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        <title>Die Selbstkosten-Berechnung industrieller Betriebe</title>
        <author>
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            <forname>Friedrich</forname>
            <surname>Leitner</surname>
          </persName>
        </author>
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            <idno>1000912612</idno>
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        DK
Selb  s  tko  s  t  en^B  er  e  Ghnuno
industrieller  Betriebe
von
Friedrich  Leitner
Professor  an  der  Handels-Hochschule  Berlin
Siebente,  erweiterte  Anflage

Frankfurt  a.  M.  —  j.  D.  Sauerländers  Verlag
1921
        <pb n="2" />
        J.  ü.  Sauerländer’s  Verlag,  Frankfurt  a.  31.

Im  Oktober  1920  ist  erschienen:
Die  Kontrolle
in  kaufmännischen  Unternehmungen
Von
Professor  Friedrich  Leitner.
Zweite  stark  vermehrte  Auflage,
gr.  8°.  VIII  u.  297  Seiten.  Mit  4  Schaltbildern  im  Text  und  3  Tafeln.
Preis:  brosch.  M.  30.—;  geh.  M.  36.—
Das  vorliegende  Buch  des  in  Fachkreisen  aufs  beste  eiugeführten  Verfassers ­
  behandelt  die  kaufmännischen  Kontrollmaßnahmen.  Besonderes
Gewicht  wurde  auf  die  Statistik,  das  Revisionswesen  und  die  Finauzverwaltung
  gelegt.  Soweit  die  vorhandene  Literatur  Brauchbares  bot  und
sich  nicht  auf  die  Darstellung  von  Sonderfällen  beschränkte,  wurde  sie  herangezogen.

Neben  grundsätzlichen  Erörterungen  über  die  Organisation  und  Verwaltung
von  privaten  Erwerbs  wirtschaften  —  Großbetrieben  —  wurden  im  Text
typenmäßige  Beispiele  und  etwa  30  Tabellen  zur  Veranschaulichung
des  Allgemeinen  am  Besonderen  verwandt.

Inhaltsverzeichnis:
Literatur  —  I.  Abschnitt:  —  Die  Kontrolle  im  allgemeinen:
Systematik  II,  Abschnitt:  Die  Kontrolle  der  organischen  Arbeit;
Innendienst:  Arbeiter  —  Der  Außendienst  —  III.  Abschnitt:  Die  Revisionen; ­
  Revisionswesen  der  Genossenschaften  —  Vorbereitung  der  Revision
—  Revisionstätigkeit  —  Revisionsberichte  —  Die  Revision  bei  Aktiengesellschaften ­
  —  Bücherrevisoren  —  Revisionsgesellschaften  —-  Kontrollrecht  bei
anderen  Unternehmungsformen  —  Interne  Revisionen  —  IV.  Abschnitt:  Buch
Führung  und  Kontrolle  —  V.  Abschnitt:  Kontrolle  der  Kalkulation
—  VI.  Abschnitt:  Die  Statistik  —  A.  Die  Statistik  im  Fabrikbetriebe; ­
  Bestellungen,  Beschäftigungsgrad  —  Einkauf-  und  Lagerbestandsstatistik ­
  —  Produktionsstatistik  —  Statistik  des  Vertriebes  —  Statistik  der
allgemeinen  Verwaltung  B.  Sozialstatistik  —  G.  Statistik  im  Bankgewerbe; ­
  Reichsbank  —  Preußenkasse  —  Hypothekenbanken  —  Kreditgenossenschaften ­
  —  VII.  Abschnitt:  Die  formularmäßigeKontrolle;
Materialverwaltung  —  Das  Bestellungswesen  —  Montage  —  VIII.  Abschnitt:
Finanz  Verwaltung  und  Finanzkontrolle;  Die  Einnahmen  —  Die
Ausgaben  —  Deckung  des  Geldbedarfes  —  Kapitalanlage  —  Bilanzpolitik
Ertragswirtschaftliche  Kontrolle  —  IX.  Abschnitt:  Kreditkontrolle  —-Anhang
  —  Sachregister.
        <pb n="3" />
        Leitner

Selbstkosten-Berechnung*
        <pb n="4" />
        1

Die

Selbstkosten-Berechnung
industrieller  Betriebe
von

Friedrich,  Leitner
Professor  an  der  Handels-Hochschule  Berlin

Siebente,  vermehrte  Auflage

Frankfurt  a.  M.
J.  D.  Sauerländers  Verlag
1921
        <pb n="5" />
        i

Vorwort.
Die  zahlreichen  literarischen  Neuerscheinungen  und  meine  kriegsamtliche ­
  Tätigkeit  (1917/18)  haben  mir  gezeigt,  daß  die  Methoden
der  Selbstkostenberechnung  in  ihren  Grundlagen  feststehen,  daß  es
sich  nunmehr  darum  handelt,  diese  Methoden  zu  verfeinern,  für  einzelne ­
  Industriezweige  auszubauen.  Mit  Befriedigung  konnte  ich  fest-,
stellen,  wie  mein  Buch,  das  erstmals  1905  in  einem  Umfange  von
125  Seiten  erschien,  mit  beigetragen  hat,  die  deutsche  Industrie  auf
die  Probleme  der  Kostenermittelung  hinzuweisen  und  Lösungsmethoden
zu  zeigen.  Der  Zusammenbruch  der  deutschen  Wirtschaft  und  ihr
Wiederaufbau  haben  die  Notwendigkeit  der  Selbstkritik  und  damit
der  schärfsten  Kostenberechnung  gesteigert.
Die  aus  typographischen  Gründen  erfolgte  Vergrößerung  des
Satzspiegels  läßt  die  beträchtliche  Erweiterung  der  Neuauflage  durch
Aufnahme  zahlreicher  neuer  Beispiele  und  Vermehrung  des  Textes
nicht  in  Erscheinung  treten.  Die  Zahlenwerte  der  Beispiele  sind  den
schwankenden  Verhältnissen  der  Übergangszeit  nicht  angepaßt  worden.

Berlin,  im  Dezember  1920.

Leitner.
        <pb n="6" />
        Inhaltsverzeichnis.

I.  Abschnitt:  Einleitung
§  1.  Begriff.  §  2.  Einteilung.  S.  2  f.  Vor-,  Nach-,  Zwischen-,
Einzel-,  Gesamt-,  Einkaufs-,  Produktions-,  Verkaufskalkulationen,
Ertragsberechnungen.  §  3.  Die  Selbstkosten  im  allgemeinen,
S.  4  f.:  im  Kaufmannshandel,  Einkaufs-  und  Ergänzungskosten;
Gewinnzuschläge.  Selbstkosten  eines  Fabrikates.  §  4.  Geld-,
Lager-,  Anlagezinsen,  Zinsverluste  S.  8  f.  §  5.  Anlage-  und
Betriebskosten,  S.  14.  §  6.  Begriff:  Selbstkosten  im  Tauschverkehr ­
  und  im  Gewerbe,  S.  16.  §  7.  Schwierigkeiten  der
Selbstkostenberechnung,  a)  bei  der  Gesamtkalkulation  der  Gesamtuntemehmung,
  b)  bei  der  Einzelkalkulation,  S.  18.  §  8.
Aufgaben  und  Bedeutung  der  Selbstkostenermittlung.  S.  23.
§  9.  Preispolitik  und  Selbstkosten;  Gewinnanalyse,  S.  29.  §  10.
Organisation  der  Selbstkostenberechnung,  Darstellungsformen,
Systematik,  S.  34.  §  11.  Methoden  der  Feststellung  der  Kosten,
technische,  kaufmännische  Methode;  Formulare;  Statistik,  Bilanzen, ­
  Kostenbuchführung,  Kontensystem,  S.  44.  §12.  Voranschläge, ­
  Preisprüfungen,  S.  61.  §  13.  Spezial-  und  Generalkosten,
  S.  70.
II.  Abschnitt:  Die  Materialkosten
§  14.  Fabrikations-,  Unkostenmaterial,  Materialunkosten;  Feststellung ­
  des  Verbrauches,  Materialkontrolle,  S.  72.  §  15.  Materialpreise; ­
  Verrechnungs.,  Tagespreis;  Preisschwankungen.  Selbsterzeugung, ­
  S.  75.  §  16.  Zwischenprodukte,  Selbstverbrauch;
Produktionskostenpreis,  Teilkosten-,  Marktpreis,  Normalpreis,
S.  84.  §§  17/18.  Abfallstoffe,  Nebenprodukte  Materialverluste:
a)  chemisch-technologische  Betriebe,  S.  90.  §  19.  b)  Mechanischtechnologische ­
  Betriebe,  S.  96.  Ersatzlieferungen,  Ausschub,
Bruch.  §  20.  Einkaufskalkulationen  im  Warenhandel;  Divisions-,
Zuschlags-,  Paritätsmethode;  Kalkulationstabelle;  retrograde
Vorkalkulation,  S.  102.
III.  Abschnitt:  Die  Arbeitskosten
§  21.  Stundenlohn,  Lohnskala,  S.  111.  §  22.  Akkordlohn;  Stückakkord, ­
  Einheitsberechnung,  Elementenberechnung,  S.  112.  §  23.
Verteilung  der  Akkordlöhne,  Gruppenakkorde,  S.  119.  §  24.
Prämienlöhne;  Halsey,  Kowan,  Strohmeyer,  S.  122.  §  25.  Geldprämien, ­
  S.  126.  §  26.  Gewinnbeteiligung,  S.  126.  §  27.
Lohnverrechnung,  -Verwaltung.  Fabrikationslöhne,  Unkostenlöhne, ­
  Lohnunkosten,  S.  127.  §  28.  Arbeitskontrolle,  Verteilung
der  Löhne,  Gliederung  der  Lohnverrechnung,  S  128.  §  29.
Sonderkosten,  S.'134.
        <pb n="7" />
        YII

IV.  Abschnitt:  Die  allgemeinen  Kosten  (Unkosten)  .  .  .  .
§  30.  Gliederung  der  Unkosten;  feste,  veränderliche  Kosten;
Betriebs-  und  Handlungsunkosten,  S.  136.
Betriebsunkosten  (Fabrikationsunkosten)
A)  Unkostenverrechnung  (Gesamtkalkulation)  .  .  .
§  31.  Abteilungskosten,  Verteilungsmodus,  -Schlüssel,  S.  143.
§  32.  Kosten  der  Betriebskraft  (Dampf,  Elektrizität,  Gas);
Anlage-  und  Betriebskosten,  S.  152.  §  33.  Verteilung  der  Kraftkosten, ­
  S.  159.  §  34,  Betriebsmaterial,  Werkzeuge,  S.  163.
§  35.  Fuhrwerkskosten,  S.  164.  §  36.  Unkostenlöhne,  S.  165.
§  37.  Montagekosten,  S.  166.  §  38.  Modellkosten,  S.  166.  §  39.
Reparaturkosten,  S.  167.
B)  Die  Betriebsunkosten  in  der  Spezialkalkulation  .
§  40.  Verteilung  der  Ergänzungskosten,  Kontrolle,  S.  168.  §  41.
Normal-Kalkulation,  S.  175.  §  42.  Zuschlagsmethoden,  S.  176.
§  43.  Divisionsmethode,  S.  178.  §  44.  Prozentzuschläge,  S.  179.
§  45.  Werkstattzuschläge,  S.  186.  §  46.  Platzkostenzuschläge,
8.  196.  §  47.  Stundenzuschläge,  S.  199.  §  48.  Verteilung  der
Unkosten  nach  dem  Anlagekapital;  S.  205.  §  49.  Kritik  der
Zuschläge,  S.  206.
C)  Die  kaufmännischen  Verwaltungskosten  und  die
Vertriebskosten  (Handlungsunkosten
§  50.  Allgemeines;  Gesamt-  und  Einzelkalkulation;  besondere
Verkaufskosten,  S.  212.  §  51.  Zusammenfassung,  S.  220.  §  52.
Kalkulationsformeln  aus  der  Industriepraxis  220.
V.  Abschnitt:  Die  Abschreibungen
Literatur,  Übersicht,  Bilanzschema,  S.  226.  §  53.  Allgemeines
über  Abschreibungen,  S.  227.  §  54.  Abschreibungsmethoden,
offene  Abschreibungen;  Buchwert--,  Anschaffungswert;  technische,
kaufmännische  Abschreibungen,  Abschreibungstabelle,  S.  230.
§  55.  Beanspruchung,  Produktion,  S.  240.  §  56.  Zinsenrechnung,
S.  242.  §  57.  Gewinnquote;  Zugänge,  Erhaltungskosten,  S.  243.
§  58.  Verteilung  der  Abschreibungsbeträge,  S.  247.  §  59.  Wirkungen ­
  der  Abschreibungen,  S.  249.  §  60.  Buchhaltung  und
§  61.  Bilanzbewertung  und  Abschreibungen,  S.  253  (Exkurs).
VI.  Abschnitt:  Normalkalkulationen,  Rentabilitätsrechnungen,
  Gründungsvoranschläge
§  62.  Normalkalkulationen;  Mindestumsatz,  S.  262.  §  63.
Monatliche  Gewinnermittelung  ohne  Inventur,  S.  276.  8  64.
Rentabilitätsberechnungen,  S.  293.  §  65.  Sanierungsrechnung,
8.  296.  §  66.  Differenzial-Kalkulation,  S.'  300.  §  67.  Ertragsberechnung ­
  auf  Grund  einer  Bilanz,  S.  306.  §  68.  Gründungsvoranschlag, ­
  Berechnung  des  Betriebskapitals,  8.  309.  §  69.
Erweiterungsvoranschläge  für  die  Aufnahme  neuer  Artikel  316.
VII.  Abschnitt:  Selbstkostenberechnungen  in  einzelnen
Gewerbegruppen  .  .  .
Die  Kalkulation  in  der  Textilindustrie
Die  Selbstkostenberechnung  in  der  Maschinenindustrie. ­

Die  Selbstkostenberechnung  in  der  Eisengießerei  .
Bergbau,  Hüttenbetriebe,  Walzwerke

Seit«
136-225

143—212
143—168

168—212

212—225

226—269

270—321

I

322—378
322—330
330—333
334—342
342—360
        <pb n="8" />
        -'S  *  ; : .y

iKÜlüi

—  VIII  —
Seit«
Kalkulationsb  ei  spiele  aus  der  chemischen  Großindustrie ­
  361—365
Verschiedene  Industriezweige:  .  .  .  ,  365—378
Möbel  365
Zementfabrikation  366
Gaswerk  368
Leder  371
Papierindust  riefZei  t  ungsdr  uckp  api  er,  Dach.pappe)  374
Brückenbau  375
Metallverarbeitung  376
Zwischenberechnung  377
Literatur  (Auswahl)  379
Sachregister  381

Die  folgenden  Gewerbe  wurden  durch  ltechnungsbeispiole
besonders  berücksichtigt.
(Die  Zahlen  bedeuten  Seite.)

Baugewerbe  202,  295.
Bergbau  38,  43,  60,  279,  342  f.
Bierbrauerei  48,  294.
Brikett  359,  360.
Chemische  Großindustrie  55,  77,  90,
147,  172,  361  f.
Eisen-  und  Metallgießerei  98,  175,  202,
308,  334  f.
Elektrotechnik  223,  303.
Gaswerk  368.
Holzwagen-,  -bearbeitung  66,  188,  204.
Hüttenbetrieb  75,  78,  350.
Künstliche  Masse  81,  221,  314,  319.
Lederindustrie  179,  371.
Lohnarbeit  180.
Maschinenbau  13,  54,  58,  172,  173,  183,
190,  197,  201,  204,  217,  223,  224,
248,  277,  278,  281,  297,  331  f.

Metallwaren  20,  34,  47,  65,  68,  70,  77,
78,  82,  101,  102,  115f.,  135,  139,  170,
184,  187,  194,  211,  248,  289,  307,
316,  355  f.,  376,  378.
Möbel  365.
Papier,  Pappe,  Tapeten  47,  372,  374.
Porzellanwaren  101,  219.
Stahlgießerei  37,  347,  348.
Straßenbahn  151.
Textilindustrie  79,  89,  97,  98,  108,  110,
324  f.
Wagenbau  66,  193,  204,  273,  282,  306.
Walzwerke,  Zieherei  82,  133,  161,  355  f.
Warenhandel  102,  216,  283  f.
Werkzeugbau  192,  221,
Zementindustrie  367.
Zuckerindustrie  88,  270,  304
        <pb n="9" />
        1.  Abschnitt.

Einleitung.
Begriff.
§  1.  Der  Begriff  des  „Kalkulierens“  läßt  sich  am  besten  an
der  Hand  von  Einzelfällen  ableiten,  die  das  Material  für  eine  allgemeine ­
  Begriffsbestimmung  liefern  sollen.
Die  einfachste,  jedem  Kaufmann  geläufige  Kalkulation  ist  die
Berechnung  der  Gestehungskosten  von  Handelswaren.  Der  Zwischenhändler ­
  kauft  Waren  in  der  Absicht,  sie  weiter  zu  veräußern.
Er  berechnet  den  Aufwand,  d.  h.  den  Einkaufswert,  die  Kosten
des  Erwerbes  oder  der  Anschaffung,  schlägt  die  Anschaffungs-,
Verwaltungs-  und  die  Verkaufsunkosten  zu  und  berechnet  oder
schätzt  den  Gewinnaufschlag.
Der  Spediteur  kalkuliert  im  Interesse  seines  Auftraggebers  den
billigsten  Transportweg.
Ein  industrielles  Unternehmen  untersucht,  ob  eine  neue  rationeller ­
  arbeitende  .Maschine  beschafft  werden  soll:  es  ermittelt  den
wirtschaftlichen  Nutzen  gegenüber  den  Anschaffungskosten.
Ein  sorgsamer  Hausvater  stellt  einen.  Ausgaben-Etat  auf,  er
kalkuliert  das  Maximum  des  Aufwandes  im  einzelnen  und  in  seiner
Gesamtheit,  im  Verhältnis  zu  seinen  Einnahmen  gleichwie  die  Wirtschaften ­
  des  öffentlichen  Rechts  —  Gemeinde,  Staat  —  die  Ausgaben ­
  und  ihre  Deckungsmittel  berechnen  bziw.  schätzen.
Diese  Beispiele  zeigen,  daß  es  kaum  eine  (Verbrauchs-  oder
Erwerbs-)  Wirtschaft  gibt,  deren  Leiter  nicht  kalkuliert.  Ob  es
sich  um  die  Einzelwirtschaft  einer  natürlichen  Person  handelt,  oder
um  die  Wirtschaftsführung  nicht  physischer  Personen,  sei  es  des
öffentlichen  oder  des  Privatrechts  (Erwerbsgesellschaften,  Genossenschaften, ­
  Vereine):  jede  Wirtschaftsführung  soll  sich
auf  eine  Kalkulation  gründen.
Was  heißt  nun  Kalkulieren.  Die  angeführten  Beispiele  lehren:
T.  Ziel  einer  jeden  Kalkulation  ist  die  Berechnung ­
  eines  Aufwandes,  ist  Kostenberechnung.  Entweder ­
  wird  der  voraussichtlich  entstehende  Aufwand  geschätzt  .■—-Etat
  der  Staatsverwaltungen,  Haushaltungsvoranschläge,  Vorkalku-Leitner,
  Selbstkostenberertmuug.  7.  Aufl.  1
        <pb n="10" />
        2

iationen  industrieller  Betriebe,  fingierte  Rechnungen  der  Warenhändler ­
  u.  a.  —  oder  es  wird  der  tatsächliche  Aufwand  ermittelt
—  Bezugskalkulationen  —:  Spekulative  Wahrscheinlichkeitsrechnungen ­
  mit  Hoffnungs-  und  Schätzungswerten  in  dem  einen  Fall,
zahlenmäßige  Darstellung  des  Tatsächlichen  im  andern.
2.  Die  Kalkulation  kann  überdies  Differenzrechnung, ­
  Ertrags-  oder  Gewinnberechnung  sein.
Z.  B.  wenn  sie  die  Nutzung,  den  Nutzwert,  den  Gebrauchswert
eines  Vermögensobjekts  für  die  Wirtschaftsführung  in  Geld  ermittelt.
Man  berechnet  die  Rentabilität  bei  bzw.  vor  Einführung  einer  neuen
Arbeitsmaschine,  einer  neuen  Arbeitsmethode;  hier  ermittelt  man
den  mittelbaren  Nutzen,-  die  Ersparnis,  die  darin  zu  finden  ist,  daß
der  Aufwand  für  eine  Produktionseinheit  geringer  ist  oder  werden
soll.  Und  zwar  spart  die  Wirtschaft  entweder  an  Geldausgaben  durch
Verminderung  der  Produktionskosten  oder  es  wird  bei  gleichen  Ausgaben ­
  der  Erfolg  vermehrt  infolge!  Erhöhung  der  Produktionsfähigkeit,
Die  Differenzkalkulation  kann  auch  den  Ertrag  oder  den  Gewinn
berechnen  oder  schätzen,  der  in  dem  Unterschiede  zwischen  Einnahmen ­
  und  Ausgaben,  Erlös  und  Aufwand  liegt  oder  liegen  soll,
z.  B.  Berechnung  des  Verkaufspreises,  Ertragsberechnungen  der
Landwirtschaft  und  landwirtschaftlicher  Nebengewerbe  und  sofort.
Wir  fassen  zusammen:  Kalkulation  ist  die  Berechnung  des  Aufwandes, ­
  ist  Kostenberechnung.  Ihr  Zweck  kann  sein:  Ermittelung
der  Anschaffungs-  oder  der  Herstellungskosten,-  des  Verkaufspreises,
des  Nutzwertes  oder  des  Ertrages.  Industrielle,  gewerbliche  Kostenberechnungen ­
  stellen  die  Wertentstehung 1 )  und  die  Wertzusammensetzung ­
  zahlenmäßig  dar.
Einteilung.
§  2.  Die  gewerbliche  Kostenberechnung  kann  sein:
I.  Nach  dem  Zeitpunkt  ihrer  Aufstellung:
a)  V  o  r  kalkulation,  Voranschlag,  Vorberechnung.
b)  Nach  kalkulation,  Nachberechnung,  Abrechnung,  Kontrollkalkulation.

c)  Zwischen  kalkulation.
‘)  Die  Wertsteigerung  infolge  Verarbeitung  zeigt  Gottstein  (Naturwissenschaft. ­
  Wochenschrift  1911,  S.  2)  an  zwei  Beispielen.  1  cbm  Holz  hat
im  Wald  einen  Wert  von  etwa  10,50  Mk.;  die  daraus  erzeugten  Schnittmaterialien
kosten  etwa  21,—  Mk.,  die  aus  dem  Holz  erzeugten  200  kg  Zellulose  35  Mk.,
das  Zellulosepapier  kostet  50  bis  80  Mk.,  die  Umwandlung  der  Zellulose  in
Viskose  und  die  Erzeugung  von  Kunsthaar  steigert  den  Wert  auf  2100  Mk.,-die
Verarbeitung  auf  Viskoseseide  auf  3500  Mk.  100  kg  Eisen  kosten  im  Erz  etwa
30  Pf.,  als  Boheisen  3  Mk.,  als  Gußware  9  Mk.,  als  Schmiedeeisen  9,90  Mk.,  als
Blech  11  Mk,,  als  Draht  12  Mk.,  als  Gußstahl  27  Mk.,  als  Messerklingen  1500
bis  2000  Mk.,  als  feinste  Uhrfedern  600  000  Mk.
        <pb n="11" />
        1*

3

Berechnet  man  (richtiger:  schätzt  man)  die  voraussichtlich  entstehenden ­
  Kosten  und  damit  den  Herstellungspreis  einer  zu  erzeugenden ­
  Ware  sowie  den  erzielbaren  Gewinn,  so  spricht  man
von  einem  .Voranschlag,  einer  Vorkalkulation.  Die  Nachkalkulation ­
  hingegen  berechnet  den  wirklichen  Selbstkostenwert  eines
Fertigfabrikates,  eines  erledigten  Auftrages  auf  Grund  der  tatsächlichen ­
  Ausgaben;  sie  kontrolliert  die  Ergebnisse  der  Vorkalkulation,
—  ohne  daß  jede  Nachkalkulation  einen  Voranschlag  bedingt  —
und  ergibt  den  Gewinn  gegenüber  einem  im  voraus  bestimmten
Verkaufspreis,  wie  bei  Submissionen  und  Sonderangeboten,  oder  sie
bildet  die  Grundlage  für  die  Bestimmung  des  Verkaufspreises.
Zwischenkalkulationen  dienen  besonderen  Zwecken,  beispielsweise ­
  der  Feststellung  des  Entschädigungsanspruches  an  den
Versicherer  im  Falle  einer  Zerstörung  des  Eigentums  durch  Elementarereignisse; ­
  oder  der  Entschädigungssumme  im  Fälle  des
Widerrufes  eines  teilweise  in  Ausführung  begriffenen  Auftrages;
dann  zwecks  Bewertung  der  Halbfabrikate  für  die  jährliche  Schlußbilanz. ­

II.  Mit  Rücksicht  auf  den  Umfang:
a)  Gesamt-  oder  Generalkalkulation,  d.  i.  Berechnung  des
Gesamtaufwandes,  des  Gesamterfolges  der  Unternehmung  und  ihrer
Teile:  Betriebskalkulation,  vgl.  §  7.
b)  Einzel-  oder  Spezialkalkulation,  d.  i.  Ermittelung  des  Aufwandes ­
  etc.  für  die  Produktions-  oder  Verkaufs-  (Maß-)  Einheit,
Kostenberechnung  des  Einzelfabrikates  oder  seiner  Einzelteile,
vgl.  §  7 1 ).
In  der  Gesamtkalkulation  werden  Aufwand  und  Leistung  periodisch ­
  in  Beziehung  gesetzt.  Man  rechnet  für  die  Bestimmungsperiode ­
  (mittelbar)  einen  durchschnittlichen  Kostenpreis  für  die
Leistungseinheit.  Auch  die  monatweise  Massenberechnung  in  Betrieben ­
  mit  Massenproduktion  (z.  B.  für  Koks,  Roheisen,  Stahl,
vorgewalzte  Blöcke  und  die  Erzeugnisse  der  Walzwerke),  die  die
Einzelberechnung  der  Schienen,  Schwellen  usf.  aus  zwingenden
Gründen  durch  eine  Durchschnittsrechnung  für  die  Tonne  oder  für
100  kg  gleichartiger  oder  für  die  Berechnung  als  gleichartig  angenommener ­
  Produkte  ersetzt,  ist  in  unserem  Sinne  eine  Gesamtkalkulation. ­
  Die  Einzelkalkulation  berechnet  den  Aufwand  für  die
Leistungseinheit  (z.  B.  Bestellung,  Stück,  Gießcharge)  direkt,  ist
')  Calmes,  Statistik,  S.  4  spricht  noch  von  einer  Serienkalkulation,
d.  i.  Berechnung  der  Selbstkosten  einer  zu  gleicher  Zeit  und  gemeinsam  hergestellten ­
  Serie  von  gleichartigen  Maschinen  (Fahrrädern,  Nähmaschinen  u.  ä.).  Die
Kosten  des  einzelnen  Stückes  ergeben  sich  erst  mittelbar  aus  dem  Durchschnitt
der  Kosten  der  Serie.  Diese  Serienkalkulation  ist  eine  besondere  Berechnungsmethode ­
  der  Einzelkalkulation.
        <pb n="12" />
        4

dementsprechend  schwieriger,  teurer,  aber  auch  für  die  Betriebskontrolle ­
  zuverlässiger.  Die  Schwankungen  in  den  Produktionskosten ­
  werden  bei  der  Gegamtkalkulation  in  längeren  Perioden  nachgewiesen, ­
  können  sich  innerhalb  der  Berechnungsperiode  mehr  oder
weniger  ausgleichen,  so  daß  die  Betriebsökonomie  nicht  so  scharf
verfolgt  werden  kann  wie  bei  der  Spezialkalkulation.
Die  Berechnung  der  Selbstkosten  des  Produktes  kann  verschiedene ­
  Wege  einschlagen:  Man  ermittelt  die  Gesamtkosten  eines
Betriebes  (Teilbetrieb  oder  Unterbetrieb)  und  rechnet  den  Durchschnittspreis ­
  für  das  Einzelprodukt  öder  für  eine  Gruppe  von  Produkten ­
  (Walzwerke);  oder  man  berechnet  zuerst  die  Selbstkosten
der  Produkte  und  ermittelt  die  Betriebsselbstkosten  (Gesamtkalkulation) ­
  durch  Addition  der  Selbstkosten  sämtlicher  Produkte  derselben,
Produktionsstelle.  Endlich  werden  beide  Verfahren  kombiniert:
Gesamtkalkulation  und  Einzelkalkulation  laufen  parallel,  indem  die
Gesamtselbstkosten  aufgezeichnet  werden,  ebenso  fortlaufend  der
Kostenaufwand  der  Einzelprodukte  notiert  wird.
III.  Nach  dem  Zweck  der  Aufstellung:
a)  Ermittelung  der  Anschaffungskosten  (Bezugs  -  oder
E  i  n  k  a  u  f  s  -  Kalkulation)  für  Waren,  die  gegen  Entgelt  erworben
werden.
b)  Ermittelung  der  Herstell  ungs  kosten  (Produktions-Kalkulation)
  für  selbsterzeugte  Waren  oder  Fabrikate.
c)  Berechnung  der  Selbstkosten  einer  Ware  als  Grundlage
für  die  Bemessung  des  Verkaufspreises  oder,  sofern  dieser  von  den
eigenen  Selbstkosten  unabhängig  ist,  als  Rentabilitätsmaß.  (Verkaufs- ­
  oder  Versand-Kalkulationen.)
d)  Preisvergleichungen,  Paritäten,  als  Grundlage  für  Arbitragen ­
  im  Waren-  und  Effektenhandel.
e)  R  e  n  t  a  b  i  1  i  t  ä  t,  s  -  und  Ertragsberechnungen.
Die  Selbstkosten  im  allgemeinen.
§  3.  Der  Begriff  „Selbstkosten“  ist  ein  privatwirtschaftlicher.
Wie  verworren  in  der  Praxis  dieser  Begriff  ist,  lehrt  die  Kontroverse ­
 1 ),  die  im  Anschluß  an  das  neue  Gesetz  betr.  die  Bekämpfung
des  unlauteren  Wettbewerbes  geführt  wurde.  In  juristischen  und
kaufmännischen  Kreisen  beschäftigte  man  sich  sehr  lebhaft  mit
der  Frage,  wie  der  Begriff  „Selbstkostenpreis“  auszulegen  ist.  In
dieser  Kontroverse  trat  die  Sachkennern  längst  bekannte  Tatsache
zutage,  daß  Handel,  Industrie  und  Verkehr  ganz  verschiedene  Dinge
unter  Selbstkosten  verstehen.

b  Vgl.  beispielsweise  Berliner  Tageblatt  vom  9.  März  und  25.  Mai  1911.
        <pb n="13" />
        I.  Im  kaufmännischen  Handel  —  Zwischenhandel:
Einkauf  und  Weiterveräußerung  ohne  Bearbeitung  oder  Verarbeitung
—  insbesondere  im  Detailhandel  identifiziert  man  den  Selbstkostenpreis ­
  häufig  mit  dem  Einkaufs-  oder  Einstandspreis,  d.  h.  mit  dem
Preis,  den  der  Käufer  dem  Verkäufer  bezahlt,  zuzüglich  der  Bezugskosten. ­
  Mag  diese  Auffassung  verkehrsüblich  sein  oder  nicht,  falsch
ist  sie  jedenfalls.  Der  Selbstkostenpreis  einer  Handelsware
setzt  sich  zusammen  aus  den  Kosten  des  Einkaufs  und  den
Kosten  der  Verkaufsbereitschaft  (Ergänzungs-  oder  Zusatzkosten),
  gewöhnlich  als  „Handlungskosten“  oder  „Generalspesen“
bezeichnet 1 ).  Ob  der  Händler  die  Handlungsunkosten  gesondert  aufschlägt
  und  dann  einen  Gewinnaufschlag  berechnet  oder  durch  einen
entsprechend  höheren  Gesamtaufschlag  deckt,  ist  im  Prinzip  nebensächlich. ­

Der  Veräußerungs  -  oder  Verkaufspreis  einer  Handelsware ­
  setzt  sich  zusammen  aus  dem  Selbstkostenpreis,  zuzüglich ­
  der  besonderen  Verkaufskosten  für  Absatzvermittler
*)  Die  lebhaften  Auseinandersetzungen  unter  den  Beteiligten  wegen  der
Auslegung  der  Ankündigung  „Verkauf  zum  Selbstkostenpreis  zuzüglich
10  V,  die  an  das  Verkauf  ssystem  einer  Berliner  Weinfirma  (etwa  seit  1910)  anknüpften, ­
  haben  durch  ein  Reichsgerichtsurteil  (Aktenzeichen  II  267/15)  ihre  Erledigung ­
  gefunden:  Die  Ankündigung  ist  zu  unterlassen,  wenn  in  der  Ankündigung ­
  nicht  angegeben  wird,  daß  der  Aufschlag  von  10°/»  den  Reingewinn  der
Firma  darstellt.  Der  deutsche  Handelstag  (Dez.  1912)  hat  darauf  hingewiesen,
daß  man  im  Handel  unter  „Selbstkosten“  den  Einkaufspreis  verstehe,  welchen
der  Händler  an  den  Lieferanten  zu  zahlen  hat,  zuzüglich  Transportkosten,  Zollspesen ­
  und  ähnlicher  Kosten.  Die  allgemeinen  Handlungsunkosten  (z.  B.  die
Reklamekosten)  dagegen  seien  im  Selbstkostenpreis  nicht  mit  einbegriffen.  Das
Publikum  habe  die  gleiche  Auffassung.
Auch  die  Ankündigung:  „Einzelverkauf  zu  Fabrikpreisen“  hat  eine
grundsätzliche  reichsgerichtliche  Regelung  erfahren  (24.  4.  1914,  Aktenzeichen  II
518/13).  Dem  Beklagten  —  Schokoladenfabrik  —  wurde  verboten  anzukündigen,
daß  er  seine  Waren  im  Einzelverkauf  an  Private  zu  Fabrikpreisen  abgebe,  oder
daß  er  an  Händler  zu  gleichen  Preisen  wie  an  Private  verkaufe.  Das  Publikum
verstehe  unter  Fabrikpreisen  den  Preis  des  Fabrikanten,  der  im  Großen  abgebe
und  meine,  die  häufig  erheblichen  Kosten  des  Vertreibers  der  Ware  bis  zum
Publikum  seien  im  Fabrikpreis  nicht  mit  einkalkuliert.  (Der  Beklagte  gab  bei
Einkauf  von  30  Pfund  aufwärts  einen  Rabatt  von  10  °/o  und  hatte  die  Kosten
des  Vertriebes,  insbesondere  die  erheblichen  Kosten  der  Einrichtung  und  Erhaltung ­
  von  Filialgeschäften  in  den  von  ihm  als  Fabrikpreis  (Kosten  der  Erzeugung)
der  Ware  bezeichneten  Verkaufspreis  mit  eingerechnet).
Für  den  Warenhandel  (Anschaffung  und  Weiterveräußerung  von  Waren)
wäre  eine  Trennung  von  Einkaufsselbstkosten  und  Verkaufsselbstkosten ­
  nicht  unzweckmäßig.  Die  Einkaufsselbstkosten  umfassen:  Einkaufspreis
4*  Einkaufsunkosten  (wie  Transport,  Vermittlungsgebühren,  Abgaben,  Gewichtsverluste) ­
  -j-  Geschäftsunkosten  (Kosten  der  Verwaltung).  Die  Einkaufsselbstkosten
  zuzüglich  Verkaufsunkosten  (Lagerung,  Verkaufsvermittlung,  -Organisation) ­
  ergeben  die  Verkaufsselbstkosten.  Vgl.  Haese,  Unkosten  plus  10  °/®
(Plutus,  21.  Juni  1916).
        <pb n="14" />
        6

(wie  Verkaufsprovisionen  jeder  Art,  Umsatzprämien,  Rabatt,  Zollund
  Frachtkosten  bei  kostenfreier  Lieferung)  und  den  Gewinnaufschlag. ­
  In  dieser  Formel  liefert  der  Gewinnaufschlag  einen
Rein  gewinn,  der  sich  auf  den  Selbstkostenpreis  bezieht.  Bei  Berechnung ­
  des  Verdienstes  wird  der  Gewinnzuschlag  häufig  in  Prozenten ­
  auf  den  Verkaufspreis,  auf  den  Umsatz  bezogen.  Ein
allgemeiner  Handelsbrauch,  daß  die  Verdienstprozente  sich  nur  auf
die  Selbstkosten  oder  nur  auf  die  Verkaufspreise  beziehen,  besteht
nicht.
Die  Rechenpraxis  des  Warenhandels  untei'scheidet  a)  Reingewinn- ­
  und  b)  Brutto-  oder  Rohgewinnzuschläge.
a  1.  Der  Reingewinn  wird  durch  ZuschlagaufdieSelbstkosten
  errechnet:
Beispiel:
Einkaufswert  1000
-j-  Bezugskosten  ....  750
Einstands-,  Einkaufskosten  .  1750  (Anschaffungswert  im  Sinne
des  §  261 1 ,  H.G.B.)
-f-  Handlungsunkosten  10p/o  175
Selbstkosten  .  .  .  .  .  1925
-f-  20°/o  Reingewinn  .  .  385
Verkaufswert,  Erlös,  Umsatz  2310
a  2.  Der  Reingewinn  errechnet  sich  durch  Abschlag  vom
Verkaufspreis  [Umsatz],  Bei  einem  Verkaufspreis  von
2310  Mk.  verdient  man  16  2 / 3  o/ 0  (=  385  Mk.).  Bezeichnet  man  mit
p  den  Reingewinnzuschlag  auf  die  Selbstkosten,  mit  p'  den  Umsatzreingewinn, ­
  dann  ist:
100  p'  ,  100-p
P  — 100  —p &amp;lt;;  P  ~  100  +  p
Zahlenbeispiele:
vom  Verkaufspreis  von  Selbstkosten
Wenn  p'  =  10&amp;lt;&amp;gt;/o,  dann  ist  p  =  11 1 / 9 °/o
13°/o,  dann  ist  p  =  15°/o
20%,  dann  ist  p  =  25%’
25%,  dann  ist  p  =  33 1 / 3  %’
Der  Reingewinnzuschlag  auf  die  Selbstkosten
von  p  =  15%  ist  (p'  =)  13  o/o  Gewinn  vom  Verkaufspreis
20  o/o  ist  (p'  =)  15  1 / e °/o  Gewinn  vom  Verkaufspreis
25%  ist  (p'  —)  20  o/o  Gewinn  vom  Verkaufspreis.

.

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        7

Ein  Erzeuger,  der  bisher  eine  Ware  für  240  Mk.  mit  15%'
Nutzen  verkaufte,  und  nunmehr  20%  verdienen  möchte,  rechnet  wie
folgt:  '
240  Mk.  alter  Verkaufspreis
-7-  36  „  15%  Gewinn
204  Mk.  Selbstkosten
51  „  +  25o/o
255  Mk.  neuer  Verkaufspreis.
Wer  20%  am  Verkaufspreis  verdienen  will,  muß  25,%.  auf  die
Selbstkosten  aufschlagen.
b)  Durch  einen  Rohgewinnaufschlag  sollen  außer  einer  Gewinnquote ­
  noch  Kosten  gedeckt  werden:
1.  Der  Bruttogewinn  wird  auf  die  Anschaffungskosten
auf  geschlagen;  im  Beispiel  a  l 1  sind  die  Anschaffungskosten  1750  Mk.;
ein  Rohgewinnzuschlag  von  32  %  =  560  Mk.  deckt  20  %  Reingewinn
auf  die  Selbstkosten,  10%  Handlungskosten  und  20_%J  Gewinn  von
dem  Handlungskostenzuschlag.
2.  Der  Bruttogewinn  wird  auf  den  Umsatz  bezogen;  bei  einem
Verkaufswert  von  2310  Mk.  werden  etwa  24 1 / i °/o 1  brutto  verdient.
Die  industrielle  Kostenberechnung  rechnet  im  allgemeinen  nach
a  l 1 .,  der  Warenhandel  gewöhnlich  nach  a  2.  oder  b  2.
Die  kaufmännische  Gesetzgebung  kennt  nur  die  Begriffe
Börsen-  oder  Markt  preis,  Anschaffungs-  und  Herstellungspreis ­
  [§  261  Ziff.  1—3  des  H.G.B.].  Der  Begriff  Selbstkostenpreis ­
  erscheint  erstmals  in  Entscheidungen  zu  dem  früher
zitierten  Wettbewerbsgesetz.  Selbstkosten-,  Einkaufs-  bzw.
Herstellungs-  oder  Erzeugungspreis  und  Verkaufspreis ­
  sind  nicht  gleichbedeutend 1 ).
II.  Die  Zusammensetzung  des  Verkaufs-,  des  Selbstkostenpreises
und  des  Herstellungswertes  eines  Fabrikates  ergibt  sich  aus  dem
folgenden  Schema 2 ):

*)  Über  die  Bedeutung  der  Gewinnzuschlftge  in  der  Kriegsgesetzgebung
vgl.  Alsberg,  Kriegswucherstrafrecht,  2.  Aufl.,  Berlin  1917,  S.  48  ff.
s )  Die  schon  in  früheren  Auflagen  durchgeführte  scharfe  Trennung  ist
inzwischen  allgemein  übernommen  worden.  Auch  die  englische  Literatur  schließt
sich  ihr  an.  Ridgway,  Cost  account  in  principle  and  practice  (London,  etwa
1911)  S.  30  ff.  unterscheidet:  flat  cost,  works  cost,  Gross  cost,  selling  price.  Die
allgemeinen  Kosten  (establishment  charges)  trennt  er  in  works  charges  und  selling
charges.
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        —  '  8  —

a)  Grundkosten:
1.  Werkstoffkosten
2.  Arbeitskosten
3.  Sonderkosten
b)  Ergänzungskosten:
d.  h.  allgemeine  Kosten  für  die  Produktion ­
  und  die  Produktionsbereitschaft 1  * )
c)  Absatz-  und  Handlungskosten:
d.  h.  allgemeine  Kosten  für  den  Verkauf,
für  die  Verkaufsbereitschaft  und  die  Gesamtunternehmung ­
  *)
d)  Besondere  Verkaufskosten
wie  Versandfracht,  Rabatt  usf.
e)  Reingewinnzuschlag
auf  die  Summe  a-t-b-(-c

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Nach  dieser  vorläufigen  summarischen  Zusammenstellung  ist
der  Begriff  Selbstkosten  der  weitere,;  jener  der  Erzeugungskosten  der
engere.  Die  Selbstkosten  bilden  quasi  den  kaufmännischen  Wert
und  die  Grundlage  für  den  Verkehrswert,  die  Herstellungskosten
stellen  den  produktionstechnischen  Wert  des  Erzeugnisses  dar.  Schon
daraus  folgt,  daß  bei  der  Ermittelung  der  Selbstkosten  Kaufmann
und  Techniker  mitzuwirken  haben.
§  4.  Über  das  Schema  der  Selbstkosten  ist  mau  sich  ziemlich
einig.  Meinungsverschiedenheiten  bestehen  nur  hinsichtlich  der  Zuteilung ­
  einiger  Ausgaben  und  Verluste  zu  den  Unkosten  und  die
Bestimmung  dieser  Begriffe  sowie  die  Gruppierung  der  einzelnen
Unkosten.  Die  Formulierung:  zu  den  Unkosten  zählt  man  alles,
„was  man  nicht  als  Lohn  oder  Material  verrechnen  oder  als  Neuanschaffung ­
  auf  Inventarkonto  verbuchen  kann“,;  ist  schon  für  die
Eisengießerei  nicht  stichhaltig,  für  die  diese  Formulierung  aufgestellt ­
  wurde 3 ).  Ob  sich  eine  allgemein  gültige,  zweifelsfreie  Begriffsbestimmung ­
  finden  läßt,  ist  fraglich.  Wir  verstehen  unter
Unkosten  alle  Ausgaben,  Leistungen  und  Verluste,  die
bei  der  Einzelkalkulation  nicht  unmittelbar  in
Rechnung  gestellt  werden  können.  Dabei  ist  es  gleichgültig, ­
  ob  die  Unkosten  mit  der  Erzeugung  oder  mit  dem  Absatz
in  unmittelbarer  enger  Beziehung  stehen  (Fäbrikations-  und
direkte  Absatzunkosten)  oder  nicht  (allgemeine  Unkosten  der  Erzeugung ­
  und  des  Absatzes).

')  Einschließlich  der  durch  Abnutzung  gerechtfertigten  Abschreibungsbeträge
auf  die  Produktionsmittel.
! )  Einschließlich  der  Abschreibungen  auf  die  Vertriebsmittel  und  der  übermäßigen ­
  Abschreibungen,  sofern  sie  in  toto  in  der  Selbstkostenermittelung  eingerechnet ­
  werden  und  nicht  teilweise  aus  dem  Bruttoverkaufsgewinn  genommen
werden.
3 )  Winkler,  Eisengießerei,  S.  43;  dagegen  Leber,  a,  a.  0.  Seite  17.
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        9

Die  Auslegung  des  Begriffs:  Selbstkosten  eines  Fabrikats  ist  in
der  industriellen  Praxis  subjektiv.  Die  Methoden  ihrer  rechnerischen ­
  Ermittelung  sind  individuell  verschieden.  Eine  einheitliche
Auffassung  und  Abgrenzung  der  Selbstkosten  bestehen  nirgends.
Die  eine  Unternehmung  zählt  zu  den  Selbstkosten  Posten,  die  eine
andere  Unternehmung  aus  dem  Unternehmungsgewinn  deckt;  um
Beispiele  zu  nennen:  übermäßige  Abschreibungen  auf  Anlagen,  Betriebsverluste ­
  einzelner  Werkabteilungen,  Prozeß  Verluste,  Tantiemen
des  Vorstandes  u.  v.  a.  Die  Subjektivität  der  Auffassung  dessen,  was
zu  den  Selbstkosten  gerechnet  werden  soll,  trat  nie  so  stark  in  Erscheinung ­
  wie  in  den  Zeiten  der  Kriegswirtschaft,  als  von  behördlichen ­
  Preisprüfungsstellen  die  „angemessenen“  Preise  auf  Grund
der  von  den  Heereslieferanten  eingereiehten  Unterlagen  bestimmt
wurden.  Die  Meinungsverschiedenheiten  zwischen  Preisprüfungsstellen ­
  und  Lieferer  sind  in  den  beteiligten  Kreisen  noch  in  Erinnerung. ­
  Damals,  in  den  Zeiten  gebundener  Wirtschaft  und  unter
dem  Druck  der  finanziellen  Notlage  des  Reiches,  mußte  der  Standpunkt
vertreten  werden,  daß  die  Preisbildung  in  jener  Zeit  unter  anderen
Gesichtspunkten  stattzufinden  habe  wie  in  der  freien  Friedenswirtschaft ­
  mit  ihrer  preisausgleichenden  Konkurrenz!  der  Anbieter.  Es
war  nicht  immer  leicht,  den  rein  fiskalischen  Standpunkt  unter
Verleugnung  mancher  bisher  vertretenen  und  nach  Kriegsschluss
wieder  zu  vertretenden  Grundsätze  zu  wahren 1 ).
Also:  Die  Grenze  zwischen  den  „Selbstkosten“  und  den  aus
dem  Unternehmergewinn  zu  deckenden,  diesen  vermindernden  Verluste ­
  und  Ausgaben  ist,  rein  theoretisch  betrachtet,  flüssig.  Der
Wettbewerb  zwingt  mitunter  eine  Unternehmung,  die  Selbstkosten
ihrer  Fabrikate  enger  zu  fassen  mit  Rücksicht  auf  die  Verhältnisse
des  Marktes  und  die  Preisbemessung  der  Mitbewerber,  einwandfreie
Selbstkosten  teilweise  geringer  einzurechnen.  Wir  würden  in  einem:
solchen  Valle  allerdings  vorschlagen,  die  als  Selbstkosten  anerkannte^
Ausgaben  und  Verluste  unter  allen  Umständen  zu  berechnen,  hingegen ­
  bei  der  Preisbemessung  auf  die  angeführten  Verhältnisse
Rücksicht  zu  nehmen.
Während  in  der  Vorkriegszeit  der  Begriff  Selbstkosten  nur  in
der  zivilrechtlichen  Judikatur  ein  verboi'genes  Dasein  führte,  erlangte
er  in  der  Kriegswirtschaft  durch  das  Kriegswucherstrafrecht  eine
besondere  den  kaufmännischen  Handel  beherrschende  Bedeutung.
Im  Anschluß  an  die  erste  Kriegswucherverordnung  vom  Juli  1916
‘)  Vgl.  meine  Aufsätze:  „Kriegswucher  der  Industrie“  (Plutus,  Juli  1918);
»Übermäßiger  Gewinn“;  „Organisation  und  Technik  der  Preisprüfung  für  Heeresoedarf“;
  Über  staatliche  Preispolitik  in  der  Kriegswirtschaft“,  sämtlich  in  der
Zeitschr.  f.  Handelswissenschaft  1917  und  1918.  „Industriewirtschaftliche  Kriegsrisiken“ ­
  in  der  (Nordd.)  Allgein.  Ztg.,  13.  Okt.  1918.
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        Ml

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hatte  die  Rechtsprechung  des  Reichsgerichts  den  in  der  Verordnung
nicht  genauer  umschriebenen  Begriff  Selbstkosten  in  zahlreichen
Entscheidungen  erläutert.  Die  Begründung  der  zweiten  Verordnung
vom  8.  Mai  1918  gab  endlich  eine  Rezeptur  für  die  Errechnung
des  Gestehungspreises  im  Sinne  dieser  Verordnung.  Danach  bilden
Unternehmerlolin,  Kapitalzins  und  Risikoprämie  Bestandteile  der  Gestehungskosten, ­
  d.  h.  hier  der  Selbstkosten,  soweit  dieser  Begriff
im  Einzelfall  einer  straf  gerichtlichen  Nachprüfung  unterzogen  wird.
Die  Risikoprämie  als  Selbstkostenbestandteil  ist  eine  Erfindung  der
Kriegswirtschaft.  Vorher  berücksichtigte  man  „unvorhergesehene“
Ereignisse  durch  Sicherheitszuschläge,  Abrundung  der  Beträge,  Erhöhung ­
  des  Gewinnzuschlages.
Dieses  Berechnungsschema  hat  jedoch  nur  Geltung  für  jene
Fälle,  in  denen  Kriegswucherverdacht  oder  übermäßige  strafrechtlich
zu  verfolgende  Preissteigerung  bestimmter  Gegenstände  vorliegen;
hatte  jedoch  keine  bindende  Kraft  für  die  Preisprüfungsstellen  bei
der  Errechnung  eines  angemessenen  Preises  als  Grundlage  für  zivilrechtliche
  Werk-  und  Kaufverträge  mit  der  Militärverwaltung.  Zur
Klärung  der  vorhin  angeschnittenen  Fragen  hat  diese  Verordnung
nicht  beitragen  können.  Die  Subjektivität  des  Begriffes  bleibt  auch
weiterhin  bestehen.
Hier  soll  nur  eine  Frage  grundsätzlich  erörtert  werden:  Gehören ­
  die  Zinsen  zu  den  Selbstkosten  oder  nicht?  In  dieser
Frage  sind  die  Meinungen  heterogen 1 ).
Es  sind  zu  unterscheiden  aktive  und  passive  Zinsen,  je
nachdem  sie  als  Einnahme-  oder  Ausgabeposten  erscheinen,  und
rechnungsmäßige  Zinsenverluste.  Hier  interessieren  nur
Zinsenausgaben  und  Zinsenverluste.  Besonderer  Erwähnung  bedürfen ­
  :  die  Zinsverluste  auf  das  Anlagekapital  und  die  Liager  -
zinsen,  das  sind  Zinsverluste  von  der  Fertigstellung  bis  zum  Verkauf ­
  des  Fabrikats  bzw.  Verluste  auf  die  Barauslagen  vom  Einkauf

’)  Vgl.  beispielsweise  Esch,  Über  den  Einfluß  der  Geschwindigkeit  der
Beförderung  auf  die  Selbstkosten  der  Eisenbahnen.  Jena  1911,  S.  13.  Er  unterscheidet ­
  Betriebskosten  und  Selbstkosten.  Die  Betriebskosten,  vermehrt  um  die
Verzinsung  des  in  Fahrzeugen  angelegten  und  des  sonstigen  Anlagekapitals, ­
  geben  die  Selbstkosten;  dagegen  Nördling,  Die  Selbstkosten  der
Eisenbahntransporte,  und  andere  Autoren,  welche  die  Zinsen  des  Anlagekapitals
nicht  zu  den  Selbstkosten  rechnen.  Vgl.  auch  Meitzer,  Die  Grundzüge  der
geschäftlichen  Kostenberechnung.  Saarbrücken  1910.  S.  21.  Berliner,  Abschreibungen ­
  und  Zinsen  in  der  Kalkulation.  In  der  Zeitschrift  für  Handelswissenschaft ­
  und  Handelspraxis.  1909.  In  den  praktischen  Beispielen  dieses
Buches  sind  wiederholt  Zinsen  verschiedener  Art  in  Rechnung  gestellt,  auch
dann,  wenn  dieses  Verfahren  mit  den  theoretischen  Erörterungen  nicht  in
Einklang  steht.
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        11

der  Roh-  und  Hilfsstoffe  bis  zur  Verarbeitung  und  Ablieferung.
Zinsenverluste  entstehen  auch  bei  länger  dauerndem  Erzeugungsprozeß ­
  auf  die  bar  bezahlten  Arbeitslöhne,  vom
Tage  der  Verausgabung  bis  zur  Fertigstellung  (bei  Arbeiten  auf
Bestellung)  bzw.  bis  zum  Rückersatz  der  Barausgaben  bei  Eingang ­
  des  Verkaufswertes  (bei  Arbeiten  auf  Vorrat).  Die  auf  den
baren  Verkaufswert  berechnete  Vergütung  des  Käufers  für  Zinsverluste ­
  vom  Verkaufstage  bis  zum  Verfalltag  bzw.  bis  zur  Bezahlung ­
  der  Rechnung  (aktive  Zinsen,  Verzugszinsen,  vgl.  Verkaufskalkulation) ­
  heißt  Skonto.  Endlich  sind  die  Zinsenausgaben  für
die  Beschaffung  von  Geldkapital  auf  dem  Wege  des  Kredits  als
Unkostenbestandteile  zu  erörtern  (Darlehenszinsen).
1.  Ob  Zinsen  auf  das  eigene  Unternehmerkapital,  die  Rechnungszinsen, ­
  wie  wir  sie  bezeichnen  wollen,  als  ein  Teil  der  Selbstkosten ­
  angesehen  werden  dürfen,  ist  strittig.  Die  einen  wollen  sie
aus  dem  zu  erzielenden  Reinertrag  der  Unternehmung  decken,  andere
rechnen  sie  zu  den  Unternehmungskosten  r ).  Nach  preußischem  Einkommensteuergesetz ­
  zählten  sie  nicht,  nach  bayerischem  Steuergesetz ­
  zählen  sie  zu  den  abzugsfähigen  Erwerbs-  oder  Betriebskosten.
An  sich  sind  solche  Zinsen  keine  Ausgaben,  sondern  ein  Teil
des  Jahresgewinnes,  ein  „Bruchstück  des  produzierten  Mehrwertes“
(Marx).  Rechnet  der  Unternehmer  Zinsen  auf  das  eigene  Unternehmerkapital ­
  (Aktiva  —-  Schulden)  zum  üblichen  Zinsfuß,  so
ist  er  von  seinem  subjektiven  Unternehmerstandpunkt  im  Recht:
erst  über  diese  Verzinsung  des  Kapitals  hinaus  ist  persönlicher
Unternehmergewinn  vorhanden.  Die  Kapitalverzinsung  gibt  dem
Unternehmer  an,  was  er  erhalten  könnte,  wenn  er  sein  Kapital
gegen  Zinsen  ausleiht,  was  er  spart  an  Zinsenausgaben  durch  Besitz
eigenen  Kapitals.  Sie  zeigt  ihm  den  Kapitalgewinn  ohne  eigene
Unternehmerarbeit  durch  Beteiligung  am  Erträgnis  an  der  Wirtschaft
eines  Dritten.  t
Es  handelt  sich  also  nur  um  eine  rechnungsmäßige
Scheidung  des  Unternehmereinkommens  in  Kapitalzins  und  persönlichen ­
  Unternehmergeswinn  —  Unternehmerlohn  und  Unternehmergewinn ­
  —  im  Sinne  der  Volkswirtschaftslehre.  Mit  dem  Betrieb
der  Unternehmung  haben  diese  Zinsen  nichts  zu  tun,  sind  somit
objektiv  kein  Bestandteil  der  Selbstkosten,  keine  Betriebsaus-’)

  So  hat  der  deutsche  Handelstag  (Mitteilungen  Nr.  17  von  1916  S.  42)
folgenden  Bechluß  gefaßt:  Zu  den  Geschäftsunkosten  gehört  auch  der  Leihzins
des  im  Geschäft  angelegten  fremden  und  eine  dem  Geldmarkt  entsprechende
Verzinsung  des  eigenen  Kapitals  sowie  eine  angemessene  Risikoprämie;
vgl.  dazu  meinen  Aufsatz:  Übermäßiger  Gewinn,  i.  d.  Zeitschrift  f.  Handelswissenschaft ­
  usw.,  August  1917.
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        12

gaben,  keine  Aufwendungen,  obgleich  man  sie  für  die  Kalkulation
des  Unternehmers  als  Kostenbestandteil  anzusehen  pflegt 1 ).
2.  Der  unter  l 1 .  angeführte  Fall  der  Zinsberechnung  ist  bedeutungsvoll ­
  für  Einzelunternehmungen,  Personalgesellschaften  und
für  Rentabilitätsberechnungen.  Von  allgemeinerer  Bedeutung  für
die  Selbstkostenermittelung  ist  die  Anrechnung  von  Zinsen  auf
das  Anlagekapital,  beispielsweise  bei  der  Ermittelung  der  W  erkstatt-
  oder  Maschinenunkosten.  Die  Mehrzahl  der  uns  bekannt  gewordenen ­
  Kalkulationsmethoden  rechnet  neben  der  Abschreibung
auch  Zinsen  auf  das  in  der  betreffenden  Werkstätte  oder  Maschine
investierte  Kapital,  und  zwar  rechnen  die  einen  Betriebe  sie  vom
ursprünglichen  Anschaffungswert,  die  anderen  vom  jeweiligen
Buchwert,  entsprechend  der  Abschreibungsmethode.
Durch  die  Immobilisierung  eines  erheblichen  Teils  des  Kapitals
entstehen  Zinsverluste,  die  vom  Käufer  der  erzeugten  Güter  zu
tragen  sind.  Es  sind  Verluste  auf  Kapitalwerte,  die  der  Produktion
dienen,  mittelbare  Aufwendungen  für  die  Bereitstellung  von  Mitteln
zum  Zwecke  der  Herstellung  und  somit  Teile  der  Selbstkosten.  Ein
im  Verhältnis  zur  Produktions-  und  Absatzfähigkeit  zu  großes  Anlagekapital ­
  verteuert  die  Selbstkosten  insofern,  als  die  Zinsen  (und
die  Amortisation)  einen  Bestandteil  dieser  Selbstkosten  bilden.
3.  Die  (passiven)  Darlehnszinsen  sind  der  Mietpreis  für
Leihkapital,  der  Preis  für  Kapitalnutzung,  ihrer  Höhe  nach  im
voraus  durch  Vertrag  bestimmt  und  in  ihrer  Gesamtheit  von  der
Art  der  Finanzierung  der  Unternehmung  abhängig.  Sie  sind  Erträgnisse ­
  einer  anderen  Wirtschaft  und  zweifellos  ein  Teil  der  Unternehmerselbstkosten. ­
  Schuldzinsen  für  Hypotheken,  Anleihen,  Bankgelder ­
  sind  Werbungskosten,  feste  Ausgaben,  unabhängig  von  der
Leistung  der  Unternehmung.  Sie  bilden  in  der  Selbstkostenberechnung
einen  Durchgangsposten.  Was  der  Verkäufer  durch  Einrechnung
der  Schuldzinsen  in  den  Selbstkostenpreis  der  Produkte  an  Zinsen
erhält,  geht  mit  dem  Fälligkeitstag  der  Schuld  in  die  Hände  der
Gläubiger  über.
Die  Zinsen  des  fremden  Kapitals  schmälern  den  Gewinn.
Schulte 2 )  meint,  die  Selbstkosten  eines  Betriebes  sind  von  den
finanziellen  Verhältnissen  der  Unternehmung  unabhängig,  weshalb

')  Wagner,  Gemischte  Werke,  S.  41,  rechnet  4%  des  Aktienkapitals  zu
den  Selbstkosten;  15  Mill.  Kapital  zn  4%  =  600000  Mk.,  pro  Monat  50000  Mk.,
verteilt  mit  38  %  =  19000  Mk.,  auf  die  Hochöfen,  mit  60%  auf  das  Walzwerk,
mit  2  %  =  1000  Mk.  auf  die  Eisengießerei!  Ein  anderes  Beispiel  für  die  Berechnung
des  Betriebskapitals  und  dessen  Verzinsung  bringt  Scliuchardt,  Selbstkostenberechnung ­
  in  Hüttenwerken,  1909,  S.  49  ff.
2 )  Zeitschr.  f.  handelswiss.  Forschung,  IV.  Jahrg.,  S.  335;  ähnlich  auch
Meitzer,  Grundzüge,  S.  22.
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        13

die  Schuldzinsen  nicht  zu  den  Selbstkosten  zählen.  Von  zwei  unter
sonst  gleichen  Produktions-  und  Absatzbedingungen  arbeitenden
Unternehmungen  wird  die  eine,  die  mit  eigenem  Kapital  wirtschaftet,
einen  höheren  Geschäftsgewinn  erzielen  als  die  andere,  die  überschuldet ­
  ist  oder  mit  erheblichem  fremden  Kapital  arbeitet.  Richtig
ist  in  dieser  Anschauung,  daß  im  letzten  Fall  nicht  die  Erzeug
  u  n  g  s  kosten  bei  gleichen  Verkaufspreisen  die  Entstehung  eine's
größeren  Reingewinns  hindern.  Eine  Unternehmung  dieser  Finanzlage ­
  muß  eben  mit  höheren  Se  1  bstkosten  rechnen;  die  Spannung
zwischen  Selbstkosten  und  Verkaufspreis  ist  gering.
4.  Ein  Beispiel  für  die  Berechnung  der  Zinsenverluste  während
der  Produktion.  Der  Verkaufspreis  einer  Maschinenanlage  wäre
45  000  Mk.  Zahlungsbedingungen:  ein  Drittel  bei  der  Bestellung,
ein  Drittel  nach  der  Ablieferung  und  Abnahme,  ein  Drittel  des  Kaufpreises ­
  drei  Monate  später.  Das  Material  für  diesen  Auftrag  wird
Ziel  drei  Monate  gekauft,  die  Herstellung  dauert  gleichfalls  drei
Monate,  Montage,  Probelauf  usw.  bis  zur  Ablieferung  einen  Monat.
Berechnen  wir  auf  Grund  dieser  Angaben  die  Zinsenverluste  und  die
Zinseneinnahmen  des  Produzenten  bis  zur  Umwandlung  des  Warenin
  Geldkapital,  d.  h.  bis  zur  endgültigen  Bezahlung  des  Kaufpreises ­
  :
a)  Zinseneinnahmen
auf  die  Barzahlung  15  000  zu  5%  auf  7  Monate  =  Mk.  437,50
»  »  Barzahlung  15  000  r  5%  „  3  „  =  „  187,50
Der  Rest  von  15  000  wird  am  Ende  des
7.  Monats  bezahlt  „  —
Gesamteinnahmen  Mk.  625,—

b)  Zinsverluste
a.  d.  Materialeinkauf  18000  zu  5%  auf  4  Monate  =  Mk.  300,—
a.d.Herstellungsunk. 1 )  17  000  „  ö°/ 0  „5  „  =  „  354,—
auf  die  Montage  1000  ,  5  %  „  3  ’/s  „  =  „  14,60
Gesamtverluste  Mk.  668,60

Die  tatsächlichen  Zinsverluste  sind  demnach  Mk.  42,06

Während  der  Kriegsjahre  hatten  die  Zinsverluste  größere
Wichtigkeit  erlangt.  Die  Rohmaterialien  mußten  an  die  Kriegs-Rohstoffabteilung
  und  Kriegsgesellschaften  im  voraus  bezahlt  werden,
die  Militärverwaltung  verzögerte  die  Abnahme,  Prüfung  und  die
Bezahlung  der  Lieferungen  um  Wochen  und  Monate.  Änderungen  der
Konstruktion  während  der  Bearbeitung,  Verzögerungen  in  der  Belieferung ­
  mit  Werk-  und  Betriebsstoffen  (Bahnsperre,  „Organisation“
der  Beschaffung  und  Verteilung  seitens  der  Kriegsämter)  verlang-')

  Eine  genaue  Berechnung  muß  die  allmählich  anwachsenden  Ausgaben  vom
Tage  ,  der  Verausgabung  bis  zur  endgültigen  Bezahlung  des  Kaufpreises  in  Tagen
rechnen.  Wir  nehmen  hier  im  Durchschnitt  5  Monate  bzw.  3  V*  Monate.
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        14

samten  die  Umlaufszeit  der  Güter  in  der  Fabrikation,  machten
Arbeiterverschiebungen  innerhalb  der  Unternehmung  nötig,  verringerten ­
  in  der  Regel  auch  das  Arbeitstempo.  Eiu  Teil  des  Nutzens
wurde  durch  Zinsenverluste  aufgezehrt.
§  5.  Jede  Produktion  erfordert  einen  Aufwand  an  sachlichen  '
Gütern  und  Arbeit.  Eine  wirtschaftlich  vollkommene  Produktion
liegt  vor,  „wenn  der  dem  Produkte  zugesprochene  Wert  höher  ist
als  der  Wert  der  Kosten“.  (Philippovich,  Politische  Ökonomie,
I,  1.)  Der  wirtschaftliche  Erfolg  der  Produktion  liegt  in  der  Wertvergleichung ­
  zwischen  Kosten  wert  der  Güter  —  das  ist  die  Summe
aller  Aufwendungen  —  und  ihrem  Verkehrs-  oder  Gebrauchswert,
Das  ökonomische  Ziel  der  Produktion  ist  Gewinn,  ist  Reinertrag.
Demnach  sind  die  Selbstkosten  —  ein  privatwirtschaftlicher  Begriff ­
  —  Werbungs-  oder  Erwerbskosten,  mittelbare  und
unmittelbare  Ausgaben  und  Verluste,  die  zur  Erwerbung,  Sicherung
und  Erhaltung  des  Ertrages  aufgewendet  werden.
Jede  Produktion  setzt  in  der  heutigen  verkehrswirtschaftlichen
Organisation  eine  Unternehmung  voraus,  welche  produziert,  einen
Unternehmer,  der  in  wirtschaftlicher  und  rechtlicher  Beziehung  für
die  Unternehmung  die  Verantwortung  trägt,  den  Wert  der  Produktionsmittel ­
  —  Grund  und  Boden,  Kapital  und  Arbeit  —  für
den  Produktionszweck  einsetzt  „in  der  bewußten,  vernünftigen  und
erfahrungsmäßigen  Voraussicht  auf  den  Wiederersatz  dieses  Wertes
und  Erlangung  eines  höheren  Wertes  dabei  in  den  neuen  Produkten“',
(W  a  g  n  e  r,  Theoretische  Sozialökonomie,  I,  S.  146.)
Selbstkosten  sind  somit  Unternehmungskosten,  teils  persönlichen
Art  —  Unternehmer-  und  Lohnarbeit  —  teils  sachlicher  Art,  wie
Grund  und  Boden,  Kapital  in  verschiedenen  Formen.  Will  man  eine
vom  Standpunkt  des  Produzenten  brauchbare  Gruppierung  der
Unternehmungskosten  gewinnen,  eine  Einteilung,  welche  den  die
Unternehmerkosten  beeinflussenden  Umständen  gerecht  wird,  so  erscheint ­
  uns  die  natürliche  Gruppierung  zunächst  die  Scheidung  in
Anlagekosten  und  Betriebskosten  zu  sein.
Die  Anlagekosten,  das  sind  einmalige  Ausgaben  zur  Beschaffung ­
  aller  Produktionsmittel  vor  Beginn  der  produzierenden
Tätigkeit,  sind  abhängig  von  der  zukünftigen  und  beabsichtigten,
technischen  und  wirtschaftlichen  Gestaltung  der  Unternehmung.  Sie
haben  uns  hier  nur  insoweit  zu  beschäftigen,  als  sie  die  Selbstkosten
der  produzierten  Güter  beeinflussen.
Zu  den  Betriebskosten  im  weiteren  Sinne  zählen  alle
Aufwendungen  während  des  Betriebes  einer  Unternehmung  (laufende
Ausgaben).  Sie  sind  veranlaßt  durch  die  produzierende  und  erwerbende ­
  Tätigkeit  des  Unternehmers  und  abhängig  von  der  wirt-
        <pb n="23" />
        15

schaftlichen  und  technischen  Art  des  Betriebes,  wie  Betriebseinrichtungen, ­
  Arbeitsmethoden,  lokalen  Verhältnissen  und  anderen
mehr.
Die  Höhe  der  Anlagekosten  hat  bestimmenden  Einfluß  auf  die
Selbstkosten  der  produzierten  Güter  wegen  ihrer  Verzinsung
und  der  Amortisation.  Beide  zusammen  bilden  einen  Teil  der
Kosten  des  Betriebes.  Man  bezeichnet  diesen  Teil  der  festen  oder
konstanten  Kosten  am  besten  als  Kapitalkosten.
§  6.  Versuchen  wir  nunmehr  eine  Formulierung  des  Begriffes
„Selbstkosten“  und  eine  Gliederung  mit  Rücksicht  auf  die  Bedürfnisse
der  Kalkulationslehre.  (Vgl.  S.  5ff.)  Unter  Selbstkosten  im
allgemeinen  verstehen  wir  alle  Ausgaben  und  Verluste, ­
  welche  mit  der  Anschaffung,  der  Herstellung ­
  und  dem  Vertriebe  von  Sachgütern  verbunden
sind.  Die  Gliederung  der  Selbstkosten  wird  danach  unterschiedlich
sein,  je  nachdem  es  sich  nur  um  die  Anschaffung,  um 1  die  Anschaffung
und  Weiterveräußerung  in  wesentlich  unveränderter  Gestalt,  um
die  Erzeugung  eines  Gutes  oder  schließlich  um  Herstellung  und
Weiterveräußerung  handelt.
a)  Wenn  wir  unter  Handel  im  engeren  Sinne,  Kauf-  oder
Zwischenhandel,  den  gewerbsmäßig  betriebenen  Tauschverkehr ­
  verstehen,  das  ist  Anschaffung  von  Waren  für  den
Wiederverkauf  in  wesentlich  unveränderter  Gestalt  zum  Zwecke
eines  regelmäßigen  Einkommenerwerbs,  so  ergibt  sich  ohne  weiteres,
daß  die  Selbstkosten  einer  Handelsware  sich  zusammensetzen ­
  aus  Anschaffungs-  und  Verkaufskosten.  Im  einzelnen  gliedern
sie  sich  wie  folgt:
I.  Anschaffungskosten  (erste  Kosten)  der  Ware:
1.  Preis  der  Ware  am  Einkaufsort.
2.  Einkaufs-  und  Bezugskosten  am  Einkaufsort,  während  der
Ortsveränderung  und  am  Bestimmungsort.
3.  Deckungsspesen  des  Bankiers  für  den  Gegenwert  an  den
Verkäufer  der  Ware,  z.  B.  Wechselstempel,  Kourtage,  Bankzinsen,
Provision.
H.  Zusatz-(Ergänzungs-)kosten:
4.  Allgemeine  Kosten  für  die  Verwaltung  der  Unternehmung,
den  Vertrieb  und  die  Verkaufsbereitschaft:  Kosten  für  die  Aufbewahrung ­
  bis  zum  Wiederverkauf  (Versicherung,  Lagergeld,
Lagerkostenanteil);  Anteil  an  den  allgemeinen  ,V  e  r  w  altungskosten, ­
  den  sog.  Handlungsunkosten;  Zinsverluste  auf  die
Anschaffungskosten  der  Ware  vom  Tage  der  Verausgabung  bis  zum
Eintreffen  der  Gegenleistung  des  Käufers;  Geldverluste  durch
        <pb n="24" />
        vüi  i  ra

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Mim?

—  16  —
Unverkäufliehkeit  oder  Verderben,  Nichteingang  der  Forderungen;
allgemeine  .Vertriebskosten,  wie  Reklame,  Reisekosten  und
ähnliches.
5.  Besondere  Verkaufskosten  an  Vermittler  des  Verkaufes ­
  (Rabatt,  Umsatzprämie,  Provision,  Delkredere),  an  Vermittler
des  Einzuges  der  Kaufpreisforderung  (Inkassospesen),  besondere
Kosten  für  die  .Verpackung,  Transport  und  Zollgebühren  bis  an
den  Bestimmungsort  bei  fracht-  und  zollfreier  Lieferung.
Schon  jetzt  müssen  wir  betonen:  die  Kalkulation  der
Selbstkosten  und  die  Kalkulation  des  Verkaufspreises ­
  sind  zwei  verschiedene  Dinge.  Die  Berechnung
der  Selbstkosten  gehört  zur  guten  Ordnung  einer  jeden  Unternehmung.
Der  Verkaufspreis  einer  Ware  ist  vielfach  eine
gegebene  Größe,  die  sich  nicht  nach  der  Höhe  der
Selbstkosten  richtet.  Deshalb  kalkuliert  mancher  Großhändler
den  Verkaufspreis  einfach  durch  Zuschlag  einer  (Roh-)  Gewinnquote ­
  auf  die  ersten  Kosten,  d.  i.  der  Gestehungspreis;  der  Unterschied ­
  zwischen  Anschaffungskosten  und  Verkaufserlös  soll  auch  die
allgemeinen  Unkosten  decken.  (S.  7.)  Sie  unterlassen  die  Anrechnung
eines  besonderen  Aufschlages  für  Zusatzkosten,  da  diese  Kosten
den  Verkaufspreis  nicht  bestimmend  beeinflussen  können.  Qualität
des  Kunden,  der  Wettbewerb  und  manche  andere,  vorwiegend  preispolitische ­
  Erwägungen  bestimmen  die  Festsetzung  des  Verkaufspreises ­
  im  Einzelfall.  Bei  etwa  gleichen  Verkaufspreisen  kann  der
eine  Warenhändler  vielleicht  die  doppelten  Handlungsunkosten
verausgaben,  ohne  daß  er  dementsprechend  einen  höheren  Erlös
erzielt.  Der  Schwerpunkt  der  Tätigkeit  des  Zwischenhändlers  liegt
im  billigen  Einkauf  und  in  dem  Bestreben,  größere  Umsätze  zu
erzielen.
Die  preispolitischen  Verhältnisse  liegen  übrigens  für  die
einzelnen  Geschäftszweige  des  Handels,  für  Groß-  und  Kleinhandel
so  sehr  verschieden,  daß  man  von  einheitlichen  Gebräuchen  bei
der  Kalkulation  des  Verkaufspreises  nicht  sprechen  kann:  der  eine
Kaufmann  berechnet  einen  Durchschnittssatz  für  Handlungskosten
auf  alle  Waren,  ein  anderer  differenziert  diese  Aufschläge  nach
Warengruppen,  d.  h.  nach  dem  größeren  oder  geringeren  Anteil
der  einzelnen  Gruppen  an  den  Ergänzungskosten,  andere  schließlich
verzichten  überhaupt  auf  einen  Zuschlag.
Die  Theorie  allerdings  fordert,  daß  auch  der  Händler  in  jedem
Fall  die  Selbstkosten  seiner  Waren  kennen  müsse,  gleichgültig,
ob  diese  Kosten  den  Verkaufspreis  bestimmen  oder  nicht.
ß)  Unter  Selbstkosten  des  Produzenten  eines
Sachgutes  (S.  8)  versteht  man  die  Summe  aller  Ausgaben  imd
Verluste,  welche  dem  Produzenten  durch  Herstellung  und  Vertrieb
        <pb n="25" />
        17

erwachsen.  Zu  den  Herstellungs-  oder  Produktionskosten  (im  privatwirtschaftlichen
  Sinne)  sind  zu  rechnen  die  Kosten  der  Gewinnung
(z.  B.  Bergbau),  Bearbeitung  und  Verarbeitung;  zu  diesen  Kosten
treten  bei  den  Erzeugnissen  der  Umformungsindustrie  noch  die
Kosten  des  Rohstoffes  am  Orte  der  Verarbeitung  unter  Berücksichtigung ­
  der  Mengenverluste  infolge  der  Bearbeitung,  des  Erlöses
der  Abfälle  und  der  Nebenprodukte.  Die  Anschaffungskosten  für
Roh-  und  Hilfsstoffe  sind  wie  die  Anschaffungskosten  einer  Handelsware ­
  zu  kalkulieren.  Die  Vertriebskosten  entsprechen  den  früher
angeführten  Verkaufskosten.
Die  Selbstkosten  eines  Fabrikates  entstehen  nicht  erst  mit  der
Erzeugung  selbst,  sondern  von  dem  Zeitpunkt,  in  welchem  der
Produzent  an  die  Frage  der  Anfertigung  herantritt  —  man  denke
an  Offertkonstruktionen,  Vorversuche  und  ähnliches  —;  sie  endigen
mit  der  Ablieferung  der  Ware  und  dem  Eintreffen  der  Zahlung
des  Kaufpreises,  in  anderen  Fällen  erst  mit  dem  Erlöschen  der
Haftpflicht  des  Verkäufers,  d.  h.  mit  dem  Ablauf  der  Garantiedauer 1 ).
Der  Verkaufspreis  soll  den  Aufwand  an  Kapital  bei  der  Produktion ­
  und  bei  dem  Verkauf  ersetzen  und  den  Mehrwert  über  die
Selbstkosten,  das  ist  den  .Gewinn  enthalten.
Eine  Gliederung  dieser  Selbstkosten  kann  nach  verschiedenen
Gesichtspunkten  versucht  werden.  Zunächst  werden  gewöhnlich
Herstellungs-  (Produktions-  oder  Fabrikations-)  Kosten  von
denen  des  Vertriebes,  des  Absatzes  unterschieden;  die
Herstellungskosten  nach  Art  der  Berechnung  wiederum  in  unmittelbare ­
  und  mittelbare  Aufwendungen.  In  der  Umformungsindustrie ­
  spricht  man  in  bezug  auf  das  Einzelfabrikat  von
Spezial-  und  Generalkosten  des  Fabrikates  [§  13].  Die  Generalkosten
lassen  sich  scheiden  in  solche  die  für  den  einzelnen  Werkbetrieb,
die  Abteilung,  die  Werkstätte  oder  den  Arbeitsplatz  sich  unmittelbar
feststellen  lassen  —  Sonderkosten  unter  den  Generalspesen,  besondere
Betriebsunkosten  —  und  gemeinschaftliche,  allgemeine  Betriebs-  oder
Herstellungsunkosten,  die  nach  bestimmten  Verteilungsschlüssen
auf  die  Werkbetriebe,  Abteilungen  usw.  verteilt  werden  müssen,
da  sie  nicht  direkt  erfaßbar  sind.
Man  spricht  von  einmaligen  und  von  laufenden  in  regelmäßigen
Zeitabschnitten  wiederkehrenden  Kosten  und  unterscheidet  letztere
in  feste  und  veränderliche.  Diese  Gruppierungen  sollen  zur  vorläufigen ­
  Orientierung  genügen;  sie  lassen  zahlreiche  Modifikationen
zu.  Jede  der  angeführten  Einteilungen  hat  ihre  theoretische  Be-‘)

  So  berechnet  beispielsweise  eine  Akkumulatorenfabrik  einen  X°/o  Selbstkostenaufschlag ­
  für  „Reklamationen“.
L$itn»r,  Selbstkostenbereehmmg.  7„  Auf}.

2
        <pb n="26" />
        18

rechtigung  ebenso  wie  der  Wunsch,  daß  die  Selbstkostenschemata
gleichartiger  Unternehmungen  vereinheitlicht  werden  mögen  *):  eine
Forderung  von  größter  und  für  die  Gewinnung  brauchbarer  Resultate
von  ausschlaggebender  Bedeutung  für  allgemeine  volkswirtschaftliche
Untersuchungen.  Die  Praxis  hat  keine  Veranlassung,  sich  solchen
theoretischen  Wünschen  anzupassen.  Man  wählt  entweder  eine
Gliederung,  die  durch  Rücksichten  auf  eine  richtige  und  für  die
Kalkulationszw'ecke  brauchbare  Buchführung  bedingt  ist,  geht  also
von  der  Buchführung  aus,  oder  der  Betrieb  teilt  die  Selbstkosten
ein  mit  Rücksicht  auf  die  Förderungen  einer  ordnungsmäßigen  Betriebskontrolle, ­
  auf  die  Abhängigkeit  einzelner  Kostenbestandteile
von  bestimmten  Größen,  auf  absolute  und  relative  Größe  und  Bedeutung ­
  der  Kosten  u.  a.

Schwierigkeiten  der  Selbstkostenberechnnng.
§  7.  Welche  Schwierigkeiten  und  Probleme  treten  bei  der
Selbstkostenberechnung  industrieller  Betriebe  auf?
I.  Bei  der  Gesamtkalkulation,  der  Unkosten  -Verrechnung ­
  der  Gesamtunternehmung  (§§  31  ff.).
a)  Denken  wir  an  einen  isolierten  Betrieb,  der  massenhaft
gleichartige  Produkte  liefert  (Kohlenbergbau,  Brauerei,  Zementfabrikation). ­
  Die  Feststellung  der  gesamten  Jahreskosten  eines  derartigen ­
  Betriebes  ist  einfach,  soweit  die  Ausgaben  in  Betracht
kommen.  Schwierigkeiten  bietet  die  Bestimmung  der  rechnungsmäßigen ­
  Unkosten  bzw.  Verluste,  das  sind  Abschreibungen  durch
Abnutzung  und  Amortisation  durch  Substanzverluste.  Doch  sind
die  Berechnungsgrundlagen  festgelegt,  so  daß  Fehler  eines  Jahres
durch  andere  der  folgenden  oder  früheren  Jahre  ausgeglichen  werden.
Bedeutungsvoll  für  diese  Unternehmungen  ist
die  Kenntnis  der  Zusammensetzung  der  Kosten  und
des  Anteiles  der  einzelnen  Bestandteile  an  den  Gesamtkosten, ­
  die  Kenntnis  ihres  Einflusses  auf  den
Erlös  der  Produktion  und  die  Rentabilität  der
Unternehmung.  Wir  fordern:
1.  Systematische  und  planmäßige  Gliederung
sowie  weitgehende  Spezialisierung  der  Unter-’)

  Es  sei  erwähnt,  daß  eine  Vereinheitlichung  und  Schematisierung  der
Kalkulationsformel  für  Betriebe  der  gleichen  Branche  als  Mittel  der  Preispolitik ­
  einer  Absatzgemeinschaft  versucht  wurde;  vgl.  Boetzkes,  Die  Seidenwarenproduktion. ­
  Tübingen  1909.  S.  31,  82,  85.
        <pb n="27" />
        2*

19

nehmungsk  osten.  Je  schärfer  der  Wettbewerb,  je  geringer
der  Nutzen  ist,  den  der  Verkauf  läßt,  desto  mehr  müssen  die  Kosten
in  der  Jahresrechnung  und  in  der  Unkostenstatistik  spezialisiert
werden.  Eine  genaue  Kostengliederung  gibt  das  beste  Spiegelbild  der
äußeren  und  inneren  Existenzbedingungen  der  Unternehmung.  Man
kann  behaupten,  je  mehr  man  die  Selbstkosten  einer  Unternehmung
zerlegt,  desto  mehr  spart  man  an.  Kosten.
Diese  Gliederung  soll  sich  gleichmäßig  auf  Betriebs-  und  Vertriebskosten ­
  erstrecken.  Die  Tendenz,  den  berufsmäßigen  Zwischenhandel ­
  auszuschalten  und  mit  dem  Verbraucher  in  unmittelbare
Fühlung  zu  kommen,  beherrscht  vorwiegend  die  Industrie.  Die  Ausgestaltung ­
  des  „Fabrikhandels“  und  der  zunehmende  Wettbewerb
führen  naturgemäß  zu  einer  außerordentlichen  Steigerung  der  Handlungsunkosten, ­
  was  wiederum  die  Forderung  begründet,  durch  weitgehende ­
  Gliederung  dieser  Kosten  sich  die  Kenntnis  ihrer  Angemessenheit ­
  und  ihres  Erfolges  zu  verschaffen  (§  50).
2.  Die  Kosten  der  Erzeugung  sind  von  jenen  des  Absatzes
zu  trennen.  Die  Kostenstatistik  muß  ersichtlich  machen,  was  der
technische  Prozeß  der  Herstellung  und  was  der  Vertrieb  kostet
(§§  30,  50).  Die  Trennung  zwischen  Herstellungs-  und  Vertriebskosten ­
  ist  schon  wegen  der  Bewertung  der  Bestände  für  die  jährliche
Schlußbilanz  erforderlich  (vgl.  §  261  Handelsgesetzbuch).
3.  Wo  es  angeht,  ist  der  Gesamtherstellungsprozeß
rechnerisch  in  Einzelprozesse  aufzulösen.  Der  aus
der  wertschaffenden  Tätigkeit  des  Unternehmers  entstehende  Produktionswert ­
  ist  als  eine  Summe  von  Einzelwerten  aufzufassen.
Jeder  Einzelwert  erfordert  technische  Operationen  mit  eigenem
Aufwand.  Deshalb  soll  jede  einzelne  Operation  innerhalb  der  durch
die  Natur  des  Erzeugungsprozesses  bedingten  Grenzen  mit  ihrem
Geldaufwand  aufgezeichnet  ■werden.  Die  Selbstkostenberechnung  muß
einen  klaren  Einblick  in  den  Erzeugungsprozeß  geben;  deshalb  muß
dieser  in  seine  Einzelteile  aufgelöst  werden  (§  10).
Die  folgende  Berechnung  bietet  ein  Beispiel  besonders  weitgehender ­
  Zerlegung  der  Kosten  einzelner  Operationen  (Transport
von  Kisten  von  der  Bahn  bis  zum  Abladen  der  fertigen  Ware
sowie  die  Kosten  der  Verpackung).  Die  scheinbar  so  klaren  Aufzeichnungen ­
  sind  nicht  leicht  nachzuprüfen;  im  vorliegenden  Fälle
sollten  sie  ungewöhnlich  hohe  Forderungen  verschleiern.
        <pb n="28" />
        20

1.  Transport-  und  Fabrikationslöhne.
Transporte  Bearbeitungslöhne: ­
  löhne:

Mk.  —,06
—&amp;gt;20
Mk.  —,16
—  ,06
—,04  _,04
-M
1,30
—,08
—,32
—,08
—&amp;gt;25
-,16
Mk.  1,25  Mk.  1,64

2.  Emballagen.

4  Kisten  zu  Mk.  2,50  Mk.  10,—
40  Uberziehbeutel,  Inhalt  2‘/a  kg,
für  0/00  Stück  Mk.  34,—  „  1,36
80  Einlegebeutel,  Inhalt  1  %  kg,
für  0/00  Stück  Mk.  32,50  „  2,60
260  g  Nägel,  Mk.  56,30  für  100  kg  .....  .  „  —,15
80  g  Klebstoff,  je  kg  Mk.  2,—  „  —,16
1,5  kg  Tauchmasse,  je  kg  Mk.  3,90  „  5,85
10  g  Farbe  „  —  ,07
Mk.  20,19

3.  Zusammenstellung.

a)  Löhne:
Transportlöhne  1  Mk.  1,25
20%  Zuschlag  „  —,25
Fabrikationslöhne  „  1,64
50%  Zuschlag  „  —,82
b)  Emballagen  „  20,19
10  %  Emballagenverlust  „  2,02

Mk.  26,17
4.  Erforderlich  ist  eine  zweckmäßige  Darstellungsform, ­
  die  es  ermöglicht,  den  inneren  Zusammenhang  der  zahlenmäßigen ­
  Ergebnisse  leicht  zu  erkennen.  Notwendig  ist  die  Umwandlung ­
  der  absoluten  Zahlen  in  Verhältuiszahleii  (§  10).

