Geldkapitalien
sind, die in Materialbeständen angelegt sind, je größer die Zersplitte-

') Ausführlicher mein Buch: Kontrolle . . . 1920. S. 197 ff.
        <pb n="83" />
        ﻿75

rung des Materials ist, je mehr Ausgabestellen vorhanden sind, desto
größer ist die Gefahr der Verluste durch unredliche oder fahrlässige
Gebarung, desto größer die Bedeutung wiederholter scharfer Kontrolle.

Materialpreise.	'

§ 15. Die Materialien, deren Umformung oder Umwandlung
Zweck der Unternehmung ist, sind entweder auf eigenem oder
fremdem Lager, oder sie werden von auswärts vollständig be-
arbeitet, teilweise bearbeitet bziw. in rohem Zustande bezögen, ein-
gekauft, oder sie werden im eigenen Betriebe selbst erzeugt.

Die Verrechnung des Materialverbrauchs in der
Kalkulation erfolgt zum wirklich bezahlten oder dem gegenwärtigen
Anschaffungswert, zu einem unveränderlichen Normal-
oder Verrechnungspreis. In einzelnen Betrieben mit stark
schwankenden Materialpreisen läßt man den Wert der Rohstoffe
zunächst unberücksichtigt, kalkuliert nur die Herstellungs-
bzw. Bearbeitungskosten und rechnet als Materialselbstkostenpreis
jenen Anschaffungspreis an, der für den Deekungskauf des ver-
arbeiteten Materials zu bezahlen ist (z. B. Kupferwalzwerke).

a)	Gewöhnlich werden die zur Verarbeitung kommenden Lager-
vorräte zum wirklich bezahlten Anschaffungswert,
d. i. Einkaufspreis, einschließlich aller Bezugskosten bis in die
Fabrik und einschließlich der Bearbeitungskosten des Materials
kalkuliert. Der Tagespreis bleibt unberücksichtigt1).

b)	In der Kostenberechnung berücksichtigt man trotz der Lager-
vorräte den gegenwärtigen Tagespreis. Der Preisunter-
schied zwischen den wirklich bezahlten und den anzurechnenden
Tagespreisen geht zugunsten oder zu Lasten des Unternehmer-
gewinns. Ist der Preis der Rohstoffe, von denen noch alte Be-
stände vorhanden sind, und die nun aufgearbeitet werden, gesunken 2),
wird für das Angebot, für das, falls erhebliche Konkurrenz der
Produzenten in Betracht kommt, der billigste Preis entscheidet, der

*) Vgl. Schmalenbach, in dessen Zeitschrift, III. Jahrgang, S. 50f.

*) Ein Hochofenwerk berücksichtigt beim Jahresschluß den Marktpreis der
Bestände wie folgt:

&lt;* *) Bestand -f- Eingang bis 1. Dezember:

15 000 t zu 10 Mk. (Durchschnittspreis) = 150 000 Mk.

ß) Ausgang:

14 000 t zu 10 Mk. (Durchschnittspreis) = 140 000 Mk.

Lagerbestand Ende Dezember 600 t zum Marktpreis des Monats Dezember zu
7 Mk. = Bestandswert 4200 Mk. Der Verbrauch im Monat Dezember von 400 t
berechnet sich wie folgt: 150000— (140000-f-4200) = 5800 Mk. auf die Tonne
berechnet 14,50 Mk. Selbstkostenpreis des Verbrauchs im Monat Dezember. Di*
Wertminderung der Lagerbestände wird in diesem Beispiel dem letzten Pro-
duktionsmonat zur Last geschrieben.
        <pb n="84" />
        ﻿76

geringere Tagespreis angerechnet werden müssen. Man denke an
die Zeiten sinkender Konjunktur bei vorangegangener Hochkonjunk-
tur, aus der noch Lieferungsverträge zu hohen Preisen bestehen.
Für das Angebot müssen die billigeren Tagespreise, in der Nach-
kalkulation müssen die wirklich zu bezahlenden hohen Einkaufs-
kosten angesetzt werden. Die teueren Lagerbestände müssen abge-
stoßen und neue Materialien zu billigeren Preisen hereingenommen
werden, während die Lieferungsverträge zu hohen Bezugspreisen
erfüllt werden müssen. Bei steigenden Materialpreisen kann der
Materialpreisgewinn ausgenutzt, der anzubietende Verkaufspreis ent-
sprechend hinaufgesetzt werden, trotz der vorhandenen billigeren
Lagerbestände: im Bruttogewinn der Unternehmung steckt ein
Materialpreisgewinn als Folge der schwankenden Marktpreise. In
die Nachkalkulation werden die wirklich bezahlten Einkaufspreise
eingestellt. Der Unternehmer kann aber auch auf den Sondergewinn
verzichten, muß aber später mit der verteuerten Eindeckung des
Materialbedarfs rechnen.

Die Schwankungen im Materialpreis bedingen
Schwankungen in den Selbstkosten, bei sinkenden Preisen und großen
Lagerbeständen überdies beträchtliche Verluste, wenn die Verkaufs-
preise der Fertigfabrikate nicht entsprechend reguliert werden
können. Verschiedene Maßnahmen sollen die Wirkungen der Preis-
schwankungen der wichtigsten Materialien paralysieren. Zunächst
durch Abschluß langjähriger Lieferungsverträge; so vorteil-
haft sie als feste Berechnungsgrundlagen sind, so schützen sie zwar
vor Preissteigerungen, nicht aber vor Preisrückgängen, ganz abge-
sehen von der üblen Gewohnheit mancher Lieferanten, bei einer
für sie ungünstigen Preisentwicklung hinterher durch Ausreden
von der tatsächlichen Lieferung der auf Abruf verkauften Mengen
sich zu befreien oder geringere Qualitäten oder kleinere Mengen
zu liefern. Auch bei Produktionseinschränkungen können Lieferungs-
verträge nachteilig wirken. Das Bestreben, Verluste bei sinkenden
Preisen abzuwälzen, hat zur Einführung der sogenannten Baisse-
klausel geführt, wonach infolge Vereinbarung der im Lieferungs-
vertrag bedungene Preis nur so lange Geltung haben soll, als der
Marktpreis der zu liefernden Ware nicht oder nicht unter einen
bestimmten Prozentsatz sinkt. Andernfalls soll der Abschluß für
den niedriger gewordenen Marktpreis gelten: eine automatische
Preisminderung, die nur ein wirtschaftlich starker Abnehmer durch-
drücken kann. Kapitalgesellschaften suchen Ertragsminderungen
durch Preisschwankungen vorzubeugen, indem sie offene sichtbare
Gewinnrücklagen (Reserven) schaffen; in der Regel ist die be-
sondere Zweckbestimmung in der Benennung der Reserve nicht
zum Ausdruck gebracht (Spezialreservefonds, richtiger Preis-Del-
        <pb n="85" />
        ﻿77

kredere-Reserve). Auch unsichtbare, stille Reserven, durch Minder-
bewertung der Lagerbestände in günstigen Jahren sollen denselben
Zweck erreichen. In der Textilbranche berechnet man mitunter
eine Art Versicherungsprämie durch Einstellung eines
reichlich bemessenen Aufschlags für Materialverluste und allgemeine
Fabrikationsunkosten, durch vermehrte Anwendung von Surro-
gatstoffen (Baumwolle in Seidenwarenfabriken). Auch die
Kapitalbeteiligungen an Unternehmungen der Rohstoff
liefernden Industrie, häufig in Verbindung mit Lieferungsverträgeny
sollen vor Preisverlusten schützen oder sollen sie durch die Rente
des Beteiligungskapitals vermindern.

Für Unternehmungen, die mit starken Schwankungen der Roh-
stoffpreise zu rechnen haben, dürfte sich die Aufstellung einer
Preisveränderungstabe Ile empfehlen, die es ermöglicht,
ohne Einzelkalkulation sofort den Einfluß der Preisveränderung auf
die eigenen Selbstkosten abzulesen, z. B. (Bruchstück):

Bei einer Veränderung des Preises um I Mk. für o/o kg für

Baumwolle	Salpeter	Oleum 70° Be
verändert sich der Selbstkostenpreis für 100 kg (Fabrikat) um		
0,45 Mk.	1,25 Mk.	0,93 Mk.

Ein anderes Beispiel: Metallwaren: Grundpreis des Messing
300 Mk. für 100 kg; Rohgewicht des Fabrikates a = 2,36 kg,
b — 1,95 kg. Preisschwankungen von 10 zu 10 Mk.

Marktpreis	Materialkosten	
	a	b
300,-	7,10	5,85
310,—	7,35	6,05
320,—	7,55	6,25
330,—	7,80	6,45
340,—	8,05	6,65

c)	Die Verrechnung des Materialverbrauchs zu Durch-
schnittspreisen aus der Menge der Bestände und-, der Ein-
gänge, sowie den sämtlichen Ausgaben bis zum Lagerplatz zeigt
folgendes Beispiel:
        <pb n="86" />
        ﻿78

Erz (Monat April):

Eingang: Bestand: 5000 t zu 5,20 Mk.
Zugang lnnnn a —

16 000 *
24 000 „
52 500 „

26 000 Mk,
30 000 „

Fracht

Abladen

3 500 ”

Durchschnittspreis
zus. 26 000 t 5,85 Mk. = 152 000 Mk.

Die Abgabe an die Hochöfen (23 000 t) wird mit dem Durch-
schnittspreis verrechnet, eine Berechnung, die auf den Bestands-
wert Rücksicht nimmt. Würde man nur aus den Eingängen
einen Durchschnittspreis bilden (6 Mk. die Tonne), so hätte dies eine
.Verteuerung der Produktion (138 000 Mk. statt 134550 Mk.) und
eine nicht gerechtfertigte Vorbilligung des Bestandswertes zur Folge
(statt 5,81 Mk. *) die Tonne 4,66 Mk. die Tonne).

d)	Manche Rohstoffe sind häufigen und größeren Preisschwan-
kungen unterworfen. In solchen Fällen sucht man diese Unsicherheit-
und ihren Einfluß auf die Selbstkostenberechnung auszuschalten,
indem man in der Kostenermittelung zunächst einen unveränder-
lichen Grundpreis — Standard-, Normalpreis — als Durch-
schnittswert ohne Rücksicht auf den Tagespreis einsetzt und den
Unterschied zwischen Grund- und Tagespreisen durch einen Auf-
schlag ausgleicht.

Eine Fabrik der elektrotechnischen Industrie berechnet den
„Teuerungszuschlag“ — darunter wird hier der oben angeführte
Preisunterschied verstanden — auf die gesamten Selbstkosten. „Auf
dem Rohstoff-Konto werden die angeschafften Materialien zum Ein-
kaufs- und Grundpreis eingesetzt und am Jahresschluß ermittelt,
um wie viele Prozente der erstere vom Grundpreis abweicht. Dieser
Zuschlag wird im nächsten Betriebsjahr als Aufschlag auf die Selbst-
kosten (!) angerechnet“, während des Betriebsjahres jedoch all-
monatlich kontrolliert durch die folgende beispielsweise angeführte
Rechnung:

Im Monat Oktober wurde Kupfer angekauft, dessen Anschaffungs-
kosten gegenüber dem Grundpreis um 1080,— Mk. höher sind.
Der Umsatz sei	13100,— Mk.

abzüglich der Gewinnquote 1550,— „

die Selbstkosten betragen '	11 550,— Mk.,

als Zuschlag wurden 10% eingerechnet, d. i, 1/11 von den Selbst-

') Durch die Berechnung des Verbrauchers (23 000 t zu 5,85) sind 134550 Mk.
der Selbstkosten gedeckt; der Restbestand kostet im Durchschnitt 17 450 Mk.
für 3000 t.
        <pb n="87" />
        ﻿79

kosten == 1050,— Mk.; d. h. durch Verkäufe im Oktober sind die
Materialmehrkosten nicht völlig gedeckt.

Für derartige Betriebe erscheint die auf S. 41! (2.) angegebene
Methode der Berechnung besser zu sein. Wir haben das Beispiel
so wiedergegeben, wie es uns Vorgelegen hat, halten aber den Vor.1-,
gang in diesem Fall für verfehlt.

Für Fabrikationsbetriebe, die aus dem eingekauften Rohstoff
Zwischenprodukte in verschiedenen Sorten für die Weiter-
verarbeitung im eigenen Betriebe erzeugen (beispielsweise Leinen-
spin'nerei: Rohflachs, Werg, Hechelflachs) oder aus dem Roh-
material Warensorten mit verschiedenen Marktpreisen produzieren
(Müllerei:Weizen-Mehl in verschiedenen Sorten) ist die Berechnung
der Selbstkosten des Rohstoffes mit Schwierigkeiten verbunden,
wenn nicht unmöglich. Auch in diesen Fällen hilft man sich mit
einem Grund- oder Standardpreis. Z. B. Eine Partie von
9000 kg Rohflachs1) im Selbstkostenwert von 9000 Mk. liefert
nach dem Hecheln 4400 kg Werg in vier Qualitätssorten und 4550 kg
gehechelten Flachs in fünf Qualitätssorten. Jede einzelne Sorte bzw.
Nummer wird mit einem unveränderlichen Grundpreis bewertet.
„Dieser Standardwert wird bestimmt nach dem erfahrungsgemäßen
Marktwert der betreffenden Qualität und Nummer und nach dem
Verhältnis des Flachspreises zürn Verkaufswert der daraus ange-
fertigten Ware.“ Die Partie liefert:

1000 kg Werg Nr. 1 ä 0,40 Mk. (Grundpreis) = 400 Mk.

1800 „ „	„ 2 „ 0,45 „	&gt;5	= 810 „
900 „	„	,, 3 „ 0,50 ,,	11	= 450 „
700 „	„	„ 4 „ 0,55 „	5»	== 385 „

4400 kg Werg zu Standardpreisen berechnet = 2045 Mk.
550 kg Flach Nr. 1 ä 1,20 Mk. (Grundpreis) = 660 Mk.

1000 „ „	15	2 „	1,40	11	&gt;5	= 1400
1500 „	„	11	3 „	1,60	51	»5	= 2400
1000 „ „	!&gt;	4 „	1,80	5»	11	= 1800
500 „	!&gt;	5 „	2,00	5»	5»	= 1000

4550 kg Flachs zu Standardpreisen berechnet == 7260 Mk.

Der berechnete Gesamtselbstkostenpreis der Partie (2045 -{- 7260)

beträgt somit............................................... 9305	Mk.

der Einkaufspreis.........................................   9000	„

Unterschied	305	Mk.

d. h. die Partie ist gegenüber den Standardpreisen um etwa 3,28%’
billiger. Die Anwendung des Standardpreises in der Kalkulation

0 Nach Schütz, Die Kalkulation einer Leinenspinnerei und Leinen-
zwimerei. Zeitschr. für handelsw. Forschung, III. Jahrg., S. 494 f.
        <pb n="88" />
        ﻿80

zeigt das folgende Beispiel: Ein Schock (tarn einer bestimmten
Nummer wiegt 80 kg, Spinnverluste 20o/o, demnach Material-
erfordernis 96 kg zum Standardwert

zu 1,20 Mk.	=	115,20	Mk.	Materialwert

-f-	25,—	„	Spinnkosten

140.20	Mk. Herstellungs- bzw. Inventurpreis

-(-	4,—	„	Verkaufsfracht

144.20	Mk.

+	21,65	„	15% Verkaufsspesen

Selbstkosten	165,85	Mk.	(Verkaufspreis	ohne Gewinn.)

l°/o Abweichung vom Standardpreis macht 115 -f- 15%' Ver-
kaufsspesen (17) — 1,32 Mk. Ist der Einkaufspreis so günstig ge-
wesen, daß die verarbeitete Partie beispielsweise 10 o/o' unter Standard
kalkuliert, so stellt sich der Herstellungspreis des Garns um 1,32
X 20 — 26,40 Mk. billiger als 140,20 Mk., d. h. auf 113,80 Mk.,
der Verkaufspreis auf 139,45 Mk.x).

Der unveränderliche Grundpreis für Rohmaterialien kann auch
in der Buchführung Verwendung finden. Alles eingekaufte
Haupt- und Nebenmaterial wird mit dem für das Rechnungsjahr
festgesetzten unveränderlichen Grundpreis dem Materialkonto be-
lastet und der Preisunterschied gegenüber dem wirklich bezahlten
mit einem Konto für Materialpreisdifferenzen verrechnet [für den
Überpreis belastet, für den .Unterpreis kreditiert]* 2). Der Zahlen-
unterschied zwischen der Sollseite des Preisausgleich-Kontos (Preis-
steigerung) und der Habenseite (Preisminderungen) ergibt am Jahres-
ende einen Überblick über das Verhältnis zwischen dem kalkula-
torischen Grundpreis und den wirklich bezahlten Preisen.

Wir haben in der chemischen Großindustrie die Verrechnung
des Verbrauches an Rohstoffen und Vorfabrikaten zu Normalpreisen
in Verbindung mit dem Tantiemesystem für Betriebschemiker oft
gefunden. Die Abgabe jener Fabrikationsmaterialien vom Magazin
an den Betrieb erfolgt zu festen Verrechnungspreisen. Für die
Betriebskostenberechnung hat dieser Verrechnungsmodus besondere
Vorzüge. Die monatlichen Schwankungen in den Selbstkosten eines
Fabrikates sind auf Konjunkturschwankungen, also Rohstoffpreis-
veränderungen und auf Veränderungen in den Fabrikationskosten
zurückzuführen. Die Belastung des Rohstoffverbrauchs mit dem

J) Über eine andere Methode, welche die einzelnen Sorten unter Anwendung
fester Marktpreisunterschiede kalkuliert, vgl. Rückert, „Die Kal-
kulation im Mühlenbetriebe“, Zeitschr. f. handelsw. Forschung, IV, S. 402 f.

2) ßuchungsbeispiel:

Materialienkonto an Kreditorenkonto . . . . 95
an Konto für Materialpreisdifferenzen 5

100 (Grundpreis).
        <pb n="89" />
        ﻿81'

Einstandspreis würde das kalkulatorische Bild insofern trüben, als
die beiden Ursachen der Schwankungen rechnungsmäßig nicht aus-
einander gehalten werden können. Der Betriebsmann soll für spar-
same Produktion, für Verbilligung der Arbeitskosten, Steigerung der
Ausbeute und Qualität gewinnbeteiligt sein. Der Einkauf der Werk-
stoffe unterliegt nicht seiner Zuständigkeit. Durch Einführung der
Verrechnungspreise wird der Kalkulationspreis des zu verarbeitenden
Fabrikationsmaterials stabilisiert — die Konjunkturschwankungen
des Rohstoffpreises werden anderweitig nachgewiesen —, die
schwankenden Ausbeuten und Herstellungskosten treten ohne weiteres
klar in Erscheinung.

e)	Im Fälle der Selbsterzeugung des Rohstoffes bildet
die Fabrikation des Rohstoffes eine selbständige Betriebsabteilung,
deren Kosten wie jene anderer Betriebsabteilungen zu ermitteln sind.
In der Regel ist der Produktionswert, auf die Maß- oder Gewichts-
einheit berechnet, der Materialwert für diejenigen Abteilungen, die
den Rohstoff zur Weiterverarbeitung empfangen. (Vgl. S. 87 f.)

Rechnerisch ist die Erzeugung oder die Herrichtung des Roh-
stoffes vom Verbrauch an Rohstoffen, der Erfolg der Selbsterzeugung
vom Ertrag der fabrikatorischen Haupttätigkeit zu trennen.

Im folgenden Beispiel werden Korkabfälle bezogen, zerkleinert,
gemahlen und der Schrot weiterverarbeitet. Die Herstellungskosten
des Schrot sind Vorkosten der Fabrikation. Die Arbeitslöhne
spielen eine untergeordnete Rolle, die Kosten des Werkstoffes über-
wiegen deshalb die Verteilung der Generalkosten im Verhältnis1
des Umsatzes. (Im Anhang, Pappefabrikation, ein ähnliches
Beispiel mit Verteilung der Unkosten im Verhältnis der Gestehungs-
kosten.)

i

Kalkulation von Kunstkork.

Einkaufspreis der Korkabfälle	je	100 kg Mk.			75,-
Fracht 		33	&gt;3	3&gt;	33	7-
Verladen, Entladen und sonstige					
Spesen		33	3»	33	33	9 	  *" 3
Zerkleinern der Abfälle ....	33	33	33	33	11-
Ausmahlen der zerkleinerten Ab-					
fälle		33	33	33	33	5,— Mk.

40°/o Verlust beim Mahlen der

Korkabfälle aus Mk. 100,— .... Mk. 40,—
abzüglich Erlös durch Verkauf des beim Mahlen
sich ergebenden Abfalles je 100 kg

Mk. 17— = 40 °/o.......................... „	6,80 „

Sichten und Reinigen des Schrotes je 100 kg	,,

100 kg fertiger Schrotkosten................. Mk.

100 —

33,20

7,80

141-

Leitner, Selbstkostenbereclmung. 7. Aufl.

6
        <pb n="90" />
        ﻿Es werden benötigt:

Schrot...................................zu Mk. 1,41 Mk. 22,35

Bindemittel..............................

Pressen und Trocknen.....................

Schneiden auf der Säge...................

Schneiden der Streifen mit dem Zi rkularmesser

Würfelschneiden .........................

Rundschneiden.................•	.	.	.

Betriebsmaterialien etc..............

Sortieren................................

15% Ausschuß
Verpackung .
Versandfracht

25% Generalkosten 1	„ v ,	,

10 o/o Verdienst } VOm VerkaufsPreis

f)	Die Bearbeitung bzw. Verarbeitung des Materials vollzieht
sich in vielen Fällen in einzelnen scharf voneinander zu trennenden
Arbeitsprozessen oder -Stufen. Jedes Stadium verursacht Kosten;
die Gesamtkosten des Produkts werden ermittelt, indem man die
Kosten der einzelnen Stufen addiert. Bezeichnet man die einzelnen
Arbeitsstufen mit 1, 2, 3,...., die Aufwendungen der einzelnen
Stufen mit lx, 12, 13,.... „ so ergibt sich1 als Selbstkostenpreis
der Arbeit:

\

lj 4" 4 “j“ ^8 *4“....+ ln

’Die Kosten eines einzelnen Arbeitsprozesses können nur dem
brauchbaren Produkt zur Last geschrieben werden. Nun gibt es
Betriebe, in denen sich folgender Fäll ereignet: Der Arbeitsprozeß I
liefert m kg brauchbares Produkt; die Gesamtmenge geht zur
weiteren Verarbeitung in den Betrieb 2 über, der (m—n) kg Produkt
ergibt. Der Abfall (n kg) des Prozesses 2 war aber für Prozeß 1
brauchbares Produkt, verursachte somit dieselben Kosten wie das

fertige Produkt ^auf 100 Einheiten berechnet	; deshalb

sind den Kosten des Prozesses 2, berechnet für (m—n) kg, die Kosten)
der Abfälle im vorhergehenden Arbeitsstadiumj zuzurechnen (V or-
kosten).

Ein Beispiel wird die Ausführungen verständlicher machen.
Ein Werk schmilzt (reinigt) das bezogene Rohmaterial (Kupfer),

45,—
3,25
1-
1,20
—,50
1,80
2,50
2,20

Mk.	79,30 11,90 1,35 —»40
Mk.	92,95
	35,75
,,	14,30
Mk.	143,—
        <pb n="91" />
        ﻿83

walzt die Blöcke zu einem dicken Draht, die dann im Drahtzug zu
fertigem Draht gezogen werden. Alle drei Prozesse liefern Abfälle.

I.	Der Schmelzofen liefert 23 289 kg Schmelzgut für das Draht-
walzwerk; 100 kg des Schmelzgutes verursachen Mk. 31,02 Auf-
wendungen (direkte für Löhne, Brennmaterial, Betriebsmaterial;
allgemeine Unkosten).

II.	Das Walzwerk erhält 23 289 kg Rohmaterial und liefert:
16114 kg Walzgut mit Mk. 10 575,10 Walzkosten und 5 657 kg

= 35,3o/o Abfälle.

100 kg des Walzgutes kosten somit .... Mk. 65,60
auf je 100 kg des Walzgutes entfallen aber
35,3 kg Abfälle, die Mk. 31,02 für 100 kg
Schmelzkosten verursachten (I.). Die Kosten
(nicht der Materialwert!) für 35,3 kg sind deshalb

einzurechnen mit........................ .	■	„	10,95

Gesamtkosten für 100 kg Walzgut ohne Material-
wert .............................. ... Mk. 76,55

III.	Der Drahtzug empfängt 16114 kg Walzgut zur Weiter-
verarbeitung. Er liefert:

Verschiedene Dimensionen 3132 kgmitMk. 3107^84

Bearbeitungskosten, 439 kg = 14°/o Abfall.

100 kg Draht kosten (ohne Materialwert) .	. Mk. 99,18

14 kg des Abfalls zu Mk. 76,55 (II.) ....	„ 10,72

100 kg des Produktes kosten insgesamt .	. Mk. 109,90

Wenn die von auswärts bezogenen Rohstoffe zunächst einer
Umarbeitung unterzogen werden (z. B. Reinigung des Metalls, des
Kaolins), oder wenn das Rohmaterial im Betrieb selbst erzeugt wird,
so sind die Kosten dieser Prozesse als „Vorkosten“ zu behandeln.
Der Materialwert des Rohproduktes ist dann in gleicher Weise zu
berechne^ wie die Selbstkosten eines Fabrikates (vgl. S. 81).

Hat ein Betrieb die Wahl, reines oder ungereinigtes Material zu beziehen
und dieses im eigenen Betrieb zu reinigen, so wird für die Entscheidung die
Kentabilität in Frage kommen; z. B. bei Material von großem Gewicht, ob die
Frachtdifferenz gegenüber dem größeren Gewicht des ungereinigten Stoffes die
Kosten des Eeinigungsprozesses deckt, ob gereinigtes Material billiger zu stehen
kommt als der Bezug des ungereinigten, zuzüglich der höheren Transportkosten
und der Reinigungskosten u. ä.

Die Gesamtkosten sind auf die Ausbeute brauchbaren Materials
zu berechnen. Z. B. ein Hüttenwerk bezieht Roteisenstein mit 50o/o
Metallgehalt; Einkaufspreis Mk. 12,—, Fracht Mk. 4,20 die Tonne
frei Hütte. Die Tonne Erz kostet Mk. 16,20, 1 kg Eisen (— l°/o
Metallgehalt) demnach Mark 0,0324.

g)	Besondere Rechnungsschwierigkeiten treten auf, wenn i n n e r-j
halb einer Gesamtproduktion verschiedene Quali-

6*
        <pb n="92" />
        ﻿mflHHWMHI

riiiiii



— 84 —

täten erzeugt werden. In Walzwerken beispielsweise werden auf
einer Walzenstraße verschiedene Produkte (Profile) hergestellt. Die
Berechnung der Gestehungskosten eines jeden einzelnen Pro-
fils setzt sehr detaillierte Betriebsaufzeichnungen voraus. Diese
individuelle Behandlung der Selbstkosten ist einwandfrei und kommt
dem Ideal einer richtigen Kostenbestimmung am nächsten. Einfacher
ist die Zusammenfassung einer großen Zahl mehr oder weniger
gleichartiger Profile zu einer Gruppe und die „Berechnung“ der
Selbstkosten einer jeden Gruppe aus dem Verhältnis der Gesamt-
produktion und des Gesamtaufwandes des Walzwerkes zur Pro-
duktionsmenge einer jeden einzelnen Gruppe (z. B. Gesamtlohn
Mk. 92 560, Gesamtproduktion des Walzwerkes 15 000 t; davon
1800 t Fassoneisen, somit Lohnanteil für diese Gruppe Mk. 11107;
in gleicher Weise werden die übrigen Kostenbestandteile auf die
Profilgruppen verteilt). Die Gruppe Fassoneisen umfaßt wiederum
verschiedene Profile (T-, Z-Eisen, Kundeisen etc.). Trotzdem findet
häufig' keine weitere Differenzierung der Selbstkosten statt. Inner-
halb der Masse werden die Qualitäten gleich behandelt und für alle
Qualitäten wird ein Durchschnittspreis aus den Massenselbstkosten
berechnetr).

Die Siemens-Martin Stahlwerke liefern verschiedene Stahlquali-
täten. Die Einzelberechnung jeder Qualität scheint praktisch nicht
leicht durchführbar zu sein; man sucht deshalb den Anteil der
verschiedenen Qualitäten an den Selbstkosten durch eine mehr oder
weniger willkürliche Modifikation des durchschnittlichen
Selbstkostenpreises des Betriebes für eine Tonne Stahl
(ohne Qualitätsdifferenzierung) zu berechnen. Ebenso ermittelt man
die Selbstkosten der einzelnen Profile aus den Durchschnittsselbst-
kosten des Betriebes* 2).

Zwischenprodukte, Selbstverbrauch.

§ 16. Einer besonderen Erörterung bedarf die Verrechnung
von Zwischenprodukten und des Selbstverbrauchs in
Werken mit verschiedenen Produbtionsstufen.
Zwischenprodukte, deren Erzeugung Zweck der Fabrikation
ist (vgl. die ähnlich zu behandelnden Abfallstoffe S. 90 ff.) und
die im selben Betrieb weiter verarbeitet werden, können zum Pro-
duktionskostenpreis, zum Marktpreis oder zu einem unveränderlichen
Durchschnitts-(Verrechnungs-)preis in Ansatz! gebracht werden 3).

‘) Wagner, a. a. O. S. 97, 161, 170.

2) Schuchart, a. a. O. S. 35.

’) Vgl. Schmalenbach, Verrechnungspreise. Zeitschr. für handelsw.
Forschung, III. Jahrg., S. 52, S. 165f. Wagner, Selbstkostenberechnung ge-
mischter Werke der Großeisenindustrie. Berlin 1912, S. 174 f.
        <pb n="93" />
        ﻿85

1. a) Die Verrechnung erfolgt zu dem für die betreffende
Rechnungsperiode ermittelten veränderlichen Selbstkostenpreis
(besser Produktionskosten preis). Der nachfolgende, weiter-
verarbeitende Unterbetrieb übernimmt die Zwischenprodukte zum
Produktionskostenpreis des liefernden Teilbetriebes. Diese Methode
setzt voraus, daß in der betreffenden Rechnungsperiode für die
Darstellung des Endproduktes nur Zwischenprodukte aus demselben
Monat und für die Zwischenprodukte wiederum Rohstoffe aus dem
gleichen Zeitraum verwendet worden sind. Die Produktion des einen
Teilbetriebes wird durch den anderen Teilbetrieb vollständig ver-
wertet, Lagerbestände sind und waren nicht vorhanden. Die An-
rechnung der veränderlichen Produktionskosten des einen Betriebes
verdeckt die außergewöhnlichen Betriebsverhältnisse des nach-
folgenden Teilbetriebes, die doch durch die Kostenberechnung nach-
gewiesen werden sollen. Die Betriebskontrolle des weiterverarbei-
tenden Teilbetriebes wird erschwert. Die Anwendung der Verrech-
nung zu Produktionskostenpreisen wird überdies schwierig, wenn
die Produktionskosten für die Zwischenprodukte in wechselseitiger
Abhängigkeit stehen. In einer Schwefelsäurefabrik beispielsweise,
die flüssige Salpetersäure des eigenen Betriebes verarbeitet, sind
die Kosten der Schwefelsäure von jener der Salpetersäure abhängig.
In der Eisengießerei eines Hüttenbetriebes werden die Selbstkosten
des Gusses vor denen des Koks bestimmt, der, aus dem eigenen
Betriebe stammend, in der Eisengießerei Verwendung findet. Die
Anrechnung zum Produktionskostenpreis verbietet sich von selbst,
wenn die Berechnung nicht aufgehalten werden soll. In diesen
Fällen müssen Aushilfspreise (Normal-, Übernahme- oder Ver-
rechnungspreise, S. 79) festgesetzt werden, die erfahrungsgemäß den
Selbstkosten ungefähr entsprechen. Ganz unmöglich, wenigstens für
den einen Teilbetrieb, ist die Verrechnung zum Produktionskosten-
preis, wenn auch Teilbetriebe sich gegenseitig Zwischenprodukte
liefern.

1. ß) Wo die Produktionskosten der Verrechnung der Teil-
betriebe zugrunde gelegt werden, kann der vollständige Herstellung^
wert einschließlich der Quoten für die Generalkosten, oder
nur ein Teil dieser Kosten (die direkten Kosten) als Verrechnungs-
preis dienen (Proportional-, Teilkostenpreis). „Wenn
man die Auffassung vertritt, daß die Unterbetriebe ihre Leistungen
untereinander zu Proportionalpreisen verrechnen sollen, so will man,
daß sie untereinander nur die Kosten der Produktionsbereitschaft
sich anrechnen1).“ Die Verrechnung zum Proportionalpreis, der

') Schmalenbach, a. a. 0. S. 179; vgl. auch Heymann, Die ge-
mischten Werke im deutschen Großeisengewerbe. Berlin 1904, S. 214 f.
        <pb n="94" />
        ﻿86

nur proportionale oder vorwiegend proportionale Kosten enthält, hat
zur Folge, daß den verrechneten „Selbstkosten“ des Endprodukts
ein Aufschlag für die Kosten der Produktionsbereitschaft, d. h. für
die fixen Kosten zuzuschlagen ist, oder, was dasselbe ist, daß der
im ,Verrechnungspreis unverteilte Kest der Kosten im Verhältnis
zur Produktionsmenge der Fertig fabrikate und nur auf diese
verteilt wird. Die Anwendung eines Teilkostenpreises als Ver-
rechnungspreis setzt eine örtliche Betriebskombination, d. h. eine
örtlich zusammenhängende Produktion dergestalt voraus, daß sämt-
liche Zwischenprodukte im eigenen Betriebe verarbeitet werden.
Würde ein Teil der Zwischenfabrikate veräußert werden, so ist die
Anrechnung eines Teilkostenpreises unrichtig. Selbst in den Fällen,
in denen diese Verrechnungsart richtig sein kann, stößt ihre prak-
tische Durchführung auf Hindernisse1, es sei denn, daß man sich um
den proportionalen und den fixen Charakter der Unkosten nicht
weiter kümmert und nur Material- und Lohnkosten als Verrechnungs-
preis annimmt. Überdies läßt der Teilkostenpreis die bisher auf-
gewendeten Gesamtkosten der Teilprozesse nicht erkennen.

In der Kalkulationspraxis findet man häufiger die (unbewußte)
Anwendung der ,Verrechnung zu Teilkostenpreisen, so bei-
spielsweise, wenn die Materialunkosten und die Lohnunkosten unter
den Generalkosten der Unternehmung verrechnet werden, oder wenn
ein allgemeiner Lohnzuschlag ohne Differenzierung nach Arbeits-
plätzen und Werkstätten angerechnet wird.

2.	Die Verrechnung der Teilbetriebe untereinander für über-
nommene bzw. gelieferte Zwischenprodukte zümj Marktpreis der
betreffenden Produkte setzt einen solchen für das Zwischenprodukt
voraus. Diese Verrechnungsmethode verteuert dem nachfolgenden
Teilbetrieb die Produktion und täuscht für den liefernden eine Ren-
tabilität, einen Zwischengewinn der Fabrikation vor, der nur rech-
nungsmäßig vorhanden ist. Der Marktpreis hat vielfach nur be-
dingten Wert. Häufig beruht die Selbsterzeugung eben auf der
Möglichkeit, billiger als zum Marktpreis zu produzieren; selbst für
die interne Verrechnung hat dann der Marktpreis geringe Bedeutung.
Haben zufällig alle Zwischenprodukte eines gemischten Betriebes
einen Marktpreis und wird dieser für alle Produktionsstufen in
Ansatz gebracht, so wird zwar rechnungsmäßig die Rentabilität der
Teilbetriebe, d. li. der Selbsterzeugung im Vergleich zum Markt-
preis nachgewiesen, das End produkt aber rechnungsmäßig so sehr
verteuert, daß die Selbstkostenberechnung sich selbst ad absurdum
führt, es sei denn, daß' man die errechneten Zwischengewinne vom
Selbstkostenpreis des Endproduktes in Abzug bringt. Andererseits
deckt der Marktpreis Kosten, die durch die Weiterverarbeitung im
        <pb n="95" />
        ﻿87

eigenen Betriebe nicht entstehen, beispielsweise Vertriebsspesen,
Transportkosten x).

Die Anrechnung des Marktpreises scheint uns da richtig zu sein,
wo nur ein Teil der Produktion im eigenen Betriebe verarbeitet
wird, wo also das Zwischenprodukt für die Unternehmung in der
Hauptsache Endprodukt ist, oder wo ein Teilbetrieb in der Haupt-
sache fremde Materialien 'zur Verarbeitung einkauft und verhältnis-
mäßig wenig vom eigenen Betriebe zur Weiterverarbeitung empfängt.

3.	Die Verrechnung der Teilbetriebe untereinander für Haupt-,
Zwischen-, Nebenprodukte und Abfälle wird durch Anwendung von
Durchschnittspreisen, Normal-, Übernahme- oder
Verrechnungspreisen (S. 78 f.) vereinfacht* 2). Es sind Werte,
die nicht durch eine Selbstkostenberechnung gefunden werden, für
bestimmte Verhältnisse als Norm dienen und ungefähr den mittleren
Selbstkosten- oder Marktpreisen entsprechen. Sie Averden auf Grund
des Jahresergebnisses oder des Ergebnisses mehrerer Jahre für die
nächste Wirtschaftsperiode oder für längere Zeitabschnitte bestimmt.
Die rechnungsmäßigen normalisierten Durchschnittskosten werden
von den tatsächlichen Selbstkosten mehr oder weniger abweichen,
so daß der liefernde Teilbetrieb rechnungsmäßig einen Gewinn oder
Verlust erzielen wird, je nachdem! die wirklichen Produktionskosten
darüber gehen oder darunter bleiben. Was der eine Betrieb durch
diese Berechnungsweise gewinnt, verliert der andere durch Ver-
teuerung seiner Produktion. Die genaue Selbstkostenberechnung,
etwa in monatlichen Zwischenräumen, wird durch die Anwendung
von solchen Aushilfspreisen nicht entbehrlich. Im Gegenteil. Es
erscheint notwendig, den Unterschied zwischen den wirklichen Pro-
duktionskosten und den Sollkosten periodenweise auszugleichen, wenn
die Verrechnungspreise nur den Zweck haben, die Selbstkostenbe-
rechnung eines jeden Teilbetriebes zu verselbständigen und zu be-
schleunigen. Wo die Richtigkeit der Verrechnungspreise weder an

*) Vgl. Hey mann, a. a. 0. S. 214 f.

2) Anwendungsbeispiel: Verrechnung zwischen Grubenbetrieb und Hütten-
betrieb ; Koks des eigenen Betriebes in der Eisengießerei desselben Betriebes.
Abfälle wie Schrott, Gußstücke, Enden bei der Verwertung im eigenen Betrieb
Normalzahlen für den Kostenaufwand kommen auch zur Anwendung, wenn
bestimmte Kosten, z. B. Beleuchtung, Reparaturen, Steuern, Versicherungs-
gebühren mit einem Zwölftel des mutmaßlichen Verbrauchs gleichmäßig und
ohne Rücksicht auf die Schwankungen auf die einzelnen Monate verteilt werden.
Schmalenbach (a. a. O. S. 168f.) nennt Verrechnungspreise solche, die
entstehen, wo man im industriellen Rechnungswesen den Gesamtbetrieb aufteilt
in Unterbetriebe, derart, daß die Leistungen derselben untereinander im einzelnen
gemessen und verrechnet werden (Produktionspreis, Marktpreis, Normalpreis,
Proportionalpreis), Wir fassen hier den Begriff enger: Verrechnungspreise sind
normalisierte Durchschnittspreise, lediglich konstruierte Werte für die Zwecke
der Selbstkostenberechnung.
        <pb n="96" />
        ﻿88

den Marktpreisen noch an den Selbstkosten gemessen werden kann,
z. B. bei der Verrechnung marktloser Abfälle oder. Nebenprodukte,
stellen sie Taxwerte, d. h. Schätzungswerte dar, gegen deren An-
wendung nicht mehr und nicht weniger einzuwenden ist als gegen
die Anwendung von Taxen überhaupt.

Gegen die Verwendung von Normalpreisen als Vertreter von
Selbstkosten- bzw. Produktionskostenpreisen ohne ständige Nach-
prüfung durch die wirklichen Kosten spricht, daß die während der
Berechnungsperiode auftretenden Schwankungen und Differenzen
verschleiert oder unaufklärbar gemacht werden, beispielsweise, wenn
in der Maschinenindustrie für das verwendete Material feste Durch-
schnittspreise und nicht tatsächliche Einkaufspreise angerechnet
werden. Kommen in einem gemischten Betriebe — Betriebe mit
verschiedenen Produktionsstufen — gleichzeitig mehrere Normal-
preise zur Anwendung — z. B. Gruben, Hochofen, Stahlwerk, Walz-
werk — und sie entsprechen nicht ziemlich genau den wirklichen
Selbstkosten, so ergeben sich erhebliche Unterschiede, die die Methode
der Normalpreisverrechnung noch ungünstiger erscheinen läßt. Es
mag aber Fälle geben, in denen die Nachteile geringfügig sind oder
in denen Taxwerte nicht zu umgehen sind.

Berechnungsbeispiele.

1.	Die folgende schematische Durchschnittsrechnung
einer ausländischen Zuckerfabrik mit willkürlichen
Zahlen soll die Berechnung des Wertes der Zwischenprodukte
zeigen:

I. Die gesamten Herstellungskosten betragen

Mk. 864 000,— davon gehen ab für Abfallprodukte

„	33 406,50 als Erlös durch Verkauf von Melasse

„	27 648,— als Erlös durch Verkauf von Schnitzel;

somit bleiben

Mk. 802 945,50 als Produktionskosten für den fertigen weißen

Zucker und denjenigen, der in den Zwischenprodukten steckt, ins-
gesamt berechnet mit 4 095 000 kg Zucker.

100 kg Zucker kosten Mk. 19,609 im Durchschnitt.

H. Berechnung des 1. Zwischenproduktes: Die 2. Kristalli-
sation liefert 98 300 kg Zucker z,u 19,609	. . Mk. 19 275,65

u. 32 700 kg Melasse zum Verkaufswert zu 2,70 Mk. „	882,90

Somit berechnet sich der Produktionserfolg mit Mk. 20158,55

Davon ab Arbeits- oder Gewinnungskosten be-
rechnet für 100 kg zu Mk. 3,24 auf 98 300 kg ...	„	3 184,95

verbleiben als Kosten f. 131 000 kg gelben Zucker Mk. 16 973,60
        <pb n="97" />
        ﻿89

d. h. der Wert für je 100 kg des 1. Zwischenproduktes ist mit
Mk. 12,956 anzusetzen, der Selbstkostenpreis für 100 kg weißen

Zucker mit Mk. 17,266.

III.	Der Wert des 2. Zwischenproduktes (3. Kristallisation)

berechnet sich ebenso: Es werden gewonnen

65 500 kg Zucker zu 19,609	.................Mk. 12 843,90

589 70C „ Melasse zu 2,70........................ „ 15 921,90

Mk. 28 765,80

ab Gewinnungskosten zu Mk. 9,65 auf 65 500 kg „	6 320,25

Kostenpreis für 655 200 kg Füllmasse.............Mk. 22 445,55

d. h. 100 kg des 2. Produktes kosten Mk. 3,425, 100 kg weißer
Zucker Mk. 34,267.

IV.	Die Herstellungskosten für 100 kg des Hauptproduktes
berechnen sich nunmehr folgendermaßen:

Herstellungskosten nach I:

Mk. 802 945,50 abzüglich Produktionswert nach

II.	Mk. 16 973,60

„	39 419,15 III. „ 22445,55	verbleiben

Mk. 763 526,35 Kosten für 4 095 000 kg Gesamtproduktion
abzüglich 98 300 „ Zucker-nach II.

„	65 500 „	„	„ III.

das sind 3 931 200 kg Hauptprodukt.

Demnach kosten 100 kg der 1. Kristallisation Mk. 19,422. Die
Ermittelung dieser Zahl war Zweck der Berechnung.

Übersicht und Probe.

Zucker-Menge	1	Durchschnittliche Selbstkosten	
kg		für 100 kg	gesamt
3 931200	Hauptprodukt	19,422	763 526,35
98 300	1. Zwischenprodukt	17,266	16 973,60
65 500	2. „ 1	34,267	22 445,50
4 095 000	1	19,609	802 945,45

2. Eine Flachsspinnerei will die Kosten der Hechelei ermitteln.

	Kosten  Jl	Ausbeute	
		Flachs  °/  /o	Werg  0/  '0
1. Die Vorhechelei		48 650,-	50	50
2. „ Maschinenhechelei ....	82 400,-	60	40
3.	„ Sortiererei		30 520,-	90	10
	164570,-		

•%*
        <pb n="98" />
        ﻿- 90

Danach verteilen sich die Kosten auf diese Zwischenprodukte
wie folgt:

	Flachs		Werg	
	Jl	0/  /o	Ji,	0/  /o
1. Prozeß		24 325,—	50	24 325,—	50
2- „ 		49 440,-	60	32 960,-	40
3-	„			27 468,-	90	3 052,—	10
	101 §38,—		60 337,—	

Gesamtausbeute: Flachs 1020 600 kg und Werg 1245 000 kg
Kosten für 1 kg „	9,9 Pfg. „	„	4,8 Pfg.

Abfallstoffe, Nebenprodukte, Materialverluste.

§ 17. Chemisch- und mechanisch-technologische Betriebe haben
häufig mit Abfallstoffen zu rechnen,, „das sind Teile des Rohstoffes
und Halbfabrikate, welche eine Folge, nicht aber Zweck der Fabri-
kation sind“. Die Frage der Gewinnung von Abfällen spielt in der
Kostenberechnung eine bedeutende Rolle. Wir wollen hier davon
absehen, daß eine rationelle Wirtschaft darauf bedacht sein soll,
die Abfallmenge zu vermindern und Zu verwerteii; daß oft die
Rentabilität der Unternehmung von der Ausnutzung der Abfälle
abhängig ist, in anderen Fällen dadurch ihr Bestand überhaupt erst
ermöglicht wird. Für uns kommt die Frage der richtigen Berechnung
der Abfallstoffe ihrem Werte nach in Betracht, weil dadurch der
Wirtschaftserfolg der einzelnen Betriebszweige wesentlich mitbe-
stimmt wird.

An einer Reihe von Beispielen soll diese Frage erörtert werden.

Chemisch-technologische Betriebe.

1.	Fall: Die Abfälle sind für die eigene Unternehmung wert-
los und unverkäuflich; sie kommen für die Kostenberechnung an
sich überhaupt nicht in Frage. Es sind lediglich betriebstechnische
Momente maßgebend, wenn man verlangt, daß wertlose ebenso wie
verwertbare Nebenprodukte ihrer Menge nach prozentuell zum Haupt-
produkt berechnet werden sollen, um auf diese Weise das Ausbeute-
verhältnis und danach die Wirtschaftlichkeit des technischen Be-
triebes zu bestimmen.

Die Kosten des Sammelns, der Abfuhr der Abfälle u. 'ä. sind als
Betriebsunkosten der betreffenden Abteilung zu verrechnen.

2.	Fall: Die Abfälle oder die Nebenprodukte werden in der
eigenen Fabrik zwar nicht verarbeitet, aber als solche verkauft
(z. B. Nebenprodukte der Gasfabriken und Kokereien, aus denen

/
        <pb n="99" />
        ﻿91

Ammoniak, Benzol, Ajithracen etc. gewonnen werden, Schlacke als
Schlackensand, Abfälle der Gerbereien, Brauereien u. a. m.). In
diesem Falle kann kein Zweifel bestehen, daß der Verkaufswert,
abzüglich aller Verkaufsspesen (Verpackung, Provision, Fracht u. a.)
von den Gesamtkosten des Hauptproduktes abzurechnen ist.

Tabelle I. Betrieb A.

Verwendete Materialien					
Material	kg	Preis fiir 100 kg	Werl  Ji	4	
Anilin I .	.	.	.	12 770	100,—	12 770			
„ II ... .	8 023	140,—	11 232	20	
Orthotoluidin	9 880	130,—	12 844	—	
usf.			usf.		
	Summe a		57 839	15	Gesamtmaterialkosten
erhalten:					
Paranitrotoluol . .	3 362	100,-	3 362	—	Verkaufswert
Cerise		2 601	50,-	1300	50	)
Marron		1594	50,—	797	—	&gt; Einkaufswert
Anilin I . .	. .	8 519	140,—	11926	60	)
	Summe b		17 386	10	Wert der Nebenprodukte
		(a—b)	40 453	05	Materialwert des Haupt- produktes
Ausbeute jS-Eot 14873 kg, somit . .			2	72	Materialkosten für 1 kg

Tabelle II. Betrieb B.

Verwendete Materialien

Material	kg	Preis für 100 kg	Wer  Ji	A
Cerise		1200	50,—	600		
Marron		1200	50,—	600	—
Salzsäure		1500	5,-	75	—
usf.			usf.	—
			1635	—
Nebenprodukte:				
Cerise		50	50,-	(	25	—
ß-Rot		25	100,-	\	25	—
			50	—
			1585	—
Ausbeute «-Gelb		1084	per kg	1	46
        <pb n="100" />
        ﻿92

3.	Fall: Die Nebenprodukte werden in der eigenen Fabrik
verbraucht, d. h. wiederverarbeitet oder weiterverarbeitet.

a) Wird ein Teil des Rohstoffes wiedergewonnen und kann er
bei der Erzeugung des Hauptproduktes wiederverarbeitet werden, so
ist sein Wert zum Anschaffungspreis des Rohstoffes von
den Materialkosten des Hauptproduktes abzurechnen. In dem Beispiel

S.	91 wurde Anilin I wiedergewonnen; da der Überschuß seiner
technischen Güte nach vollwertig ist, so wird er zum Einkaufs-
preis eingesetzt und abgerechnet. Andere Betriebe berechnen den
Marktpreis.

Ist der Abfall an Rohstoffen infolge des Arbeitsprozesses g e -
ringwertiger geworden, dann ist der Einkaufswert mit einem vom
Betriebsleiter zu bestimmenden Abschlag anzurechnen. Würde z. B.
das wiedergewonnene Anilin I vor seiner Wiederverwendung einem
Reinigungsprozeß zu unterwerfen sein, dessen Kosten etwa 15 Pfg.
für 1 kg betragen, dann wäre es unrichtig, 8519 kg zu Mk. 1,40 oder
zu Mk. 1,55 (d. i. Einkaufswert -|- Kosten) von den Materialkosten in
Abzug zu bringen. Das minderwertige Nebenprodukt ist mit
Mk. 1,25 anzurechnen. Dadurch werden allerdings die Produktions-
kosten des Hauptproduktes erhöht. Das ist an sich logisch. Eine
Wertminderung muß ebenso wie eine Wertzerstörung den Erzeugungs-
kosten des betr. Fabrikates zur Last geschrieben werden.

ß) Die Abfälle des einen Betriebes bilden Rohstoffe für einen
anderen, d. h. die Nebenprodukte werden im eigenen Betrieb weiter-
verarbeitet. Ein Beispiel geben die vorstehenden Tabellen I und II.
Bei der Erzeugung von ß-Rot (Tabelle I) wird Anilin I wieder-
gewonnen (Fall 3 a). Cerise und Marron werden als Nebenprodukte
neugewonnen; beide Stoffe werden zur Fabrikation von a-Gelb
(Tabelle II) verwendet. Der Hauptbetrieb ist für seine Leistung an
den a-Gelbbetrieb — Abgabe von Nebenprodukten — zu erkennen,
letzterer als Empfänger zu belasten. Welcher Materialwert ist ein-
zusetzen !) ? Der Selbstkostenpreis (Erzeugungspreis, nämlich' Mate-
rialkosten. Anteil an Löhnen und allgemeinen Unkosten) ist kaum
bestimmbar. Einfacher ist es, den Marktpreis, d. h. den Einkaufs-
wert des Nebenproduktes zugrunde zu legen. Würde der a-Gelb-
betrieb, um bei dem angeführten Beispiel zu bleiben, die beiden
erwähnten Stoffe einkaufen, so dürfte er nur den Einkaufspreis
zuzüglich der Bezugsspesen als Materialpreis einsetzen. Dieser
Einkaufspreis bildet für den ß-Rotbetrieb den Verkaufspreis :■ würde
dieser Betrieb das Nebenprodukt veräußern, so würde er den Er-
lös, in dem Produktionskosten und Gewinn stecken, seinem Fübri-
kationskonto gutschreiben. Bei der Anrechnung eines geringeren

*) Vgl. auch die Ausführungen S. 92 f.
        <pb n="101" />
        ﻿93

Wertes würde sich das Bild des wirtschaftlichen Erfolges der
einzelnen Betriebe verschieben: Der eine Betrieb (ß-Rot) würde
scheinbar teurer arbeiten, der andere verhältnismäßig billiger. Dem
liefernden Betrieb würde ein zu geringer Wert des Abfalls, dem
empfangenden Betrieb ein zu geringer Gestehungspreis des Roh-
stoffes angerechnet.

Nun sollen die Einzelbetriebe in kalkulatori-
scher Beziehung als selbständig und unabhängig
voneinander angesehen werden, die nur durch die
Einheitdesyermögenszueinemorganischen Ganzen
mit gemeinsamer Zweckbestimmung verbanden
sind1). Jeder Betriebsleiter wird selbstverständlich bemüht sein,
den Erwerbszweck seines Betriebes möglichst vollkommen zu er-
füllen. Er wird sich nicht dazu verstehen, daß das Betriebsergebnis
seiner Abteilung zugunsten einer anderen, wenn auch nur rechnerisch,
herabgedrückt wird, obgleich die organische Einheit, die Unter-
nehmung nicht darunter leiden würde. Ein billiger Ausgleich wird
in manchen Unternehmungen dadurch geschaffen, daß die Betriebs-
verwaltung alljährlich im voraus für die von einem in den anderen
Betrieb übergehenden Nebenprodukte „Ü b e r n a h m e p r e i s e“, d. h.
Verrechnmigswerte unter Berücksichtigung der Marktpreise und der
Kalkulationsergebnisse festsetzt (vgl. S. 85, 87).

y) Muß ein Nebenprodukt, um es wieder verwenden zu können,
einem Nebenprozeß unterzogen werden ohne gleichzeitigen MateriaP
verlust, dann ist dem Fall 3« analog vorzugehen: Ton dem Gesamt-
materialwert der Rohstoffe für die Erzeugung des Hauptproduktes
ist der um die Kosten der Wiederherstellung verminderte Einkaufs-
preis des gewonnenen Nebenproduktes abzuziehen.

Ist mit der Wiederherstellung, z. B. der Reinigung, ein Material-
verlust verbunden, so ist dieser zu berücksichtigen. Z. B. Laut
Tabelle I (S. 91) werden 2601 kg Cerise als Abfall gewonnen,
das vor der Weiterverarbeitung gereinigt werden soll. Nach der
Reinigung ergeben 2601 kg Brutto nur 2500 kg Netto. Der ct-Gelb-

betrieb als Empfänger rechnet wie folgt:

Kauft man 2500 kg Rohstoff zu 50,— für 100 kg, so

gibt dies................................. Mk. 1250,—

Infolge der Übernahme des unreinen Produktes sind

Kosten zu bezahlen mit .......	„	150,—

Somit dürfen 2601 kg, die der Betrieb übernehmen

soll, nur....................... g . . .	Mk. 1100,—

’) Anderer Meinung Wagner, Gemischte Werke, S. 73: Da die Abfälle
stets im eigenen Betriebe verwendet werden, haben sie für das Werk stets den
gleichen Wert, weshalb ein fester Normalpreis in Ansatz kommt.
        <pb n="102" />
        ﻿94

kosten, d. h. für 100 kg können nur Mk. 42,30 als Übernahmepreis
berechnet werden.

Die Abrechnung stellt sich nun wie folgt:

a)	ß-Rotbetrieb gibt ab:

2601 kg zu 42,30	..................' = Mk. 1100,—

b)	a-Gelbbetrieb empfängt:

2601 kg Cerise zu 42,30 ...............= Mk. 1100,—

Reinigungskosten ......................= „	150,—

Ausbeute 2500 kg, deren Kostenpreis Mk. 1250,—
somit 100 kg = Mk. 50,— Gestehungspreis.

Der ß-Rotbetrieb trägt die Kosten der Reinigung, da der Erlös
für das Nebenprodukt um Mk. 150,— geringer ist.

(

4.	Fall: Die Nebenprodukte werden im eigenen Betrieb ver-
wendet, ohne daß man von einem Materialwert reden kann. Man
* denke an den ,,Hüttenrauch“ (d. s. die aus Hüttenwerken entweichen-
den Gase), der zu schwefliger Säure verarbeitet wird oder als Leucht-
oder Kraftgas dient1). Im ersten Fäll wird der Yer kauf seriös, im
zweiten werden die verminderten Selbstkosten des Leucht(kraft)gases
■—' die Anschaffungskosten für den zu vergasenden Stoff entfallen
— den Gesamtgewinn, die Rentabilität des Unternehmens vermehren,
bzw. erhöhen.	,

Zweifellos werden auch die Produktionskosten des Haupt-
prozesses dadurch indirekt verringert; ein Materialwert kann nicht
in Abrechnung gebracht werden, da das; Nebenprodukt zur Zeit
seiner Entstehung keinen solchen besitzt.

Die Verrechnung zwischen Hochofenbetrieb und dem die Gicht-
gase verbrauchenden Nebenbetrieb erfolgt häufig durch Gutschrift
bzw. Belastung des in Geld ausgedrückten Heizwertes des Gases,
gemessen am Heizwert einer Tonne Kohle, die im Betrieb zur
Anwendung kommt. (Ygl. §§ 32/33.) Z. B. 1 Tonne Kohle kostet
Mk. 21,— und entwickelt 7500 Wärmeeinheiten (Kalorien) auf 1 kg.
Der Heizwert des Gichtgases sei im Durchschnitt 850 Wärmeein-

*) Nach Stillich, Steinkohlenindustrie (Nationalökonomische Forschungen
auf dem Gebiete der großindustriellen Unternehmung), Leipzig 1906, S. 57,
betrug die Ersparnis an Kohle durch Verwendung der Gichtgase zur Heizung
der Dampfkessel bei den Hibemia-Zechen 1893—1897 im jährlichen Durchschnitt
45 225 t = Mk. 290 648,—, im Jahre 1903 von 52,56 t bis 58,97 t pro Arbeitstag.

Auf 1 t Roheisen werden durchschnittlich 4500 cbm Hochofengas erzeugt,
der Verlust beim Gichten etc. beträgt etwa 10%; 50% sind zur Wiedererhitzung
erforderlich; es bleiben etwa 2000 cbm Gas für Nutzzwecke. Der Heizwert
wechselt nach der Zusammensetzung der Hochofengase auf den verschiedenen
deutschen Hüttenwerken zwischen 725 und 950 Kalorien. (Hoppe, a. a. O. S. 67.)
        <pb n="103" />
        ﻿95

. .,	,	.	_ „	, .. . . 0,021.850.1000	„ oö

heiten pro cbm, in Geld ausgedruckt: ----75ÖQ------= 'M'k'

für 1000 cbm Gichtgas*) * 2).

Anders liegt der Fall, wenn eine Bierbrauerei Treber oder Malz-
keime verkauft; auch diese Abfälle haben für den eigenen Betrieb
keinen Materialwert, sind aber ohne Weiterverarbeitung iverkäuflich.
Deshalb sind die Kosten der Bierfabrikation auf die Yerkaufseinheit
zu berechnen: Verbrauch abzüglich Erlös der Nebenprodukte, ge-
teilt durch die Produktionsmenge.

Zusammenfassung:

Wir fassen die bisherigen Erörterungen über Abfallstoffe zu-
sammen :

1.	Die Abfallstoffe usw. sind ihrer Menge nach aufzuzeichnen,
um die Ökonomie der Ausbeute zu kontrollieren, Diebstahl und Unter-
schlagung zu verhindern 3).

2.	Lohn- und allgemeine Unkosten sind bei Berechnung der
Selbstkosten dem Materialwert des Hauptproduktes zuzurechnen.

3.	Bei der Berechnung der Selbstkosten eines Abfallstoffe oder
Nebenprodukte produzierenden Betriebes ist der Wert der Abfall-
stoffe diesem Betrieb gutzuschreiben.

4.	Eine Berechnung der Selbstkosten der Abfallstoffe
erscheint in den meisten Fällen ausgeschlossen. In manchen Be-
trieben begnügt man sich, für die innere Verrechnung Taxwerte
oder Normalpreise anzunehmen, die den tatsächlichen Selbst-
kosten nahe kommen sollen.

5.	Haben die Abfallstoffe einen Marktpreis, so ist bei deren
Verkauf der Erlös abzüglich der Verkaufskosten, bei deren Ver-
brauch im eigenen Betrieb der Einkaufswert unter Berücksichtigung
der Nebenumstände anzurechnen.

') Ähnliche Probleme treten in der landwirtschaftlichen Betriebsbuchführung
auf: die Bewertung marktloser Zwischenprodukte. Wir verweisen auf Waltz,
Vom Reinertrag in der Landwirtschaft (Münchener volkswirtschaftliche Studien,
69. Stück), Stuttgart 1904, S. 83 ff., woselbst weitere Literaturangaben zu finden sind.

2)	Vgl. dazu die Arbeiten von Lührmann in „Stahl und Eisen“, 1899,
S. 475, und von Simmersbach in der gleichen Zeitschrift Nr. 18, S. 648 und
Nr. 17, S. 17. Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, 1911, S. 947 f. In
manchen Hochofenwerken werden die Hochofengase trotz ihres Wertes nicht
berechnet; andere rechnen eine jährlich unveränderliche Pauschalsumme an.
Auch kommt es vor, daß man dem Walzwerk die Ersparnis als Gaskosten
anrechnet, die sich durch Verwendung der Hoch- und Koksöfen gegenüber einem
angenommenen Normalverbrauch an Kohlen pro 100 kg Walzgut ergibt.

3)	Wir erinnern hier nur an die wiederholt vorkommenden Unterschlagungen
von Altmaterial durch Mehrlieferungen an die Althändler.
        <pb n="104" />
        ﻿I

— 96 —

6.	Haben die Abfälle an sich weder Material- noch Marktwert,
so kommen sie für die Selbstkostenberechnung des Hauptproduktes
mit ihrem Gebrauchswert in Betracht.

7.	Auch in der Kalkulation eines Fabrikates ist der Wert der
Abfallstoffe zu berücksichtigen.

§ 18. Die buchhalterische Behandlung der Abfall-
stoffe ist aus den nachstehenden schematischen Darstellungen er-
sichtlich.

a) Im Falle des Verkaufes.

Konto der Abfällstoffe (z. B. Treberkonto, Malzkeimekonto usw.).

belastet über die Kosten der Weiter-
verarbeitung,

des Verkaufes und für den Bein-
gewinn.

erkannt für den Erlös des Verkaufes.

In manchen Betrieben werden Abfallstoffe mit dem Fabrikations-
konto des betreffenden Hauptproduktes verrechnet.

b) Im Falle der Wiederverwendung im eigenen Betrieb
(vgl. § 17, 3. Fall).

/J-Rot Fabrikations-Konto.

belastet: 1. für den Verbrauch an
Rohstoffen (Tabelle I, S. 91) Mk.

2.	für Arbeitslöhne ....	„

8. für Anteil an allgemeinen Un-
kosten (vgl. § 30).

erkannt: 1. für den Wert der Neben-
produkte (Per a-Gelbfabrikations-
Konto, Tabelle I, S. 91).

2. für Ausbeute an /S-Rot zum Selbst-
kostenpreis (Per Verkaufs-Konto,
Lager-Konto o. ä.).

a-Gelb Fabrikations-Konto (Konto der Nebenprodukte).

An /J-Rot Fabrikationskonto für	wie oben.
Cerise und Marron (Tabelle 11, S. 91) etc. Mk.	

Mech anisck-technologische Betriebe.

§ 19. Mechanisch-technologische Unternehmungen haben häufig
mit bedeutenden Materialverlusten zu rechnen; sie entstehen z. B.
beim Zusammenfügen der Maschinenteile, durch Bohren, Fräsen,
Hobeln, Drehen; beim Schmieden durch Abbrand; in der Spinnerei
und Weberei durch Zerreißen der Fäden, schlecht gewickelte Spulen,
Reste, durch das Waschen der Wolle, Spinnen, Kettenscheren, Weben,
„Einspringen“ des Stoffes auf dem Stuhl; durch das Eingehen bei
der Appretur; durch Eintrocknen des Holzes, durch Verschnitt u. ä.
        <pb n="105" />
        ﻿97

Die Abfälle dieser Betriebe sind gleichbedeutend mit Material-
verlusten. Vielfach werden Abfallstoffe der Fabrikation wieder an-
geführt, wie z. B. Metallasche, Enden, Ausschüsse, wodurch die
Materialverluste wesentlich herabgedrückt werden.

Die Kalkulation des Selbstkostenpreises hat auf wertlose Ab-
fälle ebenso Bedacht zu nehmen wie auf verwertbare. Anstatt den
wirklichen Abfall zu ermitteln, begnügt man sich zumeist mit der
Anrechnung gewisser, auf Erfahrung beruhender Gewichts- oder
Wertprozente (vgl. S. 74). Der tatsächliche Materialverbrauch eines
Fabrikates wird ermittelt entweder durch Wiegen (Messen) des
Materials vor der Bearbeitung (Brutto- oder Rohgewicht) oder durch
Zuschlag der erwähnten Gewichtsprozente zum Fertiggewicht (Netto-
gewicht) des Produktes.

Im übrigen gelten die Ausführungen des § 17 sinngemäß
auch hier.

I. Die Verluste an Material sind bei der Bereclftiung der Selbst-
kosten des Materials zu berücksichtigen; an einigen Beispielen soll
dies gezeigt werden. Im Voranschlag sind die Verluste durch Ab-
fälle oder Verschnitt schätzungsweise oder in Anlehnung an andere,
ähnliche und genauer berechnete Fälle zu kalkulieren.

1. Beispielv Ein Spinner kauft Schmutzwolle/(Wolle im
,,Schweiß“), 2000 kg zu Fr. 1,50 das kg; Frachtkosten Mk. 58,60;
Waschlohn1) 6,4 Pfg. für l1 kg Schmutzwolle bis 40%; Rendement
(== Waschergebnis) und 16 Pfg. über 40,%'. Waschverlust 52%.
Karbonisieren der Wolle 14 Pfg. für 1 kg. Es ist der Kostenpreis
für 1 kg reiner Wolle (Fäbrikationsmaterial) zu ermitteln.

2000 kg zu 1,50 Fr. (= 1,20 Mk.) .... Mk. 2400,—
1040 „ Material Verlust 52%	Fracht . . ,,	58,60

Netto 960 kg reiner Wolle nach dem Waschen und

Karbonisieren.......................... . . . Mk. 2458,60

Waschlohn:

Brutto 2000 kg zu 40% Rendement == 800 kg reine

Wolle ziu 6,4 Pfg.......................  „	51,20

Der Überschuß von 160 kg zu ,16 Pfg,........... „	25,60

Karbonisieren: 960 kg zu 14 Pfg................ „	134,40

Gesamtkosten Mk. 2669,80
für 960 kg reiner Wolle, somit 1 kg = 2,78 Mk. Materialselbstkosten,.

2. Beispiel. Selbstverständlich sind die Materialverluste auch
in jeder Vorkalkulation zu berücksichtigen. Dabei stehen zwei Wege
offen: man berechnet das Gewicht oder den Preis entsprechend

*) Vgl. Reiser, Betriebs- und Warenkalkulation für Textilstoffe. Leipzig
1903. S. 37.

Leitner, Selbstkostenberechnung. 7. Aufl.	7
        <pb n="106" />
        ﻿98

höher. Z. B.: Eia Fabrikat wiegt 400 kg und verursacht® 8 o/o ßchmelz-
verluste.

a)	400 kg Fertiggewicht

32 „ zu 8% Schmelzverlust

432 kg Materialverbrauch zu 1,50!) — Mk. 648,— Materialkosten.

b)	Fertiggewicht 400 kg zu 1,50 = Mk. 600,—

zu 8°/o für Schmelzverlust „	48,—

Mk. 648,—

Logischer erscheint es, den Wert des verbrauchten Rohstoffes
durch einen Preisaufschlag für Abfall zu berechnen; wenigstens
ist dieses Verfahren beispielsweise in Maschinen-, Waggonfabriken,
Eisengießereien usw. üblich. Vielfach wird gleichzeitig ein Preis-
aufschlag für Lagerzinsen — d. s. Zinsen Verluste durch das längere
Lagern des Rohmaterials — mitberücksichtigt.

Ein anderes (3.) Beispiel für die Berücksichtigung der
Material Verluste in einer Vorkalkulation (nach Reiser).

Man mischt 40% Wolle zu Mk. 2,70 für 1 kg, Waschverlust
35%, Shoddy 40% zu Mk. 1,50, 20o/0 Mungo zu Mk. 1,—•; Spinnerei-
verlust (durch Abfall, Enden, Flug) 10%. Man braucht 40 m fertiger
Ware, wovon 1 tm 550 g wiegen soll; Materialverlust bei der Appretur
(durch Walken, Rauh- und Scherflocken) 12 %:.

1 m soll 550 g wiegen, man verliert bei der Appretur 12%'

Gewicht,

somit sind

550X100

88

625 g erforderlich; da überdies

beim Spinnen 10°/o verloren gehen, so braucht man

625 X 10
90

— 695 g; davon entfallen auf Wolle 278 g, auf Shoddy 278 g, auf
Mungo 139 g.

Wolle: 278 g

-f- 152 „ 35o/o Wasch Verlust (im Hundert)

430 g sind für 1: m Stoff erforderlich, für 40 m somit
17,2 kg zu 2,70 = Mk. 46,44
Shoddy: 278 g zu 1,50 X 40	.	.	.	„	16,68

Mungo:	139 g zu 1,— X 40	.	.	.	„	5,56

Materialwert Mk. 68,68-,

4.	Beispiel. Material Verluste entstehen in Hüttenwerken
durch die technischen Unvollkommenheiten der Ausbeute, die es
verhindern, alles Metall aus dem Erz herauszuziehen; diese Ver-
luste werden bereits im Kaufpreis berücksichtigt.

') Der Preis versteht sich einschließlich der Fracht. Unternehmungen, die
die Bezugs- und Lagerkosten prozentual vom Einkaufswert berechnen und filr
Verschnitt u. dgl, z. B. ß°/o ansetzen, haben nach folgender Formel zu rechnen:
Materialwert = (Einkaufspreis + a°/o) -f- ß°/o von dieser Summe.
        <pb n="107" />
        ﻿99

Die Preisberechnung der Zinkerze erfolgt1) auf Grundlage von
Rohzinknotierungen nach folgender Formel: Ausländische
Erze:

Basis £ 24 —; Londoner Preis
+ 1 Mk. f. jede £ ±;

1 £ — 20 Mk. gerechnet.

a)	Blende: ~(T—8) — 50 Mk.

b)	Galmei: ^(T-7)-40 „

In diesen Formeln bedeutet: P Tagespreis für eine Tonne Zink;
T (Teneur) den Metallgehalt des: Erzes; 8 °/o bzw. 7 o/o werden dem
Verkäufer mit Rücksicht auf Verluste beim Ausschmelzen abgezogen.
Z. B. Rohzink notiert in London 22 L; Zinkblende, mit 40°/oj Zink-

22 20

gehalt, vom Auslande bezogen würde kosten:	(40—8) —

(50—2) = 92,80 Mk. f. 1: t.

Der Gewinn des Schmelzers ist um so größer, je geringer der
tatsächliche Prozentsatz des bei der Verhüttung verlorenen Metalls
ist. Neben der Qualität des Erzes, dem Hitzegrad, der Güte der
Muffeln u. a. sind die Verluste bei der ,,Ausbringung“ des Erzes
von der Aufmerksamkeit des Arbeiters abhängig, die man durch
Geldprämien zu fördern trachtet.

Wie stark das Kalkulationsergebnis durch Außerachtlassung
der Ausbeuteverluste beeinflußt werden kann, zeigt folgendes (5.)
Beispiel aus der Lederfabrikation: Wenn man 3000 kg Eichenrinde
mit 13 o/o Gerbstoffgehalt zu Mk. 7,— für 100 kg Rinde bezieht,
so ergibt dies rechnerisch 390 kg Gerbstoff für 210,—; 100 kg
Gerbstoff kosten Mk. 53,85. Würde man diesen Einheitspreis der
Kalkulation zugrunde legen, so würde man erheblich falsch rechnen;
denn wenn der Gerbstoff nur bis 80 o/o ausgelaugt werden kann,
so können nur 312 kg (390 kg zu 8Ö°/o) Gerbstoff mit einem Kosten-
preis von Mk. 210,— angesetzt werden. Demnach stellen sich 100 kg
nutzbaren Gerbstoffes auf Mk. 67,31.

H. Die Kosten der Ersatzlieferungen2) (z. B. im
Maschinenbau) werden den Selbstkosten des Auftrages zugeschrieben
oder auf den Gesamtbetrieb durch Einrechnung in die allgemeinen
Erzeugungsunkosten verteilt. Ob die bisherigen Bearbeitungskosten'
der verdorbenen Materialien der den Rohstoff liefernden Abteilung,
etwa der Eisengießerei zu belasten sind oder der bearbeitenden
Abteilung, wird sich nur fallweise entscheiden lassen. Stellt sich

') Vor 1915; vgl. Hillmann, Die wirtschaftliche Entwicklung der deutschen '
Zinkindustrie. Diss. Erlangen 1911, S. 49. Ähnliche Formeln bestehend für
oberschlesische Erze (Galmei, Setzkombiende, Schliechblende).
s) Vgl. Schlesinger, Selbstkostenberechnung, S. 119, 60.

7*
        <pb n="108" />
        ﻿A^aaMMMK JMHranniMflnK 441

— 100 —

z. B. in einem späteren Stadium,der Bearbeitung die Fehlerhaftigkeit
des Gußstückes heraus, so dürfte es gerechtfertigt sein, die Arbeits-
kosten der Maschinenfabrik den Generalkosten der Eisengießerei
zuzurechnen, sofern nicht durch die Bearbeitungsweise die Fehl-
arbe.it entstanden ist. Die Herstellungskosten von (Reserveguß-
stücken — sie können billiger sein als die spätere Erzeugung eines
Ersatzstückes —- zählen unseres Erachtens zu den allgemeinen Un-
kosten der Produktion, wenn sie keine Verwendung finden. Vorräte
werden in der Jahresbilanz mit dem Wert des Gußeisens eingestellt,
wodurch dieser Wert die Unkosten vermindert (Umbuchung: Fäbri-
kations- oder Materialien-Konto an Betriebsunkosten). Findet das
Reservestück Verwendung als Ersatzstück, erhöht sich der wirkliche
Selbstkostenwert der Verkaufsware um die Erzeugungskosten des
Ersatzstüekes.

III.	Materialverluste entstehen auch durch Fehlarbeit,
deren Kosten aus Materialwert und Löhnen bestehen. Wer die
Kosten zu tragen hat und wie sie in der Kalkulationsformel zu be-
rücksichtigen sind, läßt sich nur nach der Lage des einzelnen
Falles entscheiden. Bei grober Fahrlässigkeit des Arbeiters wird
dieser seinen Lohn verlieren und den (Materialwert ersetzen. Hat
der Auftraggeber beispielsweise eine bestimmte Art der Bearbeitung,,
ein besonderes Material o. ä. vorgeschrieben, was eine Fehlarbeit
zur Folge hat, so soll der Auftraggeber für deren Kosten belastet
werden. In einzelnen Betrieben (z. B. in Eisengießereien) tritt die
Fehlarbeit regelmäßig ein, ihre Kosten können dort von vornherein
mitkalkuliert werden; am besten sind sie als Generalkosten anzu-
sehen und unter dieser Rubrizierung auf die Gesamtfabrikation zu
verteilen.	,

Hierher sind auch die Verluste durch , unvermeidlichen Unter-
gang während der Bearbeitung und fertiger Waren zu rechnen,
wie beispielsweise Ausschuß, der Bruch von Produkten
in Porzellanwarenfabriken und ähnlichen Betrieben. Der Statistik
wegen ist eine genaue Kontrolle der erzeugten Waren in den einzelnen
Stadien der Bearbeitung (z. B. Dreherei, (Gießerei, Malerei, Brennerei)
bis zur Verpackung notwendig. (Vgl. ein Beispiel unter „Artikel-
aufschlag“.)	,

a) Läßt sich der Ausschuß im eigenen Betrieb als Rohmaterial
wieder verwenden, so kommen die für „Abfallstoffe“ angegebenen
Regeln zur Anwendung. Die auf der F'ehlarbeit ruhenden Kosten
verteuern die Herstellung. Man berücksichtigt sie, wie oben, im
Selbstkostenpreis der brauchbaren Erzeugnisse durch Division der
Gesamtkosten durch die Menge der brauchbaren Stücke. In Eisen-
gießereien kann man solche Verluste durch Aufschlag auf
die Generalkosten berücksichtigen. Beispielsweise sind die
        <pb n="109" />
        ﻿loi

unmittelbaren Kosten für 100 kg Rohguß Mk. 18,—, die allgemeinen
Kosten Mk. 2,90, der Aufschlag für unvermeidlichen Fehlguß 10o/0
= 29 Pfg., die Generalkosten somit Mk. 3,19 und die Gesamtkosten
Mk. 21,19 für 100 kg.

b) In anderen Betrieben wiederum berücksichtigt man den Aus-
schuß infolge Versagens der Werkzeuge, Nachlässigkeit der Arbeiter
u. a. durch Erhöhung des Einkaufspreises für die Roh-
stoffe. Eine Metallwarenfabrik verbraucht zl B. für eine
Arbeit

8 kg Messingblech zu Mk. 125,— Durchschnittspreis (§ 15)
und 4V2 kg Abfälle zu Mk. 70,— Durchschnittspreis.

Der Syndikatspreis einschließlich Überpreis sei Mk. 190,—

Die Berechnung des Materialwertes ergibt:

8 kg zu Mk. 125,—...........................=	Mk.	10,—

41/2 „ Abfall zu Mk. 70,—...................=	„	3,15	Mk.	6,85

Der Einkaufspreis Mk. 190,— erhöht auf Mk. 200,—

wegen der Ausschußware, d. i. gegenüber

dem Durchschsnittspreis ein Zuschlag von „ 75,—

auf 8 kg berechnet ..........................=	„	6,—

Mehrerlös der Abfälle

4V2 kg zu Mk. 30,—...........................=	„	1,35	„	4,65

Materialkosten == Mk. 11,50
c) In Porzellanwarenfabriken und ähnlichen Betrieben
rechnet man für den Bruch fertiger Waren Prozentsätze vom
Herstellungswert1) und stuft sie nach der größeren oder
geringeren Schwierigkeit und Kompliziertheit der Artikel ab.

d)	Eine andere Fabrik der keramischen Industrie er-
mittelt den Bruch wie folgt:

a kg Waren sind zu Beginn des Betriebsjahres vorhanden und
in Arbeit,

b „	„ werden im Laufe des Jahres erzeugt

a -f- b kg; davon ab

c ,, für im Rechnungsjahr verkaufte Waren.

Es sollen

a -j- b — c kg = ß kg am Ende des Jahres vorhanden sein, der
tatsächliche Bestand beträgt nur ß', wobei ß )&gt; ß', und der Ver-
lust durch Bruch somit ß—ß' = « kg, und der in Anrechnung

zu bringende Prozentsatz a	Dieser Betrieb (Massenfabrikation)

berücksichtigt die Geldverluste durch Bruch fertiger

1) Ähnlich berechnet eine Akkumulatorenfabrik wegen der Garantie einen
10% Reklamationsaufschlag.
        <pb n="110" />
        ﻿— 102 —

Waren und während der Erzeugung in der Form eines Mengen-
aufschlage s.

e)	Eine Metallwarenfabrik rechnet:

Yerbrauch 400 kg Blech zu 2,— Mk. Mk. 800 Einkaufspreis
Abfall 100 „	„	„ 1—	„	„	100

300 kg Fertigware, Kosten Mk. 700

1 ,,	„	Mk. 2,33 Materialwert

Aufschlag: Jährl. Verbrauch an Blech Mk. 60000,—;

Anteil an Miete des Lagerraumes.............Mk. 800,—

Sonstige Materialverwaltungskosten.......... „ 2200,—

Mk. 3000,—

Somit Aufschlag (60 000: 3000) = 5 o/o'.

Mk. 2,33 -}- 5 o/o (0,12) = Mk. 2,45 Einheitspreis für 1 kg
Blech.

f)	Für eine Arbeit auf Lager verbraucht eine Armaturen-

f a b r i k an Metallguß und	teilen Brutto 676 kg im Gesamtwerte
von				Mk. 1085,—
Das Metallrohgewicht ist .	676 kg
Das Fertiggewicht der Ware	570 „
Der Abfall an Spänen .	.  Davon für Verkrümmelung etc	106 kg
10 o/o abgerechnet .	.	.	11 „
Bleiben abzurechnen .	.	.	95 kg Späne ä Mk. 70,—

(Verkaufspreis) Mk. 66,50
Mk. 1018,50

Bei Prüfung der Produkte sind 8 Stück == 30 kg

unbrauchbarer Ausschuß, angerechnet zum Erlös „	33,—

Kosten des Rohstoffes Mk. 985,50

Arbeitslöhne	und	Zuschläge	........................,,	1295,—

Modellkosten.........................................;,	140,—

Mk. 2420,50

zu 4 o/o Zinsen bis	zum	Verkauf	„	96,80

Selbstkosten	für	brauchbare	192 Stücke	....	Mk.	2517,30

1 Stück = Mk. 13,15.

Einkaufskalkulation.

§ 20. Fabriken haben mit der Berechnung des Einkaufspreises
zu tun, weshalb die im Warenhandel üblichen Methoden der
Einkaufskalkulation erörtert werden sollen. Der Anschaf-
fungswert setzt sich zusammen aus dem Einkaufspreis und den
Kosten am Einkaufsort, den Kosten der Ortsveränderung und der
Deckung des Rechnungsbetrages. (Vgl. S. 4, 15.)
        <pb n="111" />
        ﻿103

A.	Die Einkaufs - und Bezugskosten sind so mannig-
facher Art, daß sie erschöpfend nicht aufgezählt werden können.
Die später folgenden Beispiele werden einigen Aufschluß geben. Im
allgemeinen lassen sie sich in drei Gruppen teilen:

a)	Allgemeine, gemeinsame Kosten.

!. Kosten, deren Höhe vom Gewichte, mitunter vom Raum-
inhalt oder einer Maßeinheit der Ware abhängig ist, z. B. Fracht-,
Verlade- und Abladespesen, Speditionsprovision, Rollgeld, Lager-
miete u. a. Sie sind der Menge, etc. proportional. (Gewichts-, Menge-
oder Eaumspesen.)

2. Unkosten, die dem Werte der Ware proportional sind: Ge-
bühren an die Vermittler (Maklergebühr oder Courtage), Provisionen
an den Einkäufer, Versicherungsgebühren u. dgl. (Wertspesen).

b)	Besondere, nicht proportionale Unkosten: Zoll, Hafen -
abgabon, Verpackungskosten, Porto, Musterspesen u. a. m.

Die gemeinsamen Kosten werden auf die Waren anteilsmäßig
verrechnet, da eine unmittelbare Verteilung in der Regel untunlich
ist. Die Kosten a li werden nach Gewichts- oder Maßanteilen, jene
der Gruppe a 2 nach Wertanteilen der einzelnen Waren verrechnet
(vgl. die praktischen Beispiele). Die besonderen Kosten können im-
mittelbar angerechnet werden, doch zählt man sie häufig, um die
Rechnung zu vereinfachen, entweder zur Gruppe a 1' oder zu a 2.

B.	Die Berechnung des Einkaufswertes kann er-
folgen :

a) direkt, d. li. man ermittelt die Gesamtkosten der Waren
bis an den Verwendungsort und teilt diese durch die bei der An-
kunft der Ware gewogene oder gemessene Menge. Diese Methode
ist wegen ihrer Genauigkeit zu empfehlen und überall anwendbar;

ß) durch Zuschlag der Unkosten auf die Gewichts- oder
Maßeinheit oder auf den Einkaufswert der Waren. Man sagt z. B.
1000 kg des Rohstoffes verursachen Mk. 2,37 Kosten; oder, auf der
Ware ruhen 13o/o Spesen;

y) durch Umrechnung der Geldeinheit am Einkaufsort in
inländische Währung mit Rücksicht auf die Unkosten, z. B. 1 SS
des Warenpieises = Mk. 21,55 einschließlich aller Bezugskosten.

An Beispielen sollen diese drei Methoden gezeigt werden1).

Methode a): Divisionsmethode: Es sollen 100 Blöcke
Banka-Zinn von Amsterdam über Hamburg-Wallwitzhafen nach
Leipzig kalkuliert werden.

*) Vgl. Töndury, Die Kalkulation im Waranhandel. Stuttgart 1912.
        <pb n="112" />
        ﻿— ro4 —

I. Faktur:

'Btto. 3220 kg ä fl. 60 s/4 für 50 kg . . . .

— Diskont 11/2 o/0

-f- Auktionakosten lfo/o

Wägen, Aufladen, Verschiffen .................

-f- 1% Provisioni

fl. 3912,30
„	58,68

fl. 3853,62
„	39,12

fl. 3892,74

_____5»

fl. 3897,74
„	38,98

bar fl. 3936,72

II. Unkosten:

a) in Hamburg: Fracht von Amsterdam fl. 23,50

ä 1,75 Mk....................-...............Mk. 39,15

Platzspesen und Speditionsprovision zu 15 Pfg. für

100 kg (von 3220)............................„	4,85

ß) in Wallwitzhafen: Statistische Gebühr .	... „ —,20

Fracht von Hamburg 80 Pfg. .	. .

Platzspesen 20 Pfg...............

Übernahmefracht bis Leipzig in die .

Fabrik 72 Pfg....................

Versicherung V8°/o von Mk. 7000 ..............„	8,75

Porto, Depeschen..............................„	3,50

HI. Kalkulation:

Deckung der Faktura: fl. 3936,72 ä 169,70J)
Unkosten..............................

= 172,9,
für

100 kg

„ 55,40

In Leipzig gewogen: 3227 kg;
100 kg kalkuliert mit .	.	.

Mk	. 111,85
Mk.	6680,61
T)	111,85
Mk.	6792,46
Mk.	210,49

Methode ß: Zuschlagsmethode: Die Bezugskosten
(Mk. 111,85) machen etwa 163/,t0/oo des Fakturenwertes (Mk. 6680,61).

100 kg kosten im Einkauf . Mk. 207,03
dazu 16 ViVoo Bezugsspesen .	„	3,46

Kostenpreis für 100 kg . . . Mk. 210,49
oder auf je 100 kg ruhen Mk. 3,46 Kosten. Bleiben die Bezugskosten

') Tageskurs 168,70 für kurze Amsterdamer Wechsel. Der Aufschlag von
Mk. 1,— soll Wechselcourtage und -Stempel, sowie Zinsen für die Zeit bis zum
Eintreffen der Ware (etwa 15 Tage) decken.
        <pb n="113" />
        ﻿TOS

auf die Einheit bezögen bei den verschiedenen Einkäufen konstant,
so vereinfacht die Anwendung eines derartigen Kostenanschlages
die Kalkulation.

Methode y: Paritätsmethode: Man bezieht Pottasche
aus New-York für $ 3654;

die Gesamtkosten betragen..............Fr. 1372,—

die Deckung der Faktur erfordert .	.	„	19186,—

Somit stellen sich $ 3654,— auf . . Fr. 20 558,—
d. i. für 1 $ der Faktur Fr. 5,62®.

Solche Umrechnungsverhältnisse („Paritäten“ = feste Zahlen)
lassen sich ein für allemal oder doch für größere Zeitabschnitte
berechnen. Die Kalkulation ist einfach: Man rechnet die Preiseinheit
der Faktur zu den ermittelten Paritätszahlen um (z. B. ß Dollars
X 5,626). Vgl. das Beispiel S. 109.

Die ß- und y-Methoden sind nicht immer anwendbar, überdies
ungenau und gänzlich zu verwerfen, wenn die Bezugskosten häufigen
Schwankungen unterliegen. Wo sie jedoch regelmäßig zur An-
wendung kommen, sollen ihre Ergebnisse durch eine direkte Kal-
kulation (Methode a) gelegentlich nachgeprüft werden. Mit Nutzen
können beide Methoden bei Vorkalkulationen verwendet werden, wenn
unter Berücksichtigung des Tagespreises der Wert des Rohmaterials
annähernd zu berechnen ist.

C.	Bei wiederholten Bezügen einer Ware von einem Orte ist
die Berechnung von Kalkulationstabellen vorteilhaft; sie
zeigen im voraus, wie teuer die betreffende Ware unter Annahme
eines bestimmten Preises und Deckungskurses einschließlich aller
Spesen bis am Bestimmungsort zu stehen kommt. Das Verfahren
soll folgendes Beispiel zeigen:

Es soll eine Kalkulationstabelle für Zinn von Amsterdam nach
Leipzig für Preise von Mk. 50,— bis Mk. 65,— für 50 kg und
für Deckungskurse (einschließlich der Deckungsspesen) von Mk.
168,— bis Mk. 171,— entworfen werden. Die Preise sind von 1/i
zu Vr Gulden, die Kurse von 5 zu 5 Pfg. abzustufen. (Die Ab-
stufungen haben sich nach der Preisnotierung des betr. Börsen-
platzes zu richten.)

a) Zunächst sind 4 Kalkulationen aufzustellen. Man kann voll-
ständige Kalkulationen für bestimmte Mengen (z. B. im Anschluß
an das Beispiel S. 104 für 3220 kg) durchführen und daraus den
Preis für die Verkaufseinheit (50 kg) berechnen oder, wie es hier
geschehen ist, die Berechnung sofort auf die Preiseinheit beziehen.
        <pb n="114" />
        ﻿Kalkulation.

	Umrechnung zu	j	Umrechnung zu  M 168,— für 100 fl.	M 171,— für 100 fl.			
	fl. 50,- für 50 kg	fl. 65,- für 50 kg  •	fl. 50,- für 50 kg	fl. 65,— für 50 kg
50 kg kosten	  — 1 ‘/a °/o Diskont . . .	fl. 50,—  » —,75	65,—  -,975	50,- —,75	65,—  —,975
-f -1 °/o Auktionsk. . . .	fl. 49,25 „	,50	64,025  -,65	49,25 —,50	64,025 —,65
+ Wiegen etc		fl. 49,75 „ -,075	64,675  —,075	49,75  -,075	64,675  -,075
-f 1 °/o Provision ....	fl. 49,825 „ -,498'A	64,750 — ,647ä	49,825 —,498 V«	64,750 —,6475
	fl. 50,32374	65,3976	50,323 7*	65,397»
Umgerechnet	  -)- Spesen		Ji 85,543 »	1,737	109,868  1,737	86,052  1,737	111,830  1.737
Kostenpreis für 50 kg . . bis Leipzig	Jt 86,280	111,605	87,789	113,567

b) Nunmehr ist die folgende Kalkulationstabelle zu berechnen:

Kalkulationstnbßlle.

für Preise von fl. 50,— bis 65,—, um */4 fl. steigend, und zu
Kursen von Mk. 168,— bis 171,— um 5 Pfg. steigend.

Preis		Der Deckung		skurs beträgt		Differenz
Amsterdam	168	168,05	168,10	168,15 | usf.	171	für 5
50	86,280	86,305	86,330	86,355	87,789	0,02515
50 V«	86,702	86,727	86,752	86,777	88,219	0,02525
50 7,	87,124	87,149	87,175	87,100	88,618	0,02536
50 3/,	87,546	87,572	87,597	87,622	88,079	0,02565
51	87,968	87,994	88,019	88,045	89,509	0,02588
517*	88,390	88,416	88,442	88,467	89,938	0,02580
517,	88,812	88,838	88,864	88,889	90,368	0,02583
517*	89,234	89,260	89,286	89,312 -	90,797	0,0260ä
65	111,605	111,638	111,670	i	j  111,703	113,567	0,0327
Differenz j				i		
f. J/i Dulden |	0,4221	0,4222	0,4223	0,4224 |	0,4296
        <pb n="115" />
        ﻿107

V

\	4

Anwendung: Bei einem Zinnpreis von 515/i fl. in Amsterdam
kommen 50 kg in Leipzig bei einem Kurs von 168,15 auf $9,312
zu stehen.	' 1 »; *i

c)	Das Verfahren bei der Berechnung der Tabelle ist das folgende:

Die berechneten Kalkulationspreise werden in den 4 Ecken der
Tabelle eingetragen (fett gedruckt). Nunmehr ist der Einfluß der
Kurssteigerung (wagrechte Reihe) zu ermitteln. Der Unterschied
zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Deckungskurs beim
niedrigsten Preis (50,-—) ist: 87,789—86,280 — 1,509. Das Steigen
der Kurse ist auf 5 Pfg. zu berechnen, somit 171—168 = 3 Mk.

1,509:60 = 2,515 Pfg., d. h. eine Kurssteigerung um 5 Pfg. ver-
teuert den Warenpreis um 2,515 Pfg. In der gleichen Art sind
die übrigen Horizontalreihen zu berechnen.

Schließlich sind die Preissteigerungen (senkrechte Kolonnen)
zu ermitteln. Der Unterschied der Preise (65—50 = 15 Gulden)
beim niedrigsten Deckungskurs (168,—) ist gleich: 111,605—86,280
= 25,325. Diese Preissteigerung soll für 1/4 Gulden berechnet
werden, somit 25,325:60 = 0,42208 *), d. h. der Preissteigerung
um 1/i fl. entspricht eine Erhöhung des Gestehungspreises um
0,42 Mk. Diese Differenz, dem niedrigsten Preis (86,280) 60 mal
zugeschlagen, liefert schließlich 111,605 Mk.

Die einfachste Lösung der Berechnung des Einkaufwertes des
Rohmaterials ist wohl die: man kauft ,,frei in die Fabrik“ oder doch
,,frei Bahnhof“ des Verbrauchsortes und überwälzt die Berechnung
der Kosten auf den Verkäufer. Oder man vereinbart mit dem Spediteur
sogen. „Übernahmepreise“, d. h. feste Kostensätze für eine bestimmte
Gewichtseinheit (100 oder 1000 kg) und einen bestimmten Trans-
portweg, in denen alle gewöhnlichen Unkosten und die Speditions-
provision enthalten sind (z. B. Transportübernahme von London
bis Frankfurt 490 Pfg. für 100 kg, ausschl. Zoll und Versicherung2)).

D.	Zwei weitere Rechnungsbeispiele sollen die auch für in-
dustrielle Betriebe so wichtige Bezugskalkulation erläutern3).

*) Eine andere Erklärung für die Ermittelung der Zuschlagsdifferenzen: die
Preise von 86,280 bis 87,789 bilden eine arithmetische Eeihe von 61 Gliedern.
Es sind 59 Glieder einzuschalten. Die Interpolationsdifferenz berechnet sich nach
der Formel:

a = ^=ni60|-862280 = 0,42208.

TJ + 1	t)U

J) Wegen des Materialaufschlages vgl. § 44.

3) Vgl. auch die Einstandskalkulation für eine Erzlieferung im VII. Abschnitt:
Hüttenbetriebe.
        <pb n="116" />
        ﻿, i

:

3 525,—
22,79
66,20
3 613,99
90,35

zu Fr. 5,18 für 1 Dollar = Fr. 19188,50

Bezugs- und Deckungskosten:

Akzeptprovision, See- und Transportversicherung . . Fr. 319,52
See- u. Landfracht, Ausladen, kleine Spesen u. Gebühren „	4 223,98

Anschaffungskosten Fr. 23 732,—
Zinsverlust 2 Mon. zu 6% „	237,32

Selbstkosten Fr. 23 969,32

Verkaufs-(Haus-, Einstands-)gewicht: Netto 19 930 1la kg.

a)	Berechnung einer festen Zahl:

Reiner Ankaufswert Doll. 3525,— ä 5,18 . . . .— Fr. 18 259,50
abzüglich Selbstkosten..............................„ 23 969,32

Unkosten Fr.

-f- Gewichtsspesen (Doll. 66,20 ä 5,18 Fr. 4223,98)

5 708,82
4 566,91

bleiben Wertspesen Fr. 1 141,91

Wert Spesen Fr. 1141,91 auf den reinen Ankaufswert be-
rechnet = 6,26 o/o (von Fr. 18 259,50).

Gewichts Spesen Fr. 4566,9t1 verteilt auf das Hausgewicht
macht Fr. 11,457 für 50 kg.

Die feste Zahl zur Berechnung einer Tabelle ergibt sich aus
folgendem Kettensatz:

? Fr.
19930,5 „

1 ,
100 „
100

47.5. k . p . 106,26

19930,5

50 kg Hausgewicht
47 000 Pfd. engl,
p Cents (Waren-Preis)
k Fr. (Wechsel-Kurs)

106,26 Fr. wegen der Wertspesen.

1,253 . k . p (+ Fr. 11,457 wegen der Gewichtsspesen).

b) Die Tabelle soll für die Grenzwerte p = 6—10, k = 5,10
bis 5,30 berechnet werden, in Abstufungen von x/i Cent und
1! Centime.

*) Nach Schaer, Kaufmännisches Rechnen, 3. Aufl., Berlin 1906, II. Teil,
S. 160 ff.

4

I
        <pb n="117" />
        ﻿p1 = 6

k1 = 5,10

109

x1 = 5,1 x 6 X 1,253 = Fr. 38,34

„ 11,46
Fr. 49,80

p1 = 6	k2	=	5,20	xa	= Fr. 50,55

p2 = 10	k1	=	5,10	x3	„	=75,36

p* =10	ks	=	5,20	x4	„ = 76,61

Die Tabelle (Entwurf).

	6	6 7«	6‘A	usf.	10	Differenzen	
5,10	49,80				75,36	X3—X1	= 25,56:16 (4 Cent zu ’/,)
5,11						X2—X1	= —,75 :10
						X4—X2	= 26,06:16
5,20	50,55				76,61	X4—X3	= 1,25:10

Das auf S. 104 beschriebene Verfahren ist genauer.

II.	Kalkulation von Leinengarn (Methode y S. 105).
Manchester—Chemnitz.

96 Bündel Nr. 40 zu 7 sh...............SS 33. 12. —

96	„	,	SO,?1/,,	......	36.	-

96	„	,	.60	„	8	,	.... •	„	38.	8.-

SS 108. —. —

Kosten	„	2.	4.	10

V	£	HO.	4.	10

2°/0 Kommission	„	2.	4.	1

SS 112. 8. 11

Deckungskosten.............................Mk.	2327,63

Bezugskosten............................... „	386,81

Gesamtkosten	Mk.	2714,44

(£ 108. —. — Ankaufspreis der Ware berechnen sich einschließ-
lich aller Unkosten auf Mk. 2714,44

1 sh. der Faktura = 125,67 Pfg.

Die einzelnen Sorten kalkulieren wie folgt:

Nr. 40. 7 sh. zu 125,67 Pfg. = Mk. 8,797 pro Bündel,

96	Bündel	=.....................Mk.	844,51

Nr. 50. 7 Vä sh. „ 125,67 Pfg. = Mk. 9,425 pro Bündel,

96	Bündel	=......................„	904,80

Nr. 60. 8 sh. „ 125,67 Pfg. = Mk. 10,054 pro Bündel,

96	Bündel	=......................„	965,18

Kontrollzahl: Mk. 2714,49
        <pb n="118" />
        ﻿E.	Im Anschluß an die übliche Warenkalkulation möge hier
ein Beispiel für eine (Verkaufspreisberechnung Platz finden:

Beispiel einer retrograden Torkalkulation.

Ein deutscher Textil-Fabrikant berechnet den höchsten Selbst-
kostenpreis (Grenzpreis) für einen beabsichtigten Export seiner
Waren nach London; der feste bzw. höchste erreichbare Verkaufspreis
in London ist 8 sh. Der Londoner Verkaufsvermittler erhält 6 o/o
Skonto und Kommission; Verkaufsunkosten in London 12o/o, von
der Fabrik bis London 20 o/o; 5 °/o Skonto an den Exporteur, 10 o/o
Gewinn und 21/2 o/o Zinsenverluste des Erzeugers. 32 m = 35 yards;
lä&gt; = 20,35 (abzüglich der Bankspesen).

Ausgangspunkt der Berechnung ist der feste Verkaufs-
preis für

1 yard in London.......................96	d

-f- 6°/o Skonto........................ 6	„

Reiner Verkaufspreis...................90	d

-r- 12% Verkaufskosten vom Umsatz (96)	11	„

Verkaufserlös in London für 1 yard 79 d

Umgerechnet zu 20,35 ................ 670	Pfg.

35

32m=35yards;lm=^ry(= 1 + */32).

Ou

Zuschlag.............................63	„	(3/ss	von	670)

für 1 m 733 Pfg.

-r- 20% Verkaufskosten bis London

gerechnet von den Selbstkosten .	.	122 „	(733 . ao/i2o)

Selbstkosten ab Fabrik .... 611 Pfg.

+ 12 %°/o Gewinn und Zinsen .	.	76,5 (x/s von 611)

Barverkaufspreis................... 687,5 Pfg.

+ 5°/o Skonto an den Exporteur .	36,— (5/b5 °/o von 687,5)

Grenzpreis 4 Monate Ziel .... 723,5 Pfg.
        <pb n="119" />
        ﻿III.	Abschnitt.

Die Arbeitslüsten.

§ 21. Der Arbeitslohn ist das Äquivalent der gemieteten mensch-
lichen Arbeitskraft. Alle Preisabmaclnmgen zwischen Arbeitgeber
und Arbeitnehmer lassen sich auf die folgenden Grundformen zurück-
führen : 1. Stunden-, Tag- oder Zeitlohn, im Bergl&gt;au Schichtlohn
genannt; 2. Akkord- oder Stücklohn; 3. Prämienlohnsystem; 4. Ge-
winnbeteiligung auf Grund einer Interessengemeinschaft zwischen
Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

Stundenlolm.

Beim Stunden lohn bemißt sich die Geldzahlung ohne un-
mittelbare Rücksicht auf die Arbeitsleistung nach der Arbeitszeit;
doch ist diese Nichtberücksichtigung nur eine scheinbare. Arbeits-
leistung und Arbeitszeit werden auch bei den Stundenlöhnen in
Parallele gestellt. Auch vom Taglöhner wird ein durch die Praxis
bestimmtes Arbeitsminimum verlangt. Der Stundenlohn ist die Lohn-
form des Handwerkers, wobei der Meister selbst das Arbeitstempo
angibt und die Aufsicht führt. Zwischen Arbeitsmenge und Lohn
besteht nur eine lose Beziehung. Der größte .Vorzug dieses Lohn-
systems liegt in der Einfachheit der Berechnung. Ein Anreiz zur
Mehrarbeit fehlt, das persönliche Interesse am Arbeitserfolg ist ge-
ring. Die Anwendungsmöglichkeit des Stundenlohns ist beschränkt.
Er eignet sich für besonders gefährliche Arbeiten (z. B. in Pulver-
fabriken, Sprengarbeiten in Bergwerken), wo die Schnelligkeit der
Arbeit gefahrbringend werden kann; für leicht kontrollierbare, aber
schwer messbare Arbeitsleistungen wie Handlangerdienste, Reinigung,
Transporte; für Arbeiten, die erstmalig in Fabriken ausgeführt werden
und einer besonderen Aufsicht unterliegen; für Montage, Reparaturen,
für das Kontrollieren fertiger Waren und beim Anreißen der Arbeits-
stücke, für Präzisionsarbeiten und überall da, wo die Nachteile der
anderen Lohnsysteme zu stark ins Gewicht fallen.

Die Nachteile des Stundenlohns — langsames Arbeiten, syste-
matisches Bummeln — sucht man durch Fleißprämien (nicht
A11 e r s prämien) in der Form von höheren Löhnen für geschickte
        <pb n="120" />
        ﻿112

und fleißige Arbeiter oder durch Einführung von Lohnskalen
nach Qualität der Leistungen zu beseitigen. Arbeiter, die die mehr
gefühlsmäßig bestimmte und der individuellen Leistungsfähigkeit
entsprechend abgestufte Mindestleistung nicht erreichen, werden ent-
lassen.

Akkordlohn.

§ 22. Beim Akkordlohn gilt nach der Theorie nur die
Arbeitsmenge als Grundlage der Bemessung. Das ist unrichtig. Auch
bei der Bestimmung eines Akkordsatzes wird eine bestimmte Höchst-
zeit zugrunde gelegt, in welcher der Arbeiter die Arbeit ausführen
kann und die nicht überschritten werden soll. Im Interesse des
Unternehmers liegt es, diese Normalleistung möglichst hoch zu
halten. Die Vorteile des Akkordsystems kommen für ihn nur dann
zur Geltung, wenn die Grundzeit, d. h. die normale Her-
stellungszeit richtig bemessen ist. Die wichtigste Voraussetzung
für die Anwendung des Akkordlohns ist somit eine auf Erfahrung,
Beobachtung oder Berechnung1) beruhende richtige Einschätzung
der erforderlichen Arbeitszeit2). Ist die Grundzeit zu lang ange-
nommen, wird der durchschnittliche Stundenlohn des Akkord-
arbeiters zu groß, die Maschinen werden nicht voll ausgenutzt. Es
kann zu einem systematischen Zurückhalten in der Arbeitsgeschwin-
digkeit kommen — insbesondere bei der ersten Feststellung eines
Akkordes wird dieses „Akkordbremsen“ gern versucht. Durch die
Machtmittel der Arbeiterorganisationen wird ein nach Mehrverdienst
strebender Arbeiter häufig abgehalten, einen neuen Rekord zu
schaffen und dadurch die Akkordsätze zu drücken; die Betriebs-
leitung soll über die mögliche Höchstleistung der Arbeiter und der
Maschinen getäuscht werden. Diese und andere Umstände machen
es notwendig, bei Arbeiten im Akkord die Arbeitsleistungen scharf
zu kontrollieren.