Kistentransport  von  der  Bahn  zum  Lagerplatz:
1  Waggon  =  3000  Kisten  :  Transport  Mk.  15,—
Ausladen  „  25,—
Mk.  40,—
also  auf  4  Kisten  umgerechnet
4  Kisten,  Transport  bis  zur  Kistenmacheroi  .  .  ,
4  „  ,  zusammennageln  je  4  Pfg
4  „  ,  zeichnen  je  1  ‘/ 4  Pfg
Aufsicht
4  Kisten,  zum  Packhaus  tragen
4  „  ,  emballieren  und  zunageln
Aufsicht
4  Kisten,  zum  Lager  fahren  und  stapeln  ....
Aufsicht
Waggon  beladen  einschließlich  Aufsicht  .  .  .  .
Transport  zum  Bahnhof
        <pb n="29" />
        I.  b)  Schwieriger  ist  die  Unkostenberechnung,  wenn  innerhalb^
einer  Unternehmung  Haupt-,  Neben-  und  Hilfsbetriebe 1 )  vorhanden
sind.  Beispielsweise  vereinigt  ein  chemischer  Großbetrieb  eine
Säure-,  eine  Anilinfarbenfabrik,  eine  pharmazeutische  Abteilung,
denen  als  Hilfsbetriebe  ein  Gaswerk,  ein  Wasserwerk  und  eine
Material-Transportbahn  angegliedert  sind.  Oder  einer  Weberei  sind
zwecks  voller  Ausnutzung  der  vorhandenen  Betriebseinrichtungen
eine  -  Färberei  und  eine  Appreturanstalt  angeschlossen.  Man  denke
auch  an  die  gemischten  Werke  der  Großeisenindustrie.
Für  diese  Fälle  gilt  als  Axiom,  daß  Haupt-,  Neben  -  und
Hilfsbetriebe  rechnerisch  auseinander  zu  halten
sind,  um  ihren  Einfluß  auf  das  Gesamtergebnis  festzuhalten.
Jeder  Betrieb  ist  als  ein  Rechnungselement  anzusehen, ­
  dessen  Aufwand  festzustellen  ist.  Die  für  den
einzelnen  Betrieb  unmittelbar  bestimmbaren  Kosten  sind  ihm  sofort
zuzuschreiben.  Der  auf  ein  Mindestmaß  reduzierte  Rest  gemeinsamer ­
  nicht  unmittelbar  verteilungsfähiger  Kosten  ist  auf  die  Einzelbetriebe ­
  dem  .Verbrauch,  entsprechend  zu  verteilen.  Die  Schwierigkeit ­
  liegt  darin,  einen  richtigen  Verteilungsmaßstab  zu  finden,
dessen  Anwendung  eine  möglichst  gerechte  Aufteilung  dieser  oft
sehr  erheblichen  gemeinsamen  Kosten  gestattet  (§  31).
Die  gleichen  Schwierigkeiten  treten  auf,  wenn  es  sich  darum
handelt,  die  Gesamtkosten  bei  weitgehender  Gliederung  für  kleinere
und  kleinste  Rechnungseiiiheiten  zu  ermitteln,  beispielsweise  die
Kosten  einer  Werkstätte,  einer  Maschine,  eines  Arbeitsplatzes  oder
einer  Gewinnungsstelle  (Bergbau).  Die  Schwierigkeiten  häufen  sich
in  gleichem  Maße  wie  die  Auflösung  der  Unternehmung  in  Rechnungsteinheiten
  zunimmt.
II.  Schwierigkeiten  bei  der  Kalkulation  des  Einzelproduktes ­
  (§40  und  VII.  Abschnitt).
a)  Erzeugt  eine  Unternehmung  nur  ein  Produkt  oder  Massen
gleichartiger  Produkte,  so  besteht  die  Ermittelung  der  Selbstkosten
für  die  Verkaufs-  oder  Produktionseinheit  in  einer  Teilung  der  Gesamtkosten ­
  des  Gesamtbetriebes  eines  Jahres  oder  eines  kürzeren
Zeitraumes  durch  die  Produktionsmenge.  Sämtliche  Kosten  für  das
Einzelprodukt  sind  unmittelbar  bestimmbar.  Daraus  ist  zu  folgern:
je  mehr  eine  Unternehmung  Massenfabrikation  gleichartiger  Produkte ­
  anstrebt  und  erreicht,  um  so  genauer  kann  der  Unternehmer
die  Selbstkosten  seiner  Fabrikate  berechnen.  Generalisierung  der
')  Haupt-  und  Nebenbetriebe  sind  Betriebsabteilungen  einer  Unternehmung
mit  fabrikatorischer  Zweckarbeit;  Hilfsbetriebe  sind  Betriebe  ohne  Produktionszweck ­
  und  zur  Unterstützung  der  Haupt-  und  Nebenbetriebe,  beispielsweise  Gas-,
Wasser-  und  Kraftwerk,  Fabrikeisenbahn.
        <pb n="30" />
        22

Erzeugung  und  Spezialisierung  der  Betriebe  ermöglichen  eine  genaue
Kostenermittelung.
b)  Viel  schwieriger  ist  eine  Kalkulation,  wenn  in  einer  Unternehmung ­
  mehrere  oder  viele  ungleichartige  Produkte  hergestellt
werden.  In  diesem  Falle  bilden  die  Selbstkosten  eines  Einzelproduktes
nur  einen  Teil  der  Unternehmungskosten;  von  den  Selbstkosten
wiederum  ist  nur  ein  Teil  unmittelbar  für  das  einzelne  Erzeugnis
bestimmbar.  Der  andere  Teil  läßt  sich  nur  als  Nährungswert  anrechnen. ­
  Und  gerade  dieser  Teil  ist  es,  der  eine  wirtschaftlich
absolut  richtige  Kostenberechnung  vielfach  unmöglich  macht.  Die
wichtigste  und  häufigste  Fehlerquelle  bilden  die  sog.  allgemeinen
oder  gemeinsamen  Kosten  (§§  41  ff.).
Eine  richtige  Kostenberechnung  für  das  Einzelfabrikat  ist  in
Unternehmungen  mit  der  oben  charakterisierten  Produktion  dann
möglich,  wenn  die  Erzeugung  der  Fabrikate  örtlich  getrennt  ist.
Dann  zerfällt  der  Betrieb  in  kalkulatorischer  Hinsicht  in  mehrere
Unterbetriebe,  die  durch  die  Einheit  des  Vermögens  zusammengehalten ­
  werden.  Findet  aber  zur  rationellen  Gestaltung  der  Fabrikation ­
  eine  örtliche  und  zeitliche  Arbeitsvereinigung  statt,  und  ist
diese  so  eng,  daß  eine  Wiederzerlegung  rechnerisch  nicht  möglich
ist,  dann  ist  die  Schwierigkeit  der  Kostenberechnung  die,  ein  Maß
zu  finden,  an  dem  der  Anteil  des  Einzelproduktes  an  den  gemeinsamen
Ausgaben  mit  größtmöglicher  Annäherung  an  die  wirklichen  Ausgaben ­
  für  dieses  Produkt  zahlenmäßig  gemessen  werden  kann.  In
der  Praxis  der  Kalkulation  finden  sich  als  solche  Maßstäbe:  Materialwert, ­
  Arbeitslohn,  Produktionswert,  Arbeitszeit  u.  a.  Je  vollständiger
der  Aufwand  für  das  Einzelfabrikat  unmittelbar  darauf  verrechnet
werden  kann,  desto  genauer  wird  die  Selbstkostenberechnung  und
um  so  mehr  nähert  sich  der  berechnete  Wert  der  absoluten  Richtigkeit ­
  41  ff.).
Eine  richtige  Lösung  der  angeführten  Schwierigkeiten  hat  die
Kenntnis  folgender  Faktoren  zur  Voraussetzung:
1.  Genaue  Kenntnis  des  technischen  Prozesses  der  Herstellung  und
2.  des  derzeitigen  Wertes  der  in  der  Unternehmung  wirkenden
Produktionsmittel,  des  Anlage-  und  des  Betriebskapitals,  ihrer
Bestandteile,  ihrer  Verteilung  auf  die  einzelnen  Unterbetriebe,  Abteilungen, ­
  Werkstätten,  Arbeitsplätze,  Gewinnungsorte  usf.
Jede  Wirtschaftsführung  und  jede  Wirtschaftsperiode  beginnt
mit  der  Feststellung  des  in  der  Unternehmung  festliegenden  oder
umlaufenden  Kapitals  —  Inventar  und  Bilanz  —  um  die  Beziehungen
der  einzelnen  Kapitalteile  zum  Gesamtbetrieb  und  den  Gesamtwirtschaf ­
  tserfolg  bestimmen  zu  können.  Die  Verteilung  des  produzierenden ­
  Kapitals  im  angegebenen  Sinn  rechnerisch  zu  fixieren
ist  notwendig  wegen  Bestimmung  des  Aufwandes  und  des  Ertrages
        <pb n="31" />
        23

der  Unterbetriebe  und  wegen  Ermittelung  der  Selbstkosten  der
Produkte.
3.  Die  Kenntnis  der  Art  der  laufenden  Ausgaben,  des  Aufwandes ­
  oder  der  Selbstkosten,  ihre  Gliederung  und  ihre  Größe.
(Siehe  Ia  und  b.)
4.  Beteiligung  der  Unter  betriebe,  Werkstätten,  Arbeitsstellen
usf.  an  diesen  Kosten  (vgl.  I  und  II  oben).
5.  Kenntnis  der  Leistungen  der  sachlichen  und  persönlichen
Produktionsmittel,  also  der  Arbeits-  und  Kraftmaschinen,  der  Betriebsanlagen, ­
  der  Arbeiter  usf.

Aufgaben  und  Bedeutung  der  Selbstkostenermittelung.
§  8.  Die  wesentlichste  Aufgabe 1 )  der  Selbstkostenberechnung ­
  besteht  in  der  Berechnung  des  Aufwandes
der  technischen  Arbeit  an  Stoff,  Kraft  und  Zeit,  Aveil  diese  Faktoren,
die  Kosten  des  Produktionsprozesses  und  damit  den  Preis  der  Arbeit
bedingen.  Damit  ist  die  Notwendigkeit  eines  geordneten  Selbstkostenwesens ­
  bewiesen:  Der  technische  Prozeß  ist  im  einzelnen
und  in  seiner  Gesamtheit  auf  seine  Wirtschaftlichkeit  zu  prüfen;
die  wirtschaftlichen  Aufwendungen  für  den  Arbeitsprozeß  muß  der
Produzent  kennen.  Die  Kostenberechnung  ermöglicht  es  dem  Unternehmer, ­
  Produktionswert  vom  Verkaufswert,  die  Selbstkosten  vom
Reinertrag  zu  trennen,  die  Rentabilität  der  Unternehmung  und  ihrer
Teile  zu  bestimmen,  den  ganzen  Betrieb  auf  seine  Ordnungsmäßigkeit ­
  zu  kontrollieren,  die  Wirtschaftlichkeit  neuer  Einrichtungen
zu  ermitteln  u.  v.  a.
Die  wirtschaftliche  Besserung  des  Produktionsprozesses,  das
Sparen  in  technischer  Beziehung,  kann  vielfach  nur  auf  Grund
eines  geordneten  Kostenwesens  herbeigeführt  werden.  Wenn  der
Einkaufspreis  des  Rohstoffes  nicht  herabgedrückt  werden  kann,  der
Verkaufspreis  nicht  zu  erhöhen  ist,  wie  soll  der  Unternehmer
Kenntnis  erlangen,  wo  er  sparen  kann,  wenn  er  sich  über  die
Angemessenheit  der  (Produktionskosten  seines  Betriebes  keine  Rechenschaft ­
  geben  kann.  Nicht  sparen  an  sich,  sondern  sparen  am
richtigen  Orte  erhöht  die  Wirtschaftlichkeit  eines  Betriebes  tatsächlich. ­
  Die  Selbstkostenberechnung  beschränkt  sich  auf  die  zahlenmäßige ­
  Wiedergabe  des  Aufwandes.  Doch  ist  ohne  weiteres  klar,
daß  gewisse  Erscheinungen  innerhalb  des  Betriebes  sich  aus  den
Zahlenergebnissen  der  Kostenrechnung  beurteilen  lassen.  Deshalb
darf  man  sich  nicht  damit  begnügen,  die  Einzelerscheinungen  nur
arithmetisch  -zu  erfassen:  man  muß  versuchen,  den  Kausalzusammen-^
  ^‘)  Vgl.  Schmalenbach  in  der  Zeitschr.  für  handelsw.  Forschung,  3.  Jahrg.
        <pb n="32" />
        24

hang  zwischen  Ursache  und  Wirkung  dieser  Ergebnisse  darzulegen.
Neben  der  formalen  Prüfung  der  Ergebnisse  muß  eine  fortgesetzte
aufmerksame  Kritik  der  Zahlenergebnisse  durchgeführt  werden.
Vielfach  führt  die  Vergleichung  der  Zahlen  aus  früheren  Betriebsperioden ­
  oder  aus  analogen  Verhältnissen  auf  Zweifel  und  Unrichtigkeiten, ­
  wenn  allzugroße  Abweichungen  ohne  ersichtliche
Gründe  auftreten.
Die  Zahlen  der  Kostenberechnung  liefern  dem  Unternehmer
außerordentlich  wertvolles  statistisches  Material  für  die  Beurteilung
der  Ökonomie  seines  Betriebes;  sie  müssen  nur  untereinander  in
.  Beziehung  gebracht,  die  absoluten  Zahlen  müssen  in  Verhältniszahlen ­
  umgewandelt  werden.  Die  richtige  Deutung  dieser  Zahlen
setzt  allerdings  genaue  Kenntnis  des  Betriebes  und  der  Einzelheiten
des  Fabrikationsprozesses  voraus.  Dem  einen  Unternehmer  zeigt
die  Kostenberechnung,  daß  der  Betrieb  oder  die  Fabrikationsmethode,
d.  h.  also  der  Produktionsprozeß  besser  oder  billiger  zu  organisieren
ist  und  organisiert  werden  kann,  um  die  Produktionskosten  zu  verringern; ­
  sie  zeigt  ihm,  welcher  Fabrikationszweig  gewinnbringend
ist,  mehr  oder  weniger  forciert  oder  erweitert  werden  kann,  welcher
Artikel  unrentabel  oder  verlustbringend  ist,  so  daß  seine  Erzeugung
eingeschränkt  werden  muß.  Dem  anderen  wird  der  Nachweis  geliefert, ­
  daß  nur  durch  Organisation  des  Verkaufes,  durch  Vergrößerung ­
  des  Umsatzes  die  Ertragsfähigkeit  seines  Betriebes  erhöht
werden  kann,  daß  die  Reklamekosten  und  die  Provision  erhöht
werden  müssen,  um  den  Umsatz  zu  steigern  u.  a.  m.
Das  Kostenwesen  ermöglicht  auch  die  Beurteilung  der  Qualität
und  der  Intensität  der  Arbeit  durch  Vergleichung  der  Leistungen;
denn  der  Arbeitslohn  an  sich  ist  nur  der  Geldwert  der  Arbeit,
das  Äquivalent  für  die  Leistungen.
Trotz  der  Bedeutung  und  der  Vorteile  einer  ordnungsmäßigen, ­
  fortlaufenden  Selbstkostenberechnung  kalkulieren  einzelne
Unternehmer  überhaupt  nicht.  Die  Scheu  vor  Neueinrichtungen
und  deren  Kosten,  unzweckmäßige  Organisation  der  Buchführung,
große  Rentabilität  des  Unternehmens,  geringe  Konkurrenz  und
manches  andere  halten  den  Unternehmer  von  der  Einführung  einer
genauen  Kostenrechnung  ab.  Solche  Produzenten  verschaffen  sich
die  Preislisten  der  Konkurrenten  und  bestimmen  danach  die  Verkaufspreise ­
  in  der  stillen  Hoffnung  zu  gewinnen.  Sie  überwälzen
die  Mühe  der  genauen  Kostenermittelung  auf  die  Konkurrenz.  Am
Ende  des  Jahres  werden  Gewinn  und  Umsatz  ermittelt.  Ein  derartiges
Verfahren  wäre  nur  bedingungsweise  richtig:  wenn  alle  Betriebe
derselben  Gattung  unter  den  gleichen  wirtschaftlichen  und  technischen ­
  Verhältnissen  produzieren  würden.  Und  selbst  in  diesem
Falle  ist  die  Ungewißheit  über  die  wirklichen  Selbstkosten  der
        <pb n="33" />
        25

eigenen  Fabrikate  sehr  bedenklich;  denn  der  Unternehmer  kann
Viele  Fragen,  die  sich  ihm  in  Beziehung  auf  seinen  Betrieb  ohne
weiteres  aufdrängen,  entweder  gar  nicht  oder  doch  nur  sehr  unzuverlässig ­
  beantworten.  Vielfach  wird  in  syndizierten  Industrien
nicht  kalkuliert;  die  führenden  Mitglieder  des  Syndikats  kennen  die
Selbstkosten  ihrer  Fabrikate,  können  also  den  Verkaufspreis  danach
bestimmen.  Die  übrigen  Unternehmer  sind  mit  der  Preis-Fixierung
einverstanden,  verkaufen  danach  ohne  zu  wissen,  wieviel  sie  das
Fabrikat  kostet.  Die  Syndizierung  gleichartiger  Industrien  hindert
vielfach  die  Entwickelung  der  Selbstkostenberechnung;  da  die  Verkaufspreise ­
  normiert  sind,  so  können  die  Mitglieder  die  Ergebnisse
der  Selbstkostenberechnung  als  Grundlage  für  Bemessung  des  Verkaufspreises ­
  praktisch  nicht  verwerten  —  und  sparen  die  Ausgaben
für  eine  ihrer  Meinung  nach  unproduktive  Organisation.
Solange  eine  Unternehmung  ohne  oder  ohne  nennenswerten
Wettbewerb  arbeitet,  vielleicht  ein  Produktions-Monopol  besitzt,
solange  überreiche  Jahresgewinne  erzielt  werden,  mag  eine  oberflächliche ­
  Kostenberechnung  aus  den  Jahressummen  ausreichend
erscheinen.  Wenn  aber  der  preisausgleichende  Wettbewerb  eintritt,
oder  der  Absatz  und  die  Hochkonjunktur  zurückgehen,  dann  wird
eine  solche  Unternehmung  sehr  häufig  mit  Verlust  abschließen,
obwohl  sie  nicht  schlechter  als  früher  arbeitet  und  mit  den  Verkaufspreisen ­
  zufrieden  ist.  Dann  stellt  sich  bei  genauer  Nachforschung ­
  heraus,  daß  einzelne  Artikel  schon  zur  Zeit  der  Hochkonjunktur ­
  mit  großen  Verlusten  verkauft  wurden,  daß  ihr  Verkaufspreis ­
  zwei-  oder  dreimal  so  hoch  hätte  sein  sollen,  als  er  tatsächlich
war,  ohne  daß  der  Unternehmer  davon  Kenntnis  hatte.  Nun  treten
diese  Verluste  in  den  Vordergrund;  sie  werden  infolge  der  billigeren
Verkaufspreise  der  übrigen  Fabrikate  nicht  mehr  gedeckt.  Häufig
ist  es  zu  spät,  genauer  zu  kalkulieren.  Es  wurden  zu.  teure,  zu
große  Betriebseinrichtungen  angeschafft,  deren  Produktionsfähigkeit
nicht  ausgenutzt  werden  kann.  Der  Absatz  läßt  sich  nicht  vergrößern, ­
  kurz  das  Geschäft  ist  finanziell  ruiniert.  Viele  den  wirtschaftlichen ­
  Organismus  schädigende  Erscheinungen  würden  sich
vermeiden  lassen,  wenn  mehr  als  bisher  kalkuliert  würde:  mangelhafte ­
  Fabrikate,  finanzielle  Katastrophen,  Preisschleuderungen  usw.
Die  Selbstkostenberechnung  wird  in  kartellierten  Industrien  und
in  solchen,  deren  Verkaufspreise  vom  Markt  und  dem  Wettbewerb
abhängig  sind,  sich  somit  nicht  ausschließlich  oder  vorwiegend
nach  den  kalkulierten  Selbstkosten  richten,  mehr  der  Kontrolle  des
inneren  Betriebes,  der  Selbstkritik  dienen.  Sie  wird  einer  solchen
Unternehmung  angeben,  wie  lange  sie  bei  den  herrschenden  Preisen
mitbieten  kann,  wann  sie  aufhören  muß  zu  produzieren,  ob  die  vom
        <pb n="34" />
        26

Syndikat,  zugewiesene  Menge  genügt,  die  Kosten  zu  decken  und  Gewinn ­
  zu  erzielen  u.  a.  m.
Für  Geschäftsbetriebe  mit  geringer  Konkurrenz  oder  einem
Produktionsmonopol  bildet  die  Selbstkostenberechnung  gleichzeitig
die  Grundlage  für  die  Bestimmung  des  Verkaufspreises.
Wir  halten  einen  Industriellen,  der  nicht  kalkuliert, ­
  ebenso  strafbar,  wie  einen  Kaufmann,  der
durch  Aufwand  übermäßige  Summen  verbraucht  hat
oder  schuldig  geworden  ist 1 ).  Da  eine  sachlich  richtige
Kalkulation  nur  auf  Grund  einer  detaillierten  Kostenbuchführung
möglich  ist,  so  ist  ein  Unternehmer,  der  sie  unterläßt,  wie  ein
Kaufmann  strafbar,  der  seine  Handelsbücher  nicht  vollständig  geführt ­
  hat.
Manche  Unternehmer  begnügen  sich  damit,  Normal-Zahlen
für  den'  Verbrauch  festzustellen.  Nützlichkeit  und  Zweck  dieses
Verfahrens  werden  illusorisch,  wenn  der  tatsächliche  Aufwand  nicht
fortgesetzt  kontrolliert  wird;  dann  fehlt  die  zweite  Größe,  die  mit
der  ersten  verglichen  werden  soll  (§§  40,  62).
Wie  wir  schon  früher  andeuteten,  ist  das  noch  heute  geübte
Verfahren,  ohne  Rücksicht  auf  seine  eigenen  Betriebsverhältnisse,
einfach  billiger  als  die  Mitbewerber  zu  verkaufen,  ganz  verwerflich.
Diese  können  veranlaßt  sein,  zu  Schleuderpreisen  zu  verkaufen,  um ;
einen  Mitbewerber  wirtschaftlich  zu  ruinieren,  ihn  aus  dem  Konkurrenzkampf ­
  auszuschalten.  Bei  mangelhafter  Kalkulation  wird  es
längere  Zeit  brauchen,  bis  diese  Absicht  erkannt  wird.  Das  Unterlassen ­
  der  Kostenberechnung  bringt  in  die  ganze  Unternehmung
einen  Zug  von  Unsolidität;  einige  Artikel  werden  zu  teuer,  ändere
z  u  b  i  11  i  g  verkauft.  Die  Betriebe  derselben  Branche  arbeiten  unter
ganz  verschiedenen  wirtschaftlichen  und  technischen  Verhältnissen  2 ).
Der  eine  Unternehmer  arbeitet  mit  eigenem  Kapital  auf  einem
schuldenfreien  Anwesen,  ihm  stehen  billigere  Arbeitskräfte  (z.  B.
bei  günstiger  örtlicher  Lage  des  Betriebes),  billige  Betriebskräfte
(Anschluß  an  Elektrizitätswerke,  Wasserkräfte),  die  neuesten  Arbeitsmaschinen ­
  zur  Verfügung  bei  verhältnismäßig  geringer  Steuerleistung. ­
  Er  hat  ein  großes  Absatzgebiet  in  der  Nähe  der  Industriezentren, ­
  ein  kaufkräftiges,  zahlungssicheres  Publikum,  hat  auch
Gelegenheit  zu  billigem  Ankauf  des  Rohmaterials  in  der  Nähe  der
Verkaufsorte.  Er  ist  in  der  Lage,  die  Marktverhältnisse  aus  eigener
’)  Vgl.  §  240  Ziff.  1  der  Konkursordnung.  Ein  Aufwand  kann  in  übermäßigen ­
  Ausgaben  für  an  sich  berechtigte  Zwecke  gefunden  werden.  Übermäßige ­
  Ausgaben  für  1  geschäftliche  Zwecke  können  Strafbarkeit  begründen.
(P  et  er  sen-Kl  ein  fei  ln  er,  Konkursordnung,  etc.,  4.  Aufl.,  Lahr  1900;  S.  704.)
0  Vgl.  Reiser,  Die  Betriebs-  und  Warenkalkulation  für  Textilstoffe.
Leipzig  1903.  S.  124.  Weber,  Uber  den  Standort  der  Industrien.  Teil  I.
Tübingen  1909.
        <pb n="35" />
        27

Anschauung  kennen  zu  lernen  und  sich  ihnen  anzupassen.  Er
vertreibt  seine  Fabrikate  unmittelbar  an  die  Konsumenten  (z.  B.
als  Versandgeschäft),  errichtet  Fabrikniederlagen  in  den  wichtigsten
Verbrauchsorten;  ein  Teil  der  Umarbeitung  oder  gar  der  Erzeugung ­
  der  Rohstoffe  wird  im  eigenen  Betriebe  besorgt.  Dieser  Unternehmer ­
  kauft  im  großen  ein  gegen  Barzahlung,  daher  billiger;  er
verfügt  über  technisches  Wissen  und  ist  deshalb  nicht  ausschließlich
vom  guten  Willen  oder  dem  Können  fremder  Leute  abhängig.
Ein  anderer  Betrieb  derselben  Branche  ist  wesentlich  ungünstiger
gestellt.  Das  Unternehmen  arbeitet  mit  fremdem  Geld,  infolgedessen
wird  ein  Teil  des  Betriebserfolges  auf  Zinsen  verbraucht,
die  bei  geringer  Kreditfähigkeit  höher  sein  werden.  Der  Betrieb
liegt  in  der  Stadt,  daher  teure  Arbeitskräfte,  in  ungünstiger
Verkehrslage,  daher  teure  Transportkosten x ).  Die  Betriebskraft  ist
wesentlich  teurer;  der  Verkauf  erfolgt  durch  Kommissionäre,
Reisende,  infolgedessen  hohe  Verkaufsspesen;  unter  dem  Druck  der
Konkurrenz  müssen  längere  Kreditfristen  insbesondere  durch  Teilzahlungen ­
  in  längeren  Terminen  bewilligt  werden,  was  Verluste
zur  Folge  hat;  vielfach  sind  Unternehmungen  zu  groß  und  zu
teuer  gegründet,  was  erhöhte  Selbstkosten  bedingt.  Kurz,  die  Einzelbetriebe ­
  sind  in  finanzieller  und  technischer  Beziehung  durchaus
verschieden.  Jede  Unternehmung  hat,  betriebswirtschaftlich  betrachtet, ­
  ein  eigenes  individuelles  Leben.  Das  sind  Gründe  genug,
die  jeden  Unternehmer  veranlassen  sollten,  selbst  zu  kalkulieren
und  nicht  nach  den  Preisen  der  Konkurrenz  zu  verkaufen.
Ist  der  Verkaufspreis  so  gering,  daß  er  keinen  Gewinn  übrig
läßt  und  ist  wegen  des  Wettbewerbs  eine  Besserung  nicht  zu  erwarten,
so  muß  eben  versucht  werden,  die  Herstellungskosten  zu  verringern
durch  billigeren  Einkauf  des  Materials,  technische  Verbesserungen,
bessere  Organisation  des  Verkaufes  und  des  Betriebes,  Herabdrücken
der  allgemeinen  Kosten  usf.  Auch  dies  ist  vielfach  nur  möglich
an  der  Hand  einer  zuverlässigen  Selbstkostenberechnung.  Wie  wenig,
und  wie  falsch  kalkuliert  wird,  dafür  bilden  die  sonderbaren
Submissionsblüten *  2 )  einen  Beweis  für  viele  andere.  Die
')  So  rechnete  man  in  Rheinland-Westfalen  28—30°/o  der  Gestehungskosten
des  Roheisens  auf  Fracht,  in  England  (Cleveland)  hingegen  nur  8—10°/o.
2 )  1908  wurden  bei  der  Vergebung  der  Bauarbeiten  für  einen  3,5  km  langen
Tunnel  zwischen  Schlüchtern  und  Flieden  (Bahnstrecke  Frankfurt—Bebra)  von
einer  Firma  14,9  Mill.,  von  einer  anderen  4,385  Mill.  Mark  gefordert.  Zwar
sind  gerade  im  Tiefbau  die  unvorhergesehenen  Ereignisse  sehr  zahlreich  (Witterung, ­
  Gesteinsart  u.  a.  m.)  und  ein  exakter  Kostenvoranschlag  schwer  möglich.
Doch  ist  der  Unterschied  von  10  */*  Mill.  Mark  doch  zu  groß,  um  durch  diese
Umstände  gerechtfertigt  zu  sein.  Über  andere  Submissionsergebnisse  (50  Beispiele) ­
  berichtet  Haeder,  Die  Preisbildung  in  der  Maschinenindustrie.  Wiesbaden ­
  1911.  (Heidelberger  Diss.)
        <pb n="36" />
        28

Preisunterschiede  zwischen  dem  höchsten  und  niedrigsten  Angebot
sind  in  der  Regel  zu  bedeutend,  um  sie  nur  durch  die  (Verschiedenheit
der  betriebstechnischen  und  -wirtschaftlichen  Verhältnisse  der  Beteiligten ­
  zu  rechtfertigen.  Wenn  auch  einzelne  solcher  Blüten  der
Sucht  nach  Reklame,  andere  wieder  dem  Streben  nach  Vermehrung
der  Arbeitsintensität  des  Unternehmens  entspringen,,  zumeist  finden
sie  ihre  Begründung  in  der  Unfähigkeit,  ein  verwickeltes  schwierigeres ­
  Angebot  richtig  zu  berechnen.  Viele  Unternehmer  kalkulieren
nach  alten,  traditionellen,  nunmehr  falschen
Formeln,  die  nicht  der  eigenen  Denkarbeit  entsprungen  sind,
und  ohne  sie  auf  ihreRichtigkeit  kritisch  zu  prüfen.  Während
man  der  Weiterentwicklung  des  technischen  Prozesses  alle  Sorgfalt
widmet,  berechnet  man  die  Kosten  nach  dem  alten  Rezept.  Mag
sein,  daß  die  Arbeitsüberhäufung  und  die  gesteigerten  Anforderungen ­
  an  seine  wissenschaftliche  Weiterbildung  den  Betriebsleiter
hindern,  der  Kostenberechnung  größere  Aufmerksamkeit  zu  schenken,
oder,  daß  man  diese  Arbeit  als  ein  notwendiges  Übel  technisch  und
kaufmännisch  unzülänglich  vorgebildeten  Hilfsbeamten  überläßt,  oder
daß  man  auf  Fehler  nicht  aufmerksam  gemacht  wird,  kurz,  die
Tatsache  ist  nicht  zu  leugnen,  daß  die  Kalkulationssysteme  einzelner,
wenn  nicht  vieler  Betriebe  durchaus  nicht  der  Höhe  ihrer  technischen ­
  Entwicklung  entsprechen.
Vor  einer  Übertreibung  ist  zu  warnen;  wenn  ein  Unternehmen
mit  Verlust  arbeitet,  so  darf  nicht  alle  Schuld  den  Mängeln  der
Kostenverrechnung  zugerechnet  werden.  Geringe  Leistungsfähigkeit,
Mangel  an  Ökonomie  und  vieles  andere  werden  mitschuldig  sein.
Häufig  arbeiten  junge  Unternehmungen  mit  Verlust,  da  die  notwendigen ­
  Betriebserfahrungen  fehlen.

Preispolitik.
§  9.  Wir  erwähnten,  daß  die  Kostenberechnung  die  Grundlagen ­
  für  die  Kalkulation  des  Verkaufspreises  liefert.  Dieser  berücksichtigt ­
  die  allgemeinen  und  die  besonderen  Verkaufskosten,
z.  B.  Handlungskosten,  Zinsenverluste,  Preisnachlässe,  Provisionen
usw.  Die  Verkaufskalkulation  gibt  somit  an,  welchen  Verkaufspreis
das  Produkt  auf  Grund  der  Kostenberechnung  haben  müßte.  Die
Formel  hierfür  ist:
V  (Verkaufspreis)  =r  Herstellungskosten  -J-  Verkaufsunkosten
=  Selbstkosten  -f--j-
  Gewinnaufschlag.
        <pb n="37" />
        29

In  dieser  Formel  stehen  V,  und  der  Gewinnaufschlag *  1 )  bei
gleichen  Selbstkosten  in  einem  direkten  proportionalen  Yerhältnisse:
Je  höher  der  Verkaufspreis,  desto  größer  der  Gewinn.  Da  sich
der  Verkaufs-  als  Marktpreis  im  allgemeinen  nach  Angebot  und
Nachfrage  richtet,  so  sind  V  und  Gewinn  variable  Größen.  Syndikate
beeinflussen  den  Verkaufspreis  in  der  Regel  günstig.  Im  Angebot
kommen  zum  Ausdruck  Selbstkosten,  Verkaufsdringlichkeit,
Vorratsmenge,  Möglichkeit  anderweitigen  Absatzes  (Konkurrenz  der
Käufer);  die  Nachfrage  richtet  sich  nach  der  Größe  des  Bedürfnisses,-Kaufdringlichkeit,
  Zahlungsfähigkeit  des  Käufers,  Möglichkeit  anderweitiger ­
  Beschaffung  (Konkurrenz  der  Verkäufer).
Die  Beobachtung  der  erwähnten  wirtschaftlichen  Preisbestimmungs
  -  Momente  ist  Sache  der  Preispolitik.  Die  Selbstkosten-Kalkulation
  hat  die  Aufgabe,  die  „Selbstkosten“  des
Verkäufers  zu  berechnen,  d.  h.  die  Summe  aller  unmittelbaren  und
mittelbaren  Aufwendungen  mit  erreichbarer  Genauigkeit  zu  bestimmen, ­
  die  die  Erzeugung  und  der  Absatz  eines  Produktes  verursachten. ­
  Wird  auch  der  Verkaufspreis  kalkuliert,  einschließlich
des  Gewinnaufschlages,  so  kann  es  sich  um  ein  Produktionsmonopol,
einen  patentierten  Artikel  handeln,  dessen  Verkaufspreis  sich  noch
nicht  nach  der  Konkurrenz  der  Verkäufer  richten  muß,  oder  um
einen  Voranschlag,  oder  schließlich  um  die  Ermittelung  eines  „theoretischen“ ­
  Verkaufspreises,  eines  Hoffnungswertes.  Aber  stets
werden  bei  der  Festsetzung  des  Verkaufspreises  preispolitische
Momente  mitsprechen.  Die  Preiskalkulation  ist  eine  Kosten’) ­
  Analyse  der  Gewinne  einer  Produktionsunternehmung:
1.  Fabrikationsgewinn  durch  Steigerung  des  Marktwertes  der  Erzeugnisse ­
  infolge  der  Bearbeitung  des  Roh-  oder  Zwischenproduktes  mit  Einschluß ­
  des  Gewinnzuschlages  auf  den  Verkaufspreis  des  Betriebsstoffes.
Reingewinn  ist  der  Unterschied  zwischen  Selbstkosten  und  Verkaufserlös.
2.  Materialpreisgewinne,  d.  i.  der  Unterschied  zwischen  Einkaufskosten
und  dem  angerechneten  Verkaufspreis  der  Rohstoffe,  wenn  der  Tagespreis
höher  ist  als  der  selbstbezahlte  Einkaufspreis.  Hierher  zählen  auch  die
spekulativen  Bedarfsdeckungen  in  der  Form  der  börsenmäßigen  Termingeschäfte. ­

3.  Lieferungsprämien,  d.  s.  Preiszuschläge  für  Belieferung  in  bestimmten
Mengen  bzw.  über  eine  Mindestmenge  hinaus.
4.  „Stille“  Gewinne  im  Unterschied  zwischen  aufgerechneten  und  verausgabten ­
  Unkosten.
5.  Ersparnisgewinne  durch  Ausschaltung  von  Zwischengliedern:  Selbstverarbeitung ­
  der  Nebenprodukte,  Selbstverwertung  der  Abfälle,  Selbsterzeugung ­
  der  Betriebsstoffe  und  Selbstverbrauch  der  Vor-  und  Zwischen-.
  produkte  im  Wege  der  Betriebsvereinigung,  Selbstverkauf  der  Fabrikate.
5.  Anorganische  Gewinne,  wie  Finanzierungs-  und  Beteiligungsgewinne
an  industriellen  Unternehmungen.
7.  Handelsgewinne,  wenn  neben  der  Erzeugung  auch  Handel  mit  Industrieprodukten ­
  getrieben  wird.
        <pb n="38" />
        30

berechnung  mit  Rücksicht  auf  alle  den  erreichbaren  Verkaufspreis
bestimmenden  Einflüsse.  Z.  B.  Zuschlag  eines  „Preisnachlaß-Aufschlages“,
  wenn  das  Abhandeln  zu  den  Gewohnheiten  des  Käufers
gehört  (Käufersitte).
a)  Der  Gewinnaufschlag  bei  Bestimmung  der  Verkaufsmöglichkeit ­
  eines  patentierten  Artikels,  bei  dem  also  das  Angebot  nur
von  einer  Seite  erfolgt,  wird  höher  sein  als  der  Aufschlag  auf  ein
auch  von  Mitbewerbern  erzeugtes  Fabrikat.  Der  zukünftige  Gang
des  Preises  eines  solchen  Artikels  läßt  sich  nur  annähernd  und
mit  einer  gewissen  Wahrscheinlichkeit  im  voraus  berechnen.  Von
Einfluß  werden  sein:  Absatzminimum  mit  Rücksicht  auf  die  Produktionskosten; ­
  Größe  des  zukünftigen  Marktes;  Zahlungsfähigkeit
der  zukünftigen  Abnehmer;  Befriedigung  eines  vorhandenen  Bedürfnisses ­
  oder  die  Möglichkeit,  durch  Erzeugung  des  betreffenden
Artikels  ein  Bedürfnis  künstlich  hervorzurufen;  Bedarfsmenge;  die
Kosten  der  Neuanlagen  und  der  bisherigen  Versuche;  der  Kaufpreis
einer  dem  Unternehmer  überlassenen  Erfindung,  usw.  Ein  unverhältnismäßig ­
  hoher  Gewinnaufschlag  kann  zur  Ablehnung  des
Artikels  seitens  des  kaufenden  Publikums  führen.  Oft  wird  bei  verhältnismäßig ­
  niedrigen  Preisen  der  höchste  Gewinn  erzielt  (z.  B.
bei  Konsumartikel);  der  große  Umsatz  liefert  dann  bei  kleinerem
Nutzen  das  Maximum  des  erreichbaren  Gewinnes.  Gegen  das  Ende
der  Patentdauer  wird  man  mit  den  Preisen  heruntergehen;  einerseits
weil  infolge  der  Verbesserung  der  Betriebseinrichtungen  billiger
produziert  werden  kann,  andererseits  will  man  einen  Massenkonsum
erzielen;  bis  andere  Betriebe  eingerichtet  sind,  Erfahrungen  sammeln
und  ebenso  billig  produzieren  können,  hat  das  erste  Unternehmen
einen  schwer  einzuholenden  Vorsprung.
ß)  Die  Preispolitik  hat  auch  die  Verkaufsmöglichkeit  bei  einem
im  voraus  vom  Käufer  bestimmten  Preis  (Verdingung,  Anfrage)
zu  ermitteln.  In  diesem  Falle  kann  nur  eine  genaue  Selbstkostenberechnung ­
  angeben,  ob  das  angebotene  Geschäft  zum  angegebenen
Preis  übernommen  werden  kann  oder  nicht.  Viele  Betriebe  erzeugen
Artikel,  die  trotz  soi’gfältiger  Kostenberechnung  mit  Verlust 1 )  verkauft ­
  werden  müssen,  ohne  daß  die  Einstellung  der  Fabrikation,
teils  aus  technischen  Gründen,  vielfach  wegen  kaufmännischer
Überlegung  zweckmäßig  erscheint.  Solche  Verluste  müssen  durch
vermehrten  Umsatz  in  anderen  Artikeln  wieder  hereingebracht
werden.  Sie  entstehen  häufig  dadurch,  daß  man  nicht  alle  einem
Produkt  rechnungsmäßig  zukommenden  Unkosten  (Verkaufs-  oder
Verwaltungsspesen)  auf  den  Kosten  preis  des  Produktes  schlagen
’)  Aktienfabriken  reservieren  mitunter  einen  Teil  des  Reingewinnes,  um
solche  unvermeidliche,  Verlust  bringende  Geschäfte  für  das  Betriebsjahr  unwirksam ­
  zu  machen.
        <pb n="39" />
        31

kann x ),  um  gegenüber  den  Mitbewerbern  noch  einen  „Marge“  zü
haben.  Eben  deshalb  muß  ein  geordnetes  Selbstkostenwesen  vorhanden ­
  sein,  damit  zum  mindestens  nichts  an  Material,  Lohnkosten
und  Betriebsspesen  verloren  wird  (§  30).
In  einzelnen  Fabriken  wird  schon  bei  der  Verteilung  der  allgemeinen ­
  Spesen  (Unkostenverrechnung)  auf  die  schlechte  wirtschaftliche ­
  Lage  einzelner  Betriebsabteilungen  Rücksicht  genommen:
Sogenannte  „kranke  Betriebe“,  die  an  sich  schon  mit  Verlust
F.rbeiten,  werden  mit  geringeren  Beträgen  belastet,  während  anderen
Betrieben  eben  höhere  Anteile  zugerechnet  werden.  Diese  Verrechnungsweise ­
  muß  zu  einer  Trübung  des  kalkulatorischen  Bildes
führen,  vermengt  Kostenrechnung  und  Preispolitik  und  kann  im
Interesse  einer  klaren  Selbstkostenermittelung  nicht  empfohlen
werden.  Ein  nicht  rentierender  Betrieb  kann  nicht  ohne  weiteres
aufgegeben  werden.  Man  wird  versuchen,  ihn  zu  halten  in  der  Erwartung ­
  besserer  Zeiten.  So  führte  der  Geschäftsbericht  einer
sächsischen  Maschinenfabrik  aus,  „daß,  um  die  Beamten  und  Arbeiter
halten  zu  können,  die  Gesellschaft  ausländische  Aufträge  zu  Verlustpreisen ­
  übernehmen  mußte,  daß  die  Konkurrenz  im  Dampfmaschinenbau ­
  so  stark  wurde,  daß  nur  verdienstlose  Aufträge  erlangt  werden
konnten.  Im  Werkzeugmaschinenbau  waren,  da  alle  Werkzeugmaschinenfabriken ­
  Mangel  an  Beschäftigung  hatten,  die  Preise  stark
gedrückt,  so  daß  trotz  des  erheblich  größeren  Umsatzes  mit  Verlust ­
  gearbeitet  wurde“.  Die  in  anderen  Abteilungen  erzielten  Gewinne ­
  sollen  die  Betriebsverluste  und  die  Abschreibungen  decken.
Daß  auch  verdienstlose  Aufträge  angenommen  oder  schlecht
rentierende  Artikel  erzeugt  werden  müssen,  ist  vielfach  ein  Gebot ­
  der  Geschäftspolitik.  Durch  die  Einstellung  eines  Betriebes  geht
immer  Kundschaft  verloren,  die  auch  gewinnbringende  Artikel
kaufte.  Andererseits  decken  solche  Aufträge  wenigstens  die  Kosten,
Denn  es  gibt  konstante  Ausgaben,  die  im  Fälle  der  nicht  ausreichenden
Beschäftigung  eines  Betriebes  mit  um  so  größeren  Anteilen  den
übrigen  Betrieben  zur  Last  fallen,  d.  h.  dadurch  die  Produktion
allgemein  verteuern.  Aus  dem  gleichen  Grunde  füllt  man  geschäftslose ­
  Zeiten  mit  der  Erzeugung  von  Lagerartikeln  aus,  selbst  wenn
diese  später  mit  Verlust  abgestoßen  werden  müssen.  Solche  Verluste ­
  sind  häufig  geringer,  als  jene,  die  durch  die  Reduktion  oder
die  Einstellung  des  Betriebes  entstehen.
Viele  Unternehmer  berücksichtigen  in  ihrer  Kalkulationsformel
auch  Zinsen  auf  das  Anlagekapital  und  die  Materialbestände,  andere
überdies  die  Lagerzinsen  bzw.  Zinsen  Verluste  bis  zum  Verkauf  des

l )  So  werden  z.  B.  sogenannte  Luxusspesen  industrieller  Großbetriebe
(Kosten  der  Wohlfabrtseinrichtungen)  häufig  nicht  in  den  Kostenpreis  eingerechnet.
        <pb n="40" />
        32  —

Produktes.  In  solchen  Fällen  können  Aufträge,  die  sich  gegenüber
dem  Kalkulationspreis  als  verdienstlos  darstellen,  immerhin  übernommen ­
  werden;  denn  in  diesem  Preis  steckt  ein  indirekter  Nutzen:
die  Verzinsung  des  eigenen  Kapitals.
y)  Ähnlich  liegt  der  Fall,  wenn  gegenüber  der  Konkurrenz  das
mögliche  Minimum  des  Verkaufspreises  zu  bestimmen  ist.  Hier
wird  ein  umsichtig  organisiertes  Kostenwesen  die  Möglichkeit  bieten,
zu  ermitteln,  wie  weit  der  Unternehmer  mit  seinem  Angebot  heruntergehen ­
  darf  —  wie  lange  er  ,,mitlaufen“  kann  —  ohne  Schaden  zu
erleiden.
b)  Es  gibt  Fälle,  in  welchen  die  Preise  mehrerer  Güter  in
einem  gegenseitigen  Abhängigkeitsverhältnis  oder  doch  in  einem
solchen  Zusammenhang  stehen,  daß  die  Preisbildung  des  einen  durch
die  des  anderen  unmittelbar  beeinflußt  wird  (Zusammenhängende
Preise) 1 ).  Solche  Fälle  sind:
a)  Zusammenhängende  Produktion  mehrerer  Güter.  Z.  B.  Bei  der  Einzelproduktion ­
  ergeben  sich  neben  dem  Hauptprodukt,  auf  das  das  Ziel  der  Produktion ­
  gerichtet  ist,  Nebenprodukte  (Teile  der  Rohstoffe  oder  Reste  des  Verarbeitungsprozesses). ­

b)  "Verschiedene  Produktionen  werden  durch  die  Einheit  des  Unternehmens
zusammengehalten:  die  Betriebe  hängen  technisch  vielfach  untereinander  zusammen; ­
  zwar  werden  die  Kosten  der  verschiedenen  Produktionsabteilungen  gesondert ­
  verrechnet,  doch  ist  die  Rentabilität  des  Unternehmens  nicht  von  der
günstigen  Preisgestaltung  in  jedem  Produktionszweig  abhängig.
c)  Verschiedene  Unternehmen  mit  selbständiger  Produktion  werden  durch
die  Einheit  des  Vermögens  zusammengehalten:  Es  besteht  zwar  kein  sachlicher
Zusammenhang  zwischen  den  Einzelproduktionen,  aber  sie  werden  von  einem
Eigentümer  geleitet.  Die  Preise  der  Produkte  haben  zunächst  die  Kosten  der
eigenen  Produktion  zu  decken.
Gemeinsam  diesen  Fällen  ist,  daß  der  Preis  des  einzelnen  Produktes  überhaupt ­
  nicht  der  Ausdruck  seiner  Produktionskosten  sein  kann,  weil  die  Produktionskosten ­
  nur  für  die  Gesamtheit  aller  Güter  festgestellt  werden  können.  Oder  es
wird  ein  Produktionskostenpreis  zwar  gefunden,  der  für  die  Wirtschaftsführung
und  die  Möglichkeit  der  Fortführung  insofern  keine  Rolle  spielt,  als  er  durch
die  Preisentwicklung  anderer  Produkte  ausgeglichen  werden  kann.  Infolgedessen ­
  kann  bei  der  Produktion  innerhalb  des  gleichen  Unternehmens  und  Vermögens ­
  andauernd  unter  den  Produktionskosten  verkauft  werden,  wenn  die
damit  zusammenhängenden  Produktionen  hinreichend  Gewinn  abwerfen,  um  den
Gesamterfolg  der  Wirtschaftsführung  rentabel  zu  machen.
Die  technischen  und  wirtschaftlichen  Vorteile  einer  Betriebsvereinigung ­
 2 )  (Fälle  b  und  c)  kommen  unzweifelhaft  in  den  verminderten ­
  Selbstkosten  der  Produktion  zum  Ausdruck:  Geringere

*)  Vgl.  Philippovich,  Grundriß  der  politischen  Ökonomie.  Tübingen
1913,  I.  Bd.,  S.  274.  Wagner,  Die  gemischten  Werke  der  Großeisenindustrie.
Berlin  1912,  S.  156  f.,  218  f.
*)  Vgl.  Hey  mann,  Die  gemischten  Werke  im  deutschen  Großeisengewerbe.
Berlin  1904,  S.  211  ff.
        <pb n="41" />
        Löitner,  Selbtkostöubereehnung  7,  Auf].

33

Anlage-  und  Betriebskosten  für  notwendige  Nebenbetriebe,  die  allen
Betrieben  gemeinsam  dienen  (Gas-  und  Wasserwerke,  Eisenbahnen);
Wegfall  der  Zwischenfraeht,  der  Vergütung  an  Zwischenhändler;
Ersparnis  durch  Verarbeitung  der  Nebenprodukte  im  eigenen  Betriebe, ­
  Verwertung  der  Hochofengase.  Die  Vorteile  der  Vereinigung
verschiedener  Produktionsstufen  in  einer  Unternehmung  —  z.  B.
in  der  Montanindustrie:  Gruben  und  Hochofen,  Hochofen  und  Stahlwerk, ­
  Walzwerk  und  Maschinenfabrik,  von  denen  der  eine  Betrieb
das  Material  liefert,  der  andere  es  verarbeitet  —  treten  um  so  stärker
in  Erscheinung,  wenn  die  verschiedenen  Betriebe  auch  örtlich  konzentriert ­
  sind.
e)  Von  der  unter  ß  erwähnten  Politik  der  Unkosten  Verteilung
ist  die  Politik  der  Schaffung  von  Kostenreserven  zu
unterscheiden,  mit  denen  Unternehmungen  mit  stark  schwankenden
Betriebsergebnissen  bzw.  Betriebsunkosten  oder  mit  einem  ungenauen
System  der  Kostenberechnung  zu  arbeiten  pflegen.  Es  wird  beispielsweise ­
  bei  Preisangeboten  auf  Grund  einer  Vorkalkulation  das  Rohgewicht ­
  des  Werkstoff  Verbrauchs  höher  veranschlagt  (Material  -
k  ostenreserve);  oder  die  Zentral  Verwaltung  bestimmt,  daß  für
das  Jahr  1920  mit  250%  Unkosten  zu  kalkulieren  ist,  während  die
wirklichen  Unkosten  nur  bis  200%'  betragen.  Wenn  eine  finanziell
gut  fundierte  Unternehmung  trotz  bilanzmäßig  vollständig  abgeschriebener ­
  Anlagewerte  in  die  Unkostenberechnung  die  normalen
Abschreibungen  auf  diese  Produktionsanlagen  einrechnet,  schafft
sie  sich  durch  dieses  für,  die  Dauer  der  Produktionsfähigkeit  der
Anlagen  durchaus  zu  rechtfertigendes  Verfahren  eine  stille  Unkostenreserve, ­
  die  sie  in  den  Stand  setzt,  unter  Umständen
beim  Preis  entgegenzukommen.  Wir  haben  eine  Unternehmung
kennen  gelernt,  die  durch  Einrechnung  der  stillen  Abschreibungen
auf  die  Anlagewerte  und  die  Lagerbestände,  der  sozialen  Lasten  wie
Spenden,  Pensionskassendotierung  und  anderer  „Unkosten“  in  die
Kosten  des  folgenden  Geschäftsjahres  den  Unkostenzuschlag  von
160  o/o'  auf  370%  hinaufsetzte,  und  bei  diesem  Unkostensatz  dank
ihrer  vorzüglichen  technischen  Einrichtungen  immer  noch  konkurrenzfähig ­
  blieb.  Falls  eine  Fabrik  gewohnheitsmäßig  mit  6  o/o
Ausschuß  kalkuliert,  obgleich  sie  tatsächlich  zwischen  3—5%  Ausschuß ­
  hat,  liegt  in  dem  Unterschied  wiederum  eine  Gewinn-  bzw.
Kostenreserve.  Bekannt  sind  auch  die  Ausbeutereserven  in
der  chemischen  Großindustrie,  die  sich  ein  Betriebsleiter  durch  Angabe ­
  ungünstigerer  Ausbeutezahlen  schaffen  kann,  eine  Reserve,  aus
der  er  ohne  Kenntnis  der  Zentralverwaltung  gelegentliche  ungünstigere ­
  Betriebsergebnisse,  z.  B.  Fehlchargen  in  der  Farbenindustrie ­
  deckt  oder  besser  gesagt:  verschleiert.
        <pb n="42" />
        Lieferpreis  195,—  Mk.  das  Stück.

Die  Organisation  der  Selbstkostenberechnung.
§  10.  I.  Das  Selbstkostenwesen  eines  industriellen  Betriebes
hat  sich  nach  zwei  Richtungen  hin  zu  betätigen.  Zunächst  sind
die  Gesamtkosten  der  Unternehmung  und  ihrer  Werkbetriebe  zu  ermitteln ­
  sowie  auf  die  einzelnen  Unter  betriebe  und  Werkstätten  zu
verteilen.  Diese  Summen  werden  in  mehr  oder  weniger  spezifizierte
Teilbeträge,  d.  h.  in  Unkostengruppen  zergliedert.  Je  weiter  diese
Unterteilung  geht,  desto  besser  können  die  Ökonomie  des  Betriebes
und  die  Schwankungen  innerhalb  einer  Betriebsperiode  beurteilt
werden.  Wir  bezeichnen  dieses  Teilgebiet  —  Berechnung,  Zergliederung ­
  und  Verteilung  der  Kosten  in  ihrer  Gesamtheit  —  als
Betriebskalkulation  oder  Kostenverrechnung.
Sie  hat  brauchbare  Grundlagen  zur  Lösung  der  zweiten  Teilaufgabe ­
  zu  liefern:  zur  Kalkulation  des  Produktes.  Die  Kalkulation
der  Selbstkosten  eines  Fabrikates  erfolgt  in  jedem  Unternehmen
nach  einer  mehr  oder  weniger  spezialisierten,  feststehenden  Formel,
deren  Hauptsummanden  die  folgenden  sind:  Materialwert,  Kosten
der  Arbeit  und  allgemeine  Unkosten.  Auf  die  Einzelheiten  wird
später  ausführlich  einzugehen  sein.
Das  Selbstkosten  wesen  eines  industriellen  Betriebes ­
  umfaßt  somit  Kostenberechnung  des  Gesamtbetriebes, ­
  der  Teilbetriebe  und  die  Kalkulation ­
  der  Einzelfabrikate.
II.  Ein  gut  organisiertes  Kostenwesen  muß  sich  den  besonderen
Verhältnissen  des  Betriebes  anpassen.  Die  Kalkulation  ist
individuellwiedie  Unternehmungselbst.  Deshalb  läßt
        <pb n="43" />
        35

sich  kein  allgemein  gültiges  Schema  der  Kostenberechnung  und
der  Kalkulation  aufstellen.  Es  können  nur  die  Grundsätze  erörtert
werden,  die  bei  der  Organisation  maßgebend  sein  sollen.
Die  praktischen  Zwecke  der  Selbstkostenermittelung  lassen  sich
nur  dann  erreichen,  wenn  die  gestellten  Aufgaben  so  einfach  wie
möglich  und  in  kurz  begrenzter  Zeit  gelöst  werden.  Jede  Kalkulation
,  hat  mit  Fehlern  und  Unvollkommenheiten  zu  rechnen.  Je  weniger
Rechnungskontrolle  angewendet  wird,  desto  größer  werden  die  Wahrscheinlichkeit ­
  und  die  Zahl  der  Fehler.  Deshalb  hat  man  bei  der
Organisation  der  Kostenberechnung  zu  sorgen,  daß  die
Fehlerquellen  so  viel  wie  möglich  eingeschränkt  und  die  bestehen
bleibenden  Fehlergrenzen  in  ihrer  Bedeutung  für  das  Gesamtergebnis ­
  herabgedrückt  werden.
Je  einfacher,  klarer  und  übersichtlicher  das
Kostenwesen  organisiert  ist,  desto  besser  werden  die  unmittelbar
praktischen  Zwecke  und  die  Einzelaufgaben  erfüllt.  Die  Einfachheit ­
  ermöglicht  die  rasche  Aufdeckung  von  Unrichtigkeiten  in  der
Verrechnung,  die  Kontrolle  der  Eintragungen,  leichten  Ersatz  der
oder  des  Rechnungsbeamten  und  Berechnung  der  Kosten  eines  zu
erzeugenden  oder  in  Arbeit  befindlichen  Produktes.  Die  Kostenberechnung ­
  für  die  Einzelbetriebe  soll  möglichst  rasch  fertig  sein,
damit  Störungen  innerhalb  des  Betriebes,'  die  durch  Vergleichung
des  normalen  mit  dem  tatsächlichen  Verbrauch  ohne  weiteres  festzustellen ­
  sind,  dem  Betriebsleiter  sofort  zur  Kenntnis  gebracht  und
rechtzeitig  abgestellt  werden  können.
Die  Organisation  eines  zweckentsprechenden  Selbstkostenwesens
setzt  umfassende  Kenntnisse  des  Betriebes  nach  der  technischen
Seite  hin  und  planmäßige  Vorbereitung  voraus.  Sie  erfordert  genaues
Studium  der  in  der  Produktion  wirkenden  Teilursachen,  der  einzelnen
Arbeitsprozesse,  der  vorhandenen  Einrichtungen,  der  Arbeiten  des
inneren  Betriebes.  Die  planmäßige  Vorbereitung  wird  sich  vorerst
über  die  Wege  und  die  Grenzen  einer  richtigen  Lösung  der  gestellten
Aufgaben,  über  die  Beschaffung  der  Berechnungsgrundlagen  sowie
über  die  Zusammenstellung  des  Zahlenmaterials  klar  werden  müssen.
Man  versuche  zunächst  an  Vorhandenes  anzuknüpfen  und  erst
allmählich  die  Organisation  und  Verrechnung  auszubauen,  eine
Arbeit,  die  mitunter  Jahre  in  Anspruch  nehmen  wird.  Eine  plötzliche ­
  und  gänzliche  Veränderung  des  bisherigen  Verrechnungssystems ­
  wird  häufig  mit  Unzufriedenheit,  Verbitterung  und  Auflehnung ­
  der  von  der  Neuorganisation  betroffenen  Personen,  mit
groben  Fehlern  in  der  Verrechnung  verbunden  sein.  Notwendig
ist  die  Erziehung  des  Personals 1 ).  Jede  Neueinrichtung,  insoweit
‘)  Mit  gutem  Recht  betont  Meitzer  (Grundzüge  S.  84)  die  Bedeutung  der
Persönlichkeit  für  eine  brauchbare  Selbstkostenberechnung,  das  Psychose ­
        <pb n="44" />
        36  —

sie  dem  Arbeiter  zum  Bewußtsein  komlmt,  begegnet  Mißtrauen;
denn  jeder  Arbeiter  glaubt  zunächst,  daß  es  der  Zweck  der  Neuorganisation ­
  sei,  seinen  Lohn-  oder  Gewinnanteil  zu  kürzen,  und
darin  sind  Arbeiter  bekanntlich  am  empfindlichsten.  Die  Werkmeister
fürchten  eine  Vermehrung  der  Schreibarbeit,  und  die  Betriebsleiter
schließlich  —  ihrer  Meinung  nach  sind  ihre  Betriebe  stets  zu
hoch  mit  Unkosten  belastet  —  befürchten  eine  weitere  Belastung.
Bei  der  Aufzeichnung  eines  Aufwandes,  der  dem  Arbeiter  überlassen
bleiben  muß,  z.  B.  Eintragung  der  auf  eine  Arbeit  verwendeten
Zeit,  erleichtere  man  dem  Arbeiter  die  Schreib-  und  insbesondere
die  Yerstandesarbeit.  Je  mehr  Gedankenarbeit  man  ihm  zumutet,
mit  um  so  geringerer  Gewissenhaftigkeit  wird  die  Aufzeichnung
erfolgen;  man  muß  eben  den  Arbeiter  nehmen  wie  er  ist  und  nicht
wie  er  sein  soll.
Der  Ausbau  soll  planmäßig  und  stets  im  Einvernehmen  mit
dem  Betriebsleiter  erfolgen.  Der  Organisator  wird  zunächst  die
Faktoren  der  Yerrechnung  im  einzelnen  bestimmen,  vorerst  die
Hauptbetriebe,  dann  die  Nebenbetriebe,  zuerst  die  Hauptarbeiten,
dann  die  Nebenarbeiten  allmählich  genauer  verrechnen.  Es  kann
infolge  wirtschaftlicher  Erwägungen  wünschenswert  erscheinen,  die
Kosten  einer  Betriebsabteilung  genauer  zu  zergliedern,  diejenigen
einer  anderen  Abteilung  weniger  zu  spezialisieren.  Selbst  gut  ausgebaute
  Yerrechnungssystame  bedürfen  mitunter  einer  vorübergehenden ­
  oder  dauernden  Erweiterung  und  Änderung,  die  einer  veränderten ­
  Sachlage  und  neuen  Anforderungen  an  die  Kalkulation
entsprechen.
Die  Organisation  der  Werkstätte  muß  Hand  in  Hand  mit  der
Organisation  des  Kostenwesens  gehen;  der  Werkmeister  hat  die
erforderlichen  Grundlagen  für  das  Yerrechnungssystem  zu  liefern.
Man  versuche,  zunächst  ihn  für  eine  Neueinrichtung  zu  interessieren;
man  wird  seine  Ratschläge  hören,  seine  Sachkenntnis  verwerten
und  die  Hauptsachen  der  Verrechnung  mit  ihm  besprechen.  Schließlich ­
  ist  er  derjenige,  der  neben  dem  Kalkulationsbureau  am  meisten
in  Mitleidenschaft  gezogen  wird.
Unerläßlich  ist  es  bei  der  Organisation  (oder  Kritik)  eines
Verrechnungssystems,  zu  prüfen,  ob  die  mit  den  primären  Aufzeichnungen ­
  betrauten  Personen  den  angegebenen  Weisungen  entsprechend ­
  handeln,  ob  diese  Personen  auch  befähigt  sind,  die  Aufzeichnungen ­
  und  Beobachtungen  mit  hinreichender  Genauigkeit  zu
machen.

logische  (Trägheitsmoment,  Uninteressiertheit  u.  ä.)  Vgl.  auch  Moral,  Revision ­
  und  Reorganisation.  Berlin  1911.
        <pb n="45" />
        37  —

Die  Organisation  des  Magazindienstes  (richtige  örtliche  Lagerung
der  Materialien,  innerer  Verwaltung  und  Verrechnung)  und  der
Lohn  Verrechnung  sind  unerläßlich.  Die  Intervalle,  in  denen  die
Kostenberechnungen  abgeschlossen  werden,  müssen  so  gewählt  sein,
daß  die  Ergebnisse  der  Rechnung  zu  Vergleichszwecken  sich  eignen.
III.  Die  Kostenberechnung,  d.  h.  die  Betriebskalkulation  hat
eine  Darstellungsform  der  Ergebnisse  zu  wählen,  die  das
gesamte  Zahlenmaterial  übersichtlich  vorführt  und  die  eine  Kontrolle ­
  durch  hinreichend  Sachkundige  möglich  macht.  Es  sind  zwei.
Formen  möglich,  die  tabellarische  und  die  graphische.
a)  Die  tabellarische,  zumeist  angewendete  Form  bietet
die  kürzeste  Wiedergabe  der  Zahlen.  In  Unternehmungen  mit  Massenproduktion ­
  empfiehlt  es  sich,  außer  den  Angaben  der  Gesamtzahlen
die  Summen  auf  gleiche  Maßgrößen  —  Tonnen,  Meter,  Kilogramm,
Kubikmeter  —  oder  auf  Prozente  der  Gesamtaufwendungen  zu  beziehen ­
  und  diese  Reduktionszahlen  (Verkältniszahlen)  in  Parallelspalten ­
  dem  Schema  einzuverleiben.  Dadurch  wird  die  Beurteilung
des  Mehr  oder  Weniger  erleichtert.  (Siehe  Schema  S.  38  ff.)  Die
Unkostenspalten  oder  -gruppen  werden  addiert:  aus  ihren  Hauptsummen
  und  der  Gesamtproduktion  läßt  sich  der  Durchschnitt  auf
die  Maß-  oder  Verkaufseinheit  berechnen,  nach  der  die  Verhältniszahlen ­
  für  die  einzelnen  Unkostenteile  in  ihrer  Bedeutung  beurteilt
werden.  Keinesfalls  soll  man  die  erwähnten  Durchschnittszahlen
aus  den  Summen  der  Reduktionszahlen  berechnen.
Die  nachfolgende  Selbstkostentabelle  einer  großbetrieblichen ­
  Unternehmung  —  Stahlwerke  mit  örtlicher  Dezentralisation
der  Fabrikation  —  zeigt  die  Kostensteigerungen  der  einzelnen  Öfen
und  Betriebsstellen.

Martinstahl
Ofen

8  t

10  t

25  t

Bessemerstahl
Betriebsort

I

II

III

IV

Okt.  1916

126.95

103.65

142.17

155.-167.98



161.95

180.96

Dez.  1917

166.05

117.25

159.28

192.12

200.73

198.75

187.97

März  1918

188.25

130.15

177.25

212.85

216.95

218.-213.89



b)  Die  graphische  Darstellung  setzt  an  Stelle  der  Zahlen
ein  Größenbild,  das  den  Zahlen  verhältnismäßig  ist;  sie  erreicht
dadurch  eine  leichtere  Übersicht  und  eine  Vereinfachung  der  Beurteilung. ­
  Gewöhnlich  wird  die  Zahl  durch  die  Länge  eines  Striches
ausgedrückt;  und  zwar  werden  die  Striche  als  Ordinaten  auf  eine
        <pb n="46" />
        38

Schema  der  Selbstkostenberechnung  für  eine  Kohlenzeche
(Tiefbau).
Monatsrapport.

Förderung  pro  Monat

ab  Selbstverbrauck

19

netto

Zahl  der  Arbeiter  .  .  .
„  „  Arbeitstage  .  .
„  „  Förderschichten
Durchschnittsförderung:
pro  Fördertag  ....
„  Förderschicht  .  .  .
„  Hauerschioht  .  .  .
„  Arbeitsschicht.  .

&amp;lt;D
r Ö
a
O»
3
X

Bezeichnung  der  Arbeiten
und  Materialien

Summe
der
Kosten

Jl

Kosten
pro  Tonne
der  Netto-Förderung

•Ji

I.  Löhne  und  Gehälter: 1
a)  In  der  Grube:

1.
2.
2a.
3.
4.
5.
6.
7.
8.
9.
10.

Kohlengewinnung  (Kohlenhauer)
Gesteins-  und  Versuchsarbeiten
Querschläge  und  Schachtabteufen
Schachthauer
Anschläger  am  Schacht
Schlepper  und  Nachschieber
Bremser  und  Anschläger
Pferdebeförderung
Zimmerung  und  Reparatur  (Zimmerhauer)
Wetterführung
Aufsicht  in  der  Grube  (Steiger,  Fahrhauer)
Summe  a)

b)  Uber  Tage:

11.

12.
13.
14.
15.
16.
17.
18.
19.
20.
21.

Verladungs-  und  Platzarbeiten  (Tafelführer,
Abnehmer,  Schmierer,  Abschlepper,  Aufbereitung, ­
  Verlader  etc.)
Eisenbahn-  und  Wegeunterhaltung
Rangierarbeiten
Werkstätten  (Schmiede,  Schlosser,  Wagner)
Schachtförderung
Da a mpTke a sseT g  }  einschließlich  Reparaturen
Wettermaschine
Unterhaltung  der  Gebäude  (Maurer)
Aufsicht  über  Tage  (Schichtmeister,  Aufseher ­
  etc.)
Diverses  (Hilfsarbeiter,  Boten,  Kauen-  und
Lampenwärter  u.  a.)
Summe  b)  |
Summe  unter  a)  und  b)  |

l )  Lit.:  Zeitschrift  f.  handelsw.  Forschung.  6.  Jahrgang  (1911/12),  über
Löhnungstechnik  bei  Kohlenzechen  S.  120f.  S.  265  f.
        <pb n="47" />
        39

u
Ä
©
*Ü
fl
©

Bezeichnung  der  Arbeiten
und  Materialien

Summe
der
Kosten

Kosten
per  Tonne
der  Netto-Förderung


CÖ
A

Ji

4

Ji

II.  Materialien.

22.

Pferdebefördorung

23.

Grubenholz

24.

Baumaterialien

25.

W  asaer  verbrauch

26.

Grubenschwellenvorbrauch

27.

Grubenschienen

28.

Öle  und  Fette

29.

Sprengmaterialien

30.

Förderwagen

31.

Förderseilverbrauch

32.

Schmiedeeisen  und  Stahl

33.

Maschinenteile  und  Gußsachen

34.

Gezähe,  Werkzeuge

35.

Diverses

Summe  für  Materialien

III.  Allgemeine  Kosten.

36.

Knappschaftsbeiträge

37.

Berufsgenossenschaftsbeiträge

38.

Alters-,  u.  Invaliditäts-Versicherungs-Beiträge

39.

Bergwerkssteuer

40.

Allgemeine  Verwaltungssteuer

41.

Eisenbahn  (Versand,  angelieferte  Güter)

42.

Anleihe-Zinsen

43.

Bergschäden

44.

Abschreibung  auf  Grubenfelder

45.

Diverses  (Markscheiden,  Wohnungsentschädi-46.



gung  u.  ä.)
Allgemeine  Grubenunkosten

Summe  der  allgem.  Kosten

Summe  sämtlicher  Kosten

Abszissenlinie  aufgesetzt,  die  wechselnden  Längen  zu  größerer  Deutlichkeit ­
  durch  Querlinien  verbunden.  Diese  diagrammatische  Darstellung ­
  bildet  eine  Ergänzung  der  zahlenmäßigen;  sie  ist  in  amerikanischen ­
  Großbetrieben  nahezu  die  Regel.  Unentbehrlich  erscheint
sie  uns  für  die  fortlaufende  Kontrolle  der  Unkosten  eines  Unternehmens. ­

Ein  Beispiel  aus  der  Praxis  einer  Metallwarenfabrik  soll  diese
Form  veranschaulichen  (S.  40  u.  41).
Schaubild  (Diagramm)  und  Indexzahlen  zeigen,  daß  der  Umsatz
von  1903  auf  1906  um  mehr  als  das  Dreifache  gestiegen  ist,
während  die  Betriebs-  und  General-(Handlungs)kosten  sich  nur  wenig
verändert  haben.  Dem  gesteigerten  Umsatz  entspricht  die  Zunahme
        <pb n="48" />
        —  40

1905
        <pb n="49" />
        41

der  Selbstkosten,  die  aber  einen  jährlich  steigenden  Gewinn  übrig
lassen.  Unter  den  Selbstkosten  steigen  die  Rohstoffpreise  am
schnellsten.

I

.Indes

zahlen

II.

Proze

ntzahl

en

1903

1904

1905

1906

1903

1904

1905

1906

Umsatz  .  .  .

100

126,5

257,9

310,5

_

'

___

Selbstkosten  .  .

100

137,0

225,0

340,0

100,0

100,0

100,0

100,0

Rohstoffe  .  .  .

100

149,5

261,0

350,9

60,1

65,7

69,6

73,4

Arbeitslöhne.  .

100

126,5

218,9

250,5

19,5

17,9

18,9

17,0

Generalkosten  .

100

117,3

119,0

126,7

11,2

9,6

5,9

4,9

Betriebskosten  .

100

101,7

136,0

146,8

9,2

6,8

5,6

4,7

Die  Prozentzahlen,  —  d.  h.  die  auf  die  Summe  der  Selbstkosten ­
  bezogenen  Verhältniszahlen  der  einzelnen  Kosten  teile  —
bringen  die  tatsächlichen  Verhältnisse  des  Betriebes  noch  deutlicher«
zum  Ausdruck.  Es  ist  zu  erkennen,  daß  der  Anteil  des  Rohstoffwertes ­
  an  den  Selbstkosten  stetig  steigt,  die  allgemeinen  Kosten
stetig  sinken.
Die  Beobachtungsperiode  ist  zu  kurz,  um  ein  abschließendes
Urteil  zu  gestatten.  Die  Darstellung  hat  den  Zweck,  die  Vorzüge
der  Umwandlung  der  absoluten  Zahlen  einer  Kostenstatistik ­
  in  Verhältniszahlen  zu  beweisen 1 ).
IV.  Noch  einige  Worte  über  die  Systematik  der  Verrechnung. ­
  Man  kann  bei  der  Einrichtung  der  Selbstkostenberechnung ­
  im  wesentlichen  zwei  Methoden  wählen:
1.  Das  Rohmaterial,  das  den  Gegenstand  der  Bearbeitung  bildet,
wird  in  die  Selbstkostenberechnung  einbezogen.
2.  Oder  man  berechnet  nur  die  Kosten  der  Veredlung,  der
Fabrikation  im  engeren  Sinn  mit  Einschluß  der  Generalkosten.  Man
hat  dann  dem  Einkaufs-,  Markt-,  Grund-  oder  Verrechnungspreis  des
Rohstoffes  die  Herstellungskosten  zuzurechnen.  Diese  Methode  ist
anwendbar  in  Unternehmungen  mit  Massenproduktion  gleichförmiger
Waren,  deren  Rohstoffe  häufigen  Preisschwankungen  unterworfen
sind,  z.  B.  Kupferwalzwerken 2 ).
Ist  die  Gewinnung  eines  Rohstoffes  Selbstzweck  der  Unternehmung ­
  (z.  B.  Bergbau,  Ziegelei),  dann  sind  die  Kosten  der  Gewinnung ­
  identisch  mit  den  Selbstkosten;  Rohstoffkosten  kommen
nicht  in  Frage.

')  Vgl.  auch  Calmes,  Statistik,  S.  38  f.
2 )  Vgl.  das  Beispiel  S.  83.
        <pb n="50" />
        42

In  Betrieben,  die  den  Rohstoff  selbst  erzeugen  und  weiter  verarbeiten, ­
  sind  die  Kosten  der  Herstellung  oder  der  Gewinnung  von
jenen  der  Weiterverarbeitung  rechnerisch  zu  trennen.
,V.  Die  Kalkulation  eines  Fabrikates  in  Unternehmungen  knit
individuell  bestimmbaren  Erzeugnissen  kann*)  eine  Einzel-  oder
eine  Gesamtkalkulation  sein  (vgl.  auch  §  2).
Die  Einzelkalkulation  stellt  die  Selbstkosten  des  ganzen
Fabrikates  fest,  hält  jedoch  dessen  Einzelteile  rechnerisch  derart
auseinander,  daß  neben  dem  Gesamtpreis  des  Produktes  auch  der
Preis  eines  jeden  einzelnen  Teiles  oder  Stückes  ersichtlich  ist.  Es
werden  beispielsweise  alle  Teile  einer  zu  kalkulierenden  Dampfmaschine ­
  —  Grundplatte,  Anker,  Ankerplatten,  Dampfzylinder,
Zylinderkolben  usf.  —  aus  Stücklisten,  Zeichnungen  etc.,  so  zusammengestellt, ­
  daß  die  Gesamtkosten  eines  jeden  Maschinenteils
zu  ersehen  sind.  Diese  rechnerische  Auflösung  eines
Fabrikates  in  Einzelteile  hat  manche  Vorzüge:  Leichte
Berechnung  der  Ersatzstücke,  der  Änderungen  in  der  Ausführung
einzelner  Teile  usw.
Die  Gesamtkalkulation  hingegen  berechnet  nur  die  Gesamtkosten ­
  eines  Fabrikates,  ohne  eine  Übersicht  über  die  Herstellungskosten ­
  der  Einzelteile  oder  -arbeiten  zu  geben.  Material
und  Löhne  werden  so  wie  sie  verausgabt  sind,  fortlaufend  notiert,
nach  Kommissionsnummern  verteilt  und  schließlich  nach  Beendigung
der  Arbeit  zusammengezählt.
VI.  Unternehmungen,  die  die  Erzeugung  homogener  Massen
zum  Gegenstand  haben,  begnügen  sich  häufig,  in  der  Kostenaufstellung ­
  die  Ausgaben  planlos  aneinander  zu  reihen,  ohne  zweckmäßige ­
  systematische  Gliederung.  In  bergbaulichen  Betrieben
beispielsweise  findet  man  Kosten  der  Aufsicht,  Wetterführung,  des
Abbaues  usw.  im  bunten  Durch-  und  Untereinander.  Systematischer
ist  das  folgende  Schema,  das  die  Kosten  der  Produktion  trennt  in:
Löhne  in  der  Grube,  Löhne  über  Tag,  Materialien,  allgemeine  Unkosten ­
  (vgl.  S.  38/39).
Zweckmäßiger  ist  es,  die  Produktionskosten  so  zusammenzustellen, ­
  daß  die  Gesamtkosten  der  einzelnen  Arbeiten  Zu
ersehen  sind.  Das  hat  den  Vorzug,  daß  die  Rentabilität  und  die
Angemessenheit  einer  jeden  Einzelarbeit  beurteilt  werden  können;
nach  dem  oben  angeführten  Schema  ist  dies  vielfach  unmöglich.
Man  vergleiche  hingegen  das  Schema  Seite  43.
In  Betrieben,  deren  Produktionsarbeit  in  scharf  voneinander
geschiedene  Prozesse  zerfällt,  soll  der  Gesamtproduktionspro/eß
  auch  rechnerisch  in  seine  Einzelprozesse
*)  Nach  Bailewski,  Der  Fabrikbetrieb.  Berlin  1905,  S.  195  ff.
        <pb n="51" />
        Selbstkostenschema  einer  Kohlenzeche  (andere  Systematik).
Berechnung  für  Monat  19

Laufende  Nr.

*9
Bezeichnung

Anzahl
der
Schichten

Durchsclmittslohn

je  Schicht

Gesamtausgabe

Durchschnittliche  Selbstkosten

für
Arbeitslohn ­


für
Materialien ­


für
Verschiedenes ­


im
ganzen

für
Arbeitslohn ­

M

für
Materialien ­

M

für
Verschiedenes ­

M

im
ganzen
M

1.
2.
3.
4.
5.
6.
7.
8.
9.
10.
11.
12.
13.
14.
15.
16.
17.
18a.
18b.
19.
20.
21.
22.
23.
24.
25.

Kohlengewinnung
Gesteins-  und  Versucharbeiten
Füllortsbetrieb
Schlepper-  und  Bremsbergförderung
Grubenförderung  {*&amp;gt;  “?eU» g .
Unterhaltung  der  Förderwagen
Berieselung
Gruben-Zimmerung  und  Mauerung
Bahnlegen-  und  Bahnunterhaltung
Grubengeleneht
Wetterlosung
Aufsicht  unter  Tage
Verladungs-  und  Platzarbeiten
Rangierarbeiten
W  erkstättenbetrieb
Schachtförderung
Aufsicht  über  Tage
Beleuchtung  über  Tage
Verschiedenes
Wasserhaltung
Unterhaltung  der  Immobilien
,  (»)  Kraulten-,Pens.-und
Knappschafts-  1  Unterstützungskasse
Gefälle:  j  *&amp;gt;)  Invalidität«-  und
1  Alterskasse
Knappschafts-BerufsGenossenschaft
Gemeindesteuern
Staatssteuerh
V  er  waltungskosten

Im  ganzen

[■
        <pb n="52" />
        :

44

aufgelöst  werden.  Diese  Trennung  ist  auch  notwendig  für
die  Jahres-Inventur,  um  den  Wert  des  Lagers  und  der  in  einzelnen,
Fabrikationsstadien  sich  befindlichen  Produkte  aufnehmen  zu  können.
In  einigen  Industrien  findet  sich  Gelegenheit,  Halbfabrikate  verschiedener ­
  Arbeitsstadien  abzustoßen,  deren  Herstellungskosten  bekannt ­
  sein  müssen.  Z.  B.  in  einer  Bleischmelze  können  die
Kosten  (Löhne,  Material,  Kohlen,  Koks,  Reparaturen),  wie  folgt
verrechnet,  d.  h.  dargestellt  werden:  Aufnehmen;  Bleiarbeiten:  rösten,
schmelzen;  Saigern,  Bleiraffination;  Treiben;  Kupferarbeit:  rösten,
schmelzen,  Raffination;  Mühlen;  Laugerei;  Laboratorium;  Allgemeines. ­

Nähnadelfabrikation:  Richten,  Spitzen  schleifen  und
blankmachen,  stampfen,  stechen  des  Öhrs;  anreihen,  überbrechen
und  Kopfschleifen;  härten  und  ablassen;  scheuern  und  polieren;
suchen,  bläuen  und  sortieren;  einbriefen;  verpacken.  Vgl.  auch
„Elementenkalkulation“.

Methoden  der  Feststellung  der  Kosten.
§  11.  Die  Produktions-  und  Selbstkostenberechnung  bezweckt
die  Ermittelung  der  Verkaufspreise  auf  Grund  der  Selbstkosten  oder
der  unteren  Grenze  eines  Verkaufspreises,  die  Rentabilität  der  Einzelerzeugnisse ­
  und  die  Kontrolle  des  Innenbetriebs  der  Unternehmung.
Die  Organisation  der  Selbstkostenermittelung  erstreckt  sich  auf  die
Bestimmung  des  Zeitpunktes  der  Berechnung  (vgl.  S.  3),  die  Art
der  Feststellung,  das  Verhältnis  der  Kostenberechnung  zur  Buchführung ­
  und  zur  Statistik.
1.  Auf  die  Vor-,  Zwischen-  und  Nachkalkulation  wurde
bereits  verwiesen  (vgl.  S.  3).  Man  berechnet  danach  den  So  11-verbraueh
  auf  Grund  von  Einzelberechnungen,  Tabellen  *),  Erfahrungen, ­
  stellt  eine  Vorkalkulation  (z.  B.  Maschinenbau)  oder
Normalzahlen  für  die  Sollkosten  (z.  B.  Bergbau,  Hüttenwerke)
auf  und  vergleicht  damit  den  tatsächlichen,  den  Istverbrauch,  stellt
also  Aufwand  und  Leistungen  dem 1  geschätzten  bzw.  berechneten
Soll  gegenüber.
2.  Die  Selbstkosten  können  auf  zwei  grundsätzlich  verschiedenen
Wegen  ermittelt  werden:  Die  sogen,  technische  Methode  sucht
die  die  Selbstkosten  bestimmenden  Faktoren  während  eines  längeren
oder  kürzeren  Zeitraumes  durch  Beobachtungen,  technische  Messungen ­
  und  Berechnungen  im  Anschluß  an  den  Betrieb  zu  ermitteln.

‘)  Uber  Kalkulationstafeln  vgl.  Schlesinger  in  der  „WerkstatlSfehnik“,
1910,  S.  129;  Tabellen  für  die  Textilindustrie  bei  Rexroth  in  der  Zeitschr.  f.
handelsw.  Forsch.,  III.  Jahr.,  S.  553f.;  Winkler,  Eisengießerei,  S.  51  ff.;
Lilienthal,  a.  a.  0.  S.  121  ff.
        <pb n="53" />
        45

Selbstkosten  und  Leistungen  innerhalb  der  Beobachtungsdauer  werden
aufgezeichnet  und  danach  die  Selbstkosten  einer  Leistungseinheit
berechnet.  Beispiele  hierfür  sind  die  auf  Versuchen  fußenden  theoretischen ­
  Berechnungen  der  Kosten  einer  Kilowattstunde,  des  Dampfverbrauches ­
  und  seiner  Kosten  für  eine  Pferdestärke-Stunde,  die
Kosten  der  Tagesleistung  des  Fuhrwerkes,  Ermittelung  des  Akkordsatzes ­
  und  des  Materialverbrauches  auf  Grund  von  Formeln  u.  ä.
Besonderen  Wert  besitzt  diese  Methode  für  die  Gewinnung  von
Vergleichszahlen,  sei  es,  daß  ähnliche  Berechnungen  des  eigenen
Betriebes  oder  anderer  Unternehmungen  vorliegen,  sei  es  als  Kontrolle ­
  der  zweiten  Methode.
3.  Die  kaufmännische  Methode  berechnet  die  Selbstkosten ­
  der  Erzeugnisse  oder  der  Leistungseinheit  auf  Grund  des
in  Büchern  und  Formularen  aufgezeichneten  Gesamtaufwandes  und
der  Gesamtleistungen  für  das  Ende  eines  Monates,  des  Jahres  oder
eines  kürzeren  Zeitraumes.  Das  vorliegende  Buch  bedient  sich  vornehmlich ­
  dieser  Methode.
4.  Costkeepingisnotbookkeeping,  Buchführung  und
Selbstkostenermittelung  sind  nicht  dasselbe.  In  ihrem  beiderseitigen
Verhältnis  lassen  sich  gewisse  Typen  feststellen 1 ).  In  Fabriken
mit  Produktion  von  Massenartikeln  (Zement,  Walzmühlen,  teilweise
in  der  chemischen  Industrie)  wird  die  kaufmännische  Geschäftsbuchführung ­
  so  ausgebaut  und  vervollständigt,  daß  sie  den  kalkulatorischen ­
  Zwecken  unmittelbar  dienstbar  wird.  Die  kaufmännische
und  die  Kostenbuchführung  sind  vereinigt,  eine  Organisation,  die
für  Fabriken  mit  komplizierter  Produktionstechnik  unvorteilhaft
erscheint:  Die  große  Zahl  der  Konten  macht  die  Buchführung
unübersichtlich,  es  sind  wiederholte  Umbuchungen  erforderlich,
einige  Kosten  bleiben  unverteilt  etc.  Zweckmäßiger  ist  die  Abtrennung ­
  einer  technischen  oder  Betriebs-  oder  Kostenbuchführung,
d.  h.  die  Verselbständigung  des  Kostennachweises,  die  dann  häufig
in  eine  Lager-  und  Materialbuchführung,  Lohnbuchführung/Unkostenbuchführung ­
  etc.  zerlegt  wird.  Die  Betriebsbuchführung  gliedert
und  zerlegt  den  Kostenaufwand  nach  Bedarf,  während  die  kaufmännische ­
  Buchführung  nur  die  Endsummen  des  Verbrauches  kontenbzw.
  buchmäßig  zusammenfaßt 2 ).  Die  Verselbständigung  der  Kosten-.
’)  Ausführlicher  Schmalenbach,  Technik  der  Produktionskostenermittelung. ­
  In  seiner  Zeitschrift,  3.  Jahrg.  S.  14  f.
In  dem  vorliegenden  Buche  wird  die  Selbstkostenberechnung  als  „Ding  an
sich“  behandelt;  die  Unterlagen,  also  auch  die  Buchhaltung,  sind  nur  gelegentlich ­
  und  veranschaulichend  horangezogen  worden.
s )  Lilienthal,  a.  a.  0.,  S.  24  f.,  40,  157  ff.  berichtet  über  ein  besonders
geartetes  System.  Die  Betriebsbuchführung  weist  ein  vollständiges  in  sich  geschlossenes ­
  Kontensystem  auf,  die  Kosten  werden  nach  den  Grundsätzen  der
        <pb n="54" />
        46

buchführung  erfordert  die,Schaffung  brauchbarer  Formulare  und
Betriebsbücher,  die  mit  einem  Mindestmaß  von  Schreibarbeit
sicher,  schnell  und  einfach  die  Unterlagen  abgeben,  die  zur  Beantwortung ­
  aller  wichtigen  Fragen  des  Haushalts  einer  Unternehmung
notwendig  sind.  Diese  Aufzeichnungen  umfassen  nicht  nur  den
Geldwert  der  Leistungen  und  des  Verbrauchs,  sondern  auch  das
Wichtigste  über  den  Verlauf  des  Erzeugungsprozesses,  über  die
Leistungen  nach  Menge,  Zeit  und  Ort,  so  daß  eine  Prüfung  der
Angemessenheit  des  Verhältnisses  zwischen  Arbeitsleistung,  Arbeitszeit ­
  und  Lohn  sowie  die  Aufdeckung  arbeitstechnischer  oder  betriebsökonomischer ­
  Fehler  möglich  wird.  In  den  letzten  Jahren  sind
zahlreiche  Publikationen  über  die  Selbstkostenberechnung  einzelner
Unternehmungen  erschienen  (vgl.  Literaturangaben  am  Schluß  dieses
Buches),  monographische  Darstellungen,  die  mit  Recht  großen  Wert
auf  die  Darstellung  von  Formularen  legen,  häufig  nur  Sammlungen
solcher  Vordrucke  darstellen.  Da  diese  Monographien  stets  nur  die
besonderen  Betriebsverhältnisse  der  beschriebenen  Fabrik  berücksichtigen, ­
  so  wird  eine  einfache  Übertragung  der  in  Vorschlag  gebrachten ­
  Vordrucke  auf  den  eigenen  Betrieb  des  Lesers  nicht  ohne
weiteres  angängig  sein.  Wir  verzichten  deshalb  auf  eine  Darstellung
solcher  Formulare.
5.  Der  Statistik 1 )  sind  besondere  Aufgaben  zugewiesen.
Sie  soll  Vorgänge  produktionstechnischer  und  wirtschaftlicher  Art
zahlenmäßig  erfassen,  die  Buchführung  und  die  Kostenberechnung
in  solchen  Einzelheiten  ergänzen,  die  aus  diesen  beiden  Teilen  der
Rechnungsführung  nicht  unmittelbar  oder  nicht  in  der  gewünschten
Zusammenstellung  ersichtlich  sind.  Die  Statistik  insbesondere  großbetrieblicher ­
  Unternehmungen  dient  der  allgemeinen  Kontrolle,
ermöglicht  ein  tieferes  Eindringen  in  die  zahlenmäßig  erkennbaren
Wirkungen  und  Ursachen  und  bildet  dergestalt  eine  wertvolle  Hilfe
der  Fabrikleitung  und  der  Organisation.  Gegenstand  statistischer
Aufzeichnungen  sind  beispielsweise:  Die  Aufteilung  der  Lohnsumme
in  Stunden-  und  Akkordlöhne,  nach  männlichen,  weiblichen  und
jugendlichen  Arbeitern,  nach  Beruf  und  Betrieben,  Berechnung  des
durchschnittlichen  Stundenlohns,  Aufzeichnungen  und  Arbeitsleistungen, ­
  Beschäftigungsgrad,  Bestellungen,  Lagereinkaufs-  und  Verkaufspreise, ­
  Absatzmenge  u.  dgl.  m. 2 ).
doppelten  Buchführung  verrechnet.  Die  für  den  Jahresabschluß  notwendige
Verbindung  zwischen  Geschäfts-  und  Betriebsbuchhaltung  wird  durch  gemeinsame ­
  Konten  hergestellt:  Konto  des  Betriebes,  Konto  der  Zentrale.
')  Lilienthal,  a.  a.  0.,  S.  192  f.  Calmes,  Die  Statistik  in  Fabrik-  und
Warenhandelsbetrieben.  Leipzig  1911  ff.;  Leitner,  Die  Kontrolle  in  kaufm.
Unternehmungen,  Frankfurt  a.  M.,  1920,  S.  116—193.
2 )  Wegen  der  Bedeutung  der  Persönlichkeit  für  den  Erfolg  einer  geordneten ­
  Selbstkostenberechnung  vgl.  Meitzer,  Grundzüge,  S.  24.  Hier  ist
        <pb n="55" />
        47

6.  Die  jährlichen  Schlußbilanzen 1 )  (Vermögensbilanz,
Gewinn-  und  Yerlustrechnung)  geben  häufig  auch  einem  Fernstehenden ­
  wertvollen  Einblick  in  die  ökonomischen  Verhältnisse
der  Unternehmung  und  Anhaltspunkte  für  die  Kostenberechnung.
Wir  lassen  hier  einige  Beispiele  folgen:

1.  Beispiel.
Bilanzrechnung  einer  Metallwarenfabrik.
Lagerbestände  aus  dem  Bilanzjahr  ....  Mk.  74220,—
Versand  der  Fertigware  (abzüglich  Frachten,
Provisionen]  591447,91
Produktion  Mk.  665  667,91  =  100%
Rohmaterialien  und  Fracht  .  Mk.  401368,19  (=73,3°/o  ==  60,3  %
Arbeitslöhne  „  92  753,17  (=  16,9  °/o  £  J  =  14,0  °/o
Betriebs  Unkosten  „  25  753,68  (=  4,8  %  “  3  =  3,9  %
Handlungsunkosten  ....  „  27  523,61  (=  5,1%  •§’*  =  4,1%

Selbstkosten  Mk.  547  398,65  =  82,3%

Fabrikationsgewinn  Mk.  118  269,26  =17,7%

Arbeitslöhne  und  Betriebskosten  verhalten  sich  wie  93:26,  rund
100:30,  Handlungs-  und  Herstellungskosten  (Mk.  519  875,04)  wie
28:520,  rund  54:1000.  Die  Betriebsunkosten  werden  gedeckt  durch
einen  Aufschlag  von  30o/o  auf  den  Arbeitslohn,  die  Handlungsunkosten ­
  durch  5,5o/o  Zuschlag  zum  Herstellungspreis  (oder  30%,
zum  Lohn).  Mit  100  Mark  Verkaufserlös  werden  Löhne  und  Betriebskosten ­
  (17,9)  und  Gewinn  (17,7)  ungefähr  zu  gleichen  Teilen
bezahlt;  auf  100  Mk.  Lohn  entfallen  etwa  127,—  Unternehmereinkommen. ­

Der  wichtigste  Rentabilitätsfaktor  dieser  Unternehmung  liegt
im  Einkauf  der  Rohstoffe;  ca.  75%/  der  Selbstkosten  entfallen  auf
die  Rohstoffkosten.

2.  Beispiel.
Bilanzrechnung  der  Verkaufsstelle  einer
Tapetenfabrik.
1.  Verkaufserlös,  Habenseite  des
Tapetenkontos  .  Mk.  64938,75
Linoleumkontos  „  12176,02
Mk.  77114,77  =  100%
noch  zu  erinnern,  daß  die  Kritik  der  Selbstkostenberechnung  einer  Unternehmung
auf  die  geschichtliche  Entwicklung  der  Unternehmung  Rücksicht  zu
nehmen  hat,  auf  die  örtliche  Lage  und  den  Umfang  des  Werkes,  den  Aufbau
der  Unternehmung,  kurz  auf  alle  individuellen  Verhältnisse  des  Betriebes.
‘)  Über  die  Verwertung  der  monatlichen  Probebilanzen  vgl.  den  VI.  Abschnitt, ­
  §  63.
        <pb n="56" />
        48

2.  Kosten:
a)  Ausgaben:
Agenten  Mk.  1  372,19
Gehälter,  Löhne,  Zinsen,  Generalia  „  14  564,06
Provisionen  „  1628,11
Mk.  17  564,36=  23%
b)  Verluste:
Abschreibungen  Mk.  870,06
Verluste  an  Forderungen  ....  „  196,65
,  1066,71  =  1,3%

3.  Einkaufswert  der  verkauften  Waren:
Tapeten-Konto  Soll  (einschließlich
Anfangsbestand)  Mk.  58  655,48
Linoleum-Konto  Soll  (einschließlich
Anfangsbestand)  »  13  074,20
Mk.  71  729,68
Ab  Schlußbestand  „  31  605,39  „  40  124,29  =  52%
Reingewinn  Mk.  18  359,41  =  23,7%

Berechnungen:
1 : .  Die  Umsätze  von  Täpeten  und  Linoleum  verhalten  sich  etwa
wie  5:1.
2.  Die  Kosten  betragen  24,3o/o’,  rund  25°/o  vom  Umsatz  oder
46  1 / 2  %  vom  Einkaufswert.
3.  Der  Gewinn  =  23,7  o/o  vom  Erlös  oder  32o/o'  der  Selbstkosten ­
  (Einkauf  und  Kosten),  d.  h.  mit  Mk.  100,—  Barausgabe  deckt
der  Käufer  (24,3-j-52)  =  76,3  Mk.  Selbstkosten.
4.  Die  Umsatzdauer  beträgt:  Verkaufs  wert  des  duchschnittlichen
  Lagerbestandes  angenommen  mit  Mk.  28  000;  Umsatz:  28  000
—  2,75,  d.  h.  der  Lagerbestand  wird  etwa  3  mal  umgeschlagen.
Umschlagsdauer  (365:2,75)  133  Tage.  Anstatt  die  Verkaufswerte  zu
dividieren,  könnte  man  auch  den  Einkaufswert  des  Umsatzes  durch
den  Einkaufswert  des  durchschnittlichen  (Jahres-,  Monatsdurchschnitt) ­
  Lagerbestandes  teilen.

3.  Beispiel  (Seite  49—53).
Berechnung  der  Selbstkosten  auf  Grund  einer
Gewinn  -  und  Verlust-Rechnung  (Brauerei J )).
Vormerkungen:
Die  Vermögensbilanz  wurde  als  unerheblich  weggelassen.
Die  Aktiva  gliedern  sich  wie  folgt:
‘)  Literatur:  Schaer,  Der  Kaufmann  in  der  Brauerei.  Zürich  1905.
Pohl-Taussing,  Brauerei-Buchhaltung.  2.  Aufl.  Leipzig  1901.
        <pb n="57" />
        49

a)  Feste  Kapitalien  für  die  Produktion
Mk.  1937  092,88  =  41,20/0  der  Bilanzsumme  oder  Mk.  18,55
pro  hl  der  Produktion.
b)  Feste  Kapitalien  für  den  Absatz  (Wirtschaftshäuser,  Niederlagen, ­
  Geräte,  Fässer,  aktive  Hypotheken  und  Darlehen)
Mk.  455  645,54  =  9,7  o/o  oder  Mk.  4,53  das  hl  des  Absatzes.
c)  Betriebskapitalien:
Flüssige  Mittel  Mk.  471135,38  =  10  o/o  J  49,1%
Vorräte  „  480  877,44  =  10,2%  &amp;lt;  der
Forderungen  „  1360  564,95  =  28,90/0]  '  Bilanzsumme.
Rechnet  man  auf  das  Anlagekapital  5%  Zinsen  und  5%
Amortisation  im  Durchschnitt,  so  bedeutet  dies:
Anlagekapital  a  mit  Mk.  18,55  belastet  die  Produktionskosten)
bereits  mit  (10°/o)  Mk.  1,855  das  hl,  während  das  Anlagekapital
b  (Mk.  4,53)  die  Absatzkosten  erhöht  um  Mk.  0,453  das  hl.
Diese  konstanten  Kosten  vermehren  oder  vermindern  sich
für  die  Einheit  mit  abnehmender  oder  zunehmender  Größe  der
Leistung:  ein  wichtiger  Faktor  für  die  kritische  Vergleichung
mehrerer  Unternehmungen  in  wirtschaftlicher  Hinsicht.
Die  Schulden  setzen  sieh  wie  folgt  zusammen:
a)  Langfristige,  feste  Schulden
Hypotheken  auf  Brauereianwesen  Mk.  145  671,43
„  „  Wirtschaftshäuser  „  132  800,—
(Anleiheschulden  nicht  vorhanden)  Mk.  278  471,43
ß)  Kurzfristige,  laufende  Schulden
Kreditoren  und  Akzepte  (nicht  vorhanden).
Auf  1  hl  der  Produktion  entfallen  (Mk.  145  671:104  500  =)
Mk.  1,39  Schulden  zu  5%  =  Mk.  0,0695  Zinsenlast.
Auf  1  hl  des  Absatzes  kommen  (Mk.  132  800:100  450  =)  Mk.  1,32
zu  5%  =  Mk.  0,066  Schuldzinsen;  diese  werden  teilweise  vermindert ­
  durch  Zinseneinnahmen  aus  aktiven  Darlehen.  —
Die  eigenen  Mittel  des  Unternehmens  ohne  Reingewinn  belaufen
sich  auf  Mk.  3  899  838,—,  d.  h.  Mk.  37  das  hl  der  Produktion  bei
einem  Reingewinn  von  Mk.  4,80  das  hl  =  12,86%  des  verantwortlichen ­
  Kapitals.
I.  Ermittelung  der  Produktionskosten:

Allgemeine  Kosten:  Kohlen  Mk.  58  590,29
Eis  einbringen,  V*  dient  der  Erzeugung  .  .  .  „  22  880,25
Fourage  zur  Herbeischaffung  der  Brauerei-Bedarfsmaterialien
  1 /s  der  Ausgaben  „  17  004,36
Pech  und  Harz  „  1  398,60
Übertrag:  Mk.  99  873,50
Leftner,  Selbatkoatenberechnnng.  7.  Anfl.  4
        <pb n="58" />
        50

Vortrag:  Mk.  99  873.70
Beleuchtung  „  6  729,44
Betriebskosten  „  80  278,89
Brausteuer,  Anteil  an  Grundsteuer  ,,  100  000,—
Löhne  der  Brauer,  Anteil  der  Schmiede  ...  „  200000,—
Unterhaltung,  Reparaturen:  Brauerei  ....  „  31925,—
Vs  Fuhrpark  .  .  .  ,,  5138,39
Mälzereimiete  „  6  820,—
Abschreibungen:  Brauerei  16  028,40
Abschreibungen:  Maschinen  „  13  388,87
Eis-  und  Kälteerzeugungsanlagen  .  .  .  .  „  9  065,89
Lagerfässer  „  10  753,52
Vs  Fuhrpark  „  3  652,07
Geräte  „  10169,86
Kraft-,  Lichtanlagen  .........  ^  4  982,18
Mk.  598  806,01
Malz  238  533,02
Hopfen  „  87  395;33
Gerste  „  295  330.65
Summe  der  Produktionskosten:  Mk.  1  220  065,01
II.  Ermittelung  der  Kosten  des  Vertriebes:
Handlungskosten  Mk.  163  013,79
V»  Eiseinbringungskosten,  an  Kundschaft  kostenlos ­
  abgegebenes  Eis  „  22  880,26
Löhne  für  den  Absatz  (Bierführer  etc.)  .  .  .  .  „  4  751,20
Einkommensteuer  und  andere  „  29148,65
Unterhaltungskosten:  Wirtschaftshäuser  ....  „  5492,20
Fuhrpark  1  Gespanndienst  .  .  .  .  „  10  276,79
2 /s  Fouragekosten  J  für  den  Ausstoß  ....  „  34008,72
Abschreibungen:
Wirtschaftshäuser  .  „  2  955,17
Bierniederlagen  467,54
Transportfässer,  Flaschen  „  6  980,77
2 / 3  Fuhrpark  „  7  304,15
Eisenbahnwaggons,  Gleisanschluß  „  2178,13
Wirtschaftsgeräte  (Leihinventar  bei  der  Kundschaft)  „  58  247,42
Summe  der  Vertriebskosten:  Mk.  357  704,79
Überdies  könnten  in  Frage  kommen:
Verluste  an  Forderungen,  Anteil  an  Beleuchtung,
Frachten  auf  Bier  und  Retourfrachten  u.  a.
        <pb n="59" />
        4*

51

Herstellungskosten  .  .
-r  Treber,  Malzkeime
Absatzkosten  .  .  .  .
-f-  Zinsen,  Mieten  .  .

III.  Zusammenstellung:
.  Mk.  1  220  065,01  vom  Erlös:  pro  hl
.  „  74103,58  Mk.  1  145  961,43  =  60,50%  Mk.  10,97

.  Mk.  357  704,79
.  ,  47  704,57

310000,22  =  16,35%

3,09

Selbstkosten  Mk.  1  455  961,65  =  76,85  V 0  Mk.  14,06
Erlös  für  100  450  hl  „  1894  878,48=  100%  „  18,86
Gewinn  .  .  .

Mk.

438  916,81  =  23,15%  Mk.  4,80
55  000,—

-7-  Delkredere-Konto  ,
Laut  Bilanz  ....  Mk  383  916,81  Jahresreingewinn

Die  Produktion  in  hl  beträgt:
Lagerbestand  am  Ende  des  Jahres
Haustrunk
Ausstoß  (=  Verkauf)
ab  Anfangsbestand
(eventuell  ab  Retourbier)
Berechnete  Produktionsmenge

11  850  hl
2  500  „
100  450  „
114  800  hl
10  300  „

104  500  hl

(Tatsächlich  ist  die  Produktion  größer;  Mengenverluste  entstehen ­
  vom  Kühlschiff  bis  zum  Schlauchen  in  das  Lagerfaß  und  in
die  Transportfässer.)
Selbstkosten  pro  hl  Bier:

Produktionskosten  .
Vertriebskosten  .  .

.  Mk.  1  145  961,43  auf  104500  hl,  pro  hl  =  10,97  Mk.
.  „  310000,22  ,  100450  ,,  ,  ,  =  3,09  „
Selbstkosten  bis  in  den  Keller  des  Wirtes  pro  hl  =  14,06  Mk.
Die  Selbstkostenberechnung  auf  Grund  der  Ertragsbilanz  kann
nur  einen  Näherungswert  zu  Vergleichszweeken  ermitteln.  Die  oben
angeführte  Produktionsmenge  ist  dem  Fernstehenden  unbekannt;
ungenau  sind  die  geschätzten  Verteilungszahlen  für  die  Steuern,
Arbeitslöhne,  Fuhrwerkskosten.  Die  Zinseneinnahmen  bilden  den
Saldo  zwischen  Zinsgewinnen  aus  Darlehen  und  den  Zinsverlusten
aus  Darlehen  auf  Wirtschaftshäuser  und  Brauereianwesen,  Zinsausgaben ­
  an  Banken  und  Kreditoren,  die  auf  Produktion  und  Absatz
zu  verteilen  wären.
        <pb n="60" />
        —  52

Debet  Gewinn-  un&amp;lt;l

M

An  Malz-Konto:  V  erbrauch

238  533

02

Gerste-Konto:  „

95  330

65

77

Hopfen-Konto:  „

87  395

33

Eis-Konto:  „

45  760

51

Kohlen-Konto:  „

58  590

29

n

Fourage-Konto:  „

51  013

08

Pech-Konto:  „

1398

60

77

Beleuchtungs-Konto:  „

6  729

44

77

Handlungsunkosten-Konto:  „

Gehalt  des  kaufmännischenDirektors,  des  Bureaupersonals,
div.  Materialien,  diverse  Mieten,  Provisionen  und  sonstige

Spesen

163  013

79

Betriebskosten-Konto:

Gehalt  des  technischen  Direktors,  des  Braumeisters,  Versicherungbeiträge ­
  und  verschiedene  zum  Betrieb  verwendete

  Materialien

80  278

89

77

Lohn-Konto

214  751

20

77

Steuer-Konto

129  148

65

77

Unterhaitungs-  und  Reparaturen-Konto

a)  Brauerei

Mk.

31  925,—

b)  Wirtschaftshäuser  etc

5  492,20

c)  Fuhrpark

15  415,18

52  832

38

»

Mälzereimiete-Konto

6  820

U

Abschreibungen:

auf  Immobilien-Konto:
a)  Brauereianwesen  1  IJ /o  Mk.  16  028,40
b)  Wirtschaftshäuser  1°/«  „  2  955,17
c)  Biemiederlagen  l°/o  „  467,54

Mk.

19451,11

auf  Maschinen-Konto  12°/oi
auf  Eis-  und  Kälteerzeugungsanlage-77



13  388,87

Konto
auf  Fastagen-Konto:

17

9  065,89

a)  Lagerfässer  10°/o  Mk.  10753,52
b)  Transportfässer  20°/o  „  6  980,77

9

17  734,29

auf  Fuhrpark-Konto
a)  Pferde  20°/o  Mk.  9  284,86
b)  Wagen  und  Ge-.



schirre  20°/o  „  1671,36

77

10  956,22

auf  Brauereigeräte  und  Mobilien-Konto
auf  Eisenbahnwaggons  und  Gleise-»



10169,86

anschluß-Konto  20*  o

2178,13

auf  Wirtschaftsgeräte-Konto  20°/o  .  .
auf  Elektrische  Kraft-  und  Lichtanlage-»



58  247,42

Konto  20  °/o

7f

4  982,18

146  173

97

9

Übertrag  auf  Delkredere-Konto  ....

55  000

Reingewinn:

a)  Gewinnvortrag

Mk.

50  370,70

b)  Jahresreingewinn

„  383  916,81

434287

51

2  067  057  j

31
        <pb n="61" />
        54

4.  Beispiel 1 )  (Maschinenfabrik).

Aktiva

Bilanz  für  den  31.  Dezember.

Passiva

Immobilien  .  .  .  .

Mk.  724  949,73

Aktien-Kapital  .  .  .

Mk.  1200  000,-Einrichtung

  .  .  .  .

„  490  620,25

Obligationen  ....

„  597  000,—

Mobilien

„  21176,27

Amortisation.  .  .  .

„  437  351,42

Waren

,  438507,91

Sparkasse  d.  Arbeiter

24  194,07

Hilfsmaterial  .  .  .

„  6  696,55

Pensions-Kasse  .  .  .

129  960,52

Kassa  und  Wechsel  .

12  621,93

Delkredere-Konto  .  .

,  24386,56

Effekten

„  305  575,83

Unerhobene  Dividende

„  150,-Bar-Kautionen

  .  .  .

„  4504,14

Obligations  -  Zinsen-K.

12  260,—

Bankguthaben  .  .  .

,  48  575,21

Gesetz!.  Res.-Konto  •

41  794,06

Debitoren

„  1223455,97

Spezial-Res.-Konto

„  65000,—

Kreditoren  .  .  .  .

„  609  796,36

Gewinn-u.Verl.-Konto

„  134  610,80

Mk.  3  276  683,79

Mk.  3  276  683,79

Soll

Gewinn-  und  Verlust-Konto.

Haben

Material-Verbrauch  .

Mk.  1423  809,54

Vortrag  von  1904/05  .

Mk.  24195,84

Betriebs-  u.  Verkaufs-Spesen,

  Löhne,  Gehälter

  usw.  .  .  .

,  914  644,91

Fabrikations-Konto  .

„  2  500  479,84

Amortisation.  .  ..

,  51610,43

Gewinn

„  134  610,80

Mk.  2  524  675,68

Mk.  2  524  675,68

Der  Umsatz  war  .  Mk.  2  500  480  =  100%
Materialverbrauch  Mk.  1  423  810  =  56,94%  1
Löhne  und  Kosten  „  914  645  =  36,57%  !  , zus '  ,0
Abschreibungen  „  51610=  2,06  %  J  des  Umsatzes
Jahresgewinn  Mk.  110415  4,43  °/ 0
Die  Abschreibungen  betragen  5,3%  des  Anlagekapitals,  der
Jahresgewinn  nur  4,63%  der  Selbstkosten  (110415:2  390  065).
Das  Anlagekapital  (abzüglich  der  Abschreibungen  Mk.  799  395)
ist  32%  des  Umsatzes,  d.  h.  für  je  100  Mk.  Absatz  waren  32  Mk.
für  feste  Produktionsmittel  aufzuwenden.
Die  Bilanzsumme  war  Mk.  3  276  684,  davon
der  Amortisationsfond  ab  ....  „  437  351  {&amp;lt;-bleibt
  ein  Vermögen  von  ....  Mk.  2839333,
davon  Mk.  1223  456  Debitoren,  d.  h.  48,9%  des  Umsatzes  (außerordentlich ­
  hoch!)  und  43,1%  des  Gesamtvermögens.
')  Entnommen  Leitner,  Bilanztechnik  und  Bilanzkritik,  Berlin,  4.  Aufl.,
1920,  S.  227;  dort  sind  auch  die  Bilanzen  einer  Brauerei  kalkulatorisch  verarbeitet,
S.  187  f.,  S.  369  f.
        <pb n="62" />
        55

Die  Schulden  betrugen  Mk,  1373  361,  davon  entfielen  auf  die
Kreditoren  Mk.  609  796  (nur  Warenschulden),  d.  h.  137  %  der  Lagerbestände ­
  (Mk.  445  204).  Die  eigenen  Mittel  (ohne  Jahresreingewinn),
d.  h.  Grundkapital,  Reserven  und  Gewinnvortrag  aus  dem  Vorjahr
beliefen  sich  auf  Mk.  1355  557.  Die  Schulden  machen  50,3  %,
die  eigenen  Mittel  49,7  o/o  des  Gesamtkapitals,  die  Schulden  48,4%,
des  Vermögemr(Schulden-Koeffizient).  Auf  100  Mk.  Umsatz  kommen
54,2  EigenkapitaL  das  also  etwa  2  mal  umgeschlagen  wird,  und
54,9  Mk.  Leihkapital,  endlich  4,43  Mk.  Reingewinn  und  16,4  Mk.
Lagerbestände  (im  groben  Durchschnitt  409  172  Mk.  Bestand).  Mit
100  Mk.  Eigenkapital  wird  ein  Umsatz  von  110,7  Mk.  und  ein  Reingewinn ­
  von  8,14  Mk.  erzielt.  Die  Aktiendividende  ist  9%.
Auf  100  Einheiten  des  „werbenden“  Kapitals  (d.  h.  eigene
Mittel  und  feste  Schulden,  wie  Anleihen  und  Hypotheken,  hier
Obligationen  Mk.  600  000)  kommen  Mk.  127,7  Umsatz  und  Mk.  6,87
Gewinn  (Reingewinn  und  Mk.  23  880  Anleihezinsen).  Auf  100  Mk.
Umsatz  kommen  78,2  Mk.  werbendes  Kapital.
Die  Kapitalrente  für  den  Aktionär  berechnet  man  gewöhnlich
auf  den  Nennwert  der  Aktie  zuzüglich  des  Emissionsagios  und
etwaiger  Zuzahlungen  (Sanierungen);  das  ist  richtig,  soweit  Gründungs- ­
  und  Daueraktionäre  in  Frage  kommen.  Der  Ertrag  der  Kapitalanlage ­
  in  Aktien  berechnet  sich  aus  dem  Verhältnis  zwischen  Dividende, ­
  dem  Wert  oder  Erlös  des  Bezugrechts  und  dem  Kurskapital
(d.  h.  Anschaffungswert  der  Aktie)  zuzüglich  sonstiger  Leistungen
des  Aktionärs.  Die  Rente  des  Unternehmerkapitals,  der  eigenen
Mittel  und  des  werbenden  Kapitals,  muß  den  Bestand  bei  Beginn
des  Geschäftsjahres,  bei  Gewinnverteilungsgesellschaften  unter  Heranziehung ­
  der  Gewinnverteilung  des  Vorjahres  berücksichtigen.  Der
Anfangsbestand  beider  Kapitalien  war  an  der  Kapitalproduktion  be-*
  teiligt;  die  Statistiker  rechnen  häufig  falsch,  indem]  hie  die  Rentabilität
auf  den  Schlußbestand  beziehen.
5.  Beispiel.
Die  Vereinigung  der  kaufmännischen  mit  der
Kostenbuchführung  zeigt  das  folgende  der  chemischen  Großindustrie ­
  entnommene  Beispiel 3 ):  Für  die  Kostenberechnung  kommen
in  Betracht:  Konto  der  Generalkosten,  Konto  der  Magazinkosten,  die
Konten  der  Hilfsbetriebe  (Konto  des  Wasserwerks,  Konto  der  elektrischen ­
  Zentrale,  Konto  des  Kesselhauses,  Konto  der  Fabrikbahn,
Konto  der  Bauabteilung,  Konto  der  Werkstätte,  Konto  der  Kraftzentrale) ­
  und  die  Konten  der  Hauptbetriebe.  Die  Magazinkost  en
')  Ein  Beispiel  fiir  Hüttenbetriebe  bei  Waink,  Leitfaden  dei  montanistischen ­
  Buchführung.  Leoben  1898,  S.  74  f.,  102  f.
        <pb n="63" />
        Beispiele  für  die  kontenmäßige  Kostenverrechnung
Aufwand  (Soll)  1.  Konto  der  Generalkosten  Verteilung  (Haben)

1.  direkte  Kosten:

a)  Bauarbeiterlöhne  und  Löhne  anderer  nicht
produktiver  Fabrikabteilungen  einschl.  Aufschläge ­
  dieser  Abteilungen  Mk.  —.—
b)  Waren  einschl.  10%  Aufschlag  .  .  .  .  „
c)  Portier,  Bureau,  Beamte,  Wohlfahrt  usw.  „

Arbeiterlöhne  der  Gesamtfabrik
ß  Mark

2.  anteilmäßige  Kosten  des  Gesamtbetriebes:  .  .
d)  Heizung
e)  Gleisanlagen  und  Lokomotive  (Löhne,
Werkstattkosten,  Materialien  Kapitalkosten
=  5%  Zinsen,  .  .  %  Abschreibung)  .  .  „
f)  Licht  .  .  Kilowattstunden  zu  .  .  Pfg.  „
Gesamtkosten  Mk.  a

Aufschlag:  ——abgerundet  nach  oben,  hier  angenommen

mit  70%  (Lohnaufschlag).

Ausgaben  2.  Kosten  des  Wasserwerkes  Verteilung

1.  Kohlen  (Anteil  des  Maschinenhauses)  ....  Mk.  —.—
2.  Beleuchtungskosten  „
3.  Dampfkosten  :  PS  X  Arbeitsstunden  X  Tagezahl
=  PS.-Stunden  „
.  .  .  PS.-Stunden  zu  .  Pfg  „
4.  Löhne70  °/o  Aufschlag  „
5.  Materialien  verbrauch10%  Aufschlag  ,  .  .  „
6.  Abschreibung)  ,  .  ,
7.  Zinsen  /  auf  dle  Anla S en  »
Selbstkosten  für  240  000  cbm  Mk.  2119,—

Leistung:  Tägliche  Förderung  8000  cbm,  in  30
Tagen  =  240000  cbm
Kosten  pro  1000  cbm  =  Mk.  8,83
Verteilung  nach  dem  Wasserverbrauch,  z,  B.
1.  Kessel  (Konto  3)  300  cbm  tägliche
2.  Konto  des  Betriebes  I  6300  „  „  l  zu  Mk.  8,83
3.  »  »  II  1400  „  „  J
4.  Etwa  angeschlossene  fremde  Betriebe

Ausgaben

3.  Konto  des  Kesselhauses

Verteilung

1.  Wasserverbrauch  pro  Tag  z.  B.  300  cbm  X  30
Arbeitstage  =  9  000  cbm  zu  Mk,  8,38  .  .  .  =  Mk.  79,50
2.  Brennstoffe:
Kohlen  (eventuell  Teer,  Koks  aus  dem  eigenen
Betrieb,  und  zwar  einzusetzen  mit  ihrem  Heizwert ­
  gemessen  an  Kohle)
3.  Löhne;  Aufsicht  und  Meistergehälter  anteilsmäßig ­
  -f-  70  °/o  Zuschlag  „
4.  Dampf  zum  Betrieb  der  Speisepumpen  täglich
4  Tonnen  X  Arbeitstage  X  Preis  „
5.  Materialien:  Schmieröl,  Putzmaterialien,  Glühlampen, ­
  Kohlenstifte  „
6.  Allgemeine  Kosten:  Eeparaturen,  Unterhaltung, ­
  Zinsen,  Abschreibung  ....  ■  ■  .  „
Selbstkosten  für  9  000  Tonnen  ....  S.  Mk.  16016,75

Leistung:  Täglich  300  X  30  =  9000  Tonnen  Dampf,  Kosten
für  1  Tonne  =  Mk.  1,78.
Verteilung  nach  dem  Dampfverbrauch  bei  Pumpen,  Dampfmaschinen; ­
  bei  Kochapparaten,  Destillation  u.  a.  nach  der
Menge  des  laufenden  Kondensationswassers  geschätzt,  z.  B.:
1.  Betrieb  I  ....  65
2.  „  II  ....  60
3.  „  III  ...  .  131
4.  Dampfmaschinen  .  .  40
5.  Speisepumpe  ...  4
Buchung:
An  Konto  Betrieb  I
II
„  „  ,.  III  usf.

Tonnen  täglich  zu  Mk.  1,78.

Aufwand

4.  Konto  eines  Hanptbetriebes  (I)

Produktion

OT
-T

1.  Holzverbraueh  Mk.  —,—
2.  Heizstoffe  „
3.  Löhne:  produktive  Mk..  —)-70°/o  Aufschlag
für  Generalkosten  (Konto  1)  „
für  Werkstättenarbeit  Mk.  .  -j-  120  %  Aufschlag ­
  ,,
für  Bauarbeiter  Mk.  .  .  -(-80%  Aufschlag  „
4.  Kapitalkosten  „
5.  Materialien  .  .  -f  10°/o  Aufschlag  ...  „
6.  Wasser:  6300  cbm  tägl.  X  Tagesanzahl  X  8,83
Mk.  (Konto  2)  „
7.  Elektrizität:  Licht  und  Kraftverbrauch.  95
Kilowattstunden  täglich  x  30  Arbeitstage  des
Monats  zu  .  Pfg.  die  Kilowattstunde  .  .  „
8.  Dampfkosten  65  t  x  30  zu  Mk.  1,78  (Konto  3)  „
Monatliche  Selbstkosten  Mk.  106839,—

I.  Abfälle  und  Nebenprodukte:
.  .  kg  Holzkohle  ...  zu
■kg  *
.  .  kg  Teer  .  .
.  .  cbm  Heizgas
Wert  der  Abfälle
II.  Kosten  der  Holzproduktion
II.  Kosten  der  Holzessigproduktion
8073  cbm
pro  cbm  Mk.  5,—  Selbstkosten

Mk.

Mk.

66  476,-40363,-

  363,—

Mk.  106  839,-
        <pb n="64" />
        —  58  —
umfassen  Arbeitslöhne,  Abschreibungen  der  Gebäude,  Gewichtsverluste, ­
  Lagerzinsen;  sie  werden  durch  Zuschlag  zum  Anschaffungswert ­
  der  eingekauften  und  an  die  Betriebsabteilungen  zum  durchschnittlichen ­
  Selbstkostenpreis  abgegebenen  Waren  verrechnet.  Die
Yerrechnung  der  Was  s  er  besch  af  f  ungs  k  o  s  ten  zeigt  das
Schema  (S.  56).  Die  Kosten  der  elektrischen  Zentrale  (Anteil ­
  an  den  Dampfkosten  und  Löhnen,  zuzüglich  Aufschlag  für
Generalunkosten,  Materialien  10%  Aufschlag  für  Magazinkosten,
Abschreibung  und  Verzinsung  der  Anlagen)  werden  dem  Konto
für  diesen  Hilfsbetrieb  belastet,  die  Gesamtleistungen  —-  Stromabgabe ­
  in  Kilowattstunden  —  für  die  Arbeitstage  eines  Monats  ermittelt ­
  und  auf  die  einzelnen  Betriebsstellen  imi  Verhältnis  des  Kraftund
  Lichtverbrauches  verteilt.  Andere  großbetriebliche  Unternehmungen ­
  begnügen  sich  mit  einer  quartalsweisen  Kostenverteilung,
was  insofern  unzweckmäßig  ist,  als  die  Schwankungen  in  den
Betriebsverhältnissen  durch  die  Länge  der  Bestimmungsperiode  verschleiert ­
  werden  können.  Die  Kosten  der  Dampferzeugung
werden  auf  dem  Konto  des  Kesselhauses  verrechnet  (s.  Schema  S.  57).
Die  Kosten  der  Fabrikeisenbahn  werden  auf  dem  Hilfskonto
verrechnet  und  auf  Generalunkostenkonto  umgebucht.  Ihnen  sind
zuzurechnen:  Betriebs-  und  Unterhaltungskosten,  Verbrauch  an
Kohle,  Schmieröl  und  anderen  Materialien,  Verzinsung  und  Ab-,
Schreibung  auf  Gleis-  und  Bahnanlagen.  Die  Konten  der  Werkstatte
  und  der  Bauabteilung  verrechnen  die  Kosten  der
Reparaturen  und  Bauarbeiten:  Lohn  und  Nebenkosten  im  Soll;  soweit
die  Arbeit  für  eine  bestimmte  Abteilung  der  Fabrik  ausgeführt  wird,
werden  dieser  die  Löhne  -j-  Aufschlag  (im  Beispiel  120%  und
80%)  für  Nebenkosten  belastet,  dem  Werkstattkonto  kreditiert.  Der
unverrechnete  Rest  der  Werkstattkosten  wird  den  Generalspesen
zugeschlagen.
Die  Kontenbeispiele  zeigen,  daß  eine  monatliche  bzw.  in  anderen
Betrieben  vierteljährliche  Auflösung,  d.  h.  Ausgleichung  der  Kostenkonten ­
  durch  Übertragung  der  Kostenanteile  auf  die  einzelnen  Betriebsabteilungen ­
  (Produktionsbetriebe)  stattfindet.  In  Brauereien  beispielsweise ­
  begnügt  man  sich,  die  einzelnen  Bestandteile  der  Selbstkosten ­
  kontenförmig  festzustellen,  deren  Saldo  beim  Jahresabschluß
auf  die  Gewinn-  und  Verlustrechnung  zu  übertragen  (vgl.  das  Beispiel ­
  S.  50  f.)  und  die  Selbstkostenberechnung  bzw.  Kostenverteilung
selbständig  durchzuführen.
6.  Beispiel.
Die  folgende  Übersicht  gibt  einen  Einblick  in  das  vielgliedrige
Kontensystem  eines  Großbetriebes  des  Maschinenbaues,  soweit  die
Unkosten  in  Frage  kommen.  (Vgl.  auch,  das  Kontierungsschema  eines
Hüttenbetriebes  im  VH.  Abschnitt.)
        <pb n="65" />
        59

Konto

Buchungsinhalt

Krankenkasse
Alters-  u.  Invaliditätsvers.
Pensions-,  Witwen-,
Waisenkasse
Berufsgenossenschaft
Haftpflichtversicherung

Beiträge  a)  Betrieb;  b)  kaufmännische  Angestellte
Beiträge
Beiträge,  Pensionszuschüsse,  Lebensversicherungsbeiträge ­

Beiträge
Prämienzahlungen,  einschl.  jener  für  Unfallversiche-Feuerversicherung


W  eihnachtsgratifikationen
Überstunden

rung
desgl.
an  Beamte,  Werkmeister
a)  an  Meister,  Kalkulatoren  p.;  b)  an  andere  Angestellte ­


Inventurlöhne

Lohnvergütung  für  Ausfälle  während  der  Inventur
und  für  die  Inventur  selbst

Verbandsbeiträge

an  verschiedene  Unternehmerverbände,  an  Handelskammer ­


Arbeiterunterstiitzungen
Kasino
Steuern
Postgebühren
Bureaubedarf

Unterhaltungskosten
Staats-,  Gemeindesteuern,  Umsatzsteuer,
a!  Porti,  Depeschen;  b)  Telephon
Geschäftsbücher,  Drucksachen,  Bureaubedarf  der

Bibliothek

kaufm.  und  t  echn.  Bureaus,  Lager,  Meisterbureaus
Zeitungen,  Zeitschriften,  Verwaltungskosten  der
Fach-  und  Werkbibliothek

Buchbinderei
Buchdruckerei
Lichtpauserei
Inserate
Keisespesen,  Repräsentation ­

Hotel
Spedition

Kosten  des  Hilfsbetriebes
Kosten  des  Hilfsbetriebes
einschl.  Photographie
Kosten  der  Anzeigen
Kosten  des  Werkhotels
Fuhrparkunterhaltung,  Automobilunterhaltung,  Personenfuhrwerk ­
  für  Beamte  usf.  vom  Werk  zur

Versuche
Ersatzlieferungen
Heizung
Verschiedene  Kosten

Bahnstation  und  umgekehrt
Kosten  der  Versuche
kostenlose,  auf  Grund  der  Lieferungsbedingungen
Kohlen,  Brikettkosten,  Holz  für  Bureaus
Konventionalstrafen,  Beiträge  an  Wohltätigkeitsvereine, ­
  Umzugskostenzuschüsse  für  Arbeiter  und
Beamte,  Teuerungszulagen

Unkostenlöbne

Transport-,  Hof  kolonnen,  Lager-  und  Betriebsarbeiter,
Stundenlöhner  in  den  Bureaus

Patentkosten
Modellkosten
Lizenzgebühren
Gehälter
Gratifikationen,  Tantieme
Abschreibungen
Werkzeug
Betriebskosten:
Dampferzeugung
Stromerzeugung
Dampfrohrleitung
Licht-  und  Kraftleitung
Elektromotoren
Transmissionen
Gas
Fabrikbahn
Kräne  und  Aufzüge
Unkosten-Materialien

einschl.  Gebühren  für  Marken-  und  Musterschutz
empfangene  und  bezahlte
a)  kaufmännische;  b)  techn.  Beamte
vertragliche  Vergütungen
auf  Gebäude  und  Grundstücke
Verbrauch
Betriebskosten,  Unterhaltung,  Abschreibungen.
        <pb n="66" />
        60

Schema  für  die  Verwendung.
I.  Kanfm.  Buchführung'):
Verbuchung  auf  45  Konten,
summarische  Verrechnung;
Ziel:  Bilanzaufstellung.
II.  Betriebsbuchführung:  III.  Selbstkostenberechnung:
Verteilung  der  Kosten  auf  die',  Werk-  Verwertung  der  Ergebnisse  unter  II
betriebe,  Werkstätten,  Arbeitsplätze;  für  die  Berechnung  der  Gesamt-  und
Ziel:  Unkostenverteilung,  Gesamt-  der  Teilkosten  der  Fakrikate.
kostenberechnung,  Vorbereitung  und  Deckung  der  Unkostenanteile  des  Einzel-Grundlage
  der  Einzelkalkulation.  produktes  durch  Zuschläge  auf  Materialund
  Lohnkosten.
Kontrolle  und  statistische  Verarbeitung.
7.  Beispiel:
In  Großbetrieben  mit  verwickelten  Betriebsrechnungen,  insbesondere ­
  bergbauliche  Unternehmungen,  werden  gewöhnlich  „Erläuterungen ­
  zur  Betriebsrechnung“,  „Kontierungs-Schemata“  u.  a.
Anweisungen  zur  Benutzung  durch  die  Beamten  der  Rechnungszentrale ­
  ausgegeben,  um  Einheitlichkeit  und  Richtigkeit  der  Verteilung ­
  des  umfangreichen  Zahlenmaterials  zu  gewährleisten.  Ein
Ausschnitt  aus  einer  „Feststellung  und  Beschreibung  der  einzelnen.
Kapitel  der  monatlichen  Betriebsrechnung,  Steigerjournale  und
Verbrauchshefte“  eines  westfälischen  Bergbaubetriebes  folgt:
Kapitel  15:  Auf  Kapitel  15  „Werkstättenbetrieb“  bleiben  in  der  Betriebs-Werkstätten-
  abrechnung  stehen  die  Meister  unter  Arbeitslöhnen,  ferner  die
betrieb.  Gezäheschmiede  und  ständigen  Arbeiter  an  der  Kreissäge,  sowie
alle  Schichten  und  Materialien,  welche  auf  Unterhaltung  und
Ersatz  der  Werkzeuge  und  Werkzeugmaschinen  nebst  Betriebsmaschine ­
  verwendet  sind.
Alle  übrigen  Schichten  und  verbrauchten  Materialien  werden
auf  diejenigen  Kapitel  übertragen,  zu  deren  Gunsten  die  betr.
Leistungen  erfolgt  sind.  Größere  Arbeiten,  welche  in  Akkord
oder  von  einer  bestimmten  Kameradschaft  ausgeführt  sind,  werden
mit  den  betr.  Schichten  und  Beträgen  direkt  auf  das  bezügliche
Kapitel  übertragen;  alle  übrigen  nicht  getrennt  zu  verrechnenden
Arbeiten  werden  nach  einem  zu  ermittelnden  Durchschnitts-Schichtlohnsatze ­
  auf  die  betr.  Kapitel  verteilt.
Kapitel  16:  Auf  Schachtförderung  sind  zu  verrechnen  die  Förderma-■Schachtförderung.
  schinenwiirter,  Putzer,  Tafelführer,  Abnehmer,  Aufschieber  der
leeren  und  Abschlepper  der  vollen  Wagen,  insofern  letztere  nicht
gleichzeitig  als  Abstürzer  fungieren,  ferner  die  auf  Unterhaltung
der  Fördereinrichtungen,  wie  Maschine,  Förderkörbe,  Förderseile,
Seilscheibe,  Aufsatzvorrichtungen,  Schachtführung  usw.,  verfahrenen ­
  Schichten  und  aufgewendeten  Materialien;  endlich  ein
bestimmter  Anteil  an  den  Kosten  des  Kesselbetriebes.
Kapitel  17:  Auf  Kapitel  17  werden  die  eigentlichen  Beamten  ohne
AufsichtüberTage.  Schichten  unter  Verschiedenes,  die  übrigen  Angestellten,  wie
Brückepaufseher,  Wiegemeister,  Rottenführer,  Maurerpolier  mit  je
25  Schichten  unter  Arbeitslohn  geführt.
')  Über  Fabrikbuchführung  vgl.  Literaturangabe  im  Anhang.
        <pb n="67" />
        61

Kapitel  18:  Kapitel  18a  ist  für  diejenigen  Zechen,  wo  Kapitel  19  d
a)  Beleuchtung  eingerichtet  wird,  wie  folgt  abzuändern:
über  Tage.  Auf  Kapitel  18  a  sind  zu  verrechnen  alle  für  die  Unterhaltung ­
  der  Beleuchtungsanlage  benötigten  Materialien,  als  Glühlampen ­
  und  Kohlenstifteersatz,  Leitungs-  und  Installationsmaterialien, ­
  sowie  die  Kosten  für  die  Bedienung  der  Tagesbeleuchtung.
Ferner  ist  hier  außerdem  noch  eine  bestimmte  Kate  der
Kosten  des  Kapitels  19  d  in  Rechnung  zu  stellen.
b)  Verschiedenes.  Auf  Kapitel  18b  gehören  diejenigen  Tagesarbeiter,  welche
auf  den  übrigen  Kapiteln  nicht  wohl  unterzubringen  sind,  so  die
Schichtmeistergehilfen,  Bureaudiener,  Zechenboten,  Nachtwächter,
Kauenwärter,  Kutscher,  die  Arbeiter  im  Materialien-  und  Holzmagazin; ­
  auch  die  Löhne  der  Holzschlepper  zum  Schacht.
Kapitel  19:  Auf  Kapitel  19  sind  zu  verrechnen  die  Wärter  der  Wassera)
  oberirdische  haltung,  die  Pumpenwärter  und  die  bei  Reparaturen  der  Maschinen
^'unterirdische  unc *  P um P en &amp;gt;  sowie  bei  etwaigem  Wasserfördern,  Dammschlagen
Wasserhaltung.  U3 w.  beschäftigten  Hilfsmannschaften.  Außer  den  direkten  Betriebsmaterialien ­
  und  Ersatzstücken  ist  auch  hier  wieder  eine
bestimmte  Rate  der  Kosten  des  Kesselbetriebs  in  Rechnung  zu
stellen.
c)  Kesselbetrieb.  Auf  Kesselbetrieb  sind  zu  bringen  die  Kesselwärter,  Schürer,
Kesselreiniger,  Asche-  und  Kesselkohlenfahrer;  sodann  die  Unterhaltungskosten ­
  der  Dampfkessel,  Speisepumpen,  Vorwärmer,
Speisebassins,  Dampf-  und  Speiseleitungen,  auch  die  Unterhaltung
der  Wasserhaltungstrumme  der  Hauptschächte,  während  die
Unterhaltung  der  Fördertrumme  im  besonderen  wie  der  zur  Förderung ­
  dienenden  Schächte  im  allgemeinen  auf  Kapitel  16  zu  verrechnen ­
  ist.  Die  verbrauchten  Kesselkohlen  sind  zu  einem  alljährlich
festzusetzenden  Durchschnittspreise  in  die  Rechnung  einzustellen,
der  möglichst  dem  für  die  gleiche  Kohlensorte  zu  erzielenden
Verkaufspreise  entsprechen  soll.  Die  Kosten  des  Kapitels  19  c
werden  nach  einem  für  jede  Schachtanlage  besonders  zu  bestimmenden ­
  Verhältnis  auf  die  Kapitel  11,  16  und  19  bzw.
Neuanlage-Konten  und  Ziegelei  verteilt.
(l)Elektr.Zentrale.  Das  Kapitel  19  d  ist  überall  da  einzurichten,  wo  von
der  elektrischen  Zentrale  Energie  für  Licht-  und  Kraftzwecke
abgegeben  wird.  Es  sind  hierauf  zu  verrechnen  alle  durch  den
Betrieb  der  Dynamos  nebst  Antriebsmaschinen,  Umformer,  Akkumulatorenbatterie, ­
  Schalttafeln  usw.  entstehenden  Wartungs-  und
Unterhaltungskosten,  ferner  auch  die  bei  Reparaturen  der  Maschinen ­
  beschäftigten  Hilfsmannschaften.  Außer  den  direkten
Betriebsmaterialien  und  Ersatzteilen  ist  hier  außerdem  noch  eine
alljährlich  zu  bestimmende  Rate  der  Kosten  des  Kesselbetriebes
in  Rechnung  zu  stellen.
Die  Kosten  des  Kapitels  19  d  werden  nach  einem  für  jede
Schachtanlage  besonders  zu  bestimmenden  Verhältnis  auf  die  in
Betracht  kommenden  Kapitel  verteilt.
Voranscliläge,  Preisprüfungen.
§  12.  Über  Kostenvoranschläge.  Vorkalkulationen
sind  notwendig  bei  der  Gründung  eines  Unternehmens  (Gründungsplan), ­
  bei  Neueinrichtung  von  Betrieben  oder  Einführung  neuer
        <pb n="68" />
        62  —
Arbeitsmethoden.  Hier  haben  sie  den  Zweck,  die  Anlage-  und  die
Produktionskosten  annähernd  zu  berechnen;  zu  ermitteln,  wieviel
unter  bestimmten  Voraussetzungen  erzeugt  werden  kann  (hier  richtet
man  die  Kalkulation  der  übrigen  Faktoren  danach),  oder  wieviel
erzeugt  werden  soll  (hier  richtet  man  die  Anzahl,  Leistungsfähigkeit
der  Maschinen,  Arbeiterzahl,  Möglichkeit  der  Beschäftigung  der  notwendigen ­
  Arbeitskräfte  danach).  Solche  Voranschläge  sind  außerordentlich ­
  schwierig,  wesentlich  schwieriger  als  die  Kalkulationen
eines  im  Betriebe  befindlichen  Unternehmens  (vgl.  Griindungsplan,
  §  66).
Eine  Vorkalkulation  ist  auch  erforderlich,  wenn  es  sich  um  die
Herstellung  eines  noch  nicht  erzeugten  Fabrikates  handelt.  Hier
sollen  die  voraussichtlich  entstehenden  Kosten  auf  die  Produktionsmöglichkeit ­
  bei  den  erzielbaren  Verkaufspreisen  ermittelt  werden.
Soweit  es  sich  uim  rein  technische  Berechnungen,  z.  B.  solche  von
Gewichts-  und  Maßverhältnissen,  der  statischen  Momente  u.  a.  m.
handelt,  bleiben  sie  hier  außerhalb  unserer  Erörterungen.  Die  Berechnung ­
  des  Aufwandes  hat  alle  Nebenumstände  zu  berücksichtigen, ­
  die  bei  der  Erzeugung  eintreten  können,  außerordentliche
Ausgaben,  welche  die  Herstellung  ungünstig  beeinflussen,  z.  B.
Fehlarbeit,  höherer  Arbeitslohn,  größere  Abnutzung  der  Maschinen,
die  Häufigkeit  der  Herstellung,  ob  neue  Einrichtungen  hergestellt
und  erprobt  werden  sollen  usw.  Der  gesamte  Arbeitsvorgang  muß
im  voraus  bestimmt  sein;  je  mehr  Teilarbeiten  zu  verrichten  sind,
desto  genauer  aber  auch  schwieriger  wird  die  Berechnung.  Voranschläge ­
  werden  im  allgemeinen  unter  Zugrundelegung  von  Mittelwerten, ­
  häufig  unter  Benutzung  von  Tabellen  berechnet,  die  jedoch
im  einzelnen  Fall  auf  ihre  Richtigkeit  zur  Zeit  der  Berechnung  geprüft ­
  werden  sollen.  Zwischen  dem  veranschlagten  Selbstkostenpreis ­
  und  dem  Verkaufspreis  soll  ein  entsprechender  Spielraum  gelassen ­
  werden,  um  den  etwaigen  Schwankungen  der  Produktionskosten ­
  gerecht  zu  werden.
Kostenvoranschläge  werden  entweder  genau  berechnet,  gewöhnlich ­
  eine  schwierige  und  zeitraubende  Arbeit,  oder  man  begnügt
sich,  die  Preise  nach  den  in  ähnlichen  Fällen  verausgabten  Kosten
zu  bestimmen  oder  nach  Formeln  zu  berechnen,  welche  annähernd
den  Herstellungspreis  ergeben.  Man  unterscheidet  generelle  und
spezielle  Voranschläge;  letztere  benennen  und  berechnen  den  kleinsten
Gegenstand.
Hier  möchten  wir  eine  Bemerkung  nicht  unterdrücken:  Gas
Konstruktionsbureau  soll  Hand  in  Hanoi  mit  dem  Betrieb  arbeiten.
Nicht  die  Durchführung  einer  Idee,  sondern  die  Durchführung  dieser
Idee  mit  den  zu  Gebote  stehenden  Betriebseinrichtungen  ist  Aufgabe
des  Konstruktionsbureaus.  Eine  Konstruktion  ohne  Kenntnis  der
        <pb n="69" />
        63

Betriebseinrichtungen,  der  vorhandenen  Arbeitsmethoden  ist  mitunter ­
  wertlos.  Was  nützt  die  schönste  konstruktive  Durchführung
einer  Idee,  wenn  sie  Detailarbeiten  und  Arbeitsmethoden  erfordert,
die  mit  den  bestehenden  Einrichtungen  nicht  durchführbar  sind,
oder  welche  die  Einführung  neuer  Arbeitsmethoden  bedingt,  deren
Anschaffungskosten  den  Produktionspreis  so  verteuern,  daß  das
Fabrikat  nicht  konkurrenzfähig  werden  kann.
Erlacher 1 )  meint  mit  Recht,  daß  nichts  so  sehr  geeignet
ist,  das  konstruktive  Gefühl  des  Zeichners  weiterzubilden  wie  die
Kostenberechnung.  Denn  sie  zwingt  zur  Überlegung,  wie  die  einzelnen
Teile  bearbeitet,  wie  die  Kosten  herabgedrückt  werden  können.  Der
Konstrukteur,  der  sich  nicht  um  den  Preis  zu  bekümmern  hat,
wird  kompliziert  und  teuer  arbeiten.  Die  mit  der  Konstruktion,
verbundene  Kostenberechnung  lehrt  einfach  und  billig  arbeiten.
Notwendig  ist  nur,  daß  der  Konstrukteur  auch  imstande  ist,  die
Kalkulation  durchzuführen.  Längere  Übung  wird  auch  ihn  befähigen,
die  Kosten  in  verhältnismäßig  kurzer  Zeit  zu  berechnen.  Dieser
Zeitaufwand  wird  reichlich  aufgehoben  werden  durch  die  Vorteile,
die  ein  mit  der  Kalkulation  vertraüter  Konstrukteur  in  bezug  auf
seine  Konstruktion  hat.  Während  die  interne  Vorkalkulation  die
einzelnen  Kostenbestandteile  (Material,  Löhne,  Unkosten,  Gewinn)
trennt,  können  in  einer  Offertkalkulation  nur  Einheitspreise
berechnet  werden,  die  sich  aus  der  internen  Gesamtkostenberechnung
ermitteln  lassen.
Beispiel:
Material  (Einzelheiten  bleiben  hier  weg):  20  m  zu  1,08  .  .  21,60

Löhne  80,57
Unkosten  40°/o  der  Löhne  32,23
Selbstkosten  134,40
+  25%  Nutzen  33,60
168,—

Im  Voranschlag  für  den  Besteller:  20  m  Rohr  zu  8,40  =
Mk.  168,—.
Jede  Vorkalkulation  soll  durch  die  Ergebnisse  des  tatsächlichen
Aufwandes,  wie  er  durch  die  Werkstätte  ermittelt  wird,  nachträglich
kontrolliert  -werden.  Nur  durch  Vergleichung  der  veranschlagten
mit  den  tatsächlichen  Kosten  wird  der  Vorteil,  den  die  Kostenberechnung ­
  einer  Konstruktion  durch  deren  Schöpfer  hat,  voll  zur
Geltung  kommen;  sie  zeigt,  ob  der  Konstrukteur  gefehlt  hat  etwa
durch  zu  komplizierte  und  zu  teure  Konstruktionen  mit  verhältnismäßig ­
  großen  Schwierigkeiten.  Andererseits  wirkt  diese  Kontrolle
’)  Briefe  eines  Betriebsleiters  über  Organisation  technischer  Betriebe,
Hannover  1903,  S.  22  ff.
        <pb n="70" />
        64

auch  auf  die  Werkstatt  zurück,  wenn  dieser  klar  geworden  ist,  daß
man  sich  nicht  mit  der  einfachen  Feststellung 1  der  tatsächlichen
Kosten  begnügt,  sondern  diese  mit  den  als  wahrscheinlich  veranschlagten ­
  Aufwendungen  vergleicht.  Dadurch  werden  nicht  allein
Fehler  des  technischen  Personals  aufgedeckt  und  wird  erwiesen,
in  welcher  Werkstätte  schlecht,  teuer  oder  nicht  intensiv  gearbeitet
wird;  es  ist  auch  die  Möglichkeit  der  Herabsetzung  der  Herstellungs 1 -
kosten  und  der  annähernden  Bestimmung  des  Gewinnes  gegeben.
In  diesem  .Verfahren,  liegt  eine  gute,  nicht  zu  unterschätzende
Präventivmaßregel  gegen  unnütze  Mehrausgaben.
Für  jede  Nachkalkulation  ist  ein  Haupterfordernis,  daß  nach
Beendigung  der  Arbeit  die  Grundlagen  hierfür  übersichtlich  und
vollständig  dem  Konstruktionsbureau  vorliegen,  was  seinerseits  wieder
eine  gute  Organisation  der  Verrechnung  bedingt.
Preis  prüfungen.
Der  behördlichen  Preisprüfung  der  Angebote  wird
in  der  künftigen  Friedenswirtschaft  des  Deutschen  Reiches  eine
größere  Bedeutung  zukommen  als  vorher;  deshalb  mögen  einige
allgemeine  Bemerkungen  über  diesen  Gegenstand  eingeschoben
werden.  Die  Verschiedeinheit  der  Angebote  bei  privaten  und  öffentlichen ­
  Submissionen  ist  zunächst  auf  den  verschiedenen  Aufbau  der
Kostenberechnungen  zurückzuführen,  ist  also  methodologischer
Natur.  Will  eine  Behörde  die  Einzelheiten  der  eingereichten  Kostenberechnungen ­
  prüfend  vergleichen,  muß  sie  ein  einheitliches  Berechnungsschema, ­
  ein  Kalkulations-Skelett,  vorschreiben.
Die  erste  Grundlage  für  eine  richtige  Kostenvergleichung  und  Preisfestsetzung ­
  ist  ein  einheitliches  Schema.  Dann  erst  können  die
Gründe  für  die  Verschiedenheit  der  Angebote  untersucht  und  gewürdigt ­
  werden.  Die  Aufgaben  einer  behördlichen  Preisprüfung
erschöpfen  sich  nicht  mit  der  Bewilligung  eines  angemessenen
Preises;  sie  muß  synthesieren  und  analysieren.  Fehlen  die  Unter-.
lagen  für  die  Kostenberechnung  der  Angebote,  ist  eine  Synthese,
fehlen  Einzelheiten,  ist  nur  die  Summe  der  Kosten  für  das  Ganzfabrikat
  angegeben,  ist  eine  Analyse  der  Selbstkosten  unmöglich.
Die  Vereinheitlichung  des  Berechnungsschemas  um  Gleiches
mit  Gleichem  einander  gegenüberzustellen,  ist  für  eine  Preisprüfung
der  gedachten  Art  nicht  ausreichend.  Ohne  Kenntnis  des
Betriebes  des  anbietenden  Produzenten,  ohne  Rücksicht  auf  seine
produktionstechnischen  und  betriebswirtschaftlichen  Verhältnisse
muß  eine  Preisprüfung  und  -Vergleichung  mit  andern  Angeboten
und  Preisforderungen  zu  unberechtigten  Ergebnissen  führen.  Die
Vergabe  einer  Lieferung  an  den  Mindestbietenden,  unter  sonst  gleichen
Voraussetzungen  hinsichtlich  der  Güte  der  Fabrikate,  der  Lieferungs ­
        <pb n="71" />
        65

möglichkeit,  der  terminsickern  Bereitstellung  usf.,  ist  doch  zu  sehr
mechanisch,  privatwirtschaftlich  orientiert.  Der  Staat  als  Besteller
hat  neben  fiskalischen  auch  noch  volkswirtschaftliche  Interessen
zu  wahren  —  Unterstützung  des  Handwerkes,  Vorbeugung  der
Bildung  von  Lieferungsmonopolen,  räumliche  Verteilung  der  Produktion ­
  auf  das  ganze  Land,  Förderung  bestimmter  Landesteile  usw.
Fachmännische  Betriebsbesichtigung  und  -beobachtung  sind  u.  E.
unerläßlich.  Die  angeführten  Gründe  sprechen  häufig  auch  gegen
das  System  der  Einheitspreise  bei  der  Vergabe  an  mehrere
räumlich  weit  auseinanderliegende  Lieferungsbetriebe:  das  betriebswirtschaftliche ­
  Eigenleben  einer  jeden  Unternehmung  bedingt  Verschiedenheit, ­
  d.  h.  eine  Individualisierung  der  zu  billigenden  Preise.
Die  an  den  folgenden,  dem  Leben  entlehnten  Beispielen,  gezeigten ­
  Unterschiede  in  den  Herstellungslöhnen  und  in  den  Gesamtforderungen ­
  finden  ihre  sachgemäße  Erklärung  durch  folgende
Umstände:  Einige  der  anbietenden  Firmen  hatten  Zeit  und  Kosten
sparende  Sondereinrichtungen  für  die  Bearbeitung  der  einzelnen
Arbeitsvorgänge  konstruiert,  dadurch  die  Leistungsfähigkeit  wesentlich ­
  erhöht.  Die  musterhafte  Ausnutzung  der  Werkeinrichtungen
läßt  die  konstanten  Kosten  verhältnismäßig  sinken.  Produktionsmenge ­
  und  Fähigkeit  sind  zu  berücksichtigen.  Die  Arbeitsgeschicklichkeit ­
  ist  verschieden,  in  einigen  Industrieorten  traditionell.
Während  des  Krieges  haben  sich  die  Arbeitsleistungen  der  Arbeiter
verringert  (Nahrung,  Ermüdung),  die  Lohnverdienste  wesentlich  gesteigert, ­
  die  Rohmaterialien  verschlechtert,  der  Ausschuß  hat  sich
infolge  der  Verwendung  ungelernter  Arbeiter  ebenfalls  gesteigert.
Bei  der  Einführung  neuer  Erzeugnisse  in  den  Betrieb  entstehen
zunächst  größere  Unkosten  als  später,  wo  Betriebserfahrungen  vorhanden ­
  sind.  Kurzum,  die  Preisforderungen  können  nicht  schematisch
verglichen,  sie  wollen  analysiert  sein.

1.  Beispiel:

Wochenmenge.

Herstellungslöhne

für  1  Stück

Betrieb  1
2

180
180

330  Pf.
466  „

rsllf
||  g-f®

3

240

506

ff

*-t  *-*•  a&amp;gt;  ,  ,
e  B  ffl  hg
W»  ft  o

4

400

322

ff

cf-  &amp;gt;~t
ET.  O.
2  PC  s  2

5

480

424

ff

P  2-  3

6

750

244

ff

eL  ®

7

800

308

ff

M  CD  «O1  CD  CTi

8

1600

267

ff

SÜ.  pu

9

7200

250

ff

•  CD  pi

10

8050

229

ff

o
pr

Leitner,  Selbotkoatenberecimung.  7.  Aufl»  5
        <pb n="72" />
        66

2.  Beispiel:  Betrieb

I

II

III

IV

V

Wochenmenge

270

250

?

?

400

Löhne

225

559®

500

358

377

Fertigmachen

?

50

60

125

?

Transport,  Kontrolle  ....

35

130

80

110

?

zusammen

?

739®

640

593

?

Das  nun  folgende  3.  Beispiel  der  Kostenberechnung  einer  Wagentype ­
  gibt  einen  guten  Einblick:  in  die  Ursachen  der  verschiedenen
Kosten  verschiedener  Unternehmungen.  Die  Fabrik  1  stellt  den
größten  Teil  der  Einzelteile  selbst  her,  5  dagegen  kauft  fast  alles
fertig.  1,  2  und  3  sind  Spezialfirmen  in  Berlin  und  der  nächsten
Umgebung,  4  ist  eine  Maschinenfabrik,  5  eine  westfälische  Holzindustriefirma; ­
  die  beiden  letzten  Firmen  hatten  die  Wagentype
als  Kriegsbeschäftigung  (1917)  aufgenommen.  Die  Kostenberechnungen ­
  sind  vereinheitlicht;  beachtenswert  ist  die  Verschiedenheit
der  Unkosten,  während  die  Barausgaben  (a—d)  ungefähr  die  gleichen
Beträge  ergeben,  trotz  der  Verschiedenheit  der  Fabrikationsmethoden
(Einwirkung  der  Verbandsbildung?).

Firma

1

2

3

4

5

Durchschnitt ­


Fertig  bezogene  Teile:

Wagenbeschläge  ....

57,80

402,20

|  602,53

289,-417,16



Radbeschläge

127,40

208,26

276,—

283,39

5%  Ausfall

9,26

30,52

30,12

28,25

35,03

a)

194,46

640,98

632,65

593,25

735,58

559,38

Fabrikations-  Material:

Holz  einschl.  Verschnitt

233,36

158,—

100,64

105,50

98,70

Eisenblech,  Stahl  usw.
einschl.  10  °/ 0  Verschnitt

und  Abfall

153,34

16,56

31,35

—

Klemmaterialien  und  10°/„

Ausfall

44,83

41,97

33,79

156,25

25,27

Belederung  und  5°/,  Abfall

8,96

5,78

5,78

—

7,33

Anstrich  usw

10,50

7,75

29,50

20,-21,69



b)

451,—

230,06

201,06

281,75

153,—

263,37

Löhne:

Holzmaschinenarbeit  .  .  .

21-56,74



35,—

20,-22,-





143,35

56,64

89,-125,31



97,52

Schlosser,  Schmiede  .  .  .

235,75

72,80

141,45

72,69

64,84

Sattler  .  .  .  .  .  .  .

2,75

2,-6,-







Lackierer

16,35

7,-16,-







c)

419,20

195,18

287,45

240,—

204,24

269,22

Nebenspesen  .  .  .  .  d)

10,-34,67



11,-11,-







Summe  a)—d)

1074,66

1100,89  |

132,16

1126,—

1108,82

1108,5

Unkosten  (auf  c)

100  */ #

184

148

185

155

155  %
        <pb n="73" />
        67

Durchschnittskalkulation:
Materialien  (a  u.  b)  .  .  .  .  822,75  +  15  %  Gewinn  =  123,41
Löhne  269,22  «=  40,38
Unkosten  155%  417,30  =  62,60
Nebenspesen  16,53  =  2,48
Selbstkosten  1525,80  zus.  228,87
+  15  %  Gewinn  228,87
1754,67
Auch  die  Prüfung  der  Gewinnzuschläge  muß  sich  von
einer  mechanischen  Entscheidung  fernhalten.  Das  folgende  Beispiel,
auch  dem  Leben  entnommen,  ist  wirtschaftlich  nicht  ziu  rechtfertigen:

a)  Fertig  bezogene  Teile  1000
Materialien,  einschließlich  Verschnitt  500
Arbeitslöhne  '  400
1900
50%  Unkosten  950
285Ö
10%  Gewinn  285
3l35
Richtige  Berechnung:
b)  Fertig  bezogen  1000
+  5%  Gewinn,  einschließlich  kleiner  Unkosten  .  .  50  1050
Materialien,  selbsterzeugt  500
Arbeitslöhne  400
+  150%  600  1000
2550
+  10%  auf  1500  150
2700

Es  ist  nicht  angängig,  auf  .  fertig  bezogene  Teile,  die  ohne  Umarbeitung ­
  auf  montiert  werden,  Fabrikationskosten  in  Höhe  von  50%,
sowie  einen  Fabrikationsgewinn  von  10,%'  aufzuschlagen.  Ein  anderer
Fall:  Ein  Fabrikant  übernimmt,  Lohnarbeit  im  Großen,  d.  h.  die
Bearbeitung  ihm  gelieferter  Halbfabrikate;  der  Gewinnzuschlag  (auf
die  Selbstkosten  bezogen)  wird  billigem  Ermessen  nach  höher  sein
müssen  als  jener  eines  Fabrikanten,  der  dieselbe  Arbeit  fertigt,  jedoch
das  Halbfabrikat  selbst  beschafft  (einkauft)  und  der  seine  Gewinnquote, ­
  wie  üblich,  auf  Materialien  und  auf  die  reinen  Bearbeitungsjlöhne
  aufschlägt.  Der  eine  Fabrikant  bezieht  die  Beschlagteile  für
Wagen  beispielsweise  fertig,  der  andere  erzeugt  sie  im  eigenen
Betriebe.  Der  absolute  Gewinn  wird  im  ersten  Fäll  bei  gleichem
5*
        <pb n="74" />
        68

prozentualem  Gewinnaufschlag  größer  sein,  weil  in  der  Regel  der
Einkauf  teurer  ist  als  die  Selbstanfertigung,  die  Gewinnprozente
auf  einen  größeren  Betrag  gerechnet  werden.
Es  erscheint  nicht  angemessen,  wenn  der  Hauptlieferant  auf
die  Bearbeitungskosten  seiner  Unterlieferanten  Gewinnaufschläge  berechnet; ­
  ein  Risikozuschlag  hingegen  ist  zu  billigen,  da  der  Hauptlieferant ­
  dem  Besteller  gegenüber  die  Verantwortlichkeit  trägt.
Eine  Nachprüfung  jener  Betriebskosten,  die  durch  Lohnzuschläge
gedeckt  werden  sollen  sowie  eine  Prüfung  der  Zuschlagsrechnung
selbst  erscheint  zweckmäßig.  Auch  hierfür  Beispiele:  Ein  Fabrikant
berechnet  150.%'  auf  die  Arbeitslöhne;  in  den  produktiven  Löhnen
waren  Werkmeister-  und  Hilfsarbeiterlöhne  eingerechnet.  Es  war
zu  untersuchen,  ob  diese  Unkosten  bereits  in  dem  Aufschlag  von
150°/o  eingeschlossen  waren  und  etwa  doppelt  in  Ansatz  kamen.
Das  Gehalt  des  Werkmeisters,  der  produktiv  mitarbeitet,  kann  nur
teilweise  und  zwar  insoweit  den  produktiven  Arbeitslöhnen  zugerechnet ­
  werden,  als  seine  Tätigkeit  sich  nicht  auf  die  Aufsicht
und  Kontrolle  erstreckt.  Ob  dieser  Anteil  10  o/o.  oder  33 1 / 3 °/o  o.  ä.
des  Gesamtbetrages  ausmacht,  entscheidet  der  Betriebsleiter.  Ein
anderer  Produzent  rechnete  wie  folgt:
Arbeitslohn  ....  53,70
Ausschuß  25%  .  .  .  13,45
67,15
-j-  300%  Zuschlag  .  201,45
268,60
Abgesehen  von  der  unangemessenen  Höhe  der  Einzelbeträge
ist  es  unzulässig,  die  Unkostenzuschläge  auch  auf  den  Ausschuß
zu  rechnen.
Die  Erfahrung  hat  gelehrt,  daß  nachträglich  eingeforderte
Kostenberechnungen  zwecks  Prüfung  der  Angemessenheit  der  Preisforderung ­
  entweder  nicht  genügend  spezialisiert  oder  auf  den  bereits ­
  angegebenen  Angebotspreis  eingestellt,  „frisiert“  werden.
Ein  praktischer  Fall:  das  Angebot  für  einen  Artikel  aus  verzinktem ­
  (verbleitem)  Blech  war  30,80  Mk.  für  ein  Stück  und  erschien
unangemessen  hoch,  selbst  wenn  man  die  Dringlichkeit  der  Ablieferung ­
  in  Anrechnung  brachte.  Menge  10  000  Stück;  ohne  Garantie
für  die  Stärke  des  Bleches  und  rechtzeitige  Lieferung.  Die  eingeforderte ­
  Kostenberechnung,  gekürzt,  ergab  folgendes  interessante
Bild  (für  100  Stück):
        <pb n="75" />
        Materialien  .  .  .  904  Mk.
Preisdifferenz  hierauf  100  „  =  20%
Arbeitslöhne  416  „
Lohndifferenz  80  „  =  20  °/o
1580  Mk.
Werkzeuge  100  „
1680  Mk.
Unkosten  420  „  =25%
2100  Mk.
Gewinn  700  „  =33%%
Fracht,  Verpackung  280  „
3080  Mk.
Ein  Preis  von  16,70  Mk.  erschien  angemessen  und  wurde  vom
Lieferanten  angenommen.
Die  Unkostenzuschläge  müssen  für  die  Zwecke  der  Preisvergleichung ­
  hinsichtlich  ihrer  Unterlagen  spezialisiert  sein.  Wo  die
Vorarbeiten  erheblichen  Umfang  annehmen  und  nicht  im  Akkord
der  Hauptarbeit  entlohnt  werden  —  z.  B.  Zentrieren,  aufspannen
der  Werkzeuge,  einspannen  und  auswechseln  des  Arbeitsstahls,
richten  —  (müssen  die  Zuschläge  für  die  Unkosten  auf  Haupt-,  Vorund
  Nebenarbeiten  getrennt  berechnet  werden.
Während  des  Krieges  wurde  von  Unterlieferanten  über  unverhältnismäßig ­
  niedrige  Bearbeitungsptreise  von  seiten  der  Hauptlieferanten ­
  geklagt 1 ).  Die  Unterlieferanten  übernahmen  ohne  Betriebserfahrungen ­
  die  Bearbeitung  von  Halbfabrikaten  u.  ä.  zu
Preisen,  die  noch  nicht,  die  Selbstkosten  deckten.  Wenn  Kosten
auf  Grund  der  eigenen  Erfahrung  noch  nicht  feststellbar  sind,  die
Übernahme  „unter  Vorbehalt  der  Preisberechnung“  nicht  angängig
erscheint,  dürfte  es  sich  empfehlen,  zunächst  durch  Übernahme
eines  kleineren  Probeauftrages  (bei  Massenbearbeitung)  sich
über  die  eigenen  Selbstkosten  zu  unterrichten.
Es  ist  nicht  uninteressant,  den  Einfluß  der  Menge  auf  die  Preispolitik ­
  des  Erzeugers  an  einem  Beispiel  zu  zeigen  und  die  Preisforderungen ­
  mit  der  endgültigen  Preisabrede  mit  dem  Besteller  zu
vergleichen.  Es  handelt  sich  um  einen  Massenartikel  verhältnismäßig
einfacher  Konstruktion  und  um  die  Ergebnisse  einer  privaten  Submission ­
  (Stückpreis).

1 )  Einen  Schutz  bildet  die  vertragliche  Bindung  des  Hauptlieferanten  durch
den  Staat,  der  die  Bearbeitungspreise  für  die  Unterlieferanten  vorschreibt.
        <pb n="76" />
        70

Preisforderungen  der  Firmen  .

a

b

c

d

e

f

bei  10000  Stück
25000  „
50000  „  und  darüber

3,2
3,15
3,10

3,1
3,-2,93


2,95
2,90
2,85

3,05
2,98
2,85

3,12

j  3,2

Zuschlag  erfolgte  für  ....
Stück  (1000)
zum  Preise  von

100
2,95

75
2,93

125
2,85

125
2,85

70
3,-70


3-Ermäßigung

  gegen  den  niedrig.
Angebotspreis

15  4
=4,8»/.

—

—

—

124
=  4°/o

204
9,4  o/o

Die  Angemessenheit  einer  Preisforderung  kann  im  Hinblick  auf
die  Gestehungskosten,  die  .Marktlage,  die  Angebotsmenge,  die  Dringlichkeit ­
  des  Bedarfes  geprüft  werden.  Die  technisch-kalkulatorische
Prüfung  allein  hat  dann  keinen  entscheidenden  Einfluß  auf  die
Vergabe  einer  Lieferung,  wenn  die  Preisbestimmung  eine  Machtfrage ­
  der  Beteiligten  ist.  (Produzentenmonopole,  Syndikate  ohne
Außenseiter  u.  a.)
Spezial-  und  Generalkosten.
§  18.  Wir  haben  ausgeführt,  daß  die  Produktionskalkulation
die  Bestimmung  der  Selbstkosten  bezweckt,  daß  die  Verkaufs-  oder
Warenkalkulation  den  Verkaufspreis  eines  Fabrikates  ermittelt,  zu
dem  die  Ware  abgesetzt  werden  muß,  um  sämtliche  Kosten  zu  decken
und  Gewinn  zu  erzielen.  Diese  ist  technisch  und  rechnerisch  einfacher. ­
  Veranlassung  zur  Kalkulation  ist  die  Frage,  wieviel  ein
Produkt  nach  Fertigstellung  gekostet  hat  oder  wieviel  der  Gegenstand ­
  voraussichtlich  kosten  wird,  oder  ob  es  möglich  ist,  ein
Objekt  für  einen  im  voraus  bestimmten  Preis  den  vorgeschriebenen
Bedingungen  entsprechend  zu  lie'fern.
Die  Kalkulation  eines  Produktes  der  Veredelungs-Industrie ­
 1 )  —  diese  soll  zunächst  erörtert  werden  —  erfordert  die
genaue  Ermittelung  folgender  Elemente:
a)  Spezialkosten,  d.  h.  Selbstkosten,  die  durch  die  Fabrikation ­
  des  betreffenden  Produktes  entstehen  und  für  das
einzelne  Produkt  in  ihrer  Höhe  nachweisbar  sind.
')  Die  Produktion  mechanisch  -  technologischer  Fabrikbetriebe  ist  eine
Massen-,  eine  Reihen-  oder  eine  Einzelherstellung,  eine  betriebstechnisch
und  kalkulatorisch  wichtige  Unterscheidung.  Die  Massenherstellung  ermöglicht
eine  weitgehende  Zerlegung  der  Produktionsarbeit  in  Teilarbeiten,  die  Verteilung
der  Arbeiten  auf  eine  Reihe  von  Maschinen  (Werkzeugmaschinen),  sowie  Anpassung ­
  der  Maschinen,  Vorrichtungen  und  Werkzeuge  an  den  Sonderzweck.  Auch
die  Reihen-  oder  Serienherstellung  gestattet  eine  Arbeitszerlegung.  Die  Sonderanfertigung ­
  verteuert  die  Herstellungskosten.
        <pb n="77" />
        7T

1.  Menge  der  verbrauchten.  Rohmaterialien  und  der
verkaufsfertigen  Waren,  sowie  deren  Wert.
2.  Ausgaben  für  Löhne,  d.  i.  der  Geldwert  der  zur  Erzeugung ­
  erforderlichen  Arbeitsleistungen.
3.  Ausgaben  für  besondere  Leistungen.
b)  Generalkosten,  die  für  die  Unternehmung  als  Ganzes
verausgabt  werden,  im  einzelnen  für  eine  bestimmte  Ware
nicht  nachweisbar  sind:
4.  Ausgaben  für  allgemeine,  nicht  unmittelbar  verteilungsfähige ­
  Erzeugungs-,  Vertriebs-  und  Verwaltungskosten.
In  der  durch  dieses  Schema  gegebenen  Reihenfolge  sollen  die
Kostenbestandteile  ausführlich  erörtert  werden.
        <pb n="78" />
        II.  Abschnitt.