*) Ala literarisches Beispiel: Siegerist-Bork, Die moderne Vorkalku-
lation in Maschinenfabriken, 2. Auf!., Berlin 1917.

2) Schon in den 90 er Jahren versuchte man in der Maschinenindustrie die
gefühlsmäßige Schätzung des Werkmeisters zu ersetzen durch eine auf genauer
Beobachtung der Maschinen-, der Vorbereitungs- und Nebenarbeiten beruhenden
technischen Berechnung. Der Arbeitsvorgang wird in möglichst viele Teil-
operationen zerlegt, durch Kontrolluhren und Zeitstudien beobachtet. Der Akkord-
preis wird in einem Schätzungsbureau methodisch ermittelt, aus dem Gebiete der
Empirie in die Sphäre exakter Berechnung erhoben. Im Jahre 1896 veröffentlichte
der Amerikaner Fred W. Taylor in einem dem „Adjustement of wages to
efficiency“ gewidmeten Sammelband der Abhandlungen der American Economic
Association den Entwurf eines exakten Stücklohnsystems. Auch neuerdings ist
dieser bekannte Fabrikorganisator mit einer viel beachteten Arbeit: Shop Mana-
gement (die Betriebsleitung insbesondere der Werkstätten, deutsche Ausgabe,
übersetzt von Wallichs, Berlin, 3. Aufl. 1915) hervorgetreten.
        <pb n="121" />
        ﻿113

Das Akkordlohnsystem (st theoretisch die beste Entlohnungs-
methode. Es ist einfach, für den Arbeiter leicht verständlich und
kontrollierbar und bietet einem fleißigen Arbeiter die Aussicht auf
einen höheren Verdienst. In der Vorkalkulation kann der Unter-
nehmer mit einem festen Preis der Arbeit rechnen, die Maschinen
werden voll ausgenutzt, ihr Anteil an den allgemeinen Unkosten
dadurch geringer und die Arbeitskosten billiger. Das Risiko der
Arbeitsverzögerung geht auf Kosten des Arbeiters. Die Gefahren
der Überanstrengung der Produktionsmittel, einer übermäßigen
Schnelligkeit auf Kosten der Qualität des Produkts können durch
wirksame Kontrollmaßnahmen beseitigt werden. Das Akkordlohn-
system (auch seine Abart, das Prämienlohnsystem) interessiert den
Arbeiter am Erfolg seiner Arbeit und sichert eine Stetigkeit der
Arbeitsleistung, eine Steigerung der Arbeitsintensität auch ohne
besondere Beaufsichtigung.

Als oberster Grundsatz für die Entlohnung der Arbeiter hat
zu gelten: Jeder Arbeiter erhält, was er verdient hat. Der 'zugesicherte
Lohn — die schriftliche Feststellung vor Beginn der Arbeit
ist zwecks Vermeidung von Streitigkeiten recht zweckmäßig —
muß unter allen Umständen bezahlt werden, selbst wenn der Akkord
zu hoch bemessen ist. Die größere Produktivität des Arbeiters
verringert die Herstellungskosten. Auch wenn der Arbeiter einen
höheren Durchschnittslohn verdient, können sich die Lohnkosten
auf die Verkaufseinheit oder Mengeneinheit des Fabrikates ver-
ringern. Nicht die absolute, sondern die relative Höhe der Löhne,
d. h. das Verhältnis zwischen Lohn und Leistung ist maßgebend
für die Beurteilung der Lohnhöhe. Ein Arbeiter kann durch selbst
gefundene Hilfen und Arbeitsmethoden seine Arbeitsintensität
steigern und dadurch seinen durchschnittlichen Stundenlohnverdienst
erhöhen. Eine Herabsetzung des Akkords, die übrigens erst bei, einer
Wiederholung jderselben Akkordarbeit erfolgen soll, kann dazu führen,
daß die Arbeitsintensität eingeschränkt wird; denn die Arbeiter sind,
sofern ihre materiellen Interessen in Frage stehen, recht anpassungs-
fähig.

Bei zu niedrig bemessener Normalzeit,, d. h. zu niedrigen Ak-
kordsätzen empfiehlt sich ein freiwilliger Akkordzuschuß. Die Ak-
kordsätze werden allgemein so bemessen,, daß der durchschnittliche
Stundenlohnverdienst für bestimmte Arbeitergruppen nicht über ein
Maximum hinauswächst.

Nach der Bemessungsgrundlage werden unterschieden:
Stückberechnung, Einheitsberechnung und E1 e -
öientenberechnung. Weiter werden unterschieden: Einzel-
a k k o r d e für Einzelarbeiten, und Akkord© für Arbeitsgemein-
schaften (Akkordmeistersystem, G r u p p e n a k k o r d e).

Leitner, Selbstkostenberechnung. 7. Aufl.

8
        <pb n="122" />
        ﻿114

Akkordlöhne werden da zur Anwendung kommen, wo man
den Wert der Arbeit vor deren Ausführung schätzen kann und wo
Güte und Menge von der Geschicklichkeit des Arbeiters abhängen.
Bei der Berechnung des Akkordlohnes1) wird die Größe
der Arbeitsleistung in Beziehung zum Lohn gebracht. Die Größe
der Arbeitsleistung wird bemessen entweder direkt nach dem Pro-
dukt, welches der Arbeiter herstellt, oder indirekt nach anderen
Merkmalen. Bei direkter Berechnung der Arbeitsleistung wird

a)	das ganze Arbeitsstück der Berechnung zugrunde gelegt
(Stückberechnung, Stückakkord), z. B. x Mk. für das
Stück. Die Berechnung des Arbeitslohnes nach dem Stück ist die
zumeist angewendete Methode. Sie muß, wenn sie gerecht sein soll,
auf die Qualität des Arbeitsmaterials, auf dessen Ungleichheiten, auf
die Güte der Werkzeuge, die Einrichtungen des Betriebes sowie die
Anzahl der Arbeitsstücke Bücksieht nehmen; denn je mehr Arbeits-
stücke gleicher Art herzustellen sind, um so größere Übung gewinnt
der Arbeiter, die auch zur zweckmäßigen Anordnung der Arbeit
führt. Lohntarife mit Stückberechnung müssen naturgemäß sehr
umfangreich sein, weil sie auf alle denkbaren Variationen des Arbeits-
stückes (Dimension, Art des Bohmaterials u. a.) Rücksicht nehmen
müssen.

b)	In anderen Fällen werden nur Maß- und Gewichtseinheiten
des Arbeitsstückes■' der Berechnung zugrunde gelegt (Einheits-
berechnung), z. B. x Pfg. für ein Meter, kg, eine Tonne,
einen cbm, qm, pro Paar, je nach der Verkaufseinheit; sie wird
angewendet in Eisengießereien, Maschinenfabriken, in den chemischen
Industrien usf. Die Einheitsberechnung ermöglicht eine genaue
Akkordberechnung und wird dort mit Vorteil zur Anwendung kom-
men, wo die vorzunehmenden Arbeiten wechseln und die Stückbe-
rechnung zu ungenauen Resultaten führen muß. Durch sie werden
die verschiedenartigen Arbeitsstücke erst miteinander vergleichbar.
Doch muß die gewählte Rechnungseinheit zur Schwierigkeit der
Arbeit in Beziehung stehen. Es wäre z. B. unbillig, den Lohn in
Eisen- und Metallgießereien gleichmäßig für alle Arbeitsstücke, ob
klein oder groß, ob schwieriger oder leichter zu formen, für 100 kg
festzusetzen, weil das Gewicht hier keinen Maßstab für die Schwierig-
keit der Arbeit bietet.

‘) Die folgenden Ausführungen (§§ 23— 24) sind zumeist der trefflichen
Arbeit von Bernhard, Die Akkordarbeit in Deutschland, Berlin 1903 (S. 114ff.),
entnommen. Vgl. überdies: Beck, Gerechter Arbeitslohn. Dresden 1902, mit
reicher Literaturausgabe über diese Frage. Brentano, Über das Verhältnis
von Arbeitslohn und-zeit zur Arbeitsleistung. 2. Aufl., Leipzig 1893. Bernhard-
Schloß, Handbuch der Löhnungsmethoden. Leipzig 1906. Jeidels, Die Metho-
den der Arbeiterentlohnung in der rheinisch-westfälischen Großindustrie. Berlin 1907.
        <pb n="123" />
        ﻿115

c)	Schließlich kann man jeden Arbeitsprozeß in seine Elemente
zerlegen und für jedes Arbeitselement einen Akkordlohn festsetzeni
(Elementenberechnung)1). Diese Methode ist die modernste.
W. Taylor2), Fabrikleiter in Germantown bei Philadelphia, hat
sie zuerst in Anwendung gebracht. Er gibt zur Erläuterung folgendes
Beispiel: Es soll ein Stück Eisen gehobelt werden. Die Arbeit ist
folgende:

a)	Ohne Maschine auszuführen: 1. Das Arbeitsstück ist auf
den Maschinentisch zu heben, 2. zu richten und 3. auf den Maschinen-
tisch zu befestigen, dann 4. los zu machen, 5. zu entfernen und

6.	zu reinigen, ß) Mit der Maschine zu bearbeiten: flach mit dem
Stahl (Schrubber) bearbeiten, dann mit dem Schlichtstahl nachhobeln.

Die Anfertigung eines Rahmens für die Kupferdrahtwickelung
eines elektrischen Meßapparates erfordert 27 Arbeitselemente. Jedes
Element wird für sich unter Zugrundelegung eines Durchschnitts-
lohnes berechnet. Eine so weit gehende Zerlegung der Lohnauf-
wendungen wird nur für die Hauptarbeit zu empfehlen sein.

Beispiele der Elementenkalkulation einer Fabrik für

Meßinstrumente.

I. Rahmen für ein Voltmeter.

Rohrstück	absägen..................................................0,3	Pfg.

„	entgraten.................................................0,3	,

„	abdrehen..................................................2,0	,

„.	vierkantig dornen.........................................3,0	„

„	Kanten nmbiegen...........................................5,0	„

Rahmen zwei Löcher in die Vorrrichtung	bohren......................0,5	„

„	„	„ aufbohren und entgraten...........................0,5	„

„	die umgebogeDen Kanten auf Höhe abschneiden...............3,0 „

„ egalisieren, Kanten verrunden.................................9,0	„

„	innere Kanten verrunden...................................2,0 „

„ beizen......................................................  0,5	„

Rahmen zwei Warzen einnieten .......................................3,0	„

„	„ Löcher einbohren	 2,0	„

Achse mit	zwei Spitzen härten......................................1,0	„

Spitzen schleifen und polieren......................................6,0	„

Übertrag 38,1 Pfg.

1)	Zur Erzeugung von Schuhwaren sind bis 160 Einzelarbeiten erforderlich.
Die Lohntabelle einer Schuhwarenfabrik enthält über 1000 Positionen. In einer
süddeutschen Konfektionsfabrik werden über 20000 Akkordsätze geführt.

2)	Wegen des sog. Taylor-Systems vgl. die Betriebsleitung insbesondere
der Werkstätten; von Wallichs, 3. Aufl., Berlin 1915. Dodge, Industrielle
Betriebsführung; Schlesinger, Betriebsführung und Betriebswissenschaft, beide
Berlin 1913. Zeitstudien, bureaumäßige Festlegung und Normalisierung der Tätigkeit
der Arbeitsvorgänge, — „Griffe“ anlernen — sind, abgesehen von den üblen
persönlichen und sozialen Folgeerscheinungen, nur bei gleichmäßig wiederholten
Arbeitsvorgängen an bestimmten Arbeitsstücken anwendbar, nicht aber bei stark
wechselnden Arbeiten.

8*
        <pb n="124" />
        ﻿116

Übertrag ,38,1 Pfg.

Spitzen auf Länge abzwieken............................................1,0	,

,	verzinnen........................................*....	1,0 „

„	Gewinde schneiden und einschrauben......................zus.	3,0 ,

„ verlöten................................., '..................2,0	,

„ innen abfeilen...................................................2,0	„

Kähmen in Wasser abkochen..............................................0,5	„

Spitzen am Rahmen nachpolieren.........................................3,0	„

Rahmen zentrieren......................................................2,0	„

„ wickeln.......................................................  30,0	„

„ lackieren........................................................5,0	„

für 27 Teiloperationen Lohn-Summe 87,6 Pfg.

II.	Lohnkalkulation für ein Metallgefilß.

Arbeitsvorgang

Pfg.

Glühen ..........................

Beizen und spülen................

Vorpunzen........................

1.	mal vorpressen................

2.	„ „ ..........................

3- ,,	„	................

4* ,,	&gt;,	................

5. „	„	........

Platte aufweiten.................

1. mal die Platte auswalzen ....

Q

», ....

Glocke fertig pressen............

Platt# vorbiegen.................

Boden gerade drücken und naehpressen

Näpfchen ziehen..................

1. mal auswalzen.................

Ausdrehen und schaben....................................

3.	mal auswalzen .......................................

1. Glattzug ziehen.......................................

2-	&gt;,	i,	......................................

3-	»	„	......................................

1.	mal abstechen........................................

Gleichwandig drehen......................................

Ecken pressen und den 4. Glattzug ziehen.................

2.	mal abstechen........................................

Boden walzen.............................................

„ vordrehen ..........................................

Ecken ausdrehen .........................................

Glocke nachpressen ......................................

Teile mit Gas glühen.....................................

Nach dem Gasglühen beizen und spülen.....................

Übertrag

20,45 Pfg.
27,2	„

1,- „
0,9	„

0,9	„

0,9	„

0,9	„

0,9	„

0,8 „
6,- ,
6,— ,,
1,2 „
2,5	„

2.5	„

2.7	„

1.8	„

2,— ,,

10,8 „
2,- „

3,— ,,

3.6	„

4,2	„

2.6	„

5,5	„

5.5	„

2,7	„

7.6	,.

7,55 „
9,- „
2,5	„

2.5	„

5.5	„
153,20 Pfg.
        <pb n="125" />
        ﻿117

Arbeitsvorgang

Pfg-

Einziehen....................................

Anfweiten ...	.......................

Boden fertig drehen..........................

Gewinde schneiden............................

Rand fertig drehen...........................

Zur richtigen Länge abstechen................

1.	mal innen putzen.........................

Risse ausschaben.............................

2.	mal innen putzen.........................

Außen putzen und den Boden schleifen . . .

Schmirgeln...................................

Rauhen.......................................

Reinigen.....................................

Stempeln.....................................

Verpacken....................................

Revidieren...................................

48 Arbeitsvorgänge. Arbeitslöhne.............

+ Löhne für Bearbeitung des Ausschusses 5%

+ 200°/, Unkosten............................

Arbeitskosten................................

Übertrag

153,20 Pfg.

5.5	„

2.5

10,3	„

10.3	„

5.6	„
4,06 „
0, ,,

20,- „
12,- „

16.4	„
20,- „

5,— ,,
4,- „
2,25 „
2,- „
10,-

289,11	Pfg.
14,45	
303,56	Pfg-
607,12	
910,68	Pfg.

Beispiel eines Akkordtarifsfür „Mine Z“.

1. Mundloch drehen ....	Frauen	Pfg.  4	Pfg-	
2. Vorschrubben		Männer	4‘/i	—	
3. Boden abdrehen			5	—	
4. Treibraum ausbohren .	. .	Frauen	5	16	für Männer mit
5.	Innen bearbeiten und fertig  drehen 	  6.	Treibladungsraum 2 vor- bohren 		Männer  Frauen	15  6	7 V*	fertig bohren  Männer
7. Treibladungsraum fertig	Männer	7		
bohren 	  8. 12 Gg.-Gewinde schneiden .	Frauen	2 7*  7	9	je nach Maschine
9. I. Vorschlichten			15	18	Mann allein
10. Fertig drehen		Männer	9'/*	11V»	Gelernte und unge- lernte
11. Kordieren			1 */*		
12. Einstechen		Frauen	21/«	—	
13. Kante brechen			17s	—	
14. 11 Gg.-Gewinde			31/«	—	
15. Stempeln		Jugendliche	l1/*	—	
16. Zinkband einstanzen . .	.	Männer	17	—	
17-	„	drehen .	.	.	.		3	—	
18. Drallnute fräsen		Frauen	2	—	
19. 5 mm-Loch bohren ....		IV«	—	
20. 5 mm-Gewinde schneiden .	V	IV«	—	
Stundenlohnarbeiten . . .	zus.	110		

insgesamt 140 Pfg.
        <pb n="126" />
        ﻿118

Die Arbeitstarife für solche Elementenberechnungen enthalten
die Preise für jede einzelne Manipulation der Gesamtarbeitsleistung.
Dia Berechnung der Arbeitselemente ist einfach, genau und zu-
verlässig. Sie kann von einem Bureaubeamten besorgt werden, ohne
die Mitwirkung des Arbeiters in Anspruch zu nehmen. Die Reihen-
folge der Teiloperationen im gesamten Arbeitsprozeß ist bei dieser
Berechnungsmethode auf den Akkordlohn ohne Einfluß, während bei
der Stück- und Einheitsberechnung infolge solcher, durch Arbeits-
teilung, unvorhergesehene Bindemisse und ähnliches mitunter not-
wendig werdenden Änderungen der Arbeiter in seinem Lohn ge-
schädigt werden kann.

Die einzelnen Teiloperationen stehen zum Gesamt-Arbeitsprozeß
in einem bestimmten Verhältnisse, das sich prozentuell berechnen
läßt, z. B. die Operation I erfordert a o/o, die Operation IIb.o/o',
Operation III c o/0 usw. des Gesamtlohnes von A Mark (gleich
100,o/o). Tritt eine Änderung des Arbeitsprozesses ein, der nur eine
Teiloperation betrifft, so können die ermittelten Prozente der Be-
rechnung des Akkordes zugrunde gelegt werden, Z. B. Operation III
muß durch eine Maschine besorgt werden. Der Arbeiter hat somit
nur auf a o/o' und b o/0 des Gesamtakkordlohnes von .A Mk. Anspruch.

Die indirekte Akkordberechnung bildet die Regel bei Fest-
setzung der Akkordsätze für die Gehilfenarbeit, d. h. für solche
Arbeiter, welche dem im Akkord beschäftigten Hauptarbeiter Hilfs-
dienste leisten, also Arbeiten, die mit der Fabrikation an sich nichts
zu tun haben, z. B. Materialherbeischaffung, Maschine reinigen. In
vielen Betrieben werden solche Arbeiten im Zeitlohn bezahlt; doch
werden auch hier die Nachteile des Zeitlohnes in Erscheinung treten:
Langsames Arbeiten.

Man hat nun versucht, auch die Gehilfenarbeit im Akkordlohn
zu bezahlen und nimmt als Maßstab für die Bemessung die Arbeits-
leistung des Hauptarbeiters an; denn diese steht mit den Neben-
leistungen regelmäßig in Beziehung. Je mehr der Hauptarbeiter
produziert, desto mehr wachsen die notwendigen Nebenleistungen;
der Gehilfenakkord wird sich nach den Leistungen des Hauptarbeiters
richten. Diese Methode gewährt dem Gehilfen einen Ertrag an der
Gesamtarbeit und macht ihn von der Leistung des Hauptarbeiters
abhängig, auf die dem Gehilfen kein Einfluß zusteht.

Bei der Festsetzung des Akkordlohnes- wird die Arbeitsleistung
in Beziehung zu bringen sein zu der darauf verwendeten Zeit.
„Stücklohn ist nur eine modifizierte Form des Zeitlohns“ (Marx,
Kapital, 19. Kap.). Die Berechnung eines Akkordes erfolgt zumeist
durch Vergleichung mit früheren Arbeiten gleicher oder ähnlicher
Art unter Zugrundelegung der Durchschnittsleistung eines fleißigen
Arbeiters mittlerer Befähigung. Wenn also Arbeiter und Unter-
        <pb n="127" />
        ﻿na

nehmer 011190 Akkord vereinbaren, so nehmen beide an, einen be-
stimmten Betrag in bestimmter Zeit zu verdienen. Der Anreiz zur
Übernahme einer Arbeit im Akkord liegt eben in der Erwartung
des Arbeiters, daß er schneller als angenommen die Arbeit vollende
und dadurch mehr als den üblichen Taglohn verdiene.

Die Akkordlöhne sollen die Arbeitsleistung genau bezeichnen;
diese soll gemessen und nicht geschätzt werden. Die gewählte Be-
rechnungsmethode soll dem Arbeiter gerecht und ihm bei Beginn
der Arbeit mitgeteilt werden, damit er nicht erst nach Beendigung
seiner Arbeit über seinen Lohn unterrichtet wird.

0

§ 23. Neben der richtigen und gerechten Berechnung der
Arbeitsleistung bzw. des Akkordlohnes ist die gerechte Ver-
teilung der Akkordlöhne unter die einzelnen Teilnehmer
von Bedeutung. Wie ist der Akkord zu verteilen, wenn mehrere
Arbeiter gemeinschaftlich mit einem Unternehmer akkordieren ? Die
individuellen Fähigkeiten der einzelnen Arbeiter sind doch zu ver-
schieden, ebenso die Schwierigkeiten der technischen Arbeiten, um
eine Verteilung nach Köpfen zu rechtfertigen.

Die gemeinschaftlichen (genossenschaftlichen) A k -
k o.r d e können in zwei Hauptgruppen unterschieden werden: Akkord-
meistersystem und Gruppenakkorde.

1. Bei dem Akkordmeistersystem übernimmt ein Vor-
arbeiter, der Akkord- oder Zwischenmeister, Partie- oder Kolonnen-
führer, die Ausführung, einer Arbeit im Akkord, die er mit Hilfe
einer Anzahl von Arbeitern durchführt oder nur beaufsichtigt. Die
beteiligten Arbeiter erhalten Zeitlohn, manchmal auch erhöhten
Akkordstundenlohn, sind somit am Erträgnis des Akkords nicht be-
teiligt. Der Unterschied zwischen Akkordbetrag und bezahltem.
Stundenlohn fällt dem Akkordmeister zu, doch können auch die
Arbeiter am Akkord zu gleichen Teilen oder mit' Abstufungen beteiligt
sein. Die Verteilung der Akkordsumme nimmt im letzten Fälle ent-
weder der Akkordmeister, der Werkmeister, das Kalkulationsbureau
vor, oder die Arbeiter selbst bestimmen die Art der Verteilung.
Auf alle Fälle ist der Verteilungsmodus im voraus zu bestimmen
und bekannt zu geben. Die Verteilung durch1 den Werkmeister oder
einen Bureauarbeiter hat den Vorzug, daß diese Personen am Akkord
kein persönliches Interesse haben und gewährleisten schon dadurch
eine gerechte Verteilung. Die Arbeiter erhalten gewöhnlich während
der Arbeit einen bestimmten Stundenlohn, während der Akkordüber-
schuß nach Beendigung der Arbeit verteilt wird, gleichmäßig oder
nach den Stundenlohnsätzen. Nach einer anderen Art der Beteiligung
erhalten die Akkordmitglieder einen höheren Akkordstundenlohn.
        <pb n="128" />
        ﻿120 —

Sind alle Arbeiter am Akkordertrag beteiligt, so erfolgt die
Verteilung entweder nur nach der Zahl der Arbeitsstunden oder im
Verhältnis zum Stundenlohn und der verbrauchten Zeit.

a) Die Verteilung der Akkordsumme erfolgt nach dem Zeit-
aufwand der Akkordteilnehmer: Die Arbeiter Ax A2 A3 . . . .
arbeiten zi1 z2 % . . . . Stunden, zusammen n Stunden; beträgt die

M . z

Akkordsumme M Mark, so erhält At: —— Mark Anteil, A2 empfängt

- Mark usf.

n

Manchmal wird dem Vorarbeiter ein bestimmter Prozentbetrag
vom Akkord vorweg gewährt; erst am Rest haben alle Teilnehmer
Anteil.

b)	Die Verteilung des Akkord Überschusses erfolgt nach der
verbrauchten Zeit:

A, arbeitet z. Stunden zu 1, Pfg. per Stunde = z, 1, Lohnforderung

A2

a3

Z3

usf.

2z 1 Lohn.

zusammen 2z Stunden und

Der Akkordüberschuß beträgt M — 2 z 1 = a, auf die Lohnstunde

entfallen a

kx erhält somit: zt lt Lohn -)-/?• zx Akkordüberschuß
Aa „	„ z212	„ -j- ß • z2 usf.

c)	Die Verteilung der Akkordsumme erfolgt im Verhältnis zum
Stundenlohn und zum Zeitaufwand. Die Akkordsumme von M auf-

geteilt auf 2z 1 Teile gibt . = v

— ZI

kx erhält: z, lt v, A2: z2 la v usf.

2. Für die Gruppenakkorde oder das Kolonnensystem ist
charakteristisch, daß die Arbeit durch Arbeitergruppen oder Leitung
eines Meisters ausgeführt wird, wie z. B. bei Wegebauten, Damm-
aufschüttungen, Errichtung von Trockenmauern aus unbehauenen
Steinen usw. Dieses System ist nur dort anwendbar, wo eine rein
mechanische Arbeit ohne besondere intelligente Leitung zu ver-
richten ist. Die Tätigkeit aller Arbeiter ist auf das gleiche Arbeits-
resultat gerichtet. Die Arbeit selbst wird entweder von jedem Arbeite]?
selbständig, getrennt von den anderen, oder von den an der Arbeit
beteiligten gemeinsam (z. B. Möbelstücke), oder schließlich derart
durchgeführt, daß die Arbeiter gewissermaßen Hand in Hand arbeiten
(z. B. Nietkolonnen). Operieren die Arbeiter gemeinsam oder Hand
        <pb n="129" />
        ﻿i2i

in Hand, so ist die Einzelleistung im Arbeitsstück nicht erkennbar.
Die Arbeit des einen ist anstrengender, jene des anderen dagegen
verantwortungsvoller; die Verteilung des Akkordes kann deshalb
nur durch Vereinbarung der Gruppenmitglieder untereinander er-
folgen.

Ein Beispiel für die Verteilung bei Gruppen- oder' Kolonnen-
Akkorden bringt Lilienthal (a. a. 0. S. 60/61): Eine Schlosser-
kolonne Won 8 Arbeitern verdient Mk. 477,50 im Akkord. Der Akkord-
überschuß wird wie folgt ermittelt und verteilt:

Arbeiter  Nr.	Stunden	Stunden-  lohn	Betrag	Akkord- tage z	Einheiten z 1	Anteil am Überschuß
1	54	80	43,20	63	5040	54,29
2	49	65	31,85	35	2275	24,50
3	54	65	35,10	63	4095	44,10
4	52	60	31,20	63	3780	40,72
5	50	50	25,—	63	3150	33,93
6	48	50	24,-	63	3150	33,93
7	30	50	15,-	63	3150	33,93
8	15	45	6,75	—	—	—

Betrag bei Stundenlohn Mk. 212,10	24640 Mk. 265,40

Akkordiiberschuß Mk. 265,40 : 24640 = 1,077 Pfg.

Die Akkordarbeit hat 63 Tage gedauert; die Verteilung des
Überschusses auf die einzelnen Arbeiter erfolgt im Verhältnis der
Zeit, während welcher jeder von ihnen dieser .Kolonne angehörte.
Nr. 2 ist später eingetreten, ebenso Nr. 8. Dieser Arbeiter partizipiert
überhaupt nicht am Überschuß, da er in der Woche der Vollendung
der Akkordarbeit der Kolonne beitrat und er nach der Arbeitsordnung
dieser Eirma (Ludw. Loewe &amp; Co., A.-G.) in diesem Fall noch nicht
am Überschuß beteiligt wird.

Die Arbeitslöhne sind örtlich und individuell verschieden hoch.

a) Die absolute Gleichheit der Leistungen der Arbeiter gleicher
Kategorie vorausgesetzt, müssen die Arbeitslöhne örtlich verschieden
groß sein, wegen der Verschiedenheit der örtlichen Lebensmittel-
preise, der Grundrente, kurz wegen der Verschiedenheit des not-
wendigen Aufwandes für die Lebenshaltung; dann, weil Angebot
und Nachfrage für die gleiche Arbeitergruppe an den verschiedenen
Orten zu gleicher Zeit ungleichmäßig wirken (Beschäftigungsgrad
in den einzelnen Industriezweigen, Arbeitsangebot, Arbeiterwande-
rungen von Ort zu Ort, Jahrzeit u. a. m.).

Theoretisch läßt sieh der Arbeitslohn eines Ortes für
gleiche Leistung, gleichartige Produktionsmittel und zu gleicher
        <pb n="130" />
        ﻿122

Zeit in zwei ungleich große Teile zerlegen: Der eine größere Teil
ist für alle Arbeiter eines Wirtschaftsgebietes unter den angeführten
Umständen gleich hoch, ist eine reine Leistungsvergütung für gleiche
und gleichartige Arbeit. Der andere Teil bildet die Ortszulage. Im
nachstehenden Schaubild wird der Dreherlohn (Sommer 1917) ver-
schiedener Städte dargestellt. Die Linie a—ß schließt die Ver-
gütung für absolut gleiche Leistungen gegen die Ortszulage ab.
Diesen Teil nennen wir Grundlohn: er stellt den reinen Arbeits-
wert dar.

1 — 1' Leistungslinie.

1 — a — ß—Y Grandlohn.

b)	Zu dem Grundlohn im angegebenen Sinne und zur Orts-
zulage tritt als dritter Bestandteil des Arbeitslohnes die Zulage für
den einzelnen Arbeiter als Gegenleistung für besondere persönliche
Arbeitsgeschickliehkeit; diese persönliche Zulage kommt in Akkord-
stundenverdienst deutlicher zum Ausdruck als beim Stundenlohn.
Der von den Arbeiterorganisationen geforderte (Mindeststundenlohn
wird durch die Summe des Grundlohnes und die Ortszulage — mit
Ausschluß des Wettbewerbes der Arbeitgeber als Lohnbestimmungs-
faktor — gedeckt.

Prämienlöhne.

§ 24. Die Prämienlohnsysteme — eine besondere Form
des Akkordlohnsystems ■— wollen langjährige Akkordverträge er-
        <pb n="131" />
        ﻿— 123 —

möglichen, das Schätzungsverfahren vereinfachen und dadurch die
Fehlerquellen verhüten, die finanziellen Folgen des Verschätzens
möglichst einschränken. Dem Arbeiter wird in der Regel ein Teil
des bei schnellerer Arbeitsausführung gegenüber einer mit dem
Arbeiter vereinbarten Normalleistung (einer bestimmten Grundzeit
oder einem bestimmten Lohn) als Zuschlag zu dem Stundenlohn ge-
zahlt. Je nach dem beabsichtigten Zweck — Begrenzung des stünd-
lichen Höchstverdienstes, konstanten oder mit dem Lohnsatz sich
verändernden stündlichen Mehrverdienst — pind die Bedingungen
im einzelnen sehr verschieden. Die Vorteile des Prämienlohnsystems
sind die folgenden: Dem Arbeiter wird ein Mindeststundenlohn
garantiert; Zeit- und Kostenersparnis kommen auch dem Arbeiter
zugute; die Prämie ist eine dauernde und kann während der Dauer
des Vertrages1) nicht gekürzt werden. Beim gewöhnlichen Akkord
wird eine Durchschnittsleistung einseitig und unkontrollierbar vom
Unternehmer kalkuliert/während bei dem Prämienlohnsystem in der
Regel eine Grundzeit für die zu leistende Arbeit vereinbart wird2).

Einige Prämienlohnsysteme3) sollen hier kurz; erklärt
werden.

a) Bei dem Halseyschen und Rowansehen Prämiensystem wird
für jede Arbeit eine Normalherstellungszeit — die Norm oder Grund-

r) Beim freien Arbeitsvertrag (Einzelvertrag) zwischen Arbeitgeber
und Arbeitnehmer stehen sich beide als Vertragschließende gegenüber und verein-
baren für den Einzelfall Akkord- oder Stundenlohn. Bei kollektiven Ar-
beitsverträgen sind Unternehmer und Arbeiter organisiert. Der Unternehmer
bzw. die Unternehmerorganisation verhandelt mit der Gesamtheit der Arbeiter.
Solche Tarifverträge setzen eine verhältnismäßig einfache Produktionstechnik
voraus, die eine Uniformierung der Arbeitsbedingungen erleichtert, a) Es sind
kollektive Bestimmungen für einzelne Unternehmungen; die Arbeiter verlangen
bei der Festsetzung der Akkordpreise die Mitwirkung einer von Arbeitern ge-
wählten Kommission (Vertrauensmänner) und die Aushängung der Listen der
Akkordpreise in deD Arbeitsräumen, b) Tarifgemeinschaften beruhen auf
kollektiven Vereinbarungen für bestimmte Berufe und auf der kollektiven Fest-
setzung einer Arbeitsordnung als Unterlage für die Einzelarbeitsverträge. Über
einzelne Fragen vgl. I m 1 e, Tarifverträge. Jena 1907; Selter, Über die Einführung
von Tarifverträgen in den Großbetrieben des Maschinenbaues und verwandter
Industrien. Berlin 1911; Herkner, Die Arbeiterfrage. 6. Aufl. Berlin 1916.

2)	Die Einführung von Prämienlöhnen ist praktisch fast ausschließlich von
der Stellungnahme der Arbeiterorganisationen abhängig.

3)	Wegen der Prämiensysteme vgl. das früher zitierte Werk von
Grimshaw (S. 72); dann: Preuß, Das Prämiensystem der Arbeiterlöhnung,
Zeitschr. des Vereins deutscher Ingenieure, 1903, S. 712 ff.; Schiller, Das
Prämiensystem der Lohnberechnung, ebenda, S. 1720 ff.; Möller, Eine Studien-
reise in den Vereinigten Staaten von Amerika, ebenda 1903,' S. 972 ff.; dann in
der gleichen Zeitschrift, S. 439, 440, 1472; Levin, Werkstättenbuchführung für
moderne Fabrikbetriebe, Berlin 1907, S. 11 f., 123 f. (Diagramme). Schwarze,
Das Lohnwesen in amerikanischen Eisenbahnwerkstätten, in: Glasers Annalen
für Gewerbe- und Bauwesen. 1910.
        <pb n="132" />
        ﻿124

zeit — festgesetzt, die dem Zeitverbrauch eines Durchschnitts-
arbeiters entspricht. Vollendet der Arbeiter die Arbeit in kürzerer
Zeit, so erhält er außer dem Stundenlohn für die aufgewendete Arbeits-
zeit von dem Zeitgewinn einen bestimmten Prozentsatz) als Prämie.
Braucht der Arbeiter länger, dann erhält er eben nur den Stunden-
lohn.

Nach dem Halseysehen Prämiensystem wird dem Arbeiter
in der Pegel die Hälfte desi Lohnes der eingesparten Zeit als Prämie
gewährt. Z. B. Eine Arbeit wird auf 90 Stunden ä 40 Pfg. Stunden-
lohn veranschlagt. Der Arbeiter braucht 70 Stunden, der Zeitlohn

hierfür (70 X 40) Mk. 28,—, die Prämie ——^ ^ = Mk. 4,—,

der Gesamtverdienst des Arbeiters Mk. 32,—, d. i. für die Arbeits-
stunde durchschnittlich 45,4 Pfg. Wie sich der Stundenverdienst
bei dem verschiedenen Zeitverbrauch stellt, zeigt die nachstehende
Tabelle, der zur ,Yergleiehung der Arbeitsverdienst beim Akkord-
system (Mk. 36,—) beigefügt ist:

	Halsey		sches	System		Akkord		
Ver-	Zeit-	Prämie	Ver-  dienst	Durch-  schnittl.	Steigerung  des	Durch-  schnittl.	Gesamt	Steigerung
braucht© Zeit iu Stunden	lohn		im	Stunden-	Stunden-	Stunden-		Stunden-
	Mk.	Mk.	ganzen  Mk.	lohn  Pfg.	lohnes in 7o	lohn  Pfg-	Mk.	lohnes  in °/o
90	36,—		36,-	40		40	36,-	
85	34,-	1,-	35,—	41,2	3	42,3	36,-	5
80	32,—	2,-	34,-	42,5	6‘A	45	36,-	12 V»
75	30,—	3-	33,—	44	10	48	36,-	20
70	28,-	4,—	32,-	45,6	14	51,4	36,-	28 V»
60	24,-	6,-	30,-	50	25	60	36,-	50

b) Nach dem Rowansehen Prämiensystem wird nicht ein
unveränderlicher Prämiensatz gewährt, sondern die gewonnene Zeit
wird in ein prozentuelles Yerhältnis zu der Normalherstellungszeit
gebracht und dieser Prozentsatz vom Grundlohn als Prämie bezahlt.
Z. B. dio vorerwähnte Arbeit, mit 90 Stunden ä 40 Pfg. veranschlagt,
wird in 72 Stunden vollendet. Der Arbeiter erhält: 72 ä 40 Pfg.
= Mk. 28,80; als Prämie den Zeitgewinn von (90:18) 20 o/o von
Mk. 28,80 = Mk. 5,76, zusammen Mk. 34,56, oder durchschnittlich
48 Pfg. stündlich1). Die folgende Tabelle ist nach den Bedingungen
der obenstehenden Tabelle berechnet.

') Zugleich Steigerung des durchschnittlichen Stundenlohnes.
        <pb n="133" />
        ﻿Verbrauchte  Zeit  Stunden	Zeitlohn  Mk.	Prä  in °/0 des Zeit- gewinns zur Norm	m i e  im ganzen  Mk.	Gesamt-  Verdienst  Mk.	Durchschnitt- licher Stunden- lohn  Pfg.
90	36,—			36,—	40,0
85	34-	5*/»	1,88 ■)	35,88	42,2
80	32,-	11V.	3,56	35,56	44,5
75	30,-	16’/s	5-	35,—	46,6
70	28,—	22»/9	6,22	34,22	48,9
60	24,-	33‘/3	8,—2)	32,-	53,3

Maßgebend für die Festsetzung der Prämie ist die Grundzeit,
die ihrerseits wieder von den Arbeitsmethoden abhängig ist. Setzt
man die Normalherstellungszoit niedrig an, so kann man höhere
Prämiensätze gewähren; deshalb darf ein Prämiensystem nicht aus-
schließlich nach dem Prozentsatz der Prämie beurteilt werden. Die
Arbeit selbst und die festgesetzte Normalzeit müssen berücksichtigt
werden.

Wenn ein Arbeiter mit geringerem Stundenlohn das gleiche ver-
dienen will wie ein Arbeiter mit höherem Stundenlohn, so muß er
nach dem Halseyschen und dem! Rowanschen System die gleiche
Arbeit in weit kürzerer Zeit fertigstellen. Oder es müßte ihm eine
längere Normalzeit oder ein höherer Prämiensatz gewährt werden.
Diese Begünstigung der Arbeiter mit höherem Stundenlohn durch
beide Systeme will das Roß sehe Prämiensystem beseitigen. Hier
wird für jedes Arbeitsstück ein Norinalherstellungs preis verein-
bart. Der Arbeiter erhält nur dann eine Prämie, wenn seine Lohn?
forderung (Produkt aus Stundenlohn und -zahl) kleiner ist als der
Normalherstellungspreis; als Prämie wird die Hälfte dieser Differenz
gewährt.

c)	Auch das von Korvettenkapitän Strohmeyer in der Staats-
werft zu Wilhelmshaven eingeführte System legt einen Jj^rmal-
herstellungs preis zugrunde. Die verbrauchte Zeit wird mit dem
vereinbarten Stundenlohn bezahlt; der Lohnsatz des Arbeiters wird
— als Prämie — umj so viel Prozente erhöht, als der gegen den
Normalherstellungspreis ersparte Lohn vom1 Normalpreis beträgt, d. h.
die Prämie wird nach dem Rowanschen System berechnet.

Z. B. eine Arbeit ist auf 60 Mk. veranschlagt (100 Stunden
Herstellungszeit), tatsächlich wurden 80 Stunden ä 60 Pfg. = Mk. 48
verbraucht. Der Unterschied zwischen dem; vereinbarten Preis und
dem verbrauchten Lohn (60—48) ist Mk. 12 — 20°/ol Somit beträgt

*) Der Zeitgewinn betrügt 5 Stunden ii 40 Pfg. = 200 Pfg., der Arbeiter
erhält als Prämie 188 Pfg. — 94 ‘/ö%&gt; des Lohngewinnes.

2) Zeitgewinn 80 Stunden — 12 Mk., Prämie 8 Mk. = 66 */3°/o des Gewinnes.
        <pb n="134" />
        ﻿126

die Prämie 20_°/o' von Mk. 48 = Mk. 9,60, der Gesamtverdienst des
Arbeiters Mk. 57,60 oder 72 Pfg. pro Stunde.

§ 25. Die Zeitprämie für vorzeitige Fertigstellung einer
Arbeit ist nur eine Form der Geldprämien, d. i. eine Ver-
gütung für besondere Leistung der Arbeiter, wodurch! dem Unter-
nehmer Ersparnisse erwachsen1). Solche Ersparnisse können erzielt
werden durch billige Produktion, geringen Verbrauch, Erzeugung
gröberer Mengen u. dgl. Demnach sind ziu unterscheiden: Mate-
rialersparnisprämien für sparsamen Materialverbrauch,
z. B. von Öl, Kohle, elektrischem Strom (Ölprämien der Maschinisten,
Stromprämien der Straßenbahner). Qualitätsprämien als Be-
lohnung für Aufmerksamkeit beim Arbeitsprozeß (beispielsweise beim!
Ausschmelzen der Erze) und überall da, wo die Ausbeute des Roh-
stoffes von der Aufmerksamkeit des Arbeiters abhängig ist. Quanti-
tät s- oder Produktionsprämien, beispielsweise die Förder-
prämien im Bergbau, d. i. eine Belohnung für Förderung größerer
Mengen: Es wird ein bestimmtes Förderquantum festgesetzt und
ein Plus prämiiert. Auch in Zeiten guter Konjunktur erhalten Berg-
arbeiter solche Produktionsprämien, um sie zu größerer Arbeits-
intensität anzuspornen. In der Konfektions- und Schuhwarenindustri©
erhalten die Zuschneider von einer bestimmten Zahl zugeschnittener
Stücke einen erhöhten Akkordsatz. Auch die im Kohlenbergbau
übliche Selbst kosten prämie ist eine Produktionsprämie: Für
die Tonne Kohle wird ein bestimmter Selbstkostenpreis festgesetzt;
gelingt es dem Steiger, die Förderkosten niedriger zu halten, erhält
er den Unterschied als Prämie. Auch findet man in Betrieben, die die
Nachteile des Stundenlohns ohne Änderung des Lohnsystems be-
seitigen wollen, Fleiß prämien in der Form höherer Lohnskalen
für geschickte Arbeiter. Endlich werden Prämien für Vorschläge
zur Verbesserung von Werkzeugen, Arbeitsmethoden und Maschinen
gezahtt»

§ 26. Die Gewinnbeteiligung des Arbeiters — von
Engel 1867 als die Lösung der sozialen Frage bezeichnet — hat
trotz ausgiebiger literarischer Behandlung2) wenig praktische Er-

') Im Kriege wurden der Privatindustrie, also dem Unternehmer neben
Preiszuschlägen für Einarbeitung bei Erzeugung neu aufgenommeuer Artikel,
für Sonderabschreibungen auf Beschaffung besonderer Einrichtungen, für
Material- und Lohnsteigerung (Teuerungszuschläge) auch Quantitäts-
prämien für Lieferungen über eine Mindestmenge bzw. bei Erreichung dieser
Grenze gewährt.

2) Z. B. Freese, Die konstitutionelle Fabrik. Berlin 1909; Bernhard,
a. a. 0. S. 225f. Selter, Zusammenstellung der wichtigsten Lohn- und Ertrags-
beteiligungsformen. (Berlin NW 7. Verein deutscher Ingenieure).
        <pb n="135" />
        ﻿folge gehabt. Die Arbeiter sollen am Mehrwert, am Produktions-
Überschuß beteiligt werden. Diese Methode scheint nur dann an-
wendbar zu sein, wenn ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen
Fabrikationsgewinn und Arbeitsleistung des Einzelarbeiters klar er-
sichtlich ist. Betriebsgewinne entstehen aber auch durch andere
Ursachen, beispielsweise durch gute Konjunktur, durch Arbeits-
teilung, durch gute kaufmännische und technische Leitung, gute
Konstruktionen, Zufälligkeiten, .Verbesserung der Arbeitsmethoden
u. a. jn., Ursachen, auf die die Arbeiter keinen Einfluß haben. Bücher-
einsicht, Kenntnis und Feststellung der Bewertungsgrundsätze für
die Bilanz (wegen der Abschreibungen und der Bestände), genaue
Selbstbostenberechnung und manches andere ist Voraussetzung für
die gerechte Durchführung der Gewinnbeteiligung.

Gratifikationen finden sich auch sonst in Fäbrikbetrieben.
Die Meister, die einen großen Einfluß auf Qualität und Quantität
der Gesamtleistung des Betriebes durch rationelle Arbeitseinteilung
und scharfe Kontrolle etc. haben, erhalten je nach ihrem Dienstalter,
ihren Fähigkeiten und dem Geschäftsergebnisse in manchen Unter-
nehmungen einen Lohn- bzw. Gehaltszuschuß. Der Meister soll am
Verdienst der Unternehmung, nicht am Verdienst der Arbeiter durch
Tantiemen oder Prämien beteiligt werden, wie dies in manchen
Betrieben eingeführt ist: suum cuique!

Löhnvcrrechnung und -Verwaltung.

§ 27. Man pflegt in bezug auf die Kalkulation technischer Be-
triebe gewöhnlich von produktiver und nichtproduktiver Arbeit zu
sprechen, eine Unterscheidung, die sachlich nicht ganz zutreffend
ist; schließlich ist jede Arbeit produktiv. Die produktive Arbeit,
richtiger direkte Arbeit, ist jene, die ausschließlich zur Erzeugung
eines Produktes aufgewendet wird. Die nichtproduktiven indirekten
Arbeiten sind allgemeine Leistungen, die nicht einem Einzelprodukt
angerechnet werden können, dessen Wert nur mittelbar erhöhen.

Für die Kalkulation müssen unterschieden werden (vgl. S. 72):

1.	Fabrikationslöhne (produktive, werbende oder direkte
Löhne), welche für das einzelne Arbeitsstück bzw. für die Produktions-
einheit (Tonne, Kilogramm, Meter) unmittelbar bestimmbar sind.

2.	Unkostenlöhne, nichtproduktive, indirekte oder Be-
trieb s 1 ö h n e, d. s. Löhne für allgemeine Betriebsarbeiten, welche
den allgemeinen Unkosten zugereeb.net werden müssen; z. B. auch
der Lohnausfall während der Inventur oder der gesetzlichen Feier-
tage, der den Arbeitern vergütet wird. Dann: Löhne für Trans-
port, Versand, Materialprüfung, Werkzeugeinsteller, Transmissions-
Schmierer, Aufzugbedienung, Kohlenschieber, Motor- und Turbinen-
wärter, Kontrolle, Werkstattschreiber u. a.
        <pb n="136" />
        ﻿

3.	Loh nunkosten, Lohnzusatz kosten, welche die
Arbeitskosten mittelbar oder unmittelbar erhöhen1). Hierher sind
zu rechnen: Versicherungsbei träge, Arbeiter Versicherung, Beiträge
zu Berufsgenossenschaften, Naturalleistungen an die Arbeiter (wie
Kleider- und Getränkelieferungen), Teuerungszulagen, Kosten der
Wohlfahrtseinrichtungen und der Lehrlingsausbildung (Schulen,
Lehrwerkstätten), Kosthaus- und Kleiderzuschüsse, Anzeige- und
Reisekosten für das Anwerben von Arbeitern, die Kosten des Lohn-
bureaus u. ä. Die kalkulatorische Behandlung der Lohnzusatzkosten
ist verschieden. In der Regel werden sie wie die Unkostenlöhne mit
den allgemeinen Unkosten (Betriebsunkosten) verrechnet. Richtig
ist es, jene Ausgaben, welche die werbenden Löhne unmittelbar er-
höhen und sich als solche unmittelbare Arbeitsverteuerung berechnen
lassen, direkt den Fabrikationslöhnen zuzurechnen, beispielsweise
Arbeiter - Versicherungsbeiträge; Uberstundenaufschlag; Löhne für
Hilfs- und Nebenarbeiten, die häufig als Lohnunkosten verrechnet
und durch einen allgemeinen Aufschlag auf die Arbeitslöhne ihre
Deckung finden sollen.

Es kann zweckmäßig erscheinen, die Löhne jener Arbeiter, die
in den Werkstätten selbst unproduktiv] (im kalkulatorischen Sinne)
arbeiten, gesondert von den übrigen durch Lohnzuschläge zu
deckenden Unkostenlöhnen zu verrechnen.

§ 28. Die Tätigkeit der Lohnverwaltung erstreckt sich
auf die Feststellung des Geld- und Zeitverbrauchs für eine
bestimmte Arbeit, .Verteilung, d. h. Verrechnung und Zusammen-
stellung der Arbeitskosten für die Person des Arbeiters, für den
einzelnen Arbeitsprozeß, für den einzelnen Auftrag bzw. das einzelne
Arbeitsstück oder für die Mengeneinheit, Trennung der Arbeits-
löhne in Fäbrikations- und Unkostenlöhne, Verbuchung.

Die für eine Fabrikation aufgewendete Arbeit erfordert genaue
Aufzeichnung hinsichtlich der Zeit, die der Unternehmer von dem
Arbeiter erhält. Die genaue, klare und zuverlässige Berechnung der
Löhne, d. h. der Arbeitskosten, ist notwendig, um Streitigkeiten,
Unzufriedenheit und Täuschungen zu vermeiden, behufs richtiger
Bezahlung der Arbeit und richtiger Berechnung und Verteilung der
Selbstkosten. Die Lohnverrechnung soll einfach sein, um jederzeit
eine schnelle Nachprüfung der einzelnen Positionen zu ermöglichen.
Jede Nachlässigkeit, jeder Fehler, jede Unterbrechung in der scharfen
Kontrolle kostet bares Geld.

’) Im Kriegsjahr 1917 z. B.: Überstunden 25°/o, Nachtarbeit 25*/o, Sonn-
tagsarbeit 50°/o Zuschlag auf die Arbeitslöhne. Kriegszuschlag für auswärtige
Arbeiter, für Eisenbahnfahrt. Lieferung von Nahrungsmittel weit unter An-
schaffungspreis.
        <pb n="137" />
        ﻿129

Die Arbeitskontrolle ist eine dreifache. 1. Der Arbeiter
wird kontrolliert, ob er sich während der durch die Arbeitsordnung
vorgeschriebenen Arbeitszeit im Arbeitsraum aufgehalten hat, wann
er kommt, ob er zu spät kommt, wann er geht ( Anwesenheits-
kontrolle). Die Anfangszeiten der täglichen Arbeitszeit verstehen
sich für die einzelnen Arbeitsstellen innerhalb der Fabrik, in arbeits-
fertiger Kleidung. Für Beginn und Ende der Arbeitszeit ist die
Fabrikuhr maßgebend. 2. Überdies wird der Arbeiter kontrolliert,
ob er die verlangte Mindesfarbeitsmenge geleistet hat (Arbeitstempo-
und Quantitätskontrolle). 3. Endlich wird auch die Qualität
der geleisteten Arbeit geprüft (Qualitätskontrolle).

Die Zeit- oder Anwesenheitskontrolle1) wird nach
verschiedenen Systemen gehandhabt. a) Pförtner liste. Der
Pförtner notiert die Namen der Arbeiter, die zu spät kommen oder
zu früh gehen. Dieses veraltete, nur für kleine Betriebe mit geringer
Arbeiterzahl passende System, dessen Anwendung von der Zuver-
lässigkeit und Unparteilichkeit des Portiers abhängig ist, wird
ersetzt durch b) die M a r k e n kontrolle. Die numerierten Blech-
marken werden beim Eintritt in die Fabrik von dem Markenbrett
des Portiers abgenommen, in einem1 verschließbaren Markenkasten
oder Markenschrank in der Werkstatt auf gehängt und beim Ver-
lassen der Fabrik wieder abgegeben. Diese doppelte Kontrolle durch
Portier und Werkmeister kann nach verschiedenen Richtungen hin
wirksamer ausgebaut werden. Bei den Systemen a) und b) wird
die Arbeitszeit vom Lohnschreiber berechnet. Am zweckmäßigsten
erfolgt die Zeitkontrolle c) durch mechanischeKontrollvor-
richtungen. Der Arbeiter hat bei Beginn der Arbeit und beim
Verlassen der Fabrik am Kontrollapparat mit einem Nummern-
schlüssel zu schließen. Der Schlüssel hängt am Schlüsselbrett und
darf nur zum Zwecke des Sehließens entnommen werden. Oder die
Kontrolle erfolgt durch Zeitstempelung mit Kontroll- und Stechuhren,
Kartenkontrollapparaten. Der Zeitstempel wird automatisch auf Lohn-
zettel, auf Wochenkarten oder Kontrallstreifen auf gedruckt, die
Arbeitszeit vom ’ Arbeiter somit selbst bestimmt. Im Lohnbureau
werden die Zeitangaben in Arbeitsstunden umgerechnet. In Berg-
werken und anderen Betrieben verwendet man d) die B u c h kontrolle.
Die Namen der anfahrenden Arbeiter werden verlesen oder vor der
Einfahrt und nach der Ausfahrt am Schalter des Kontrollzimmers
vom Arbeiter angesagt und ein entsprechender Vermerk im Schichten-
buch gemacht.

') Ausführlicher bei Grimshaw; für die Bergbaubetriebe vgl. Zeitschr.
t handelsw. Forschung, V. Jahrg., S. 20 f., S. 337 f. Woldt, Der industrielle
Großbetrieb, Stuttgart 1911 (J. H. W. Dietz Nachf.). S. 23f. Vgl. auch mein
Buch: Die Kontrolle in privaten Unternehmungen, Frankfurt a. M., 1920.
leitner, Selbstkostenberechnung. 7. Attfl.	9
        <pb n="138" />
        ﻿130

Die Q uantitätsko n trolle, d. i. die Kontrolle der Arbeits-
leistung, ist in einzelnen Betrieben sehr einfach: Messen, wiegen
(Bergbau), zählen (Textilindustrie durch Zähluhren an den Web-
stühlen). In Unternehmungen mit zerlegenden Arbeitsmethoden be-
darf es komplizierter, mechanischer Kontrollmittel feinster Konstruk-
tion, Registriervorrichtungen (Zählwerk in Verbindung mit Schreib-
werk), welche die Arbeit auf den Arbeitsmaschinen (Leerlauf, Unter-
brechung, Arbeitszeit) kontrollieren. Diese automatische Arbeits-
tempokontrolle erleichtert die Aufstellung neuer Akkordtarife.
Leistungen und Zeitaufwand für das einzelne Arbeitsstück und den
einzelnen Arbeitsvorgang werden auch in den Formularen der Be-
triebsbuchführung verzeichnet, die als Grundlage für die Kalku-
lation und Lohnberechnung dienen.

Die Qualitätskontrolle wird durch besondere Organe
während der Arbeit oder nach Fertigstellung ausgeübt. Eine länger
dauernde Zirkulation des Rohstoffes bis zur Fertigstellung des Fabri-
kates macht stets eine wirksame Zwisehenkontrolle notwendig.

Beginn und Ende des Arbeitstages werden gewöhnlich beim
Eintritt in die Fabrik und bei deren Vierlassen fixiert. Diese Zeit-
angaben sind in vielen Fällen nicht ganz zutreffend. Durch örtliche
Entfernung der Arbeitsstätte vom Eingangstor der Fabrik wird der
Beginn der Arbeitszeit hinausgeschoben1).

Die Berechnung der Löhne für den einzelnen Arbeiter
erfolgt nach Stunden (Zeit- oder Akkordlöhne) auf Arbeiter- bzw.
Akkordzetteln, Lohnabrechnungszetteln, die Verrechnung und Ver-
teilung der Löhne auf einzelne Betriebsabteilungen und die einzelnen
Aufträge hingegen in den Lohnbüchern, Lohnabreehnungs-, Lohn-
zahlungs- und Lohnverteilungsbüchern 2).

Schwieriger ist die Verteilung der Löhne auf einzelne

*) Man hat die Zeit- und Geldverluste, die dadurch entstehen, sehr kraß
geschildert. Angenommen, es kommen 200 Arbeiter 3 Minuten später an die
Arbeitsstätte; das macht täglich 10 Arbeitsstunden Verlust, zu 60 Pfg. ergibt
einen täglichen Geldverlust von Mk. 6,—; bei jährlich 300 Arbeitstagen
Mk. 1800,—; bei 1000 Arbeitern Mk. 9000,— Verlust! Tatsächlich liegen die
Verhältnisse zumeist günstiger. Mehrfache Erhebungen in dieser Richtung haben
ergeben, daß die Arbeiter regelmäßig eine Zeit vor Beginn der offiziellen Arbeits-
zeit im Arbeitsraum anwesend sind. Die Erhebung von Geldstrafen für Arbeiter,
die nach dem Glockenzeichen die Fabrik betreten, ist billiger als die Anschaf-
fung von Kontrolluhren für die Eingänge zur Arbeitsstelle.

In manchen Fabriken betreten die Arbeiter den Arbeitsraum durch einen
Wasch- und Ankleideraum; von da begeben sie sich zur Arbeitsstelle, woselbst
die Zeitkarten abgestempelt werden. Beim Verlassen der Arbeitsstelle findet
das umgekehrte Verfahren statt.

2) Über die Lohnverrechnung in Maschinenfabriken vergleiche Schlesinger,
Selbstkosten, S. 35—49; Lewin, Werkstattbuchführung, S, 34—88; vgl.
auch S. 72.
        <pb n="139" />
        ﻿Kommissionsnummern; sie kann wirksam durch ein gutes System von
Arbeitszetteln vorbereitet werden. Es sind verschiedene Systeme im
Gebrauch, mehr oder weniger verläßlich, mehr oder weniger kompli-
ziert. Für die innere Einrichtung der Lohnverteilung und deren
Unterlagen ist selbstverständlich die Art des Betriebes maßgebend.

a) Die Arbeitszettel können alle Arbeiten verzeichnen, die ein
Arbeiter während der Arbeitszeit verrichtet. Der Arbeiter trägt die
für eine bestimmte Leistung verbrauchte Zeit unter Kontrolle des
Werkmeisters ein. Die Art der Arbeit ist anzugeben; ungewöhnliche
Arbeitszeit (Nacht- oder Überstunden) wird besonders vermerkt. Die
eigenhändige Eintragung der Arbeitszeit durch den Arbeiter schließt
die Gefahr der nachträglichen Fälschung in sich. Empfehlenswert
ist es, die Zeit automatisch aufzustempeln oder die Zettel in einen
Kasten werfen zu lassen.

Die Arbeitszettel der einzelnen Werkstätten unterscheiden sich
durch Färbe, durch Aufdruck der Abteilung oder ähnliches von-
einander. Sie enthalten: Angabe der Kommissionsnummer, Abteilung,
Bezeichnung der Arbeit, Anzahl der Arbeitsstunden, Kolonnen für
die Abrechnung, Lohnzettel, Akkord, Vorschuß usw. Die ausgefüllten
Zettel werden dem Werkmeister am Ende der Zahlwoche übergeben,
der die Richtigkeit der Eintragungen prüft und bestätigt. Das Lohn-
bureau vergleicht die Aufzeichnungen des Arbeiters mit der Stunden-
kontrolle, überträgt die Ergebnisse der Zettel in ein Lohnabrechnungs-
buch, das den Namen der Arbeiter, Lohnsatz, Lohnsumme für jeden
einzelnen Arbeiter unter Anrechnung aller Abzüge für Zwangs-
versicherung, Pensionskassen, Vorschüsse, Strafen, verdorbenes Mate-
rial, Fehlarbeit usw. enthalten. Die Schlußsummen des Abrechnungs-
buches geben die Gesamtsumme einer Lohnperiode des ganzen Be-
triebes an; die ausgezahlten Löhne werden für jede Betriebsabteilung
zusammengestellt. Die Zusammenstellung der verausgabten Löhne
auf die einzelnen Kommissionsnummern erfolgt, sofern eine derartige
Verteilung notwendig ist, auf besonderen Bogen und in Lohnauszugs-
büchern. Für jede Kommissionsnummer wird ein besonderer Bogen
angelegt.

Das eben beschriebene Verfahren gibt eine Übersicht über die
Entlohnung des einzelnen Arbeiters, die Lohnsummen jeder einzelnen
Betriebswerkstätte, eventl. die Lohnaufwendungen für jeden einzelnen
Auftrag. Um die Lohnkosten einer jeden Art von Arbeit festzustellen
(z. B. Hobeln, Fräsen, Bohren, Walzen, Ziehen etc.) ist ein Auszug
aus den Lohnabrechnungen in dieser Beziehung anzufertigen1).

') In Nr. 2 von 1904 der Zeiischr. des Vereins deutscher Ingenieure wird
ein bei Löwe u. Co., A.-G. Berlin, eingeführtes Verfahren angegeben, das die
Arbeit des Verteilens nach den angegebenen Gesichtspunkten erleichtern soll.
Auch Grimshaw gibt eine große Zahl von Formularen zu gleichem Zwecke.

9*
        <pb n="140" />
        ﻿132

b)	Nach dem Verfahren unter a) wird für jeden Arbeiter ein
Abrechnungszettel für die gesamte von ihm geleistete Arbeitszeit
während einer Lohnperiode angelegt. Doch kann man dem Arbeiter
auch für j e d e B e s t e 11 u n g s n u m m e r Arbeiterzettel aushändigen.
Arbeitet er an mehreren Bestellungen, so hat der Arbeiter ebensoviel
Arbeiterzettel, um dort den Zeitverbraueli einzutragen bzw. durch
mechanische Vorrichtungen eintragen zu lassen. Auch hier ist die
Angabe des Arbeitsvorganges notwendig.

c)	Schließlich kann man auch für jedes Arbeitsstück Begleit-
karten anfertigen lassen, ohne die keine Arbeit übernommen werden
darf. Auf der Begleitkarte wird der Zeitverbrauch der Arbeit ver-
merkt.

Die Verteilung der Arbeitskosten für das einzelne Stück wird
dem Arbeiter überlassen und von einem Aufsichtsorgan kontrolliert
oder das Aufsichtsorgan selbst führt entsprechende Aufzeichnungen.
Ein Normalsystem für alle Betriebe läßt sich nicht aufstellen. Jedes
System hat Vorzüge und Nachteil^. Einige Überlegung, mehr noch
ausreichende Erfahrung wird den richtigen Weg finden lassen,
der den früher erwähnten Anforderungen an ein brauchbares Lohn-
system gerecht wird. Eines ist noch zu bemerken: der Werkmeister
soll nicht Schreiber, nicht Bureaubeamter, sondern Werkstattbeamter
sein. Er ist deshalb von allen schriftlichen Arbeiten möglichst zu
entlasten, um seiner Aufsichtspflicht voll genügen zu können.

Die Gliederung der Lohnverrechnung, von der Ver-
teilung auf die Betriebsabteilungen und Aufträge abgesehen, nach
der Art der geleisteten Arbeit richtet sich nach den besonderen Be-
dürfnissen des Betriebes. Dem einen Betrieb genügt die Unter-
scheidung zwischen direkten und indirekten Löhnen. Oder man
trennt die Arbeitslöhne in solche für die Hauptarbeit (werbende
Löhne), für Hilfs- und Nebenarbeiten (Nebenlöhne, z. B. Transport,
Bedienung) und für nicht produktive Arbeiten. Andere Betriebe
trennen die Lohnverrechnung nach der Gattung der geleisteten
Arbeit, z. B. Maschinenfabriken: Löhne für Modellschreiner,
Tischler, Schlosser, Dreher, Hobler, Fräser, Stoßer, Bohrer, Schmiede
und Hilfsarbeiter. Eisengießereien: Löhne für Former, Gießer,
Sandmacher, Kernmacher, Bedienung des Ofens, Handlanger. In der
Textilindustrie: Löhne für das Sortieren, Waschen, Karboni-
sieren, Trocknen und Färben der Wolle; Spinnen, Zwirnen der
Garne; Scheren, Leimen, Trocknen, Aufbäumen und Anknüpfen der
Kette; Weben, Stopfen, Appretieren, Färben der Waren. In einer
Unternehmung der Metallwarenbranche finden wir folgende Grup-
pierung: Löhne für Arbeiten auf Lager, für solche auf Bestellung;
Betriebslöhne für die eigene Abteilung (Reparaturen, Einrichtungen,
Modelle, Versuche), Löhne für andere Betriebsabteilungen. Andere
        <pb n="141" />
        ﻿133

Beispiele gelten die später folgenden Formulare der Unkostenver-
reehnung.

Im allgemeinen kann gesagt werden: W:o bei der Erzeu-
gung eines Produktes die Arbeit vorwiegend dessen
Wert bestimmt, oder Arbeitsmaschinen. die Zer-
gliederung eines Arbeitsprozesses in seine Ele-
mente bedingen, ist die Lohnverrechnung weit-
gehend zu zergliedern. Wo jedoch das Material vorwiegend
den Preis bestimmt, die Arbeit zurücktritt, z. B. infolge besonderer
Einrichtungen, ist eine summarische Lohnverrechnung angängig,
jedoch die Materialverrechnung zu spezialisieren.

In einzelnen Betrieben scheidet man die Hauptarbeit von der
Nebenarbeit. Der Begriff der Nebenarbeit läßt sich auf die Gesamt-
heit der Fabrikation oder auf die einzelnen Arbeitsphasen beziehen.
So ist das Walzen in Walzwerken die Hauptarbeit, Glühen (An-
wärmen) und Beizen sind dagegen Nebenarbeiten der Fabrikation
(Vor- und Nacharbeiten). Faßt man einen bestimmten Arbeitsprozeß
an sich ins Auge, so sind auch hier Nebenarbeit und Hauptarbeit
zu unterscheiden; z. B. beim Bohren eines Lokomotivzylinders ist
das Bohren die Hauptarbeit, Einstellen und Entfernen des Arbeits-
stückes hingegen Nebenarbeiten dieses Prozesses. Unter Umständen
kann es notwendig sein, den Zeitaufwand für die Nebenarbeit bei
der Bearbeitung eines Gegenstandes festzustellen. (Vgl. S. 118 f.)

Bei der Erzeugung von Massen gleichförmiger Fabrikate kann
die Verteilung der Löhne einer Werkstätte Schwierigkeiten be-
reiten. Ist es nicht möglich, die Lohnaufwendungen einer Betriebs-
abteilung für die einzelnen Massenartikel während einer Lohn- oder
Abrechnungsperiode getrennt zu notieren, dann muß die Verteilung,
auf die einzelnen Massenfabrikate im Verhältnis der verbrauchten
Arbeitskraft und Arbeitsmenge auf Grund empirisch ermittelter Ver-
hältniszahlen oder Prozentsätze vorgenommen werden. Die Be-
stimmung der Verteilungsverhältnisse ist Sache des Betriebsleiters,-
der die Arbeitsaufwendungen am besten beurteilen kann.

Beispiel: In einer Drahtzieherei werden Mk. 6259,21 für
Löhne verausgabt. Die Produktion beträgt:

Durch-	Abfall

messer	(Schrot)	Einheiten

Draht über 3 mm 3132 kg, 439 kg = 3571 kg zusammen, das sind 3571

» von	3-1,5 „	3084 „ 1120 „ =	4204 „		„	„	7567
	1,5-0,5 „	2615 „ 1579 „ =	4194 „	&gt;&gt;	„	„ 11533
„ unter	0,5 „	2254 „ 1891 „ =	4145 „	5»	„	„	18653
	Sa.	11085 kg, 5029 kg =	16114 kg		41324

Die Löhne werden im Verhältnis von 100:180:275:450 ver-
teilt. Demnach werden der Rechnung folgende Verteilungszahlen
        <pb n="142" />
        ﻿134

zugrunde gelegt: 3571, 7567 (d. i. 4204mal 1,80), 11533, 18 653.
Auf 41 324 Einheiten entfallen Mk. 6259,21; somit auf Dimensionen
1: Mk. 540,90, 2: Mk. 1146,17, 3: Mk. 1746,91, 4: Mk. 2825,23.

Das Lohnbureau stellt für einzelne Arbeiter in einzelnen Lohn-
perioden die auszuzahlenden Löhne fest auf Grund der Zeitkon-
trolle. Die effektiven Löhne des Arbeiters werden durch Abzüge
verschiedener Art (Versicherungsbeiträge, Lohn Vorschüsse, Straf-
gelder, Miete etc.) verringert (auszuzahlende Löhne). Die Lohn-
berechnungsperioden sind acht- oder vierzehntägig, auch monatlich
mit wöchentlichen Vorschußzahlungen. Die Lohnauszahlung
erfolgt einige Tage später, wo es angeht, nicht am Sonnabend. Der
Unternehmer bleibt also stets für einige Tage Löhne rückständig
(in den Bilanzen werden diese rückständigen Leistungen als Lohn-
schulden, fälschlich als „Lohnreserven“ bezeichnet). Die Lohn-
beträge, in papierenen Lohnbeuteln mit Abrechnung, in Lohnbüchsen
oder sonstwie verschlossen, werden vom Arbeiter an der Zentral-
stelle abgeholt oder durch Lohn- bzw. Betriebsbeamte während der
Arbeitszeit zugestellt. Die Geldbeträge sind sofort und vor den
Augen des Geldgebenden nachzuzählen. Wichtig ist die Regelung
der Reklamationsfrist wegen falscher Berechnung der Lohn-
beträge. In einem Betriebe wurde folgendes Verfahren beobachtet:
Einen Tag vor der Auszahlung werden durch den Werkmeister allen
Arbeitern Abrechnungszettel zugestellt, die die Summe angeben, die
er am Auszahlungstag zu erwarten hat. Die Reklamationsfrist ist
auf einen Tag beschränkt.

Sonderkosten.

§ 29. Wir verstehen unter Sonderkosten Ausgaben für besondere
Leistungen, die der Fabrikant für einen bestimmten Auftrag bewirkt
oder von anderen bewirken läßt; z. B. in vielen Fällen die aus-
wärtigen Montagekosten, Transportkosten bis zur Ablieferungsstelle,
Zölle; dann Ausgaben für Vorversuche, Modelle, Herstellung von
besonderen Werkzeugen oder Arbeitseinrichtungen, kurz Kosten der
Vorbereitungsarbeiten. Zu den Sonderkosten eines Fabrikates sind
theoretisch auch die Ausgaben für Probestücke, Entwürfe, die An-
fertigungskosten für besondere Modelle und Werkzeuge zu rechnen,
soweit sie nur für die betreffende Arbeit notwendig waren und
fernerhin in der Fabrikation keine Verwendung finden. Im prak-
tischen Geschäftsleben wird allerdings sehr darüber geklagt, daß der
Besteller die besonderen Unkosten, die die Berücksichtigung seiner
Sonderwünsche mit sich bringt, ungern oder gar nicht bezahlt.
Inwieweit solche Sonderausgaben ganz oder teilweise dem Auftrag-
geber angerechnet werden können, entscheiden das Gewohnheits-

\
        <pb n="143" />
        ﻿135

recht und die Geschäftspolitik:. Der nicht anrechenbare Anteil wird
den Generalkosten zuzuschlagen sein. Jedenfalls soll man bestrebt
sein, möglichst Massenfabrikate zu erzeugen, um die vielfach unent-
behrlichen und für die deutsche Industrie so charakteristischen
Einzelanfertigung in ihrer Wirkung zu paralysieren. Aus dem
gleichen Grunde lassen sich die Bestrebungen der deutschen Ma-
schinenindustrie erklären, für die einzelnen Branchen gewisse
Normalien zu schaffenx).

Wenn ein Betrieb. einen neuen Artikel aufnimmt, so bedingt
die erstmalige Erzeugung des Gegenstandes Ausgaben, die im weiteren
Verlaufe der Fabrikation wegfallen, z. B. Ausgaben für die Her-
stellung besonderer Werkzeuge und Modelle, für Vorversuche und
Nacharbeiten, für Ersatzstücke, für wiederholte Umkonstruktionen
u. a. Die Unkosten werden deshalb in der ersten Zeit verhältnismäßig
größer sein. Späterhin soll man nicht ohne Nachprüfung diese
Kosten der ersten Anfertigung ohne weiteres anrechnen, da man
sonst zu teuer kalkuliert, teurer als die Konkurrenzunternehmen,
für die die erwähnten Vorkosten häufig nicht mehr in Frage kommen.
Diese „Sonderkosten“ der ersten Produktion sind möglichst rasch
abzuschreiben.

Beispiel einer Kalkulation mit Sonderkosten.

Materialien.............................25,45

Bearbeitungslöhne.....................22,10a)

Zuschlag 120 %........................ 26,52 (einschließl. Sicherheitszuschlag,

74,07	4,7"/,)

Werkzeuge.............................1,20 (Neuanschaffung f. ds. Fabrikat)

Ausschuß 17% ......................... 1,263)

76,53

— Schrot, Späne.......................—,10

76,43

Sonderabschreibung....................—,90 (33Vs°/0	der	Anlagekosten:

Produktionsmenge)

77,33

+ 15% Nutzen............................11,62

Listenpreis.............................88,95

') Vergl. Garbotz, Vereinheitlichung in der	Industrie,	Berlin	1920.

2)	Löhne laut Liste 25,85 Mk. für 117 Stück der Erzeugung, für 1 Stück 22,10 Mk.

3)	Hier ist nicht berücksichtigt, daß der Ausschuß während der Fabrikation
entsteht und deshalb nicht mit den vollen Bearbeitungskosten in Rechnung ge-
stellt werden soll. Dies wäre dann der Fall, wenn nach Fertigstellung'z. B. bei
der Abnahme und Kontrolle der fertigen Stücke Ausschuß entsteht.
        <pb n="144" />
        ﻿IT. Abschnitt.

Die allgemeinen Kosten (Unkosten).

§ 30. Durch den Betrieb einer Unternehmung entstehen Kosten,
welche für die Betriebsfähigkeit, für die Leitung im Interesse der
Unternehmung als Ganzes verausgabt werden, die nicht eine einzelne
Ware treffen und bei denen nicht ohne weiteres festzustellen ist,
wieviel auf die einzelnen Fabrikate entfallen. Es sind Ausgaben und
Leistungen, die bei der Einzelkalkulation nicht unmittelbar in
Eechnung gestellt werden können oder gewohnheitsmäßig nicht an-
gerechnet werden. Dazu gehören z. B.:

1.	Fabrikationsunkosten (Betriebsunkosten): Sie
entstehen mittelbar durch die Erzeugung. Manche davon sind mehr
oder weniger von der größeren oder geringeren Beschäftigung des
Betriebes abhängig. Hierher gehören: iVerbrauch (Material und
Löhne) an Brennstoffen und Kraft, Beleuchtung und Heizung des
Betriebes, Wasserverbrauch, allgemeines Betriebsmaterial (Werk-
zeuge wie: Feilen, Hämmer; Putzwolle, Schmieröl, Farben, Bohröl,
Packmaterial und ähnliches). Transport, Materialprüfung, Kosten
der Instandhaltung der Gebäude, der Anlagen, Maschinen, Geräte und
Werkzeuge, .Modelle, Modellkosten. (Indirekte) Löhne (Betriebs-
löhne) für Heizer, Taglöhner, Laufburschen usw. Beiträge für die
Invaliditäts-, Kranken-, Alters-, Unfall-Versicherung; Ausgaben für
Wohlfahrtseinrichtungen, die Kosten besonderer Betriebseinrich-
tungen wie Fabrikfeuerwehr, Wasser- und Gaswerk, Rollbahn, Fuhr-
werk. Gehälter und Löhne der Aufseher, Werkmeister, Pförtner,
Nachtwächter.

2.	Die allgemeinen .Verwaltungskosten (Kosten des
Gesamtbetriebes).

a)	Die Betriebsverwaltung: Gehälter, Tantiemen, Grati-
fikationen und persönliche Zulagen der technischen Beamten;
Miete, Kosten der Magazinsverwaltung.

b)	Die kaufmännische Verwaltung (Handlungsunkosten);
Gehälter, Tantiemen usw. der kaufmännischen Beamten (Ein-
kauf, Verkauf, Buchhaltung, Lohnkasse etc.) und der Ge-
        <pb n="145" />
        ﻿137

schäftsleitung; Kosten des Bureaus, der Beidame und aller
der Empfehlung des Geschäftes und seiner Erzeugnisse
dienenden Unternehmungen, wie Preislisten, Prospekte, Kata-
loge: Porti, Telegramme, Telephon; Gehälter der Beisenden,
Beisespesen; Verpackung; Kosten der Niederlage und aus-

■ wärtigen Lager.

c)	Die Kosten der Geldbeschaffung: Passivzinsen (Konto-
korrent, Hypotheken, Obligationen).

d)	Gebühren und Steuern: Patent-, Marken- und Muster-
schutz-, Lizenzgebühren; Gebühren für den Bechtsanwalt, für
Sachverständige; für Analysen, für synthetische Arbeiten,
mikroskopische, bakteriologische Untersuchungen durch In-
stitute; Stempel; Prozeßkosten; Zeitungsabonnements; Ver-
sicherungs-Prämien (Haftpflicht, Unfall, Transport), Steuern
samt Nebengebühren.

3.	Abschreibungen und Verzinsung (Kapitalkosten
§§ 5, 53 ff.): Abschreibungen auf Fabrik- und Verwaltungsgebäude,
Maschinen, Modelle und Anlagen. Zinsen auf das Anlage- und Be-
triebskapital.

4.	Besondere Verkaufsspesen: Verkaufs- und Umsatz-
Provision an Agenten, Kommissionäre und Vertreter; Skonti, Babatte;
Verluste an Außenständen.

Das Wort „Unkosten“ ist im kaufmännischen Sprachgebrauch
bzw. in der Verrechnungstechnik ein Ausdruck für eine ganze
Gruppe von Ausgaben und Verlusten, ohne daß man imstande ist,
eine für alle Verhältnisse passende feste Abgrenzung zu geben1).
„Die Unkosten des Geschäfts sind zu groß“, jenes Geschäft „verdient
noch nicht die Unkosten“ und ähnliche Ausdrücke werden tag-
täglich gebraucht (vgl. S. 8). Die Unkosten stehen im Gegensatz
zu den Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten, obgleich auch in
diesen beiden Werten Unkosten enthalten sind.

Unternehmungskosten sind die gesamten Aufwendungen einer
Unternehmung, sind „Erwerbskosten“, d. h. Ausgaben und Verluste
zur Erzielung, Erhaltung und Sicherung eines Beinertrages. Die
Unternehmungskosten gewerblicher Betriebe zerfallen in Erzeu-
gungskosten (d. s. Kosten der Bohstoffe, der Bearbeitung, Ver-
arbeitung, Umwandlung oder Gewinnung bi9 zur Verkaufsfähigkeit
der Produkte), Vertriebskosten (Kosten des Verkaufs und der
Verkaufsbereitschaft) und allgemeine Unkosten, die durch
den Bestand, Betrieb, die Erhaltung und Verwaltung der Unter-
nehmung als Ganzes entstehen. Diese allgemeinen Unkosten ge-

') Vgl. beispielsweise Leber, Selbstkostenberechnung von Gußstücken.
" ß; 17; Schlesinger, Selbstkostenberechnung im Maschinenbau. S. 80;
t-1 i 1 i e n t h a 1, a. a. 0. S. 26, 72; meine Privatwirtschaftslehre, S. 41 ff.
        <pb n="146" />
        ﻿hören teils zu den Erzeugungs-, teils zu den Vertriebskosten (Kosten
für die Produktions- und Verkaufsbereitschaft), teils zu keiner dieser
beiden Gruppen, z. B. Kosten der Statistik. Unter den Unkosten
sind solche, die nur entstehen, wenn an einer Produktionsstelle
Arbeit geleistet wird, z. B. Kraft, und andere, die von der Unter-
nehmung zu tragen sind, auch wenn nicht gearbeitet wird, z. B,
Sachversicherung, Steuern, ein Teil der Anlageabschreibungen.
Danach spricht man von Leistungs - und von Zeit kosten. Die
Unternehmungskosten sind in der Hauptsache organische Kosten,
ordentlicher Kapital verbrauch der Unternehmung, der durch den
Verkaufspreis gedeckt werden soll. Anorganische, außerordent-
liche Kosten stehen mit dem Betriebe in keinem ursächlichen Zu-
sammenhang, beispielsweise Elementarschäden, Unterschlagungen u. ä.
Sie sind aus dem Ertrag der Unternehmung zu decken.

Die Gruppierung der Unkosten in der Selbstkostenberechnung
der Einzelbetriebe und der einzelnen Industriezweige ist von der
Organisation der Kostenermittlung beeinflußt. Eine Schematisierung
ist unmöglich. Ein aufmerksamer Kritiker wird in vielen Fällen
belanglose oder bedeutende Fehler in der Verteilung der Unkosten
finden, beispielsweise: Im Maschinenbau kann zwischen Lohnun-
kosten, Materialunkosten und sonstigen Unkosten unterschieden
werden. Häufig werden Lohn- und Materialunkosten der Bequemlich-
keit halber zu den „sonstigen Unkosten“ geschlagen und gemeinsam
verrechnet. Reisekosten, die sich auf einen bestimmten Auftrag
beziehen, sind nicht Unkosten des Betriebes, sondern Kosten dieses
Auftrages. Die Kosten des technischen Bureaus werden unter den
Betriebsunkosten verrechnet, obgleich Offertzeichnungen und Kosten-
voranschläge für die nicht zur Ausführung gebrachten Offerten
zweifellos Vertriebskosten sind, und der Aufwand für einen be-
stimmten Auftrag jedoch zu den Selbstkosten dieses Auftrags ge-
hört. Die Gehälter der festbesoldeten Beamten sind entweder Werk-
statt- oder Abteilungskosten (Betriebsingenieur, Werkmeister, Werk-
stattschreiber) oder Unkosten der Fabrikation (technische Direktion,
Betriebsbureau, Baubureau) oder Unkosten des Vertriebes (Hand-
lungsreisender, Reiseingenieure) oder allgemeine Kosten der Verwal-
tung (Einkaufsbureau, Lohnbureau, Buchführung, Magazin).

Eine erschöpfende Übersicht und Abgrenzung lassen sich nicht
geben. Ebenso ist eine Einteilung nach anderen Gesichtspunkten
durchführbar. So kann man von konstanten, festen, unbe-
dingten Unkosten sprechen, die in ihrer absoluten Höhe vom Be-
schäftigungsgrad und Umsatz des Unternehmens unabhängig sind,
während des Betriebes innerhalb gewisser Grenzen sich nicht ändern,
wie z. B. die unveränderlichen Lasten des stehenden Kapitals (Ab-
schreibungen, Verzinsung, Versicherung), dann Verwaltungskosten,
        <pb n="147" />
        ﻿— 139 —

Miete u. a. Da die konstanten Unkosten unverändert bleiben, so
werden sie bei geringer Beschäftigung für das einzelne Fabrikat
bzw. die Produktionseinheit verhältnismäßig sich erhöhen und um-
gekehrt1). Ja in einzelnen Fällen werden die konstanten Kosten
zeitweilig einen Betriebsverlust bewirken können, z. B. wenn
Weihnachten ungünstig fällt (Donnerstag bis Sonntag), bei Betriebs-
störungen. Einzelne der Betriebs- und Yertriebsunkosten steigen
und fallen mit der größeren oder geringeren Beschäftigung des Be-
triebes, sind also von der jeweiligen Leistung des Betriebes ab-
hängig (Leistungskosten, veränderliche, bedingte Unkosten). Im Ver-
hältnis der Unkosten zur Produktionsmenge kann man somit zwischen
festen und veränderlichen Unkosten sprechen2). Die ver-
änderlichen können der Produktionsmenge proportional sein,
im Verhältnis zu dieser steigen oder fallen, z. B. Kraft, Verpackung;
oder sie steigen in geringerem Maße wie die Produktionsmenge (d e -
gressive Kosten). Schließlich kann die Zunahme der Unkosten
im Verhältnis zur Steigerung der Produktionsmenge größer sein
(progressive Kosten)3).

Den Einfluß der Produktionsmenge auf den Größenanteil an den
festen Kosten läßt das folgende Beispiel deutlich erkennen:
(Spalte 6 und 9.)

Datura	Ge-  gossene  Stück	Lohne für ein Stück  Pfe.	Herstel-  lungs-  Kosten  eines  Stückes  Pfg.	Konstante Generalkosten			Amortisation und Zinsen		
				im  Monat  Mk.	für ein Stück  pfg	in % der Löhne  7»	im  Monat  Mk.	für ein Stück  ptg.	in °/0 der Herstel- lungs- Kosten  -u
Sept. 1918	137 000	14,56	90,55	17000,-	12,38	85	26200,-	19,12	21
Jan. 1919	167 000	13,45	93,14	17000,-	10,76	80	26200,-	15,83	17
April 1919	98 900	13,50	120,29	17000,-	17,55	130	26200,-	26,50	22
Mai 1919	90000	14,95	142,15	17000,-	19,44	130	26200,-	28,43	20

Die Trennung der feststehenden, „eisernen“, von den veränder-
lichen bezieht, sich zunächst nur auf die Unkosten. Die Eigenart
der betriebs- bzw. produktionstechnischen Verhältnisse kann es mit
sich bringen, daß in Hinsicht auf die Produktionsmenge die sonst

') Deshalb wird in Landesteilen mit einer größeren Zahl gesetzlicher oder
landesüblicher Feiertage mit verhältnismäßig höheren Produktionskosten zu
rechnen sein.

’) Ein gutes Beispiel für eine konsequente Durchführung dieser Trennung
ui der Selbstkostenberechnung findet sich im Ergänzungsband II der Zeitschrift
ihr handelswissenschaftliche Forschung (S. 134, 146, 156, 165).

3) Vgl. Schmalenbach, in der Metallindustrie - Zeitung 1899; auch in
seiner Zeitschrift für handelswissenschaftliche Forschung, 2. Jahrgang, S. 42;
“hoher, Das Gesetz der Massenfabrikation, in dessen Zeitschrift für Staatswissen-
echaft 1910.
        <pb n="148" />
        ﻿140

veränderlichen unmittelbaren Kosten der Herstellung teil-
weise den Charakter von festen Kosten annehmen. Typisch ist
hierfür das Buehdruekereigewerbe, das hier als Beispiel1) dienen
soll. Die Zahlen bedürfen keiner weiteren Erläuterung.

Berechnungs-Beispiel: Katalog, illustriert, 5 Bogen
stark.

Auflage	5000	10 000	25 000
1.	Satzkosten		  2.	Druckkosten	  3.	Papierkosten		105,84  43,-  106,20	105,84  68,— 207,90	105,84  136,75  508,50
Gesamtkosten für 1 Bogen		255,04	381,74	751,09
” » ^ » 		1275,20	1908,70	3755,45
„	„ 1 Stück 		25,5	19,09	15,02
Davon feste Kosten (1.)	  Veränderliche Kosten (2. -j- 3.) . . .	10,58  14,92	5,29  13,80	2,12  12,90

Die Umrechnung in Verhältniszahlen läßt das Verhalten der
Kosten zur Menge der Produktion deutlicher hervortreten:

Die Produktionsmenge steigt von (5000 =) 100% auf
200% (bei 10 000) und auf 500%.

Die veränderlichen Kosten steigen absolut von
(149,2 Mk. =) 100% auf 185% 2) und auf 433%.

Sie steigen demnach im Verhältnis zum Umsatz langsamer
(degressiv).

Im Endergebnis (Stückpreis) fallen die festen Kosten
von 100%, die veränderlichen von 100 %
auf	50%	auf 92,5%

„	20%;	„ 87,8o/o

Naturgemäß ist der Einfluß der festen Kosten verhältnismäßig
am stärksten bei den kleinen Mengen, wie die Zerlegung der Selbst-
kosten beweist:

Auflage 5000	10000	25 000

Selbstkosten.....................= 100 %	= 100 %	= 100 %

Feste Kosten..................... 41,5 %	27,7 %	14%

Veränderliche Kosten .  ......... 58,5%	72,3%	86%

Die Unterscheidung zwischen konstanten und veränderlichen
Kosten ist für die Preispolitik bedeutungsvoll. Der Verkaufspreis
muß mindestens Rohstoff-, Arbeits- und die veränderlichen Unkosten
decken. Unter diesem Mindestpreis bedeutet die Annahme eines
verdienstlosen Auftrages Geldverlust. Ist der Verkaufspreis über

') Im Anschluß an Bertenbnrg, Die Preisgestaltung im Druckereigewerbe.
Schriften des Vereins für Sozialpolitik, 142. Band, Abt. B, 2. Teil, 1912.

2) 275,9:149,2.
        <pb n="149" />
        ﻿141

diesem Mindestbetrag, aber unter den Selbstkosten, dann vermindert
das Plus wenigstens die konstanten Kosten (vgl. Seite 34).

Andererseits spricht man von allgemeinen Betriebs- oder
Fabrikationsunkosten, zählt dazu die Seite 1136 unter 1 und 2 a
angegebenen Unkosten, welche durch die Herstellung, und von
HandlungsUnkosten (2b—d, 4), die durch Einkauf des
Materials und den Vertrieb der Fabrikate entstehen; Abschreibungen
und Zinsen sind stets zu trennen. Aus den später folgenden Bei-
spielen für Kalkulationen und Unkostenstatistik sind solche unter-'
schiedliche Auffassungen ersichtlich.

Die Generalkosten sind, wie schon früher bemerkt, das
Schmerzenskind der meisten Betriebe. Die Berechnung der Spezial-
kosten mag in einzelnen Fällen mit Schwierigkeiten verknüpft sein;
die Ermittelung dieser Kosten ist in den meisten Betrieben einwand-
frei. Nur einige Erwägungen wirtschaftsstatistischer Natur verlangen
ab und zu eine Erweiterung oder Änderung der bisherigen Verrech-
nungsmethode, die in der Regel für das Endergebnis belanglos ist.

Hingegen bilden die indirekten Kosten jene Ausgaben, die wohl
in vielen Betrieben falsch berechnet und verteilt werden. Während
der Material- und der Lohnverrechnung alle Sorgfalt gewidmet wird,
begnügt man sich, die Generalia summarisch zu verrechnen, obwohl
ihre Wichtigkeit eine Feststellung der Einzelteile rechtfertigt. Die
Kosten der Herstellung und des Vertriebes werden vermengt; in
Spezialfabriken wird häufig jedes Arbeitsstück gleichmäßig mit
einem Durchschnittssatz für Generalia belastet, obwohl jeder Arbeits-
prozeß, vielfach jedes einzelne Arbeitsstück andere Kosten verursacht.

In Betrieben mit Massenproduktion x) ist eine richtige Kalkulation
denkbar. In diesen Unternehmungen werden insoferne Fehler ge-
macht, als man vielfach alle Unkosten nach einem einheitlichen
Schema — Umsatz, Löhne — auf die Unterbetriebe, Arbeitsprozesse
usf. verteilt, ohne zu erwägen, ob alle Unkosten dem gewählten
Verteilungsmaßstab proportional sind.

In Betrieben mit Spezialfabrikation ist eine absolut richtige
Selbstkostenberechnung vielfach ein Ideal, bei dessen Verwirklichung
es hauptsächlich darauf ankommt, die Grenzen des Erreichbaren
möglichst weit gegen das zu erstrebende Ziel hinauszuschieben. Je
spezialisierter die Fabrikation ist, je weniger verschiedenartige
Artikel erzeugt werden, je weniger auf Sonderwünsche der Besteller
eingegangen wird und je mehr die Erzeugung von Massen gleich-
förmiger Produkte angestrebt und erreicht wird, desto genauer und
richtiger kann kalkuliert werden. Eine absolut, d. h. wirtschaftlich
genaue Berechnung ist nahezu unmöglich, da es nicht möglich

') In der Großeisenindustrie haben die Generalkosten in den Masseselbst-
kosten eine geringere Bedeutung.
        <pb n="150" />
        ﻿142

ist, jedem Fabrikat jenen Anteil an Generalkosten anzurechnen,
der dem Erzeugnis wirtschaftlich zur Last fällt. Das soll jedoch
nicht hindern, diese Kosten nach richtigeren und besseren Grund-
sätzen zu verteilen, als es in der Mehrzahl der Betriebe geschieht.

Im einzelnen wird noch genauer auf die erwähnten Fehler ein-
gegangen werden.

Die genaue Feststellung, d. h. Berechnung der allgemeinen Un-
kosten und deren planmäßige Zergliederung ist nicht nur notwendig
als Mittel zur Bestimmung des Verkaufspreises eines Produktes;
sie ist für allgemeine Informationen der Verwaltung von gleicher
Wichtigkeit. Durch genaue Kenntnis der allgemeinen Kosten ist
die Verwaltung in der Lage, überflüssige oder außerordentlich hohe
Ausgaben zu vermeiden bzw. herabzusetzen, die Ausgaben auf ihre
Angemessenheit zu prüfen. Je weitergehend die Gliederung der
Ausgaben ist, desto eher wird es der Verwaltung möglich sein,
Fehler zu beheben, Kosten zu vermindern. Und je mehr verschieden-
artige Produkte erzeugt werden, je mehr Betriebsabteilungen in
einer Unternehmung vereinigt sind, je größer das Unternehmen
ist, desto mehr müssen die Generalkosten zergliedert werden, wenn
die Unkosten einer jeden Abteilung, eines jeden Produktes, den tat-
sächlichen Verhältnissen entsprechend berechnet werden sollen.
Gerade für neugegründete Unternehmungen ist eine sorgfältige Auf-
zeichnung, Spezifizierung und Kontrolle der Unkosten von größter
Bedeutung, um die Veränderungen der Kosten und ihre Ursachen
zu ermitteln. Wangemann x) liefert hierfür ein schönes Bei-
spiel aus der Kalziuim-Karbid-Industrie. Für 2 Betriebsperioden
stellten sich die nachbenannten Kosten wie folgt:

	I. Periode.	II. Periode.
1. Zinsen, Generalspesen	Mk. 91,60	Mk. 120,—
2. Gehälter, Löhne	„	56,20	„ 61,—
3. Verpackung	„	19,—	„	30,-
4. Reparaturen	„	2,90	,,	5,50
Kosten für 1 Tonne	Mk. 169,70 und	Mk. 216,50.

Die Verteuerung erklärt sich wie folgt: Position 1: steigerte
sich, da trotz Verminderung der Produktion die Generalspesen
konstant blieben. Position 2 erhöhte sich, weil die Monteure der
bauführenden Firma nach Beendigung desi Probebetriebes durch
eigenes Personal ersetzt wurden. Die Verpackung wurde verbessert.
Die Ausgaben für Reparaturen stiegen, da für einzelne Betriebs-
einrichtungen die Garantiezeit abgelaufen war.

Industrien in lebhafter Entwicklung haben bedeutende Mehr-
auslagen für Vorversuche, Betriebsverbesserungen, Neukonstruk-

*) Die Kalziumkarbidindustrie; Dresden 1904, S. 33.
        <pb n="151" />
        ﻿143

ticmen, gleichwie die erstmalige Herstellung eines Produktes Mehr-
kosten verursacht, weil die Erfahrung fehlt.

Sind mehrere verschiedenartige Betriebe in einer Unternehmung
vereinigt, dann müssen die Unkosten für jeden Betrieb besonders
bestimmt werden. Die Ausgaben der einen Abteilung werden größer
sein als die der anderen. Hier ist die Abnutzung größer, dort ent-
stehen verhältnismäßig höhere Unterhaltungskosten; die eine Ab-
teilung verarbeitet hauptsächlich fertiges Material, eine andere er-
zeugt den erforderlichen Rohstoff selbst; ihr Anteil an den General-
kosten wird deshalb höher sein müssen. Z. B. eine Maschinenfabrik
und eine Eisengießerei sind in einer Unternehmung vereinigt; die
erste verursacht bei Mk. 50 000,— Lohnaufwendungen Mk. 25 000,—
Unkosten = 50%. Die Gießerei verausgabt Mk. 20 000,— Löhne
und Mk. 6000,— Kosten = 30%. Die Unkosten gemeinsam be-
rechnet (70 000:31000) gibt 442/7%, d. h. die Erzeugnisse der
Maschinenfabrik würden zu billig und mit Geldverlust verkauft, jene
der Eisengießerei wären zu teuer und fänden keinen Absatz.

Die Trennung der Aufzeichnung ist nicht nur notwendig, um
die Kosten einer jeden Abteilung an sich zu ermitteln; auch wegen
der an die Unkostenstatistik zu knüpfenden Folgerungen ist sie
zu fordern. Überdies ist sie unerläßlich wegen einer gerechten
Verteilung auf die Einzelfabrikate.

Die Verteilung der Unkosten ist notwendig wegen der Kosten-
verrechnung und wegen der Kalkulation des Verkaufspreises. (Ver-
gleiche § 7.)

Betriebsunkosten (Fabrikationsunkosten).

A.	Unkostenverrechnung (Gesamtkalkulation).

§ 31. Als allgemeiner Grundsatz hat zu gelten: Jeder Be-
triebsabteilung, jeder Werk- oder Arbeitsstätte
müssen jene Kosten zu geschrieben werden, welche
sie verursacht hat, die dem Betrieb, der Werkstätte
oder dem Arbeitsplatz wirtschaftlich zur Last
fallen. Die Schwierigkeit der Kostenverreehnung liegt nicht in
der Ermittelung der Kosten an sich, sondern in der Auffindung eines
richtigen Verteilungsmaßstabes für diese Kosten, die nicht direkt
verteilbar sind.

Die Betriebsunkosten sind in besondere und allgemeine Betriebs-
kosten zu trennen. Besondere Betriebsunkosten, auch Abtei-
lungs- oder Werkstattkosten genannt, sind solche, die nur
einzelnen Betriebsabteilungen (Werkstätten) zur Last fallen, währendi
die allgemeinen Betriebsunkosten für alle Betriebe gemeinsam
        <pb n="152" />
        ﻿144	—

verausgabt werden. Die besonderen Betriebskosten sind sofort aus-
zuscheiden und jenem Betrieb usf. anzurechnen, der .Veranlassung
zur Verausgabung war, z. B. Reparaturen, Versuche, Kosten des
Abteilungsbureaus, Gehälter der Abteilungsleiter, der Beamten, Ge-
bühren (vgl. S. 137, 2. d), Abschreibungen, Zinsen usw. Wo immer
es der Betrieb gestattet, ist anzustreben, daß die Generalspesen
möglichst als Sonderkosten der Abteilungen verrechnet werden, d. h.
daß diese Kosten sofort und unmittelbar den betreffenden Betriebs-
abteilungen und Werkstätten zugeteilt werden. Der verhältnismäßig
geringe Restbetrag bildet dann die eigentlichen „allgemeinen“ Kosten,
die mittelbar zur Aufteilung kommen. Dieses Verfahren er-
möglicht eine ge naue Berechnung der Selbstkosten
und damit eine Individualisierung der Preise.

Die allgemeinen Betriebskosten (z. B. Kosten gemeinsamer Licht-
und Kraftmaschinen) sind nach der Größe des Verbrauches zu ver-
teilen. Ein allgemeiner für alle Kosten gültiger Verteilungsmaßstab
läßt sich nicht angeben. Einige Kosten sind von dem Gewicht, andere
von der Zeit abhängig usw. Es ist jener Verteilungsmodus
zu wählen, der den wirklichen Aufwendungen des
Einzelbetriebes, der Werkstätte oder des Arbeits-
platzes so nahe wie möglich kommt.

Die Schwierigkeiten nehmen zu, wenn in einer Betriebsabteilung
überdies noch mehrere Unterbetriebe (Werkstätten) an den Unkosten
teilnehmen. Die Aufstellung hat auch hier dem Grundsatz für die
Verteilung allgemeiner Betriebsunkosten zu folgen. Z. B. das Ge-
halt eines Werkmeisters ist zu verteilen; in dem Betrieb werden
Produkte in drei Dimensionen hergestellt. Wie ist das Gehalt auf-
zuteilen? Jedenfalls nach den verausgabten Lohnsummen; denn je
mehr Lohnaufwendungen ein Produkt erfordert, desto größer ist die
Verantwortlichkeit.

Eine richtige Trennung zwischen Abteilungskosten und all-
gemeinen Betriebsunkosten ist notwendig, da es sonst Vorkommen
könnte, daß die ^Betriebe ungleichmäßig belastet werden, daß erstere
zu den allgemeinen Kosten gerechnet und dadurch allen Betrieben
zugerechnet werden.

Die Aufteilung der Unkosten auf die einzelnen Rechnungs-
elemente erfolgt 1. im voraus, vor der Verausgabung, z. B.
Steuern, bzw. vor der endgültigen Berechnung, z. B. Abschreibungen.
Oder 2. durch naehträglicheAuszüge aus den summarischen
Aufzeichnungen in den kaufmännischen Büchern und zweckent-
sprechende Zusammenstellung. 3. Endlich werden bereits bei der
Verausgabung die Geldbeträge verteilt, sei es durch eine genaue
Buchungsanweisung (Kontierungsschema im Bergbau und im
Eisenbahnbetrieb) oder durch ein System festliegender Kom-
        <pb n="153" />
        ﻿145 —

missionsnummern im Maschinenbau, sei es, daß die primären
Aufzeichnungen entsprechende Einrichtungen aufweisen (Akkord-
zettel, Verlangzettel und andere Formulare), um dergestalt die Ver-
teilung zu erleichtern.

Bei der Verteilung allgemeiner Betriebsunkosten auf die Einzel-
betriebe sind zwei Verfahren möglich:

1.	Die kumulative (zusammenfassende) Berechnungpnd
Verteilung. Man rechnet alle Kosten zusammen, faßt sie als
Einheit auf ohne Rücksicht darauf, daß eine Unkostengattung einen
Betrieb mehr belastet als einen anderen und verteilt sie dann ver-
hältnismäßig. Z. B. die Betriebsunkosten betragen Mk. 26 800,—;
davon entfallen auf

Betrieb I
20 o/o'
Mk. 5360,

II

30p/o’

8040,— usw.

2.	Die elektive (zergliedernde) Berechnung und Ver-
teilung. Man zergliedert die gemeinsamen Unkosten in die
einzelnen Bestandteile oder doch in einzelne Gruppen und verteilt
sie individuell nach dem Verbrauch. Wir halten diese Methode für die
einzig richtige; nur sie ist imstande, die einzelnen Unkostenarten
entsprechend dem Verbrauch auf die Einzelbetriebe mit größter
Annäherung an die absolute Richtigkeit zu verteilen. Einen ein-
heitlichen Verteilungsschlüssel (z. B. Verteilung aller Unkosten nur
nach der Lohnsumme) kennt diese Methode nicht. Die Kosten werden
proportional der Beanspruchung durch den Betrieb verteilt, z. B.:
die Kraftkosten nach dem Kraftverbrauch (in PS. oder Kilowatt-
stunden meßbar), Fuhrwerkskosten nach der Stundenzahl oder noch
besser nach Zentner- oder Tonnenkilometer; die Kosten des Wasser-
werks nach dem Wasserverbrauch (meßbar); die Kosten gemeinsamer
Arbeitsmaschinen nach der Stundenzahl1), während welcher ein
Betrieb die Maschine beanspruchte; Rollbahn-, Fracht- und Wiege-
kosten nach dem Gewicht, Miete2) und Lagerkosten nach dem Raum-
inhalt, Naturalleistungen an die Arbeiter (z. B. Arbeitsanzüge) nach
der Arbeiterzahl; Beleuchtungskosten nach der Zahl der Glüh- oder
Bogenlampen, der Mammen unter Berücksichtigung der Kerzenstärke
und der Brenndauer; Brennkosten in Porzellanwarenfabriken nach
dem Rauminhalte der Erzeugnisse, Heizungskosten verteilt nach
der Anzahl oder dem Rauminhalt der Heizkörper, nach Register-
stunden, Zahl der Heizungsrippen; die Kosten der Wohlfahrtsein-
richtungen nach der Arbeiterzahl usw. An vielen Stellen dieses

l) Nicht nach dem Gewicht, da bei gleichem Gewicht ein Fabrikat zwei-
oder dreimal mehr Arbeit beanspruchen kann als ein anderes.

*) Miete auch im Verhältnis zur Höhe des Anlagekapitals.

Leitner. Selbstkoitenberochmirur. 7. Aufl.	10
        <pb n="154" />
        ﻿146

Buches sind Beispiele für die Anwendung solcher Verteilungs-
schlüssel gegeben. Diese Methode setzt eine gute Gliederung der
Buchführung voraus. Die Aufteilung des Gehaltes eines
Werkmeisters, Betriebsleiters, Zeichners, der für mehrere Produk-
tionsabteilungen des Betriebes beschäftigt wird, erfolgt im Ver-
hältnis des Zeitverbrauches, welchen der Beamte dem
betr. Unterbetriebe hzw. der betr. Zeichnung widmet. Z. B. einem
Betriebsbeamten sind unterstellt:

Betriebsstelle I.	Zeitverbrauch 4	Stunden;	Kostenanteil	*/«

„	II.	„ 10	Minuten;	„	•/&lt;“

„ HI.	* 15	»	,	,5/«

usw.	usw.	usw.

Tägliche Gesamtzeit 9 Stunden.

Die Verteilung der allgemeinen Betriebsunkosten kann beispiels-
weise erfolgen (monatlich, viertel- oder halbjährlich):

1.	Nach der Größe des Wertumsatzes (d. i. des Verkaufserlöses
oder der gesamten Herstellungskosten) der einzelnen Betriebe oder
Werkstätten.

2.	Nach der Menge (Gewicht, Maß, Zahl) der Produktion oder
des Verbrauches, nach dem beanspruchten Flächen- oder Raum-
inhalt.

3.	Nach der Summe der jährlichen Lohnaufwendungen der
einzelnen Betriebe oder nach der Zahl der in den einzelnen Fäbrik-
räumen beschäftigten Arbeiter oder nach der Zahl der Lohn-, Be-
triebs- oder Maschinen-Arbeitsstunden.