Die  Materialkosten.
§  14.  Die  Selbstkostenberechnung  hat  zu  unterscheiden:
1.  Fabrikations-  oder  Produktionsmaterial.  2.  Materialunkosten. ­
  3.  Unkostenmaterial  oder  unproduktives  Material.
Als  Roh-  oder  Fabrikationsmaterial,  das  in  vielen
Betrieben  nach  Haupt-  und  Nebenmaterial  zu  trennen  ist,  gilt  alles,
was  als  Substanz  des  Fabrikats  nach  mechanischer  oder  chemischer
Verarbeitung  bzw.  Bearbeitung  ganz  oder  teilweise  wieder  erscheint.
Materialunkosten  erhöhen  die  Selbstkosten  des  Fabrikationsmaterials:
  Kosten  der  Materialprüfung  und  Materialabnahme,
Bezugsspesen,  Kosten  der  Lagerverwaltung  (Umlagern,  Gehälter,
Löhne,  Reinigung,  Anteil  an  den  allgemeinen  Kosten  wie  Heizung,
Beleuchtung,  Versicherungsgebühren,  Abschreibung  der  Magazinräume), ­
  bei  länger  lagernden  Materialien  Zinsenverluste,  Materialverluste ­
  durch  Lagerung  und  Verarbeitung,  Transporte  der  Arbeitsstoffe ­
  innerhalb  der  Unternehmung  zur  Verwendungsstelle  u.  a.  m.
(vgl.  Materialaufschlag).  Man  verrechnet  die  Materialunkosten  häufig
mit  den  allgemeinen  Betriebsunbosten,  ein  Verfahren,  das  in  Betrieben ­
  mit  spezialisierter  Fabrikation  dann  unzulässig  ist,  wenn
der  Selbstkostenpreis  des  Rohmaterials  für  die  Kalkulation  größere
Bedeutung  hat.
Unkostenmaterial  ist  alles,  was  nicht  in  der  Substanz
des  Fabrikats  sich  wiederfindet,  aber  zu  dessen  Herstellung  erforderlich ­
  ist  (z.  B.  in  der  Eisengießerei  Koks,  Formsand).  Der  Wert
des  Unkostenmaterials  zählt  zu  den  mittelbaren  Aufwendungen  des
Fabrikationsbetriebes,  der  nicht  als  Materialwert  des  Einzelprodukts
kalkuliert  werden  kann.  Unkostenmaterial  wird  mit  den  Betriebsunkosten ­
  bzw.  Werkstattunkosten  verrechnet  (vgl.  allgemeine  Unkosten). ­

Die  Feststellung  des  Verbrauchs 1 )  an  Material  ist
der  Eigenart  des  Betriebes  und  des'  Fabrikationsprozesses  angepaßt.
*)  Auf  die  verschiedenen  Arten  der  Material-  und  Lohnermittelung  kann
hier  nicht  eingegangen  werden;  wir  empfehlen  als  Nachschlagewerke:  Grimshaw,
  Werkstattbetrieb  und  -Organisation,  Hannover,  1903  ,  3.  Aufl.,  1908.
        <pb n="79" />
        73

1 ! .  Man  „berechnet“  den  theoretischen  So  11  verbrauch
nach  Erfahrungssätzen  und  Formeln,  beispielsweise  in  der  Weberei
die  Berechnung  aus  der  Garnnummer  und  der  Soll-Länge  des  Fadens.
In  Walzwerken  wird  die  produzierte  Menge  häufig  nicht  gewogen,
sondern  berechnet;  aus  einem  Profilbuch  ergibt  sich  für  jedes  Profil
das  theoretische  Gewicht  pro  laufenden  Meter.  In  Walzwerken  berechnet ­
  man  die  Förderung  auch  nach  der  Tourenzahl  in  der  Minute
und  dem  Walzendurchmesser.  Der  kalkulatorische  Sollverbrauch
wird  später  mit  dem  tatsächlichen  Istverbrauch  verglichen  (retrograde ­
  Methode)  oder  nicht.  Der  Minder-  oder  Mehrverbrauch  läßt
auf  die  innere  Betriebsökonomie,  die  Zuverlässigkeit  des  Rechnungswesens ­
  und  der  Kontrolle  sowie  auf  die  Organisation  der  Verbrauchsaufzeichnungen
  schließen.
2.  Man  ermittelt  nach  den  fortlaufenden  Aufzeichnungen ­
  im  Betriebe  den  Einzelverbrauch  für  die  Leistungseinheit ­
  (Wiege-,  Materialausgabescheine,  Stücklisten,  Materiallisten,
Magazinanweisungen,  Materialrücklieferungsscheine  usf.).  Die  Aufzeichnungen ­
  beziehen  sich  auf  das  einzelne  Stück  (z.  B.  Maschinenindustrie; ­
  Spezialkalkulation,  direkte,  konkrete  Berechnung);  oder
man  zeichnet  für  einen  bestimmten  Zeitraum  —  Monat,  Quartal  —
den  Verbrauch  auf  und  ermittelt  daraus  einen  Durchschnittswert
für  die  Einheit  (z.  B.  Eisengießereien;  indirekte,  abstrakte  Berechnung, ­
  Gesamtkalkulation).
3.  Eine  bestimmte  Menge  des  Rohstoffs  wird  probeweise ­
  verarbeitet  und  der  Verbrauch  nach  Fertigstellung  berechnet ­
  (Musterkonstruktion  der  Maschinenindustrie,  Holzbearbeitungsindustrie). ­

4.  Ähnlich  ist  eine  Methode,  welche  die  innerhalb  einer  Lohnoder ­
  Arbeitsperiode  in  Arbeit  gegebene  Menge  des  Materials,
die  Menge  der  Fertigfabrikate  auf  zeichnet  und  danach  den  Verbrauch ­
  feststellt  (Holzbearbeitung).
5.  Man  bestimmt  am  fertigen  Arbeitsstück  durch
Messen  den  Materialverbrauch  und  trägt  das  Ergebnis  in  die  Kalkulationszettel ­
  ein  (Möbelindustrie).
6.  Man  ermittelt  den  Verbrauch  durch  monatliche  Inventur: ­
  Anfangsbestand  =  Materialeingang  —  Schlußbestand,  gibt
den  tatsächlichen  Verbrauch  durch  Fabrikation  und
sonstigen  Abgang  (Gießereien),  den  man  mit  den  Betriebsaufzeichnungen, ­
  d.  i.  mit  dem  buchmäßigen  Verbrauch  oder  mit  dem  theo-Daele,
  Moderne  Buchführung,  Stuttgart,  1904.  Schmelzer,  Werkstattbuchführung ­
  für  Maschinenbauer,  3.  Auf!.,  1900.  Garcke  u.  Fells,  Factory
Accounts,  5.  Edition,  London  1902.  Lew  in,  Werkstättenbuchführung  für
moderne  Fabrikbetriebe,  Berlin  1906.  Schlesinger,  Selbstkostenberechnung
im  Maschinenbau.  Berlin  1911.
        <pb n="80" />
        retischen,  kalkulatorischen  Sollverbrauch  vergleicht.  Nach  einem
anderen  Verfahren  ermittelt  man  den  Sollbestand  auf  Grund  des
berechneten  oder  auf  gezeichneten  Verbrauchs  und  vergleicht  ihn
mit  dem  tatsächlichen  Istbestand,  der  durch  Inventur  oder  Schätzung
bestimmt  wird  (Hüttenwerke).
Diesen  Methoden  entsprechend  gestaltet  sich  die  k  o  n  t  e  n  -  -
förmige  Verrechnung  der  Materialkosten.  Auf  der  Eingangsoder ­
  Sollseite  des  Materialienkontos  stehen  Anfangsinventurbestand
und  Eingangswert  der  eingekauften  oder  selbsterzeugten  Betriebsrohstoffe: ­
  a)  Auf  der  Habenseite  (Ausgang)  wird  der  Schlußbestand,
beispielsweise  am  Ende  des  Jahres  eingestellt.  Der  Kontensaldo  (Anfangsbestand ­
  -j-  Eingang  —  Schlußbestand)  ergibt  den  buchmäßigen
Verbrauch  an  Materialien,  b)  Auf  der  Ausgangsseite  wird  entsprechend ­
  den  Verbrauchsaufzjeichnungen  monatlich  der  Wert  (Selbstkosten-, ­
  Normalpreis)  der  an  die  Produktionsbetriebe  abgegebenen
Materialien  verbucht,  beim  Jahresabschluß  durch  Inventur  der
Schlußbestand  festgestellt.  Der  Saldo  des  Kontos  liefert  eine  Kalkulationsdifferenz ­
  bzw.  ein  Manko  im  Lagerbestand,  dessen  Berechtigung ­
  durch  Nachprüfung  der  Verrechnung  zu  kontrollieren
ist.  c)  Der  Soll  verbrauch  wird  dem  Materialienkonto  kreditiert,
dem  Fabrikations-  oder  Aufwandkonto  belastet  und  der  Schlußbestand
durch  Inventur  festgestellt.  Der  Kontensaldo  gibt  den  Mehr-  oder
Minderverbrauch  gegenüber  dem  Sollverbrauch  an.
Entsprechend  der  Bestimmung  des  Materialverbrauchs  wird
auch  die  Ermittelung  der  Materialverluste  gehandhabt:
Messen  oder  Abwiegen  des  Rohmaterials  und  der  Fertigfabrikate
sowie  der  Abfälle;  Vereinfachung  des  Verfahrens  durch  Anwendung
von  Normalzahlen,  das  sind  Schätzungszahlen  für  Abbrand,  Abfälle
und  anders  benannte  Material  Verluste,  verbunden  mit  einer  Generalprobe ­
  auf  Grund  der  Betriebsaufzeichnungen  oder  ohne  eine  solche
nachträgliche  Prüfung  der  theoretischen  Zahlen  (der  Sollverluste)
und  demnach  ohne  Feststellung  des  Wechsels  in  den  Betriebsverhältnissen. ­

Schließlich  eine  kurze  Bemerkung  über  die  Materialkontrolle ­
  und  -ausgabe 1 ).  Die  erstere  erstreckt  sich  auf  fachmännische ­
  Überwachung  der  Materiallieferungen  hinsichtlich  der
Güte  —  durch  technisch  gebildete  Beamte  zu  prüfen  —  und  der
Menge,  sachgemäßer  Ausführung,  der  Richtigkeit  und  der  Angemessenheit ­
  der  Preise;  endlich  hat  sie  die  ordnungsmäßige  Gebarung
mit  den  Lagerbeständen  und  di©  richtige  Verrechnung  der  ausgegebenen ­
  Materialien  zu  überwachen.  Je  größer  die  Geldkapitalien
sind,  die  in  Materialbeständen  angelegt  sind,  je  größer  die  Zersplitte-')

  Ausführlicher  mein  Buch:  Kontrolle  .  .  .  1920.  S.  197  ff.
        <pb n="81" />
        75

rung  des  Materials  ist,  je  mehr  Ausgabestellen  vorhanden  sind,  desto
größer  ist  die  Gefahr  der  Verluste  durch  unredliche  oder  fahrlässige
Gebarung,  desto  größer  die  Bedeutung  wiederholter  scharfer  Kontrolle.
Materialpreise.  '
§  15.  Die  Materialien,  deren  Umformung  oder  Umwandlung
Zweck  der  Unternehmung  ist,  sind  entweder  auf  eigenem  oder
fremdem  Lager,  oder  sie  werden  von  auswärts  vollständig  bearbeitet, ­
  teilweise  bearbeitet  bziw.  in  rohem  Zustande  bezögen,  eingekauft, ­
  oder  sie  werden  im  eigenen  Betriebe  selbst  erzeugt.
Die  Verrechnung  des  Materialverbrauchs  in  der
Kalkulation  erfolgt  zum  wirklich  bezahlten  oder  dem  gegenwärtigen
Anschaffungswert,  zu  einem  unveränderlichen  Normaloder ­
  Verrechnungspreis.  In  einzelnen  Betrieben  mit  stark
schwankenden  Materialpreisen  läßt  man  den  Wert  der  Rohstoffe
zunächst  unberücksichtigt,  kalkuliert  nur  die  Herstellungsbzw.
  Bearbeitungskosten  und  rechnet  als  Materialselbstkostenpreis
jenen  Anschaffungspreis  an,  der  für  den  Deekungskauf  des  verarbeiteten ­
  Materials  zu  bezahlen  ist  (z.  B.  Kupferwalzwerke).
a)  Gewöhnlich  werden  die  zur  Verarbeitung  kommenden  Lagervorräte ­
  zum  wirklich  bezahlten  Anschaffungswert,
d.  i.  Einkaufspreis,  einschließlich  aller  Bezugskosten  bis  in  die
Fabrik  und  einschließlich  der  Bearbeitungskosten  des  Materials
kalkuliert.  Der  Tagespreis  bleibt  unberücksichtigt 1 ).
b)  In  der  Kostenberechnung  berücksichtigt  man  trotz  der  Lagervorräte ­
  den  gegenwärtigen  Tagespreis.  Der  Preisunterschied ­
  zwischen  den  wirklich  bezahlten  und  den  anzurechnenden
Tagespreisen  geht  zugunsten  oder  zu  Lasten  des  Unternehmergewinns. ­
  Ist  der  Preis  der  Rohstoffe,  von  denen  noch  alte  Bestände ­
  vorhanden  sind,  und  die  nun  aufgearbeitet  werden,  gesunken  2 ),
wird  für  das  Angebot,  für  das,  falls  erhebliche  Konkurrenz  der
Produzenten  in  Betracht  kommt,  der  billigste  Preis  entscheidet,  der
*)  Vgl.  Schmalenbach,  in  dessen  Zeitschrift,  III.  Jahrgang,  S.  50f.
*)  Ein  Hochofenwerk  berücksichtigt  beim  Jahresschluß  den  Marktpreis  der
Bestände  wie  folgt:
&amp;lt;*  *)  Bestand  -f-  Eingang  bis  1.  Dezember:
15  000  t  zu  10  Mk.  (Durchschnittspreis)  =  150  000  Mk.
ß)  Ausgang:
14  000  t  zu  10  Mk.  (Durchschnittspreis)  =  140  000  Mk.
Lagerbestand  Ende  Dezember  600  t  zum  Marktpreis  des  Monats  Dezember  zu
7  Mk.  =  Bestandswert  4200  Mk.  Der  Verbrauch  im  Monat  Dezember  von  400  t
berechnet  sich  wie  folgt:  150000—  (140000-f-4200)  =  5800  Mk.  auf  die  Tonne
berechnet  14,50  Mk.  Selbstkostenpreis  des  Verbrauchs  im  Monat  Dezember.  Di*
Wertminderung  der  Lagerbestände  wird  in  diesem  Beispiel  dem  letzten  Produktionsmonat ­
  zur  Last  geschrieben.
        <pb n="82" />
        76

geringere  Tagespreis  angerechnet  werden  müssen.  Man  denke  an
die  Zeiten  sinkender  Konjunktur  bei  vorangegangener  Hochkonjunktur, ­
  aus  der  noch  Lieferungsverträge  zu  hohen  Preisen  bestehen.
Für  das  Angebot  müssen  die  billigeren  Tagespreise,  in  der  Nachkalkulation ­
  müssen  die  wirklich  zu  bezahlenden  hohen  Einkaufskosten ­
  angesetzt  werden.  Die  teueren  Lagerbestände  müssen  abgestoßen ­
  und  neue  Materialien  zu  billigeren  Preisen  hereingenommen
werden,  während  die  Lieferungsverträge  zu  hohen  Bezugspreisen
erfüllt  werden  müssen.  Bei  steigenden  Materialpreisen  kann  der
Materialpreisgewinn  ausgenutzt,  der  anzubietende  Verkaufspreis  entsprechend ­
  hinaufgesetzt  werden,  trotz  der  vorhandenen  billigeren
Lagerbestände:  im  Bruttogewinn  der  Unternehmung  steckt  ein
Materialpreisgewinn  als  Folge  der  schwankenden  Marktpreise.  In
die  Nachkalkulation  werden  die  wirklich  bezahlten  Einkaufspreise
eingestellt.  Der  Unternehmer  kann  aber  auch  auf  den  Sondergewinn
verzichten,  muß  aber  später  mit  der  verteuerten  Eindeckung  des
Materialbedarfs  rechnen.
Die  Schwankungen  im  Materialpreis  bedingen
Schwankungen  in  den  Selbstkosten,  bei  sinkenden  Preisen  und  großen
Lagerbeständen  überdies  beträchtliche  Verluste,  wenn  die  Verkaufspreise ­
  der  Fertigfabrikate  nicht  entsprechend  reguliert  werden
können.  Verschiedene  Maßnahmen  sollen  die  Wirkungen  der  Preisschwankungen ­
  der  wichtigsten  Materialien  paralysieren.  Zunächst
durch  Abschluß  langjähriger  Lieferungsverträge;  so  vorteilhaft ­
  sie  als  feste  Berechnungsgrundlagen  sind,  so  schützen  sie  zwar
vor  Preissteigerungen,  nicht  aber  vor  Preisrückgängen,  ganz  abgesehen ­
  von  der  üblen  Gewohnheit  mancher  Lieferanten,  bei  einer
für  sie  ungünstigen  Preisentwicklung  hinterher  durch  Ausreden
von  der  tatsächlichen  Lieferung  der  auf  Abruf  verkauften  Mengen
sich  zu  befreien  oder  geringere  Qualitäten  oder  kleinere  Mengen
zu  liefern.  Auch  bei  Produktionseinschränkungen  können  Lieferungsverträge ­
  nachteilig  wirken.  Das  Bestreben,  Verluste  bei  sinkenden
Preisen  abzuwälzen,  hat  zur  Einführung  der  sogenannten  Baisseklausel
  geführt,  wonach  infolge  Vereinbarung  der  im  Lieferungsvertrag ­
  bedungene  Preis  nur  so  lange  Geltung  haben  soll,  als  der
Marktpreis  der  zu  liefernden  Ware  nicht  oder  nicht  unter  einen
bestimmten  Prozentsatz  sinkt.  Andernfalls  soll  der  Abschluß  für
den  niedriger  gewordenen  Marktpreis  gelten:  eine  automatische
Preisminderung,  die  nur  ein  wirtschaftlich  starker  Abnehmer  durchdrücken ­
  kann.  Kapitalgesellschaften  suchen  Ertragsminderungen
durch  Preisschwankungen  vorzubeugen,  indem  sie  offene  sichtbare
Gewinnrücklagen  (Reserven)  schaffen;  in  der  Regel  ist  die  besondere ­
  Zweckbestimmung  in  der  Benennung  der  Reserve  nicht
zum  Ausdruck  gebracht  (Spezialreservefonds,  richtiger  Preis-Del ­
        <pb n="83" />
        77

kredere-Reserve).  Auch  unsichtbare,  stille  Reserven,  durch  Minderbewertung ­
  der  Lagerbestände  in  günstigen  Jahren  sollen  denselben
Zweck  erreichen.  In  der  Textilbranche  berechnet  man  mitunter
eine  Art  Versicherungsprämie  durch  Einstellung  eines
reichlich  bemessenen  Aufschlags  für  Materialverluste  und  allgemeine
Fabrikationsunkosten,  durch  vermehrte  Anwendung  von  Surrogatstoffen ­
  (Baumwolle  in  Seidenwarenfabriken).  Auch  die
Kapitalbeteiligungen  an  Unternehmungen  der  Rohstoff
liefernden  Industrie,  häufig  in  Verbindung  mit  Lieferungsverträgeny
sollen  vor  Preisverlusten  schützen  oder  sollen  sie  durch  die  Rente
des  Beteiligungskapitals  vermindern.
Für  Unternehmungen,  die  mit  starken  Schwankungen  der  Rohstoffpreise ­
  zu  rechnen  haben,  dürfte  sich  die  Aufstellung  einer
Preisveränderungstabe  Ile  empfehlen,  die  es  ermöglicht,
ohne  Einzelkalkulation  sofort  den  Einfluß  der  Preisveränderung  auf
die  eigenen  Selbstkosten  abzulesen,  z.  B.  (Bruchstück):
Bei  einer  Veränderung  des  Preises  um  I  Mk.  für  o/o  kg  für

Baumwolle

Salpeter

Oleum  70°  Be

verändert  sich  der  Selbstkostenpreis  für  100  kg  (Fabrikat)  um

0,45  Mk.

1,25  Mk.

0,93  Mk.

Ein  anderes  Beispiel:  Metallwaren:  Grundpreis  des  Messing
300  Mk.  für  100  kg;  Rohgewicht  des  Fabrikates  a  =  2,36  kg,
b  —  1,95  kg.  Preisschwankungen  von  10  zu  10  Mk.

Marktpreis

Materialkosten

a

b

300,-7,10



5,85

310,—

7,35

6,05

320,—

7,55

6,25

330,—

7,80

6,45

340,—

8,05

6,65

c)  Die  Verrechnung  des  Materialverbrauchs  zu  Durchschnittspreisen ­
  aus  der  Menge  der  Bestände  und-,  der  Eingänge, ­
  sowie  den  sämtlichen  Ausgaben  bis  zum  Lagerplatz  zeigt
folgendes  Beispiel:
        <pb n="84" />
        78

Erz  (Monat  April):

Eingang:  Bestand:  5000  t  zu  5,20  Mk.
Zugang  lnnnn  a  —

16  000  *
24  000  „
52  500  „

26  000  Mk,
30  000  „

Fracht
Abladen

3  500  ”

Durchschnittspreis
zus.  26  000  t  5,85  Mk.  =  152  000  Mk.

Die  Abgabe  an  die  Hochöfen  (23  000  t)  wird  mit  dem  Durchschnittspreis ­
  verrechnet,  eine  Berechnung,  die  auf  den  Bestandswert ­
  Rücksicht  nimmt.  Würde  man  nur  aus  den  Eingängen
einen  Durchschnittspreis  bilden  (6  Mk.  die  Tonne),  so  hätte  dies  eine
.Verteuerung  der  Produktion  (138  000  Mk.  statt  134550  Mk.)  und
eine  nicht  gerechtfertigte  Vorbilligung  des  Bestandswertes  zur  Folge
(statt  5,81  Mk.  *)  die  Tonne  4,66  Mk.  die  Tonne).
d)  Manche  Rohstoffe  sind  häufigen  und  größeren  Preisschwankungen ­
  unterworfen.  In  solchen  Fällen  sucht  man  diese  Unsicherheitund
  ihren  Einfluß  auf  die  Selbstkostenberechnung  auszuschalten,
indem  man  in  der  Kostenermittelung  zunächst  einen  unveränderlichen ­
  Grundpreis  —  Standard-,  Normalpreis  —  als  Durchschnittswert ­
  ohne  Rücksicht  auf  den  Tagespreis  einsetzt  und  den
Unterschied  zwischen  Grund-  und  Tagespreisen  durch  einen  Aufschlag ­
  ausgleicht.
Eine  Fabrik  der  elektrotechnischen  Industrie  berechnet  den
„Teuerungszuschlag“  —  darunter  wird  hier  der  oben  angeführte
Preisunterschied  verstanden  —  auf  die  gesamten  Selbstkosten.  „Auf
dem  Rohstoff-Konto  werden  die  angeschafften  Materialien  zum  Einkaufs- ­
  und  Grundpreis  eingesetzt  und  am  Jahresschluß  ermittelt,
um  wie  viele  Prozente  der  erstere  vom  Grundpreis  abweicht.  Dieser
Zuschlag  wird  im  nächsten  Betriebsjahr  als  Aufschlag  auf  die  Selbstkosten ­
  (!)  angerechnet“,  während  des  Betriebsjahres  jedoch  allmonatlich ­
  kontrolliert  durch  die  folgende  beispielsweise  angeführte
Rechnung:
Im  Monat  Oktober  wurde  Kupfer  angekauft,  dessen  Anschaffungskosten ­
  gegenüber  dem  Grundpreis  um  1080,—  Mk.  höher  sind.
Der  Umsatz  sei  13100,—  Mk.
abzüglich  der  Gewinnquote  1550,—  „
die  Selbstkosten  betragen  '  11  550,—  Mk.,
als  Zuschlag  wurden  10%  eingerechnet,  d.  i,  1 / 11  von  den  Selbst-')
  Durch  die  Berechnung  des  Verbrauchers  (23  000  t  zu  5,85)  sind  134550  Mk.
der  Selbstkosten  gedeckt;  der  Restbestand  kostet  im  Durchschnitt  17  450  Mk.
für  3000  t.
        <pb n="85" />
        79

kosten  ==  1050,—  Mk.;  d.  h.  durch  Verkäufe  im  Oktober  sind  die
Materialmehrkosten  nicht  völlig  gedeckt.
Für  derartige  Betriebe  erscheint  die  auf  S.  41!  (2.)  angegebene
Methode  der  Berechnung  besser  zu  sein.  Wir  haben  das  Beispiel
so  wiedergegeben,  wie  es  uns  Vorgelegen  hat,  halten  aber  den  Vor. 1 -,
gang  in  diesem  Fall  für  verfehlt.
Für  Fabrikationsbetriebe,  die  aus  dem  eingekauften  Rohstoff
Zwischenprodukte  in  verschiedenen  Sorten  für  die  Weiterverarbeitung ­
  im  eigenen  Betriebe  erzeugen  (beispielsweise  Leinenspin'nerei:
  Rohflachs,  Werg,  Hechelflachs)  oder  aus  dem  Rohmaterial ­
  Warensorten  mit  verschiedenen  Marktpreisen  produzieren
(Müllerei:Weizen-Mehl  in  verschiedenen  Sorten)  ist  die  Berechnung
der  Selbstkosten  des  Rohstoffes  mit  Schwierigkeiten  verbunden,
wenn  nicht  unmöglich.  Auch  in  diesen  Fällen  hilft  man  sich  mit
einem  Grund-  oder  Standardpreis.  Z.  B.  Eine  Partie  von
9000  kg  Rohflachs 1 )  im  Selbstkostenwert  von  9000  Mk.  liefert
nach  dem  Hecheln  4400  kg  Werg  in  vier  Qualitätssorten  und  4550  kg
gehechelten  Flachs  in  fünf  Qualitätssorten.  Jede  einzelne  Sorte  bzw.
Nummer  wird  mit  einem  unveränderlichen  Grundpreis  bewertet.
„Dieser  Standardwert  wird  bestimmt  nach  dem  erfahrungsgemäßen
Marktwert  der  betreffenden  Qualität  und  Nummer  und  nach  dem
Verhältnis  des  Flachspreises  zürn  Verkaufswert  der  daraus  angefertigten ­
  Ware.“  Die  Partie  liefert:
1000  kg  Werg  Nr.  1  ä  0,40  Mk.  (Grundpreis)  =  400  Mk.

1800  „  „

„  2  „  0,45  „

&amp;gt;5

=  810  „

900  „  „

,,  3  „  0,50  ,,

11

=  450  „

700  „  „

„  4  „  0,55  „

5»

==  385  „

4400  kg  Werg  zu  Standardpreisen  berechnet  =  2045  Mk.
550  kg  Flach  Nr.  1  ä  1,20  Mk.  (Grundpreis)  =  660  Mk.

1000  „  „

15

2  „

1,40

11

&amp;gt;5

=  1400

1500  „  „

11

3  „

1,60

51

»5

=  2400

1000  „  „

!&amp;gt;

4  „

1,80

5»

11

=  1800

500  „

!&amp;gt;

5  „

2,00

5»

5»

=  1000

4550  kg  Flachs  zu  Standardpreisen  berechnet  ==  7260  Mk.
Der  berechnete  Gesamtselbstkostenpreis  der  Partie  (2045  -{-  7260)
beträgt  somit  9305  Mk.
der  Einkaufspreis  9000  „
Unterschied  305  Mk.
d.  h.  die  Partie  ist  gegenüber  den  Standardpreisen  um  etwa  3,28%’
billiger.  Die  Anwendung  des  Standardpreises  in  der  Kalkulation
0  Nach  Schütz,  Die  Kalkulation  einer  Leinenspinnerei  und  Leinenzwimerei.
  Zeitschr.  für  handelsw.  Forschung,  III.  Jahrg.,  S.  494  f.
        <pb n="86" />
        80

zeigt  das  folgende  Beispiel:  Ein  Schock  (tarn  einer  bestimmten
Nummer  wiegt  80  kg,  Spinnverluste  20o/o,  demnach  Materialerfordernis ­
  96  kg  zum  Standardwert
zu  1,20  Mk.  =  115,20  Mk.  Materialwert
-f-  25,—  „  Spinnkosten
140.20  Mk.  Herstellungs-  bzw.  Inventurpreis
-(-  4,—  „  Verkaufsfracht
144.20  Mk.
+  21,65  „  15%  Verkaufsspesen
Selbstkosten  165,85  Mk.  (Verkaufspreis  ohne  Gewinn.)
l°/o  Abweichung  vom  Standardpreis  macht  115  -f-  15%'  Verkaufsspesen ­
  (17)  —  1,32  Mk.  Ist  der  Einkaufspreis  so  günstig  gewesen, ­
  daß  die  verarbeitete  Partie  beispielsweise  10  o/o'  unter  Standard
kalkuliert,  so  stellt  sich  der  Herstellungspreis  des  Garns  um  1,32
X  20  —  26,40  Mk.  billiger  als  140,20  Mk.,  d.  h.  auf  113,80  Mk.,
der  Verkaufspreis  auf  139,45  Mk. x ).
Der  unveränderliche  Grundpreis  für  Rohmaterialien  kann  auch
in  der  Buchführung  Verwendung  finden.  Alles  eingekaufte
Haupt-  und  Nebenmaterial  wird  mit  dem  für  das  Rechnungsjahr
festgesetzten  unveränderlichen  Grundpreis  dem  Materialkonto  belastet ­
  und  der  Preisunterschied  gegenüber  dem  wirklich  bezahlten
mit  einem  Konto  für  Materialpreisdifferenzen  verrechnet  [für  den
Überpreis  belastet,  für  den  .Unterpreis  kreditiert] *  2 ).  Der  Zahlenunterschied ­
  zwischen  der  Sollseite  des  Preisausgleich-Kontos  (Preissteigerung) ­
  und  der  Habenseite  (Preisminderungen)  ergibt  am  Jahresende ­
  einen  Überblick  über  das  Verhältnis  zwischen  dem  kalkulatorischen ­
  Grundpreis  und  den  wirklich  bezahlten  Preisen.
Wir  haben  in  der  chemischen  Großindustrie  die  Verrechnung
des  Verbrauches  an  Rohstoffen  und  Vorfabrikaten  zu  Normalpreisen
in  Verbindung  mit  dem  Tantiemesystem  für  Betriebschemiker  oft
gefunden.  Die  Abgabe  jener  Fabrikationsmaterialien  vom  Magazin
an  den  Betrieb  erfolgt  zu  festen  Verrechnungspreisen.  Für  die
Betriebskostenberechnung  hat  dieser  Verrechnungsmodus  besondere
Vorzüge.  Die  monatlichen  Schwankungen  in  den  Selbstkosten  eines
Fabrikates  sind  auf  Konjunkturschwankungen,  also  Rohstoffpreisveränderungen ­
  und  auf  Veränderungen  in  den  Fabrikationskosten
zurückzuführen.  Die  Belastung  des  Rohstoffverbrauchs  mit  dem
J )  Über  eine  andere  Methode,  welche  die  einzelnen  Sorten  unter  Anwendung
fester  Marktpreisunterschiede  kalkuliert,  vgl.  Rückert,  „Die  Kalkulation ­
  im  Mühlenbetriebe“,  Zeitschr.  f.  handelsw.  Forschung,  IV,  S.  402  f.
2 )  ßuchungsbeispiel:
Materialienkonto  an  Kreditorenkonto  .  .  .  .  95
an  Konto  für  Materialpreisdifferenzen  5
100  (Grundpreis).
        <pb n="87" />
        81'

Einstandspreis  würde  das  kalkulatorische  Bild  insofern  trüben,  als
die  beiden  Ursachen  der  Schwankungen  rechnungsmäßig  nicht  auseinander ­
  gehalten  werden  können.  Der  Betriebsmann  soll  für  sparsame ­
  Produktion,  für  Verbilligung  der  Arbeitskosten,  Steigerung  der
Ausbeute  und  Qualität  gewinnbeteiligt  sein.  Der  Einkauf  der  Werkstoffe ­
  unterliegt  nicht  seiner  Zuständigkeit.  Durch  Einführung  der
Verrechnungspreise  wird  der  Kalkulationspreis  des  zu  verarbeitenden
Fabrikationsmaterials  stabilisiert  —  die  Konjunkturschwankungen
des  Rohstoffpreises  werden  anderweitig  nachgewiesen  —,  die
schwankenden  Ausbeuten  und  Herstellungskosten  treten  ohne  weiteres
klar  in  Erscheinung.
e)  Im  Fälle  der  Selbsterzeugung  des  Rohstoffes  bildet
die  Fabrikation  des  Rohstoffes  eine  selbständige  Betriebsabteilung,
deren  Kosten  wie  jene  anderer  Betriebsabteilungen  zu  ermitteln  sind.
In  der  Regel  ist  der  Produktionswert,  auf  die  Maß-  oder  Gewichtseinheit ­
  berechnet,  der  Materialwert  für  diejenigen  Abteilungen,  die
den  Rohstoff  zur  Weiterverarbeitung  empfangen.  (Vgl.  S.  87  f.)
Rechnerisch  ist  die  Erzeugung  oder  die  Herrichtung  des  Rohstoffes ­
  vom  Verbrauch  an  Rohstoffen,  der  Erfolg  der  Selbsterzeugung
vom  Ertrag  der  fabrikatorischen  Haupttätigkeit  zu  trennen.
Im  folgenden  Beispiel  werden  Korkabfälle  bezogen,  zerkleinert,
gemahlen  und  der  Schrot  weiterverarbeitet.  Die  Herstellungskosten
des  Schrot  sind  Vorkosten  der  Fabrikation.  Die  Arbeitslöhne
spielen  eine  untergeordnete  Rolle,  die  Kosten  des  Werkstoffes  überwiegen ­
  deshalb  die  Verteilung  der  Generalkosten  im  Verhältnis 1
des  Umsatzes.  (Im  Anhang,  Pappefabrikation,  ein  ähnliches
Beispiel  mit  Verteilung  der  Unkosten  im  Verhältnis  der  Gestehungskosten.) ­


i

Kalkulation  von  Kunstkork.

Einkaufspreis  der  Korkabfälle

je

100  kg  Mk.

75,-Fracht



33

&amp;gt;3

3&amp;gt;

33

7-Verladen,

  Entladen  und  sonstige

Spesen

33

3»

33

33

9
*"  3

Zerkleinern  der  Abfälle  ....

33

33

33

33

11-Ausmahlen

  der  zerkleinerten  Abfälle



33

33

33

33

5,—  Mk.

40°/o  Verlust  beim  Mahlen  der
Korkabfälle  aus  Mk.  100,—  ....  Mk.  40,—
abzüglich  Erlös  durch  Verkauf  des  beim  Mahlen
sich  ergebenden  Abfalles  je  100  kg
Mk.  17—  =  40  °/o  „  6,80  „
Sichten  und  Reinigen  des  Schrotes  je  100  kg  ,,
100  kg  fertiger  Schrotkosten  Mk.

100  —

33,20
7,80
141-Leitner,

  Selbstkostenbereclmung.  7.  Aufl.

6
        <pb n="88" />
        Es  werden  benötigt:
Schrot  zu  Mk.  1,41  Mk.  22,35
Bindemittel
Pressen  und  Trocknen
Schneiden  auf  der  Säge
Schneiden  der  Streifen  mit  dem  Zi  rkularmesser
Würfelschneiden
Rundschneiden  •  .  .  .
Betriebsmaterialien  etc
Sortieren

15%  Ausschuß
Verpackung  .
Versandfracht

25%  Generalkosten  1  „  v  ,  ,
10  o/o  Verdienst  }  VOm  Verkaufs P reis

f)  Die  Bearbeitung  bzw.  Verarbeitung  des  Materials  vollzieht
sich  in  vielen  Fällen  in  einzelnen  scharf  voneinander  zu  trennenden
Arbeitsprozessen  oder  -Stufen.  Jedes  Stadium  verursacht  Kosten;
die  Gesamtkosten  des  Produkts  werden  ermittelt,  indem  man  die
Kosten  der  einzelnen  Stufen  addiert.  Bezeichnet  man  die  einzelnen
Arbeitsstufen  mit  1,  2,  3,....,  die  Aufwendungen  der  einzelnen
Stufen  mit  l x ,  1 2 ,  1 3 ,....  „  so  ergibt  sich 1  als  Selbstkostenpreis
der  Arbeit:
\
lj  4"  4  “j“  ^8  *4“  +  ln
’Die  Kosten  eines  einzelnen  Arbeitsprozesses  können  nur  dem
brauchbaren  Produkt  zur  Last  geschrieben  werden.  Nun  gibt  es
Betriebe,  in  denen  sich  folgender  Fäll  ereignet:  Der  Arbeitsprozeß  I
liefert  m  kg  brauchbares  Produkt;  die  Gesamtmenge  geht  zur
weiteren  Verarbeitung  in  den  Betrieb  2  über,  der  (m—n)  kg  Produkt
ergibt.  Der  Abfall  (n  kg)  des  Prozesses  2  war  aber  für  Prozeß  1
brauchbares  Produkt,  verursachte  somit  dieselben  Kosten  wie  das
fertige  Produkt  ^auf  100  Einheiten  berechnet  ;  deshalb
sind  den  Kosten  des  Prozesses  2,  berechnet  für  (m—n)  kg,  die  Kosten)
der  Abfälle  im  vorhergehenden  Arbeitsstadiumj  zuzurechnen  (V  orkosten). ­

Ein  Beispiel  wird  die  Ausführungen  verständlicher  machen.
Ein  Werk  schmilzt  (reinigt)  das  bezogene  Rohmaterial  (Kupfer),

45,—
3,25
1-1,20

—,50
1,80
2,50
2,20

Mk.

79,30
11,90
1,35
—»40

Mk.

92,95

35,75

,,

14,30

Mk.

143,—
        <pb n="89" />
        83

walzt  die  Blöcke  zu  einem  dicken  Draht,  die  dann  im  Drahtzug  zu
fertigem  Draht  gezogen  werden.  Alle  drei  Prozesse  liefern  Abfälle.
I.  Der  Schmelzofen  liefert  23  289  kg  Schmelzgut  für  das  Drahtwalzwerk; ­
  100  kg  des  Schmelzgutes  verursachen  Mk.  31,02  Aufwendungen ­
  (direkte  für  Löhne,  Brennmaterial,  Betriebsmaterial;
allgemeine  Unkosten).
II.  Das  Walzwerk  erhält  23  289  kg  Rohmaterial  und  liefert:
16114  kg  Walzgut  mit  Mk.  10  575,10  Walzkosten  und  5  657  kg
=  35,3o/o  Abfälle.
100  kg  des  Walzgutes  kosten  somit  ....  Mk.  65,60
auf  je  100  kg  des  Walzgutes  entfallen  aber
35,3  kg  Abfälle,  die  Mk.  31,02  für  100  kg
Schmelzkosten  verursachten  (I.).  Die  Kosten
(nicht  der  Materialwert!)  für  35,3  kg  sind  deshalb

einzurechnen  mit  .  ■  „  10,95
Gesamtkosten  für  100  kg  Walzgut  ohne  Materialwert ­
  ...  Mk.  76,55

III.  Der  Drahtzug  empfängt  16114  kg  Walzgut  zur  Weiterverarbeitung. ­
  Er  liefert:
Verschiedene  Dimensionen  3132  kgmitMk.  3107^84
Bearbeitungskosten,  439  kg  =  14°/o  Abfall.
100  kg  Draht  kosten  (ohne  Materialwert)  .  .  Mk.  99,18
14  kg  des  Abfalls  zu  Mk.  76,55  (II.)  ....  „  10,72
100  kg  des  Produktes  kosten  insgesamt  .  .  Mk.  109,90
Wenn  die  von  auswärts  bezogenen  Rohstoffe  zunächst  einer
Umarbeitung  unterzogen  werden  (z.  B.  Reinigung  des  Metalls,  des
Kaolins),  oder  wenn  das  Rohmaterial  im  Betrieb  selbst  erzeugt  wird,
so  sind  die  Kosten  dieser  Prozesse  als  „Vorkosten“  zu  behandeln.
Der  Materialwert  des  Rohproduktes  ist  dann  in  gleicher  Weise  zu
berechne^  wie  die  Selbstkosten  eines  Fabrikates  (vgl.  S.  81).
Hat  ein  Betrieb  die  Wahl,  reines  oder  ungereinigtes  Material  zu  beziehen
und  dieses  im  eigenen  Betrieb  zu  reinigen,  so  wird  für  die  Entscheidung  die
Kentabilität  in  Frage  kommen;  z.  B.  bei  Material  von  großem  Gewicht,  ob  die
Frachtdifferenz  gegenüber  dem  größeren  Gewicht  des  ungereinigten  Stoffes  die
Kosten  des  Eeinigungsprozesses  deckt,  ob  gereinigtes  Material  billiger  zu  stehen
kommt  als  der  Bezug  des  ungereinigten,  zuzüglich  der  höheren  Transportkosten
und  der  Reinigungskosten  u.  ä.
Die  Gesamtkosten  sind  auf  die  Ausbeute  brauchbaren  Materials
zu  berechnen.  Z.  B.  ein  Hüttenwerk  bezieht  Roteisenstein  mit  50o/o
Metallgehalt;  Einkaufspreis  Mk.  12,—,  Fracht  Mk.  4,20  die  Tonne
frei  Hütte.  Die  Tonne  Erz  kostet  Mk.  16,20,  1  kg  Eisen  (—  l°/o
Metallgehalt)  demnach  Mark  0,0324.
g)  Besondere  Rechnungsschwierigkeiten  treten  auf,  wenn  i  n  n  e  r-j
halb  einer  Gesamtproduktion  verschiedene  Quali-6*
        <pb n="90" />
        mflHHWMHI

riiiiii

—  84  —
täten  erzeugt  werden.  In  Walzwerken  beispielsweise  werden  auf
einer  Walzenstraße  verschiedene  Produkte  (Profile)  hergestellt.  Die
Berechnung  der  Gestehungskosten  eines  jeden  einzelnen  Profils ­
  setzt  sehr  detaillierte  Betriebsaufzeichnungen  voraus.  Diese
individuelle  Behandlung  der  Selbstkosten  ist  einwandfrei  und  kommt
dem  Ideal  einer  richtigen  Kostenbestimmung  am  nächsten.  Einfacher
ist  die  Zusammenfassung  einer  großen  Zahl  mehr  oder  weniger
gleichartiger  Profile  zu  einer  Gruppe  und  die  „Berechnung“  der
Selbstkosten  einer  jeden  Gruppe  aus  dem  Verhältnis  der  Gesamtproduktion ­
  und  des  Gesamtaufwandes  des  Walzwerkes  zur  Produktionsmenge ­
  einer  jeden  einzelnen  Gruppe  (z.  B.  Gesamtlohn
Mk.  92  560,  Gesamtproduktion  des  Walzwerkes  15  000  t;  davon
1800  t  Fassoneisen,  somit  Lohnanteil  für  diese  Gruppe  Mk.  11107;
in  gleicher  Weise  werden  die  übrigen  Kostenbestandteile  auf  die
Profilgruppen  verteilt).  Die  Gruppe  Fassoneisen  umfaßt  wiederum
verschiedene  Profile  (T-,  Z-Eisen,  Kundeisen  etc.).  Trotzdem  findet
häufig'  keine  weitere  Differenzierung  der  Selbstkosten  statt.  Innerhalb ­
  der  Masse  werden  die  Qualitäten  gleich  behandelt  und  für  alle
Qualitäten  wird  ein  Durchschnittspreis  aus  den  Massenselbstkosten
berechnet r ).
Die  Siemens-Martin  Stahlwerke  liefern  verschiedene  Stahlqualitäten. ­
  Die  Einzelberechnung  jeder  Qualität  scheint  praktisch  nicht
leicht  durchführbar  zu  sein;  man  sucht  deshalb  den  Anteil  der
verschiedenen  Qualitäten  an  den  Selbstkosten  durch  eine  mehr  oder
weniger  willkürliche  Modifikation  des  durchschnittlichen
Selbstkostenpreises  des  Betriebes  für  eine  Tonne  Stahl
(ohne  Qualitätsdifferenzierung)  zu  berechnen.  Ebenso  ermittelt  man
die  Selbstkosten  der  einzelnen  Profile  aus  den  Durchschnittsselbstkosten ­
  des  Betriebes *  2 ).
Zwischenprodukte,  Selbstverbrauch.
§  16.  Einer  besonderen  Erörterung  bedarf  die  Verrechnung
von  Zwischenprodukten  und  des  Selbstverbrauchs  in
Werken  mit  verschiedenen  Produbtionsstufen.
Zwischenprodukte,  deren  Erzeugung  Zweck  der  Fabrikation
ist  (vgl.  die  ähnlich  zu  behandelnden  Abfallstoffe  S.  90  ff.)  und
die  im  selben  Betrieb  weiter  verarbeitet  werden,  können  zum  Produktionskostenpreis, ­
  zum  Marktpreis  oder  zu  einem  unveränderlichen
Durchschnitts-(Verrechnungs-)preis  in  Ansatz!  gebracht  werden  3 ).
‘)  Wagner,  a.  a.  O.  S.  97,  161,  170.
2 )  Schuchart,  a.  a.  O.  S.  35.
’)  Vgl.  Schmalenbach,  Verrechnungspreise.  Zeitschr.  für  handelsw.
Forschung,  III.  Jahrg.,  S.  52,  S.  165f.  Wagner,  Selbstkostenberechnung  gemischter ­
  Werke  der  Großeisenindustrie.  Berlin  1912,  S.  174  f.
        <pb n="91" />
        85

1.  a)  Die  Verrechnung  erfolgt  zu  dem  für  die  betreffende
Rechnungsperiode  ermittelten  veränderlichen  Selbstkostenpreis
(besser  Produktionskosten  preis).  Der  nachfolgende,  weiterverarbeitende ­
  Unterbetrieb  übernimmt  die  Zwischenprodukte  zum
Produktionskostenpreis  des  liefernden  Teilbetriebes.  Diese  Methode
setzt  voraus,  daß  in  der  betreffenden  Rechnungsperiode  für  die
Darstellung  des  Endproduktes  nur  Zwischenprodukte  aus  demselben
Monat  und  für  die  Zwischenprodukte  wiederum  Rohstoffe  aus  dem
gleichen  Zeitraum  verwendet  worden  sind.  Die  Produktion  des  einen
Teilbetriebes  wird  durch  den  anderen  Teilbetrieb  vollständig  verwertet, ­
  Lagerbestände  sind  und  waren  nicht  vorhanden.  Die  Anrechnung ­
  der  veränderlichen  Produktionskosten  des  einen  Betriebes
verdeckt  die  außergewöhnlichen  Betriebsverhältnisse  des  nachfolgenden ­
  Teilbetriebes,  die  doch  durch  die  Kostenberechnung  nachgewiesen ­
  werden  sollen.  Die  Betriebskontrolle  des  weiterverarbeitenden ­
  Teilbetriebes  wird  erschwert.  Die  Anwendung  der  Verrechnung ­
  zu  Produktionskostenpreisen  wird  überdies  schwierig,  wenn
die  Produktionskosten  für  die  Zwischenprodukte  in  wechselseitiger
Abhängigkeit  stehen.  In  einer  Schwefelsäurefabrik  beispielsweise,
die  flüssige  Salpetersäure  des  eigenen  Betriebes  verarbeitet,  sind
die  Kosten  der  Schwefelsäure  von  jener  der  Salpetersäure  abhängig.
In  der  Eisengießerei  eines  Hüttenbetriebes  werden  die  Selbstkosten
des  Gusses  vor  denen  des  Koks  bestimmt,  der,  aus  dem  eigenen
Betriebe  stammend,  in  der  Eisengießerei  Verwendung  findet.  Die
Anrechnung  zum  Produktionskostenpreis  verbietet  sich  von  selbst,
wenn  die  Berechnung  nicht  aufgehalten  werden  soll.  In  diesen
Fällen  müssen  Aushilfspreise  (Normal-,  Übernahme-  oder  Verrechnungspreise, ­
  S.  79)  festgesetzt  werden,  die  erfahrungsgemäß  den
Selbstkosten  ungefähr  entsprechen.  Ganz  unmöglich,  wenigstens  für
den  einen  Teilbetrieb,  ist  die  Verrechnung  zum  Produktionskostenpreis, ­
  wenn  auch  Teilbetriebe  sich  gegenseitig  Zwischenprodukte
liefern.
1.  ß)  Wo  die  Produktionskosten  der  Verrechnung  der  Teilbetriebe ­
  zugrunde  gelegt  werden,  kann  der  vollständige  Herstellung^
wert  einschließlich  der  Quoten  für  die  Generalkosten,  oder
nur  ein  Teil  dieser  Kosten  (die  direkten  Kosten)  als  Verrechnungspreis ­
  dienen  (Proportional-,  Teilkostenpreis).  „Wenn
man  die  Auffassung  vertritt,  daß  die  Unterbetriebe  ihre  Leistungen
untereinander  zu  Proportionalpreisen  verrechnen  sollen,  so  will  man,
daß  sie  untereinander  nur  die  Kosten  der  Produktionsbereitschaft
sich  anrechnen 1 ).“  Die  Verrechnung  zum  Proportionalpreis,  der

')  Schmalenbach,  a.  a.  0.  S.  179;  vgl.  auch  Heymann,  Die  gemischten ­
  Werke  im  deutschen  Großeisengewerbe.  Berlin  1904,  S.  214  f.
        <pb n="92" />
        86

nur  proportionale  oder  vorwiegend  proportionale  Kosten  enthält,  hat
zur  Folge,  daß  den  verrechneten  „Selbstkosten“  des  Endprodukts
ein  Aufschlag  für  die  Kosten  der  Produktionsbereitschaft,  d.  h.  für
die  fixen  Kosten  zuzuschlagen  ist,  oder,  was  dasselbe  ist,  daß  der
im  ,Verrechnungspreis  unverteilte  Kest  der  Kosten  im  Verhältnis
zur  Produktionsmenge  der  Fertig  fabrikate  und  nur  auf  diese
verteilt  wird.  Die  Anwendung  eines  Teilkostenpreises  als  Verrechnungspreis ­
  setzt  eine  örtliche  Betriebskombination,  d.  h.  eine
örtlich  zusammenhängende  Produktion  dergestalt  voraus,  daß  sämtliche ­
  Zwischenprodukte  im  eigenen  Betriebe  verarbeitet  werden.
Würde  ein  Teil  der  Zwischenfabrikate  veräußert  werden,  so  ist  die
Anrechnung  eines  Teilkostenpreises  unrichtig.  Selbst  in  den  Fällen,
in  denen  diese  Verrechnungsart  richtig  sein  kann,  stößt  ihre  praktische ­
  Durchführung  auf  Hindernisse 1 ,  es  sei  denn,  daß  man  sich  um
den  proportionalen  und  den  fixen  Charakter  der  Unkosten  nicht
weiter  kümmert  und  nur  Material-  und  Lohnkosten  als  Verrechnungspreis ­
  annimmt.  Überdies  läßt  der  Teilkostenpreis  die  bisher  aufgewendeten ­
  Gesamtkosten  der  Teilprozesse  nicht  erkennen.
In  der  Kalkulationspraxis  findet  man  häufiger  die  (unbewußte)
Anwendung  der  ,Verrechnung  zu  Teilkostenpreisen,  so  beispielsweise, ­
  wenn  die  Materialunkosten  und  die  Lohnunkosten  unter
den  Generalkosten  der  Unternehmung  verrechnet  werden,  oder  wenn
ein  allgemeiner  Lohnzuschlag  ohne  Differenzierung  nach  Arbeitsplätzen ­
  und  Werkstätten  angerechnet  wird.
2.  Die  Verrechnung  der  Teilbetriebe  untereinander  für  übernommene ­
  bzw.  gelieferte  Zwischenprodukte  zümj  Marktpreis  der
betreffenden  Produkte  setzt  einen  solchen  für  das  Zwischenprodukt
voraus.  Diese  Verrechnungsmethode  verteuert  dem  nachfolgenden
Teilbetrieb  die  Produktion  und  täuscht  für  den  liefernden  eine  Rentabilität, ­
  einen  Zwischengewinn  der  Fabrikation  vor,  der  nur  rechnungsmäßig ­
  vorhanden  ist.  Der  Marktpreis  hat  vielfach  nur  bedingten ­
  Wert.  Häufig  beruht  die  Selbsterzeugung  eben  auf  der
Möglichkeit,  billiger  als  zum  Marktpreis  zu  produzieren;  selbst  für
die  interne  Verrechnung  hat  dann  der  Marktpreis  geringe  Bedeutung.
Haben  zufällig  alle  Zwischenprodukte  eines  gemischten  Betriebes
einen  Marktpreis  und  wird  dieser  für  alle  Produktionsstufen  in
Ansatz  gebracht,  so  wird  zwar  rechnungsmäßig  die  Rentabilität  der
Teilbetriebe,  d.  li.  der  Selbsterzeugung  im  Vergleich  zum  Marktpreis ­
  nachgewiesen,  das  End  produkt  aber  rechnungsmäßig  so  sehr
verteuert,  daß  die  Selbstkostenberechnung  sich  selbst  ad  absurdum
führt,  es  sei  denn,  daß'  man  die  errechneten  Zwischengewinne  vom
Selbstkostenpreis  des  Endproduktes  in  Abzug  bringt.  Andererseits
deckt  der  Marktpreis  Kosten,  die  durch  die  Weiterverarbeitung  im
        <pb n="93" />
        87

eigenen  Betriebe  nicht  entstehen,  beispielsweise  Vertriebsspesen,
Transportkosten  x ).
Die  Anrechnung  des  Marktpreises  scheint  uns  da  richtig  zu  sein,
wo  nur  ein  Teil  der  Produktion  im  eigenen  Betriebe  verarbeitet
wird,  wo  also  das  Zwischenprodukt  für  die  Unternehmung  in  der
Hauptsache  Endprodukt  ist,  oder  wo  ein  Teilbetrieb  in  der  Hauptsache ­
  fremde  Materialien  'zur  Verarbeitung  einkauft  und  verhältnismäßig ­
  wenig  vom  eigenen  Betriebe  zur  Weiterverarbeitung  empfängt.
3.  Die  Verrechnung  der  Teilbetriebe  untereinander  für  Haupt-,
Zwischen-,  Nebenprodukte  und  Abfälle  wird  durch  Anwendung  von
Durchschnittspreisen,  Normal-,  Übernahme-  oder
Verrechnungspreisen  (S.  78  f.)  vereinfacht *  2 ).  Es  sind  Werte,
die  nicht  durch  eine  Selbstkostenberechnung  gefunden  werden,  für
bestimmte  Verhältnisse  als  Norm  dienen  und  ungefähr  den  mittleren
Selbstkosten-  oder  Marktpreisen  entsprechen.  Sie  Averden  auf  Grund
des  Jahresergebnisses  oder  des  Ergebnisses  mehrerer  Jahre  für  die
nächste  Wirtschaftsperiode  oder  für  längere  Zeitabschnitte  bestimmt.
Die  rechnungsmäßigen  normalisierten  Durchschnittskosten  werden
von  den  tatsächlichen  Selbstkosten  mehr  oder  weniger  abweichen,
so  daß  der  liefernde  Teilbetrieb  rechnungsmäßig  einen  Gewinn  oder
Verlust  erzielen  wird,  je  nachdem!  die  wirklichen  Produktionskosten
darüber  gehen  oder  darunter  bleiben.  Was  der  eine  Betrieb  durch
diese  Berechnungsweise  gewinnt,  verliert  der  andere  durch  Verteuerung ­
  seiner  Produktion.  Die  genaue  Selbstkostenberechnung,
etwa  in  monatlichen  Zwischenräumen,  wird  durch  die  Anwendung
von  solchen  Aushilfspreisen  nicht  entbehrlich.  Im  Gegenteil.  Es
erscheint  notwendig,  den  Unterschied  zwischen  den  wirklichen  Produktionskosten ­
  und  den  Sollkosten  periodenweise  auszugleichen,  wenn
die  Verrechnungspreise  nur  den  Zweck  haben,  die  Selbstkostenberechnung ­
  eines  jeden  Teilbetriebes  zu  verselbständigen  und  zu  beschleunigen. ­
  Wo  die  Richtigkeit  der  Verrechnungspreise  weder  an
*)  Vgl.  Hey  mann,  a.  a.  0.  S.  214  f.
2 )  Anwendungsbeispiel:  Verrechnung  zwischen  Grubenbetrieb  und  Hüttenbetrieb ­
  ;  Koks  des  eigenen  Betriebes  in  der  Eisengießerei  desselben  Betriebes.
Abfälle  wie  Schrott,  Gußstücke,  Enden  bei  der  Verwertung  im  eigenen  Betrieb
Normalzahlen  für  den  Kostenaufwand  kommen  auch  zur  Anwendung,  wenn
bestimmte  Kosten,  z.  B.  Beleuchtung,  Reparaturen,  Steuern,  Versicherungsgebühren ­
  mit  einem  Zwölftel  des  mutmaßlichen  Verbrauchs  gleichmäßig  und
ohne  Rücksicht  auf  die  Schwankungen  auf  die  einzelnen  Monate  verteilt  werden.
Schmalenbach  (a.  a.  O.  S.  168f.)  nennt  Verrechnungspreise  solche,  die
entstehen,  wo  man  im  industriellen  Rechnungswesen  den  Gesamtbetrieb  aufteilt
in  Unterbetriebe,  derart,  daß  die  Leistungen  derselben  untereinander  im  einzelnen
gemessen  und  verrechnet  werden  (Produktionspreis,  Marktpreis,  Normalpreis,
Proportionalpreis),  Wir  fassen  hier  den  Begriff  enger:  Verrechnungspreise  sind
normalisierte  Durchschnittspreise,  lediglich  konstruierte  Werte  für  die  Zwecke
der  Selbstkostenberechnung.
        <pb n="94" />
        88

den  Marktpreisen  noch  an  den  Selbstkosten  gemessen  werden  kann,
z.  B.  bei  der  Verrechnung  marktloser  Abfälle  oder.  Nebenprodukte,
stellen  sie  Taxwerte,  d.  h.  Schätzungswerte  dar,  gegen  deren  Anwendung ­
  nicht  mehr  und  nicht  weniger  einzuwenden  ist  als  gegen
die  Anwendung  von  Taxen  überhaupt.
Gegen  die  Verwendung  von  Normalpreisen  als  Vertreter  von
Selbstkosten-  bzw.  Produktionskostenpreisen  ohne  ständige  Nachprüfung ­
  durch  die  wirklichen  Kosten  spricht,  daß  die  während  der
Berechnungsperiode  auftretenden  Schwankungen  und  Differenzen
verschleiert  oder  unaufklärbar  gemacht  werden,  beispielsweise,  wenn
in  der  Maschinenindustrie  für  das  verwendete  Material  feste  Durchschnittspreise ­
  und  nicht  tatsächliche  Einkaufspreise  angerechnet
werden.  Kommen  in  einem  gemischten  Betriebe  —  Betriebe  mit
verschiedenen  Produktionsstufen  —  gleichzeitig  mehrere  Normalpreise ­
  zur  Anwendung  —  z.  B.  Gruben,  Hochofen,  Stahlwerk,  Walzwerk ­
  —  und  sie  entsprechen  nicht  ziemlich  genau  den  wirklichen
Selbstkosten,  so  ergeben  sich  erhebliche  Unterschiede,  die  die  Methode
der  Normalpreisverrechnung  noch  ungünstiger  erscheinen  läßt.  Es
mag  aber  Fälle  geben,  in  denen  die  Nachteile  geringfügig  sind  oder
in  denen  Taxwerte  nicht  zu  umgehen  sind.
Berechnungsbeispiele.
1.  Die  folgende  schematische  Durchschnittsrechnung
einer  ausländischen  Zuckerfabrik  mit  willkürlichen
Zahlen  soll  die  Berechnung  des  Wertes  der  Zwischenprodukte
zeigen:
I.  Die  gesamten  Herstellungskosten  betragen
Mk.  864  000,—  davon  gehen  ab  für  Abfallprodukte
„  33  406,50  als  Erlös  durch  Verkauf  von  Melasse
„  27  648,—  als  Erlös  durch  Verkauf  von  Schnitzel;
somit  bleiben
Mk.  802  945,50  als  Produktionskosten  für  den  fertigen  weißen
Zucker  und  denjenigen,  der  in  den  Zwischenprodukten  steckt,  insgesamt ­
  berechnet  mit  4  095  000  kg  Zucker.
100  kg  Zucker  kosten  Mk.  19,609  im  Durchschnitt.
H.  Berechnung  des  1.  Zwischenproduktes:  Die  2.  Kristallisation ­
  liefert  98  300  kg  Zucker  z,u  19,609  .  .  Mk.  19  275,65
u.  32  700  kg  Melasse  zum  Verkaufswert  zu  2,70  Mk.  „  882,90
Somit  berechnet  sich  der  Produktionserfolg  mit  Mk.  20158,55
Davon  ab  Arbeits-  oder  Gewinnungskosten  berechnet ­
  für  100  kg  zu  Mk.  3,24  auf  98  300  kg  ...  „  3  184,95
verbleiben  als  Kosten  f.  131  000  kg  gelben  Zucker  Mk.  16  973,60
        <pb n="95" />
        89

d.  h.  der  Wert  für  je  100  kg  des  1.  Zwischenproduktes  ist  mit
Mk.  12,956  anzusetzen,  der  Selbstkostenpreis  für  100  kg  weißen
Zucker  mit  Mk.  17,266.
III.  Der  Wert  des  2.  Zwischenproduktes  (3.  Kristallisation)

berechnet  sich  ebenso:  Es  werden  gewonnen
65  500  kg  Zucker  zu  19,609  Mk.  12  843,90
589  70C  „  Melasse  zu  2,70  „  15  921,90
Mk.  28  765,80
ab  Gewinnungskosten  zu  Mk.  9,65  auf  65  500  kg  „  6  320,25
Kostenpreis  für  655  200  kg  Füllmasse  Mk.  22  445,55

d.  h.  100  kg  des  2.  Produktes  kosten  Mk.  3,425,  100  kg  weißer
Zucker  Mk.  34,267.
IV.  Die  Herstellungskosten  für  100  kg  des  Hauptproduktes
berechnen  sich  nunmehr  folgendermaßen:
Herstellungskosten  nach  I:
Mk.  802  945,50  abzüglich  Produktionswert  nach
II.  Mk.  16  973,60
„  39  419,15  III.  „  22445,55  verbleiben
Mk.  763  526,35  Kosten  für  4  095  000  kg  Gesamtproduktion
abzüglich  98  300  „  Zucker-nach  II.
„  65  500  „  „  „  III.
das  sind  3  931  200  kg  Hauptprodukt.
Demnach  kosten  100  kg  der  1.  Kristallisation  Mk.  19,422.  Die
Ermittelung  dieser  Zahl  war  Zweck  der  Berechnung.

Übersicht  und  Probe.

Zucker-Menge

1

Durchschnittliche  Selbstkosten

k g

für  100  kg

gesamt

3  931200

Hauptprodukt

19,422

763  526,35

98  300

1.  Zwischenprodukt

17,266

16  973,60

65  500

2.  „  1

34,267

22  445,50

4  095  000

1

19,609

802  945,45

2.  Eine  Flachsspinnerei  will  die  Kosten  der  Hechelei  ermitteln.

Kosten
Jl

Ausbeute

Flachs
°/
/o

Werg
0/
'0

1.  Die  Vorhechelei

48  650,-50



50

2.  „  Maschinenhechelei  ....

82  400,-60



40

3.  „  Sortiererei

30  520,-90



10

164570,-•%*
        <pb n="96" />
        -  90

Danach  verteilen  sich  die  Kosten  auf  diese  Zwischenprodukte
wie  folgt:

Flachs

Werg

Jl

0/
/o

Ji,

0/
/o

1.  Prozeß

24  325,—

50

24  325,—

50

2-  „

49  440,-60



32  960,-40



3-  „

27  468,-90



3  052,—

10

101  §38,—

60  337,—

Gesamtausbeute:  Flachs  1020  600  kg  und  Werg  1245  000  kg
Kosten  für  1  kg  „  9,9  Pfg.  „  „  4,8  Pfg.

Abfallstoffe,  Nebenprodukte,  Materialverluste.
§  17.  Chemisch-  und  mechanisch-technologische  Betriebe  haben
häufig  mit  Abfallstoffen  zu  rechnen,,  „das  sind  Teile  des  Rohstoffes
und  Halbfabrikate,  welche  eine  Folge,  nicht  aber  Zweck  der  Fabrikation ­
  sind“.  Die  Frage  der  Gewinnung  von  Abfällen  spielt  in  der
Kostenberechnung  eine  bedeutende  Rolle.  Wir  wollen  hier  davon
absehen,  daß  eine  rationelle  Wirtschaft  darauf  bedacht  sein  soll,
die  Abfallmenge  zu  vermindern  und  Zu  verwerteii;  daß  oft  die
Rentabilität  der  Unternehmung  von  der  Ausnutzung  der  Abfälle
abhängig  ist,  in  anderen  Fällen  dadurch  ihr  Bestand  überhaupt  erst
ermöglicht  wird.  Für  uns  kommt  die  Frage  der  richtigen  Berechnung
der  Abfallstoffe  ihrem  Werte  nach  in  Betracht,  weil  dadurch  der
Wirtschaftserfolg  der  einzelnen  Betriebszweige  wesentlich  mitbestimmt ­
  wird.
An  einer  Reihe  von  Beispielen  soll  diese  Frage  erörtert  werden.
Chemisch-technologische  Betriebe.
1.  Fall:  Die  Abfälle  sind  für  die  eigene  Unternehmung  wertlos ­
  und  unverkäuflich;  sie  kommen  für  die  Kostenberechnung  an
sich  überhaupt  nicht  in  Frage.  Es  sind  lediglich  betriebstechnische
Momente  maßgebend,  wenn  man  verlangt,  daß  wertlose  ebenso  wie
verwertbare  Nebenprodukte  ihrer  Menge  nach  prozentuell  zum  Hauptprodukt ­
  berechnet  werden  sollen,  um  auf  diese  Weise  das  Ausbeuteverhältnis ­
  und  danach  die  Wirtschaftlichkeit  des  technischen  Betriebes ­
  zu  bestimmen.
Die  Kosten  des  Sammelns,  der  Abfuhr  der  Abfälle  u.  'ä.  sind  als
Betriebsunkosten  der  betreffenden  Abteilung  zu  verrechnen.
2.  Fall:  Die  Abfälle  oder  die  Nebenprodukte  werden  in  der
eigenen  Fabrik  zwar  nicht  verarbeitet,  aber  als  solche  verkauft
(z.  B.  Nebenprodukte  der  Gasfabriken  und  Kokereien,  aus  denen
/
        <pb n="97" />
        91

Ammoniak,  Benzol,  Ajithracen  etc.  gewonnen  werden,  Schlacke  als
Schlackensand,  Abfälle  der  Gerbereien,  Brauereien  u.  a.  m.).  In
diesem  Falle  kann  kein  Zweifel  bestehen,  daß  der  Verkaufswert,
abzüglich  aller  Verkaufsspesen  (Verpackung,  Provision,  Fracht  u.  a.)
von  den  Gesamtkosten  des  Hauptproduktes  abzurechnen  ist.

Tabelle  I.  Betrieb  A.

Verwendete  Materialien

Material

k g

Preis  fiir
100  kg

Werl
Ji

4

Anilin  I  .  .  .  .

12  770

100,—

12  770

„  II  ...  .

8  023

140,—

11  232

20

Orthotoluidin

9  880

130,—

12  844

—

usf.

usf.

Summe  a

57  839

15

Gesamtmaterialkosten

erhalten:

Paranitrotoluol  .  .

3  362

100,-3

  362

—

Verkaufswert

Cerise

2  601

50,-1300



50

)

Marron

1594

50,—

797

—

&amp;gt;  Einkaufswert

Anilin  I  .  .  .  .

8  519

140,—

11926

60

)

Summe  b

17  386

10

Wert  der  Nebenprodukte

(a—b)

40  453

05

Materialwert  des  Hauptproduktes ­


Ausbeute  jS-Eot  14873  kg,  somit  .  .

2

72

Materialkosten  für  1  kg

Tabelle  II.  Betrieb  B.

Verwendete  Materialien

Material

k g

Preis  für
100  kg

Wer
Ji

A

Cerise

1200

50,—

600

Marron

1200

50,—

600

—

Salzsäure

1500

5,-75



—

usf.

usf.

—

1635

—

Nebenprodukte:

Cerise

50

50,-(

  25

—

ß-Rot

25

100,-\

  25

—

50

—

1585

—

Ausbeute  «-Gelb

1084

per  kg

1

46
        <pb n="98" />
        92

3.  Fall:  Die  Nebenprodukte  werden  in  der  eigenen  Fabrik
verbraucht,  d.  h.  wiederverarbeitet  oder  weiterverarbeitet.
a)  Wird  ein  Teil  des  Rohstoffes  wiedergewonnen  und  kann  er
bei  der  Erzeugung  des  Hauptproduktes  wiederverarbeitet  werden,  so
ist  sein  Wert  zum  Anschaffungspreis  des  Rohstoffes  von
den  Materialkosten  des  Hauptproduktes  abzurechnen.  In  dem  Beispiel
S.  91  wurde  Anilin  I  wiedergewonnen;  da  der  Überschuß  seiner
technischen  Güte  nach  vollwertig  ist,  so  wird  er  zum  Einkaufspreis ­
  eingesetzt  und  abgerechnet.  Andere  Betriebe  berechnen  den
Marktpreis.
Ist  der  Abfall  an  Rohstoffen  infolge  des  Arbeitsprozesses  g  e  -
ringwertiger  geworden,  dann  ist  der  Einkaufswert  mit  einem  vom
Betriebsleiter  zu  bestimmenden  Abschlag  anzurechnen.  Würde  z.  B.
das  wiedergewonnene  Anilin  I  vor  seiner  Wiederverwendung  einem
Reinigungsprozeß  zu  unterwerfen  sein,  dessen  Kosten  etwa  15  Pfg.
für  1  kg  betragen,  dann  wäre  es  unrichtig,  8519  kg  zu  Mk.  1,40  oder
zu  Mk.  1,55  (d.  i.  Einkaufswert  -|-  Kosten)  von  den  Materialkosten  in
Abzug  zu  bringen.  Das  minderwertige  Nebenprodukt  ist  mit
Mk.  1,25  anzurechnen.  Dadurch  werden  allerdings  die  Produktionskosten ­
  des  Hauptproduktes  erhöht.  Das  ist  an  sich  logisch.  Eine
Wertminderung  muß  ebenso  wie  eine  Wertzerstörung  den  Erzeugungskosten ­
  des  betr.  Fabrikates  zur  Last  geschrieben  werden.
ß)  Die  Abfälle  des  einen  Betriebes  bilden  Rohstoffe  für  einen
anderen,  d.  h.  die  Nebenprodukte  werden  im  eigenen  Betrieb  weiterverarbeitet. ­
  Ein  Beispiel  geben  die  vorstehenden  Tabellen  I  und  II.
Bei  der  Erzeugung  von  ß-Rot  (Tabelle  I)  wird  Anilin  I  wiedergewonnen ­
  (Fall  3  a).  Cerise  und  Marron  werden  als  Nebenprodukte
neugewonnen;  beide  Stoffe  werden  zur  Fabrikation  von  a-Gelb
(Tabelle  II)  verwendet.  Der  Hauptbetrieb  ist  für  seine  Leistung  an
den  a-Gelbbetrieb  —  Abgabe  von  Nebenprodukten  —  zu  erkennen,
letzterer  als  Empfänger  zu  belasten.  Welcher  Materialwert  ist  einzusetzen ­
  !)  ?  Der  Selbstkostenpreis  (Erzeugungspreis,  nämlich'  Materialkosten. ­
  Anteil  an  Löhnen  und  allgemeinen  Unkosten)  ist  kaum
bestimmbar.  Einfacher  ist  es,  den  Marktpreis,  d.  h.  den  Einkaufswert ­
  des  Nebenproduktes  zugrunde  zu  legen.  Würde  der  a-Gelbbetrieb, ­
  um  bei  dem  angeführten  Beispiel  zu  bleiben,  die  beiden
erwähnten  Stoffe  einkaufen,  so  dürfte  er  nur  den  Einkaufspreis
zuzüglich  der  Bezugsspesen  als  Materialpreis  einsetzen.  Dieser
Einkaufspreis  bildet  für  den  ß-Rotbetrieb  den  Verkaufspreis  :■  würde
dieser  Betrieb  das  Nebenprodukt  veräußern,  so  würde  er  den  Erlös, ­
  in  dem  Produktionskosten  und  Gewinn  stecken,  seinem  Fübrikationskonto
  gutschreiben.  Bei  der  Anrechnung  eines  geringeren

*)  Vgl.  auch  die  Ausführungen  S.  92  f.
        <pb n="99" />
        93

Wertes  würde  sich  das  Bild  des  wirtschaftlichen  Erfolges  der
einzelnen  Betriebe  verschieben:  Der  eine  Betrieb  (ß-Rot)  würde
scheinbar  teurer  arbeiten,  der  andere  verhältnismäßig  billiger.  Dem
liefernden  Betrieb  würde  ein  zu  geringer  Wert  des  Abfalls,  dem
empfangenden  Betrieb  ein  zu  geringer  Gestehungspreis  des  Rohstoffes ­
  angerechnet.
Nun  sollen  die  Einzelbetriebe  in  kalkulatorischer ­
  Beziehung  als  selbständig  und  unabhängig
voneinander  angesehen  werden,  die  nur  durch  die
Einheitdesyermögenszueinemorganischen  Ganzen
mit  gemeinsamer  Zweckbestimmung  verbanden
sind 1 ).  Jeder  Betriebsleiter  wird  selbstverständlich  bemüht  sein,
den  Erwerbszweck  seines  Betriebes  möglichst  vollkommen  zu  erfüllen. ­
  Er  wird  sich  nicht  dazu  verstehen,  daß  das  Betriebsergebnis
seiner  Abteilung  zugunsten  einer  anderen,  wenn  auch  nur  rechnerisch,
herabgedrückt  wird,  obgleich  die  organische  Einheit,  die  Unternehmung ­
  nicht  darunter  leiden  würde.  Ein  billiger  Ausgleich  wird
in  manchen  Unternehmungen  dadurch  geschaffen,  daß  die  Betriebsverwaltung ­
  alljährlich  im  voraus  für  die  von  einem  in  den  anderen
Betrieb  übergehenden  Nebenprodukte  „Ü  b  e  r  n  a  h  m  e  p  r  e  i  s  e“,  d.  h.
Verrechnmigswerte  unter  Berücksichtigung  der  Marktpreise  und  der
Kalkulationsergebnisse  festsetzt  (vgl.  S.  85,  87).
y)  Muß  ein  Nebenprodukt,  um  es  wieder  verwenden  zu  können,
einem  Nebenprozeß  unterzogen  werden  ohne  gleichzeitigen  MateriaP
verlust,  dann  ist  dem  Fall  3«  analog  vorzugehen:  Ton  dem  Gesamtmaterialwert ­
  der  Rohstoffe  für  die  Erzeugung  des  Hauptproduktes
ist  der  um  die  Kosten  der  Wiederherstellung  verminderte  Einkaufspreis ­
  des  gewonnenen  Nebenproduktes  abzuziehen.
Ist  mit  der  Wiederherstellung,  z.  B.  der  Reinigung,  ein  Materialverlust ­
  verbunden,  so  ist  dieser  zu  berücksichtigen.  Z.  B.  Laut
Tabelle  I  (S.  91)  werden  2601  kg  Cerise  als  Abfall  gewonnen,
das  vor  der  Weiterverarbeitung  gereinigt  werden  soll.  Nach  der
Reinigung  ergeben  2601  kg  Brutto  nur  2500  kg  Netto.  Der  ct-Gelbbetrieb

  als  Empfänger  rechnet  wie  folgt:
Kauft  man  2500  kg  Rohstoff  zu  50,—  für  100  kg,  so
gibt  dies  Mk.  1250,—
Infolge  der  Übernahme  des  unreinen  Produktes  sind
Kosten  zu  bezahlen  mit  .......  „  150,—
Somit  dürfen  2601  kg,  die  der  Betrieb  übernehmen
soll,  nur  g  .  .  .  Mk.  1100,—

’)  Anderer  Meinung  Wagner,  Gemischte  Werke,  S.  73:  Da  die  Abfälle
stets  im  eigenen  Betriebe  verwendet  werden,  haben  sie  für  das  Werk  stets  den
gleichen  Wert,  weshalb  ein  fester  Normalpreis  in  Ansatz  kommt.
        <pb n="100" />
        94

kosten,  d.  h.  für  100  kg  können  nur  Mk.  42,30  als  Übernahmepreis
berechnet  werden.
Die  Abrechnung  stellt  sich  nun  wie  folgt:
a)  ß-Rotbetrieb  gibt  ab:
2601  kg  zu  42,30  '  =  Mk.  1100,—
b)  a-Gelbbetrieb  empfängt:
2601  kg  Cerise  zu  42,30  =  Mk.  1100,—
Reinigungskosten  =  „  150,—
Ausbeute  2500  kg,  deren  Kostenpreis  Mk.  1250,—
somit  100  kg  =  Mk.  50,—  Gestehungspreis.
Der  ß-Rotbetrieb  trägt  die  Kosten  der  Reinigung,  da  der  Erlös
für  das  Nebenprodukt  um  Mk.  150,—  geringer  ist.
(
4.  Fall:  Die  Nebenprodukte  werden  im  eigenen  Betrieb  verwendet, ­
  ohne  daß  man  von  einem  Materialwert  reden  kann.  Man
*  denke  an  den  ,,Hüttenrauch“  (d.  s.  die  aus  Hüttenwerken  entweichenden ­
  Gase),  der  zu  schwefliger  Säure  verarbeitet  wird  oder  als  Leuchtoder ­
  Kraftgas  dient 1 ).  Im  ersten  Fäll  wird  der  Yer  kauf  seriös,  im
zweiten  werden  die  verminderten  Selbstkosten  des  Leucht(kraft)gases
■—'  die  Anschaffungskosten  für  den  zu  vergasenden  Stoff  entfallen
—  den  Gesamtgewinn,  die  Rentabilität  des  Unternehmens  vermehren,
bzw.  erhöhen.  ,
Zweifellos  werden  auch  die  Produktionskosten  des  Hauptprozesses ­
  dadurch  indirekt  verringert;  ein  Materialwert  kann  nicht
in  Abrechnung  gebracht  werden,  da  das;  Nebenprodukt  zur  Zeit
seiner  Entstehung  keinen  solchen  besitzt.
Die  Verrechnung  zwischen  Hochofenbetrieb  und  dem  die  Gichtgase ­
  verbrauchenden  Nebenbetrieb  erfolgt  häufig  durch  Gutschrift
bzw.  Belastung  des  in  Geld  ausgedrückten  Heizwertes  des  Gases,
gemessen  am  Heizwert  einer  Tonne  Kohle,  die  im  Betrieb  zur
Anwendung  kommt.  (Ygl.  §§  32/33.)  Z.  B.  1  Tonne  Kohle  kostet
Mk.  21,—  und  entwickelt  7500  Wärmeeinheiten  (Kalorien)  auf  1  kg.
Der  Heizwert  des  Gichtgases  sei  im  Durchschnitt  850  Wärmeein-*)
  Nach  Stillich,  Steinkohlenindustrie  (Nationalökonomische  Forschungen
auf  dem  Gebiete  der  großindustriellen  Unternehmung),  Leipzig  1906,  S.  57,
betrug  die  Ersparnis  an  Kohle  durch  Verwendung  der  Gichtgase  zur  Heizung
der  Dampfkessel  bei  den  Hibemia-Zechen  1893—1897  im  jährlichen  Durchschnitt
45  225  t  =  Mk.  290  648,—,  im  Jahre  1903  von  52,56  t  bis  58,97  t  pro  Arbeitstag.
Auf  1  t  Roheisen  werden  durchschnittlich  4500  cbm  Hochofengas  erzeugt,
der  Verlust  beim  Gichten  etc.  beträgt  etwa  10%;  50%  sind  zur  Wiedererhitzung
erforderlich;  es  bleiben  etwa  2000  cbm  Gas  für  Nutzzwecke.  Der  Heizwert
wechselt  nach  der  Zusammensetzung  der  Hochofengase  auf  den  verschiedenen
deutschen  Hüttenwerken  zwischen  725  und  950  Kalorien.  (Hoppe,  a.  a.  O.  S.  67.)
        <pb n="101" />
        95

.  .,  ,  .  _  „  ,  ..  .  .  0,021.850.1000  „  o ö
heiten  pro  cbm,  in  Geld  ausgedruckt:  75ÖQ  =  ' M ' k '
für  1000  cbm  Gichtgas*)  *  2 ).
Anders  liegt  der  Fall,  wenn  eine  Bierbrauerei  Treber  oder  Malzkeime ­
  verkauft;  auch  diese  Abfälle  haben  für  den  eigenen  Betrieb
keinen  Materialwert,  sind  aber  ohne  Weiterverarbeitung  iverkäuflich.
Deshalb  sind  die  Kosten  der  Bierfabrikation  auf  die  Yerkaufseinheit
zu  berechnen:  Verbrauch  abzüglich  Erlös  der  Nebenprodukte,  geteilt ­
  durch  die  Produktionsmenge.
Zusammenfassung:
Wir  fassen  die  bisherigen  Erörterungen  über  Abfallstoffe  zusammen ­
  :
1.  Die  Abfallstoffe  usw.  sind  ihrer  Menge  nach  aufzuzeichnen,
um  die  Ökonomie  der  Ausbeute  zu  kontrollieren,  Diebstahl  und  Unterschlagung ­
  zu  verhindern  3 ).
2.  Lohn-  und  allgemeine  Unkosten  sind  bei  Berechnung  der
Selbstkosten  dem  Materialwert  des  Hauptproduktes  zuzurechnen.
3.  Bei  der  Berechnung  der  Selbstkosten  eines  Abfallstoffe  oder
Nebenprodukte  produzierenden  Betriebes  ist  der  Wert  der  Abfallstoffe ­
  diesem  Betrieb  gutzuschreiben.
4.  Eine  Berechnung  der  Selbstkosten  der  Abfallstoffe
erscheint  in  den  meisten  Fällen  ausgeschlossen.  In  manchen  Betrieben ­
  begnügt  man  sich,  für  die  innere  Verrechnung  Taxwerte
oder  Normalpreise  anzunehmen,  die  den  tatsächlichen  Selbstkosten ­
  nahe  kommen  sollen.
5.  Haben  die  Abfallstoffe  einen  Marktpreis,  so  ist  bei  deren
Verkauf  der  Erlös  abzüglich  der  Verkaufskosten,  bei  deren  Verbrauch ­
  im  eigenen  Betrieb  der  Einkaufswert  unter  Berücksichtigung
der  Nebenumstände  anzurechnen.

')  Ähnliche  Probleme  treten  in  der  landwirtschaftlichen  Betriebsbuchführung
auf:  die  Bewertung  marktloser  Zwischenprodukte.  Wir  verweisen  auf  Waltz,
Vom  Reinertrag  in  der  Landwirtschaft  (Münchener  volkswirtschaftliche  Studien,
69.  Stück),  Stuttgart  1904,  S.  83  ff.,  woselbst  weitere  Literaturangaben  zu  finden  sind.
2 )  Vgl.  dazu  die  Arbeiten  von  Lührmann  in  „Stahl  und  Eisen“,  1899,
S.  475,  und  von  Simmersbach  in  der  gleichen  Zeitschrift  Nr.  18,  S.  648  und
Nr.  17,  S.  17.  Zeitschrift  des  Vereins  deutscher  Ingenieure,  1911,  S.  947  f.  In
manchen  Hochofenwerken  werden  die  Hochofengase  trotz  ihres  Wertes  nicht
berechnet;  andere  rechnen  eine  jährlich  unveränderliche  Pauschalsumme  an.
Auch  kommt  es  vor,  daß  man  dem  Walzwerk  die  Ersparnis  als  Gaskosten
anrechnet,  die  sich  durch  Verwendung  der  Hoch-  und  Koksöfen  gegenüber  einem
angenommenen  Normalverbrauch  an  Kohlen  pro  100  kg  Walzgut  ergibt.
3 )  Wir  erinnern  hier  nur  an  die  wiederholt  vorkommenden  Unterschlagungen
von  Altmaterial  durch  Mehrlieferungen  an  die  Althändler.
        <pb n="102" />
        I

—  96  —

6.  Haben  die  Abfälle  an  sich  weder  Material-  noch  Marktwert,
so  kommen  sie  für  die  Selbstkostenberechnung  des  Hauptproduktes
mit  ihrem  Gebrauchswert  in  Betracht.
7.  Auch  in  der  Kalkulation  eines  Fabrikates  ist  der  Wert  der
Abfallstoffe  zu  berücksichtigen.
§  18.  Die  buchhalterische  Behandlung  der  Abfallstoffe ­
  ist  aus  den  nachstehenden  schematischen  Darstellungen  ersichtlich. ­

a)  Im  Falle  des  Verkaufes.

Konto  der  Abfällstoffe  (z.  B.  Treberkonto,  Malzkeimekonto  usw.).

belastet  über  die  Kosten  der  Weiterverarbeitung, ­

des  Verkaufes  und  für  den  Beingewinn. ­


erkannt  für  den  Erlös  des  Verkaufes.

In  manchen  Betrieben  werden  Abfallstoffe  mit  dem  Fabrikationskonto ­
  des  betreffenden  Hauptproduktes  verrechnet.
b)  Im  Falle  der  Wiederverwendung  im  eigenen  Betrieb
(vgl.  §  17,  3.  Fall).

/J-Rot  Fabrikations-Konto.

belastet:  1.  für  den  Verbrauch  an
Rohstoffen  (Tabelle  I,  S.  91)  Mk.
2.  für  Arbeitslöhne  ....  „
8.  für  Anteil  an  allgemeinen  Unkosten ­
  (vgl.  §  30).

erkannt:  1.  für  den  Wert  der  Nebenprodukte ­
  (Per  a-Gelbfabrikations-Konto,
  Tabelle  I,  S.  91).
2.  für  Ausbeute  an  /S-Rot  zum  Selbstkostenpreis ­
  (Per  Verkaufs-Konto,
Lager-Konto  o.  ä.).

a-Gelb  Fabrikations-Konto  (Konto  der  Nebenprodukte).

An  /J-Rot  Fabrikationskonto  für

wie  oben.

Cerise  und  Marron  (Tabelle  11,
S.  91)  etc.  Mk.

Mech  anisck-technologische  Betriebe.
§  19.  Mechanisch-technologische  Unternehmungen  haben  häufig
mit  bedeutenden  Materialverlusten  zu  rechnen;  sie  entstehen  z.  B.
beim  Zusammenfügen  der  Maschinenteile,  durch  Bohren,  Fräsen,
Hobeln,  Drehen;  beim  Schmieden  durch  Abbrand;  in  der  Spinnerei
und  Weberei  durch  Zerreißen  der  Fäden,  schlecht  gewickelte  Spulen,
Reste,  durch  das  Waschen  der  Wolle,  Spinnen,  Kettenscheren,  Weben,
„Einspringen“  des  Stoffes  auf  dem  Stuhl;  durch  das  Eingehen  bei
der  Appretur;  durch  Eintrocknen  des  Holzes,  durch  Verschnitt  u.  ä.
        <pb n="103" />
        97

Die  Abfälle  dieser  Betriebe  sind  gleichbedeutend  mit  Materialverlusten. ­
  Vielfach  werden  Abfallstoffe  der  Fabrikation  wieder  angeführt, ­
  wie  z.  B.  Metallasche,  Enden,  Ausschüsse,  wodurch  die
Materialverluste  wesentlich  herabgedrückt  werden.
Die  Kalkulation  des  Selbstkostenpreises  hat  auf  wertlose  Abfälle ­
  ebenso  Bedacht  zu  nehmen  wie  auf  verwertbare.  Anstatt  den
wirklichen  Abfall  zu  ermitteln,  begnügt  man  sich  zumeist  mit  der
Anrechnung  gewisser,  auf  Erfahrung  beruhender  Gewichts-  oder
Wertprozente  (vgl.  S.  74).  Der  tatsächliche  Materialverbrauch  eines
Fabrikates  wird  ermittelt  entweder  durch  Wiegen  (Messen)  des
Materials  vor  der  Bearbeitung  (Brutto-  oder  Rohgewicht)  oder  durch
Zuschlag  der  erwähnten  Gewichtsprozente  zum  Fertiggewicht  (Nettogewicht) ­
  des  Produktes.
Im  übrigen  gelten  die  Ausführungen  des  §  17  sinngemäß
auch  hier.
I.  Die  Verluste  an  Material  sind  bei  der  Bereclftiung  der  Selbstkosten ­
  des  Materials  zu  berücksichtigen;  an  einigen  Beispielen  soll
dies  gezeigt  werden.  Im  Voranschlag  sind  die  Verluste  durch  Abfälle ­
  oder  Verschnitt  schätzungsweise  oder  in  Anlehnung  an  andere,
ähnliche  und  genauer  berechnete  Fälle  zu  kalkulieren.
1.  Beispielv  Ein  Spinner  kauft  Schmutzwolle/(Wolle  im
,,Schweiß“),  2000  kg  zu  Fr.  1,50  das  kg;  Frachtkosten  Mk.  58,60;
Waschlohn 1 )  6,4  Pfg.  für  l 1  kg  Schmutzwolle  bis  40%;  Rendement
(==  Waschergebnis)  und  16  Pfg.  über  40,%'.  Waschverlust  52%.
Karbonisieren  der  Wolle  14  Pfg.  für  1  kg.  Es  ist  der  Kostenpreis
für  1  kg  reiner  Wolle  (Fäbrikationsmaterial)  zu  ermitteln.
2000  kg  zu  1,50  Fr.  (=  1,20  Mk.)  ....  Mk.  2400,—
1040  „  Material  Verlust  52%  Fracht  .  .  ,,  58,60
Netto  960  kg  reiner  Wolle  nach  dem  Waschen  und
Karbonisieren  .  .  .  Mk.  2458,60

Waschlohn:
Brutto  2000  kg  zu  40%  Rendement  ==  800  kg  reine
Wolle  ziu  6,4  Pfg  „  51,20
Der  Überschuß  von  160  kg  zu  ,16  Pfg,  „  25,60
Karbonisieren:  960  kg  zu  14  Pfg  „  134,40

Gesamtkosten  Mk.  2669,80
für  960  kg  reiner  Wolle,  somit  1  kg  =  2,78  Mk.  Materialselbstkosten,.
2.  Beispiel.  Selbstverständlich  sind  die  Materialverluste  auch
in  jeder  Vorkalkulation  zu  berücksichtigen.  Dabei  stehen  zwei  Wege
offen:  man  berechnet  das  Gewicht  oder  den  Preis  entsprechend
*)  Vgl.  Reiser,  Betriebs-  und  Warenkalkulation  für  Textilstoffe.  Leipzig
1903.  S.  37.
Leitner,  Selbstkostenberechnung.  7.  Aufl.  7
        <pb n="104" />
        98

höher.  Z.  B.:  Eia  Fabrikat  wiegt  400  kg  und  verursacht®  8  o/o  ßchmelzverluste.

a)  400  kg  Fertiggewicht
32  „  zu  8%  Schmelzverlust
432  kg  Materialverbrauch  zu  1,50!)  —  Mk.  648,—  Materialkosten.
b)  Fertiggewicht  400  kg  zu  1,50  =  Mk.  600,—
zu  8°/o  für  Schmelzverlust  „  48,—
Mk.  648,—

Logischer  erscheint  es,  den  Wert  des  verbrauchten  Rohstoffes
durch  einen  Preisaufschlag  für  Abfall  zu  berechnen;  wenigstens
ist  dieses  Verfahren  beispielsweise  in  Maschinen-,  Waggonfabriken,
Eisengießereien  usw.  üblich.  Vielfach  wird  gleichzeitig  ein  Preisaufschlag ­
  für  Lagerzinsen  —  d.  s.  Zinsen  Verluste  durch  das  längere
Lagern  des  Rohmaterials  —  mitberücksichtigt.
Ein  anderes  (3.)  Beispiel  für  die  Berücksichtigung  der
Material  Verluste  in  einer  Vorkalkulation  (nach  Reiser).
Man  mischt  40%  Wolle  zu  Mk.  2,70  für  1  kg,  Waschverlust
35%,  Shoddy  40%  zu  Mk.  1,50,  20o/ 0  Mungo  zu  Mk.  1,—•;  Spinnereiverlust ­
  (durch  Abfall,  Enden,  Flug)  10%.  Man  braucht  40  m  fertiger
Ware,  wovon  1  tm  550  g  wiegen  soll;  Materialverlust  bei  der  Appretur
(durch  Walken,  Rauh-  und  Scherflocken)  12  % : .
1  m  soll  550  g  wiegen,  man  verliert  bei  der  Appretur  12%'

Gewicht,

somit  sind

550X100
88

625  g  erforderlich;  da  überdies

beim  Spinnen  10°/o  verloren  gehen,  so  braucht  man

625  X  10
90

—  695  g;  davon  entfallen  auf  Wolle  278  g,  auf  Shoddy  278  g,  auf
Mungo  139  g.
Wolle:  278  g
-f-  152  „  35o/o  Wasch  Verlust  (im  Hundert)
430  g  sind  für  1:  m  Stoff  erforderlich,  für  40  m  somit
17,2  kg  zu  2,70  =  Mk.  46,44
Shoddy:  278  g  zu  1,50  X  40  .  .  .  „  16,68
Mungo:  139  g  zu  1,—  X  40  .  .  .  „  5,56
Materialwert  Mk.  68,68-,
4.  Beispiel.  Material  Verluste  entstehen  in  Hüttenwerken
durch  die  technischen  Unvollkommenheiten  der  Ausbeute,  die  es
verhindern,  alles  Metall  aus  dem  Erz  herauszuziehen;  diese  Verluste ­
  werden  bereits  im  Kaufpreis  berücksichtigt.

')  Der  Preis  versteht  sich  einschließlich  der  Fracht.  Unternehmungen,  die
die  Bezugs-  und  Lagerkosten  prozentual  vom  Einkaufswert  berechnen  und  filr
Verschnitt  u.  dgl,  z.  B.  ß°/o  ansetzen,  haben  nach  folgender  Formel  zu  rechnen:
Materialwert  =  (Einkaufspreis  +  a°/o)  -f-  ß°/o  von  dieser  Summe.
        <pb n="105" />
        99

Die  Preisberechnung  der  Zinkerze  erfolgt 1 )  auf  Grundlage  von
Rohzinknotierungen  nach  folgender  Formel:  Ausländische
Erze:

Basis  £  24  —;  Londoner  Preis
+  1  Mk.  f.  jede  £  ±;
1  £  —  20  Mk.  gerechnet.

a)  Blende:  ~(T—8)  —  50  Mk.
b)  Galmei:  ^(T-7)-40  „

In  diesen  Formeln  bedeutet:  P  Tagespreis  für  eine  Tonne  Zink;
T  (Teneur)  den  Metallgehalt  des:  Erzes;  8  °/o  bzw.  7  o/o  werden  dem
Verkäufer  mit  Rücksicht  auf  Verluste  beim  Ausschmelzen  abgezogen.
Z.  B.  Rohzink  notiert  in  London  22  L;  Zinkblende,  mit  40°/oj  Zink-22
  20
gehalt,  vom  Auslande  bezogen  würde  kosten:  (40—8)  —
(50—2)  =  92,80  Mk.  f.  1 :  t.
Der  Gewinn  des  Schmelzers  ist  um  so  größer,  je  geringer  der
tatsächliche  Prozentsatz  des  bei  der  Verhüttung  verlorenen  Metalls
ist.  Neben  der  Qualität  des  Erzes,  dem  Hitzegrad,  der  Güte  der
Muffeln  u.  a.  sind  die  Verluste  bei  der  ,,Ausbringung“  des  Erzes
von  der  Aufmerksamkeit  des  Arbeiters  abhängig,  die  man  durch
Geldprämien  zu  fördern  trachtet.
Wie  stark  das  Kalkulationsergebnis  durch  Außerachtlassung
der  Ausbeuteverluste  beeinflußt  werden  kann,  zeigt  folgendes  (5.)
Beispiel  aus  der  Lederfabrikation:  Wenn  man  3000  kg  Eichenrinde
mit  13  o/o  Gerbstoffgehalt  zu  Mk.  7,—  für  100  kg  Rinde  bezieht,
so  ergibt  dies  rechnerisch  390  kg  Gerbstoff  für  210,—;  100  kg
Gerbstoff  kosten  Mk.  53,85.  Würde  man  diesen  Einheitspreis  der
Kalkulation  zugrunde  legen,  so  würde  man  erheblich  falsch  rechnen;
denn  wenn  der  Gerbstoff  nur  bis  80  o/o  ausgelaugt  werden  kann,
so  können  nur  312  kg  (390  kg  zu  8Ö°/o)  Gerbstoff  mit  einem  Kostenpreis
  von  Mk.  210,—  angesetzt  werden.  Demnach  stellen  sich  100  kg
nutzbaren  Gerbstoffes  auf  Mk.  67,31.
H.  Die  Kosten  der  Ersatzlieferungen 2 )  (z.  B.  im
Maschinenbau)  werden  den  Selbstkosten  des  Auftrages  zugeschrieben
oder  auf  den  Gesamtbetrieb  durch  Einrechnung  in  die  allgemeinen
Erzeugungsunkosten  verteilt.  Ob  die  bisherigen  Bearbeitungskosten'
der  verdorbenen  Materialien  der  den  Rohstoff  liefernden  Abteilung,
etwa  der  Eisengießerei  zu  belasten  sind  oder  der  bearbeitenden
Abteilung,  wird  sich  nur  fallweise  entscheiden  lassen.  Stellt  sich

')  Vor  1915;  vgl.  Hillmann,  Die  wirtschaftliche  Entwicklung  der  deutschen  '
Zinkindustrie.  Diss.  Erlangen  1911,  S.  49.  Ähnliche  Formeln  bestehend  für
oberschlesische  Erze  (Galmei,  Setzkombiende,  Schliechblende).
s )  Vgl.  Schlesinger,  Selbstkostenberechnung,  S.  119,  60.

7*
        <pb n="106" />
        A^aaMMMK  JMHranniMflnK  441

—  100  —
z.  B.  in  einem  späteren  Stadium,der  Bearbeitung  die  Fehlerhaftigkeit
des  Gußstückes  heraus,  so  dürfte  es  gerechtfertigt  sein,  die  Arbeitskosten ­
  der  Maschinenfabrik  den  Generalkosten  der  Eisengießerei
zuzurechnen,  sofern  nicht  durch  die  Bearbeitungsweise  die  Fehlarbe.it
  entstanden  ist.  Die  Herstellungskosten  von  (Reservegußstücken ­
  —  sie  können  billiger  sein  als  die  spätere  Erzeugung  eines
Ersatzstückes  —-  zählen  unseres  Erachtens  zu  den  allgemeinen  Unkosten ­
  der  Produktion,  wenn  sie  keine  Verwendung  finden.  Vorräte
werden  in  der  Jahresbilanz  mit  dem  Wert  des  Gußeisens  eingestellt,
wodurch  dieser  Wert  die  Unkosten  vermindert  (Umbuchung:  Fäbrikations-
  oder  Materialien-Konto  an  Betriebsunkosten).  Findet  das
Reservestück  Verwendung  als  Ersatzstück,  erhöht  sich  der  wirkliche
Selbstkostenwert  der  Verkaufsware  um  die  Erzeugungskosten  des
Ersatzstüekes.
III.  Materialverluste  entstehen  auch  durch  Fehlarbeit,
deren  Kosten  aus  Materialwert  und  Löhnen  bestehen.  Wer  die
Kosten  zu  tragen  hat  und  wie  sie  in  der  Kalkulationsformel  zu  berücksichtigen ­
  sind,  läßt  sich  nur  nach  der  Lage  des  einzelnen
Falles  entscheiden.  Bei  grober  Fahrlässigkeit  des  Arbeiters  wird
dieser  seinen  Lohn  verlieren  und  den  (Materialwert  ersetzen.  Hat
der  Auftraggeber  beispielsweise  eine  bestimmte  Art  der  Bearbeitung,,
ein  besonderes  Material  o.  ä.  vorgeschrieben,  was  eine  Fehlarbeit
zur  Folge  hat,  so  soll  der  Auftraggeber  für  deren  Kosten  belastet
werden.  In  einzelnen  Betrieben  (z.  B.  in  Eisengießereien)  tritt  die
Fehlarbeit  regelmäßig  ein,  ihre  Kosten  können  dort  von  vornherein
mitkalkuliert  werden;  am  besten  sind  sie  als  Generalkosten  anzusehen ­
  und  unter  dieser  Rubrizierung  auf  die  Gesamtfabrikation  zu
verteilen.  ,
Hierher  sind  auch  die  Verluste  durch  ,  unvermeidlichen  Untergang ­
  während  der  Bearbeitung  und  fertiger  Waren  zu  rechnen,
wie  beispielsweise  Ausschuß,  der  Bruch  von  Produkten
in  Porzellanwarenfabriken  und  ähnlichen  Betrieben.  Der  Statistik
wegen  ist  eine  genaue  Kontrolle  der  erzeugten  Waren  in  den  einzelnen
Stadien  der  Bearbeitung  (z.  B.  Dreherei,  (Gießerei,  Malerei,  Brennerei)
bis  zur  Verpackung  notwendig.  (Vgl.  ein  Beispiel  unter  „Artikelaufschlag“.) ­
  ,
a)  Läßt  sich  der  Ausschuß  im  eigenen  Betrieb  als  Rohmaterial
wieder  verwenden,  so  kommen  die  für  „Abfallstoffe“  angegebenen
Regeln  zur  Anwendung.  Die  auf  der  F'ehlarbeit  ruhenden  Kosten
verteuern  die  Herstellung.  Man  berücksichtigt  sie,  wie  oben,  im
Selbstkostenpreis  der  brauchbaren  Erzeugnisse  durch  Division  der
Gesamtkosten  durch  die  Menge  der  brauchbaren  Stücke.  In  Eisengießereien ­
  kann  man  solche  Verluste  durch  Aufschlag  auf
die  Generalkosten  berücksichtigen.  Beispielsweise  sind  die
        <pb n="107" />
        loi

unmittelbaren  Kosten  für  100  kg  Rohguß  Mk.  18,—,  die  allgemeinen
Kosten  Mk.  2,90,  der  Aufschlag  für  unvermeidlichen  Fehlguß  10o/ 0
=  29  Pfg.,  die  Generalkosten  somit  Mk.  3,19  und  die  Gesamtkosten
Mk.  21,19  für  100  kg.
b)  In  anderen  Betrieben  wiederum  berücksichtigt  man  den  Ausschuß ­
  infolge  Versagens  der  Werkzeuge,  Nachlässigkeit  der  Arbeiter
u.  a.  durch  Erhöhung  des  Einkaufspreises  für  die  Rohstoffe. ­
  Eine  Metallwarenfabrik  verbraucht  zl  B.  für  eine
Arbeit
8  kg  Messingblech  zu  Mk.  125,—  Durchschnittspreis  (§  15)
und  4V 2  kg  Abfälle  zu  Mk.  70,—  Durchschnittspreis.
Der  Syndikatspreis  einschließlich  Überpreis  sei  Mk.  190,—
Die  Berechnung  des  Materialwertes  ergibt:

8  kg  zu  Mk.  125,—  =  Mk.  10,—
41/2  „  Abfall  zu  Mk.  70,—  =  „  3,15  Mk.  6,85
Der  Einkaufspreis  Mk.  190,—  erhöht  auf  Mk.  200,—
wegen  der  Ausschußware,  d.  i.  gegenüber
dem  Durchschsnittspreis  ein  Zuschlag  von  „  75,—
auf  8  kg  berechnet  =  „  6,—
Mehrerlös  der  Abfälle
4V 2  kg  zu  Mk.  30,—  =  „  1,35  „  4,65

Materialkosten  ==  Mk.  11,50
c)  In  Porzellanwarenfabriken  und  ähnlichen  Betrieben
rechnet  man  für  den  Bruch  fertiger  Waren  Prozentsätze  vom
Herstellungswert 1 )  und  stuft  sie  nach  der  größeren  oder
geringeren  Schwierigkeit  und  Kompliziertheit  der  Artikel  ab.

d)  Eine  andere  Fabrik  der  keramischen  Industrie  ermittelt ­
  den  Bruch  wie  folgt:
a  kg  Waren  sind  zu  Beginn  des  Betriebsjahres  vorhanden  und
in  Arbeit,
b  „  „  werden  im  Laufe  des  Jahres  erzeugt

a  -f-  b  kg;  davon  ab
c  ,,  für  im  Rechnungsjahr  verkaufte  Waren.

Es  sollen

a  -j-  b  —  c  kg  =  ß  kg  am  Ende  des  Jahres  vorhanden  sein,  der
tatsächliche  Bestand  beträgt  nur  ß',  wobei  ß  )&amp;gt;  ß',  und  der  Verlust ­
  durch  Bruch  somit  ß—ß'  =  «  kg,  und  der  in  Anrechnung
zu  bringende  Prozentsatz  a  Dieser  Betrieb  (Massenfabrikation)
berücksichtigt  die  Geldverluste  durch  Bruch  fertiger

1)  Ähnlich  berechnet  eine  Akkumulatorenfabrik  wegen  der  Garantie  einen
10%  Reklamationsaufschlag.
        <pb n="108" />
        —  102  —
Waren  und  während  der  Erzeugung  in  der  Form  eines  Mengenaufschlage
  s.
e)  Eine  Metallwarenfabrik  rechnet:
Yerbrauch  400  kg  Blech  zu  2,—  Mk.  Mk.  800  Einkaufspreis
Abfall  100  „  „  „  1—  „  „  100
300  kg  Fertigware,  Kosten  Mk.  700
1  ,,  „  Mk.  2,33  Materialwert
Aufschlag:  Jährl.  Verbrauch  an  Blech  Mk.  60000,—;
Anteil  an  Miete  des  Lagerraumes  Mk.  800,—
Sonstige  Materialverwaltungskosten  „  2200,—
Mk.  3000,—
Somit  Aufschlag  (60  000:  3000)  =  5  o/o'.
Mk.  2,33  -}-  5  o/o  (0,12)  =  Mk.  2,45  Einheitspreis  für  1  kg
Blech.
f)  Für  eine  Arbeit  auf  Lager  verbraucht  eine  Armaturenf

  a  b  r  i  k  an  Metallguß  und

teilen  Brutto  676  kg  im  Gesamtwerte

von

Mk.  1085,—

Das  Metallrohgewicht  ist  .

676  kg

Das  Fertiggewicht  der  Ware

570  „

Der  Abfall  an  Spänen  .  .
Davon  für  Verkrümmelung  etc

106  kg

10  o/o  abgerechnet  .  .  .

11  „

Bleiben  abzurechnen  .  .  .

95  kg  Späne  ä  Mk.  70,—

(Verkaufspreis)  Mk.  66,50
Mk.  1018,50
Bei  Prüfung  der  Produkte  sind  8  Stück  ==  30  kg
unbrauchbarer  Ausschuß,  angerechnet  zum  Erlös  „  33,—
Kosten  des  Rohstoffes  Mk.  985,50

Arbeitslöhne  und  Zuschläge  ,,  1295,—
Modellkosten  ; ,  140,—
Mk.  2420,50
zu  4  o/o  Zinsen  bis  zum  Verkauf  „  96,80
Selbstkosten  für  brauchbare  192  Stücke  ....  Mk.  2517,30

1  Stück  =  Mk.  13,15.
Einkaufskalkulation.
§  20.  Fabriken  haben  mit  der  Berechnung  des  Einkaufspreises
zu  tun,  weshalb  die  im  Warenhandel  üblichen  Methoden  der
Einkaufskalkulation  erörtert  werden  sollen.  Der  Anschaffungswert ­
  setzt  sich  zusammen  aus  dem  Einkaufspreis  und  den
Kosten  am  Einkaufsort,  den  Kosten  der  Ortsveränderung  und  der
Deckung  des  Rechnungsbetrages.  (Vgl.  S.  4,  15.)
        <pb n="109" />
        103

A.  Die  Einkaufs  -  und  Bezugskosten  sind  so  mannigfacher ­
  Art,  daß  sie  erschöpfend  nicht  aufgezählt  werden  können.
Die  später  folgenden  Beispiele  werden  einigen  Aufschluß  geben.  Im
allgemeinen  lassen  sie  sich  in  drei  Gruppen  teilen:
a)  Allgemeine,  gemeinsame  Kosten.
!.  Kosten,  deren  Höhe  vom  Gewichte,  mitunter  vom  Rauminhalt ­
  oder  einer  Maßeinheit  der  Ware  abhängig  ist,  z.  B.  Fracht-,
Verlade-  und  Abladespesen,  Speditionsprovision,  Rollgeld,  Lagermiete ­
  u.  a.  Sie  sind  der  Menge,  etc.  proportional.  (Gewichts-,  Mengeoder ­
  Eaumspesen.)
2.  Unkosten,  die  dem  Werte  der  Ware  proportional  sind:  Gebühren ­
  an  die  Vermittler  (Maklergebühr  oder  Courtage),  Provisionen
an  den  Einkäufer,  Versicherungsgebühren  u.  dgl.  (Wertspesen).
b)  Besondere,  nicht  proportionale  Unkosten:  Zoll,  Hafen  -
abgabon,  Verpackungskosten,  Porto,  Musterspesen  u.  a.  m.
Die  gemeinsamen  Kosten  werden  auf  die  Waren  anteilsmäßig
verrechnet,  da  eine  unmittelbare  Verteilung  in  der  Regel  untunlich
ist.  Die  Kosten  a  li  werden  nach  Gewichts-  oder  Maßanteilen,  jene
der  Gruppe  a  2  nach  Wertanteilen  der  einzelnen  Waren  verrechnet
(vgl.  die  praktischen  Beispiele).  Die  besonderen  Kosten  können  immittelbar ­
  angerechnet  werden,  doch  zählt  man  sie  häufig,  um  die
Rechnung  zu  vereinfachen,  entweder  zur  Gruppe  a  1'  oder  zu  a  2.
B.  Die  Berechnung  des  Einkaufswertes  kann  erfolgen ­
  :
a)  direkt,  d.  li.  man  ermittelt  die  Gesamtkosten  der  Waren
bis  an  den  Verwendungsort  und  teilt  diese  durch  die  bei  der  Ankunft ­
  der  Ware  gewogene  oder  gemessene  Menge.  Diese  Methode
ist  wegen  ihrer  Genauigkeit  zu  empfehlen  und  überall  anwendbar;
ß)  durch  Zuschlag  der  Unkosten  auf  die  Gewichts-  oder
Maßeinheit  oder  auf  den  Einkaufswert  der  Waren.  Man  sagt  z.  B.
1000  kg  des  Rohstoffes  verursachen  Mk.  2,37  Kosten;  oder,  auf  der
Ware  ruhen  13o/o  Spesen;
y)  durch  Umrechnung  der  Geldeinheit  am  Einkaufsort  in
inländische  Währung  mit  Rücksicht  auf  die  Unkosten,  z.  B.  1  SS
des  Warenpieises  =  Mk.  21,55  einschließlich  aller  Bezugskosten.
An  Beispielen  sollen  diese  drei  Methoden  gezeigt  werden 1 ).
Methode  a):  Divisionsmethode:  Es  sollen  100  Blöcke
Banka-Zinn  von  Amsterdam  über  Hamburg-Wallwitzhafen  nach
Leipzig  kalkuliert  werden.

*)  Vgl.  Töndury,  Die  Kalkulation  im  Waranhandel.  Stuttgart  1912.
        <pb n="110" />
        —  ro4  —

I.  Faktur:
'Btto.  3220  kg  ä  fl.  60  s/ 4  für  50  kg  .  .  .  .
—  Diskont  1 1 / 2  o/ 0
-f-  Auktionakosten  lfo/o
Wägen,  Aufladen,  Verschiffen

-f-  1%  Provisioni

fl.  3912,30
„  58,68
fl.  3853,62
„  39,12
fl.  3892,74
5»
fl.  3897,74
„  38,98
bar  fl.  3936,72
II.  Unkosten:
a)  in  Hamburg:  Fracht  von  Amsterdam  fl.  23,50
ä  1,75  Mk  -  Mk.  39,15
Platzspesen  und  Speditionsprovision  zu  15  Pfg.  für
100  kg  (von  3220)  „  4,85
ß)  in  Wallwitzhafen:  Statistische  Gebühr  .  ...  „  —,20
Fracht  von  Hamburg  80  Pfg.  .  .  .
Platzspesen  20  Pfg
Übernahmefracht  bis  Leipzig  in  die  .
Fabrik  72  Pfg
Versicherung  V8°/o  von  Mk.  7000  „  8,75
Porto,  Depeschen  „  3,50

HI.  Kalkulation:
Deckung  der  Faktura:  fl.  3936,72  ä  169,70 J )
Unkosten

=  172,9,
für
100  kg

„  55,40

In  Leipzig  gewogen:  3227  kg;
100  kg  kalkuliert  mit  .  .  .

Mk

.  111,85

Mk.

6680,61

T)

111,85

Mk.

6792,46

Mk.

210,49

Methode  ß:  Zuschlagsmethode:  Die  Bezugskosten
(Mk.  111,85)  machen  etwa  16 3 /,t 0 /oo  des  Fakturenwertes  (Mk.  6680,61).
100  kg  kosten  im  Einkauf  .  Mk.  207,03
dazu  16  ViVoo  Bezugsspesen  .  „  3,46
Kostenpreis  für  100  kg  .  .  .  Mk.  210,49
oder  auf  je  100  kg  ruhen  Mk.  3,46  Kosten.  Bleiben  die  Bezugskosten

')  Tageskurs  168,70  für  kurze  Amsterdamer  Wechsel.  Der  Aufschlag  von
Mk.  1,—  soll  Wechselcourtage  und  -Stempel,  sowie  Zinsen  für  die  Zeit  bis  zum
Eintreffen  der  Ware  (etwa  15  Tage)  decken.
        <pb n="111" />
        TOS

auf  die  Einheit  bezögen  bei  den  verschiedenen  Einkäufen  konstant,
so  vereinfacht  die  Anwendung  eines  derartigen  Kostenanschlages
die  Kalkulation.
Methode  y:  Paritätsmethode:  Man  bezieht  Pottasche
aus  New-York  für  $  3654;
die  Gesamtkosten  betragen  Fr.  1372,—
die  Deckung  der  Faktur  erfordert  .  .  „  19186,—
Somit  stellen  sich  $  3654,—  auf  .  .  Fr.  20  558,—
d.  i.  für  1  $  der  Faktur  Fr.  5,62®.
Solche  Umrechnungsverhältnisse  („Paritäten“  =  feste  Zahlen)
lassen  sich  ein  für  allemal  oder  doch  für  größere  Zeitabschnitte
berechnen.  Die  Kalkulation  ist  einfach:  Man  rechnet  die  Preiseinheit
der  Faktur  zu  den  ermittelten  Paritätszahlen  um  (z.  B.  ß  Dollars
X  5,626).  Vgl.  das  Beispiel  S.  109.
Die  ß-  und  y-Methoden  sind  nicht  immer  anwendbar,  überdies
ungenau  und  gänzlich  zu  verwerfen,  wenn  die  Bezugskosten  häufigen
Schwankungen  unterliegen.  Wo  sie  jedoch  regelmäßig  zur  Anwendung ­
  kommen,  sollen  ihre  Ergebnisse  durch  eine  direkte  Kalkulation ­
  (Methode  a)  gelegentlich  nachgeprüft  werden.  Mit  Nutzen
können  beide  Methoden  bei  Vorkalkulationen  verwendet  werden,  wenn
unter  Berücksichtigung  des  Tagespreises  der  Wert  des  Rohmaterials
annähernd  zu  berechnen  ist.
C.  Bei  wiederholten  Bezügen  einer  Ware  von  einem  Orte  ist
die  Berechnung  von  Kalkulationstabellen  vorteilhaft;  sie
zeigen  im  voraus,  wie  teuer  die  betreffende  Ware  unter  Annahme
eines  bestimmten  Preises  und  Deckungskurses  einschließlich  aller
Spesen  bis  am  Bestimmungsort  zu  stehen  kommt.  Das  Verfahren
soll  folgendes  Beispiel  zeigen:
Es  soll  eine  Kalkulationstabelle  für  Zinn  von  Amsterdam  nach
Leipzig  für  Preise  von  Mk.  50,—  bis  Mk.  65,—  für  50  kg  und
für  Deckungskurse  (einschließlich  der  Deckungsspesen)  von  Mk.
168,—  bis  Mk.  171,—  entworfen  werden.  Die  Preise  sind  von  1 / i
zu  Vr  Gulden,  die  Kurse  von  5  zu  5  Pfg.  abzustufen.  (Die  Abstufungen ­
  haben  sich  nach  der  Preisnotierung  des  betr.  Börsenplatzes ­
  zu  richten.)
a)  Zunächst  sind  4  Kalkulationen  aufzustellen.  Man  kann  vollständige ­
  Kalkulationen  für  bestimmte  Mengen  (z.  B.  im  Anschluß
an  das  Beispiel  S.  104  für  3220  kg)  durchführen  und  daraus  den
Preis  für  die  Verkaufseinheit  (50  kg)  berechnen  oder,  wie  es  hier
geschehen  ist,  die  Berechnung  sofort  auf  die  Preiseinheit  beziehen.
        <pb n="112" />
        Kalkulation.

Umrechnung  zu  j  Umrechnung  zu
M  168,—  für  100  fl.  M  171,—  für  100  fl.

fl.  50,-für
  50  kg

fl.  65,-für
  50  kg
•

fl.  50,-für
  50  kg

fl.  65,—
für  50  kg

50  kg  kosten
—  1  ‘/a  °/o  Diskont  .  .  .

fl.  50,—
»  —,75

65,—
-,975

50,-—,75


65,—
—,975

-f  -1  °/o  Auktionsk.  .  .  .

fl.  49,25
„  ,50

64,025
-,65

49,25
—,50

64,025
—,65

+  Wiegen  etc

fl.  49,75
„  -,075

64,675
—,075

49,75
-,075

64,675
-,075

-f  1  °/o  Provision  ....

fl.  49,825
„  -,498'A

64,750
—  ,647 ä

49,825
—,498  V«

64,750
—,647 5

fl.  50,32374

65,397 6

50,323  7*

65,397»

Umgerechnet
-)-  Spesen

Ji  85,543
»  1,737

109,868
1,737

86,052
1,737

111,830
1.737

Kostenpreis  für  50  kg  .  .
bis  Leipzig

Jt  86,280

111,605

87,789

113,567

b)  Nunmehr  ist  die  folgende  Kalkulationstabelle  zu  berechnen:
Kalkulationstnbßlle.
für  Preise  von  fl.  50,—  bis  65,—,  um  */ 4  fl.  steigend,  und  zu
Kursen  von  Mk.  168,—  bis  171,—  um  5  Pfg.  steigend.

Preis

Der  Deckung

skurs  beträgt

Differenz

Amsterdam

168

168,05

168,10

168,15  |  usf.

171

für  5

50

86,280

86,305

86,330

86,355

87,789

0,025 15

50  V«

86,702

86,727

86,752

86,777

88,219

0,025 25

50  7,

87,124

87,149

87,175

87,100

88,618

0,025 36

50  3 /,

87,546

87,572

87,597

87,622

88,079

0,025 65

51

87,968

87,994

88,019

88,045

89,509

0,025 88

517*

88,390

88,416

88,442

88,467

89,938

0,025 80

517,

88,812

88,838

88,864

88,889

90,368

0,025 83

517*

89,234

89,260

89,286

89,312  -

90,797

0,026 0ä

65

111,605

111,638

111,670

i  j
111,703

113,567

0,0327

Differenz  j

i

f.  J /i  Dulden  |

0,4221

0,4222

0,4223

0,4224  |

0,4296
        <pb n="113" />
        107

V
\  4
Anwendung:  Bei  einem  Zinnpreis  von  51 5 / i  fl.  in  Amsterdam
kommen  50  kg  in  Leipzig  bei  einem  Kurs  von  168,15  auf  $9,312
zu  stehen.  '  1  »;  *i
c)  Das  Verfahren  bei  der  Berechnung  der  Tabelle  ist  das  folgende:
Die  berechneten  Kalkulationspreise  werden  in  den  4  Ecken  der
Tabelle  eingetragen  (fett  gedruckt).  Nunmehr  ist  der  Einfluß  der
Kurssteigerung  (wagrechte  Reihe)  zu  ermitteln.  Der  Unterschied
zwischen  dem  höchsten  und  dem  niedrigsten  Deckungskurs  beim
niedrigsten  Preis  (50,-—)  ist:  87,789—86,280  —  1,509.  Das  Steigen
der  Kurse  ist  auf  5  Pfg.  zu  berechnen,  somit  171—168  =  3  Mk.
1,509:60  =  2,515  Pfg.,  d.  h.  eine  Kurssteigerung  um  5  Pfg.  verteuert ­
  den  Warenpreis  um  2,515  Pfg.  In  der  gleichen  Art  sind
die  übrigen  Horizontalreihen  zu  berechnen.
Schließlich  sind  die  Preissteigerungen  (senkrechte  Kolonnen)
zu  ermitteln.  Der  Unterschied  der  Preise  (65—50  =  15  Gulden)
beim  niedrigsten  Deckungskurs  (168,—)  ist  gleich:  111,605—86,280
=  25,325.  Diese  Preissteigerung  soll  für  1 / 4  Gulden  berechnet
werden,  somit  25,325:60  =  0,42208  *),  d.  h.  der  Preissteigerung
um  1 / i  fl.  entspricht  eine  Erhöhung  des  Gestehungspreises  um
0,42  Mk.  Diese  Differenz,  dem  niedrigsten  Preis  (86,280)  60  mal
zugeschlagen,  liefert  schließlich  111,605  Mk.
Die  einfachste  Lösung  der  Berechnung  des  Einkaufwertes  des
Rohmaterials  ist  wohl  die:  man  kauft  ,,frei  in  die  Fabrik“  oder  doch
,,frei  Bahnhof“  des  Verbrauchsortes  und  überwälzt  die  Berechnung
der  Kosten  auf  den  Verkäufer.  Oder  man  vereinbart  mit  dem  Spediteur
sogen.  „Übernahmepreise“,  d.  h.  feste  Kostensätze  für  eine  bestimmte
Gewichtseinheit  (100  oder  1000  kg)  und  einen  bestimmten  Transportweg, ­
  in  denen  alle  gewöhnlichen  Unkosten  und  die  Speditionsprovision ­
  enthalten  sind  (z.  B.  Transportübernahme  von  London
bis  Frankfurt  490  Pfg.  für  100  kg,  ausschl.  Zoll  und  Versicherung 2 )).
D.  Zwei  weitere  Rechnungsbeispiele  sollen  die  auch  für  industrielle ­
  Betriebe  so  wichtige  Bezugskalkulation  erläutern 3 ).

*)  Eine  andere  Erklärung  für  die  Ermittelung  der  Zuschlagsdifferenzen:  die
Preise  von  86,280  bis  87,789  bilden  eine  arithmetische  Eeihe  von  61  Gliedern.
Es  sind  59  Glieder  einzuschalten.  Die  Interpolationsdifferenz  berechnet  sich  nach
der  Formel:
a  =  ^ = n i 60|-86 2 280  =  0,42208.
TJ  +  1  t)U
J )  Wegen  des  Materialaufschlages  vgl.  §  44.
3 )  Vgl.  auch  die  Einstandskalkulation  für  eine  Erzlieferung  im  VII.  Abschnitt:
Hüttenbetriebe.
        <pb n="114" />
        ,  i
:

3  525,—
22,79
66,20
3  613,99
90,35
zu  Fr.  5,18  für  1  Dollar  =  Fr.  19188,50

Bezugs-  und  Deckungskosten:
Akzeptprovision,  See-  und  Transportversicherung  .  .  Fr.  319,52
See-  u.  Landfracht,  Ausladen,  kleine  Spesen  u.  Gebühren  „  4  223,98
Anschaffungskosten  Fr.  23  732,—
Zinsverlust  2  Mon.  zu  6%  „  237,32
Selbstkosten  Fr.  23  969,32
Verkaufs-(Haus-,  Einstands-)gewicht:  Netto  19  930  1 l a  kg.
a)  Berechnung  einer  festen  Zahl:
Reiner  Ankaufswert  Doll.  3525,—  ä  5,18  .  .  .  .—  Fr.  18  259,50
abzüglich  Selbstkosten  „  23  969,32

Unkosten  Fr.
-f-  Gewichtsspesen  (Doll.  66,20  ä  5,18  Fr.  4223,98)

5  708,82
4  566,91

bleiben  Wertspesen  Fr.  1  141,91
Wert  Spesen  Fr.  1141,91  auf  den  reinen  Ankaufswert  berechnet ­
  =  6,26  o/o  (von  Fr.  18  259,50).
Gewichts  Spesen  Fr.  4566,9t 1  verteilt  auf  das  Hausgewicht
macht  Fr.  11,457  für  50  kg.
Die  feste  Zahl  zur  Berechnung  einer  Tabelle  ergibt  sich  aus
folgendem  Kettensatz:

?  Fr.
19930,5  „
1  ,
100  „
100

47.5.  k  .  p  .  106,26

19930,5

50  kg  Hausgewicht
47  000  Pfd.  engl,
p  Cents  (Waren-Preis)
k  Fr.  (Wechsel-Kurs)
106,26  Fr.  wegen  der  Wertspesen.

1,253  .  k  .  p  (+  Fr.  11,457  wegen  der  Gewichtsspesen).

b)  Die  Tabelle  soll  für  die  Grenzwerte  p  =  6—10,  k  =  5,10
bis  5,30  berechnet  werden,  in  Abstufungen  von  x / i  Cent  und
1 !  Centime.
*)  Nach  Schaer,  Kaufmännisches  Rechnen,  3.  Aufl.,  Berlin  1906,  II.  Teil,
S.  160  ff.

4
I
        <pb n="115" />
        109

p 1  =  6

k 1  =  5,10

x 1  =  5,1  x  6  X  1,253  =  Fr.  38,34
„  11,46
Fr.  49,80
p 1  =  6  k 2  =  5,20  x a  =  Fr.  50,55
p 2  =  10  k 1  =  5,10  x 3  „  =75,36
p*  =10  k s  =  5,20  x 4  „  =  76,61

Die  Tabelle  (Entwurf).

6

6  7«

6‘A

usf.

10

Differenzen

5,10

49,80

75,36

X 3 —X 1

=  25,56:16  (4  Cent  zu  ’/,)

5,11

X 2 —X 1

=  —,75  :10

X 4 —X 2

=  26,06:16

5,20

50,55

76,61

X 4 —X 3

=  1,25:10

Das  auf  S.  104  beschriebene  Verfahren  ist  genauer.
II.  Kalkulation  von  Leinengarn  (Methode  y  S.  105).
Manchester—Chemnitz.
96  Bündel  Nr.  40  zu  7  sh  SS  33.  12.  —
96  „  ,  SO,? 1 /,,  ......  36.  -
96  „  ,  .60  „  8  ,  ....  •  „  38.  8.-SS
  108.  —.  —
Kosten  „  2.  4.  10
V  £  HO.  4.  10
2°/ 0  Kommission  „  2.  4.  1
SS  112.  8.  11
Deckungskosten  Mk.  2327,63
Bezugskosten  „  386,81
Gesamtkosten  Mk.  2714,44
(£  108.  —.  —  Ankaufspreis  der  Ware  berechnen  sich  einschließlich ­
  aller  Unkosten  auf  Mk.  2714,44
1  sh.  der  Faktura  =  125,67  Pfg.
Die  einzelnen  Sorten  kalkulieren  wie  folgt:
Nr.  40.  7  sh.  zu  125,67  Pfg.  =  Mk.  8,797  pro  Bündel,
96  Bündel  =  Mk.  844,51
Nr.  50.  7  V ä  sh.  „  125,67  Pfg.  =  Mk.  9,425  pro  Bündel,
96  Bündel  =  „  904,80
Nr.  60.  8  sh.  „  125,67  Pfg.  =  Mk.  10,054  pro  Bündel,
96  Bündel  =  „  965,18

Kontrollzahl:  Mk.  2714,49
        <pb n="116" />
        E.  Im  Anschluß  an  die  übliche  Warenkalkulation  möge  hier
ein  Beispiel  für  eine  (Verkaufspreisberechnung  Platz  finden:
Beispiel  einer  retrograden  Torkalkulation.
Ein  deutscher  Textil-Fabrikant  berechnet  den  höchsten  Selbstkostenpreis ­
  (Grenzpreis)  für  einen  beabsichtigten  Export  seiner
Waren  nach  London;  der  feste  bzw.  höchste  erreichbare  Verkaufspreis
in  London  ist  8  sh.  Der  Londoner  Verkaufsvermittler  erhält  6  o/o
Skonto  und  Kommission;  Verkaufsunkosten  in  London  12o/o,  von
der  Fabrik  bis  London  20  o/o;  5  °/o  Skonto  an  den  Exporteur,  10  o/o
Gewinn  und  2 1 / 2  o/o  Zinsenverluste  des  Erzeugers.  32  m  =  35  yards;
lä&amp;gt;  =  20,35  (abzüglich  der  Bankspesen).
Ausgangspunkt  der  Berechnung  ist  der  feste  Verkaufspreis ­
  für
1  yard  in  London  96  d
-f-  6°/o  Skonto  6  „
Reiner  Verkaufspreis  90  d
-r-  12%  Verkaufskosten  vom  Umsatz  (96)  11  „
Verkaufserlös  in  London  für  1  yard  79  d
Umgerechnet  zu  20,35  670  Pfg.
35
32m=35yards;lm=^ry(=  1  +  */32).
Ou
Zuschlag  63  „  ( 3 /ss  von  670)
für  1  m  733  Pfg.
-r-  20%  Verkaufskosten  bis  London
gerechnet  von  den  Selbstkosten  .  .  122  „  (733  .  ao /i2o)
Selbstkosten  ab  Fabrik  ....  611  Pfg.
+  12  %°/o  Gewinn  und  Zinsen  .  .  76,5  ( x /s  von  611)
Barverkaufspreis  687,5  Pfg.
+  5°/o  Skonto  an  den  Exporteur  .  36,—  ( 5 /b5  °/o  von  687,5)
Grenzpreis  4  Monate  Ziel  ....  723,5  Pfg.
        <pb n="117" />
        III.  Abschnitt.

Die  Arbeitslüsten.
§  21.  Der  Arbeitslohn  ist  das  Äquivalent  der  gemieteten  menschlichen ­
  Arbeitskraft.  Alle  Preisabmaclnmgen  zwischen  Arbeitgeber
und  Arbeitnehmer  lassen  sich  auf  die  folgenden  Grundformen  zurückführen ­
  :  1.  Stunden-,  Tag-  oder  Zeitlohn,  im  Bergl&amp;gt;au  Schichtlohn
genannt;  2.  Akkord-  oder  Stücklohn;  3.  Prämienlohnsystem;  4.  Gewinnbeteiligung ­
  auf  Grund  einer  Interessengemeinschaft  zwischen
Arbeitgeber  und  Arbeitnehmer.
Stundenlolm.
Beim  Stunden  lohn  bemißt  sich  die  Geldzahlung  ohne  unmittelbare ­
  Rücksicht  auf  die  Arbeitsleistung  nach  der  Arbeitszeit;
doch  ist  diese  Nichtberücksichtigung  nur  eine  scheinbare.  Arbeitsleistung ­
  und  Arbeitszeit  werden  auch  bei  den  Stundenlöhnen  in
Parallele  gestellt.  Auch  vom  Taglöhner  wird  ein  durch  die  Praxis
bestimmtes  Arbeitsminimum  verlangt.  Der  Stundenlohn  ist  die  Lohnform ­
  des  Handwerkers,  wobei  der  Meister  selbst  das  Arbeitstempo
angibt  und  die  Aufsicht  führt.  Zwischen  Arbeitsmenge  und  Lohn
besteht  nur  eine  lose  Beziehung.  Der  größte  .Vorzug  dieses  Lohnsystems ­
  liegt  in  der  Einfachheit  der  Berechnung.  Ein  Anreiz  zur
Mehrarbeit  fehlt,  das  persönliche  Interesse  am  Arbeitserfolg  ist  gering. ­
  Die  Anwendungsmöglichkeit  des  Stundenlohns  ist  beschränkt.
Er  eignet  sich  für  besonders  gefährliche  Arbeiten  (z.  B.  in  Pulverfabriken, ­
  Sprengarbeiten  in  Bergwerken),  wo  die  Schnelligkeit  der
Arbeit  gefahrbringend  werden  kann;  für  leicht  kontrollierbare,  aber
schwer  messbare  Arbeitsleistungen  wie  Handlangerdienste,  Reinigung,
Transporte;  für  Arbeiten,  die  erstmalig  in  Fabriken  ausgeführt  werden
und  einer  besonderen  Aufsicht  unterliegen;  für  Montage,  Reparaturen,
für  das  Kontrollieren  fertiger  Waren  und  beim  Anreißen  der  Arbeitsstücke, ­
  für  Präzisionsarbeiten  und  überall  da,  wo  die  Nachteile  der
anderen  Lohnsysteme  zu  stark  ins  Gewicht  fallen.
Die  Nachteile  des  Stundenlohns  —  langsames  Arbeiten,  systematisches ­
  Bummeln  —  sucht  man  durch  Fleißprämien  (nicht
A11  e  r  s  prämien)  in  der  Form  von  höheren  Löhnen  für  geschickte
        <pb n="118" />
        112

und  fleißige  Arbeiter  oder  durch  Einführung  von  Lohnskalen
nach  Qualität  der  Leistungen  zu  beseitigen.  Arbeiter,  die  die  mehr
gefühlsmäßig  bestimmte  und  der  individuellen  Leistungsfähigkeit
entsprechend  abgestufte  Mindestleistung  nicht  erreichen,  werden  entlassen. ­


Akkordlohn.
§  22.  Beim  Akkordlohn  gilt  nach  der  Theorie  nur  die
Arbeitsmenge  als  Grundlage  der  Bemessung.  Das  ist  unrichtig.  Auch
bei  der  Bestimmung  eines  Akkordsatzes  wird  eine  bestimmte  Höchstzeit ­
  zugrunde  gelegt,  in  welcher  der  Arbeiter  die  Arbeit  ausführen
kann  und  die  nicht  überschritten  werden  soll.  Im  Interesse  des
Unternehmers  liegt  es,  diese  Normalleistung  möglichst  hoch  zu
halten.  Die  Vorteile  des  Akkordsystems  kommen  für  ihn  nur  dann
zur  Geltung,  wenn  die  Grundzeit,  d.  h.  die  normale  Herstellungszeit ­
  richtig  bemessen  ist.  Die  wichtigste  Voraussetzung
für  die  Anwendung  des  Akkordlohns  ist  somit  eine  auf  Erfahrung,
Beobachtung  oder  Berechnung 1 )  beruhende  richtige  Einschätzung
der  erforderlichen  Arbeitszeit 2 ).  Ist  die  Grundzeit  zu  lang  angenommen, ­
  wird  der  durchschnittliche  Stundenlohn  des  Akkordarbeiters ­
  zu  groß,  die  Maschinen  werden  nicht  voll  ausgenutzt.  Es
kann  zu  einem  systematischen  Zurückhalten  in  der  Arbeitsgeschwindigkeit ­
  kommen  —  insbesondere  bei  der  ersten  Feststellung  eines
Akkordes  wird  dieses  „Akkordbremsen“  gern  versucht.  Durch  die
Machtmittel  der  Arbeiterorganisationen  wird  ein  nach  Mehrverdienst
strebender  Arbeiter  häufig  abgehalten,  einen  neuen  Rekord  zu
schaffen  und  dadurch  die  Akkordsätze  zu  drücken;  die  Betriebsleitung ­
  soll  über  die  mögliche  Höchstleistung  der  Arbeiter  und  der
Maschinen  getäuscht  werden.  Diese  und  andere  Umstände  machen
es  notwendig,  bei  Arbeiten  im  Akkord  die  Arbeitsleistungen  scharf
zu  kontrollieren.
*)  Ala  literarisches  Beispiel:  Siegerist-Bork,  Die  moderne  Vorkalkulation ­
  in  Maschinenfabriken,  2.  Auf!.,  Berlin  1917.
2 )  Schon  in  den  90  er  Jahren  versuchte  man  in  der  Maschinenindustrie  die
gefühlsmäßige  Schätzung  des  Werkmeisters  zu  ersetzen  durch  eine  auf  genauer
Beobachtung  der  Maschinen-,  der  Vorbereitungs-  und  Nebenarbeiten  beruhenden
technischen  Berechnung.  Der  Arbeitsvorgang  wird  in  möglichst  viele  Teiloperationen ­
  zerlegt,  durch  Kontrolluhren  und  Zeitstudien  beobachtet.  Der  Akkordpreis ­
  wird  in  einem  Schätzungsbureau  methodisch  ermittelt,  aus  dem  Gebiete  der
Empirie  in  die  Sphäre  exakter  Berechnung  erhoben.  Im  Jahre  1896  veröffentlichte
der  Amerikaner  Fred  W.  Taylor  in  einem  dem  „Adjustement  of  wages  to
efficiency“  gewidmeten  Sammelband  der  Abhandlungen  der  American  Economic
Association  den  Entwurf  eines  exakten  Stücklohnsystems.  Auch  neuerdings  ist
dieser  bekannte  Fabrikorganisator  mit  einer  viel  beachteten  Arbeit:  Shop  Management ­
  (die  Betriebsleitung  insbesondere  der  Werkstätten,  deutsche  Ausgabe,
übersetzt  von  Wallichs,  Berlin,  3.  Aufl.  1915)  hervorgetreten.
        <pb n="119" />
        113

Das  Akkordlohnsystem  (st  theoretisch  die  beste  Entlohnungsmethode. ­
  Es  ist  einfach,  für  den  Arbeiter  leicht  verständlich  und
kontrollierbar  und  bietet  einem  fleißigen  Arbeiter  die  Aussicht  auf
einen  höheren  Verdienst.  In  der  Vorkalkulation  kann  der  Unternehmer ­
  mit  einem  festen  Preis  der  Arbeit  rechnen,  die  Maschinen
werden  voll  ausgenutzt,  ihr  Anteil  an  den  allgemeinen  Unkosten
dadurch  geringer  und  die  Arbeitskosten  billiger.  Das  Risiko  der
Arbeitsverzögerung  geht  auf  Kosten  des  Arbeiters.  Die  Gefahren
der  Überanstrengung  der  Produktionsmittel,  einer  übermäßigen
Schnelligkeit  auf  Kosten  der  Qualität  des  Produkts  können  durch
wirksame  Kontrollmaßnahmen  beseitigt  werden.  Das  Akkordlohnsystem ­
  (auch  seine  Abart,  das  Prämienlohnsystem)  interessiert  den
Arbeiter  am  Erfolg  seiner  Arbeit  und  sichert  eine  Stetigkeit  der
Arbeitsleistung,  eine  Steigerung  der  Arbeitsintensität  auch  ohne
besondere  Beaufsichtigung.
Als  oberster  Grundsatz  für  die  Entlohnung  der  Arbeiter  hat
zu  gelten:  Jeder  Arbeiter  erhält,  was  er  verdient  hat.  Der  'zugesicherte
Lohn  —  die  schriftliche  Feststellung  vor  Beginn  der  Arbeit
ist  zwecks  Vermeidung  von  Streitigkeiten  recht  zweckmäßig  —
muß  unter  allen  Umständen  bezahlt  werden,  selbst  wenn  der  Akkord
zu  hoch  bemessen  ist.  Die  größere  Produktivität  des  Arbeiters
verringert  die  Herstellungskosten.  Auch  wenn  der  Arbeiter  einen
höheren  Durchschnittslohn  verdient,  können  sich  die  Lohnkosten
auf  die  Verkaufseinheit  oder  Mengeneinheit  des  Fabrikates  verringern. ­
  Nicht  die  absolute,  sondern  die  relative  Höhe  der  Löhne,
d.  h.  das  Verhältnis  zwischen  Lohn  und  Leistung  ist  maßgebend
für  die  Beurteilung  der  Lohnhöhe.  Ein  Arbeiter  kann  durch  selbst
gefundene  Hilfen  und  Arbeitsmethoden  seine  Arbeitsintensität
steigern  und  dadurch  seinen  durchschnittlichen  Stundenlohnverdienst
erhöhen.  Eine  Herabsetzung  des  Akkords,  die  übrigens  erst  bei,  einer
Wiederholung  jderselben  Akkordarbeit  erfolgen  soll,  kann  dazu  führen,
daß  die  Arbeitsintensität  eingeschränkt  wird;  denn  die  Arbeiter  sind,
sofern  ihre  materiellen  Interessen  in  Frage  stehen,  recht  anpassungsfähig. ­

Bei  zu  niedrig  bemessener  Normalzeit,,  d.  h.  zu  niedrigen  Akkordsätzen ­
  empfiehlt  sich  ein  freiwilliger  Akkordzuschuß.  Die  Akkordsätze ­
  werden  allgemein  so  bemessen,,  daß  der  durchschnittliche
Stundenlohnverdienst  für  bestimmte  Arbeitergruppen  nicht  über  ein
Maximum  hinauswächst.
Nach  der  Bemessungsgrundlage  werden  unterschieden:
Stückberechnung,  Einheitsberechnung  und  E1  e  -
öientenberechnung.  Weiter  werden  unterschieden:  Einzela
  k  k  o  r  d  e  für  Einzelarbeiten,  und  Akkord©  für  Arbeitsgemeinschaften ­
  (Akkordmeistersystem,  G  r  u  p  p  e  n  a  k  k  o  r  d  e).
Leitner,  Selbstkostenberechnung.  7.  Aufl.

8
        <pb n="120" />
        114

Akkordlöhne  werden  da  zur  Anwendung  kommen,  wo  man
den  Wert  der  Arbeit  vor  deren  Ausführung  schätzen  kann  und  wo
Güte  und  Menge  von  der  Geschicklichkeit  des  Arbeiters  abhängen.
Bei  der  Berechnung  des  Akkordlohnes 1 )  wird  die  Größe
der  Arbeitsleistung  in  Beziehung  zum  Lohn  gebracht.  Die  Größe
der  Arbeitsleistung  wird  bemessen  entweder  direkt  nach  dem  Produkt, ­
  welches  der  Arbeiter  herstellt,  oder  indirekt  nach  anderen
Merkmalen.  Bei  direkter  Berechnung  der  Arbeitsleistung  wird
a)  das  ganze  Arbeitsstück  der  Berechnung  zugrunde  gelegt
(Stückberechnung,  Stückakkord),  z.  B.  x  Mk.  für  das
Stück.  Die  Berechnung  des  Arbeitslohnes  nach  dem  Stück  ist  die
zumeist  angewendete  Methode.  Sie  muß,  wenn  sie  gerecht  sein  soll,
auf  die  Qualität  des  Arbeitsmaterials,  auf  dessen  Ungleichheiten,  auf
die  Güte  der  Werkzeuge,  die  Einrichtungen  des  Betriebes  sowie  die
Anzahl  der  Arbeitsstücke  Bücksieht  nehmen;  denn  je  mehr  Arbeitsstücke ­
  gleicher  Art  herzustellen  sind,  um  so  größere  Übung  gewinnt
der  Arbeiter,  die  auch  zur  zweckmäßigen  Anordnung  der  Arbeit
führt.  Lohntarife  mit  Stückberechnung  müssen  naturgemäß  sehr
umfangreich  sein,  weil  sie  auf  alle  denkbaren  Variationen  des  Arbeitsstückes ­
  (Dimension,  Art  des  Bohmaterials  u.  a.)  Rücksicht  nehmen
müssen.
b)  In  anderen  Fällen  werden  nur  Maß-  und  Gewichtseinheiten
des  Arbeitsstückes■'  der  Berechnung  zugrunde  gelegt  (Einheitsberechnung), ­
  z.  B.  x  Pfg.  für  ein  Meter,  kg,  eine  Tonne,
einen  cbm,  qm,  pro  Paar,  je  nach  der  Verkaufseinheit;  sie  wird
angewendet  in  Eisengießereien,  Maschinenfabriken,  in  den  chemischen
Industrien  usf.  Die  Einheitsberechnung  ermöglicht  eine  genaue
Akkordberechnung  und  wird  dort  mit  Vorteil  zur  Anwendung  kommen, ­
  wo  die  vorzunehmenden  Arbeiten  wechseln  und  die  Stückberechnung ­
  zu  ungenauen  Resultaten  führen  muß.  Durch  sie  werden
die  verschiedenartigen  Arbeitsstücke  erst  miteinander  vergleichbar.
Doch  muß  die  gewählte  Rechnungseinheit  zur  Schwierigkeit  der
Arbeit  in  Beziehung  stehen.  Es  wäre  z.  B.  unbillig,  den  Lohn  in
Eisen-  und  Metallgießereien  gleichmäßig  für  alle  Arbeitsstücke,  ob
klein  oder  groß,  ob  schwieriger  oder  leichter  zu  formen,  für  100  kg
festzusetzen,  weil  das  Gewicht  hier  keinen  Maßstab  für  die  Schwierigkeit ­
  der  Arbeit  bietet.

‘)  Die  folgenden  Ausführungen  (§§  23—  24)  sind  zumeist  der  trefflichen
Arbeit  von  Bernhard,  Die  Akkordarbeit  in  Deutschland,  Berlin  1903  (S.  114ff.),
entnommen.  Vgl.  überdies:  Beck,  Gerechter  Arbeitslohn.  Dresden  1902,  mit
reicher  Literaturausgabe  über  diese  Frage.  Brentano,  Über  das  Verhältnis
von  Arbeitslohn  und-zeit  zur  Arbeitsleistung.  2.  Aufl.,  Leipzig  1893.  Bernhard-Schloß,
  Handbuch  der  Löhnungsmethoden.  Leipzig  1906.  Jeidels,  Die  Methoden ­
  der  Arbeiterentlohnung  in  der  rheinisch-westfälischen  Großindustrie.  Berlin  1907.
        <pb n="121" />
        115

8*

c)  Schließlich  kann  man  jeden  Arbeitsprozeß  in  seine  Elemente
zerlegen  und  für  jedes  Arbeitselement  einen  Akkordlohn  festsetzeni
(Elementenberechnung) 1 ).  Diese  Methode  ist  die  modernste.
W.  Taylor 2 ),  Fabrikleiter  in  Germantown  bei  Philadelphia,  hat
sie  zuerst  in  Anwendung  gebracht.  Er  gibt  zur  Erläuterung  folgendes
Beispiel:  Es  soll  ein  Stück  Eisen  gehobelt  werden.  Die  Arbeit  ist
folgende:
a)  Ohne  Maschine  auszuführen:  1.  Das  Arbeitsstück  ist  auf
den  Maschinentisch  zu  heben,  2.  zu  richten  und  3.  auf  den  Maschinentisch ­
  zu  befestigen,  dann  4.  los  zu  machen,  5.  zu  entfernen  und
6.  zu  reinigen,  ß)  Mit  der  Maschine  zu  bearbeiten:  flach  mit  dem
Stahl  (Schrubber)  bearbeiten,  dann  mit  dem  Schlichtstahl  nachhobeln.
Die  Anfertigung  eines  Rahmens  für  die  Kupferdrahtwickelung
eines  elektrischen  Meßapparates  erfordert  27  Arbeitselemente.  Jedes
Element  wird  für  sich  unter  Zugrundelegung  eines  Durchschnittslohnes
  berechnet.  Eine  so  weit  gehende  Zerlegung  der  Lohnaufwendungen ­
  wird  nur  für  die  Hauptarbeit  zu  empfehlen  sein.
Beispiele  der  Elementenkalkulation  einer  Fabrik  für

Meßinstrumente.
I.  Rahmen  für  ein  Voltmeter.
Rohrstück  absägen  0,3  Pfg.
„  entgraten  0,3  ,
„  abdrehen  2,0  ,
„.  vierkantig  dornen  3,0  „
„  Kanten  nmbiegen  5,0  „
Rahmen  zwei  Löcher  in  die  Vorrrichtung  bohren  0,5  „
„  „  „  aufbohren  und  entgraten  0,5  „
„  die  umgebogeDen  Kanten  auf  Höhe  abschneiden  3,0  „
„  egalisieren,  Kanten  verrunden  9,0  „
„  innere  Kanten  verrunden  2,0  „
„  beizen  0,5  „
Rahmen  zwei  Warzen  einnieten  3,0  „
„  „  Löcher  einbohren  2,0  „
Achse  mit  zwei  Spitzen  härten  1,0  „
Spitzen  schleifen  und  polieren  6,0  „

Übertrag  38,1  Pfg.
1 )  Zur  Erzeugung  von  Schuhwaren  sind  bis  160  Einzelarbeiten  erforderlich.
Die  Lohntabelle  einer  Schuhwarenfabrik  enthält  über  1000  Positionen.  In  einer
süddeutschen  Konfektionsfabrik  werden  über  20000  Akkordsätze  geführt.
2 )  Wegen  des  sog.  Taylor-Systems  vgl.  die  Betriebsleitung  insbesondere
der  Werkstätten;  von  Wallichs,  3.  Aufl.,  Berlin  1915.  Dodge,  Industrielle
Betriebsführung;  Schlesinger,  Betriebsführung  und  Betriebswissenschaft,  beide
Berlin  1913.  Zeitstudien,  bureaumäßige  Festlegung  und  Normalisierung  der  Tätigkeit
der  Arbeitsvorgänge,  —  „Griffe“  anlernen  —  sind,  abgesehen  von  den  üblen
persönlichen  und  sozialen  Folgeerscheinungen,  nur  bei  gleichmäßig  wiederholten
Arbeitsvorgängen  an  bestimmten  Arbeitsstücken  anwendbar,  nicht  aber  bei  stark
wechselnden  Arbeiten.
        <pb n="122" />
        116

Übertrag  ,38,1  Pfg.

Spitzen  auf  Länge  abzwieken  1,0  ,
,  verzinnen  .*....  1,0  „
„  Gewinde  schneiden  und  einschrauben  zus.  3,0  ,
„  verlöten  ,  '  2,0  ,
„  innen  abfeilen  2,0  „
Kähmen  in  Wasser  abkochen  0,5  „
Spitzen  am  Rahmen  nachpolieren  3,0  „
Rahmen  zentrieren  2,0  „
„  wickeln  30,0  „
„  lackieren  5,0  „

für  27  Teiloperationen  Lohn-Summe  87,6  Pfg.

II.  Lohnkalkulation  für  ein  Metallgefilß.

Arbeitsvorgang

Pfg.

Glühen
Beizen  und  spülen
Vorpunzen
1.  mal  vorpressen
2.  „  „
3-  ,,  „
4*  ,,  &amp;gt;,
5.  „  „  ........
Platte  aufweiten
1.  mal  die  Platte  auswalzen  ....
Q
»,  ....
Glocke  fertig  pressen
Platt#  vorbiegen
Boden  gerade  drücken  und  naehpressen
Näpfchen  ziehen
1.  mal  auswalzen

Ausdrehen  und  schaben
3.  mal  auswalzen
1.  Glattzug  ziehen
2-  &amp;gt;,  i,
3-  »  „
1.  mal  abstechen
Gleichwandig  drehen
Ecken  pressen  und  den  4.  Glattzug  ziehen
2.  mal  abstechen
Boden  walzen
„  vordrehen
Ecken  ausdrehen
Glocke  nachpressen
Teile  mit  Gas  glühen
Nach  dem  Gasglühen  beizen  und  spülen
Übertrag

20,45  Pfg.
27,2  „
1,-  „
0,9  „
0,9  „
0,9  „
0,9  „
0,9  „
0,8  „
6,-  ,
6,—  ,,
1,2  „
2,5  „
2.5  „
2.7  „
1.8  „
2,—  ,,
10,8  „
2,-  „
3,—  ,,
3.6  „
4,2  „
2.6  „
5,5  „
5.5  „
2,7  „
7.6  ,.
7,55  „
9,-  „
2,5  „
2.5  „
5.5  „
153,20  Pfg.
        <pb n="123" />
        117

Arbeitsvorgang

Pfg-Einziehen


Anfweiten  ...
Boden  fertig  drehen
Gewinde  schneiden
Rand  fertig  drehen
Zur  richtigen  Länge  abstechen
1.  mal  innen  putzen
Risse  ausschaben
2.  mal  innen  putzen
Außen  putzen  und  den  Boden  schleifen  .  .  .
Schmirgeln
Rauhen
Reinigen
Stempeln
Verpacken
Revidieren
48  Arbeitsvorgänge.  Arbeitslöhne
+  Löhne  für  Bearbeitung  des  Ausschusses  5%
+  200°/,  Unkosten
Arbeitskosten

Übertrag

153,20  Pfg.
5.5  „
2.5
10,3  „
10.3  „
5.6  „
4,06  „
0,  ,,
20,-  „
12,-  „
16.4  „
20,-  „
5,—  ,,
4,-  „
2,25  „
2,-  „
10,-289,11



Pfg.

14,45

303,56

Pfg-607,12



910,68

Pfg.

Beispiel  eines  Akkordtarifsfür  „Mine  Z“.

1.  Mundloch  drehen  ....

Frauen

Pfg.
4

Pfg-2.

  Vorschrubben

Männer

4‘/i

—

3.  Boden  abdrehen

5

—

4.  Treibraum  ausbohren  .  .  .

Frauen

5

16

für  Männer  mit

5.  Innen  bearbeiten  und  fertig
drehen
6.  Treibladungsraum  2  vorbohren ­


Männer
Frauen

15
6

7  V*

fertig  bohren
Männer

7.  Treibladungsraum  fertig

Männer

7

bohren
8.  12  Gg.-Gewinde  schneiden  .

Frauen

2  7*
7

9

je  nach  Maschine

9.  I.  Vorschlichten

15

18

Mann  allein

10.  Fertig  drehen

Männer

9'/*

11V»

Gelernte  und  ungelernte ­


11.  Kordieren

1  */*

12.  Einstechen

Frauen

2 1 /«

—

13.  Kante  brechen

17s

—

14.  11  Gg.-Gewinde

3 1 /«

—

15.  Stempeln

Jugendliche

l 1 /*

—

16.  Zinkband  einstanzen  .  .  .

Männer

17

—

17-  „  drehen  .  .  .  .

3

—

18.  Drallnute  fräsen

Frauen

2

—

19.  5  mm-Loch  bohren  ....

IV«

—

20.  5  mm-Gewinde  schneiden  .

V

IV«

—

Stundenlohnarbeiten  .  .  .

zus.

110

insgesamt  140  Pfg.
        <pb n="124" />
        118

Die  Arbeitstarife  für  solche  Elementenberechnungen  enthalten
die  Preise  für  jede  einzelne  Manipulation  der  Gesamtarbeitsleistung.
Dia  Berechnung  der  Arbeitselemente  ist  einfach,  genau  und  zuverlässig. ­
  Sie  kann  von  einem  Bureaubeamten  besorgt  werden,  ohne
die  Mitwirkung  des  Arbeiters  in  Anspruch  zu  nehmen.  Die  Reihenfolge ­
  der  Teiloperationen  im  gesamten  Arbeitsprozeß  ist  bei  dieser
Berechnungsmethode  auf  den  Akkordlohn  ohne  Einfluß,  während  bei
der  Stück-  und  Einheitsberechnung  infolge  solcher,  durch  Arbeitsteilung, ­
  unvorhergesehene  Bindemisse  und  ähnliches  mitunter  notwendig ­
  werdenden  Änderungen  der  Arbeiter  in  seinem  Lohn  geschädigt ­
  werden  kann.
Die  einzelnen  Teiloperationen  stehen  zum  Gesamt-Arbeitsprozeß
in  einem  bestimmten  Verhältnisse,  das  sich  prozentuell  berechnen
läßt,  z.  B.  die  Operation  I  erfordert  a  o/o,  die  Operation  IIb.o/o',
Operation  III  c  o/ 0  usw.  des  Gesamtlohnes  von  A  Mark  (gleich
100,o/o).  Tritt  eine  Änderung  des  Arbeitsprozesses  ein,  der  nur  eine
Teiloperation  betrifft,  so  können  die  ermittelten  Prozente  der  Berechnung ­
  des  Akkordes  zugrunde  gelegt  werden,  Z.  B.  Operation  III
muß  durch  eine  Maschine  besorgt  werden.  Der  Arbeiter  hat  somit
nur  auf  a  o/o'  und  b  o/ 0  des  Gesamtakkordlohnes  von  .A  Mk.  Anspruch.
Die  indirekte  Akkordberechnung  bildet  die  Regel  bei  Festsetzung ­
  der  Akkordsätze  für  die  Gehilfenarbeit,  d.  h.  für  solche
Arbeiter,  welche  dem  im  Akkord  beschäftigten  Hauptarbeiter  Hilfsdienste ­
  leisten,  also  Arbeiten,  die  mit  der  Fabrikation  an  sich  nichts
zu  tun  haben,  z.  B.  Materialherbeischaffung,  Maschine  reinigen.  In
vielen  Betrieben  werden  solche  Arbeiten  im  Zeitlohn  bezahlt;  doch
werden  auch  hier  die  Nachteile  des  Zeitlohnes  in  Erscheinung  treten:
Langsames  Arbeiten.
Man  hat  nun  versucht,  auch  die  Gehilfenarbeit  im  Akkordlohn
zu  bezahlen  und  nimmt  als  Maßstab  für  die  Bemessung  die  Arbeitsleistung ­
  des  Hauptarbeiters  an;  denn  diese  steht  mit  den  Nebenleistungen ­
  regelmäßig  in  Beziehung.  Je  mehr  der  Hauptarbeiter
produziert,  desto  mehr  wachsen  die  notwendigen  Nebenleistungen;
der  Gehilfenakkord  wird  sich  nach  den  Leistungen  des  Hauptarbeiters
richten.  Diese  Methode  gewährt  dem  Gehilfen  einen  Ertrag  an  der
Gesamtarbeit  und  macht  ihn  von  der  Leistung  des  Hauptarbeiters
abhängig,  auf  die  dem  Gehilfen  kein  Einfluß  zusteht.
Bei  der  Festsetzung  des  Akkordlohnes-  wird  die  Arbeitsleistung
in  Beziehung  zu  bringen  sein  zu  der  darauf  verwendeten  Zeit.
„Stücklohn  ist  nur  eine  modifizierte  Form  des  Zeitlohns“  (Marx,
Kapital,  19.  Kap.).  Die  Berechnung  eines  Akkordes  erfolgt  zumeist
durch  Vergleichung  mit  früheren  Arbeiten  gleicher  oder  ähnlicher
Art  unter  Zugrundelegung  der  Durchschnittsleistung  eines  fleißigen
Arbeiters  mittlerer  Befähigung.  Wenn  also  Arbeiter  und  Unter-
        <pb n="125" />
        na

nehmer  011190  Akkord  vereinbaren,  so  nehmen  beide  an,  einen  bestimmten ­
  Betrag  in  bestimmter  Zeit  zu  verdienen.  Der  Anreiz  zur
Übernahme  einer  Arbeit  im  Akkord  liegt  eben  in  der  Erwartung
des  Arbeiters,  daß  er  schneller  als  angenommen  die  Arbeit  vollende
und  dadurch  mehr  als  den  üblichen  Taglohn  verdiene.
Die  Akkordlöhne  sollen  die  Arbeitsleistung  genau  bezeichnen;
diese  soll  gemessen  und  nicht  geschätzt  werden.  Die  gewählte  Berechnungsmethode ­
  soll  dem  Arbeiter  gerecht  und  ihm  bei  Beginn
der  Arbeit  mitgeteilt  werden,  damit  er  nicht  erst  nach  Beendigung
seiner  Arbeit  über  seinen  Lohn  unterrichtet  wird.
0
§  23.  Neben  der  richtigen  und  gerechten  Berechnung  der
Arbeitsleistung  bzw.  des  Akkordlohnes  ist  die  gerechte  Verteilung ­
  der  Akkordlöhne  unter  die  einzelnen  Teilnehmer
von  Bedeutung.  Wie  ist  der  Akkord  zu  verteilen,  wenn  mehrere
Arbeiter  gemeinschaftlich  mit  einem  Unternehmer  akkordieren  ?  Die
individuellen  Fähigkeiten  der  einzelnen  Arbeiter  sind  doch  zu  verschieden, ­
  ebenso  die  Schwierigkeiten  der  technischen  Arbeiten,  um
eine  Verteilung  nach  Köpfen  zu  rechtfertigen.
Die  gemeinschaftlichen  (genossenschaftlichen)  A  k  -
k  o.r  d  e  können  in  zwei  Hauptgruppen  unterschieden  werden:  Akkordmeistersystem ­
  und  Gruppenakkorde.
1.  Bei  dem  Akkordmeistersystem  übernimmt  ein  Vorarbeiter, ­
  der  Akkord-  oder  Zwischenmeister,  Partie-  oder  Kolonnenführer, ­
  die  Ausführung,  einer  Arbeit  im  Akkord,  die  er  mit  Hilfe
einer  Anzahl  von  Arbeitern  durchführt  oder  nur  beaufsichtigt.  Die
beteiligten  Arbeiter  erhalten  Zeitlohn,  manchmal  auch  erhöhten
Akkordstundenlohn,  sind  somit  am  Erträgnis  des  Akkords  nicht  beteiligt. ­
  Der  Unterschied  zwischen  Akkordbetrag  und  bezahltem.
Stundenlohn  fällt  dem  Akkordmeister  zu,  doch  können  auch  die
Arbeiter  am  Akkord  zu  gleichen  Teilen  oder  mit'  Abstufungen  beteiligt
sein.  Die  Verteilung  der  Akkordsumme  nimmt  im  letzten  Fälle  entweder ­
  der  Akkordmeister,  der  Werkmeister,  das  Kalkulationsbureau
vor,  oder  die  Arbeiter  selbst  bestimmen  die  Art  der  Verteilung.
Auf  alle  Fälle  ist  der  Verteilungsmodus  im  voraus  zu  bestimmen
und  bekannt  zu  geben.  Die  Verteilung  durch 1  den  Werkmeister  oder
einen  Bureauarbeiter  hat  den  Vorzug,  daß  diese  Personen  am  Akkord
kein  persönliches  Interesse  haben  und  gewährleisten  schon  dadurch
eine  gerechte  Verteilung.  Die  Arbeiter  erhalten  gewöhnlich  während
der  Arbeit  einen  bestimmten  Stundenlohn,  während  der  Akkordüberschuß ­
  nach  Beendigung  der  Arbeit  verteilt  wird,  gleichmäßig  oder
nach  den  Stundenlohnsätzen.  Nach  einer  anderen  Art  der  Beteiligung
erhalten  die  Akkordmitglieder  einen  höheren  Akkordstundenlohn.
        <pb n="126" />
        120  —

Sind  alle  Arbeiter  am  Akkordertrag  beteiligt,  so  erfolgt  die
Verteilung  entweder  nur  nach  der  Zahl  der  Arbeitsstunden  oder  im
Verhältnis  zum  Stundenlohn  und  der  verbrauchten  Zeit.
a)  Die  Verteilung  der  Akkordsumme  erfolgt  nach  dem  Zeitaufwand ­
  der  Akkordteilnehmer:  Die  Arbeiter  A x  A 2  A 3  .  .  .  .
arbeiten  zi 1  z 2  %  .  .  .  .  Stunden,  zusammen  n  Stunden;  beträgt  die
M  .  z
Akkordsumme  M  Mark,  so  erhält  A t :  ——  Mark  Anteil,  A 2  empfängt

-  Mark  usf.

n

Manchmal  wird  dem  Vorarbeiter  ein  bestimmter  Prozentbetrag
vom  Akkord  vorweg  gewährt;  erst  am  Rest  haben  alle  Teilnehmer
Anteil.
b)  Die  Verteilung  des  Akkord  Überschusses  erfolgt  nach  der
verbrauchten  Zeit:
A,  arbeitet  z.  Stunden  zu  1,  Pfg.  per  Stunde  =  z,  1,  Lohnforderung

A 2
a 3

Z 3

usf.

2z  1  Lohn.

zusammen  2z  Stunden  und

Der  Akkordüberschuß  beträgt  M  —  2  z  1  =  a,  auf  die  Lohnstunde

entfallen  a

k x  erhält  somit:  z t  l t  Lohn  -)-/?•  z x  Akkordüberschuß
A a  „  „  z 2 1 2  „  -j-  ß  •  z 2  usf.
c)  Die  Verteilung  der  Akkordsumme  erfolgt  im  Verhältnis  zum
Stundenlohn  und  zum  Zeitaufwand.  Die  Akkordsumme  von  M  aufgeteilt ­

  auf  2z  1  Teile  gibt  .  =  v
—  ZI

k x  erhält:  z,  l t  v,  A 2 :  z 2  l a  v  usf.

2.  Für  die  Gruppenakkorde  oder  das  Kolonnensystem  ist
charakteristisch,  daß  die  Arbeit  durch  Arbeitergruppen  oder  Leitung
eines  Meisters  ausgeführt  wird,  wie  z.  B.  bei  Wegebauten,  Dammaufschüttungen, ­
  Errichtung  von  Trockenmauern  aus  unbehauenen
Steinen  usw.  Dieses  System  ist  nur  dort  anwendbar,  wo  eine  rein
mechanische  Arbeit  ohne  besondere  intelligente  Leitung  zu  verrichten ­
  ist.  Die  Tätigkeit  aller  Arbeiter  ist  auf  das  gleiche  Arbeitsresultat ­
  gerichtet.  Die  Arbeit  selbst  wird  entweder  von  jedem  Arbeite]?
selbständig,  getrennt  von  den  anderen,  oder  von  den  an  der  Arbeit
beteiligten  gemeinsam  (z.  B.  Möbelstücke),  oder  schließlich  derart
durchgeführt,  daß  die  Arbeiter  gewissermaßen  Hand  in  Hand  arbeiten
(z.  B.  Nietkolonnen).  Operieren  die  Arbeiter  gemeinsam  oder  Hand
        <pb n="127" />
        i2i

in  Hand,  so  ist  die  Einzelleistung  im  Arbeitsstück  nicht  erkennbar.
Die  Arbeit  des  einen  ist  anstrengender,  jene  des  anderen  dagegen
verantwortungsvoller;  die  Verteilung  des  Akkordes  kann  deshalb
nur  durch  Vereinbarung  der  Gruppenmitglieder  untereinander  erfolgen. ­

Ein  Beispiel  für  die  Verteilung  bei  Gruppen-  oder'  Kolonnen-Akkorden
  bringt  Lilienthal  (a.  a.  0.  S.  60/61):  Eine  Schlosserkolonne ­
  Won  8  Arbeitern  verdient  Mk.  477,50  im  Akkord.  Der  Akkordüberschuß ­
  wird  wie  folgt  ermittelt  und  verteilt:

Arbeiter
Nr.

Stunden

Stundenlohn ­


Betrag

Akkordtage ­
  z

Einheiten
z  1

Anteil  am
Überschuß

1

54

80

43,20

63

5040

54,29

2

49

65

31,85

35

2275

24,50

3

54

65

35,10

63

4095

44,10

4

52

60

31,20

63

3780

40,72

5

50

50

25,—

63

3150

33,93

6

48

50

24,-63



3150

33,93

7

30

50

15,-63



3150

33,93

8

15

45

6,75

—

—

—

Betrag  bei  Stundenlohn  Mk.  212,10  24640  Mk.  265,40

Akkordiiberschuß  Mk.  265,40  :  24640  =  1,077  Pfg.

Die  Akkordarbeit  hat  63  Tage  gedauert;  die  Verteilung  des
Überschusses  auf  die  einzelnen  Arbeiter  erfolgt  im  Verhältnis  der
Zeit,  während  welcher  jeder  von  ihnen  dieser  .Kolonne  angehörte.
Nr.  2  ist  später  eingetreten,  ebenso  Nr.  8.  Dieser  Arbeiter  partizipiert
überhaupt  nicht  am  Überschuß,  da  er  in  der  Woche  der  Vollendung
der  Akkordarbeit  der  Kolonne  beitrat  und  er  nach  der  Arbeitsordnung
dieser  Eirma  (Ludw.  Loewe  &amp;amp;  Co.,  A.-G.)  in  diesem  Fall  noch  nicht
am  Überschuß  beteiligt  wird.
Die  Arbeitslöhne  sind  örtlich  und  individuell  verschieden  hoch.
a)  Die  absolute  Gleichheit  der  Leistungen  der  Arbeiter  gleicher
Kategorie  vorausgesetzt,  müssen  die  Arbeitslöhne  örtlich  verschieden
groß  sein,  wegen  der  Verschiedenheit  der  örtlichen  Lebensmittelpreise, ­
  der  Grundrente,  kurz  wegen  der  Verschiedenheit  des  notwendigen ­
  Aufwandes  für  die  Lebenshaltung;  dann,  weil  Angebot
und  Nachfrage  für  die  gleiche  Arbeitergruppe  an  den  verschiedenen
Orten  zu  gleicher  Zeit  ungleichmäßig  wirken  (Beschäftigungsgrad
in  den  einzelnen  Industriezweigen,  Arbeitsangebot,  Arbeiterwanderungen ­
  von  Ort  zu  Ort,  Jahrzeit  u.  a.  m.).
Theoretisch  läßt  sieh  der  Arbeitslohn  eines  Ortes  für
gleiche  Leistung,  gleichartige  Produktionsmittel  und  zu  gleicher
        <pb n="128" />
        122

Zeit  in  zwei  ungleich  große  Teile  zerlegen:  Der  eine  größere  Teil
ist  für  alle  Arbeiter  eines  Wirtschaftsgebietes  unter  den  angeführten
Umständen  gleich  hoch,  ist  eine  reine  Leistungsvergütung  für  gleiche
und  gleichartige  Arbeit.  Der  andere  Teil  bildet  die  Ortszulage.  Im
nachstehenden  Schaubild  wird  der  Dreherlohn  (Sommer  1917)  verschiedener ­
  Städte  dargestellt.  Die  Linie  a—ß  schließt  die  Vergütung ­
  für  absolut  gleiche  Leistungen  gegen  die  Ortszulage  ab.
Diesen  Teil  nennen  wir  Grundlohn:  er  stellt  den  reinen  Arbeitswert ­
  dar.

1  —  1'  Leistungslinie.
1  —  a  —  ß—Y  Grandlohn.
b)  Zu  dem  Grundlohn  im  angegebenen  Sinne  und  zur  Ortszulage ­
  tritt  als  dritter  Bestandteil  des  Arbeitslohnes  die  Zulage  für
den  einzelnen  Arbeiter  als  Gegenleistung  für  besondere  persönliche
Arbeitsgeschickliehkeit;  diese  persönliche  Zulage  kommt  in  Akkordstundenverdienst ­
  deutlicher  zum  Ausdruck  als  beim  Stundenlohn.
Der  von  den  Arbeiterorganisationen  geforderte  ( Mindeststundenlohn
wird  durch  die  Summe  des  Grundlohnes  und  die  Ortszulage  —  mit
Ausschluß  des  Wettbewerbes  der  Arbeitgeber  als  Lohnbestimmungsfaktor ­
  —  gedeckt.
Prämienlöhne.
§  24.  Die  Prämienlohnsysteme  —  eine  besondere  Form
des  Akkordlohnsystems  ■—  wollen  langjährige  Akkordverträge  er-
        <pb n="129" />
        —  123  —
möglichen,  das  Schätzungsverfahren  vereinfachen  und  dadurch  die
Fehlerquellen  verhüten,  die  finanziellen  Folgen  des  Verschätzens
möglichst  einschränken.  Dem  Arbeiter  wird  in  der  Regel  ein  Teil
des  bei  schnellerer  Arbeitsausführung  gegenüber  einer  mit  dem
Arbeiter  vereinbarten  Normalleistung  (einer  bestimmten  Grundzeit
oder  einem  bestimmten  Lohn)  als  Zuschlag  zu  dem  Stundenlohn  gezahlt. ­
  Je  nach  dem  beabsichtigten  Zweck  —  Begrenzung  des  stündlichen ­
  Höchstverdienstes,  konstanten  oder  mit  dem  Lohnsatz  sich
verändernden  stündlichen  Mehrverdienst  —  pind  die  Bedingungen
im  einzelnen  sehr  verschieden.  Die  Vorteile  des  Prämienlohnsystems
sind  die  folgenden:  Dem  Arbeiter  wird  ein  Mindeststundenlohn
garantiert;  Zeit-  und  Kostenersparnis  kommen  auch  dem  Arbeiter
zugute;  die  Prämie  ist  eine  dauernde  und  kann  während  der  Dauer
des  Vertrages 1 )  nicht  gekürzt  werden.  Beim  gewöhnlichen  Akkord
wird  eine  Durchschnittsleistung  einseitig  und  unkontrollierbar  vom
Unternehmer  kalkuliert/während  bei  dem  Prämienlohnsystem  in  der
Regel  eine  Grundzeit  für  die  zu  leistende  Arbeit  vereinbart  wird 2 ).
Einige  Prämienlohnsysteme 3 )  sollen  hier  kurz;  erklärt
werden.
a)  Bei  dem  Halseyschen  und  Rowansehen  Prämiensystem  wird
für  jede  Arbeit  eine  Normalherstellungszeit  —  die  Norm  oder  Grundr
 )  Beim  freien  Arbeitsvertrag  (Einzelvertrag)  zwischen  Arbeitgeber
und  Arbeitnehmer  stehen  sich  beide  als  Vertragschließende  gegenüber  und  vereinbaren ­
  für  den  Einzelfall  Akkord-  oder  Stundenlohn.  Bei  kollektiven  Arbeitsverträgen ­
  sind  Unternehmer  und  Arbeiter  organisiert.  Der  Unternehmer
bzw.  die  Unternehmerorganisation  verhandelt  mit  der  Gesamtheit  der  Arbeiter.
Solche  Tarifverträge  setzen  eine  verhältnismäßig  einfache  Produktionstechnik
voraus,  die  eine  Uniformierung  der  Arbeitsbedingungen  erleichtert,  a)  Es  sind
kollektive  Bestimmungen  für  einzelne  Unternehmungen;  die  Arbeiter  verlangen
bei  der  Festsetzung  der  Akkordpreise  die  Mitwirkung  einer  von  Arbeitern  gewählten ­
  Kommission  (Vertrauensmänner)  und  die  Aushängung  der  Listen  der
Akkordpreise  in  deD  Arbeitsräumen,  b)  Tarifgemeinschaften  beruhen  auf
kollektiven  Vereinbarungen  für  bestimmte  Berufe  und  auf  der  kollektiven  Festsetzung ­
  einer  Arbeitsordnung  als  Unterlage  für  die  Einzelarbeitsverträge.  Über
einzelne  Fragen  vgl.  I  m  1  e,  Tarifverträge.  Jena  1907;  Selter,  Über  die  Einführung
von  Tarifverträgen  in  den  Großbetrieben  des  Maschinenbaues  und  verwandter
Industrien.  Berlin  1911;  Herkner,  Die  Arbeiterfrage.  6.  Aufl.  Berlin  1916.
2 )  Die  Einführung  von  Prämienlöhnen  ist  praktisch  fast  ausschließlich  von
der  Stellungnahme  der  Arbeiterorganisationen  abhängig.
3 )  Wegen  der  Prämiensysteme  vgl.  das  früher  zitierte  Werk  von
Grimshaw  (S.  72);  dann:  Preuß,  Das  Prämiensystem  der  Arbeiterlöhnung,
Zeitschr.  des  Vereins  deutscher  Ingenieure,  1903,  S.  712  ff.;  Schiller,  Das
Prämiensystem  der  Lohnberechnung,  ebenda,  S.  1720  ff.;  Möller,  Eine  Studienreise ­
  in  den  Vereinigten  Staaten  von  Amerika,  ebenda  1903,'  S.  972  ff.;  dann  in
der  gleichen  Zeitschrift,  S.  439,  440,  1472;  Levin,  Werkstättenbuchführung  für
moderne  Fabrikbetriebe,  Berlin  1907,  S.  11  f.,  123  f.  (Diagramme).  Schwarze,
Das  Lohnwesen  in  amerikanischen  Eisenbahnwerkstätten,  in:  Glasers  Annalen
für  Gewerbe-  und  Bauwesen.  1910.
        <pb n="130" />
        124

zeit  —  festgesetzt,  die  dem  Zeitverbrauch  eines  Durchschnittsarbeiters ­
  entspricht.  Vollendet  der  Arbeiter  die  Arbeit  in  kürzerer
Zeit,  so  erhält  er  außer  dem  Stundenlohn  für  die  aufgewendete  Arbeitszeit ­
  von  dem  Zeitgewinn  einen  bestimmten  Prozentsatz)  als  Prämie.
Braucht  der  Arbeiter  länger,  dann  erhält  er  eben  nur  den  Stundenlohn. ­

Nach  dem  Halseysehen  Prämiensystem  wird  dem  Arbeiter
in  der  Pegel  die  Hälfte  desi  Lohnes  der  eingesparten  Zeit  als  Prämie
gewährt.  Z.  B.  Eine  Arbeit  wird  auf  90  Stunden  ä  40  Pfg.  Stundenlohn ­
  veranschlagt.  Der  Arbeiter  braucht  70  Stunden,  der  Zeitlohn
hierfür  (70  X  40)  Mk.  28,—,  die  Prämie  ——^  ^  =  Mk.  4,—,
der  Gesamtverdienst  des  Arbeiters  Mk.  32,—,  d.  i.  für  die  Arbeitsstunde ­
  durchschnittlich  45,4  Pfg.  Wie  sich  der  Stundenverdienst
bei  dem  verschiedenen  Zeitverbrauch  stellt,  zeigt  die  nachstehende
Tabelle,  der  zur  ,Yergleiehung  der  Arbeitsverdienst  beim  Akkordsystem ­
  (Mk.  36,—)  beigefügt  ist:

Halsey

sches

System

Akkord

Ver-Zeit-





Verdienst ­


Durchschnittl.


Steigerung
des

Durchschnittl.


Gesamt

Steigerung

braucht©
Zeit  iu
Stunden

lohn

im

Stunden-Stunden-









Mk.

ganzen
Mk.

lohn
Pfg.

lohnes
in  7o

lohn
Pfg-Mk.



lohnes
in  °/o

90

36,—

36,-40



40

36,-85



34,-1,-





41,2

3

42,3

36,-5



80

32,—

2,-34,-





6‘A

45

36,-12

  V»

75

30,—

3-33,—



44

10

48

36,-20



70

28,-4,—



32,-45,6



14

51,4

36,-28

  V»

60

24,-6,-







25

60

36,-50



b)  Nach  dem  Rowansehen  Prämiensystem  wird  nicht  ein
unveränderlicher  Prämiensatz  gewährt,  sondern  die  gewonnene  Zeit
wird  in  ein  prozentuelles  Yerhältnis  zu  der  Normalherstellungszeit
gebracht  und  dieser  Prozentsatz  vom  Grundlohn  als  Prämie  bezahlt.
Z.  B.  dio  vorerwähnte  Arbeit,  mit  90  Stunden  ä  40  Pfg.  veranschlagt,
wird  in  72  Stunden  vollendet.  Der  Arbeiter  erhält:  72  ä  40  Pfg.
=  Mk.  28,80;  als  Prämie  den  Zeitgewinn  von  (90:18)  20  o/o  von
Mk.  28,80  =  Mk.  5,76,  zusammen  Mk.  34,56,  oder  durchschnittlich
48  Pfg.  stündlich 1 ).  Die  folgende  Tabelle  ist  nach  den  Bedingungen
der  obenstehenden  Tabelle  berechnet.

')  Zugleich  Steigerung  des  durchschnittlichen  Stundenlohnes.
        <pb n="131" />
        Verbrauchte
Zeit
Stunden

Zeitlohn
Mk.

Prä
in  °/ 0  des  Zeitgewinns ­
  zur
Norm

m  i  e
im  ganzen
Mk.

Gesamt-Verdienst

Mk.

Durchschnittlicher ­
  Stundenlohn

Pfg.

90

36,—

36,—

40,0

85

34-5*/»



1,88  ■)

35,88

42,2

80

32,-11V.