4.	Nach der Zeit (Stundenzahl), während welcher ein Betrieb
die gemeinsamen Einrichtungen beschäftigt.

5.	Nach bestimmten prozentuellen Verhältnissen oder besonderen
Verhältniszahlen.

Ob mm der eine oder der andere Verteilungsmodus gewählt
wird, es wird in vielen Fällen nicht möglich sein, ohne unverhältnis-
mäßig komplizierte und zeitraubende Berechnungen eine absolute
Richtigkeit zu erzielen. Z. B. ein Betrieb verteilt monatlich die
allgemeinen Betriebsunkosten nach1 den aufgewendeten Lohnsummen.
Betriebsabteilungen, die mit einem Stamm alter Arbeiter arbeiten
und infolgedessen höhere Löhne bezahlen, ohne daß die Arbeit ebenso
verhältnismäßig höherwertig ist, werden nach diesem Verteilungs-
modus höher belastet sein, als Betriebe mit jungen Arbeitern. Ebenso
wird ein neu eingerichteter Betrieb, in dem anfänglich weniger
Löhne bezahlt werden, einen geringeren Anteil an den allgemeinen
Unkosten haben, obwohl er vielleicht mehr leistet als jene Betriebe
mit älteren Arbeitern.
        <pb n="155" />
        ﻿147

Die Verteilung nach dem Gewicht nimmt auf die größeren oder
geringeren Arbeitskosten keine Rücksicht, obwohl ein kleiner Gegen-
stand häufig mehr Arbeit verursacht als ein verhältnismäßig größerer.

Die Verteilung nach dem Umsatz des Betriebes wird zu Un-
richtigkeiten führen, wenn z. B. bei Betriebseinschränkungen, gleich-
zeitiger Preisermäßigung und Abstoßung alter Lagerbestände ein
großer Umsatz bei verhältnismäßig geringeren Unkosten erzielt wird.

Eine elektive Verteilung der Unkosten ist in
Großbetrieben unerläßlich; sie wird durch jede
räumliche Zerlegung des Betriebes erleichtert. Je
weiter dieZerlegung der Selbstkosten geht, je mehr
die Verteilungsschlüssel individualisiert werden,
um so mehr werden die nicht unmittelbar erfaß-
baren, aber verteilten Aufwendungen den wirk-
lichen nahekommen, um so genauer wird der be-
rechnete Näherungswert sein.

Beispiel einer Unkostenverrechnung: Chemische Industrie1).

Art der Unkosten (nebst Erläuterungen)

Betrag

Unmittelbar fiir jeden Betrieb festznstellen (Abteilnngs-

kosten):

Löhne samt Zuschüssen (Zwangsversicherung, Hilfskassen
u. a.). Das Lohnbureau stellt durch Auszüge die Auf-
wendungen eines jeden Betriebes fest....................

Filter, Glaswaren, Tonwaren, feuerfeste Materialien,
verschiedene Betriebsmaterialien. Der Verbrauch
wird nach den Magazinanweisungen usw. berechnet. Jeder
Bon trägt das Zeichen des betr. Betriebes. Die Zusammen-
stellung ist einfacher Art. Nach Bedarf .können die Be-
triebsmaterialien noch weiter spezialisiert werden . . .
Verpackung. Auf Grund der Expeditionsbücher direkt zu

ermitteln.........................................

Drucksachen, Reklame, soweit für den betr. Betrieb bzw.
Artikel besondere Kosten verausgabt werden; andern-
falls sind diese Spesen mit den allgemeinen Kosten

anteilsmäßig zu verrechnen........................

Reparaturen durch die Werkstätte. Sobald ein Betrieb
die Tätigkeit der Reparaturwerkstätte beansprucht, wird
er für die Kosten (Material, Gehälter, Löhne) belastet .
Rep araturen durch die eigenen Schlosser des Betriebes,
die kleinere, rasch zu erledigende Arbeiten ausführen . .
Reparaturen durch die BauaDteilung (Tünchen, Maurer-

arbeiten usw.)....................................

Reparaturen durch die eigenen Maurer des Betriebes.
Kohlen. Ein besonderes Kohlenbureau verrechnet monatlich

_ den Verbrauch (gewogen)............................

Diverse Abteilungskosten, hier nicht besonders benannt.
Sie sind fallweise einzusetzen, z. B. Rechnungen fremder
Handwerker und Unternehmer............................. .

Übertrag

Mk. —

ii	i—

ii	i

ii	i—

}»	i

ii	i

n	i

ii i

n * ?

y&gt;

Mk.

10*

*) Vgl. auch S. 55 f.
        <pb n="156" />
        ﻿148

Art der Unkosten (nebst Erläuterungen)

Betrag

Vortrag

Mk. —

Anteilsmäßig verrechnet (Anteilskosten):

Dampfkraft. Soweit jeder Betrieb seine eigene Kesselanlage
hat, lassen sich die Kosten unmittelbar für jeden Betrieb
anrechnen. Ansonsten sind sie nach dem Dampf ver-
brauch bzw. Kraftverbrauch (PS.) zu verteilen. Vgl.

§ 32/33 ........................................

Leucht- und Heizgas. Verbrauch in cbm durch Gasmesser
bestimmt. Haben mehrere Betriebe denselben Meßapparat,
dann wird nach der Flammen- oder Arbeiteranzahl ‘) verteilt.
Elektrische Beleuchtung des Fabrik -und Hofraumes.
Entweder nach den Angaben des Elektrizitätszählers
oder nach dem berechneten Verbrauch des Betriebes auf-
geteilt s)...........................................

Elektrische Kraft. Verteilt nach den Angaben des Zählers

oder nach berechnetem Kraftverbrauch............

Fuhrwerkskosten (Kosten des eigenen F.: Kutscherlöhne,
Hilfsarbeiter, Futter, Abschreibungen auf das Geschirr u. a.).
Das Fuhrwerksbnreau verteilt die Kosten des eigenen und
fremden Fuhrwerks nach der Stundenzahl, während
welcher der Betrieb das Fuhrwerk beschäftigte. Eine
Trennung der Kosten des eigenen von jenen des fremden

Fuhrparks ist möglich (vgl. § 35)...............

Fabrikbahnunkosten (Bahnwärter,Heizer, Maschinistenlöhne,
Kohlen- und Materialverbrauch, .Reparaturen, Abschrei-
bungen). Verteilt nach der Menge des für den Betrieb

geförderten Materials...........................

Wasser Werksunkosten nach dem Wasserverbrauch .	.

Generalfabrikationskosten. Hierher zählen alle Kosten,
die oben noch nicht verrechnet sind, z, B. Reinigung, Be-
leuchtung der Straßen, Aufseher, Nachtwächter, Gehälter,
Gratifikationen der Chemiker, Betriebsleiter (Fabrik-
gehälter). Sie sind teils unmittelbar für jeden Betrieb zu
bestimmen, teils anteilsmäßig (Wertumsatz, Löhne o. a.)
zu verrechnen........................................

Summe der Erzeugungskosten

V

r&gt;

n

Mk.

Generalspesen (Verwaltung, Bureaugehälter). Die Aufteilung
erfolgt nach dem Wertumsatz, nach den Erzeugungskosten

der Betriebe o. a...................................

Zinsen und Abschreibungen des Anlagekapitals. Sie
sind aus den Büchern für jeden Betrieb direkt zu ermitteln.

Selbstkosten, ausschließlich Rohstoffkosten

Mk. — ,—

*) Je größer die in einem Raum beschäftigte Arbeiterzahl ist, desto mehr
Beleuchtungskörper sind notwendig.

Heizkosten können nach dem Rauminhalt der Werkstätte oder der Heiz-
körper verteilt werden.

2) Ersatzglühlampen sind unmittelbar dem Betrieb zu belasten, der sie
verbraucht.
        <pb n="157" />
        ﻿149

Bemerkungen zu dem Schema Seite 147f.

Allmonatlich erhält jeder Betriebsleiter eine derartige
Unkostenstatistik. Die allmonatliche Verrechnung der Betriebs-
Unkosten, Abschreibungen und Zinsen gibt dem Leiter Aufschluß
über die Selbstkosten seiner Produktion und die Möglichkeit, Un-
regelmäßigkeiten aufzudecken und zu beheben. Die Aufstellung ent-
hält nur die Kosten des Betriebes, eine Zusammenstellung der Auf-
wendungen, die für den Betrieb an sich verausgabt werden. Ausgaben,
auf die dem Betriebsleiter kein Einfluß zusteht, den Betrieb nichts
angehen, sind weggelassen; also vor allem die Handlungsunkosten,
d. h. die Kosten des Vertriebes und die besonderen Verkaufsspesen.
Der Verkaufspreis müßte also enthalten: Rohstoffkosten, Kosten lt.
Statistik, Handlungs- und besondere Verkaufsspesen, Gewinn.

Jeder Großbetrieb zerfällt hinsichtlich der Kostenrechnung in
zwei Betriebsgruppen (S. 21), Fabrikationsbetriebe, die
Verkaufsprodukte her stellen (Haupt- und Nebenbetriebe), und H i 1 f s -
betriebe. Zu letzteren zählen wir Kraft-, Magazins-, Rollbahn-,
Wasser- und Gaswerkbetrieb, Reparaturwerkstätten, Betriebe, die
nicht selbständige produktive Arbeit leisten, nur der Aufrechterhal-
tung der Produktionsbereitschaft dienen. Bei Haupt- und Neben-
betrieben werden Selbstkosten für den Betrieb (Gesamtkalkulation)
und für das Produkt (Einzelkalkulation,] Masseselbstkosten), bei
Hilfsbetrieben werden die Selbstkosten nur für den Betrieb ermittelt.
Nebenbetriebe erzeugen Rohwaren oder Hilfsmaterialien zum
eigenen Verbrauch oder verarbeiten Nebenprodukte, die erst durch
die Produktion des Hauptbetriebes möglich werden. Jeder dieser
Hilfsbetriebe hat seine eigenen Unkosten wie die Fabrikationsbetriebe,
nur fehlen häufig die Kosten für Rohstoffe. Deshalb ist jeder Hilfs-
betrieb hinsichtlich der Kostenverrechnung wie jeder andere Be-
trieb als selbständig anzusehen. Seine Kosten werden auf einem
besonderen Konto verbucht. (Vgl. S. 56.) Dabei kann man die all-
gemeinen Unkosten, die der ganzen Unternehmung zur Last fallen,
auch den Hilfsbetrieben anteilsmäßig anrechnen; oder man läßt sie
frei von den Generalspesen, die dann unmittelbar den Fabrikations-
betrieben voll angerechnet werden. Der erste Vorgang ist theo-
retisch richtiger, weil er es ermöglicht, die vollen Unkosten der
Hilfsbetriebe kennen zu lernen; es müssen bei der Verteilung auf
die Hauptbetriebe Lohnzuschläge ermittelt werden, durch die die
..allgemeinen“ Kosten wieder anteilsmäßig verrechnet werden. (Vgl.
8- 56 f.) Einfacher ist es, nur die Sonderkosten der Hilfsbetriebe zu
verrechnen. Der schließliche Erfolg ist in beiden Fällen gleich: Be-
lastung der Hauptbetriebe für die Generalspesen.

Wie willkürlich in dieser Hinsicht in der Praxis vorgegangen
wird, zeigt die Verrechnung der Hüttenwerke. In einem ge-
        <pb n="158" />
        ﻿150

mischten Werk der Großeisenindustrie sind als Hauptbetriebe Vor-
handen: Koks-, Hochofen, Stahlwerk, Blockwalzwerk, Walzwerk,
Adjustagen und Gießerei. Als Hilfsbetriebe: Kraft-, Kesselbetriebe,
Werkstätten, Bauabteilung, Eisenbahn. Die Feststellung der Selbst-
kosten kann sich auf die Hauptbetriebe beschränken, während die
Kosten der Hilfsbetriebe in jenen der Hauptbetriebe aufgehen. All-
jährlich wird der Gesamtaufwand der Hauptbetriebe festgestellt und
der mutmaßliche monatliche Verbrauch durch Division mit den 12
monatlichen Selbstkosten in einem unveränderlichen Anteil zuge-
schlagen (Normalzahlen). Schwankungen in den Bejxriebsverhält-
nissen bleiben unberücksichtigt. Oder man verteilt die Kosten der
Hilfsbetriebe nach feststehenden Prozentanteilen auf die Haupt-
betriebe, oder endlich, was allein richtig erscheint, die Kosten werden
individuell verteilt. Die Generalkosten (Handlungsunkosten, Ab-
schreibungen, Unterhaltung des Gesamtbetriebes etc.) werden in
dem einen Werk nur auf die Hauptbetriebe im Verhältnis der Lohn-
summen, in einem anderen Betriebe nur auf einige Hauptbetriebe,
beispielsweise Hochofen, Gießerei, Walzwerk, oder nur auf einige
Hilfsbetriebe, endlich in fortgeschrittenen Kostenberechnungen auf ,
Haupt- und Hilfsbetriebe dem Verbrauch entsprechend verteilt.
Demgemäß werden in manchen Hüttenbetrieben Selbstkosten nur für
die Hauptprodukte der Teilprozesse (Koks, Roheisen, Ingots, Blooms,
Walzwerkfabrikate), nicht aber für die Nebenprodukte (Gas, Am-
moniak, Teer) berechnet, während die Theorie stets die Anschauung
vertreten hat, daß Haupt- und Nebenprodukte in rechnerischer Be-
ziehung gleich zu behandeln sind.

Die Aufteilung hat zu beachten, daß die Kosten in dem einen
Fall Sonderkosten eines Fabrikationsbetriebes, im anderen allgemeine
Fabrikationskosten darstellen können. Für die ersten ist der betr.
Betrieb voll, für die letzten anteilsmäßig zu belasten. Z. B. die
Kosten einer für den Betrieb V ausgeführten Probefärbung — zu-
nächst auf dem Konto „Färberei“ verrechnet — sind nur diesem
Betrieb zu belasten, jene der Vorversuche eines neuentdeckten Farb-
stoffes sind als allgemeine Kosten allen Betrieben nach irgend einem
Teilungsschlüssel anzurechnen.

Die Unkostenstatistik kann auch auf die Verwaltungs-
zweige eines Unternehmens ausgedehnt werden; so ist es mög-
lich, in Großbetrieben wünschenswert, die Kosten (einschließlich
Abschreibung des Gebäudes, Anteil an Licht, Heizung) des kauf-
männischen, des Kalkulations- und Konstruktionsbureaus, der Ex-
pedition, des Lagers usw. zu ermitteln. (Vgl. das Beispiel des § 44.)

Die Verteilung der Betriebsunkosten nach feststehenden
Verteilungsverhältnissen — z. B. prozentuell nach den vorjährigen
Lohnsummen o. ä. — eine Art Normalkalkulation, ist wertlos, wenn
die Ausgaben starken Schwankungen unterworfen sind. Dort müssen
        <pb n="159" />
        ﻿151

die Kosten in kurzen Perioden nach1 dem Verbrauch verrechnet
werden und nicht nach im voraus bestimmten Verteilungszahlen-.

Nach den bisherigen Erörterungen können die folgenden all-
gemeinen Verteilungsgrundsätze aufgestellt werden:

1.	In Werken mit gemischter Produktion sind die Unkosten
für die Betriebsabteilungen getrennt zu verrechnen.

2.	Innerhalb der .Verrechnung sind die Kosten weitgehend zu
spezialisieren.

3.	Die Sonderkosten jeder Abteilung (Abteilungskosten) sind
sofort jenem Betriebe anzurechnen, für den sie verausgabt wurden.

4.	Die auf das äußerste Maß reduzierten allgemeinen Kosten
sind, soweit wie möglich, elektiv zu verteilen.

5.	Im übrigen ist die verhältnismäßige Größe, d. h. das Größen-
verhältnis einer Unkostenart zu den Gesamtunkosten zu berück-
sichtigen.

6.	Von den Herstellungskosten sind die Kosten des Absatzes
zu trennen.

Schema der Unkostengliederung und -Aufstellung einer elektrischen

Straßenbahn1).

Benennung der Unkosten

I.	Betriebskraft:

1.	Gehälter, Löhne

2.	Materialverbrauch

a)	Holz

b)	Kohlen

c)	Wasser

d)	Schmier- und Putzmaterial

e)	Verschiedene

3.	Unterhaltung, Reparaturen (Material, Löhne)

a)	an Kessem, Maschinen usw.

b)	an Dynamos, Meßapparaten

c)	an Gebäuden

usw.

II. Zugkraft: Bedienung
Wagenmotoren:

a)	Löhne der Wagenführer

b)	Bürsten, Schmiermaterial

c)	Reinigung, Putzmaterial

I)	Unterhaltung, Reparaturen

e)	Ersatzteile (Lagerschalen,
räder u. a.)

f)	Ersatz für Rollen, Kontaktarme

g)	Unterhaltung der inneren Einrichtung der
Wagen
        <pb n="160" />
        ﻿Benennung der Unkosten

1918

im Vorjahr

Vortrag

III.	Überleitung der Triebkraft:

1.	Gehälter, Löhne für'Reparaturen, Unterhaltung

und Revision der Leitungsanlagen . . . .

2.	Materialverbrauch einschließlich der Ersatzteile

a)	für Kontaktleitungsdraht................

b)	für Spannmaterial.......................

c)	für Masten, Rosetten....................

d)	für Rückleitung.........................

e)	für Speiseleitungen.....................

f)	für Schutzvorrichtungen.................

IV.	Betriebsmittel:

1.	Löhne für Unterhaltung der Untergestelle . •

2.	Räder, Lager, Federn u. dergl. für die Motor

Wagenuntergestelle ..................•

3.	desgl. für Anhängewagen.................

4.	Schmiermaterial.........................

5.	Löhne, Material für Unterhaltung und Repara-

turen der Wagenkästen . ................

6.	Reinigungskosten (Löhne, Putzmittel u. a.) der

Wagenkästen und Untergestelle...........

V.	Gleisanlage:

1.	Gehälter, Löhne» für Unterhaltung und Repara-

2.	Material, Geräte) turen des Schienengestränges

3.	Löhne...............................

4.	Material, Werkzeuge für Unterhaltung und

Reparaturen des Bahnkörpers ......

5.	Löhne für Reinigung......................

VI.	Betriebsdienst:

1.	Gehälter der Aufseher, Kontrollorgane . . •

2.	Gehälter der Schaffner................•

3.	Bekleidung, Ausrüstung...................

4.	Drucksachen, Fahrscheine................

usw.

VII.	Allgemeine Unkosten......................

VIII.	Unterhaltung der Gebäude für den Bahn-

betrieb (Remisen, Wartehäuschen etc.) .

IX.	Abschreibungen, Zinsen.....................||

Summe der Ausgaben 11 Mir I ' Mir

NB. Die Spezialisierung der Ausgaben kann in einzelnen Positionen noch
weitergehen als das vorstehende Schema. Die Gesamtausgaben werden nach
ihren Hauptsummen zusammen- und der Statistik wegen der Anzahl der be-
förderten Personen, sowie der Kilometerlänge der Gleise usw. gegenübergestellt;
daraus werden die durchschnittlichen Ausgaben pro Person, Gleiskilometer,
Motorwagen-Kilometer etc. berechnet.

§ 32. Wir lassen nun einige Erläuterungen über wichtigere
Betriebsunkosten folgen.
        <pb n="161" />
        ﻿153

Die Kosten der Betriebskraft.

Unter den Betriebskosten einer Kraftmaschine1)
hat man zu verstehen „die Summe aller Aufwendungen (mittelbare
und unmittelbare), welche zur Erzeugung der motorischen Nutz-
leistung zu machen sind“2). Die Kosten können auf das Betriebs-
jahr und die ganze Anlage, oder auf die Leistungseinheit und Stunde
bezogen werden. Um die Selbstkosten der Leistungseinheit (Pferde-
stärke) für die Betriebsstunde bestimmen zu können, müssen vorerst
die Gesamtkosten für das Betriebsjahr, die mittlere Belastung der
Maschine und die jährliche Betriebsstundenzahl berechnet3 4) werden.

Die Gesamtkosten setzen sich zusammen1) aus:

I.	Anschaffungskosten der Anlage (A n 1 a g e k ö s t e n).

II.	Betriebskosten:

a)	direkte Ausgaben.

a)	Kosten der Kraft.

ß) Instandhaltung und Reparaturen der Anlage sowie Hilfs-
material.

Y) Bedienung.

b)	Besondere Ausgaben.

b)	indirekte Kosten: Abschreibung und Verzinsung des

Anlagekapitals, Anteil an allgemeinen Betriebskosten (z. B.

Beleuchtung, Heizung, Anschlußgleise).

') Für Nichtfachleute einige Bemerkungen: Nach der Zweckbestimmung
unterscheidet man Kraft- und Arbeitsmaschinen, je nachdem durch die Maschine
eine Kraftäußerung oder eine Arbeitsleistung im engeren Sinne erzielt wird; die
letzteren werden unterschieden in ortsverändemde (transportierende) und form-
verändemde (transformierende). Die belebten oder Kraftmaschinen lassen sich
unterscheiden in Wasser-, Wind-, Wärme- und elektrische Kraftmaschinen. Die
zuletzt genannten sind die wichtigsten. Die Wärme-Kraftmaschine kann mit
indirekter Ausnutzung der erzeugten Wärme (Dampf- und Gasluftmaschinen) oder
mit direkter Ausnutzung der Arbeit (Gasmaschinen bei gasförmigen, Benzin-,
Petroleum- und Spiritnsmaschinen für flüssige Brennstoffe) arbeiten. Die elek-
trischen Kraftmaschinen (Elektromotoren) können für Gleich-, Wechsel- oder
Drehstrom konstruiert sein. Die Elektromotoren (Stromverbraucher) wandeln die
elektrische Energie in mechanische um, benötigen also Maschinen, welche elek-
trische Kraft erzeugen (Stromerzeuger, Dynamos). Bei den modernen Gaskraft-
maschinen sind Wärmeerzeugung und -Verwertung örtlich und zeitlich vereint.

2)	Lewicki, Die Wirtschaftlichkeit und Betriebssicherheit moderner Kraft-
anlagen im Vergleich mit Sauggeneratoren, Gaskraftanlagen, 1904, S.20. Erhard t,
Über das wirtschaftliche Verhältnis von Gichtgasmotoren und Dampfmaschinen
im Verhüttungsgebiet der Minette. Stahl und Eisen, Nr. 11 von 1905.

3)	Die Berechnung erfolgt für effektive PS. Das Verhältnis zwischen wirk-
lichen (effektiven) PS., die von der Maschine als Kraft entnommen werden können,
und den indizierten PS. bezeichnet man als den Wirkungsgrad der Maschine.
Z. B. indiziert 85, effekt. 63 PS., Wirkungsgrad = 63 : 85 = 74 °/0 der im Zylinder
geleisteten Arbeit können wirklich entzogen werden.

4)	Vgl. Marr, Kosten der Betriebskräfte. Berlin 1901.
        <pb n="162" />
        ﻿154

I.	Zu den Anlagekosten gehören: Gestehungspreis der An-
lage, alle palt dem Bezug verbundenen Kosten sowie alle Neben-
spesen bis zum betriebsfähigen Zustand der Maschine (Montage).
Zum Gestehungspreis der Anlage sind somit Zu rechnen: Preis
der Maschine, Kosten der Kesselanlage, nebst Ausrüstung, Rohr-
leitungen, Pumpen, Schornsteine, Fundamente, Kosten der Klär-
anlagen, Gaswascher und Gaskühler, Kühl Wasserleitung, Gebäude
für die Unterbringung u. a.

II.	1 * 3 * * * *) au) Kraftkosten: aa) Dampfkraft: Die Kraft-
kosten sind identisch mit den Kosten des Brennmaterials (Kohle,
Teer, Petroleum, Torf, Holz u. a.) und des Wasserverbrauches. Zu
den Kosten des Brennstoffes sind außer dem, Einkaufspreis alle
Kosten bis zur Verwendungsstelle und jene für die Aschenabfuhr
zu zählen.

Der Kohlenverbrauch einer Dampfmaschine richtet sich nach Maschinengröße,
Heizwert des Brennmaterials und Güte der Kesselanlage, Spannung, Tourenzahl,
Dampfverlust durch Undichtigkeit und Abkühlung, Steuerung usf. Er sinkt bei
zunehmender Leistung verhältnismäßig. Um die Wirtschaftlichkeit einer Anlage
im voraus berechnen zu können, ist es notwendig, den Kohlenverbrauch für die
PS.-Stunde zu berechnen. Man ermittelt den Kohlenverbrauch, indem man den
Dampfverbrauch für die PS.eff.Stunde normaler Belastung vervielfacht mit der
Maschinenleistung (PS.) und das Produkt durch das Verdampfungsvermögen des
Brennmaterials teilt; überdies ist der Verbrauch für Anheizen und Betriebspausen
zu berücksichtigen. Z. B. eine 200 PS. zweifache Expansionsmaschine verbraucht
bei Überhitzung des Dampfes 6 kg Dampf für die PS.eff. stündlich; 1 kg Kohle
verdampft 7,6 kg Wasser, d. h, erzeugt 7,5 kg Dampf, der Kohlenverbrauch

200.6

beträgt somit ——— = 160 kg per Stund.

7.6

Der Heizwert*) des Brennmaterials wird beurteilt nach der Anzahl von
Wärmeeinheiten8) (Kalorien), die 1 kg des Brennstoffes bei vollkommener Ver-
brennung entwickelt. Kennt man den Heizwert des Brennmaterials, so lassen sich
die Brennstoffkosten für die Dampferzeugung daraus berechnen; z. B. Steinkohle
kostet Mk. 2,10 für 100 kg und entwickelt 7500 W. E.; 10000 W. E. kosten somit
2,8 Pfg. Oder man berechnet den Preis für 1kg Dampf: z. B. man braucht mit
Rücksicht auf den Wirkungsgrad des Kessels (etwa 65°/0) ungefähr 1000 W. E.
zur Verdampfung eines kg Wassers, 1 kg Kohle entwickelt 7500 W. E., d. s.

') Vgl. Musil, Die Motoren für Gewerbe und Industrie, 3. Aufl., 1897.
Riedler, Die Betriebskosten von Kleinmotoren in der Zeitschrift d. V. deutscher
Ing., 1891. S. 299 ff. Urban, Ermittelung der billigsten Betriebskraft für Fabriken,

Berlin 1907 , 2. Aufl., 1912. Marr, Die neueren Kraftmaschinen ihre Kosten
und Verwendung. München 1904. Barth, Die zweckmäßigste Betriebskraft.

3 Bändchen, Sammlung Göschen. Die volkswirtschaftliche Seite behandeln:
Schmidt, Ökonomie der Wärmeenergie (Springer, Berlin); Zoepfl, National-

ökonomie der technischen Betriebskraft, I. Bd., Jena 1903.

*) Über den Heizwert verschiedener Brennstoffe vgL die Zeitschrift d. V.

deutscher Ingenieure von 1898 S. 782, von 1899 S. 333, sowie die Flugschrift Nr. 3
von 1897 des Magdeburger Vereins für Dampfkesselbetrieb.

3) Eine Wärmeeinheit (W. E.) ist jene Wärmemenge, die zur Erhöhung der

Temperatur von 1 kg Wasser um 1° C notwendig ist.
        <pb n="163" />
        ﻿155

7,5 kg Dampf; somit kostet 1 kg Dampf 0,28 Pfg. Nimmt man die Ausnutzung
des Brennstoffes im Kessel (einer Großdampfmaschine) mit 13°/0 an, so kostet der
Brennstoff für 10000 Nutz-W.E (2,8:0,18) 21,5 Pfg., auf die PS.-Stunde berechnet

^ 1,37 Pfg. (Der Magdeburger Verein für Dampfkesselbetrieb berechnet

die Kosten für 100 kg Dampf bei K Mark Kohlenpreis für 100 kg, x Verdampf-
fähigkeit der Kohle und y Ausnützungsgrad der Kohlenwärme nach der Formel:

Zur Beurteilung der Wirtschaftlichkeit der Brennstoffkosten ist (nach Le-
wicki, a. a. O. S. 28, 31) nicht allein die Frage nach dem Wärmeverbrauijk
auf einen Brennstoff bezogen maßgebend; es ist gleichzeitig der Preis für 1 kg
bezw. für W. E. mit zu berücksichtigen. Danach ist nicht der kalorisch wärmste
Brennstoff der billigste, sondern jener, der für die PS.-Stunde die geringsten
Kosten verursacht. Lewicki gibt hierfür zwei Beispiele:

a)	Eine Maschine braucht für PS.-Stunde 3000 W.E. zu 2Pfg., für 10000 W.E.
= 0,6 Pfg. für PS.-Stunde.

b)	Eine Maschine braucht für PS.-Stunde 2700 W. E. zu 2,5 Pfg., für 10 000 W.E.
= 0,93 Pfg. für PS.-Stunde.

Der Brennstoffverbrauch wird beeinflußt durch die Anzahl der täglichen
Betriebsstunden und der Betriebspausen (für Feiertage, Keinigung). Marr (a. a. O.

S.	lff.) berechnet den Zuschlag je nach Zahl und Größe der Pausen mit 11,9%
bis 16,1 %. Lewicki gibt an, daß die Zuschläge für Anheizen') und Abkühlungs-
Verluste bei Tagesbetrieb, jährlich zweimaliger vollständiger Kaltstellung für
Keinigungszwecke und mit Berücksichtigung der preuß. Sonn- und Feiertage von
7—12% je nach dem Kesselsystem schwanken.

Bei der Berechnung der Dampfkosteu wird eine etwaige Ver-
wendung des Abdampfes (für Heizzwecke, Trockenanlage in
Färbereien, Appreturanstalten, Brikett-, Papier-, Zuckerfabriken) zu
berücksichtigen sein. Die Kosten des direkten Dampfes, und damit
die Betriebskosten, vermindern sich tun den Heizwert der Abdämpfe,
der anderen Betriebsabteilungen zugeschrieben werden muß; z. B.
die jährlichen Dampfkosten betragen Mk. 4500,—, der Heizwert des
Abdampfes, der für Trockenzwecke benützt wird, ist * 2/3 des direkten
Dampfes. Es entfallen somit Mk. 1500 auf die Kraftkosten, Mk. 3000
auf den Nebenbetrieb. Der Wert des Abdampfes zu Heizzwecken
richtet sich nach der Dauer der Verwendbarkeit während eines Jahres.
(Vgl. über die Berechnung Marr, a. a. O. S. 71 ff.)2).

*) Der wiederholt zitierte Magdeburger Verein berechnet die Kosten des
,	k.K /365-d	\

Anheizens nach der Formel:—^—I----------11 worin K den Kohlenpreis für

100 kg loko Kesselhaus, k die für das Anheizen erforderliche Kohlenmenge in
kg, D die Menge des täglich erzeugten Dampfes, d die Anzahl der Buhetage
bei kaltem Kessel und c die Anzahl der vollen Betriebstage bedeuten.

2) Vgl. Schneider, Über die Verwertung des Zwischendampfes und des
Abdampfes der Dampfmaschinen zu Heizzwecken Berlin (Springer).
        <pb n="164" />
        ﻿156

Die Kosten des Wasserverbrauches werden gefunden
durch Vervielfachung des Einheitspreises mit der verbrauchten
Menge; diese wird durch Wassermesser bestimmt.

bb) Elektrische Kraft: Der Kostenpreis der Kraft wird
auf die Kilowattstunde1) berechnet. Ist die elektrische Kraft ge-
mietet, so wird der Mietpreis gewöhnlich in Pfennig für eine ab-
gegebene Wattstunde berechnet. Überdies ist die Zählermiete zu
berücksichtigen.

Z. B. Kostenberechnung2) für einen 6 PS.-EIektromotor zu 15 Pfg. die Watt-
stunde. Da 736 Watt = 1 PS. sind, so brauchen 6 PS. theoretisch sechsmal so
viel in einer Stunde. Der Wirkungsgrad des Motors ist mit 85% berechnet
Theoretisch würde man 736 X 6 Watt in einer Stunde brauchen; tatsächlich können
nur 85% der Arbeit der Maschine entzogen werden, somit ist der tatsächliche

736.6

Verbrauch ■ ■	■ Watt in einer Stunde, in 300 Tagen zu 10 Arbeitsstunden somit

UjOD

736 x 6 x 3000 x 0,15	„	2337,88

= Mk. 2337,88 jährliche Kosten. 1 PS. kostet

0,85 x 1000

: etwa 13 Pfg. stündlich.

6 X 3000

Die vorstehende Berechnung bedeutet eine Vorkalkulation der
Betriebskosten. Die Ermittelung der tatsächlichen Unkosten ist eine
einfache Division des von der stromabgebenden Zentrale erhobenen
Betrages durch die PS. und Anzahl der jährlichen Betriebsstunden.

ce) G a s k r a f t3). Gaswerke bestimmen den Gaspreis für 1 cbm;
der Verbrauch wird durch Uhren gemessen. Die Kosten des Gas-
verbrauches werden veranschlagt, wenn man die Anzahl der PS.
mit dem stündlichen Gasverbrauch pro PS., den jährlichen Betriebs-
stunden und dem Gaspreis vervielfacht. Motorbetrieb mittels anderer
flüssiger Stoffe (Benzin, Petroleum) ist ähnlich zu berechnen. Für
eine Vorkalkulation kann man zur Vergleichung annehmen, daJß
1 cbm Gas 0,55 kg Benzin oder 0,65 kg Petroleum erfordert; über-
dies sind die Kosten des Reinigungswassers einzurechnen.

') In einzelnen Betrieben werden die Brennstoffkosten aus dem Heizwert
und dem Preis der Kohle auf die erzeugte Kilowattstunde berechnet und zu Ver-
gleichszwecken auf die PS.eff.-Stunde umgerechnet. Unter dem Watt (Voltampere)
— der Einheit des Effektes des elektrischen Stromes — versteht man die mecha-
nische Arbeit, die notwendig ist, um 100 Ampere (Stromstärke) und 50 Volt
Spannung in einer Sekunde zu erzeugen. 1000 Watt während einer Stunde =
Kilowattstunde.

2) Vgl. Claussen, Die Kleinmotoren. Berlin 1903. Hoppe, Projekte für
elektrische Licht- und Kraftanlagen. Darmstadt 1904. Es wein, Elektrizitäts-
versorgung und ihre Kosten. Berlin 1911.

s) Vgl. auch Körting, Betriebskosten von Gasmotorenanlagen. Zeitschr.
d. V. deutscher Ingenieure 1898, S. 702 ff. Holz, Kosten der Krafterzeugung.
Ebenda 1899, S. 297 ff. (insbesondere Kosten der Wasserkraft).
        <pb n="165" />
        ﻿157

Allgemein sei hinsichtlich der Brennstoffkosten der Kraftmaschinen bemerkt:
der Verbrauch an Brennstoffen für die Leistungseinheit nimmt im umgekehrten
Verhältnis zur Inanspruchnahme der Maschinen zu. Für die Beurteilung des wirt-
schaftlichen Nutzens einer Maschine ist nicht allein geringster Verbrauch an
Brennstoffen bei größter Leistung maßgebend, „sondern auch das Abweichen des
Verbrauches bei Abnahme der Leistung: je langsamer der Konsum zunimmt,
desto besser ist die Maschine“1).

So gestatten Dampfmaschinen eine Mehrbelastung von 50% und mehr über
die Normalbelastung ohne wesentlichen Mehrverbrauch an Brennmaterial.

II.	aß) Kosten der Instandhaltung und Repara-
turen der Anlage, Ersatz kleiner Teile, Hilfsmaterial. Zu letzteren
zählen: Schmier- und Putzmittel, Soda zur Wasserreinigung, Riemen-
scheiben, Dichtung usw. Die Instandhaltungs- und Reparaturkosten
setzen sich zusammen aus Löhnen und Materialausgaben; sie sind bei
Dampfmaschinen größer wegen der Reparaturen an Kesseln, Rohr-
leitungen. Der .Verbrauch an Schmiermaterial wird häufig dort,
wo selbsttätige Schmiervorrichtungen nicht angebracht werden
können, durch Aussetzen von Prämien für den Wärter herabgedrückt;
er ist abhängig von der Größe und Bauart der Maschine, Spar-
samkeit des Maschinenwärters, Güte des Öles usw. Ebenso kommt
die etwaige Wieder benutzung des Tropf Öles in Frage.

Größere Reparaturen sowie Anschaffung größerer Ersatzteile
können eine Werterhöhung bedingen, die im Anlagewert zu be-
rücksichtigen ist; ebenso ist der Wert von Doppelanschaffungen
beim Bezug der Maschine den Anlagebosten zuzurechnen.

Beispiel einer Unkosten-Bereclmung für die Betriebskraft2).

100 PS.-Dampfmaschinen-Anlage, 150 PS. Maximal-, 100 PS,. Normal- und
Betriebsleistung, 300 Arbeitstage zu 12 Stunden, 70% Wirkungsgrad:

A. Anlagekosten.  Maschine (Motor)	  Kesselanlage (Generator)	  Rohrleitungen, Pumpen	  Kesselmauerwerk, Schornstein	  Fundament	  Gebäude			Mk. 12 600,—  „	8 300,—  „ 2000,- „	5 700,-  »	350,-  „	7 200,-
	Summe	Mk. 36 150,-

') Johanning, Der Dieselmotor, seine Entwicklung und volkswirtschaft-
liche Bedeutung. 1901.

*) Nach Lewicki, a. a. 0. S. 34/35.
        <pb n="166" />
        ﻿158

B. Betriebskosten.	
Brennstoff mit Zuschlag für Anheizen und Abbrand .	.	.	Mk. 5 200,—
Instandhaltung, Reparaturen	 .	.	952,-
Schmieröl, Putzmaterial	 		„ 1160,-
Speise- und Kühlwasser .			„	144,-
Bedienung		„ 1800,—
Feuerversicherung, 1,4 %o		„	51,-
Reinigung, Revision 		 ...	„	190,-
Abschreibung: Maschinen 7 % v. Mk. 22 900			,. 1600,—
Gebäude 2*/0 v. Mk. 13250			„	265,-
4% Verzinsung des Anlagekapitals. . . 			„	1446,-
Beleuchtung		»	H2,—
Summe	Mk. 12 920,—

Betriebskosten für 1 PS.-Stunde 3,56 Pfg.

II.	ay) Bedienungskosten (Maschinist, Heizer) sind am
größten bei Dampfmaschinen wegen der Kesselwartung, am geringsten
bei elektrischen Betrieben. Bei Gasmotoren, welche nicht die ganze
Arbeitskraft des Wärters beanspruchen, ist die auf andere Arbeiten
verbrauchte Zeit von den Bedienungskosten abzurechnen. Dagegen
müssen bei großen Anlagen die Löhne der Hilfsarbeiter (für Anfuhr
der Kohle, Abfuhr der Asche) sowie die Gehälter besonderer Beauf-
sichtsbeamten, z. B. der Ingenieure, des Maschinenmeisters ein-
gerechnet werden.

II.	aß) Besondere Ausgaben, die den Kraftkosten im-
gezählt werden müssen, sind beispielsweise: .Versicherung der An-
lagen, Reinigung des Kessels, der Schornsteine, Gebühren für Kessel-
revision, Ersatz an Glühlampen. Überdies gehören hierher die Miete
für die Unterbringung der Kraftmaschine in fremden Räumen, Grund-
stücksteuern, sonstige Abgaben und Bureaukosten.

H. b) Indirekte Kosten: Bei der Verzinsung ist der
gesamte Kapitalwert der Anlage zu berücksichtigen. Für die Höhe des
Prozentsatzes ist der' landesübliche Zinsfuß einer Geldkapitalanlage
maßgebend, oder auch die Verzinsung, welche man den Geldgebern
bezahlen muß. Der Anteil der Betriebskraft an den allgemeinen
Unkosten (z. B. äußere und innere Beleuchtung des Maschinenraumes
und der Gebäude, Rollbahnkosten u. a.) ist nach den allgemeinen
Grundsätzen über die Verteilung der Generalkosten zu berechnen.

Die Abschreibung maschineller Anlagen ist abhängig von
der Lebensdauer; diese i wieder wird beeinflußt durch Inanspruch-
nahme, Mehrbelastung, Druck usf. Maschinen, die Tag und Nacht
arbeiten, werden selbstverständlich mit einem höheren Prozentsatz
abzuschreiben sein als solche, welche nur einige Stunden des Tages
arbeiten. (Vgl. § 53 ff.)
        <pb n="167" />
        ﻿159

§ 33. Die in den bisherigen Ausführungen mitgeteilten Kraft-
kostenberechnungen haben den Zweck zu zeigen, wie der Unter-
nehmer die Betriebskosten der ihm geleisteten Pferdestärke berechnen
kann.	1

Die Kalkulation für die Zwecke der Verrechnung der Betriebs-
kosten hat andere Ziele: dieErmittelungdertatsächlichen
unmittelbaren und mittelbaren' Aufwendungen
sowie die Verteilung auf die einzelnen Betriebs-
abteilungen,- Werkstätten und'Arbeitsplätze. Die
Kostenermittelung wird umfassen: Verbrauch an Brennstoffen, Löhnen
und sonstigen für- die Betriebskraft aufgewendeten Materialien, sowie
Kosten der Reparatur und Instandhaltung. Sie werden aus den
Materialverbrauchs- und den Lohnlisten zusammengestellt. Die Ab-
schreibungs- und Verzinsungsbeträge sind den betreffenden Konten
zu entnehmen, etwaige Anteile an allgemeinen Unkosten durch die
Rechnungsführung festzustellen.

Die Kraftmaschinenabteilung bildet ein selbständiges Kalkula-
tionsobjekt, dessen Kosten periodisch1 zusammengestellt werden.
Arbeiten die an der Betriebskraft beteiligten Betriebe ungleich-
mäßig, so ist eine monatliche Verteilung vorzunehmen. So werden
z. B. die Kosten der Betriebskraft im Winter wegen der vermehrten
Heizung und Beleuchtung größer sein x); bei voller oder starker Be-
lastung des Betriebes (Nachtschichten) können infolge der vollen
Ausnutzung der Kraft sowie bei Einführung neuer besserer Maschinen
die Betriebskosten verhältnismäßig geringer sein. Für einzelne Be-
triebe wird sich deshalb die Bestimmung des Verhältnisses zwischen
Kohlenverbrauch und Produktion empfehlen.

a)	Feststellung des Verbrauches. Der Kohlenver-
brauch kann auf verschiedene Weise bestimmt werden. In einigen
Betrieben geht jede von der Lagerstätte entnommene Kohlenmenge
über die Wage, um; das genaue Gewicht Zu ermitteln; in anderen
Betrieben wird nach verbrauchten Karren mit einem Durchschnitts-
gewicht gerechnet, wobei die Anzahl der Karren vom Heizer notiert
wird. Sind mehrere Kesselanlagen in Betrieb, so ist für getrennte
Verrechnung des Verbrauches Sorge zu tragen. Ob sich dann Zentral-

‘) Die Denkschrift des städtischen Elektrizitätswerkes Frankfurt a. M.
(1903, S. 71) führt folgende Momente an, die zu andauernder Verminderung des
Kohlenverbrauches führen: Aufstellung großer Maschinen- und Kesseleinheiten,
die bei voller Ausnutzung das wirksamste Mittel sind, die Betriebskosten niedrig
zu halten. Reinigung des Speisewassers von Kesselstein bildenden Substanzen,
ausgiebige Vorwärmung des Speisewassers durch Vorwärmer und den Abdampf
der Kesselspeisepumpen, Verwendung von Kondensationswasser aus den Dampf-
maschinen zur Kesselspeisung, sorgfältige Überwachung der Verbrennungsvorgänge
durch Rauchgasanalysen, Zugmesser usw., tägliche Kontrolle der erzeugten Kraft
(Kilowattstunden) und der verbrannten Kohlenmenge.
        <pb n="168" />
        ﻿160

kohlenlager oder dezentralisierte Lager empfehlen, wird nach den
örtlichen -Verhältnissen und der Betriebssicherheit der Fabrik zu
entscheiden sein. Die Verbringung des Brennmaterials möglichst
in die Nähe der Verbrauchsstelle hat den Vorteil, daß Transport-
kosten erspart werden. Heizerprämien schützen häufig vor un-
nützem Brennstoffverbrauch.

Die Kohlen sind zum Selbstkostenpreis zu berechnen; dazu ge-
hören: Einkaufspreis, Fracht, Bezugsspesen, Ausladekosten sowie
Transportlöhne bis zur ,Verwendungsstelle.

Die einzelnen Aufwendungen für Kohlen werden monatlich er-
mittelt. Daraus läßt sich der Kostenpreis für eine Gewichtseinheit
berechnen. Materialverbrauch und Löhne für die Kraftmaschinen
sind nach den Grundsätzen für die Ermittelung von Fabrikations-
material und Löhnen zu bestimmen.

Die Abschreibungen und [Verzinsung des Anlagewertes werden
dem Kraftbetrieb mit 1/12 der Gesamtsumme dieser Anlage allmonat-
lich belastet; dabei sind besondere Einrichtungen für Kohlentrans-
porte (z. B. Kräne, Kohlenschiffe, Transportgleise, Materialbahnen)
sowie die Kosten der Beleuchtung einzurechnen.

b)	Verteilung der Betriebskosten: I. Für jede Be-
triebskraftanlage1) sind die Aufwendungen getrennt zu berechnen.

2.	Die Kosten einer Kraftzentrale sind auf die einzelnen Betriebs-
abteilungen, Werkstätten und Arbeitsplätze im Verhältnisse ihres
Kraftverbrauches zu verteilen. Die Bestimmung des Kraftverbrauches
der einzelnen Anlagen oder einer einzelnen Maschine kann durch
Kraftmesser (Dynamometer), elektrische Messapparate oder Arbeits-
zähler 2), schließlich auch durch Berechnung3) erfolgen. Die ,Ver-

*) Jode Kraftmaschine soll soviel wie möglich durch Diagramme kontrolliert
werden, um jeder Unregelmäßigkeit sofort begegnen zu können. Dies wird dort
um so notwendiger erscheinen, wo geringe Betriebsmittel oder beschränkter Raum
die Aufstellung von Reservemaschinen verbieten.

In vielen Betrieben wird für jede Maschinenanlage vom Maschinenwärter
ein sog. Maschinenjournal geführt, während die Kostenberechnung im tech-
nischen Bureau erfolgt; das Journal enthält beispielsweise folgen de Spalten: Datum,
Tageszeit der Beobachtungen; Ergebnis der betriebstechnischen Beobachtungen
(wie Volt, Ampere, Kilowatt); Kühlwasserverbrauch, Elektrizitätszählerstand für
den Lichtverbrauch; Störungen im Betrieb; Ölverbrauch; Materialienverbrauch;
Koks; Reparaturen.

2) Vgl. Gramberg, technische Messungen bei Maschinen-Untersuchungen
und im Betriebe. 2. Aufl. (Berlin, Springe^.)

s) Berechnet nach Kolbenfläche, Hub (Kolbenweg), Zahl der Umdrehungen,
Dampfdruck. Schwierig wird die Verteilung, wenn die Kraftzentrale zum Antrieb
mehrerer Arbeitsmaschinen dient. Der Kraftverbrauch ist abhängig vom Verbrauch
der Transmissionen, der Beschäftigungsdauer, der angehängten Maschinen. Die
Leitungsverluste werden den entfernter stehenden Verwendungsstellen mit größeren
Beträgen angerechnet; denn je weiter die Entfernung von der Kraftzentrale, um
so teurer wird der Dampf.
        <pb n="169" />
        ﻿161

teilung der Kraftkosten auf die einzelnen Betriebe kann dann nach
Prozenten oder nach Verhältniszahlen vorgenommen werden.

Z. B. der Gesamtkohlen verbrauch der Betriebskraft in einem Betriebsmonat

wäre			Löhne	  Materialien ....	. . Mk. 4000,—  . .	„ 1200,—  . .	„	400,-  Mk. 5600,—		
Davon entfallen auf:	Kohlen:		Löhne:	Material:	Summe:
W alzenzugmaschine	. . 40% = 1600,-	480,—	160,-	2240,—
Elektrische Zentrale	. . 50% = 2000,-	600,—	200,-	2800,—
Lichtmaschine . .	.	.	7 % = 280,-	84,-	28,-	392,—
Heizung ....	. .	3 % — 120,-	36,-	12,-	168,-
	wie oben Mk. 4000,—	Mk. 1200,—	Mk. 400,-	Mk. 5600,-

Bei gleichmäßigem Kraftverbrauch während eines Betriebs-
jahres genügt es, ein für allemal oder doch in größeren Zeitabschnitten
die Beteiligungsprozente zu bestimmen. Bei ungleichmäßiger Be-
anspruchung ist ein solches Verfahren unzulässig. Hier sind all-
monatlich durch den Betriebsleiter die Anteile zu berechnen.

Eine fortgesetzte Verteilung ist notwendig, wenn der Haupt-
betrieb noch Unterbetriebe vereinigt oder wenn für jede Werkstätte
oder jeden Arbeitsplatz der Kostenanteil berechnet werden soll.
Z. B.: Angenommen, die Walzenzugmaschine versorgt verschiedene
Abteilungen mit Kraft:

	Gesamt-  betrag	Warmwalz-  werk	Kaltwalz-  werk	Drahtzug	Rohrzug	Bandzug
Walzenzug-	Mk.		Anteile der Unterbetriebe:			
maschine	2240,—	5 %	15 %	40%	30%	10%
Elektrische  Zentrale	2800,-	= 112,-	= 336,—	= 896,-	672,-	= 224,-
usf.		Die übrigen Kraft-, Licht- ’), Heizkosten sind in gleicher Weise zu verteilen.				

Im Drahtzug werden z. B. 4 Dimensionsgruppen kalkuliert,
deren Anteile an den Betriebskraftkosten in den folgenden Ver-
hältniszahlen zum Ausdruck kommen: 100:180:270:450. Demnach
verteilen sich die oben berechneten Mk. 896,— auf die 4 Gruppen
mit: Mk. 89,60, Mk. 161,28, Mk. 241,92, Mk. 403,20.

') Lichtkosten verteilt nach Glüh- und Bogenlampenanzahl (Anzahl und
Kerzenstärke), Heizkosten nach Raum- oder Flächeninhalt der Heizkörper, der
Räume, o. ä.

L«itner, Selbstkostenberechnung. 7. Aufl.

11
        <pb n="170" />
        ﻿162

c) Beispiel einer Kostenermittelung nach der technischen
Methode (§ 11). Direkte Betriebskosten bei Dampfanlagen nach den vom
Magdeburger Verein für Dampfkesselbetrieb angestellten Ermittelungen1):

1.	Preis der Kohlen bis ins Kesselhaus; angenommen mit K Mk. für 100 kg.

2.	Verdampfungsfähigkeit der Kohlen; 1 kg Kohle verdampfte regel-
mäßig x kg Wasser.

3.	Ausnützungsgrad der Kohlenwärme (Nutzwirkung der Anlage);

werden von der gesamten (theoretischen) Wärmemenge der Kohlen in der Kessel-
anlage y Prozent ausgenützt, so betragen die Unkosten an Kohlen für 100 kg
^	,	K100

Dampf =------- Mk.

sy

4.	Menge des täglich (d. h. in 24 Stunden) erzeugten Dampfes; die-
selbe sei mit D (in kg) bezeichnet, dann sind die täglichen Kosten des Kapitals

für 100 kg Dampf Mk.

5.	Anzahl der Tage a (zu 24 Stunden gerechnet), während welcher die
Kesselanlage wirklich gefeuert und die Anzahl der Tage b, während welcher
sie kalt liegt. Die Anzahl der Tage, während welcher sie dann unter Dampf
steht und nur Verluste durch Abkühlung herbeiführt, ist 365 — a- — b. Diese
Abkühlungsverluste während eines Tages von 24 Stunden können ausgedrückt
werden durch 4ine Kohlenmenge k (kg), welche erforderlich ist, um diese Ab-
kühlungsverluste wieder zu ersetzen (Anheizen). Für jedes Kaltlegen der Anlagen
sind drei Abkühlungstage in Ansatz zu bringen.

Nun kosten 100 kg Kohle K Mk., mithin 1 kg = Mk. und die 24 stündige
Abkühlung — ^JE Mk., also die jährliche Abkühlung =*	(365 — a — b) Mk.,

1UU	JLUU

folglich ist die auf einen Betriebstag entfallende durchschnittliche Abkühlung
— K- k (365 a b) ^ 0(jer f^r jqO kg Dampf ein Abktihlungsbetrag von

100. a

K k (365 — a — b)	K k/ 365	-b
Da	" D \	a

1 Mk.

Also sind die Brennstoffkosten für 100 kg Dampf

100. K	, Kk/365 — b
yx	D l a

1 Mk.

6. Höhe des Anlagekapitals A; die Kosten des Kessels mit gesamter
Ausrüstung (Speisepumpen, Fracht, Aufstellung, Mauerwerk, Kesselhaus, Schorn-
stein inkl. Leitungen und Grundstück) mit 5 °/o für Verzinsung und 7 °, o für Ab-

12 A

Schreibung und Ausbesserungen. Der tägliche Anteil dieses Betrages ist	^

Mk., wenn die Anlage während des ganzen Jahres ununterbrochen im Betriebe
ist. Wenn die Anlage dagegen nur während a Tage des Jahres in Betrieb

12 A

kommt, so entfällt für jeden Betriebstag ein Anlagekostenanteil von jqq-^ Mk.

7.	Kosten der Bedienung der Anlage für je 100 kg Dampferzeugung
einschließlich des Heizerlohnes, Reinigung, Schmierung, Pack- und Putzmaterial.
Man kann annehmen, daß ein Heizer diese Arbeit 12 Stunden lang besorgen
kann, bis zu einer Größe der Anlage von 150 qm Heizfläche und dafür 6 Mk.
erhält, für 24 Stunden also 12 Mk. Während dieser Zeit verbraucht er an

’) Zitiert nach Hoppe, Wie stellt man Projekte, Kostenanschläge und
Betriebskostenberechnungen für elektrische Anlagen auf? 6. Auflage, Leipzig,
1914, S. 402 ff.
        <pb n="171" />
        ﻿163

i

Material durchschnittlich für 1,20 Mk., zusammen 13,20 Mk. Unkosten. Aut
150 qm Heizfläche lassen sich in 24 Stunden 150.20.24 — 72 000 kg Dampf

13 2

erzeugen; es kommen also auf 100 kg Dampf ™tsv, = 0,18Mk. Bedienungskosten.

75- (JÜU

Sind für eine Anlage diese sieben Faktoren bekannt, so kann man die
Kosten des Dampfes nach dieser Formel berechnen. Nimmt man für die be-
treffende Formel Mittelwerte an, so erhält man allgemein gültige, annähernde
Kostenbeträge. Dabei kann man für den Quadratmeter Heizfläche eines Kessels
bei Steinkohlen k = 2 kg annehmen, d. h. für einen Kessel von 60 qm Heiz-
fläche k = 120 kg, oder, wenn er nur zwölf Stunden lang ungeheizt stand,
k = 60 kg, bei 3 Stunden k = 15 kg usw.

Betriebsmaterial, Werkzeuge.

§ 34. Zu dem Betrieb s-oderHilfs material (vgl. § 14)
zählt alles Material, welches nicht als Substanz des Fabrikates wieder
auftritt. Es dient dem Betrieb als Ganzes und nicht als Bestand-
teil des fertigen Produktes. Eine erschöpfende Aufzählung alles
dessen, was in den einzelnen Betrieben als Hilfsmaterial anzusehen
ist, ist bei der Mannigfaltigkeit industrieller Tätigkeit nicht möglich.
Nur einige Beispiele mögen hier angeführt sein. Allgemein gelten
als Betriebsmaterial: Schmier- und Putzmaterial für Kraft- und
Arbeitsmaschinen, Brennmaterial für die Heizung.

In der Maschinenfabrikation: Treibriemen, Bohröl und Seife,
Schleifmaterial, Hämmer, Feilen, Lacke und Farben, Schmiede-
kohlen u. ä.

In der Eisengießerei: Formereimaterial (Formsand, Schwärze,
Stifte), Brennholz, Beizen, Ölfarben u. ä.

In der chemischen Industrie: Filter, Tonwaren, Glaswaren u. a.

In der Textilindustrie: Einfettöl, Schützen, Karten, Nadeln,
Stickseide usw.

Nach Art des Betriebes sind die Kosten für Betriebsmaterial
ganz verschieden.

Der Verbrauch an Betriebsmaterial wird von der Material-
verwaltung auf Grund der Magazinsanweisungen, Materialrückliefe-
rungsscheine oder ähnlicher Einrichtungen in Materialverbrauchs-
listen periodisch (monatlich oder vierteljährlich), getrennt für jeden
Unterbetrieb, zusammengestellt. Die Verrechnung erfolgt nach
Gattung, Menge und Wert der Materialien. Überdies ist der Gesamt-
verbrauch von jedem Material im Laufe einer Rechnungsperiode
festzustellen, um den Vorrat an Materialien ermitteln zu können,
andererseits der Kontrolle wegen.

Die (Verteilung des Verbrauches ergibt, sich aus seiner
Zusammenstellung. Sind in einer Betriebsabteilung mehrere Unter-
betriebe vorhanden, so ist die Verteilung nach genauen Aufzeich-
nungen für jede Verbrauchsstelle, sonst nach der Größe des Ver-
brauches empirisch durchzuführen.

11*
        <pb n="172" />
        ﻿164

Für die Gliederung der Material Verrechnung läßt sich kein
allgemeines Schema auf stellen. Größe des Verbrauches, Art des
Betriebes, schließlich besondere Wünsche der Betriebsleitung hin-
sichtlich der genaueren Verbrauchsbestimmung des einen oder anderen
Hilfsmaterials sind hierfür bestimmend. Man kann einige wichtige
Hilfsmaterialien genau verrechnen, alle anderen summarisch. Ein
Beispiel: Brennmaterial bildet auch für Walzwerke Betriebsmateriai,
ist dort aber von so großer Bedeutung, daß eine detaillierte Ver-
rechnung notwendig erscheint. Man wird den Kohlenverbrauch für
die Betriebskraft und für den Betrieb getrennt bestimmen. Die
Verrechnung des Verbrauches für den Betrieb wird wieder zerlegt
in den Verbrauch! für Glühen der Platten, für Hoch-, Schmelz;-,
Tiegelofen u. ä. Der Kohlenverbrauch für das Glühen von Draht,
Bändern usw. kann beispielsweise auch1 auf die einzelnen Dimen-
sionen des erzeugten Drahtes verteilt werden, und zwar nach der
Stundenzahl, während welcher die betreffende Drahtdimension ge-
glüht wurde.

In einigen Betrieben werden Werkzeuge allgemein als „Be-
triebsmaterial“ verrechnet; in anderen Unternehmungen mit einem
Verbrauch an wertvollen Werkzeugen1), z. B. in Fabriken für Meß-
apparate oder feinmechanische Waren, wird eine spezialisierte Ver-
rechnung notwendig sein. Man kann unterscheiden:

1.	Werkzeuge unter Kontrolle des Arbeiters;

2.	Werkzeuge unter Kontrolle des Meisters; sie werden gegen
Marken vom Arbeiter ausgeliehen;

3.	verliehene Werkzeuge für auswärtige Montagen.

Jeder Arbeiter erhält ein Werkzeugbuch, in welchem die ihm
übergebenen Werkzeuge verzeichnet werden. In anderen Betrieben
begnügt man sich mit der Aufzählung im Arbeitsbuch. Unbrauchbar
gewordene Werkzeuge sind behufs Ersatzes zurückzuliefern. Ver-
lorene sind vom Arbeiter zu ersetzen, fahrlässig verdorbene auf Kosten
des Besitzers auszubessern.

Fuhrwerkskosten.

§ 35. Die Verrechnung der Kosten des eigenen Fuhr-
werks erfordert in der Regel zwei Konten.

Das Fulirparks-Konto (Pferde- und Wagenkonto).

im Soll	verrechnet die Vermögensbestände	im Haben

1. Anfangs- (Anschaffungs)wert	3.	Abgang durch Verkauf  Wert des schließlichen Bestandes
2. Zugang durch Erwerb	4.	
	5.	Abschreibungen und Minderwert (ge- fallene Pferde), übertragen auf Speditions-Konto.

*) Adler, Buchung und Inventarisierung der Werkzeuge und Utensilien.
Zeitschr. f. handelsw. Forschung, VI. Jahrg., S. 427 f., S. 525 f.
        <pb n="173" />
        ﻿165

Das Speditions-Konto.

im Debet	verrechnet die Kosten (Aufwendungen)	im Kredit

1.	Verbrauch: Futter, Kutscher-
löhne '), Sattler-,Schmiederechnungen,
Tierarztkosten, Reparaturen.

2.	Abschreibungen auf Pferde, Ge-
schirr, Wagen, Stalleinrichtungen,
Futterboden, Kammern.

3.	Allgemeine Kosten: Versiche-
rung der Arbeiter, der Vermögens-
werte, Haftpflicht, Lichtverbrauch.

4.	Kleine Einnahmen (z. B. Dünger-
verkauf)

5.	a) In Einzelbetrieben ist der Saldo

mit Gewinn- und Verlustkonto
abzubuchen.

b) Wenn mehrere Unterbetriebe an
den Kosten teilnehmen, so sind
die Unkosten eines Monates nach
der Stundenzahl der Leistungen
oder Zahl der geleisteten Gespann-
dienste, theoretisch richtiger nach
Tonnen- oder Zentner-Kilometer
zu verteilena).

.Vergütungen an fremde Fuhrleute (Spediteure) werden häufig,
der Rentabilitätsberechnung wegen, auf einem besonderen Konto
(Lohngeschirrkonto o. ä. benannt) verbucht.

Zur Feststellung der Rentabilität gegenüber dem: ortsüblichen
Fuhrlohn wird eine zweckentsprechende Aufzeichnung zu führen
sein, die die Leistungen des eigenen Fuhrwerkes vormerkt. Der
Gewinn wird berechnet aus Leistung (Gewicht und Entfernung),
Tageskosten und dem ortsüblichen Fuhrlohn.

Unkostenlöhne.

§ 36. Die indirekten Arbeits- oder Betriebs-
löhne (Unkostenlöhne, § 27) sind solche, die nicht unmittelbar
einem Fabrikat angerechnet werden können. Selbstverständlich
müssen die Kosten indirekter Arbeit durch den Verkaufspreis ge-
deckt werden. Hierher gehören beispielsweise: Löhne für Repara-
turen und Instandhaltung von Werkzeugen, Transmissionen, Werk-)
zeugmaschinen, Kraftmaschinen und Motoren, Gleisanlagen, Gebäuden
usf., Nachtwächter, Hof- und Werkstattreinigung, Magazins-, Platz-,
Versand-, Transportarbeiten allgemeiner Art u. dgl.

Die indirekten Löhne sind in gleicher Weise wie die Fabrikations-
löhne zu ermitteln bzw'. zu verrechnen. Aus den Lohnlisten sind die
Einzellöhne nach der Art der Leistung zusammenzustellen und in den
Verteilungsbüchern aufzuteilen. Wo es möglich ist, werden die
Betriebslöhne den betreffenden Abteilungen sofort zugeschrieben.
Andernfalls wird das Lohnkonto vorerst für die Gesamtsumme be-

*) Einschließlich etwaiger Naturalleistungen, z. B. Haustrunk, Arbeitskleider,
Kohlenbezüge.

a) Manche Betriebe verteilen die Eisenbahnkosten nach konstanten Ver-
hältniszahlen oder nach Prozent zahlen, nach der von der Lokomotive ver-
fahrenen Zeit oder nach Wageneinheiten (Zahl der beförderten Wagen unter
Berücksichtigung der Länge der Fahrten).
        <pb n="174" />
        ﻿166

lastet; die Aufteilung auf die verschiedenen Konten (Fabrikations-
konto, Konto für Reparaturen usw.) erfolgt nach den Angaben der
Botriebsrechnung.

Montagekosten.

§ 37. Die Montage1) kann innerhalb des Kaufvertrages zu
leisten sein, ohne besondere Anrechnung dem Käufer gegenüber,
oder sie stellt eine dem Käufer anzurechnende Sonderleistung dar.

a)	Die interne Montage, innerhalb des Betriebes, bildet einen
Teil der direkten Herstellungskosten, einen Arbeitsprozeß, der als
solcher mitzukalkulieren ist. Die Arbeitslöhne sind von den übrigen
direkten Löhnen getrennt aufzuführen.

b)	Die Kosten der Montage außerhalb der Fabrik sollen gleich-
falls getrennt von den anderen direkten Kosten verrechnet werden.
Sie setzen sich zusammen aus: Reisespesen, Transportkosten bis zur
.Verwendungsstelle (abhängig vom Gewicht, der Länge des Trans-
portweges und den besonderen Terrainverhältnissen des Gebrauchs-
ortes), Löhne für Monteure und Hilfsarbeiter, etwaige Gerüstkosten
und dessen Minder-wert nach dem Gebrauch, sofern das Gerüst vom
eigenen Werk gestellt wird, Materialkosten für Werkzeugverbrauch,
Hilfsmaterial usw.

Die Zusammenfassung der Montagekosten erfolgt in einem Ab-
rechnungsbuch.

Modellkosten.

§ 38. Die Erzeugung der Modelle bildet in vielen Betrieben
eine besondere Abteilung: die Modellschreinerei. Die Kosten dieser
Abteilung sind die folgenden: Entwurf, Holz- und Hilfsmaterialien,
(Lack, Leim, Farbe usw., gewöhnlich in Prozenten vom Holzwert
berechnet). Gießerei-material, Arbeitslohn für die Bearbeitung (häufig
nur Stundenlohn), Kosten der Instandhaltung (vielfach sehr be-
deutend), Abschreibungen, besondere Abteilungs- und Anteil an all-
gemeinen Unkosten.

a)	Der Selbstkostenwert der Modelle wird einem besonderen
Modellkonto zur Last geschrieben, d. h. die Modellkosten werden
wie Anlagekosten verrechnet. Hiervon ist alljährlich eine den
Verhältnissen entsprechende Abschreibung vorzunehmen. Eine all-
gemein gültige Norm für diese kann nicht gegeben werden; einzelne
Modelle werden wertlos, die einen werden öfters abgegossen als
andere usf.

*) Über die Organisation des Montagewesens vgl. Johanning, Die
Organisation der Fabrikbetriebe, 2. Aufl., 1901, S. 47 ff.; auch meine „Kontrolle“,
S. 212 f. D a e 1 e, Moderne Buchhaltung, 1904, S. 113.
        <pb n="175" />
        ﻿167

b)	Jedes neue Modell soll hinsichtlich des Selbstkostenpreises
kalkuliert werden. Muß zur Ausführung- eines Auftrages ein be-
sonderes Modell konstruiert werden, das später nicht wieder ver-
wendet werden kann, so sind die Kosten dem Auftraggeber anzu-
rechnen (Sonderkosten dieses Auftrages). Kann ein Modell nur
einigemal verwendet werden, so sind seine Kosten durch besondere
Zuschläge bei den betr. Fabrikaten zu decken, doch ist es möglich,
daß auch solche Sonderkosten nur teilweise oder überhaupt nicht
dem Fabrikat angerechnet werden können; die Preispolitik des
Unternehmers entscheidet darüber. Ein Teil der Modellkosten (In-
standhaltung, Abschreibung) zählt zu den allgemeinen Unkosten
und wird in Maschinenfabriken, Eisengießereien u. dgl. gewöhnlich
nach der Jahresproduktion auf die Gewichtseinheit fertiger Waren
berechnet (siehe § 41); dabei ist allerdings zu erwägen, daß kleinere
Gegenstände größere Kosten verursachen.

Reparaturkosten.

§ 39. Reparaturen sind gewisse regelmäßig wiederkehrende
Ausbesserungsarbeiten, die durch mechanisch zerstörende oder
chemisch zersetzende äußere Einflüsse veranlaßt werden. Diese Wert
erhaltenden Arbeiten haben den Zweck, die Betriebssicherheit zu
gewährleisten1). Der Statistik und der Verteilung wegen ist es
notwendig, die Reparatur ko st en (Materialien und Löhne) nach
den Objekten zu spezialisieren, welche ausgebessert werden, z. B.
Reparaturen an Gebäuden, an Anlagen, an Maschinen (getrennt nach
Arbeitskraft-, Beleuchtungsmaschinen u. ä.), an Transmissionen u. dgl.
In vielen Betrieben hilft man sich mit Kommissionsnummern, die
für bestimmte Instandhaltungskosten festliegen. Andere bestimmen
für jede einzelne Maschine bzw. Anlage festliegende Kommissions-
nummern (z. B. Nr. I—50 für Drehbänke, Nr. 225 Kessel der Dampf-
maschine, Nr. 416 Reparaturen an Verwaltungsgebäuden usw.).
Andere Betriebe wieder richten ein besonderes Reparaturbuch ein
nach folgendem Muster.

Datum	Mate-  rialien	Löhne	Gesamt-  betrag	Fräs-  ma-  schinen	Bohr-  ma-  schinen	Dampf-  ma-  schinen	Hei-  zungs-  anlage	Beleuch-  tungs-  anlage	usf.
						! |  1	1		

’) Röll, Enzyklopädie des ges. Eisenbahnwesens. Wien 1890ff. „Re-
paraturen“.
        <pb n="176" />
        ﻿168

In Großbetrieben erfolgt die Verrechnung der Reparaturkosten
durch eine besondere Rechnungsführung (vgl. S. 147).

Die laufenden alljährlich wiederkehrenden Ausgaben für Re-
paraturen und solche an unerheblichen Dingen werden regelmäßig
als Jahresverluste angesehen, mit einem besonderen Kostenkonto,
z. B. Konto für Reparaturen und Instandhaltung, verrechnet, und
dieses mit Gewinn- und Verlustkonto abgeschlossen. Sie bilden Be-
triebskosten und sind bei der Kalkulation durch Lohnzuschläge zu
decken.

Da bei der Bemessung der Abschreibungsquote die infolge von
Reparaturen sich ergebende Verlängerung der Gebrauchsdauer be-
reits zu berücksichtigen ist, so sollen diese Kosten nicht dem Werte
des betreffenden Gegenstandes zugerechnet werden. Sie sind als
Betriebskosten anzusehen. Reparaturen, die wert erhöhend
wirken, d. h. Verbesserungen und Erweiterungen von Anlagen (Neu-,
Um- und Zubauten) sind hinsichtlich ihrer Kosten dem Erwerbspreis
zuzuzählen und dem betreffenden Vermögensbestandskonto zu be-
lasten. Bei vielen Aktiengesellschaften werden allerdings auch solche
werterhöhende Verbesserungen über Gewinn- und Verlustkonto oder
Erneuerungsfondskonto abgebucht und auf diese Weise sofort amor-
tisiert.

B.	Die Betriebsunkosten in der Spezialkalkulation.

§ 40. Während die Unkostenverrechnung jeder
einzelnen Betriebsabteilung, Werkstätte etc. einen gerechten An-
teil an den allgemeinen Unkosten zuteilen soll, hat die Kalku-
lation im engeren Sinne die Aufgabe, den Anteil eines Fabrikates,
eines Artikels an den allgemeinen Unkosten zu bestimmen. (§ 7.)

Im allgemeinen hat die Kalkulation, wie früher erörtert wurde,
den Zweck, den Produktionswert und die Selbstkosten eines Fabrikates
zu ermitteln. Diese setzen sich bekanntlich zusammen aus den
Grundkosten (Rohstoffkosten, Lohnaufwendungen, besondere
Ausgaben für das F'äbrikat) und den Zusatz- oder E r g ä n zungs-
kosten, d. i. der Anteil an allgemeinen Unkosten des Betriebes,
der Verwaltung und des Absatzes. Soweit es sich um Massen-
fabrikation (z. B. chemische Industrie, Müllerei, Brennereien, also
Produktionen, wo die wertschaffende Arbeit im Produkt weniger
erkennbar ist) handelt, ist die Berechnung der genannten Faktoren
verhältnismäßig einfach: Die Summe der Aufwrendungen wird durch
die Produktionsmenge dividiert. Der Kontrolle wegen werden die
Selbstkosten allmonatlich oder doch vierteljährlich berechnet, und
mit dem Herstellungspreis der vorhergehenden Betriebsperioden, bzw.
mit dem Durchschnittspreis des Vorjahres verglichen. Das Wichtigste
ist hier Detailierung der Kostenverrechnung. (§ 7.)
        <pb n="177" />
        ﻿169

Anders bei S p e z i a 1 fabrikation. Die direkten Aufwendungen,
d. h. die Grundkosten sind aus den Material- und Lohnverteilungs-
büchern zu entnehmen; doch ist es unmöglich, die auf jedes Produkt
entfallenden Zusatzkosten oder allgemeinen Unkosten im einzelnen
zahlenmäßig festzustellen. Nun ist sicher, daß jeder Artikel, jedes
Erzeugnis einen Teil der allgemeinen Unkosten tragen muß und daß
sich diese Kosten ungleichmäßig auf die einzelnen Artikel und
Fabrikate verteilen. Dieser Anteil wird gedeckt durch Zuschläge
zuden direkten Ausgaben. Die Zuschläge werden auf Grund
der Unkostenverrechnung des Vorjahres und unter Berücksichtigung
der Kosten des laufenden Jahres oder nach dem Durchschnitt der
letzten Jahre berechnet. Sind letztere vergleichsweise höher oder
niedriger, ist die Beschäftigung geringer, so wird dies Berücksichti-
gung finden müssen. Ob damit die Kosten .auch tatsächlich gedeckt'
sind, wird der zukünftige Jahresabschluß zeigen. In besonderen
Fällen wird außer dem normalen Zuschlag ein besonderer Zuschlag
gemacht. Ob alle Unkosten aufgeschlagen werden können oder
nur ein Teil, ob der eine Artikel einen höheren als den rechnungs-
mäßig ihm zukommenden Aufschlag verträgt, ist Sache der fall-
weisen Entscheidung und Aufgabe der Geschäfts- bzw. Preispolitik
(vgl. § 9). Auch hier muß betont werden, daß eine „preispolitische“
Kostenverteilung als grundsätzlicher Fehler in der Selbstkosten-
berechnung anzusehen ist.

Wenn eine Unternehmung Fabrikate gleicher Art und Größe
erzeugt, ist es gleichgültig, wie die Zuschläge erfolgen (vgl. § 49).
Sobald eine Fabrik Produkte verschiedener Art erzeugt, ist die
gerechte Verteilung der allgemeinen Unkosten auf
jedes Einzelfabrikat an die Voraussetzung ge-
bunden, daß ein für alle Fabrikate gemeinsames
Maß gefunden wird, an dem der größere oder g e -
ringere An teilgemessen werden kann. Dieses Maß kann
eine Gewichts- oder Maßeinheit (Länge, Fläche, Baum), ein Zeit-
oder ein Wertmaß (Stunden, Lohn, Materialwert, Produktionswert)
sein (§ 41). Die Schwierigkeit liegt in der Bestimmung dieses Maßes;
ob ein solcher absolut verläßlicher Vergleichswert, der eine sche-
matische Verteilung ermöglicht, stets gefunden werden kann, er-
scheint zweifelhaft. Überdies wird in vielen Fällen die Frage zu
erörtern sein, ob alle Unkosten an einem einheitlichen Maß
gemessen, d. h. nach einem solchen verteilt werden können, oder
ob für einzelne Unkosten oder -gruppen die Anwendung verschiedener
Verteilungsmaßstäbe gerechtfertigt erscheint. Im einzelnen wird in
den folgenden Paragraphen darauf einzugehen sein.

Eine für alle Arten industrieller Betriebe gültige Normalformel
läßt sich bei der Mannigfaltigkeit der Verhältnisse nicht auf stellen.
        <pb n="178" />
        ﻿170

Hier läßt sich nur erörtern, wie man die Kosten verteilen kann
und wie sie in der Praxis verteilt werden. Jede Unternehmung
rechnet nach einer einfacheren oder komplizierteren Formel, die
nur für Normalfälle Berechtigung hat. Vielfach kann sie nur
zur schnellen, einfachen und schätzungsweisen Berechnung der Selbst-
kosten dienen. Im Einzelfall ist stets zu prüfen, ob die Erzeugung des
betr. Fabrikates nicht Besonderheiten aufweist, die den Unternehmer
zwingen, die Formel zeitweilig zu ändern oder von ihrer Verwendung
ganz abzusehen. Selbst bei gleichförmig verlaufender Fabrikation
soll zeitweilig geprüft werden, ob die zur Zeit der Aufstellung der
Kalkulationsformel vorhanden gewesenen Betriebsverhältnisse noch
bestehen.

Ebenso muß fortlaufend eine Kontrolle der Unkosten-
zuschläge ausgeübt werden, ob diese tatsächlich die Unkosten
decken und ob die zu hohen Spesen durch den Betrieb oder den
Vertrieb verursacht sind. Wenn eine Werkstätte bei normaler Be-
schäftigung an direkten Löhnen Mk. 10 000,— verbraucht, der Un-
kostenaufschlag mit 53,3%. berechnet wurde, so darf dieser Betrieb
nur Mk. 5330,— an Kosten verbrauchen (Sollumsatz); an der Hand
der Unkostenstatistik der Abteilung läßt sich der Istumsatz leicht
kontrollieren. Sind die Ausgaben höher, andauernd größer, dann
ist der Lohnaufschlag falsch berechnet oder nicht mehr richtig.
Änderung der Arbeitsmethoden, Einführung von Arbeitsmaschinen
u. ä. bedingen häufig eine Neuberechnung des Aufschlages oder
eine Änderung der Verteilungsart.

Jede Unternehmung soll die festen Unkosten auf einen Monat
oder Arbeitstag, überdies in Prozentanteilen an den Produktiv-
löhnen kennen; z. B.: die monatlichen festen Unkosten nach dem
vorjährigen Durchschnitt betragen 800 Mk. — 40% der Arbeits-
löhne. Es müssen somit monatlich 20000 Mk. produktiver Löhne
verausgabt werden, um diese Unkosten zu decken, eine grobe Durch-
schnittsrechnung bzw. Kontrolle, die naturgemäß auf die verschiedene
Zahl der Arbeitstage Rücksicht nehmen muß.

Eine andere Methode der Kontrolle ergibt sich aus der Um-
rechnung der Kostenteile auf Grund einer Stückkalkulation auf den
Gesamtauftrag, z. B.: Gesamtauftrag 400 000 Stück zu 32 Mk. je
100 Stück,

Stöckkalkulation:

Werkstoff................ 20,05

Fabrikationslöhne......... 1,75

Unkosten 175°/o........... 3,06

Fracht.................... —,08

Selbstkosten das	Stück	24,94

Gewinn 28 '/30/°.................7,06

Lieferpreis	32,—

Gesamtk osten:
80,200 Mk.
7,000 „

12.240	„
320 ,

insgesamt 99,760 Mk.

28.240	„
Erlös 128,000 Mk.
        <pb n="179" />
        ﻿171

Über die Notwendigkeit Und Organisation der Kontrolle im
allgemeinen, der Buchführung und Kostenberechnung im besonderen
habe ich mich an anderer Stelle ausführlich geäußert (die Kontrolle
in kaufmännischen Unternehmungen, Frankfurt a. M. 1920, S. 107 f).

a)	Ein Hauptpunkt der Kontrolle der Unkosten ist, daß a 11 e U n -
kosten vollständig erfaßt, richtig verbucht, verrechnet und
verteilt werden, in großbetrieblichen Unternehmungen mit ihrer
zersplitterten Betriebs- und Rechnungsführung keine leichte Auf-
gabe der Organisation.

b)	Die weitere Kontrolle ist in der Hauptsache eine vergleichende
Zusammenstellung nach Zeit und Betriebsstätten: 1. Die monat-
lichen Schwankungen in den Unkosten werden in der Form
von statistischen Tabellen, Betriebsberichten u. ä. durch Neben-
einanderstellung der Monatsergebnisse der Betriebsbuchführung,
zweckmäßig im Vergleich mit den Ergebnissen des Vorjahres (Durch-
schnitt), unter Berücksichtigung der Arbeitstage und Produktions-
menge ziffernmäßig zum Ausdruck gebracht. Dabei Mt zu beachten,
daß gewisse Kosten für einen Berechnungsabschnitt zwar zu ver-
rechnen, aber erst später bezahlt werden, z. B. Beiträge zu Berufs-
genossenschaften, Krankenkassen u. a. Man kann solche Unkosten-
beträge im Monat der Verausgabung (Zahlung) in die Statistik ein-
stellen (aufgeschobene [Verrechnung), damit erklären sich zum Teil
gewisse Schwankungen in den Unkosten. Richtig, aber schwieriger
feststellbar ist die antizipierende Verrechnung, beispielsweise bei
vierteljähriger Zusammenstellung der Unkosten. Abschreibungen und
Kapitalzinsen müssen mit ihrem Monatsanteil eingestellt werden.

Ein brauchbares Schema für die monatliche Ermittlung der
Unkosten könnten folgende Rubriken aufweisen:

Unkosten	Via des Vorjahres		Januar  .... Arbeits- tage		USW.	Gesamt- unkosten für .... Tage		Gesamt- unkosten des Vorjahres	
	für  1000  kg	Betrag	für  1000  kg	Betrag		für  1000  kg	Betrag	für  1000  kg	Betrag
									

Wie notwendig die fortlaufende monatliche Unkosten-
kontrolle ist, zeigt das folgende Beispiel eines Preßwerkes (reine
Bearbeitung, Material "wurde geliefert): Lohnzuschläge:
        <pb n="180" />
        ﻿I

r i

I

III. Vierteljahr
571%

Vierteljahr

537o/o

I. Vierteljahr 1918:
Lohnsumme 239,967 Mk.

Unkosten 1090,339 „
Durchschnittliche Unkosten 454 °/o.

Der Jahresdurchschnitt 1918 ist 568,5 o/ö. Die stark schwankende
Beschäftigung (Kriegswirtschaft), die Anhäufung von Schrot in den
einzelnen Monaten — dessen Erlös die Unkosten vermindert —
erklären die großen Schwankungen der Unkostenzuschläge. Um so
weniger ist die fortlaufende Kontrolle der tatsächlichen Kosten gegen-
über den zur Anrechnung kommenden Durchschnittskosten zu ent-
behren.

Auch die Vergleichung der jährlichen Durchschnittskosten ist
unentbehrlich; ein Beispiel:

1913/14	1914/15	1915/16	1916/17

Umsatz der Werk-
abteilung	1 637,500 Mk. 893,000 Mk. 1 212,200 Mk. 1,672,000 Mk.

Veränderliche
Kosten	497,900

Vom Umsatz in %	30,4

303,900

34,03

271,700

22,41

254,900

15,25

Die Kalkulation 1916/17 erforderte: 15,25 °/o Unkosten

6,49 % Abschreibungen (108,500 Mk.)
2,5% 5% Zinsen des Aktienkapitals
(hier 50,000)

10,51 % Rückstellung für Kriegsgewinn-
steuer.

zusammen 34,75°/o, rund 35% vom Umsatz der
Abteilung.

2.	Die Unkosten der einzelnen Fabriken und Betriebsstätten
einer Unternehmung mit örtlich dezentralisierter Fabrikation werden
von den Fabriken monatlich gemeldet und in einer Tabelle zu-
sammengestellt.

Beispiel einer jährlichen vergleichenden Un-
k 0 s t e n z u s am men Stellung:
        <pb n="181" />
        ﻿173

	Sachsen			Bayern			Schl	esien	
Umsatz	Mk.	1612305,79	•/.	7.	836 267,07	7.	V.	219 728,24	%,	7.
Selbstkosten	„	779 857,99	Ums.1)	von  S.-K8.,	3S9 479,95	vm  Ums.	von  S.-K.	130861,27	vom  Ums.	von  S.-K.
Allgemeine Unk. .	Mk.  11 276,45	0,70	1,45	Mk.  9 952,89	1,19	2,55	Mk.  6 680,73	3,05	5,11
Uehälter ....	11 792,78	0,72	1,51	14 653,40	1,75	3,76	6 925,91	3,16	5,29
Porti u. Telephon	6 707,81	0,42	0,86	2 496,58	0,30	0,64	1 076,37	0,49	0,82
Kontorbedarf und Reklame . . .	1 297,88	0,08	0,17	1 414,29	0,17	0,36	292,90	0,13	0,22
Versicherungen	9 722,51	0,60	1,25	3 973,06	0,47	1,02	647,20	0,30	0,49
Soziale Rasten. .	1 715,95	0,10	0,22	6 118,21	0,73	1,57	741,15	0,34	0,57
Gratifikationen. .	1388,33	0,09	0,18	2 389,-	0,28	0,61	776,-	0,36	0,59
Provisionen . . .	1 664,81	0,10	0,20	1 175,54	0,14	0,30	50,-	' 		0,04
Anteilige Unkosten	47 300,-	2,95	6,07	26 000,--	3,11	6,68	6 500,—	2,95	4,97
Betriebsunkosten .	92 866,52	5,76	11,91	68172,97	8,14	17,49	23 690,26	10,78	18,10
	48312,64	3,00	6,19	33 963,28	4,00	8,72	4 648,35	2,12	3,55
Zusammen	141179,16	8,76	18,10	102 136,25	12,14	26,21	28 338,61	12,90	21,65
Spesen . .	6 088,90	0,38	0,78	2 537,81	0,30	0,65	1 877,71	0,84	1,44
Steuern u, Abgaben	3 974,43	0,25	0,51	11 319,19	1,34	2,91	870,58	0,39	0,67
Zinsen ....	3 800,64	0,23	0,49	8 097,82	0,98	2,08	186,90	0,08	0,14
Nachlaß u. Diff. .	2 658,71	0,16	0,34	400,13	0,04	0,10	608,86	0,27	0,47
Delcedere . .	2 230,14	0,13	0,29	4 195,66	0,50	1,08	1 981,43	0,90	1,51
Abschreibungen .	19 948,77	1,24	2,56	35 000,—	4,16	8,99	6 032,34	2,74	4,61
Reparaturen . .		—		—	—	—	—	—	—
Insgesamt	179 880,75	11,15	23,07	163 686,86	19,46 42,02		39 896,53	18,12	30,49

3.	Eine weitere Kontrolle in der mechanisch-technologischen
Industrie betrifft die Vergleichung der durch Zuschlag gedeckten
Sollkosten mit den wirklich verausgabten Kosten.

Die einzelnen Unkosten sind in der Statistik derart zu gliedern,
daß der Betriebsleiter die wichtigeren Einzelerscheinungen sowie
deren Schwankungen verfolgen kann. Heß befürwortet3) eine dia-
grammatische Darstellung der einzelnen Kosten. Man greift jene
Unkosten heraus, die in bezug auf die Produktion von Wichtigkeit
sind. Je nach Bedürfnis wird eine größere oder geringere Speziali-
sierung und Teilung der Unkosten stattfinden müssen, sei es auch
nur vorübergehend für die Zwecke einer genaueren Untersuchung.
Die tatsächlich verbrauchten Unkosten werden auf die Verkaufs-
einheit (Gewicht oder Maß) reduziert. Für jede Unkostenart ist die
Normalzahl, wenn auch nur annähernd, zu ermitteln und nunmehr

*) Vom Umsatz.

2) von den Selbstkosten.

ä) Mai-Nummer 1904 des Foundry, auszugsweise („Die im Eisengießerei-
Betrieb entstehenden Unkosten, ihre Ursachen und Verringerung“) in der Zeit-
schrift Stahl und Eisen, Jahrg. 1905, Seite 843 ff. wiedergegeben.
        <pb n="182" />
        ﻿174

die Normalzahl sowie, wöchentlich oder vierwöchentlich, der be-
rechnete tatsächliche Verbrauch zu Vergleichszwecken im Diagramm
einzutragen. Eine derartige Unkostenuntersuchung hält den Betriebs-
leiter auf dem Laufenden und bietet ein Hilfsmittel, Steigerungen
der Unkosten im einzelnen zu erkennen und zu verhindern, aber
auch die Wirkung der angeordneten Maßregeln zu kontrollieren.

Was diagrammatisch dargestellt wurde, läßt sich auch zahlen-
mäßig und tabellarisch darstellen1).

In manchen Betrieben kontrolliert man (nach S p e r 1 i c h a. a. 0.

S.	17) die Unkostenaufschläge, indem man die Unkosten der während
einer Rechnungsperiode erledigten Kommissionsnummern summiert
und die verrechneten Kosten den tatsächlich verausgabten gegenüber-
stellt, ein Verfahren, dessen Unrichtigkeit zweifellos ist. Nimmt es
doch keine Rücksicht auf die in Arbeit befindlichen Aufträge, deren
Kosten in der Ausgabensumme enthalten sind.

Die Berechnung hat sich auf normale Betriebsverhältnisse
zu beziehen. Mehrfach wird bei geringerer Beschäftigung des Werkes
in der Nachkalkulation ein besonderer Kostenaufschlag ange-
rechnet. Da bei geringerer Beschäftigung eines Werkes erfahrungs-
gemäß die Unkosten sich nicht ohne weiteres im gleichen Verhält-
nis vermindern lassen wie die Produktionsminderung, so werden
die tatsächlichen Selbstkosten der Fabrikate dieser stillen Periode
gegenüber den Kosten der Normalleistung größer sein, schon wegen
der konstanten Unkosten, die auf der Zeit lasten. Die Verluste lassen
sich erklären, aloer häufig nicht abwenden, und sind aus den Ge-
winnaufschlägen zu decken. Da mit dem Rückgang der Ge-
schäfte gewöhnlich ein Rückgang der Verkaufspreise verbunden ist,
so ist ein Preis aufschlag, wie früher angegeben, wohl nur Utopie.
Man wird eher billiger verkaufen, um den Beschäftigungsgrad wieder
normal zu gestalten.

In der metallverarbeitenden Industrie ist die Kon-
trolle des Ausschusses von besonderer Bedeutung, d. h.
das Verhältnis zwischen brauchbaren und unbrauchbaren Stücken.
Der Ausschuß kann sein: 1'. Materialausschuß, der auf Mate-
rialfehler zurückzuführen ist und sich erst bei der Bearbeitung zeigt.
Wer die Kosten dieses Ausschusses zu tragen hat, der Werkstoff-
lieferer oder der Käufer, bestimmt sich nach den privatrechtlichen
Abmachungen zwischen den Parteien2).

______e_____

*) Sperlich gibt S. 81 ff. Beispiele hierfür. Ebenso Grimshaw.

*) Man unterscheidet: a) Die interne Revision und Abnahme als Be-
standteil der Fabrikorganisation — Zwischen- und Endrevision, Probearbeit der
Maschine u. a, b) Die Abnahme durch den Käufer, eine vorläufige Prüfung
der Brauchbarkeit durch Organe des Käufers; dazu ist zu vergl. §§ 277 H.GB.
533 f., 459 ff. B.G.B.
        <pb n="183" />
        ﻿175

2.	Bearbeitungsausschuß in den einzelnen Arbeits-
stufen ; er ist auf Unachtsamkeit der Arbeiter, schlechte Werkstoffe,
unvermeidliche technische Vorgänge, schlechte Werkzeuge u. a. m.
zurückzuführen., Mit fortschreitender Fabrikation wird der Ausschuß
teurer; deshalb und wegen des Schichtwechsels, der. Wirksamkeit
der Werkstättenaufsicht, der Abzüge am Arbeitslohn, wegen Ver-
meidung von Streitigkeiten zwischen den Arbeitern einzelner Meister-
schaften und Werkstätten muß der Bearbeitungsausschuß seiner
Menge nach für die einzelnen Arbeitsstufen festgestellt werden.
Auf Beiseiteschaffung unbrauchbarer Stücke (Abfallwert!) ist zu
achten. (Genaue Mengenkontrolle der in Arbeit gegebenen rohen
Stücke und der zurückgelieferten fertigen Stücke in Verbindung mit
einer gut organisierten Materialverwaltung.)

Material- und Arbeitsausschuß müssen in gemischten Unter-
nehmungen rechnerisch getrennt gehalten werden.

3.	Bruch fertiger Stücke beim Verladen, Abladen, Mon-
tieren und während des Transports.

4.	Auch die wegen Beanstandung zurückgenommenen Fabrikate,
die kostenlos zu liefernden Ersatzstücke bzw. auszuführenden
Reparaturen während der Gewährleistungsfrist müssen sorgfältig auf-
gezeichnet werden.

In der chemisch-technologischen Industrie sind die
Ausbeute und Rohstoffverbrauchsgewichte wichtig.
Bei einem Spritpreis von 113 oder 117 Mk. für 100 Liter lÖO°/oigen
Spiritus ist es beispielsweise nicht gleichgültig, ob man für 100 kg
Schwefeläther 1701/2 Liter oder 169 Liter, mehr oder weniger ver-
braucht, insbesondere wenn die Preise festliegen und sich nicht
nach den Schwankungen der Rohstoffpreise richten. Preiskartelle
können die Preise der Fertigfabrikate nach den Preisen der Grund-
stoffe bemessen.

§ 41. Wie die allgemeinen Kosten ermittelt und für eine
Normal-Kalkulationsformel verwertet werden, soll an dem
folgenden schematischen Beispiel einer Eisengießerei gezeigt werden.
Der geringe Wert und die beschränkte Anwendungsmöglichkeit
solcher Normalformeln ergeben sich ohne weiteres, wenn man ihre
Entstehung genauer verfolgt. Aus den Hauptbuchkonten sind die
folgenden Umsatzziffern zu entnehmen:

Anmerkung. In anderen Eisengießereien ist es üblich, die Kosten des
Schmelzprozesses für 1000 kg flüssigen Eisens zu berechnen und die übrigen
Betriebskosten durch Prozentaufschlag auf die Formerlöhne zu decken. Vielfach
werden Schmelzmaterialien, Abbrand, Fehlguß usw. für jeden Guß aufgeschrieben
und daraus die Kosten ermittelt. Der Kalkulation legt man jedoch die Durch-
schnittskosten des Vorjahres zugrunde.
        <pb n="184" />
        ﻿

— 176 —

Der Jahresverbrauch an Eisen betrug

100 000 kg im Werte von...........Mk. 6 100,—direkt bestimmbar für das

Einzelfabrikat.

Der Materialverlust durch Abbrand

8000 kg........................... „	488,— = 8% im Durchschnitt

Löhne für Former, Kernmacher (direkte

Löhne)........................... .	,	2 400, — direkt bestimmbar

Löhne für Putzer....................... 480,— = 20% der Formerlöhne

Modellkosten (Unterhaltung, Löhne,

Holz, Hilfsmaterial), soweit sie nicht
vom Auftraggeber besonders vergütet

werden.............................. ,	650,—= 65	^	für	100	kg	Ware

ßetriebslöhne für Hilfsarbeiter (Trans-
port, Wiegen)......................... ,	420,—= 42	„	,	,	,	,

Betriebsmaterial zum Formen ....	„	688,— = 69	„	„	,	„	„

oder 27% der direkten
Löhne, oder 1173% des
Rohmaterialwertes

Schmelzkostenl)....................... ,	620,— = 62	^	für	100	kg	Ware

direkte Herstellungskosten Mk. 11 846,—

Konstante (General-) Kosten:

2% Abschreibung von Ge-
bäuden ..................Mk.	600,—

5°/o Abschreibung von Ma-
schinen .................Mk.	500,—

10% Abschreibung von Mo-
dellen ..................Mk.	800,—

10% Abschreibung von

Öfen...................Mk.	1400,—

Mk. 3 300,—	= 3,30 für 100 kg Ware

Hypothekenziuseu, Ge-
hälter, Betriebskosten	.	Mk. 2 200,—	= 2,20	,	„	,	,

5% Zinsen des Anlage-
kapitals ..............Mk. 3100,—	=3,10	„	„	,

zusammen	Mk.	8 600,— = 8,60	„	,	„	„

oder 358% (=Mk. 3,58
für 1 Mk.) der direkten
Löhne oder 74,3% der
direkten Herstellungs-
____________kosten.

Summe der Selbstkosten Mk. 20 446,— ohne Verkaufsspesen.

Nach diesen Ermittelungen ergibt sich die auf der rechten
Hälfte der Aufstellung ersichtliche Formel.

§ 42. Die Summe der allgemeinen Unkosten kann man in der
Spezialkalkulation mit verschiedenen Größen in Beziehung
bringen:

’) Sind in gleicher Art wie die Kosten des Gießens zu berechnen; sie setzen
sich zusammen aus: Kosten des Brennmaterials zum Anheizen, Füllkoks, Schmelz-
koks, Kalkstein, feuerfeste Steine, Reparaturkosten des Ofens, Schmelzer- und
Taglöhne für Ofenbedienung, Zerkleinern der Masseln. Vgl. Messerschmidt,
Die Kalkulation in der Eisengießerei, 4. Anfl., Essen 1907.
        <pb n="185" />
        ﻿177

Divisionsmethode:

I.	.Verrechnung als Mengen-, Maß - oder Gewichtsspesen:
Kostenanteil für das Stück, Dutzend etc., für 1! hl, 1 cbm, 1 kg,
100 kg, Tonne.

Zuschlagsmethoden:

II. Verrechnung als Wertspesen (ProzentZuschläge):

Kostenanteil ist proportional

a)	dem Einkaufswert (Materialwertaufschlag),

b)	den Arbeitskosten (Lohnaufschlag),

c)	einem Teil der Produktionskosten (Zuschlag
auf Materialwert und Lohnkosten) oder dem gesamten
Herstellungswert (Material, Löhne, Betriebsun-
kosten),

d)	der Summe der Lohnkosten und Betriebs-
kosten.

Der

Die Unkosten werden verteilt

e)	durch Zuschläge, die für den Materi alwert und
für die Lohnkosten besonders berechnet sind,

f)	durch Lohnaufsehläge, die nach Arbeitskate-
gorien oder Arbeitsplätzen differenziert sind.

• SS
a «

eg

n11'

HI. Verrechnung als Zeitkosten (Stundenaufschlag):

a)	Verteilung auf	die	Arbeitsstunden,

b)	„	„	„	Arbeiterstunden,

c)	„	„	„	Lohnstunden,

d)	,,	,,	den	Arbeitstag.

Die Unkosten werden demnach verteilt im Verhältnis zum
Material (Menge oder Wert), zu den Arbeitskosten (einheit-
liche oder differenzierte Lohnzuschläge) oder proportional der Arbeits-
zeit. In diesen Fällen wird der Verteilungsschlüssel auf einen
Wert bezogen. Die übrigen Verrechnungsweisen berechnen den
Kostenanteil proportional einer Summe von Einzelwerten
(Material und Löhne; Material, Löhne und Betriebskosten etc.), so
daß die Höhe des Kostenanteils stets mindestens von zwei Faktoren
abhängig ist. Schon die Übersicht läßt erkennen: daß nicht alle
Methoden gleichmäßig anwendbar und genau sind;
daß jeder Verteilungsmodus Fehlerquellen in sich
schließt; daß in einer Unternehmung unter bestimmten Pro-
duktionsverhältnissen gleichzeitig mehrere dieser Ver-
teilungsschlüssel an den verschiedenen Produktions-
stellen Verwendung finden müssen.

Löitner, Selbstkostenberechmmg-. 7. Aufl.

12
        <pb n="186" />
        ﻿178

Die kalkulatorische Genauigkeit der Zuschlagsmethoden ist davon
abhängig: daß alle Aufwendungen ausnahmslos buchmäßig erfaßt
werden; daß die Zuschläge auf Grund der buchmäßigen Ergebnisse
errechnet werden; E r f ahrungssätze an Stelle der errechneten
Zuschläge sollen, abgesehen von Vorberechnungen, nur ausnahms-
weise unter Einrechnung eines entsprechenden Sicherheitskoeffi-
zienten angewendet werden, soweit es sich um rechnungsmäßige
Deckung buchmäßig nicht nachweisbarer Verluste handelt (z. B.
Diebstähle, Beiseiteschaffung verdorbener Arbeitsstücke, Schiebungen
zwischen Meister und Materiallager u. ä.).

Divisionsmethode.

§ 43. In einigen Industriezweigen (Brückenbau, Kesselschmiede,
Gerbereien, Gießereien, Webereien) rechnet man die allgemeinen
Unkosten auf die Gewichts- oder Maßeinheit, d. h. man
ermittelt einen Zuschlag auf je 100 oder 1000 kg, auf 1 m, ein
Stück usf. der fertigen Ware. Eine schablonenmäßige Aufteilung
wird auch hier zu Unrichtigkeiten führen. Wenn man z. B. Platten
gießt, so wird das größere Gewicht einen größeren Kostenanteil er-
geben, obwohl die Unkosten vergleichsweise nicht größer sind als
bei Gußstücken von geringerem Gewichte. Formt und gießt man
kleine Zahnräder, so wird der Kostenaufschlag nach dem Gewicht
ein verhältnismäßig zu kleines Ergebnis liefern. Sicher ist, daß
ein Gewichtsaufschlag auf die Besonderheiten der Fabrikation des
betreffenden Artikels Rücksicht nehmen muß. Einwandfrei ist der
Gewichts- oder Maßeinheitsaufschlag bei gleichförmiger Produktion.
Wenn auf eine Gewichts- (Maß-) Einheit der Produkte der gleiche
Kostenbetrag entfällt oder, was dasselbe ist, für eine Kosteneinheit
stets die gleiche Menge des Produktes bearbeitet wird, so werden
auch die allgemeinen Unkosten, auf die Einheit berechnet, ziemlich
konstant bleiben. Die Selbstkosten können dann ermittelt werden,
indem man den Materialwert oder die Gewichts- (Maß-) Einheit mit
einem konstanten Faktor vervielfacht.

Gewisse Unkosten können gerecht überhaupt nur nach dem Ge-
wicht verteilt werden, wie Transportkosten einer Kesselschmiede,
Krankosten einer Maschinenfabrik.

Redl1) spricht von einer MethodedesEinheitspreises.
Man berechnet die Selbstkosten auf eine Dimension des ausgeführten
Gegenstandes oder die Einheit des Gewichts und überträgt dann
den gefundenen Preis auf einen anderen gleichgebauten; z. B. man
bestimmt für eine Eisenkonstruktion den Preis bzw. die Kosten für

') Elemente der Organisation und Administration industrieller Betriebe.
Wien 1900.
        <pb n="187" />
        ﻿179

i

eine Tonne Gewicht und in einem ähnlichen Falle nimmt man einfach
diesen Preis an. Diese Berechnung ist nichts anderes als eine
Normalkalkulation, die bei Voranschlägen Verwendung finden kann,
wenn alle, die Normalkalkulation seinerzeit bestimmenden Faktoren
(Konstruktion, Dimension, örtliche Verhältnisse) auch für den vor-
liegenden Fall zutreffen.

Kalkulationsbeispiel: Leder1).

Kosten der Wasserwerkstätte 4,3 Pfg,
in den Farben	5,7	„

Gruben Satz I	7,4	„

„	II	11,6

j) y&gt;	&gt;&gt;	&gt;&gt;

der Zurichtung	7,1

&gt;•&gt;

&gt;&gt;	&gt;&gt;

&gt;’	&gt;&gt;

&gt;&gt;

&gt;&gt;

für 1 kg Rohgewicht der
Haute.

Gesamtkosten

45,6	Pfg. einschl. der Löhne, Be-
triebskosten, Zinsen, Ge-
schäftsunkosten.

Dazu der Einkaufspreis der

Rohhäute loko Fabrik 70,— „ abzügl. des Wertes der Ab-
fälle.

Selbstkostenpreis	115,6 Pfg. für 1 kg Rohgewicht.

Beträgt das „Rendement“ 45% (d. h. 100 kg Rohhaut liefern
45 kg Leder), so stellt sich der Preis für 100 kg Leder auf
Mk. 256,90.

Zoschlagsmethoden.

§ 44. Ein Zuschlag für die indirekten Kosten nur auf die
Menge oder den Wert des Fabrikationsmaterials oder nur auf den
Lohn ist an sich unlogisch; denn beide erfordern Unkosten.

Die Formel für den Fall IIa (§ 42) ist:

S	(Selbstkosten)=M (Materialwert) +	+ L = M (1 + -f L

oder M.1,0 p-j-L.

') Vgl. Kaal, Zur Kalkulation in der Lederfabrik, mit besonderer Berück-
sichtigung der verschiedenen Fabrikationsstadien. Freiberg i. S., o. J. (Selbst-
verlag).

®) p bedeutet den prozentuellen Zuschlag, berechnet aus der Proportion,
p : 100 = Jahressumme der Unkosten : Summe des Rohstoffwertes

der Betriebsabteilung.

Die Zuschlagsprozente werden auf Grund der Jahressummen ermittelt.
Die im Text folgenden Ableitungen zeigen nur die Anwendung auf einen
Spezialfall.

12*
        <pb n="188" />
        ﻿180

Jene für den Fäll II b:

Lp

i = M + [i

100

M-j-L. 1,0 p, ■worin

Summe der jährlichen Unkosten X 100
Jahressumme der produktiven Löhne des Betriebes

Die Anwendung der Methoden II a und II b ist nur dann einiger-
maßen gerechtfertigt1), wenn das Wertverhältnis zwischen Material
und Lohn eines Fabrikates entweder sehr groß oder sehr klein ist.
Wenn eine Unternehmung nahezu keine Löhne, also vorwiegend
Materialkosten verausgabt, dann nähert sich der Betrieb jenem des
Warenhandels und der alleinige Aufschlag auf den Materialwert
entspricht den tatsächlichen Verhältnissen: es werden nur Hand-
lungsunkosten verausgabt. Auch dann, wenn neben der Fabrikation
noch Handel mit fertigen Waren oder wenn nur Materiallieferungen
stattfinden, ist der ausschließliche Materialaufschlag berechtigt. Oden
wenn der Materialwert überhaupt nicht in Frage kommt und nur
Löhne bezahlt, nur oder vorwiegend Löhne kalkuliert werden 2), wie
z. B. bei Lohnarbeitern (Bleichereien, Färbereien, Appreturanstalten,
Zeugdruckereien usw., vgl. § 1 Ziff. 2 des HGB.). Im ersten
Fall können die Kosten durch Zuschlag auf den Materialwert, im
zweiten auf die Löhne gedeckt werden.

Die beiden folgenden Beispiele (Juni 1917) geben die Kosten-
berechnung für reine Arbeitsvorgänge (§ 1 Ziff. 2 HGB.) wieder;
die Einzelteile werden fertig bezogen, nachgearbeitet, kontrolliert,
gelehrt und zusammengebaut (laboriert). Maschinenarbeit ist gering,
vielfach Stundenlohn. Das Beispiel a (Rheinland) gibt die Kosten
in Summen an — der Kostenzuschlag- würde 243 o/o,' betragen —,
das Beispiel b (Süddeutschland) entspricht der üblichen Methode in
der Metallindustrie; die Anlage zu b läßt die Zusammensetzung der
Lohnzuschläge erkennen.