3,56

35,56

44,5

75

30,-16’/s



5-35,—



46,6

70

28,—

22»/ 9

6,22

34,22

48,9

60

24,-33‘/3



8,— 2 )

32,-53,3



Maßgebend  für  die  Festsetzung  der  Prämie  ist  die  Grundzeit,
die  ihrerseits  wieder  von  den  Arbeitsmethoden  abhängig  ist.  Setzt
man  die  Normalherstellungszoit  niedrig  an,  so  kann  man  höhere
Prämiensätze  gewähren;  deshalb  darf  ein  Prämiensystem  nicht  ausschließlich ­
  nach  dem  Prozentsatz  der  Prämie  beurteilt  werden.  Die
Arbeit  selbst  und  die  festgesetzte  Normalzeit  müssen  berücksichtigt
werden.
Wenn  ein  Arbeiter  mit  geringerem  Stundenlohn  das  gleiche  verdienen ­
  will  wie  ein  Arbeiter  mit  höherem  Stundenlohn,  so  muß  er
nach  dem  Halseyschen  und  dem!  Rowanschen  System  die  gleiche
Arbeit  in  weit  kürzerer  Zeit  fertigstellen.  Oder  es  müßte  ihm  eine
längere  Normalzeit  oder  ein  höherer  Prämiensatz  gewährt  werden.
Diese  Begünstigung  der  Arbeiter  mit  höherem  Stundenlohn  durch
beide  Systeme  will  das  Roß  sehe  Prämiensystem  beseitigen.  Hier
wird  für  jedes  Arbeitsstück  ein  Norinalherstellungs  preis  vereinbart. ­
  Der  Arbeiter  erhält  nur  dann  eine  Prämie,  wenn  seine  Lohn?
forderung  (Produkt  aus  Stundenlohn  und  -zahl)  kleiner  ist  als  der
Normalherstellungspreis;  als  Prämie  wird  die  Hälfte  dieser  Differenz
gewährt.
c)  Auch  das  von  Korvettenkapitän  Strohmeyer  in  der  Staatswerft ­
  zu  Wilhelmshaven  eingeführte  System  legt  einen  Jj^rmalherstellungs
  preis  zugrunde.  Die  verbrauchte  Zeit  wird  mit  dem
vereinbarten  Stundenlohn  bezahlt;  der  Lohnsatz  des  Arbeiters  wird
—  als  Prämie  —  umj  so  viel  Prozente  erhöht,  als  der  gegen  den
Normalherstellungspreis  ersparte  Lohn  vom 1  Normalpreis  beträgt,  d.  h.
die  Prämie  wird  nach  dem  Rowanschen  System  berechnet.
Z.  B.  eine  Arbeit  ist  auf  60  Mk.  veranschlagt  (100  Stunden
Herstellungszeit),  tatsächlich  wurden  80  Stunden  ä  60  Pfg.  =  Mk.  48
verbraucht.  Der  Unterschied  zwischen  dem;  vereinbarten  Preis  und
dem  verbrauchten  Lohn  (60—48)  ist  Mk.  12  —  20°/ol  Somit  beträgt
*)  Der  Zeitgewinn  betrügt  5  Stunden  ii  40  Pfg.  =  200  Pfg.,  der  Arbeiter
erhält  als  Prämie  188  Pfg.  —  94  ‘/ö%&amp;gt;  des  Lohngewinnes.
2 )  Zeitgewinn  80  Stunden  —  12  Mk.,  Prämie  8  Mk.  =  66  */3°/o  des  Gewinnes.
        <pb n="132" />
        126

die  Prämie  20_°/o'  von  Mk.  48  =  Mk.  9,60,  der  Gesamtverdienst  des
Arbeiters  Mk.  57,60  oder  72  Pfg.  pro  Stunde.
§  25.  Die  Zeitprämie  für  vorzeitige  Fertigstellung  einer
Arbeit  ist  nur  eine  Form  der  Geldprämien,  d.  i.  eine  Vergütung ­
  für  besondere  Leistung  der  Arbeiter,  wodurch!  dem  Unternehmer ­
  Ersparnisse  erwachsen 1 ).  Solche  Ersparnisse  können  erzielt
werden  durch  billige  Produktion,  geringen  Verbrauch,  Erzeugung
gröberer  Mengen  u.  dgl.  Demnach  sind  ziu  unterscheiden:  Materialersparnisprämien ­
  für  sparsamen  Materialverbrauch,
z.  B.  von  Öl,  Kohle,  elektrischem  Strom  (Ölprämien  der  Maschinisten,
Stromprämien  der  Straßenbahner).  Qualitätsprämien  als  Belohnung ­
  für  Aufmerksamkeit  beim  Arbeitsprozeß  (beispielsweise  beim!
Ausschmelzen  der  Erze)  und  überall  da,  wo  die  Ausbeute  des  Rohstoffes ­
  von  der  Aufmerksamkeit  des  Arbeiters  abhängig  ist.  Quantität
  s-  oder  Produktionsprämien,  beispielsweise  die  Förderprämien ­
  im  Bergbau,  d.  i.  eine  Belohnung  für  Förderung  größerer
Mengen:  Es  wird  ein  bestimmtes  Förderquantum  festgesetzt  und
ein  Plus  prämiiert.  Auch  in  Zeiten  guter  Konjunktur  erhalten  Bergarbeiter ­
  solche  Produktionsprämien,  um  sie  zu  größerer  Arbeitsintensität ­
  anzuspornen.  In  der  Konfektions-  und  Schuhwarenindustri©
erhalten  die  Zuschneider  von  einer  bestimmten  Zahl  zugeschnittener
Stücke  einen  erhöhten  Akkordsatz.  Auch  die  im  Kohlenbergbau
übliche  Selbst  kosten  prämie  ist  eine  Produktionsprämie:  Für
die  Tonne  Kohle  wird  ein  bestimmter  Selbstkostenpreis  festgesetzt;
gelingt  es  dem  Steiger,  die  Förderkosten  niedriger  zu  halten,  erhält
er  den  Unterschied  als  Prämie.  Auch  findet  man  in  Betrieben,  die  die
Nachteile  des  Stundenlohns  ohne  Änderung  des  Lohnsystems  beseitigen ­
  wollen,  Fleiß  prämien  in  der  Form  höherer  Lohnskalen
für  geschickte  Arbeiter.  Endlich  werden  Prämien  für  Vorschläge
zur  Verbesserung  von  Werkzeugen,  Arbeitsmethoden  und  Maschinen
gezahtt»
§  26.  Die  Gewinnbeteiligung  des  Arbeiters  —  von
Engel  1867  als  die  Lösung  der  sozialen  Frage  bezeichnet  —  hat
trotz  ausgiebiger  literarischer  Behandlung 2 )  wenig  praktische  Er') ­

  Im  Kriege  wurden  der  Privatindustrie,  also  dem  Unternehmer  neben
Preiszuschlägen  für  Einarbeitung  bei  Erzeugung  neu  aufgenommeuer  Artikel,
für  Sonderabschreibungen  auf  Beschaffung  besonderer  Einrichtungen,  für
Material-  und  Lohnsteigerung  (Teuerungszuschläge)  auch  Quantitätsprämien ­
  für  Lieferungen  über  eine  Mindestmenge  bzw.  bei  Erreichung  dieser
Grenze  gewährt.
2 )  Z.  B.  Freese,  Die  konstitutionelle  Fabrik.  Berlin  1909;  Bernhard,
a.  a.  0.  S.  225f.  Selter,  Zusammenstellung  der  wichtigsten  Lohn-  und  Ertragsbeteiligungsformen. ­
  (Berlin  NW  7.  Verein  deutscher  Ingenieure).
        <pb n="133" />
        folge  gehabt.  Die  Arbeiter  sollen  am  Mehrwert,  am  Produktions-Überschuß
  beteiligt  werden.  Diese  Methode  scheint  nur  dann  anwendbar ­
  zu  sein,  wenn  ein  unmittelbarer  Zusammenhang  zwischen
Fabrikationsgewinn  und  Arbeitsleistung  des  Einzelarbeiters  klar  ersichtlich ­
  ist.  Betriebsgewinne  entstehen  aber  auch  durch  andere
Ursachen,  beispielsweise  durch  gute  Konjunktur,  durch  Arbeitsteilung, ­
  durch  gute  kaufmännische  und  technische  Leitung,  gute
Konstruktionen,  Zufälligkeiten,  .Verbesserung  der  Arbeitsmethoden
u.  a.  jn.,  Ursachen,  auf  die  die  Arbeiter  keinen  Einfluß  haben.  Büchereinsicht, ­
  Kenntnis  und  Feststellung  der  Bewertungsgrundsätze  für
die  Bilanz  (wegen  der  Abschreibungen  und  der  Bestände),  genaue
Selbstbostenberechnung  und  manches  andere  ist  Voraussetzung  für
die  gerechte  Durchführung  der  Gewinnbeteiligung.
Gratifikationen  finden  sich  auch  sonst  in  Fäbrikbetrieben.
Die  Meister,  die  einen  großen  Einfluß  auf  Qualität  und  Quantität
der  Gesamtleistung  des  Betriebes  durch  rationelle  Arbeitseinteilung
und  scharfe  Kontrolle  etc.  haben,  erhalten  je  nach  ihrem  Dienstalter,
ihren  Fähigkeiten  und  dem  Geschäftsergebnisse  in  manchen  Unternehmungen ­
  einen  Lohn-  bzw.  Gehaltszuschuß.  Der  Meister  soll  am
Verdienst  der  Unternehmung,  nicht  am  Verdienst  der  Arbeiter  durch
Tantiemen  oder  Prämien  beteiligt  werden,  wie  dies  in  manchen
Betrieben  eingeführt  ist:  suum  cuique!
Löhnvcrrechnung  und  -Verwaltung.
§  27.  Man  pflegt  in  bezug  auf  die  Kalkulation  technischer  Betriebe ­
  gewöhnlich  von  produktiver  und  nichtproduktiver  Arbeit  zu
sprechen,  eine  Unterscheidung,  die  sachlich  nicht  ganz  zutreffend
ist;  schließlich  ist  jede  Arbeit  produktiv.  Die  produktive  Arbeit,
richtiger  direkte  Arbeit,  ist  jene,  die  ausschließlich  zur  Erzeugung
eines  Produktes  aufgewendet  wird.  Die  nichtproduktiven  indirekten
Arbeiten  sind  allgemeine  Leistungen,  die  nicht  einem  Einzelprodukt
angerechnet  werden  können,  dessen  Wert  nur  mittelbar  erhöhen.
Für  die  Kalkulation  müssen  unterschieden  werden  (vgl.  S.  72):
1.  Fabrikationslöhne  (produktive,  werbende  oder  direkte
Löhne),  welche  für  das  einzelne  Arbeitsstück  bzw.  für  die  Produktionseinheit ­
  (Tonne,  Kilogramm,  Meter)  unmittelbar  bestimmbar  sind.
2.  Unkostenlöhne,  nichtproduktive,  indirekte  oder  Betrieb ­
  s  1  ö  h  n  e,  d.  s.  Löhne  für  allgemeine  Betriebsarbeiten,  welche
den  allgemeinen  Unkosten  zugereeb.net  werden  müssen;  z.  B.  auch
der  Lohnausfall  während  der  Inventur  oder  der  gesetzlichen  Feiertage, ­
  der  den  Arbeitern  vergütet  wird.  Dann:  Löhne  für  Transport, ­
  Versand,  Materialprüfung,  Werkzeugeinsteller,  Transmissions-Schmierer,
  Aufzugbedienung,  Kohlenschieber,  Motor-  und  Turbinenwärter, ­
  Kontrolle,  Werkstattschreiber  u.  a.
        <pb n="134" />
        3.  Loh  nunkosten,  Lohnzusatz  kosten,  welche  die
Arbeitskosten  mittelbar  oder  unmittelbar  erhöhen 1 ).  Hierher  sind
zu  rechnen:  Versicherungsbei  träge,  Arbeiter  Versicherung,  Beiträge
zu  Berufsgenossenschaften,  Naturalleistungen  an  die  Arbeiter  (wie
Kleider-  und  Getränkelieferungen),  Teuerungszulagen,  Kosten  der
Wohlfahrtseinrichtungen  und  der  Lehrlingsausbildung  (Schulen,
Lehrwerkstätten),  Kosthaus-  und  Kleiderzuschüsse,  Anzeige-  und
Reisekosten  für  das  Anwerben  von  Arbeitern,  die  Kosten  des  Lohnbureaus ­
  u.  ä.  Die  kalkulatorische  Behandlung  der  Lohnzusatzkosten
ist  verschieden.  In  der  Regel  werden  sie  wie  die  Unkostenlöhne  mit
den  allgemeinen  Unkosten  (Betriebsunkosten)  verrechnet.  Richtig
ist  es,  jene  Ausgaben,  welche  die  werbenden  Löhne  unmittelbar  erhöhen ­
  und  sich  als  solche  unmittelbare  Arbeitsverteuerung  berechnen
lassen,  direkt  den  Fabrikationslöhnen  zuzurechnen,  beispielsweise
Arbeiter  -  Versicherungsbeiträge;  Uberstundenaufschlag;  Löhne  für
Hilfs-  und  Nebenarbeiten,  die  häufig  als  Lohnunkosten  verrechnet
und  durch  einen  allgemeinen  Aufschlag  auf  die  Arbeitslöhne  ihre
Deckung  finden  sollen.
Es  kann  zweckmäßig  erscheinen,  die  Löhne  jener  Arbeiter,  die
in  den  Werkstätten  selbst  unproduktiv]  (im  kalkulatorischen  Sinne)
arbeiten,  gesondert  von  den  übrigen  durch  Lohnzuschläge  zu
deckenden  Unkostenlöhnen  zu  verrechnen.

§  28.  Die  Tätigkeit  der  Lohnverwaltung  erstreckt  sich
auf  die  Feststellung  des  Geld-  und  Zeitverbrauchs  für  eine
bestimmte  Arbeit,  .Verteilung,  d.  h.  Verrechnung  und  Zusammenstellung ­
  der  Arbeitskosten  für  die  Person  des  Arbeiters,  für  den
einzelnen  Arbeitsprozeß,  für  den  einzelnen  Auftrag  bzw.  das  einzelne
Arbeitsstück  oder  für  die  Mengeneinheit,  Trennung  der  Arbeitslöhne ­
  in  Fäbrikations-  und  Unkostenlöhne,  Verbuchung.
Die  für  eine  Fabrikation  aufgewendete  Arbeit  erfordert  genaue
Aufzeichnung  hinsichtlich  der  Zeit,  die  der  Unternehmer  von  dem
Arbeiter  erhält.  Die  genaue,  klare  und  zuverlässige  Berechnung  der
Löhne,  d.  h.  der  Arbeitskosten,  ist  notwendig,  um  Streitigkeiten,
Unzufriedenheit  und  Täuschungen  zu  vermeiden,  behufs  richtiger
Bezahlung  der  Arbeit  und  richtiger  Berechnung  und  Verteilung  der
Selbstkosten.  Die  Lohnverrechnung  soll  einfach  sein,  um  jederzeit
eine  schnelle  Nachprüfung  der  einzelnen  Positionen  zu  ermöglichen.
Jede  Nachlässigkeit,  jeder  Fehler,  jede  Unterbrechung  in  der  scharfen
Kontrolle  kostet  bares  Geld.

’)  Im  Kriegsjahr  1917  z.  B.:  Überstunden  25°/o,  Nachtarbeit  25*/o,  Sonntagsarbeit ­
  50°/o  Zuschlag  auf  die  Arbeitslöhne.  Kriegszuschlag  für  auswärtige
Arbeiter,  für  Eisenbahnfahrt.  Lieferung  von  Nahrungsmittel  weit  unter  Anschaffungspreis. ­
        <pb n="135" />
        129

Die  Arbeitskontrolle  ist  eine  dreifache.  1.  Der  Arbeiter
wird  kontrolliert,  ob  er  sich  während  der  durch  die  Arbeitsordnung
vorgeschriebenen  Arbeitszeit  im  Arbeitsraum  aufgehalten  hat,  wann
er  kommt,  ob  er  zu  spät  kommt,  wann  er  geht  (  Anwesenheitskontrolle).
  Die  Anfangszeiten  der  täglichen  Arbeitszeit  verstehen
sich  für  die  einzelnen  Arbeitsstellen  innerhalb  der  Fabrik,  in  arbeitsfertiger ­
  Kleidung.  Für  Beginn  und  Ende  der  Arbeitszeit  ist  die
Fabrikuhr  maßgebend.  2.  Überdies  wird  der  Arbeiter  kontrolliert,
ob  er  die  verlangte  Mindesfarbeitsmenge  geleistet  hat  (Arbeitstempound
  Quantitätskontrolle).  3.  Endlich  wird  auch  die  Qualität
der  geleisteten  Arbeit  geprüft  (Qualitätskontrolle).
Die  Zeit-  oder  Anwesenheitskontrolle 1 )  wird  nach
verschiedenen  Systemen  gehandhabt.  a)  Pförtner  liste.  Der
Pförtner  notiert  die  Namen  der  Arbeiter,  die  zu  spät  kommen  oder
zu  früh  gehen.  Dieses  veraltete,  nur  für  kleine  Betriebe  mit  geringer
Arbeiterzahl  passende  System,  dessen  Anwendung  von  der  Zuverlässigkeit ­
  und  Unparteilichkeit  des  Portiers  abhängig  ist,  wird
ersetzt  durch  b)  die  M  a  r  k  e  n  kontrolle.  Die  numerierten  Blechmarken ­
  werden  beim  Eintritt  in  die  Fabrik  von  dem  Markenbrett
des  Portiers  abgenommen,  in  einem 1  verschließbaren  Markenkasten
oder  Markenschrank  in  der  Werkstatt  auf  gehängt  und  beim  Verlassen ­
  der  Fabrik  wieder  abgegeben.  Diese  doppelte  Kontrolle  durch
Portier  und  Werkmeister  kann  nach  verschiedenen  Richtungen  hin
wirksamer  ausgebaut  werden.  Bei  den  Systemen  a)  und  b)  wird
die  Arbeitszeit  vom  Lohnschreiber  berechnet.  Am  zweckmäßigsten
erfolgt  die  Zeitkontrolle  c)  durch  mechanischeKontrollvorrichtungen.
  Der  Arbeiter  hat  bei  Beginn  der  Arbeit  und  beim
Verlassen  der  Fabrik  am  Kontrollapparat  mit  einem  Nummernschlüssel ­
  zu  schließen.  Der  Schlüssel  hängt  am  Schlüsselbrett  und
darf  nur  zum  Zwecke  des  Sehließens  entnommen  werden.  Oder  die
Kontrolle  erfolgt  durch  Zeitstempelung  mit  Kontroll-  und  Stechuhren,
Kartenkontrollapparaten.  Der  Zeitstempel  wird  automatisch  auf  Lohnzettel, ­
  auf  Wochenkarten  oder  Kontrallstreifen  auf  gedruckt,  die
Arbeitszeit  vom  ’  Arbeiter  somit  selbst  bestimmt.  Im  Lohnbureau
werden  die  Zeitangaben  in  Arbeitsstunden  umgerechnet.  In  Bergwerken ­
  und  anderen  Betrieben  verwendet  man  d)  die  B  u  c  h  kontrolle.
Die  Namen  der  anfahrenden  Arbeiter  werden  verlesen  oder  vor  der
Einfahrt  und  nach  der  Ausfahrt  am  Schalter  des  Kontrollzimmers
vom  Arbeiter  angesagt  und  ein  entsprechender  Vermerk  im  Schichtenbuch ­
  gemacht.
')  Ausführlicher  bei  Grimshaw;  für  die  Bergbaubetriebe  vgl.  Zeitschr.
t  handelsw.  Forschung,  V.  Jahrg.,  S.  20  f.,  S.  337  f.  Woldt,  Der  industrielle
Großbetrieb,  Stuttgart  1911  (J.  H.  W.  Dietz  Nachf.).  S.  23f.  Vgl.  auch  mein
Buch:  Die  Kontrolle  in  privaten  Unternehmungen,  Frankfurt  a.  M.,  1920.
leitner,  Selbstkostenberechnung.  7.  Attfl.  9
        <pb n="136" />
        130

Die  Q  uantitätsko  n  trolle,  d.  i.  die  Kontrolle  der  Arbeitsleistung, ­
  ist  in  einzelnen  Betrieben  sehr  einfach:  Messen,  wiegen
(Bergbau),  zählen  (Textilindustrie  durch  Zähluhren  an  den  Webstühlen). ­
  In  Unternehmungen  mit  zerlegenden  Arbeitsmethoden  bedarf ­
  es  komplizierter,  mechanischer  Kontrollmittel  feinster  Konstruktion, ­
  Registriervorrichtungen  (Zählwerk  in  Verbindung  mit  Schreibwerk), ­
  welche  die  Arbeit  auf  den  Arbeitsmaschinen  (Leerlauf,  Unterbrechung, ­
  Arbeitszeit)  kontrollieren.  Diese  automatische  Arbeitstempokontrolle ­
  erleichtert  die  Aufstellung  neuer  Akkordtarife.
Leistungen  und  Zeitaufwand  für  das  einzelne  Arbeitsstück  und  den
einzelnen  Arbeitsvorgang  werden  auch  in  den  Formularen  der  Betriebsbuchführung ­
  verzeichnet,  die  als  Grundlage  für  die  Kalkulation ­
  und  Lohnberechnung  dienen.
Die  Qualitätskontrolle  wird  durch  besondere  Organe
während  der  Arbeit  oder  nach  Fertigstellung  ausgeübt.  Eine  länger
dauernde  Zirkulation  des  Rohstoffes  bis  zur  Fertigstellung  des  Fabrikates ­
  macht  stets  eine  wirksame  Zwisehenkontrolle  notwendig.
Beginn  und  Ende  des  Arbeitstages  werden  gewöhnlich  beim
Eintritt  in  die  Fabrik  und  bei  deren  Vierlassen  fixiert.  Diese  Zeitangaben ­
  sind  in  vielen  Fällen  nicht  ganz  zutreffend.  Durch  örtliche
Entfernung  der  Arbeitsstätte  vom  Eingangstor  der  Fabrik  wird  der
Beginn  der  Arbeitszeit  hinausgeschoben 1 ).
Die  Berechnung  der  Löhne  für  den  einzelnen  Arbeiter
erfolgt  nach  Stunden  (Zeit-  oder  Akkordlöhne)  auf  Arbeiter-  bzw.
Akkordzetteln,  Lohnabrechnungszetteln,  die  Verrechnung  und  Verteilung ­
  der  Löhne  auf  einzelne  Betriebsabteilungen  und  die  einzelnen
Aufträge  hingegen  in  den  Lohnbüchern,  Lohnabreehnungs-,  Lohnzahlungs-
  und  Lohnverteilungsbüchern  2 ).
Schwieriger  ist  die  Verteilung  der  Löhne  auf  einzelne
*)  Man  hat  die  Zeit-  und  Geldverluste,  die  dadurch  entstehen,  sehr  kraß
geschildert.  Angenommen,  es  kommen  200  Arbeiter  3  Minuten  später  an  die
Arbeitsstätte;  das  macht  täglich  10  Arbeitsstunden  Verlust,  zu  60  Pfg.  ergibt
einen  täglichen  Geldverlust  von  Mk.  6,—;  bei  jährlich  300  Arbeitstagen
Mk.  1800,—;  bei  1000  Arbeitern  Mk.  9000,—  Verlust!  Tatsächlich  liegen  die
Verhältnisse  zumeist  günstiger.  Mehrfache  Erhebungen  in  dieser  Richtung  haben
ergeben,  daß  die  Arbeiter  regelmäßig  eine  Zeit  vor  Beginn  der  offiziellen  Arbeitszeit ­
  im  Arbeitsraum  anwesend  sind.  Die  Erhebung  von  Geldstrafen  für  Arbeiter,
die  nach  dem  Glockenzeichen  die  Fabrik  betreten,  ist  billiger  als  die  Anschaffung ­
  von  Kontrolluhren  für  die  Eingänge  zur  Arbeitsstelle.
In  manchen  Fabriken  betreten  die  Arbeiter  den  Arbeitsraum  durch  einen
Wasch-  und  Ankleideraum;  von  da  begeben  sie  sich  zur  Arbeitsstelle,  woselbst
die  Zeitkarten  abgestempelt  werden.  Beim  Verlassen  der  Arbeitsstelle  findet
das  umgekehrte  Verfahren  statt.
2 )  Über  die  Lohnverrechnung  in  Maschinenfabriken  vergleiche  Schlesinger,
Selbstkosten,  S.  35—49;  Lewin,  Werkstattbuchführung,  S,  34—88;  vgl.
auch  S.  72.
        <pb n="137" />
        Kommissionsnummern;  sie  kann  wirksam  durch  ein  gutes  System  von
Arbeitszetteln  vorbereitet  werden.  Es  sind  verschiedene  Systeme  im
Gebrauch,  mehr  oder  weniger  verläßlich,  mehr  oder  weniger  kompliziert. ­
  Für  die  innere  Einrichtung  der  Lohnverteilung  und  deren
Unterlagen  ist  selbstverständlich  die  Art  des  Betriebes  maßgebend.
a)  Die  Arbeitszettel  können  alle  Arbeiten  verzeichnen,  die  ein
Arbeiter  während  der  Arbeitszeit  verrichtet.  Der  Arbeiter  trägt  die
für  eine  bestimmte  Leistung  verbrauchte  Zeit  unter  Kontrolle  des
Werkmeisters  ein.  Die  Art  der  Arbeit  ist  anzugeben;  ungewöhnliche
Arbeitszeit  (Nacht-  oder  Überstunden)  wird  besonders  vermerkt.  Die
eigenhändige  Eintragung  der  Arbeitszeit  durch  den  Arbeiter  schließt
die  Gefahr  der  nachträglichen  Fälschung  in  sich.  Empfehlenswert
ist  es,  die  Zeit  automatisch  aufzustempeln  oder  die  Zettel  in  einen
Kasten  werfen  zu  lassen.
Die  Arbeitszettel  der  einzelnen  Werkstätten  unterscheiden  sich
durch  Färbe,  durch  Aufdruck  der  Abteilung  oder  ähnliches  voneinander. ­
  Sie  enthalten:  Angabe  der  Kommissionsnummer,  Abteilung,
Bezeichnung  der  Arbeit,  Anzahl  der  Arbeitsstunden,  Kolonnen  für
die  Abrechnung,  Lohnzettel,  Akkord,  Vorschuß  usw.  Die  ausgefüllten
Zettel  werden  dem  Werkmeister  am  Ende  der  Zahlwoche  übergeben,
der  die  Richtigkeit  der  Eintragungen  prüft  und  bestätigt.  Das  Lohnbureau ­
  vergleicht  die  Aufzeichnungen  des  Arbeiters  mit  der  Stundenkontrolle, ­
  überträgt  die  Ergebnisse  der  Zettel  in  ein  Lohnabrechnungsbuch, ­
  das  den  Namen  der  Arbeiter,  Lohnsatz,  Lohnsumme  für  jeden
einzelnen  Arbeiter  unter  Anrechnung  aller  Abzüge  für  Zwangsversicherung, ­
  Pensionskassen,  Vorschüsse,  Strafen,  verdorbenes  Material, ­
  Fehlarbeit  usw.  enthalten.  Die  Schlußsummen  des  Abrechnungsbuches ­
  geben  die  Gesamtsumme  einer  Lohnperiode  des  ganzen  Betriebes ­
  an;  die  ausgezahlten  Löhne  werden  für  jede  Betriebsabteilung
zusammengestellt.  Die  Zusammenstellung  der  verausgabten  Löhne
auf  die  einzelnen  Kommissionsnummern  erfolgt,  sofern  eine  derartige
Verteilung  notwendig  ist,  auf  besonderen  Bogen  und  in  Lohnauszugsbüchern. ­
  Für  jede  Kommissionsnummer  wird  ein  besonderer  Bogen
angelegt.
Das  eben  beschriebene  Verfahren  gibt  eine  Übersicht  über  die
Entlohnung  des  einzelnen  Arbeiters,  die  Lohnsummen  jeder  einzelnen
Betriebswerkstätte,  eventl.  die  Lohnaufwendungen  für  jeden  einzelnen
Auftrag.  Um  die  Lohnkosten  einer  jeden  Art  von  Arbeit  festzustellen
(z.  B.  Hobeln,  Fräsen,  Bohren,  Walzen,  Ziehen  etc.)  ist  ein  Auszug
aus  den  Lohnabrechnungen  in  dieser  Beziehung  anzufertigen 1 ).
')  In  Nr.  2  von  1904  der  Zeiischr.  des  Vereins  deutscher  Ingenieure  wird
ein  bei  Löwe  u.  Co.,  A.-G.  Berlin,  eingeführtes  Verfahren  angegeben,  das  die
Arbeit  des  Verteilens  nach  den  angegebenen  Gesichtspunkten  erleichtern  soll.
Auch  Grimshaw  gibt  eine  große  Zahl  von  Formularen  zu  gleichem  Zwecke.
9*
        <pb n="138" />
        132

b)  Nach  dem  Verfahren  unter  a)  wird  für  jeden  Arbeiter  ein
Abrechnungszettel  für  die  gesamte  von  ihm  geleistete  Arbeitszeit
während  einer  Lohnperiode  angelegt.  Doch  kann  man  dem  Arbeiter
auch  für  j  e  d  e  B  e  s  t  e  11  u  n  g  s  n  u  m  m  e  r  Arbeiterzettel  aushändigen.
Arbeitet  er  an  mehreren  Bestellungen,  so  hat  der  Arbeiter  ebensoviel
Arbeiterzettel,  um  dort  den  Zeitverbraueli  einzutragen  bzw.  durch
mechanische  Vorrichtungen  eintragen  zu  lassen.  Auch  hier  ist  die
Angabe  des  Arbeitsvorganges  notwendig.
c)  Schließlich  kann  man  auch  für  jedes  Arbeitsstück  Begleitkarten
  anfertigen  lassen,  ohne  die  keine  Arbeit  übernommen  werden
darf.  Auf  der  Begleitkarte  wird  der  Zeitverbrauch  der  Arbeit  vermerkt. ­

Die  Verteilung  der  Arbeitskosten  für  das  einzelne  Stück  wird
dem  Arbeiter  überlassen  und  von  einem  Aufsichtsorgan  kontrolliert
oder  das  Aufsichtsorgan  selbst  führt  entsprechende  Aufzeichnungen.
Ein  Normalsystem  für  alle  Betriebe  läßt  sich  nicht  aufstellen.  Jedes
System  hat  Vorzüge  und  Nachteil^.  Einige  Überlegung,  mehr  noch
ausreichende  Erfahrung  wird  den  richtigen  Weg  finden  lassen,
der  den  früher  erwähnten  Anforderungen  an  ein  brauchbares  Lohnsystem ­
  gerecht  wird.  Eines  ist  noch  zu  bemerken:  der  Werkmeister
soll  nicht  Schreiber,  nicht  Bureaubeamter,  sondern  Werkstattbeamter
sein.  Er  ist  deshalb  von  allen  schriftlichen  Arbeiten  möglichst  zu
entlasten,  um  seiner  Aufsichtspflicht  voll  genügen  zu  können.
Die  Gliederung  der  Lohnverrechnung,  von  der  Verteilung ­
  auf  die  Betriebsabteilungen  und  Aufträge  abgesehen,  nach
der  Art  der  geleisteten  Arbeit  richtet  sich  nach  den  besonderen  Bedürfnissen ­
  des  Betriebes.  Dem  einen  Betrieb  genügt  die  Unterscheidung ­
  zwischen  direkten  und  indirekten  Löhnen.  Oder  man
trennt  die  Arbeitslöhne  in  solche  für  die  Hauptarbeit  (werbende
Löhne),  für  Hilfs-  und  Nebenarbeiten  (Nebenlöhne,  z.  B.  Transport,
Bedienung)  und  für  nicht  produktive  Arbeiten.  Andere  Betriebe
trennen  die  Lohnverrechnung  nach  der  Gattung  der  geleisteten
Arbeit,  z.  B.  Maschinenfabriken:  Löhne  für  Modellschreiner,
Tischler,  Schlosser,  Dreher,  Hobler,  Fräser,  Stoßer,  Bohrer,  Schmiede
und  Hilfsarbeiter.  Eisengießereien:  Löhne  für  Former,  Gießer,
Sandmacher,  Kernmacher,  Bedienung  des  Ofens,  Handlanger.  In  der
Textilindustrie:  Löhne  für  das  Sortieren,  Waschen,  Karbonisieren, ­
  Trocknen  und  Färben  der  Wolle;  Spinnen,  Zwirnen  der
Garne;  Scheren,  Leimen,  Trocknen,  Aufbäumen  und  Anknüpfen  der
Kette;  Weben,  Stopfen,  Appretieren,  Färben  der  Waren.  In  einer
Unternehmung  der  Metallwarenbranche  finden  wir  folgende  Gruppierung: ­
  Löhne  für  Arbeiten  auf  Lager,  für  solche  auf  Bestellung;
Betriebslöhne  für  die  eigene  Abteilung  (Reparaturen,  Einrichtungen,
Modelle,  Versuche),  Löhne  für  andere  Betriebsabteilungen.  Andere
        <pb n="139" />
        133

Beispiele  gelten  die  später  folgenden  Formulare  der  Unkostenverreehnung.

Im  allgemeinen  kann  gesagt  werden:  W : o  bei  der  Erzeugung ­
  eines  Produktes  die  Arbeit  vorwiegend  dessen
Wert  bestimmt,  oder  Arbeitsmaschinen.  die  Zergliederung ­
  eines  Arbeitsprozesses  in  seine  Elemente ­
  bedingen,  ist  die  Lohnverrechnung  weitgehend ­
  zu  zergliedern.  Wo  jedoch  das  Material  vorwiegend
den  Preis  bestimmt,  die  Arbeit  zurücktritt,  z.  B.  infolge  besonderer
Einrichtungen,  ist  eine  summarische  Lohnverrechnung  angängig,
jedoch  die  Materialverrechnung  zu  spezialisieren.
In  einzelnen  Betrieben  scheidet  man  die  Hauptarbeit  von  der
Nebenarbeit.  Der  Begriff  der  Nebenarbeit  läßt  sich  auf  die  Gesamtheit ­
  der  Fabrikation  oder  auf  die  einzelnen  Arbeitsphasen  beziehen.
So  ist  das  Walzen  in  Walzwerken  die  Hauptarbeit,  Glühen  (Anwärmen) ­
  und  Beizen  sind  dagegen  Nebenarbeiten  der  Fabrikation
(Vor-  und  Nacharbeiten).  Faßt  man  einen  bestimmten  Arbeitsprozeß
an  sich  ins  Auge,  so  sind  auch  hier  Nebenarbeit  und  Hauptarbeit
zu  unterscheiden;  z.  B.  beim  Bohren  eines  Lokomotivzylinders  ist
das  Bohren  die  Hauptarbeit,  Einstellen  und  Entfernen  des  Arbeitsstückes ­
  hingegen  Nebenarbeiten  dieses  Prozesses.  Unter  Umständen
kann  es  notwendig  sein,  den  Zeitaufwand  für  die  Nebenarbeit  bei
der  Bearbeitung  eines  Gegenstandes  festzustellen.  (Vgl.  S.  118  f.)
Bei  der  Erzeugung  von  Massen  gleichförmiger  Fabrikate  kann
die  Verteilung  der  Löhne  einer  Werkstätte  Schwierigkeiten  bereiten. ­
  Ist  es  nicht  möglich,  die  Lohnaufwendungen  einer  Betriebsabteilung ­
  für  die  einzelnen  Massenartikel  während  einer  Lohn-  oder
Abrechnungsperiode  getrennt  zu  notieren,  dann  muß  die  Verteilung,
auf  die  einzelnen  Massenfabrikate  im  Verhältnis  der  verbrauchten
Arbeitskraft  und  Arbeitsmenge  auf  Grund  empirisch  ermittelter  Verhältniszahlen ­
  oder  Prozentsätze  vorgenommen  werden.  Die  Bestimmung ­
  der  Verteilungsverhältnisse  ist  Sache  des  Betriebsleiters,-der
  die  Arbeitsaufwendungen  am  besten  beurteilen  kann.
Beispiel:  In  einer  Drahtzieherei  werden  Mk.  6259,21  für
Löhne  verausgabt.  Die  Produktion  beträgt:
Durch-  Abfall
messer  (Schrot)  Einheiten
Draht  über  3  mm  3132  kg,  439  kg  =  3571  kg  zusammen,  das  sind  3571

»  von

3-1,5  „

3084  „  1120  „  =

4204  „

„  „  7567

1,5-0,5  „

2615  „  1579  „  =

4194  „

&amp;gt;&amp;gt;

„  „  11533

„  unter

0,5  „

2254  „  1891  „  =

4145  „

5»

„  „  18653

Sa.

11085  kg,  5029  kg  =

16114  kg

41324

Die  Löhne  werden  im  Verhältnis  von  100:180:275:450  verteilt. ­
  Demnach  werden  der  Rechnung  folgende  Verteilungszahlen
        <pb n="140" />
        134

zugrunde  gelegt:  3571,  7567  (d.  i.  4204mal  1,80),  11533,  18  653.
Auf  41  324  Einheiten  entfallen  Mk.  6259,21;  somit  auf  Dimensionen
1:  Mk.  540,90,  2:  Mk.  1146,17,  3:  Mk.  1746,91,  4:  Mk.  2825,23.
Das  Lohnbureau  stellt  für  einzelne  Arbeiter  in  einzelnen  Lohnperioden ­
  die  auszuzahlenden  Löhne  fest  auf  Grund  der  Zeitkontrolle. ­
  Die  effektiven  Löhne  des  Arbeiters  werden  durch  Abzüge
verschiedener  Art  (Versicherungsbeiträge,  Lohn  Vorschüsse,  Strafgelder, ­
  Miete  etc.)  verringert  (auszuzahlende  Löhne).  Die  Lohnberechnungsperioden ­
  sind  acht-  oder  vierzehntägig,  auch  monatlich
mit  wöchentlichen  Vorschußzahlungen.  Die  Lohnauszahlung
erfolgt  einige  Tage  später,  wo  es  angeht,  nicht  am  Sonnabend.  Der
Unternehmer  bleibt  also  stets  für  einige  Tage  Löhne  rückständig
(in  den  Bilanzen  werden  diese  rückständigen  Leistungen  als  Lohnschulden, ­
  fälschlich  als  „Lohnreserven“  bezeichnet).  Die  Lohnbeträge, ­
  in  papierenen  Lohnbeuteln  mit  Abrechnung,  in  Lohnbüchsen
oder  sonstwie  verschlossen,  werden  vom  Arbeiter  an  der  Zentralstelle ­
  abgeholt  oder  durch  Lohn-  bzw.  Betriebsbeamte  während  der
Arbeitszeit  zugestellt.  Die  Geldbeträge  sind  sofort  und  vor  den
Augen  des  Geldgebenden  nachzuzählen.  Wichtig  ist  die  Regelung
der  Reklamationsfrist  wegen  falscher  Berechnung  der  Lohnbeträge. ­
  In  einem  Betriebe  wurde  folgendes  Verfahren  beobachtet:
Einen  Tag  vor  der  Auszahlung  werden  durch  den  Werkmeister  allen
Arbeitern  Abrechnungszettel  zugestellt,  die  die  Summe  angeben,  die
er  am  Auszahlungstag  zu  erwarten  hat.  Die  Reklamationsfrist  ist
auf  einen  Tag  beschränkt.

Sonderkosten.
§  29.  Wir  verstehen  unter  Sonderkosten  Ausgaben  für  besondere
Leistungen,  die  der  Fabrikant  für  einen  bestimmten  Auftrag  bewirkt
oder  von  anderen  bewirken  läßt;  z.  B.  in  vielen  Fällen  die  auswärtigen ­
  Montagekosten,  Transportkosten  bis  zur  Ablieferungsstelle,
Zölle;  dann  Ausgaben  für  Vorversuche,  Modelle,  Herstellung  von
besonderen  Werkzeugen  oder  Arbeitseinrichtungen,  kurz  Kosten  der
Vorbereitungsarbeiten.  Zu  den  Sonderkosten  eines  Fabrikates  sind
theoretisch  auch  die  Ausgaben  für  Probestücke,  Entwürfe,  die  Anfertigungskosten ­
  für  besondere  Modelle  und  Werkzeuge  zu  rechnen,
soweit  sie  nur  für  die  betreffende  Arbeit  notwendig  waren  und
fernerhin  in  der  Fabrikation  keine  Verwendung  finden.  Im  praktischen ­
  Geschäftsleben  wird  allerdings  sehr  darüber  geklagt,  daß  der
Besteller  die  besonderen  Unkosten,  die  die  Berücksichtigung  seiner
Sonderwünsche  mit  sich  bringt,  ungern  oder  gar  nicht  bezahlt.
Inwieweit  solche  Sonderausgaben  ganz  oder  teilweise  dem  Auftraggeber ­
  angerechnet  werden  können,  entscheiden  das  Gewohnheits-\
        <pb n="141" />
        135

recht  und  die  Geschäftspolitik:.  Der  nicht  anrechenbare  Anteil  wird
den  Generalkosten  zuzuschlagen  sein.  Jedenfalls  soll  man  bestrebt
sein,  möglichst  Massenfabrikate  zu  erzeugen,  um  die  vielfach  unentbehrlichen ­
  und  für  die  deutsche  Industrie  so  charakteristischen
Einzelanfertigung  in  ihrer  Wirkung  zu  paralysieren.  Aus  dem
gleichen  Grunde  lassen  sich  die  Bestrebungen  der  deutschen  Maschinenindustrie ­
  erklären,  für  die  einzelnen  Branchen  gewisse
Normalien  zu  schaffen x ).
Wenn  ein  Betrieb.  einen  neuen  Artikel  aufnimmt,  so  bedingt
die  erstmalige  Erzeugung  des  Gegenstandes  Ausgaben,  die  im  weiteren
Verlaufe  der  Fabrikation  wegfallen,  z.  B.  Ausgaben  für  die  Herstellung ­
  besonderer  Werkzeuge  und  Modelle,  für  Vorversuche  und
Nacharbeiten,  für  Ersatzstücke,  für  wiederholte  Umkonstruktionen
u.  a.  Die  Unkosten  werden  deshalb  in  der  ersten  Zeit  verhältnismäßig
größer  sein.  Späterhin  soll  man  nicht  ohne  Nachprüfung  diese
Kosten  der  ersten  Anfertigung  ohne  weiteres  anrechnen,  da  man
sonst  zu  teuer  kalkuliert,  teurer  als  die  Konkurrenzunternehmen,
für  die  die  erwähnten  Vorkosten  häufig  nicht  mehr  in  Frage  kommen.
Diese  „Sonderkosten“  der  ersten  Produktion  sind  möglichst  rasch
abzuschreiben.
Beispiel  einer  Kalkulation  mit  Sonderkosten.
Materialien  25,45
Bearbeitungslöhne  22,10 a )
Zuschlag  120  %  26,52  (einschließl.  Sicherheitszuschlag,
74,07  4,7"/,)
Werkzeuge  1,20  (Neuanschaffung  f.  ds.  Fabrikat)
Ausschuß  17%  1,26 3 )
76,53
—  Schrot,  Späne  —,10
76,43
Sonderabschreibung  —,90  (33Vs°/ 0  der  Anlagekosten:
Produktionsmenge)
77,33
+  15%  Nutzen  11,62
Listenpreis  88,95
')  Vergl.  Garbotz,  Vereinheitlichung  in  der  Industrie,  Berlin  1920.
2 )  Löhne  laut  Liste  25,85  Mk.  für  117  Stück  der  Erzeugung,  für  1  Stück  22,10  Mk.
3 )  Hier  ist  nicht  berücksichtigt,  daß  der  Ausschuß  während  der  Fabrikation
entsteht  und  deshalb  nicht  mit  den  vollen  Bearbeitungskosten  in  Rechnung  gestellt ­
  werden  soll.  Dies  wäre  dann  der  Fall,  wenn  nach  Fertigstellung'z.  B.  bei
der  Abnahme  und  Kontrolle  der  fertigen  Stücke  Ausschuß  entsteht.
        <pb n="142" />
        IT.  Abschnitt.

Die  allgemeinen  Kosten  (Unkosten).
§  30.  Durch  den  Betrieb  einer  Unternehmung  entstehen  Kosten,
welche  für  die  Betriebsfähigkeit,  für  die  Leitung  im  Interesse  der
Unternehmung  als  Ganzes  verausgabt  werden,  die  nicht  eine  einzelne
Ware  treffen  und  bei  denen  nicht  ohne  weiteres  festzustellen  ist,
wieviel  auf  die  einzelnen  Fabrikate  entfallen.  Es  sind  Ausgaben  und
Leistungen,  die  bei  der  Einzelkalkulation  nicht  unmittelbar  in
Eechnung  gestellt  werden  können  oder  gewohnheitsmäßig  nicht  angerechnet ­
  werden.  Dazu  gehören  z.  B.:
1.  Fabrikationsunkosten  (Betriebsunkosten):  Sie
entstehen  mittelbar  durch  die  Erzeugung.  Manche  davon  sind  mehr
oder  weniger  von  der  größeren  oder  geringeren  Beschäftigung  des
Betriebes  abhängig.  Hierher  gehören:  iVerbrauch  (Material  und
Löhne)  an  Brennstoffen  und  Kraft,  Beleuchtung  und  Heizung  des
Betriebes,  Wasserverbrauch,  allgemeines  Betriebsmaterial  (Werkzeuge ­
  wie:  Feilen,  Hämmer;  Putzwolle,  Schmieröl,  Farben,  Bohröl,
Packmaterial  und  ähnliches).  Transport,  Materialprüfung,  Kosten
der  Instandhaltung  der  Gebäude,  der  Anlagen,  Maschinen,  Geräte  und
Werkzeuge,  .Modelle,  Modellkosten.  (Indirekte)  Löhne  (Betriebslöhne) ­
  für  Heizer,  Taglöhner,  Laufburschen  usw.  Beiträge  für  die
Invaliditäts-,  Kranken-,  Alters-,  Unfall-Versicherung;  Ausgaben  für
Wohlfahrtseinrichtungen,  die  Kosten  besonderer  Betriebseinrichtungen ­
  wie  Fabrikfeuerwehr,  Wasser-  und  Gaswerk,  Rollbahn,  Fuhrwerk. ­
  Gehälter  und  Löhne  der  Aufseher,  Werkmeister,  Pförtner,
Nachtwächter.
2.  Die  allgemeinen  .Verwaltungskosten  (Kosten  des
Gesamtbetriebes).
a)  Die  Betriebsverwaltung:  Gehälter,  Tantiemen,  Gratifikationen ­
  und  persönliche  Zulagen  der  technischen  Beamten;
Miete,  Kosten  der  Magazinsverwaltung.
b)  Die  kaufmännische  Verwaltung  (Handlungsunkosten);
Gehälter,  Tantiemen  usw.  der  kaufmännischen  Beamten  (Einkauf, ­
  Verkauf,  Buchhaltung,  Lohnkasse  etc.)  und  der  Ge ­
        <pb n="143" />
        137

schäftsleitung;  Kosten  des  Bureaus,  der  Beidame  und  aller
der  Empfehlung  des  Geschäftes  und  seiner  Erzeugnisse
dienenden  Unternehmungen,  wie  Preislisten,  Prospekte,  Kataloge: ­
  Porti,  Telegramme,  Telephon;  Gehälter  der  Beisenden,
Beisespesen;  Verpackung;  Kosten  der  Niederlage  und  aus-■
  wärtigen  Lager.
c)  Die  Kosten  der  Geldbeschaffung:  Passivzinsen  (Kontokorrent, ­
  Hypotheken,  Obligationen).
d)  Gebühren  und  Steuern:  Patent-,  Marken-  und  Musterschutz-, ­
  Lizenzgebühren;  Gebühren  für  den  Bechtsanwalt,  für
Sachverständige;  für  Analysen,  für  synthetische  Arbeiten,
mikroskopische,  bakteriologische  Untersuchungen  durch  Institute; ­
  Stempel;  Prozeßkosten;  Zeitungsabonnements;  Versicherungs-Prämien ­
  (Haftpflicht,  Unfall,  Transport),  Steuern
samt  Nebengebühren.
3.  Abschreibungen  und  Verzinsung  (Kapitalkosten
§§  5,  53  ff.):  Abschreibungen  auf  Fabrik-  und  Verwaltungsgebäude,
Maschinen,  Modelle  und  Anlagen.  Zinsen  auf  das  Anlage-  und  Betriebskapital. ­

4.  Besondere  Verkaufsspesen:  Verkaufs-  und  Umsatz-Provision
  an  Agenten,  Kommissionäre  und  Vertreter;  Skonti,  Babatte;
Verluste  an  Außenständen.
Das  Wort  „Unkosten“  ist  im  kaufmännischen  Sprachgebrauch
bzw.  in  der  Verrechnungstechnik  ein  Ausdruck  für  eine  ganze
Gruppe  von  Ausgaben  und  Verlusten,  ohne  daß  man  imstande  ist,
eine  für  alle  Verhältnisse  passende  feste  Abgrenzung  zu  geben 1 ).
„Die  Unkosten  des  Geschäfts  sind  zu  groß“,  jenes  Geschäft  „verdient
noch  nicht  die  Unkosten“  und  ähnliche  Ausdrücke  werden  tagtäglich ­
  gebraucht  (vgl.  S.  8).  Die  Unkosten  stehen  im  Gegensatz
zu  den  Anschaffungs-  bzw.  Herstellungskosten,  obgleich  auch  in
diesen  beiden  Werten  Unkosten  enthalten  sind.
Unternehmungskosten  sind  die  gesamten  Aufwendungen  einer
Unternehmung,  sind  „Erwerbskosten“,  d.  h.  Ausgaben  und  Verluste
zur  Erzielung,  Erhaltung  und  Sicherung  eines  Beinertrages.  Die
Unternehmungskosten  gewerblicher  Betriebe  zerfallen  in  Erzeugungskosten ­
  (d.  s.  Kosten  der  Bohstoffe,  der  Bearbeitung,  Verarbeitung, ­
  Umwandlung  oder  Gewinnung  bi9  zur  Verkaufsfähigkeit
der  Produkte),  Vertriebskosten  (Kosten  des  Verkaufs  und  der
Verkaufsbereitschaft)  und  allgemeine  Unkosten,  die  durch
den  Bestand,  Betrieb,  die  Erhaltung  und  Verwaltung  der  Unternehmung ­
  als  Ganzes  entstehen.  Diese  allgemeinen  Unkosten  ge-')
  Vgl.  beispielsweise  Leber,  Selbstkostenberechnung  von  Gußstücken.
"  ß;  17;  Schlesinger,  Selbstkostenberechnung  im  Maschinenbau.  S.  80;
t- 1  i  1  i  e  n  t  h  a  1,  a.  a.  0.  S.  26,  72;  meine  Privatwirtschaftslehre,  S.  41  ff.
        <pb n="144" />
        hören  teils  zu  den  Erzeugungs-,  teils  zu  den  Vertriebskosten  (Kosten
für  die  Produktions-  und  Verkaufsbereitschaft),  teils  zu  keiner  dieser
beiden  Gruppen,  z.  B.  Kosten  der  Statistik.  Unter  den  Unkosten
sind  solche,  die  nur  entstehen,  wenn  an  einer  Produktionsstelle
Arbeit  geleistet  wird,  z.  B.  Kraft,  und  andere,  die  von  der  Unternehmung ­
  zu  tragen  sind,  auch  wenn  nicht  gearbeitet  wird,  z.  B,
Sachversicherung,  Steuern,  ein  Teil  der  Anlageabschreibungen.
Danach  spricht  man  von  Leistungs  -  und  von  Zeit  kosten.  Die
Unternehmungskosten  sind  in  der  Hauptsache  organische  Kosten,
ordentlicher  Kapital  verbrauch  der  Unternehmung,  der  durch  den
Verkaufspreis  gedeckt  werden  soll.  Anorganische,  außerordentliche ­
  Kosten  stehen  mit  dem  Betriebe  in  keinem  ursächlichen  Zusammenhang, ­
  beispielsweise  Elementarschäden,  Unterschlagungen  u.  ä.
Sie  sind  aus  dem  Ertrag  der  Unternehmung  zu  decken.
Die  Gruppierung  der  Unkosten  in  der  Selbstkostenberechnung
der  Einzelbetriebe  und  der  einzelnen  Industriezweige  ist  von  der
Organisation  der  Kostenermittlung  beeinflußt.  Eine  Schematisierung
ist  unmöglich.  Ein  aufmerksamer  Kritiker  wird  in  vielen  Fällen
belanglose  oder  bedeutende  Fehler  in  der  Verteilung  der  Unkosten
finden,  beispielsweise:  Im  Maschinenbau  kann  zwischen  Lohnunkosten, ­
  Materialunkosten  und  sonstigen  Unkosten  unterschieden
werden.  Häufig  werden  Lohn-  und  Materialunkosten  der  Bequemlichkeit ­
  halber  zu  den  „sonstigen  Unkosten“  geschlagen  und  gemeinsam
verrechnet.  Reisekosten,  die  sich  auf  einen  bestimmten  Auftrag
beziehen,  sind  nicht  Unkosten  des  Betriebes,  sondern  Kosten  dieses
Auftrages.  Die  Kosten  des  technischen  Bureaus  werden  unter  den
Betriebsunkosten  verrechnet,  obgleich  Offertzeichnungen  und  Kostenvoranschläge ­
  für  die  nicht  zur  Ausführung  gebrachten  Offerten
zweifellos  Vertriebskosten  sind,  und  der  Aufwand  für  einen  bestimmten ­
  Auftrag  jedoch  zu  den  Selbstkosten  dieses  Auftrags  gehört. ­
  Die  Gehälter  der  festbesoldeten  Beamten  sind  entweder  Werkstatt- ­
  oder  Abteilungskosten  (Betriebsingenieur,  Werkmeister,  Werkstattschreiber) ­
  oder  Unkosten  der  Fabrikation  (technische  Direktion,
Betriebsbureau,  Baubureau)  oder  Unkosten  des  Vertriebes  (Handlungsreisender, ­
  Reiseingenieure)  oder  allgemeine  Kosten  der  Verwaltung ­
  (Einkaufsbureau,  Lohnbureau,  Buchführung,  Magazin).
Eine  erschöpfende  Übersicht  und  Abgrenzung  lassen  sich  nicht
geben.  Ebenso  ist  eine  Einteilung  nach  anderen  Gesichtspunkten
durchführbar.  So  kann  man  von  konstanten,  festen,  unbedingten ­
  Unkosten  sprechen,  die  in  ihrer  absoluten  Höhe  vom  Beschäftigungsgrad ­
  und  Umsatz  des  Unternehmens  unabhängig  sind,
während  des  Betriebes  innerhalb  gewisser  Grenzen  sich  nicht  ändern,
wie  z.  B.  die  unveränderlichen  Lasten  des  stehenden  Kapitals  (Abschreibungen, ­
  Verzinsung,  Versicherung),  dann  Verwaltungskosten,
        <pb n="145" />
        —  139  —
Miete  u.  a.  Da  die  konstanten  Unkosten  unverändert  bleiben,  so
werden  sie  bei  geringer  Beschäftigung  für  das  einzelne  Fabrikat
bzw.  die  Produktionseinheit  verhältnismäßig  sich  erhöhen  und  umgekehrt ­
 1 ).  Ja  in  einzelnen  Fällen  werden  die  konstanten  Kosten
zeitweilig  einen  Betriebsverlust  bewirken  können,  z.  B.  wenn
Weihnachten  ungünstig  fällt  (Donnerstag  bis  Sonntag),  bei  Betriebsstörungen. ­
  Einzelne  der  Betriebs-  und  Yertriebsunkosten  steigen
und  fallen  mit  der  größeren  oder  geringeren  Beschäftigung  des  Betriebes, ­
  sind  also  von  der  jeweiligen  Leistung  des  Betriebes  abhängig ­
  (Leistungskosten,  veränderliche,  bedingte  Unkosten).  Im  Verhältnis ­
  der  Unkosten  zur  Produktionsmenge  kann  man  somit  zwischen
festen  und  veränderlichen  Unkosten  sprechen 2 ).  Die  veränderlichen ­
  können  der  Produktionsmenge  proportional  sein,
im  Verhältnis  zu  dieser  steigen  oder  fallen,  z.  B.  Kraft,  Verpackung;
oder  sie  steigen  in  geringerem  Maße  wie  die  Produktionsmenge  (d  e  -
gressive  Kosten).  Schließlich  kann  die  Zunahme  der  Unkosten
im  Verhältnis  zur  Steigerung  der  Produktionsmenge  größer  sein
(progressive  Kosten) 3 ).
Den  Einfluß  der  Produktionsmenge  auf  den  Größenanteil  an  den
festen  Kosten  läßt  das  folgende  Beispiel  deutlich  erkennen:
(Spalte  6  und  9.)

Datura

Gegossene ­

Stück

Lohne
für  ein
Stück
Pfe.

Herstellungs- ­


eines
Stückes
Pfg.

Konstante  Generalkosten

Amortisation  und  Zinsen

im
Monat
Mk.

für  ein
Stück
pfg

in  %  der
Löhne
7»

im
Monat
Mk.

für  ein
Stück
ptg.

in  °/ 0  der
Herstellungs- ­


-u

Sept.  1918

137  000

14,56

90,55

17000,-12,38



85

26200,-19,12



21

Jan.  1919

167  000

13,45

93,14

17000,-10,76



80

26200,-15,83



17

April  1919

98  900

13,50

120,29

17000,-17,55



130

26200,-26,50



22

Mai  1919

90000

14,95

142,15

17000,-19,44



130

26200,-28,43



20

Die  Trennung  der  feststehenden,  „eisernen“,  von  den  veränderlichen ­
  bezieht,  sich  zunächst  nur  auf  die  Unkosten.  Die  Eigenart
der  betriebs-  bzw.  produktionstechnischen  Verhältnisse  kann  es  mit
sich  bringen,  daß  in  Hinsicht  auf  die  Produktionsmenge  die  sonst
')  Deshalb  wird  in  Landesteilen  mit  einer  größeren  Zahl  gesetzlicher  oder
landesüblicher  Feiertage  mit  verhältnismäßig  höheren  Produktionskosten  zu
rechnen  sein.
’)  Ein  gutes  Beispiel  für  eine  konsequente  Durchführung  dieser  Trennung
ui  der  Selbstkostenberechnung  findet  sich  im  Ergänzungsband  II  der  Zeitschrift
ihr  handelswissenschaftliche  Forschung  (S.  134,  146,  156,  165).
3 )  Vgl.  Schmalenbach,  in  der  Metallindustrie  -  Zeitung  1899;  auch  in
seiner  Zeitschrift  für  handelswissenschaftliche  Forschung,  2.  Jahrgang,  S.  42;
“hoher,  Das  Gesetz  der  Massenfabrikation,  in  dessen  Zeitschrift  für  Staatswissenechaft
  1910.
        <pb n="146" />
        140

veränderlichen  unmittelbaren  Kosten  der  Herstellung  teilweise ­
  den  Charakter  von  festen  Kosten  annehmen.  Typisch  ist
hierfür  das  Buehdruekereigewerbe,  das  hier  als  Beispiel 1 )  dienen
soll.  Die  Zahlen  bedürfen  keiner  weiteren  Erläuterung.
Berechnungs-Beispiel:  Katalog,  illustriert,  5  Bogen
stark.

Auflage

5000

10  000

25  000

1.  Satzkosten
2.  Druckkosten
3.  Papierkosten

105,84
43,-106,20


105,84
68,—
207,90

105,84
136,75
508,50

Gesamtkosten  für  1  Bogen

255,04

381,74

751,09

”  »  ^  »

1275,20

1908,70

3755,45

„  „  1  Stück

25,5

19,09

15,02

Davon  feste  Kosten  (1.)
Veränderliche  Kosten  (2.  -j-  3.)  .  .  .

10,58
14,92

5,29
13,80

2,12
12,90

Die  Umrechnung  in  Verhältniszahlen  läßt  das  Verhalten  der
Kosten  zur  Menge  der  Produktion  deutlicher  hervortreten:
Die  Produktionsmenge  steigt  von  (5000  =)  100%  auf
200%  (bei  10  000)  und  auf  500%.
Die  veränderlichen  Kosten  steigen  absolut  von
(149,2  Mk.  =)  100%  auf  185%  2 )  und  auf  433%.
Sie  steigen  demnach  im  Verhältnis  zum  Umsatz  langsamer
(degressiv).
Im  Endergebnis  (Stückpreis)  fallen  die  festen  Kosten
von  100%,  die  veränderlichen  von  100  %
auf  50%  auf  92,5%
„  20%;  „  87,8o/o
Naturgemäß  ist  der  Einfluß  der  festen  Kosten  verhältnismäßig
am  stärksten  bei  den  kleinen  Mengen,  wie  die  Zerlegung  der  Selbstkosten ­
  beweist:
Auflage  5000  10000  25  000
Selbstkosten  =  100  %  =  100  %  =  100  %
Feste  Kosten  41,5  %  27,7  %  14%
Veränderliche  Kosten  .  58,5%  72,3%  86%
Die  Unterscheidung  zwischen  konstanten  und  veränderlichen
Kosten  ist  für  die  Preispolitik  bedeutungsvoll.  Der  Verkaufspreis
muß  mindestens  Rohstoff-,  Arbeits-  und  die  veränderlichen  Unkosten
decken.  Unter  diesem  Mindestpreis  bedeutet  die  Annahme  eines
verdienstlosen  Auftrages  Geldverlust.  Ist  der  Verkaufspreis  über
')  Im  Anschluß  an  Bertenbnrg,  Die  Preisgestaltung  im  Druckereigewerbe.
Schriften  des  Vereins  für  Sozialpolitik,  142.  Band,  Abt.  B,  2.  Teil,  1912.
2 )  275,9:149,2.
        <pb n="147" />
        141

diesem  Mindestbetrag,  aber  unter  den  Selbstkosten,  dann  vermindert
das  Plus  wenigstens  die  konstanten  Kosten  (vgl.  Seite  34).
Andererseits  spricht  man  von  allgemeinen  Betriebs-  oder
Fabrikationsunkosten,  zählt  dazu  die  Seite  1 136  unter  1  und  2  a
angegebenen  Unkosten,  welche  durch  die  Herstellung,  und  von
HandlungsUnkosten  (2b—d,  4),  die  durch  Einkauf  des
Materials  und  den  Vertrieb  der  Fabrikate  entstehen;  Abschreibungen
und  Zinsen  sind  stets  zu  trennen.  Aus  den  später  folgenden  Beispielen ­
  für  Kalkulationen  und  Unkostenstatistik  sind  solche  unter-'
schiedliche  Auffassungen  ersichtlich.
Die  Generalkosten  sind,  wie  schon  früher  bemerkt,  das
Schmerzenskind  der  meisten  Betriebe.  Die  Berechnung  der  Spezialkosten ­
  mag  in  einzelnen  Fällen  mit  Schwierigkeiten  verknüpft  sein;
die  Ermittelung  dieser  Kosten  ist  in  den  meisten  Betrieben  einwandfrei. ­
  Nur  einige  Erwägungen  wirtschaftsstatistischer  Natur  verlangen
ab  und  zu  eine  Erweiterung  oder  Änderung  der  bisherigen  Verrechnungsmethode, ­
  die  in  der  Regel  für  das  Endergebnis  belanglos  ist.
Hingegen  bilden  die  indirekten  Kosten  jene  Ausgaben,  die  wohl
in  vielen  Betrieben  falsch  berechnet  und  verteilt  werden.  Während
der  Material-  und  der  Lohnverrechnung  alle  Sorgfalt  gewidmet  wird,
begnügt  man  sich,  die  Generalia  summarisch  zu  verrechnen,  obwohl
ihre  Wichtigkeit  eine  Feststellung  der  Einzelteile  rechtfertigt.  Die
Kosten  der  Herstellung  und  des  Vertriebes  werden  vermengt;  in
Spezialfabriken  wird  häufig  jedes  Arbeitsstück  gleichmäßig  mit
einem  Durchschnittssatz  für  Generalia  belastet,  obwohl  jeder  Arbeitsprozeß, ­
  vielfach  jedes  einzelne  Arbeitsstück  andere  Kosten  verursacht.
In  Betrieben  mit  Massenproduktion  x )  ist  eine  richtige  Kalkulation
denkbar.  In  diesen  Unternehmungen  werden  insoferne  Fehler  gemacht, ­
  als  man  vielfach  alle  Unkosten  nach  einem  einheitlichen
Schema  —  Umsatz,  Löhne  —  auf  die  Unterbetriebe,  Arbeitsprozesse
usf.  verteilt,  ohne  zu  erwägen,  ob  alle  Unkosten  dem  gewählten
Verteilungsmaßstab  proportional  sind.
In  Betrieben  mit  Spezialfabrikation  ist  eine  absolut  richtige
Selbstkostenberechnung  vielfach  ein  Ideal,  bei  dessen  Verwirklichung
es  hauptsächlich  darauf  ankommt,  die  Grenzen  des  Erreichbaren
möglichst  weit  gegen  das  zu  erstrebende  Ziel  hinauszuschieben.  Je
spezialisierter  die  Fabrikation  ist,  je  weniger  verschiedenartige
Artikel  erzeugt  werden,  je  weniger  auf  Sonderwünsche  der  Besteller
eingegangen  wird  und  je  mehr  die  Erzeugung  von  Massen  gleichförmiger ­
  Produkte  angestrebt  und  erreicht  wird,  desto  genauer  und
richtiger  kann  kalkuliert  werden.  Eine  absolut,  d.  h.  wirtschaftlich
genaue  Berechnung  ist  nahezu  unmöglich,  da  es  nicht  möglich
')  In  der  Großeisenindustrie  haben  die  Generalkosten  in  den  Masseselbstkosten ­
  eine  geringere  Bedeutung.
        <pb n="148" />
        142

ist,  jedem  Fabrikat  jenen  Anteil  an  Generalkosten  anzurechnen,
der  dem  Erzeugnis  wirtschaftlich  zur  Last  fällt.  Das  soll  jedoch
nicht  hindern,  diese  Kosten  nach  richtigeren  und  besseren  Grundsätzen ­
  zu  verteilen,  als  es  in  der  Mehrzahl  der  Betriebe  geschieht.
Im  einzelnen  wird  noch  genauer  auf  die  erwähnten  Fehler  eingegangen ­
  werden.
Die  genaue  Feststellung,  d.  h.  Berechnung  der  allgemeinen  Unkosten ­
  und  deren  planmäßige  Zergliederung  ist  nicht  nur  notwendig
als  Mittel  zur  Bestimmung  des  Verkaufspreises  eines  Produktes;
sie  ist  für  allgemeine  Informationen  der  Verwaltung  von  gleicher
Wichtigkeit.  Durch  genaue  Kenntnis  der  allgemeinen  Kosten  ist
die  Verwaltung  in  der  Lage,  überflüssige  oder  außerordentlich  hohe
Ausgaben  zu  vermeiden  bzw.  herabzusetzen,  die  Ausgaben  auf  ihre
Angemessenheit  zu  prüfen.  Je  weitergehend  die  Gliederung  der
Ausgaben  ist,  desto  eher  wird  es  der  Verwaltung  möglich  sein,
Fehler  zu  beheben,  Kosten  zu  vermindern.  Und  je  mehr  verschiedenartige ­
  Produkte  erzeugt  werden,  je  mehr  Betriebsabteilungen  in
einer  Unternehmung  vereinigt  sind,  je  größer  das  Unternehmen
ist,  desto  mehr  müssen  die  Generalkosten  zergliedert  werden,  wenn
die  Unkosten  einer  jeden  Abteilung,  eines  jeden  Produktes,  den  tatsächlichen ­
  Verhältnissen  entsprechend  berechnet  werden  sollen.
Gerade  für  neugegründete  Unternehmungen  ist  eine  sorgfältige  Aufzeichnung, ­
  Spezifizierung  und  Kontrolle  der  Unkosten  von  größter
Bedeutung,  um  die  Veränderungen  der  Kosten  und  ihre  Ursachen
zu  ermitteln.  Wangemann  x )  liefert  hierfür  ein  schönes  Beispiel ­
  aus  der  Kalziuim-Karbid-Industrie.  Für  2  Betriebsperioden
stellten  sich  die  nachbenannten  Kosten  wie  folgt:

I.  Periode.

II.  Periode.

1.  Zinsen,  Generalspesen

Mk.  91,60

Mk.  120,—

2.  Gehälter,  Löhne

„  56,20

„  61,—

3.  Verpackung

„  19,—

„  30,-4.

  Reparaturen

„  2,90

,,  5,50

Kosten  für  1  Tonne

Mk.  169,70  und

Mk.  216,50.

Die  Verteuerung  erklärt  sich  wie  folgt:  Position  1 :  steigerte
sich,  da  trotz  Verminderung  der  Produktion  die  Generalspesen
konstant  blieben.  Position  2  erhöhte  sich,  weil  die  Monteure  der
bauführenden  Firma  nach  Beendigung  desi  Probebetriebes  durch
eigenes  Personal  ersetzt  wurden.  Die  Verpackung  wurde  verbessert.
Die  Ausgaben  für  Reparaturen  stiegen,  da  für  einzelne  Betriebseinrichtungen ­
  die  Garantiezeit  abgelaufen  war.
Industrien  in  lebhafter  Entwicklung  haben  bedeutende  Mehrauslagen ­
  für  Vorversuche,  Betriebsverbesserungen,  Neukonstruk-*)

  Die  Kalziumkarbidindustrie;  Dresden  1904,  S.  33.
        <pb n="149" />
        143

ticmen,  gleichwie  die  erstmalige  Herstellung  eines  Produktes  Mehrkosten ­
  verursacht,  weil  die  Erfahrung  fehlt.
Sind  mehrere  verschiedenartige  Betriebe  in  einer  Unternehmung
vereinigt,  dann  müssen  die  Unkosten  für  jeden  Betrieb  besonders
bestimmt  werden.  Die  Ausgaben  der  einen  Abteilung  werden  größer
sein  als  die  der  anderen.  Hier  ist  die  Abnutzung  größer,  dort  entstehen ­
  verhältnismäßig  höhere  Unterhaltungskosten;  die  eine  Abteilung ­
  verarbeitet  hauptsächlich  fertiges  Material,  eine  andere  erzeugt ­
  den  erforderlichen  Rohstoff  selbst;  ihr  Anteil  an  den  Generalkosten ­
  wird  deshalb  höher  sein  müssen.  Z.  B.  eine  Maschinenfabrik
und  eine  Eisengießerei  sind  in  einer  Unternehmung  vereinigt;  die
erste  verursacht  bei  Mk.  50  000,—  Lohnaufwendungen  Mk.  25  000,—
Unkosten  =  50%.  Die  Gießerei  verausgabt  Mk.  20  000,—  Löhne
und  Mk.  6000,—  Kosten  =  30%.  Die  Unkosten  gemeinsam  berechnet ­
  (70  000:31000)  gibt  44 2 / 7 %,  d.  h.  die  Erzeugnisse  der
Maschinenfabrik  würden  zu  billig  und  mit  Geldverlust  verkauft,  jene
der  Eisengießerei  wären  zu  teuer  und  fänden  keinen  Absatz.
Die  Trennung  der  Aufzeichnung  ist  nicht  nur  notwendig,  um
die  Kosten  einer  jeden  Abteilung  an  sich  zu  ermitteln;  auch  wegen
der  an  die  Unkostenstatistik  zu  knüpfenden  Folgerungen  ist  sie
zu  fordern.  Überdies  ist  sie  unerläßlich  wegen  einer  gerechten
Verteilung  auf  die  Einzelfabrikate.
Die  Verteilung  der  Unkosten  ist  notwendig  wegen  der  Kostenverrechnung ­
  und  wegen  der  Kalkulation  des  Verkaufspreises.  (Vergleiche ­
  §  7.)
Betriebsunkosten  (Fabrikationsunkosten).
A.  Unkostenverrechnung  (Gesamtkalkulation).
§  31.  Als  allgemeiner  Grundsatz  hat  zu  gelten:  Jeder  Betriebsabteilung, ­
  jeder  Werk-  oder  Arbeitsstätte
müssen  jene  Kosten  zu  geschrieben  werden,  welche
sie  verursacht  hat,  die  dem  Betrieb,  der  Werkstätte
oder  dem  Arbeitsplatz  wirtschaftlich  zur  Last
fallen.  Die  Schwierigkeit  der  Kostenverreehnung  liegt  nicht  in
der  Ermittelung  der  Kosten  an  sich,  sondern  in  der  Auffindung  eines
richtigen  Verteilungsmaßstabes  für  diese  Kosten,  die  nicht  direkt
verteilbar  sind.
Die  Betriebsunkosten  sind  in  besondere  und  allgemeine  Betriebskosten ­
  zu  trennen.  Besondere  Betriebsunkosten,  auch  Abteilungs-
  oder  Werkstattkosten  genannt,  sind  solche,  die  nur
einzelnen  Betriebsabteilungen  (Werkstätten)  zur  Last  fallen,  währendi
die  allgemeinen  Betriebsunkosten  für  alle  Betriebe  gemeinsam
        <pb n="150" />
        144  —

verausgabt  werden.  Die  besonderen  Betriebskosten  sind  sofort  auszuscheiden
  und  jenem  Betrieb  usf.  anzurechnen,  der  .Veranlassung
zur  Verausgabung  war,  z.  B.  Reparaturen,  Versuche,  Kosten  des
Abteilungsbureaus,  Gehälter  der  Abteilungsleiter,  der  Beamten,  Gebühren ­
  (vgl.  S.  137,  2.  d),  Abschreibungen,  Zinsen  usw.  Wo  immer
es  der  Betrieb  gestattet,  ist  anzustreben,  daß  die  Generalspesen
möglichst  als  Sonderkosten  der  Abteilungen  verrechnet  werden,  d.  h.
daß  diese  Kosten  sofort  und  unmittelbar  den  betreffenden  Betriebsabteilungen ­
  und  Werkstätten  zugeteilt  werden.  Der  verhältnismäßig
geringe  Restbetrag  bildet  dann  die  eigentlichen  „allgemeinen“  Kosten,
die  mittelbar  zur  Aufteilung  kommen.  Dieses  Verfahren  ermöglicht ­
  eine  ge  naue  Berechnung  der  Selbstkosten
und  damit  eine  Individualisierung  der  Preise.
Die  allgemeinen  Betriebskosten  (z.  B.  Kosten  gemeinsamer  Lichtund
  Kraftmaschinen)  sind  nach  der  Größe  des  Verbrauches  zu  verteilen. ­
  Ein  allgemeiner  für  alle  Kosten  gültiger  Verteilungsmaßstab
läßt  sich  nicht  angeben.  Einige  Kosten  sind  von  dem  Gewicht,  andere
von  der  Zeit  abhängig  usw.  Es  ist  jener  Verteilungsmodus
zu  wählen,  der  den  wirklichen  Aufwendungen  des
Einzelbetriebes,  der  Werkstätte  oder  des  Arbeitsplatzes ­
  so  nahe  wie  möglich  kommt.
Die  Schwierigkeiten  nehmen  zu,  wenn  in  einer  Betriebsabteilung
überdies  noch  mehrere  Unterbetriebe  (Werkstätten)  an  den  Unkosten
teilnehmen.  Die  Aufstellung  hat  auch  hier  dem  Grundsatz  für  die
Verteilung  allgemeiner  Betriebsunkosten  zu  folgen.  Z.  B.  das  Gehalt ­
  eines  Werkmeisters  ist  zu  verteilen;  in  dem  Betrieb  werden
Produkte  in  drei  Dimensionen  hergestellt.  Wie  ist  das  Gehalt  aufzuteilen? ­
  Jedenfalls  nach  den  verausgabten  Lohnsummen;  denn  je
mehr  Lohnaufwendungen  ein  Produkt  erfordert,  desto  größer  ist  die
Verantwortlichkeit.
Eine  richtige  Trennung  zwischen  Abteilungskosten  und  allgemeinen ­
  Betriebsunkosten  ist  notwendig,  da  es  sonst  Vorkommen
könnte,  daß  die  ^Betriebe  ungleichmäßig  belastet  werden,  daß  erstere
zu  den  allgemeinen  Kosten  gerechnet  und  dadurch  allen  Betrieben
zugerechnet  werden.
Die  Aufteilung  der  Unkosten  auf  die  einzelnen  Rechnungselemente ­
  erfolgt  1.  im  voraus,  vor  der  Verausgabung,  z.  B.
Steuern,  bzw.  vor  der  endgültigen  Berechnung,  z.  B.  Abschreibungen.
Oder  2.  durch  naehträglicheAuszüge  aus  den  summarischen
Aufzeichnungen  in  den  kaufmännischen  Büchern  und  zweckentsprechende ­
  Zusammenstellung.  3.  Endlich  werden  bereits  bei  der
Verausgabung  die  Geldbeträge  verteilt,  sei  es  durch  eine  genaue
Buchungsanweisung  (Kontierungsschema  im  Bergbau  und  im
Eisenbahnbetrieb)  oder  durch  ein  System  festliegender  Kom ­
        <pb n="151" />
        145  —

missionsnummern  im  Maschinenbau,  sei  es,  daß  die  primären
Aufzeichnungen  entsprechende  Einrichtungen  aufweisen  (Akkordzettel, ­
  Verlangzettel  und  andere  Formulare),  um  dergestalt  die  Verteilung ­
  zu  erleichtern.
Bei  der  Verteilung  allgemeiner  Betriebsunkosten  auf  die  Einzelbetriebe ­
  sind  zwei  Verfahren  möglich:
1.  Die  kumulative  (zusammenfassende)  Berechnungpnd
Verteilung.  Man  rechnet  alle  Kosten  zusammen,  faßt  sie  als
Einheit  auf  ohne  Rücksicht  darauf,  daß  eine  Unkostengattung  einen
Betrieb  mehr  belastet  als  einen  anderen  und  verteilt  sie  dann  verhältnismäßig. ­
  Z.  B.  die  Betriebsunkosten  betragen  Mk.  26  800,—;
davon  entfallen  auf

Betrieb  I
20  o/o'
Mk.  5360,

II
30p/o’

8040,—  usw.

2.  Die  elektive  (zergliedernde)  Berechnung  und  Verteilung. ­
  Man  zergliedert  die  gemeinsamen  Unkosten  in  die
einzelnen  Bestandteile  oder  doch  in  einzelne  Gruppen  und  verteilt
sie  individuell  nach  dem  Verbrauch.  Wir  halten  diese  Methode  für  die
einzig  richtige;  nur  sie  ist  imstande,  die  einzelnen  Unkostenarten
entsprechend  dem  Verbrauch  auf  die  Einzelbetriebe  mit  größter
Annäherung  an  die  absolute  Richtigkeit  zu  verteilen.  Einen  einheitlichen ­
  Verteilungsschlüssel  (z.  B.  Verteilung  aller  Unkosten  nur
nach  der  Lohnsumme)  kennt  diese  Methode  nicht.  Die  Kosten  werden
proportional  der  Beanspruchung  durch  den  Betrieb  verteilt,  z.  B.:
die  Kraftkosten  nach  dem  Kraftverbrauch  (in  PS.  oder  Kilowattstunden ­
  meßbar),  Fuhrwerkskosten  nach  der  Stundenzahl  oder  noch
besser  nach  Zentner-  oder  Tonnenkilometer;  die  Kosten  des  Wasserwerks ­
  nach  dem  Wasserverbrauch  (meßbar);  die  Kosten  gemeinsamer
Arbeitsmaschinen  nach  der  Stundenzahl 1 ),  während  welcher  ein
Betrieb  die  Maschine  beanspruchte;  Rollbahn-,  Fracht-  und  Wiegekosten ­
  nach  dem  Gewicht,  Miete 2 )  und  Lagerkosten  nach  dem  Rauminhalt, ­
  Naturalleistungen  an  die  Arbeiter  (z.  B.  Arbeitsanzüge)  nach
der  Arbeiterzahl;  Beleuchtungskosten  nach  der  Zahl  der  Glüh-  oder
Bogenlampen,  der  Mammen  unter  Berücksichtigung  der  Kerzenstärke
und  der  Brenndauer;  Brennkosten  in  Porzellanwarenfabriken  nach
dem  Rauminhalte  der  Erzeugnisse,  Heizungskosten  verteilt  nach
der  Anzahl  oder  dem  Rauminhalt  der  Heizkörper,  nach  Registerstunden, ­
  Zahl  der  Heizungsrippen;  die  Kosten  der  Wohlfahrtseinrichtungen ­
  nach  der  Arbeiterzahl  usw.  An  vielen  Stellen  dieses
l )  Nicht  nach  dem  Gewicht,  da  bei  gleichem  Gewicht  ein  Fabrikat  zweioder
  dreimal  mehr  Arbeit  beanspruchen  kann  als  ein  anderes.
*)  Miete  auch  im  Verhältnis  zur  Höhe  des  Anlagekapitals.
Leitner.  Selbstkoitenberochmirur.  7.  Aufl.  10
        <pb n="152" />
        146

Buches  sind  Beispiele  für  die  Anwendung  solcher  Verteilungsschlüssel ­
  gegeben.  Diese  Methode  setzt  eine  gute  Gliederung  der
Buchführung  voraus.  Die  Aufteilung  des  Gehaltes  eines
Werkmeisters,  Betriebsleiters,  Zeichners,  der  für  mehrere  Produktionsabteilungen ­
  des  Betriebes  beschäftigt  wird,  erfolgt  im  Verhältnis ­
  des  Zeitverbrauches,  welchen  der  Beamte  dem
betr.  Unterbetriebe  hzw.  der  betr.  Zeichnung  widmet.  Z.  B.  einem
Betriebsbeamten  sind  unterstellt:
Betriebsstelle  I.  Zeitverbrauch  4  Stunden;  Kostenanteil  */«
„  II.  „  10  Minuten;  „  •/&amp;lt;“
„  HI.  *  15  »  ,  ,5 /«
usw.  usw.  usw.
Tägliche  Gesamtzeit  9  Stunden.
Die  Verteilung  der  allgemeinen  Betriebsunkosten  kann  beispielsweise ­
  erfolgen  (monatlich,  viertel-  oder  halbjährlich):
1.  Nach  der  Größe  des  Wertumsatzes  (d.  i.  des  Verkaufserlöses
oder  der  gesamten  Herstellungskosten)  der  einzelnen  Betriebe  oder
Werkstätten.
2.  Nach  der  Menge  (Gewicht,  Maß,  Zahl)  der  Produktion  oder
des  Verbrauches,  nach  dem  beanspruchten  Flächen-  oder  Rauminhalt.

3.  Nach  der  Summe  der  jährlichen  Lohnaufwendungen  der
einzelnen  Betriebe  oder  nach  der  Zahl  der  in  den  einzelnen  Fäbrikräumen
  beschäftigten  Arbeiter  oder  nach  der  Zahl  der  Lohn-,  Betriebs- ­
  oder  Maschinen-Arbeitsstunden.
4.  Nach  der  Zeit  (Stundenzahl),  während  welcher  ein  Betrieb
die  gemeinsamen  Einrichtungen  beschäftigt.
5.  Nach  bestimmten  prozentuellen  Verhältnissen  oder  besonderen
Verhältniszahlen.
Ob  mm  der  eine  oder  der  andere  Verteilungsmodus  gewählt
wird,  es  wird  in  vielen  Fällen  nicht  möglich  sein,  ohne  unverhältnismäßig ­
  komplizierte  und  zeitraubende  Berechnungen  eine  absolute
Richtigkeit  zu  erzielen.  Z.  B.  ein  Betrieb  verteilt  monatlich  die
allgemeinen  Betriebsunkosten  nach 1  den  aufgewendeten  Lohnsummen.
Betriebsabteilungen,  die  mit  einem  Stamm  alter  Arbeiter  arbeiten
und  infolgedessen  höhere  Löhne  bezahlen,  ohne  daß  die  Arbeit  ebenso
verhältnismäßig  höherwertig  ist,  werden  nach  diesem  Verteilungsmodus ­
  höher  belastet  sein,  als  Betriebe  mit  jungen  Arbeitern.  Ebenso
wird  ein  neu  eingerichteter  Betrieb,  in  dem  anfänglich  weniger
Löhne  bezahlt  werden,  einen  geringeren  Anteil  an  den  allgemeinen
Unkosten  haben,  obwohl  er  vielleicht  mehr  leistet  als  jene  Betriebe
mit  älteren  Arbeitern.
        <pb n="153" />
        147

Die  Verteilung  nach  dem  Gewicht  nimmt  auf  die  größeren  oder
geringeren  Arbeitskosten  keine  Rücksicht,  obwohl  ein  kleiner  Gegenstand ­
  häufig  mehr  Arbeit  verursacht  als  ein  verhältnismäßig  größerer.
Die  Verteilung  nach  dem  Umsatz  des  Betriebes  wird  zu  Unrichtigkeiten ­
  führen,  wenn  z.  B.  bei  Betriebseinschränkungen,  gleichzeitiger ­
  Preisermäßigung  und  Abstoßung  alter  Lagerbestände  ein
großer  Umsatz  bei  verhältnismäßig  geringeren  Unkosten  erzielt  wird.
Eine  elektive  Verteilung  der  Unkosten  ist  in
Großbetrieben  unerläßlich;  sie  wird  durch  jede
räumliche  Zerlegung  des  Betriebes  erleichtert.  Je
weiter  dieZerlegung  der  Selbstkosten  geht,  je  mehr
die  Verteilungsschlüssel  individualisiert  werden,
um  so  mehr  werden  die  nicht  unmittelbar  erfaßbaren, ­
  aber  verteilten  Aufwendungen  den  wirklichen ­
  nahekommen,  um  so  genauer  wird  der  berechnete ­
  Näherungswert  sein.

Beispiel  einer  Unkostenverrechnung:  Chemische  Industrie 1 ).

Art  der  Unkosten  (nebst  Erläuterungen)

Betrag

Unmittelbar  fiir  jeden  Betrieb  festznstellen  (Abteilnngskosten):


Löhne  samt  Zuschüssen  (Zwangsversicherung,  Hilfskassen
u.  a.).  Das  Lohnbureau  stellt  durch  Auszüge  die  Aufwendungen ­
  eines  jeden  Betriebes  fest
Filter,  Glaswaren,  Tonwaren,  feuerfeste  Materialien,
verschiedene  Betriebsmaterialien.  Der  Verbrauch
wird  nach  den  Magazinanweisungen  usw.  berechnet.  Jeder
Bon  trägt  das  Zeichen  des  betr.  Betriebes.  Die  Zusammenstellung ­
  ist  einfacher  Art.  Nach  Bedarf  .können  die  Betriebsmaterialien ­
  noch  weiter  spezialisiert  werden  .  .  .
Verpackung.  Auf  Grund  der  Expeditionsbücher  direkt  zu
ermitteln
Drucksachen,  Reklame,  soweit  für  den  betr.  Betrieb  bzw.
Artikel  besondere  Kosten  verausgabt  werden;  andernfalls ­
  sind  diese  Spesen  mit  den  allgemeinen  Kosten
anteilsmäßig  zu  verrechnen
Reparaturen  durch  die  Werkstätte.  Sobald  ein  Betrieb
die  Tätigkeit  der  Reparaturwerkstätte  beansprucht,  wird
er  für  die  Kosten  (Material,  Gehälter,  Löhne)  belastet  .
Rep  araturen  durch  die  eigenen  Schlosser  des  Betriebes,
die  kleinere,  rasch  zu  erledigende  Arbeiten  ausführen  .  .
Reparaturen  durch  die  BauaDteilung  (Tünchen,  Maurerarbeiten
  usw.)
Reparaturen  durch  die  eigenen  Maurer  des  Betriebes.
Kohlen.  Ein  besonderes  Kohlenbureau  verrechnet  monatlich
_  den  Verbrauch  (gewogen)
Diverse  Abteilungskosten,  hier  nicht  besonders  benannt.
Sie  sind  fallweise  einzusetzen,  z.  B.  Rechnungen  fremder
Handwerker  und  Unternehmer  .
Übertrag

Mk.  —

ii  i—
ii  i
ii  i—
}»  i
ii  i
n  i
ii  i
n  *  ?
y&amp;gt;
Mk.
10*

*)  Vgl.  auch  S.  55  f.
        <pb n="154" />
        148

Art  der  Unkosten  (nebst  Erläuterungen)

Betrag

Vortrag

Mk.  —

Anteilsmäßig  verrechnet  (Anteilskosten):

Dampfkraft.  Soweit  jeder  Betrieb  seine  eigene  Kesselanlage
hat,  lassen  sich  die  Kosten  unmittelbar  für  jeden  Betrieb
anrechnen.  Ansonsten  sind  sie  nach  dem  Dampf  verbrauch ­
  bzw.  Kraftverbrauch  (PS.)  zu  verteilen.  Vgl.

§  32/33
Leucht-  und  Heizgas.  Verbrauch  in  cbm  durch  Gasmesser
bestimmt.  Haben  mehrere  Betriebe  denselben  Meßapparat,
dann  wird  nach  der  Flammen-  oder  Arbeiteranzahl  ‘)  verteilt.
Elektrische  Beleuchtung  des  Fabrik  -und  Hofraumes.
Entweder  nach  den  Angaben  des  Elektrizitätszählers
oder  nach  dem  berechneten  Verbrauch  des  Betriebes  aufgeteilt ­
  s )
Elektrische  Kraft.  Verteilt  nach  den  Angaben  des  Zählers
oder  nach  berechnetem  Kraftverbrauch
Fuhrwerkskosten  (Kosten  des  eigenen  F.:  Kutscherlöhne,
Hilfsarbeiter,  Futter,  Abschreibungen  auf  das  Geschirr  u.  a.).
Das  Fuhrwerksbnreau  verteilt  die  Kosten  des  eigenen  und
fremden  Fuhrwerks  nach  der  Stundenzahl,  während
welcher  der  Betrieb  das  Fuhrwerk  beschäftigte.  Eine
Trennung  der  Kosten  des  eigenen  von  jenen  des  fremden
Fuhrparks  ist  möglich  (vgl.  §  35)
Fabrikbahnunkosten  (Bahnwärter,Heizer,  Maschinistenlöhne,
Kohlen-  und  Materialverbrauch,  .Reparaturen,  Abschreibungen). ­
  Verteilt  nach  der  Menge  des  für  den  Betrieb
geförderten  Materials
Wasser  Werksunkosten  nach  dem  Wasserverbrauch  .  .
Generalfabrikationskosten.  Hierher  zählen  alle  Kosten,
die  oben  noch  nicht  verrechnet  sind,  z,  B.  Reinigung,  Beleuchtung ­
  der  Straßen,  Aufseher,  Nachtwächter,  Gehälter,
Gratifikationen  der  Chemiker,  Betriebsleiter  (Fabrikgehälter). ­
  Sie  sind  teils  unmittelbar  für  jeden  Betrieb  zu
bestimmen,  teils  anteilsmäßig  (Wertumsatz,  Löhne  o.  a.)
zu  verrechnen
Summe  der  Erzeugungskosten

V

r&amp;gt;

n

Mk.

Generalspesen  (Verwaltung,  Bureaugehälter).  Die  Aufteilung
erfolgt  nach  dem  Wertumsatz,  nach  den  Erzeugungskosten
der  Betriebe  o.  a
Zinsen  und  Abschreibungen  des  Anlagekapitals.  Sie
sind  aus  den  Büchern  für  jeden  Betrieb  direkt  zu  ermitteln.

Selbstkosten,  ausschließlich  Rohstoffkosten

Mk.  —  ,—

*)  Je  größer  die  in  einem  Raum  beschäftigte  Arbeiterzahl  ist,  desto  mehr
Beleuchtungskörper  sind  notwendig.
Heizkosten  können  nach  dem  Rauminhalt  der  Werkstätte  oder  der  Heizkörper ­
  verteilt  werden.
2 )  Ersatzglühlampen  sind  unmittelbar  dem  Betrieb  zu  belasten,  der  sie
verbraucht.
        <pb n="155" />
        149

Bemerkungen  zu  dem  Schema  Seite  147f.
Allmonatlich  erhält  jeder  Betriebsleiter  eine  derartige
Unkostenstatistik.  Die  allmonatliche  Verrechnung  der  Betriebs-Unkosten,
  Abschreibungen  und  Zinsen  gibt  dem  Leiter  Aufschluß
über  die  Selbstkosten  seiner  Produktion  und  die  Möglichkeit,  Unregelmäßigkeiten ­
  aufzudecken  und  zu  beheben.  Die  Aufstellung  enthält ­
  nur  die  Kosten  des  Betriebes,  eine  Zusammenstellung  der  Aufwendungen, ­
  die  für  den  Betrieb  an  sich  verausgabt  werden.  Ausgaben,
auf  die  dem  Betriebsleiter  kein  Einfluß  zusteht,  den  Betrieb  nichts
angehen,  sind  weggelassen;  also  vor  allem  die  Handlungsunkosten,
d.  h.  die  Kosten  des  Vertriebes  und  die  besonderen  Verkaufsspesen.
Der  Verkaufspreis  müßte  also  enthalten:  Rohstoffkosten,  Kosten  lt.
Statistik,  Handlungs-  und  besondere  Verkaufsspesen,  Gewinn.
Jeder  Großbetrieb  zerfällt  hinsichtlich  der  Kostenrechnung  in
zwei  Betriebsgruppen  (S.  21),  Fabrikationsbetriebe,  die
Verkaufsprodukte  her  stellen  (Haupt-  und  Nebenbetriebe),  und  H  i  1  f  s  -
betriebe.  Zu  letzteren  zählen  wir  Kraft-,  Magazins-,  Rollbahn-,
Wasser-  und  Gaswerkbetrieb,  Reparaturwerkstätten,  Betriebe,  die
nicht  selbständige  produktive  Arbeit  leisten,  nur  der  Aufrechterhaltung ­
  der  Produktionsbereitschaft  dienen.  Bei  Haupt-  und  Nebenbetrieben ­
  werden  Selbstkosten  für  den  Betrieb  (Gesamtkalkulation)
und  für  das  Produkt  (Einzelkalkulation,]  Masseselbstkosten),  bei
Hilfsbetrieben  werden  die  Selbstkosten  nur  für  den  Betrieb  ermittelt.
Nebenbetriebe  erzeugen  Rohwaren  oder  Hilfsmaterialien  zum
eigenen  Verbrauch  oder  verarbeiten  Nebenprodukte,  die  erst  durch
die  Produktion  des  Hauptbetriebes  möglich  werden.  Jeder  dieser
Hilfsbetriebe  hat  seine  eigenen  Unkosten  wie  die  Fabrikationsbetriebe,
nur  fehlen  häufig  die  Kosten  für  Rohstoffe.  Deshalb  ist  jeder  Hilfsbetrieb ­
  hinsichtlich  der  Kostenverrechnung  wie  jeder  andere  Betrieb ­
  als  selbständig  anzusehen.  Seine  Kosten  werden  auf  einem
besonderen  Konto  verbucht.  (Vgl.  S.  56.)  Dabei  kann  man  die  allgemeinen ­
  Unkosten,  die  der  ganzen  Unternehmung  zur  Last  fallen,
auch  den  Hilfsbetrieben  anteilsmäßig  anrechnen;  oder  man  läßt  sie
frei  von  den  Generalspesen,  die  dann  unmittelbar  den  Fabrikationsbetrieben ­
  voll  angerechnet  werden.  Der  erste  Vorgang  ist  theoretisch ­
  richtiger,  weil  er  es  ermöglicht,  die  vollen  Unkosten  der
Hilfsbetriebe  kennen  zu  lernen;  es  müssen  bei  der  Verteilung  auf
die  Hauptbetriebe  Lohnzuschläge  ermittelt  werden,  durch  die  die
..allgemeinen“  Kosten  wieder  anteilsmäßig  verrechnet  werden.  (Vgl.
8-  56  f.)  Einfacher  ist  es,  nur  die  Sonderkosten  der  Hilfsbetriebe  zu
verrechnen.  Der  schließliche  Erfolg  ist  in  beiden  Fällen  gleich:  Belastung ­
  der  Hauptbetriebe  für  die  Generalspesen.
Wie  willkürlich  in  dieser  Hinsicht  in  der  Praxis  vorgegangen
w ird,  zeigt  die  Verrechnung  der  Hüttenwerke.  In  einem  ge ­
        <pb n="156" />
        150

mischten  Werk  der  Großeisenindustrie  sind  als  Hauptbetriebe  Vorhanden: ­
  Koks-,  Hochofen,  Stahlwerk,  Blockwalzwerk,  Walzwerk,
Adjustagen  und  Gießerei.  Als  Hilfsbetriebe:  Kraft-,  Kesselbetriebe,
Werkstätten,  Bauabteilung,  Eisenbahn.  Die  Feststellung  der  Selbstkosten ­
  kann  sich  auf  die  Hauptbetriebe  beschränken,  während  die
Kosten  der  Hilfsbetriebe  in  jenen  der  Hauptbetriebe  aufgehen.  Alljährlich ­
  wird  der  Gesamtaufwand  der  Hauptbetriebe  festgestellt  und
der  mutmaßliche  monatliche  Verbrauch  durch  Division  mit  den  12
monatlichen  Selbstkosten  in  einem  unveränderlichen  Anteil  zugeschlagen ­
  (Normalzahlen).  Schwankungen  in  den  Bejxriebsverhältnissen
  bleiben  unberücksichtigt.  Oder  man  verteilt  die  Kosten  der
Hilfsbetriebe  nach  feststehenden  Prozentanteilen  auf  die  Hauptbetriebe, ­
  oder  endlich,  was  allein  richtig  erscheint,  die  Kosten  werden
individuell  verteilt.  Die  Generalkosten  (Handlungsunkosten,  Abschreibungen, ­
  Unterhaltung  des  Gesamtbetriebes  etc.)  werden  in
dem  einen  Werk  nur  auf  die  Hauptbetriebe  im  Verhältnis  der  Lohnsummen, ­
  in  einem  anderen  Betriebe  nur  auf  einige  Hauptbetriebe,
beispielsweise  Hochofen,  Gießerei,  Walzwerk,  oder  nur  auf  einige
Hilfsbetriebe,  endlich  in  fortgeschrittenen  Kostenberechnungen  auf  ,
Haupt-  und  Hilfsbetriebe  dem  Verbrauch  entsprechend  verteilt.
Demgemäß  werden  in  manchen  Hüttenbetrieben  Selbstkosten  nur  für
die  Hauptprodukte  der  Teilprozesse  (Koks,  Roheisen,  Ingots,  Blooms,
Walzwerkfabrikate),  nicht  aber  für  die  Nebenprodukte  (Gas,  Ammoniak, ­
  Teer)  berechnet,  während  die  Theorie  stets  die  Anschauung
vertreten  hat,  daß  Haupt-  und  Nebenprodukte  in  rechnerischer  Beziehung ­
  gleich  zu  behandeln  sind.
Die  Aufteilung  hat  zu  beachten,  daß  die  Kosten  in  dem  einen
Fall  Sonderkosten  eines  Fabrikationsbetriebes,  im  anderen  allgemeine
Fabrikationskosten  darstellen  können.  Für  die  ersten  ist  der  betr.
Betrieb  voll,  für  die  letzten  anteilsmäßig  zu  belasten.  Z.  B.  die
Kosten  einer  für  den  Betrieb  V  ausgeführten  Probefärbung  —  zunächst ­
  auf  dem  Konto  „Färberei“  verrechnet  —  sind  nur  diesem
Betrieb  zu  belasten,  jene  der  Vorversuche  eines  neuentdeckten  Farbstoffes ­
  sind  als  allgemeine  Kosten  allen  Betrieben  nach  irgend  einem
Teilungsschlüssel  anzurechnen.
Die  Unkostenstatistik  kann  auch  auf  die  Verwaltungszweige ­
  eines  Unternehmens  ausgedehnt  werden;  so  ist  es  möglich, ­
  in  Großbetrieben  wünschenswert,  die  Kosten  (einschließlich
Abschreibung  des  Gebäudes,  Anteil  an  Licht,  Heizung)  des  kaufmännischen, ­
  des  Kalkulations-  und  Konstruktionsbureaus,  der  Expedition, ­
  des  Lagers  usw.  zu  ermitteln.  (Vgl.  das  Beispiel  des  §  44.)
Die  Verteilung  der  Betriebsunkosten  nach  feststehenden
Verteilungsverhältnissen  —  z.  B.  prozentuell  nach  den  vorjährigen
Lohnsummen  o.  ä.  —  eine  Art  Normalkalkulation,  ist  wertlos,  wenn
die  Ausgaben  starken  Schwankungen  unterworfen  sind.  Dort  müssen
        <pb n="157" />
        151

die  Kosten  in  kurzen  Perioden  nach 1  dem  Verbrauch  verrechnet
werden  und  nicht  nach  im  voraus  bestimmten  Verteilungszahlen-.
Nach  den  bisherigen  Erörterungen  können  die  folgenden  allgemeinen ­
  Verteilungsgrundsätze  aufgestellt  werden:
1.  In  Werken  mit  gemischter  Produktion  sind  die  Unkosten
für  die  Betriebsabteilungen  getrennt  zu  verrechnen.
2.  Innerhalb  der  .Verrechnung  sind  die  Kosten  weitgehend  zu
spezialisieren.
3.  Die  Sonderkosten  jeder  Abteilung  (Abteilungskosten)  sind
sofort  jenem  Betriebe  anzurechnen,  für  den  sie  verausgabt  wurden.
4.  Die  auf  das  äußerste  Maß  reduzierten  allgemeinen  Kosten
sind,  soweit  wie  möglich,  elektiv  zu  verteilen.
5.  Im  übrigen  ist  die  verhältnismäßige  Größe,  d.  h.  das  Größenverhältnis ­
  einer  Unkostenart  zu  den  Gesamtunkosten  zu  berücksichtigen. ­

6.  Von  den  Herstellungskosten  sind  die  Kosten  des  Absatzes
zu  trennen.
Schema  der  Unkostengliederung  und  -Aufstellung  einer  elektrischen
Straßenbahn 1 ).
Benennung  der  Unkosten

I.  Betriebskraft:
1.  Gehälter,  Löhne
2.  Materialverbrauch
a)  Holz
b)  Kohlen
c)  Wasser
d)  Schmier-  und  Putzmaterial
e)  Verschiedene
3.  Unterhaltung,  Reparaturen  (Material,  Löhne)
a)  an  Kessem,  Maschinen  usw.
b)  an  Dynamos,  Meßapparaten
c)  an  Gebäuden
usw.
II.  Zugkraft:  Bedienung
Wagenmotoren:
a)  Löhne  der  Wagenführer
b)  Bürsten,  Schmiermaterial
c)  Reinigung,  Putzmaterial
I)  Unterhaltung,  Reparaturen
e)  Ersatzteile  (Lagerschalen,
räder  u.  a.)
f)  Ersatz  für  Rollen,  Kontaktarme
g)  Unterhaltung  der  inneren  Einrichtung  der
Wagen
        <pb n="158" />
        Benennung  der  Unkosten

1918

im  Vorjahr

Vortrag
III.  Überleitung  der  Triebkraft:
1.  Gehälter,  Löhne  für'Reparaturen,  Unterhaltung
und  Revision  der  Leitungsanlagen  .  .  .  .
2.  Materialverbrauch  einschließlich  der  Ersatzteile
a)  für  Kontaktleitungsdraht
b)  für  Spannmaterial
c)  für  Masten,  Rosetten
d)  für  Rückleitung
e)  für  Speiseleitungen
f)  für  Schutzvorrichtungen

IV.  Betriebsmittel:
1.  Löhne  für  Unterhaltung  der  Untergestelle  .  •
2.  Räder,  Lager,  Federn  u.  dergl.  für  die  Motor
Wagenuntergestelle  •
3.  desgl.  für  Anhängewagen
4.  Schmiermaterial
5.  Löhne,  Material  für  Unterhaltung  und  Reparaturen ­
  der  Wagenkästen  .
6.  Reinigungskosten  (Löhne,  Putzmittel  u.  a.)  der
Wagenkästen  und  Untergestelle
V.  Gleisanlage:
1.  Gehälter,  Löhne»  für  Unterhaltung  und  Repara-2.
  Material,  Geräte)  turen  des  Schienengestränges
3.  Löhne
4.  Material,  Werkzeuge  für  Unterhaltung  und
Reparaturen  des  Bahnkörpers  ......
5.  Löhne  für  Reinigung
VI.  Betriebsdienst:
1.  Gehälter  der  Aufseher,  Kontrollorgane  .  .  •
2.  Gehälter  der  Schaffner  •
3.  Bekleidung,  Ausrüstung
4.  Drucksachen,  Fahrscheine
usw.
VII.  Allgemeine  Unkosten
VIII.  Unterhaltung  der  Gebäude  für  den  Bahnbetrieb
  (Remisen,  Wartehäuschen  etc.)  .
IX.  Abschreibungen,  Zinsen  ||
Summe  der  Ausgaben  11  Mir  I  '  Mir

NB.  Die  Spezialisierung  der  Ausgaben  kann  in  einzelnen  Positionen  noch
weitergehen  als  das  vorstehende  Schema.  Die  Gesamtausgaben  werden  nach
ihren  Hauptsummen  zusammen-  und  der  Statistik  wegen  der  Anzahl  der  beförderten ­
  Personen,  sowie  der  Kilometerlänge  der  Gleise  usw.  gegenübergestellt;
daraus  werden  die  durchschnittlichen  Ausgaben  pro  Person,  Gleiskilometer,
Motorwagen-Kilometer  etc.  berechnet.

§  32.  Wir  lassen  nun  einige  Erläuterungen  über  wichtigere
Betriebsunkosten  folgen.
        <pb n="159" />
        153

Die  Kosten  der  Betriebskraft.
Unter  den  Betriebskosten  einer  Kraftmaschine 1 )
hat  man  zu  verstehen  „die  Summe  aller  Aufwendungen  (mittelbare
und  unmittelbare),  welche  zur  Erzeugung  der  motorischen  Nutzleistung ­
  zu  machen  sind“ 2 ).  Die  Kosten  können  auf  das  Betriebsjahr ­
  und  die  ganze  Anlage,  oder  auf  die  Leistungseinheit  und  Stunde
bezogen  werden.  Um  die  Selbstkosten  der  Leistungseinheit  (Pferdestärke) ­
  für  die  Betriebsstunde  bestimmen  zu  können,  müssen  vorerst
die  Gesamtkosten  für  das  Betriebsjahr,  die  mittlere  Belastung  der
Maschine  und  die  jährliche  Betriebsstundenzahl  berechnet 3  4 )  werden.
Die  Gesamtkosten  setzen  sich  zusammen 1 )  aus:
I.  Anschaffungskosten  der  Anlage  (A  n  1  a  g  e  k  ö  s  t  e  n).
II.  Betriebskosten:
a)  direkte  Ausgaben.
a)  Kosten  der  Kraft.
ß)  Instandhaltung  und  Reparaturen  der  Anlage  sowie  Hilfsmaterial. ­

Y)  Bedienung.
b)  Besondere  Ausgaben.
b)  indirekte  Kosten:  Abschreibung  und  Verzinsung  des
Anlagekapitals,  Anteil  an  allgemeinen  Betriebskosten  (z.  B.
Beleuchtung,  Heizung,  Anschlußgleise).
')  Für  Nichtfachleute  einige  Bemerkungen:  Nach  der  Zweckbestimmung
unterscheidet  man  Kraft-  und  Arbeitsmaschinen,  je  nachdem  durch  die  Maschine
eine  Kraftäußerung  oder  eine  Arbeitsleistung  im  engeren  Sinne  erzielt  wird;  die
letzteren  werden  unterschieden  in  ortsverändemde  (transportierende)  und  formverändemde
  (transformierende).  Die  belebten  oder  Kraftmaschinen  lassen  sich
unterscheiden  in  Wasser-,  Wind-,  Wärme-  und  elektrische  Kraftmaschinen.  Die
zuletzt  genannten  sind  die  wichtigsten.  Die  Wärme-Kraftmaschine  kann  mit
indirekter  Ausnutzung  der  erzeugten  Wärme  (Dampf-  und  Gasluftmaschinen)  oder
mit  direkter  Ausnutzung  der  Arbeit  (Gasmaschinen  bei  gasförmigen,  Benzin-,
Petroleum-  und  Spiritnsmaschinen  für  flüssige  Brennstoffe)  arbeiten.  Die  elektrischen ­
  Kraftmaschinen  (Elektromotoren)  können  für  Gleich-,  Wechsel-  oder
Drehstrom  konstruiert  sein.  Die  Elektromotoren  (Stromverbraucher)  wandeln  die
elektrische  Energie  in  mechanische  um,  benötigen  also  Maschinen,  welche  elektrische ­
  Kraft  erzeugen  (Stromerzeuger,  Dynamos).  Bei  den  modernen  Gaskraftmaschinen ­
  sind  Wärmeerzeugung  und  -Verwertung  örtlich  und  zeitlich  vereint.
2 )  Lewicki,  Die  Wirtschaftlichkeit  und  Betriebssicherheit  moderner  Kraftanlagen ­
  im  Vergleich  mit  Sauggeneratoren,  Gaskraftanlagen,  1904,  S.20.  Erhard  t,
Über  das  wirtschaftliche  Verhältnis  von  Gichtgasmotoren  und  Dampfmaschinen
im  Verhüttungsgebiet  der  Minette.  Stahl  und  Eisen,  Nr.  11  von  1905.
3 )  Die  Berechnung  erfolgt  für  effektive  PS.  Das  Verhältnis  zwischen  wirklichen ­
  (effektiven)  PS.,  die  von  der  Maschine  als  Kraft  entnommen  werden  können,
und  den  indizierten  PS.  bezeichnet  man  als  den  Wirkungsgrad  der  Maschine.
Z.  B.  indiziert  85,  effekt.  63  PS.,  Wirkungsgrad  =  63  :  85  =  74  °/ 0  der  im  Zylinder
geleisteten  Arbeit  können  wirklich  entzogen  werden.
4 )  Vgl.  Marr,  Kosten  der  Betriebskräfte.  Berlin  1901.
        <pb n="160" />
        154

I.  Zu  den  Anlagekosten  gehören:  Gestehungspreis  der  Anlage, ­
  alle  palt  dem  Bezug  verbundenen  Kosten  sowie  alle  Nebenspesen ­
  bis  zum  betriebsfähigen  Zustand  der  Maschine  (Montage).
Zum  Gestehungspreis  der  Anlage  sind  somit  Zu  rechnen:  Preis
der  Maschine,  Kosten  der  Kesselanlage,  nebst  Ausrüstung,  Rohrleitungen, ­
  Pumpen,  Schornsteine,  Fundamente,  Kosten  der  Kläranlagen, ­
  Gaswascher  und  Gaskühler,  Kühl  Wasserleitung,  Gebäude
für  die  Unterbringung  u.  a.
II.  1  *  3  *  *  *  * )  au)  Kraftkosten:  aa)  Dampfkraft:  Die  Kraftkosten ­
  sind  identisch  mit  den  Kosten  des  Brennmaterials  (Kohle,
Teer,  Petroleum,  Torf,  Holz  u.  a.)  und  des  Wasserverbrauches.  Zu
den  Kosten  des  Brennstoffes  sind  außer  dem,  Einkaufspreis  alle
Kosten  bis  zur  Verwendungsstelle  und  jene  für  die  Aschenabfuhr
zu  zählen.
Der  Kohlenverbrauch  einer  Dampfmaschine  richtet  sich  nach  Maschinengröße,
Heizwert  des  Brennmaterials  und  Güte  der  Kesselanlage,  Spannung,  Tourenzahl,
Dampfverlust  durch  Undichtigkeit  und  Abkühlung,  Steuerung  usf.  Er  sinkt  bei
zunehmender  Leistung  verhältnismäßig.  Um  die  Wirtschaftlichkeit  einer  Anlage
im  voraus  berechnen  zu  können,  ist  es  notwendig,  den  Kohlenverbrauch  für  die
PS.-Stunde  zu  berechnen.  Man  ermittelt  den  Kohlenverbrauch,  indem  man  den
Dampfverbrauch  für  die  PS.eff.Stunde  normaler  Belastung  vervielfacht  mit  der
Maschinenleistung  (PS.)  und  das  Produkt  durch  das  Verdampfungsvermögen  des
Brennmaterials  teilt;  überdies  ist  der  Verbrauch  für  Anheizen  und  Betriebspausen
zu  berücksichtigen.  Z.  B.  eine  200  PS.  zweifache  Expansionsmaschine  verbraucht
bei  Überhitzung  des  Dampfes  6  kg  Dampf  für  die  PS.eff.  stündlich;  1  kg  Kohle
verdampft  7,6  kg  Wasser,  d.  h,  erzeugt  7,5  kg  Dampf,  der  Kohlenverbrauch
200.6
beträgt  somit  ———  =  160  kg  per  Stund.
7.6
Der  Heizwert*)  des  Brennmaterials  wird  beurteilt  nach  der  Anzahl  von
Wärmeeinheiten 8 )  (Kalorien),  die  1  kg  des  Brennstoffes  bei  vollkommener  Verbrennung ­
  entwickelt.  Kennt  man  den  Heizwert  des  Brennmaterials,  so  lassen  sich
die  Brennstoffkosten  für  die  Dampferzeugung  daraus  berechnen;  z.  B.  Steinkohle
kostet  Mk.  2,10  für  100  kg  und  entwickelt  7500  W.  E.;  10000  W.  E.  kosten  somit
2,8  Pfg.  Oder  man  berechnet  den  Preis  für  1kg  Dampf:  z.  B.  man  braucht  mit
Rücksicht  auf  den  Wirkungsgrad  des  Kessels  (etwa  65°/ 0 )  ungefähr  1000  W.  E.
zur  Verdampfung  eines  kg  Wassers,  1  kg  Kohle  entwickelt  7500  W.  E.,  d.  s.
')  Vgl.  Musil,  Die  Motoren  für  Gewerbe  und  Industrie,  3.  Aufl.,  1897.
Riedler,  Die  Betriebskosten  von  Kleinmotoren  in  der  Zeitschrift  d.  V.  deutscher
Ing.,  1891.  S.  299  ff.  Urban,  Ermittelung  der  billigsten  Betriebskraft  für  Fabriken,
Berlin  1907  ,  2.  Aufl.,  1912.  Marr,  Die  neueren  Kraftmaschinen  ihre  Kosten
und  Verwendung.  München  1904.  Barth,  Die  zweckmäßigste  Betriebskraft.
3  Bändchen,  Sammlung  Göschen.  Die  volkswirtschaftliche  Seite  behandeln:
Schmidt,  Ökonomie  der  Wärmeenergie  (Springer,  Berlin);  Zoepfl,  Nationalökonomie ­
  der  technischen  Betriebskraft,  I.  Bd.,  Jena  1903.
*)  Über  den  Heizwert  verschiedener  Brennstoffe  vgL  die  Zeitschrift  d.  V.
deutscher  Ingenieure  von  1898  S.  782,  von  1899  S.  333,  sowie  die  Flugschrift  Nr.  3
von  1897  des  Magdeburger  Vereins  für  Dampfkesselbetrieb.
3 )  Eine  Wärmeeinheit  (W.  E.)  ist  jene  Wärmemenge,  die  zur  Erhöhung  der
Temperatur  von  1  kg  Wasser  um  1°  C  notwendig  ist.
        <pb n="161" />
        155

7,5  kg  Dampf;  somit  kostet  1  kg  Dampf  0,28  Pfg.  Nimmt  man  die  Ausnutzung
des  Brennstoffes  im  Kessel  (einer  Großdampfmaschine)  mit  13°/ 0  an,  so  kostet  der
Brennstoff  für  10000  Nutz-W.E  (2,8:0,18)  21,5  Pfg.,  auf  die  PS.-Stunde  berechnet

^  1,37  Pfg.  (Der  Magdeburger  Verein  für  Dampfkesselbetrieb  berechnet

die  Kosten  für  100  kg  Dampf  bei  K  Mark  Kohlenpreis  für  100  kg,  x  Verdampffähigkeit ­
  der  Kohle  und  y  Ausnützungsgrad  der  Kohlenwärme  nach  der  Formel:

Zur  Beurteilung  der  Wirtschaftlichkeit  der  Brennstoffkosten  ist  (nach  Lewicki,
  a.  a.  O.  S.  28,  31)  nicht  allein  die  Frage  nach  dem  Wärmeverbrauijk
auf  einen  Brennstoff  bezogen  maßgebend;  es  ist  gleichzeitig  der  Preis  für  1  kg
bezw.  für  W.  E.  mit  zu  berücksichtigen.  Danach  ist  nicht  der  kalorisch  wärmste
Brennstoff  der  billigste,  sondern  jener,  der  für  die  PS.-Stunde  die  geringsten
Kosten  verursacht.  Lewicki  gibt  hierfür  zwei  Beispiele:
a)  Eine  Maschine  braucht  für  PS.-Stunde  3000  W.E.  zu  2Pfg.,  für  10000  W.E.
=  0,6  Pfg.  für  PS.-Stunde.
b)  Eine  Maschine  braucht  für  PS.-Stunde  2700  W.  E.  zu  2,5  Pfg.,  für  10  000  W.E.
=  0,93  Pfg.  für  PS.-Stunde.
Der  Brennstoffverbrauch  wird  beeinflußt  durch  die  Anzahl  der  täglichen
Betriebsstunden  und  der  Betriebspausen  (für  Feiertage,  Keinigung).  Marr  (a.  a.  O.
S.  lff.)  berechnet  den  Zuschlag  je  nach  Zahl  und  Größe  der  Pausen  mit  11,9%
bis  16,1  %.  Lewicki  gibt  an,  daß  die  Zuschläge  für  Anheizen')  und  Abkühlungs-Verluste
  bei  Tagesbetrieb,  jährlich  zweimaliger  vollständiger  Kaltstellung  für
Keinigungszwecke  und  mit  Berücksichtigung  der  preuß.  Sonn-  und  Feiertage  von
7—12%  je  nach  dem  Kesselsystem  schwanken.
Bei  der  Berechnung  der  Dampfkosteu  wird  eine  etwaige  Verwendung ­
  des  Abdampfes  (für  Heizzwecke,  Trockenanlage  in
Färbereien,  Appreturanstalten,  Brikett-,  Papier-,  Zuckerfabriken)  zu
berücksichtigen  sein.  Die  Kosten  des  direkten  Dampfes,  und  damit
die  Betriebskosten,  vermindern  sich  tun  den  Heizwert  der  Abdämpfe,
der  anderen  Betriebsabteilungen  zugeschrieben  werden  muß;  z.  B.
die  jährlichen  Dampfkosten  betragen  Mk.  4500,—,  der  Heizwert  des
Abdampfes,  der  für  Trockenzwecke  benützt  wird,  ist  *  2 / 3  des  direkten
Dampfes.  Es  entfallen  somit  Mk.  1500  auf  die  Kraftkosten,  Mk.  3000
auf  den  Nebenbetrieb.  Der  Wert  des  Abdampfes  zu  Heizzwecken
richtet  sich  nach  der  Dauer  der  Verwendbarkeit  während  eines  Jahres.
(Vgl.  über  die  Berechnung  Marr,  a.  a.  O.  S.  71  ff.) 2 ).

*)  Der  wiederholt  zitierte  Magdeburger  Verein  berechnet  die  Kosten  des
,  k.K  /365-d  \
Anheizens  nach  der  Formel:—^—I  11  worin  K  den  Kohlenpreis  für
100  kg  loko  Kesselhaus,  k  die  für  das  Anheizen  erforderliche  Kohlenmenge  in
kg,  D  die  Menge  des  täglich  erzeugten  Dampfes,  d  die  Anzahl  der  Buhetage
bei  kaltem  Kessel  und  c  die  Anzahl  der  vollen  Betriebstage  bedeuten.
2 )  Vgl.  Schneider,  Über  die  Verwertung  des  Zwischendampfes  und  des
Abdampfes  der  Dampfmaschinen  zu  Heizzwecken  Berlin  (Springer).
        <pb n="162" />
        156

Die  Kosten  des  Wasserverbrauches  werden  gefunden
durch  Vervielfachung  des  Einheitspreises  mit  der  verbrauchten
Menge;  diese  wird  durch  Wassermesser  bestimmt.
bb)  Elektrische  Kraft:  Der  Kostenpreis  der  Kraft  wird
auf  die  Kilowattstunde 1 )  berechnet.  Ist  die  elektrische  Kraft  gemietet, ­
  so  wird  der  Mietpreis  gewöhnlich  in  Pfennig  für  eine  abgegebene ­
  Wattstunde  berechnet.  Überdies  ist  die  Zählermiete  zu
berücksichtigen.

Z.  B.  Kostenberechnung 2 )  für  einen  6  PS.-EIektromotor  zu  15  Pfg.  die  Wattstunde. ­
  Da  736  Watt  =  1  PS.  sind,  so  brauchen  6  PS.  theoretisch  sechsmal  so
viel  in  einer  Stunde.  Der  Wirkungsgrad  des  Motors  ist  mit  85%  berechnet
Theoretisch  würde  man  736  X  6  Watt  in  einer  Stunde  brauchen;  tatsächlich  können
nur  85%  der  Arbeit  der  Maschine  entzogen  werden,  somit  ist  der  tatsächliche

736.6
Verbrauch  ■  ■  ■  Watt  in  einer  Stunde,  in  300  Tagen  zu  10  Arbeitsstunden  somit
UjOD
736  x  6  x  3000  x  0,15  „  2337,88
=  Mk.  2337,88  jährliche  Kosten.  1  PS.  kostet

0,85  x  1000
:  etwa  13  Pfg.  stündlich.

6  X  3000

Die  vorstehende  Berechnung  bedeutet  eine  Vorkalkulation  der
Betriebskosten.  Die  Ermittelung  der  tatsächlichen  Unkosten  ist  eine
einfache  Division  des  von  der  stromabgebenden  Zentrale  erhobenen
Betrages  durch  die  PS.  und  Anzahl  der  jährlichen  Betriebsstunden.
ce)  G  a  s  k  r  a  f  t 3 ).  Gaswerke  bestimmen  den  Gaspreis  für  1  cbm;
der  Verbrauch  wird  durch  Uhren  gemessen.  Die  Kosten  des  Gasverbrauches ­
  werden  veranschlagt,  wenn  man  die  Anzahl  der  PS.
mit  dem  stündlichen  Gasverbrauch  pro  PS.,  den  jährlichen  Betriebsstunden ­
  und  dem  Gaspreis  vervielfacht.  Motorbetrieb  mittels  anderer
flüssiger  Stoffe  (Benzin,  Petroleum)  ist  ähnlich  zu  berechnen.  Für
eine  Vorkalkulation  kann  man  zur  Vergleichung  annehmen,  daJß
1  cbm  Gas  0,55  kg  Benzin  oder  0,65  kg  Petroleum  erfordert;  überdies ­
  sind  die  Kosten  des  Reinigungswassers  einzurechnen.
')  In  einzelnen  Betrieben  werden  die  Brennstoffkosten  aus  dem  Heizwert
und  dem  Preis  der  Kohle  auf  die  erzeugte  Kilowattstunde  berechnet  und  zu  Vergleichszwecken ­
  auf  die  PS.eff.-Stunde  umgerechnet.  Unter  dem  Watt  (Voltampere)
—  der  Einheit  des  Effektes  des  elektrischen  Stromes  —  versteht  man  die  mechanische ­
  Arbeit,  die  notwendig  ist,  um  100  Ampere  (Stromstärke)  und  50  Volt
Spannung  in  einer  Sekunde  zu  erzeugen.  1000  Watt  während  einer  Stunde  =
Kilowattstunde.
2 )  Vgl.  Claussen,  Die  Kleinmotoren.  Berlin  1903.  Hoppe,  Projekte  für
elektrische  Licht-  und  Kraftanlagen.  Darmstadt  1904.  Es  wein,  Elektrizitätsversorgung ­
  und  ihre  Kosten.  Berlin  1911.
s )  Vgl.  auch  Körting,  Betriebskosten  von  Gasmotorenanlagen.  Zeitschr.
d.  V.  deutscher  Ingenieure  1898,  S.  702  ff.  Holz,  Kosten  der  Krafterzeugung.
Ebenda  1899,  S.  297  ff.  (insbesondere  Kosten  der  Wasserkraft).
        <pb n="163" />
        157

Allgemein  sei  hinsichtlich  der  Brennstoffkosten  der  Kraftmaschinen  bemerkt:
der  Verbrauch  an  Brennstoffen  für  die  Leistungseinheit  nimmt  im  umgekehrten
Verhältnis  zur  Inanspruchnahme  der  Maschinen  zu.  Für  die  Beurteilung  des  wirtschaftlichen ­
  Nutzens  einer  Maschine  ist  nicht  allein  geringster  Verbrauch  an
Brennstoffen  bei  größter  Leistung  maßgebend,  „sondern  auch  das  Abweichen  des
Verbrauches  bei  Abnahme  der  Leistung:  je  langsamer  der  Konsum  zunimmt,
desto  besser  ist  die  Maschine“ 1 ).
So  gestatten  Dampfmaschinen  eine  Mehrbelastung  von  50%  und  mehr  über
die  Normalbelastung  ohne  wesentlichen  Mehrverbrauch  an  Brennmaterial.
II.  aß)  Kosten  der  Instandhaltung  und  Reparaturen ­
  der  Anlage,  Ersatz  kleiner  Teile,  Hilfsmaterial.  Zu  letzteren
zählen:  Schmier-  und  Putzmittel,  Soda  zur  Wasserreinigung,  Riemenscheiben, ­
  Dichtung  usw.  Die  Instandhaltungs-  und  Reparaturkosten
setzen  sich  zusammen  aus  Löhnen  und  Materialausgaben;  sie  sind  bei
Dampfmaschinen  größer  wegen  der  Reparaturen  an  Kesseln,  Rohrleitungen. ­
  Der  .Verbrauch  an  Schmiermaterial  wird  häufig  dort,
wo  selbsttätige  Schmiervorrichtungen  nicht  angebracht  werden
können,  durch  Aussetzen  von  Prämien  für  den  Wärter  herabgedrückt;
er  ist  abhängig  von  der  Größe  und  Bauart  der  Maschine,  Sparsamkeit ­
  des  Maschinenwärters,  Güte  des  Öles  usw.  Ebenso  kommt
die  etwaige  Wieder  benutzung  des  Tropf  Öles  in  Frage.
Größere  Reparaturen  sowie  Anschaffung  größerer  Ersatzteile
können  eine  Werterhöhung  bedingen,  die  im  Anlagewert  zu  berücksichtigen ­
  ist;  ebenso  ist  der  Wert  von  Doppelanschaffungen
beim  Bezug  der  Maschine  den  Anlagebosten  zuzurechnen.

Beispiel  einer  Unkosten-Bereclmung  für  die  Betriebskraft 2 ).

100  PS.-Dampfmaschinen-Anlage,  150  PS.  Maximal-,  100  PS,.  Normal-  und
Betriebsleistung,  300  Arbeitstage  zu  12  Stunden,  70%  Wirkungsgrad:

A.  Anlagekosten.
Maschine  (Motor)
Kesselanlage  (Generator)
Rohrleitungen,  Pumpen
Kesselmauerwerk,  Schornstein
Fundament
Gebäude

Mk.  12  600,—
„  8  300,—
„  2000,-„
  5  700,-»
  350,-„
  7  200,-Summe



Mk.  36  150,-')

  Johanning,  Der  Dieselmotor,  seine  Entwicklung  und  volkswirtschaftliche ­
  Bedeutung.  1901.
*)  Nach  Lewicki,  a.  a.  0.  S.  34/35.
        <pb n="164" />
        158

B.  Betriebskosten.

Brennstoff  mit  Zuschlag  für  Anheizen  und  Abbrand  .  .  .

Mk.  5  200,—

Instandhaltung,  Reparaturen  .  .

952,-Schmieröl,

  Putzmaterial

„  1160,-Speise-

  und  Kühlwasser  .

„  144,-Bedienung



„  1800,—

Feuerversicherung,  1,4  %o

„  51,-Reinigung,

  Revision  ...

„  190,-Abschreibung:

  Maschinen  7  %  v.  Mk.  22  900

,.  1600,—

Gebäude  2*/ 0  v.  Mk.  13250

„  265,-4%

  Verzinsung  des  Anlagekapitals.  .  .

„  1446,-Beleuchtung



»  H2,—

Summe

Mk.  12  920,—

Betriebskosten  für  1  PS.-Stunde  3,56  Pfg.

II.  ay)  Bedienungskosten  (Maschinist,  Heizer)  sind  am
größten  bei  Dampfmaschinen  wegen  der  Kesselwartung,  am  geringsten
bei  elektrischen  Betrieben.  Bei  Gasmotoren,  welche  nicht  die  ganze
Arbeitskraft  des  Wärters  beanspruchen,  ist  die  auf  andere  Arbeiten
verbrauchte  Zeit  von  den  Bedienungskosten  abzurechnen.  Dagegen
müssen  bei  großen  Anlagen  die  Löhne  der  Hilfsarbeiter  (für  Anfuhr
der  Kohle,  Abfuhr  der  Asche)  sowie  die  Gehälter  besonderer  Beaufsichtsbeamten,
  z.  B.  der  Ingenieure,  des  Maschinenmeisters  eingerechnet ­
  werden.
II.  aß)  Besondere  Ausgaben,  die  den  Kraftkosten  imgezählt ­
  werden  müssen,  sind  beispielsweise:  .Versicherung  der  Anlagen, ­
  Reinigung  des  Kessels,  der  Schornsteine,  Gebühren  für  Kesselrevision, ­
  Ersatz  an  Glühlampen.  Überdies  gehören  hierher  die  Miete
für  die  Unterbringung  der  Kraftmaschine  in  fremden  Räumen,  Grundstücksteuern, ­
  sonstige  Abgaben  und  Bureaukosten.
H.  b)  Indirekte  Kosten:  Bei  der  Verzinsung  ist  der
gesamte  Kapitalwert  der  Anlage  zu  berücksichtigen.  Für  die  Höhe  des
Prozentsatzes  ist  der'  landesübliche  Zinsfuß  einer  Geldkapitalanlage
maßgebend,  oder  auch  die  Verzinsung,  welche  man  den  Geldgebern
bezahlen  muß.  Der  Anteil  der  Betriebskraft  an  den  allgemeinen
Unkosten  (z.  B.  äußere  und  innere  Beleuchtung  des  Maschinenraumes
und  der  Gebäude,  Rollbahnkosten  u.  a.)  ist  nach  den  allgemeinen
Grundsätzen  über  die  Verteilung  der  Generalkosten  zu  berechnen.
Die  Abschreibung  maschineller  Anlagen  ist  abhängig  von
der  Lebensdauer;  diese  i  wieder  wird  beeinflußt  durch  Inanspruchnahme, ­
  Mehrbelastung,  Druck  usf.  Maschinen,  die  Tag  und  Nacht
arbeiten,  werden  selbstverständlich  mit  einem  höheren  Prozentsatz
abzuschreiben  sein  als  solche,  welche  nur  einige  Stunden  des  Tages
arbeiten.  (Vgl.  §  53  ff.)
        <pb n="165" />
        159

§  33.  Die  in  den  bisherigen  Ausführungen  mitgeteilten  Kraftkostenberechnungen ­
  haben  den  Zweck  zu  zeigen,  wie  der  Unternehmer ­
  die  Betriebskosten  der  ihm  geleisteten  Pferdestärke  berechnen
kann.  1
Die  Kalkulation  für  die  Zwecke  der  Verrechnung  der  Betriebskosten ­
  hat  andere  Ziele:  dieErmittelungdertatsächlichen
unmittelbaren  und  mittelbaren'  Aufwendungen
sowie  die  Verteilung  auf  die  einzelnen  Betriebsabteilungen,- ­
  Werkstätten  und'Arbeitsplätze.  Die
Kostenermittelung  wird  umfassen:  Verbrauch  an  Brennstoffen,  Löhnen
und  sonstigen  für-  die  Betriebskraft  aufgewendeten  Materialien,  sowie
Kosten  der  Reparatur  und  Instandhaltung.  Sie  werden  aus  den
Materialverbrauchs-  und  den  Lohnlisten  zusammengestellt.  Die  Abschreibungs-
  und  Verzinsungsbeträge  sind  den  betreffenden  Konten
zu  entnehmen,  etwaige  Anteile  an  allgemeinen  Unkosten  durch  die
Rechnungsführung  festzustellen.
Die  Kraftmaschinenabteilung  bildet  ein  selbständiges  Kalkulationsobjekt, ­
  dessen  Kosten  periodisch 1  zusammengestellt  werden.
Arbeiten  die  an  der  Betriebskraft  beteiligten  Betriebe  ungleichmäßig, ­
  so  ist  eine  monatliche  Verteilung  vorzunehmen.  So  werden
z.  B.  die  Kosten  der  Betriebskraft  im  Winter  wegen  der  vermehrten
Heizung  und  Beleuchtung  größer  sein  x );  bei  voller  oder  starker  Belastung ­
  des  Betriebes  (Nachtschichten)  können  infolge  der  vollen
Ausnutzung  der  Kraft  sowie  bei  Einführung  neuer  besserer  Maschinen
die  Betriebskosten  verhältnismäßig  geringer  sein.  Für  einzelne  Betriebe ­
  wird  sich  deshalb  die  Bestimmung  des  Verhältnisses  zwischen
Kohlenverbrauch  und  Produktion  empfehlen.
a)  Feststellung  des  Verbrauches.  Der  Kohlenverbrauch ­
  kann  auf  verschiedene  Weise  bestimmt  werden.  In  einigen
Betrieben  geht  jede  von  der  Lagerstätte  entnommene  Kohlenmenge
über  die  Wage,  um;  das  genaue  Gewicht  Zu  ermitteln;  in  anderen
Betrieben  wird  nach  verbrauchten  Karren  mit  einem  Durchschnittsgewicht ­
  gerechnet,  wobei  die  Anzahl  der  Karren  vom  Heizer  notiert
wird.  Sind  mehrere  Kesselanlagen  in  Betrieb,  so  ist  für  getrennte
Verrechnung  des  Verbrauches  Sorge  zu  tragen.  Ob  sich  dann  Zentral-‘)
  Die  Denkschrift  des  städtischen  Elektrizitätswerkes  Frankfurt  a.  M.
(1903,  S.  71)  führt  folgende  Momente  an,  die  zu  andauernder  Verminderung  des
Kohlenverbrauches  führen:  Aufstellung  großer  Maschinen-  und  Kesseleinheiten,
die  bei  voller  Ausnutzung  das  wirksamste  Mittel  sind,  die  Betriebskosten  niedrig
zu  halten.  Reinigung  des  Speisewassers  von  Kesselstein  bildenden  Substanzen,
ausgiebige  Vorwärmung  des  Speisewassers  durch  Vorwärmer  und  den  Abdampf
der  Kesselspeisepumpen,  Verwendung  von  Kondensationswasser  aus  den  Dampfmaschinen ­
  zur  Kesselspeisung,  sorgfältige  Überwachung  der  Verbrennungsvorgänge
durch  Rauchgasanalysen,  Zugmesser  usw.,  tägliche  Kontrolle  der  erzeugten  Kraft
(Kilowattstunden)  und  der  verbrannten  Kohlenmenge.
        <pb n="166" />
        160

kohlenlager  oder  dezentralisierte  Lager  empfehlen,  wird  nach  den
örtlichen  -Verhältnissen  und  der  Betriebssicherheit  der  Fabrik  zu
entscheiden  sein.  Die  Verbringung  des  Brennmaterials  möglichst
in  die  Nähe  der  Verbrauchsstelle  hat  den  Vorteil,  daß  Transportkosten ­
  erspart  werden.  Heizerprämien  schützen  häufig  vor  unnützem ­
  Brennstoffverbrauch.
Die  Kohlen  sind  zum  Selbstkostenpreis  zu  berechnen;  dazu  gehören: ­
  Einkaufspreis,  Fracht,  Bezugsspesen,  Ausladekosten  sowie
Transportlöhne  bis  zur  ,Verwendungsstelle.
Die  einzelnen  Aufwendungen  für  Kohlen  werden  monatlich  ermittelt. ­
  Daraus  läßt  sich  der  Kostenpreis  für  eine  Gewichtseinheit
berechnen.  Materialverbrauch  und  Löhne  für  die  Kraftmaschinen
sind  nach  den  Grundsätzen  für  die  Ermittelung  von  Fabrikationsmaterial ­
  und  Löhnen  zu  bestimmen.
Die  Abschreibungen  und  [Verzinsung  des  Anlagewertes  werden
dem  Kraftbetrieb  mit  1 / 12  der  Gesamtsumme  dieser  Anlage  allmonatlich ­
  belastet;  dabei  sind  besondere  Einrichtungen  für  Kohlentransporte ­
  (z.  B.  Kräne,  Kohlenschiffe,  Transportgleise,  Materialbahnen)
sowie  die  Kosten  der  Beleuchtung  einzurechnen.
b)  Verteilung  der  Betriebskosten:  I.  Für  jede  Betriebskraftanlage ­
 1 )  sind  die  Aufwendungen  getrennt  zu  berechnen.
2.  Die  Kosten  einer  Kraftzentrale  sind  auf  die  einzelnen  Betriebsabteilungen, ­
  Werkstätten  und  Arbeitsplätze  im  Verhältnisse  ihres
Kraftverbrauches  zu  verteilen.  Die  Bestimmung  des  Kraftverbrauches
der  einzelnen  Anlagen  oder  einer  einzelnen  Maschine  kann  durch
Kraftmesser  (Dynamometer),  elektrische  Messapparate  oder  Arbeitszähler ­
  2 ),  schließlich  auch  durch  Berechnung 3 )  erfolgen.  Die  ,Ver-*)
  Jode  Kraftmaschine  soll  soviel  wie  möglich  durch  Diagramme  kontrolliert
werden,  um  jeder  Unregelmäßigkeit  sofort  begegnen  zu  können.  Dies  wird  dort
um  so  notwendiger  erscheinen,  wo  geringe  Betriebsmittel  oder  beschränkter  Raum
die  Aufstellung  von  Reservemaschinen  verbieten.
In  vielen  Betrieben  wird  für  jede  Maschinenanlage  vom  Maschinenwärter
ein  sog.  Maschinenjournal  geführt,  während  die  Kostenberechnung  im  technischen ­
  Bureau  erfolgt;  das  Journal  enthält  beispielsweise  folgen  de  Spalten:  Datum,
Tageszeit  der  Beobachtungen;  Ergebnis  der  betriebstechnischen  Beobachtungen
(wie  Volt,  Ampere,  Kilowatt);  Kühlwasserverbrauch,  Elektrizitätszählerstand  für
den  Lichtverbrauch;  Störungen  im  Betrieb;  Ölverbrauch;  Materialienverbrauch;
Koks;  Reparaturen.
2 )  Vgl.  Gramberg,  technische  Messungen  bei  Maschinen-Untersuchungen
und  im  Betriebe.  2.  Aufl.  (Berlin,  Springe^.)
s )  Berechnet  nach  Kolbenfläche,  Hub  (Kolbenweg),  Zahl  der  Umdrehungen,
Dampfdruck.  Schwierig  wird  die  Verteilung,  wenn  die  Kraftzentrale  zum  Antrieb
mehrerer  Arbeitsmaschinen  dient.  Der  Kraftverbrauch  ist  abhängig  vom  Verbrauch
der  Transmissionen,  der  Beschäftigungsdauer,  der  angehängten  Maschinen.  Die
Leitungsverluste  werden  den  entfernter  stehenden  Verwendungsstellen  mit  größeren
Beträgen  angerechnet;  denn  je  weiter  die  Entfernung  von  der  Kraftzentrale,  um
so  teurer  wird  der  Dampf.
        <pb n="167" />
        161

teilung  der  Kraftkosten  auf  die  einzelnen  Betriebe  kann  dann  nach
Prozenten  oder  nach  Verhältniszahlen  vorgenommen  werden.
Z.  B.  der  Gesamtkohlen  verbrauch  der  Betriebskraft  in  einem  Betriebsmonat

wäre

Löhne
Materialien  ....

.  .  Mk.  4000,—
.  .  „  1200,—
.  .  „  400,-Mk.
  5600,—

Davon  entfallen  auf:  Kohlen:

Löhne:

Material:

Summe:

W  alzenzugmaschine

.  .  40%  =  1600,-480,—



160,-2240,—



Elektrische  Zentrale

.  .  50%  =  2000,-600,—



200,-2800,—



Lichtmaschine  .  .

.  .  7  %  =  280,-84,-







Heizung  ....

.  .  3  %  —  120,-36,-







  oben  Mk.  4000,—

Mk.  1200,—

Mk.  400,-Mk.

  5600,-Bei

  gleichmäßigem  Kraftverbrauch  während  eines  Betriebsjahres ­
  genügt  es,  ein  für  allemal  oder  doch  in  größeren  Zeitabschnitten
die  Beteiligungsprozente  zu  bestimmen.  Bei  ungleichmäßiger  Beanspruchung ­
  ist  ein  solches  Verfahren  unzulässig.  Hier  sind  allmonatlich ­
  durch  den  Betriebsleiter  die  Anteile  zu  berechnen.
Eine  fortgesetzte  Verteilung  ist  notwendig,  wenn  der  Hauptbetrieb ­
  noch  Unterbetriebe  vereinigt  oder  wenn  für  jede  Werkstätte
oder  jeden  Arbeitsplatz  der  Kostenanteil  berechnet  werden  soll.
Z.  B.:  Angenommen,  die  Walzenzugmaschine  versorgt  verschiedene
Abteilungen  mit  Kraft:

Gesamtbetrag ­


Warmwalzwerk ­


Kaltwalzwerk ­


Drahtzug

Rohrzug

Bandzug

Walzenzug-Mk.



Anteile  der  Unterbetriebe:

maschine

2240,—

5  %

15  %

40%

30%

10%

Elektrische
Zentrale

2800,-=

  112,-=

  336,—

=  896,-672,-



  224,-usf.



Die  übrigen  Kraft-,  Licht-  ’),  Heizkosten  sind  in
gleicher  Weise  zu  verteilen.

Im  Drahtzug  werden  z.  B.  4  Dimensionsgruppen  kalkuliert,
deren  Anteile  an  den  Betriebskraftkosten  in  den  folgenden  Verhältniszahlen ­
  zum  Ausdruck  kommen:  100:180:270:450.  Demnach
verteilen  sich  die  oben  berechneten  Mk.  896,—  auf  die  4  Gruppen
mit:  Mk.  89,60,  Mk.  161,28,  Mk.  241,92,  Mk.  403,20.

')  Lichtkosten  verteilt  nach  Glüh-  und  Bogenlampenanzahl  (Anzahl  und
Kerzenstärke),  Heizkosten  nach  Raum-  oder  Flächeninhalt  der  Heizkörper,  der
Räume,  o.  ä.
L«itner,  Selbstkostenberechnung.  7.  Aufl.

11
        <pb n="168" />
        162

c)  Beispiel  einer  Kostenermittelung  nach  der  technischen
Methode  (§  11).  Direkte  Betriebskosten  bei  Dampfanlagen  nach  den  vom
Magdeburger  Verein  für  Dampfkesselbetrieb  angestellten  Ermittelungen 1 ):
1.  Preis  der  Kohlen  bis  ins  Kesselhaus;  angenommen  mit  K  Mk.  für  100  kg.
2.  Verdampfungsfähigkeit  der  Kohlen;  1  kg  Kohle  verdampfte  regelmäßig ­
  x  kg  Wasser.
3.  Ausnützungsgrad  der  Kohlenwärme  (Nutzwirkung  der  Anlage);
werden  von  der  gesamten  (theoretischen)  Wärmemenge  der  Kohlen  in  der  Kesselanlage ­
  y  Prozent  ausgenützt,  so  betragen  die  Unkosten  an  Kohlen  für  100  kg
^  ,  K100
Dampf  =  Mk.
sy
4.  Menge  des  täglich  (d.  h.  in  24  Stunden)  erzeugten  Dampfes;  dieselbe ­
  sei  mit  D  (in  kg)  bezeichnet,  dann  sind  die  täglichen  Kosten  des  Kapitals
für  100  kg  Dampf  Mk.
5.  Anzahl  der  Tage  a  (zu  24  Stunden  gerechnet),  während  welcher  die
Kesselanlage  wirklich  gefeuert  und  die  Anzahl  der  Tage  b,  während  welcher
sie  kalt  liegt.  Die  Anzahl  der  Tage,  während  welcher  sie  dann  unter  Dampf
steht  und  nur  Verluste  durch  Abkühlung  herbeiführt,  ist  365  —  a-  —  b.  Diese
Abkühlungsverluste  während  eines  Tages  von  24  Stunden  können  ausgedrückt
werden  durch  4ine  Kohlenmenge  k  (kg),  welche  erforderlich  ist,  um  diese  Abkühlungsverluste ­
  wieder  zu  ersetzen  (Anheizen).  Für  jedes  Kaltlegen  der  Anlagen
sind  drei  Abkühlungstage  in  Ansatz  zu  bringen.
Nun  kosten  100  kg  Kohle  K  Mk.,  mithin  1  kg  =  Mk.  und  die  24  stündige
Abkühlung  —  ^JE  Mk.,  also  die  jährliche  Abkühlung  =*  (365  —  a  —  b)  Mk.,
1UU  JLUU

folglich  ist  die  auf  einen  Betriebstag  entfallende  durchschnittliche  Abkühlung
—  K-  k  (365  a  b)  ^  0( j er  f^ r  jqO  kg  Dampf  ein  Abktihlungsbetrag  von

100.  a

K  k  (365  —  a  —  b)

K  k/  365

-b

Da

"  D  \

a

1  Mk.

Also  sind  die  Brennstoffkosten  für  100  kg  Dampf

100.  K

,  Kk/365  —  b

yx

D  l  a

1  Mk.

6.  Höhe  des  Anlagekapitals  A;  die  Kosten  des  Kessels  mit  gesamter
Ausrüstung  (Speisepumpen,  Fracht,  Aufstellung,  Mauerwerk,  Kesselhaus,  Schornstein ­
  inkl.  Leitungen  und  Grundstück)  mit  5  °/o  für  Verzinsung  und  7  °,  o  für  Ab-12
  A
Schreibung  und  Ausbesserungen.  Der  tägliche  Anteil  dieses  Betrages  ist  ^

Mk.,  wenn  die  Anlage  während  des  ganzen  Jahres  ununterbrochen  im  Betriebe
ist.  Wenn  die  Anlage  dagegen  nur  während  a  Tage  des  Jahres  in  Betrieb
12  A
kommt,  so  entfällt  für  jeden  Betriebstag  ein  Anlagekostenanteil  von  jqq-^  Mk.
7.  Kosten  der  Bedienung  der  Anlage  für  je  100  kg  Dampferzeugung
einschließlich  des  Heizerlohnes,  Reinigung,  Schmierung,  Pack-  und  Putzmaterial.
Man  kann  annehmen,  daß  ein  Heizer  diese  Arbeit  12  Stunden  lang  besorgen
kann,  bis  zu  einer  Größe  der  Anlage  von  150  qm  Heizfläche  und  dafür  6  Mk.
erhält,  für  24  Stunden  also  12  Mk.  Während  dieser  Zeit  verbraucht  er  an

’)  Zitiert  nach  Hoppe,  Wie  stellt  man  Projekte,  Kostenanschläge  und
Betriebskostenberechnungen  für  elektrische  Anlagen  auf?  6.  Auflage,  Leipzig,
1914,  S.  402  ff.
        <pb n="169" />
        163

i

Material  durchschnittlich  für  1,20  Mk.,  zusammen  13,20  Mk.  Unkosten.  Aut
150  qm  Heizfläche  lassen  sich  in  24  Stunden  150.20.24  —  72  000  kg  Dampf
13  2
erzeugen;  es  kommen  also  auf  100  kg  Dampf  ™tsv,  =  0,18Mk.  Bedienungskosten.
75-  (JÜU
Sind  für  eine  Anlage  diese  sieben  Faktoren  bekannt,  so  kann  man  die
Kosten  des  Dampfes  nach  dieser  Formel  berechnen.  Nimmt  man  für  die  betreffende ­
  Formel  Mittelwerte  an,  so  erhält  man  allgemein  gültige,  annähernde
Kostenbeträge.  Dabei  kann  man  für  den  Quadratmeter  Heizfläche  eines  Kessels
bei  Steinkohlen  k  =  2  kg  annehmen,  d.  h.  für  einen  Kessel  von  60  qm  Heizfläche ­
  k  =  120  kg,  oder,  wenn  er  nur  zwölf  Stunden  lang  ungeheizt  stand,
k  =  60  kg,  bei  3  Stunden  k  =  15  kg  usw.
Betriebsmaterial,  Werkzeuge.
§  34.  Zu  dem  Betrieb  s-oderHilfs  material  (vgl.  §  14)
zählt  alles  Material,  welches  nicht  als  Substanz  des  Fabrikates  wieder
auftritt.  Es  dient  dem  Betrieb  als  Ganzes  und  nicht  als  Bestandteil ­
  des  fertigen  Produktes.  Eine  erschöpfende  Aufzählung  alles
dessen,  was  in  den  einzelnen  Betrieben  als  Hilfsmaterial  anzusehen
ist,  ist  bei  der  Mannigfaltigkeit  industrieller  Tätigkeit  nicht  möglich.
Nur  einige  Beispiele  mögen  hier  angeführt  sein.  Allgemein  gelten
als  Betriebsmaterial:  Schmier-  und  Putzmaterial  für  Kraft-  und
Arbeitsmaschinen,  Brennmaterial  für  die  Heizung.
In  der  Maschinenfabrikation:  Treibriemen,  Bohröl  und  Seife,
Schleifmaterial,  Hämmer,  Feilen,  Lacke  und  Farben,  Schmiedekohlen ­
  u.  ä.
In  der  Eisengießerei:  Formereimaterial  (Formsand,  Schwärze,
Stifte),  Brennholz,  Beizen,  Ölfarben  u.  ä.
In  der  chemischen  Industrie:  Filter,  Tonwaren,  Glaswaren  u.  a.
In  der  Textilindustrie:  Einfettöl,  Schützen,  Karten,  Nadeln,
Stickseide  usw.
Nach  Art  des  Betriebes  sind  die  Kosten  für  Betriebsmaterial
ganz  verschieden.
Der  Verbrauch  an  Betriebsmaterial  wird  von  der  Materialverwaltung ­
  auf  Grund  der  Magazinsanweisungen,  Materialrücklieferungsscheine
  oder  ähnlicher  Einrichtungen  in  Materialverbrauchslisten ­
  periodisch  (monatlich  oder  vierteljährlich),  getrennt  für  jeden
Unterbetrieb,  zusammengestellt.  Die  Verrechnung  erfolgt  nach
Gattung,  Menge  und  Wert  der  Materialien.  Überdies  ist  der  Gesamtverbrauch ­
  von  jedem  Material  im  Laufe  einer  Rechnungsperiode
festzustellen,  um  den  Vorrat  an  Materialien  ermitteln  zu  können,
andererseits  der  Kontrolle  wegen.
Die  (Verteilung  des  Verbrauches  ergibt,  sich  aus  seiner
Zusammenstellung.  Sind  in  einer  Betriebsabteilung  mehrere  Unterbetriebe ­
  vorhanden,  so  ist  die  Verteilung  nach  genauen  Aufzeichnungen ­
  für  jede  Verbrauchsstelle,  sonst  nach  der  Größe  des  Verbrauches ­
  empirisch  durchzuführen.

11*
        <pb n="170" />
        164

Für  die  Gliederung  der  Material  Verrechnung  läßt  sich  kein
allgemeines  Schema  auf  stellen.  Größe  des  Verbrauches,  Art  des
Betriebes,  schließlich  besondere  Wünsche  der  Betriebsleitung  hinsichtlich ­
  der  genaueren  Verbrauchsbestimmung  des  einen  oder  anderen
Hilfsmaterials  sind  hierfür  bestimmend.  Man  kann  einige  wichtige
Hilfsmaterialien  genau  verrechnen,  alle  anderen  summarisch.  Ein
Beispiel:  Brennmaterial  bildet  auch  für  Walzwerke  Betriebsmateriai,
ist  dort  aber  von  so  großer  Bedeutung,  daß  eine  detaillierte  Verrechnung ­
  notwendig  erscheint.  Man  wird  den  Kohlenverbrauch  für
die  Betriebskraft  und  für  den  Betrieb  getrennt  bestimmen.  Die
Verrechnung  des  Verbrauches  für  den  Betrieb  wird  wieder  zerlegt
in  den  Verbrauch!  für  Glühen  der  Platten,  für  Hoch-,  Schmelz;-,
Tiegelofen  u.  ä.  Der  Kohlenverbrauch  für  das  Glühen  von  Draht,
Bändern  usw.  kann  beispielsweise  auch 1  auf  die  einzelnen  Dimensionen ­
  des  erzeugten  Drahtes  verteilt  werden,  und  zwar  nach  der
Stundenzahl,  während  welcher  die  betreffende  Drahtdimension  geglüht ­
  wurde.
In  einigen  Betrieben  werden  Werkzeuge  allgemein  als  „Betriebsmaterial“ ­
  verrechnet;  in  anderen  Unternehmungen  mit  einem
Verbrauch  an  wertvollen  Werkzeugen 1 ),  z.  B.  in  Fabriken  für  Meßapparate ­
  oder  feinmechanische  Waren,  wird  eine  spezialisierte  Verrechnung ­
  notwendig  sein.  Man  kann  unterscheiden:
1.  Werkzeuge  unter  Kontrolle  des  Arbeiters;
2.  Werkzeuge  unter  Kontrolle  des  Meisters;  sie  werden  gegen
Marken  vom  Arbeiter  ausgeliehen;
3.  verliehene  Werkzeuge  für  auswärtige  Montagen.
Jeder  Arbeiter  erhält  ein  Werkzeugbuch,  in  welchem  die  ihm
übergebenen  Werkzeuge  verzeichnet  werden.  In  anderen  Betrieben
begnügt  man  sich  mit  der  Aufzählung  im  Arbeitsbuch.  Unbrauchbar
gewordene  Werkzeuge  sind  behufs  Ersatzes  zurückzuliefern.  Verlorene ­
  sind  vom  Arbeiter  zu  ersetzen,  fahrlässig  verdorbene  auf  Kosten
des  Besitzers  auszubessern.
Fuhrwerkskosten.
§  35.  Die  Verrechnung  der  Kosten  des  eigenen  Fuhrwerks ­
  erfordert  in  der  Regel  zwei  Konten.

Das  Fulirparks-Konto  (Pferde-  und  Wagenkonto).
im  Soll  verrechnet  die  Vermögensbestände  im  Haben

1.  Anfangs-  (Anschaffungs)wert

3.

Abgang  durch  Verkauf
Wert  des  schließlichen  Bestandes

2.  Zugang  durch  Erwerb

4.

5.

Abschreibungen  und  Minderwert  (gefallene ­
  Pferde),  übertragen  auf
Speditions-Konto.

*)  Adler,  Buchung  und  Inventarisierung  der  Werkzeuge  und  Utensilien.
Zeitschr.  f.  handelsw.  Forschung,  VI.  Jahrg.,  S.  427  f.,  S.  525  f.
        <pb n="171" />
        165

Das  Speditions-Konto.
im  Debet  verrechnet  die  Kosten  (Aufwendungen)  im  Kredit

1.  Verbrauch:  Futter,  Kutscherlöhne ­
  '),  Sattler-,Schmiederechnungen,
Tierarztkosten,  Reparaturen.
2.  Abschreibungen  auf  Pferde,  Geschirr, ­
  Wagen,  Stalleinrichtungen,
Futterboden,  Kammern.
3.  Allgemeine  Kosten:  Versicherung ­
  der  Arbeiter,  der  Vermögenswerte, ­
  Haftpflicht,  Lichtverbrauch.

4.  Kleine  Einnahmen  (z.  B.  Düngerverkauf) ­

5.  a)  In  Einzelbetrieben  ist  der  Saldo
mit  Gewinn-  und  Verlustkonto
abzubuchen.
b)  Wenn  mehrere  Unterbetriebe  an
den  Kosten  teilnehmen,  so  sind
die  Unkosten  eines  Monates  nach
der  Stundenzahl  der  Leistungen
oder  Zahl  der  geleisteten  Gespanndienste, ­
  theoretisch  richtiger  nach
Tonnen-  oder  Zentner-Kilometer
zu  verteilen a ).

.Vergütungen  an  fremde  Fuhrleute  (Spediteure)  werden  häufig,
der  Rentabilitätsberechnung  wegen,  auf  einem  besonderen  Konto
(Lohngeschirrkonto  o.  ä.  benannt)  verbucht.
Zur  Feststellung  der  Rentabilität  gegenüber  dem:  ortsüblichen
Fuhrlohn  wird  eine  zweckentsprechende  Aufzeichnung  zu  führen
sein,  die  die  Leistungen  des  eigenen  Fuhrwerkes  vormerkt.  Der
Gewinn  wird  berechnet  aus  Leistung  (Gewicht  und  Entfernung),
Tageskosten  und  dem  ortsüblichen  Fuhrlohn.

Unkostenlöhne.
§  36.  Die  indirekten  Arbeits-  oder  Betriebslöhne ­
  (Unkostenlöhne,  §  27)  sind  solche,  die  nicht  unmittelbar
einem  Fabrikat  angerechnet  werden  können.  Selbstverständlich
müssen  die  Kosten  indirekter  Arbeit  durch  den  Verkaufspreis  gedeckt ­
  werden.  Hierher  gehören  beispielsweise:  Löhne  für  Reparaturen ­
  und  Instandhaltung  von  Werkzeugen,  Transmissionen,  Werk-)
zeugmaschinen,  Kraftmaschinen  und  Motoren,  Gleisanlagen,  Gebäuden
usf.,  Nachtwächter,  Hof-  und  Werkstattreinigung,  Magazins-,  Platz-,
Versand-,  Transportarbeiten  allgemeiner  Art  u.  dgl.
Die  indirekten  Löhne  sind  in  gleicher  Weise  wie  die  Fabrikationslöhne ­
  zu  ermitteln  bzw'.  zu  verrechnen.  Aus  den  Lohnlisten  sind  die
Einzellöhne  nach  der  Art  der  Leistung  zusammenzustellen  und  in  den
Verteilungsbüchern  aufzuteilen.  Wo  es  möglich  ist,  werden  die
Betriebslöhne  den  betreffenden  Abteilungen  sofort  zugeschrieben.
Andernfalls  wird  das  Lohnkonto  vorerst  für  die  Gesamtsumme  be-*)
  Einschließlich  etwaiger  Naturalleistungen,  z.  B.  Haustrunk,  Arbeitskleider,
Kohlenbezüge.
a )  Manche  Betriebe  verteilen  die  Eisenbahnkosten  nach  konstanten  Verhältniszahlen ­
  oder  nach  Prozent  zahlen,  nach  der  von  der  Lokomotive  verfahrenen ­
  Zeit  oder  nach  Wageneinheiten  (Zahl  der  beförderten  Wagen  unter
Berücksichtigung  der  Länge  der  Fahrten).
        <pb n="172" />
        166

lastet;  die  Aufteilung  auf  die  verschiedenen  Konten  (Fabrikationskonto, ­
  Konto  für  Reparaturen  usw.)  erfolgt  nach  den  Angaben  der
Botriebsrechnung.

Montagekosten.
§  37.  Die  Montage 1 )  kann  innerhalb  des  Kaufvertrages  zu
leisten  sein,  ohne  besondere  Anrechnung  dem  Käufer  gegenüber,
oder  sie  stellt  eine  dem  Käufer  anzurechnende  Sonderleistung  dar.
a)  Die  interne  Montage,  innerhalb  des  Betriebes,  bildet  einen
Teil  der  direkten  Herstellungskosten,  einen  Arbeitsprozeß,  der  als
solcher  mitzukalkulieren  ist.  Die  Arbeitslöhne  sind  von  den  übrigen
direkten  Löhnen  getrennt  aufzuführen.
b)  Die  Kosten  der  Montage  außerhalb  der  Fabrik  sollen  gleichfalls ­
  getrennt  von  den  anderen  direkten  Kosten  verrechnet  werden.
Sie  setzen  sich  zusammen  aus:  Reisespesen,  Transportkosten  bis  zur
.Verwendungsstelle  (abhängig  vom  Gewicht,  der  Länge  des  Transportweges ­
  und  den  besonderen  Terrainverhältnissen  des  Gebrauchsortes), ­
  Löhne  für  Monteure  und  Hilfsarbeiter,  etwaige  Gerüstkosten
und  dessen  Minder-wert  nach  dem  Gebrauch,  sofern  das  Gerüst  vom
eigenen  Werk  gestellt  wird,  Materialkosten  für  Werkzeugverbrauch,
Hilfsmaterial  usw.
Die  Zusammenfassung  der  Montagekosten  erfolgt  in  einem  Abrechnungsbuch. ­


Modellkosten.
§  38.  Die  Erzeugung  der  Modelle  bildet  in  vielen  Betrieben
eine  besondere  Abteilung:  die  Modellschreinerei.  Die  Kosten  dieser
Abteilung  sind  die  folgenden:  Entwurf,  Holz-  und  Hilfsmaterialien,
(Lack,  Leim,  Farbe  usw.,  gewöhnlich  in  Prozenten  vom  Holzwert
berechnet).  Gießerei-material,  Arbeitslohn  für  die  Bearbeitung  (häufig
nur  Stundenlohn),  Kosten  der  Instandhaltung  (vielfach  sehr  bedeutend), ­
  Abschreibungen,  besondere  Abteilungs-  und  Anteil  an  allgemeinen ­
  Unkosten.
a)  Der  Selbstkostenwert  der  Modelle  wird  einem  besonderen
Modellkonto  zur  Last  geschrieben,  d.  h.  die  Modellkosten  werden
wie  Anlagekosten  verrechnet.  Hiervon  ist  alljährlich  eine  den
Verhältnissen  entsprechende  Abschreibung  vorzunehmen.  Eine  allgemein ­
  gültige  Norm  für  diese  kann  nicht  gegeben  werden;  einzelne
Modelle  werden  wertlos,  die  einen  werden  öfters  abgegossen  als
andere  usf.

*)  Über  die  Organisation  des  Montagewesens  vgl.  Johanning,  Die
Organisation  der  Fabrikbetriebe,  2.  Aufl.,  1901,  S.  47  ff.;  auch  meine  „Kontrolle“,
S.  212  f.  D  a  e  1  e,  Moderne  Buchhaltung,  1904,  S.  113.
        <pb n="173" />
        167

b)  Jedes  neue  Modell  soll  hinsichtlich  des  Selbstkostenpreises
kalkuliert  werden.  Muß  zur  Ausführung-  eines  Auftrages  ein  besonderes ­
  Modell  konstruiert  werden,  das  später  nicht  wieder  verwendet ­
  werden  kann,  so  sind  die  Kosten  dem  Auftraggeber  anzurechnen ­
  (Sonderkosten  dieses  Auftrages).  Kann  ein  Modell  nur
einigemal  verwendet  werden,  so  sind  seine  Kosten  durch  besondere
Zuschläge  bei  den  betr.  Fabrikaten  zu  decken,  doch  ist  es  möglich,
daß  auch  solche  Sonderkosten  nur  teilweise  oder  überhaupt  nicht
dem  Fabrikat  angerechnet  werden  können;  die  Preispolitik  des
Unternehmers  entscheidet  darüber.  Ein  Teil  der  Modellkosten  (Instandhaltung, ­
  Abschreibung)  zählt  zu  den  allgemeinen  Unkosten
und  wird  in  Maschinenfabriken,  Eisengießereien  u.  dgl.  gewöhnlich
nach  der  Jahresproduktion  auf  die  Gewichtseinheit  fertiger  Waren
berechnet  (siehe  §  41);  dabei  ist  allerdings  zu  erwägen,  daß  kleinere
Gegenstände  größere  Kosten  verursachen.
Reparaturkosten.
§  39.  Reparaturen  sind  gewisse  regelmäßig  wiederkehrende
Ausbesserungsarbeiten,  die  durch  mechanisch  zerstörende  oder
chemisch  zersetzende  äußere  Einflüsse  veranlaßt  werden.  Diese  Wert
erhaltenden  Arbeiten  haben  den  Zweck,  die  Betriebssicherheit  zu
gewährleisten 1 ).  Der  Statistik  und  der  Verteilung  wegen  ist  es
notwendig,  die  Reparatur  ko  st  en  (Materialien  und  Löhne)  nach
den  Objekten  zu  spezialisieren,  welche  ausgebessert  werden,  z.  B.
Reparaturen  an  Gebäuden,  an  Anlagen,  an  Maschinen  (getrennt  nach
Arbeitskraft-,  Beleuchtungsmaschinen  u.  ä.),  an  Transmissionen  u.  dgl.
In  vielen  Betrieben  hilft  man  sich  mit  Kommissionsnummern,  die
für  bestimmte  Instandhaltungskosten  festliegen.  Andere  bestimmen
für  jede  einzelne  Maschine  bzw.  Anlage  festliegende  Kommissionsnummern ­
  (z.  B.  Nr.  I—50  für  Drehbänke,  Nr.  225  Kessel  der  Dampfmaschine, ­
  Nr.  416  Reparaturen  an  Verwaltungsgebäuden  usw.).
Andere  Betriebe  wieder  richten  ein  besonderes  Reparaturbuch  ein
nach  folgendem  Muster.

Datum

Materialien ­


Löhne

Gesamtbetrag ­


Fräsma ­
 ­


Bohrma ­
 ­


Dampfma ­
 ­


Heizungs ­
 ­


Beleuchtungs ­
 ­


usf.

!  |
1

1

’)  Röll,  Enzyklopädie  des  ges.  Eisenbahnwesens.  Wien  1890ff.  „Reparaturen“. ­
        <pb n="174" />
        168

In  Großbetrieben  erfolgt  die  Verrechnung  der  Reparaturkosten
durch  eine  besondere  Rechnungsführung  (vgl.  S.  147).
Die  laufenden  alljährlich  wiederkehrenden  Ausgaben  für  Reparaturen ­
  und  solche  an  unerheblichen  Dingen  werden  regelmäßig
als  Jahresverluste  angesehen,  mit  einem  besonderen  Kostenkonto,
z.  B.  Konto  für  Reparaturen  und  Instandhaltung,  verrechnet,  und
dieses  mit  Gewinn-  und  Verlustkonto  abgeschlossen.  Sie  bilden  Betriebskosten ­
  und  sind  bei  der  Kalkulation  durch  Lohnzuschläge  zu
decken.
Da  bei  der  Bemessung  der  Abschreibungsquote  die  infolge  von
Reparaturen  sich  ergebende  Verlängerung  der  Gebrauchsdauer  bereits ­
  zu  berücksichtigen  ist,  so  sollen  diese  Kosten  nicht  dem  Werte
des  betreffenden  Gegenstandes  zugerechnet  werden.  Sie  sind  als
Betriebskosten  anzusehen.  Reparaturen,  die  wert  erhöhend
wirken,  d.  h.  Verbesserungen  und  Erweiterungen  von  Anlagen  (Neu-,
Um-  und  Zubauten)  sind  hinsichtlich  ihrer  Kosten  dem  Erwerbspreis
zuzuzählen  und  dem  betreffenden  Vermögensbestandskonto  zu  belasten. ­
  Bei  vielen  Aktiengesellschaften  werden  allerdings  auch  solche
werterhöhende  Verbesserungen  über  Gewinn-  und  Verlustkonto  oder
Erneuerungsfondskonto  abgebucht  und  auf  diese  Weise  sofort  amortisiert. ­

B.  Die  Betriebsunkosten  in  der  Spezialkalkulation.
§  40.  Während  die  Unkostenverrechnung  jeder
einzelnen  Betriebsabteilung,  Werkstätte  etc.  einen  gerechten  Anteil ­
  an  den  allgemeinen  Unkosten  zuteilen  soll,  hat  die  Kalkulation ­
  im  engeren  Sinne  die  Aufgabe,  den  Anteil  eines  Fabrikates,
eines  Artikels  an  den  allgemeinen  Unkosten  zu  bestimmen.  (§  7.)
Im  allgemeinen  hat  die  Kalkulation,  wie  früher  erörtert  wurde,
den  Zweck,  den  Produktionswert  und  die  Selbstkosten  eines  Fabrikates
zu  ermitteln.  Diese  setzen  sich  bekanntlich  zusammen  aus  den
Grundkosten  (Rohstoffkosten,  Lohnaufwendungen,  besondere
Ausgaben  für  das  F'äbrikat)  und  den  Zusatz-  oder  E  r  g  ä  n  zungskosten, ­
  d.  i.  der  Anteil  an  allgemeinen  Unkosten  des  Betriebes,
der  Verwaltung  und  des  Absatzes.  Soweit  es  sich  um  Massenfabrikation ­
  (z.  B.  chemische  Industrie,  Müllerei,  Brennereien,  also
Produktionen,  wo  die  wertschaffende  Arbeit  im  Produkt  weniger
erkennbar  ist)  handelt,  ist  die  Berechnung  der  genannten  Faktoren
verhältnismäßig  einfach:  Die  Summe  der  Aufw r endungen  wird  durch
die  Produktionsmenge  dividiert.  Der  Kontrolle  wegen  werden  die
Selbstkosten  allmonatlich  oder  doch  vierteljährlich  berechnet,  und
mit  dem  Herstellungspreis  der  vorhergehenden  Betriebsperioden,  bzw.
mit  dem  Durchschnittspreis  des  Vorjahres  verglichen.  Das  Wichtigste
ist  hier  Detailierung  der  Kostenverrechnung.  (§  7.)
        <pb n="175" />
        169

Anders  bei  S  p  e  z  i  a  1  fabrikation.  Die  direkten  Aufwendungen,
d.  h.  die  Grundkosten  sind  aus  den  Material-  und  Lohnverteilungsbüchern ­
  zu  entnehmen;  doch  ist  es  unmöglich,  die  auf  jedes  Produkt
entfallenden  Zusatzkosten  oder  allgemeinen  Unkosten  im  einzelnen
zahlenmäßig  festzustellen.  Nun  ist  sicher,  daß  jeder  Artikel,  jedes
Erzeugnis  einen  Teil  der  allgemeinen  Unkosten  tragen  muß  und  daß
sich  diese  Kosten  ungleichmäßig  auf  die  einzelnen  Artikel  und
Fabrikate  verteilen.  Dieser  Anteil  wird  gedeckt  durch  Zuschläge
zuden  direkten  Ausgaben.  Die  Zuschläge  werden  auf  Grund
der  Unkostenverrechnung  des  Vorjahres  und  unter  Berücksichtigung
der  Kosten  des  laufenden  Jahres  oder  nach  dem  Durchschnitt  der
letzten  Jahre  berechnet.  Sind  letztere  vergleichsweise  höher  oder
niedriger,  ist  die  Beschäftigung  geringer,  so  wird  dies  Berücksichtigung ­
  finden  müssen.  Ob  damit  die  Kosten  .auch  tatsächlich  gedeckt'
sind,  wird  der  zukünftige  Jahresabschluß  zeigen.  In  besonderen
Fällen  wird  außer  dem  normalen  Zuschlag  ein  besonderer  Zuschlag
gemacht.  Ob  alle  Unkosten  aufgeschlagen  werden  können  oder
nur  ein  Teil,  ob  der  eine  Artikel  einen  höheren  als  den  rechnungsmäßig ­
  ihm  zukommenden  Aufschlag  verträgt,  ist  Sache  der  fallweisen ­
  Entscheidung  und  Aufgabe  der  Geschäfts-  bzw.  Preispolitik
(vgl.  §  9).  Auch  hier  muß  betont  werden,  daß  eine  „preispolitische“
Kostenverteilung  als  grundsätzlicher  Fehler  in  der  Selbstkostenberechnung ­
  anzusehen  ist.
Wenn  eine  Unternehmung  Fabrikate  gleicher  Art  und  Größe
erzeugt,  ist  es  gleichgültig,  wie  die  Zuschläge  erfolgen  (vgl.  §  49).
Sobald  eine  Fabrik  Produkte  verschiedener  Art  erzeugt,  ist  die
gerechte  Verteilung  der  allgemeinen  Unkosten  auf
jedes  Einzelfabrikat  an  die  Voraussetzung  gebunden, ­
  daß  ein  für  alle  Fabrikate  gemeinsames
Maß  gefunden  wird,  an  dem  der  größere  oder  g  e  -
ringere  An  teilgemessen  werden  kann.  Dieses  Maß  kann
eine  Gewichts-  oder  Maßeinheit  (Länge,  Fläche,  Baum),  ein  Zeitoder ­
  ein  Wertmaß  (Stunden,  Lohn,  Materialwert,  Produktionswert)
sein  (§  41).  Die  Schwierigkeit  liegt  in  der  Bestimmung  dieses  Maßes;
ob  ein  solcher  absolut  verläßlicher  Vergleichswert,  der  eine  schematische ­
  Verteilung  ermöglicht,  stets  gefunden  werden  kann,  erscheint ­
  zweifelhaft.  Überdies  wird  in  vielen  Fällen  die  Frage  zu
erörtern  sein,  ob  alle  Unkosten  an  einem  einheitlichen  Maß
gemessen,  d.  h.  nach  einem  solchen  verteilt  werden  können,  oder
ob  für  einzelne  Unkosten  oder  -gruppen  die  Anwendung  verschiedener
Verteilungsmaßstäbe  gerechtfertigt  erscheint.  Im  einzelnen  wird  in
den  folgenden  Paragraphen  darauf  einzugehen  sein.
Eine  für  alle  Arten  industrieller  Betriebe  gültige  Normalformel
läßt  sich  bei  der  Mannigfaltigkeit  der  Verhältnisse  nicht  auf  stellen.
        <pb n="176" />
        170

Hier  läßt  sich  nur  erörtern,  wie  man  die  Kosten  verteilen  kann
und  wie  sie  in  der  Praxis  verteilt  werden.  Jede  Unternehmung
rechnet  nach  einer  einfacheren  oder  komplizierteren  Formel,  die
nur  für  Normalfälle  Berechtigung  hat.  Vielfach  kann  sie  nur
zur  schnellen,  einfachen  und  schätzungsweisen  Berechnung  der  Selbstkosten ­
  dienen.  Im  Einzelfall  ist  stets  zu  prüfen,  ob  die  Erzeugung  des
betr.  Fabrikates  nicht  Besonderheiten  aufweist,  die  den  Unternehmer
zwingen,  die  Formel  zeitweilig  zu  ändern  oder  von  ihrer  Verwendung
ganz  abzusehen.  Selbst  bei  gleichförmig  verlaufender  Fabrikation
soll  zeitweilig  geprüft  werden,  ob  die  zur  Zeit  der  Aufstellung  der
Kalkulationsformel  vorhanden  gewesenen  Betriebsverhältnisse  noch
bestehen.
Ebenso  muß  fortlaufend  eine  Kontrolle  der  Unkostenzuschläge
  ausgeübt  werden,  ob  diese  tatsächlich  die  Unkosten
decken  und  ob  die  zu  hohen  Spesen  durch  den  Betrieb  oder  den
Vertrieb  verursacht  sind.  Wenn  eine  Werkstätte  bei  normaler  Beschäftigung ­
  an  direkten  Löhnen  Mk.  10  000,—  verbraucht,  der  Unkostenaufschlag ­
  mit  53,3%.  berechnet  wurde,  so  darf  dieser  Betrieb
nur  Mk.  5330,—  an  Kosten  verbrauchen  (Sollumsatz);  an  der  Hand
der  Unkostenstatistik  der  Abteilung  läßt  sich  der  Istumsatz  leicht
kontrollieren.  Sind  die  Ausgaben  höher,  andauernd  größer,  dann
ist  der  Lohnaufschlag  falsch  berechnet  oder  nicht  mehr  richtig.
Änderung  der  Arbeitsmethoden,  Einführung  von  Arbeitsmaschinen
u.  ä.  bedingen  häufig  eine  Neuberechnung  des  Aufschlages  oder
eine  Änderung  der  Verteilungsart.
Jede  Unternehmung  soll  die  festen  Unkosten  auf  einen  Monat
oder  Arbeitstag,  überdies  in  Prozentanteilen  an  den  Produktivlöhnen ­
  kennen;  z.  B.:  die  monatlichen  festen  Unkosten  nach  dem
vorjährigen  Durchschnitt  betragen  800  Mk.  —  40%  der  Arbeitslöhne. ­
  Es  müssen  somit  monatlich  20000  Mk.  produktiver  Löhne
verausgabt  werden,  um  diese  Unkosten  zu  decken,  eine  grobe  Durchschnittsrechnung ­
  bzw.  Kontrolle,  die  naturgemäß  auf  die  verschiedene
Zahl  der  Arbeitstage  Rücksicht  nehmen  muß.
Eine  andere  Methode  der  Kontrolle  ergibt  sich  aus  der  Umrechnung ­
  der  Kostenteile  auf  Grund  einer  Stückkalkulation  auf  den
Gesamtauftrag,  z.  B.:  Gesamtauftrag  400  000  Stück  zu  32  Mk.  je
100  Stück,

Stöckkalkulation:

Werkstoff  20,05
Fabrikationslöhne  1,75
Unkosten  175°/o  3,06
Fracht  —,08
Selbstkosten  das  Stück  24,94
Gewinn  28  '/3 0 /°  7,06
Lieferpreis  32,—

Gesamtk  osten:
80,200  Mk.
7,000  „
12.240  „
320  ,
insgesamt  99,760  Mk.
28.240  „
Erlös  128,000  Mk.
        <pb n="177" />
        171

Über  die  Notwendigkeit  Und  Organisation  der  Kontrolle  im
allgemeinen,  der  Buchführung  und  Kostenberechnung  im  besonderen
habe  ich  mich  an  anderer  Stelle  ausführlich  geäußert  (die  Kontrolle
in  kaufmännischen  Unternehmungen,  Frankfurt  a.  M.  1920,  S.  107  f).
a)  Ein  Hauptpunkt  der  Kontrolle  der  Unkosten  ist,  daß  a  11  e  U  n  -
kosten  vollständig  erfaßt,  richtig  verbucht,  verrechnet  und
verteilt  werden,  in  großbetrieblichen  Unternehmungen  mit  ihrer
zersplitterten  Betriebs-  und  Rechnungsführung  keine  leichte  Aufgabe ­
  der  Organisation.
b)  Die  weitere  Kontrolle  ist  in  der  Hauptsache  eine  vergleichende
Zusammenstellung  nach  Zeit  und  Betriebsstätten:  1.  Die  monatlichen ­
  Schwankungen  in  den  Unkosten  werden  in  der  Form
von  statistischen  Tabellen,  Betriebsberichten  u.  ä.  durch  Nebeneinanderstellung ­
  der  Monatsergebnisse  der  Betriebsbuchführung,
zweckmäßig  im  Vergleich  mit  den  Ergebnissen  des  Vorjahres  (Durchschnitt), ­
  unter  Berücksichtigung  der  Arbeitstage  und  Produktionsmenge ­
  ziffernmäßig  zum  Ausdruck  gebracht.  Dabei  Mt  zu  beachten,
daß  gewisse  Kosten  für  einen  Berechnungsabschnitt  zwar  zu  verrechnen, ­
  aber  erst  später  bezahlt  werden,  z.  B.  Beiträge  zu  Berufsgenossenschaften, ­
  Krankenkassen  u.  a.  Man  kann  solche  Unkostenbeträge ­
  im  Monat  der  Verausgabung  (Zahlung)  in  die  Statistik  einstellen ­
  (aufgeschobene  [Verrechnung),  damit  erklären  sich  zum  Teil
gewisse  Schwankungen  in  den  Unkosten.  Richtig,  aber  schwieriger
feststellbar  ist  die  antizipierende  Verrechnung,  beispielsweise  bei
vierteljähriger  Zusammenstellung  der  Unkosten.  Abschreibungen  und
Kapitalzinsen  müssen  mit  ihrem  Monatsanteil  eingestellt  werden.
Ein  brauchbares  Schema  für  die  monatliche  Ermittlung  der
Unkosten  könnten  folgende  Rubriken  aufweisen:

Unkosten

Via  des
Vorjahres

Januar
....  Arbeitstage ­


USW.