Beispiel a:

Nettolöhne das Stück...................... 67,5 Pfg.

Gehälter für Bureau- und Betriebsbeamte .	6,8 Pfg.

Kriegsunterstützungen.....................3,—	„

Abschreibungen............................3;2	„

Unterhaltung der Werkzeuge und	Maschinen	7,5	„

_____________ 20,5 Pfg.

') Vgl. Rescei, Dia Kalkulationsmethoden im Maschinenbau. Wien 1903,
Selbstverlag (Sonderabdruck aus der Zeitschrift des öster. Ingenieur- und
Architekten-Vereins, 1903).

a) Die Produktion besteht in der Bearbeitung vorhandener Waren, nicht in
der Hervorbringung neuer.
        <pb n="189" />
        ﻿181

Übertrag: 20,5 Pfg.

Krankenkassen- und Invaliditätsbeiträge usw. 2,— „

Zinsen.....................................6,— „

.Versicherungen ...........................2,5	„

Allgem. Verwaltungsunkosten (Porti, Reisen,
Handelskammer-, Gewerbegerichts- undBe-
rufsgenossenschaftsbeiträge usw.) , . .	5,5	„

Allgem. Betriebsmaterialien (Kohlen, Gas,

Wasser, Öl, Strom, Säure, Lack, Putzmate-
rial usw.)...............................18,—	„

Allgem. Betriebslöhne (Heizen, Transporte,

Lager usw.)..............................TO,— „

Beschuß		•	4,5	&gt;&gt;	
Küchenkonto		• io-	&gt;&gt;	
Lagerverluste, Ausschuß, Diebstahl usw.	. 20,—	5?	
Unvorhergesehenes		15,-	&gt;&gt;	
Steuern	 .	.	50,-	&gt;5	164,— Pfg. 231,5
Verdienst				25,- „

256,5 Pfg.

Beispiel b:

Reiner Arbeitslohn ................................... Mk.	—,87 2

Fabrikations- und Betriebsunkosten 225,0/q|............,,	1,96	2

Abschreibung der Sprengstoffschuppen und Unter-
stände, bauliche Veränderungen und Wiederherstel-
lung des früheren Zustandes, sowie Feuer- und Haft-
pflichtversicherungen ................................. „	—,15

Reine Selbstkosten Mk.	2,98 4

33 V3°/ö Zuschlag auf die Selbstkosten..............„ —,99 5

Verkaufspreis Mk. 3,97 9

der demgemäß 25o/ö] Gewinn, vom Verkaufspreis gerechnet, in sich
schließt.

Anlage zu Beispiel b).

Zusammenstellung der Fabrikations - und Betriebs-
unkosten.

Werkstatt- und Betriebs Unkosten:

(Meister- und Betriebsbeamten-Gehälter, Löhne für Ein-
richter, Werkstattschreiber und Saaldiener, Teuerungszu-
lagen an Meister, Beamte und Arbeiter, ,Angestellten-Ver-
        <pb n="190" />
        ﻿182

Sicherung, Kranken- und Invalidenversicherung, Beitrag ,
zur Berufsgenossenschaft, Einlernen neuer Arbeitskräfte,

Kosten der Materialprüfung, Miete, Kraft, Beleuchtung,
Heizung, Telephon, Preßluft, Drucksachen, Fliegerschutz-
maßnahmen, ferner Abschreibung auf Werkzeuge und Ein-
richtungen zum Laborieren).......................108%;

Unkosten der Teile- und Sprengstofflagerung:
(Gehälter und Löhne der Aufsichtsbeamten, Lagerhalter,

Packer und Wächter an den Sprengstoffschuppen, Miete,

Beförderung der Sprengstoffe vom Lager in...........in

die Arbeitsräume in....und Stuttgart und der fertigen

Zünder von den Arbeitsräumen ins Lager in., Kosten

der Sprengstofflagerung in....)..................23%

Verbrauch an Unkostenmaterialien:

(Schellack/Wachs, Numata, Spiritus, Lack, Schmiermittel,
Putztücher, Schmirgel u. dgl.)...................15 o/o'

Ausschuß bei der Laborierung, Untersuchungs-

und Beschußzünder................................ 5%'

Risiko bei der Fabrikation und Abnahme der
Zünder, ferner bei Brand, Explosion und
Fliegerangriffen:

(Änderungsarbeiten infolge schlechter Materialien — z. B.
Zündertuch, unrichtiges Pulver —, welche von der Heeres-
verwaltung geliefert werden, Umarbeitung von bei der Ab-
nahme verworfenen Losen, Betriebsstockung wegen
mangelnder Materialien, Betriebsunterbrechung in Brand-
und Explosionsfällen, sowie bei Fliegerangriffen) .	. .	25%

insgesamt: 226 %;

Unrichtig ist auch ein gleichmäßiger Zuschlag auf Mate-
rial und Löhne (IIc): S = (M -f- L). 1,0 p oder M. 1,0 p

_l_ I 1 0 worj[n _ Jahressumme der Unkosten X 100

P. worin p Jahressumme der direkten Aufwendungen
Diese Berechnung faßt, wie die Formel ergibt, die indirekten Kosten
als eine Einheit1) auf und nimmt keine Rücksicht darauf, ob die
Unkosten größtenteils für das Material oder für die Fabrikation
verausgabt werden. Andererseits wird dadurch ein Fabrikat aus
teuerem Rohmaterial trotz gleicher Arbeitskosten im Verhältnis zu

’) Der Kaufmann schlägt seine gesamten Kosten auf den Einkaufswert der
Ware. Die angegebene Berechnungsart akzeptiert diese Auffassung auch für
die industriellen Betriebe und sieht in den direkten Ausgaben (M-j-L) den
Produktions- = Einkaufswert (vgl, g 20).
        <pb n="191" />
        ﻿183

den Artikeln aus billigerem Material einen höheren Kostenaufschlag
tragen müssen, obwohl die gleichen Unkosten aufgewendet wurden
wie bei einem Fabrikat -aus geringerem Material; auch rohe oder
wenig bearbeitete Produkte werden zu teuer kalkuliert. Beispiel:

Material 100

Löhne 75

175

-f-100,% 175 Unkostenzuschlag
Selbstkosten 350.

Nimmt man schlechteres Material (M = 60), verwendet aber größere
Sorgfalt auf die Bearbeitung (L = 115), so sind die direkten Kosten
dieselben wie im ersten Fall, der Aufschlag derselbe trotz der
längeren Arbeitszeit. Diese Methode ist unserer Ansicht nach nur
dann anwendbar, d. h. sie führt zu einem rechnerisch richtigen
Ergebnis, wenn die indirekten Ausgaben für Rohmaterial und
Löhne annähernd die gleichen sind, oder wenn die Artikel nur aus
einem Material hergestellt werden. Unlogisch ist auch diese Methode.
Der Wert des Rohstoffes ist ein Durchgangswert, der auf die Be-
triebskosten wenig oder gar keinen Einfluß hat.

Dem Werte des Fabrikationsmaterials sind alle Kosten der Be-
schaffung, Lagerung und Verwaltung anzurechnen, also: Bezugs-
spesen, Verluste durch Schwund, Ausschuß, Verkrümmelung, die
Kosten der Magazinsverwaltung (Gehälter, Löhne, Material-
unkosten, § 14); alle übrigen indirekten Ausgaben werden ge-
wöhnlich den Fabrikationslöhnen zuzurechnen sein. Häufig zählt
man dem Materialaufschlag auch die Zinsen Verluste zu, die
durch längere Lagerung entstehen.

1. Rechnungsbeispiel (schematisch):

Lagerraum: Verzinsung und Abschreibung 6°/o
von Mk. 8000,—	. . . = 480,—

Instandhaltung ....	150,—

Lagerinventai’: (Verzinsung, Abschreibung, Instand-
haltung ........................................

Verwaltung: Gehälter, Löhne (persönliche Kosten1))

Allgemeine Kosten: Anteil an Beleuchtung, Ver-
sicherung, Bureaubedarf u. a. .	.

Mk. 630,—

„ 210-
„ 2600,—

„	500,-

Es entfallen für Generalkosten Mk. 3940,—

auf durchschnittlich 40000,—- Mk. im Jahr verarbeitete Rohstoffe
= 10%, d. h. dem Rohmaterialwert eines jeden Fabrikates sind

‘) Wo ein besonderes Einkaufsbureau besteht, sind dessen Kosten gleich-
falls hierher zu rechnen.
        <pb n="192" />
        ﻿184

ohne Rücksicht auf Materialverluste und Lagerzinsen lOp/o' zuzu-
rachnen.

2.	Beispiel:

Eine Metallwarenfabrik berechnet den Materialaufschlag ihrer
an zwei Lagerräumen beteiligten Dreherei für das kommende Be-
triebsjahr wie folgt:

Lagerraum:	A	B
	Mk.	Mk.
Gesamt-Jahresumsatz (d. h. Selbstkosten des der Fabrikation zugeführten Materials) . .  Jahresumsatz der Dreherei	  d. i. in Prozenten des Gesamtumsatzes . .  Gesamt-Jahreskosten der Verwaltung, Be- leuchtung usw. (wie oben berechnet).	. .  Davon entfallen auf die Dreherei ....	371200 74 240 20%  5 940  20 °/o = 1188	253400 152 040 60 °/o  4 720 60 % == 2 832

Zusammen Mk. 4020 auf Mk. 226 280

Jahresumsatz, d. i. 13/* °/'o.

Materialverluste 1t. Lagerkonto....................Mk. 7 206

Zinsen auf den durchschnittlichen *) Lagerbestand von

Mk. 45 000 zu 5%................................. ,	2 250

Gesamtkosten der Materialienverwaltung ....	» 13 476

= 6 6/o vom Ümsatz.

Zu beachten ist, daß es in einigen Betrieben Materialien gibt,
die sofort nach Eintreffen in der Fabrik verarbeitet werden und nicht
durch den Lagerraum gehen. Für solche Materialien soll der Auf-
schlag geringer sein.

Die Verteilung der Lagerkosten usf. erfolgt auch auf die Maß-
einheit z. B. bei Holz für cbüx, bei Eisen für eine Tonne, für andere
Lagermaterialien für 100 kg u. a.

Metallwarenfabriken und ähnliche Unternehmungen rechnen
für einzelne Materialiengruppen verschiedene Kostenaufschläge, die
sie etwa nach dem Schema des 2. Beispieles ermitteln2).

Er lach er (a. ;a. O. S. 35) meint, es wäre logischer, die
Ma t erial Unkosten nach dem Gewicht zu berechnen. „Es ist wenigstens
nicht einzusehen, weshalb auf 100 kg Nickel im Werte von 400 Mk.
der Zuschlag 16 mal größer sein soll als auf 100 kg Eisen im
Werte von 25 Mk., da die Kosten offenbar dem Gewichte annähernd
proportional, d. h. also gleich sein werden.“ Dem letzten Teil des
Satzes können wir nicht beitreten. Der größere Wert bedingt größere
Sorgfalt und Aufmerksamkeit bei den Lagerarbeiten. Wo so ungleich-
wertige Stoffe, wie im gegebenen Fall, verarbeitet werden, wird

0 d. h. vorjährigen, mutmaßlichen oder durchschnittlichen Verbrauch.

-) Vgl. das Beispiel e Seite 102.
        <pb n="193" />
        ﻿185

eine Differenzierung der Aufschläge als Anteil an den allgemeinen (
Kosten der Lagerung notwendig sein, die den Wert, die verschieden
lange Lagerzeit, den beanspruchten Lagerraum, größere Lager-
arbeiten u. a;. berücksichtigt. Häufig bleiben die Unkosten unver-
ändert, ob das Material z. B. Eisen oder Kupfer ist.

Richtig ist die Trennung der Zuschläge auf den
Rohmaterialwert und auf die Löhne (IIe). Die Material-
unkosten sind dem Materialwert, die übrigen Unkosten den Lohnauf-
wendungen proportional. Bezeichnet man den Materialaufschlag mit
pm, jenen auf die Löhne mit px, so ergibt sich für die Berechnung
der Selbstkosten eines Artikels die Formel:

s = (M+w) + (L + iM)=M-1’0pm + L-1’0pi'

Z. B. Ein Meßapparat erfordert an:

Material:

Löhnen:
Mk. 39,75

Mk. 24,50

-f-10 o/o Aufschlag: „	2,45 -j- 50 °/o „ 19,88

Mk. 26,95 -f Mk. 59,63 = Mk. 86,58 Ge-

samtkosten.

Ein anderes Verfahren zeigt v. d. Da eie1); er berechnet das
Hilfs- (Neben-) oder unproduktive Material prozentuell zum Fabri-
kations- oder produktiven Material, die indirekten Löhne prozentuell
zu den Fabrikationslöhnen, alle übrigen Betriebs- und Handlungs-
unkosten prozentuell zu den Gesamtlöhnen. Z. B.:

Kommissions-Nr. 602 II.

Fabrikationsmaterial.................Mk. 2000,—

5o/o Zuschlag für Betriebsmaterial . .	„	100,—	Mk. 2100,—

Fäbrikationslöhne..................... Mk. 400,—

15o/o' für unproduktive Löhne	.	.	„	60,—	„	460,—

70 0/0" Zuschlag von 460,— für	Generalkosten .	.	„	322,—

Besondere Ausgaben: Montage........................ „	75,—

Transport

Selbstkosten Mk. 2991,—

Wir halten es für besser, von den Generalkosten außer dem
Betriebsmaterial auch die Materialunkosten, wie oben ausgeführt,
auszuscheiden. Andererseits ist diese Art der Kostenberechnung
eher für Kosten vor anschläge zu empfehlen, wenn das Nebenmaterial
(z. B. Schrauben, Nieten, Farben) sich im voraus schwer oder gar
nicht feststellen läßt (Maschinenfabriken u. a.).

9 Moderne Buchhaltung, Stuttgart 1904, S. 133ff. Ähnlich Prof. Beck,
Darmstadt, in ,Selbstkosten- und Gewichtsberechnungen in Maschinenfabriken'.
(Blätter zur Verteilung an die Studierenden im Wintersemester, die uns zur
Verfügung gestellt wurden.)
        <pb n="194" />
        ﻿186

Die Verrechnung der Nebenlöhne (Löhne der Hilfsarbeiter) als
Generalspesen ist nicht in allen Betrieben eingeführt. Andere Werke
verrechnen diese Löhne unmittelbar als produktive Löhne des be-
treffenden Arbeitsstückes; dadurch vermindern sich die allgemeinen
Kosten.

In Unternehmungen mit ausgebildeten Arbeitsmethoden, gut ein-
gerichteten Arbeitsmaschinen wird der Lohnaufschlag verhältnis-
mäßig groß sein; die jährliche Lohnsumme wird herabgedrückt.

„	. T , c ,,	...	,	. ,	Jahresunkosten. 100

Da der Lohnaufschlag sich'aus der Gleichung: p — —=-r-t—,---------

Jahreslohnsumme

berechnet, so ist klar, daß p um so größer wird, je kleiner die
Lohnsumme ist. In Unternehmungen mit teuerer Lohnarbeit wird
der Kostenzuschlag im Verhältnis zu anderen Betrieben der gleichen
Art geringer sein; und trotzdem kann es vielleicht mit jenen anderen
Betrieben nicht konkurrieren, weil die produktive Arbeit zu teuer ist1).

Werkstattzuschläge.

§ 45. Das Streben, jedem Fabrikat einen den wirtschaftlichen
und tatsächlichen Verhältnissen entsprechenden gerechten Anteil
an den allgemeinen Unkosten zuzuteilen, hat naturgemäß zur Ver-
feinerung der Kalkulationsmethoden führen müssen.

Prüfen wir die bisher erörterten Methoden der Kostenaufteilung
an einem Beispiele. Ein Arbeiter arbeitet 10 Stunden zu 70 Pfg.;
der Zuschlag beträgt 30%; == 21 Pfg.; die Kosten einer Arbeits-
stunde belaufen sich somit rechnungsmäßig auf 91 Pfg. Angenommen,
der eine Arbeiter verrichtet die Arbeit an einer Maschine von be-
deutenden Anschaffungskosten, die große Ausgaben für die Instand-
haltung verursacht, teuere Werkzeuge erfordert, viel Material und
Kraft verbraucht und eine große Bodenfläche beansprucht2). Alle
Kosten sollen mit 21 Pfg. die Arbeitsstunde gedeckt werden.

Ein anderer extremer Fall: Ein zweiter Arbeiter erhält den
gleichen Lohn, arbeitet mit Hammer, Meißel, Hobel, Pinsel o. ä.
Auch hier beträgt der Kostenaufschlag 21 Pfg. Es ist klar, daß
eine derartige Verteilungsmethode die Kostenanteile in dem einen
Fall unverhältnismäßig niedrig, im anderen unverhältnismäßig hoch
berechnet. Dieser ungerechten Verteilung kann dadurch abgeholfen
werden, daß man für jede Lohnkategorie einen dem Unkostenver-
brauch der einzelnen Arbeiten oder Maschine entsprechenden Zu-
schlag berechnet, der die Unkosten dieser Arbeit (Maschine) decken
soll, und schließlich einen Aufschlag bestimmt, um damit jene Aus-

') Z. B. Betrieb A arbeitet mit 20%, B mit 60°/o Kostenaufschlag; A ver-
braucht an Löhnen Mk. 200 + 40 (=200,o) — Mk. 240,-; B verausgabt nur
Mk. 100 —}- 60 = Mk. 160,-.

*) Z. B. in einer Zieherei stehen neben Exzenterpressen größere Ziehpressen.
        <pb n="195" />
        ﻿187

gaben zu decken, die nicht unmittelbar einer Arbeit (Maschine) zu
belasten sind1). Das Kalkulationsschema ist das folgende:

Materialwert .	.	.	. Mk.......

m o/o Zuschlag „ .... Mk. a

Löhne: Dreher Mk........-j-a&lt;&gt;/o; Mk.....

Stoßer „	b°/o’	„ ....

Hobler „ .... -f- c%'	,&gt;

(Fräser, Schmiede, Tischler,

Lackierer, ebenso berechnet)	Mk...... Mk. ß

MkTT“+ß)

-j- Z o/o) Handlungsunkosten u. a. „	....

Selbstkosten Mk.........

„Bei Bestimmung dieser Zuschläge ist auf die Werkzeug- und
Arbeitstmaschinen, sowie auf die Bodenfläche Rücksicht zu nehmen,
welche die einzelnen Arbeiter bei Verrichtung ihrer Arbeit bean-
spruchen. Es ist nur natürlich, daß der Dreher und Fräser, der große
teuere Werkzeugmaschinen und demzufolge auch einen größeren
Raum in der Werkstatt bei der Verrichtung seiner Arbeit benötigt,
einen weit größeren Anteil an den Kosten zu tragen hat, also einen
weit größeren Zuschlag auf seine Löhne in der Kalkulation haben
muß als der Schlosser, der zur Verrichtung seiner Arbeit nur
Schraubstock und Werkzeug gebraucht, und daß wiederum der
Schlosser einen höheren Zuschlag auf seine Löhne in der Kalkulation
haben muß als der Lackierer, dessen Werkzeug nur im Pinsel be-
steht2).“

In manchen Betrieben begnügt man sich mit der Trennung
von Haupt- und Neben arbeit und macht auf beide verschiedene
Aufschläge. Eine solche Trennung ist empfehlenswert, wenn die
Hauptarbeit teuere Werkzeuge und Werkzeugmaschinen erfordert.

Ein Beispiel: Apparatenbau:

Materialwert................................Mk.	18,50

-f- 10°/o Aufschlag......................... ,,	1,85	Mk.	20,35

Hauptarbeit.................................Mk.	5,70

200 o/o Aufschlag...........................  „	11,40	„	17,10

Nebenarbeit (Schleifen, Polieren, Wickeln

usw.)....................................  Mk.	4,90

lOOo/o Aufschlag............................ „	1,90	„	3,80

Selbstkosten	Mk. 41,25

9 Vgl. Lauer, Importance of cost keeping to the manufacturer in den
Annals of the American Academy of Political and Social Science Philadelphia,
November 1903.

2) Johanning, Die Organisation der Fabrikbetriebe, 2. Aufl., 1901, S. 34.
Schon Bailewski (Kalkulation für Maschinenfabriken, 1877, 2. Aufl. 1880)
fordert die Verteilung der Generalkosten werkstättenweise.
        <pb n="196" />
        ﻿188

In dem folgenden Beispiele aus der Holzbearbeitungsindustrie
werden Maschinen- und Handarbeit getrennt berechnet:

Holzkasten:

Material, fertig bezögen ................Mk.	3,20

„ selbst bearbeitet .............. „	2,— Mk. 5,20

Maschinenlöhne ..........................Mk.	4,20

-f-70.0/0, Zuschlag .................. ,,	2,94 „	7,14

Handarbeitslöhne.........................Mk.	6,90

+ 40 o/o Zuschlag................... „	2,76	„	9,66

Mk. 22,—
+ 10p/o Gewinn „	2,20

Mk. 24,20

Man muß jedoch in vielen Fällen, insbesondere in Großbetrieben,
weiter gehen und fordern, daß für jede Werkstätte der Einzel-
betriebe ein besonderer Zuschlag berechnet werdex). Beispiele sollen
die Gründe hierfür zeigen. Die eine Werkstätte arbeitet mit teuerer
Arbeitsausrüstung, .vorwiegend mit Werkzeugmaschinen, die eine
größere oder geringere Kraft beanspruchen; in dieser Werkstatt
werden alle Arbeiten durch Handarbeit von Arbeitern, in jener
durch weibliche Arbeiter, in einer anderen nur durch Lehrlinge
besorgt. Hier ist der Verbrauch an teueren Werkzeugen sehr groß,
die Löhne sind höher; dort sind bei geringen Lohnkosten die all-
gemeinen Betriebskosten außerordentlich hoch, z. B. infolge aus-
gedehnter Verwendung maschineller Einrichtungen. Die eine mecha-
nische Werkstatt arbeitet ohne Maschinen; trotz der hohen Löhne
und der teueren Werkzeuge sind die allgemeinen Kosten gering.
Eine Emailwerkstatt erfordert bedeutende Unkosten wegen der starken
Inanspruchnahme der Glüh- und Schmelzöfen, der Behälter, in denen
die zu emaillierenden Gegenstände geglüht, gebeizt werden. Hingegen
sind die Betriebskosten einer Schleiferei, Montagewerkstätte, Schmiede
usw. verhältnismäßig geringer.

Wie jeder Betrieb, so verursacht jede Werk-
stätte Betriebsunkosten, die für einzelne Werk-
stätten erheblich voneinander abweichen. Eine sum-
marische Berechnung derart, daß man die Unkosten aller Werk-
stätten zusammenzählt und einen durchschnittlichen gleichmäßigen)
Prozentaufschlag auf alle Löhne ermittelt, ist deshalb im allgemeinen
zu verwerfen. EinDurchschnittssatzistnurdann rich-
tig, wenn gleichartige Erzeugnisse hergestellt

') Vgl. Deutsche Industrie-Zeitung Nr. 2 von 1905. S perl ich, Reform
der Unkostenberechnung in Fabrikbetrieben, Hannover 1904. Distribution of
Shop costs (in The Iron Age, Vol. 75, Nr. 1 von 1905).
        <pb n="197" />
        ﻿189

/

werden, d. h. wenn sämtlicheErzeugnisse alle Werk-
stätten in ungefähr gleicher Her Stellungszeit
durchlaufen, so daß der Anteil an den Kosten für
das einzelne Produkt und das Verhältnis der ein-
zelnen Arbeitsprozesse im Produkt nur unwesent-
lich sich verändert. Aus der Tabelle S. 190 ist ersichtlich,
wie sehr die Betriebskosten einzelner Werkstätten voneinander ab-
weichen können. Wir gestehen zu, daß die getrennte Berechnung der
Aufschläge in manchen Betrieben Schwierigkeiten bereiten wird.
Doch werden diese auf gewogen durch die Vorteile einer zuverlässigen
Kostenverteilung. Eine elektive Verteilung der Kosten
auf die einzelnen Werkstätten muß vorausgehen.
(Siehe S. 145 f. u. § 58 f.) Würde man im gegebenen Beispiel (S. 190)
einen Durchschnittszuschlag von 79,4 o/o1 auf die Löhne berechnen
(70680,—: 89 010,—), so zeigen die nachfolgenden Zahlenbeispiele,
wie eine solche Berechnung die tatsächlichen Kosten und damit den
Herstellungspreis unrichtig zum Ausdruck bringt.

Material Zuschlag 10%	Mk.  y&gt;	12-  1,20	Mk. 13,20	Falsche Berechnung: Material	Mk. 13,20
Stanzen	Mk.	2-		Löhne Mk. 3,—
+ 126%%	1»	2,53	,,	4,53	79,4% „ 2,38	„	5,38
Vernickeln	Mk.	1-		Mk. 18,58
+ 100%		1-	m	2,-	d. h. das Fabrikat würde

Herstellungskosten	Mk. 19,73 um Mk. 1,15 zu billig ver-

kauft werden, das ist mit
etwa 6°/o Verlust.

Die Folgen solch1 unrichtiger Berechnung sind klar: für den
einen Artikel werden reichlich Aufträge eintreffen, für andere der
gleichen Fabrik sind solche kaum zu beschaffen. Trotz überreicher
Bestellungen auf Artikel der einen Abteilung wird Geld verloren.
Konkurrenz-Unternehmungen, die nur Spezialartikel, vielleicht nur
in einer Ausführung, herstellen und ihre Kosten ohne Schwierigkeit
genau kalkulieren können, sind in dieser Beziehung im Vorteil
gegenüber Betrieben mit vielseitiger Produktion, die mit höheren
durchschnittlichen Kosten zu rechnen haben.

Eine spezialisierte Verrechnung der Unkosten werkstättenweise
ist dann unerläßlich, wenn neben den Arbeiten für den eigenen
Betrieb noch Lohnarbeiten für andere, d. h. die Be- und
Verarbeitung für Dritte übernommen werden. So besorgt z. B. eine
Weberei, der zur Veredelung der eigenen Erzeugnisse eine Färberei
und eine Appreturanstalt angegliedert sind, zwecks rationeller Wirt-
schaft und Ausnutzung der Anlagen das Färben und Appretieren
        <pb n="198" />
        ﻿Schematisierte Unkostenverreehnung der Werkstätten.

Werkstatt	Abschreibungen				Anteil an			Unkosten		Reparaturen j	Meister-  gehälter	Gesamtbetrag	Summe der  Fabrikations-  löhne	60 i «S £ 2 •oÄ  3  rt  7»
	Ge-  bäude	Werk-  zeug-  ma-  schinen	Werk-  zeuge	Mo-  bilien	Kraft	Licht	Hei-  zung	Löhne	Material					
Stanzerei		450	5 000	2 300	100	4 000	450	250	2 000	1000	2 450	1000	19 000	15 000	1262/3
Schwarzblechklempnerei .	700	500	200	200	400	500	300	1300	500	300	800	5 700	10 000	57
Beschlagschmiede .	.	.	100	300	100	50	300	200	100	450	200	200	300	2 300	4 500	51,1
Emaillierung		2 000	1100	100	300	1000	900	—	8C0	18 000	4 000	1800	30 000	25 600	117,1
Malerei		80	—	10	40	-	200	100	50	120	100	1C00	1 700	10 800	15,8
Verzinnerei		150	—	10	30	—	200	100	150	700	10	650	2 000	2 000	100
Weißblechklempnerei . .	800	400	270	130	300	240	360	340	1460	400	1200	5 900	15 700	37,6
Vernickelei		80	280	20	20	200	210	240	100	730	200	300	2 380	2 410	100
Lackierwerkstatt . . .	130	50	10	10	—	170	130	300	240	160	500	1 700	3 000	562/s
Summe Mk.	4 490	7 630	3 020	880	6 200	3 070	1580	5 490	22 950	7 820	7 550	70 680	89 010
        <pb n="199" />
        ﻿für fremde Rechnung oder es werden Reparaturarbeiten übernommen
u. dgl.

Überdies ist zu erwägen, daß einzelne Fabrikate nicht gleich-
mäßig alle Werkstätten durchlaufen; und trotzdem soll der Durch-
schnittszuschlag die Kosten aller Werkstätten decken! Z. B.:
Eine Fabrik für elektrische Meßapparate und andere Bedarfsartikel
läßt jeden Apparat vor der Ablieferung auf fehlerfreie Funktion
eichen, was teuere Anlagen und Meßinstrumente erfordert. Die
Kosten dieser Eichabteilung dürfen sicher nur jenen Artikeln ange-
rechnet werden, die tatsächlich probiert werden.

In Unternehmungen, die alle oder einzelne Bedarfsartikel
im eigenen Betriebe erzeugen — z. B. Werkzeuge für die mecha-
nische Werkstätte; die Eisengießerei liefert den anderen Abteilungen
den Metallguß; der Fabrik ist eine Installations- und eine Bau-
abteilung angegliedert, die Arbeiten außerhalb des Betriebes aus-
führen —, ist es vielfach üblich, neben dem Herstellungspreis einen
kleinen Gewinnaufschlag zu berechnen; sie betrachten solche Ab-
teilungen (z. B. die Werkzeugmacherei) als selbständige Betriebe
mit Erwerbszweck. Die Rentabilität der Selbsterzeugung berechnet
sich aus dem Unterschiede zwischen Herstellungs- und dem Ein-
kaufsmarktpreis der selbst angefertigten Artikel. (Vgl. S. 81.)

Läßt man ein Arbeitsstück auf der Maschine einer anderen
Betriebsabteilung bearbeiten — weil diese gerade nicht beschäftigt
ist, oder weil die eigene Abteilung über eine solche Maschine nicht
verfügt, oder weil die Arbeit gefördert werden soll u. ä. .—, dann
rechnet man vielfach den Aufschlag der eigenen (bestellenden) Ab-
teilung.

Dies führt uns zur Erörterung der Frage, wie grundsätzlich
die Aufschläge auf selbsterzeugte Werkzeuge, für Ar-
beiten auf die sogen, festen oder eigenen Kommissionsnummem
u. ä. zu berechnen sind. Für eine produktive Werkstätte ist es
gleichgültig, auf wessen Kosten sie beschäftigt wird. In jedem F'alle
haben die Arbeitskosten einen Teil der allgemeinen Unkosten zu
tragen. Läßt man die Lohnkosten für Arbeiten der eigenen Betriebe
ohne Aufschlag, so verteuert man die Kosten für die Kundenarbeit
ganz erheblich. Die Werkzeugmacherei beispielsweise würde hingegen
im Vergleich zu den Anschaffungskosten gekaufter Werkzeuge zu
billig arbeiten. Die Arbeitskosten für Aufträge des eigenen Bedarfs
sind mit den Lohnaufschlägen der ausführenden und nicht mit
jenen der auftraggebenden Abteilung zu belasten. Unterläßt man
solche Lohnaufschläge, unterbleibt somit die berechtigte Überwälzung
eines Unkostenteiles, so verteuert dies indirekt die Arbeitskosten
der ausführenden Werkstätte.
        <pb n="200" />
        ﻿192

Die theoretisch richtige Ermittlung des Unkosteaaufschlag.es
bei erheblichen Arbeitsleistungen für andere eigene Betriebe soll
das folgende Schema zeigen.

Betriebsabteilung	1	II	III	IV
1. Fabrikationslöhne für Arbeiten auf				
Lager und Bestellung	  2. Fabrikationslöhne für Aufträge an-	82440	50 236	57 608	52 760
derer Betriebsabteilungen ....	7 200	5 600			8 600
3. Löhne für Neuanlagen		500	2 300	—	—
Von den Betrieben bar bezahlt. . 4. Zu Fabrikationslöhne für Arbeiten anderer Betriebe, an diese von der eigenen Abteilung zu vergüten. .	90 140	58136	57 608	61360
	3 520	4 120	9 280	4 480
	93 660	62 256	66 888	65 840
5. Abzüglich F.-L. unter 2., von den				
anderen Betrieben zu vergüten.	.	7 200	5 600	—	8 600
ö. Arbeitslöhne der einzelnen Betriebe		86460	56 656	66888	57 240
7. Generalkosten (Barausgaben) .	77 620	34 000	85 019	57 270
vorläufig. Lohnprozentsatz v. 6.	.  8. Ab Gutschrift v. Unkosten durch	90	60	127	100
Aufschlag auf Löhne unter 2. u. 5.				
7 200 h 90 %	6 480	—			—
5 600 „ 60 %	—	3 360	—	—
8 600 „ 100%	—	—			8 600
9. Ab Gutschrift durch Unkostenauf-				
schlag auf Aktivwerte unter 3.				
500 ä 90 °/o	450						
2 300 , 60 °/o	—	1380	—	—
10.	Summe 7. abzüglich 8. u. 9.. . •  11.	Zuzüglich Unkostenaufschlag auf	70690	29 260	85 019	48 670
Löhne unter 4.				
I. 1 040 ä 60 °/o	1	3104					___
2 480 „ 100 %				
IL 2 400 „ 90 °/o 1720 , 100% III. 1200 „ 90 °/o	-	3 880	~	
3 680 „ 60 °/'o 4400 „ 100 %		—	7 688	
IV. 3 600 , 90 %	l 		—	—	3 768
880 „ 60%	j			
12. Von den Betrieben tatsäch-				
lieh zu tragenden Unkosten (10. und 11.)		73 794	33140	92 707	52 438
Lohnprozentsatz (zu 6.)		85,4	58,5	138,6	91,6

Meitzer (Grundzüge, S. 12) verlangt, daß die unproduktiven
Aufwendungen nur von den durch Verkauf von Ware realisierten
Leistungen, nicht von den Leistungen für den eigenen Bedarf ge-
tragen werden. Die Inventarvermehrung durch eigene Arbeit soll
        <pb n="201" />
        ﻿193

nicht mit Unkosten belastet werden, so daiß die Unkosten nur durch
Aufschlag auf die produktiven Löhne für die Warenerzeugung
verteilt werden sollen. Was Meitzer unter Inventarvermehrung
versteht, sagt er ganz klar. Er spricht, S. 13, von „Selbstanfertigungen
für Betriebserweiterungsbauten und deren Ausrüstung“. Für
Meitzer ist die Schaffung von Inventarvermehrung keine pro-
duktive Arbeit, die Lohnausgaben hierfür sind keine wirklich
werbenden Löhne, was zeigt, daß die Gleichstellung der Ausdrücke
produktive und werbende Löhne nicht ganz sinngemäß ist. In der
Sache selbst hat Meitzer unrecht. Wer die Herstellungskosten der
Inventarvermehrung richtig berechnen will, kann auf den Unkosten-
Zuschlag für Betriebskosten nicht verzichten1).

Das nachstehende Beispiel zeigt die Anwendung der bisher
entwickelten Grundsätze.

Wagenbau (Einzelheiten des Materialbedarfs weggelassen):

		Betrag	Zuschläge		Zu-  sammen
			°/o	Betrag	
I. Materialien:	1				
Holz, einschl. Verschnitt	. . .	400,60	10	40,10	440,70
Eisen, Stahl	  Fertigbezogene Beschläge . Schrauben, Muttern, Nieten,		185,95	5	9,30	195,25
	Splinte,	717,20	2	14,35	731,55
Rohre			165,13			
Malermateralien	  Sattler		. . .	58,80  16,45	1 2	4,80	245,18
	Summe j	1544,13		68,55	1612,68
II. Arbeitslöhne:			.		
Holzbearbeitung ....	. . . .	25,—	160	40,-	65,-
Stellmacher			70,-	60	42,-	112,-
Handschmiede			40,-	80	32,-	72,-
Fallhammer				13,-	150	19,5	32,5
Pressen			9,5	200	19,-	28,5
Drehen		.	85,5	200	171,-	256,5
Bohren			12,-	150	18,-	30,—
Hobler, Gesenkschmiede.		6,-	150	19,-	.15,-
Kaltsäge			4,5	120	5,4	9,9
Schleifen			3,-	150	4,5	7,5
Schlosser			62,-	60	37,2	99,2
Sattler			V,-	30	2,1	9,1
Maler			22,-	50	11,—	33,—
Holzplatz, Hofarbeiter . .		10,-	25	2,5	12,5
Summe		369,5		418,2	782,7

‘) Vgl. auch Lewin, Werkstattbuchführung. Berlin 1906. Seite 21.
Leitner, Selbstkosteuberechnung. 7. Aufl.	13
        <pb n="202" />
        ﻿1. Gesamt- und Stiickkalbulation

Monat	Stück-  zahl	Ar-	Tägliche  Leistung	Gesamtkalkulation		Stückkalkulation					
1918	der  Pro-  duktion	beits-  tage		Produktive  Löhne	Unkosten ohne Ab- schreibung	Ma-  terial	Löhne	Un-  kosten  ohne  Abschr.	Prozent-  satz der Löhne	Fabrik-  Selbst-  kosten  ohne  Abschreibung	Fabrik-Selbst* kosten mit Einschluss von 38.1 %  Abschreibung
Januar .	.	.	5050	20*)	252,5	188 343,55	806 203	2009,17	3597,63	6200,16	172	11806,97	13177,64
Februar .	.	.	4015	18‘)	223,1	140 604,18	259 663	2571,81	3175,89	5865,25	184	11 612,95	12 822,94
März ....	5650	24	235,4	236 950,26	367 906	2574,23	3216,50	5032,60	156	10 823,33	12 048,81
April ....	4376	23	190,3	193 753,96	333 600	2577,04	3252,65	5344,47	164	11174,16	12 413,40
Mai ....	4690	24	193,3	182 757,79	268 650	2622,93	3232,76	5121,21	158	10 976,90	12 208,57
Juni ....	4728	25	189,1	253 335.73	348 279	2673,66	3289,81	4998,07	151	10 961,54	12214,94
	28 509			1 195 744,97	1 884 301						
Juli ....	4533	27	167,9		Durchschnitt						
August . . .	4563	27	169		158 %						
September .	.	3880	25	155,2	Abschreibungen							
				456 343 =  der Löhne	38,1 •/,					.	
') Streikwochen.
        <pb n="203" />
        ﻿III. Zusammenstellung:

Materialien
Arbeitslöhne

-f- 5 °/o Handlungsunkosten

10 °/° Gewinn
Verkaufspreis.................|! 2766,70

Das Beispiel S. 194 f. gibt eine Gesamtkalkulation sowie eine
summarische Stückkalkulation nebst den schematisierten Unterlagen
für dio monatliche Ermittlung der Werkstatt- und der allgemeinen
Fabrikunkosten wieder; die Kosten der Generalverwaltung,

2.	Aufstellung der Werkstatt-Unkosten für	19..

Werkstatt-

unkosten

1.	Betriebs-Material

a)	Feuerungskosten

Kohlen.............

Koks...............

Anteil	an	Dumpfkraft

„	„	Heizung. .

,,	„	Beleuchtung

„	„	Gasverbrauch

b)	Hilfsmaterialien und Re-
paraturen

Werkzeuge und Stahl

Feilen.............

öl, Petroleum ....
Putzwolle u. Putzlappen
Sonstige Betriebs - Ma

terialien........

Reparatur an Maschinen
„ an Transmis

sionen...........

Reparatur des übrigen
Inventars ....

2.	Nicht produktive
Löhne

a)	Nebenlöhne dieser Ab

teilung............

b)	Nebenlöhne anderer
Werkstätten ....

3.	Meistergehälter .

Sa. der Werkstatt-Unkosten

4.	Produktive Löhne . .

Verhältnis der Unkosten zu
den Löhnen (4.)........

Gesenk-

schmiede

Här-

terei

Schlei-

ferei

Mon-

tage

usw.

zu-

sammen

13*
        <pb n="204" />
        ﻿196

insbesondere Finanzkosten, Direktionskosten, Zqntralbuchführung usw.
sind nicht mehr berücksichtigt. Es handelt sich nur um die Er-
mittlung der Herstellungskosten in der Fabrik (Fabrikselbstkosten).

Platzkostenzuschläge.

§ 46. Die Differenzierung der Lohnaufschläge nach Werk-
stätten genügt in vielen Fällen nicht. Wenn in einer Werkstätte

3.	Aufstellung der allgemeinen Fabrik-Unkosten für...........19...

Betrag

Grund- und Gewerbesteuern, Vis der Jahressumme..............

Feuerversicherung, V12 der Jahressumme......................

Beiträge zum Verband Metallindustrieller....................

„	zur	Berufsgenossenschaft.........................

„	,	Krankenversicherung...........................

„	„ Invaliden- und Altersversicherung..............

„	,	Angestellten-Versicherung.....................

Gebäude-Unterhaltung........................................

Unterhaltung der Automobile.................................

Wasserverbrauch........................................... . .

Konstruktions-Unkosten und Versuche: Gehälter, Löhne und

Materalien-Verbrauch.............................. . . .

Technisches Bureau: Gehälter und Bureaubedarf...............

Kaufmännisches Bureau: Gehälter und Bureaubedarf............

Krankenkassen-Bureau: Gehälter und Bureauunkosten...........

Material Verwaltungen: Gehälter, Löhne und Unterhaltung . . .

Expedition: Gehälter, Löhne und Unterhaltung................

Fabrik-Kevision: Gehälter, Löhne und Unterhaltung...........

Portiers, Wächter und Bureaudiener..........................

Sonstige Unkosten...........................................

Produktive Löhne

Verhältnis der Fabrikunkosten zu den produktiven Löhnen . .

neben Maschinen von normalem Durchschnittswert solche von großem
Werte stehen — z. B. in einer Maschinenfabrik neben großen Plau-
drelibänken und Walzenfräsmaschinen ^kleinere Spezialmaschinen —,
dann kann es unmöglich richtig sein, alle Gegenstände, die in dieser
Werkstätte bearbeitet werden, gleichmäßig mit demselben Prozent-
aufschlag auf die Arbeitslöhne zu belasten. Die Betriebskosten

—	Kraft, Schmier- und Putzmittel, Abschreibungen und Zinsen usf.

—	der großen und wertvollen Maschinen sind sehr bedeutend. Sie
erhöhen den Durchschnittsaufschlag der Werkstätte ganz erheblich.
Unrichtig ist es, Gegenstände, die nur auf den normalen Arbeits-
maschinen bearbeitet werden, auch einen Anteil an diesen Mehr-
kosten tragen zu lassen.
        <pb n="205" />
        ﻿197

Ein Beispiel: In einer Schraubendreherei stehen automatische
und Handbänte. Erstere sind teuere Spezialmaschinen, deren Be-
dienung und Aufsicht ungelernten Arbeitern mit geringem Lohn
übertragen werden können. Auf den automatischen Bänken werden
Schrauben selbsttätig hergestellt, auf den Handbänken durch die
Geschicklichkeit des gelernten, gut bezahlten Arbeiters.

Automatische

Betriebskosten Mk. 1800
Betriebsstunden	2800

Kosten einer Betriebsstunde 64 Pfg. =
426 °/o des produktiven Lohns.

Handbänke
Mk. 470
2900

16 Pfg. = 25 °/o

Rechnet man einen durchschnittlichen Werkstattaufschlag —
etwa den in Maschinenfabriken so beliebten Satz von 100 o/o —,
dann zeigt sich folgendes Bild:

Arbeitslohn */* von 45 Pfg.	=	15 Pfg.	65	Pfg.

100«/«	15	,	65	,

für eine Arbeitsstunde	80	Pfg.	180	Pfg.

Das Ergebnis ist so zweifellos falsch, daß es einer Beweis-
führung nicht bedarf. Die Betriebskosten der automatischen Bänke
betragen das (Vierfache der Handbänke (64:16), die richtige Be-
rechnung liefert (15-]- 64) 79 Pfg. und (65-j-16) 81 Pfg. für die
Arbeits- -oder Betriebsstunde *).

Ein anderes Beispiel:

		Revolver:			Automat:	
Material  Arbeitslöhne:		Mk.	5,-		Mk.	5,-
Abstechen usw. Mk.	3,50			Mk.	—,80	
Putzen, Abnehmen „	-,io			” \	—,30	
Revision	„	—,20			J		
Mk.	3,80			Mk.	1,10	
-f-150 °/o Zuschlag „	5,70 Mk.		9,50	200°/o	„	2,20	3,30
		Mk.	14,50		Mk.	8,30
-f- 5 % Ausschuß		7J	—,75			—.45
		Mk.	15.25		Mk.	8,75

Die Beispiele lehren: Ein gleichmäßiger einheit-
licher Werkstättenaufschlag ist nur dort gerecht-
fertigt, wo die Abteilung gleichartige Arbeits-
methoden und gleichwertige Arbeitsmaschinen
mit annähernd gleichen Betriebskosten vereinigt.
Wo sich innerhalb einer Werkstätte die Arbeits-

*) Andere gute Beispiele bringt Lilienthal a. a. O. S. 110.
        <pb n="206" />
        ﻿198

methoden differenzieren, müssen die Betriebs-
kosten der einzelnen Maschine oder einzelner Grup-
pen gleichartiger Maschinen ermittelt werden. Die
.Verteilung dieser Maschinenkosten kann durch Prozent-
aufschlag auf die Arbeitslöhne dieser Maschine oder besser durch
Berechnung der stündlichen Arbeitskosten erfolgen. Die Ver-
teilung nach der Zahl der Betriebsstunden hat die Stundenzahl der
Werkstätte oder die Betriebsstunden der betreffenden Maschine zu-
grunde zu legen. Im ersten Fall verteilt man die Kosten gleichmäßig
auf die Arbeitszeit der ganzen Werkstätte; die zweite Berechnungs-
art ist erforderlich, wenn schwere Arbeitsmaschinen mm zeitweilig
und für bestimmte Erzeugnisse benutzt werden.

Praktisches Beispiel für die Berechnung der Maschinenkosten.

Maschine Nr. 288. Fläche 25 qm, Gesamtfläche der Arbeitsmaschinen

25

und -plätze 800 qm. Anteil von Nr. 288 somit =

'32

der Zeitkosten.

1.

2.

3.

4.

a)

b)

Abschreibung, Zinsen, Reparaturen des Gebäudes,
Anteil an den Kosten der Heizung und Be-
leuchtung. Allgemeine Kosten (Werkstattauf-
sicht, Meister ‘)............................

Berechnet nach dem be-
anspruchten Raum hier

636,40

Abschreibung, Zinsen, Reparatur der Maschine . . . Mk. 1675,—
Betriebskosten der Maschine, berechnet im Verhältnis
zur beanspruchten Kraft, z. B. durchschnittlicher Kraft-
bedarf 10 PS mal 1200 Maschinen-Betriebsstunden
= 12 000 PS Stunden, d. i. im Verhältnis zur Gesamt-
kraftleistung der Maschinenanlage 5%&gt; von den Ge-

samtkosten 5 °/o...................................... w	546,80

Besondere Kosten (Verbrauch an Reserveteilen, Pak-
kungen, Werkzeugen etc.), hier Ölverbrauch stündlich
V« 1 ä 29 Pfg. =...................................... ,	174,—

Gesamtkosten für 1200 Betriebsstunden Mk. 3 032,20
1 Betriebsstunde Mk. 2,53

Feste Kosten (1 und 2) Mk. 2311,40, pro Stunde. . . Mk. 1,93

Veränderliche Kosten Mk. 546,80, pro Stunde ....	45,6 Pfg.

Ölverbrauch pro Stunde................................ 15	,

für die Arbeitsstunde................................. 60,6 Pfg.

Erhöht sich die Zahl der Betriebsstunden etwa auf 1400,
so ergibt sich folgende Rechnung: die Kosten unter a)

bleiben unverändert...................................Mk. 2311,40

1400 ä 60,6 .......................................... ,	848,40

Gesamtkosten für 1400 Betriebsstunden Mk. 3 159,80

_____________ 1 Stunde = Mk. 2,257.

’) Andere Betriebe verrechnen diese Kosten pro Arbeitsbetriebsstunde, d. i.
für eine Betriebsstunde Mk. 2,26. Innerhalb gewisser Grenzen werden die Kosten
bei zunehmender Leistung für die Leistungseinheit fallen.
        <pb n="207" />
        ﻿199

In vielen Betrieben der deutschen Industrie wird der angeführten
Förderung genügt: Einzelne Werkstätten werden in rech-
nerischer und kalkulatorischer Beziehung in einzelne
Arbeitsplätze aufgelöst und die Kosten dieser Arbeits- und
Werkplätze ermittelt. Die im § 52 angegebenen Berechnungs-
formeln bieten genügende Anhaltspunkte für die praktische Hand-
habung dieser verfeinerten Kalkulationsmethode. (Vgl. das 3. Beispiel,
§ 52.)

Die Feststellung der Maschinenkosten (monatlich, vierteljähr-
lich) kann durch ein Maschinen-Journal (s. S. 160) etwa
mit folgenden Posten vorbereitet werden:

Arbeitslöhne (Fabrikationslöhne) dieser Maschine.............Mk. —,—

Zahl der Betriebsstunden ...........................Stunden

1.	Abschreibung: Anlagekosten Mk.....ä . . . . °/o für das Jahr.

(Buchwert) d. i. Mk....... Via —....................Mk. —,—

2.	Anteil an der Abschreibung auf Grundstücke und Gebäude.

Beanspruchter Baum * . . . qm ä ... . Pfg................ —,—

3.	Allgemeine Kosten: Betriebslöhne.................. „	—,—

Gasverbrauch .... cbm k . . . . Pfg.................„	—,—

Wasserverbrauch .... cbm h . . . . Pfg..............„	—,—

Lichtverbrauch .... Lampen ä . . . . Pfg.	.....	,	—,—

Kraftkosten .... PS-Stunden .... (Kilowattstunden)	.	„	—,—

Ölverbrauch .... Liter ä . . . . Pfg................ ,	—,—

4.	Werkzeuge, Reserveteile, Packungen 1	,

5.	Gerätschaften	[ Verbrauch............. »	-,~

6.	Transmissionen........................ ................... ,	—.—

7.	Transportmaschinen (Aufzüge, Kran) Nr. — Betriebsstunden . .. a.	„	—,—

Gesamtkosten................................................ Mk. —,—

Kosten pro Stunde........oder in Prozenten der Fabrikations-

löhne .... o/o.

Stundenzuschläge.

§ 47. In den Betrieben der Vereinigten Staaten ist der Stun-
denaufschlag üblich. Zum Preise einer jeden Arbeits- oder
Arbeiterstunde wird eine Summe hinzugerechnet, die die allgemeinen
Unkosten decken soll. Um den Zuschlag zu ermitteln, wird der
Gesamtbetrag der allgemeinen Kosten (eines Betriebes, einer Werk-
stätte, einer Maschine) durch die Anzahl der Stunden (dieses Be-
triebes etc.) geteilt. Die Berechnung erfolgt monatlich oder doch
in kürzeren regelmäßigen Zeiträumen.

Die Berechnung des Zeitaufschlages kann sich beziehen:

1.	auf die Arbeitsstunden, Betriebsstunden; hier bleibt die
Zahl der Arbeiter außer Ansatz. Dieser Modus findet Anwendung
bei der Berechnung der stündlichen Maschinenkosten (§ 46).

2.	auf die Arbeiter stunde, d. h. das Produkt aus Arbeits-
zeit und Arbeiterzahl. Den Unterschied beider Methoden zeigt die
nachfolgende Tabelle:
        <pb n="208" />
        ﻿200

Monat Oktober.

Werk-  stätte	Monatl.  Kosten	Betriebs-  stunden  26 Tage h 10 Stunden	Kosten  einer  Arbeits-  stunde	Arbeiter-  zahl	Arbeiter-  stunden	Kosten  einer  Arbeiter-  stunde
I	520,—	260	2,-	30	7 800	6‘/s Pfg.
II	780,-	260	3,-	40	10 400	7 V« pfg.

Anwendung:

Arbeiter Nr. 16 II.: Lohn für 65 Stunden a 50 Pfg. — Mk. 32,50

65 Stunden ä 7 V* Pfg. ==	„	4,87s (=15°/o des

Gesamtesten Mk. 37,376	Lohnes)

3.	Die Verteilung der Werkstattkosten auf den Arbeitertag
nach 2. nimmt auf die Höhe der Einzellöhne keine Rücksicht. Will
man darauf Rücksicht nehmen und, wie der prozentuelle Lohn-
aufschlag, die Lohnkosten eines teueren Arbeiters auch mit einem
höheren Anteil an den allgemeinen Unkosten belasten, so ist die
Lohnsumme der Werkstätte als Rechnungsfaktor mit einzubeziehen,
z. B. (im Anschluß an 2.):

Werk-  stätte	Lohnsummen der		Gesamt-  lohn-  summe	Anteil der	pro Arbeiter- lohnstunde
	Klasse I  60 Pfg.	Klasse II  40 Pfg.		Klassen an den Kosten	
1	2340,-  15 Arbeiter	1560,-  15 Arbeiter	3900,-	I	312,— ')  II	208,—	I	8 Pfg. *)  II	5 V» Pfg.

Anwendung:

Arbeiter Nr. 10 I.: 65 Stunden k 60 Pfg. = Mk. 39,—
Zuschlag:	65 ,	ä 8 » = , 5,20

Mk. 44,20

(Lohnkosten)
(== 13 V« % des
Lohnes)

Arbeiter Nr.	18 II.: 65	Stunden	k 40 Pfg. = Mk. 26,—	(Lohnkosten)

Zuschlag:	65	,	k 5	Vs „ =	,	3,47	(= 13 '/s®/o)

Mk. 29,47

Die Ergebnisse nach der 2. Methode wären
Nr. 10: Lohn: 39,—	Unkosten: 4,33

,18:	,	26,-	„	4,88

Lohnprozente: 11,1

,	16 V»

‘) 3900 : 520 = 2340: s.

s) 31200 : 3900 (d. h. 260 Betriebsstunden X Arbeiterzahl). Wir haben an-
genommen, daß jeder Arbeiter lOstündige Arbeitszeit hat.
        <pb n="209" />
        ﻿201

Das nachstehende Kalkulationsschema dient zur Berechnung
des Verkaufspreises eines Produktes unter Anwendung des Stunden-
aufschlages.

I.	II.	III.	IV.	V.	VI.	VII.	VIII.	IX.
	Material aufs chlag (für Bezugskosten,		©  bt)	Allgemeiner  Aufschlag:	'©'  fco	m  bo  fl  ö	-4-3  © ►-&lt; fl 1—1  2 1	©  ©
	Magazin u. a.)  1. entweder a Pfg. auf	©  g	rÖ o fl 32	x Pfg. für die Arbeits-	-M  fl  ©  s	fl  c8  w	© 1  •*1 a t*2	s  © fl -fl ©
Materialkosten	die Maß- oder Ge- wichtseinheit oder  2. in •/« vom Einkaufs- wert	22  rrO  fl  .2  o3  M  -fl  o3  Cm	3 fl  i cö  fl fl © © £.S  w« X ® £  ^ *	stunde	Sonderkosten (Transport, !	Aufschlag für kosten	.3*  -fl bß  © CQ  © A fl **33  11 ©  fco	Aufschlag für Verkaufsspee
							O	

Die Abteilungsaufschläge (IV) werden beispielsweise wie folgt
berechnet:

A.	Maschinenwerkstätte:

a)	Bohrmaschinen, Hobel- und Fräsmaschinen	a	Pfg.

b)	Drehbänke, Schraubenmaschinen	.	.	.	.	b	„

c)	Alle anderen Maschinen...................c	„

d)	Schlosserarbeiten.......................... d	„

B.	Holzbearbeitungswerkstätte 1	.	.	.	.	e	„

C.	Gießerei usf.	j

Eine Verfeinerung der Gliederung ist möglich, wenn man die
Abteilungsunkosten spezifiziert; z. B. könnte obiges Schema wie folgt,
ergänzt werden:

		Aufschlag		Eür	
	Ab-  schreibung	Zinsen	Kraft	usf.	Summe
		Pfg. per Stunde			
a) Bohrmaschine usf. . .	.	25	13	15		a
b) Drehbänke usw. . .	.  usw.	19	8	13		b

Die Anwendung der vorstehenden Schemata ergibt sich ohne
weiteres von selbst, so daß die Darstellung eines Beispiels entfallen
kann.

für eine
Lohn-
stunde
        <pb n="210" />
        ﻿— 202 —

4.	Eine gröbere Berechnungsweise ist die Aufteilung der Be-
triebskosten pro Arbeitstag. Man ermittelt beispielsweise die
Tageskosten einer Gießerei sowie die durchschnittliche Tages-
leistung und berechnet aus diesen Faktoren den Aufschlag auf eine
bestimmte Gewichtseinheit. Z. B. wären die Tageskosten Mk. 892,66
bei einer durchschnittlichen Tagesproduktion von 30 000 kg Guß,

somit für 100 kg .....................................= Mk. 2,98

allgemeine Kosten, dazu die Ausgaben für Eisen, Ab-
brand, Löhne.........................................—	&gt;,17,—

Selbstkostendurchschnitt für 100 kg Rohguß .	. Mk. 19,98

Ein Baugeschäft rechnet wie folgt: Die Generalkosten be-
tragen Mk. 85 000,—, geleistet wurden 60 000 Lohntage im Jahr;
demnach betragen die Kosten pro Tag und Mann etwa Mk. 1,45.

Die Prozentaufschlagsmethode verteilt die Unkosten gewöhnlich
nach Prozenten der Lohnsumme. Ein Beispiel:

Betrieb A arbeitet 2000 Std. zu 60 Pf. = Mk. 1200,— Lohnkosten
„	B „	3000 „	„ 50 „ = „ 1500-

Summe Mk. 2700,—

Die Unkosten betragen Mk. 6600,—, d. h. 244 4/9 %. Verteilt
man die Kosten nach den Lohnaufwendungen, so entfallen auf
A. neben Mk. 1200,— auf B. Mk. 1500,—

244 V9% =	„ 2933V3 und ,,	3666 Vs = 244 */9%.

Aufwand: Mk. 41331/3	Mk.'51662/3

Beide Betriebe — oder Fabrikate — werden somit gleichmäßig
mit 2444/9 0/0 Unkostenanteil belastet, obwohl der Betrieb B 3000
Stunden arbeitet! Gerecht kann diese Verteilung nicht sein1).
B wird sicher mit einem größeren Anteil zu belasten sein. Ab-
nutzung, Beleuchtung, Heizung, Verwaltungskosten sind größer als
bei A. Trotzdem ist für beide Betriebe und deren Fabrikate rech-
nerisch die prozentuelle Belastung gleich.

Wesentlich anders gestaltet sich das Ergebnis, wenn die Un-
kosten für die Betriebsstunde berechnet werden. Eine Stunde kostet
(6600:5000) Mk. 1,32.

A.	2000 Std. zu 60 Pfg. = Mk. 1200,— Lohnkosten

2000 „	„ Mk. 1,32= „ 2640,— = 2200/0 Unkostenanteil

Mk. 3840,—

B.	3000 Std. zu 50 Pfg. = Mk. 1500,— Lohnkosten

3000 „	,, Mk. 1,32= „ 3960,— = 262 0/0 Unkostenanteil

Mk. 5460,—.

') An sich ist sie falsch, weil die Berechnung die Aufschläge nicht nach
Abteilungen trennt.
        <pb n="211" />
        ﻿— 203 —

Der Unterschied in den Unkostenanteilen beträgt T Mk. 293 Vs,
im Verhältnis zum Lohn für A 24i/3°/o, für B 17 5/9°/o. Das Ergebnis
der zweiten Verteilungsmethode scheint uns richtiger zu sein, denn
es zeigt die prozentuelle Belastung dem Verbrauch entsprechend.

Die Berechnung der Unkosten für den einzelnen Arbeiter nach
den Lohnausgaben führt zu dem gleichen Ergebnis.

Z. B.: Der Arbeiter Nr. 1 braucht
10 Std. zu 60 Pfg. = Mk. 6,—, dazu 2444/9o/o' = Mk. 14,67,
Sa. Mk. 20,67.

Der Arbeiter Nr. 2 braucht

15	Std. zu 50 Pfg. = Mk. 7,50,	dazu 2444/9&lt;&gt;/o = Mk. 18,10,

Sa. Mk. 25,60.

Der zweite Arbeiter ist also insgesamt um etwa Mk. 5,— teurer:
beide sind gleichmäßig mit 2444/9o/o belastet.

Berechnet man die Gesamtausgaben für einen Arbeiter unter
Berücksichtigung des Zeitaufwandes (l1 Stunde verursacht Mk. 1,32
Unkosten), so ändert sich das Bild wesentlich:

Nr. l :Mk. 6,— Lohn	Nr. 2:Mk. 7,50 Lohn

„ 13,20 Kosten für 10 Std. „ 19,80 Kosten für

15 Stunden.

Mk. 19,20	Mk. 27,30

Nr. 2 ist im Lohn um Mk. 1,50, in den Generalkosten um
Mk. 6,60 teurer! Die zweite Berechnung bringt die tatsächlichen
ungünstigeren Verhältnisse genau zum Ausdruck: die Arbeit von
Nr. 2 ist um 5 Stunden zu Mk. 1,32, dem größeren Kraftver-
brauch etc. entsprechend, teurer. Läßt man eine Arbeit von einem
Lehrling besorgen, auf einer billigen, vielleicht schon völlig abge-
schriebenen Maschine und bezahlt a Mark Lohn und ein anderes
Stück in der gleichen Werkstatt von einem Arbeiter mit teuren
Werkzeugmaschinen fein bearbeiten, gleichfalls für a Mark Lohn,
so werden auf beide Lohnausgaben ß °/o Generalspesen geschlagen,
obwohl die Unkosten für beide Arbeiten stündlich verschieden sind.

Bezahlt mau 2 Arbeitern den gleichen Akkordlohn für die näm-
liche Arbeit, dann ist der Prozentaufschlag unrichtig, wenn die
Arbeitszeiten für die Arbeiter verschieden sind. Deshalb ist bei
dieser Aufschlagsmethode zu sorgen, daß die Akkordgrundzeit, d. h.
die vorhergesehene Normalzeit eingehalten wird.

Der Stundenaufschlag ist beweglicher und läßt sich monatlich
berechnen; doch zeigt sich seine besondere Brauchbarkeit nur bei
der Anwendung auf Nachkalkulationen. Bei Vorkalkulationen, wo
mit Akkordlöhnen gerechnet werden muß, ohne die genaue Arbeits-
zeit zu kennen, wird die übliche Lohn-Prozent-Methode unter Zu-
rechnung eines Prozentsatzes für Unvorhergesehenes und als Sichen
heitsfaktor praktischer sein.
        <pb n="212" />
        ﻿204

Stündliche Selbstkosten einer Dicktenhobelmaschinenarbeit

(Hobeln)1).

I. Anschaffungspreis der Maschine (600 mm Breite)
Riemen (anteilig).........................

II. Betriebskosten:

5°/o Verzinsung auf 2600 Mk. .....................

10°/« Abschreibungen „	2000 „	............

25°/o Abschreibungen „	600 „	............

Antriebskraft 4 PS, 2500 Arbeitsstunden zu 8 Pfg. .

Schmiermittel, Putzmittel.........................

Verbrauch an Hobelmesser, Schärfmittel............

Arbeitsplatzmietswert, Licht, Heizung.............

Reparaturen.......................................

Feuerversicherung.................................

Zwangsversicherung . ,..........................

Steuern, Lasten...................................

Gehaltsanteil des Betriebsführers.................

Hoblerlöhne.......................................

Löhne für Hilfsarbeiter...........................

2500 Jahresarbeitsstunden.........................

.	2000 Mk.

2600 Mk.

. Mk.	130	
	200	
	150	480
. Mk.	800	
	104	
	120	
	165	
	65	1254
. Mk.	35	
	76	
	25	
	200	336
	2400	
	1800	4200

Kosten 6270

250	für Nebenarbeiten (Messerauswechseln, Maschinenanlauf, Stockungen

__________ in der Werkstoffzuführung . . . .)

2250	zu verrechnende produktive Arbeitsstunden.

Selbstkosten für 1 Stunde	=» 2,79 Mk. Betriebsunkosten, 1,72 Mk.

stündlich.

Leistungsvorschub 1 ‘/a laufende Meter in 1 Minute, Breitenausnutzung ’/s = 40 cm,
gibt 1,5.40.60 = 36 qm stündlicher Hobelfläche; 1 qm = 8 Pfg. Selbstkosten.
Nach der Lohnzuschlagsmethode (3870:2400) wären etwa 162 °'o zu rechnen.
(Vgl, auch das Beispiel im VII. Abschnitt, Textilindustrie.)

Die Umrechnung der Stundenkosten in Lohnpro-
zente zeigt das nachstehende Beispiel eines kleineren Betriebes:
Maschinensaal, durchschnittlicher Akkordstundenlöhn

125 Pfg.

Teuerungszuschlag . ... j ..	.	40 Pfg. = 32 o/o

Schmiermaterial ..........................20	„	=	16	„

Heizung, Beleuchtung..................10	„	=	8	,,

Kraft verbrauch........................30 „	='24.

Verschleiß der Maschinen, Werkzeuge	.	40	„	=	32	„

Verzinsung des Anlagekapitals

7o/o von 60000 = 4200 Mk..............30	„	=	24	„

3 Hilfsarbeiter auf je 5 Mann ....	80	„	=	64	„

Betriebskosten stündlich 250 Pfg. = 200% des

Lohnes.

‘) Der Holzverkäufer, 13. April 1917, S. 195.
        <pb n="213" />
        ﻿205

§ 48. Ein anderer Verteilungsmodus stützt sich auf das in
dem Unternehmen investierte Betriebskapital und dessen
Leistungsfähigkeit1) (Produktionsfähigkeit).

Jedes Unternehmen arbeitet mit einem bestimmten investierten
Betriebskapital. Wenn mit n Mark Gesamt-Investitionskapital ein
Jahresergebnis (Wert der Jahresproduktion) von S Mark erreicht

g

werden soll, dann entfallen auf eine Mark Kapital — Mark der ver-
anschlagten Produktionsleistung. Das Produktionsergebnis einer

g

Arbeitsstunde bei 10 ständiger Arbeitszeit ist somit —— — a.

öUUL). n

Braucht man für eine Arbeit x Arbeitsstunden, so entfallen darauf

g

x .	— Mark (— x. a); sind für diese Arbeit y Mark investiertes

3000.n '	J

Kapital nötig, dann ist das Produktionsergebnis dieser Investitions-
summe in x Arbeitsstunden:

ß — y .x

3000 .n ~ 7 ’ X •

d. h. daß in x Stunden mittelst eines investierten Kapitals von
y Mark ein Wert: y .x. a erzeugt werden kann und erzeugt werden
muß, wenn die angestrebte Leistungsmenge erreicht werden soll.

Der Wert a ist für jedes Unternehmen verschieden, weil die
angestrebte Jahresleistung (S) und das investierte Kapital (n) für
die einzelnen Fabriken verschieden sind.

Auch für jede einzelne Lohngruppe (z. B. Dreher, Fräser,
Stanzer) oder Werkstätte sind das investierte Kapital und die
Leistungsfähigkeit verschieden. Infolgedessen ist der Wert a für
jede Lohngruppe anders zu bemessen. Beschäftigt ein Auftrag die
Werkstätten 1, 2, 3, ... mit yv y2, y3 ... Mark investiertem Kapital
durch Xj, x2, x3 ... Stunden, so beträgt der zu erreichende Pro-
duktionswert ß

ß = *i Yi ai + x2 • y2 • “2 + x3. y3. «3 4-'.

Nun sind für die einzelnen Lohngruppen die Werte y und a pro
Arbeitsstunde konstant, demnach ist

ß = xx cx -f x2 c2 -j- x3 c3 -f.

d. h. man berechnet den Kosten wert eines Fabrikates auf Grund der
erreichbaren Leistungsmöglichkeit und der Höhe der Investitionen,
wenn man die Stundenzahl einer jeden Teiloperation mit der kon-

’) Ich folge hier dem Gedankengang von Rescei („Einige Erwägungen in
der Frage der Selbstkostenberechnung“ in der Zeitschrift für Elektrotechnik,
Wien 1904, Heft 24), dessen freundliche Mitteilungen mich auf diesen Verteilungs-
modus aufmerksam machten.
        <pb n="214" />
        ﻿206

Staaten Zahl für die betreffende Lohngruppe vervielfacht. Wie man
sieht, ist dieser Kallnilationstyp dem Stundenaufschlagssystem sehr
verwandt, doch werden dort die Betriebskosten für die Arbeitsstunde
zugrunde gelegt.

Die angegebene Berechnungsmethode nimmt auf die produktiven
Löhne keine Rücksicht; die Arbeitslöhne treten in der Formel direkt
überhaupt nicht in Erscheinung. Sie stecken in dem S, d. h. der
veranschlagten Leistung der einzelnen Betriebsabteilungen.

Die Konkurrenzfähigkeit einer Unternehmung hängt nicht von
der Höhe der Löhne, sondern davon ab, daß die größtmögliche
Leistungsfähigkeit mittelst des investierten arbeitenden Kapitals er-
reicht wipd.

Man ermittelt die investierten Kapitalien für die einzelnen
Werkstätten und verteilt die übrigen Kosten nach diesem Maßstabe.
Diese Verteilungsmethode findet man in Groß- und Kleinbetrieben,-
obgleich picht systematisch für alle Kosten durchgeführt; vielfach
trifft1) man sie in Lohnwerkstätten, die von Fabriken Bestandteile
zur Bearbeitung überwiesen erhalten.

Z. B. Ein Meister kalkuliert: Arbeiten auf der Maschine I kostep
stündlich a Mk., auf der Maschine II stündlich b Mk., oder ein
Ingenieur veranschlagt: Ein Tag Kopf bankarbeit von 900 mm Spitzen-
höhe kostet Mk. 20,—; ein Tag Hobelarbeit bei 1/2 m Durchgang
kostet Mk. 15,— usf.

Kritik der Zuschlagsmethoden.

§ 49. Man hat folgende Jahressummen aus den kaufmännischen
Büchern entnommen2): Gesamtwert des verarbeiteten Materials
Mk. 120 000,—, Löhne Mk. 60000,—, Generalkosten Mk. 30 000,—;
daraus soll für das kommende Betriebsjahr der Zuschlag bestimmt
werden, der allen Fabrikaten anzurechnen ist, um die allgemeinen
Kosten zu decken.

Die Verteilung erfolgt entweder

a)	nur nach dem Materialwert........................25 o/o'

oder b) nur nach der Lohnsumme.....................50 o/o

oder c) nach dem Produktionswerte (180000)	.	.	. 162/3 p/0

Nach den verschiedenen Berechnungsmethoden sind die Zu-
schläge verschieden. Es entsteht die Frage, unter welchen Voraus-
setzungen diese Zuschläge tatsächlich die Kosten decken. Die An-
wendung auf einen Spezialfall — das ist stets die Probe auf die
Richtigkeit eines allgemeinen Satzes — soll dies erläutern: Ein

*) Nach brieflichen Mitteilungen des Herrn Rescei.

2)	Andere Beispiele vgl. Haeder, Preisbildung in der Maschinenindustrie.
Wiesbaden 1911, S. 61.
        <pb n="215" />
        ﻿

Der Zuschlag ist in allen Teilen gleich, nämlich Mk. 60,—;
würden nur gleichförmige (d. h. nach Art und Größe, Ausführung
usf. gleiche) Fabrikate erzeugt, dann müßte man 500 solcher Pro-
dukte erzeugen, um die Unkosten von Mk. 30000,— zu decken.
Es ist für Fabriken mit gleichförmiger Produktion gleichgültig,
nach welcher Methode sie die Kostenzuschläge berechnen wollen.

II.	Fall. Angenommen, der Umsatz hätte sich im nächsten
Jahre im Material und Lohn um 50o/o (auf 180 000,— bzw. 90 000,—'),
in den Kosten um 100 o/o (auf 60 000,—) gesteigert, so würden
sich die Zuschläge wie folgt berechnen: nach Methode a) 331 /3o/0
(früher 25 o/o), nach b) 66 2/3% (50%), nach c) 22 2/9 o/o (162/3 %).
Hat man im 2. Jahr ein Fabrikat zu kalkulieren, dessen Material-
wert Mk. 900,—, dessen Löhne Mk. 450,— betragen, so müssen
den verhältnismäßig höheren Unkosten entsprechend nunmehr
Mk. 300,— (gegen Mk. 225,—) zugeschlagen werden.

III.	Fall. Nach den Angaben des I. Falles berechnet, würde
ein anderes Fabrikat (M = 240,—, L = 180,—) wie folgt zu kalku-
lieren sein:

Methode	a)	Zuschlag	Mk.	60,—,	Selbstkosten	Mk.	480,—

„	b)	„	„	90,-,	„	„	410,-

„	c)	„	„	70,—,	„	„	490,—

IV.	Fall. Ein anderes Beispiel:

Das Produkt I erfordert:

Materialwert Mk. 2,— 1 jq__

Lohnkosten „ 8,— /	’

Sein Verkaufspreis ist: 20,—

M:L = 1:4

Es wird ein 100*/» Lohnaufschlag berechnet:

Das Produkt II verbraucht:

^I) ■*-
600,—

4:1
        <pb n="216" />
        ﻿r.

— 208 —

II.

M................

L................

Aufschlag ....

Herstellungskosten
Verkaufspreis. . .

2,- =	10%	CO  «4H		M		. 200,		40	°/o
8,- =	40 %	««	00	L		. 60,		10	%
8,— =	40%	u  &lt;v	&lt;3&gt;	Aufschlag . .	. 60,— =	10	7«
18,-=	90%	fl		Kosten....	. 300,— =	60	“/o
II  1  O	100%	0  &gt;■		Verkaufspreis.	. 500,- =	100	7»

Die Lohnaufschlage verhalten sich wie 4:25, der Verkaufswert
wie 1:25. Die erste Ware, bei deren Herstellung die Lohnkosten
überwiegen, hat den vierfachen Anteil im Verhältnis zum Ver-
kaufspreis zu tragen. Setzt man die Herstellungskosten = 100o/o,
so sind die prozentuellen Anteile von Material, Lohn und Kosten-
aufschlag für I: ll,lo/o, 44,4o/o 44;5o/o; für II: 662/s°/o, 162/3o/0,
16 2/3 o/°.

Während die beiden Fälle I und II nach allen drei Methoden
den gleichen Zuschlag und Selbstkostenpreis liefern, ergeben sich im
HI. Fall, obwohl nach den gleichen Grundsätzen berechnet, ver-
schiedene Resultate! Wie ist dies zu erklären? In den Fällen I
und II waren die Kostenzuschläge aus den Jahressummen von
Material und Löhnen berechnet, deren Wert Verhältnis 2:1 war. Die
Spezialfälle zeigen dasselbe Wertverhältnis, während im III. Fall
Materialwert und Löhne wie 4:3 stehen.

Daraus ergeben sich die nachstehenden Schlußfolgerungen:

1.	Solange das Wertverhältnis zwischen Material und Löhnen
der Einzelprodukte annähernd konstant bleibt, ist es gleichgültig,
nach welcher der 3 Methoden der Zuschlag berechnet wird.

2.	Die einmal gewählten Zuschläge behalten nur dann ihre

Richtigkeit, wenn die Jahressummen von Materialwert, Löhnen und
Unkosten ihrem Wertverhältnisse nach unverändert bleiben; für das
Einzelfabrikat nach Methode c) dann, wenn dessen Verhältnis
zwischen Materialwert und Lohnsumme annähernd gleich ist dem
für die Berechnung der Zuschläge maßgebenden Verhältnisse der
Jahressummen; denn der Zuschlag erfolgt auf eine zusammengesetzte
Größe.	| V ;	;.' i | |

Die Veränderung der angeführten Wertverhältnisse bedingt eine
Änderung der Höhe der Zuschläge; deshalb sollen diese Verhältnisse
periodisch auf ihren Bestand geprüft und danach die Kalkulations-
formel berichtigt werden.; Betriebe mit stark schwankenden Betriebs*-.
Verhältnissen (z. B. schwankender Beschäftigung) werden deshalb
gut tun, auf Grund monatlicher Statistiken fallweise die Aufschläge
zu bestimmen, die für die Produktionskalkulation in Anwendung
        <pb n="217" />
        ﻿HHHHB

— 209 —	1

kommen sollen. Allerdings wird der Verkaufspreis vielfach von
diesen schwankenden Zuschlägen, die dann mehr der internen Kon-
trolle dienen, unabhängig sein.

V.	Fall. Wir wollen annehmen, daß im II. Falle der Zuschlag
auf die Arbeitszeit berechnet wird; iunter Annahme eines Durch-
schnittslohnes von 60 Pfg. ergeben Mk. 90 000,— Löhne 150000
Stunden mit Mk. 60000,— Kosten. 1 Stunde somit 40 Pfg. Un-
kosten. Die Kalkulation des Spezialfalles liefert:

M + L = 1250,-1 = Mk. 1650,— Selbst-
750 Stunden zu 40 Pfg. = 300,—i	kosten.

Erhöhen sich die Löhne auf 70 Pfg. infolge Lohnsteigerung,
so wird gerechnet:

M = 900,-------j- L = 525,—, Sa. 1415,—, dazu

750 Stunden mit 300,— — Sa. 1725,— Mk.

Der Aufschlag bleibt unverändert. Der Selbstkostenpreis ist
um Mk. 75,— höher, und zwar, wie die Rechnung richtig zeigt,
infolge der Lohnverteuerung. Die Prozentzuschläge würden in diesem
Falle unrichtige Resultate liefern. Der Stundenaufschlag ist somit
vom Materialwert und von Lohnsteigerungen unabhängig; nur das
Verhältnis der jährlichen Lohnstundenzahl und der Kostensumme
muß unverändert bleiben.

Daß die allgemeinen Betriebskosten auf die direkten oder Fäbri-
kationslöhne geschlagen werden und daß gerade diese Methode eine
so weitgehende Durchbildung erfahren hat, wird aus folgender Über-
legung klar: Die Betriebskosten entstehen durch die Arbeit, d. h.
durch die Anfertigung eines Fabrikates und lasten somit auf dem
Wert der technischen Arbeit, dem Lohn. Das Verhältnis zwischen
Lohn und Arbeitsleistung wechselt wenig. Das Wesen der Fabrikation
besteht darin, durch chemische oder (und) mechanische Veränderung
der Stoffe neue Werte zu schaffen. Das ökonomische Prinzip, mit
dem geringsten Aufwand den größten Erfolg zu erzielen, bezieht
sich in Gewerbebetrieben nahezu ausschließlich auf den technischen
Prozeß des Produzierens. Alle wirtschaftlichen Verbesserungen des
Betriebes kommen schließlich in der Tätigkeit des Produzierens zum
Ausdruck: die Arbeit zu verbessern und zu verbilligen. Deshalb
sind alle Kosten, welche durch diese Tätigkeit veranlaßt werden,
dem Wertmaß dieser Arbeit, dem Lohn, anzurechnen. Unkosten,
die nicht durch die Anfertigung der Ware veranlaßt werden, sollen
deshalb auch nicht dem Lohne zugeschlagen werden (vgl. § 50).

Eine namhafte Steigerung der Preise für Rohmaterialien und
Arbeitslöhne bewirkt eine Änderung der Unkostenzuschläge. Während
der Kriegsjahre trat diese Erscheinung regelmäßig zutage. In der
Regel verlangten die Heereslieferanten für die notorische Material-

Leitner, Selbstkostenberecbnung. 7. Aufl.	14
        <pb n="218" />
        ﻿preis- und Arbeitskostensteigerung die nachträgliche Bewilligung eines
Teuerungszuschlages. Dagegen war wenig einziuwenden; es mußte
nachgeprüft werden, ob der beantragte Teuerungsaufschlag im Ein-
klang stand mit der auf die Verbrauchsmenge für das Fertigfabrikat
umgerechneten Verteuerung der Selbstkosten. Wenn dann aber ein
Erzeuger mit Rücksicht auf die erhöhten Unkosten an Stelle der
bisher Angerechneten p % nunmehr p -f- n o/o Unkostenzuschlag
in Ansatz brachte, so war dieser Berechnungsmodus in der Regel
abzulehnen. Ein Zahlenbeispiel: Die Materialien steigen um 100o/o,
die Löhne um 40o/0, die Unkosten um 20% (mit Rücksicht auf Er-
höhung der Gehälter, die Einstellung ungeübten Personals, Ersatz
der männlichen durch weibliche Arbeitskräfte, Verpflegungskosten-
zuschüsse u. a. m.). Der Produzent rechnete dann häufig wie folgt:

Friedenspreis: M = 100
L= 50
200 °/o U = 100

250

20 %&gt; Gewinn 50
300

Kriegspreis: 200 + 100°/o
70 + 40 %
220°/» 154 + 54%
424 -f- 69,6 °/o
84,8 + 69,6%

508,8 + 69,6 °/o

Unterschied beider Forderungen:
100 + 20 + 54 + 34,8 = 208,8.

Der Unkostenzuschlag des Kriegspreises ist unrichtig, unangemessen
hoch. Wenn mit 200% = 100 Mk. in Friedenszeiten die Unkosten
gedeckt waren und im Kriege um 20% gestiegen sind, so waren
nur 120 Mk. zur Deckung in diesen teueren Zeiten erforderlich.
Bei 70 Mk. Lohn war ein Zuschlag von etwa 175,%’ gerechtfertigt.
Genauigkeit der Kalkulation vorausgesetzt, ist der Gewinn von 50
auf 84,8 Mk. ohne erheblichen Mehraufwand an Unternehmerarbeit
gestiegen, d. h. um 69,6%. In der Überdeckung der Unkosten (154
-4-120) liegt ein „stiller“ Nutzen von 34 Mk., insgesamt 118,8 Mk.
Gewinn = 30,5.% der wirklichen Selbstkosten (200 —f— 70 —120).
Selbst wenn die Friedenszuschläge von nur 200% in Anrechnung
gebracht worden wären (140 Mk.), würde die Unkostendeckung zu
hoch gegriffen sein. Die Wertverschiebungen zwischen Material,
Lohn und Unkosten gegen die Friedensverhältnisse würde eine Neu-
berechnung der Verhältniszahl für die Kostenaufschläge bedingen,
die zumeist zu einem niedrigeren Ergebnis geführt hätte, es sei
denn, daß die Steigerung der Arbeitskosten und jene der Unkosten
gleich hoch war.

Noch ist darauf hinzuweisen, daß sich die Gewinne am Kriegs-
preis wegen des Zuschlages der Gewinnprozente auf die Selbst-
kosten, also mit Einschluß der Verteuerung der direkten Kosten,
gleichfalls steigern mußten. Wollte man im Beispiel den Friedens-
        <pb n="219" />
        ﻿211

gewinn von 50 51k. als angemessen ansehen, käme eine Zusehlags-
quote von niur 12,85 o/o in Frage. Die Berechnung würde nunmehr
wie folgt aufzumachen sein:

M = 200
L = 70
U_=_120

Selbstkosten 390
-f- Gewinn 50

440

Die gewöhnliche Aufstellung der Selbstkosten unter Anwendung
der Zuschlagsmethoden erfolgt nach folgendem Schema:

Werkstoff.....................  2,20

Arbeitslöhne....................2,85

200 °/o Unkosten............ .	5,70

10,75

15 °/o Ausschuß............. ■	1,61

Herstellungskosten.	......	12,36

10 °/0 Handlungsunkosten.	.	.	.	1,24

Selbstkosten. .................13,60

-f- 20 °/o Gewinn........... ■	2,72

Verkaufserlös..................16,32

Verteilt man Ausschuß, Handlungsun-
kosten und Gewinn auf die Kosten-
teile, ergibt sich ein anderes Bild:

Werkstoff..............2,20

-j- 15 o Ausschuß.... —,33

2,53

-f- 10 °/o Handlungskosten —,25

2 78

-f- Gewinn............—,56	3,34

Arbeitskosten .... 2,85

+ 200 °/o............  5,70

8,55

+ 15°/° Ausschuß. . . . 1,28

9,83

-j- 10% Handlungsunkosten—,98
10,81

Gewinn..............■ 2,17 12,98

16,32

Für Materialausschuß werden 33 Pfg., für Bearbei-
tung sausschuß 1,28 Mk. berechnet, unter Einrechnung der
Handlungsunkosten (3 Pfg. bzw. 12,8 Pfg.) 36 Pfg. und 141 Pfg.
Der Gewinnzuschlag verteilt sich wie folgt:

Auf Werkstoffkosten . .		. . . 44 Pfg.	
	Materialausschuß ....	■•■07 ,	
	Handlungskosten ....	. ... 05 „	56 Pfg.
	Arbeitskosten . . . .	. . 57 Pfg.	
	Unkosten 			- 114 „	
	Ausschuß		■ ■ 26 „	
*	Handlungskosten ....	• • ■ 19 „	216 Pfg.

272 Pfg.

14*
        <pb n="220" />
        ﻿212

Tabellarisch zusammengefaßt:

	Betrag	Mit 15 °/o Ausschuß	Mit 10 °/o Handlungs- unkosten	Mit 20 % Gewinn
Werkstoff kosten ....  Arbeitskosten		2,20  8,55	2,53  9,83	2,78  10,81	3,34  12,98

Die kaufmännischen Verwaltungs- und die Vertriebs-
kosten (Handlungsunkosten).

§ 50. Die Erzeugung eines Produktes erfordert außer den un-
mittelbaren Kosten eine Summe von mittelbaren Aufwendungen, die
wir als Erzeugungs-, Herstellungs- oder Fabrikationsunkosten be-
zeichnet haben. Sie werden gewöhnlich ,,Betriebs“unkosten — im
Gegensatz zu den Yertriebsunkosten -— genannt, eine Unterscheidung,
der es an genügender Klarheit fehlt.

Die Handlungsunkosten — Unkosten der ,,Handlung“, d. i.
Anschaffung und Weiterveräußerung im Gegensatz zur Fabrikation,
d. i. Bearbeitung, Verarbeitung, Umwandlung — umfassen:

a)	Die Kosten der kaufmännischen Verwaltung der
Unternehmung (Gegensatz: Technische Verwaltung) mit Einschluß
der Verlustabschreibungen (auf Verwaltungsgebäude, Bureau-Inven-
tar, Verkaufseinrichtungen etc.): Persönliche und sachliche Kosten
der Verrechnung (Buchführung, Statistik, Kalkulation, Lohn-
bureau, kaufmännische Korrespondenz, Drucksachen); Kosten der
Bestandsverwaltung (Magazine); Kosten der Finanzver-
waltung (Schuldzinsen u. dgl.).

b)	Die Kosten des Vertriebes, die nach der Art des
Absatzes verschieden benannt sind: Kosten der Expedition, der Ver-
sandabteilung; die Kosten der Versendung selbst (Fracht,
Fuhrwerk, Verpackung, Automobile); Kosten der Absatzförde-
rung: Beisekosten, sämtliche Kosten der Propaganda in den ver-
schiedenen Formen, die Kosten der Absatzvermittelung
(Agenten, Vertreter, technische Bureaus im Auslande, auswärtige
Lager, Vertriebsstellen wie Fabrikniederlagen, Filialen).

Zu den Vertriebskosten rechnen teilweise auch die Kosten
einzelner technischer Abteilungen, z. B. Offertzeiclmungen ohne
darauffolgende Bestellung (Konstruktionszeichnungen für Werk-
zeugstätten zählen zu den Erzeugungsunkosten).
        <pb n="221" />
        ﻿213

I.	Die Gesamtkalkulation hat vorerst die Handlungs-
unkosten in ihrer Gesamtheit festzustellen, für die ganze Unter-
nehmung und für die Abteilungen bziw. Unterbetriebe. Bei dieser
Verteilung zeigt sich, daß es auch in dieser Gruppe a) indirekte,
mittelbare Unkosten gibt, die nicht unmittelbar dem Unterbetrieb
etc. zugeschrieben, vielmehr nur nach Maßgabe eines Verteilungs-
schlüssels aufgeteilt werden können. Und b) direkt verteilbare
Unkosten, wie z. B. Katalog- oder Beklamekosten einer bestimmten
Abteilung der Fabrik.

Vor der Verteilung der Handlungsunkosten ist zu überlegen,
ob alle Betriebsabteilungen oder nur solche, die Verkaufs waren
liefern, an diesen Unkosten beteiligt werden sollen. Soweit Ver-
triebsunkosten in Frage kommen, erscheint es gerechtfertigt zu sein,
z. B. Hilfsbetriebe von diesen Kosten frei zu lassen, während an den
Kosten der kaufmännischen Verwaltung die Haupt-, Neben- und
Hilfsbetriebe beteiligt werden (S. 149).

Die Verrechnung der kaufmännischen Unkosten ist keine ein-
heitliche. Soweit sie Bestandteil des Anschaffungswertes sind —
vgl. Einkaufskalkulation S. 102 —, werden sie sofort oder durch
Zwischenbuchung den Anschaffungskosten zugeschlagen. Die Ver-
waltungskosten des Magazins sollen teils den Materialunkosten —
vgl. S. 72, 183 —, teils den Vertriebskosten (Lagerkosten der Fertig-
fabrikate) zugerechnet werden. Der Verteilung der allgemeinen
Handlungsunkosten auf die Unterbetriebe etc. wird die Lohnsumme,
der produzierte Herstellungswert oder der Umsatz zugrunde gelegt.
Dementsprechend deckt man diese Unkosten in der Einzelkalku-
lation durch Zuschlag auf die Fabrikationslöhne, auf den Herstellungs-
wert oder den Umsatz. Die Erzeugungslöhne sind der ungeeignetste
Verteilungsmaßstab für die kaufmännischen Unkosten, da eine Pro-
portionalität zwischen beiden in der Kegel nicht besteht. Die Ver-
teilung im Verhältnis des Umsatzes hat zu berücksichtigen, daß
die Unkosten im Umsatz enthalten sind und daß der Verkaufsgewinn
annähernd konstant bleiben muß, sonst würde ein Unterbetrieb, der
günstigere Verkaufspreise erzielt, mit größeren Unkostenteilen be-
lastet werden.

Eine elektive (individuelle) Verteilung der Handlungs-
unkosten auf die einzelnen Betriebsabteilungen
ist denkbar, praktisch jedoch vielfach undurchführbar, wenigstens
nicht ohne einen Zeit- und Geldverlust, der die Vorteile dieser Auf-
teilungsmethode übersteigt. Inwieweit einzelne Unkosten für jeden
Betrieb getrennt berechnet werden sollen oder können, muß der fall-
weisen Entscheidung überlassen werden. So können z. B. Steuern
nach dem Ertrag, Portospesen nach der Briefanzahl der Be-
triebe verteilt werden. Reise- und Reklamespesen können
        <pb n="222" />
        ﻿in dem einen Fall (z. B. wenn der Reisende nur die Erzeugnisse
einer Abteilung vertreibt, die Kosten eines Abteilungskatalogs)
für den Einzelbetrieb verrechnet werden, in einem anderen müssen
sie, wie alle übrigen Geschäftsunkosten, anteilsmäßig belastet werden.
Die zuletzt genannte Aufteilung ist stets eine mehr oder weniger
willkürliche, die die größeren oder geringeren (Yertriebsunkosten
der Einzelfabrikate berücksichtigt. Eine schablonenmäßige Auf-
teilung führt auch hier zu Unrichtigkeiten; einzelne Abteilungen
haben überhaupt kaum nennenswerte Handlungsunkosten, z. B.
solche, die ihre Produkte an ein Syndikat oder ausschließlich an einen
Abnehmer liefern (staatliche Aufträge). Für den einen Unterbetrieb
ist die Einkaufstätigkeit des kaufmännischen Bureaus hinsichtlich
der Beschaffung möglichst billiger Rohstoffe (wie in der Papier-,
Textil-, (Metallindustrie) wichtig, für einen anderen ausschließlich
dessen ;Ver kauf Stätigkeit. Eine dritte Abteilung braucht für ihre
Produkte eine sehr rege Reklame. Kurz, die Unterbetriebe sind völlig
ungleichmäßig an den Absatzkosten beteiligt. Feste Yerteilungs-
grundsätze, wie sie für die Betriebsunkosten bestehen, können hier
nicht angeführt werden.

Die Art des Absatzes bestimmt den Anteil des
Einzelfabrikates an den Absatzkosten.

In einzelnen Unternehmungen ist es üblich, Betriebs- und Hand-
lungsunkosten gemeinsam zu verrechnen, ein Verfahren, das grund-
sätzlich zu verwerfen ist1). Eine ordnungsmäßige Kostenberech-
nung hat anzugeben, was der technische Prozeß der Herstellung
und was der Vertrieb kostet. Die Tendenz, den berufsmäßigen
Zwischenhandel auszuschalten, beherrscht auch die Industrie und
führt zu einer häufig beobachteten ununterbrochenen Steigerung
der sog. Handlungsunkosten (man vergleiche diese Kosten in den
Bilanzen der Aktiengesellschaften)2). Ist der Selbstkostenpreis eines
Artikels verhältnismäßig zu hoch, so kann der technische, aber auch
der kaufmännische Betrieb zu teuer arbeiten. Im ersten Fall müssen
die Kräfte rationeller ausgenutzt, die Roh- und Hilfsstoffe billiger
eingekauft u. dgl., im anderen Fall, müssen die Bankspesen, Ver-
kaufskosten, Gehälter usf. vermindert werden. Ohne Trennung
beider Unkostengruppen wird es der Verwaltung nicht immer mög-
lich sein, an der richtigen Stelle zweckmäßige Vorkehrungen zu
treffen.

Von den allgemeinen Handlungsunkosten sind die besonderen
V e r k a u f s s p e s e n zu trennen (siehe § 30). Ihre Aufteilung nach

*) Balle w ski a. a. O. S. 39 legt mit Unrecht wenig Wert auf die Trennung.

2) Vgl. Rathenau, Einfluss der Kapitals- und Produktionsvermehrung auf
die Produktionskosten in der deutschen Maschinen-lndustrie, S. 72 ff. Jena 1906.
        <pb n="223" />
        ﻿Unterbetrieben unterbleibt; sie können naturgemäß nur bei der Ver-
kaufskalkulation berücksichtigt werden (siehe S. 217).

Die Kosten der Verpackung und Versendung sind
entweder vom Verkäufer oder vom Käufer zu tragen.

a)	Trägt der Unternehmer die Kosten der Verpackung (Mate-
rialien und Arbeitslohn), so zählen sie zu den allgemeinen Kosten.
In den meisten Fällen können diese Ausgaben für die einzelnen
Betriebsabteilungen festgestellt werden (Packzettel). Wo dies nicht
angeht, verteilt man sie nach dem Werte des Versandes der Einzel-
abteilungen. Einzelne Unternehmungen liefern die Waren frei ins
Magazin des Käufers oder doch frei Bestimmungsort, tragen somit
die Kosten der Verpackung, des Transports, Zölle und alle damit
zusammenhängenden Ausgaben. Solche Spesen müssen in der Kalku-
lationsformel bei den besonderen Verkaufsspesen mitberücksichtigt
werden. Es wird sich empfehlen, für die Hauptabsatz-
gebiete und -orte tabellenförmig die gesamten Ver-
kaufskosten auf eine Einheit zu berechnen.

b)	Trägt der Käufer die Verpackungskosten (bei Verkäufen ab
Fabrik auch die Versendungskosten), dann ist auf sorgsame
Berechnung Bedacht zu nehmen. Der Geldwert wird in der Rech-
nung für den Käufer als besonderer Posten angegeben.

Eine sehr genaue Berechnung der Reisekosten und der Kosten-
anteile eines jeden Einzelverkaufes zeigen die folgenden Schemata
einer Fabrik für landwirtschaftliche Maschinen, die auch fertige
Maschinen bezieht und vertreibt. Die Verkaufspreise der einge-
kauften Maschinen sind vom Produzenten festgelegt, so daß die
genaue Kostenberechnung nur den Zweck hat, den wirklichen Ge-
winn zu bestimmen, zu ermitteln, ob der Handelsbetrieb rentabel
ist und ob die Ra-battsätze genügend hoch sind *).

a) Reisekosten (Kartothek), Vorderseite:

Reisender N. N. Reisedauer 1.—6. Mai 1915.

Datum	Fahrt	Taggeld	Sonstige  Kosten	Gehalt	Summe
1./5.	8,40	12-	5,- '	12-	37,40
etc.			:		
5./5.				:	
Summe	136,—	72,-	21,-	72,-	301,-

Rückseite:

1. Mai: Bestellnummern 315, V4 Tag Kostenanteil Mk. 9,35.

316, 3/i Tag Kostenanteil „ 28,05.

‘) Entnommen Ergänzungsband II, S. 142/143.'
        <pb n="224" />
        ﻿216

b) Lagerbuch.

Eingang	Ausgang

Datum		Verkaufspreis	Kabatt	Netto	Kosten							Konstante  Kosten	Gesamt-  kosten	Gewinn
Eingang	Ausgang				Fracht	1  d  s 3  SS « 00  3  N	Zinsen	Abfuhr  Verpackung	Summe	d  a&gt;  ©  &lt;s&gt;  aa  K	Vertreter			
a/4.	8./10.	730	219	511	38,20	4,70	18,25	4,35	65,50	—	110	1,20	687,70	42,30

II. Einzelkalkulation. Die Erzeugungsunkosten und die
Handlungsunkosten werden häufig nach dem gleichen Schema ver-
teilt, sowohl in der Unkosten Verrechnung wie in der Einzelkal-
kulation. Diese Art der Verteilung ist nicht einwandfrei. Die
einen entstehen durch die' Fabrikation, belasten die Herstellung und
werden hauptsächlich durch Lohnzuschläge gedeckt. Die Hand-
lungsunkosten sind zum größten Teil allgemeine
Verkaufskosten, die durch den Vertrieb der Fabrikate ver-
ursacht werden. Ihre Verteilung soll durch Aufschlag auf
den Produktionswert erfolgen. Diese Auffassung ent-
spricht kaufmännischer Übung. Ein Kaufmann berechnet den Ver-
kaufspreis seiner Ware folgendermaßen: Gestehungskosten (d. i.
Fakturawert einschl. Bezugs- und Deckungsspesen), dazu einen Auf-
schlag für allgemeine Geschäftsunkosten; auf die Summe beider
Beträge wird ein Gewinnaufschlag gemacht. (Vgl. S. 5f.)

Dieser Auffassung kann man auch bei der Kalkulation indu-
strieller ^Produkte folgen.

Wir sind deshalb der Meinung, daß die Fabrikationskosten
(Ausgaben für die Herstellung) im weiteren Sinn, die kaufmännischen
Verwaltungsunkosten und Kosten für den Absatz voneinander zu
trennen sind, die Handlungsunkosten in der Einzelkalkulation nach
dem Produktionswert verteilt werden sollen. Eine solche Trennung
ist insbesondere notwendig, wenn neben selbst erzeugten Produkten
noch Handel mit gekauften Waren getrieben wird.

Die Kalkulationsformel ist demnach:

S = (M ■ 1,0 pm + L . 1,0 pi). 1,0 pk
Produktionswert S,

Der Verkaufspreis somit: Sx. 1,0 g, worin pk und g die Zu-
schläge für kaufmännische Kosten und Gewinn bedeuten.

Eine strenge Scheidung zwischen Ha-ndlungs- und Fäbrikations-
unkosten wird nur dort möglich sein, wo Betrieb und kaufmännische
        <pb n="225" />
        ﻿217

Verwaltung örtlich getrennt sind. Man kann als Regel auf stellen:
Alle Kosten, die entfallen würden, wenn der Produktionsbetrieb
nicht existierte, sind Betriebskosten.

Kalkulationsbeispiel: Maschinenbau.

Materialwert .... Mk. 1250,—

zu	10%'	Aufschlag	.	.	.	„	125,—	Mk.	1375,—

Fabrikationslöhne	.	.	. Mk. 1120,50

Zuschläge..................... „	783,50	„ 1904,—

Herstellungskosten	Mk.	3279,—

zu	15%	Handlungsunkosten ....	„	491,85

Selbstkostenpreis	Mk.	3770,85

Wie falsch die Verteilung der Verkaufskosten nach der
Lohnsumme sein kann, dafür ein Beispiel aus der Werkzeug-
fabrikation. Es werden Feilen und Sägen erzeugt, deren Verkaufs-
preise ungefähr gleich sind.

Die richtige Berechnung:

Feilen Sägen

1.	Materialwert.....................10 Pfg.	70 Pfg.

2.	Lohnkosten.........................50	»	IS	„

3.	„ Aufschläge................. 30 ,	22 „

4.	Allgemeine Betriebskosten 30 % auf

die Summe	von	2	und 3...........24	v	10	»

Herstellungskosten..................114 Pfg.	115 Pfg.

+ 20% Vertriebskosten..................23	„	23	,,

Selbstkosten..........................137	Pfg.	138	Pfg.

Die falsche Verteilung liefert:

Herstellungskosten................. - 114 Pfg.	115 Pfg.

Vertriebskosten 50% auf die Löhne. . 25 „	07 „

139 Pfg. 122 Pfg.

d. h. trotz des gleichen Herstellungswertes werden die Feilen ungefähr mit den
vierfachen Verkaufskosten belastet.

Die besonderen Verkaufsspesen (vgl. § 30) können
nur bei der Verkaufskalkulation Berücksichtigung finden; sie werden
durch prozentuelle Zuschläge auf den Selbstkostenpreis
gedeckt. Z. B.: Der Selbstkostenpreis eines Fabrikats beträgt Mk.
240,—; es soll mit 15%' Nutzen, 2 o/o Rabatt für den Wiederver-
käufer verkauft werden. Die Berechnung des Verkaufspreises ist
folgende:
        <pb n="226" />
        ﻿Mk.	276,—.
	5,63:
Mk.	281,63
	70,40

15 o/o Gewinn vom Selbstkostenpreis
Dieser Betrag soll nach Abzug aller be-
sonderen Verkaufsspesen übrig bleiben
2 o/o Zinsenzuschlag1) im

Hundert für Skonto

/276V \
\ 98 )

,63.20\
80 /

Mk. 352,03 Verkaufspreis (Listenpreis).

Die Abrechnung für den Käufer:

Mk. 352,03 Listenpreis

70,40 — 20 o/o Rabatt

Mk. 281,63

5,63 — 2 o/o Skonto

Mk. 276,— Erlös.

Die obenstehende Abrechnung beweist die Richtigkeit der Kal-
kulation. Dabei ist zu bemerken: 1. Daß die Zuschläge für besondere
Verkaufsspesen im Hundert zu berechnen sind. 2. Daß auch die
Reihenfolge der Zuschläge zu berücksichtigen ist: die Zuschläge
sind in einer der Abrechnung für den Käufer entgegengesetzten
Reihenfolge zu berechnen. Würde man im Beispiel zuerst den Rabatt
(liefert Mk. 69,—) und dann Skonto (7,03) berechnen, so würde
das Endergebnis stimmen (Mk. 352,03), jedoch würden die berechneten
Beträge mit den. tatsächlichen Ausgaben nicht übereinstimmen.

Die Kalkulationsformel S = ([Materialwert -j- 10o/o] -j- [Haupt-
arbeit-)-- 100 o/o] -j- [Nebenarbeit-)- 50 o/o]) -f- 60o/0 auf das Ganze,
nämlich 30 o/o Gewinn, 20% Rabatt, 10% Umsatzprämie, ist somit
falsch. Bei einem Materialwert eines Fabrikates von Mk. 24,—,
Hauptlohn Mk. 15,—, Nebenlöhnen Mk. 6,—, würde diese Formel
Mk. 104,64 ergeben. Die theoretisch richtige Formel (Prämie,
Rabatt) liefert Mk. 118,09 als Verkaufspreis; der beabsichtigte Ge-
winn (19,62) wird durch den Unterschied der berechneten und der
tatsächlichen Ausgaben auf Mk. 9,94 reduziert! Trotz genauer Kon-
trolle der Material- und Lohnkosten, trotz subtiler Berechnung der
Aufschläge wird dieses Unternehmen niemals den rechnungsmäßigen
Gewinn erzielen können.

*) Der Zinsenaufschlag erfolgt bei Arbeiten auf Bestellung als „Skonto“
wegen de* Verkaufszieles, bei Arbeiten auf Lager als „Lagerzinsen“ wegen der
Zinsenverluste bis zum voraussichtlichen Verkauf. Vgl. auch S. 11 ff.
        <pb n="227" />
        ﻿In einzelnen Unternehmen ist es üblich, die Aufschläge nach
den erzeugten Artikeln verschieden hoch zu bemessen (Artikel-
aufschlag). Dieses Verfahren ist vielfach berechtigt. Wenn man
beispielsweise eine Ware emailliert, die andere nur lackiert, diese
stanzt und jene falzt, dann wäre ein gleichmäßiger Aufschlag auf
beide Ausführungen offenbar ungerecht. In größeren Unterneh-
mungen kann man werkstättenweise die Aufschläge bestimmen. In
kleineren Betrieben wird eine so weitgehende Spezialisierung der
Kosten wahrscheinlich untunlich sein. In anderen Betrieben ist es
tatsächlich unmöglich, die Unkosten nach der Schwierigkeit der Aus-
führung, wie es einer gerechten Verteilung entspricht, zu berechnen.
Auch die Vertriebs(Handlungs)unkosten können nicht schablonen-
mäßig verteilt werden. Der eine Artikel oder die eine Artikelgruppe
erfordert öfteres Reisen, mehr Reklame, verursacht größere An-
strengung hinsichtlich des Verkaufes u. ä., andere „verkaufen sich
von selbst“. Ein Betrieb, der ausschließlich auf Bestellung arbeitet,
wird mit anderen Verkaufsspesen zu rechnen haben als ein solcher,
der hauptsächlich auf Lager arbeitet und durch fortgesetzte Reklame,
durch Agenten, Reisende für deren Vertrieb sorgen muß.

Bei Berechnung der Kostenaufschläge erscheint es häufig ge-
rechtfertigt, anstatt gleichmäßig hoher Aufschläge diese nach Ar-
tikelgruppen zu differenzieren, um den besonderen Verhältnissen
der Ausführung und des Vertriebes Rechnung zu tragen.

Schließlich sei ein Kalkulationsbeispiel vorgeführt. Eine Porzel-
lanwarenfabrik berechnet eine Vase, Modell Nr. 1346, Gewicht 1,25 kg,

Brennraum 6,7 cbm:

Masse ....................................Kr.	—,10

6,7 cbm Brennraum ä	12 h	....	„	—,80

Dreher, Maler, Farben .....................„	—,80

2 mal schmelzen ä 12	h .....	.	„	—,24

Kr. 1,94

50 o/o Unkosten............................ —,97

Kr. 2,91!

15°/o für Bruch............................ —,44

Selbstkosten Kr. 3,35

NB. Die Kosten des Brennens und Schmelzens werden nach dem
Rauminhalt des betr. Artikels verteilt. Die Verluste durch Bruch
der Waren (vgl. S. 101) erstrecken sich auf Materialwert, Löhne
und allgemeine Unkosten; deshalb die prozentuellen Zuschläge zum
Produktionswert. Sie sind nach den Erzeugungsschwierigkeiten und
dem Grade der Zerbrechlichkeit der Fabrikate abzustufenx).

’) Vgl. Buchführung und Statistik eines Fabrikbetriebes; Jahresbericht der
Kommunalhandelsschule Brüx 1904, S. 34.
        <pb n="228" />
        ﻿220

Zusammenfassung:

§ 51. Des besseren Verständnisses halber fassen wir die bis-
herigen Erörterungen zusammen:

1.	Die Unkostenbuchführung hat den Gesamtaufwand
nachzuweisen; die Materialkosten und Fabrikationslöhne können
außer Betracht bleiben. Für jeden Einzelbetrieb sind die Unkosten
gesondert zu verrechnen. In Unternehmungen mit verschiedenartigen
Spezialfabrikationen ist wegen der gerechten und richtigen Kalku-
lation eines jeden Artikels für jede einzelne Werkstätte eine be-
sondere Kostenberechnung aufzustellen.

Die Unkostenbuchführung hat die Betriebs- und die Vertriebs-
kosten festzustellen, zu zergliedern und zu verteilen. Von Wichtigkeit
ist hier die Frage, nach welchen Grundsätzen die Verteilung der
einzelnen Unkostenarten stattfinden soll. (Vgl. § 31', Beispiele

S.	145.) Die Gliederung der Unkosten hat auf die Kalkulationsformel
Rücksicht zu nehmen.

2.	Die Kalkulation eines Einzelfabrikates soll die
Selbstkosten sowie einen, vielfach nur theoretischen, Verkaufspreis
bestimmen. Als Grundlage hierfür dient die Unkostenbuchführung.

a)	Wo Jdassen gleichartiger Fabrikate erzeugt werden (z. B.
in der chemischen Industrie), werden die Selbstkosten einer
Maß- und Gewichtseinheit durch Division der Gesamtkosten
(Material, Löhne, allgemeine Unkosten) durch die Produktions-
menge berechnet. Zuschläge entfallen.

b)	In der Kalkulation eines Spezialartikels müssen neben den
unmittelbar berechenbaren Material- und Lohnkosten noch
für allgemeine Kosten Aufschläge berechnet werden. Die Er-
mittelung der Zuschläge stützt sich auf die Unkostenstatistik
(1). Die Materialunkosten belasten den Materialwert, die Lohn-
unkosten die Fabrikationslöhne, die Betriebsunkosten die di-
rekten Arbeitslöhne, die Handlungsunkosten hingegen den
Produktionswert, und zwar verschieden nach der Art und
Verkaufsschwierigkeit des Artikels. Die besonderen Spesen
(§ 50) sind jeder Ware einzeln und unmittelbar anzurechnen.

Die Zuschläge werden nach der Gewichts(Maß)einheit, pro-
zentuell oder nach der Zeit berechnet. Beim Prozentsystem handelt
es sich darum, wie die Zuschläge zu ermitteln sind und worauf
sie sich beziehen (§ 41). Man rechnet alle Unkosten gemeinsam
oder spezialisiert einzelne Unkostenarten.

Die Zuschläge sollen für jeden Einzelbetrieb besonders ermittelt
werden. Wo die indirekten Aufwendungen der einzelnen Werkstätten
erheblich voneinander abweichen, müssen Zuschläge für jede Werk-
        <pb n="229" />
        ﻿221

stätte, ja für einzelne Maschinen ermittelt werden, wenn bei diesen
Kraft- und Materialverbrauch wesentlich verschieden sind.

Der Stundenaufschlag ermittelt die indirekten Kosten einer jeden
Lohnarbeitsstunde.

Kalkulationsformeln.

§ 52. Die nunmehr folgenden Kalkulationsformeln sollen die
Anwendung der in den §§ 41 ff. entwickelten Grundsätze zeigen.

1.	Beispiel.

Eine Fabrik für Werkzeuge — Feilen, Hämmer, Sägen
— rechnet nach dem folgenden Schema:

I.	Materialkosten und Aufschlag für Lager-Yerwaltungs-
kosten.

II. Arbeitslöhne (Fabrikationslöhne).

III,	Ptrozentaufschlag auf die Löhne unter II. für unmittel-
bare Betriebsunkosten (Abschreibungen, Reparaturen,
Kraft, Licht, Hilfsmaterialien, Betriebslöhne, Aufsicht) getrennt
nach Werkstätten, Hand- und Maschinenarbeit.
(Vgl. Schema S. 201.)

IV.	Prozentaufschlag auf die Summe von II. und III. für allge-
meine Betriebsunkosten (V er Sicherung, Gebäudeunter-
haltung, Steuern, Betriebsbeamtengehälter).

V.	Verkaufskosten; Prozentaufschlag auf die Summe von I.
bis IV.

2.	Beispiel: Fabrik für Massenartikel aus künst-
licher Mas se.

1.	Materialkosten und prozentueller Aufschlag für Material-
verluste, Kosten der Lager-Verwaltung und der Bearbeitung
der Rohstoffe wie Reinigung, Mischung u. a.

2.	Fabrikationslöhne und Prozentzusehlag für Versiche-
rung und Krankenkasse.

3.	Generalk.osten:

a)	Transportkosten: et Pfg. pro kg X Anzahl der Fabrikations-
stadien (Kosten der Transportmaschine: Kraftbedarf, Ab-
schreibung, Löhne, Werkzeugverbrauch).

b)	Sonderkosten für Spezialeinrichtungen (Abschreibung) und
Vorarbeiten, z. B. Modelle, Zeichnungen etc.

e) Werkstattkosten
d) Verwaltungskosten

verteilt auf iArbeitsmaschinen und -plätze
nach dem beanspruchten Flächenraum
und berechnet pro Stunde.
        <pb n="230" />
        ﻿e)	Abschreibungen auf Werkzeuge und Arbeitsmaschinen, ver-
teilt auf Arbeitsstunden unter Berücksichtigung des Beschäfti-
gungsgrades.

4.	Besondere Verkaufskosten I prozentuell berechnet auf die

5.	Ausschuß	|	Summe I—3.

Reclmungsbeispiel:

Materialkosten..................Mk.	4,80

Zeitkosten: Stanzen............,	—,80 Maschine Nr. 8,2 Std. (k 119 Pfg'.)

Drehen.................. 2,00	„	,	25,2	„	(k 18	„ )

Tauchen................. —,25 Platz	„ 103,1	,	(ä 3	„ )

Material..............„	--,10

Generalkosten: 2 Std. h 119 Pfg.

5	, 1 18	„ | »	3,31

1 , k 3	,

Transport: 6 kg x 3 Stadien

ä 1 Pfg.....................„	—,18

Einrichtung Mk. 20,— k 10 % . .	„	2,-	/	besondere	Einrichtungen	für	die

-------.— ( Erzeugung dieses Fabrikates)

Herstellungskosten Mk. 13,44

Bruch 2 o/o......................„	—,28

Verkaufskosten 12 °/o............„	1,63

Selbstkosten Mk. 15,44
Verpackung..................

Fracht............................. — | besondere Verkaufsspesen.

Provision........................„	2,55	J

Gewinn...........................„	6,10

Verkaufspreis Mk. 24,00

3.	Beispiel: Kalkulationsformel nach West, Richtige
Selbstkostenberechnung in Fabrikbetrieben (Berlin 1905).
Berechnung der Kosten eines Arbeitsplatzes innerhalb der
Werkstätte:

I.	Zeitkosten, unabhängig davon, ob an dem Arbeitsplatz ge-
arbeitet wird oder nicht; zunächst als Jahreskosten ermittelt
und auf die Maschinenstunde umgerechnet.

A.	Verzinsung und Abschreibung, Instandhaltung, Feuerversichet-
rung der Gebäude. Heizungs- und Beleuchtungskosten ein-
schließlich Verzinsung und Abschreibungen der Anlagewerte;
Reinigung. Die Gesamtjahreskosten der Unternehmung werden
auf die Arbeitsplätze nach Maßgabe des Flächenraumes dieser
Plätze verteilt.

B.	1. Abschreibung und Verzinsung, Instandhaltung der Werk-

zeugmaschinen, für jeden Arbeitsplatz zu berechnen.

2.	Verzinsung, Abschreibung und Instandhaltung der Kraft-
erzeugungs- und Kraftübertragungsanlagen. Gesamtjahres-
kosten, verteilt auf die Arbeitsplätze nach dem Kraftver-
brauch.
        <pb n="231" />
        ﻿223

3.	Werkstattauf sieht — Schreiber, Meister — gleichmäßig auf
die Arbeitsplätze verteilt.

II. Leistungsbesten, die nur dann entstehen, wenn an dem
betreffenden Arbeitsplatz gearbeitet wird.

C.	Werkzeugabnutzung,	Kraftbedarf,	Betriebsmaterialien,	Be-
triebskosten, Arbeiterversicherung.	Die vorjährigen	Gesamt-

ausgaben werden auf Grund praktischer Erfahrungen (?) auf
die einzelnen Arbeitsplätze verteilt und pro Arbeitsstunden
berechnet.

4.	Beispiel: Fabrik der elektrotechnischen Branche.

I.	Gliederung der Kosten	(monatliche	Berechnung).

1.	Direkte Kosten:	Materialien,	Arbeitslöhne.

2.	Allgemeine Kosten: a) Werkstattkosten, wie üblich

berechnet.

ß) Verwaltungskosten, und zwar:
aa) Betriebsverwaltung (Ingenieure, Konstruktions- und
Betriebsbureau, Prüffeld, Lager); diese Kosten werden für
jeden der vier Betriebe berechnet und innerhalb der Be-
triebe auf die Werkstätten nach der Summe der bezahlten
Fabrikationslöhne und den sonstigen Werkstattkosten ver-
teilt.

bb) Die Kosten der Zentralverwaltung — Leitung, Buch-
haltung, Kalkulations- und Korrespondenzbureau, Lohnkasse,
Expedition, Einkaufsbureau — werden im Verhältnis der
Gesamtkosten (1., 2. a und ß aa) auf die Betriebe verteilt
und auf Grund der Abrechnung des Vorjahres der Prozent-
satz für das künftige Betriebsjahr festgelegt.

II.	W er kst^ttauf Schläge (2a). Der Betrieb führt folgende
Unkosten-Klassen:

J3 Das Verhältnis zwischen Kosten und Ar-
J beitslöhnen gibt den durchschnittlichen Lohn-
aufschlag der betr. Werkstätte. Sind innerhalb
einer Werkstätte die Arbeitsmethoden sehr ver-
g schieden, so werden Löhne und Kosten für den
^ einzelnen Arbeitsplatz (siehe 3. Beispiel) be-
e rechnet und danach die Kostenklasse für diesen

CD

§ Platz oder diese Maschine bestimmt.

U

Ph

Klassse

1	50

2	60

3	80

4	100

5	120

6	150

7	175

8	200
9 250

10	300

11	350

12	400

13	500

14	600

15	700

16	800
        <pb n="232" />
        ﻿224

Kalkulationsbeispiel: Schalttafel.

	Material	Löhne	Klasse	Unkosten	Summe
Eisenrahmen		10,-				
Rahmen anfertigen. .....		6,-	5	7,20	23,20
Marmorplatte		16,-		—	■		—
„	bohren			5,—	6	7,50	28,50
V erbindungsschienen		8,-		—		
„	schneiden, bohren		3,-	5	3,60	14,60
Schrauben 		4,80					4,80
Schalttafel zusammenstellen. .		12,—	4	12,—	24,—
Gestell lackieren	j	—	1,50	8	s-	4,50
1	38,80	27,50	— j 33,30		99,60

-f- 6 % Generalverwaltung 5,98
Selbstkosten 105,58

Die im vorstehenden 4. Beispiel dargestellte Trennung der Un-
kosten in Kosten der Betriebe und Kosten der Zentral-
verwaltung findet man fast regelmäßig bei allen Unternehmungen
mit örtlich verschiedenen Betriebsstellen und einer Zentralverwaltung,
z. B. die Deutschen Waffen- und Munitionsfabriken haben in Karls-
ruhe, in Moabit und in Wittenau, die Köln-Rottweil A. G. besitzt
Fabriken in Bottweil, Düneberg, Premnitz usw. Solche Großbetriebe
mit dezentralisierter Fabrikation rechnen zumeist nach folgendem
Schema, 1. an den Betriebsorten: Material -j- Löhne Fabrik-
unkosten; 2. zur Summe unter 1'. werden die Generalkosten
der Gesamtunternehmung (Abschreibungen, Finanzkosten, Kosten der
Zentralverwaltung), häufig im Verhältnis zum Produktions wert der
Fabrik, geschlagen.

5.	Beispiel:

Das folgende Berechnungsschema einer Masehinenfa brik
mit Eisenkonstruktion ist besonders gut durchgearbeitet.

I.	Auswärtige Montage: Die Kosten setzen sich wie folgt
zusammen: Ingenieurgehälter; Arbeitslöhne -j-40o/o Zuschlag
für Arbeiten mit Werkzeug, 20o/0 ohne Werkzeug. Das an Ort
und Stelle eingekaufte Material bleibt ohne Zuschlag. Monteure,.
Hilfsarbeiter und Werkzeuge werden von der Firma bereit-
gestellt.

II. Materialzuschläge für Lagerverwaltung und Versand
(vgl. S. 183).

1.	Ohne Zuschlag bleiben: Materialien für eigene Be-
triebsanlagen, kostenloser Ersatz und Nacharbeiten für Kunden,
vom Lieferanten unmittelbar dem Kunden gesandte Mate-
        <pb n="233" />
        ﻿rialien, für Kundenaufträge fertig bezogene Materialien, sofern
es keiner Bearbeitung bedarf (Passungsarbeit, Zusammenbau),
für Einlagerung fertiger Materialien der eigenen Erzeugung.
Für Schrot und Abbrand auf das Fertiggewicht der
Schmiedestücke 8 o/o.

Auf den Einkaufs- oder Selbstkostenwert des vom Lager ver-
ausgabten Materials 10o/o, für Kundenaufträge bezogenes
Material, das einer Bearbeitung unterzogen wird, 5 o/o.

III.	Lohn Zuschläge:

1.	Unmittelbare oder Werkstattkosten:

a)	Zuschläge in Prozent des Werkstattlohnes (pro-
duktive Arbeiter mit Einschluß der produktiven Hilfs-
arbeiter) :

Modelltischlerei	130	o/o

Eisenkonstrubtion	80	o/o

Schlosserei	80% usf.

b)	Zuschläge für Tageskosten (8-Stundenschicht) für be-
sonders teuere Maschinen und Einrichtungen (vgl. S. 198 f.,
201); z. B.:

Große Schmiedepressen 140 Mk.

Große Drehbank	25	„

Große Plandrehbank	20	,,

Große Karusselbank	15

Kleine Bearbeitungsmaschine 3 ,,

Große Bearbeitungsmaschine 8 „

2.	Für allgemeine Betriebsunkosten, die vom ganzen
Werk zu tragen sind, , 35 o/o auf die produktiven Löhne.

IV.	Handlungsunkosten:

T.

Ohne Zuschläge bleiben Modell- und Montagekosten, Kosten
für eigene Anlagen, für Lageraufträge an eigene Betriebe.
Für alle Fabrikate 15 o/o der Werkstattkosten.

Für Kundenaufträge fertig bezogene Materialien ohne Weiter-
bearbeitung (vgl. II. 1) bei Rechnungsbeträgen
unter 1000 Mk.	8o/0 des Materialwertes

von 1000—5000	5 o/o

von 5000—50 000 3o/0
über 50000 2 o/o
für schwere Gußstücke 8 o/o.

Lei tu er, Selbstkost&amp;oberecluumg. 7. Aufl.

15
        <pb n="234" />
        ﻿V.	Abschnitt.

Die Abschreibungen.

Literatur: Leitner, Grundriß der Buchführung und Bilanzkunde. 1. Bd.

S.	211 f. 2. Bd. S. 61 ff. (Berlin 1919). Langhaus, Die Privatfeuerasse-
kuranz und das Reicksversicherungsgesetz. Leipzig 1900. Derselbe, In den
Annalen des Deutschen Keiehes, 1903. S. 923f. Müller, Brandschadenregu-
lierung durch Sachverständige. Jena 1907. Blum, In den Annalen des Deut-
schen Beiches, 1913. S. 32 f. Prange, Die Theorie des Versicherungswertes
in der Feuerversicherung. II. Teil. 1. Buch (Die Ermittlung des Versicherungs-
wertes von Baulichkeiten). Jena 1902. 2. Buch (Die Ermittlung des Versiche-
rungswertes von Waren) und 3. Buch (Ermittlung des Versicherungswertes von
beweglichen Ertrags- und Gebrauchsgegenständen [Maschinen, Geräte und häus-
liches Mobiliar]. Jena 1907. Schiff, Die Wertminderung an Betriebsanlagen
in wirtschaftlicher, rechtlicher und rechnerischer Beziehung. Berlin 1909. Fischer,
Bilanzwerte, was sie sind und was sie nicht sind. Leipzig 1905. S. 55 ff. In
den Werken über Bilanzwesen von Simon (Berlin 1905), Relim (München 1903).
Passow (Leipzig 1910). Dickmann, Kgl. Rentmeister in Krone, Die Be-
rechnung der Abschreibungen für Substanzverringerung etc. 1902 (Selbstverlag);
Schatz, in der Zeitschr. für Handelswissenschaft und Handelspraxis 1909;
Schmalenbach, in der Zeitschr. für handelswissenschaftliche Forschung.

2.	Jahrg. S. 81 f. Entscheidungen des Kgl. Preußischen Oberverwaltungs-
gerichts in Staatssteuersachen, Berlin 1893 ff.; Dicksee, Depreciation, reserves
and reserve funds. 2. Aufl. London 1907; Lemaire, Des amortissements et
des reserves dans les societies industrielles. Liege 1907; Kopf, Du calcul de
l’amortissement dans les entreprises industrielles. Paris 1904.

Übersicht.

1.	Offene und geheime (verschleierte, interne) Abschreibungen.

2.	a) Regelmäßige, ordentliche, jährliche Abschreibungen, und zwar
notwendige und freiwillige (übermäßige), dann gleichmäßige
und ungleichmäßige Abschreibungen.

b) Außerordentliche einmalige Abschreibungen, und zwar not-
wendige und freiwillige, d. s. übermäßige Abschreibungen.

3.	Die regelmäßigen Abschreibungen erfolgen a) vom Anschaffungs-
oder Neuwert, b) vom Buchwert (Saldoabschreibung), c) in Quoten
der Produktion oder mit Rücksicht auf den Beschäftigungsgrad,
d) in Quoten des erzielten Gewinnes oder e) durch Inventurbewer-
tung der Bestände und sind demnach f) gleichbleibend, g) fal-
lend, h) steigend oder i) unregelmäßig.

4.	Die Abschreibungsprozente berücksichtigen Zinsen auf die Abschrei-
bungsbeträge oder nicht.
        <pb n="235" />
        ﻿227

5.	Die Abschreibungsprozente sind kollektiv für ganze Gruppen von
Vermögensobjekten oder indivi duell für jedes einzelne Vermügensstück.

6.	Die Abschreibungsgründe sind teils natürlicher, teils wirt-
schaftlicher Art. Danach kann man kurz von technischen und
kaufmännischen Abschreibungen sprechen.

7.	Endlich ist zu beachten, wie Neuanschaffungen abgeschrieben
und die Unterhaltungskosten bzw. Reparaturen buch- und bilanz-
technisch behandelt werden.

§ 53. Nach den auch für industrielle Unternehmungen geltenden
handelsrechtlichen ^Vorschriften soll in der Jahresbilanz die Ver-
mögenslage für einen bestimmten Zeitpunkt zur Darstellung kommen.
Die Feststellung des Wertes der Vermögensteile kann durch positive
oder negative Schätzung, durch direkte oder indirekte Bewertung
erfolgen. Man schätzt entweder den tatsächlichen derzeitigen Wert
des Vermögensobjektes (unmittelbare Bewertung) oder den Minder-
wert, den Verlust, der durch Abnutzung usf. entstanden ist. Der
letzte Vorgang ist nur der Form nach eine Feststellung des Wertes,
ein mittelbarer Weg durch Schätzung des Verlustes. Abschreiben
heißt also Beträge von einem Wert absetzen. Unter Abschreibung
versteht man eine „der Abnutzung, Substanzminderung und Ent-
wertung entsprechende allmähliche Herabsetzung der Wertansätze
im Inventarium“ und in der Bilanz.

Veranlassung zum Abschreiben von einem früheren Werte ist
entweder eine Entwertung, beispielsweise durch Konjunktur-
änderungen oder durch nachträgliche richtige Bewertung zu hoher
Anfangsschätzungen; oder eine allmähliche Substanzverminde-
rung oder Bestands Verminderung, eine quantitative Verringerung
der Vermögenssubstanz durch unmittelbaren Verbrauch oder Aus-
gabe von Werten zur Erzielung eines Reinertrages (Bergbau, Ziegelei,
Steinbrüche) oder endlich Brauchbarkeitsminderung in-
folge des Betriebes der Unternehmung, Abnutzung, Erfindungen und
dadurch bedingte Änderung der Betriebsweise, äußere Einflüsse
u. ä. m.

Nur die Wertminderung infolge der Verwendung der Produktions-
mittel zum Betriebe und im Geschäftsbetrieb soll uns hier be-
schäftigen. Der Verlust ist durch bestimmungsgemäße Verwendung
eines Vermögensobjektes läßt sieh nicht zahlenmäßig ermitteln, eben-
sowenig wie der Anteil am Gewinn bestimmt werden kann, der
aus der Benutzung dieser Objekte erwächst. Deshalb begnügt man
sich mit einem erfahrungsmäßigen annähernd richtigen Schätzungs-
werte des Verlustes, dessen Höhe gewöhnlich in flundertteilen
angegeben wird. Die Abschreibungsquote ist stets ein unsicherer
Schätzungs-, ein Durchschnittswert. Wie groß die Abnutzung tat-
sächlich war, läßt sich erst bei der Außerdienststellung der Maschine
usw. ermessen.

15*
        <pb n="236" />
        ﻿— 228 —

Bilanzschema einer Aktien-

Aktiva (Kapital-Verwendung, Arten d. Vermögensteile)

I. Anlagevermögen (Gebrauchsvermögen, stehendes Kapital, Betriebsanlagen):

1.	Grundstücke (Fahrikterrain, Bergwerke, Forstbesitz usf.);

2.	Häuser (Fabrik-Verwaltungsgebäude, Beamten- und Arbeiterhäuser u. a.);

3.	Maschinen (Arbeits-, Kraftmaschinen), Werkzeuge, Modelle, Fabrik-
und Bureauinventar; Fuhrwerk etc.;

4.	Sonstige Betriebsanlagen: Haupt- und Hilfsbetriebe, z. B. Kraftanlage,
Hochöfen, Wasser- und Gaswerk, Schwebebahnen, Versuchsanlagen usf.

5.	Immaterielle Güter: Patente, Urheberrechte (Verteilung der Er-
werbskosten auf mehrere Jahre).

II. Betriebsvermögen (umlaufendes Kapital, Betriebsmittel, Verbrauchs- oder
Umsatzvermögen):

A. Vorräte (Sachgüter):

1.	Bargeld, Schecks, Beichsbank-Giro- und Postscheckguthaben;

2.	fremde Geldsorten, Zinsscheine;

3.	W ertpapiere:
ö) im eigenen Besitz;

ß) aktive Lombard- oder Kautionseffekten, als Sicherstellung
hinterlegt (nicht verfügbar);	•

4.	Besitzwechsel:

a) inländische Währung (Rimessenwechsel);
ß) ausländische Währung (Devisen, Cambien);

5.	Betriebsvorräte:

a) auf eigenem Lager: Rohstoffe, Halb- und Ganzfabrikate,
Hilfsstoffe, Betriebsmaterialien;

ß) Vorräte auf fremdem Lager: Konsignationswaren, Waren der
Niederlagen bei Spediteuren etc.
y) schwimmende, rollende Waren.

Liquide

Mittel

B. Forderungen (Ansprüche auf Leistungen aus dem Vermögen eines
Dritten):

1.	Ungedeckt: a) sichere Buchforderungen: Debitoren für Waren-

verkäufe; Guthaben bei Banken. Darlehensforde-
rungen; Forderungen an Tochtergesellschaften.
ß) zweifelhafte, dubiose Forderungen.

2.	Sichergestellte, durch Depots, Bürgschaft etc. gedeckte Forde-
rungen; aktive Hypotheken, Rückständige Einzahlungen auf nicht
volibezahlte Aktien.

C.	Leistungs-, Lieferungsansprüche: eigene Anzahlungen auf

künftige Warenlieferungen.

D.	Beteiligung an anderen Unternehmen (teils Anlage, teils Be-

triebskapital).

E.	Eventualdebitoren (als Gegenposten für Eventualverbindlichkeiten).

Passiva II.

III. Rechnungsmäßige Aktiva (Interne Ergänzungsposten):

1.	Wertkorrekturen für Passivposten (selten);

2.	Transitorische Ausgaben (Verluste) und Einnahmen (Gewinn-
Antizipationen) auf Rechnung eines künftigen Bilanzjahres, z. B.
Disagio, voraus bezahlte Versicherungsgebühren etc.

229

gesellschaft (Produktionsbetrieb)1).

(Arten der Kapitalquellen, Kapitalbeschaffung) Passiva

I. Eigene Mittel:

Unverteilbares

gebundenes

Vermögen

Verteilbares

freies

Vermögen

r 1. Grund- oder Aktienkapital: Stamm- und
aktien,

l 2. Gesetzlicher oder Zwangs-Reservefonds;

3. Statutarische freiwillige Reservefonds
zur Deckung bestimmter Verluste (z. B. echter
Delkrederefonds), oder bestimmter Ausgaben
(Garantiefonds, echter Erneuerungs-, Wohl-
fahrtsfonds u. a.), oder ohne Zweckbeschrän-
kung (Spezialreserve, Dispositionsfonds);

. 4. Reingewinn, Überschuß2).

Vorzugs-

II. Fremde Mittel:

a) Geldschulden (Verbindlichkeiten zu Leistungen aus dem eigenen
Vermögen):

Anla e ( 1- Hypothekarschulden; Restkaufgelder; feste, . fr£sti
1° lfnö ! Darlehen,	' ang ris-1?

sciu en ( g Anleiheschulden (Obligationen);

!. Buchschulden: Kreditoren für Warenliefe-

Betriebs-

Leihkapital

tj ii j-,	(Kurzfristiges

rungen, Bankkredite;	j T	., y

4. Wechselschulden: Akzepte und Tratten ' ei pi .

schulden j 5. Rückständige Ausgaben: Löhne, Steuern, noch nicht |	g0f0r^.

J	bezahlte Dividenden- und Zinsscheine.	i

( 6. Empfangene Barkautionen.	’

b)	Leistungsschulden: Anzahlungen der Abnehmer auf noch nicht
erfüllte Lieferungsverträge.

c)	Eventualschulden für geleistete Bürgschaften, Avalakzepte und
anderes.



III. Rechnungsmäßige Passiva (Interne Ergänzungsposten):

1.	Wertkorrekturen für Aktiva, Ko.rrektivposten, Bewertungskonten,
Wertminderungsposten, z. B. Amortisationskonto, Erneuerungsfondskonto.

2.	Transitorische Einnahmen (Erträgnisse) und Antizipationen (Ver-
lustausgaben) für Rechnung eines künftigen Bilanzjahres.

1)	Entnommen meiner Bilanztechnik und Bilanzkritik, 4. Auflage Berlin
1920, S. 12.

2)	Infolge gesetzlicher Vorschriften am Schlüsse der Bilanz besonders
anzuführen (§ 261, Ziff. 6 Handelsgesetzbuch).
        <pb n="237" />
        ﻿ist Erhaltung des Vermögens, Sicherung des Besitzes. Abschrei-
bungen zählen zu den Betriebskosten im Sinne des § 3, da sie zur
Sicherung und Erhaltung des der Produktion dienenden Anlage-
vermögens und somit auch des Ertrages dienen.

Die Abschreibungen sind eine Form der Be-
wertung, ein Hilfsmittel der Inventarbewertung
des Gebrauchs- und Verbrauehsvermögens. Die all-
jährliche, direkte Neubewertung des Zeitwertes ist zu kostspielig
und langwierig. Anlagevermögen wird nur ausnahmsweise direkt
bewertet bzw. geschätzt1), beispielsweise bei Umwandlungsgrün-
dungen, Fusionen, Verkauf der Unternehmung, Auseinandersetzung
zwischen Gesellschaftern etc. Die Abschreibungen bilden einen
wichtigen Faktor der Selbstkostenberechnung und der Schaden-
regulierung bei Elementarschäden,; sie sind für die Vermögens-
und die Ertragsbilanz und dadurch auch für die Steuerbemessung
von größter Bedeutung.

Absehreibungsmethoden.

§ 54. Die offenen Abschreibungen sind in der jährlichen
Schlußbilanz bzw. in der Gewinn- und Verlustrechnung im einzelnen
oder summarisch ersichtlich gemacht. Die geheimen, internen
Abschreibungen treten in der veröffentlichten Jahresrechnung nicht
zahlenmäßig in Erscheinung. Es sind Wertminderungen zu Lasten
einer Reserve, eines Gewinnes oder der Unkosten. Wir haben es hier
nur mit den offenen Abschreibungen zu tun. Die wuchtigsten Fragen
bei der Berechnung und Beurteilung der Abschreibungen sind: Von
welchem Wert soll die Abschreibung berechnet werden und welche
Faktoren bestimmen die Höhe der Abschreibungsquoten.

Die üblichen Formen der Abschreibungen lassen sich in fünf
Gruppen teilen (vgl. Übersicht 3. a—e).

1. Die Abschreibung erfolgt in jährlich gleichbleiben-
den Prozenten vom Neuwert bzw. Anschaffungswert
des Vermögensobjekts. Bezeichnet A den Anschaffmigswert, M den
Altmaterialwert, n die ganze Lebens- bzw. Abschreibungsdauer, z
die bereits verflossene Abschreibungszeit, d. h. das Alter des Objekts
und p den Prozentsatz der jährlichen Abschreibung, endlich a den

jährlichen Abschreibungsbetrag, so ist a =
A —M 100

n A

bringt Moral, Die Taxation maschineller Anlagen. Berlin 1911.

’) Ein Beispiel für die Berechnung des Zeitwertes maschineller Anlagen
        <pb n="238" />
        ﻿— 231 —

Für ein bestimmtes Jahr ist der Bilanzwert:

n — z

Bw = (A — M).:

n

M.

In diesen Formeln wird die Abschreibung berechnet aus dem
Unterschied zwischen Anschaffungs- und Altmaterialwert unter Be-
rücksichtigung der Verwendungs- bz\v. der gewählten Abschreibungs-
dauer. Läßt man, der Praxis entsprechend, den Altmaterialwert

unberücksichtigt, so ist a = —, p = und der Bilanzwert für ein

beliebiges Jahr:
Bw = a(100

5—zp\
100 )'

100

eingesetzt, gibt: Bw = A

n — z

2.	Die Abschreibungen werden vom jeweiligen Buchwert
berechnet (Saldoabschreibung). Da in der kaufmännischen
Buchführung auf den Anlagekonten nur Buchwerte zur Eintragung
kommen, das Maschinenkonto beispielsweise alljährlich mit dem
Bilanz- bzw. Buchwert der Maschine am Ende des unmittelbar vor-
hergehenden Jahres eröffnet wird, so scheint diese Abschreibungs-
methode durchaus gerechtfertigt zu sein. Unter den gleichen An-
nahmen wie vorhin berechnet sich der augenblickliche Bilanzwert}

(A-M) (^p)Z + M,

Bw

oder, unter Weglassung des Altmaterialwertes:

Wenn nach diesem Abschreibungsmodus innerhalb der gleichen Zeit
das gleiche Ergebnis erreicht werden soll wie bei der Abschreibung
vom Anschaffungswert, so wird

100

M

oder ohne Altwert p = 100 11

n

3.	Während die Abschreibung vom Anschaffungswert diesen,
in alljährlich gleichbleibenden Amortisationsquoten tilgt,
fallen die jährlichen Abschreibungsquoten bei der Abschreibung
vom Buchwert. Man könnte in einzelnen Fällen auch mit steigen-
den Abschreibungsquoten amortisieren und die Abschreibungs-
prozente etwa nach der Formel: a = (~)n berechnen1). Wäre bei-
spielsweise die Abschreibungsdauer 10 Jahre, so wären die Abschrei-
bungen der einzelnen Jahre (A = 1000):

&gt;) Dann wäre Bw = A — A ( ^j ohne Rücksicht auf den Altmaterialwert.
        <pb n="239" />
        ﻿232

n	Am Ende des nächsten Jahres sind  abgeschrieben	Jährliche Ab- schreibungs- quoten in % des Neuwertes	Jährlicher Ab- schreibungs- betrag  Mk.	Buchwert am Ende des nächsten Jahres
i	10	i	10	990
2	40	3	30	960
3	90	5	50	910
4	160	7	70	840
5	250	9	90	750
6	360	11	110	640
7	490	13	130	510
8	640	15	150	360
9	810	17	170	190
10	1000	19	190	—
		100	1000	

An einem Rechnungsbeispiele sollen die erheblichen Unterschiede
bei der Abschreibung vom Anschaffungswert bzw. vom Buchwert
gezeigt werden. Eine Maschine kostet Mk. 1000,—, die Lebens-
bzw. Amortisationsdauer ist mit 10 Jahren angenommen; somit sind
alljährlich 10 o/o abzuschreiben. Der Altmaterialwert bleibt außer
Ansatz.

a)	Abschreibung vom! Anschaffungswert, d. h. nach 10
Jahren ist der Yermögenswert gleich Null.

Ende  des  Jahres	Buchwert zu Beginn des Jahres	Abschreibung jährlich Mk. 100.— absolut;  im Verhältnis zum Buchwert	Prozente vom jeweiligen Buchwert	Vom Neuwert sind bereits amortisiert Prozente
i	1000	1000  10	10	10
2	900	900  9	n,i	20
3	800	800  8	12,5	30
4	700	700  7	14,29	40
5	600	600  6	16 */»	50
6	500	500  5	20	60
7	400	i ^ o « ! o	25	70
8	300	300  3	33 Vs	80
9	200	200  2'	50	90
10	100	100  1	100	100
        <pb n="240" />
        ﻿233

Gegen Ende der Lebensdauer wird der prozentuale Anteil der
Abschreibung größer.

b)	Die Abschreibungsprozente werden vom jeweiligen Buch-
werte gerechnet (Saldo-Abschreibung).

Ende des Jahres	Buchwert zu Beginn des Jahres	Abschreibungen	
		10% vom Buchwert	Prozente vom Anschaffungswerte Mk. 1000.-
1	1000	100	10
2	900	90	9
3	810	81	8,1
4	729	72,9	7,29
5	656,10	65,61	6,56
6	590,49	59,05	5,91
7	531,44	53,14	5,31
8	478,30	47,83	4,78
9	430,47	43,05	4,31
10	387,42	38,74	3,87
		Summe 651,32 Mk.	65,13 °/o

Am Ende des 10. Jahres sind erst 65 o/o der Anlagekosten amor-
tisiert. Die volle Abschreibung (100 o/o) ist erreicht etwa mit dem

35.	Jahr unter der Voraussetzung eines alljährlich gleichbleibenden
Prozentsatzes. Wollte man in 10 Jahren auch nach dieser Methode
den Endwert Null erreichen, müßte man etwa 35 o/o alljährlich vom
Buchwert ansetzen.

Übertragen wir die beiden Methoden und deren Ergebnisse in
ein Schaubild (Seite 234).

Schreibt man gleichmäßig ab unter der Voraussetzung, daß die
Entwertung durch Abnutzung alljährlich die gleiche bleibt, so ver-
läuft die Abschreibungskurve in einer schrägen Linie, von 100o/0 bis
Oo/o. Nach der zweiten Methode ist die Entwertung anfänglich eine
sehr schnelle, verlangsamt sich nach und nach, bis sie im Verlauf
einiger Jahre, etwa vom 20. ab, kaum merkbar ist. Die Abschrei-
bungen verlaufen in einer Kurve, die etwa eine Viertelellipse dar-
stellt. Nach Anschauung der einen Partei entspricht dieses Bild den
praktischen Verhältnissen; eine Maschine nutzt sich bei Beginn der
Inanspruchnahme rascher ab. Andere Praktiker sind der Meinung,
daß die Entwertung bei der Inbetriebsetzung langsam und mit dem
zunehmenden Alter steigt; für diese Partei ist die Kurve a-ß die
richtige.

Die erste Gruppe faßt wohl den Veräußerungswert ins Auge und
hat insoweit recht, als der Veräußerungswert einer Maschine nach
Inbetriebnahme schnell fällt, in späterer Zeit aber ungefähr konstant
        <pb n="241" />
        ﻿
        <pb n="242" />
        ﻿bleibt. Wird der Altmaterialwert einer Maschine mit 10 o/o des An-
schaffungswertes angenommen, so ergibt die bildliche Darstellung,
daß dieser Wert in etwa 22 Jahren erreicht ist.

Nach Ansicht der zweiten Gruppe ist die Schätzung des wahr-
scheinlichen Yerkaufswertes eines Gebrauchsgegenstandes nicht der
Zweck der Abschreibungen; diese sollten vielmehr den wirklichen
Wert der Abnutzung zum Ausdruck bringen.

Die yermögensbilanz hat zwei Aufgaben zu erfüllen. Sie soll
zunächst die Lage des Vermögens, d. h. den Wert der Vermögens-
teile und der Schulden zum Ausdruck bringen. Folgerichtig sollen
Veräußerungsgegenstände, deren Zweck es ist, verkauft zu werden,
zum zeitigen Veräußerungswert und Gegenstände zum eigenen Ge-
brauch nach Anschauung hervorragender Bilanztheoretiker zum Ge-
brauchswert angesetzt werden.

Welchen Wert Vermögensobjekte, die, wie das gesamte Anlage-
vermögen und die Produktionsmittel, dem Betrieb dauernd erhalten
bleiben sollen, für den Besitzer als Gebrauchsvermögen haben, läßt
sich zahlenmäßig nicht ausdrücken. Welches ist der Gebrauchswert
einer Maschine? Maßgebend für die Aufnahme in die Vermögens-
bilanz können nur die Anschaffungskosten sein, in der Folgezeit
vermindert um den Verlust durch Benutzung bzw. Abschreibung.
Bei normaler Fortsetzung des Betriebes der Unternehmung wird der
Augenblickswert eines Gegenstandes des Gebrauchsvermögens nicht
unmittelbar geschätzt, sondern mittelbar berechnet aus dem Unter-
schiede zwischen Anschaffungspreis und dem geschätzten oder ange-
rechneten jährlichen Verlust. Dieser Wert wird als Gebrauchs- oder
Geschäftswert angenommen; besser ist es, von einem Bilanzwert,
einem Rechnungswert zu sprechen.

Die Bewertung von Gegenständen des Anlagevermögens zum
Veräußerungswert ist bilanztechnisch unrichtig und damit auch die
Anschauung, durch die Abschreibung solle der Veräußerungswert
zum Ausdruck kommen, hinfällig.

Die Abschreibung soll dem Grade der Abnutzung, der Ent-
wertung entsprechen. Danach hätten jene Ingenieure recht, die
verlangen, daß auf Grund technischer Berechnungen eine möglichst
genaue Ermittelung dieser Quote versucht werde und die Fehler-
grenze möglichst weit gegen die wirkliche Wertminderung hin ver-
schoben werde (natürliche Abschreibung).

Ein massives, gut ausgeführtes Gebäude hält etwa 400 Jahre3);

‘) Vgl. Tonindustrie-Zeitung Nr. 134 von 1907. Die Formel für Gebäude-

abschreibungen E = W.

A . AJ
n ' n'

W = Neuwert, n = Lebensdauer, A =

WA

zeitiges Alter. Nach der Formel -- ist die jährliche Abnützung eine gleich-
        <pb n="243" />
        ﻿236

bei einem Neuwert von 30 000 Mk. und einem Alter, von 200 Jahren
gibt die untenstehende Formel E = 11 250,—, d. i. eine jährliche
Abschreibung von 0,1875 vom Hundert. Unter der Voraussetzung,
daß die Annahmen richtig sind, ist der Ingenieur im Recht, der die
Bemessung der Amortisation nach dieser Formel fordert. Danach
wäre die übliche Abschreibung auf Gebäude von 3 o/o, auf Maschinen
10—15o/o usf. nicht gerechtfertigt.

Die kaufmännischen Abschreibungen gehen über die durch die
technische Entwertung begründete Höhe hinaus. Die Bilanz hat
neben der Darstellung des Vermögens auch den Reingewinn der
Unternehmung nachzuweisen. Diese beiden Aufgaben der Vermögens-
bilanz beeinflussen in entgegengesetztem Sinne die Bewertung. Wer
die Größe seines Vermögens für den 31. Dezember beispielsweise
darstellen will, hat die Verkaufswerte, die Wertsteigerungen der
Grundstücke, den tatsächlichen zeitigen Wert der Maschinen usw.
zu berücksichtigen, diese Werte zu schätzen und in die Bilanz
einzusetzen. Wer hingegen den wirklichen Verdienst, den Reinertrag
seiner Unternehmung nachweisen will, wird es unterlassen, Gewinne
in Erscheinung treten zu lassen, die nur fiktiv sind, nicht realisiert,
nur buchmäßig durch Berücksichtigung von Wertsteigerungen des
Terrains, des Verkaufswertes der noch auf Lager befindlichen Waren
u. a. entstehen.

Wir sind der Meinung, daß der Nachweis des Reingewinns in
der Vermögensbilanz einer den Betrieb unverändert fortsetzenden
Unternehmung das Hauptziel dieser Bilanz ist, obgleich wir uns
dadurch mit der herrschenden Lehrmeinung in Widerspruch setzen v).
Man ermittelt das Vermögen und die Schulden für einen bestimmten
Zeitpunkt, um durch Vergleichung des Anfangs- mit dem Schluß-
vermögen den Wertzuwachs oder die Wertminderung zu berechnen;
die Vermögensbilanz ist Mittel zum Zweck der Er-
folgsberechnung.

Dem Kaufmann kommt es bei der Bemessung der Abschreibungs-
quote nicht darauf an, daß dies,e der Abnutzung so ganz entspricht.
Für ihn bedeutet Amortisation Reservebildung, Mehrung des Betriebs-
kapitals (siehe weiter unten) oder Zurückhaltung flüssiger Mittel,
wenn es sich um eine Gewinnverteilungsgesellschaft handelt. Hohe
Abschreibungen verbilligen späterhin die Herstellungskosten, wenn
das Vermögensobjekt abgeschrieben ist und trotzdem bei der Pro-
duktion mitwirkt. Der Kaufmann denkt wirtschaftlich: er will einen
in sicherer Aussicht stehenden Vermögensverlust — Verlust durch

W A2

mäßige, nach ■■■■ ,— steigt sie mit dem Alter. Die Formel E nimmt das arith-
metische Mittel. Vgl. die Tabelle S. 232.

’) Zustimmend Schmalenbach.
        <pb n="244" />
        ﻿237

Außerdienstsetzung — möglichst rasch erwirtschaften (kauf-
männische Abschreibung).

Wir fassen zusammen: die Abschreibungen auf Anlagevermögen
entsprechen der Wertminderung in technischer Beziehung und wirt-
schaftlichen Erwägungen. Dia anzurechnende Lebensdauer des Ver-
mögensgegenstandes entspricht bei rein technischen Abschreibungen
der natürlichen Benutzungsdauer, der Zeit der Gebrauchsfähigkeit.
Der Kaufmann verteilt die Anschaffungskosten auf eine geringere,
mehr willkürliche und von wirtschaftlichen Erwägungen beeinflußte
Zahl von Jahren. Die natürliche Benutzungsdauer muß stets die
Höchstgrenze sein. Für anormale Fälle — z. B. Vermögensausein-
andersetzung bei einer offenen Handelsgesellschaft — sollen nicht
die Werte der Bilanz, sondern besondere Schätzungen maßgebend
sein; schnelle Abschreibung schädigt den ausscheidenden Gesell-
schafter ebenso wie einen ausscheidenden Aktionär, da die Bewertung
in der Vermögensbilanz für normale Verhältnisse, d. i. für den
fortgesetzten Betrieb der Hnternehüiung, für die dauernde Beteiligung
an der Unternehmung und die Gewinnermittelung erfolgt.

Die Rechnungsbeispiele beweisen hinlänglich die Unrichtigkeit
der Abschreibung vom jeweiligen Buchwert, obgleich dieses Ver-
fahren in der Praxis der industriellen Betriebe sehr häufig anzutreffen
ist. Die einen rechtfertigen dieses Verfahren durch Hinweis darauf,
daß sie die Kosten der Ausbesserungen, Reparaturen, nicht dem An-
lagewert Zuschlägen, sondern den Betriebsausgaben zurechnen. An
sich können Ausbesserungen den Entwertungsprozeß nur verzögern,
nicht dauernd hindern; sie wirken nur auf die Zeitdauer und sind
unseres Erachtens schon bei der Bemessung der Abschreibungsquoten
zu berücksichtigen. Andere wiederum nehmen bei der Abschreibung
vom Buchwert einen im Vergleich zur Abschreibung vom An-
schaffungswert höheren prozentuellen Abzug und wollen in un-
gefähr gleicher Zeit die gleiche Wirkung erzielen.

Die in der nachstehenden Tabelle x) angegebenen Abschreibungs-
prozente beziehen sich auf den Neuwert (Methode S. 232). Soll aus
buchtechnischen Gründen die Saldoabschreibung zur Anwendung
kommen, müssen die Abschreibungsquoten derart erhöht werden,
daß die Entwertung bis auf den Altmaterialwert zur gleichen Zeit
eintritt, die sich bei der Abschreibung vom Anschaffungswert er-
gäbe. Nach der Dauer des Betriebsprozesses wurden unterschieden:

a)	reine Tagbetriebe, b) Tag- und Nachtbetriebe, c) periodische Be-
triebe, wie Zuckerfabriken, landwirtschaftliche Brennereien, d) Be-
triebe im Wandergewerbe, insbesondere in der Landwirtschaft und
bei Bohr- und Tiefbauunternehmungen.

*) Vgl. Technik und Wirtschaft, 1910, S. 232 f.
        <pb n="245" />
        ﻿238

Abschreibungstabelle.	a	b	c	d
	°/0			
Baulichkeiten.				
Fabrikgebäude aller Art, massiv ....	2- 4	2-5		
dgl.	Bindewerkbauten ....	3- 5	3—5		
auch Holzschuppen . . .	4- 6	4—6		
Krafterzeugung mit Zubehör.				
Dampfkessel mit Rohrleitungen, Überhitzer,				
Vorwärmer, Wasserreinigung usw.. . .	5—10	7,5—12	4- 7	
Dampfmaschinen		4—10	5 —12,5	3— 5	
Gasmaschinen, Dieselmotoren		8-12	12 —15	7- 9	
W asserkraftmotoren (Turbinen und W asser-				
räder)		6- 8	10 —15	5— 7	
Vorgelege		5—10	7 —12	4- 7	
Heizanlagen		4-10	6 —10		
Elektrische Beleuchtung			8 -12		
Sammlerbatterien			10 -15		
Transp ort Vorrichtungen.				
Feldbahnanlagen, einschließlich Lokomo-				
tiven		4	-20		
Eisenbahnen im Privatbetriebe		5	-r-10		
Krane, Hebezeuge, Aufzüge, Seilbahnen,				
Bekohlungsanlagen		7-10	10 -15	5— 8	5-10
Geräte und Werkzeuge.				
Geräte aller Art		10-25	15 -30	10-20	20-40
Werkzeuge für alle Betriebe		d	urchweg 33	V»	
Bergbau, Hüttenwerke, Eisen-				
Verarbeitung.				
Berg- und Hüttenbetriebe			10 -12		
Maschinenfabriken, Kesselschmieden, Her-				
Stellung von Eisenkonstruktion ....	5-10	7 -12		
Mahl- und Schneidemühlen.				
Mahl- und Ölmühlen:				
a) Reinigungsmaschinen		4- 8	7 —12		
b) Müllereimaschinen		5- 7	7—9		
Ölpressen usw	'	4— 7	6—8		
Schneidemühlen und Holzverarbeitung. .	5-10	7 —12		
Gärun gs ge werbe.				
Zuckerfabriken				4- 8	
Brauereien		6—12			
Brennereien, Preßhefefabriken			6 —12	4— 8	
Stärkefabriken		5— 8	7 —12		
Dextrinfabriken		6-10
        <pb n="246" />
        ﻿239

	a	b	c	d
Abschreibungstabelle.	°/o			
Chemische Industrie.				
Düngstoffabriken		6—9	8-12		
Seifenfabriken		5—8			
Gasanstalten, Teerverarbeitung		5	-10		
Pulver- und Sprengstoffabriken		10	-30		
Textil industrie.				
Hanfspinnerei		7,5—10	9-12		
Kammgarnspinnerei		7 -10	8—12		
Baumwollspinnerei		6—9	7-12		
Baumwollweberei		6—8	7-12		
Appreturmaschinen		8 —10	9—14		
Tuchfabriken		4—8	7—12		
Holzverarbeitung usw.				
Holzschleifereien und Pappfabriken . . .		3—10		
Papierfabriken			4—12		
Papierverarbeitungs - und Kartonagefa -				
briken		4—8			
Tapetenfabriken		5 —10			
Tonverarbeitung.				
Tonaufbereitung, Ziegeleien		10 —15			
Schamotte- und Porzellanfabriken ....	7,5—12	10-15		
Glasfabriken		10 -20	5-331/»		
Zementfabriken und Mörtelbereitung. . .	8 -10	9—15		
Genuß mittelfabrikation.				
Bäckereien und Makkaronifabriken . . .	5—8	7-12		
Schlachthöfe und Fleischereien, Gemüse-				
trocknung und Apfelkeltereien ....	5—8	7—12		
Bekleidungsindustrie.				
Schuhfabriken		5 -10			
Hutfabriken		7 -10			
Wäschereien		10 -12			
Gerbereien und Lederverarbeitung . . .	5 -10			
Strumpfwirkereien und Strickereien . . .	5 —10			
Landwirtschaft.				
Dampfpflüge					5—15	6—18
Dreschmaschinen und Lokomobilen . . .			3—10	4-12
Schrotmühlen, Schrotgänge, Siedemaschi-				
nen, Haferquetschen usw		3 -12			
Brunnen mit Göpel- und Windmotoren .	4-8			
Ackergeräte usw		4 —12
        <pb n="247" />
        ﻿240

Die angegebenen Zahlen geben Grenzwerte, Mindestwerte an,
nnter die nach Anschauung der Bearbeiter dieser Tabelle selbst dann
nicht gegangen werden darf, wenn vorübergehende Betriebseinschrän-
kungen oder Betriebsstörungen eingetreten sind. Den Abschreibungs-
prozenten sind normale Betriebsverhältnisse zugrunde gelegt.

Die Abschreibung vom Anschaffungswert soll zur Anwendung
kommen bei Heimfallunternehmungen, bei Betrieben auf gepachtetem
Terrain, bei bergbaulichen Unternehmungen, die mit der Erschöpfung
ihrer Lager zu rechnen haben, auch bei Maschinen, die technisch
rasch veralten und dementsprechend schnell amortisiert werden
sollen.

§ 55. Bei der Berechnung der jährlichen Abschreibungsbe-
träge wird in Betrieben mit stark wechselnder Produktion häufig
der Produktions menge bzw. dem Beschäftigungsgrad
ein bestimmender Einfluß eingeräumt. So berechnen beispielsweise
bergbauliche Betriebe die Abschreibung des Grubenfeldes nach Maß-
gabe der geförderten Erz- oder Kohlenmenge, Hüttenbetriebe die
Amortisation der Hochöfen nach der Menge des erblasenen Roheisens,
der Koksöfen pro Tonne Koks, jene der Walzenstraßen pro Tonne
Fertigware, Zementfabriken nach der Zahl der produzierten Fässer
Zement etc. Ähnlich rechnen Fabriken der keramischen Industrie.
Diese Methode ist zulässig, wenn Produktion und Wertverbrauch
proportional sind.

Der Beschäftigungsgrad bzw. die Inanspruchnahme der
Maschinen wird von Ingenieuren bei der Bemessung der Ab-
schreibungsquoten der maschinellen Einrichtungen berücksichtigt.

Marr, Kosten der Betriebskräfte, gibt folgendes Beispiel: An-

lagekosten Mk. 13 000,—	, 4o/o Verzinsung der Abschreibungen	
Tägliche Betriebszeit	Abschreibungsquote in Prozenten	
in Stunden	bei 360	bei 300 Arbeitstagen
1	3,8	3,73
2	4	3,90
4	4,4	4,24
8	5,2	4,96
10	5,6	5,32
12	6	5,66
24	8,4	7,92

West, Kostenbuchführung (Berlin 1908), rechnet für maschi-
nelle Einrichtungen die folgende Skala:

bei 500 Betriebsstd. im Jahr 5°/o von den Anschaffungskosten
»	1000	&gt;,	„	„	6°/o	„	„

„	1500	„	„	„	7 o/o	„

„	2000	-„	„	„	8o/o	„	,	„

Die Abstufung von 600 (5o/0), 1200 (6 o/o), 2400 (81/20/o) bis
7200 Betriebsstunden (121/2o/0) wäre zweckmäßiger.
        <pb n="248" />
        ﻿iKV



feüsl

■■

241

Die Abschreibung- einer Maschine besteht aus zwei
Teilen: der eine ist unveränderlich und wird verursacht durch all-
mähliche Brauchbarkeitsminderung infolge äußerer Einflüsse — Luft,
Feuchtigkeit u. ä. — die wirken, auch wenn die Maschine nicht be-
schäftigt ist. Der zweite Teil der Wertminderung entfällt auf die
Abnutzung infolge der Benutzung. Dieser ist veränderlich, richtet
sich nach der Benutzungsdauer. Fischerr) zerlegt deshalb die
Amortisationsquote in einen festen und einen von der Benutzungs-
(kiuer abhängigen Teil. Er rechnet z. B. auf einen Dampfpflug mit
2 Lokomobilen (Anschaffungskosten Mk. 67 000,—, Tagesleistung
5 ha, Benutzungszeit 100 Tage, 4°/o Verzinsung und 4 o/o feste Ab-
schreibung), 8.0/0 konstante Kosten des Anlagekapitals = Mk. 5360,—.
Die Tageskosten sind: 9o/o Abschreibung und Reparaturen per Jahr,

somit für den Arbeitstag 0,09 o/0 =.................Mk. 60,30,

die übrigen Tageskosten (Löhne, Gespanndienst, Kohle) „	56,—,

Mk. 116,30.

Die Gesamtkosten für einen Arbeitstag sind somit
Mt fl^ca___

’	+ Mk. 116,30 = Mk. 169,90 oder Mk. 34,-

100

pro ha.

Die Trennung der beiden Teile der Abschreibung findet teil-
weise auch in der Praxis der Kostenberechnung industrieller Betriebe
Anwendung. (Vgl. die Formeln S. 221 ff.)

Langhans stellt folgende Formel für die Ingenieurberech-
nung von Abschreibungen in Betrieben mit wechselnder Beschäfti-
gung auf:

a = Abschreibung für normale Beschäftigung,
a, = Abschreibung für stärkere Beschäftigung,
a2 = Abschreibung für schwächere Beschäftigung',
n == Lebensdauer,

b = normale Betriebszeit = 10 Stunden täglich,
w — wirkliche Betriebszeit.

(-+M

aj—a b	a2—	„

Beispiel: normale Abschreibung 5°/«! 12 Betriebsstunden:

~ = 5,5 o/o.

a&gt; = 10

Wie erwähnt, schätzt man mit größerer oder beabsichtigter
geringerer Richtigkeit die Dauer der Verwendungsmöglichkeit, die

‘) Fischer, Die soziale Bedeutung der Maschine in der Landwirtschaft.
Schmollers Forschungen, 20. Band, Leipzig 1902.

Leitner, Selbatkostenbereclmtmg. 7. Aufl.	16



J
        <pb n="249" />
        ﻿242

Tauglichkeit des Vermögensobjektes und berechnet aus der so ge-
schätzten wahrscheinlichen iVerwendungsdauer und dem Unterschied
zwischen dem Anfangs- und dem etwa in Frage kommenden End wert
die Abschreibungsprozente. Gewöhnlich schreibt man von einem
Vermögensobjekt alljährlich den gleichen Prozentsatz ab,
obgleich die Wertminderung in den einzelnen Jahren der Ver-
wendung häufig verschieden ist. Theoretisch richtig ist es, für die
der Abnutzung unterliegenden Vermögensteile alljährlich für sich
das Maß der Abnutzung zu bestimmen, und zwar nicht nach 100
Teilen des Anfangswertes, ein Weg, der für den größten Teil des
Anlagevermögens zu feuer und zu umständlich wäre.

Eine gleichmäßige Abschreibung ohne Rücksicht auf
die Abnutzung und den Beschäftigungsgrad der Unternehmung muß
auch vom kaufmännischen Standpunkt aus zu falschen Ergebnissen
führen. Eine theoretisch richtige Berechnung erfordert Kenntnis
entweder der Zahl der Leistungen, der Benutzungen, oder der Zeit-
dauer der Benutzung, der Betriebsdauer. Die Abnutzung einer
Maschine beispielsweise wird bedingt durch Inanspruchnahme, Mehr-
belastung, durch Überschicht, Druck usf. Eine Maschine, die Tag
und Nacht arbeitet, wird schneller abzuschreiben sein infolge der
größeren Beanspruchung und Abnutzung. Man tut in einzelnen Fällen
gut, nicht die äußerste Zeitdauer der Verwendungsmöglichkeit einer
Maschine der Rechnung zugrunde zu legen, sondern mit Rücksicht
auf die Fortschritte der Technik eine kürzere Lebensdauer anzu-
nehmen.

Sind Reservemaschinen vorhanden, so sind deren Zinsen
den Betriebskosten izuzurechnen; bei zeitweiliger Mitbenutzung ist
ein angemessener Abschreibungsbetrag einzusetzen. Der konstante
von der Benutzung der Maschine unabhängige Teil der Abschreibung
(S. 241) kann jener Betriebsabteilung zugeschrieben werden, zu deren
Verfügung das in den Maschinen investierte Kapital steht. Für
Arbeitsjnaschinon läßt sich auch die Verrechnung unter den Hand-
lungs- bzw. iVertriebsunkosten rechtfertigen, wenn man deduziert,
daß infolge der Möglichkeit eines größeren Absatzes Maschinen zwecks
Erreichung einer größeren Produktivität des Betriebes bereit gehalten
werden müssen.

§ 56. Manche Unternehmer verzinsen auch die Ab-
schreibungsbeiträge, „weil in den Abschreibungen sich gewisser-
maßen ein Kapital ansammelt, das um die Zinsen und Zinseszinsen
vermehrt wird“1). Die Anwendung dieses Berechnungsmodus2) ge-

’) Maatz, Die kaufmännische Bilanz und das steuerbare Einkommen.
S. 138. 4. Aufl., Berlin 1907.

!) a — ^~yopn ^ j^' worin p der landesübliche Zinsfuß ist. Die preußische
        <pb n="250" />
        ﻿

— 243 —

stattet die Anrechnung eines geringeren Prozentsatzes. „Die Höhe
der Prozentsätze1) hängt von der Verzinsung der zurückgelegten
Kapitalien (Amortisationsfond) ab. Über diese Verhältnisse gibt die
nachstehende (Tabelle1) Aufschluß, welche die anzusetzenden Pro-
zentsätze für die Abschreibungsquoten angibt, je nachdem der Amorti-
sationsfond mit 3&lt;&gt;/o, 3,5o/o, 4o/o oder 5 0/0 verzinslich angelegt wird“.
Die Anrechnung von Zinseszinsen ist auch dann nicht gerechtfertigt,
wenn die abgeschriebenen Beträge tatsächlich als ein besonderer
Fonds, z. B. in Effekten angelegt werden. Die Erträgnisse eines
derartig gebildeten Fonds (Amortisationsfonds) vermehren den G e -
winn der Unternehmung und dienen nicht zur Verminderung der
Abschreibungen, obgleich es im Endergebnis rechnerisch auf das
gleiche hinausläuft (Maatz a. a. 0. S. 138).

Bei Lebensdauer (Jahre)	Bei einer Verzinsung des Amortisationsfonds mit  3 0/.	|	3,5»/.	|	4&lt;y0	|	5 °/o  sind zu rechnen:			
50	0,9	0,8	0,7	0,5
45	1,1	0,9	0,8	0,6
40	1,3	1,2	1,1	0,8
35	1,7	1,5	1,4	1,1
30	2,1	1,9	1,8	1,5
25	2,7	2,6	2,4	2,1
20	3,7	3,5	3,4	3,0
19	4,0	3,8	3,6	3,3
18	4,3	4,1	3,9	3,6
17	4,6	4.4	4,2	3,9
16	5,0	4,8	4,6	4,2
15	5,4	5,2	5,0	4,6
14	5,9	5,7	5,6	5,1
13	6,4	6,2	6,0	5,6
12	7,0	6,8	6,7	6,3
11	7,8	7,6	7,4	7,0
10	8,7	8,5	8,3	7,9
9	9,8	9,6	9,4	9,1
8	11,2	11,0	10,9	10,5
7	13,1	12,9	12,7	12,3
6	15,5	15,3	15.1	14,7
5	18,8	18,6	18,5	18,1
4	23,9	23,7	23,5	23,2
3	32,3	32,2	23,0	31,7
2	49,2	49,1	49,0	48,8

Eisenbahn Verwaltung berechnet die Amortisation der Eisenbahnschienen bei-
spielsweise wie folgt:

1 m Schienen wiegt neu 35,5 kg, Anschaffungskosten a Mk. 1
1 m „	„ alt 31,0 „ Erlös	ß „	?für 100 kS

Lebensdauer 27 Jahre, Gesamtlänge L km, p — 3,5 °/o
A L [a . 35,5 — ß . 31] 0,035
—	1,035” - 1

') Nach Hoppe, a. a. 0., S. 201, 202.

16*
        <pb n="251" />
        ﻿244

§ 57. I. In manchen Unternehmungen werden Abschreibungs-
und Dividendenpolitik miteinander verquickt. Die jährlichen Ab-
schreibungsquoten werden in solchen Betrieben von der Höhe des
jährlichen Reingewinn es bestimmt. Sollen schlechte Jahres-
ergebnisse verschleiert werden, wird weniger abgeschrieben. In
Jahren mit reicheren Erträgnissen werden höhere Abschreibungs-
beträge in Ansatz gebracht, oder man schreibt in günstigeren Jahren
vom Anschaffungswert, in weniger günstigen Jahren vom Buchwert
ab. Im allgemeinen amortisieren dauernd gut rentierende Betriebe
das Anlagekapital rascher als schlecht rentierende, die gelegentlich
überhaupt nichts abschreiben. Die Politik der Stabilisierung der
Dividenden muß in vielen Fällen jährlich schwankende Ab-
sichreibungsbeträ.ge zur Folge haben, falls die Unternehmer
nicht andere weniger sichtbare Bilanzierungsmethoden an wen den,
beispielsweise interne Abschreibungen vorziehen.

II. Die (regelmäßige) Abschreibung durch Inventurbewer-
tung der Bestände beschränkt sich auf die beweglichen Teile
des Gebrauchsvermögens, beispielsweise auf Werkzeuge, Formkasten,
in Eisengießereien. Der Verbrauch wird durch Aufnahme des End-
bestandes und Vergleichung mit dem Anfangsbestand Zugang
wie folgt berechnet:

1.	Anfangebestand .

2.	Neuanschaffungen

5. Anfangsbestand 11.

Werkzeug-Konto.

8

12

20

3.	Bilanzwert des End-
bestandes (Stahlwert der ge-
brauchten , Anschaffungswert
der ungebrauchten Werkzeuge) 11

4.	Verbrauch...................9

20

Der Verbrauch, die Abschreibung, rechnet zu den mittelbaren
oder unmittelbaren Betriebsunkosten. Wir halten bei Werkzeugen
diese Abschreibungsmethode für besser als die Prozentmethode, die
trotz der absoluten Höhe der Abschreibungsquote (25%, 30%) ver-
hältnismäßig zu niedrig sein kann; sie macht eine zweckmäßig ein-
gerichtete Bestandskartothek erforderlich.

III.	In kaufmännischen Bilanzen wird in der Regel kollektiv
abgeschrieben, d. h. auf den betreffenden Anlagekonten werden
einheitliche Prozentsätze in Abzug gebracht, ohne Rück-
sicht auf die Zusammensetzung jenes Vermögensteils, dessen Wert
auf dem Konto verbucht ist. Z. B.
        <pb n="252" />
        ﻿245

.

Maschine n konto 189 000 Mk.

18 900 „ = 10 o/o Abschreibung
170100 Mk. Buchwert.

Dieses summarische Verfahren ist in jenen Fällen unzulänglich,
wo für die einzelnen Vermögensobjekte, die aus buch- und bilanz-
technischen Gründen auf einem Konto vereinigt sind, völlig ver-
schiedene Abschreibungsquoten in Ansatz gebracht werden müssen.
Vom Standpunkt der Ingenieurberechnung ist nur eine indi-
viduelle Abschreibung der einzelnen Teile des Anlagekapitals,
insbesondere der Maschinen richtig, oder doch wenigstens eine Ab-
schreibung nach Gruppen gleichartiger Maschinen
(z. B. Kraftmaschinen, Arbeitsmaschinen; Maschinen für die Vor-
bereitungsarbeiten und Reinigung getrennt von den Maschinen für
Weiterverarbeitung in Spinnereien, Müllereien, Erzaufbereitung etc.).
Die individuelle Abschreibung macht die Führung besonderer I n -
ventarbücher für einzelne Vermögensteile notwendig.

Bilanzbeispiel: Maschinen 189 000 Mk.

19175 „ Abschreibungen
169 825 Mk. Buchwert.

Läßt man nur' die natürlichen Entwertungsgründe als Maßstab
für die Abschreibungsquoten gelten, so ist ziu berücksichtigen, daß
die Abnutzung der einzelnen Maschinenteile durchaus
ung 1 eichmäßig ist und daß man für einzelne Teile
der Maschinen besondere Abschreibungsquoten be-
rechnen muß1).

Die Wertminderung der Maschinen infolge der Verwendung
der Produktionsmittel im Betriebe läßt sich zahlenmäßig genau nicht
erfassen. Man begnügt sich deshalb mit einem annähernd richtigen,
in der Regel unsicheren Durchschnitts- oder Schätzungswert des
Verlustes. Bei Beurteilung der Abschreibungsquoten
sind vorerst die Abschreibungsgründe zu analy-
sieren2). Die materiellen, substanziellen, in der
Maschine selber liegenden Entwertungen sind von wechselnden, zum
Teil subjektiven Momenten abhängig, teilweise sichtbar (z. B. Ver-
schleiß der Maschine), teils unsichtbar (wie innere Veränderungen
durch die Beanspruchung): die Belastung der Maschine, der Be-
schäftigungsgrad der Unternehmung, die Art der Fundamentierung
und Montage, die Instandhaltung der Maschine u. a. m. Mate-
rielle, wirtschaftliche Entwertungsgründe sind: Entwer-

’) Vgl. S. 227; W. Herrmann, Entwertung von Maschinen durch den
Betrieb. Zeitschr. d. V. deutscher Ingenieure, 1880, S. 598 f., 502 f.

’■) Vgl. Fiebelkorn, Abschreibungen auf Ziegeleien (Verlag der Ton-
industrie-Ztg., Berlin). Hufnagl, Amortisation der Sägewerke (im Handbuch
der kaufm. Holzverwertung, Berlin 1905, S. 56).
        <pb n="253" />
        ﻿tung infolge technischer Neuerungen, deren Anschaffung die Konkur-
renzfähigkeit der Unternehmung bedingen, Änderungen in den Arbeits-
methoden, Erlöschen eigener Patente etc.

IV.	Neuanschaffungen („Zugänge“) an Maschinen und
anderen Teilen des Anlagevermögens sollen pro rata temporis (a)
abgeschrieben werden. Läßt man die Zugänge von der Abschreibung
frei (b), so ist das Bilanzergebnis zu günstig; schreibt man die Neu-
anschaffungen mit dem vollen Jahresprozentsatz ab (c), so ist die
Abschreibung übermäßig*).

V.	Die Ausgaben für die E r h a 11 u n g 2) werden als Jahres-
Verlust abgebucht, belasten dann den Betriebsgewihn der einzelnen
Jahre in wechselnder Höhe, in den späteren Jahren der Verwendung
des Produktionsmittels in steigendem Maße, wenn bei zunehmendem
Alter die Ausgaben für Instandhaltung gleichfalls zunehmen. Die
Eeparaturkosten werden häufig als Vermehrung des Bestandwertes
als Zugang auf dem Anlagekonto verbucht und durch die Ab-
schreibungen auf die Dauer der Abschreibungsperiode verteilt. Er-
weiterungen der Anlagen und Erhaltungsausgaben werden in gleicher
Weise verbucht und dadurch die Anschaffungs- und die Erhaltungs-
kosten des Anlagevermögens auf die Abschreibungsdauer verteilt.

Werterhöhende bzw. die Lebensdauer verlängernde Verbes-
serungen, Ergänzungen und Umbauten müssen in einer
Ingenieur berechnung bei Veranschlagung der Abschreibungen be-
rücksichtigt werden; beispielsweise wird ein Dampfkessel mit Über-
hitzer versehen, eine selbsttätige Feuerung wird eingeführt, eine
Zweizylinder- wird in eine Dreizylindermaschine umgebaut, die
alten Lager w-erden durch Kingschmierlager ersetzt usw. Lang-
hans bringt hierfür folgendes Beispiel: Anschaffungswert einer
Dampfmaschine 22 000 Mk., Altmaterialwert 1000, Lebensdauer
35 Jahre. Nach 15 Jahren werden Verbesserungen (für 6000 Mk.)
vorgenommen, welche die Lebensdauer der Dampfmaschine insgesamt
auf 50 Jahre (seit der Anschaffung) verlängern. Der Bilanzwert
nach 15 Jahren seit der Anschaffung ist nach Formel S. 231:

(22 000—1000).	+ 1000 = Mk. 13 000.

*) Z. B. Buchwert 800, Abschreibung 10°/o, Neuanschaffung 100, in Betrieb
genommen Anfang Oktober.

a) 800	b) 800	c) 800

80 -r 10»o	80	-f-	10°/o	100 + Zugang

720 Zugang 100	720	900

97,5 -f- 2 V« 7»	2,5	100	+	Zugang	90	10 °/o

817,5	820	810

Vielfach wird der Zugang bis auf 1 Mk. (= 100 °/o) abgeschrieben (stille Reserve).

2) Schmalenbach, in seiner Zeitschr., 2. Jahrg., 8. 472. Leitner,
Grundriß II, S. 71.
        <pb n="254" />
        ﻿247

Der abgesehriebene Wert 10 Jahre nach Vornahme der Verbesse-
rung ist:

(19 000-1000) 35^-1-() + 1000 = etwa Mk. 13,850.

OO	"

Ohne Yerbesserung wäre der abgeschriebene Wert für den gleichen
Zeitpunkt:

5F,_OF.

(22 000—1000)	-- 4-1000 = Mk. 7000.

Wo die fortschreitende Technik solche Ergänzungen und Ver-
besserungen wiederholt nötig macht, empfiehlt sich die Abschreibung
vom Anschaffungswert, wodurch die Ergänzung u. ä. rascher amorti-
siert wird.

VI.	Bisher wurden nur die regelmäßigen jährlichen, ordent-
lichen Abschreibungen behandelt. Es sind teils notwendige, teils
übermäßige, freiwillige Abschreibungen. Außerordentliche,
einmalige Abschreibungen bilden keinen Selbst-
kostenbestandteil, gleichgültig, ob besondere Ereignisse oder
Verhältnisse eine außergewöhnliche Wertminderung zur Folge haben,
oder ob nachträgliche Entdeckung von Schätzungsfehlern, eine nach-
trägliche Korrektur der bisherigen regelmäßigen, aber zu niedrig
bemessenen Abschreibungen rechtfertigen, d. h. zur Beseitigung einer
Überbewertung dienen, oder ob andere Gründe vorliegen, beispiels-
weise, ob durch übermäßige einmalige Abschreibung eine ent-
sprechend hohe Gewinnrücklage zu schaffen ist. Außerordentliche
Abschreibungen gehen zu Lasten des Reingewinns, sind außerordent-
liche Verluste, die die Kapitalproduktion der Unternehmung ver-
ringert. Notwendige Abschreibungen sind im allgemeinen steuer-
frei, freiwillige, über das Maß des Notwendigen hinausgehende
Abschreibungen, gleichgültig ob regelmäßige oder einmalige, sind
steuerpflichtig.

■Verteilung der Abschreibungsbeträge.

§ 58. Für die Selbstkostenberechnung ist häufig eine wieder-
holte Verteilung der Abschreibungssumme erforder-
lich. Ein Zwölftel der jährlichen, ordentlichen Abschreibungssumme
gibt den Anteil eines Monats. Soweit eine weitergehende Aufteilung
auf die einzelnen Produktionsstellen notwendig wird, wird ein Ver-
teilungsschlüssel gewählt werden müssen, der den Anteil annähernd
richtig bestimmen läßt, beispielsweise das Verhältnis der werbenden
Löhne der Produktionsstellen zur Gesamtsumme der produktiven
Löhne der Unternehmung (für Werkzeuge, Gerätschaften, Modelle);
nach der Höhe der Feuerversticherungssumme (für Gebäudeab-
schreibung); nach der Zahl der Leistungen (z. B. Tonnenkilometer,
        <pb n="255" />
        ﻿248

für Abschreibung auf Gleisanlagen, Betriebsstunden für solche auf
Maschinen) etc. (Tabellen S. 248 f. nach Direktor H. Busch man m)-

Tabelle I. a) Berechnungsgrundlagen für die Gebäudeabschreibung.

(Siehe Tabelle II, 1. Spalte.)

Gebäude Nr.	Benutzter Flächenraum (ohne Gänge usw.&gt; qm	Abschreibung  Mk.	Auf 1 qm entfallen  Mk.
I Fabrikbau	  la Bureau, Wohnung	  Ib Kunstverglasung	  Ic Modellschuppen	  II Werkstattgebäucle	  III Gürtlerei		3018,3  1044.6  66,3  262,5  3003.6 1417,2	1539,—  1462,—  99,—  263,—  4656,—  991,4-	0,51  1,40  1,50  1-  1,55  0,70
	OO 00 k-1  u&gt;  Cff	9010 —	

Nach den angegebenen Einheitswerten ist nunmehr die Aufteilung der Ab-
schreibungen auf die Werkstätten vorzunehmen. Die letzten 3 Posten der
Tabelle Ib (14.—16.) sind den allgemeinen Betriebskosten der Gesamtfabrik an-
zurechnen.

Als Werte sind die Werte der Feuerversicherung für die angegebenen Ge-
bäude, nötigenfalls gleich dem bei der Abschreibung geübten Verfahren in Ein-
klang mit dem Buchwert gebracht, zugrunde zu legen oder es ist eine besondere
Schätzung vorzunehmen.

Wie aus der umstehenden Tabelle ersichtlich ist, haben einzelne Werk-
stätten Anteil an verschiedenen Gebäuden.

Bemerkung zu Tabelle II: Spalte 1—6. Als Grundlage der Verteilung
der Abschreibungen empfiehlt sich die Einrichtung eines Inventarbuches, das
die einzelnen Gegenstände, nach Werkstätten, oder, besser, nach Maschinen-
gattungen, Holzeinrichtung usf. geordnet, aufführt. Bei der jährlichen Inventur-
aufnahme ist festzustellen, welche Maschinen, Werkzeuge nsw. sich in den
Werkstätten befinden. Aus dem Inventarbuch ist die Abschreibung auf die ein-
zelne Nummer und daraus die Summe der Amortisation für die Werkstätte zu
berechnen.

Ist kein Inventarbuch vorhanden, so empfiehlt sich folgendes Verfahren:
Man schätzt den Wert der in den Werkstätten befindlichen Maschinen u. a.
Dieser Schätzungswert deckt sich natürlich nicht mit dem in den kaufmännischen
Büchern ausgewiesenen Inventurwert, da ein gut geleitetes Unternehmen die
Abschreibungen höher bemißt als der tatsächlichen Abnutzung entspricht. Deshalb
ist die Schätzungssumme im Verhältnis zum Inventurwert herabzusetzen und
danach die Verteilung auf die Werkstätten vorzunehmen. Z. B. Schätzungswert
der Maschinen: Werkstätte I: Mk. 5400,—. II 8400,— usf., Summe Mk. 270 000,—.
Inventurwert lt. Konto Mk. 180 000, — . Somit sind die Schätzungswerte im Ver-
hältnis von 180:270 oder 2:3 herabzusetzen (1:3600, II 5600, . . . Summe 180000)
        <pb n="256" />
        ﻿249

Tabelle I. b) Verteilung der Abschreibungen auf die einzelnen

Werkstätten.

W erkstätte	31  Xi  Nr.	Flächen-  inhalt  qm	Abschrei- bung für  1 qm  Mk.	Betrag  Mk.	Summe  Mk.
1. Metall-Dreherei (Lageranteil) . . .	I	90,0	0,51	46,-	
„	„	(Werkstätte) .	.	.	II	735,6	1,55	1140,—	1186,—
„ Schlosserei (Lageranteil). .	.	I	36,0  289,8	0,51	18,36	
„	,,	(Werkstätte) . . .	II		1,55	449,19	467,55
2. Mechanische Dreherei und Fräserei .	II	155,1	1,55	240,50	
„	Schlosserei .....	II	155,1	1,55	240,50	481,—
3. Maschinen-Dreherei		I	428,4	0,51		218,50
„	-Schlosserei		I	581,4	0,51		296,50
Modelltischlerei		I	79,5	0,51		40,55
4. Lackiererei		I	91,8	0,51		46,80
5. Verzinnerei		I	54,6	0,51		27,85
6. Klempnerei (Werkstätte)	II	840,0	1,55	1302,—	
„	(Lager)		III	745,2	0,70	521,65	1823,65
7 Gießerei { Pntzerei	  ' UleUerel i Gießerei		I	438,0	0,51	223,50	
	II	828,0	1,55	1283,50	1507,—
8. Gürtlerei (Lageranteil)		I	270,0  672,0	0,51	137,90	
„	(Werkstätte)		III		0,70	469,40	607,30
9. Tischlerei		I	306,0	0,51		156,-
10. Metallschleiferei		I	183,6	0,51		92,60
11. Vernicklerei		I	244,8	0,51		124,80
12. Glasschleiferei			I	214,2	0,51		109,25
13. Kunstverglasung		Ib	66,3	1,50		99,50
14.	Wohnung		  15.	Kanzlei (kaufmännisch und technisch)	Ia	522,3	1,40		731,—
	la	522,3	1,40		731,—
16. Modellschuppen		Ic	262,5	L-		262,50  9009,35

Wirkungen der Abschreibungen.

§ 59. Jede Wertminderung bedeutet einen Vermögensverlust!
und führt gleichzeitig zu einer Verringerung des bilanzmäßig dar-
gestellten .Reinertrages der Unternehmung. Abschreibungen sollen
solche Wertverluste zahlenmäßig zum Ausdruck bringen, Verluste,
die regelmäßig durch den Betrieb entstehen und zur Erzielung eines
Einkommens dienen. Solche regelmäßige Aufwendungen zur Gewinn-
erzielung sind Werbungskosten, sind Teile der Selbstkosten. Wollen
wir die Wirkung angemessener und nicht angemes-
sener Abschreibungen auf das Bilanzergebnis untersuchen,
müssen wir vorerst unterscheiden zwischen Vermögensverlusten,
welche der Unternehmer allein zu tragen hat und solchen, für welche
        <pb n="257" />
        ﻿Tabelle II.

					Abschreibunge					i auf								
	Werkstätten		Gebäude  1		Werkzeug-  maschinen  2		Werkzeuge  3		Holz-  ein-  lichtung  4		Wellen-  leitung  5		Gas-, Wasser- u. Dampf- leitung  6		Kiemen-  verbrauch  7		Instand-  setzungen  8	
1	j Metall Dreherei			1186		4 695		1076		170	_	246	_	90			660	_	8 740		
	1	,, -Schlosserei			467	55	330	—	260	—	165	—	73	—	45	—	li2	—	2 780	—
	«Mechanische Dreherei und Fräserei .	.		240	50	1835	—	676	—	120	—	73	—	33	—	100	—	807	—
&amp;	1	„	Schlosserei . . .		240	50	335	—	150	—	45	—	15	—	10	—	86	—	807	—
	Maschinen-Dreherei			218	50	1686	—	244	—	45	—	145	—	12	—	80	—	800	—
3	„	-Schlosserei ....		296	50	363	—	320	—	85	—	24	—	33	—	42	—	600	—
	Modelltischlerei 			40	55	—	—	—	—	22	—	—	—	—	—	—	—	—	—
4	Lackiererei			46	80	—	—	120	—	6	—	—	—	3	—	—	—	150	—
5	Verzinnerei			27	85	—	—	—	—	9	—	—	—	3	—	—	—	120	—
6	Klempnerei			1823	65	890	—	75	—	161	—	6	—	160	—	3	—	9 208	—
7	Metallgießerei			1507	—	1 260	—	484	—	260	—	64	—	117	—	16	—	7 853	—
8	Giirtlerei			607	30	240	—	210	—	300	—	3	—	55	—	3	—	1 702	—
9	Tischlerei		'S	156	—	320	—	110	—	55	—	—	—	25	—	—	—	489	—
10	Metallschleiferei		»3-	92	60	180	—	50	—	30	—	57	—	30	—	720	—	1 107	—
11	V emicklerei			124	80	185	—	30	—	45	—	30	—	6	—	36	—	45	—
12	Glasschi oiferei		« JE-O ©	109	25	526	—	57	—	30	—	15	—	15	—	126	—	784	—
13	Knnstverglasung			99	50	184	—	90	—	24	—	8	—	10	—	—	—	697	—
	Summe  Unkostenabschreibungen  %		7284  1724  9009	85  50  35	13 029		3952		1572		| 759  |		647		2054		36 689	

250
        <pb n="258" />
        ﻿251

die Möglichkeit einer Abwälzung, einer Überwälzung auf andere be-
steht.

a)	Abschreibungen als Vermögenswertminderungen, die der
Unternehmer allein zu tragen hat, mindern die Betriebseinnahmen,
den Beinertrag der Unternehmung. Hierher gehören Verluste durch
Entwertung, Verluste an Forderungen, außerordentliche Verluste am
Anlagevermögen u. a. Sie sind aus dem Einkommen zu decken,
bilden keinen Bestandteil der Selbstkosten, sind anorganische Kosten.
Nicht angemessene, d. h. dem wirklichen Verlust nicht entsprechende
Abschreibungen beeinflussen in diesem Fall zu Unrecht den Rein-
ertrag; zu hohe Abschreibungen vermindern den Reingewinn, zu
geringe Herabsetzung läßt den Reingewinn ungerechtfertigt zu groß
erscheinen.

b)	Die ordentlichen Abschreibungen auf das Anlagekapital,
werden regelmäßig mit den Selbstkosten verrechnet; dies bedeutet
einen Ersatz, die Wiedererstattung der Kapitalverluste durch den
Verbraucher der Erzeugnisse, den Käufer :Eswerdenein malige
Anla,gekosten in laufende Betriebskosten umge-
wandelt, Teile des Anlagekapitals, die Verlust-
quote, in Betriebskapital umgeformt. Es betragen z. B.
die Abschreibungen auf das gesamte Anlagekapital 30000,— Mk.;
sie erscheinen, richtige Verteilung dieser Summe vorausgesetzt, als
ein Teil der Selbstkosten in der Gesamtheit der Kaufpreisforderungen
oder des Herstellungspreises (im Falle des Selbstverbrauches) jener
Waren, die in dem Zeitraum hergestellt wurden, für welchen die
Abschreibungen berechnet sind. Was durch Wertminderung infolge
Abnutzung am Anlagevermögen verloren geht, wird in den Her-
stellungskosten der Produkte zurückerstattet: eine allmähliche teil-
weise Liquidierung des immobilen Unternehmungskapitals. Nach voll-
ständiger Abschreibung einer Anlage soll der ursprüngliche Anlage-
wert in den verschiedenen Formen des Betriebskapitals vorhanden
sein. Im Falle des Ersatzes der gebrauchsunfähigen, bis auf den
Altmaterialwert amortisierten Maschinen etc. durch gleichwertige
neue wird wiederum Betriebskapital festgelegt und das so investierte
Kapital geht entsprechend den alljährlichen Abschreibungen in
flüssiges Kapital über usw.

Angemessene, vollständig und richtig verteilte
Abschreibungen des Anlagekapitals als Bestand-
teil der Selbstkosten beeinflussen den Reingewinn
tatsächlich nicht, obgleich es in der Bilanz den Anschein
hq,t, als ob sie ihn vermindern. Dem Verlust durch Abschreibungen
stehen höhere Betriebseinnahmen — im Falle des Verkaufs der
Waren — oder entsprechend höher bewertete Aktivwerte (Lagerwaren,
Produkte für den Selbstverbrauch) gegenüber.
        <pb n="259" />
        ﻿252

Unangemessene Abschreibungen beeinträchtigen naturgemäß den
Reingewinn, gleichgültig, ob sie in ihrer rollen Höhe auch als
Selbstkosten verrechnet oder nur in der Bilanz zum Ausdruck ge-
bracht werden. Bestimmen die Selbstkosten den Verkaufspreis, dann
ist dieser zu klein oder zu groß; ist der Verkaufspreis unabhängig
von den Selbstkosten, so ist das Verhältnis zwischen beiden unrichtig
dargestellt. Im erstgenannten Falle bedeuten zu hohe Abschreibungen
in den Selbstkosten den Ersatz eines über den Vermögensverlust
hinausgehenden Betrages, d. h. ungerechtfertigte Vermehrung der
Betriebseinnahmen und Erhöhung des Reingewinnes; dieses Plus
an Kapitalerstattung vermehrt das eigene Kapital im Falle der Ver-
wendung des Reingewinnes zur Kapitalsbildung oder es vermehrt
zu Unrecht die Quote der am Gewinn beteiligten Personen.

Zu geringe Abschreibungen in den Selbstkosten von Erzeug-
nissen, deren Verkaufspreis durch diese bestimmt ist, vermindern
mittelbar den Jahresreingewinn: und die Gewinnquote des Erzeug-
nisses. Die Vermögensverluste durch Wertverzehrung sind größer
als der Kapitalersatz! durch Anrechnung der Abschreibungen: Ein
langsames Aufzehren größerer oder geringerer Teile des Anlage-
vermögens, das bei längerer Dauer und Verlustpreisen der Fabrikate
verhängnisvoll werden kann.

Unterläßt man Abschreibungen überhaupt oder schreibt zu
wenig ab, dann ist der buchmäßig dargestellte sogen. Reingewinn
nur Bruttogewinn, von dem Vermögensverluste durch Wertminderung
noch abzusetzen sind. Eine Gewinnverteilungsgesellschaft würde
Gewinn und Teile des Anlagekapitals zur Ausschüttung bringen.

In einigen Unternehmungen fanden wir, daß die buchmäßigen
Abschreibungen in der Jahresbilanz höher waren als jene der Selbst-
kostenbereehnung. Die Wirkung ist offenkundig: die Selbstkosten
sind richtig berechnet, der Bilanzgewinn aus Gründen der Dividenden-
politik zu gering.

Nach Fischer soll durch die Abschreibungen ein Vermögens-
verlust, dargestellt werden, der eigentlich erst in dem Jahr der
Außerbetriebsetzung des Gegenstandes entsteht. „Richtig ist, daß
infolge der Abnutzung und des Ablaufes der Zeit, des Altwerdens,
zu einem zukünftigen Zeitpunkt de.r Verlust des ganzen, in der
Sache angelegten Kapitals in Aussicht steht, und daß, . . . um
den Verlust . . . auf mehrere Jahre zu verteilen, die Abschreibungen
vorgenommen werden.“ Stellt man sich auf den Standpunkt
Fischers, daß Abschreibungen nichts anderes sind als eine gleich-
mäßige Verteilung des zukünftigen Verlustes auf die Benutzungs-
dauer, dann kann man auch das Verfahren gutheißen, wonach in
guten Jahren mehr, in schlechten weniger oder gar nichts abge-
schrieben wird. Im letzteren Falle bedeutet das Unterlassen „weiter
        <pb n="260" />
        ﻿253

nichts, als daß der Verlust, der bei gewöhnlichem; Geschäftsgang
dieses Jahr treffen müßte, wegen besonders schlechten Geschäfts-
ganges den späteren Jahren belastet ■wird“ (Fischer, a. a. 0. S. 75).

Die herrschende Theorie steht auf einem entgegengesetzten Stand-
punkte: die natürlichen Abschreibungen sind Verluste, die durch
den Betrieb entstehen, bilden also wirtschaftlich einen Teil der
Selbstkosten. Sie sind gleichmäßig und unabhängig von der Höhe
des Geschäftsgewinnes und der Geschäfts- und Dividendenpolitik
des Unternehmers anzusetzen. Die kaufmännischen Abschreibungen
hingegen wollen die Anlagekosten des Objektes auf eine geringe
Zahl von Geschäftsjahren verteilen, die Anlagekosten amortisieren.

Die Abschreibungsbeträge sind für die einzelnen Haupt- und
Hilfsbetriebe getrennt zu berechnen und als ein Teil der aufzu-
bringenden Betriebsunkosten nach den für diese Kosten üblichen
Grundsätzen izu verbuchen und zu verrechnen.

An verschiedenen Stellen dieses Buches wurden die Ab-
schreibungen in den Beispielen berücksichtigt; es erübrigt sich
deshalb die Vorführung eines solchen.

Die buchhalterische Behandlung der Abschreibungen auf
Anlagevermögen.

A. I. In der Vermögensbilanz und der Gewinn -
und ;Verlustrechnung (Ertragsbilanz).

§ 60. In buchhalterischer Beziehung ist die Abschreibung eine
Form der Bewertung; von Vermögensteilen. Für die Feststellung des
Bilanzwertes eines Vermögensobjekts stehen zwei Wege offen (§ 53):
Man schätzt oder berechnet den wirklichen Wert des betreffenden
Aktivums •— Schätzung des positiven Wertes, direkte Bewertung —;
oder man schätzt den Minderwert, den (z. B. infolge Abnutzung)
entstandenen oder voraussichtlich (z. B. an Forderungen) ent-
stehenden Verlust, Schätzung des negativen Wertes, indirekter Weg.

Für diesen zweiten Weg gibt es wiederum zwei Formen der
Darstellung in der Vermögensbilanz, die rechnerisch das gleiche
Ergebnis liefern, die Subtraktions- und die Additionsmethode.

Das Abschreibungskonto auf der Passivseite ist ein Berichti-
gungsposten für ein zu hoch bewertetes Aktivum, ist somit ledig-
lich ein Rechnungsposten. Die allgemein verständliche Benennung
dieses Korrekturpostens ist Abschreibungs- oder Amortisations-Konto.
Undeutlicher, zu Verwechslungen und irrigen Anschauungen ver-
leitend sind die Benennmagen: Erneuenmgsfonds (nach § 261' Ziffer 3
des Handelsgesetzbuches), Amortisations- oder Abschreibungsfonds'
Konto u. dgl.
        <pb n="261" />
        ﻿■■■fl

Y ermögensbilanz.

Aktiva (Plusseite)	Mk.	Passiva (Minusseite)	Mk.
a) Sub traktionsmethodej			
1. Jahr: Anschaffungswert		58 400	Von Zu- und Abgängen wurde abgesehen	
—■ 10 °/o Abschreibung		5 840		
Buchwert am Ende des 1. Jahres	52 560		
2. Jahr: Anfangswert		52 560		
-7-10 °/o von 58 400 Mk		5 840		
Buchwert am Ende des 2. Jahres	46 720		
usw.		'	
b) Additionsmethode:		Abschreibungs-Konto:	
1. Jahr		58400	1. Jahr 		5 840
2. Jahr 		68 400	2. Jahr 		11680
3. Jahr		58 400	3. Jahr		17 520
usw.		USW.	
	%&gt;■		

254
        <pb n="262" />
        ﻿255

In der Vermögens- und in der Ertragsbilanz können die Ab-
schreibungen für die einzelnen Anlagewerte gesondert oder nur
summarisch, in einem Sammelposten ausgewiesen werden, und zwar
in der Art, daß die Abschreibungsbeträge nur für das Bilanzjahr
oder die Gesamtabschreibungen seit der Anschaffung ersichtlich
sind. In manchen Bilanzen werden nur die bereits abgeschriebenen
Nettowerte eingestellt, oder es wird überhaupt nicht abgeschrieben.
Danach ergibt sich folgende Übersicht1).

a) In der Vermögensbilanz.

I. Direkte Abschreibung, Subtraktionsmethode:

1.	Abschreibungen auf die einzelnen Vermögensobjekte,

2.	SUmSmarische Abschreibungen.

Und zwar in beiden Fällen
a) Abschreibungen nur für das Bilanzjahr,
ß) Gesamtabschreibung seit der Anschaffung des Aktivums.

II. Indirekte Abschreibung, Additionsmethode durch Berichtigungs-
posten unter den Passiven:

1.	In einzelnen Beträgen j seit der Anschaffung des Ver-

2.	Summarisch	)	mögensobjekts.

III.	In der Bilanz sind Abschreibungen nicht ersichtlich:

1.	entweder werden nur Nettowerte eingestellt, die Ab-
schreibungen aber in der Erfolgsbilanz ersichtlich gemacht;

2.	oder es wird überhaupt nicht abgeschrieben und der un-
veränderte Wert des Anlage-Kontos eingesetzt.

B. In der Gewinn- und .Verlustrechnung (Erfolgs-, Er-
1	tragsbilanz):

1.	Abschreibungen in Einzelposten	1 nur für das

2.	Abschreibungen als Sammelposten	| Bilanzjahr.

Die detaillierte und die summarische Abschreibung der Ertrags-
rechnung können mit einer spezialisierten und einer zusammen-
fassenden Abschreibung in der Bilanz kombiniert werden.

Zum Beispiel:

In der Vermögensbilanz:	In der Gewinn- und Verlust-

rechnnng:

Einzel-Abschreibung	{ Sammelposten (Summe)

1	Einzelposten (Einzelbeträge)

Nettowerte (lila)	/ Einzelbeträge (4. Beispiel)

i Sammelposten (5. Beispiel, 1906).

l) Vgl. Leitner, Grundriß, I. Bd., S. 211 f., II. Bd. S. 61 f.
        <pb n="263" />
        ﻿Aktiva.	Bilanz von Hartmann &amp; Braun,

Bilanz vom

		Mk.	Pfg-
Konti der Betriebseinrichtungen.			
1 Mobilien 		1	125 662	30
2 Werkzeuge . 			2	126 062	32
3 Maschinen		.	3	245 050	07
4 Fabrikations-Gebrauchs-Apparate	4	92 707	31
5 lnstallations-Gebrauchs-Apparate	.	5	1578	—
6 Bücher und Cliches		6	20 292	13
7 Zeichnungen		.	7	93106	81
8 Modelle		. 8	25 798	86
9 Dampfkessel		9	11 347	80
10 Dampfmaschine		. 10	3 050	—
11 Dampfheizungs- Anlage		. 11	37 966	88
12 Transmissionen		. 12	37 508	48
13 Akkumulatoren		. 13	34151	40
14 Elektrische Licht- und Kraft-Anlage	. 14	211721	30
15 Elektrisches Uhren- und Signalwesen	. 15	9129	46
16 Blitzableiter-Anlage		. 16	2106	85
17 Feuerlösch-Anlage		. 17	3 634	50
18 Geleise-Anlage		. 18	2181	29
19 Kantinen-Inventar		. 19	1 384	—
20 Einrichtung der Geschäftsstelle Berlin. 20		6 749	42
Anschaffungswert	total:	1 091139	12
Gebäulichkeiten (Fabrikbauten)		* . .	627 700	—
2°/« Abschreibung für 1901		10 720		
2 °/o Abschreibung für 1902			10 720		
2°/o Abschreibung für 1903			10 720		
2 °/o Abschreibung für 1904	10 720	42 880	—
		584 820	__
2% Abschreibung für 1905			10 820		
Extraabschreibung		12 000	22 820	—
		562 000	—

Beispiele:

1.	Abschreibungen in Einzelposten, nur für das Bilanzjahr
(Fall a X 1, a) Wayß &amp; Freytag, A.-G. Neustadt a. H.

Maschinen-Konto:

Bestand am 1. Februar 1905	.............. Mk. 168 982,11

Zugang in 1905/06	....................... „	82 039,81

Mk. 251 021,81

Abschreibung 10°/o von Mk. 356 233,61

Anschaffungswert.......................Mk. 35 623,36

Extraabschreibung...................... „	7 088,69	„	42 712,05

Bestand am 31. Januar 1906 Mk. 208 309,76

Im Geschäftsbericht wird bemerkt, daß der Anschaffungswert
der Maschinen seit der Gründung betrage: Mk. 453 053,04, die Ab-

257

A.-G. Frankfurt a. M. (Bruchstück)
31. Dezember 1905.

Zuweisungen zu dem Erneuernnesfonds

flnofoff	_______ 6	’

anstatt Abschreibungen.

1	Mobilien...................1

2	Werkzeuge..................2

3	Maschinen..................3

4	Fabrikations-Gebrauchs-

Apparate..................4

5	Installations-Gebrauehs-

Apparate.....................5

6	Bücher und Cliches ....	6

7	Zeichnungen...................7

8	Modelle.....................  8

9	Dampfkessel...................9

10	Dampfmaschine...............10

11	Dampfheizungsanlage ...	11

12	Transmissionen........12

13	Akkumulatoren.........13

14	Elektrische Licht- und Kraft-

Anlage .....................14

15	Elektrisches Uhren- und Signal-

wesen ......................15

16	Blitzableiter-Anlage	....	16

17	Feuerlösch-Anlage.....17

18	Geleise-Anlage........18

19	Kantinen-Inventar	....	19

20	Einrichtung der Geschäftsstelle

Berlin................20

Gesamtbetrag desErneuerungs-
fondsl)

Passiva.

Bis 31. Dez 1904	für 1905	Zusammen	
Mk.	Mk.	Mk.	Pfg.
54 656	17 752	72 408	
57 143	20 706	77 749		,
81 834	32 644	114 478	
38191	10 904	49 095	
1577				1 577	
12 639	2 679	15 318		
70 000	15 000	85 000		
21 787	4011	25 798	
7 461	1 167	8 628	
2152	270	2 422	.
16 814	5 289	22103		
12 888	4 924	17 812		
15158	4 749	19 907 '	
	21 421	90 339	
68 918			
	1217	9128 1	
7911			
1846	260	2 106			
3 453	181	3 634	
2180	—	2180	
1291	42	1 333	—
5 365	1384	6 749		
483 164	144 600	627 764	—

Schreibung Mk. 244 743,28, der Buchwert am 1. Februar 1906 wie
oben Mk. 208 309,76.

2. Beispiel. Abschreibungen seit der Gründung bzw. der An-
schaffung (Fäll a I, 1 ß) Bilanz der A.-G. „Weser“.

Maschinen und Apparate . . . . Mk. 1338 875,71
Zuwachs vom 1. Juli 1903 bis 30. Juni 1904	,	574 674,45

Mk. 1913 550,16

Abschreibung und Abgang	•

pro 190304...........Mk. 156 848,95 „	156 848,95	Mk. 1756 701,21

Gesamtabschreibung u. Ab-
gang bis 30./6. 1903 . . „	1 706 625,53

‘) Bis 31. Dezember 1904 zugewiesen..................Mk. 483 164,—

für 1905 zugewiesen................................„	144600,—

Mk. 627 764,—

Leitner, Selbstkostenbcrecbming. 7. Aufl.	17
        <pb n="264" />
        ﻿Soll	Gewinn- und Verlust-Konto 1905.

Zuweisungen zu dem Emeuerungsfonds (Abschreibungen)	Totalbetrag am 31. Dezember 1905 ■)	Zuweisungen zu d. Erneuerungs- fonds bis  31. Dez. 1904	Nettobetrag am 31. Dez. 1905 exkl. Zuweisung per 1905 &gt;)	Zuweisungen für 1905		
	Mk.	Mk.	Mk.	°/o	Mk.	Pfg.
Mobilien		125 662	54 656	71006	25	17 752		
Werkzeuge		126 062	57 043	69019	30	20 796	—
Maschinen		 .	245 050	81844	163 216	20	32 644	—
Fabrikations-Gebrauchs-Apparate .....	92 708	38191	54 517	20	10 904	—
Installations- Gebrauchs-Apparate		1578	1577	1	—	—	—
Bücher und Cliches		20 292	12 639	7 653	35	2 679	—
Zeichnungen		93107	70 000	23 107	—	14 000	—
Modelle		25 799	21787	4012	—	4011	—
Dampfkessel		11348	7 461	3 887	30	1167	—
Dampfmaschine		3 050	2152	898	30	270	—
Dampfheizungs-Anlage		37 196	16 814	21153	25	5 289	—
Transmissionen		37 508	12 883	24 620	20	4 224	—
Akkumulatoren 		34 151	15158	18 993	25	4 749	—
Elektr. Licht- und Kraft-Anlage		211 721	68918	142 803	15	21 421	—
Elektr. Uhren- und Signalwesen		9129	7 911	1 218	—	1 217	—
Blitzableiter-Anlage		2107	1846	261	—	260	—
Feuerlösch-Anlage		3 635	3 453	182	—	181	—
Geleise-Anlage		2181	2180	1		—	—
Kantinen-Inventar		1334	1291	43	—	42	—
Einrichtung Geschäftsstelle Berlin		6 750	5 365	1 385	—	1 384	—
Gebäude, Abschreibung		1 091139	483 416	607 759		144 600 10 820 12 000	—
					167 420	—

*) Total- und Nettobetrag der Anlagewerte,

Das Soll der Gewinn- und Verlustrechnung enthält unter

anderen Posten:
        <pb n="265" />
        ﻿2.59

Die Gewinn- und Verlust-Rechnung lautet:

Soll (Fall ß 1):	Man könnte nach B 2 buchen:

An Maschinen- und Ap-	An Abschr.-Konto Mk. 210 914,32

parate-Konto . . . Mk. 156,848,96
An Immobilien-Konto
usw.

Mk. 210 914,32

3.	Beispiel. Abschreibungen in Einzelposten in der Ertrags-
rechnung (Fall B 1 und a III 1): Bilanz der Ilse, Bergbau-
Aktiengesellschaft.

Aktiva: 1. Grubenfelder . ... .

Grubenfelder-Oberflächen .

2.	Grubenanlagen

Grube Ilse...............

„ Renate...............

„ Eva..................

„ Anna-Mathilde . .

3.	Ziegeleianlagen ....

usf.

Mk. 3 807 664,53
. 1.-

,	74 410,-

„	83	460,—

132 832,—
„	133 431,—

„	204 234 —

Abgeschriebene
Werte, Nettobe-
träge; in der Ver-
mögensbilanz wer-
den überhaupt keine
Abschreibungen an-
gegeben.

Mk. 10 361 050,78

Gewinn- und Verlustrechnung: Soll:

1.	Abschreibungen:

auf Grubenfelder.........................Mk. 97 492,93

„	„ Oberflächen...................„	74 960,—

Grubenanlagen: Ilse......................„	32825,84

„	Renate....................,,23 645,48

„	Eva.......................„	34	810,81

„	Anna-Mathilde	....	„	17	558,69

2.	Ziegeleianlagen........................„	21434,34

usf.

Mk. 1217 643,56

4.	Beispiel. Eine hinsichtlich der Abschreibungen .mustergültige
Darstellung (Fall a II 1, und B 1) enthält die Tabelle auf Seite 256,
257 und 258.

5.	Beispiel. Im Gegensatz zu dem 4. Beispiel läßt das folgende
an Unklarheit und Undurchsichtigkeit nichts zu wünschen übrig
(Fall a III 1, B 2):

Aktiva

Bilanz 1906.

Immobilien .... Mk. 748 569,10
Einrichtung ....	„	571442,95

usw.

17*
        <pb n="266" />
        ﻿b) Abschreibungs-Konten.

Im System der doppelten Buchführung werden die Ab-
schreibungen verrechnet:

1. Mit dem Anlage-Konto selbst (1. Beispiel, Seite 256).

Eingang	Maschinen-Konto.	Ausgang

1. Bestand	Mk. 168 982,11	3. Abgang		Mk. —
2. Zugang	„	82039,70	4. Wert des Schlußbestandes	
	Mk. 251 021,81	(Schlußbilanz-Konto) . . 5. Gewinn- u. Verlust-Konto	„ 208 309,76
			
		Abschreibung * . . . .	„	42 712,05
		1	Mk. 251 021,81

2. Mit einem besonderen Sammel-Konto *), das die Abschreibungen
auf die einzelnen Teile des Anlagevermögens zusammenfaßt.

Übertrag vom Abschreibungs-Konto (zu Seite 256) Übertrag auf

Gewinn- und Verlust-
Konto .................Mk. 210 516,75

Maschinen-Konto . . Mk. 42 712,05
Immobilien-Konto
Gruben-Konto
usw.

Summe aller Abschrei-	’

bungen............Mk. 210 516,75

3.	Mit Erneuerungsfonds-Konto im Sinne der Additions-Methode
(1'. Beispiel, S. 256):

Debet	Maschinen-Konto.	Kredit
        <pb n="267" />
        ﻿26!

Debet	Erneuerungsfonds-Konto.		Kredit
2. Schlußbilanz . .	. Mk. 244 743,28	1. Bilanz-Konto . . .	Mk. 202031,23
(Gesamtabschreibungen bis		(bis 1. II. 1905)	
1. II. 1906).		2. Gewinn- und Ver-	
		lust (für 1905/6)	„	42 712,05
			Mk. 244 743,28
Aktiva	Schluß	-Bilanz.	Passiva
Maschinen-Konto .	. Mk. 453 053,04	Erneuerungsfonds-Kto.	Mk. 244 743,28

Die Veräußerung- einer Maschine im Anschaffungswerte von
Mk. 3000,—, die bis auf Mk. 2000,— abgeschrieben und für
Mk. 2400,— verkauft wird, erfordert folgende Buchungen:

Soll

Maschinen-Konto.

Haben

1. Eingangs-Bilanz . . . Mk. 3000,—

4.	Gewinn ....... „ 400,—

2.	Kassen-Konto .... Mk. 2400,—

3.	Erneuerungsfonds-Kto.

Übertrag.............„	1000,—•

Soll

Erneuerungsfonds-Konto.

Haben

2. Maschinen-Konto
Übertrag...............Mk. 1000,—

1. Eingangs-Bilanz

Mk. 1000,—

Das heißt die bisherigen Abschreibungen sollen auf Maschinen-
Konto übertragen werden; dieses Konto zeigt den Buchgewinn auf.
Man kann beide Konten auch mit Gewinn- und Verlust-Konto ab-
schließen :

Verluste

Gewinn- und Verlust-Konto.

Gewinne

Maschinen-Konto. . . . Mk. 600,-

Erneuerungsfonds-Konto . Mk. 1000,-

Die Bewertung der Fabrikate und der Halbfabrikate

in der Bilanz.

§ 61. Das Handelsgesetzbuch gibt an zwei Stellen maßgebende
Vorschriften über die Bewertung. Die lex generalis ist in § 40
enthalten. (,,Bei der Aufstellung des Inventars und der Bilanz sind
        <pb n="268" />
        ﻿



— 262 —

sämtliche Vermögensgegensfeände und Schulden nach dem Werte
anzusetzen, der ihnen in dem Zeitpunkte beizulegen ist, für welchen
die Aufstellung stattfindet“, d. h. kurz gesagt zum Tages wert.)
Sie gilt für alle Kaufleute, auch für Kapitalgesellschaften, soweit
sie für diese nicht eine Einschränkung in § 261 erfahren. Für die
Bewertung in der Bilanz bzw. dem Inventar können in Betracht
kommen: Anschaffungs- oder Erwerbspreis für Ver-
mögensteile, die gegen Entgelt erworben wurden. Herstellungs-
und Selbstkosten preis für Erzeugnisse des Gewerbes; V e r -
äußerungs- oder Verkaufs preis, Markt- oder Bö rsen-
preis, Tax- oder Schätzungswert. Der Zeit nach können es ver-
gangene (ursprüngliche), gegenwärtige oder zukünftige Werte sein.

Im Interesse einer richtigen Darstellung der Vermögenslage
und des Geschäftserfolges ist die Vorschrift des § 40 als Maximal-
grenze anzusprechen; der Tageswert, d. i. der Veräußerungswert
der für den Verkauf bestimmten Sachgüter, bildet die Höchstgrenze
der Bewertung. Es sind nicht Zukunfts-, Hoffnungswerte, sondern
es ist jener Wert einzusetzen, der die augenblickliche Vermögens-
lage am richtigsten, vollkommensten widerspiegelt.

Wir sind der Meinung, daß die Bewertungs-
vorschriften des § 261 des Handelsgesetzbuches
jedem Unternehmer ohne Rücksicht auf die Rechts-
form der Unternehmung als Richtschnur bei der
Aufstell ungdeslnventarsdienenkönnenundsollen.

Das heißt: 1. Waren und Wertpapiere, die einen Börsen- oder
Marktpreis haben und andere Vermögensgegenstände (ohne einen
solchen Preis) sind höchstens zu dem Anschaffungs- oder Herstel-
lungspreis anzusetzen.

2. Anlagevermögen und Gebrauchsgegenstände sind zum An-
schaffungs- oder Herstellungspreis unter Berücksichtigung der Wert-
minderung infolge der Abnutzung in Ansatz zu bringen.

Der Herstellungspreis in der Bilanz (nach §261
HGB.) ist nicht identisch mit dem Selbstkostenpreis.
Für ersteren kommen neben direkten Aufwendungen (Spezialunkosten
nach § 3f.) nur die Betriebsunkosten im engeren Sinn in Frage;
Handlungsunkosten bleiben außer Ansatz, Mit Rücksicht darauf
empfiehlt es sich, schon in der Berechnung der Unkosten eine
entsprechende Trennung vorzunehmen. Würde man die Verwaltungs-
und die anderen oben genannten Unkosten mitberechnen, so würden
diese Jahresverluste durch Höherbewertung, d. h. durch deren Ein-
rechnung in den Herstellungs- oder Inventurwert, wieder aufgehoben,

Herstellungspreis und Selbstkostenpreis werden
        <pb n="269" />
        ﻿263

häufigmiteinander verwechselt1). Beide Begriffe decken
sich nicht ganz. Die Unterscheidung zwischen beiden ist für die
Auslegung des § 261 des HUB. von Bedeutung. Was als Herstellungs-
preis anzusehen ist, entscheidet das Gesetz nicht. Nun besteht eine
wesentliche Meinungsverschiedenheit darüber, was im Sinne dieser
Vorschrift zu den Herstellungskosten zu rechnen ist, insbesondere
darüber, ob dazu auch ein Teil der allgemeinen Unkosten zählt.

Hier wird die kaufmännische Verkehrssitte zu berücksichtigen
sein. Nach kaufmännischer Anschauung zählt man zum Anschaffungs-
preis (Erwerbspreis) einer Ware alle Geldausgaben, welche der Er-
werb verursacht. Anschaffungspreis ist somit nicht Kaufpreis;
ersterer setzt sich vielmehr zusammen aus dem Fakturen- oder Ein-
kaufspreis und allen Bezugskosten (Fracht, Zoll, Stempel, Deckungs-
kosten usw.), welche durch die Anschaffung im besonderen verursacht
werden. Dagegen werden allgemeine Geschäftsunkosten, wie Aus-
gaben für die Verwaltung, Miete, Instandhaltung usw., nicht zu
den Anschaffungskosten gerechnet (vgl. § 3). Der Kaufmann schlägt
diese Unkosten bei der Kalkulation des V e r k a u f s preises seiner
Ware zu, verbucht sie jedoch auf Handlungskosten-Konto und als
Jahresverlust. Die Vorräte am Jahresschluß sollen zum Einstands-
wert, dem Erwerbspreis in das Inventarium eingesetzt werden. Be-
wertet sie der Unternehmer mit Einschluß einer Zuschlagsquote
für die Generalkosten, so schiebt er einen Teil dieser Kosten in das
neue Bilanzjahr hinüber.

Schmalenbach2) meint gegen Rehm (a. a. 0. S. 711 f.):
„Der Grundgedanke des Verfahrens, die Generalkosten nicht auf
Warenkonto, sondern auf ein besonderes Generalunkostenkonto zu
bringen, ist ein kalkulatorischer. Die direkten Unkosten kann man
direkt ermitteln, die Generalkosten dagegen nur durch Beobachtung;
diese Beobachtung geschieht durch entsprechende Kontierung. Nicht,
um sie zuzuschlagen, sondern im Gegenteil, um die richtige Zuschlags-
quote zu ermitteln, richtet man ein besonderes Generalunkosten-
konto ein“. Dies ist richtig. Doch hat die buchhalterische Scheidung
der Anschaffungs- und der General- (besser Handlungs-)Kosten noch
einen anderen Grund: die aus der wertumsetzenden Tätigkeit des
Warenhändlers resultierenden Anschaffungskosten der Objekte dieser
Tätigkeit und die Ausgaben für die anschaffende und veräußernde
Tätigkeit an sieh zu trennen, da diese Kosten wirtschaftlich durchaus
verschiedenartig sind. Daß diese Scheidung die oben angeführte
Berechnung der Zuschlagsquote (vgl. den Anhang) ermöglicht, ist
eine Nebenwirkung.

h Vgl. Rehm, Die Bilanzen der Aktiengesellschaften, München 1903,

S.	709 ff. Sinion, desgleichen, 2. Aufl., Berlin 1898, S. 34 ff.

2) Generalunkosten als Produktionskosten. Zeitschr. f. handelswissenschaft-
liche Forschung Nr. 5 von 1908.
        <pb n="270" />
        ﻿264

Analog wird die oben angeführte Streitfrage zu lösen sein. Zu
den Herstellungskosten zählen in wirtschaftlicher
Beziehung alle Ausgaben und Leistungen, welche
unmittelbar und mittelbar mit der 'Herstellung
einer Ware in Verbindung stehen. Dazu gehören Aus-
gaben für Material, Fabrikationslöhne, Abteilungs- und allgemeine Be-
triebsunkosten (Fabrikationsunkosten). Zum Selbstkosten-
preis hingegen gehören nicht allein die Herstellungskosten, sondern
auch alle Ausgaben, welche die Unternehmung als Ganzes, nicht die
einzelne Ware treffen und nicht durch die Fabrikation entstehen,
also Ausgaben für die Verwaltung und für den Verkauf. Die Kal-
kulation des Verkaufspreises muß selbstverständlich auch auf diese
Kosten Rücksicht nehmen ; denn der Unternehmer muß, abgesehen
von den Herstellungskosten, auch die allgemeinen Unkosten herein-
bringen, ehe von Gewinn die Rede sein kann. Sie werden durch
Zuschlag gedeckt. Danach wird der Selbstkostenpreis sich nach
den früher entwickelten Formeln berechnen.

Es wird keinem Kaufmann einfallen, bei der Bewertung der
eingekauften und vorrätigen Waren einen Aufschlag für Ab-
schreibung, Geschäftsmiete, Gehälter des Personals u. dgl. zu machen.
Das sind eben Geschäftsunkosten und Leistungen, die als Jahres-
verluste angesehen werden. Würde ein Warenhändler die Vorräte
mit einem Kostenaufschlag für alle Handlungskosten bewerten, so
würden die ausgewiesenen Verluste illusorisch. Z. B. man kauft
Waren für Mk. 15 000, die Geschäftsunkosten wären Mk. 8000. -—
Angenommen, es sind sämtliche Waren unverkauft. Die Buchung
stellt sich folgendermaßen dar;

Eingang	Waren-Konto.	Ausgang

1.	Einkaufswert . . . Mk. 15 000,—	2. Bilanzwert. . . . Mk. 23 000,—

2.	Scheingewinn .	„	8000,—	= 15000-)-8000

Dagegen ergibt das Unkostenkonto einen Verlust von Mk. 8000,—,
der durch den gleich hohen scheinbaren Gewinn aufgehoben wird! Ist
ein Teil der Waren bereits mit Gewinn veräußert, dann wird eben
auch ein Teil der Unkosten dadurch gedeckt sein. Richtig sind die
W]aren mit dem Anschaffungspreis einzusetzen. An der Ware an
sich, abgesehen von Verschleiß und Konjunktur, die bei der Be-
wertung mit zu berücksichtigen wären, wurde nichts verloren. Ver-
luste entstehen durch den Betrieb der Unternehmung als Ganzes.
Der Kaufmann wird sie bei der Berechnung des Verkaufspreises
durch einen Aufschlag von etwa 53 o/o decken. Erst beim Verkauf
über 153o/o wird Gewinn erzielt.
        <pb n="271" />
        ﻿265

Ähnlich liegen die Verhältnisse bei der Berechnung des Her-
stellungspreises. Wie dort der Anschaffungspreis, so ist hier der
Herstellungspreis zusammengesetzt. Ein Aufschlag für Generalkosten
(Verwaltung, Handlungskosten) führt hier zu einem ähnlichen Re-
sultat. Die Kosten der Verwaltung dürfen nicht als Aktivuni ein-
gestellt werden (§ 261', Ziff. 4 HGB.); hier werden sie ganz oder
teilweise durch Vermittelung eines Aktivpostens eingesetzt. Ver-
waltungskosten sind Verluste, die infolge der angeführten unrichtigen
Bewertung .aufgehoben, d. h. für die Bilanz und die Vermögens-
darstellung unwirksam gemacht werden, oder, was wirtschaftlich
dasselbe ist, der Reingewinn des Unternehmens in der Gewinn-
und Verlustrechnung ist gegenüber den tatsächlichen Verhältnissen
zu groß.	,

Abschreibungen sind Kapitalkosten (§ 5) und zweifellos
Teile der Selbstkosten; gehören sie zu den Herstellungs- oder den
allgemeinen Verwaltungskosten ? Zählt man sie mit berechtigten
Gründen zu den Herstellungskosten, so bilden sie auch einen Be-
standteil des Wertes der Vermögensobjekte beim Jahresabschluß.
Tatsächlich handelt es sich bei dem Streit wegen der Auslegung
des § 261 im wesentlichen um die Abschreibungen, umdieFrage,
obsiebeider Bewertungein gerech netwerd endürfen
o d e r n i c h t. Im voraus sei bemerkt, daß dieser Streit häufig rein
theoretischer Natur ist. Auch wenn man Gründe gegen die Ein-
rechnung der Abschreibungen findet, ihre praktische Anwendung
ist in vielen Fällen unmöglich. Lilienthal (a. a. 0. S. 184ff.)
bringt einige beweiskräftige Beispiele: Die Licht- und Kraftkosten,
(siehe S. 171 f.), die Kosten einer Maschinenbetriebsstunde (vgl. S. 198),
der einzelnen Arbeitsstadien usw. werden stets mit Einrechnung der
Abschreibungsquote ermittelt und verteilt, diese Kosten bilden einen
Bestandteil der Herstellungskosten der Produkte. Man müßte ver-
suchen, am Jahresschluß aus den Herstellungskosten der vorrätigen
Erzeugnisse die Abschreibungsquoten, die in den Kraft-, Licht-
kosten usf. stecken, auszuscheiden: eine Unmöglichkeit! Wenn
Maschinen, Normalien, Werkzeuge einige Jahre liegen, müßte bei
der Bewertung festgestellt werden, aus welchem Jahre sie stammen,
da in den Selbstkosten alljährlich schwankende .Abschreibungsquoten
enthalten sind.

Doch dürfen Erwägungen, daß eine theoretische Wahrheit bei
ihrer praktischen Anwendung in einigen Fällen auf Schwierigkeiten
stößt, nicht maßgebend sein bei der Untersuchung dessen, was als
richtig angesehen werden soll. Lilienthal meint (S. 183): Wer
eine Betriebskraft, Lichtquelle, einen Fabrikraum mietet, rechnet
diese Ausgaben zu den Betriebskosten. Die Abschreibungen dieser
        <pb n="272" />
        ﻿266

Anlagen soll der Eigentümer nicht zu den Herstellungskosten rechnen
dürfen? „Diese Wertminderungen — durch Benutzung — sind
durch die Fabrikation hervorgerufen und sind gleichbedeutend mit
den Kosten, die für Reparaturen und Ersatz der Gebäude, Inventarien
und Utensilien ausgegeben und die als Betriebskosten ebenfalls in
den Selbstkosten der Fabrikate anteilig enthalten sind. Ein Grund
dafür, daß beide Faktoren verschieden zu behandeln sind, dürfte
schwer zu finden sein.“

Zwischen Ausgaben und Verlusten ist zu unterscheiden.
Verluste sind Minderungen am Wert oder an der Menge des
Vermögens-Objektes oder der Leistung ohne Äquivalent; z. B. Kurs-,
Gewichts-, Gas-, Wärme-, Stromverluste, Verluste an Forderungen,
durch Wertzerstörung, durch Benutzung u. ä. Ausgaben sind stets
an eine (sofortige oder spätere) Geldwertbewegung gebunden; es
sind Minderungen des Bestandes an aktiven Vermögensteilen (Bar-
ausgaben) oder Minderungen am gesamten Aktivvermögen (durch
Kreditausgaben), denen eine geldwerte Leistung des Ausgaben-
empfängers gegenübersteht. Verluste und Ausgaben sind
also nicht identisch. Der Kaufmann zwar bezeichnet auch
Ausgaben zwecks Erwerbung einer Leistung, eines Rechts als Ver-
luste, bucht sie als Verlust, obgleich solchen Ausgaben eine Gegen-
leistung gegenübersteht: den Gehältern die Arbeitsleistung, der.Miete
der Gebrauch des vermieteten Sachgutes, der Zinszahlung die Kapital-
nutzung usf. Bar- oder Kreditausgaben werden unmittelbar ver-
bucht, Verluste hingegen kommen nur mittelbar zum Ausdruck.

Hinsichtlich der Einrechnung der Abschreibungen in den Her-
stellungswert bzw. Selbstkostenwert der Fabrikate sowie hinsicht-
lich der Bewertung in der Jahresbilanz glauben wir im folgenden
eine endgültige Lösung zu bringen:

1.	Es gibt Abschreibungen, die weder den Er-
zeugungskosten noch den Selbstkosten zuzurechnen
sind: Übermäßige, außerordentliche und interne Abschreibungen.
Eine Fabrik, die den Zugang an Anlagevermögen mit Rücksicht
auf die Dividenden- und Bilanzpolitik mit 100 o/o' abschreibt, oder
in der Gewinn- und Verlustrechnung unter den Betriebsunkosten
verbucht, kann solche Abschreibungsverluste nicht als Bestandteil
der Selbstkosten ansehen, ohne sich selbst zu täuschen. Die
„Bilanz“abschreibungen stimmen nicht in allen Unternehmungen
mit den „S e 1 b s t k o s t e n“abschreibungen überein.

2.	Die Abschreibungen auf die Produktionsmittel ge-
hören zu den Kosten der Produktion bzw. der Produktionsbereit-
schaft, also zum Herstellungswert im Sinne des Gesetzes:
der Verbrauch an Werkzeugen, Substanzminderungen etc., d. h. die
        <pb n="273" />
        ﻿267

regelmäßigen ordentlichen, durch die Benutzung als Produktions-
mittel gerechtfertigte Abschreibungen.

3.	Ein Teil der Abschreibungen bildet einen Bestandteil der
Handlungsunkosten, die am Jahresschluß ebensowenig zu
dem Bilanzwert der Bestände zugeschlagen werden dürfen wie die
Verkaufs- und die kaufmännischen Verwaltungskosten: Abschrei-
bungen auf Verwaltungsgebäude, auf Vertriebsmittel (Niederlagen,
auswärtige Lager, Transportfässer der Brauereien etc.), auf Muster-
lager und andere dem Verkauf dienenden Einrichtungen und Anlagen.

Im Sinne der Bilanzvorschriften gibt es demnach zuschlagbare
und nicht zuschlagbare Abschreibungen x). Wegen der Unsicherheit,,
ob der Gesetzgeber im gegebenen Falle diesen Anschauungen bei-
treten wird — eine Entscheidung liegt zur Zeit nicht vor —, ver-
rechnen zahlreiche Fabrikbetriebe alle Abschreibungen unter den
Handlungsunkosten, zählen sie also nicht zu den Herstellungskosten
(eine Auffassung, die wir in früheren Auflagen dieses Buches ver-
treten haben).

Im übrigen überläßt es das Gesetz dem „verständigen Ermessen
in jedem einzelnen Falle, inwieweit gewisse allgemeinere Kosten
als Bestandteil der Herstellungskosten berücksichtigt werden können“.
Es ist also Sache der Geschäftsleitung, zu prüfen, was zu den
Herstellungskosten zu rechnen ist.

Ist der Herstellungspreis für ein Fabrikat genau bestimmbar
wie bei Spezialartikeln auf Grund der Material- und Lohnverteilungs1
bücher und Kommissionszettel, so ist der Vorrat mit diesem Her-
stellungspreis zu bewerten. In vielen Fällen läßt sich der Her-
stellungspreis für die einzelne Ware am Ende der Betriebsperiode
überhaupt nicht bestimmen, da in vielen Unternehmungen die Her-
stellungskosten starken Schwankungen unterworfen sind. Anderer-
seits ist zu berücksichtigen, daß auch die Materialpreise wechseln.
Wenn wir annehmen, daß eine Fabrik im Laufe einer Betriebsperiode
x kg Rohstoff zu a Mk., y kg zu b Mk. usf. einkauft, dann wird
es vielfach nicht möglich sein, zu ermitteln, ob für die vorrätigen
Erzeugnisse der Rohstoff zu a oder zu b Mk. oder beide verwendet
wurden. Hier ist ein durchschnittlicher Herstellungspreis, wenn
dies untunlich ist, ein Schätzungswert einzusetzen.

Ist eine noch' vorrätige Ware auf Bestellung angefertigt, so ist
der vereinbarte Verkaufspreis als Wertansatz zu benutzen.

Halbfabrikate, die im eigenen Betrieb zu fertiger Ware
verarbeitet werden, sind aus Zweckmäßigkeitsgründen mit den bis-

') Vgl. Schlesinger, Selbstkosten, S. 89; Schiff, Abschreibungen,
S. 30 f.; Meitzer, Grundzüge, S. 18 f. und S. 50ff. dieses Buches.
        <pb n="274" />
        ﻿268 —

hörigen direkten Herstellungskosten (§ 13) zu bewerten.
Darin liegt allerdings eine nicht ganz gerechte Verteilung der allge-
meinen Kosten. Denn das Halbfabrikat hat bereits einen Anteil an
diesen. Durch die Bewertung im angegebenen Sinne wird das Jahr
der Fertigstellung mit dem ganzen Betrag belastet. Doch bleibt es
dem Unternehmer unbenommen, einen verhältnismäßigen Anteil an
diesen allgemeinen Kosten auch dem Halbfabrikant zu belasten1).

Der Bewertung von vorrätigen Fabrikaten zum
Selbstkostenpreis liegt eine Absicht zugrunde, die
vielfach nicht erkannt wird: eine transitorische
Buchung der allgemeinen Kosten. Die Erzeugung der
Ware verursacht Generalkosten, die beim Verkauf durch erhöhten
Preis gedeckt werden müssen; da nun ein Teil der Ware unver-
kauft ist, so lastet auf diesen Vorräten auch ein Teil der allgemeinen
Kosten, die durch den zukünftigen Verkauf ausgeglichen werden’
sollen. Durch die Einrechnung dieser verhältnismäßigen Anteile in
den Selbstkostenpreis wird dieser Teil der Kosten in das neue
Rechnungsjahr mitübertragen, vermindert dort den zukünftigen
Jahresgewinn. Diese Art der Bewertung bezweckt also eine gerechtere
Verteilung der jährlichen Generalkosten, die der kaufmännischen
Auffassung nicht immer entspricht. Ebenso könnte ein Warenhändler
durch verhältnismäßigen Aufschlag zum Einkaufswert einen Teil
seiner Handlungskosten in das nächste Jahr übertragen. Verausgabte
Unkosten sollen im Jahre ihrer Entstehung als Verluste gebucht
werden. Gut fundierte Unternehmungen unterlassen die anteils-
mäßige Übertragung allgemeiner Unkosten und verbuchen die Summe
aller Kosten vollständig als Verlust des laufenden Jahres.

Falls jedoch die Herstellung eines Fabrikates mehrere Betriebs-
jahre beansprucht, z. B. der Bau von Kriegsschiffen, wird der
Unternehmer nur durch transitorische Buchung, d. h. durch Ein-
rechnung eines Teiles der allgemeinen Betriebskosten zum Herstel-
lungspreis des Halbfabrikates ein richtiges Bild von der wirtschaft-
lichen Lage seines Betriebes erhalten. Z. B.: Eine Werft arbeitet
drei Jahre an einem Schiffe; im ersten Jahre entstehen Mk. 480000
Betriebsunkosten bei direkten Kosten von Mk. 3 000 000, im zweiten
Jahre 520000. Stellt man am Ende des ersten Jahres nur die direkten
Ausgaben mit Mk. 3 000 000 als Inventurwert des Halbfabrikates ein,
so erscheinen in diesem Jahre Mk. 480000, im zweiten Mk. 520 000

') Theoretisch richtig wäre es, vom Verkaufswerte des Fabrikats die auf
die Fertigstellung noch zu verausgabenden Kosten, die Verkaufsspesen sowie
den auf die Fertigstellung entfallenden verhältnismäßigen Anteil an den Ver-
waltungskosten, die Zinsen und den Untemehmergewinn abzuziehen Und die
Halbfabrikate mit dem so berechneten Wert einzustellen (Rehm, a. a. O. S. 714,
Anmerkung 7).
        <pb n="275" />
        ﻿	

269

als Verlust, im dritten Jahr, dem Jahr der Ablieferung, ein um
diese Summen größerer Jahresgewinn, der nicht gerechtfertigt er-
scheint; denn in dem Erlös des Fabrikates werden die verausgabten
Betriebskosten von Mk. 1000 000 mitbezahlt. Durch Bewertung mit
Mk. 3 480000 werden die Betriebsunkosten der Gewinnrechnung des
ersten Jahres paralysiert, d. h. in das nächste Jahr übertragen.

Ein anderes Beispiel gibt Sperlich1): Es werden bei einer
Waggonbauanstalt 75 Waggons bestellt, die Ende des Jahres bis
auf den Anstrich und die Nebenarbeiten fertig sind. Wollte man
keine Generalspesen verrechnen, so entstünde für das laufende Be-
triebsjahr ein bedeutender Verlust.

*) Reform der Unkostenberechnung. S. 37.

, \
        <pb n="276" />
        ﻿VI.	Abschnitt.

Normalkalkulationen, Rentabilitäts-
rechnungen, Gründungsvoranschläge.

Normalkalkulationen.

§ 62. Schon früher (§§ 41L) wurde erwähnt, daß einzelne
Unternehmer Normalkalkulationen aufstellen. Eine dort
nicht, erwähnte Verwendung soll hier kurz erörtert werden. Unter-
nehmungen mit gleichmäßig verlaufenden Betriebsverhältnissen
(Massenproduktion), nur für solche ist das Verfahren wertvoll, be-
rechnen aus den Zahlen des Vorjahres die Gesamtausgaben und die
Gesamteinnahmen, um die Leistungsfähigkeit und die normalen Auf-
wendungen des Betriebes zu erkennen. Daraus berechnen sie den
durchschnittlichen Herstellungspreis des Produktes, wie groß der
Umsatz war und sein muß, um eine berechnete Rente des Kapitals
zu erzielen, wie groß der durchschnittliche Verkaufspreis war u. a.
Diese Normalzahlen dienen als Vergleichsmaßstab für das zukünftige
Jahr. Normalkalkulation in diesem Sinne ist somit eine Vorkalku-
lation und ein Wirtschaftsplan für die folgende Betriebs'periode.
Sie erfüllt zugleich die Aufgaben einer Betriebskontrolle; sie gibt
an, wieviel Kosten innerhalb eines bestimmten Zeitraumes normal-
mäßig verausgabt werden dürfen und ob die Kosten in einem rich-
tigen Verhältnisse zur Produktion (Gesamtheit und Einheit) stehen.
Diese Verwendung der Normalkalkulation bietet die Möglichkeit fort-
laufender Kontrolle des Betriebsaufwandes, der Ursachen eines
größeren oder geringeren Verbrauches (vgl. dazu Unkostenstatistik
§30)i).

1. Beispiel.

Ein lehrreiches Beispiel für die Ermittelung einer Nor-
malzahl bringt Bednarz2), dem wir hier folgen.

’) Vgl. Tolkmitt, Die Kalkulation im Geschäftsleben, Breslau 1896.
a) Normalbilanzen für Zuckerfabriken, in der Zeitschrift für Buch-
haltung, Linz a. Donau, 1894. In Buchform bereits 1892 erschienen, Verlag des
Vereins der Zuckerindustriellen in Böhmen. Wir nehmen die doppelten Beträge
des Originals (dieses in Kreuzern). Für Brauereien Schaer, Der Kaufmann in
der Brauerei, Zürich 1905, S. 42 f.
        <pb n="277" />
        ﻿271

I. Auf Grund der Betriebsrechnung der letzten Kampagne werden
die Produktionskosten für 100 kg der verarbeiteten Rüben ermittelt:

Schema.

Produktionskosten

Gesamt-

betrag

Heller

für

100 kg

Heller

Summe

Heller

1. Regie = konstante, von der Menge der ver-
arbeiteten Rüben unabhängige Kosten:

Gehälter.......................

Steuern ......................

Unterhaltung..................

Zinsen usf.....................

2 Betriebskosten: Löhne...................

Brennmaterial .	.	.	.

usf..................

3. Rüben: Ankaufspreis....................

Nebenausgaben .................

Gesamtkosten (Sollseite des Fabrikations-
kontos) . . . ............................

—■ Abfälle: Melasse.......................

Schnitzel...................

Schlamm......................

Normalherstellungspreis für je 100 kg Rüben .

23,68

80,40

256,—

7-

4-

3-

360,08

14,—

346,08

d. h. der Normalquotient für die aus 100 kg Rüben erzeugte Menge Zucker ist
346,08 Heller.

II. Anwendung der Normalzahl:

a) Ausbeute: Die Herstellungskosten für 100 kg Rohzucker
sind der Ausbeute indirekt proportional, sie steigen mit sinkendem
Ausbeuteverhältnis, dem „Rendement“ und umgekehrt. Bednarz
nimmt ein Rendement von 12,8 o/o', d. h. aus 100 kg Rüben
werden 12,8 Zucker gewonnen, je 100 kg Zucker kalkulieren normal

Kr. 27,04. Der Gewinn bei einem Verkaufspreis

von Kr. 34,— wäre Kr. 6,96.

b) Marktpreis: Auf Grund eines durchschnittlichen Ver-
kaufspreises von Kr. 34,— läßt sich eine Normalausbeute ermitteln,
die als Mindest-Rendement die Produktionskosten gerade deckt:
3,4608:34 = x:100, x = 346,08:34 = 10,179o/0, d. h. je 100 kg
Rüben müssen mindestens 10,179 kg Zucker liefern. Das tatsäch-
        <pb n="278" />
        ﻿272

liehe Rendement ist 12,8o/o, d. h. gegen die Normalausbeute mehr
2,621 o/o ä 34,— = 89,11 h Gewinn auf je 100 kg Rüben. Für

100 kg Zucker

braucht man

781V* kg Rüben ä 89,11 h

Gewinn = Kr. 6,96 Gewinn für je 100 kg Zucker.

Die erste Methode der Gewinnberechnung ist einfacher. Für
100 kg Zucker braucht man ,7811/i kg Rüben ä 346,08 normale
Selbstkosten, d. i. für 1 dz Zucker Kr. 27,04, wie oben.

c)	.Veränderte Verhältnisse:

Veränderlich sind Ausbeute, Rübenpreis, Marktpreis des Zuckers
und der Abfälle, die Produktionsmenge, kurz alle preisbestimmenden
Faktoren. Wie sich unter Annahme anderer Verhältnisse die Zahlen
ändern, ist ein einfaches Rechenexempel, auf dessen Vorführung wir
verzichten.

Die Normalkalkulation ermöglicht die Lösung zweier wichtiger
Probleme: die Berechnung der Mindestmenge der zu verarbeitenden
Rüben und des Höchstpreises für Rüben.

2. Beispiel.

Angenommen eine Unternehmung ist auf die folgende Normal-
produktion berechnet:

7 000 Tonnen I zu 16,52
7 000 „ II „ 18,54
3 000 „ III „ 19,85

= Mk. 115 640,—
= „ 129 780,—
= „	59 550,-

\ unmittelbare Herstellungs-
kosten

17 000 Tonnen Gesamtproduktion = Mk. 304 970,—

Allgemeine Kosten.................=	„	115 200,—p. T.	Mk. 6,78	j	Normal-

Kapitalverzinsung ................=	„	58 000,— p. T.	„ 3,41	1	kosten.

Selbstkosten......................=	Mk.	478 170,— p. T.	Mk. 10,19

Der durchschnittliche Verkaufserlös ist angenommen:

Für Produkt I mit 29,— = Mk. 203 000,—
,,	,, II „ 31, — ,, 217 000,—

III „ 32,— == „	96 000,—

Mk. 516 000,—

Gewinn per Tonne.

Kosten:	16,52 -j-10,19 = 26,71	Gewinn	Mk.	2,29

„	18,54-(-10,19	=	28,73	„	„	2,27

„	19,85 + 10,19 = 30,04	„	„	1,96

Erlös..................................Mk. 516 000,— gegenüber den

Selbstkosten .	...............„ 420170,— ohne Zinsen

bleibt ein Gesamtgewinn von .... Mk. 95830,—

-r Zinsen.............................. „	58 000,—

Fabrikationsgewinn.....................Mk. 37 830,— unter normalen Ver-

hältnissen.
        <pb n="279" />
        ﻿273

Um die unterste Grenze der Produktionsminderung — die obere
ist beding! durch die Leistungsfähigkeit der Anlagen —, die ohne
Verlust möglich ist, durch Rechnung zu ermitteln, ist festzustellen:
ob die Verkaufspreise konstant oder dem angenommenen Durchschnitt
tatsächlich entsprechen; ob Produktion und Absatz der rentabelsten
Produkte I und II forciert werden können; welche Bestandteile der
Generalkosten fest und welche von der Leistung der Anlagen, von
der Produktionsmenge abhängig sind. Erst die Kenntnis dieser
Faktoren ermöglicht die theoretische Lösung des Problems.

Angenommen, die Verkaufspreise entsprächen dem Durchschnitt
und das Verhältnis der produzierten Menge sei nur wenig veränder-
lich, so wird sich, unter Abstufung der Gesamtproduktion von 1000
Tonnen, die Rechnung für eine Menge von 12 000 Tonnen etwa wie
folgt stellen:

Erlös:

1	4 900 Tonnen ä 29,— Mk.

II	4 900	„	„ 31,— „

III	2 200	„	„ 32,- „

12 000 Tonnen

Generalkosten . Mk. 8,90 | pro
Zinsen . . .	„	4,83 I Tonne

Die Tonne .	. Mk. 13,73

Mk. 142100,-
„ 151900,—
„	70 400,-

Mk. 364 400,—

Mk. 380 104,—
Mk, 15 704,—
Verlust

Produktionskosten:
ä 16,52 Mk. 80948,-
„ 18,54 „ 90 646,—
„ 19,85 „ 43 670,—

Summe Mk. 215 264,—
„ 106 840,—
„	58 000,—

Mk. 380 104,-

Der Verlust wird durch die Kapitalzinsen wettgemacht. Die
unterste Grenze der Produktionsminderung liegt also zwischen
13 000 und 12 000 Tonnen, näher der letzten Zahl. Damit ist gleich-
zeitig bewiesen, welchen bedeutenden Einfluß der Beschäfti-
gungsgrad auf das Jahresergebnis hat.

Die folgende Tabelle (3. Beispiel), der Praxis einer Waggon-
bauanstalt mit einer Normalproduktion von 3000 Wagen entnommen,
bedarf keiner besonderen Erläuterung.

Zahl  der  Wagen	Direkte  Herstel-  lungs-  kosten	Allge-  meine  Kosten	Selbst-  kosten	Erlös		Allgemeine Kosten	
					Verlust —	pro  Wagen  Mark	°/o der Herstel- lungs- kosten
	Tausend Mark						
4000	9200	956	10156	10 800	+ 644	239	10,4
3500	8050	885,5	8 935,5	9 450	+ 514,5	253	10,-
3000	(»900	840	7 740	8100	+ 360	280	12,3
2500	5750	812.5	6 562,5	6 725	+ 162,5	325	14,1
2000	4600	810	5 410	5 400	- 10	405	17,1
1500	3450	735	4185	4 050	— 135	490	21,3
1000	2300	670	2 970	2 700	— 270	670	29,1

Leitnor, 3aU&gt;stkost«nber«chnung. 1. Aufl.	18
        <pb n="280" />
        ﻿274

Mindestumsatz.

Jede Produktionsunternehmung ist auf eine bestimmte Pro-
duktions-Kapazität .eingestellt; die Beschäftigung ist normal, über
oder unter dem Normale. Die veränderlichen Kosten steigen und
fallen im Verhältnis zur Produktionsmenge, langsamer, schneller
oder im gleichen Verhältnis. Die festen (eisernen, konstanten) Kosten
bleiben ihrem Gesamtbeträge nach innerhalb gewisser Grenzen von
der Produktionsmenge oder dem Umsatz unberührt, sinken verhält-
nismäßig auf die Einheit bezogen bei steigenden Umsätzen und
steigen verhältnismäßig bei sinkendem Umsatz bzw. verringerter
Produktionsmenge. Nimmt man einen durchschnittlichen Gewinn
(8. 6) als gegeben oder erreichbar an und scheidet die unveränder-
lichen Kosten von den veränderlichen, so läßt sich der Mindest-
Umsatz errechnen, dessen Erzielung sämtliche Kosten deckt. Z. B.:
der Umsatzgewinn einschließlich 5 o/o Kapitalverzinsung wird mit
15o/o angenommen, die festen Unkosten seien 30000 Mk., die ver-
änderlichen etwa 9o/o des Umsatzes; der Mindestumsatz = x. Der

Gewinn am Mindestumsatz

deckt die veränderlichen

( —	«nd die konstanten Kosten. Die Wortgleichung ist:

Mindestumsatzgewinn = unveränderliche und veränderliche Unkosten.

Die algebraische Gleichung:	= 30 000 -j-	; x=500 000 Mk.

Der Rohgewinn (75 000) deckt die Unkosten (30 000 -f- 45 000).
Jede «Steigerung' des Absatzes um 10000 Mk. gibt einen Rein-
gewinn von (15o/o—9 o/o) 600 Mk., da die unveränderlichen Kosten
bereits gedeckt sind.

In der vorstehenden Gleichung war der zur Deckung sämtlicher
Kosten erforderliche Mindestumsatz zu bestimmen. Die Fragestellung
kann anders lauten: Der Verkaufspreis ist gegeben; er wird nicht
erst im Anschluß an die Selbstkosten festgesetzt. Der Grundsatz
des ,Verkaufens zu Einheitspreisen ändert den Ausgangspunkt der
Kostenberechnung. Die Frage würde in diesem Falle lauten: Welche
Menge muß erzeugt werden, um das Fabrikat zu einem vorher
festgesetzten Preis verkaufen zu können. Man könnte auch be-
rechnen, wie hoch im ungünstigsten Falle die eisernen Kosten sein
dürfen, wenn die Unternehmung mit bestimmten veränderlichen
Kosten und einem Einheitspreis zu rechnen hat.

Unter der Voraussetzung: daß bei jeder Produktionsmenge
Material-, Arbeits- und Betriebskosten proportional bleiben — bessere
Ausnutzung der Rohstoffe, rationellere Arbeitsmethoden bei größeren
        <pb n="281" />
        ﻿Mengen beispielsweise können eine .Verschiebung in den Grund-
kosten bewirken —; daß auch die feststehenden unveränderlichen
Kosten ohne Rücksicht auf die Produktionsmenge tatsächlich kon-
stant bleiben und endlich, daß auch der Gewinnzuschlag proportior
nal bleibt, läßt sich durch eine einfache Zeichnung jene Produktions-
menge bestimmen, deren Verkaufserlös die Selbstkosten ohne Gewinn

und ohne Verlust deckt. Im ganzen genommen hat die zeichnerische
Darstellung dieses kritischen oder toten Punktes, die für die
Bestimmung des Betriebsplanes der Zukunft nur selten Verwendung
finden kann, weniger praktischen Wert als theoretisches Interesse *)w

Wir legen das Zahlenbeispiel des § 67 zugrunde. Der dort
berechnete Mindestumsatz ist 666 2/3 t. Es bedeutet:

l) Zur Vermeidung von Mißverständnissen sei darauf lungewiesen, daß ich
diese Zeichnung bereits in meiner Abendvorlesung über Kalkulationswesen im
W. S. 1908/09 zur Verteilung an meine Hörer brachte.

'

18*
        <pb n="282" />
        ﻿276

A—B die. Produktionsmenge (t, m, kg, Stück usf.), die auf
der Wagreckten vom Nullpunkt A ansteigt.

B—C die direkten proportionalen Kosten (= 30000 Mk.).

B—D die festen Kosten (40000), demnach D—C die Selbst-
kosten (70000).

C—E den Gewinn (20000), somit D—E den Verkaufserlös
(90000).

Die durch den Verkauf reproduzierten Kosten bewegen sich
auf der Linie C—A. Der kritische Punkt liegt bei x; die Senkrechte
x—p auf A—B (Produktionslinie) gibt jene Mindesterzeugung an,
die weder Gewinn noch Verlust ergibt. (Hier 666 2/3 t; Kosten
= 40 000 -f- 20 000 == 60 000; die Senkrechte von y gibt die
.Zahlenverhältnisse für die Normalproduktion von 800 t.)

Bei einer Produktion unter der Mindestmenge steigen die Ver-
luste in dem Dreieck A — x— F an; z. B. bei 500 t (=55 000 Mk.
Selbstkosten und 45 000 Mk. Verkaufserlös) ist der Verlust = y — A)
= 10000 Mk. Würden sich bei einem festen Verkaufspreis die
Selbstkosten erhöhen, würde der kritische Punkt weiter gegen D—E
verschoben werden, d. h. die Mindestmenge der Erzeugung müßte
bei abnehmenden Gesamtgewinn gesteigert werden.

Monatliche Gewinnermittelung.

§ 63. Die Erfolge eines Betriebes werden den Beteiligten (In-
habern, Direktoren, Aufsichtsräten) durch die Geschäftsbücher erst
beim1 Jahresabschluß bekannt. Es ist klar, daß man der alljährlichen
Bilanzaufstellung stets mit Unbehagen und Unsicherheit entgegen-
sieht, daß man aber auch versucht hat, den erwähnten Übelstand
zu beseitigen und schon während des Betriebsjahres fortlaufend
den Erfolg, wenn auch nur annähernd, zu ermitteln. Der Nachweis
der genauen Gewinnziffer bedingt die Inventur aller Bestände. Diese
zeitraubende mühsame Arbeit kann nur einmal oder einige Male
alljährlich durchgeführt werden. Eine periodische Ertragsübersicht
während des Betriebsjahres ist aber notwendig; sie bietet gleich-
zeitig wertvolles statistisches Material zur Beurteilung des Betriebes,
die Möglichkeit rechtzeitigen Eingreifens.

Bei der Ermittelung der Rentabilität einer Unter-
nehmung handelt es sich um Feststellung des Reinertrages. Reinertrag
ist gleich Rohertrag abzüglich aller Spezial- und Generalkosten.
Die Rente stellt somit die Verzinsung des Kapitals, den Unternehmer-
gewinn und die Risikoprämie dar. Sie soll rechnerisch ermittelt
werden nicht allein für die ganze Unternehmung als Einheit, sondern
        <pb n="283" />
        ﻿277

auch, soweit es möglich ist, für jede Abteilung innerhalb der Unter-
nehmung, um die Verschiedenheit der „Rente“ zu kennen. Anderer-
seits ist die Feststellung des Erträgnisses notwendig, um den Ge-
samtgewinn der Unternehmung in seinen einzelnen Teilen zu kennen;
denn der Gesamtgewinn setzt sich zusammen aus Betriebs- und Fäbrir
kationsgewinn und anderen teils kaufmännischen, teils zufälligen
Erfolgen, wie Zinsen, Miete, Pachtgeldereinnahmen u. a. (S. 29).

Die Aufgaben einer monatlichen Rentabilitätsübersicht sind so
zu formulieren: monatlicher Gewinnnachweis eines jeden Betriebes
ohne Inventuraufnahme der Bestände. Ein Gewinnachweis zu jeder
Zeit ist nur dann möglich, wenn man imstande ist, den Wert , der
Vorräte jederzeit festzustellen. Und daran scheitern wohl die meisten
Versuche, die gemacht wurden, dieses Problem zu lösen. Wie der
Kaufmann nur durch Aufnahme (Inventur) und Bewertung der
Vorräte in der Lage ist, den Stand seines Vermögens und den Er-
folg zu ermitteln, so kann auch der Industrielle den Fabrikations-
erfolg nur durch Inventur der Vorräte völlig genau bestimmen.

1. Eine annähernd richtige Gewinnermittelung ist möglich, wenn
sich der Selbstkostenpreis eines Fabrikates indi-
viduell genau bestimmen läßt; dann gibt die Nachkalkulation
ein annähernd richtiges Bild vom Erfolg. Eine ziffernmäßig ge-
naue Feststellung ist auch hier nicht durchführbar, weil die Kosten-
zuschläge in der Kalkulation nie ganz genau die tatsächlichen Un-
kosten decken. Eine derartige Gewinnaufstellung kann beispiels-
weise folgende Form haben:

•s*  |s  «M	Name des Käufers	Gegen-  stand	Wert des ver- brauchten Materials		direkte  Löhne		Aufschlag			Summe  der  Selbst-  kosten		Ver-  kaufs-  preis		Gewinn		Verlust	
II  2148	N. Weber	Bohr-  maschine	1475	80	628	50	50 °/o	314	25	2418	55	2700	—	281	45		

Ein anderes Schema (Kesselschmiede):

Kalkulation: Kessel...........qm, Heizfläche............Atm.,

Leistung........PS, Preis:...........
        <pb n="284" />
        ﻿278

Das Schema für die (2.) Nachberechnung ist das gleiche; die
Dauer der Herstellung wird angegeben.

Anzahl und Überschriften der Spalten werden sich dem im
Betriebe eingeführten Kalk ulationsschema anpassen. Eine solche
Kalkulations- bzw. Kentabilitätsübersicht wird anwendbar sein in
Maschinenfabriken, Brückenbauanstalten, Eisenkonstruktionswerk-
stätten usw., kurz in Betrieben mit individuell bestimmbaren Kosten-
preisen. Es ist vorteilhaft, in solchen Unternehmungen einen der-
artigen Nachweis fortlaufend zu führen. Zunächst wird der Be-
triebserfolg zergliedert ; er kann in besonderen Zusammenstellungen
auf die einzelnen Abteilungen verteilt werden.1 Andererseits ergeben
die Schlußsummen — die Spalten senkrecht aufaddiert — wertvolle
Kontrollziffern. Insbesondere wird es sich zeigen, ob die gewählten
Unkostenzuschläge die tatsächlichen Ausgaben decken, ob der Vor-
anschlag richtig berechnet war, daß ein Betriebsgewinn durch Nach-
lieferungen, Nacharbeit u. ä. als Folge schlechter Ausführung ab-
sorbiert wurde u. a. m.

Der umstehende Monatsbericht einer Bergbau-Unternehmung
gibt eine Gesamtübersicht über den Wirtschaftserfolg eines Groß-
betriebes und seiner Teile.

2. Der erste Berechnungsmodus stützt sich auf die Gewinn-
bestimmung im Einzelfall und auf die Zusammenstellung der bisher
getätigten Verkäufe mit ihren Erfolgen oder Mißerfolgen gegenüber
den errechneten Selbstkosten.

Ein anderer Lösungsversuch will dem Ziel näher kommen durch
fortlaufendeÜbersichtüber den Wert der Bestände,
        <pb n="285" />
        ﻿
        <pb n="286" />
        ﻿280

die zur Gewinnermittelung notwendig sind, ohne In-
venturaufnahme. Unter den buchmäßig aufgezeichneten Be-
ständen sind solche, deren Buchwert mit dem Tageswert bzw. mit dem
Bilanzwert vollständig oder nahezu übereinstimmt, zi B. Kasse, Hypo-
theken, Bankguthaben, oder sich leicht durch Berechnung bestimmen
lassen, z. B. Außenstände und Anlagewerte unter Berücksichtigung
der Abschreibungen, abgesehen von außerordentlichen Entwertungen.
Bei anderen Konten stimmen Saldo und Bilanzwert nicht überein:
Konten, auf denen Bestände und Umsatzerfolge gleichzeitig ver-
rechnet werden, die sogenannten Bestanderfolgskonten, wie Waren-
konto, ’ Fabrikationskonto etc. Wo nur eine geringe Zahl von Waren-
sorten in Betracht kommt, wird es möglich sein, durch buchmäßige
Aufzeichnung der Zugänge und der Abgänge jederzeit den Lager-
bestand festzustellen (Brauereien, Malz;-, Zement-, Zuckerfabriken,
Mühlen) und den Istbestand durch gelegentliche Stichproben während
des Betriebsjahres zu kontrollieren. Zweckentsprechende Anordnung
der Lagerbestände (Gruppenlager, Gestelle, Fächer) unter Auf-
schreibungen der Lagerveränderungen (nach Mengen und Wert; ge-
bundene Bücher, lose Blätter, Kartenregister, Steckkarten an den
Lagerorten), Verbuchung der Veränderungen sofort und einzeln für
jeden Posten oder nachträglich und summarisch (Eingangsscheine,
Stücklisten, Materialverlangzettel u. dgl.), endlich eine scharfe Kon-
trolle der einzelnen Aufzeichnungen und gelegentliche (Aufnahme
der tatsächlichen Bestände in natura sind die grundsätzlichen Vor-
aussetzungen für das Gelingen der ständigen Inventur1).

Am einfachsten ist die monatliche Rentabilitätsberechnung, wenn
die Lagerbestände leicht ermittelt werden können. Der Erfolg läßt
sich dann nach folgender Aufstellung berechnen:

(Monatlicher Verkaufswert + Schließlicher Monatsbestand) abzüglich:

Mk. 135 480,—	4-	49 800,—

Anfangsbestand	-f- Monatsproduktion = Gewinn

56 800,—	+	123 000,-= 5480,—

Für eine derartige Aufstellung ist Voraussetzung, daß alle
Unkosten aufgeteilt und im Produktionswert verrechnet sind (vgl.
dazu die Unkostenstatistik S. 147).

Ganz anders gestaltet sich die Lösung der Aufgabe, wenn es
nicht möglich ist, den Gewinn eines jeden Warenverkaufes zu er-
mitteln. Hier muß versucht werden, aus den Zahlen der Betriebs-
rechnung oder durch die kaufmännische Buchführung ein einiger-
maßen verläßliches Resultat zu erzielen. Einige Versuche sollen
hier mitgeteilt werden.

*) Grull, Die Inventur. Berlin 1911. S. 156—212. Foeil, Monatliche
Gewinn- und Verlustermittelung in Fabriken, erläutert an Beispielen. Berlin 1909.
        <pb n="287" />
        ﻿a) Johanning (a. a. 0. S. 102) verwendet folgendes Schema
(nach einigen Umstellungen wiedergegeben):

A: Bestand am Ende des Monats lt. Lagerbücher

1.	an Rohstoffen........................Mk. 3 000,—

2.	an fertigen Maschinenteilen ...	„	—

3.	an fertigen Maschinen................ „ 38 000,—

Verkauf des betreffenden Monats (nach den Ausgabe-
büchern) .............................. „

Lieferungen für eigenen Bedarf (zum Selbstkosten-
preis) ....................................•	.	—

Summe A Mk. 41 000,—

B: Bestand am Anfang des Monats lt. Lagerbücher

1. an Rohstoffen........................Mk. 18 000,—

2. an fertigen Maschinenteilen (Halbfabri-		
kate)			,v?
3. an fertigen Maschinen			„ 20000,—
Gesamtlöhne für den Monat (lt.	Lohnabrechnung)	„ 2000,-
Gesamtunkosten für den Monat (aus den kaufmänni-		
sehen Büchern) 			„ 1000,-
und zwar: Verwaltung	.	. Mk. 600,—	
Betrieb .	.	.	.	300,-	
Betriebsmaterial	. . .. 80,-	
Reparaturen	• • „ '20,	

Summe B Mk. 41000,—
Der Gewinn = Summe A — Summe B.

Wir haben in dem angeführten Zahlenbeispiel angenommen,
daß nichts verkauft, hingegen für Mk. 18 000,— neue Wagen —

richtig kalkuliert mit Mk. 15 000,----j- 3000,— -— erzeugt wurden.

Bei der Verwendung dieser Rentabilitätsformel ist der Wert des im
Laufe des Monats eingekauften Materials von der Summe A abzu-
zahlen, was Johanning allerdings nicht angibt. Angenommejn,
wir würden im nächsten Monat den Betrieb einstellen, hingegen
alle Warenvorräte mit Mk. 45 000,— verkaufen und es würden
infolge früherer Bestellungen Mk. 10000,:— Rohstoffe eintreffen.
Nach der obenstehenden Formel würden sich die Summen wie folgt
berechnen:

Summe A: Rohstoffe 13 000,— -j- Verkauf 45 000,— Mk. 58 000
Summe B: Rohstoffe 3000,— -f- Fabrikate 38 000,—

-f- Unkosten 1000,— .....	,, 42000

(Scheinbarer Gewinn!)	Unterschied Mk. 16 000

Der Gewinn beträgt nur Mk. 7000,—, abzüglich Mk. 1000,— Kosten.
        <pb n="288" />
        ﻿282

Das angegebene .Verfahren bedingt eine fortgesetzte Kontrolle
der Lagerbestände und dürfte nur in Betrieben anwendbar sein, die
mit wenigen Sorten Rohmaterial zu rechnen haben und dadurch in
der Lage sind, Zu- und Abgänge in den Lagerbüchem ordnungs-
mäßig z#i verzeichnen. Auch wird vorausgesetzt, daß der Wert
der Fabrikate und Halbfabrikate sich ohne weiteres bestimmen läßt.

b) Eine Waggonbauanstalt, die nur auf Bestellung hin produziert,
rechnet monatlich den Bruttogewinn wie folgtx):

Arbeitslöhne (produktive)		Mk. . . .
Materialien	 .	.	
Unkosten	 ...	,, ...
Ausgaben	Mk. . . .
Einnahmen aus Verkäufen		D	...
Unterschied  -j- Mehrbetrag 1 der Halbfabrikate am Ende — Minderbetrag f des Monats oder des Jahres	Mk. . . .
gegen Monats(Jahres)anfang		Mk. . . .
-f- Erlös für Altmaterial		
Bruttogewinn	Mk. . . .
-f- Zinsen, außerordentliche Gewinne ....	Mk. . . .
-5— Abschreibungen		 . .	Mk. . . .

c)	Eine scheinbar reicht einfache Formel ist in einigen Lehr-
büchern über Fabrikbuchhaltung zu finden: Man ermittelt allmonat-
lich den Verbrauch an Materialien, direkten Löhnen und allgemeinen
Unkosten = 2 V, dann den Wert des monatlichen Warenverkaufes,
der in Arbeit befindlichen Waren sowie der für den eigenen Bedarf
erzeugten Fabrikate = 2 P. Der Gewinn ist dann gleich der Differenz
von 2 P und 2 V.

Diese Formel ist ganz falsch;, sie bedeutet so viel als: wenn
ein Kaufmann in einem Monat für Mk. 30000 Waren verkauft und
im gleichen Monat Mk. 2000 Unkosten hat, dann sind Mk. 28 000
als Monatsgewinn anzusehen! Die angeführte Formel ist nur dann
richtig, wenn auf Bestellung gearbeitete und nur die Fabrikate
des betreffenden Monats in dieser Zeit auch verkauft werden, oder
wenn die Verbrauchs- und Produktionsziffern aller, auch die vor-
hergehenden Monate einschließlich der Anfangsbestände eingesetzt

') Vgl. Schrey a. a. O. S. 135
        <pb n="289" />
        ﻿283

werden. In anderen Fällen steckt in 2 P der Erlös verkaufter Waren,
deren Verbrauch nicht im Verkaufsmonat verrechnet wurde1).

3.	Die bisher erörterten Berechnungsweisen setzen eine genaue
Selbstkostenberechnung der Fabrikate, d. h. eine vollständige
Verteilung aller Kosten oder eine ständige Inventur
voraus. Wo dies nicht möglich ist, versucht man die monatliche
Gewinn ermittelung durch Anwendung von Durchschnitts-
gewinnen oder durchschnittlichenEinkaufspreisen.

a) Unter der Annahme, daß der Verkaufsgewinn im Durch-
schnitt 25 0/0 vom Umsatz beträgt, berechnet sich der bisherige Brutto-
gewinn recht einfach (Warenhandel):

Vorrat aus dem Vorjahre......................Mk. 11550,—

Wareneingang einschließlich Bezugskosten .	.	„	326 780,—

Mk. 338 330,—

Warenverkauf (nach Abzug der
Retourwaren und Verkaufs-

kosten) ...............Mk. 395 470,—

Abzüglich 25%' Durch-
schnittsgewinn .	.	.	,,	98 867,50

Einkaufswert der verkauften Waren2) .	.	.	. Mk. 296 602,50

Schätzungswert des Lagerbestandes.........Mk. 41727,50

Schade, daß die geschäftlichen Verhältnisse in der Regel nicht
so einfach sind wie diese Berechnungen.

b) Eine andere Berechnungsweise, die nach jedem neuen Ein-
gang von Gütern oder periodenweise den durchschnittlichen
Einkaufspreis (Bestandwert) der Lagerbestände berechnet und
danach den Erfolg des Einzelverkaufs sofort oder nachträglich er-
mittelt, haben wir wie folgt in Vorschlag gebracht.) [Schema S. 284.]

‘) Eine monatliche Gewinnberechnung auf Grund einer statistischen Er-
mittelung der Lagerbestände bringe ich in meinem Buche über die Kontrolle,
1920, S. 149 f. und S. 166 f.

!) Nach Wagner, Über die Organisation der Warenhäuser, Leipzig 1911,
S. 56 f., besteht für jede der zahlreichen Abteilungen eines Warenhauses ein
besonderer Rentabilitätsfaktor, d. h. ein Bruttogewinnzuschlag in Prozenten
vom Einkaufs- und vom Verkaufspreis, so daß sich der Einkaufswert der im
Monat verkauften Waren berechnen läßt.
        <pb n="290" />
        ﻿Eingang

Schema eines Lagerbuches (Waren-Kontos) mit Zwischenabschluß.

Ausgang

Datum		Text	Menge	Einkaufs- preis *)	91  ’©  h  P*  co  •4-»  ’ö  o	Betrag	Datum		Text	Menge	.93  ©  U  Ps  £  3  Ci	Betrag j	9}  *o  t-i  P&lt;  91  'fl  A	Erfolg
					(Q  A								A	
			kg	für 100 kg	3  Q	Mk.				kg	&gt;	Mk.	l  Q	
Jan.	1.	Inventur ....	10 000		15	1500	Febr.	2.	An Müller, Berlin .	20 000	21	4 200	17	+ 800
V	5.	Schubert &amp; Uie. Hamburg . .	.	20 000	18		3 600	&lt;7	10.	„ A. E. G. . . .	30 000	22	6 600	17	+ 1500
Febr.	16.						März	25.	„ B. E. W. . . .	30 000	23	6 900	18,5	+ 1300
		Hecht &amp; Pfeiffer, Berlin ....	30000	17		5100	n	31.	Schlußbestand .	.	10 000		1 850	18,5	
										90 000		19 550		+ 3650
			60 000			17	10 200								
														
März	23.	Bestand Mk.1700.—.	10 000	—	17									
ff	&gt;7	Lieferung von N. N.	30 000	19		5 700								
			40 000	—	18,5									
														
						15 900								
		Gesamtgewinn .	.				3 650								
n	31.					19 550								
April	1.	Bestand (Inventur)	10 000		18,5	1 850			’					

') Kalkulierter Einstandswert frei Magazin.

a) Der Zwischenabschluß kann nach jedem Einkauf erfolgen, dann kann der Gewinn oder Verlust bei dem folgenden
Einzelverkauf sofort berechnet werden (am 23. März), b) Oder man ermittelt periodenweise den durchschnittlichen Einstands,
preis (am 23. März für die bisherigen Einkäufe) und berechnet auf Grund des Ergebnisses nachträglich die Einzelgewinne oder
man begnügt sich mit der summarischen Erfolgsberechnung für diesen Zeitraum, c) Der übliche Endabschluß (hier quartals-
weise) muß die Richtigkeit der Erfolgsspalte durch Übereinstimmung ihrer Summe mit dem Gesamtgewinn ergeben.
        <pb n="291" />
        ﻿285

Die Berechnung zeigt die folgende Aufstellung:

Eingang	Ausgang

l./l. 10 OOOkgzu 15,— Mk. 1500,—
5./2. 20 000 „ „ 18,— „	3 600,—

16.;2.30 000 „ „ 17,— „	5 100,—

60 OuO kg zu 17,—__________

(Durchschnitt) Mk.10200,—

23./3. Bestand 10 000 kg
zu 17.— (D u r c h s c h n.)Mk.l700,—
23./3. Zugang 30 000 kg
zu 18,— (Einkauf) „ 5700,—

10 000 kg zu 17,— l	lii _ ,AA

30 000 „ „ io!- }	=	Mk‘7400

40 000 kg zu durchschnittl. Mk. 18,50
für °/o kg

15./2. 20 000 kg zu 21,— Mk. 4 200,
10./2.30000,, „22— „ 6 600,

25./3. 30 000 kg zu 23,— „ 6 900,

31./3. Schlußbestand

10 000 kg zu 18,50 „ 1 850,
Mk. iy 550,
Einkauf „ 15 900,-
Gesamtgewinn Mk. 3 650,

+ 800
+1500

+1350

+3650

im ein-
zelnen
berech-
net

41 Warenhandels- und Fabrikationsbetriebe, deren Waren- und
Lagerbestände so kompliziert sind, daß eine ständige Inventur im-
möglich oder doch zu teuer ist, versuchen durch zweckentsprechende
Gliederung der Hauptbuchkonten das Problem der Ge-
winnermittelung ohne Inventur zu lösen.

a) Im Warenhandel, trennt man Wareneinkaufs-(ßestands-)
konto und W aren verkauf Skonto (Ergebnis- und Erfolgskonto1 * 3 4 5)).

1. Wareneingangs-Konto.

1. Anfangsbestand	....	1 000  2.	Einkäufe + Kosten ... 32 000  4. Einstandswert der Retour- waren . 		1000	2a. Selbstkostenpreis der Ver- käufe 	 27 000  3. Vergütung der Lieferanten	500  27 500  5. Buchwert des Schlußbe- standes 	 6 500
34 000	34 000
Bestand	 6 500	

2. Waren-Verkaufs-Konto.

2a. Selbstkostenpreis der ver-

kauften Waren ....	27 000

3.	Besondere Verkaufskosten	2 000

4.	Preisvergütung an Käufer	100

5.	Retourwaren (Debitoren)

zum Verkaufswert . . .	1200

30 300

Bruttogewinn ______________8 700

39 000

1.	Verkaufserlös............ 38 000

5. Retourwaren (Warenein-

gangs-Konto), Selbstkosten.	1 000

39 000

*) Leitner, Die doppelte kaufm. Buchhaltung. 4. Aufl., S. 83f.
        <pb n="292" />
        ﻿286

Die Anwendung dieser Buchungsmethode setzt voraus, daß der
Selbstkostenpreis der Verkäufe bestimmbar ist. Trifft dies zu, dann
scheint uns das Verfahren Nr. 1 (S. 277) zweckmäßiger zu sein. Es
vermeidet die Umbuchungen zwischen beiden Konten (Posten 2 a und
Retourwaren).	, 1 i j h j v

Über ein anderes ähnliches Verfahren berichtet Schmalen-
b a e h *).

Konto I.

1. Eingang der Waren zum

Einkaufspreis......... 180 000

3. Übertrag vom Konto II .	40 OOO

220000

Verkaufsgewinn	50000

270000

2.	Umbuchung auf Konto II:

Eingang zu Verkaufs-
preisen ............ 270 000

Konto II (Bestände zu Verkaufspreisen).

1. Eingangzu Verkaufspreisen 270 000

270 000

5. Bestand................. 80 000

2.	Verkaufserlös . . . . . 150 000

3.	Umbuchung des Gewinns

an der noch unverkauften 40 000
Ware....................

4.	Saldo = Bestand zu Ver-
kaufspreisen .............. 80 000

270 000

Dieses Rechnungs- und Buchungsverfahren ist für die Zwecke
der Gewinnermittelung zu umständlich. Die Waren werden hier mit
einem Nutzen von 50 o/o des Einkaufs bzw. mit 33 73°/o des Verkaufs-
preises kalkuliert, so daß die Anwendung des Verfahrens Nr. 3 b)
einfacher erscheint.

b) In Fabrikbetrieben werden, soweit es angeht, Auf-
wand, Produktion, Lager bestand und Verkaufsgewinn kontenförmig
getrennt. Die hier interessierenden Bestand- und Ergebniskonten
sind die folgenden* 2):

a) Das Fabrikate- oder Lagerkonto wird belastet für
die Fertigfabrikate zum Selbstkosten- oder Normalpreis, erkannt fin-
den Selbstkosten- oder Normalpreis der verkauften Waren. Der Saldo
dieses Kontos gibt den Wert der Lagerbestände an.

ß) Das Warenverkaufskonto erhält im Soll den Selbst-
kosten- bzw. den Verrechnungspreis der Verkäufe und die darauf

*) In seiner Zeitschrift, IV. Jahrgang, S. 503.

2) Leitner, a. a. O. S, 2601, 2671
        <pb n="293" />
        ﻿287

lastenden besonderen Verkaufskosten, im Haben den Verkaufserlös
der verkauften Waren. Der Kontensaldo ist gleich dem Brutto-
verkaufsgewinn.

Günther1) gibt folgendes Verfahren an: Materialien und
Löhne werden bekanntlich zunächst einem Hilfskonto belastet, um
nach der Verrechnung den Monatsverbrauch auf die Fabrikations-
konten , zu verteilen. Die beiden Konten haben folgendes Aussehen:

Soll (Eingang)	Materialien-Konto.	Haben (Ausgang)

Bestand laut Inventar .	.	120 237,65	Materialien verbrauch für die	
Zugang und Fracht .	.	.	42 934,25	Fabrikation laut Auftei-	
Nach Bearbeitung ins Maga-		lang		63 499,75
zin zurückkehrende Koh- stoffe einschl. Löhne und 29 °/0 Fabrikationslöhne .	2 605,60	desgl. für Instandhaltung der Maschinen, Gebäude etc		1180,85
	165 777,50	desgl. für Bearbeitung von Lagerbeständen. .	.	.  Saldo		1 385,15 66 065,75 99 711,75

Ausgaben	Lohn-Konto.		Verteilung
Löhne des Monats	. . .	38 257,30	Verteilung auf betriebe Saldo . . .	die Einzel -  	 36 302,20  . . .	1 955,10
Die allgemeinen Unkosten werden auf einem verbucht bzw. zusammengestellt:			gemeinsamen Konto
Ausgaben	Unkosten(sammel)-Konto.		Verteilung
Betriebsspesen .  Verkaufsspesen  (Abschreibungen)	.... 8110,65 .... 4699,30 	 3000,—	Aufteilung . Saldo . . .		 15 270,87

Üf§§|l§

mSm



Das Materialien-Konto zeigt in seinem Saldo den Wert des Vor-
rates an Rohmaterialien und der in Arbeit befindlichen Produkte an,
also kurz den Materialwert des Bestandes. Um den Wert des vor-
rätigen Rohmaterials von jenem der in Arbeit befindlichen Fabrikate
zu trennen, muß versucht werden, die Menge des Materials der Halb-
fabrikate festzustellen; dieser Betrag ist vom Saldo abzuzählen. Ob
dies auf Grund der Materiallisten möglich ist, mag dahingestellt sein.

Das Lohn-Konto und das Unkostensammel-Konto zeigen in ihren
Saldi den Lohn- und Unkosten verbrauch an, der, bis jetzt un ver-
rechnet, auf den in Arbeit befindlichen Produkten lastet. Denn

*) Die rechte Hand des Fabrikanten. Leipzig o. J. S. 62ff.
        <pb n="294" />
        ﻿288

beide Konten haben im Debet den Verbrauch, die Ausgaben, im
Kredit die Verteilung, wobei allerdings vorausgesetzt wird, daß die
Aufteilung erst nach Fertigstellung der Waren erfolgt und
nicht im Verbrauchsmonat! Die Salden geben somit die verausgabten,
aber noch nicht verteilten Kosten an, d. h. die bisherigen Unkosten
der in der Fabrikation verbliebenen Bestände.

Materialienkonto, Lohnkonto und Unkostensammelkonto geben
somit den Wert der Vorräte an, d. h. der Rohstoffe, der Halb-
fabrikate einschließlich der darauf lastenden Kosten (Mk. 99 711,75
-f- 1955,10 -J- 539,08 = Mk. 102205,93). Doch sind in jedem
Monate auch alle vorhergehenden Monatssummen mitzurechnen. Da-
mit wäre also ein Ziel erreicht: annähernde richtige Ermittelung
des Gesamtwertes der Vorräte ohne Inventur.

Der Monats-Gewinn läßt sich wie folgt ermitteln: Man errichtet
zum Zwecke der Rentabilitätsermittelung ein Verbrauchs- oder
Generalbetriebskonto, das den Verbrauch und die Produktion ver-
rechnet.

Ausgaben

V erbrauchs-Konto.

Einnahmen

Inventurbestand:	Koh-,

Hilfsmaterialien, Haib-
und Ganzfabrikate . .	120 237,65

Materialeingang ....	42	934,25

Material u. Lönne für Be-
arbeitung von Lager-
beständen ................ 2 605,60

Löhne.................... 38 257,30

Gesamtunkosten ....	12	809,95

Abschreibungen ....	3 000,—

Gesamtsumme aller bis-
herigen Aufwendungen . 219 844,75
Betriebsgewinn . . .	18 390,38

Erlös der Verkäufe bzw.
Produktionswert fertiger

Waren . ............... 133463,20

Verbrauch zur Bearbeitung
von Lagerbeständen . .	2 566,—

Wert der Vorräte (wie oben

ermittelt).............. 102 205,93

Gesamtwert der bisherigen
Produktion................ 238235,13

Wegen des weiteren Ausbaues dieser Buchungsart ist auf das
angegebene Buch Günthers zu verweisen.

Eine Reihe anderer Versuche wurde unternommen; jedes Jahr
bringt „neue Buchführungsmethoden“, die es sich zur Aufgabe
machen, die Rentabilität jederzeit nachzuweisen. Zumeist viel
Lärm um nichts.

5.	Über sehr brauchbare Mittel, den Bruttogewinn ohne Bücher-
abschluß und ohne Anwendung besonderer Konten-Kunststücke all-
monatlich zu berechnen, verfügt das System der doppelten Buch-
führung in der Konten-, Monats- oder Probebilanz, deren
Zahlen dem Kaufmann und dem Ingenieur einen wertvollen Ein-
blick und eine Übersicht über die Geschäftsgebärung gewähren. Die
        <pb n="295" />
        ﻿289

Monatlicher Kontenauszug,
ergänzt durch Auszüge aus den Betriebsbüchern.

	Sollseite  Vorspalte j Hauptspalte		Habenseite
Rohmaterialien-Konto:			
Bleche	  Bandeisen	  Stabeisen	  Nieten	  Dichtungsmaterialien	  Anstrichmaterialien	  Glaswaren	  Verschiedene	  Frachten		79 049,73 11 215,37 11 651,36 222,73 1611,15  1102,83  1 457,05 424,92 2529,75	109 264,89	
Lohnkonto			22357,61	
Betriebskos^en-Konto:			
Miete. .	....		  Kohlen		  Betriebsmaterialien	, ,  Betriebslöhne, -Gehälter	  Kassenbeiträge	  Versicherungsbeiträge .	.*....  Reparaturenkonto ?		2 250,—  1 241,95 312,76  1 613,98 424,06 573,69  1 274,59	7 691,03	
Handlungskosten-Konto:			
Postgebühren	  Verschiedene	  Reise	  Bürobedarf	  Gehälter	  Skonto-Konto	  Steuern		237,- 1 048,75 796,— 78,25  3 253,40 205,47 32,94	5 651,81	275,73
W aren-Konto:			
Verkäufe	  Ausgangsfrachten, Zinsen, Provisions- Konto 			2 981,44	141 963,89
Neuanlagen:			
Patent-Konto	  Maschinen-Konto ....  Werkzeug-Konto	  Mobilien-Konto	  Immobilien-Konto		2 479,75 268,94 726,20  780,34	4 255,23	
Arbeiterunterstützung	  Debitoren-Konto	  Kreditoren-Konto		  Bank-Konto j*. '	  Wechsel-Konto	  Kassen-Konto	  Akzepten-Konto			30,75 142 426,77 126 710,44 136 081,14 111 560,26 46 399,02 71 894,84	20,80 140 964,04 J 114 698,68 165 123,12 113 608,26 47 616,83 63 024,93
Generalbilanz	•		787 296,28	| "787 296,28
Leitner, Selbstkogteubereehuuug, 7. Aufl.		19
        <pb n="296" />
        ﻿290

Probebilanz eines Monats auf S. 289 ist ergänzt durch Auszüge aus
den Betriebsbüchern. Der Bruttogewinn des Monats wird durch
Gegenüberstellung der Ausgaben und der Leistungen er-
mittelt, Vom Zahlenergebnis ist noch der monatliche Anteil an den
Abschreibungen und den anderen noch nicht verbuchten Kosten
abzuziehen, um dem Beingewinn näher Zu frommen. Voraussetzung
für dieses Verfahren ist die Kenntnis oder Schätzung des Lager-
bestandes.

Monatliche Selbstkosten:

Rohstoffe etc		109 264,89
Löhne		22 357,61
Betriebskosten		7 691,03
Handlungskosten ....	5 651,81
Ausgaben ....	144 965,34
— Skonto		275,73
	144 689,61
— Aktivwerte		143 237,63
Minderwert ....	1 451,98
+ Bestände		29 000,-
Bruttogewinn des Monats ,	27 548,02

Erworben :

Neuanlagen............... 4 255,23

Verkauf . . . 141 963,89
— Frachten . .	2 981,49 138 982,40

143 237,68

Während die hier gezeigte Berechnungsmethode auf einer sinn-
gemäßen Verwendung der Buchzahlen beruht, haben Huber1) und
andere ein mehr mechanisches Verfahren in Vorschlag gebracht,
um ohne Bilanz und ohne Gewinn- und Verlustrechnung am Ende
jedes Monats das Geschäftsergebnis zu ermitteln. Es handelt sich
um eine bestimmt «Gruppierung der Konten des Haupt-
buches: 1, Beine Bestandskonten, die im Laufe des Jahres weder
Gewinn noch Verlust geben. 2. Gemischte Bestandskonten (besser
Bestanderfolgskonten), aus denen sieh Bestände und Erfolge ergeben.

8.	Beine Ergebniskonten (Erfolgskonten), welche Betriebsergebnisse,
keine Bestände liefern. Die Saldi der für den Erfolg maßgebenden
Konten werden zusammengezählt, die Saldodifferenz als „Ergeb-
niszahl“ (Huber, Geifers) wird dem durch Inventur oder
Schätzung ermittelten Wert der Bestände gegenübergestellt. Das Ge-
schäftsergebnis ist dann gleich: Bestandswert -4- Sollsaldo oder Be-
standswert -}- Habensaldo. Eine Analyse der Ergebniszahl führt zu
den vorhin angegebenen Methoden der Gegenüberstellung von Ab-
gaben und Leistungen.

*) Wie liest man eine Bilanz? Stuttgart 1904; Gef fers, Monatliches
Geschäftsergebnis ohne Inventur und ohne Abschluß, Stuttgart (Muth). Vgl.
auch Schär, Der Kaufmann in der Brauerei. Zürich 1905. S. 13.
        <pb n="297" />
        ﻿291

Monatliche Probebilanz.

Konto	Umsatz		Saldo		
	Soll	Haben	Soll	Haben	
I.  Rohmaterialien.	.  Löhne	  Betriebskosten .	.  Handlungskosten . Waren		109 264,89 22 357,61  7 691,63 5 651,81 2 981,49	275,73 141 963,89	109 264,89 22 357,61 7 691,03 5 376,08	138 982,40	1 Ergebnis- j Konten
11.					
Patente .... Maschinen .	.	.  Werkzeuge .	.	.  Mobilien .... Immobilien .	.	.  Arbeits- unterstützung  Debitoren	  Kreditoren .	.	.  Bank	  Wechsel ....  Kasse	  Akzepte ....	2 479,75 268,94 726,20  780,34  30,75 142 426,77 126 701,44 136 081,14 111 560,26 46 399,02 71 894,84	20.80 140 964,04 114 698,68 165 123,12 113 608,26 47 616,83 63 024,93	2 479,75 268,94 726,20  780,34  9,95  1 462,73 12 002,76  8 869,91	29 041,98 2 048,00 1217,81	Neuanlagen &gt; (Bestand- mehrung)
	787 296,28	787 296,28	171290,19	171 290,19	

Die Ergebniskonten (I) liefern als Summe der Saldi:

Soll 144 689,61

— Haben	138 982,40
Ergebniszähl	Soll	5 707,21
ab Neuanlagen1)	4 255,23
Soll	1 451,98 (Vgl. die Zahl S. 290).
ab Bestände	29 000,00
Bruttogewinn	27 548,12 wie früher berechnet.

6.	In manchen Fällen können die kaufmännischen Konten durch
Einschiebung von Zwischenkonten iu erhöhtem Maße den kalku-
latorischen bzw. kontrollierenden Zwecken der Unkostenverrechnung
dienstbar gemacht werden. So werden beispielsweise die tatsächlich
verausgabten Unkosten den verschiedenen Unterkonten des Unkosten-
kontos belastet, für die auf die Einzelbetriebe durch die Selbstkosten-
berechnung verteilten Unkosten ein „Konto verreehneter
Unkosten“2) kreditiert (Buchungssatz: Fabrikationskonto an
Konto verreehneter Unkosten). Das Zwischenkonto: Unkostenver-
rechnungskonto weist im Laufe des Jahres nur einen Kreditsaldo

’) Diese vergessen Huber u. a.

2) Lilienthal, a. a. 0. S. 163 f., S. 186,

19'
        <pb n="298" />
        ﻿*

..

auf. Die Summe der zu verrechnenden Unkosten und jene der durch
Lohnzuschläge etc. tatsächlich verteilten Unkosten werden fast nie
übereinstimmen. Im Wertunterschied werden die zu wenig oder zu
viel verteilten Unkosten zum Ausdruck kommen. Die Differenz wird
den Fabrikationskonten oder einem allgemeinen Erträgniskonto gut-
geschrieben oder belastet.

Ein ähnliches Konto dient zur Kontrolle der verrechneten Ab-
schreibungen. Allmonatlich werden die abgeschätzten Monatsraten
der Abschreibungen einem „Konto kalkulierter Abschrei-
bungen“1) kreditiert, zu Lasten jener Betriebsabteilungen, welche
die Abschreibungsbeträge in den Selbstkosten zu verrechnen haben.
Am Jahresschluß werden die Abschreibungen von den Anlagekonten
abgebueht und einem Abschreibungskonto belastet.

Konto kalkulierter Abschreibungen.

1. Gebäude-Konto . .
Maschinen-Konto etc.

500,-

2. Gewinn- und Verlust-Konto 500,-

Gewinn* und Verlust-Konto.

Abschreibungen .

500,-

Verrechnete Abschreibungen . 490, -

Es sind 10 Geldeinheiten zu wenig verrechnet. Diese Ver-
buchungsweise läßt auch den Charakter der Abschreibungen als
Durchgangsposten erkennen. Man könnte den Saldo des Ab-
schreibung-Verrechnungskontos auch auf Abschreibungskonto über-
tragen und den Unterschied (500—490) auf Gewinn- und Verlust-
konto. Wir wollen die Abschreibungen in der Jahresbilanz ersichtlich
machen; dann müssen die verrechneten Abschreibungen in der ver-
öffentlichten Bilanz mit dem Fabrikationsüberschuß zusammenge-
worfen werden.

Die Verrechnung auf dem vorerwähnten Konto kalkulierter Ab-
schreibungen ist , eine retrograde. Wollte man die progressive Me-
thode anwenden, müßten die Soll a-bschreibungen den tatsächlichen

*) Berliner, Schwierige Fälle der kaufmännischen Buchhaltung. 3. Auf!.,
S. 213 f. Hannover 1909.

2. Gewinn- und Verlust-Konto 490,—	1. Per Fabrikations-	
	Konto I . . . .		?	
	„ II etc. . . .	• • *
		490,-
Abschreibungs-Konto.
        <pb n="299" />
        ﻿I	s t abschreibungen gegenüber gestellt werden. Die7 Monatsraten der
Abschreibungen werden dem Konto verrechneter Abschreibungen be-
lastet, das gewöhnliche Abschreibungssammelkonto kreditiert. Die
Aufwandskonten werden nach der kalkulatorischen Verteilung be-
lastet.

Abschreibungs-Konto.

2. Am Jahresende:

An Gebäude-Konto .... —,—
An Maschinen-Konto etc. . . —,—

Bilanzmäßige Abschreibungen . 520,—

1. Konto verrechneter

Abschreibungen............ 500,—

Monatliche Buchung der zu verrech-
nenden Amortisationen

Konto verrechneter Abschreibungen.

Soll-Abschreibung	Tatsächlich verrechnet

1. An Abschreibungs-Konto	500,-	2. Fabrikations-Konto I . . . —,— „	„ II etc. .  Kraft-Konto	—,—
		490,-

Im ganzen sind 30 zu wenig Abschreibungen verrechnet.

Die außerordentliche Gestaltungsfähigkeit der doppelten Buch-
führung läßt noch eine dritte Methode der Buchung zu. Die Ab-
schreibungen werden in Monatsraten einem Abschreibungs-
reserve-Konto kreditiert, einem Abschreibungskonto belastet.
Bei der monatlichen Gewinnberechnung erscheint Abschreibungs-
reserve-Konto als Passivum, das Abschreibungskonto als Verlust.
Auch die nicht monatlich zahlbaren Unkosten können ähnlich in der
Gewinnberechnung Berücksichtigung finden. Der monatliche An-
teil an Steuern, Versicherungsgebühren etc. wird einem Unkosten -
reserve-Konto zu Lasten des Betriebsunkostenkontos gutge-
schrieben, die Zahlungen hingegen dem Unkostenreserve-Konto be-
lastet. Diese antizipierende Verteilung vermindert den Gewinn und
vermehrt die bereits bezahlten Betriebskosten1).

Rentabilitätsber e clinun gen.

§ 64. Die Rentabilitätsberechnung hat entweder den Rein-
ertrag der ganzen Unternehmung im Auge —- Beispiel: Monatliche
Ermittelung des Erfolges, Gründungspläne — oder sie untersucht
die Rentabilität einzelner Betriebsabteilungen, einzelner Arbeits-

') Vgl. Foell, Monatliche Gewinn- und Verlustermittlung in Fabrikbetrieben.
Berlin 1909. S. 21 u. a.
        <pb n="300" />
        ﻿
        <pb n="301" />
        ﻿295

2.	Beispiel.

Im folgenden Beispiel einer Vergleichungsrechnung
(Voranschlag) handelt es sich um die kalkulatorische Untersuchung
der Frage, ob für eine bestimmte Fabrik die Errichtung eines
eigenen .Wasserwerkes billiger ist als die Benutzung des
städtischen Wassers, das ohne Gewähr für die Zuführung der er-
forderlichen Mengen zu 6 Pfennig je Kubikmeter Wasser bezogen
werden könnte.

Ergebnis: Die Errichtung eines eigenen Wasserwerkes ist rech-
nungsmäßig unrentabel, wenn nicht andere wirtschaftliche Erwä-
gungen dafür sprechen. Würden Abschreibungen und Verzinsungen
entfallen, etwa durch Übernahme der Baukosten seitens einer Behörde,

käme ein Kubikmeter Wasser nur auf (y^qqqq) = etwa ^&gt;7 Pfennig.

Die rechnungsmäßige Ersparnis gegenüber der Entnahme aus
dem städtischen Wasserwerk durch Eigenversorgung betrüge
(170 000.3,3 =) 5610 Mk., die Richtigkeit des Bau- und Betriebs-
kostenvoranschlages vorausgesetzt.

Selbstkosten für 1! cbm Wasser bei Errichtung einer
eigenen Wasserversorgung,
a) Der Bedarf an Betriebswasser beträgt normal 14 cbm
für die Stunde, in den heißen Monaten bei Verbrauch von Kühlwasser
63 cbm für die Stunde.

Es wird angenommen, daß während zweier Monate in der Tages-
schicht Kühlwasser gebraucht wird. Der Jahresverbrauch bei un-

unterbrochenem 24stündigem Betrieb ist dann:

zu 330 Tage. 24.14 ..................... . . = 110 880 .cbm

„ 30 „ .24.63 . . . . . . . . . . = 45 360 „
für Unvorhergesehenes (Feuerlöschzwecke usw.) = 13 760 „

= 170000 cbm

b) Das Gebrauchswasser beträgt für 250 Mann zu je 100 1
pro Tag 250.0,1.360 = 9000 cbm im Jahr.

Dieses Gebrauchswasser wird auf alle Fälle aus der städtischen
Leitung von 100 mm Durchmesser und 2 Atm. Druck entnommen
und scheidet bei der aufzustellenden Vergleichsrechnung aus.

I. Betriebskosten.

Jede der drei vorgesehenen Tief pumpen fördert 45 cbm stünd-
lich bei einer Gesamtförderhöhe von 40 m. Der Kraftbedarf einer
Pumpe errechnet sich zu:

45 cbm . 40 m . 1000.1,5
60.60.75

10 PS.
        <pb n="302" />
        ﻿296

Zur Förderung von 170000 cbm werden gebraucht:

25765 Kw.-Std. i. J.

35050 PS.-Std. jährlich;

Eine Kilowattstunde kostet 6 Pfg.

Stromkosten im Jahr 25 765.6 Pfg. =	..... Mk. 1 546,—

Anteilige Kosten für Bedienung
Putz- und Schmiermittel .	.

1500 —
254 —

Jährliche Betriebskosten Mk. 3 300,—

II. Die Anlagekosten für die eigene Wasserversorgung
setzen sich zusammen wie folgt:

Für den maschinellen Teil......................Mk. 40000,—

Für die Ilohrbrunnen und Rohrleitung ....	„	45 000,—

Für den Wasserturm, Mehrkosten gegenüber dem
im Untergeschoß errichteten Turbinenhaus . .	„	90000,—

Zusammen: Mk. 175 0Q0,—

Es bleiben zu rechnen:

Für Instandhaltung 3/4 o/o von Mk. 175 000 . rd. Mk. 1300,—
Für Abschreibung und Verzinsung der Anlagen

10 o/o =

17 500 —

Zusammen: Mk. 18 800,—

Mithin stellen sich die Gesamtausgaben im Jahr:

Für Betriebskosten

Mk. 3 300 —

Für Instandhaltung, Abschreibungen, Zinsen . .	,,18 800,—

Zusammen: Mk. 22 100,

1 cbm Wasser kostet demnach:

§ 65. Eine größere Rentabilität einer Unternehmung kann
durch Vermehrung des Umsatzes oder durch Ver-
minderung der Selbstkosten erzielt werden. Angenommen,
eine Fabrik hätte bei einem Umsatz von 1098 000 Mk. eine Unter-
bilanz erzielt und untersucht nun die einzelnen Faktoren der Selbst-
kostenberechnung und findet, daß der Umsatz um etwa 70o/o erhöht,
sowie der durchschnittliche Kostenaufschlag von 185 o/o auf ca.
120o/o herabgedrückt werden muß, wenn die Fabrik wieder eine
        <pb n="303" />
        ﻿



— 297 —

Rentabilität erzielen soll. Die summarische Zusammenstellung der
Selbstkosten ergibt einen 8o/oigen Verlust vom Umsatz wie folgt:

Materialkosten

Arbeitslöhne

Unkosten

494 200 = 45 o/o
243 620 = 22o/o
449 510 = 41«P/o

vom Umsatz
(bzw. 36,l°/o)

108 o/o;	(bzw. 103,1 o/o)

Da in den Unkosten 53 350 Mk. Zinsen des Anlagekapitals
eingerechnet sind, vermindert sich der Verlust um diesen Betrag
(103,1 o/o).

Der Unternehmer glaubt an die Möglichkeit, seinem Betriebe
einen größeren Anteil an der Bedarfsdeckung sichern zu können.
Nun muß untersucht werden, wie sich die einzelnen Kosteneleniente
zu dem vermehrten Umsatz verhalten und wie groß die Summe
der jährlich bezahlten Fäbrikationslöhne sein muß, um auf den
durchschnittlichen Aufschlag von 120 o/o zu kommen.

I. Handlungsunkosten a) Variable Kosten:	im Vorjahre:	Geschätzt für die Steigerung des Umsatzes
Porto, Telegramme	4220	5 620
Frachten, Bureaubedarf	4580	6 380
Provisionen	4 800	6 400
Sozialversicherung	7 600	11400
Steuern	5280	7 880
Zinsen, Skonto	5 700	7100
Reklame	8 720	12320
Reisespesen	35 300	35 300
	76 200	92400
b) Konstante Kosten	(Einzelheiten	weggelassen):

Hypothekenzinsen, Sachversicherung, vertrags-
mäßige Tantiemen, Gratifikationen............Mk. 151 000,—

Abschreibungen	(bereits reichlich bemessen)'	.	.	„	41600,—

Verzinsung	des	Kapitals........................ „	53 350,—

Mk. 245 950,—
H-	„	92400,-

Zusammen:	Mk.	338 350,—

(Schätzung)

II. Werkstattunkosten (unmittelbar durch festliegende
Kommissionsnummern und Unkostenstatistik verteilbar). Die Einzel-
heiten der Berechnung bleiben hier weg. Im letzten Jahr wurden
78 720 Mk. Unkosten, einschließlich der Reparaturen, bezahlt. Diese
Summe dürfte sich nach den Einzelberechnungen auf 94 240 Mk.
erhöhen.
        <pb n="304" />
        ﻿.





-

. l	-V - -• '

■ .

Werk-  statt	1. Fabrikations- löhne (Geschäft)	2. Direkte Handlungs- Unkosten (Va)	3. Werkstatt- kosten (II)	4. Kraft (III)	5. Allgemeine Betriebs- und Handlungs- unkosten  52 °/o	6. Summe der Spalten 1-5	7. Lohn- anfschlag (abge- rundet)
1	187 200 —	82 642,—	32 634,-	20 700,—	97 530,-	233 506,—	125
2	16 800,-	3 338,-	3 766,—	798,-	8 750, -	16 652,—	100
3	67 500,—	32 198,-	17 500,—	14 540,-	35 160,—	99 398,—	150
4	48 000.—	10 088,—	5 046,—	798,-	25 000,—	40 932,-	85
5	89 600,—	11 506,—	33 334,—	2 026,-	46 680,—	93 546,—	105
6	13 000,-	2 798,—	1 960,—	798,—	6 760,-	12 316,-	95
	422 100,-	142 570,—	94 240,-	39 660,—	219 880,— &gt;)	496 350,—	117,6

!) Variable Unkosten 92 400,—, davon in der Tabelle, Spalte 2 verrechnet 47 620,—
Konstante „	245 950,—	„	„	,,	„	,.	2	„	94 950,—

338 350,-

bereits verrechnet................. 142 570,-

195 780,— bleiben noch zn verteilen
-f- 24100,— Betriebskosten (IV)

219 880,— auf Mk. 422 100,— werbende Löhne = 52 °/o Zuschlag.
        <pb n="305" />
        ﻿299

III.	Die Kosten, der Kraftzentrale (Bedienung, Hilfs-
materialien, Reparaturen) erhöhen sich von 28 740 Mk. durch die
größere Beanspruchung voraussichtlich auf 39 760 Mk.

IV.	Unter den allgemeinen Kosten sind einige wenige
konstant, z. B. Reparaturen an Verwaltungsgebäuden, andere erhöhen
sich, infolge der größeren Betriebsintensität. Darauf hat die Be-
rechnung Rücksicht zu nehmen. Die Gesamtsumme steigt von
19 900 Mk. auf 24 100 Mk.

V.	Für die Verteilung der Unkosten auf die einzelnen Werk-
stätten müssen die Handlungsunkosten anders gruppiert werden,
a) Für die einzelnen Werkstätten unmittelbar zu ermitteln sind:
Abschreibungen, Kapitalzinsen (hier als Selbstkostenfaktor einge-
rechnet), Reisespesen und Reklame zusammen 138 970 Mk. (vgl. I.),
die sich auf 142 570 Mk. erhöhen, b) Die restlichen Handlungs-
unkosten 182180 Mk., erhöht auf 195 780 Mk., werden in dieser
Fabrik wie die allgemeinen Betriebsunkosten im Verhältnis der pro-
duktiven Löhne auf dfe Werkstätten verteilt. Die Kraftkosten werden
entsprechend dem größeren Kraftverbrauch aufgeteilt (Tabelle S. 298).

Legt man der Berechnung die gleichen Prozentanteile des Um-
satzes wie früher zugrunde, ergibt sich ein Umsatz von

Davon entfallen 45 0/0 auf Materialkosten (ange- nommen der gleiche durchschnittliche Markt- preis wie im Vorjahre)		Mk.	1918 600 —  863 370,—
22o/o Lohnkosten (Lohnsteigerungen nicht ein- gerechnet) ..............		422 100,—
Die Unkosten sind entsprechend geringer = 25,9o/o vom Umsatz		5)	496 350 —
Berechnete Selbstkosten (einschl. 53 350 Mk. Kapitalzinsen)			Mk.	1781820,—
Es bleibt rechnungsmäßig ein Nutzen von .	.	Mk.	136 780,—
-f- Kapitalzinsen	y&gt;	53 350,—
Gesamtgewinn	Mk.	190130,—

das sind zusammen 7 2/10°/o vom Umsatz oder 7 8/10 °/o von den
Selbstkosten, bzw. einschließlich der Kapitalzinsen 9,9 o/o Umsatz-
gewinn, oder 10,7 o/o der Selbstkosten.

Die in Aussicht, genommene Erhöhung des Umsatzes verringert
wegen der konstanten und der degressiven Kosten den Lohnauf-
schlag für Unkosten. Dieser Lohnaufschlag betrug im Verlustjahr
(243 620:449 510) etwa 185o/o. Nach der Annahme des Unter-
nehmers würde ein Herabdrücken dieses Aufschlages auf 120 o/o
oder eine Erhöhung der Produktionslöhne um 54»/0 (154 Mk. Lohn
zu 120o/o Unkosten — 185 Mk. Unkosten) die Unterbilanz beseitigen.
        <pb n="306" />
        ﻿— 300 —

Entsprechend müßte der Umsatz bei 185 Mk. Unkosten von 455 (22o/0
Löhne = 100; Unkosten = 185) auf 700 Mk. steigen, d. h. um
etwa 54o/o gesteigert werden (22 o/o‘ = 154 Mk. Löhne, Unkosten
185 = 120o/o der Löhne). In der Berechnung wurde eine Ümsatz-
steigerung von 75_%| angenommen.

§ 66. Im Anschluß an die dargestellte Umsatzberechnung soll
noch einmal auf den Einfluß der festen Unkosten auf die Selbst-
kosten eingegangen werden. Angenommen, eine Fabrik hätte mit
einer 80 0/0 Ausnutzung ihrer Produktionsfähigkeit als Normale zu
rechnen und kommt in die Lage (Konjunktur), mit voller Aus-
nutzung, also lOOp/01, arbeiten zu können. Die übliche Durch-
schnittskalkulation für die Gesamtproduktion er-
gibt wegen des größeren Umsatzes und verhältnismäßigen Minderung
des Anteils an konstanten Kosten einen geringeren durchschnittlichen
Herstellungswert für die Produktionseinheit. Ein schematisches
Zahlenbeispiel: Normale Erzeugung 800 t, unmittelbare Kosten (für
Materialien, Löhne, Betrieb) 30 Mk. für 1: t; die eisernen Kosten
betragen 40 000 Mk., für 1 t demnach 50 Mk.; Selbstkosten 50 Mk.,
Verkaufspreis 90 Mk. für 1 t. Steigt die Erzeugung auf 1000 t
jährlich, sinken bei einer Durchschnittsrechnung die feststehenden
Kosten auf 40 Mk., die Selbstkosten auf 70 Mk. für 1 t. Der Ver-
kauf sgewinn bei gleichen Verkaufspreisen steigt von 12,5_°/o auf

28,6	0/0, die Selbstkosten sinken um 121/2°/o.

800 t		%	t	1000 t	&gt;	t
Direkte Kosten	24000	37,5	30	30 000	42«,	30
Konstante Kosten	40 000	62,5	50	40 000	57 •/,	40
Selbstkosten	64 000	100	80	70000	100	70
Gewinn	8 000	12,5	10	20 000	28	20
Verkaufserlös	72 000	112,5	90	90 000	128,6	90

Dieser Durchschnittskalkulation kann man eine Differenz-
kalkulation gegenüberstellen, dabei die Normalproduktion mit
den gesamten eisernen Kosten belasten, diese der Mehrproduktion
nicht anrechnen:

Selbstkosten 1 für 800 t, wie oben 64 000"Mk.

Gewinn f	8 000 V„

72 000 Mk.

Selbstkosten 1 für 200 t Mehrproduktion 6 000 Mk.

Gewinn I	12,000 „

18 000 Mk.

Nach dieser Berechnung ist der Gewinn bei der Normalproduk-
tion 10 Mk. (== 12,5p/o), für die Mehrproduktion 60 Mk. für 1 t
        <pb n="307" />
        ﻿301

(= 200% der Selbstkosten;, ein rechnerisch richtiges, wirtschaft-
lich-kalkulatorisch ein unmögliches Ergebnis. Bei einem fest-
stehenden Verkaufspreis von 90 Mk. braucht man (30x-j-40 000
= 90 x) einen Mindestumsatz von 666 2/s t, tun durch den Ver-
kaufserlös sämtliche Kosten (666 2/3.30 x -j- 40 000 = 60 000) zu
decken. Bei einer Produktion über die Mindestmenge hinaus wird
Gewinn erzielt. Auf eine Tonne Mindesterzeugung entfallen neben
30 Mk. direkte noch 60 Mk. feste Kosten. Für jede Tonne Mehr-
produktion mindert sich der durchschnittliche Kostenpreis nach dem
bekannten Gesetz der Praxis: Die letzte Elle ist die billigste:

die	1. der Mehrproduktion kostet		9 Pfg. weniger an		festen Kosten
11	10. „	11 11	88 „	11	ii	ii
11	100. „	11 11	783 „	■ 11 11	31	11
11	133'/s. „	11 ’&gt;*•	1000 „	11 11	11 11
11	3332/a. „	11 11	2000 „	11 11	11 11

Der Gewinn für jede Tonne der Mehrproduktion muß, als natürliche
Folge der sinkenden Produktionskosten auf die Einheit und im
Durchschnitt gerechnet, gleichfalls ansteigen.

Die Differenzberechnung verteilt den Gewinn auf die Normal-
und die Mehrproduktion in einer von der üblichen abweichenden
Weise. Tatsache ist, daß die Preispolitik des Unternehmers wegen der
sinkenden Selbstkosten beeinflußt werden kann. Er könnte den Ver-
kaufspreis der Gesamtproduktion herabsetzen oder die Mehrproduktion
billiger veräußern1), um etwa ein neues Absatzgebiet zu erobern;
man könnte bei der Preisberechnung für die Mehrproduktion sogar
bis zum Betrage der Herstellungskosten (70 Mk.) heruntergehen
(800 t zu 70 Mk. durchschnittliche Selbstkosten, Gewinn 16 000 Mk.;
200 t zu 70 Mk., ohne Nutzen) und auf einen Gewinn verzichten;
der Unternehmer kann die Mehrproduktion anstatt mit einer dem
Mengenverhältnis (8:2) entsprechenden Quote mit einer geringeren
belasten usf. Preispolitische Erwägungen dieser Art stehen aber
mit einer genauen Kostenberechnung nur in einem losem: Zusammen-
hang.

Das Leitmotiv eines jeden Industriekaufmanns ist: Die Span-
nung zwischen Selbstkosten und Gewinnquote vergrößern, mit den
kleinsten Mitteln die größtmögliche Wirkung erzielen. Die Mittel

’) Ein praktisches Beispiel bringt Le Coutre (die Preisentwicklung in
der Steinkohlengasindustrie, Schriften des Vereins für Sozialpolitik, 142. Band,
1914, S. 77): Der Preisgestaltung wird eine Abnahmemenge zugrunde gelegt und
auf diese die Kosten für Amortisation, Löhne usw. berechnet. Jede Mehrpro-
duktion verursacht nur Kosten ftir Kohlen und Beheizung sowie eine geringe
Abnutzungsquote für Ofenverbrauch. Gas, das außer der Lichtbedarfszeit ab-
gegeben wird, kann infolgedessen billiger abgegeben werden. (Koch-, Heizgas,
Gas für industrielle Zwecke.)
        <pb n="308" />
        ﻿302 —

zur Erreichung dieses gelbst- uud Geschäftsinteresses sind ver-
schieden. Kombination durch Angliederung von Unterneh-
mungen verschiedener Produktionsstufen, um durch Selbsterzeugung
notwendiger .Vorprodukte bzw. -Verarbeitung von Zwischen-, Abfall-
und Nebenprodukten die zwischenhändlerischen Gewinne ' auszu-
schalten, die Konzentration kaufmännischer und technischer Ver-
waltungsarbeit zu ermöglichen (z. B. Eisen- und Stahlindustrie:
Erzbergbau, Kohlenzechen, Aufbereitung und Verarbeitung des
Eisens; Bierbrauerei: Selbsterzeugung von Malz). Angliederung von
Kompensationsbetrieben, um Beschäftigungs- und Gewinn-
ausfälle — die normalen und die durch die wechselnde Konjunktur
verursachten — des einen Werkbetriebes durch Produktion in einem
andern auszugleichen (Vorteil der Arbeiterverschiebungen innerhalb)
des Betriebes ohne Arbeiterentlassungen und Ausschaltung der Nach-
teile wechselnder Arbeiterbestände). Verbilligung der Produktions-
kosten durch Einführung von Arbeitsmaschinen und neuen
Herstellungsverfahren, Spezialisation der Erzeugung, also
Mittel der innern betriebswirtschaftlichen Organisation. Erhöhung
des Umsatzes oder der Verkaufspreise, Erzeugung neuer
marktfähiger Fabrikate; Kartellbildung und Interessen-
gemeinschaft der Mitbewerber, Fusion, Beteiligung und
wie die Kampfmittel der organisierten oder nicht organisierten aber
machtvollen Unternehmer heißen mögen.

Die wirtschaftspolitische Analyse der Selbstkosten einer Unter-
nehmung in der Absicht, die oben erwähnte Spannung zu ver-
bessern, hat zu berücksichtigen, daß der Unternehmer gewissen
betriebswirtschaftlichen Tatsachen mehr oder weniger machtlos gegen-
übersteht. Es sind zunächst Einflüsse, die sich aus der sozialwirt-
schaftlichen Verkettung der Einzelwirtschaften innerhalb einer staats-
und volkswirtschaftlichen Gesamtheit ergeben und von außen her
auf die eigene Betriebswirtschaft einwirken: die Handels-, Eisen-
bahntarif-, Steuerpolitik eines Staates oder einer Staatengemeinschaft,
die soziale Gesetzgebung, der Zinssatz für Leihkapitalien, Marktlage
und Preise für Marktprodukte. Dann privatwirtschaftliche Maß-
nahmen von Interessenverbänden wie die Preispolitik der Kartelle,
die Lohnpolitik der Arbeitnehmerverbände. Endlich einzelwirtschaft-
liche Abhängigkeiten von andern Unternehmungen (z. B. übermäßige
Verbrauchsabschreibung bei schlechter Ausführung von eingekauften
Maschinen), vom Arbeiter, vom Standort der Unternehmung (Löhne,
Bodenpreise). Ob eine Fabrik im Osten oder im Westen, an der
Küste oder im Süden des Reiches, in den Großstädten oder auf dem
Lande liegt, ist für die Selbstkosten nicht gleichgültig.

Eine kritische Prüfung der Selbstkosten auf
ihre kausalen Zusammenhänge und gegenseitigen
        <pb n="309" />
        ﻿803

Bedingtheiten hat zur Voraussetzung, daß die ab-
soluten Kostenzahlen in Verhältniszahlen umge-
rechnet werden1). Um einige Beispiele zu nennen: Der Pro-
zentanteil der Selbstkostenteile zum Gesamtkostenbetrag der Fabrikate,
das Verhältnis der Zusammensetzung -der Einzelkosten zum Gesamt-
betrag (Kraftkosten — 10%: Arbeitslöhne, Kohlen-, Materialver-
brauch in %, dann für eine PS-Stunde); in beiden Fällen wird der
Einfluß einer Veränderung in den Einzelkosten auf die Gesamtkosten
zum Ausdruck kommen. Das Verhältnis des Kostenaufwandes zur
Leistungseinheit (PS für die Kraftkosten; Menge der verarbeiteten
Rohstoffe auf einen Arbeiter, für 100 Mk. Umsatz u. a.), zur Leistungs-
zeit (stündlicher, täglicher Kostenverhrauch).

Eine solche weitgehende Würdigung der Selbstkosten wird den
Unternehmer zum Nachdenken veranlassen, ob und durch welche
Mittel er die nicht gewollten Einflüsse auf seine Unternehmungs-
kosten ausgleiehen kann; in der Mehrzahl der Fälle wird das Er-
gebnis der Kritik zu'dem Versuch führen, durch betriebswirtschaft-
liche Maßnahmen das gesteckte Ziel zu erreichen: ganz allgemein
gesprochen, durch eine Verbesserung der Betriebs- oder der Ver-
triebsorganisation.

Wie weit der Unternehmer in der angedeuteten Zerlegung und
wirtschaftlichen Genauigkeit seiner Berechnungen, insbesondere hin-
sichtlich der Anteilskosten, geht, hängt, wie schon früher erwähnt,
von den ökonomischen Grenzen ab, die er sich wegen des
Kostenaufwandes für eine richtige Kostenberechnung gesteckt
hat, sowie von der relativen Bedeutung der Kostenbestand-
teile innerhalb der Gesamtkosten.

a) Eine einfache Kostenzerlegung soll zeigen, wie wir uns
diese Kostenanalyse denken. Die Gesamtkosten im Jahres-
durchschnitt betrugen 1913 125%, im Kriegsjahr 1916 191 o/0. Im
einzelnen betrugen die Unkosten:

1913	1916

llOo/o; 185o/o

Zählerbau .	.	.

Gleichstrom .	.	.

Wechselstrom .	.	.

Allgemeiner V erka u f

145 „ 200 „
156 „ 223 „
125 „ 181 „

*) Die gleiche Forderung habe ich für eine brauchbare Bilanzkritik auf-
gestellt, und durch zahlreiche Beispiele belegt; vgl. Grundriß II, S. 198 f., auch
mein Buch über die Kontrolle in der privaten Unternehmung (Frankfurt a. M.
1920) hinsichtlich der Pabrikstatistik, S. 128 f., 148 u. a. 0.
        <pb n="310" />
        ﻿304

Die 191% verteilen sich wie folgt:

Unproduktive Löhne .......................13,8%’

Betriebsunkosten .............................  4,2	„

Unterhaltungskosten der Anlagen ....	22,0	,,

Abschreibungen ...............................10,8	„

Steuern ......................................  2,4	„

Übertrag: 53,2%

Ausgaben	Ertragsberechnung

Konto	Pro d uktionskosten (Pfennig)			Betrag	
	1906/07	1907/08	1907/08		
	pro Ztr. verarbeiteter Hüben		Ztr. Zucker		
				Mk.	Pfg.
Rüben		75,48	85,5	577,6	644 770	50
Rübensamen		1,10	1,51	10,2	11382	40
Rübenfeld		1,13	1,02	6,89	7 690	85
Fracht- und Fuhrlöhne ....	0,92	0,73	5,50	5 614	25
Brennmaterialien		7,36	9,38	63,49	70 872	50
Gehälter		2,62	4,45	30,08	33 573	—
Löhne		9,60	10,75	72,60	81046	—
Säcke 		0,81	1,25	8,44	9 421	30
Beleuchtung		0,17	0,31	2,11	2 357	40
Reparaturen.				2,76	4,04	27,16	30 316	60
Provision		1,05	1,05	7,09	7 915	—
Zinsen und Diskont .	.	.	.	.	2,16	2,84	19,14	21 376	55
Obligationszinsen		0,74	1,02	6,89	7 690	50
Betriebskosten		6,98	9,59	64,78	72 317	60
	112,88	133,44	901,95	1 006 344	45
Abschreibungen auf die Betriebs-					
anlagen		—	6,87	46,30	51 699	80
Selbstkosten 		—	140,31	948,25	1 058 044	25

a)	1 Zentner Hüben verursacht 140,31 Pfg. Verarbeitungskosten, 1 Zentner
Zucker im Durchschnitt Mk. 9,4781 Selbstkosten. Für 1 Zentner Zucker
wurden 6,7515 Zentner Rüben verbraucht.

b)	Durchschnittliche Selbstkosten pro Zentner Zucker Mk. 9,478

der durchschnittliche Erlös „	„	„	„	9,825

Gewinn pro Zentner Zucker Mk. 0,347

Erlös der Melasse............„	„	„	„ 0,302

Fabrikationsgewinn . . . . „	„	„	Mk. 0,649

c)	1 Zentner Rüben enthält 146,46 Pfg. Zucker

4,45 „ Melasse

Produzierter Wert . . . 150,91 Pfg.

Selbstkosten.............140,31 „

Mithin Mehrwert . .	.	.	10,61 Pfg. pro Zentner Rüben.

305

	Übertrag: 53,2%
V ersicherungen		.....	5,0 „
Gehälter		20,3 ,,
Kriegsunterstützungeu .	.	.	.....	19,6 „
Verschiedene Unkosten .	.	.	

100%;

von 191% Kost-enzuschlag.

einer Zuckerfabrik.	Einnahmen

Produktion: 754000 Zentner Rüben; daraus erzeugt und verkauft;

Durclischnittl.

Ausbeute: Verkaufspreis:

102 990 Zentner I. Produkt \ 1,10710/	9,85	1	Mk. 1 014 451,15.

4 610	„ I. „ I U,m 10,-	1	„	46100,-

3 035	„ II. „	0,402 °o 9,— '	„	27 315,—

995	., III. „	0,133 %	8,95	»	8:905,25

111 630 Zentner Zucker Gesamt-
ausbeute	14,806 °/»	Mk. 1 096,771,40

Erlös durch Verkauf der Nebenprodukte Melasse 9 920

Zentner (= 1,316 °/o) zu	Mk.	3,40.......................... „	33	728,—

Mk. 1 130 499,40

-7- Ausgaben . . •.......................................... 1 058 044,25

Fabrikationsgewinn.........................................Mk.	72	455,15

4- Mehrerlös der alten	Lagerbestände........................„	' ‘15 473,—

Gesamtgewinn . . .	. T..................................Mk.	87	928,15

d) Auf 1 Zentner Rüben entfallen:

14,271 kg	Zucker	1	zu	9,85	=	140,569	Pfg.

0,402 „	„	II	„	9,-	=	3,618	„

0,133 „	„	III	„	8,95	=	1,190	„

14,806 kg	Zucker	im	Werte von	145,377	Pfg

1,316 kg Melasse zu	3,4	4,474 „

Erlös................. 149,851 Pfg

Bearbeitungskosten:	140,31

-r Rübenpreis (bezahlt)	85,5..............-7- 54,810 „

Der berechnete Rübenpreis ohne Rücksicht auf

Gewinn beträgt . . ................................. 95,041 Pfg

d. h. der bezahlte Rübenpreis (85,5) bleibt gegen den
berechneten (95,04) um 10,541 Pfg. zurück, d. i. ein
Gewinn pro Zentner Rüben (früher berechnet mit
10,61 Pfg.).

Leitner, Selbstkostenherpchnuu*. 7. Aufl,

20
        <pb n="311" />
        ﻿306

b) In der folgenden Tabelle werden Material- und .Lohnkosten
je — 100 gesetzt und die einzelnen Kostenteile auf den Gesamtbe-
trag umgerechnet; die Tabellen zeigen, welchen verhältnismäßigen
Anteil und welche Bedeutung- die einzelnen Werkstoffkosten und
Arbeitsvorgänge haben.

100 PS-Wagen für Heereszwecke.

Material	1916	Steige-  rung  1917	Löhne	1916	Steige-  rung  1917
Eisen		1,27	0,224	Abstecherei....	1,07	0,43
S. M. Stahl . .	0,80	0,469	Anreißen		1,46	0,58
F. 431 		0,39	0,108	Schmiede .	.	.	12,20	4,88
S. 431 		0,63	2,817	Dreherei		14,57	5,83
E. 724 . .	3,76	nsf.	Karusseldrehbank	0,61	0,24
H. B. W. Stahl	0,62		Fräserei		4,45	1,78
K. W. D. „ . .	0,49		Horizontalbohrer .	3,79	1,52
B. S J.	0,23		Vertikalbohrer .	.	3,68	1,47
B. S. J. o		1,26		Groß. Hobelmaschine	1,14	0,46
N. c. I.			2,13		Kl. Hobelmaschine .	1,14	0,46
Sonstiger „ . .	.	0,51		Kegelradhobeimasch.	0,95	0,38
Bronze, Cu-Rohre .	0,24		Schleiferei ....	0,87	0,85
Stahlrohr . .	0,29		Nutenstoßmaschine .	0,65	0,26
Jellow-Metall .	.	.	0,01		Schlosserei ....	34,13	13,65
Grünguß ...	4,49		Schweißerei . .	.	0,63	0,25
Stahlguß ....	14,15	12,19	Härterei ...	0,56	0,22
Temperguß ....	0,08		Kupferschmiede .	.	1,87	0,75
Rotguß		6,93		Steilmacherei . .	2,77	1,10
Bronze	0,06		Modelltischlerei .	.	12,69	5,08
Fertig bezogen .	.	,	61,66	19,616	Anstreicherei .	.	.	0,76	0,30
	100 %	39,8 %	| 100 o/0		40%

c)	Die Entwicklung der Unkosten auf eine Reihe von Jahren
mit Einschluß der Kriegsjahre zeigt die nachstehende Tabelle. 1917
betrag der Umsatz etwa 63 Mill., die produktive Lohnsumme 101/2
Milk, die Kapitalverzinsung brutto 50%.

§ 67. Die bisherigen Darlegungen bezogen sich auf ,V er suche,
während des Betriebsjahres den Betriebsgewinn, die Rentabilität,
festzustellen. Das Beispiel auf Seite 304 und 305 soll zeigen, wie
man auf Grand der Bilanzen eines Jahres eine Ertragsberech-
n u n g aufstellt. Die Darstellung ist so ausführlich und verständ-
lich, daß sich weitere Erklärungen erübrigen.

Man kann sagen, jede Nachkalkulation — Stückpreis-
berechnung oder Gesamtkostenermittlung — ist eine Rentabilitäts-
berechnung.
        <pb n="312" />
        ﻿Unkosten	1911	1912	1913	1914	1915	19l\	»17
Abschreibungen an Betriebs- anlagen 	  Gehälter		  Handlungsunkosten	  Diätare, ßenumerationen.	.	.  Steuern	  Sachversicherungen	  Personalversicherungen .	.	.  Versuchs-, Patent-, Lizenzkosten Zinsen, Debitorenverluste . .	31.6  38.6 26,0  5,5  4,8  0,1  4.4  7.5  12.7	45.6 39,1 23,3  5,1  4,6  0,6  5,0  5,o  13.6	43.4 35,9  22.4 5,1 3,4 0,3 6,6 5,8  18.4	43,0  38,3  22,1  6,2  3,6  1,5  8,1  4,8  2«,5	22,6  24.7 12,9  7.7  2.8 0,1 6,1 5,6  32.7	34.9 24,0  12.9 9,6 5,1 0,1 6,3 5,9  22,5	28.4  19.4  9.2 10,7  9.3 0,4 5,9  5.4  8.5
Handlungsunkosten	131,2	142,4	141,3	151,1	115,2	121,3	97,2
Kraft-, Gas-, Wasserverbrauch  Betriebsunkosten	  Werkzeugverbrauch ....  Reparaturen	  Unproduktive Löhne .... Kriegsunkosten (Lebensmittel usw.)		1,0  27.2 13,7  9,9  20.3  V/ v J	1,0  31.3  17.3 12,5  23.3	2,3  36,7  19.1  12.2 24,1	2,9  36,4  15,0  9,8  7,7  0,9	3,4  33,5  10,1  8,1  32,0  6,8	2,9  40.2 10,7  8,5  33.3  10,0	3,3  48,5  11,8  13.2  39.3  15,2
Betriebsunkosten	72,1	85,4	94,4 |	72,7 |	93,9	105,6	131,3
Gesamtunkosten in Prozenten der Fabrikationslöhne	203,3	227,8	235,7	223,8	209,1	226,9	228,5

1. Beispiel einer Nachberechnung der wirklichen
Kosten für die Gesamtleistung.

Die folgende Berechnung ist methodologisch interessant. Es
handelt sich hier um reine Arbeitsvorgänge einer Spezialmaschinen-
fabrik, die mit festen Verkaufspreisen ihrer patentierten Erzeugnisse
rechnen kann. Material- und Arbeitskosten werden wie üblich er-
mittelt; auf die produktiven Löhne werden zunächst 331/3 o/o zur
Deckung der allgemeinen Unkosten aufgeschlagen. Die Fabrik-
unkosten werden monatlich zusammengestellt und auf die produktiven
Löhne des Berechn ungsmonates verteilt. Der Best der noch nicht
verrechneten Unkosten wird nach dem Jahresdurchschnitt des Vor-

jahres auf die Herstellungskosten verteilt: Materialieu (vom Besteller geliefert)		Mk.	
Produktive Löhne		 .		80 682,87
33 1/3 % Zuschlag			26 894,29
Fabrikunkosten (Schmieröl, Betriebskosten usw.)	5?	70178,48
Herstellungskosten:	Mk.	177 755,64
30 %' Generalkosten (Abschreibungen, Zinsen, Miete, Pacht, Steuern, Reklame, Bureaubedarf, soweit sie nicht durch 33 x/3 o/0( gedeckt erscheinen) .	&gt;&gt;	53 326,69
Selbstkosten	Mk.	231 082,33
Erlös	y&gt;	373 583,70
F äbrikati onsgewinn	Mk.	142 501,37

d. h. 38,1 o/o des Verkaufspreises oder 61,1% der Selbstkosten.

20*
        <pb n="313" />
        ﻿308

Diese Nachberechnung der Gesamtkosten eines vollständig er-
ledigten Auftrages (nach § 2, Seite 4) ist hier ohne Stückpreis-
berechnung.

2. Im folgenden Falle wird durch Zwischenberechnung
für das Ende des Jahres der bisher erzielte Bruttogewinn ohne Ab-
schreibungen und sonstige Generalkosten ermittelt.

Nachkalkulation der 1916 hergestellten rohen Granatenkörper.

Es wurden hergestellt: ungetemperte Körper 847 967 Stück

getemperte ,,	738 667	„

Zur Herstellung der ungetemperten 847 967 Körper wurden
ausgegeben:

Löhne ........................................... Mk.	91873,02

Roheisen..........................................  „	254944,57

Koks.............................................   „	16 933,70

Formsand.........................................  ,,	4640,50

Klein materialien................................  ,,	14450,90

Betriebsunkosten, Licht, Strom etc................,,	8 250,00

Direkte Gehälter auf diesen Auftrag................„	9 150,00

Mk. 400 242,69

das Stück 47,3 Pfg.

Zur Herstellung der getemperten 738 667 Stück Körper

wurden ausgegeben:

Löhne lt. Lohnbuch .......................... . Mk. 29 899,03

Verbrauch von Tempertöpfen lt.	Inventur	.	.	.	„	35	204,00

Verbrauch an Erz lt. Inventur...............,,	5	921,60

Verbrauch an Braunkohlen lt. Inventur ....	„	48872,25

Unkosten auf Retouren........................... „	4	890,50

Mk. 124787,38
das Stück 17 Pfg.

Insgesamt wurden verausgabt.................Mk.	525	020,07

Eingenommen lt. Rechnungen...................„	585	088,20

100 000 fertige Stücke lt. Inventur..........„	100 000,—

106 000 ungetemperte Stücke lt.	Inventur	.	.	.	„	82 940,—

Mk. 768 028,20

Erlös und Bestände..........................Mk.	768	028,20

Ausgaben............................. „	525	020,07

Spannung zwischen Einnahmen	und	Ausgaben	.	Mk.	243 008,13

(Bruttogewinn)

ohne Generalkosten.
        <pb n="314" />
        ﻿309

Grü ndungsvoranschlag.

§ 68. Der wirtschaftliche Erfolg einer Unternehmung ist von
der Anlage der Fabrik im einzelnen, im ganzen und von der Durch-
führung der Fabrikation abhängig. Deshalb muß bereits der Bau-
plan von ökonomischen Gesichtspunkten aus gestaltet werden: die
Möglichkeit späterer Erweiterungen ohne erhebliche Störungen des
Betriebes, zweckmäßige Anordnung der Bäume, insbesondere mit
Rücksicht auf die Aufeinanderfolge der Arbeitsprozesse und unter
Vermeidung überflüssiger Zeitverluste, Wahl der Kraftquelle und
Verteilung der Kraft, Zentralisation oder Dezentralisation des Be-
triebes und seiner Hilfsmittel müssen in Betracht gezogen werden.
Schon die Wahl das Ortes der Niederlassung hat auf günstige
Produktionsbedingungen (billiges Terrain, Vorhanden-
sein der Bohstoffe und wichtiger Hilfsstoffe, einer Betriebskraft,
Arbeiterverhältnisse des Ortes, Steuern usf.) zu sehen, die Absatz-
verhältnisse (günstige Handelsbeziehungen, gute Verkehrs-
straßen, billige Transportmittel, Nähe des Hauptabsatzgebietes u. a.)
zu berücksichtigen. Die Lage des Grundstückes muß unge-
störten Betrieb sichern (Arrondierung des Grundstückes, Abwässer-
entfernung, Nachbarschaft, Straßen, Hochwasser- und Feüersgefahr
usf.). Es ist klar, daß jede unzweckmäßige Wahl des Ortes und
der Anordnungen der inneren Einrichtungen in der Größe der Selbst-
kosten zum Ausdruck kommt.

Der Gründungsplan1) soll dem Unternehmer über die
zukünftige Ertragsfähigkeit seines Unternehmens Auskunft geben;
selbstverständlich ist es stets nur eine Wahrscheinlichkeitsrechnung,
der eine Ildealfabrik, die persönlichen Erfahrungen des Unter-
nehmers und anderer sowie die Annahme einer gewissen Stabilität
der einzelnen Bechnungsfaktoren zugrunde liegen. Die meisten Kal-
kulationsimomente lassen sich nicht mit absoluter Sicherheit im voraus
berechnen. Eine Verminderung des Bedarfes, Preissteigerungen von
Betriebsimaterialien und Rohstoffen, technische Verbesserungen, Ent-
stehung neuer Konkurrenz u. v. ä. machen die besten Berechnungen
zunichte.

Der Gründungsplan, teilweise ist es ein Betriebs- und Wirt-
schaftsplan, hat unter anderem folgende Elemente in das Bereich
seiner Berechnungen zu ziehen:

i. Kapitalbedarf und -Beschaffung2). Die Berechnungen er-
strecken sich auf das Anlage- und das Betriebskapital unter Be-

') Vgl. zu diesem Kapitel: Haushofer, Der Industriebetrieb, 2. Aufl., 1904.
Krafft, System der technischen Arbeit. 1902.

’) Vgl. Wolff-Birkenhihl, Die Praxis der Finanzierung, 2. Auf!.,
Berlin 1908; meine Privatwirtschaftslehre, 3. Aufl., Berlin 1921, Technik
der Finanzierung.
        <pb n="315" />
        ﻿310

rücksichtigung der Verzinsung, der Abschreibungen und einer an-
nähernd bestimmten Rentabilität.

Das Anlagekapital ist durch die Größe der Anlage, die
Einrichtung des Betriebes bedingt und ist verhältnismäßig einfach
zu berechnen (Einforderung von Voranschlägen, Ermittelung des
Grundstückpreises). Mitzurechnen sind die Zinsenverluste während
der Bauzeit.

Die Bedarfsberechnung des Betriebskapitals hat Größe
(Menge, Preise), Raschheit des Umsatzes (kürzere oder längere
Kreditfristen), Notwendigkeit der Lagerhaltung von Fabrikaten, Art
des Betriebes (ob auf Bestellung oder auf Lager gearbeitet wird),
Größe der Betriebskosten eines Jahres, Erzeugnisdauer eines Fabri-
kates (während dieser Zeit wird das Kapital festgelegt), die Schnellig-
keit der Kapitalbildung durch Gewinn, schließlich alle Faktoren,
welche die Höhe der Selbstkosten beeinflussen, zu berücksichtigen.
Mit zu berücksichtigen ist, daß der Kapitalbedarf sich nach und nach
ein stellt, dann der Rückf luß des Kapitals durch Verkauf der Pro-
dukte, Anzahlungen, Einziehung'der Kaufgelder und vorzeitige Liqui-
dierung durch Diskont der Kundenwechsel.

Die Frage der Kapitalbeschaffung bezieht sich auf das Kredit-
kapital, d. h. jenen Betrag, welcher nach Deckung des Geldbedarfes
durch eigenes Kapital als Erfordernis übrig bleibt. Der Unternehmer
wird sich über die Größe des Kreditkapitals sowie Art der Be-
schaffung (durch Verwandte, Banken, Aufnahme eines tätigen oder
stillen Teilhabers, Ausgabe von Aktien, Obligationen, Sicherstellung
des Leihkapitals durch Hypotheken, Bürgschaften, Beleihung fertiger
Produkte usf.) entscheiden.

Eine richtige Bemessung des Kapitals ist notwendig. Das An-
lagekapital wird eher geringer sein müssen; denn eine zu kleine
Betriebsanlage läßt sich später leichter vergrößern, als eine ver-
hältnismäßig zu große verringern. Eine dem tatsächlichen Bedarf
angepaßte nachträgliche Regelung der Größe des Betriebskapitals
ist verhältnismäßig einfach, wenn der Kredit nicht schon zu Anfang
überspannt wurde. Darauf ist zu achten, daß stets für die Be-
schaffung flüssiger Mittel der nötige Spielraum bleibt, um unvor-
hergesehenen Geldbedarf jederzeit decken zu können.

2.	Produktions-, .Verwaltungs- und Verkaufskosten, die unter
Annahme eines bestimmten Umsatzes entstehen. Dabei sind zu be-
rücksichtigen : ortsüblicher Tagelohn, Rohstoffpreise, Art des Ver-
kaufes, kurz alle Faktoren, die auf die genannten Berechnungs-
elemente bestimmend einwirken.

3.	Umsatz. Zunächst die Frage, wie groß muß der Umsatz
sein, wenn eine bestimmte Rentabilität erzielt werden soll. Zu er-
wägen sind: Absatzmenge, voraussichtlicher Bedarf und dessen Ent-
        <pb n="316" />
        ﻿311

Wicklungsfähigkeit, Leistungsfähigkeit der Konkurrenz (Produktions-
fähigkeit, Arbeits- und Kapitalkraft), Kaufkraft der Kundschaft und
deren Stabilität, Art des zu erzeugenden. Artikels (ob Modewaren,
Saisonwaren, Luxus- oder Bedarfsartikel usf.), Preisverhältnisse (ob
vom Markt, d. h. von Angebot und Nachfrage abhängig, Kreise der
Konkurrenz'unter Berücksichtigung ihrer besonderen Produktions-
und Absatzverhältnisse, Schwankungen der Rohstoffpreise).

4.	Produktionsmenge, die erzeugt werden kann oder soll. Die
einzelnen Faktoren des Gründungs- und Betriebsplanes stehen in so
inniger Wechselwirkung zueinander, daß einer den andern mit-
bestimmt.

Daß .Voranschläge (Gründungspläne) mitunter ganz schematisch
auf gestellt werden, beweist die Gründungszeit der Calcium-Carbid-
Industrie *). Dort bildet die Produktionsfähigkeit der Öfen die Grund-
lage des Voranschlages. „Tendenziöse Reklam'e der bauausführenden
Firmen und Sorglosigkeit brachten es mit sich, daß die Öfen kaum
ein Drittel der garantierten Leistung erreichten. Die Folge war,
daß für einzelne Werke sich die tatsächlichen Unkosten der ersten
Jahre um das 3,6 fache der ursprünglich veranschlagten Unkosten
erhöhten.“

Gründungsplan und Rentabilitätsberechnung einer Sand-
steinfabrik m. b. H.

I. Kapitalbedarf.

a) Anlagekapital: Maschinelle Einrichtungen

einschließlich Fracht und Montage .... Mk. 140000,—

Beleuchtungsanlage......................... 6 000,—

Anschlußgleise ............................. .	;,	10 000,—

Unterführung der Eisenbahn .......	,,	12 000,—

Fabrikgebäude, Kesseleinmauerung, Schornsteine „ 30000,—
Unvorhergesehenes (Sicherheits-Koeffizient) . „ 18 000,—

Mk. 216 000 —

Grundstückwert (davon bleiben 64 000 Mk. Pest-

kaufhypothek) ............. •	■	.	.	„	154 000,—

b) Betriebskapital......................„	60000,—

Kapitalbedarf Mk. 430 000,

') Nach Wangemann. Die Oalcium-Caibid-Industrie, Dresden 1904, S. 33.
        <pb n="317" />
        ﻿312	—

II. Finanzierung.

1.	Hypothek der Bank auf Fabrikanlagen und

Grundstück.................................  Mk.	170000,—

Davon zur Ablösung des Restkaufgeldes 64 000 Mk.
verwendet

2.	Hypothek der	Maschinenfabrik..................„	60000,—

Mk. 230000,—

Von den Gesellschaftern aui'zubringende Stamm-

einlagen....................................  „	200 000,—

Mk. 430000,—

Von der Stammeinlage übernimmt

der kaufmännische Direktor . Mk. 50000,—
der technische Direktor ...	„	50000,—

Unterzubringen bleiben . .	,,	100 000,—

Mk. 200 000,—

Aktiva	Gründungsbilanz.		Passiva
Grundstücke .	.	.  Maschinen etc. . . . Liquide Mittel . . .	. . . 154 000 . . . 198 000 ...	78 000	Stammkapital . .	.  Hypotheken . .	. .	. . . 200 000 . . . 230 000
	430 000		430000

III. Rentabilitätsberechnung.
Jahresproduktion 15 Mill. Steine, 300 Arbeitstage zu 12 Stunden,
zwei Zwillingspressen mit einer Tagesproduktion von zusammen

50000 Steinen.

Arbeitslohn:

7 Männer (Heizer,Schlosser,Kesselarbeiter) zu 3,50 Mk. Mk. 24,50
6 Männer an den Pressen (Abnehmer, Aufpasser)

zu 3,75 Mk............................................ 22,50

27 Männer (Sandgräber, Sandführer, Entlader, Ein-
werfer etc.) zu 3,25 Mk. .........	.	,,	87,75

Mk. 134,75

I	Werkführer Mk. 3000,—, das sind pro Tag .	10,—

II	Vorarbeiter pro Tag......................... 5;—

Arbeitslöhne pro Tag................\	. Mk. 149,75

Arbeitslöhne pro Mille Steine .... Mk. 3,—
Kalk und Kohle pro Mille Steine ... „	5,85

Direkte Herstellungskosten pro Mille Mk. 8,85
        <pb n="318" />
        ﻿313

Demnach für das Jahr 300.50.8,85 .............Mit. 132 750,—

Abschreibungen auf Maschinen 10 o/o von

156 000 Mk..................... „	15600 —

Abschreibungen auf Gebäude	5 o/o	von	42 000	.	.	,,	2100,—

Schmieröl, Beleuchtung.......................,,	4 000,—

Reparaturen, Unkosten ............................„	8 000,—

Versicherung, Krankenkasse,	Steuern	.....	„	6 000,—

Mk. 168 450,—

Zur Abrundung (Sicherheits-Koeffizient) .... ,, 11 550,—
Selbstkosten für die Jahresproduktion .... Mk. 180000,—

Selbstkosten für 1000 Stück........................Mk. 12,—

-f- Bahnfracht bis Berlin....................... „	4,—

Mk. 16,—

Durchschnittlicher Händlerpreis netto Kasse (Verkaufs-
preis) ............................ -	„	25 —

Brutto-Gewinn für 1000 Stück....................... Mk. 9,—

Gesamt-Bruttogewinn für 15 Mill...............Mk. 135 000,—

ab Bureaukosten..............Mk. 7 200,—

Gehälter der Direktoren .	.	„	20000,—

5 o/o Hypothekenzinsen auf

170000 Mk..................„	8 500 —

5 r/2 °/o Hypothekenzinsen auf

60000 Mk...................„	3 300,—	,;	39 000,—

Bleibt R eingewinn: Mk. 96 000,—

In der sonst recht vorsichtig aufgemachten Berechnung fehlt
die Abschreibung auf den Grundwert für Substanzverminderung.
Die Absatzmöglichkeit ist nicht weiter erörtert. Auch fehlen
die Nebenkosten für die Kapitalbeschaffung (Abschlußprovision,
Stempelkosten), die Gründungskosten u. a. m.

Die Berechnung des erforderlichen Betriebs-
kapitals wird Aufwand und Deckungsmittel einander gegenüber-
stellen. Der Aufwand läßt sich in seinen einzelnen Teilen selten
genau berechnen, weshalb eher ungünstigere Verhältnisse anzunehmen
und entsprechende Sicherheitskoeffizienten in Ansatz zu bringen
sind. Die sachlichen Umstände, welche den Bedarf beeinflussen,
wurden angeführt. Auch die Persönlichkeit des Unternehmers, dessen
Geschicklichkeit und Umsicht, sind wichtige Faktoren.

Zur Deckung des Kapitalbedarfs stehen eigene und fremde Mittel
zur .Verfügung. Die Frage, wie eine industrielle Unternehmung
finanziert wird, soll hier nicht weiter erörtert werden. Das Größen-
        <pb n="319" />
        ﻿314

Verhältnis zwischen Anlage- und Betriebsvermögen, die Bentabilität,
die Kosten der Finanzierung, ob eine Unternehmung mit konstantem,
schwankendem oder steigendem Geldbedarf zu rechnen hat, und
viele andere Umstände werden die Rechtsform der Unternehmung
und die Art der Beschaffung des .Kreditkapitals bestimmen. Die
Berechnung der Deckung des Betriebskapitals wird die Möglichkeit
der Geldkapitalzuschüsse berücksichtigen müssen, z. B. die [Ver-
mehrung der eigenen Mittel durch neue Kapitaleinlagen des Unter-
nehmers, Aufnahme von Gesellschaftern, die Möglichkeit der Be-
schaffung von .Verwandtschaftsdarlehn und Beteiligungskapital, Zu-
bußen, KachschußVerpflichtungen etc.

Einige Berechnungsbeispiele mögen die bisherigen Erörterungen
illustrieren.

Eine Unternehmung des Warenhandels rechnet mit einem auf
das Jahr gleichmäßig verteilten Umsatz von 800 000 Mk., davon
600000 Mk. gegen Kasse, der Rest gegen ein Verkaufsziel von
6 Monaten. Der durchschnittliche Bruttogewinn betrage 25 o/o vom
Umsatz, der durchschnittliche Lagerbestand 250000 Mk., Lieferanten-
ziel 3 Monate, Geschäftsspesen 60 000 Mk. in ungefähr gleichmäßiger
Verteilung auf das ganze Geschäftsjahr1).

Umsatz 800 000

200000	25o/o Bruttogewinn,

600000 Mk. Einkaufspreis der Verkäufe.

Beim Einkaufsziel von 3 Monaten ist der durchschnittliche!
Kreditorenbestand 150000 Mk. Die Zeit des größten Geldbedarfs
ist die Mitte des Jahres (6 Monate), wenn die Abnehmer die ersten
Zahlungen leisten; für das Ende dieser Zeit stellt sich die Berech-
nung wie folgt:

1.	Kapitalbedarf Lagerbestand . . Mk. 250 (Tausender)
Außenstände zum Einkaufspreis berechnet

(100 -H-25 o/o)	„	75

Unkostenanteil .................... . .	,,	30

Mk. 355

2.	Deckung des Kapitalbedarfs: Kreditoren

(die Warenlieferungen des ersten Quartals

sind bezahlt)........................Mk. 150

Gewinn aus Barverkäufen (300 zu 25o/o) .	„	75 Mk. 225

Das erforderliche Betriebskapital beträgt Mk. 130.

') Nach der Zeitsehr. f. handelsw. Forschung, IV. Jahrg., S. 55. Vgl. auch
Prinzhorn, Die finanzielle Führung kaufm. Geschäfte und Unternehmungen.
Berlin 1902.
        <pb n="320" />
        ﻿315

Die Bilanz für diesen Zeitpunkt.

Warenlager ....	.... 250	Kreditoren		... 150
Forderungen ....	.... 100	Betriebskapital .	.	.	... 130
		Gewinn		...	70

Die Richtigkeit der Berechnung kann durch folgende Aufstellung
bewiesen werden:

Bareinnahmen aus Barverkäufen 300
Bareinnahmen durch Einziehen der
Forderungen.....................—

Gesamteinnahmen 300
Es fehlen an Bargeld ....	130

Ausgaben für Unkosten ....	30

Ausgaben für Lagereinkäufe . . 250
Ausgaben für Warenbezüge des
1. Semesters . . . . ■ ■ . 150

Gesamtausgaben 430

In den ersten drei Monaten des Geschäftsjahres ist der Ein-
nahmeüberschuß 45 (Barverkäufe Unkosten), im vierten Monat
beginnen die Zahlungen an die Lieferanten für die Warenbezüge des
ersten Monats und die Bezahlung des Lagervorrates. Demnach ein
Geldbedarf von 250 -j- 50 -j- 5 (Spesen) ~ Geldvorrat 135 = 120. Im
fünften und sechsten Monat stehen 50 Geldeinnahmen 55 Geld-
ausgaben gegenüber (Lieferanten 50 -f- Unkosten), also ein Bargeld-
minus für beide Monate von 10. Demnach muß der Betriebsfonds Ende
des sechsten Monats 130 Mk. sein. Im siebenten Monat beginnen
die Zahlungen der Kunden mit durchschnittlich 16 2/3, der Ein-
nahmeüberschuß von 112/3, d. h. der Gesamtüberschuß der sechs
Monate ist 70.

Die Berechnung des Kapitalbedarfs ist natürlich wesentlich
schwieriger, wenn Einnahmen und Ausgaben für die einzelnen
Monate schwanken. Stets ist die Berechnung für die ungünstigste
Zeit, d. h. für das Maximum des Geldbedarfs aufzustellen.

Im gegebenen Beispiel ist bei dem durchschnittlichen Lager-
bestand von 250 und einem Umsatz von 600 (Einkaufspreis) der
Umschlagskoeffizient (600:250) = 2,4, die Umschlags-
dauer der Waren (365:2,4) 152 Tage. Die durchschnittliche Kredit-
frist bei den Kreditoren, d. i. die Zeitspanne zwischen Warenein-
gang und Geldausgang, ist 90 Tage. Ebenso groß ist die Zeitspanne
zwischen Geldausgang (Kreditorenzahlung) und Geldeingängen durch
Einziehen der Forderungen. Zwischen Warenausgang durch Verkauf
und dem Geldeingang durch Zahlung der Debitoren liegt ein sechs-
monatlicher Zwischenraum.
        <pb n="321" />
        ﻿316

Erweiternngsvoranschläge.

§ 69. In dem] Beispiel des § 68 wurde die Gründungs- und
Ertragsberechnung einer erst zu errichtenden Unternehmung ge-
zeigt. Im folgenden Fall will eine bereits bestehende Unternehmung
einen neuenArtikel erzeugen und zu diesem Zwecke die maschi-
nellen. Anlagen erweitern. Angenommen wird ein fester Auftrag
auf eine bestimmte Menge eines Artikels besonderer Konstruktion,
Wert des Auftrags rund 3 Mill. (1915).

1.	a) Die Betriebsingenieure ermitteln, daß etwa 200 Maschinen,
hauptsächlich Fräsmaschinen zu einem Durchschnittspreis von
1900 Mk., zusammen ein Aufwand von 380 000 Mk. erforderlich ist.
Die Berechnung des Maschinenkapitals ist nach oben abgerundet und
mit angemessenen Sicherheitsfaktoren veranschlagt.

b)	Für den Werkzeugbau sind etwa 26 Maschinen notwendig,
Durchschnittspreis der Maschinentype etwa 3500 Mk., zusammen
91000 Mk.

c)	Einrichtungskosten der Werkstätte etwa 9000 Mk.

d)	Der erforderliche Baum (zur Aufstellung der Maschinen, für
die Werkstätten, Montagerjäume, Betriebsbureau, Kleiderablage der Ar-
beiter) ist etwa 2000 qm. Für die Aufstellung der Maschinen,
Einrichtung der Fabrikation und andere vorbereitende Arbeiten
werden 10 Monate angesetzt, für die eigentliche Fabrikation, d. h.
für die Erledigung des Auftrages sind etwa 14= Monate erforderlich.
Als Mietspreis werden 10 Mk. pro qm jährlich angenommen, für
2 Jahre somit 40000 Mk.

2.	a) Für die Fabrikation sind an Beamten erforderlich:

1' Oberingenieur.................Mk. 10000

1	Obermeister...................,,	5 000

3	Meister.......................„	12 000

15	Vorarbeiter...................„	54 000

I	Lagerverwalter................,,	3 600

1 Expedient..................... .	„	3 000

zusammen Mk. 87 600
abgerundet auf Mk. 88 000.

Zur Deckung der allgemeinen Unkosten während der Vorbe-
reitungszeit (hier mit 9 Monaten angenommen), zl B. Zwangsver-
sicherung, Bureaubedarf, Licht usw., werden 100 o/o für das Jahr,
also gut auskömmlich in Ansatz gebracht, auf 88 000 Mk., demnach
750/0- = 66 000 Mk.

b) Nach Beschaffung der Maschinen unter 1. treten die Werk-
zeugmacher in Tätigkeit. Die Vorbereitungszeit wird mit 7 Monaten
reichlich bemessen sein. Erforderlich sind: 8 Dreher, 2 Fräser,

1
        <pb n="322" />
        ﻿2	Rundschneider, 2 Hobler, 6 Werkzeugmacher, zusammen 20 Mann
mit einem durchschnittlichen Wochenverdienst von 72 Mk., in 30
Wochen = 43 200 Mk. -f- 100°/o Unkosten, zusammen 86 400 Mk.

c)	Mit etwa 70 Arbeitern können in Tagesschicht täglich 35
Stück des bestellten Artikels hergestellt werden. Bei der Aufnahme
eines neuen Fäbrikationszweiges ist die Anfangsarbeit erfahrungs-
gemäß stets Unkosten-, d. h. unproduktive Arbeit. Wir nehmen
eine Anlernungszeit von 6 Wochen an = 420 Lohnwochen; demnach
als Unkosten zu rechnen, bei einem' durchschnittlichen Wochenver-
dienst von 42 Mk., mit 17 640 Mb. -f- 100o/o Unkosten, zusammen
35 280 Mk.

3.	Für Lehren, Feilen, Schmirgel usw. werden 20000 Mk. als
ausreichend angesehen.

Zusammenstellung der Kosten.

a)	Maschinen, mit 50 o/o abgeschrieben

b)	Werkzeugmaschinen, desgl.

c)	Einrichtung 100 o/0

d)	Miete .................

a)	Gehälter-f-75o/o	. .

b)	Werkzeugmacher	. .

c)	Einarbeitung ....

1.

Mk.

190 000
45 500
9 000
40000
154000
86 400
35 280

Unkosten: Mk. 560180

Es entstehen ohne Rücksicht auf Materialkosten, bei einem Auf-
träge auf 10000 Stück bereits 56 Mk. Unkosten, ehe ein Stück zur

Rechnet man Werkstoffbosten mit .	Mk.	18
Löhne in laufender Fabrikation .	.		45
200 0/0 Unkosten (des Betriebes) .	.		90
Unkosten der Vorbereitung .	.	.		56
Selbstkosten etwa	Mk.	209
Brutto-Gewinn, 431/2 %	&gt;&gt;	91'
Lieferpreis)	Mk.	300

Bei der Neuaufnahme einer Fabrikation kommt außer den
Einarbeitungskosten noch der Ausnutzungsgrad der Neu-
anlagen als wesentliches Preisbestimmungsmoment in Frage. Ist
mit einer fortlaufenden Fabrikation zu rechnen, genügt die Ein-
rechnung der normalen Abschreibung und Verzinsung des Anlage-
kapitals. Ist die Auftragsmenge begrenzt, sind Wiederholungen der
Aufträge nicht zu erwarten, muß eine entsprechende Verteuerung
der Selbstkosten eintreten, weil der Divisor auf das Anlagekapital
— abzüglich Schrotwert und Wieder Veräußerungsmöglichkeit —
kleiner wird. In der folgenden Preisstaffelung (Waffenindustrie)
        <pb n="323" />
        ﻿318

kommen diese Verhältnisse klar- zum Ausdruck. Die Anschaffungs-
kosten für Neubauten, Werkzeuge usw. belaufen sich auf etwa
1 Mill. Mark:

Stück, Preis das Stück Mk. 3 000 1	.	,,	...

o roh I einschl. Umarbeitung

j&gt; &gt;1	^ OUU )

„ 2200
„	1900

.......... „ „ 1800

1700

........... ..	1500

..	1300

Wenn man einen neuenArtikelfüreine Massenferti-
gung auf nimmt, hierfür Werkzeuge und Werkzeugmaschinen be-
schafft, so wird das' Verhältnis zwischen Einrichtungszeit
und Ausnutzungszeit ganz wesentlich die Selbstkosten beein-
flussen. Sie werden beispielsweise für eine Menge von 100 000 Stück
verhältnismäßig größer sein als für 300 000 Stück, weil die ersten
Kosten (Einrichtungs- und Anlagekosten) sich auf eine verhältnis-
mäßig geringe Produktionsmenge und Produktionszeit verteilen.
Selbst innerhalb der Fertigungsdauer müssen die Stücke-Selbstkosten
zu Beginn der Fabrikation erheblich größer sein als in einem späteren
Zeitraum, wenn die Fabrikation läuft, Betriebserfahrungen vorliegen
und die Werkzeugmaschinen auf ;die Massenproduktion eingestellt
sind. Der anfängliche Stückakkordsatz wird gewöhnlich zu hoch
geschätzt, die Produktivität der Arbeiter ist geringer, der Anteil
an den festen Kosten entsprechend größer.

FürdieSelbstkostenberechnungneueingeführter
Massenfabrikation ist der Zeitpunkt der Kosten-
bestimmung für das Endergebnis wesentlich. In
einem zu frühen Zeitpunkt werden die Selbstkosten zu hoch, über
normal erscheinen. Ein Beispiel: Die Auftragsmenge ist 260000
Stück, die Kostenberechnung, als Nachberechnung, erfolgt nach Ab-
lieferung von 21 000 Stück und nach Fertigung von 75 000 Stück,
die Höchstleistung ist erreicht, eine Steigerung nicht mehr möglich.
Dem Preisangebot liegt eine Vorkalkulation zugrunde, nach
betriebswirtschaftlichen Erfahrungen und theoretischen Berech-
nungen (für die Akkordlöhne) ermittelt. Die Preisvereinbarung er-
folgt auf Grund der Nachberechnung, der die bisher be-
zahlten Akkordlöhne, Materialkosten: und die normalen Unkosten-
zuschläge zugrunde gelegt werden. Der Lieferpreis wird für die
Restlieferung festgelegt, Kostenschwankungen gehen zu Lasten oder
zugunsten des Lieferers, der naturgemäß mit einer gewissen

400
700
1000
2 000
3 000
5 000
10 000
15 000
        <pb n="324" />
        ﻿319

Kostenreserve kalkulieren muß. Nach Auslieferung soll eine
Ertragsberechnung für die Gesamtmenge stattfinden, die tat-
sächliche Ausgaben und Einnahmen einander gegenüberstellt. Reicht
die Fertigungsdauer noch in das nächste Betriebsjahr, muß für die
Zwecke der Inventurberechnung eine Zwischenberechnung
der bisher entstandenen Kosten der in Fertigung befindlichen, der
fertigen, aber noch1 nicht abgelieferten Stücke vorgenommen werden.
In der Serienfabrikation, z. B. \Motore, Kraftwagen, werden die
Kosten häufig für die einzelnen Serien von 25 oder 50 Stück kal-
kuliert (Serienberechnung).

Ein Beispiel aus dem Leben. Es werden zwei Kostenberech-
nungen für je sechs Monate einander gegenübergestellt: Die
erste (I.) aus der Zeit vom Beginn der Erzeugung (nach Fertig-
stteilung der Neuanlagen) bis zur Erreichung der mittleren
Monatsleistung (Anfangsperiode init ihren technischen Schwierig-
keiten bei der Einarbeitung der Arbeiter und Maschinen). Die zweite
(II.) aus der Zeit der anschließenden Normalleistung mit fortlaufenden
Fabrikation, aber ohne Erreichung der Höchstleistung von 300 t
monatlich: Abschreibungen auf die Anlagen sind nicht eingerechnet.

I	II

Monatliche Durchschnitts-
leistung ............... 92,41	280 t

Löhne (Stundenlohn, 1918)	100,— Mk.	54,15 Mk.

Betriebs- und Handlungs-
unkosten .................. 160,25	„	(160%)	91,68	„	(169%)

Materialien...... 165,77	„	165,77	„

426,02 Mk.	311,60 Mk.

15% Verwaltungskosten	63,90	„	46,75	„

für 100 kg	489,92	Mk.	358,35	Mk.

Lieferpreis	560,—	Mk.	420,—	Mk.

Bei einer Steigerung der Produktionsmenge um 203 o/o (92,4 t
= 100o/o) sinkt der Selbstkostenpreis um 27o/o, die Lohnkosten
allein fallen um 46 o/o1.

In welchem Grade die Unkosten fozw. die Einarbeitungs-
kosten die ersten Monate der Fertigung eines neuen Artikels be-
lasten, ist im folgenden praktischen Beispiel der Metallbearbeitung
ersichtlich gemacht. Die Arbeitslöhne der ersten Produktionsmonate
sind hauptsächlich solche für die Herstellung von Werkzeugen und
Einrichtungen (es handelt sich um Eisenzünder, 1918):
        <pb n="325" />
        ﻿-	320	—
1. Monat	778o/o	Unkosten
2- „	580 „	5)
3.	„	438 „	
4.	„	394 „	n
5-	„	320 „	
6.	292 „	
7-	„	251 „	&gt;&gt;
8- „	253 „	*	3 J

Im Anschluß an die vorhergehende Vergleichsreehnung soll
die Berechnung eines angemessenen Kaufpreises für ein
angrenzendes Grundstück gezeigt werden, das die Fabrik zwecks
Neubaues einer Maschinenwerkstätte erwerben will
(1917). Das Grundstück hat laut Katasterauszug eine Fläche von
11144 qm; bei einer Bebauung nach dem festgesetzten Fluchtlinien-
plan muß ein Geländestreifen von 2139 qm als Straßenland abge-
treten werden, sonstige bauliche Beschränkungen hinsichtlich der
Flächenausnutzung, abgesehen von baupolizeilichen Vorschriften, be-
stehen nicht.

(

I. Berechnung des Ertrags wertes. Nach den zur Zeit
des beabsichtigten Erwerbes in Frage kommenden Verhältnissen
(1917) ist die für die Abschätzung des Wertes in Frage kommende
günstigste Ausnutzung die Bebauung mit kleinen Wohnungen (2 Zim-
mer, Kammer, Küche, Bad) mit einer Grundfläche von rund 80 qm
mit Einschluß sämtlicher Nebenräume. Der jährliche Zimmerpreis
kann mit 250 Mk. für das Jahr eingesetzt werden. Nach Abzug
des abzutretenden Straßengeländes bleibt eine Fläche von (11144
-f- 2139 —) 9005 qm. Nach der baupolizeilichen Verordnung der
betreffenden Stadt gehört das Baugelände zur Bauklasse II, d. h.
es kann mit 60 o/o und mit 4 bewohnbaren Geschossen bebaut werden.
Die zulässige Bebauung beträgt somit (9005.06 =) 5403 qni =
/5403	\

( gQ = ) 68 Wohnungen rund in jedem Geschoß, im ganzen

(68.4 =) 272 Wohnungen = 544 Zimmer einschließlich Neben-
räume. 544 Zimmer zu 250 Mark geben einen Ertragswert von

Mk. 136 000

abzüglich 18 o/o Unkosten „	24 480

bleiben Mk. 111520.

Diese Summe mit 5 o/o verzinst und kapitalisiert gibt einen Kapital-
wert des Grundstückes von 2 230400 Mk.
        <pb n="326" />
        ﻿321

II. Berechnungder Baukosten:
a) Infolge der Tiefenlage des Grundstückes zur
Strajße ist für das nicht bebaute Gelände eine Auf-
höhung von 21/2 m erforderlich. T cbm kostet
etwa 2,5 Mk. Kosten insgesamt

[(9005 qm 5403). 2,5. 2,5 =] . . . Mk. 22 513,—

b)	Kosten für die Aufhöhung des Straßen-
streifens rund 2139 qm um 21/2 m = . .	. .

c)	Der tragfähige Baugrund liegt rund 10 m

unterhalb des jetzigen Geländes, der Grundwasser-
stand übersteigt zeitweise die jetzige Geländeober-
fläche, so daß neben der künstlichen Gründung
noch eine Grundwasserabdichtung für die Keller
in Betracht kommt; Kosten etwa- 45 Mk. je qm,
Gesamtkosten (5403.45 =)..........................

d)	Bebaute Fläche 5403 qm, Gehäudehöhe
17 m, umbauter Baum = 91 851 qm, Baukosten,
durchschnittlich 17,50 Mk. für 1 qm, insgesamt .

e)	Anliegerbeiträge für Straßenland von 190 m

zu 200 Mk. =...........................

Gesamtbaukosten (a —(— b&gt; —}— c —j— d. —|— e =)

f)	Baugeldverzinsung während des Baujahres

Gjp/ö', berechnet für ein halbes Jahr Bauzeit .	.	.

Baukosten im ganzen

III.	Ertragswert nach I...........................

minus Baukosten nach II...........................

-4- Zinsverluste bis zur Bebauung des Grund-
stückes nach 1., hier mit fünf Jahren angenommen,

5V3.°/o	................

Grundstücks wert

für 11144 qm. Für 1 qm 16,16 Mk.; ein Preis
erscheint demnach angemessen.

13'368,75

243 135 —

„ 1 607 392,50

„	38	000—

Mk. 1924 409,—

57 731',-
Mk. 1982140,—

„ 2230400 —
„ F 982 140,—

Mk. 248 260,—

„	66	203,-

Mk. T82 057,—
von 16—17 Mk.

Lei in er, Selbstkostenberechmmg. 7. Aufl.

21
        <pb n="327" />
        ﻿VII.	Abschnitt.

Selbstkostenberechnung in einzelnen
G e werbegruppen.

Die Kalkulation in der Textilindustrie.

Literatur: Geiersbach, Die Fabrikbuchhaltung. Außig 1897. Bittner,
Fabrikbuchhaltung für Webereien. Wien 1902. Heiser, Betriebs- und Waren-
kalkulation für Textilstoffe unter Berücksichtigung der Wollwaren. Leipzig
1903. Sch am s, Webereikalkulation, 4. Aufl. Leipzig 1907. Br enger, Die
Einrichtung einer modernen Buntweberei und die Grundlagen für die Ermittlung
der Selbstkosten für Buntwaren. Düsseldorf 1911. Boetzkes, Seidenwaren-
produktion und Seidenwarenhandel in Deutschland. Tübingen 1909. Ephraim,
Organisation und Betrieb einer Tuchfabrik. Tübingen 1910. In der Zeitschrift
für handelsw. Forschung, 3. Jahrg., S. 493 f. (Schütz, Kalkulation einer Leinen-
spinnerei und -Zwirnerei); S. 517 f. (Klußmann, Kalkulation von Jutegarn,
-gewoben und -Säcken); S. 551 f. (Bexroth, Kalkulationsbeispiele aus der
Weberei.)

Vgl. auch S. 79, 89, 98, 108 f. dieses Buches.

Auch die Textilindustrie weist hinsichtlich der Einzelheiten
in der Selbstkostenberechnung mannigfache Unterschiede auf. „Es
bestehen fast so viele Einzelkalkulationsmethoden als es Fabriken
gibt. Fast jeder Fabrikant hat darin einen kleinen Unterschied von
seinem Nachbar und fast jeder glaubt, die beste Methode selbst
zu haben.“ (Reiser, a. a. O. S. 135.) Schon die Feststellung
des Gewichts der verbrauchten Rohmaterialien wird nach ver-
schiedenen Methoden gehandhabt: In Webereien beispielsweise be-
rechnet man die Kette aus der Fadenzahl und der Garnnummer,
unter Anrechnung eines Prozentsatzes für Abfälle, ohne Rücksicht
darauf, daß die Garnnummern nicht immer stimmen, die Maße nicht
immer der Wirklichkeit entsprechen. Die fertige Kette wird ge-
wogen, wenn sie vom Scheren kommt, unter Berücksichtigung der
Abfallprozente und des Gewichts des Scherbaumes. Die Kette wird
gewogen, wenn sie geleimt und getrocknet ist, unter Abzug von
Prozenten für Leim und Schlichte. Das fertig appretierte Stück
        <pb n="328" />
        ﻿323

wird gewogen, wobei der Gewichtsverlust in der Weberei und Ap-
pretur genau bekannt sein muß. Welche dieser Methoden richtig ist,
darüber haben sich die Fachleute zu unterhalten. Hier interessiert in
der Hauptsache die Verteilung der Generalunkosten.

Man verteilt die Zusatzkosten lediglich nach dem Gewicht,
nach dem Maß, der Menge oder dem Flächeninhalt der
Fabrikate, z. B. in Webereien, Spinnereien, und dividiert einfach
die Jahressumme aller Unkosten durch die Produktion. Man nimmt
also auf die Feinheit der Zwirne, Garne etc. keine Rücksicht,
differenziert die Kostenanteile der Fäbrikatsgruppen nicht und er-
mittelt einfach und bequem, aber unrichtig einen Durchschnitts-
kostenpreis der Mengen-, Gewichts- oder Maßeinheit. Oder man
greift einige Unkosten, z. B. Lohn- und Materialunkosten heraus,
verteilt sie nach der Länge der Fertigfabrikate und den Rest der
Unkosten nach dem Gewicht, wobei nicht einzusehen ist, in welchem
ursächlichen Zusammenhang die Verteilungsmaßstäbe zur Propor-
tionalität der Unkosten stehen. Solche summarische Kalkulationen
sind richtig, wenn eine Fabrik stets die gleiche Produktion erzielt,
gleich nach Menge und Qualität, so daß der Kostenanteil der Pro-
duktionseinheit Schwankungen nicht unterworfen ist. Produziert
der Unternehmer mehr als das Normale, verringern sich die wirk-
lichen Selbstkosten gegenüber den berechneten. Bei günstiger Kon-
junktur kann der Produzent zu Normalpreisen verkaufen und trotz-
dem einen Mehrgewinn erzielen, bei Absatzvergrößerung hingegen
kann er den Überschuß über die normale Produktion zu billigeren
Preisen abgeben (vgl. Differentialkalkulation).

In Webereien versucht man eine Differenzierung der
Unkostenzuschläge mit Rücksicht auf die Verschiedenheit
der Ware, indem man die Rohstoff kosten sowie die Arbeitskosten,
diese nach Arbeitsstadien getrennt, berechnet, für die Ergänzungs-
kosten aber einen Aufschlag pro Meter Fertigware an-
rechnet, der, wenn er verhältnismäßig richtig sein soll, nach Art
der Ware, ob einfacher, schwieriger, hochschäftiger, Verschieden
sein muß. Der Aufschlag bleibt ein gefühlsmäßiger Schätzungs-
wert, der nicht rechnerisch auf seine Richtigkeit geprüft wird.
Andere Betriebe berechnen einen durchschnittlichen Prozent-
aufschlag auf die direkten Herstellungskosten oder
rechnen verschiedene Prozentaufschläge, welche die Art der Ware,
wie beim Meteraufschlag, oder den Verkaufswert berücksichtigen,
dergestalt, daß die bessere und teure Ware einen größeren Kosten-
zuschlag zu tragen hat. Wiederum andere Fabriken verteilen die
Ergänzungskosten nur nach der Höhe der Fabrikationslöhne, ohne
Rücksicht darauf, daß ein Teil der Unkosten nicht den Arbeitskosten
proportional ist.

21*
        <pb n="329" />
        ﻿324

Es gibt in der Praxis Kalkulationsmethoden, die auf die Be-
rechnung der Erzeugungskosten der einzelnen Produktionsstellen
(Arbeitssäle) verzichten, die Fabrikation kalkulatorisch als eine
Einheit auffassen, den Gesamtaufwand durch die Gesamtpro-
duktion dividieren. Dieses Verfahren verstößt gegen die ein-
fachen Grundsätze der Kalkulationslehre. Bei der Berechnung der
Einzelkosten der Arbeitsprozesse verteilt man die Zusatzkosten
nach dem. Gewicht der Stühle und für die Arbeitsstunden, differen-
ziert also die Stundenaufschläge, indem man der Breite der
Stühle, bzw. des Gewebes, mittelbar, einen Einfluß auf den Kosten-
anteil einräumt.

Eine mechanische .Weberei]) besitzt 442 einschützige
glatte Stühle, 178 Wechselstühle. Die Anlagen (Maschinen, Trans-
missionen) stehen mit Mk. 288 017,—, Liegenschaften und Gebäude
mit Mk. 196 142,— zu Buche.

Die monatlichen Unkosten erfordern:

5 o/o; Abschreibung auf Maschinen................

14%	„	„	Liegenschaften.............

2&lt;&gt;/o:	„	„	Gebäude ....................

5„°/o Zinsen auf das Anlagekapital...............

ö.o/o ,,	,,	„ Betriebskapital (300 000)

Verwaltung .......................

Bauunterhaltung . 1.......................... . .

Maschinen- und Geräte-Unterhaltung...............

Versicherung, Steuern............................

Dampf ...........................................

Gas..............................................

Meister, Bobinenfahrer, Spulenabgabe.............

Gehilfen ........................................

Stückschreiber und Nachseher.................... .

Putzerinnen, Näherinnen..........................

Betriebslöhne für Schlosser, Schreiner, Heizer,

Knechte, Taglöhner, Packer.....................

Schlichtmaterial ............

zusam’men

Mk.	1200,07
	80,-
	166,90
	2 017,43
	1250,—
	1763,30
	360,60
	1586,50
	647,—
	1261,20
&gt;1	288,05
	1571,70
	214 —
	374,10
	243,20
	1293,50
&gt;&gt;	570 —

Mk, 14 887,55

Das Betriebsjahr umfaßt 303 Arbeitstage z,u je 11 Arbeits-
stunden, von deren Gesamtzahl 55 Stunden für früheren Schluß der
Arbeitszeit am Tage vor Sonn- und F'eiertagen abgehen. Es ver-
bleiben ([303 X 11] —55): 12 für den Monat — gleichmäßiger Be-
trieb vorausgesetzt — 273 Betriebsstunden. Auf 1' Arbeitsstunde
entfallen somit Mk. 54,53s Betriebsunkosten.

*) Vgl. Österreichs Wollen- und Leinen-Industrie, 1903.
        <pb n="330" />
        ﻿Nun müssen diese Kosten auf die einzelnen Maschinen verteilt
werden. Die Weberei hat im Betrieb:

418	einschützige Stühle 100		cm	breit zu 9 Zentner			'	fl &lt;D  fl 1 © H3	7,831
24	77	77	120	7?	77	» 10	77	fl  i« -{3 &lt;d	•	8,701
66 Wechselstühle		105	&gt;7	7?	„ 12	• 77		10,441
34	77	145	77	77	» 14	77	.	-p ® n	12,181
24	&gt;7	125	77	77	„ 15	77	s-S	13,052
4	75	160	77	7?	„ 16	77		13,922
8	77	165	77	77	» 16	77	T-f «H © fl O	13,922
16	77	180	77	77	„ 17	77	00*© fl — '®	14,792
22	77	200	7?	77	„ 18	77	tf-al-g«	15,662
4	77	240	77	77	„ 24	77		20,882

TJ

fl

3

42

■3

Die Verteilung der Unkosten soll nach dem1 Stuhlgewicht er-
folgen : dieses beträgt für 620 Stühle nach obiger Aufstellung 6586
Zentner; wenn täglich 30 Stühle außer Betrieb sind, so sind die

Kosten auf insgesamt

6586 X 590
620

6267 Zentner zu verrechnen.

Auf 1: Zentner Stuhlgewicht entfallen (5453:6267) 0,8701 Pfg. Be-
triebskosten für 1 Arbeitsstunde.

Die Benutzung der Stundenaufschläge ist folgende: Z. B. für
137 cm rohe Damaste 22/24 Fäden aus 24/26 Garn verbraucht man:

Material............................ Mk.	37,95

Spulen, Zetteln, Schlichten, An-
drehen ..........	„	2 50

Weblohn .	    ’,	7’—

35 Stunden Arbeit auf 145cm
breiten Stühlen zu 12,181 Pfg.

Betriebskosten .	  ,,	6,70

Herstellungskosten	für	100	m’	Mk.	54,15

ausschließlich der Handlungs- und Verkaufsspesen.

In Webereien trennt man die Kosten nach Arbeitsprozessen
und verteilt die allgemeinen Unkosten gewöhnlich nach den Webe-
löhnen. Eine Ware, die schnell webt, verbraucht weniger Unkosten
und geringeren Lohn. Die produzierte Menge ist größer, dement-
sprechend der Kostenanteil kleiner. Für eine qualitativ bessere
Ware werden höhere Löhne bezahlt, demgemäß wird auch ein
größerer Unkostenanteil angerechnet. Hingegen läßt sich gegen die
Webelöhne als alleiniges Betriebsmaß sagen, daß eine billigere Ware,
für die weniger Lohn bezahlt wird, langsamer weben kann als die
höher bezahlte bessere Ware, somit ein größerer Anteil an konstanten
Unkosten berechnet ist.
        <pb n="331" />
        ﻿326

Kalkulationsbeispiel1 2 3): Textilindustrie.

Berechnung einer zweischäftigen Streichgarnware im Stück gefärbt.

Man braucht 18®/3 Kettengarn zu 4,50......................Mk. 84,—

(280000 m zu 15 000 m Länge auf 1 kg)

4% Materialverlust’) „	3,86

Schußmaterial: 1900 Schüsse auf 1 m; Webverlust 8%, von
100 m Kettengarn verbleiben 92 m Rohware zu 1900 Schüsse =

174 800 Schüsse; Länge der Ware auf dem Webstuhl einschl.
der Leisten 2,05 m; somit 174 800 X 2,05 = 358 340 m Schußgarn;

öoö 04U ■ 1UU

5% Web Verlust des Schusses, somit sind --—------- (d. h. 5%

95

im Hundert Aufschlag) = 377 200 m Schußgarn notwendig; bei
14 500 m Länge auf 1 kg des vorhandenen Spinnmaterials er-
gibt dies 26,013 kg zu 5,—.................................... 130,05

4% Materialverlust’)	„	5,20

Leistenmaterial: 42 Faden zu 102 m Länge == 3264 m zu 6000 m

Länge auf 1 kg = 544 zu 3 Mk................................... 1,63

Rohstoffkosten...............................................Mk. 224,24

Kettenscheren, Leimen, Trocknen, Aufbäumen Va Pf. für 1000m

Kettenfaden.................................................„	1,40

für Meisterlohn, Leim, Dampfkraft, Abschreibung der Maschinen,

Zuschlag hierauf 120%.......................................„	1,68

Knüpf lohn 6 Pfg für 100 Kettenfäden (von 2809 Kettenfäden) .	„	1,68

Weblohn 11 Pfg. für 1000 Schüsse (von 174 800 Schüssen) ...	„	19,23

für Gehälter des technischen Personals, Licht, Kraft, Abschreibungen,

Reparaturen, Zuschlag hierauf 50%...........................„	9,62

Stopf- und Nopplohn, Mk. 5.— für 2 Stück.......................... 5,—

für Auf- und Nachseher, Brand, Nähseide u. a., Zuschlag 40% .	„	2,—

Appretur:	35 Pfg. für 1 m fertige Ware,

(im eigenen 92 m Rohware,

Betriebe) 18,7 m 20% Verlust durch Eingang

73,6 m zu 35 Pfg.	„	25,76

für Wasser- und Dampf kosten, Soda, Seife, Karden etc. Zu-
schlag 50%......................................., . . . .	„	12,88

Karbonisieren, Neutralisieren, Spülen.......................... „	8,00

Färben (im Lohn, auswärts) laut Rechnung........................„	11,70

Selbstkosten	Mk.	323,19

Gewinn 10%	„	32,32

Mk. 355,51

’) Nach Reiser, a. a. O. S. 139 f.

2)	Jede Kette webt sich auf dem Webstuhl infolge der Fadenkreuzung ein.
Der Verlust ist abhängig von der Spannung der Kette, Dicke des Schußgarns,
Anzahl der Fadenkreuzung und der Schüsse.

3)	Der Schußfaden geht ein wegen der geringen Spannung beim Ablauf
und des Zurückprallens des Schützen vom Kasten.
        <pb n="332" />
        ﻿327

Übertrag: Mk. 335,51

Besondere Verkaufsspesen:

Zinsverluste durch Zielüberschreitung und während der Fabri-
kation 4°/«, Musterspesen Vs°/oi Zuschlag für fehlerhafte Ware
Vs0/«) Bankspesen, Verluste an Außenständen 5%i Frachtkosten

1%&gt; zusammen 10 */4% im Hundert

Hundert

Mk. 398,^3

+ 6% Skonto i. H. „	25,42

Mk. 423,75

+ 1% Verkaufsprovision i. H. „	4,28

Verkaufspreis für 73,6 m Mk. 428,03
1 m 3= Mk. 5,81.

NB. Die Ausgaben für Hilfs- und Nehenmaterial (öl, Schützen, Karden,
Nadeln, Stickseide, Verpackung u. a.) und die Betriebsverwaltung (Zeichner,
Meister, Aufseher, Nachseher, Musterweber usw.) sind in den Lohnaufschlftgen
verrechnet.

In beiden Kalkulationsbeispielen werden Rohstoff- und Arbeits-
kosten getrennt, die Zusatzkosten im1 ersten Beispiel summarisch
aufgeschlagen (pro Arbeitsstunde, in anderen Fällen x«/0. yom Um-
satz, Herstellungswert etc.), im zweiten Beispiel hingegen speziali-
siert nach den einzelnen Arbeitsstadien bzw. nach Einzelposten,
Nach einer dritten Methode werden die Arbeitskosten einschließ-
lich der Zusatzkosten kalkuliert, die Unkosten also voll-
ständig verteilt und eingerechnet. Das Schema dieser Kalkulations-
formel ist beispielsweise:

Jutegarn.

1.	Materialwert einschl. Materialunkosten .... Mk.

2.	Arbeitskosten:

Mk. 0,725

Schlichten
.Weben .

Kröppen

Kalandern
Mangeln .
Doublieren
Legen .	,

v &lt;&lt;146

„	0,146	„	5,393

Für 100 m Fertigware Mk. . .

Auf Seite 324 und 326 wurden Kalkulationsmethoden aus der
Textil-Industrie angegeben; die erste verteilt die Generalkosten nach
der Zahl der Betriebsstunden, die zweite durch Aufschlag auf die
Arbeitslöhne. Die folgende Methode verteilt sie auf die Produk-
tionsmenge.
        <pb n="333" />
        ﻿328

Berechnungsentwurf einer mechanischen Bunt-
weberei.

I.

G^rn preis:

a) Rohgarn einschließlich Fracht

10 Pfd. engl. — 4,5 kg = Mk. 14,30
1 „ = „	3,18

b) Garn, in einer Lohnbleicherei gebleicht:

Rohgarn

Bleichlohn

10 o/o Gewichtsverlust
Beförderung

c)	Gefärbt: Rohgarn
Färberlohn
Beförderung

Mk. 3,18

„ -,15

„ -,32

„ —,03 Mk. 3,68 f. 1 kg
Mk. 3,18

„	—,60 im Durchschnitt

„ — ,03 Mk. 3,81 f. 1 kg

II. K e 11 e n s p u 1 m a s c h i n e n:

a) Kosten: Zinsen und Amortisation auf
die Anlagekosten bzw. den jeweiligen
Buchwert, 10%' von Mk. =	Mk.

Betriebskosten dieser Maschine (vgl. Ma-
schinenkosten, 8. 198)	„

Gesamtkosten für 10 Maschinen zu 70
Haspel = 700 Haspel und 300 Ar-
beitstage

Mk. 4 043.55

b) Leistung: Trommelumfang 70 cm, Tourenzahl 130 pro
Minute;	i

Soll-Fadenlänge 70 X 130 ==	91 m

pro Stunde =	5	460	m

in 10 Arbeitsstunden =	54	600	m

Die Sollänge1) eines 36 er Garns ist 36 X 768 m auf
T768 ■ 36 -10"

1 Pfd. engl. d. i.

4,5

61.440 m auf 1 kg. Die

berechnete Leistung eines Haspels ist 54 600 m, die tat

') Die technische Methode (siehe S. 44, 73) legt ihrer Berechnung die theo-
retische oder Sollfadenlänge des Garns zugrunde und ermittelt, wieviel Garn
für eine bestimmte Stofflänge erforderlich ist (Länge des Stoffes mal Anzahl
der Kettenfäden für die Kette; Stoffbreite mal Anzahl der Schußfäden für das
Schußgam) unter Berücksichtigung der Verluste während der Verarbeitung.

Der tatsächliche Verbrauch wird von dieser theoretischen Bedarfsrechnung
ah weichen; er wird beeinflußt von der wirklichen Länge und dem tatsächlichen
Gewichte des Garns, der Gewissenhaftigkeit und Geschicklichkeit des Arbeiters,
dem Grade des Einwebens des Stoffes usf., Faktoren, die man bei der tech-
nischen Methode der Kostenermittelung mit in Rechnung ziehen kann.

Im obigen Beispiel handelt es sich um die Ermittelung von Durchschnitts-
werten.
        <pb n="334" />
        ﻿329

sächliche etwa 70o/o', d. i. 38 220 m pro Tag = 622 g.
Die Betriebskosten für l1 kg Garn stellen sich auf 3,1 Pfg.,
1 Haspel verursacht 191/4 Pfg. tägliche Kosten (ohne Löhne),
1! Tag erfordert Mk. 13,48 Generalkosten, d. i. pro Stunde
134,8 Pfg.

III.	Die Betriebskosten für die Kettenschermaschinen sind in
gleicher Weise zu ermitteln und aus der durchschnittlichen Leistung
und dem Lohn einer Arbeiterin die Durchschnittskosten pro Meter
Kette zu berechnen.

IY.—VI. Die Kosten des Schlichtens, des Schuß-Spulens und
des Webens sind ähnlich zu berechnen.

a)	Die durchschnittliche Tagesproduktion der Spülmaschinen

a

= —— xbxaix 600 berechnet sich aus dem durchschnittlichen

Umfang der Konusspule (a), der Tourenzahl pro Minute (b), Zahl
der Spindel (m) bei lOstündiger Arbeitsleistung, 70 o/o1 effektiver
Leistung und der Soll-Länge des verwendeten Garns auf ll kg (siehe
II.); die Spulkosten sind zu verteilen autf ll’ kg Garn. Z. B. Mk. 952,-—:

. 800.100.600 = 3,840 000 m Fadenlänge zu 70°/o = 2,688 000 m

Tagesproduktion zu 61,440 m auf 1 kg Garn Nr. 36 = 40 kg
Tagesproduktion, X 300 = 12 000, d. h. 8 Pfg. Betriebskosten für
1 kg Garn ohne Materialkosten und Arbeitslöhne.

b)	Die Tagesleistung der Webstühle ist zu ermitteln aus der
stündlichen Schußzahl, dividiert durch die Zahl der Fäden pro cm
Stoff, mal der täglichen Arbeitszeit und unter Anrechnung der tat-
sächlichen Leistung (etwa 60—70%! der theoretischen).

Die Webekosten werden für 1 m berechnet.

Die Formel für die Kalkulation des Einzelfabrikates entspricht
der auf S. 326 angeführten; doch entfallen die prozentuellen Lohn-
zuschläge, da die Betriebskosten und die Arbeitslöhne der Spül-
maschinen für 1 kg, alle anderen Herstellungskosten für 1 m be-
rechnet sind.

Wir verteilten alle Fabrikationskosten auf die einzelnen Arbeits-
stadien, also auch! die Zinsen und Abschreibungen auf die gemein-
samen Betriebsanlagen, Kraft, «Licht, Aufsicht, Betriebslöhne, d. h.
wir ermittelten die Platzkosten für die einzelnen Maschinengruppen
und Arbeitssäle. Ungenauer ist die Verteilung dieser gemeinsamen
Kosten auf die Gesamtproduktion des Jahres, auch dann, wenn sie
etwa die Breite der Stoffe, die Zahl der Fäden pro cm Stoff in Be-
rücksichtigung zieht.

Zum Schluß ein Beispiel aus der Kriegswirtschaft — Mai
1918 — für Mischgewebe:
        <pb n="335" />
        ﻿330

Einstellung: Kette 143 Faden auf 10 cm, 2,1—2,4er Papier,
Schuß 46 Faden auf 10 cm, 3 er Papier und 7 mm

Imitatgam zu kg...........................•_

Kietbreite 100; Warenbreite 100.

Kette:

143 Faden einschl. Kantfaden 68,0 kg
Ketteinweben . . . 20%	13,6 „

81,6 kg

Kettabfall...........5 %

Nr.- u. Feuchtigkeits-
Differenz .... 15%
20%

Scheren und Fadeneinziehen
Schuß:

460 Fäden ...............

Schußeinweben...	10 %

Spul- und Webabfall 5%
Nr.- u. Feuchtigkeits-
Differenz . . . .	15%

20%

Spullohn des Schusses . .
Weblohn
Unkosten 400 “/(

16,3 kg 97,9 kg zu Mk. 2,20. .

97.9	kg zu 10 Pfg ..................

21.9	kg

2,2 „

24,1 kg

4,8 kg 28,9 kg zu Mk. 4,49

28,9	kg zu 10 Pfg..............

Gewinn 10%.................................................

Ausrüstung roh, kalandern und dichten ...	............

126,8 kg Garn- und Gewebefracht zu 20 Pfg..................

7&gt;% für den Kriegsausschuß.......................... . .

100 Meter kosten:

Mk. 2,20

Mk. 215,38
„	9,79

„ 129,76
„	2,89

„	25,00

„ 100,00
Mk. 482,82
„	48,28

„ 130,00
„	25,86

j,____343

Mk. 689,89

1 Meter ungefärbt kostet Mk. 6,90.

Die Selbstkostenberechnung in der Maschinenindustrie.

Literatur: Peiser, Grundlagen der Betriebsrechnung in Maschinenbau-
anstalten. Berlin 1919. Schlesinger, Selbstkostenberechnung im Maschinen-
bau. Berlin 1911; Lilienthal, Fabrikorganisation, Fabrikbuchführung und
Selbstkostenberechnung der Firma Ludwig Loewe &amp; Co., A.-G., Berlin 1907 f.;
Brünier, Selbstkostenberechnung für Maschinenfabriken. Berlin 1908; Messer-
schmidt, Die Kalkulation im Maschinenwesen. 2. Aufl. Essen 1903; Johan-
ning, Die Organisation der Fabrikbetriebe. 3. Aufl. Braunschweig 1908; Er-
lache r, Briefe eines Betriebsleiters über die Organisation technischer Betriebe.
Hannover 1906; 4. Aufl. unter dem Titel: Organisation von Fabrikbetrieben,
1913; Grimshaw, Werkstattbetrieb und Werkstattorganisation mit besonderem
Bezug auf Werkstattbuchführung. Hannover 1903, 3. Aufl. 1908; Lewin, Werk-
stattbuchführung für moderne Betriebe. Berlin 1906; Sperlich, Unkosten-
kalkulation. 2. Aufl. Hannover 1906; Ballewski-Lewin, Der Fabrikbetrieb.
3. Aufl. Berlin 1912; Möller, Aus der amerikanischen Werkstattpraxis. Berlin
1904; Blum, Gesamtorganisation der Berliner Anhaitischen Maschinenbau A.-G.
Berlin 1911; Meyenberg, Einführung in die Organisation von Maschinen-
fabriken unter besonderer Berücksichtigung der Selbstkostenberechnung; 2. Aufl.
Berlin 1919. Liske, Die Organisation einer mittleren Maschinenfabrik. Leipzig
        <pb n="336" />
        ﻿331

1913; Ergänzungsband 1 der Zeitschrift für handelswissensehaftliche For-
schung, Leipzig 1910: Bing: Die Grundlagen der Selbstkostenberechnung im
Eisenbahnwagenbau, und Schrey, Fabrikbuchführung und Selbstkostenberech-
nung beim Bau von Eisenbahnwagen; Ergänzungsband II. Leipzig 1911:
Pfeiffer (Maschinenbau und Gießerei); Moeser (Maschinenfabrik mit Eisen-
gießerei); Dehez (Dampfkessel, Maschinenbauanstalt); Gl unk (Fabrik land-
wirtschaftlicher Maschinen mit Eisengießerei und Handelsabteilung). In der
Zeitschrift für handelswissenschaftliche Forschung. 3. Jahrgang,
S. 1 f. (Bestellungswesen und Einzelverrechnung in Maschinenfabriken.) 4. Jahr-
gang, S. 94 ff. (Kuse, Selbstkostenberechnung der Werkzeugfabrikation mit
verschiedenen Artikeln), S. 225 ff. (Leb eis, Selbstkostenberechnung einer Fabrik
für Beleuchtungsartikel.) Hartleib, Lohnbuchführung mit besonderer Rück-
sicht auf die Maschinenfabrikation, 2. Aufl., Leipzig 1907.

Im Maschinenbau scheint man, seit man überhaupt anfing zu
rechnen, stets die produktiven Löhne als den geeignetsten Ver-
teilungsmaßstab angewendet zu haben, a) Die Kalkulationsformeln
waren einfach wie die Betriebsverhältnisse selbst: Materialkosten
-{- Löhne -{- 100’%' Unkosten auf die Lohnsumme. Es wird behauptet,
daß heute noch diese ebenso einfache wie falsche Formel in einigen
Betrieben zur Anwendung kommt, insbesondere dort, wo die Fabrik
ohne Konkurrenz arbeitet und der geforderte Preis vom Konsumenten
bezahlt werden muß. Der Durchschnittsaufschlag ist heute
noch geeignet für Betriebe mit gleichmäßiger Massenfabrikation und
für Spezialfabriken, die nur einen Gegenstand erzeugen *). Ein Durch-
schnittsaufschlag kommt auch bei Voranschlägen zur Anwendung,
b) Schon Bailewski (Kalkulation für Maschinenfabriken, Magde-
burg 1877, 2. Aufl. 1880) wies auf die Unzulänglichkeit eines
Durchschnittsaufschlages für den ganzen Betrieb hin und forderte
die Berechnung der Werk Stattunkosten sowie die Verteilung
der Generalkosten auf die produktiven Löhne der Werkstätten.
1903 wurde diese Forderung von Benjamin in der Zeitschrift
des Vereins deutscher Ingenieure wieder aufgenommen, 1904 von
Sp er lieh (Reform der Unkostenberechnung in Fabrikbetrieben.
Hannover 1904. 2. Aufl. unter dem Titel Unkostenkalkulation. 1906)
wiederholt und seit dieser Zeit von allen Theoretikern und Praktikern
vertreten. Die Differenzierung der Unkosten nach Fabrik-
abteilungen ist insbesondere notwendig, wenn der Wettbewerb und
die zunehmende Vielseitigkeit der Fabrikation zu scharfem Rechnen
zwingen.

c)	Die zunehmende Differenzierung der Arbeitsmethoden, die
Mechanisierung und Automatisierung des Arbeitsprozesses ließen
auch die Werkstattauf schlage in vielen Fällen unzulänglich ler-
ischeinen. West — in der deutschen Industrieizeitung 1905: Fälsche

’) Über einen ähnlichen Pauschalzuschlag berichtet Dribbusch, Kalkulation
und Generalienberechnung der Sägewerke und Holzbearbeitungsbetriebe.

Berlin 1910.
        <pb n="337" />
        ﻿332

Selbstkostenberechnung in Fabrikbetriebein; Richtige Selbstkosten-
berechnung — ging in der Spezialisierung der .Verrechnung nach
amerikanischem Vor bilde weiter und verlangte diese Ermittelung
der Kosten des einzelnen Arbeitsplla.tzies.

Es erscheint überflüssig, mit Rücksicht auf die vorzüglichen Mono-
graphien über die Selbstkostenberechnung im Maschinenbau, hier
noch einmal ausführlicher auf die Berechnungsmethoden einzugehen.
Es erübrigt sich auch deshalb, weil an verschiedenen Stellen dieses
Buches auf die Berechnungsverfahren Bezug genommen wurde (vgl.
177 ff.). Auf einen Umstand .aber wollen wir hier nachdrücklich hin-
weisen : Die monographischen Darstellungen, so ausgezeichnet sie
sind, geben fast nie jene Faktoren an, die für die Beurteilung der in
Vorschlag gebrachten Organisation maßgebend sind: Die Größe des
Betriebes nach Arbeiter-, Beamtenzahl und Umsatz, die Kosten der
vorgeschlagenen Selbstkostenberechnung. Es gibt notwendige,
aber auch überflüssige Unternehmungskosten, auch
überflüssige Kosten der Kostenermittelung. Je sub-
tiler die Kostenberechnung, um so teurer wird sie naturgemäß. Es
können unter Umständen die Fehler der bisherigen Kostenermittelung
geringer sein als die Kosten einer genaueren: ex malis eligere
minima.

Die Verteilungsmethoden der Unkosten sind bekannt: Diffe-
renzierte Lohnaufschläge, Maschinenbetriebs-
stunden, Arbeit.sk osten plätze. Gelegentlich wurde er-
wähnt, daß die Betriebsverhältnisse in manchen Unternehmungen es
notwendig erscheinen lassen, nicht für die ganze Unternehmuing
einen Modus zu wählen, sondern an den verschiedenen P'roduktions-
stellen auch verschiedene Berechnungsweisen zur Anwendung zu
bringen. Ein gutes Beispiel hierfür bietet ‘ die Monographie von
Lilien thal, in der die Unkostenverteilung wie folgt erledigt wird:

I. Allgemeiner Maschinenbau. (Katalogmäßige Werkzeug-
maschinen in Serien von 10—100 Stück.)

Prozentaufschlag auf produktiven Arbeitslohn, differen-
ziert für jede der 15 Unterabteilungen.

Gliederung der Betriebsunkosten:

;1. iAb teilungsunk osten, direkt für jede Abteilung be-
stimmbar: Abschreibungen und Reparaturen an Werkzeug-
maschinen, Verbrauch an Werkzeugen, Kraft, Riemen, Hilfs-
materialien; Löhne für Hilfsarbeiter, Lehrlinge; Meister-
gehälter etc.

2. Allgemeine Werkstattunkosten (Verwaltung,
Revision, technisches Bureau etc.).
        <pb n="338" />
        ﻿333

3.	Gemeinschaftliche Unkosten (Fuhrwesen, Bahn-
anschluß, Bureau für Arbeiterangelegenheiten, Lichtpaus-
anstalt).

II. Spezialinaschinenbau (teilweise Einzelfabrikation).

a)	-Maschinenunkosten (Abschreibung, Kraft) verteilt
pro Maschinenarbeitsstunde.

b)	Abteilungs Unkosten: Prozentaufschlag auf pro-
duktive- Löhne, differenziert nach Abteilungen.

c)	GemeinschaftlicheUnkosten: Prozentual gleicher
Lohnaufschlag für alle Abteilungen.

III.	Werkzeugbau, wie I. 9 Unterabteilungen.

IV.	Spezialwerkzeugbau: Einheitlicher Unkostenaufschlag für

alle Arbeiten der ganzen .Abteilung.

V. Normalienfabrik (vorwiegend automatischer Betrieb).

a)	Maschinenunkosten für jedö Maschine ermittelt,
verteilt nach der Arbeitszeit (Maschinenstunden).

b)	Werkstattunkosten: prozentual auf die produktiven
Löhne.

VI.	Eisengießere i (vgl. S. 3341).

VII.	Einrichtern (Hilfs-, nicht Produktionsbetrieb), durchschnitt-

licher Prozentaufschlag (Löhne).

VIII. Schmiede:

a) Schmiedearbeiten: Lohnzuschlag.

,fb) (Abstecherei; die gesamten Kosten werden als Be-
triebsunkosten verrechnet und den entnehmenden Ab-
teilungen im .Verhältnis des Wertes des entnommenen
Materials belastet.

c)	Härterei: wie b.

IX.	Modelltischlerei: Lohnaufschlag.

X.	Betriebswerkstätten: Lohnzuschläge, differenziert für

a)	Arbeiten ohne Werkzeuge und Maschinen,

b)	Arbeiten mit Hilfe von Werkzeugen,

c)	Arbeiten, die maschinellen Betrieb erfordern.

XI. Kraftzentrale (Kosten auf 12 Unterkonten verrechnet!):

Das Konto wird für die Stromlieferungen, Kosten der Heizung,
Druckluft und Dampf kreditiert; wegen der monatlich schwan-
kenden Kosten wird der Verrechnung ein Einheitspreis pro
Kilowattstunde zugrunde gelegt und am! Jahresschluß der
Unterschied zwischen dem wirklichen und dem angenommenen
Preis den verschiedenen Betriebskonten gutgeschrieben bzw.
nachberechnet.
        <pb n="339" />
        ﻿XII. Chemisches Laboratorium (physikalische und chemische Unter-
suchung der Rohmaterialien etc.); die Verrechnung' der
Kosten erfolgt auf 12 Unterkonten, die Entlastung monatlich.

Die Selbstkostenberechnung in der Eisengießerei.

Literatur: Messerschmidt. Die Kalkulation in Eisengießereien. 4. Aufl.
Essen 1907. Winkler, Die kaufmännische Verwaltung einer Eisengießerei.
Berlin 1906. Lilienthal, a. a. O. S. 106—132. Leber, Die Frage der Selbst-
kostenberechnung von Gußstücken in Theorie und Praxis. Düsseldorf 1910. Er-
gänzungsband II der Zeitschrift für handelswissenschaftliche For-
schung. Leipzig 1911; S. 18 ff. (Pfeiffer), 59 ff. (Moeser), 82 ff. (Bergner),
165 ff. (Glück). Stahl und Eisen 1906. S. 1062, 1132 ff. Vgl. auch S. 100,
176 dieses Buches.

Die Kalkulation in der Eisengießerei hat wie jede andere In-
dustrie verschiedene Reinheitsgrade aufzuweisen. Trotz der umfang-
reichen Literatur scheint eine allseitig befriedigende Lösung der
Frage nach der richtigen Kalkulationsmethode noch nicht gefunden
zu sein, dürfte sich unserer Ansicht nach auch nicht finden lassen
wegen der Mannigfaltigkeit der produktions-technischen Verhält-
nisse: Die Eigenart des Betriebes, die Arbeitsweisen und die Art
der herzustellenden Waren (Form-, Maschinen-, Hand-, Sandguß,
Lehm- und Zylinderguß, Masseguß, Herdguß); ob eine Eisengießerei
nur für den eigenen Betrieb als Rohimüteriallieferantin arbeitet oder
nur Kundenguß, oder für das eigene Werk und für Kunden produziert.

ll Die einfachste Methode für Betriebe mit gleichartiger und
Massenproduktion einfachster Art ist die Berechnung eines ein-
heitlichen Durchschnittspreises für brauchbare Ware:
Die Gesamtkosten dividiert durch die Produktion, umgerechnet auf
100 oder 1000 kg Fertigguß. Diese Methode kann man auch in
Betrieben mit komplizierter Produktion für statistische Zwecke
verwenden, um monatlich die durchschnittlichen Selbstkosten der
Gießerei festzustellen, die Schwankungen in den einzelnen Unkosten
(Durchschnittswerte) und ihre Ursachen zu erforschen (Lilien-
thal, a. a. O. S. 120).

2.	Da nach der ersten Methode einfache und komplizierte Guß-
stücke gleichmäßig falsch kalkuliert werden, teilen einige Fabriken
die Guß waren in verschiedene Gruppen, entweder nach der
Herstellungsart oder nach dem Gewicht und berechnen für jede
Gruppe die Selbstkosten oder bestimmen für jede Gruppe einen
festen Grundpreis, der nach den Schwankungen des Roheisenpreises
erhöht oder erniedrigt wird (Gruppenberechnung).

3.	Die bisher angeführten Kalkulationsmethoden berechnen den
Anteil der Fertigware an den allgemeinen Unkosten und an den
        <pb n="340" />
        ﻿335

Fabrikationskosten gleichmäßig auf 100 oder 1000 kg brauchbaren
Guß. Die von Messerschmidt (1881) *) zuerst eingeführte Me-
thode trennt zunächst die Kosten des Schmelzens von jenen
des Formens und Gießens. Die Kosten des Schmelzens, Ab-
brand und Modellerhaltung werden auf 1000 kg berechnet, die Putzer-
löhne, die allgemeinen Unkosten, Abschreibungen imd der Gewinn
auf die produktiven Löhne der Former und Kernmacher verteilt.
Sie kombiniert demnach Gewichts- und Lohn Zuschlag (vgl. die
Normalkalkulation S. 176).

4.	Eine Weiterbildung der Kalkulationsmethoden stellt die durch
Winkler zuerst 1906* 2) bekannt gewordene Methode dar. Dieser
Berechnungsmodus individualisiert die Stückekalkulation teilweise,
indem man den Eisenwert (unter Berücksichtigung des Abfalles
und Abbrandes), den Schmelzkoksverbrauch und die Schmelzerlöhne,
Former- und Kernmacherlöhne durch Einzelermittelung auf
dasStück berechnet, dann aber Gußstücke von annähernd gleichen
Abfällen und gleichem Gewicht in Gruppen zusammenfaßt und
einen entsprechenden Tabellenwert, Gruppenwert, kalkuliert.
Der Aufbau der Kalkulation sei durch folgende Zusammenstellung
charakterisiert.	\

I.	Wert des eingesetzten Eisens. Zu berücksichtigen sind Abbrand
und Abfall für Einguß, Läufe und Steiger.

a)	Abbrand. Eisenverbrauch 40000 kg = Mk. 2980 zu 7,45 Durchschnitts-

preis

Eisengewicht der gewogenen

Ware.................. 36 400 „

Abbrand................. 3 600 kg

d. i. Mk. 8,17 pro 100 kg mit Rücksicht auf den Abbrand von 9%.

b)	Abfall. Durchschnittlich werden 662/3 vom Eiseneinsatz guter brauch-
barer Guß erzielt. Man rechnet mit einem durchschnittlichen Abfall
von 50°/o der Fertigware. (Die Abfälle werden auf die Fertigware be-
zogen: 300 kg eingesetztes Eisen, 200 kg reiner Guß, Abfall 100 kg =
50%.) Die Abfallmenge beeinflußt den Wert des eingesetzten Eisens.
Sie schwankt nach Ausführung und Art der Gußstücke, weshalb es sich
empfiehlt, nach einer Tabelle zu rechnen, die mit einem durchschnitt-
lichen Eisenpreis aufgestellt wird3). Z. B. 30% Abfall; für 100 kg
reinen Guß bei einem Abfall von 30% Abfall sind

130 kg erforderlich
zuzüglich 11,7 „ 9% Abbrand
Einsatz 141,7 kg

') Die Kalkulation in der Eisengießerei und der Gießereitechniker in seinem
Betrieb, nebst Anhang über Akkordverträge und die gebräuchlichen Akkord-
sätze, sowie Beispiele der Anwendung der Kalkulation auf Vormmaschinenbe-
triebe. Essen 1881. In zwei Bänden erscheint das Werk seit 1903 (3. Aufl.).

2)	Auch Lilienthal, a. a. O. S. 119; Kritik der Methoden 3. und 4. bei
Leber.

3)	Winkler, S. 55 f.; Lilienthal, S. 122 f.
        <pb n="341" />
        ﻿336

berechnet zum Durchschnittspreis von
Mk. 8,50 = 12,05 Mk.

— 1,80 „ Bruch wert des Abfalles 30 kg zu 6 Mk.

10,25 Mk. Wert des Eisens pro 100 kg.

Bei besonderer Zusammensetzung des Roheisens muß eine Richtigstellung
dieses Einheitspreises erfolgen.

II.	Schmelzkosten, getrennt berechnet für Eisen und Metall, weil
einzelne Materialkosten verschieden sind. Beispielsweise verbraucht die Metall-
gießerei mehr Schmelzkoks und Schmelzmaterialien. Die Kostenermittelung
trennt die Löhne der Ofenarbeiter für die Beschickung der Kupolöfen und für
das Schmelzen. Für die Stückkalkulation wird ein Durchschnittspreis pro 100 kg
Fertigware angenommen oder man stuft Schmelzerlöhne und Schmelzkoks
unter Annahme eines 50° oigen Normalabfalls nach oben und nach unten ab.

III.	Gießereikosten: Arbeitslöhne für Former, Kernmacher, Putzer.

IV.	Al lg em eine Betriebskosten, Hilfsmaterialien und Hilfslöhne.
Die Behandlung ist verschieden schon hinsichtlich der Aufteilung. Manche Kal-
kulatoren rechnen die Schmelzkosten wie unter II angegeben, die allgemeinen
Kosten des Schmelzprozesses und jene der Gießerei summarisch. Winkler
und Lilienthal rechnen Hilfsmaterial und Hilfslöhne in der Stückkalkulation
prozentual zu den Former- und Kemmacherlöhnen auf Grund des Jahresdurch-
schnittes. Die Gußstücke werden im Stückakkord oder im Gewicktsakkord ge-
reinigt. Im letzten Fall stellt man den Gruppenpreis in Rechnung.

Das Schema der Berechnung ist wie folgt:

Eisenpreis .............................................  Mk.	.	.	.

Löhne für Former und Kernmacher........................„	...

-j- 62 o/o auf die Löhne für Hilfsmaterialien, Hilfs-
löhne, T'rockenmaterial; Form- und Kernsand .	„	...

Schmelzerlöhne nach der Tabelle.......................  „	...

Schiüelzkoks nach der Tabelle........................  ,,	...

-f- 25 o/o Betriebsunkosten ...........................„	...

Mk. . .	.

5.	Die bisher skizzierten Berechnungsmethoden sind Zu sum-
marisch und berücksichtigen die, man möchte fast sagen, individuellen
Verhältnisse der einzelnen Gußstücke nicht oder zu wenig. Die
nun folgenden Schemata der Gesamt- und Einzelkalkulation mögen
zeigen, wie man bestrebt ist, den besonderen Verhältnissen des
Betriebes auch in der Berechnungsmethode gerecht zu werden *).

Tabelle I gibt eine gute Gliederung der Unkosten Verrechnung,
während die Kalkulation des einzelnen Stücks mangelhaft erscheint
(Seite 337).

Das Schema trennt die Schmelzkosten von denen der Formerei
und Putzerei. Der Nettomaterialwert ergibt sich aus dem
Aufwand an Rohstoffen abzüglich des Wertes der Abfälle. Das

*) Ergänzungsband II, S. 61 f., 19 f., 166 f.
        <pb n="342" />
        ﻿337

Tabelle I.

Monatliche Zusammenstellung der Gesamtkosten.

Gießerei. (Ofenanlage, Formerei und Putzerei.) Monat Juli 19 .

Gegenstand

Gewicht

kg

Ofen-

anlage

Mk. |Pfg.

Formerei

MkJPfg.

Putzerei
Mk. |Pfg.

Summa
Mk. I Pfg.

Metallischer Einsatz .	.

Zuschläge u. Brennmaterial

Summe................

Davon ab Abfälle .	.	.

Netto - Materialauf-
wand ................

Hilfsmaterial.....

Löhne .	............

Gehälter.............

Betriebsregie ....

Fabriksregie.........

Werkzeuge............

Erhaltungskosten .	.	.

Dampfkosten.....
Elektrische Beleuchtung
„ Kraft . . .
Versuchskosten ....
Abschreibungen....
Zinsen

Ausschußkosten der Appreturwerk-
stätte .................

Ausschußkosten der Schmiede .	.

Material- und Fabrikationsaufwand

in Sa.........................

Verreehnungswert vom kg Er-
zeugg...............'............

Betriebsergebnisse ,

Rohmaterial wird durch Aufzeichnungen während einer längeren
Betriebsperiode (buchmäßiger Verbrauch) oder durch monatliche
Inventur (Anfangsvorrat -|- Einkäufe -4- Schlußbestand = tatsäch-
licher Verbrauch) ermittelt. Häufig wird das zweite Verfahren zur
Kontrolle des ersten angewendet. Der Kalkulation wird der tat-
sächliche Verbrauch zugrunde gelegt. Als Wert der Abfälle ist
der „Geschäftswert“ anzusetzen, d. h. der Wert, den sie für den
Betrieb haben. Der Stückpreis (Einzelkalkulation) besteht aus
Materialwert, Löhnen und Zuschlägen.' Die Zuschläge werden
nach folgendem Schema getrennt:

Leitner, SelbstkosUnbereclinuug. 7. Aufl.

22
        <pb n="343" />
        ﻿338

A. Formerei:

a) Allgemeine Kosten (für Sand, Graphit, Werkzeuge, Siebe,
Gehälter der Betriebsbeamten, Abschreibungen, Unter-

,Tabelle II.

Ermittelung des Eisen- und Metallpreises.

	Eisengießerei			Metallgießerei		
	Lehm- und  Zylinderguß	Masseguß	Sandguß	c3  a  eg  ’S  £	Kotguß	Stopf-  büchsen
kg fertiger Guß ....	1000-	1000,—	1000,—	1000,—	1000,—	1000,-
Lohn Former		60,—	50,—	40,-	40,-	300,-	300,-
„ Kernmacher .	.	.	—	30		—	—	—
„ Putzer	  Preis Eisen und Metall .	110,-	30,— 100,—	90,—	3000,—	2000,-	2000
Preis für 100 kg einschl. Abbrand		11,-	10,—	t  9,-	300,—	200,—	200,—
Sonstiges Material . . . Schmelzkoks ....	1,-	1-	1,—	1,50	2,50	2,50
Trockenkoks ....	1,—	1,—	—,50			
Holzkohlen		—,50	— 50							
Lykopodium ....	—	—	—	—	—^50	—
Lehm		—,50		,							
Tiegel		—	—	—	2,-	2,—	2,-
Pferdedünger ....	—,50	—,50	-.50	—,50	—,50	—,50
Verschiedenes ....	—,50	—,50	—,50	—,50	—,50	—,50
Ofenarbeiter ....	—,50	—,50	—,50			
	15,50	14,—	12,—						
Kernmacher				1,50	1,50					
Putzer		1-	1»—	1-	—	—	—
Former		16,50	16,50	14,50	304,50	206,—	205,50
	6,-	5,-	4,-	4-	30,-	30,—

haltung der Gebäude) werden für das einzelne Gußstück
auf alle Formerlöhne verteilt,
b) Besondere Betriebskosten für Formmaschinen, die
durch Aufschlag auf die Maschinenlöhne gedeckt werden.

B. Putzerei:

a)	Allgemeine Kosten ähnlich wie 1'. a).

b)	Besondere Betriebskosten

a) für Putzen von Hand- (Werkzeuge, Preßlufthäm-
mer etc.),

ß) für Putzen mit dem Sandstrahlgebläse.
        <pb n="344" />
        ﻿339

Tabelle II ist in bezug auf die Einzelkalkulation gut gegliedert,
die Gesamtkostenberechnung ist summarisch.

Das Formular der Lohnverteilung für diese Gießerei trennt
die Löhne für Kernmacher, Putzer, Lehm-, Masse- und Sandformer,
Metallformer, Arbeiter für Einstampfen und Ausschachten, Schlosser,
Schmiede, Zimmerleute. Die Aufstellung ergibt die Kosten für 100 kg
Guß wäre (nicht flüssigen Eisens). Die im Schema nicht angegebenen
Generalkosten der Gießerei werden in der Einzelkalkulation durch
Aufschlag auf die Formerlöhne gedeckt.

Tabelle III wendet die für die Masehinenindustrie geforderte
Platzkostenmethode an (Seite 196 f.).

Die Kosteneinteilung und -Verteilung ist die folgende: a) Löhne
(ca. 700 t Guß jährlich), die Mischung des Eisens ungefähr gleich-
bleibend. b) Rohmaterialien, c) Betriebskosten.

a) Konstante Betriebskosten:

1.	Kupolofen | Verzinsung, Abschreibung, Unterhaltung für

2.	Ventilator i das Jahr berechnet und durch die Erzeugungs-

3.	Elektromotor)	menge dividiert.

4.	Gebäude und Einrichtungen der Gießerei, berechnet nach
der Grundfläche jedes Arbeitsplatzes.

5.	Werkstättenaufsicht, auf die Arbeitsplätze gleichmäßig ver-
teilt.

6.	Modellkosten, wie die Kosten 1.—3. berechnet,
ß) Veränderliche Betriebskosten:

7.	Beleuchtung, Heizung, Reinigung, nach Maßgabe der Grund-
fläche auf die Arbeitsplätze verteilt.

8.	Versuche, Analysen, wie 1.—3. berechnet.

9.	Material und Werkzeuge, für jeden Arbeitsplatz besonders
berechnet.

10.	Einmauerungskosten des Kupol-
ofens

11.	Kosten der Formereimaschinen

12.	Hilfsmaschinen nebst Löhnen

für jede Gußperiode be-
rechnet und nach der
Menge der Produktion ver-
teilt.

6.	In einer vortrefflichen kritischen, vom Standpunkt des Eisen-
gießerei-Ingenieurs geschriebenen Studie unternimmt es Leber,
die Mängel der üblichen Kalkulationsmethode, der indirekten oder
Durchschnittskalkulation, aufzudecken und ein neues an die Be-
rechnungsmethode im Maschinenbau erinnerndes Kalkulationssystem
zu entwickeln, die direkte Kalkulation auf das Stück.
Er unterscheidet zwischen allgemeinenünkosten (Zinsen, Ab-
schreibungen, Versicherung, Gehälter der kaufmännischen und Be-

22*
        <pb n="345" />
        ﻿Tabelle III.

Kostenerinittelung für jede Gießcharge.

Hilfskosten

Platz-Nr.	Art des Platzes	Betriebszeit  Stunden	Platzkosten pro Stück	a  &lt;x&gt;  CQ Ö  ° Es  *4 cö  3 8  eö &amp;C  s	Löhne	Gesamt-  kosten
128	Kernmacher .	.	17	12,2	2,08	6,80	8,88
129		18	12,2	2,20	7,20	9,40
130		18	12,1	2,17	6,85	9,02
131	Gußputzer	20	15,3	3,06	8,40	11,46
132		20	15,3	3,06	8,40	11,46
133		19	15,3	2,91	7,60	10,51
134	Sandmüller .	.	15	13,7	2,06	5,40	7,46
135	Kranenfiihrer .	.	20	7,2	1,44	8,-	9,44
136	Arbeiter . . .	20		—		' 	
137	„	usw.	20	—	—	—	—
Sa.						212,80

Hilfskosten................ . pro 100 kg Mk. 4,84

Laufende Kosten (1 — 3, 7) . „ 100 „ „ 2,23
Modellkosten................„ 100 „ „ —,45

Gesamtzuschlag Mk. 7,52

Eisenrechnung
Preis pro 100 kg

25%—1250 kg Hämatit	  15% — 755 „ Kraft III	  5%— 250 „ Weißeisen	  50% —2500 „ Bruch	  5°/o= 250 „ Schmiedeeisenabfälle .	7,40  6,75  6,20  5,95  3,20	Mk. 92,50 »	51,-  „ 15,50 „	148,50  ii	8,—
100 % — 5005 kg Eisen			Mk. 315,50
Zurück: 320 „ Trichter, Schrott usw. zu 5,50		„	17,60
4685 kg Verbrauch	  Abbrand: 290 „ -\- 6,1 °/o  4395 kg Fertigware		Mk. 297,90

100 „ Füllkoks
350 „ Setzkoks

450 kg Koks zu 3,—....................Mk.	13,50

Kalksteine.......................................„	1,10

Gesamtausgabe für	den Einsatz.................Mk.	312,50

Einsatzkosten pro 100 kg........................... 7,11

Zuschlag pro 100 kg................................ 7,52

Kosten pro 100 kg	Fertigguß...................Mk.	14,63

340
        <pb n="346" />
        ﻿341

triebsleitung), die mit dem unmittelbaren. Erzeugungsprozeß nichts
zu tun haben, und F'abrikationdunk osten, die zlwar für
das einzelne Stück nicht unmittelbar angegeben werden können,
aber als direkte Fabrikationsausgaben betrachtet werden müssen
(Reparaturen, Hilfsmaterialien, Gehälter der Meister und Vorarbeiter
usw.). Der ganze Betrieb —• das ausgearbeitete Beispiel bezieht
sich1 auf einen Betrieb mit 231! Arbeitern und eine monatliche Lohn-
summe von 38 700 Mk. — wird in Abteilungen zergliedert (Kern-
macherei, Trocknerei, Massen-, Sand-, Lehm-, Maschinenformerei,
Schmelzerei etc.). Jeder Abteilung werden die von ihr verursachten
Fabrikationsunkosten belastet, während die allgemeinen Unkosten
den Abteilungen proportional den Lohn- und Materialausgaben zu-
geschrieben werden. Das Eisengewicht und die produktiven Löhne
bilden, nach Leber, keinen Maßstab für den Wert des Gußstückes,
also auch keinen Verteilungsmaßstab für die Unkosten. Für jede
Abteilung werden Lohn- und Materialaufwand allmonatlich aufge-
stellt. Eine genaue E i n z e 1 ermittelung des Lohn- und Material-
verbrauchs auf das Stück (direkte Kalkulation) ist notwendig, um
die in Vorschlag gebrachte, in der Praxis recht komplizierte Kosten-
berechnung nach den Vorschlägen Lebers1) konsequent durch-
führen zu können, ein Berechnungsmodus, der allerdings eine weit-
gehende Individualisierung der Selbstkosten der Gußstücke ermöglicht.

Beispiel einer Kostenberechnung für Graugußkörper
(April 1917).

1. Einsatz.

30	kg	Roheisen	zu	95,—	Mk.............................=	28,50

30	„	fremder Schrott	„	135,—	„	 =	40,50

35	„	Trichter, Eingüsse	„	120,—	„	  =	42,—

5	„	Stahlschrott	„	100,—	„	 =	5,—

100 kg	116,—

7°/o Abbrand......................................................... 8,15

124,15

20°/o Koks zu	29,—	Mk................................................ 5,80

4 °/o Kalk „	6,—	„	......................................... —,25

130,20

II. Schmelzkosten

einschl. Unkostenzuschlag und Zuschlag für Nachtarbeit und Über-

stunden (ISO0/0 + 10 °/o)............................................. 5,20

1 Tonne flüssigen Stahls................................................135,40

’) Man vergleiche beispielsweise die genaue Verrechnung der Hilfslöhne
bei Leber, S. 35 f. und die Berechnung des Einheitspreises für das Eisen-
und Formmaterial S. 42.
        <pb n="347" />
        ﻿. —	5246,75
	930,—
. —	1800,-
. — 2516,75	
	2,55
30	
08	
04	
03	
45	
25	1,70
	—,45
	—,35
	—,45
5,50	

Die Selbstkostenberechnung- im Bergbau, in Hütten-
betrieben und Walzwerken.

Literatur: Ältere Werke: Mannlicher, Leitfaden der Verrechnungs-
kunde von Montanwerken nach dem System der doppelten Buchführung. Graz
1865; Gottschalk, Die Grundlagen des Rechnungswesens und ihre Anwen-
dung auf industrielle Anstalten, insbesondere auf Bergbau, Hütten- und Fabrik-
betriebe. Leipzig 1865.

Waink, Leitfaden der montanistischen Buchführung. Leoben 1898; Der-
selbe, Montanistische Buchführung in Tabellenform. Wien 1910; Wagner,
Selbstkostenberechnung gemischter Werke der Großeisenindustrie. Berlin 1912
(vgl. dazu Hey mann, Die gemischten Werke im deutschen Großeisengewerbe.
Münchener volkswirtschaftliche Studien. Stuttgart 1914, für die volkswirt-
schaftliche Seite. Gemeinfaßliche Darstellung des Eisenhüttenwesens.
Herausgegeben vom Verein deutscher Eisenhüttenleute in Düsseldorf, 8. Aufl.
1912, für die technische Seite); Schuchart, Die Selbstkostenberechnung für
Hüttenwerke, insbesondere für Eisen- und Stahlwerke. Düsseldorf 1909; Pau-
lukat, Buchführung in Bergwerksbetrieben. Staßfurt 1909; in der Zeitschrift
für handelswissenschaftliche Forschung, 3. Jahrg., S. 121 ff. (Cal-
mes, Die Buchführung und das Selbstkostenwesen einer Eisenhütte); 4. Jahrg.,
S. 226f. (Kupp, Selbstkostenwesen eines gemischten Hüttenwerkes); S. 138f-
(Schwarz, Selbstkostenberechnung von Drähten und Drahtstiften); S. 187 f.
(N. N., Kalkulation von Walzdraht); S. 298 f. (Kahlenbeck, Selbstkosten-
berechnung in der Nähnadelfabrikation)

Vgl. auch S. 37, 43 f. dieses Buches.

Calmes, Die Fabrikbuchhaltung. Leipzig 1909. (S. 136 f., Buchhaltung
einer Eisenhütte); Berliner, Schwierige Fälle der kaufmännischen Buchhaltung.
3. Aufl. 1909, Hannover. (S. 201 f. Braunkohlenwerk nebst Brikettfabrik.)

Die Schwierigkeiten der Kostenberechnung in gemischten [Be-
trieben hat Wagner am besten behandelt: Die Verrechnung der
        <pb n="348" />
        ﻿einzelnen Teilbetriebe untereinander, die Ermittelung der Kosten
für das Einzelprodukt.

Das hier folgende Beispiel zeigt die Einkaufskosten eines Hoch-
ofenwerkes nebst Unterlagen (Erzlieferungsvertrag und Abrech-
nungen) sowie die Kostenanalyse für einen Monat. Im Ori-
ginal sind die Betriebskosten und die Gutschriften für Abfälle und
Nebenprodukte im einzelnen gegliedert. Der Einfachheit halber wurde
von der vollständigen Wiedergabe abgesehen. Die Gutschriften
sind im Beispiel von den Gesamtkosten in Abzug gebracht worden;
in anderen Betrieben werden sie vom Einsatz abgerechnet. Ein-
satz, Kosten der Umwandlung und allgemeine Unkosten abzüglich
Gutschrift bilden die Herstellungskosten pro Tonne Gußeisen.

Das Hochofenwerk ist Mitglied des Roheisen-Syndikats. All-
monatlich wird vom Syndikat ein der Marktlage entsprechender
Abrechnungspreis1) bestimmt (mit Ausnahme des Selbst-
verbrauches ist die ganze Erzeugung der ,Verkaufsstelle zur Ver-
fügung zu stellen); der Unterschied zwischen dem Grundpreis
(Durchschnittspreis der Verkäufe eines Monats) und dem Abrech-
nungspreis wird dem Syndikat gutgeschrieben.

Beispiel für die Berechnung des Grundpreises:

Verkauf-Nr. ... 80 t Eisen; Fakturenpreis: 67,—

-4- Frachtkosten	7,—

-4- Sortenüberpreis	2,—

pro Tonne

300 t:

Durchschnittspreis Mk. 59,65 pro Tonne, Abrechnungspreis Mk. 58,—,
Gutschrift (1,65 X 380) Mk. 627,—.

Das auf S. 350 ff. folgende Schema der Konten möge einen
Einblick in die komplizierte Verrechnungstechnik eines Hütten-
betriebes geben.

I.	Erzlieferungsvertrag

des am 15. März 1914 zwischen dem Hochofenwerk.....................als

Käufer der Firma S. M. Cook, London, als Verkäuferin auf Grund der vor-
herigen Abmachungen getätigten Abschlusses.

1. Quantum: 10 000 Tonnen englische zu 1015 kg.

Gegenstand: Erstklassige Santandererz aus den Carbaceno-Gruben in
Spanien.

Preis: 21 sh 41/e d per englische Tonne zu 1015 Kilo cif. Hochofenwerk.
Lieferzeit: Vom 1. April bis 31. Oktober 1914 in ungefähr gleichmäßiger

2.

3.

4.

Verteilung.

5.	Garantie: Basis 60°/o Eisen im Feuchten.

6.	Skala: 3 Pence per Prozent Eisen und per Tonne Erz auf und ab2

*) Vgl. Nicklisch, Kartellbetrieb, Leipzig (Poeschel).

-) Für jede Abweichung von 60°/» Eisengehalt wird eine Vergütung von
3 d per Prozent Eisen gewährt,
        <pb n="349" />
        ﻿344

7.	Probenahme: Dieselbe erfolgt gemeinschaftlich, auf dem Hochofen werk
durch deutsche Chemiker, und zwar sind genaue, dem Durchschnitt der
Ladung entsprechende Muster während der Löschung aus dem Schiff in
unparteiischer Weise zu entnehmen; mindestens 1 */t0/o der Ladung ist für
die Probe zu entnehmen. Der gegenseitige Analysenaustausch erfolgt
gleichzeitig.

8.	Schiedsanalyse. Bei Differenzen über l°/o hat Schiedsanalyse durch Dr.

X.	Y. zu erfolgen. Die Kosten dafür trägt stets diejenige Partei, deren
Ergebnis am meisten von dem Kesultat der Schiedsanalyse abweicht.
Analysen-Differenzen bis 1 °/o werden geteilt.

9.	Gewichtsbestimmung: Auf Grund der dem Kapitän mitzugebenden
Bahnzertifikate, bei deren Fehlen auf Grund des auf dem Werk ermittelten
Gewichts.

10.	Bezahlung: 75°/o des Fobwertes der Ladungen gegen Ladeschein und
Police. Fracht bei Empfang, Rest am 15. des der Ablieferung im Hoch-
ofenwerk folgenden Monats netto Kasse.

11.	Beladung: Außer Tum.’)

12.	Entlöschung: 400 Tonnen werktäglich, Sonntage nnd Feiertage ausge-
nommen. Dampfer sind verpflichtet, Nachtlöschung sowohl an Sonn- und
Feiertagen als auch an Werktagen zu gestatten und auf Wunsch der Käufer
Dampf, Winschen und Winschenleute ohne Berechnung zu stellen. Dis-
patch*) wird an Käufer mit, lt. Charter-Party, 3 sh/3 d pro ersparte Stunde,
Demurrage*) mit, lt. Charter-Party, 16 sh/8 d pro Stunde Überliegezeit an Ver-
käufer vergütet. Die Löschzeit ^ beginnt nach erfolgter zollamtlicher Kla-
rierung, jedoch nicht vor morgens 6 Uhr des der Ankunft folgenden Wochen-
tages. Käufer nehmen das Erz frei aus dem Schiff und erhalten dafür vom
Verkäufer 6 Pence pro engl. Tonne vergütet3). Wassertiefe am Werk 21',
Leichterkosten, wenn nötig, bezahlt das Schiff.

13.	Klarierung4): Im Beladehafen bei Verkäufers Agenten gegen die üblichen

Bedingungen. Am Orte des Hochofenwerkes und der Zollstation des See- '
hafens bei Käufern bzw. deren Vertretern gegen Vergütung der usance-
mäßigen Kosten an Verkäufer. (Usancemäßige Kosten sind: im Seehafen,
bei Vertreter	50,— Mk.

im Hochofenwerk bei Käufer	100,— ,, )

14.	Allgemeine Bedingungen: Arbeiterausstände, Betriebsstörungen und
Force majeure auf den liefernden Gruben oder auf dem Hochofenwerke, Krieg,
in welchen Spanien oder Deutschland mit anderen europäischen Mächten
verwickelt wird, entbinden Verkäufer von der Lieferung bzw. Käufer von
der Abnahme für die Dauer dieser Behinderungen und in dem Umfange,
in welchem dieselben einwirken.

Sollten die Regierungen oder Lokalbehörden des Produktions- und Be-
stimmungslandes außer den bei Abschluß des Vertrags bestehenden Abgaben
neue Abgaben auf obige Erze einführen, so sind Käufer verpflichtet, diese
zu übernehmen oder auf Lieferung des noch nicht verschifften Quantums
zu verzichten.

’) D. h. das Schiff muß vom Verkäufer nach Ankunft im Abgangshafen
sofort beladen werden, selbst wenn er mit der Ladung eines anderen Schiffes
beschäftigt ist.

*) D. i. eine schnellere Entlöschung des Schiffes; Demurrage ist ein lang-
sameres Entlöschen.

3)	Der Verkäufer hat das Erz bis auf Deck zu liefern; die Entlöschung
wird jedoch vom Käufer besorgt; deshalb die Vergütung des Lieferanten.

4)	D. i. Erledigung der Hafen und Zollformalitäten.
        <pb n="350" />
        ﻿II. Abrechnung mit dem Schiffsfübrer: (11. November 1914).

3/XI. 14. Kapitän: A. Schaer	Ablader: S. M. Cook, London

Schiff: Magdeburg

gekommen von: Santander	mit 1 991 752 kg Sant.-Erz.

bestimmt nach: Hafen x.

ausgeliefert 1 994,573 kg
1016 kg = 1963,162 engl. Tonnen

Fracht 61.—
für Demurrage

Hiervon ab:

Löschkosten 10 d') . . .
Bankspesen l/8°/o .	.	,	.

Adreßprovision 2°/o2)	.	.

Kommission V» von 5°/o8)

Klarierung..............

Zollstelle..............

Unkosten wie unten
Frachtvorschuß .	.

£	sh	d
81	16	
—	14	Vb
11	15	*/s
9	16	V»
5	05	—
—	15	—
Mk.	3338,55	
11	6000,—	

Unkosten und Auslagen

Deklaration und Zettelgeld ein- und ausgehend .	.	.

Hafengeld, Verholungs-, Lotsen- und Brückengeld .	.

Für Pässe, Musterrolle, Bootsgeld etc..............

Hafengeld ein- und ausgehend

10 Pfg. pro cbm .... 272,90

20 %&gt; Zuschlag...........54,60

12 Pfg. Tonnenabgaben . 239,10

Lotsgeld nach Seehafen.............................

Lotsfooge 5 plus 6,50 Mk ..........................

Zollwachgelder.....................................

Dampfboot-Bugsierungskosten 20 plus 60 Mk. .	. .

Bar an Kapitän, Vorschuß...........................

Briefporto und ldeine Kosten.................... .	.

Depeschen und Telephon.............................

Rechnung Agent — Seehafen..........................

Statistik (staatliche Angaben 10 Pfg. pro 10 000 Kilo-
gramm) .........................................

Connossementsstempel .	........... ....

Vollmachtsstempel..................................

Rechnung Wilh. Mauer-Lübeck für Käufe des Kapitäns

Eigene
Rechnung
Mk. Pfg.

20

10

1

Reederei	
Mk.	Pfg:
5	80
3	20
9	70
566	60
77	—
11	50
48	—
80	40
1000	—
4	90
7	80
173	65
1350	
3388	55

*) Geteilt zwischen Verkäufer und Käufer (6 d und 4 d).
s) Erhält der Verkäufer.
        <pb n="351" />
        ﻿346

III.	Abrechnung mit dem Lieferanten.

a Die Firma S. M. Cook hat inzwischen folgende Rechnung gesandt:

London, C.. lOth November 1914.

D. „Magdeburg“.

1994 753 kg = 1963,162 to £ 21. 4. 6.

1 Ladung Ia Santander-Erz unter Kontrakt vom 15. III. 1914.

Eisen

Basis 60 %&gt; im Feuchten
Analyse 53,2785 im Feuchten

6,7216 zu 3 d &gt;)	£ 1. 8. 16

£ 19. 8. 34 = £ 1935. 2. 6
abzüglich Ihre Zahlung von „ 1156. 18. 10

£ 778. 3. 8
val. 15. 11. 1914.

Zahlbar abzüglich Fracht pp. bei Herren James &amp; Co., Bankers, London.
Das Hochofenwerk macht, wegen der für Rechnung des Lieferanten ver-
ausgabten Kosten, die nachstehende Aufstellung als Gegenrechnung.

b) Schlußabrechnung:	
Monat: November 1914.	Nr.
Per: Materialien-Konto Erze pp.	geb.
An: Deutsche Bank.	geb.

Überweisung an

S.	M. Cook, London.

Für Santander-Erz per S. S. „Magdeburg“

Ia Santander-Erz 1 994 573 kg =

Hiervon ab unsere Auslagen:

Fracht 6/— per 1016 kg =

abzüglich:

2% Adreßprovision	£	11.	15.	7

*/3 von 5°/» Kourtage	„	9.	16.	4

4d per 1015 kg Ent-
löschung	„	32.	15.	1

54. 7, — „ 534. 12. -
£ 243. 11. 8

zu Mk. 20,52 = Mk. 4997,45

') Die chemische Analyse hat ein Minus von 6,72150/o Eisengehalt ergeben
und diese Differenz ist laut Vertrag Position Nr. 6 mit 3d pro Tonne Erz und
pro Prozent Eisen abzugsfähig. Von dem so ermittelten Betrag von £ 1935. 2. 6
gehen noch ab für bereits geleistete Zahlung	„ 1156, 18, 10

so daß noch zu zahlen wären	£ 778. 3. 8

£ 778. 3. 8

£ 588. 19. —
        <pb n="352" />
        ﻿347

Kostenanalyse eines Hochofenwerkes.

Aufwand	Betrag	pro  Tonne	Normal-  zahlen
Einsatz.			
Erze		350 047	26,61	
Koks		322 885	24,54«	
Zuschlag		 . .	18 528	1,40®	
Löhne 		13 868	1,05*  53,618	
Unterhaltung.			
Gichtaufzüge		1592	0,12‘	
Öfen		3 289	0,25  0,36*  0,73s	
Formen		4 792		
Allgemeine Unkosten.			
Gehälter		4 058	0,308	
Löhne	 ....	22 544	1,71*	
Versicherungen		2 648	0,20'  2,223	
Betriebsunkosten.			
Dampf 			5 675	0,43»  0,46°	
Elevatoren, Elektrische Anlagen		6 169		
Lokomotive, Gebläse, Pumpen, Kondensation, Granulierung			0,42*	
	6156		
Drahtseilbahn, Werkstätten, Materialien, La-			
boratorium, Inventarersatz, Gebäude etc.	12 996	0,98® 2,31«	
Summe	775 247	58,89’	
Davon ab			
Gutschriften		18 772	1,427	
Herstellungskosten			756 475	57,465	

Kostenberechnung für Siemens-Martinstahl.

Tagesproduktion 125 Tonnen;

Anlagekosten 1 180 000 Mk.	Betrag:

(19,8 °/o) 2120 kg Hämatitroheisen zu 180,5...................

(76°/o)	8150	„	Schrott eigener	„	90	\

fremder	,,	110

(1,4 u/o) 145 „ Ferromangan, 50°/o „ 275	................

(l,4°/o) 150 „ Ferrosilizium, 13°/« „ 207	................

(0,4 °/o)	40	„	Ferrosilizium, 45°,o „	545	................

(0,9 °/o)	90	„	Spiegel	„	130,5................

(100 °/o) 10 695 kg

695 „ Abbrand = 6 V* °/o

für

1 Tonne
. 27,65

. 89,62

4,07

3,11

2,29

1,23

127,97

/

10 000 kg
        <pb n="353" />
        ﻿348

Übertrag: 127,97

Holz............................................................_;67

Kohlen............................................................ 7_______

Ton, Lehm, Sand usf............................................... 3,45

Löhne einschl. Zuschläge.......................................... 5,35

Abschreibung, Verzinsung 15%...................................... 3,87

(Frühjahr 1917) Selbstkosten 148,81

Analyse der Selbstkosten:

Eisenwert 127,97	= 86%

Bearbeitung 20,84 = 16,3 °/o = 14°/o

iöö%

Wert des Stahles............................................148,81

Wert des Roheisen mit Berücksichtigung des Abbrandes . .	120,—

Wertsteigerung (ohne Gewinn)...........................—	28,81 = 24 %

Analyse der Selbstkosten:

Mk. 104,42 Eisen...................................................— 71,70/0

„	41,13 Bearbeitung = 39,4 % des Eisenwertes..................= 28,3 %

Mk. 145,55 Selbstkosten............................................... = 100 %

1 t Stahl kostet...............Mk. 145,55

1 t Eisen, roh (^) ....	„	96,18

Wertsteigerung.................49,37 = 51,3%

Kostenberechnung für flüssigen Bessemerstahl.

	| Einsatz kg	Preis	Betrag	für 1 t
Kupolofen:  Roheisen 50% )	3540	120,-	424,80	
Schrott I 25% &gt; Gattierung . .	1780	90,-	160,20	
Schrott II 25 °/o )	1780	55,—	97,90	
	7100		682,90	
-r 8% Abbrand	560			
	6540			104,42
8% Schmelz- und Füllkoks .	.	.	1278	19,5	24,95	3,80
Materialien				3,92	—,60
Betriebskosten (Kraft, Licht) . . Löhne 1,75 Mk. für t-f 200% Zu-			15,70	2,40
schlag					34,35	5,25
			78,92	116,47
Konverter  Aus dem Kupolofen		6540	116,47	761,82	
1% Ferromangan zu 50%	. . .	65	200,-	13,-	
%% Ferrosilizium zu 45%	. .	32,5	400,-	13,-	
-r 12 °/o Abbrand	6637,5		787,82	
	796,5			
Flüssiger Stahl	  Materialien		5841			136,60  2,50
				
Betriebskosten		•			3,70
Löhne 1 Mk. für 1 t + 175% • •				2,75
Selbstkosten				145,55
(Frühjahr 1917)
        <pb n="354" />
        ﻿349

Die folgende Kalkulation (Anfang 1918) ist vom Zweckverbande
Deutscher Stahlgießereien als Durchschnittsberechnung der ange-
schlossenen Firmen aufgestellt worden, als Grundlage für Preisver-
handlungen mit der Heeresverwaltung, also stark nach oben abge-
rundet.

Durchschnitts-Selbstkostenrechnung der 21 cm Gr. 14.
Gewicht der abgestochenen Hülle....................113 kg

Gewicht der rohen Hülle...............................172 „

Gewicht der fertig bearbeiteten Hülle.................75 „

Preis des flüssigen Stahls für 100 kg...........................Mk. 19,—

Preis des Abfalls für 100 kg....................................„	8,—

Bei Zugrundelegung von 30 °/o Ausschuß sind von 100 Roh-
lingen brauchbar............................ . .	70 Stück

A. Rohling.

1.	Formen, Gießen, Putzen, Abstechen.............................Mk.	2,48

2 a. Kosten des Betriebes |

2b. Geschäftsunkosten / 270 °/«..................................... 6,70

3.	Material für Herstellen der Formen.........................„	2,82

4.	Kosten für Anfertigen der Proben ..............................„	1,80

Summe	1—4	Mk.	13,80

5.	Kosten des flüssigen Stahls 172 kg......................,.	„ 32,68

l	Mk.	46,48

6.	Zuschlag für Ausschuß 30 %............................. „	13,94

Summe	1—6	Mk.	60,42

7.	Abzügl. Wert des Abfalls

100 Köpfe zu 59 kg = 5900 kg
30 Granaten „ 80 „ = 2400 „

8300 kg für 70 Granaten

für 1 Granate = 119 kg zu Mk. 8.— % kg. .	„	9,52

8.	Selbstkosten der abgestochenen rohen Hülle..................Mk. 50,90

9.	Kosten der Ausschußbearbeitung1).

Gießereiausschuß 8°/o, undichte Granaten 4%, verdrehte Gra-
naten 2%...............................................Mk.	1,95

10.	Selbstkosten des	vollständigen Rohlings....................Mk.	52,85

11.	Gewinnzuschlag 15°/o.......................................... 7,93

12.	Rohlingspreis............................................. Mk.	60,78

rund Mk.	60,80

*) 30% Ausschuß sind zulässig. Davon kommen 6% auf Aus-

schuß in der Gießerei, 10% Ausschuß werden umsonst bearbeitet.

Zu vergüten sind:

8% Gießereiausschuß sind zu vergüten mit 20% des Bearbeitungs-
wertes (22,—) = für 1 Stück Mk. 4,40, also für 100 Granaten

sind aufzuwenden 8 X 4,40 =.................................Mk. 35,20

4 % undichte Granaten sind zu vergüten mit 80% des Bearbeitungs-
wertes = für 100 Granaten......................................... „	70,40
        <pb n="355" />
        ﻿350

Kontierungsschema eines Hüttenbetriebes.

A. Konten der Be

I. Konten der
Produktionskosten
(Betriebsstatistik):

1.	Puddelwerk-

2.	Martinwerk-

3.	Blockstrecke-

4.	Laufstab-

5.	Tiegelei-

6.	Zementstahl-

7.	Walzwerk-

8.	Blechstrecken-

9.	Kaltwalzwerk-

10.	Gußstahlofen-

11.	Stahlformguß-

12.	Hammerwerk-

13.	Stanzwerk-

14.	Rohrstrecken-

15.	Fitt- und Fagonschmiede-

16.	Grobeisenstrecke-

17.	Grobblechstrecke-

18.	Universaleisenstrecke-

riebsbuehhaltung.

II. Konten der Fabrikate
(Roherfolgskonten):

1	a Puddeleisen-	Konto

2	a Block-	„

3	a Flußeisen-	„

4	a Laufstab-	,,

5	a Tiegel-	,,

6	a Zementstahl-	„

7	a Walzeisen-	,,

2.	8 a Eisenblech-	„

9 a Bandstahl-	„

“	10 a	Ingots-	„

o’	11 a	Stahlformguß-	„

5-	12 a	Gußstahl-	„

°	13 a	Stanzwerkprodukten- „

14	a Röhren-	„

15	a Fittings- und	Muffen- „

16	a Grobeisen-	„

17	a Grobblech-	„

18	a Universaleisen-	„

HI. Konten der Hilfsbetriebe (vgl. S. 55ff., 166):

19.	Werkstatt-Konto; Wert der Lei-
stungen	auf die beteiligten Betriebe

20.	Modelltischlerei-Konto; Modell-	(1—27) übertragen,

kosten

21.	Beleuchtungskonto; Ausgaben verteilt auf die Konten 1—27
nach dem Verbrauch.

Übertrag: Mk. 105,60

2 °/o Bearbeitungsausschuß.

Der Rohling kostet ohne Gewinn Mk. 50,90 und stellt als
Schrottwert dar: 75 X 8,— = Mk. 6,—, also stellt ein bear-
beiteter Rohling einen Verlust dar von Mk. 44,90, für 2 Roh-
linge hat man bei 100 Rohlingen einen Verlust von ....	„	89,90

insgesamt also Mk. 195,50
also bei einem Rohling von „	1,95
        <pb n="356" />
        ﻿351

22.	Dampf erzeugungskonto; verteilt auf die Konten 1—27 nach: dem
Dampf verbrauch (berechnet). (Vgl. S. 57.)

23.	Kondes. Unterhaltungs-Konto; Übertrag auf Konto 22.

24.	Laboratoriulm-Konto; Verteilung auf Konto 2 und 10.

25.	Röhren-Appretur-Konto; Umbuchung auf Konto 14.

26.	Verzinkerei-Konto; Umbuchung auf Konto 14a und 15a.

27.	Eisenbahnbetriebs-Konto; Ausgaben verteilt auf Konto 1—18
(nach Tonnenzahl).

IV.	Konten der Generalkosten:

28.	Gehälter-

29.	Bureaumaterialien-

30.	Zinsen-

31.	Versicherung-

32.	Werkgebäude-Reparatur-

33.	Porto- und Depeschen-

34.	Steuern-

35.	Wohlfahrts-

36.	Handlungskosten-

37.	Reisespesen-

38.	Gespann-

39.	Wegeunterhaltungs-

Die auf den Konten 28—39
verbuchten Kosten werden auf
„Generalunk osten-Konto“
(40) gesammelt und von da auf
die Betriebskonten 1—18 nach der
Lohnsumme dieser Betriebe auf-
geteilt.

(Vgl. § 31; die Verteilung ist
eine kumulative, daher teilweise
falsch.)

B. Konten der Geschäftsbuchhaltung.

V.	Konten der Produktionsmittel:

41.	Grundstück-Konto.

42.	Konten für die Anlagewerte der Betriebe,

z. B.: Walzwerksanlage: Konto der Walzenstraßen,

„	„	Hochbauten,

„	„	Maschinen,

„	„	Lagereinrichtungen,

„	„	Wärmeöfen;

Dampfkesselanlage-Konto, Eisenbahn- und Wegeanlage-Konto
u. a. Konten der Beamtenwohnhäuser, der Arbeiterwohnhäuser,
Neubau-Konto, Konto des Verwaltungsgebäudes.

43.	Konten der Inventarbestände, z. B. Koquillen-Konto, (Walzen-
Konten für die Betriebe 3, 7, 8, 9, 16, 17, 18, Inventar-Konten
des Laboratoriums, des Eisenbahnbetriebes und anderer Betriebe.
        <pb n="357" />
        ﻿352

YI. Konten für den äußeren Betrieb:

Bestände und Schulden:

44.	Wechsel-, Kassa-, Effekten-, Kautionseffekten-, Konto-Korrent-
Konto, Beteiligungs-, Komhaissionslager-Konto, Anleiheschulden-,
Kautions-, Kautionsakzepte-Konto.

45.	Verbandsabgaben-, Abrechnungs-, Frachtanteil- und Zonenpreise-

Konto, Konto Mehrversand-Produkte A.'	i

46.	Konten der Kosten des Yertriebes und der Schulden: Fracht-
und Zoll-, Provisions-, Rabatt- Anleihezinsen-, Disagio-Konto,
H an d 1 u n g s k o st eil - K o n to des auswärtigen Lagers.

Y1I. Konten für interne Verrechnung:

47.	Abschluß -Konten: Abschreibungs-, Bilanz-, Gewinn- und
Yerlust-Konto, Konto für transitorische Buchungen, Kapital-
Konten wie Aktienkapital-, Kapital-, Reserve-, Spezialreserve-
fonds-Konto.

48.	Gewinnverteilungs-Konten: Dividenden-, Tantiemen-,
Gratifikations-, pensionskassen-Konto.

Die Funktion der Konten der Gruppe I und II soll an einem
Beispiel gezeigt werden.

Soll	(8.) Blechstrecken-Betriebskonto.	Haben

Bestand

Mk.

Aufwand: Unmittelbare
Kosten:

Löhne und Gehälter.... Mk.

Walzenverbrauch..........„ ,

Glühkisten...............„ ,

Fluß-, Walzeisen, Zünder,

Zoggel, Gußstahl, Röhren .	„ .

Anteilsmäßige (mittelbare)
Kosten: § 31.
Dampferzengung

(Konto 22) . . Mk
Beleuchtung	(	„	21)	.

Werkstatt	(	„	19)	.

Generalkosten	(	„	40)	.

Modellkosten	(	„	20)	.

Eisenbahn	(	„	27)	.

V errechnung:

1.	Verkaufseriös für Zünder etc., Abfälle.

2.	Die Produkte werden zum kal-
kulierten Sei bstkostenp reis auf
Konto 8 a übertragen. (Soll 2. Post.)

3.	Wert der noch in Arbeit befindlichen
Produkte (Saldo).

\
        <pb n="358" />
        ﻿353

(8 a.) Eisenblech-Konto.

Laitner, Selbstkostsnbereehniing. 1. Aull.

23

Gesamtbetrag
        <pb n="359" />
        ﻿354

Das Kalkulationss c h. e m a für den Betrieb: Blechstreeken:

Einsatz

kg Flußeisen für °/o kg
„ Schweiß-
eisen	„ „ „

„ Bänder	„ „ „

,. Mk.

kg durch-

schnittl. für °/o kg ... Mk.

Betrag
Mk. .

zus. Mk.

ab Nebenerzeugnisse
Ausschußbleche ... °/o kg
Blechabschnitte ... °/« kg

Mk.

Mk.

Erzeugung
. .. kg Stahlbleche
.,. „ dekupierte
Bleche

... „ Glanzbleche
... „ Handels -
bleche

... kg gute Bleche

	Selbstkosten		
	Betrag	für 100 kg	Normalzahl °/o kg
Arbeiter- und Meisterlöhne	  Feuerfestes Material einschl. Löhne . . .  Gezähe	  Glühkisten und Zubehör	  Walzen und Löhne dabei	  Schmiermaterialien	  Dampferzeugungskosten	  Beleuchtungskosten	  Reparatur der Maschinen	  Gehälter	  Handlungsunkosten	  usw.			a
Mk.			
als Erlös aus Zünder „			
Mk.			

Abriß der Selbstkostenbereclmung einer Metallwaren-
fabrik.

Im folgenden soll die Selbstkostenberechnung einer Metall-
warenfabrik größten Stils skizziert werden; sie erzeugt Kartusch-
hülsen, Stangen, Drähte, Bänder usf. aus verschiedenen Metallen
und Metallegierungen und in verschiedenen Dimensionen, auf Lager
und auf Bestellung: eine spezialisierte Massenerzeugung, die mit
täglichen Schwankungen der. Rohstoffpreise zu rechnen hat. Eine
gewisse kalkulatorische Gruppierung der Erzeugnisse ergibt sich
aus den technischen Herstellungsverfahren von selbst — Hülsen,
        <pb n="360" />
        ﻿355

Bleche, Drähte . . . Innerhalb der Fabrikategruppen ist die Ver-
teilung der Herstellungskosten auf die einzelnen Stärken und Dimen-
sionen schwierig, vielfach auf Schätzungs- und Erfahrüngswerten
aufgebaut (Yerhältniszahlen, Prozentzahlen, Taxwerte). Die Bildung
von Werkabteilungen (Blechwalzwerk, Drahtzieherei . . .) sowie eine
entsprechende Unterabteilung nach Produkten (Drähte, Hülsen, Bleche
. . . verschiedener Stärken) ist für kalkulatorische Zwecke uner-
läßlich. Die monatliche Kostenberechnung für die Produktion wird
nach der Divisionsmethode (Gesamtkosten: Menge), eine Spezial-
kalkulation nur in Ausnahmefällen durchgeführt.

Die Materialberechnung stützt sich auf Gewichtsscheine,
die das Rohmaterial vom Eintritt in die Erzeugungsstätte bis zur
Ablieferung an das Lager für Fertigfabrikate begleitet. Die Menge
der guten Waren, des Abfalles, des Ausschusses (der Bearbeitung,
Abnahme durch Behörden), die Gewichtsverluste, sowie die für die
Beurteilung der Fabrikation wichtigen Verhältniszahlen lassen sich
auf Grund dieser Aufzeichnungen ermitteln. Die Angaben der Ge-
wichtsscheine werden an den Zwischenstellen der Fabrikation in
Betriebsbüchern gesammelt. Monatliche Aufrechnungen der Betriebs-
bücher liefern Angaben über die Produktionsmengen nach Fäbrikate-
gruppen, über durchschnittliche Abfallprozente und für andere be-
triebswirtschaftlich wichtige statistische Beobachtungen.

Die Lohnverrechnungsbücher stellen wie üblich für
jeden Arbeiter und jede Werkabteilung die Lohnsummen fest, für
die Hauptbetriebe weitgehend zerlegt, für Nebenarbeiten und -betriebe
summarischer. Berechnung des durchschnittlichen Lohnes der
einzelnen Arbeiter für die Schicht und für 100 kg der Erzeugung.
Wie weit man in der Gliederung der Lohn Verteilung gehen will und
muß, ist eine Kosten- und Zweckmäßigkeitsfrage im Einzelfall und
für die einzelnen Werkabteilungen, insbesondere hinsichtlich der
sogenannten Neben- und Hilfsarbeiten, z. B. Transporte innerhalb
des Werkes, Wiegen u. a.

Die Aufteilung der Arbeitslöhne innerhalb der Werkabteilungen
und Unterabteilungen auf die Fäbrikationsgruppen macht besondere
Schwierigkeiten, wenn es unzweckmäßig oder unmöglich erscheint,
für die einzelnen Stärken und Dimensionen die Lohnäusgaben un-
mittelbar festzustellen. Der Betriebsleiter wird, nach Schwierigkeiten;
der Herstellung, Kraftverbrauch für die Dimensionen, abgestufte
oder nach andern betriebstechnisch und kalkulatorisch zu recht-
fertigenden Verhältniszahlen als Verteilungsschlüssel berechnen
müssen. Ein Beispiel: Gesamtlöhne Mk. 1253 000.

23*
        <pb n="361" />
        ﻿356

Grüße	I	II	III	Gesamtlöhne
Ziehen	54 864 = 1'	64 545 = 1*	22591 = 1*	142 000= v
Schweißen	13 908	16 364	5 728	36 000
Glühen	42 500	50000	17 500	110 000
Beizen	103 931	122 274	42 795	269 000
Drehen	62 977	74 090	25 933	163 000
Fertigmachen	29 363	34545	12 092	76 000
Sonstiges	176 569	207 727	72 704	457 000
Zusammen	484112	569545	199 343	1253 000

Die Gesamtlöhne werden im Verhältnis 425:500:175 (gekürzt:
17:20: 7) verteilt, dementsprechend errechnen sich die Lohnanteile
der einzelnen Größen für die	erste Teiloperation	wie	folgt:

1 *: 2 — 17 : 44; 11 = 142 000.	"/« =r 54 869 Mk.	für das	Ziehen

1 ’: .2 = 20 : 44; 1 ’ = 142 000.	«/« = 64545 „	„	„	„

\‘:2= 7:44; 13 = 142000.	’/«	= 22 591 „	„	„	„

In einer andern Abteilung — Drahtzieherei — werden die
Produktionsjnengen mit einem dem Kraftverbrauch der Ziehpressen
entsprechenden Verteilungsschlüssel vervielfacht (vgl. S. 133).

Von den Betriebskosten greifen wir nur die wichtigsten
heraus:

a) Kraftkosten monatlich:

Davon entfallen
auf:

b) Die Abschreibungen und die Verzinsung des An-
lagekapitals, getrennt für Gebäude, Maschinen, Öfen usf. werden
auf Grund von Inventarkarten für die einzelnen Werkbetriebe er-
mittelt, die Produktionsmenge gegenübergestellt und der Anteil für
        <pb n="362" />
        ﻿357

100 kg der Produktion berechnet. Genauer wäre die Berechnung,
wenn man die Abschreibungen im Verhältnis der Verteilungsge-
wichte der Produktion verteilte; die gleichmäßige Belastung für
100 kg ohne Rücksicht auf die betriebstechnische Schwierigkeit und
Beanspruchung ist unrichtig. Die Verteilungsgewichte ergeben sich
aus der Vervielfachung der Produktionsmenge mit den Verteilungs-
konstanten (im Beispiel 425: 500:175 *))

z. B.: Größe I:

50000 kg Produktion; (50 000x 17)	850 000 kg Verteilungsgewicht

Größe II:

60 000 kg Produktion; (60 000 X 20) 1 200 000 kg	„

Größe III:

20 000 kg Produktion; (20 000 x 7)	140 000 kg	„

Abschreibungen 76 650 Mk. auf 2 190 000 kg

d. s. 3,50 Mk. für 100 kg Verteilungsgewicht; demnach für Größe I
29 750 Mk.; II 42 000 Mk.; III 4900 Mk. Die erstgenannte
Verteilungsart würde ergeben: 29 480; 35 376 und 11 792 Mk.;
Größe I und II sind unverhältnismäßig hoch belastet.

c)	Die Zinsverluste auf die Materialbestände, diese nach
dem Durchschnitt, der letzten 3 Jahre berechnet, werden in der
gleichen Weise verteilt. Die Aufrechnung der Zinsverluste während
der Fabrikation muß die Umlaufzeit des Rohstoffes bis zur
Ablieferung der Fabrikate an das Lager bzw. die Expedition berück-
sichtigen.

Die Aufteilung der Versicherungsbeiträge, der Wohl-
fahrtskosten und der Gehälter der technischen Beamten auf die Werk-
abteilungen bzw. die Werkbetriebe erfolgt nach der vorjährigen
Summe des Produktionswertes dieser Berechnungselemente. Z. B.
Werk I hat 123 747 Mk. verausgabt; auf Betrieb a entfallen ll,5o/o
dieses Betrages = 14 230 Mk.; für 100 kg der Jahres-Produktion
(840 Tonnen) 1,70 Mk.

Die Handlungsunkosten werden scharf von den Betriebs-
unkosten geschieden: Betriebs- und Vertriebsfrachten, Betriebs-
krankenkasse und Kasse der Kaufleute usw. Ihrer Verteilung wird
der Umsatz nach Menge oder Produktionswert der Fertigfabrikate
(unter Ausscheidung der Zwischenprodukte) und mit Berücksichti-
gung der größeren oder geringeren Kosten und Mühe des ,Ver-
triebes (Absatzes) zugrunde gelegt (Prozentzahlen).

Eine etwas summarische Berechnung zeigt das folgende Beispiel
eines Kupferwalzwerkes; die Arbeitsstufen sind getrennt berechnet;

*) Um das Beispiel nicht zu weitläufig werden zu lassen, sind die übrigen
Arbeitsprozesse hier zusammengezogen; vgl. S. 83, 146, 161 f.
        <pb n="363" />
        ﻿358

die Gewichtsverluste (4o/0) berücksichtigen die fortschreitende Wert-
erhöhung durch Arbeit nicht, sie werden stets vom! Einstandspreis
des Werkstoffes berechnet.

Kalkulation für Kupferbänder (1917).

100 kg Cu frei Werk (75 kg zu Mk. 350,	25 kg zu Mk. 170 °/0 kg) =	
Gießerei:		
Wiegen		. Mk. —,20	
Löhne einschließlich Meister	.	„	2,50	
Tiegelverbrauch .	...	•	„	5,-	
Koks verbrauch 40 •/„ . . .	•	51	
Ofenverschleiß, Werkzeuge .	• „ 1,-	
Gebläse, Beleuchtung , . .		
3 kg	3% Abbrand von Mk. 305 .	.	„	9,15	Mk. 19,15
97 kg Gegossene Blöcke:		
Preßlohn		. Mk. 1,50	
Anwärmen		■	„ -40	
Kraft, Licht, Wasser . . .	■	„	1,75	
Verschleiß, Material . . .	• „ 1,-	
Meisterlohn		•	„ -75	
0,5 kg ’/'a % Verlust von Mk. 305 .	.	„	1,55	Mk. 6,95
96,5kg Gepreßte Stangen:		
Ziehlohn		. Mk 18,-	
Glühlohn, Meister .... Zerschneiden, Anspitzen .	.	•	„ 3,	
	• „ 2,	
Maßschneiden, Revision .	.	•	„	4,-	
Kraft, Verschleiß, Material .	.	n 1,20	
0,5 kg	Ya'/o Verlust		■	„	1,55	Mk. 29,75
96 kg		
:x=	Fracht auf Rohstoff . .	.	. Mk. 3,—	
Indirekte Löhne		•	„ —,55	
Generalkosten ....	• » 2,	Mk. 5,55

je 100 kg Bänder

Mk. 305,—

Mk. 61,40
Mk. 366,40

Ausbeute:

75 kg Bänder zu Mk. 425 (Verkaufspreis) . Mk. 318,75

20

1

Abfälle

Späne

305

80

feste Preise

61,-
—,80

Einnahmen

Gewinn für 100 kg

Mk. 380,55
Mk. 14,15

Zusammenstellung der Kosten (ohne Werkstoff):

Löhne.......................Mk. 31,75

Abbrand 4° o...................  12,25

Betriebskohlen................. „11,85

Allgemeine Kosten...............  2,55

Fracht...........................  3,—

Mk. 61,40
        <pb n="364" />
        ﻿Monats-Kalkulation einer Brikett-Fabrik.

Es wurden produziert ........... Tonnen.

	Betrag  Mk.	Pf.	Kostei pro Tor  Mk.	1  ne  Pf.
1.	Kohlen verbrauch  Verbrauch — T. zum Kalk.-Satze — Pfg.  2.	Löhne  Fabrikationslöhne	  Löhne für Verladung	  Heizer und Maschinenwärter	  Reparaturlöhne der Handwerker .... Löhne für Hilfsarbeiter	  3.	Materialien  Materialien für Reparaturen	  Schmiermaterialien	  Beleuchtungsmaterialien .......  Allgemeine Materialien	  4.	Unkosten  Gehälter und Prämien für Beamte . .	.  Feuerversicherungsgebühren	  Anteil an den Werkstatt-Unkosten . . . Anteil an den Fuhrwerks-Unkosten . . .  Allgemeine Fabrik-Unkosten	  Gebäude-Unterhaltungskosten	  Bahnentransportgebtthren	  Gesamt-Summe Mk.				
				
Anteil an den Abschreibungen auf Brikettfabrik-Anlage-  Kosten	  Anteil an Obligations-Zinsen, General-Unkosten, Steuern, Arbeiter-Versicherungen pp		  Gesamtkosten pro Tonne Mk.
        <pb n="365" />
        ﻿360

Beispiel einer jährlichen Dnrchschnittskalkulation. (Brikettfabrik.)

	Betrag	für  100 kg
I. Erzeugungskosten  1 890 795 hl Kohle zu 14 Pfg. &gt;)		264 711,30	29,69 Pfg.
Löhne 		50 821,26	5,07	„  )
Betriebskosten		21 235,59	
Gehälter, Tantieme,J)		6 378,79	3,28	„
Berufsgenossenschaft *)		1676,58	
Anteilige Generalkosten		10 832,00	1,22 „
Ab Erlös ftir Knorpelkohle usw		355 655,52  39 703,98	39,89 Pfg. 4,45	„
Selbstkosten	315 951,54	35,44 Pfg.
Verkäufe: Eisenbahnversand		132 875,52	39,48 Pfg.
Kreditverkäufe		167 272,13	36,91 „
Barverkäufe		24 660,12	43,05 „
Selbstverbrauch		8 868,30	35,- „
872 420 dz  + 23 500 „ Bestand am 31. 12. 1911		333 676,07  7 050,-	30,— Pfg.
895 920 dz			340 726,07	
4-4 278 „ Bestand am 1. 1. 1911		1 283,40	30,- Pfg.
891 642 dz erzeugt		339 442,67	38,07 Pfg.
Abzüglich Selbstkosten	315 951,54	35,44 „
	23491,13	2,63 Pfg.
Bestand an Kohlen  am 1. 1. 1911	3 750 hl = 525,—  Bestand an Kohlen  am 31. 12. 1911 11 750 hl = 1645,—  Somit mehr 8 000 hl = 1120,—	1120,-	—,13 „
Reingewinn	24 611,15	2,76 Pfg.

*) Verrechnungspreis der Grube; deren durchschnittliche Selbstkosten be-
trugen 11,09 Pfg., der Verkaufspreis 15 Pfg. für 1 hl Kohle.

2)	Auf 100 Mk. Lohn 12,6 Mk. Gehälter.

3)	Auf 100 Mk. Lohn 3,3 Mk. Beitrag des Unternehmers.
        <pb n="366" />
        ﻿361

Kalkulationsbeispiele aus der chemischen Großindustrie.

(Vgl. S. 380 den Hinweis auf die betreffenden Stellen dieses Buches.)

In der chemischen Großindustrie (der Farben, Säuren u. ä.)
spielen die Arbeitslöhne eine untergeordnete Eolle im Verhältnis
zu den übrigen Selbstkosten, insbesondere den Materialkosten. Die
Unterscheidung zwischen Produktiv- und Nichtproduktivarbeitern ist
hinfällig, gelernte Arbeiter (Handwerker für Bau- und Reparatur-
arbeiten) sind in der Minderheit. Die in der mechanisch-techno-
logischen Industrie üblichen Kalkulationsmethoden können in der
chemisch-technologischen keine Anwendung finden, es sei denn, daß
sich an die chemische Gewinnung der Vorprodukte eine mechanische
Verarbeitung bis zum Endprodukt anschließt, z. B. Verarbeitung
der Rohmasse in der Fabrikation der Nitrozellulose- und des Nitro-
glyzerinpulvers, Pressen und Körnen von Schwarzpulver, Spreng-
körpern. Doch erscheint es empfehlenswert in solchen Fällen (der
Massenproduktion und der Möglichkeit monatlicher Kostenermitt-
lung) mit einem einheitlichen Berechnungsmodus zu arbeiten und
die Kosten auf 100 kg bzw. 1 kg, also auf die Gewichtseinheit um-
zurechnen (Divisionsmethode). Hauptsache für diese Industrie ist
eine weitgehende Zerlegung der Unkosten der Herstellung — Material-
kosten, Fabrikationskosten, das sind hier Fabrikationslöhne und Be-
triebsunkosten, Generalkosten der Zentralverwaltung — getrennt für
Haupt-, Hilfs- und Nebenbetriebe und, soweit erforderlich, für die
einzelnen Zwischenprodukte bzw. Fabrikationsstufen, wie das später
folgende Beispiel der Kostenberechnung für Schwefelsäure es er-
kennen läßt.

Ein anderes Beispiel: Für Pikrinsäure kann Benzolsalz oder
Chlorbenzol als Ausgangsprodukt genommen werden, beide Verfahren
sind kalkulatorisch auseinander zu halten. Der ungefähre Weg des
ersten Verfahrens ist: Benzolsalzi, Reinphenol, Pikrinsäure roh aus
Phenol, endlich Pikrinsäure rein.

In der folgenden Kostenberechnung sind die Produkte des eigenen
Betriebes — Reinbenzol, Schwefelsäure, Salpetersäure, S03 usw. —
mit dem Verrechnungspreis bzw. Verkaufspreis, die von den fremden
Betrieben eingekauften Säuren mit ihrem Einstandwert frei eigene
Fabrik eingestellt. Kontrolle der Ausbeute, Verrechnung der wieder-
gewonnenen Säuren usw. In dem folgenden Beispiel werden die
Zwischenprodukte mit Unkosten belastet, die Generalkosten sowie
der Gewinn jedoch erst auf das Endprodukt geschlagen (S. 84 f).
Die Berechnung bzw. Verteilung der Fäbrifckosten auf die Zwischen-
produkte erfolgt nach dem Schema S. 147 f.
        <pb n="367" />
        ﻿362

1.	Beispiel.

Es soll hier nur die Berechnungsmethode für das letzte Erzeugungsstadium an-
gedeutet werden.

I. Pikrinsäure, roh, aus Phenol, 3. Quartal 19 . .

Einsatz nach Menge, Einheitspreis und Gesamtkosten berechnet, davon
ab die Wiedergewinnung an Säuren. Ausbeutemenge daraus berechnet:

Preis f. 100 kg

Material........................................................Mk.	259,35

Fabrikkosten einschließlich Löhne (direkte	Unkosten) ...	„	9,30

Besondere Kriegsunkosten, . . . % der Kosten.....................„	2,48

Abschreibungen, allgemeine und besondere.........................„	4,96

Mk. 276,09

II. Pikrinsäure, rein

Einsatz: . . . . kg Pikrinsäure, roh, feucht, zu Mk. 276,09 . Mk,
.... „ Säuren, Kalkulations- und Einstandspreis „
Ausbeute: .... kg feucht,

.... „ trocken

. ... kg zusammen zu Mk. 2,873 für 1 kg.

Preis f. 100 kg
trocken

Material...................................................Mk. 2,873

Fabrikationskosten............................................. —,252

Besondere Kriegsunkosten....................................... —,05"

Abschreibungen.............................................„ —,13*

Mk. 3,318

15% Generalkosten „ —,498
Selbstkosten Mk. 3,816

2.	Beispiel.

Die „Verwaltungsstelle für private Schwefel Wirtschaft“ (Kriegs-Chemi-
kalien-A.-G.) hatte 1918 das nachstehende Formular zur Zusammenstellung von
Fabrikationskosten für die Erzeugung der Schwefelsäure durch Abrösten von
Schwefelkies verwendet. Es trennt die Kosten der einzelnen Prozesse (Brechen
des Kieses, Transport, Rösten, Kammer- bzw. Kontaktanlage, Konzentration)
unter Verteilung der Betriebsunkosten. Die Generalkosten folgen zum Schluß.

Gestehungskosten der Schwefelsäure fiir das 11. Halbjahr 1917.

Wie hoch ist der Wert Ihrer Gesamtanlage..................

a)	Brecheranlage:.......................

b)	Röstanlage:..........................

c)	Kammeranlage:........................

d)	Kontaktanlage:.......................

e)	Konzentrationsanlage: .......

f)	Verschiedenes(wieBureaugebäude, Arbeiterwohnungenetc.): . . . .

Wieviel Kies (. . . % S) haben Sie im II. Halbjahr 1917 abgeröstet:	.... kg

„	Schwefelsäure 60° Be haben Sie erzeugt:................... .	.	.	.	„

„	Oleum 20% haben Sie erzeugt:.............................. .	.	.	.	„

„	Schwefelsäure 60° Be können Sie erzeugen:................. .	.	.	.	„

„	Oleum 20% können Sie erzeugen:............................ .	...	„
        <pb n="368" />
        ﻿III. Röstanlage:

T ..._) wieviel Arbeiter

^	6 I ein Tageslohn Mk

b)	Reparaturen.............

c)	Kohlen flir Dampf und Kraft

(1 to Kohle Mk......) .

d)	Elektrische Kraft (1 KW Mk

e)	Betriebsmaterialien .	.

f)	Sonstige Betriebsunkosten

g)	Abschreibung

Gesamtkosten

IV.	Kammeranlage bzw. Kontaktanlage:
Wieviel Systeme in Betrieb:

a)	Kammerbetrieb...............

b)	Kontaktbetrieb.............

Wie groß ist die Tagesproduktion:

a)	60 er Säure.......to

b)	Oleum 20 °L .... to

. T kv. 1 wieviel Arbeiter ....

a)	Löhne J ein Tageslohn Mk. . . .

b)	Stickstoff (in welcher Form):

c)	Kohlen für Dampf und Kraft

(1 to Kohle Mk.........)

d)	Elektr. Kraft (1 KW Mk........)

e)	Reparaturen...................

f)	Sonstige Betriebsunkosten ....

g)	Abschreibungen (wieviel % . . ■ .)

Gesamtkosten:

Kosten
im II.
Halb-
jahr
1917

p. to
60 er
Säure

Kosten
im II.
Halb-
jahr
1917
        <pb n="369" />
        ﻿364

Kosten im	p. to

II.	Halbjahr	60 er

1917

Säure

V.	Konzentration:

Welches System:................

Wieviel Anlagen:...............

Wieviel 60 er Säure wurde konzentriert:	kg

Wie hoch ist der Konzentrationsverlust: .... kg

in % ... .

r »u« \ wieviel Arbeiter....................

Ll0nne / ein Tageslohn Mk...................

Kohlen bzw. Koks f. Heizung: 1 to Kohle Mk. . .

1	to Koks Mk. . .
Kraft (Kohle bzw. elektrische Kraft) . . . .

Reparaturen.................................

Betriebsmaterialien.........................

Sonstige Betriebsunkosten...................

Abschreibung: wieviel %.....................

Gesamtkosten:

Wieviel Säure 66° Be

(. . . . % H,SQ4) wurde erzeugt: .... kg

VI.	Generalunkosten (wie Beamten- u. Meister-
gehälter, Versicherungen, Steuern, Handlungs-
unkosten etc.)..............................

VII.	Abschreibung auf Verschiedenes:

wieviel % • •

3.	Beispiel.

Kalkulation der Erlenholzkohlen.

Qualität 78/82% Kohlenstoffgehalt, bis 2V2% Aschengehalt, frei von Destilla-
tionsprodukten.

Mk. 18,— je 1 Raummeter Erlenholz ab Versandstation
„	8,50 Fracht und Spesen bis Fabrik

„	1,85 7% Mindermaß für Ablängen und Verlust auf dem Transport

Mk. 28,35

„	3,95 14% Rindenverlust

Mk. 32,30 je 1 Raummeter, 1 RM = 0,44 Festmeter,	^usbente*

Faktor —,44, für 1 Festmeter Mk. 73,40 40,78

Fabrikationsunkost e'n:

Ge‘ = Mk. 7,67 per F. M.
Steinkohlen und

Ätzkalk = „	7,06 „ „ „

Fabrikausgaben = „ 9,38 „ „ „

für 100 kg Ausbeute:
Mk. 4.26

( 3,88 Löhne
\ —,88 Gehälter

3,92

5,21

Mk. 24,11 per F. M. Mk. 13,39

Mk. 24,11 13,39
Mk. 97,51 54,17
        <pb n="370" />
        ﻿365

Ausbeutebereehnung:	für 100kg Ausbeute:

für Ausbeute	*

an Holzkalk = Mk. 22,50 Mk. 12,50 (50—% kg, fester Preis)

für Ausbeute an Holzgeist =	„ 10,80	?&gt; 6) (120 „ „ „	„ )
für Ausbeute an Teer —	,, 8,-	„	4,44 (20	„ ,,	„	)
Holzkohlen- abfall	=	„	1,56	i  00  «o  i—*  r	» )
	Mk 42,86	Mk. 23,81	Mk. 42,86 23,81

bleiben zu decken Mk. 54,65 30,36

*)

Ausbeute an Versandholzkohlen 180 kg — Mk. 54,65
oder für 100 kg = „ 30,86*)

+ 20% Bruttogewinn = „	6,07

= Mk 36,43 ohne Abschreibungen, Ver-
....... : kaufskosten usw.

Kalkulationsbeispiele aus verschiedenen Industrien.

1. Beispiel der Kalkulation einer Möbelfabrik.

1 Ottomane, Lager Nr. 24 568.

Gestell, gekauft ....	Mk.	13,50
Mechanik, Scharnier .	.		2,80
Fracht 		n	-,70
&gt;	Mk.	17,-
2 Dutzend Federn zu 50 Pfg.		
das Stück 			12,-
Gurten, Spannstoff Kordel,		
Nägel usw.1) ....		7,-
6 Pfcl. Roßhaare zu 2,75		16,50
5 „ Wolle und Werg .	n	4,-
	M£.	56,50
Ottomanedecke ....		52,-
15 Stunden Lohn für Pol-		
ster und Bezug zu 70 Pfg.	»	10,50
	Mk. 119,-	
4°/o Unkosten“) ....	tr	4,75
	Mk. 123,75	
10°/o Gewinn		V	12,35
	Mk. 136,10	
6*/o Zinsen für */* Jahr2)		2,05
	Mk.	138,15

Bemerkungen:

') Der Zuschlag für Material läßt
sich nur schätzen, nicht berechnen, da
man für die einzelnen Artikel ver-
schiedene Mengen verbraucht. Über-
dies sind die Unterschlagungen der
Arbeiter zu berücksichtigen, die nicht
zur Kenntnis des Prinzipals kommen.

J) Die geringen Unkosten und Zinsen
sind damit zu erklären, daß auf Be-
stellung gearbeitet wurde. Wenn auf
Lager gearbeitet wird, erhöhen sich
diese Kosten ganz bedeutend; je länger
die Ware unverkauft bleibt, desto
größer werden die Ausgaben für Lager-
arbeiten und die Zinsverluste.

/
        <pb n="371" />
        ﻿2. Beispiel.

Kostenberechnung

	Herstellung^-		
	Gesamtbetrag  1	a	1  Produktion in Tonnen  b	Einzelkosten per Tonne der Produktion (Mark)  c
1.	Gewinnungskosten imStein-  bruch 	  2.	Transport in die Mühle  (Bahnanlage)	  3.	Zerkleinern, Trocknen (Roh- mühle) ....  4.	Ziegelpresse (Rohziegel) .  5.	Klinker brennen (Zement- ofen) . . .  6.	Zementmühle	  7.	Verpackung, Verladung in den entsprechendenRäumen	1	467 450,-  108 903,—  700 581,— 560566,—  1 203 160,— 771 850,—  335 920,—	1	153130  153 680  153	620  154	020  154 250  145 500	3,053  0,711  4,559  3,648  7,811  5,004  2,240
Generalia:  Allg. Betriebskosten . . .	755 755,-	(Durchschnitt) 152 370	4,960
Herstellungskosten Abschreibungen . .	4 894 185,— 325 769,—		31,986  2,122
Handlungsunkosten ....	222 615,—	(Versand)  145 500	34,108  1,530
Selbstkosten . .	5 442 569,—		35,638
	Gesamt-  Kalkulation		Spezial-  kalkulation

Anmerkung: Das Schema entspricht den Anforderungen der § 7,
Seite 21 Ziffer 3, und § 10, Seite 47 und ermöglicht eine genaue Berechnung
der jeweiligen Bearbeitungsstufen.

367

einer Zementfabrik1).

koste n			Abschreibungen		Selbstkosten der Halb- fabrikate  (c + g)  h		
In Prozenten  der  Selbstkosten	Verteilung der  Betriebskosten auf die Produktions- stadien d	Gesamtkosten der Produktions- stadien  e	Betrag  f	Verteilung auf die Produktion (Mark)  g			
8,6	5 o/o == 0,248	3,301	22 969,—	0,150		3,451	
2	5 °/o = 0,248	4,260	11178,—	0,073		4,483	
12.3  10.3	30 o/o = 1,488  20 °/o = 0,992	10,307  14,947	43 799,—  33 028,—	0,285  0,215	10,815  15,670		
00  CQ *-4	10o/o = 0,496 20 o/o = 0,992	23,254  29,250	80 700,— 63 243,—	0,524  0,410	24,501  30,907		
6,3	10o/„ = 0,496	31,986					
14	4,960	© © ©	C©  »-4 Ol CO	00  ll II ll	2-	70 852,—	0,465	34,108		
89,8  6  4,2		+ 11 ~r	zo  ©'-Ö-Ö	5  HIMCO	^  «++i+ §££ 9«	352 769,—	2,122			
					OO  ii	OO © r—4  II	t—  CO  kO  II
100,0		.§++ ~  « « &lt;D	&lt;*&gt;			CO  !&gt;■  O	CO  CQ  CQ	X)  o  tO
		_L  © *  CQ	O  lO  ca			O  +  io	O  +  xo  OO	©  JO §
		CQ			r-i  ©  +  s  CQ	CJ  oJ  +  o  CO  ©  rH	CQ  O  +  L—  r-4

') Vgl. Zeitschr. f. Handelsw. Forschung, 3. Jahrg., S. 237f. Pasehke,
Selbstkostenberechnung und Buchführung für Ziegeleibetriebe; ebenda S 289f.
        <pb n="372" />
        ﻿— 368 —

3. Schematisches Beispiel für die Betriebsrechuung

Verbucht auf

Gegenstand

10

Kohlen-Konto

Gasproduktions-Kouto

Gasproduktions-Konto oder einem
Konto der Gasbehandlung

Koks-Konto

Konto für Nebenprodukte oder
auf Spezial-Konten

Kesselhausbetriebs-Konto

Betriebskosten-Konto (oder Konto
der elektrischen Zentrale u. a.)

Betriebskosten-Konto oder auf
Spezial-Konten

Amortisations-Konto

Kohlen1) zur Vergasung

Kohlentransport bis zur Verwendungistelle

Ofenhausbetrieb: Löhne einschließ-
lich Zwangsversicherungsbeiträge

Behandlung des Gases: Wasserver-
brauch ; Kosten der Reinigung; Messung;
Aufbewahrung

Koks2) für Retortenöfen, und zwar Kosten
der Lagerung, Sortierung des Ver-
kaufes

Kosten auf die Nebenprodukte3) Teer,
Ammoniak, Gaswasser, Reinigungs-
wasser, Retortengraphit

Kraf terzeugung für den Betrieb

Beleuchtung, Heizung der Räume

Gehälter und Tantiemen der Beamten,
Kosten des Laboratoriums, Unterhaltung
der Anlagen

[Abschreibungen *) auf Betriebsanlagen]

Summe

Literatur:

Greineder, Selbstkostenberechnung für Gaswerke. Z. f. Handelsw.
Forschung 5. Jahrg. S. 409 ff.

Derselbe, Betriebsbuchführung für Gaswerke. München 1910.
Derselbe, Finanzielle Überwachung der Gasunternehmungen. München 1911.
Schäfer, Buchführung für Gasanstalten. Leipzig 1906.

Le Coutre, Preisentwicklung in der Steinkohlen-Industrie. Leipzig 1914
(Schriften des Vereins für Sozialpolitik).

369

eines Gaswerkes (nur Fabrikation).

Betrag

Anmerkungen

‘) Einkaufswert -|- Nebenkosten (Anfuhr,
Lagerung). Der Monatsbetriebsrechnung kann
man einen Durchschnittspreis zugrunde legen.

*) Der Materialwert steckt bereits in den
Kohlenkosten, auch sind die Löhne für die
Erzeugung an anderer Stelle (3) mitverrechnet.

3) Hier wird der Verkauf der Nebenpro-
dukte angenommen. Werden sie vom Gas-
werk im Nebenbetrieb verarbeitet, so sind
Kosten und Erlös auf Sonderkonten (Teer-
konto, Ammoniakkonto, Wassergaskonto) zu
verbuchen. Wegen der Bewertung in diesem
Falle vgl. § 17.

*) Hinsichtlich der Anlagen-Amortisation
und Verzinsung sind zwei \Vege möglich:
Entweder man verrechnet die Summe aller
Abschreibungen, wie hier, als einen Sonder-
posten und kann ersehen, wieviel Abschreibung
auf 1 cbm Gas entfallen, oder man verrechnet
die Abschreibungsbeträge monatlich auf den
Betriebskonten, so daß z. B. Selbstkosten, Be-
leuchtung, Kosten der Gaserzeugung ein-
schließlich der Abschreibungen kalkuliert
werden.

Betriebskontrolle: Für die Berechnung
und Ermittelung von Durchschnitts- oder
Normalzahlen und zwecks Vergleichung der
tatsächlichen Ausgaben mit dem Normale
empfiehlt es sich, die Einzelausgaben auf die
Leistungseinheit zu reduzieren. Z. B. die
Kosten unter 2. auf 1 Tonne vergaster Kohlen,
unter 3. und 4. auf 1 Tonne erzeugten Gases usf.

Leituer, Solbätkoatenberechmuig. 7. Aull.

24
        <pb n="373" />
        ﻿370

Das ,Verrechnungswesen eines Gaswerkes soll auseinander-
halten : a) Gaserzeugung und - vertrieb (Fortleitung, Abgabe);
b) Hauptbetrieb und Nebenbetriebe (Teer etc.), sofern die Nebenpro-
dukte im eigenen Betriebe weiter verarbeitet werden.

Die Abrechnungen städtischer Gaswerke trennen selten die
Kosten nach den unter a) angegebenen Gesichtspunkten. Die Be-
triebskosten der Gasverteilung! (u. a. Unterhaltung der Rohrleitung,
Gasmesser und -Automaten, Lokalmiete für die Reviere, Löhne und
Kosten der Gäsverbrauchsaufnahme, des Inkassos usf.) werden ver-
mengt mit den Kosten der öffentlichen Beleuchtung, obgleich diese
und der sonstige Bedarf der Gemeinde der Stadt voll angerechnet
werden sollte.

Die Ertragsberechnung stellt sich zumeist wie folgt: (beispielsweise)

Gasproduktion............................. 63 885 760 cbm

Abgegeben wurden für:

1.	Selbstverbrauch des Werkes............. 731450 „

2.	öffentliche Beleuchtung................. 5 256 376 „

3.	Privatverbrauch: Heiz-, Koch-, Kraft-,

Leuchtgas der Gemeinde und Privatleute 57 374 704 „

63 362 530 cbm Nntzgas

Gasverlust und ev. unbezahlt gebliebene

Gasbezüge............................ .	523 230 „

Gesamtaufwand.........................Mk. 12 961 366,40

1 cbm erzeugten Gases.................= 20,289 Pfg.

1 „ Nutzgas...........................= 20,456 Pfg.

Ausgaben	Die Ertragsrechn ung:	Einnahmen

1.	Betriebsausgaben laut Ab-
rechnung S. 368	...............

2.	Gasverteilung:

Unterhaltung des Rohrnetzes . . .
Unterhaltung d. öffentlichen

Beleuchtung.....................

Unterhaltung der Gasmesser . . .
Sonstige Vertriebskosten.............

Bruttokosten................2 A'

-r Einnahmen................2 E'

Nettokosten des Gases . . . N
~ Erlös für Gas................G

Uberschuß...................Ü

Nebenprodukte....................

Hausanschluß, Gasmessermiete
und andere Einnahmen . . ■ .

2	E'

für Gas.....................G
        <pb n="374" />
        ﻿4.	Kalkulationsbeispiel für Leder (vgl. S. 99, 179).

Partie Nr. 213; eingeweicht am 21. August; Leder gewogen 28. Februar.
60 Häute:

Metzgergewicht (Einzelheiten weggelassen) 4989 Pfd. Durchschnitts-
preis 60 Pfg. pro Pfd. = Mk. 2933,40 loko Fabrik.

II. Crouponierte Häute 28

oo-i q pr j I Lern 1350 Pfd.
2319 «a. | Ab£aU 9g9 „

Blößengewicht	(gerbfertig)	2097 „	1758	„	{ Lern 1010 „

Rendement	78,7	%

Ledergewicht	1420	Pfd.

Rendement	(Grüngewicht)	53,2 %

I. Sohlenleder. 32 Häute
Grüngewicht (Metzgergewicht) 2670 Pfd.

Abfall 743

75,2%

1186 Pfd. {

1 Abfall 456

51,2%

		a) Gesamtkosten		b) Kosten d. Crouponö u. Abfälle
		Betrag	pro Haut	Betrag
1.	Kosten der Häute	  2.	Wasserwerkstatt	  3.	Arbeitskosten, Gerbstoffe, Farben ....		2993,40  42,—  45,-	49,89 -,70 —&gt;75	(2319 Pfd.)  1391,40  19,60
	Arbeit	Gerbstoffe		1 —&gt;65  1 —,63	
1. Versenk	39	38	77,-		
1. Satz	12	145	157,-	\ -20  1	2,42	
2. Satz	12	84	96,—	1 -20  1	1,40	
Umsetzen	12	42	54,-	1 -,20  I —,70	
3. Satz	15	38	53,-	1 —&gt;25 / — ,63	
	90	347			
4.	Kosten, Materialien (Erfahrungssatz) . . .  5.	Zurichten für 32 Häute	  v	28	„		  6.	Abfälle: Extrakt 86; Gerbstoff 34 ... .		42,-  22,40  12,60  110,-	—,70 -70 — ,45  1	1,43  1 —,40	12,60  110,—
Löhne .		28,80	—,48	28,80
Gesamtkosten  ab Herstellungskosten der Croupons ....		3733,20  1562,40	62,78	1562,40
	Kosten für Sohlenleder	2170,80		

I. Herstellungskosten
pro Pfd. Leder
Generalkosten
Selbstkosten
II. Croupons:

-r Abfallwert
+ Generalkosten

Mk, 2170,80 (1420 Pfd. Leder)

Mk. 1,53
„	~,15

Mk.	1,68 (einschließlich Zinsverluste)

„	1562,40

,, &gt;

5J 1

Selbstkosten	Mk.	—,—

Wegen der technischen Einzelheiten vgl. Kaul a. a. O.

24*
        <pb n="375" />
        ﻿5.	Kalkulationsbeispiel aus der Papierindustrie (Zeitungsdruckpapier).

Komm Nr. 1295	Maschine: Nr. 3.

Format: 63 X 95	Mischer: 12.

Verkaufspreis: 39 — frachtfrei Stunden: 10%

Maschinenstellung 195 cm
(2 X 95 + 5 cm Abfall).

	Gewicht:		Preis:	Betrag:
33,03 % Zellulose I. .	. . . 91 kg	ZU	23,- = 20,93
2,54% Zellulose II. .	. . .	7	„		18,— = 1,26
24,96% Holzstoff I. .	. . . 68,75 „		10,5 = 7,22
24,96% Holzstoff II . .	. . . 68,75 „		10,— = 6,87
8,71% Schnitzel . .	. . . 24	„		25,— = 6,—
5,08% Schnitzel . .	. . . 16		18,— = 2,88
100%	275,5 kg		= 45,16
Erde		... 30	„		3,4 = 2,04
Asbestine		... 10 „		11,— = 2,20
Farbe				—,34
Leim				2,34
Für 1 Mischer	315,5 kg Stoff	52,08		
Eintrag: 12 Mischer zu	315,5 kg = 3768 kg		
Ergebnis: Von der Maschine	3920			
Nach der Sortierung 3705		&gt;&gt;	

Gewinnberechnung:

Fakturengewicht 3428 kg netto zu 89,— .... 1336,92
Abfall	277 „	„	zu 15,— ....	41,55

3705 kg	1378,47

Abzügl. Fracht: 3628 kg brutto zu 1,91 .... -f-69,49

Skonto 2% von 1336,92 ................... -j-26,74

Erlös für 3705 kg............................. 1282,24 für 100 kg - 34,61

Selbstkosten: .... Stoff 52,08 x 12624,96	„ „ , =16,87

Betriebskosten1)....................... 571,81 1196,77 „ „ „ = 15,43

Gewinn.............................. 85,47	32,30

Gewinn für 100 kg = 2,31

*) Betriebskosten:

Gewiehtskosten (Kiloregie): 3920 kg zu 4,60 180,32
Zeitkosten (Stundenregie): IO1/1! St. zu 25,— 262,50

Satinage................... 3920 kg zu —,72	28,22

Schneiden.................. 3920 kg zu —,20	7,84

Sortieren, Zählen 88,07 Neuries zu —,16	14,09

Rahmen (Packen) 3428 kg zu 2,30 für %	78,84

für 3705 kg 571,81 = 15,43 für 1 kg
        <pb n="376" />
        ﻿Kalkulation für 100 kg.

33,03	Zellulose	I	zu	23,—.....................................7,60

2,54	»	H	„	18,-.................................—,46

24,96	Holzstoff	I	„	10,5.................................... 2,62

24,96	„	II	„	10,-.....................................2,50

8,71 Schnitzel , 25,—........................................2,17

5,80	„ 18,-..................................■	1,04

100,— kg	16,39

10,89	„	Erde	„	3,40.................................—,74

3,63	„	„	,	11,—.................................... —,80

114,52 kg	Kosten..............................................17,93

100,— kg	Stoffkosten.........................................15,66

Farbe................................................—,11

Leim.............................................., —,74

3705	kg	brutto	zu	16,51 =	611,70	100	kg brutto .... 16,51

277	„	Abfall	„	15,— —	41,55	100	„	netto..............16,63	Stoffkosten

3428 kg netto	= 570,15

100 „	„	16,63

Kiloregie . .	5,26 ■)
Stundenregie .	7,66 2)
Satinage . .	—,82
Schneiden . .	—-,23
Sortieren . .	-.41
Packen . . .	2,30

Selbstkosten 33,31
Erlös 36,19»)

für °/0 kg netto Gewinn 2,88

Kontrolle:

3428 kg netto zu 2,88 Gewinn......................= 98,73

Selbstkosten berechnet mit 16,87
Stoffkosten wie oben 16,51
Verlust	—,36

3705 kg Verlust zu —,36...........................— 13,34

Gewinn 85,39
früher berechnet 85,47
Durch Abrundungen —,08 Unterschied

beider Be-
rechnungs-
arten.

') 180,32 : 34,28 = 5,26
*) 262,5 : 34,28 = 7,66
*)	3705 kg	= 1282,24

4- 277 „ Abfall =	41,55

3428 kg netto = 1240,69
100	”	36Ö9
        <pb n="377" />
        ﻿374

6.	Kalkulation von Dachpappe (Juli 1918).

I.	Vorkosten:

a)	Rohpappe: ab Fabrik für % kg................Mk.	70,—

Umlage........................... „	—,40

Fracht  ............................. —,35

Rollgeld, Abladen, Stapeln, Trans-
port zur Pfanne.................. „	—,15

3°/o Gewichtsverlust beim Lagern Mk.	71,65

und Ausladen................... „	1,45

Selbstkosten für 100 kg Rohpappe frei Pfanne

b)	Imprägniermasse:

1.	Kriegsteer im Kesselwagen..................Mk.	8,50

Kesselwagenmiete............................. „	—,90

Fracht....................................... „	—,35

Rollgeld, Rangieren.......................... „	—,12

Abfüllen: Löhne........................... „	—,05

Dampf.............................. „	—,25

Mk. 10,17

3°/o Verlust................'............. „ —,30

Selbstkosten für 100 kg Teer

2.	Teerpech: 7---[-10 Pfg. Fracht -[- 40 Pfg.

Lohn =....................................Mk.	7,50

3	°/o Verlust..................... . . .	„ —,25

Teer und Pech in der Masse 1 :1 gemischt:

50 kg Teer	zu	Mk.	10,40...............Mk.	5,20

50 kg Pech	„	„	7,75..... „	3,90

Feuerung 6 kg „	„	4,70 für °/o kg . .	„	—,28

Löhne........................................ „	—,50

für 100 kg Imprägniermasse

c)	Sand:

1 cbm. nasser Sand= 1000 kg; = . . . . Mk. 4,50

Feuerung zur Trocknung....................... „	2,50

Arbeitslöhne................................. „	2,—

Mk. 9,—

40 °/o Trocken- und Sieb verlust; 100 kg Trocken-
sandkosten ..................................Mk.	1,50

Mk. 73,10

Mk. 10,40

Mk. 7,75

Mk. 10,—

einschl.

F rächt

für 1000 kg
        <pb n="378" />
        ﻿375

II. Kostenberechnung (auf 1 qm)1)

	80®r	100*r	150 er
Tagesleistung je 21000 qm			
Erforderlich:			
Rohpappe	  Tränkmasse	  Sand	  3°/o Verlust — 630 qm		13 125kg 39 380 „ 33 000 „	10500 kg 31 600 „ 31 000 „	7 000 kg 21 000 „ 27 300 „
Materialkosten:			
Rohpappe 73,10 °/o kg	  Tränkmasse 10,—	  Sand	1,5			9 594,38 3 938,— 495,—	7 675,5  3 150,— 465,—	5 117,— 2 100,— 409,5
Zusammen	14 027,38	11 290,5	7 626,5
Herstellungskosten:			
Löhne: Legen, Streuen, Rollen, Binden,  Transport, Verladen	  Dampf, Kraft		415,— 315,—	415,— 280,—	415,— 168,—
	14 757,—	11 985,-	8 210,—
Allgemeine Unkosten 20°/o		2 951,4	2 397,—	1 642,—
Für je [21 000 — 630 =} 20370 qm ... .	17 708,—	14 382,—	9 852,—
1 qm	87 Pfg.	70,6 Pfg.	48,4 Pfg.

7.	Beispiel einer Kostenberechnung mit Einheitspreisen (vgl. S. 178)’).

I.	Voranschlag und Angebot:

Bahnanlage (mit Ausschluß der Maurerarbeiten):

Veranschlagtes Gewicht 170 t + 5% = 179t
Veranschlagte Bauzeit....	. . 135 Tage

Veranschlagte Kosten mit Einschluß der allgemeinen Unkosten:

70 Mk. die Tonne, zusammen ........	(179,70) Mk. 12530,—

Tageskosten (Richtmeister 16 Mk., 7 Arbeiter zu 11 Mk.) .	______93,—*)

Angebotspreis: Mk. 36,-------h 1 Mk. die 100 kg:

insgesamt Mk, 66 230, —

*) Die Kostenberechnung ist gut aufgebaut, die Selbstkosten der Rohstoffe
sind im einzelnen genau ermittelt, die Mengenverluste berücksichtigt. Die
Einzelheiten der Lohnberechnungen sind hier fortgelassen; die gleichmäßige Be-
lastung der verschiedenen Sorten ist nicht einwandfrei. Die Bearbeitungskosten
haben im Verhältnis zu den Rohstoffkosten geringe Bedeutung: die General-
kosten werden auf die Herstellungskosten, im wesentlichen nach dem Material-
wert, verteilt (§ 44, S. 198). Der Berechnung wurde die durchschnittliche Tages-
leistung zugrunde gelegt und daraus der Preis für 1 qm ermittelt; sofort auf
1 qm zu rechnen, erscheint unzweckmäßig, eine Kalkulation auf 100 kg Fertig-
produkt wäre unrichtig.

*) Jucho, Die Selbstkosten-Berechnung im Eisenhoch- und Brückenbau.
Dissertation. Hannover 1917.

3) Mit eingerechnet die allgemeinen Kosten.
        <pb n="379" />
        ﻿-- 376

II. Tatsächliche Bauzeit 185 Tage.

„	Lohnkosten .	....	Mk.	16 434,50
Anteilige Kosten des Baubureaus ....		2 670,-
Barackenbau .				1 870,-
Sonstige Unkosten		y&gt;	745,-
Tatsächliche Kosten	Mk.	2! 719,50
	Mk.	121,34 die Tonne
Veranschlagte „	J»	
Verlust		Mk.	51,34 „	„

Verausgabt	Mk. 21 719,50

Veranschlagt „ 12 530,—

Gesamtverlust Mk. 9189,50

8.	Beispiel für Kostenberechnungen der Industrie der Metallverarbeitung.

Das nachfolgende Beispiel des Berechnungsschema für Eisenzünder wurde
gegen das Ende des Weltkrieges von einer lnteressentenvereinigung entworfen
und zeugt für die „ Rechenhaftigkeit“ dieser Unternehmergruppe jener Zeit. Be-
sonders interessiert die Einrechnung jeglichen nur möglichen Eisikos — vgl. X,
Risikoprämien — also das Bestreben, durch den Gewinnzuschlag rein zu ver-
dienen, und durch die nicht eingetretenen Risiken noch etwas mehr. Abge-
sehen davon ist die Aufstellung systematisch gegliedert und vollständig.

Kalkulationsschema für Zünder.

I. Gesamtbetrag der Einzelteile:

a)	Wert der Teile, dio von außerhalb bezogen sind,

b)	Wert der Teile, die aus eigener Fabrikation stammen, einschl. Ausschuß,

c)	Wert für Lack usw.,

d)	Einkaufs- und Beschaffungsspesen,

e)	Frachtdifferenz zwischen Eil- und Frachtgut. Anfuhrspesen,

f)	Lager- und Versicherungsspesen,

g)	Zinsverluste,

h)	Verluste durch Diebstahl.

II. Löhne für:

a)	Kontrolle der Einzelteile,

b)	Nacharbeiten der von auswärts bezogenen Teile,

c)	Laborieren.

III.	Zuschlag auf Löhne für Betriebsunkosten:

a)	Aufwendungen für die Betriebsverwaltung:

1. Gehälter und Wochenlöhne, 2. garantierte Leistungsprämien,

3.	Kranken-, Invaliden- und Unfallversicherungen, 4. Berufsgenossen-
schaften, 5. Schreib- und Zeichenmaterialien;

b)	Aufwendungen für die Betriebs räume:

1. Miete, 2. elektrische Beleuchtung, 3. Dampf- und Heizung, 4. Rei-
nigung einschl. erforderlichen Materials, 5. Reparatur an Gebäuden,
6. bauliche Änderungen;

c)	Aufwendungen für Instandhaltung der Betriebsmittel:

1. Reparatur an Modellen und Formen, 2. Reparatur an Maschinen,
3. Reparatur und Ersatz von Werkzeugen, 4. Reparatur und Er-
satz von Utensilien, 5. Schmieren und Reinigen der Maschinen ein-
schließlich Material, 6. Diebstahl (!);
        <pb n="380" />
        ﻿377

d)	Aufwendungen für die Fabrikations-Hilfsmittel:

1. elektrische Kraft, 2. Nutzwasser, 8. Gas, 4. Dampf für die Fabri-
kation, 5. Material zu Erwärmungszwecken, 6. Beiz-, Schleif-, Lackier-
nnd Poliermittel, 7. Betriebspackmaterial, 8. Kleinmaterial, 9. Trans-
portlöhne, 10. Kontroll- und Einrichterlöhne, 11. Hilfsarbeiten.

IV.	Zuschlag auf Löhne für allgemeine Unkosten:

1. Verwaltungsbureaus, 2. Hausverwaltung, 3. Rohmateriallager, 4. Feuer-
wehr, 5. Unfallstationen, 6. Badeanstalten, 7. Kantine, 8. Post-, Tele-
gramm- und Femsprech-Spesen, 9. Umzüge, 10. Versuche, 11. Zinsen,
12. Versand- und Lagerspesen, 13. Feuer- und Haftpflichtversicherung.

V.	Zuschlag auf Lohn für Kriegssonderunkosten:

1. Notstandszulagen, 2. Gratifikationen an Beamte, 3. Kriegsunterstüt-
zungen an Beamte, 4. Kriegsunterstützungen an Familien der Beamten
und Arbeiter, 5. Kosten und Aufwendungen für Beschlagnahme-Organi-
sation, 6. Werkspeisung und Lebensmittel-Beschaffung, 7. Entschädigung
an Arbeiter für Feierschichten, 8. Aufwendungen für Zurückleitung in die
Friedenswirtschaft, 9. Versicherung gegen Fliegergefahr und Aufwendung
für Unterhaltung der Abwehr.

VI.	Kosten für Abnahme und Beschuß.

VII.	Kosten für Laborierausschuß.

VIII.	Kosten durch Beanstandungen.

IX.	Handlungsunkosten und Verkaufsspesen:

1. Spesen der Verkaufsabteilungen, 2. Steuern insgesamt (! also einschließ-
lich Kriegsgewinnsteuer!), 3. Obligationszinsen, 4. Kriegsunterstützungen
an Angehörige der Verkaufsabteilung, 5. Kriegsfürsorge der Verkaufs-
abteilung, 6. Abschreibungen des Verwaltungsgebäudes, 7. Provisionen
und Gewinnanteile (!), 8. Zinsverluste.

X.	Risiko-Prämien:

1. Unkosten infolge Fliegergefahr (siehe V. 9): a) durch Arbeitsunter-
brechungen bei Alarm, b) durch eingetretene Beschädigungen, 2. Explo-
sionsgefahr, 3. Unkosten durch verspätete Erteilung des Auftrages resp.
Zuweisung der Metalle, 4. Ausfall durch Krankheiten usw., 5. Störungen,
veranlaßt durch Verfügungen hzw. Konstruktionsänderungen des Auftrag-
gebers, 6. Störungen durch Fehlen von Zeichnungen, verspäteten Versand
usw., 7. Unkosten, die durch übrigbleibende Teile entstehen, 8. Verlust
durch Steigen der Materialpreise, 9. höhere Unkosten bei Lohnerhö-
hungen (!), Zuschläge für Überstunden, Nachtschichten usw., 10. Brand-
schaden, 11. größerer Ausschuß: a; Zulieferanten, b) eigene schlechte Ar-
beit, 12. minderwertige Kohlen, 13. Strombeschränkung, 14. Transport-
schwierigkeiten, 15. Einarbeiten von neuen Arbeitern, 16. höhere Lebens-
mittel-Aufwendungen gegenüber dem in den Unkosten enthaltenen Satz»
17. höherer Prozentsatz an verworfenen Zündern, 18. Unvorhergesehenes (!)•

XI.	Erforderliche Abschreibungen.

XII.	Verdienstzuschlag.

9.	Beispiel.

Die nachfolgende Zwischenberechnung war wegen Widerruf des Auf-
trages (§ 2) infolge der Ereignisse des November 1918 notwendig geworden. Sie
soll nur methodologisch das Verfahren veranschaulichen; ihrem Inhalte nach
ist sie anfechtbar.
        <pb n="381" />
        ﻿378

Selbstkostenberechnung (Zwischenkalkulation)
für die Gesamtfabrikation bis zur Bestandaufnahme am 8. Dezember 1918.

1.	Gezahlte Löhne..........................................Mk. 247 872,—

2.	Betriebsunkosten einschließlich Kosten für neue Maschinen,

etwa 288%.............................................	„	715 240,85

3.	Materialien (fertig bezogen): Nadelträger...............„	68 505,—■

Zünderkörper.................„	121309,80

Messingröhrchen..................„	19	841,52

Frachten.........................„	5	704,15

4.	Herstellungskosten.........................................Mk.	1 178 473,32

5.	Handlungsunkosten-Zuschlag 15 %.............................„	176 770,—

Geschätzte Selbstkosten Mk. 1 355 243,32

Bewertung des Bestandes am 8. Dezember 1918 (Schätzung):

1.	Zünderkörper: Rohlinge . . .	224	Stck.	zu	Mk.	1,16

Bearb. Stücker: Operationen 1—10 = 5 549	„	„	„	—,41

„	„	„	11-20=15104	„	„	„	1,02

„	„	„	21-41 = 18 056	„	„	„	1,58

Materialwert für.............. 38 933 Stck. zu Mk. 1,15

und 3 Pfg. Fracht................................

2.	Nadelträger: Rohlinge .... 7 285 Stck. zu Mk.—,69

„ bearb. St. :Op. 1—12 = 25 608	„	„	„	— ,20

„	„	„■	„ 13-18 = 22 091	„	„	„	0,65

Materialwert für.............. 54 984 Stck.

für % Stck. zu Mk. 69,—

3.	Materialwert für 60 000 Röhrchen 0/00 = Mk. 97	....

4.	250 % Betriebsunkosten von Mk. 65 635,17 ..........

10,7% Handlungsunkosten

-r-10% Ausschuß

von der Laborierfirma für gelieferte Zünderkörper erhalten
vorhanden 7 300 kompl. Zünderkörper o. Rostschutz zu 15,15
„	1 650	„	„ m. „	„ 15,50

2 800	„	„	.............„15,50

Einnahmen

Ausgaben

Unterschied

Mk.	259,84
77	2 275,09
77	15 406,08
77	28 528,48
77	45 940,94
77	5 026,55
77	5 121,60
77	14 303,92
77	37 938,96
77	5 820,—
77	164 087,92
Mk.	324 709,36
»7	34 743,90
Mk.	359 453,28
77	35 945,32
Mk.	323 507,96
77	513 400,—
77	110 595,—
77	25 575,—
77	43 400,—
Mk. 1016 477,96	
77	1 355 243,32
Mk.	338 765,36
        <pb n="382" />
        ﻿Literatur (Auswahl).

B. = Berlin; Lp. = Leipzig; Stntt. = Stuttgart.

Literaturübersicht (1908/1913) einschl. Zeitschriften bei Sinner, Betriebswissen-
schaften, Berlin 1919 (N. W. 7, Verlag des Vereins deutscher Ingenieure);
Schmalenbach in seiner Zeitschrift; 13. Jahrgang, 1919, S. 299f.

1. Werke allgemeinen Inhaltes:

Voigt, Technische Ökonomik; Blum, Grundsätze für die Ermittelung der
Selbstkosten, beide in: Wirtschaft und Recht der Gegenwart, 2. Band (Tübingen
1912). Tolkmitt, Die Kalkulation im Geschäftsleben; Lp. 1896. Schwarz,
Die Kalkulation des Handwerkers und ihre wirtschaftlichen Grundlagen; Stutt.
1906. Lewin, Theorie und Praxis der industriellen Selbstkostenberechnung;
Lp. 1909. Meitzer, Das Wirtschaften auf Ertrag in der industriellen Unter-
nehmung; B. 1911 (im wesentlichen ein Abdruck aus der Zeitschrift des Vereins
deutscher Ingenieure, 1908, S. 981 und später: Kalkulation und Selbstkosten-
wesen). Derselbe, Grundzüge der geschäftlichen Kostenberechnung (Südwest-
deutsche Flugschriften, Heft 12); Saarbrücken 1910. Herrmann-Trott, Die
Einrichtung, Instandhaltung und Ökonomie der Fabrik- und Gewerbebetriebe;
Nürnberg 1902. F ehr mann, Maschinen-Kontrolle und Maschinenbetriebsführung
in den Gärungsgewerben; B. 1910. Moral, Revision und Reorganisation in-
dustrieller Betriebe; B. 1911. Woldt, Der industrielle Großbetrieb; Stutt. 1911.
Stern, Die kaufmännische Organisation im Fabrikbetrieb; Lp. 1911. Taylor,
Grundsätze wissenschaftlicher Betriebsführung (Übersetzung); München 1913.
Laschinski, Die Selbstkostenberechnung im Fabrikbetriebe; 2. Au fl., B. 1918.

Be an, The cost of production; Chicago 1905 (System Compagny). Woods,
Organizing a factory; Chicago 1905 (ebenda). Ridgway, Cost account in prin-
ciple and practice; London (etwa 1911; Pitman &amp; Sons). Evans, Cost keeping
and scientific management; New-York (Graw-Hill). Bunnelt, Cost keeping for
manufacturing plank; New-York 1911 (Appleton). Garcke &amp; Fells, Factory
accounts: their principles and practice; 6. Aufl., London 1911 (Lookwood &amp;
Sons).

Daubresse, Prix de revient industriels; o. J. (Brüssel).

2. Fabrikbuchführung:

Leitner, Grundriß der Buchhaltung und Bilanzkunde; I. Band, S. 237 f.;

4.	Aufl., B. 1920; II. Band, Bilanztechnik und Bilanzkritik; 4. Aufl., B. 1920;

5.	246f.; Sachregister zu II. Calmes, Die Fabrikbuchhaltung; Lp. 1909 f.
Daele, Moderne Fabrikbuchhaltung; 2. Aufl., Lp. 1910. Pachmann, Die
Fabrikbuchhaltung nach den Regeln der doppelten Buchhaltung; 3. Aufl., Lp. 1897.

3.	Abschreibungen, vgl. S. 227 ff.
        <pb n="383" />
        ﻿380

4,	Maschinenbau, vgl. S. 330.

Piesehel, Kalkulation im Metallgewerbe und Maschinenbau; 2. Aufl.,
B. 1919. Derselbe, Kalkulation im Schmiedegewerbe; 2. Auf!., B. 1919.
v. Brieland. Praktische Kalkulation im Fabrikbetriebe, insbesondere für Ma-
schinen-, Eisen- und Metallwarenfabriken; Stutt. 1914. Siegerist-Bork, Mo-
derne Vorkalkulation in Maschinenfabriken; 2. Aufl., B. 1917. Lauffer, Moderne
Betriebsorganisation in mittleren Maschinenfabriken; Lp. 1914. Hall, Selbst-
kostenberechnung und moderne Organisation von Maschinenfabriken; München 1913.

5.	Eisengießerei, vgl. S. 334 ff.

6.	Textilindustrie, vgl. S. 322 ff.

7.	Hüttenwerke, Walzwerke, vgl. S. 342 ff.

8.	Leder:

Kaul, Die Kalkulation in der Lederfabrik, mit besonderer Berücksich-
tigung der verschiedenen Fabrikationsstadien; Freiberg i. S., o. J. Spöhrer,
Gerberei-Buchführung; 2. Aufl,, 1898. Heck mann, Organisation einer Vache-
lederfabrik; in der Zeitschrift f. handelsw. Forschung, 3. Jahrg., S. 97 f. Pape,
Grundlagen der Kalkulation in der Schuh- und Schäftebranche; B. 1909.

9.	Holz:

Dribbusch, Kalkulation und Generalienberechnung der Sägewerke und
Holzbearbeitungsbetriebe; B. 1910. Hufnagl, Handbuch der kaufmännischen
Holzverwertung und des Holzhandels; B. 1905. Goetze, Die doppelte Buch-
führung im Sägeinühlenbetriebe; 2. Aufl., Eisenach 1903. Höh rieh, Buchhal-
tung für Fabrikgeschäfte (Möbel); 2. Aufl., Lp. 1900: Müller, Buchführung
und Kalkulation für das Schreinergewerbe; Nürnberg 1903.

10.	Mühlenbetrieb:

Liefka, Kalkulation im Mühlenbetriebe; Wien 1907. Rückert, Kalku-
lation im Mühlenbetriebe; in der Zeitschr. f. handelsw. Forschung; 4. Jahrg.,

S.	402 f.

11.	Keramische Industrie etc.:

Klein, Unkostenberechnung und die Kalkulation in der Steinindustrie;
München 1907. Paschke, Betriebsbuchführung und Selbstkostenberechnung
einer Ziegelei; Lp. 1909. N. N., Selbstkostenberechnung für die Herstellung von
Portlandzement; vgl. S. 386. Buerdorff, Buchführung für Ziegeleien; 2. Aufl.,
Lp. 1906.

12.	Chemische Industrien:

Wolf rum, Methodik der industriellen Arbeit als Teilgebiet der Industrie-
kunde; Stutt. 1904. Zänker, Kalkulation und Organisation in Färbereien und
verwandten Betrieben; B. 1911.
        <pb n="384" />
        ﻿— 3811 —

13.	Zuckerfabrikation:

G o e b e 1, Rentabilitätsfaktoren von Zuckerfabriken; Thiinen-Archiv, 2. Jahrg.,
Jena 1907. Pohle, Probleme aus dem Leben eines industriellen Großbetriebes.
Rostocker Dissert., Naumburg a. S. 1905 (behandelt Gebr. Stollwerk, Cöln).

14.	Brauereien:

Leautey, Traite de comptabilite industrielle precision; Paris o. J. Pohl-
Tausing, Brauereibuchhaltung; 2. Aufl., Lp. 1901. Liinemann, Leitfaden
der doppelten Brauereibuchhaltung; Lp. 1909. Schaer, Der Kaufmann in der
Brauerei; Zürich 1905.

15.	Elektrizität:	\

Hoppe, Wie stellt man Kostenanschläge und Betriebsrechnungen für
elektrische Anlagen auf? 6. Aufl., Lp. 1914. Siegel, Die Preisstellung beim
Verkauf elektrischer Energie; B. 1906. Schulte, Selbstkostenberechnung bei
einem Elektrizitätswerke; Zeitschr. f. handelsw. Forschung; 4. Jahrg., S. 332 f.

)

16.	Rentabilitätsberechnung:

Hillmann, Die wirtschaftliche Entwicklung der deutschen Zinkindustrie
mit besonderer Berücksichtigung der Rentabilität der deutschen Zinkhütten-
Aktiengesellschaften; Dissert., Erlangen 1911.



*

|

|

"f

i
        <pb n="385" />
        ﻿Sachregister.

Abdampf 155 f.

Abfallstoffe 90 f.

Absatzkosten = Verkaufskosten.

Abschreibungen 137, 158, 227 f., 356.

Abschreibungskonten 253 f., 260, 292.

Abschreibungstabelle 228.

Abteilungskosten 143.

Akkordlohn 112 f.

„ tarif 117.

Akkordmeister 119.

Analyse der Gewinne 29.

Anlagekosten 14.

Anschaffnngskosten 4, 15, 75, 230.

Arbeiterkontrolle 129 f.

Arbeitskosten 111 ff.

„ löhne 111 f., 121.

„ stundenzuschlag 199 f.

Artikelaufschlag 219.

Aufgaben der Selbstkostenberechnung
23 f.

Ausschuß 174, 211, 349.

Baisseklausel 76.

Betriebskalkulation 34.

* kapital 49, 310 f.

, kraft 153 ff.

„	löhne 127, 165.

„	material 163 f.

„ Unkosten 14, 136 f., 141, 143 f.,
168 f., 181, 376.

Bewertung der Fabrikate 261 f.

Bezugskalkulation = Einkaufskalku-
lation.

Bilanz als Grundlage der Kalkulation
47 f., 288 f.

Bilanzabschreibungen 266.

„ Schema 228.

Buchhaltung und Kostenberechnung
48, 54 ff., 80, 96, 164, 220, 253 f.,
285 f., 291 1., 350 f., 368 f.

Dampfkosten 56 f., 148, 154 f.

Darlehnszinsen 12.

Darstellungsform der Selbstkosten 20 f.,
37.

Diagramme = Schaubilder.
Differenzierung der Selbstkosten 26.
„	„ Unkostenzuschläge

177 f., 323, 331.
Differenzkalkulation 300 f.
Divisionsmethode 103, 177, 178 f.
Durchschnittspreise 77, 87 f., 283, 334.
„ rechnung 88f., 284f-, 300f.,
334, 349, 360.

Einarbeitungskosten 319.
Einheitsberechnung 114, 178, 375.
Einkaufskalkulation 4, 102 f.
Einkaufskosten 5, 103 f.
Einzelkalkulation 3, 21, 34, 42, 103 f.,
168 f-, 176 f., 194, 216 f., 221 f., 358,
364 f.

Elektrische Kraft 156.
Elementenberechnung 115.
Ergänzungskosten 5, 8, 15, 168.
Ersatzlieferungen 99.

Erspamisgewinne 29, 32.
Ertragsrechnung = Kentabilitätsrech-
nung.

Erzeugungskosten = Herstellungs-
kosten

Erweiterungsvoranschläge 316 f.
Fabrikpreis 5.

Fabrikationsbetriebe 21, 149.

„	gewinn 29.

„	löhne 127.

„	material 72.

„	Unkosten 136 f., 141, 143 f.,

181, 196.

Fehlarbeit 100.

Feste Kosten 138, 170, 222, 297.

Feste Zahl 108.

Fleißprämien 111, 126.
Fuhrwerkskosten 164.

Gaskraftkosten 156.

Geldprämien 126.

Generalkosten 17, 71, 136 f.
        <pb n="386" />
        ﻿— 383





Gesamtkalkulation 3, 18, 42, 143 f.,
194, 213 f.

Gewinnanalyse 29.

„ Aufschlag 6 f., 30, 67, 174, 210.
„ beteiligung 126 f.

„ ermittelung, monatliche 276 f.

Gewichtsspesen 103, 177, 178, 335.

Gliederung der Kostenberechnung 18 f.,
41 f., 366, 368, 376.

Grenzpreis 110.

Gründungsplan 309 f.

Grundkosten 8, 15, 168.

Grundpreis 78 f., 343.

Gruppenberechnung 3, 84, 334.

„ akkorde 120.

Halbfabrikate 267.

Handarbeit 188, 221.

Handelsgewinn 29.

Handlungsunkosten 5, 136, 141, 212 f.,
225, 357, 377.

Hauptarbeit 133, 187, 218.

Haupt- und Hilfsbetriebe 21, 55, 149,
350.

Herstellungskosten, -preis 4, 7, 8, 17,
19, 137 f., 262 f.

Hilfsmaterial 163.

Indexzahlen 39.

Kalkulationen im allgemeinen 1 f.

Kalknlationsformeln 175 f., 201, 218,
221 f., 323	332.

Kalkulationstabellen 37, 105 f.

Kapitalkosten 15.

Kommissionsnummer 145.

Kontensysteme, -Schemata 56 f., 59.

Kontierungsschema 60 f., 144, 350 f.

Kontrolle der Zuschläge 170 f.

Kostenanalysen 47, 303, 347 f.

„ buchführung 55.

„ gliederung 5 f., 14 f.

Kaufm. Methode 45.

Kosten, konstante 138, 170, 222, 297,
339.

Kosten, veränderliche 139, 339.

„ degressive 139.

„ progressive 139.

„	reserve 33, 319.

„	Verrechnung = Betriebskalku-

lation.

Kraftkosten 154 f., 356.

Kriegswucherverordnung 9.

Leistungskosten 138.

Lohnaufschläge 177, 223 f.

„ Auszahlung 134.

„ Skalen 112.

„ Unkosten 128.

„ Verrechnung 127, 128, 132.

„ Verteilung 130 f,, 356.

Maschinenarbeit 188, 221.
Maschinenjournal 160, 199.

„ kosten 198.

Materialaufschlag 183, 224.

„	kontrolle 74.

„	kosten 58, 72 f.

„	preise 75.

„	preisgewinn 29.

„	Unkosten 72, 183,	201.

„	verbrauch 72 f.

„	Verluste 74, 90 f.,	96	f.

Methoden der Kostenermittelung 44 f.,
162.

Mindestumsatz 274.

Modellkosten 166.

Monatsbilanzen 288 f.

Monatliche Gewinnberechnung 276 f.
Montagekosten 166.

Nachberechnung 307 f.

Nachkalkulation 2 f.

Nebenarbeit 133, 187, 218.
Nebenbetriebe 21, 149.

„ produkte 90 f.

Normalkalkulation 175 f., 270 f.

„ preise 85, 87 , 93, 107, 343.

„ zahlen 26, 270 f., 354.

Paritätsmethode 105.

Platzkosten 196, 221 f., 324.
Prämienlohnsystem 122.

Preispolitik 16, 28 f., 69, 140.
Preisprüfungen 64 f.
Preisveränderungstabelle 77.
Produktionskalkulation 4.
Produktionskostenpreis 85.

Produktive Löhne = Fabrikationslöhne.
Prozentaufschläge 104, 177 f.

Qualitäts- und Quantitätskontrolle 130.

Rabatt 16, 217 f.

Reisekosten 215.

Reklamekosten 213.
        <pb n="387" />
        ﻿384

Rentabilitätsberechnungen 4, 293f., 3041,
312.

Reparaturen 157, 167.

Reserven 30, 33, 76, 319.
Reservemaschinen 242.

Risikoprämie 11, 377.

Schaubilder 37, 40, 122, 173, 234, 275.
Schwankungen im Materialpreis 76 f.
Selbstkostenabschreibnngen 266.
Selbstkosten im allgemeinen 4 ff., 15.
Selbsterzeugung 81, 191, 294.
Selbstkostenpreis im Warenhandel 5 f.,

15,	102 f., 345 f.

Selbstkostenpreis im Fabrikhandel 7f.,

16.

Selbstkosten + 10%) 3.
Serienkalkulation 3.

Skonto 11, 217.

Sonderkosten 17, 103, 134, 150, 214 f.
Speditionskonto 165.

Spezialkalkulation = Einzelkalkulation.
Spezialkosten 70.

Subjektivität der Selbstkostenzurech-
nung 9, 11, 34.

Standardpreis 78 f.

Standort 26, 309.

Statistik 46, 171 f.

Stille Gewinne 29.

Stiickberechnung 114, 335.
Stundenaufschlag 177, 199 f., 221, 225,

325.

Stundenlohn 111.

Submissionen 27.

Tabellen 37 f., 66, 77, 116 f., 139 f., 151,
171 f., 192 f„ 238, 248 f., 273, 277 f.,
298, 304 f., 337 f., 359, 362 f.
Tageskosten 202, 225.

Technische Methode 44, 73, 98, 162,

326,	328.

Teilkostenpreis 85.

Teuerungszuschlag 78, 126.
Transportkosten 20.

Übernahmepreis = Normalpreis.
Umsatz 274, 296.

„ Steigerung 296.

Unkosten 136.

„ löhne [unproduktive Löhne]
127, 165.

Unkostenmaterial 72, 163.

„ Verrechnung 143f., 212 f.
Unternehmungskosten 137.

Verhältniszahlen 37.

Verkauf zu Fabrikpreisen 5.

„ zum Selbstkostenpreis -f 10%, 5.
Verkaufskalkulation 4, 110, 211 f.

„ kosten 8, 16, 17, 50, 137, 212 f.
„ preis im Handel 5, 16.
Verrechnungspreise = Normalpreise.
Versendungskosten 215.

Verteilung der Unkosten 145 f., 169 f.,
177 f., 247 f.

Vertriebskosten = Verkaufskosten.
Verwaltungskosten 136, 150, 212.
Vorkalkulation = Voranschlag 3, 61 f.,
110, 295 f., 309 f.

Vorkosten 81 f., 374.

Warenhandel 4, 15, 102 f., 345.
Wasserwerkskosten 56.
Werkstättenaufschlag 58, 186 f., 223 f.
Werkstattkosten, 143, 195.

Werkstoff = Fabrikationsmaterial.
Werkzeuge 164, 191, 221, 244.
Werkzeugkonto 244.

Wertspesen 103, 177, 179 f.

Zeitkosten 138, 177.

Zeitprämien 126.

Zentralverwaltung 223.

Zinsen in der Kostenberechnung 10 f.,
242 f., 356.

Zusatzkosten 5, 15, 168, 327.
Zusammenhängende Preise 32.
Zuschlagsmethoden 104,177, 179 f., 206 f.
Zwischenkalkulation 3, 308, 319, 377.

„ produkte 84 f.
        <pb n="388" />
        ﻿J. D. SauerländerV Verlag, Frankfurt a. M.

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ihm im Verkehr mit seiner Bank auftauchenden Fragen leicht und
zuverlässig orientieren.

Inhaltsverzeichnis:

Über den Kredit — Von den Banken im allgemeinen Einteilung der
Bankgeschäfte — Von den Notenbanken im besonderen — Geschäftsbe-
dingungen der Banken — Das Kommissionsgeschäft — Der Konto-Korrent-
verkehr — Zahlungsmethoden und Zahlungsverkehr — Der Wechsel- und
Wechsel verkehr — Wechselwirtschaftskunde — Vom Darlehen im allgemeinen —
Kurzfristige Darlehensgeschäfte — Das Wechseldiskontgeschäft — Effekten-
diskontgeschäft — Warrantdiskontgeschäft — Diskontierung von Buchforde-
rungen — Lombarddarlehen — Langfristige Kreditgeschäfte — Hypothekar-
darlehensgeschäfte — Hypothekenpfandbriefe — Kreditleihgeschäfte — Das
Depositengeschäft — Die Handelsgeschäfte der Banken— Der Metall- und
Münzhandel — Der Geldhandel — Der Devisenhandel — Der Effektenhandel
— Das Coupongeschäft — Das Emissions-, Gründungs- und Beteiligungs-
geschäft — Die Effektenbörse und ihre Geschäfte.

Einige Urteile der Presse.

Deutsche Wirtschat'tszeitung. Das Buch enthält alles, was über
diesen Gegenstand überhaupt zu sagen ist, und durch das beige-
fügte, mit großer Sachkenntnis ausgewählte Beispiel-Material wird sein
Verständnis auch für die der Praxis ferner Stehenden ungemein erleichtert.

Staatsanzeiger für Württemberg. Ein ausgebreitetes Wissen ist in
diesem Buche in mustergültiger W eise niedergelegt. Die Anlage des ganzen
Werkes und die Form der Darstellung ist sehr geschickt und gediegen.

Straßburger Biirgerzeitung. Das Werk gibt auf dem Gebiete der
Bankbetriebslehre vom Guten das Beste. Leitner übertrifft alle durch die
harmonische Vereinigung tiefen Wissens und reicher Erfahrung. Er versteht
mit Virtuosität die Wissenschaft in den Dienst der Praxis und diese in den
Dienst jener zu stellen.
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        ﻿95,041 Pfg

äzahlte Rübenpreis (85,5) bleibt gegen den
(95,04) um 10,541 Pfg. zurück, d. i. ein
e Zentner Rüben (früher berechnet mit

►

tberpehnuug- 7. Aufl.
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