Gesamtunkosten ­
  für
....  Tage

Gesamtunkosten ­
  des
Vorjahres

für
1000
kg

Betrag

für
1000
kg

Betrag

für
1000
kg

Betrag

für
1000
kg

Betrag

Wie  notwendig  die  fortlaufende  monatliche  Unkostenkontrolle ­
  ist,  zeigt  das  folgende  Beispiel  eines  Preßwerkes  (reine
Bearbeitung,  Material  "wurde  geliefert):  Lohnzuschläge:
        <pb n="178" />
        I

r  i

I

III.  Vierteljahr
571%

Vierteljahr
537o/o

I.  Vierteljahr  1918:
Lohnsumme  239,967  Mk.
Unkosten  1090,339  „
Durchschnittliche  Unkosten  454  °/o.

Der  Jahresdurchschnitt  1918  ist  568,5  o/ö.  Die  stark  schwankende
Beschäftigung  (Kriegswirtschaft),  die  Anhäufung  von  Schrot  in  den
einzelnen  Monaten  —  dessen  Erlös  die  Unkosten  vermindert  —
erklären  die  großen  Schwankungen  der  Unkostenzuschläge.  Um  so
weniger  ist  die  fortlaufende  Kontrolle  der  tatsächlichen  Kosten  gegenüber ­
  den  zur  Anrechnung  kommenden  Durchschnittskosten  zu  entbehren. ­

Auch  die  Vergleichung  der  jährlichen  Durchschnittskosten  ist
unentbehrlich;  ein  Beispiel:
1913/14  1914/15  1915/16  1916/17
Umsatz  der  Werkabteilung ­
  1  637,500  Mk.  893,000  Mk.  1  212,200  Mk.  1,672,000  Mk.
Veränderliche
Kosten  497,900
Vom  Umsatz  in  %  30,4

303,900
34,03

271,700
22,41

254,900
15,25

Die  Kalkulation  1916/17  erforderte:  15,25  °/o  Unkosten
6,49  %  Abschreibungen  (108,500  Mk.)
2,5%  5%  Zinsen  des  Aktienkapitals
(hier  50,000)
10,51  %  Rückstellung  für  Kriegsgewinnsteuer. ­

zusammen  34,75°/o,  rund  35%  vom  Umsatz  der
Abteilung.
2.  Die  Unkosten  der  einzelnen  Fabriken  und  Betriebsstätten
einer  Unternehmung  mit  örtlich  dezentralisierter  Fabrikation  werden
von  den  Fabriken  monatlich  gemeldet  und  in  einer  Tabelle  zusammengestellt. ­

Beispiel  einer  jährlichen  vergleichenden  Unk
  0  s  t  e  n  z  u  s  am  men  Stellung:
        <pb n="179" />
        173

Sachsen

Bayern

Schl

esien

Umsatz  Mk.

1612305,79

•/.

7.

836  267,07

7.

V.

219  728,24

%,

7.

Selbstkosten  „

779  857,99

Ums. 1 )

von
S.-K 8 .,

3S9  479,95

vm
Ums.

von
S.-K.

130861,27

vom
Ums.

von
S.-K.

Allgemeine  Unk.  .

Mk.
11  276,45

0,70

1,45

Mk.
9  952,89

1,19

2,55

Mk.
6  680,73

3,05

5,11

Uehälter  ....

11  792,78

0,72

1,51

14  653,40

1,75

3,76

6  925,91

3,16

5,29

Porti  u.  Telephon

6  707,81

0,42

0,86

2  496,58

0,30

0,64

1  076,37

0,49

0,82

Kontorbedarf  und
Reklame  .  .  .

1  297,88

0,08

0,17

1  414,29

0,17

0,36

292,90

0,13

0,22

Versicherungen

9  722,51

0,60

1,25

3  973,06

0,47

1,02

647,20

0,30

0,49

Soziale  Rasten.  .

1  715,95

0,10

0,22

6  118,21

0,73

1,57

741,15

0,34

0,57

Gratifikationen.  .

1388,33

0,09

0,18

2  389,-0,28



0,61

776,-0,36



0,59

Provisionen  .  .  .

1  664,81

0,10

0,20

1  175,54

0,14

0,30

50,-'



0,04

Anteilige  Unkosten

47  300,-2,95



6,07

26  000,--3,11



6,68

6  500,—

2,95

4,97

Betriebsunkosten  .

92  866,52

5,76

11,91

68172,97

8,14

17,49

23  690,26

10,78

18,10

48312,64

3,00

6,19

33  963,28

4,00

8,72

4  648,35

2,12

3,55

Zusammen

141179,16

8,76

18,10

102  136,25

12,14

26,21

28  338,61

12,90

21,65

Spesen  .  .

6  088,90

0,38

0,78

2  537,81

0,30

0,65

1  877,71

0,84

1,44

Steuern  u,  Abgaben

3  974,43

0,25

0,51

11  319,19

1,34

2,91

870,58

0,39

0,67

Zinsen  ....

3  800,64

0,23

0,49

8  097,82

0,98

2,08

186,90

0,08

0,14

Nachlaß  u.  Diff.  .

2  658,71

0,16

0,34

400,13

0,04

0,10

608,86

0,27

0,47

Delcedere  .  .

2  230,14

0,13

0,29

4  195,66

0,50

1,08

1  981,43

0,90

1,51

Abschreibungen  .

19  948,77

1,24

2,56

35  000,—

4,16

8,99

6  032,34

2,74

4,61

Reparaturen  .  .

—

—

—

—

—

—

—

Insgesamt

179  880,75

11,15

23,07

163  686,86

19,46  42,02

39  896,53

18,12

30,49

3.  Eine  weitere  Kontrolle  in  der  mechanisch-technologischen
Industrie  betrifft  die  Vergleichung  der  durch  Zuschlag  gedeckten
Sollkosten  mit  den  wirklich  verausgabten  Kosten.
Die  einzelnen  Unkosten  sind  in  der  Statistik  derart  zu  gliedern,
daß  der  Betriebsleiter  die  wichtigeren  Einzelerscheinungen  sowie
deren  Schwankungen  verfolgen  kann.  Heß  befürwortet 3 )  eine  diagrammatische
  Darstellung  der  einzelnen  Kosten.  Man  greift  jene
Unkosten  heraus,  die  in  bezug  auf  die  Produktion  von  Wichtigkeit
sind.  Je  nach  Bedürfnis  wird  eine  größere  oder  geringere  Spezialisierung ­
  und  Teilung  der  Unkosten  stattfinden  müssen,  sei  es  auch
nur  vorübergehend  für  die  Zwecke  einer  genaueren  Untersuchung.
Die  tatsächlich  verbrauchten  Unkosten  werden  auf  die  Verkaufseinheit ­
  (Gewicht  oder  Maß)  reduziert.  Für  jede  Unkostenart  ist  die
Normalzahl,  wenn  auch  nur  annähernd,  zu  ermitteln  und  nunmehr

*)  Vom  Umsatz.
2 )  von  den  Selbstkosten.
ä )  Mai-Nummer  1904  des  Foundry,  auszugsweise  („Die  im  Eisengießerei-Betrieb
  entstehenden  Unkosten,  ihre  Ursachen  und  Verringerung“)  in  der  Zeitschrift ­
  Stahl  und  Eisen,  Jahrg.  1905,  Seite  843  ff.  wiedergegeben.
        <pb n="180" />
        174

die  Normalzahl  sowie,  wöchentlich  oder  vierwöchentlich,  der  berechnete ­
  tatsächliche  Verbrauch  zu  Vergleichszwecken  im  Diagramm
einzutragen.  Eine  derartige  Unkostenuntersuchung  hält  den  Betriebsleiter ­
  auf  dem  Laufenden  und  bietet  ein  Hilfsmittel,  Steigerungen
der  Unkosten  im  einzelnen  zu  erkennen  und  zu  verhindern,  aber
auch  die  Wirkung  der  angeordneten  Maßregeln  zu  kontrollieren.
Was  diagrammatisch  dargestellt  wurde,  läßt  sich  auch  zahlenmäßig ­
  und  tabellarisch  darstellen 1 ).
In  manchen  Betrieben  kontrolliert  man  (nach  S  p  e  r  1  i  c  h  a.  a.  0.
S.  17)  die  Unkostenaufschläge,  indem  man  die  Unkosten  der  während
einer  Rechnungsperiode  erledigten  Kommissionsnummern  summiert
und  die  verrechneten  Kosten  den  tatsächlich  verausgabten  gegenüberstellt, ­
  ein  Verfahren,  dessen  Unrichtigkeit  zweifellos  ist.  Nimmt  es
doch  keine  Rücksicht  auf  die  in  Arbeit  befindlichen  Aufträge,  deren
Kosten  in  der  Ausgabensumme  enthalten  sind.
Die  Berechnung  hat  sich  auf  normale  Betriebsverhältnisse
zu  beziehen.  Mehrfach  wird  bei  geringerer  Beschäftigung  des  Werkes
in  der  Nachkalkulation  ein  besonderer  Kostenaufschlag  angerechnet. ­
  Da  bei  geringerer  Beschäftigung  eines  Werkes  erfahrungsgemäß ­
  die  Unkosten  sich  nicht  ohne  weiteres  im  gleichen  Verhältnis ­
  vermindern  lassen  wie  die  Produktionsminderung,  so  werden
die  tatsächlichen  Selbstkosten  der  Fabrikate  dieser  stillen  Periode
gegenüber  den  Kosten  der  Normalleistung  größer  sein,  schon  wegen
der  konstanten  Unkosten,  die  auf  der  Zeit  lasten.  Die  Verluste  lassen
sich  erklären,  aloer  häufig  nicht  abwenden,  und  sind  aus  den  Gewinnaufschlägen ­
  zu  decken.  Da  mit  dem  Rückgang  der  Geschäfte ­
  gewöhnlich  ein  Rückgang  der  Verkaufspreise  verbunden  ist,
so  ist  ein  Preis  aufschlag,  wie  früher  angegeben,  wohl  nur  Utopie.
Man  wird  eher  billiger  verkaufen,  um  den  Beschäftigungsgrad  wieder
normal  zu  gestalten.
In  der  metallverarbeitenden  Industrie  ist  die  Kontrolle ­
  des  Ausschusses  von  besonderer  Bedeutung,  d.  h.
das  Verhältnis  zwischen  brauchbaren  und  unbrauchbaren  Stücken.
Der  Ausschuß  kann  sein:  1'.  Materialausschuß,  der  auf  Materialfehler ­
  zurückzuführen  ist  und  sich  erst  bei  der  Bearbeitung  zeigt.
Wer  die  Kosten  dieses  Ausschusses  zu  tragen  hat,  der  Werkstofflieferer ­
  oder  der  Käufer,  bestimmt  sich  nach  den  privatrechtlichen
Abmachungen  zwischen  den  Parteien 2 ).
e
*)  Sperlich  gibt  S.  81  ff.  Beispiele  hierfür.  Ebenso  Grimshaw.
*)  Man  unterscheidet:  a)  Die  interne  Revision  und  Abnahme  als  Bestandteil ­
  der  Fabrikorganisation  —  Zwischen-  und  Endrevision,  Probearbeit  der
Maschine  u.  a,  b)  Die  Abnahme  durch  den  Käufer,  eine  vorläufige  Prüfung
der  Brauchbarkeit  durch  Organe  des  Käufers;  dazu  ist  zu  vergl.  §§  277  H.GB.
533  f.,  459  ff.  B.G.B.
        <pb n="181" />
        175

2.  Bearbeitungsausschuß  in  den  einzelnen  Arbeitsstufen ­
  ;  er  ist  auf  Unachtsamkeit  der  Arbeiter,  schlechte  Werkstoffe,
unvermeidliche  technische  Vorgänge,  schlechte  Werkzeuge  u.  a.  m.
zurückzuführen.,  Mit  fortschreitender  Fabrikation  wird  der  Ausschuß
teurer;  deshalb  und  wegen  des  Schichtwechsels,  der.  Wirksamkeit
der  Werkstättenaufsicht,  der  Abzüge  am  Arbeitslohn,  wegen  Vermeidung ­
  von  Streitigkeiten  zwischen  den  Arbeitern  einzelner  Meisterschaften ­
  und  Werkstätten  muß  der  Bearbeitungsausschuß  seiner
Menge  nach  für  die  einzelnen  Arbeitsstufen  festgestellt  werden.
Auf  Beiseiteschaffung  unbrauchbarer  Stücke  (Abfallwert!)  ist  zu
achten.  (Genaue  Mengenkontrolle  der  in  Arbeit  gegebenen  rohen
Stücke  und  der  zurückgelieferten  fertigen  Stücke  in  Verbindung  mit
einer  gut  organisierten  Materialverwaltung.)
Material-  und  Arbeitsausschuß  müssen  in  gemischten  Unternehmungen ­
  rechnerisch  getrennt  gehalten  werden.
3.  Bruch  fertiger  Stücke  beim  Verladen,  Abladen,  Montieren ­
  und  während  des  Transports.
4.  Auch  die  wegen  Beanstandung  zurückgenommenen  Fabrikate,
die  kostenlos  zu  liefernden  Ersatzstücke  bzw.  auszuführenden
Reparaturen  während  der  Gewährleistungsfrist  müssen  sorgfältig  aufgezeichnet ­
  werden.
In  der  chemisch-technologischen  Industrie  sind  die
Ausbeute  und  Rohstoffverbrauchsgewichte  wichtig.
Bei  einem  Spritpreis  von  113  oder  117  Mk.  für  100  Liter  lÖO°/oigen
Spiritus  ist  es  beispielsweise  nicht  gleichgültig,  ob  man  für  100  kg
Schwefeläther  170 1 / 2  Liter  oder  169  Liter,  mehr  oder  weniger  verbraucht, ­
  insbesondere  wenn  die  Preise  festliegen  und  sich  nicht
nach  den  Schwankungen  der  Rohstoffpreise  richten.  Preiskartelle
können  die  Preise  der  Fertigfabrikate  nach  den  Preisen  der  Grundstoffe ­
  bemessen.
§  41.  Wie  die  allgemeinen  Kosten  ermittelt  und  für  eine
Normal-Kalkulationsformel  verwertet  werden,  soll  an  dem
folgenden  schematischen  Beispiel  einer  Eisengießerei  gezeigt  werden.
Der  geringe  Wert  und  die  beschränkte  Anwendungsmöglichkeit
solcher  Normalformeln  ergeben  sich  ohne  weiteres,  wenn  man  ihre
Entstehung  genauer  verfolgt.  Aus  den  Hauptbuchkonten  sind  die
folgenden  Umsatzziffern  zu  entnehmen:
Anmerkung.  In  anderen  Eisengießereien  ist  es  üblich,  die  Kosten  des
Schmelzprozesses  für  1000  kg  flüssigen  Eisens  zu  berechnen  und  die  übrigen
Betriebskosten  durch  Prozentaufschlag  auf  die  Formerlöhne  zu  decken.  Vielfach
werden  Schmelzmaterialien,  Abbrand,  Fehlguß  usw.  für  jeden  Guß  aufgeschrieben
und  daraus  die  Kosten  ermittelt.  Der  Kalkulation  legt  man  jedoch  die  Durchschnittskosten ­
  des  Vorjahres  zugrunde.
        <pb n="182" />
        —  176  —
Der  Jahresverbrauch  an  Eisen  betrug
100  000  kg  im  Werte  von  Mk.  6  100,—direkt  bestimmbar  für  das
Einzelfabrikat.
Der  Materialverlust  durch  Abbrand
8000  kg  „  488,—  =  8%  im  Durchschnitt
Löhne  für  Former,  Kernmacher  (direkte
Löhne)  .  ,  2  400,  —  direkt  bestimmbar
Löhne  für  Putzer  480,—  =  20%  der  Formerlöhne
Modellkosten  (Unterhaltung,  Löhne,
Holz,  Hilfsmaterial),  soweit  sie  nicht
vom  Auftraggeber  besonders  vergütet
werden  ,  650,—=  65  ^  für  100  kg  Ware
ßetriebslöhne  für  Hilfsarbeiter  (Transport, ­
  Wiegen)  ,  420,—=  42  „  ,  ,  ,  ,
Betriebsmaterial  zum  Formen  ....  „  688,—  =  69  „  „  ,  „  „
oder  27%  der  direkten
Löhne,  oder  1173%  des
Rohmaterialwertes
Schmelzkosten l )  ,  620,—  =  62  ^  für  100  kg  Ware
direkte  Herstellungskosten  Mk.  11  846,—
Konstante  (General-)  Kosten:
2%  Abschreibung  von  Gebäuden ­
  Mk.  600,—
5°/o  Abschreibung  von  Maschinen ­
  Mk.  500,—
10%  Abschreibung  von  Modellen ­
  Mk.  800,—
10%  Abschreibung  von
Öfen  Mk.  1400,—
Mk.  3  300,—  =  3,30  für  100  kg  Ware
Hypothekenziuseu,  Gehälter, ­
  Betriebskosten  .  Mk.  2  200,—  =  2,20  ,  „  ,  ,
5%  Zinsen  des  Anlagekapitals ­
  Mk.  3100,—  =3,10  „  „  ,
zusammen  Mk.  8  600,—  =  8,60  „  ,  „  „
oder  358%  (=Mk.  3,58
für  1  Mk.)  der  direkten
Löhne  oder  74,3%  der
direkten  Herstellungskosten.

Summe  der  Selbstkosten  Mk.  20  446,—  ohne  Verkaufsspesen.
Nach  diesen  Ermittelungen  ergibt  sich  die  auf  der  rechten
Hälfte  der  Aufstellung  ersichtliche  Formel.
§  42.  Die  Summe  der  allgemeinen  Unkosten  kann  man  in  der
Spezialkalkulation  mit  verschiedenen  Größen  in  Beziehung
bringen:
’)  Sind  in  gleicher  Art  wie  die  Kosten  des  Gießens  zu  berechnen;  sie  setzen
sich  zusammen  aus:  Kosten  des  Brennmaterials  zum  Anheizen,  Füllkoks,  Schmelzkoks, ­
  Kalkstein,  feuerfeste  Steine,  Reparaturkosten  des  Ofens,  Schmelzer-  und
Taglöhne  für  Ofenbedienung,  Zerkleinern  der  Masseln.  Vgl.  Messerschmidt,
Die  Kalkulation  in  der  Eisengießerei,  4.  Anfl.,  Essen  1907.
        <pb n="183" />
        177

Divisionsmethode:
I.  .Verrechnung  als  Mengen-,  Maß  -  oder  Gewichtsspesen:
Kostenanteil  für  das  Stück,  Dutzend  etc.,  für  1 !  hl,  1  cbm,  1  kg,
100  kg,  Tonne.

Zuschlagsmethoden:

II.  Verrechnung  als  Wertspesen  (ProzentZuschläge):
Kostenanteil  ist  proportional
a)  dem  Einkaufswert  (Materialwertaufschlag),
b)  den  Arbeitskosten  (Lohnaufschlag),
c)  einem  Teil  der  Produktionskosten  (Zuschlag
auf  Materialwert  und  Lohnkosten)  oder  dem  gesamten
Herstellungswert  (Material,  Löhne,  Betriebsunkosten), ­

d)  der  Summe  der  Lohnkosten  und  Betriebskosten. ­


Der

Die  Unkosten  werden  verteilt
e)  durch  Zuschläge,  die  für  den  Materi  alwert  und
für  die  Lohnkosten  besonders  berechnet  sind,
f)  durch  Lohnaufsehläge,  die  nach  Arbeitskategorien ­
  oder  Arbeitsplätzen  differenziert  sind.

•  SS
a  «

eg
n 11 '

HI.  Verrechnung  als  Zeitkosten  (Stundenaufschlag):
a)  Verteilung  auf  die  Arbeitsstunden,
b)  „  „  „  Arbeiterstunden,
c)  „  „  „  Lohnstunden,
d)  ,,  ,,  den  Arbeitstag.
Die  Unkosten  werden  demnach  verteilt  im  Verhältnis  zum
Material  (Menge  oder  Wert),  zu  den  Arbeitskosten  (einheitliche ­
  oder  differenzierte  Lohnzuschläge)  oder  proportional  der  Arbeitszeit.
  In  diesen  Fällen  wird  der  Verteilungsschlüssel  auf  einen
Wert  bezogen.  Die  übrigen  Verrechnungsweisen  berechnen  den
Kostenanteil  proportional  einer  Summe  von  Einzelwerten
(Material  und  Löhne;  Material,  Löhne  und  Betriebskosten  etc.),  so
daß  die  Höhe  des  Kostenanteils  stets  mindestens  von  zwei  Faktoren
abhängig  ist.  Schon  die  Übersicht  läßt  erkennen:  daß  nicht  alle
Methoden  gleichmäßig  anwendbar  und  genau  sind;
daß  jeder  Verteilungsmodus  Fehlerquellen  in  sich
schließt;  daß  in  einer  Unternehmung  unter  bestimmten  Produktionsverhältnissen ­
  gleichzeitig  mehrere  dieser  Verteilungsschlüssel ­
  an  den  verschiedenen  Produktionsstellen ­
  Verwendung  finden  müssen.
Löitner,  Selbstkostenberechmmg-.  7.  Aufl.

12
        <pb n="184" />
        178

Die  kalkulatorische  Genauigkeit  der  Zuschlagsmethoden  ist  davon
abhängig:  daß  alle  Aufwendungen  ausnahmslos  buchmäßig  erfaßt
werden;  daß  die  Zuschläge  auf  Grund  der  buchmäßigen  Ergebnisse
errechnet  werden;  E  r  f  ahrungssätze  an  Stelle  der  errechneten
Zuschläge  sollen,  abgesehen  von  Vorberechnungen,  nur  ausnahmsweise ­
  unter  Einrechnung  eines  entsprechenden  Sicherheitskoeffizienten ­
  angewendet  werden,  soweit  es  sich  um  rechnungsmäßige
Deckung  buchmäßig  nicht  nachweisbarer  Verluste  handelt  (z.  B.
Diebstähle,  Beiseiteschaffung  verdorbener  Arbeitsstücke,  Schiebungen
zwischen  Meister  und  Materiallager  u.  ä.).
Divisionsmethode.
§  43.  In  einigen  Industriezweigen  (Brückenbau,  Kesselschmiede,
Gerbereien,  Gießereien,  Webereien)  rechnet  man  die  allgemeinen
Unkosten  auf  die  Gewichts-  oder  Maßeinheit,  d.  h.  man
ermittelt  einen  Zuschlag  auf  je  100  oder  1000  kg,  auf  1  m,  ein
Stück  usf.  der  fertigen  Ware.  Eine  schablonenmäßige  Aufteilung
wird  auch  hier  zu  Unrichtigkeiten  führen.  Wenn  man  z.  B.  Platten
gießt,  so  wird  das  größere  Gewicht  einen  größeren  Kostenanteil  ergeben, ­
  obwohl  die  Unkosten  vergleichsweise  nicht  größer  sind  als
bei  Gußstücken  von  geringerem  Gewichte.  Formt  und  gießt  man
kleine  Zahnräder,  so  wird  der  Kostenaufschlag  nach  dem  Gewicht
ein  verhältnismäßig  zu  kleines  Ergebnis  liefern.  Sicher  ist,  daß
ein  Gewichtsaufschlag  auf  die  Besonderheiten  der  Fabrikation  des
betreffenden  Artikels  Rücksicht  nehmen  muß.  Einwandfrei  ist  der
Gewichts-  oder  Maßeinheitsaufschlag  bei  gleichförmiger  Produktion.
Wenn  auf  eine  Gewichts-  (Maß-)  Einheit  der  Produkte  der  gleiche
Kostenbetrag  entfällt  oder,  was  dasselbe  ist,  für  eine  Kosteneinheit
stets  die  gleiche  Menge  des  Produktes  bearbeitet  wird,  so  werden
auch  die  allgemeinen  Unkosten,  auf  die  Einheit  berechnet,  ziemlich
konstant  bleiben.  Die  Selbstkosten  können  dann  ermittelt  werden,
indem  man  den  Materialwert  oder  die  Gewichts-  (Maß-)  Einheit  mit
einem  konstanten  Faktor  vervielfacht.
Gewisse  Unkosten  können  gerecht  überhaupt  nur  nach  dem  Gewicht ­
  verteilt  werden,  wie  Transportkosten  einer  Kesselschmiede,
Krankosten  einer  Maschinenfabrik.
Redl 1 )  spricht  von  einer  MethodedesEinheitspreises.
Man  berechnet  die  Selbstkosten  auf  eine  Dimension  des  ausgeführten
Gegenstandes  oder  die  Einheit  des  Gewichts  und  überträgt  dann
den  gefundenen  Preis  auf  einen  anderen  gleichgebauten;  z.  B.  man
bestimmt  für  eine  Eisenkonstruktion  den  Preis  bzw.  die  Kosten  für
')  Elemente  der  Organisation  und  Administration  industrieller  Betriebe.
Wien  1900.
        <pb n="185" />
        179

i

eine  Tonne  Gewicht  und  in  einem  ähnlichen  Falle  nimmt  man  einfach
diesen  Preis  an.  Diese  Berechnung  ist  nichts  anderes  als  eine
Normalkalkulation,  die  bei  Voranschlägen  Verwendung  finden  kann,
wenn  alle,  die  Normalkalkulation  seinerzeit  bestimmenden  Faktoren
(Konstruktion,  Dimension,  örtliche  Verhältnisse)  auch  für  den  vorliegenden ­
  Fall  zutreffen.

Kalkulationsbeispiel:  Leder 1 ).
Kosten  der  Wasserwerkstätte  4,3  Pfg,
in  den  Farben  5,7  „
Gruben  Satz  I  7,4  „
„  II  11,6
j)  y&amp;gt;  &amp;gt;&amp;gt;  &amp;gt;&amp;gt;
der  Zurichtung  7,1

&amp;gt;•&amp;gt;
&amp;gt;&amp;gt;  &amp;gt;&amp;gt;
&amp;gt;’  &amp;gt;&amp;gt;
&amp;gt;&amp;gt;

&amp;gt;&amp;gt;

für  1  kg  Rohgewicht  der
Haute.

Gesamtkosten

45,6  Pfg.  einschl.  der  Löhne,  Betriebskosten, ­
  Zinsen,  Geschäftsunkosten. ­


Dazu  der  Einkaufspreis  der
Rohhäute  loko  Fabrik  70,—  „  abzügl.  des  Wertes  der  Abfälle. ­

Selbstkostenpreis  115,6  Pfg.  für  1  kg  Rohgewicht.
Beträgt  das  „Rendement“  45%  (d.  h.  100  kg  Rohhaut  liefern
45  kg  Leder),  so  stellt  sich  der  Preis  für  100  kg  Leder  auf
Mk.  256,90.

Zoschlagsmethoden.
§  44.  Ein  Zuschlag  für  die  indirekten  Kosten  nur  auf  die
Menge  oder  den  Wert  des  Fabrikationsmaterials  oder  nur  auf  den
Lohn  ist  an  sich  unlogisch;  denn  beide  erfordern  Unkosten.
Die  Formel  für  den  Fall  IIa  (§  42)  ist:
S  (Selbstkosten)=M  (Materialwert)  +  +  L  =  M  (1  +  -f  L
oder  M.1,0  p-j-L.

')  Vgl.  Kaal,  Zur  Kalkulation  in  der  Lederfabrik,  mit  besonderer  Berücksichtigung ­
  der  verschiedenen  Fabrikationsstadien.  Freiberg  i.  S.,  o.  J.  (Selbstverlag). ­

®)  p  bedeutet  den  prozentuellen  Zuschlag,  berechnet  aus  der  Proportion,
p  :  100  =  Jahressumme  der  Unkosten  :  Summe  des  Rohstoffwertes
der  Betriebsabteilung.
Die  Zuschlagsprozente  werden  auf  Grund  der  Jahressummen  ermittelt.
Die  im  Text  folgenden  Ableitungen  zeigen  nur  die  Anwendung  auf  einen
Spezialfall.

12*
        <pb n="186" />
        180

Jene  für  den  Fäll  II  b:
Lp

i  =  M  +  [i

100

M-j-L.  1,0  p,  ■worin

Summe  der  jährlichen  Unkosten  X  100
Jahressumme  der  produktiven  Löhne  des  Betriebes

Die  Anwendung  der  Methoden  II  a  und  II  b  ist  nur  dann  einigermaßen ­
  gerechtfertigt 1 ),  wenn  das  Wertverhältnis  zwischen  Material
und  Lohn  eines  Fabrikates  entweder  sehr  groß  oder  sehr  klein  ist.
Wenn  eine  Unternehmung  nahezu  keine  Löhne,  also  vorwiegend
Materialkosten  verausgabt,  dann  nähert  sich  der  Betrieb  jenem  des
Warenhandels  und  der  alleinige  Aufschlag  auf  den  Materialwert
entspricht  den  tatsächlichen  Verhältnissen:  es  werden  nur  Handlungsunkosten ­
  verausgabt.  Auch  dann,  wenn  neben  der  Fabrikation
noch  Handel  mit  fertigen  Waren  oder  wenn  nur  Materiallieferungen
stattfinden,  ist  der  ausschließliche  Materialaufschlag  berechtigt.  Oden
wenn  der  Materialwert  überhaupt  nicht  in  Frage  kommt  und  nur
Löhne  bezahlt,  nur  oder  vorwiegend  Löhne  kalkuliert  werden  2 ),  wie
z.  B.  bei  Lohnarbeitern  (Bleichereien,  Färbereien,  Appreturanstalten,
Zeugdruckereien  usw.,  vgl.  §  1  Ziff.  2  des  HGB.).  Im  ersten
Fall  können  die  Kosten  durch  Zuschlag  auf  den  Materialwert,  im
zweiten  auf  die  Löhne  gedeckt  werden.
Die  beiden  folgenden  Beispiele  (Juni  1917)  geben  die  Kostenberechnung ­
  für  reine  Arbeitsvorgänge  (§  1  Ziff.  2  HGB.)  wieder;
die  Einzelteile  werden  fertig  bezogen,  nachgearbeitet,  kontrolliert,
gelehrt  und  zusammengebaut  (laboriert).  Maschinenarbeit  ist  gering,
vielfach  Stundenlohn.  Das  Beispiel  a  (Rheinland)  gibt  die  Kosten
in  Summen  an  —  der  Kostenzuschlag-  würde  243  o/o,'  betragen  —,
das  Beispiel  b  (Süddeutschland)  entspricht  der  üblichen  Methode  in
der  Metallindustrie;  die  Anlage  zu  b  läßt  die  Zusammensetzung  der
Lohnzuschläge  erkennen.

Beispiel  a:
Nettolöhne  das  Stück  67,5  Pfg.
Gehälter  für  Bureau-  und  Betriebsbeamte  .  6,8  Pfg.
Kriegsunterstützungen  3,—  „
Abschreibungen  3 ; 2  „
Unterhaltung  der  Werkzeuge  und  Maschinen  7,5  „
20,5  Pfg.
')  Vgl.  Rescei,  Dia  Kalkulationsmethoden  im  Maschinenbau.  Wien  1903,
Selbstverlag  (Sonderabdruck  aus  der  Zeitschrift  des  öster.  Ingenieur-  und
Architekten-Vereins,  1903).
a )  Die  Produktion  besteht  in  der  Bearbeitung  vorhandener  Waren,  nicht  in
der  Hervorbringung  neuer.
        <pb n="187" />
        181

Übertrag:  20,5  Pfg.
Krankenkassen-  und  Invaliditätsbeiträge  usw.  2,—  „

Zinsen  6,—  „
.Versicherungen  2,5  „

Allgem.  Verwaltungsunkosten  (Porti,  Reisen,
Handelskammer-,  Gewerbegerichts-  undBerufsgenossenschaftsbeiträge
  usw.)  ,  .  .  5,5  „
Allgem.  Betriebsmaterialien  (Kohlen,  Gas,
Wasser,  Öl,  Strom,  Säure,  Lack,  Putzmaterial ­
  usw.)  18,—  „
Allgem.  Betriebslöhne  (Heizen,  Transporte,
Lager  usw.)  TO,—  „

Beschuß

•  4,5

&amp;gt;&amp;gt;

Küchenkonto

•  io-&amp;gt;&amp;gt;



Lagerverluste,  Ausschuß,  Diebstahl  usw.

.  20,—

5?

Unvorhergesehenes

15,-&amp;gt;&amp;gt;



Steuern  .  .

50,-&amp;gt;5



164,—  Pfg.
231,5

Verdienst

25,-  „

256,5  Pfg.

Beispiel  b:
Reiner  Arbeitslohn  Mk.  —,87  2
Fabrikations-  und  Betriebsunkosten  225, 0 /q|  ,,  1,96  2
Abschreibung  der  Sprengstoffschuppen  und  Unterstände, ­
  bauliche  Veränderungen  und  Wiederherstellung ­
  des  früheren  Zustandes,  sowie  Feuer-  und  Haftpflichtversicherungen ­
  „  —,15
Reine  Selbstkosten  Mk.  2,98  4
33  V 3 °/ö  Zuschlag  auf  die  Selbstkosten  „  —,99  5

Verkaufspreis  Mk.  3,97  9
der  demgemäß  25o/ö]  Gewinn,  vom  Verkaufspreis  gerechnet,  in  sich
schließt.
Anlage  zu  Beispiel  b).
Zusammenstellung  der  Fabrikations  -  und  Betriebsunkosten. ­

Werkstatt-  und  Betriebs  Unkosten:
(Meister-  und  Betriebsbeamten-Gehälter,  Löhne  für  Einrichter, ­
  Werkstattschreiber  und  Saaldiener,  Teuerungszulagen ­
  an  Meister,  Beamte  und  Arbeiter,  ,Angestellten-Ver-
        <pb n="188" />
        182

Sicherung,  Kranken-  und  Invalidenversicherung,  Beitrag  ,
zur  Berufsgenossenschaft,  Einlernen  neuer  Arbeitskräfte,
Kosten  der  Materialprüfung,  Miete,  Kraft,  Beleuchtung,
Heizung,  Telephon,  Preßluft,  Drucksachen,  Fliegerschutzmaßnahmen, ­
  ferner  Abschreibung  auf  Werkzeuge  und  Einrichtungen ­
  zum  Laborieren)  108%;
Unkosten  der  Teile-  und  Sprengstofflagerung:
(Gehälter  und  Löhne  der  Aufsichtsbeamten,  Lagerhalter,
Packer  und  Wächter  an  den  Sprengstoffschuppen,  Miete,
Beförderung  der  Sprengstoffe  vom  Lager  in  in
die  Arbeitsräume  in  und  Stuttgart  und  der  fertigen
Zünder  von  den  Arbeitsräumen  ins  Lager  in  ,  Kosten
der  Sprengstofflagerung  in  )  23%
Verbrauch  an  Unkostenmaterialien:
(Schellack/Wachs,  Numata,  Spiritus,  Lack,  Schmiermittel,
Putztücher,  Schmirgel  u.  dgl.)  15  o/o'
Ausschuß  bei  der  Laborierung,  Untersuchungsund
  Beschußzünder  5%'
Risiko  bei  der  Fabrikation  und  Abnahme  der
Zünder,  ferner  bei  Brand,  Explosion  und
Fliegerangriffen:
(Änderungsarbeiten  infolge  schlechter  Materialien  —  z.  B.
Zündertuch,  unrichtiges  Pulver  —,  welche  von  der  Heeresverwaltung ­
  geliefert  werden,  Umarbeitung  von  bei  der  Abnahme ­
  verworfenen  Losen,  Betriebsstockung  wegen
mangelnder  Materialien,  Betriebsunterbrechung  in  Brandund
  Explosionsfällen,  sowie  bei  Fliegerangriffen)  .  .  .  25%
insgesamt:  226  % ;

Unrichtig  ist  auch  ein  gleichmäßiger  Zuschlag  auf  Material ­
  und  Löhne  (IIc):  S  =  (M  -f-  L).  1,0  p  oder  M.  1,0  p
_l_  I  1  0  wor j[ n  Jahressumme  der  Unkosten  X  100
P.  worin  p  Jahressumme  der  direkten  Aufwendungen
Diese  Berechnung  faßt,  wie  die  Formel  ergibt,  die  indirekten  Kosten
als  eine  Einheit 1 )  auf  und  nimmt  keine  Rücksicht  darauf,  ob  die
Unkosten  größtenteils  für  das  Material  oder  für  die  Fabrikation
verausgabt  werden.  Andererseits  wird  dadurch  ein  Fabrikat  aus
teuerem  Rohmaterial  trotz  gleicher  Arbeitskosten  im  Verhältnis  zu

’)  Der  Kaufmann  schlägt  seine  gesamten  Kosten  auf  den  Einkaufswert  der
Ware.  Die  angegebene  Berechnungsart  akzeptiert  diese  Auffassung  auch  für
die  industriellen  Betriebe  und  sieht  in  den  direkten  Ausgaben  (M-j-L)  den
Produktions-  =  Einkaufswert  (vgl,  g  20).
        <pb n="189" />
        183

den  Artikeln  aus  billigerem  Material  einen  höheren  Kostenaufschlag
tragen  müssen,  obwohl  die  gleichen  Unkosten  aufgewendet  wurden
wie  bei  einem  Fabrikat  -aus  geringerem  Material;  auch  rohe  oder
wenig  bearbeitete  Produkte  werden  zu  teuer  kalkuliert.  Beispiel:
Material  100
Löhne  75
175
-f-100,%  175  Unkostenzuschlag
Selbstkosten  350.

Nimmt  man  schlechteres  Material  (M  =  60),  verwendet  aber  größere
Sorgfalt  auf  die  Bearbeitung  (L  =  115),  so  sind  die  direkten  Kosten
dieselben  wie  im  ersten  Fall,  der  Aufschlag  derselbe  trotz  der
längeren  Arbeitszeit.  Diese  Methode  ist  unserer  Ansicht  nach  nur
dann  anwendbar,  d.  h.  sie  führt  zu  einem  rechnerisch  richtigen
Ergebnis,  wenn  die  indirekten  Ausgaben  für  Rohmaterial  und
Löhne  annähernd  die  gleichen  sind,  oder  wenn  die  Artikel  nur  aus
einem  Material  hergestellt  werden.  Unlogisch  ist  auch  diese  Methode.
Der  Wert  des  Rohstoffes  ist  ein  Durchgangswert,  der  auf  die  Betriebskosten ­
  wenig  oder  gar  keinen  Einfluß  hat.
Dem  Werte  des  Fabrikationsmaterials  sind  alle  Kosten  der  Beschaffung, ­
  Lagerung  und  Verwaltung  anzurechnen,  also:  Bezugsspesen, ­
  Verluste  durch  Schwund,  Ausschuß,  Verkrümmelung,  die
Kosten  der  Magazinsverwaltung  (Gehälter,  Löhne,  Materialunkosten, ­
  §  14);  alle  übrigen  indirekten  Ausgaben  werden  gewöhnlich ­
  den  Fabrikationslöhnen  zuzurechnen  sein.  Häufig  zählt
man  dem  Materialaufschlag  auch  die  Zinsen  Verluste  zu,  die
durch  längere  Lagerung  entstehen.
1.  Rechnungsbeispiel  (schematisch):
Lagerraum:  Verzinsung  und  Abschreibung  6°/o
von  Mk.  8000,—  .  .  .  =  480,—
Instandhaltung  ....  150,—
Lagerinventai’:  (Verzinsung,  Abschreibung,  Instandhaltung ­

Verwaltung:  Gehälter,  Löhne  (persönliche  Kosten 1 ))
Allgemeine  Kosten:  Anteil  an  Beleuchtung,  Versicherung, ­
  Bureaubedarf  u.  a.  .  .

Mk.  630,—
„  210-„
  2600,—
„  500,-Es

  entfallen  für  Generalkosten  Mk.  3940,—
auf  durchschnittlich  40000,—-  Mk.  im  Jahr  verarbeitete  Rohstoffe
=  10%,  d.  h.  dem  Rohmaterialwert  eines  jeden  Fabrikates  sind

‘)  Wo  ein  besonderes  Einkaufsbureau  besteht,  sind  dessen  Kosten  gleichfalls ­
  hierher  zu  rechnen.
        <pb n="190" />
        184

ohne  Rücksicht  auf  Materialverluste  und  Lagerzinsen  lOp/o'  zuzurachnen.

2.  Beispiel:
Eine  Metallwarenfabrik  berechnet  den  Materialaufschlag  ihrer
an  zwei  Lagerräumen  beteiligten  Dreherei  für  das  kommende  Betriebsjahr ­
  wie  folgt:

Lagerraum:

A

B

Mk.

Mk.

Gesamt-Jahresumsatz  (d.  h.  Selbstkosten  des
der  Fabrikation  zugeführten  Materials)  .  .
Jahresumsatz  der  Dreherei
d.  i.  in  Prozenten  des  Gesamtumsatzes  .  .
Gesamt-Jahreskosten  der  Verwaltung,  Beleuchtung ­
  usw.  (wie  oben  berechnet).  .  .
Davon  entfallen  auf  die  Dreherei  ....

371200
74  240
20%
5  940
20  °/o  =  1188

253400
152  040
60  °/o
4  720
60  %  ==  2  832

Zusammen  Mk.  4020  auf  Mk.  226  280

Jahresumsatz,  d.  i.  1 3 /*  °/'o.
Materialverluste  1t.  Lagerkonto  Mk.  7  206
Zinsen  auf  den  durchschnittlichen  *)  Lagerbestand  von
Mk.  45  000  zu  5%  ,  2  250
Gesamtkosten  der  Materialienverwaltung  ....  »  13  476
=  6  6 /o  vom  Ümsatz.

Zu  beachten  ist,  daß  es  in  einigen  Betrieben  Materialien  gibt,
die  sofort  nach  Eintreffen  in  der  Fabrik  verarbeitet  werden  und  nicht
durch  den  Lagerraum  gehen.  Für  solche  Materialien  soll  der  Aufschlag ­
  geringer  sein.
Die  Verteilung  der  Lagerkosten  usf.  erfolgt  auch  auf  die  Maßeinheit ­
  z.  B.  bei  Holz  für  cbüx,  bei  Eisen  für  eine  Tonne,  für  andere
Lagermaterialien  für  100  kg  u.  a.
Metallwarenfabriken  und  ähnliche  Unternehmungen  rechnen
für  einzelne  Materialiengruppen  verschiedene  Kostenaufschläge,  die
sie  etwa  nach  dem  Schema  des  2.  Beispieles  ermitteln 2 ).
Er  lach  er  (a.  ;a.  O.  S.  35)  meint,  es  wäre  logischer,  die
Ma  t  erial  Unkosten  nach  dem  Gewicht  zu  berechnen.  „Es  ist  wenigstens
nicht  einzusehen,  weshalb  auf  100  kg  Nickel  im  Werte  von  400  Mk.
der  Zuschlag  16  mal  größer  sein  soll  als  auf  100  kg  Eisen  im
Werte  von  25  Mk.,  da  die  Kosten  offenbar  dem  Gewichte  annähernd
proportional,  d.  h.  also  gleich  sein  werden.“  Dem  letzten  Teil  des
Satzes  können  wir  nicht  beitreten.  Der  größere  Wert  bedingt  größere
Sorgfalt  und  Aufmerksamkeit  bei  den  Lagerarbeiten.  Wo  so  ungleichwertige
  Stoffe,  wie  im  gegebenen  Fall,  verarbeitet  werden,  wird
0  d.  h.  vorjährigen,  mutmaßlichen  oder  durchschnittlichen  Verbrauch.
-)  Vgl.  das  Beispiel  e  Seite  102.
        <pb n="191" />
        185

eine  Differenzierung  der  Aufschläge  als  Anteil  an  den  allgemeinen  (
Kosten  der  Lagerung  notwendig  sein,  die  den  Wert,  die  verschieden
lange  Lagerzeit,  den  beanspruchten  Lagerraum,  größere  Lagerarbeiten ­
  u.  a;.  berücksichtigt.  Häufig  bleiben  die  Unkosten  unverändert, ­
  ob  das  Material  z.  B.  Eisen  oder  Kupfer  ist.
Richtig  ist  die  Trennung  der  Zuschläge  auf  den
Rohmaterialwert  und  auf  die  Löhne  (IIe).  Die  Materialunkosten ­
  sind  dem  Materialwert,  die  übrigen  Unkosten  den  Lohnaufwendungen ­
  proportional.  Bezeichnet  man  den  Materialaufschlag  mit
p m ,  jenen  auf  die  Löhne  mit  p x ,  so  ergibt  sich  für  die  Berechnung
der  Selbstkosten  eines  Artikels  die  Formel:

s  =  ( M+ w)  +  ( L  +  iM) =M - 1 ’ 0pm  +  L - 1 ’ 0pi '

Z.  B.  Ein  Meßapparat  erfordert  an:

Material:

Löhnen:
Mk.  39,75

Mk.  24,50

-f-10  o/o  Aufschlag:  „  2,45  -j-  50  °/o  „  19,88
Mk.  26,95  -f  Mk.  59,63  =  Mk.  86,58  Gesamtkosten. ­



Ein  anderes  Verfahren  zeigt  v.  d.  Da  eie 1 );  er  berechnet  das
Hilfs-  (Neben-)  oder  unproduktive  Material  prozentuell  zum  Fabrikations- ­
  oder  produktiven  Material,  die  indirekten  Löhne  prozentuell
zu  den  Fabrikationslöhnen,  alle  übrigen  Betriebs-  und  Handlungsunkosten ­
  prozentuell  zu  den  Gesamtlöhnen.  Z.  B.:
Kommissions-Nr.  602  II.
Fabrikationsmaterial  Mk.  2000,—
5o/o  Zuschlag  für  Betriebsmaterial  .  .  „  100,—  Mk.  2100,—
Fäbrikationslöhne  Mk.  400,—
15o/o'  für  unproduktive  Löhne  .  .  „  60,—  „  460,—
70  0/0"  Zuschlag  von  460,—  für  Generalkosten  .  .  „  322,—
Besondere  Ausgaben:  Montage  „  75,—

Transport

Selbstkosten  Mk.  2991,—

Wir  halten  es  für  besser,  von  den  Generalkosten  außer  dem
Betriebsmaterial  auch  die  Materialunkosten,  wie  oben  ausgeführt,
auszuscheiden.  Andererseits  ist  diese  Art  der  Kostenberechnung
eher  für  Kosten  vor  anschläge  zu  empfehlen,  wenn  das  Nebenmaterial
(z.  B.  Schrauben,  Nieten,  Farben)  sich  im  voraus  schwer  oder  gar
nicht  feststellen  läßt  (Maschinenfabriken  u.  a.).
9  Moderne  Buchhaltung,  Stuttgart  1904,  S.  133ff.  Ähnlich  Prof.  Beck,
Darmstadt,  in  ,Selbstkosten-  und  Gewichtsberechnungen  in  Maschinenfabriken'.
(Blätter  zur  Verteilung  an  die  Studierenden  im  Wintersemester,  die  uns  zur
Verfügung  gestellt  wurden.)
        <pb n="192" />
        186

Die  Verrechnung  der  Nebenlöhne  (Löhne  der  Hilfsarbeiter)  als
Generalspesen  ist  nicht  in  allen  Betrieben  eingeführt.  Andere  Werke
verrechnen  diese  Löhne  unmittelbar  als  produktive  Löhne  des  betreffenden ­
  Arbeitsstückes;  dadurch  vermindern  sich  die  allgemeinen
Kosten.
In  Unternehmungen  mit  ausgebildeten  Arbeitsmethoden,  gut  eingerichteten ­
  Arbeitsmaschinen  wird  der  Lohnaufschlag  verhältnismäßig ­
  groß  sein;  die  jährliche  Lohnsumme  wird  herabgedrückt.
„  .  T  ,  c  ,,  ...  ,  .  ,  Jahresunkosten.  100
Da  der  Lohnaufschlag  sich'aus  der  Gleichung:  p  —  —=-r  t—,
Jahreslohnsumme
berechnet,  so  ist  klar,  daß  p  um  so  größer  wird,  je  kleiner  die
Lohnsumme  ist.  In  Unternehmungen  mit  teuerer  Lohnarbeit  wird
der  Kostenzuschlag  im  Verhältnis  zu  anderen  Betrieben  der  gleichen
Art  geringer  sein;  und  trotzdem  kann  es  vielleicht  mit  jenen  anderen
Betrieben  nicht  konkurrieren,  weil  die  produktive  Arbeit  zu  teuer  ist 1 ).
Werkstattzuschläge.
§  45.  Das  Streben,  jedem  Fabrikat  einen  den  wirtschaftlichen
und  tatsächlichen  Verhältnissen  entsprechenden  gerechten  Anteil
an  den  allgemeinen  Unkosten  zuzuteilen,  hat  naturgemäß  zur  Verfeinerung ­
  der  Kalkulationsmethoden  führen  müssen.
Prüfen  wir  die  bisher  erörterten  Methoden  der  Kostenaufteilung
an  einem  Beispiele.  Ein  Arbeiter  arbeitet  10  Stunden  zu  70  Pfg.;
der  Zuschlag  beträgt  30%;  ==  21  Pfg.;  die  Kosten  einer  Arbeitsstunde ­
  belaufen  sich  somit  rechnungsmäßig  auf  91  Pfg.  Angenommen,
der  eine  Arbeiter  verrichtet  die  Arbeit  an  einer  Maschine  von  bedeutenden ­
  Anschaffungskosten,  die  große  Ausgaben  für  die  Instandhaltung ­
  verursacht,  teuere  Werkzeuge  erfordert,  viel  Material  und
Kraft  verbraucht  und  eine  große  Bodenfläche  beansprucht 2 ).  Alle
Kosten  sollen  mit  21  Pfg.  die  Arbeitsstunde  gedeckt  werden.
Ein  anderer  extremer  Fall:  Ein  zweiter  Arbeiter  erhält  den
gleichen  Lohn,  arbeitet  mit  Hammer,  Meißel,  Hobel,  Pinsel  o.  ä.
Auch  hier  beträgt  der  Kostenaufschlag  21  Pfg.  Es  ist  klar,  daß
eine  derartige  Verteilungsmethode  die  Kostenanteile  in  dem  einen
Fall  unverhältnismäßig  niedrig,  im  anderen  unverhältnismäßig  hoch
berechnet.  Dieser  ungerechten  Verteilung  kann  dadurch  abgeholfen
werden,  daß  man  für  jede  Lohnkategorie  einen  dem  Unkostenverbrauch ­
  der  einzelnen  Arbeiten  oder  Maschine  entsprechenden  Zuschlag ­
  berechnet,  der  die  Unkosten  dieser  Arbeit  (Maschine)  decken
soll,  und  schließlich  einen  Aufschlag  bestimmt,  um  damit  jene  Aus-')
  Z.  B.  Betrieb  A  arbeitet  mit  20%,  B  mit  60°/o  Kostenaufschlag;  A  verbraucht ­
  an  Löhnen  Mk.  200  +  40  (=20 0 ,o)  —  Mk.  240,-;  B  verausgabt  nur
Mk.  100  —}-  60  =  Mk.  160,-.
*)  Z.  B.  in  einer  Zieherei  stehen  neben  Exzenterpressen  größere  Ziehpressen.
        <pb n="193" />
        187

gaben  zu  decken,  die  nicht  unmittelbar  einer  Arbeit  (Maschine)  zu
belasten  sind 1 ).  Das  Kalkulationsschema  ist  das  folgende:
Materialwert  .  .  .  .  Mk
m  o/o  Zuschlag  „  ....  Mk.  a
Löhne:  Dreher  Mk  -j-a&amp;lt;&amp;gt;/o;  Mk
Stoßer  „  b°/o’  „  ....
Hobler  „  ....  -f-  c%'  ,&amp;gt;
(Fräser,  Schmiede,  Tischler,
Lackierer,  ebenso  berechnet)  Mk  Mk.  ß
MkTT“+ß)
-j-  Z  o/o)  Handlungsunkosten  u.  a.  „
Selbstkosten  Mk
„Bei  Bestimmung  dieser  Zuschläge  ist  auf  die  Werkzeug-  und
Arbeitstmaschinen,  sowie  auf  die  Bodenfläche  Rücksicht  zu  nehmen,
welche  die  einzelnen  Arbeiter  bei  Verrichtung  ihrer  Arbeit  beanspruchen. ­
  Es  ist  nur  natürlich,  daß  der  Dreher  und  Fräser,  der  große
teuere  Werkzeugmaschinen  und  demzufolge  auch  einen  größeren
Raum  in  der  Werkstatt  bei  der  Verrichtung  seiner  Arbeit  benötigt,
einen  weit  größeren  Anteil  an  den  Kosten  zu  tragen  hat,  also  einen
weit  größeren  Zuschlag  auf  seine  Löhne  in  der  Kalkulation  haben
muß  als  der  Schlosser,  der  zur  Verrichtung  seiner  Arbeit  nur
Schraubstock  und  Werkzeug  gebraucht,  und  daß  wiederum  der
Schlosser  einen  höheren  Zuschlag  auf  seine  Löhne  in  der  Kalkulation
haben  muß  als  der  Lackierer,  dessen  Werkzeug  nur  im  Pinsel  besteht ­
 2 ).“
In  manchen  Betrieben  begnügt  man  sich  mit  der  Trennung
von  Haupt-  und  Neben  arbeit  und  macht  auf  beide  verschiedene
Aufschläge.  Eine  solche  Trennung  ist  empfehlenswert,  wenn  die
Hauptarbeit  teuere  Werkzeuge  und  Werkzeugmaschinen  erfordert.
Ein  Beispiel:  Apparatenbau:
Materialwert  Mk.  18,50
-f-  10°/o  Aufschlag  ,,  1,85  Mk.  20,35
Hauptarbeit  Mk.  5,70
200  o/o  Aufschlag  „  11,40  „  17,10
Nebenarbeit  (Schleifen,  Polieren,  Wickeln
usw.)  Mk.  4,90
lOOo/o  Aufschlag  „  1,90  „  3,80
Selbstkosten  Mk.  41,25
9  Vgl.  Lauer,  Importance  of  cost  keeping  to  the  manufacturer  in  den
Annals  of  the  American  Academy  of  Political  and  Social  Science  Philadelphia,
November  1903.
2 )  Johanning,  Die  Organisation  der  Fabrikbetriebe,  2.  Aufl.,  1901,  S.  34.
Schon  Bailewski  (Kalkulation  für  Maschinenfabriken,  1877,  2.  Aufl.  1880)
fordert  die  Verteilung  der  Generalkosten  werkstättenweise.
        <pb n="194" />
        188

In  dem  folgenden  Beispiele  aus  der  Holzbearbeitungsindustrie
werden  Maschinen-  und  Handarbeit  getrennt  berechnet:
Holzkasten:
Material,  fertig  bezögen  Mk.  3,20
„  selbst  bearbeitet  „  2,—  Mk.  5,20
Maschinenlöhne  Mk.  4,20
-f-70.0/0,  Zuschlag  ,,  2,94  „  7,14
Handarbeitslöhne  Mk.  6,90
+  40  o/o  Zuschlag  „  2,76  „  9,66
Mk.  22,—
+  10p/o  Gewinn  „  2,20
Mk.  24,20
Man  muß  jedoch  in  vielen  Fällen,  insbesondere  in  Großbetrieben,
weiter  gehen  und  fordern,  daß  für  jede  Werkstätte  der  Einzelbetriebe ­
  ein  besonderer  Zuschlag  berechnet  werde x ).  Beispiele  sollen
die  Gründe  hierfür  zeigen.  Die  eine  Werkstätte  arbeitet  mit  teuerer
Arbeitsausrüstung,  .vorwiegend  mit  Werkzeugmaschinen,  die  eine
größere  oder  geringere  Kraft  beanspruchen;  in  dieser  Werkstatt
werden  alle  Arbeiten  durch  Handarbeit  von  Arbeitern,  in  jener
durch  weibliche  Arbeiter,  in  einer  anderen  nur  durch  Lehrlinge
besorgt.  Hier  ist  der  Verbrauch  an  teueren  Werkzeugen  sehr  groß,
die  Löhne  sind  höher;  dort  sind  bei  geringen  Lohnkosten  die  allgemeinen ­
  Betriebskosten  außerordentlich  hoch,  z.  B.  infolge  ausgedehnter ­
  Verwendung  maschineller  Einrichtungen.  Die  eine  mechanische ­
  Werkstatt  arbeitet  ohne  Maschinen;  trotz  der  hohen  Löhne
und  der  teueren  Werkzeuge  sind  die  allgemeinen  Kosten  gering.
Eine  Emailwerkstatt  erfordert  bedeutende  Unkosten  wegen  der  starken
Inanspruchnahme  der  Glüh-  und  Schmelzöfen,  der  Behälter,  in  denen
die  zu  emaillierenden  Gegenstände  geglüht,  gebeizt  werden.  Hingegen
sind  die  Betriebskosten  einer  Schleiferei,  Montagewerkstätte,  Schmiede
usw.  verhältnismäßig  geringer.
Wie  jeder  Betrieb,  so  verursacht  jede  Werkstätte ­
  Betriebsunkosten,  die  für  einzelne  Werkstätten ­
  erheblich  voneinander  abweichen.  Eine  summarische ­
  Berechnung  derart,  daß  man  die  Unkosten  aller  Werkstätten ­
  zusammenzählt  und  einen  durchschnittlichen  gleichmäßigen)
Prozentaufschlag  auf  alle  Löhne  ermittelt,  ist  deshalb  im  allgemeinen
zu  verwerfen.  EinDurchschnittssatzistnurdann  richtig, ­
  wenn  gleichartige  Erzeugnisse  hergestellt
')  Vgl.  Deutsche  Industrie-Zeitung  Nr.  2  von  1905.  S  perl  ich,  Reform
der  Unkostenberechnung  in  Fabrikbetrieben,  Hannover  1904.  Distribution  of
Shop  costs  (in  The  Iron  Age,  Vol.  75,  Nr.  1  von  1905).
        <pb n="195" />
        189

/

werden,  d.  h.  wenn  sämtlicheErzeugnisse  alle  Werkstätten ­
  in  ungefähr  gleicher  Her  Stellungszeit
durchlaufen,  so  daß  der  Anteil  an  den  Kosten  für
das  einzelne  Produkt  und  das  Verhältnis  der  einzelnen ­
  Arbeitsprozesse  im  Produkt  nur  unwesentlich ­
  sich  verändert.  Aus  der  Tabelle  S.  190  ist  ersichtlich,
wie  sehr  die  Betriebskosten  einzelner  Werkstätten  voneinander  abweichen ­
  können.  Wir  gestehen  zu,  daß  die  getrennte  Berechnung  der
Aufschläge  in  manchen  Betrieben  Schwierigkeiten  bereiten  wird.
Doch  werden  diese  auf  gewogen  durch  die  Vorteile  einer  zuverlässigen
Kostenverteilung.  Eine  elektive  Verteilung  der  Kosten
auf  die  einzelnen  Werkstätten  muß  vorausgehen.
(Siehe  S.  145  f.  u.  §  58  f.)  Würde  man  im  gegebenen  Beispiel  (S.  190)
einen  Durchschnittszuschlag  von  79,4  o/o 1  auf  die  Löhne  berechnen
(70680,—:  89  010,—),  so  zeigen  die  nachfolgenden  Zahlenbeispiele,
wie  eine  solche  Berechnung  die  tatsächlichen  Kosten  und  damit  den
Herstellungspreis  unrichtig  zum  Ausdruck  bringt.

Material
Zuschlag  10%

Mk.
y&amp;gt;

12-1,20


Mk.  13,20

Falsche  Berechnung:
Material  Mk.  13,20

Stanzen

Mk.

2-Löhne

  Mk.  3,—

+  126%%

1»

2,53

,,  4,53

79,4%  „  2,38  „  5,38

Vernickeln

Mk.

1-Mk.

  18,58

+  100%

1-m

  2,-d.

  h.  das  Fabrikat  würde

Herstellungskosten  Mk.  19,73  um  Mk.  1,15  zu  billig  verkauft ­
  werden,  das  ist  mit
etwa  6°/o  Verlust.
Die  Folgen  solch 1  unrichtiger  Berechnung  sind  klar:  für  den
einen  Artikel  werden  reichlich  Aufträge  eintreffen,  für  andere  der
gleichen  Fabrik  sind  solche  kaum  zu  beschaffen.  Trotz  überreicher
Bestellungen  auf  Artikel  der  einen  Abteilung  wird  Geld  verloren.
Konkurrenz-Unternehmungen,  die  nur  Spezialartikel,  vielleicht  nur
in  einer  Ausführung,  herstellen  und  ihre  Kosten  ohne  Schwierigkeit
genau  kalkulieren  können,  sind  in  dieser  Beziehung  im  Vorteil
gegenüber  Betrieben  mit  vielseitiger  Produktion,  die  mit  höheren
durchschnittlichen  Kosten  zu  rechnen  haben.
Eine  spezialisierte  Verrechnung  der  Unkosten  werkstättenweise
ist  dann  unerläßlich,  wenn  neben  den  Arbeiten  für  den  eigenen
Betrieb  noch  Lohnarbeiten  für  andere,  d.  h.  die  Be-  und
Verarbeitung  für  Dritte  übernommen  werden.  So  besorgt  z.  B.  eine
Weberei,  der  zur  Veredelung  der  eigenen  Erzeugnisse  eine  Färberei
und  eine  Appreturanstalt  angegliedert  sind,  zwecks  rationeller  Wirtschaft ­
  und  Ausnutzung  der  Anlagen  das  Färben  und  Appretieren
        <pb n="196" />
        Schematisierte  Unkostenverreehnung  der  Werkstätten.

Werkstatt

Abschreibungen

Anteil  an

Unkosten

Reparaturen  j

Meistergehälter ­


Gesamtbetrag

Summe  der
Fabrikationslöhne ­


60
i  «S
£  2
•oÄ
3
rt
7»

Gebäude ­


Werkzeug-




Werkzeuge ­


Mobilien ­


Kraft

Licht

Heizung ­


Löhne

Material

Stanzerei

450

5  000

2  300

100

4  000

450

250

2  000

1000

2  450

1000

19  000

15  000

126 2 /3

Schwarzblechklempnerei  .

700

500

200

200

400

500

300

1300

500

300

800

5  700

10  000

57

Beschlagschmiede  .  .  .

100

300

100

50

300

200

100

450

200

200

300

2  300

4  500

51,1

Emaillierung

2  000

1100

100

300

1000

900

—

8C0

18  000

4  000

1800

30  000

25  600

117,1

Malerei

80

—

10

40

-

200

100

50

120

100

1C00

1  700

10  800

15,8

Verzinnerei

150

—

10

30

—

200

100

150

700

10

650

2  000

2  000

100

Weißblechklempnerei  .  .

800

400

270

130

300

240

360

340

1460

400

1200

5  900

15  700

37,6

Vernickelei

80

280

20

20

200

210

240

100

730

200

300

2  380

2  410

100

Lackierwerkstatt  .  .  .

130

50

10

10

—

170

130

300

240

160

500

1  700

3  000

56 2 /s

Summe  Mk.

4  490

7  630

3  020

880

6  200

3  070

1580

5  490

22  950

7  820

7  550

70  680

89  010
        <pb n="197" />
        für  fremde  Rechnung  oder  es  werden  Reparaturarbeiten  übernommen
u.  dgl.
Überdies  ist  zu  erwägen,  daß  einzelne  Fabrikate  nicht  gleichmäßig ­
  alle  Werkstätten  durchlaufen;  und  trotzdem  soll  der  Durchschnittszuschlag ­
  die  Kosten  aller  Werkstätten  decken!  Z.  B.:
Eine  Fabrik  für  elektrische  Meßapparate  und  andere  Bedarfsartikel
läßt  jeden  Apparat  vor  der  Ablieferung  auf  fehlerfreie  Funktion
eichen,  was  teuere  Anlagen  und  Meßinstrumente  erfordert.  Die
Kosten  dieser  Eichabteilung  dürfen  sicher  nur  jenen  Artikeln  angerechnet ­
  werden,  die  tatsächlich  probiert  werden.
In  Unternehmungen,  die  alle  oder  einzelne  Bedarfsartikel
im  eigenen  Betriebe  erzeugen  —  z.  B.  Werkzeuge  für  die  mechanische ­
  Werkstätte;  die  Eisengießerei  liefert  den  anderen  Abteilungen
den  Metallguß;  der  Fabrik  ist  eine  Installations-  und  eine  Bauabteilung ­
  angegliedert,  die  Arbeiten  außerhalb  des  Betriebes  ausführen ­
  —,  ist  es  vielfach  üblich,  neben  dem  Herstellungspreis  einen
kleinen  Gewinnaufschlag  zu  berechnen;  sie  betrachten  solche  Abteilungen ­
  (z.  B.  die  Werkzeugmacherei)  als  selbständige  Betriebe
mit  Erwerbszweck.  Die  Rentabilität  der  Selbsterzeugung  berechnet
sich  aus  dem  Unterschiede  zwischen  Herstellungs-  und  dem  Einkaufsmarktpreis ­
  der  selbst  angefertigten  Artikel.  (Vgl.  S.  81.)
Läßt  man  ein  Arbeitsstück  auf  der  Maschine  einer  anderen
Betriebsabteilung  bearbeiten  —  weil  diese  gerade  nicht  beschäftigt
ist,  oder  weil  die  eigene  Abteilung  über  eine  solche  Maschine  nicht
verfügt,  oder  weil  die  Arbeit  gefördert  werden  soll  u.  ä.  .—,  dann
rechnet  man  vielfach  den  Aufschlag  der  eigenen  (bestellenden)  Abteilung. ­

Dies  führt  uns  zur  Erörterung  der  Frage,  wie  grundsätzlich
die  Aufschläge  auf  selbsterzeugte  Werkzeuge,  für  Arbeiten ­
  auf  die  sogen,  festen  oder  eigenen  Kommissionsnummem
u.  ä.  zu  berechnen  sind.  Für  eine  produktive  Werkstätte  ist  es
gleichgültig,  auf  wessen  Kosten  sie  beschäftigt  wird.  In  jedem  F'alle
haben  die  Arbeitskosten  einen  Teil  der  allgemeinen  Unkosten  zu
tragen.  Läßt  man  die  Lohnkosten  für  Arbeiten  der  eigenen  Betriebe
ohne  Aufschlag,  so  verteuert  man  die  Kosten  für  die  Kundenarbeit
ganz  erheblich.  Die  Werkzeugmacherei  beispielsweise  würde  hingegen
im  Vergleich  zu  den  Anschaffungskosten  gekaufter  Werkzeuge  zu
billig  arbeiten.  Die  Arbeitskosten  für  Aufträge  des  eigenen  Bedarfs
sind  mit  den  Lohnaufschlägen  der  ausführenden  und  nicht  mit
jenen  der  auftraggebenden  Abteilung  zu  belasten.  Unterläßt  man
solche  Lohnaufschläge,  unterbleibt  somit  die  berechtigte  Überwälzung
eines  Unkostenteiles,  so  verteuert  dies  indirekt  die  Arbeitskosten
der  ausführenden  Werkstätte.
        <pb n="198" />
        192

Die  theoretisch  richtige  Ermittlung  des  Unkosteaaufschlag.es
bei  erheblichen  Arbeitsleistungen  für  andere  eigene  Betriebe  soll
das  folgende  Schema  zeigen.

Betriebsabteilung

1

II

III

IV

1.  Fabrikationslöhne  für  Arbeiten  auf

Lager  und  Bestellung
2.  Fabrikationslöhne  für  Aufträge  an-82440



50  236

57  608

52  760

derer  Betriebsabteilungen  ....

7  200

5  600

8  600

3.  Löhne  für  Neuanlagen

500

2  300

—

—

Von  den  Betrieben  bar  bezahlt.  .
4.  Zu  Fabrikationslöhne  für  Arbeiten
anderer  Betriebe,  an  diese  von  der
eigenen  Abteilung  zu  vergüten.  .

90  140

58136

57  608

61360

3  520

4  120

9  280

4  480

93  660

62  256

66  888

65  840

5.  Abzüglich  F.-L.  unter  2.,  von  den

anderen  Betrieben  zu  vergüten.  .

7  200

5  600

—

8  600

ö.  Arbeitslöhne  der  einzelnen
Betriebe

86460

56  656

66888

57  240

7.  Generalkosten  (Barausgaben)  .

77  620

34  000

85  019

57  270

vorläufig.  Lohnprozentsatz  v.  6.  .
8.  Ab  Gutschrift  v.  Unkosten  durch

90

60

127

100

Aufschlag  auf  Löhne  unter  2.  u.  5.

7  200  h  90  %

6  480

—

—

5  600  „  60  %

—

3  360

—

—

8  600  „  100%

—

—

8  600

9.  Ab  Gutschrift  durch  Unkostenaufschlag

  auf  Aktivwerte  unter  3.

500  ä  90  °/o

450

2  300  ,  60  °/o

—

1380

—

—

10.  Summe  7.  abzüglich  8.  u.  9..  .  •
11.  Zuzüglich  Unkostenaufschlag  auf

70690

29  260

85  019

48  670

Löhne  unter  4.

I.  1  040  ä  60  °/o

1  3104

___

2  480  „  100  %

IL  2  400  „  90  °/o
1720  ,  100%
III.  1200  „  90  °/o

-

3  880

~

3  680  „  60  °/'o
4400  „  100  %

—

7  688

IV.  3  600  ,  90  %

l

—

—

3  768

880  „  60%

j

12.  Von  den  Betrieben  tatsächlieh

  zu  tragenden  Unkosten
(10.  und  11.)

73  794

33140

92  707

52  438

Lohnprozentsatz  (zu  6.)

85,4

58,5

138,6

91,6

Meitzer  (Grundzüge,  S.  12)  verlangt,  daß  die  unproduktiven
Aufwendungen  nur  von  den  durch  Verkauf  von  Ware  realisierten
Leistungen,  nicht  von  den  Leistungen  für  den  eigenen  Bedarf  getragen ­
  werden.  Die  Inventarvermehrung  durch  eigene  Arbeit  soll
        <pb n="199" />
        193

nicht  mit  Unkosten  belastet  werden,  so  daiß  die  Unkosten  nur  durch
Aufschlag  auf  die  produktiven  Löhne  für  die  Warenerzeugung
verteilt  werden  sollen.  Was  Meitzer  unter  Inventarvermehrung
versteht,  sagt  er  ganz  klar.  Er  spricht,  S.  13,  von  „Selbstanfertigungen
für  Betriebserweiterungsbauten  und  deren  Ausrüstung“.  Für
Meitzer  ist  die  Schaffung  von  Inventarvermehrung  keine  produktive ­
  Arbeit,  die  Lohnausgaben  hierfür  sind  keine  wirklich
werbenden  Löhne,  was  zeigt,  daß  die  Gleichstellung  der  Ausdrücke
produktive  und  werbende  Löhne  nicht  ganz  sinngemäß  ist.  In  der
Sache  selbst  hat  Meitzer  unrecht.  Wer  die  Herstellungskosten  der
Inventarvermehrung  richtig  berechnen  will,  kann  auf  den  Unkosten-Zuschlag
  für  Betriebskosten  nicht  verzichten 1 ).
Das  nachstehende  Beispiel  zeigt  die  Anwendung  der  bisher
entwickelten  Grundsätze.
Wagenbau  (Einzelheiten  des  Materialbedarfs  weggelassen):

Betrag

Zuschläge

Zusammen ­


°/o

Betrag

I.  Materialien:

1

Holz,  einschl.  Verschnitt

.  .  .

400,60

10

40,10

440,70

Eisen,  Stahl
Fertigbezogene  Beschläge  .
Schrauben,  Muttern,  Nieten,

185,95

5

9,30

195,25

Splinte,

717,20

2

14,35

731,55

Rohre

165,13

Malermateralien
Sattler

.  .  .

58,80
16,45

1  2

4,80

245,18

Summe  j

1544,13

68,55

1612,68

II.  Arbeitslöhne:

.

Holzbearbeitung  ....

.  .  .  .

25,—

160

40,-65,-





70,-60



42,-112,-





40,-80



32,-72,-





13,-150



19,5

32,5

Pressen

9,5

200

19,-28,5



Drehen

.

85,5

200

171,-256,5



Bohren

12,-150



18,-30,—



Hobler,  Gesenkschmiede.

6,-150



19,-.15,-





4,5

120

5,4

9,9

Schleifen

3,-150



4,5

7,5

Schlosser

62,-60



37,2

99,2

Sattler

V,-30



2,1

9,1

Maler

22,-50



11,—

33,—

Holzplatz,  Hofarbeiter  .  .

10,-25



2,5

12,5

Summe

369,5

418,2

782,7

‘)  Vgl.  auch  Lewin,  Werkstattbuchführung.  Berlin  1906.  Seite  21.
Leitner,  Selbstkosteuberechnung.  7.  Aufl.  13
        <pb n="200" />
        1.  Gesamt-  und  Stiickkalbulation

Monat

Stückzahl ­


Ar-Tägliche


Leistung

Gesamtkalkulation

Stückkalkulation

1918

der
Produktion ­


beitstage


Produktive
Löhne

Unkosten
ohne  Abschreibung ­


Material ­


Löhne

Unkosten ­

ohne
Abschr.

Prozentsatz ­
  der
Löhne

Fabrik-Selbst
 ­

ohne
Abschreibung

Fabrik-Selbst*
kosten  mit
Einschluss  von
38.1  %
Abschreibung

Januar  .  .  .

5050

20*)

252,5

188  343,55

806  203

2009,17

3597,63

6200,16

172

11806,97

13177,64

Februar  .  .  .

4015

18‘)

223,1

140  604,18

259  663

2571,81

3175,89

5865,25

184

11  612,95

12  822,94

März  ....

5650

24

235,4

236  950,26

367  906

2574,23

3216,50

5032,60

156

10  823,33

12  048,81

April  ....

4376

23

190,3

193  753,96

333  600

2577,04

3252,65

5344,47

164

11174,16

12  413,40

Mai  ....

4690

24

193,3

182  757,79

268  650

2622,93

3232,76

5121,21

158

10  976,90

12  208,57

Juni  ....

4728

25

189,1

253  335.73

348  279

2673,66

3289,81

4998,07

151

10  961,54

12214,94

28  509

1  195  744,97

1  884  301

Juli  ....

4533

27

167,9

Durchschnitt

August  .  .  .

4563

27

169

158  %

September  .  .

3880

25

155,2

Abschreibungen

456  343  =
der  Löhne

38,1  •/,

.

')  Streikwochen.
        <pb n="201" />
        13*

III.  Zusammenstellung:
Materialien
Arbeitslöhne
-f-  5  °/o  Handlungsunkosten
10  °/°  Gewinn
Verkaufspreis  |!  2766,70
Das  Beispiel  S.  194  f.  gibt  eine  Gesamtkalkulation  sowie  eine
summarische  Stückkalkulation  nebst  den  schematisierten  Unterlagen
für  dio  monatliche  Ermittlung  der  Werkstatt-  und  der  allgemeinen
Fabrikunkosten  wieder;  die  Kosten  der  Generalverwaltung,
2.  Aufstellung  der  Werkstatt-Unkosten  für  19

Werkstattunkosten ­


1.  Betriebs-Material
a)  Feuerungskosten
Kohlen
Koks
Anteil  an  Dumpfkraft
„  „  Heizung.  .
,,  „  Beleuchtung
„  „  Gasverbrauch
b)  Hilfsmaterialien  und  Reparaturen ­

Werkzeuge  und  Stahl
Feilen
öl,  Petroleum  ....
Putzwolle  u.  Putzlappen
Sonstige  Betriebs  -  Ma
terialien
Reparatur  an  Maschinen
„  an  Transmis
sionen
Reparatur  des  übrigen
Inventars  ....
2.  Nicht  produktive
Löhne
a)  Nebenlöhne  dieser  Ab
teilung
b)  Nebenlöhne  anderer
Werkstätten  ....

3.  Meistergehälter  .
Sa.  der  Werkstatt-Unkosten
4.  Produktive  Löhne  .  .
Verhältnis  der  Unkosten  zu
den  Löhnen  (4.)

Gesenkschmiede ­


Härterei ­


Schleiferei ­


Montage ­


usw.

zusammen ­
        <pb n="202" />
        196

insbesondere  Finanzkosten,  Direktionskosten,  Zqntralbuchführung  usw.
sind  nicht  mehr  berücksichtigt.  Es  handelt  sich  nur  um  die  Ermittlung ­
  der  Herstellungskosten  in  der  Fabrik  (Fabrikselbstkosten).
Platzkostenzuschläge.
§  46.  Die  Differenzierung  der  Lohnaufschläge  nach  Werkstätten ­
  genügt  in  vielen  Fällen  nicht.  Wenn  in  einer  Werkstätte
3.  Aufstellung  der  allgemeinen  Fabrik-Unkosten  für  19...

Betrag

Grund-  und  Gewerbesteuern,  Vis  der  Jahressumme
Feuerversicherung,  V 12  der  Jahressumme
Beiträge  zum  Verband  Metallindustrieller
„  zur  Berufsgenossenschaft
„  ,  Krankenversicherung
„  „  Invaliden-  und  Altersversicherung
„  ,  Angestellten-Versicherung
Gebäude-Unterhaltung
Unterhaltung  der  Automobile
Wasserverbrauch  .  .
Konstruktions-Unkosten  und  Versuche:  Gehälter,  Löhne  und
Materalien-Verbrauch  .  .  .
Technisches  Bureau:  Gehälter  und  Bureaubedarf
Kaufmännisches  Bureau:  Gehälter  und  Bureaubedarf
Krankenkassen-Bureau:  Gehälter  und  Bureauunkosten
Material  Verwaltungen:  Gehälter,  Löhne  und  Unterhaltung  .  .  .
Expedition:  Gehälter,  Löhne  und  Unterhaltung
Fabrik-Kevision:  Gehälter,  Löhne  und  Unterhaltung
Portiers,  Wächter  und  Bureaudiener
Sonstige  Unkosten

Produktive  Löhne

Verhältnis  der  Fabrikunkosten  zu  den  produktiven  Löhnen  .  .

neben  Maschinen  von  normalem  Durchschnittswert  solche  von  großem
Werte  stehen  —  z.  B.  in  einer  Maschinenfabrik  neben  großen  Plaudrelibänken
  und  Walzenfräsmaschinen  ^kleinere  Spezialmaschinen  —,
dann  kann  es  unmöglich  richtig  sein,  alle  Gegenstände,  die  in  dieser
Werkstätte  bearbeitet  werden,  gleichmäßig  mit  demselben  Prozentaufschlag ­
  auf  die  Arbeitslöhne  zu  belasten.  Die  Betriebskosten
—  Kraft,  Schmier-  und  Putzmittel,  Abschreibungen  und  Zinsen  usf.
—  der  großen  und  wertvollen  Maschinen  sind  sehr  bedeutend.  Sie
erhöhen  den  Durchschnittsaufschlag  der  Werkstätte  ganz  erheblich.
Unrichtig  ist  es,  Gegenstände,  die  nur  auf  den  normalen  Arbeitsmaschinen ­
  bearbeitet  werden,  auch  einen  Anteil  an  diesen  Mehrkosten ­
  tragen  zu  lassen.
        <pb n="203" />
        197

Ein  Beispiel:  In  einer  Schraubendreherei  stehen  automatische
und  Handbänte.  Erstere  sind  teuere  Spezialmaschinen,  deren  Bedienung ­
  und  Aufsicht  ungelernten  Arbeitern  mit  geringem  Lohn
übertragen  werden  können.  Auf  den  automatischen  Bänken  werden
Schrauben  selbsttätig  hergestellt,  auf  den  Handbänken  durch  die
Geschicklichkeit  des  gelernten,  gut  bezahlten  Arbeiters.

Automatische
Betriebskosten  Mk.  1800
Betriebsstunden  2800
Kosten  einer  Betriebsstunde  64  Pfg.  =
426  °/o  des  produktiven  Lohns.

Handbänke
Mk.  470
2900
16  Pfg.  =  25  °/o

Rechnet  man  einen  durchschnittlichen  Werkstattaufschlag  —
etwa  den  in  Maschinenfabriken  so  beliebten  Satz  von  100  o/o  —,
dann  zeigt  sich  folgendes  Bild:
Arbeitslohn  */*  von  45  Pfg.  =  15  Pfg.  65  Pfg.
100«/«  15  ,  65  ,
für  eine  Arbeitsstunde  80  Pfg.  180  Pfg.

Das  Ergebnis  ist  so  zweifellos  falsch,  daß  es  einer  Beweisführung ­
  nicht  bedarf.  Die  Betriebskosten  der  automatischen  Bänke
betragen  das  (Vierfache  der  Handbänke  (64:16),  die  richtige  Berechnung ­
  liefert  (15-]-  64)  79  Pfg.  und  (65-j-16)  81  Pfg.  für  die
Arbeits-  -oder  Betriebsstunde  *).

Ein  anderes  Beispiel:

Revolver:

Automat:

Material
Arbeitslöhne:

Mk.

5,-Mk.



5,-Abstechen

  usw.  Mk.

3,50

Mk.

—,80

Putzen,  Abnehmen  „

-,io

”  \

—,30

Revision  „

—,20

J

Mk.

3,80

Mk.

1,10

-f-150  °/o  Zuschlag  „

5,70  Mk.

9,50

200°/o  „

2,20

3,30

Mk.

14,50

Mk.

8,30

-f-  5  %  Ausschuß

7J

—,75

—.45

Mk.

15.25

Mk.

8,75

Die  Beispiele  lehren:  Ein  gleichmäßiger  einheitlicher ­
  Werkstättenaufschlag  ist  nur  dort  gerechtfertigt, ­
  wo  die  Abteilung  gleichartige  Arbeitsmethoden ­
  und  gleichwertige  Arbeitsmaschinen
mit  annähernd  gleichen  Betriebskosten  vereinigt.
Wo  sich  innerhalb  einer  Werkstätte  die  Arbeits-*)

  Andere  gute  Beispiele  bringt  Lilienthal  a.  a.  O.  S.  110.
        <pb n="204" />
        198

methoden  differenzieren,  müssen  die  Betriebskosten ­
  der  einzelnen  Maschine  oder  einzelner  Gruppen ­
  gleichartiger  Maschinen  ermittelt  werden.  Die
.Verteilung  dieser  Maschinenkosten  kann  durch  Prozentaufschlag ­
  auf  die  Arbeitslöhne  dieser  Maschine  oder  besser  durch
Berechnung  der  stündlichen  Arbeitskosten  erfolgen.  Die  Verteilung ­
  nach  der  Zahl  der  Betriebsstunden  hat  die  Stundenzahl  der
Werkstätte  oder  die  Betriebsstunden  der  betreffenden  Maschine  zugrunde ­
  zu  legen.  Im  ersten  Fall  verteilt  man  die  Kosten  gleichmäßig
auf  die  Arbeitszeit  der  ganzen  Werkstätte;  die  zweite  Berechnungsart ­
  ist  erforderlich,  wenn  schwere  Arbeitsmaschinen  mm  zeitweilig
und  für  bestimmte  Erzeugnisse  benutzt  werden.

Praktisches  Beispiel  für  die  Berechnung  der  Maschinenkosten.
Maschine  Nr.  288.  Fläche  25  qm,  Gesamtfläche  der  Arbeitsmaschinen

25
und  -plätze  800  qm.  Anteil  von  Nr.  288  somit  =

'32

der  Zeitkosten.

1.

2.
3.

4.

a)
b)

Abschreibung,  Zinsen,  Reparaturen  des  Gebäudes,
Anteil  an  den  Kosten  der  Heizung  und  Beleuchtung. ­
  Allgemeine  Kosten  (Werkstattaufsicht, ­
  Meister  ‘)

Berechnet  nach  dem  beanspruchten ­
  Raum  hier

636,40

Abschreibung,  Zinsen,  Reparatur  der  Maschine  .  .  .  Mk.  1675,—
Betriebskosten  der  Maschine,  berechnet  im  Verhältnis
zur  beanspruchten  Kraft,  z.  B.  durchschnittlicher  Kraftbedarf ­
  10  PS  mal  1200  Maschinen-Betriebsstunden
=  12  000  PS  Stunden,  d.  i.  im  Verhältnis  zur  Gesamtkraftleistung ­
  der  Maschinenanlage  5%&amp;gt;  von  den  Gesamtkosten ­

  5  °/o  w  546,80
Besondere  Kosten  (Verbrauch  an  Reserveteilen,  Pakkungen,
  Werkzeugen  etc.),  hier  Ölverbrauch  stündlich
V«  1  ä  29  Pfg.  =  ,  174,—
Gesamtkosten  für  1200  Betriebsstunden  Mk.  3  032,20
1  Betriebsstunde  Mk.  2,53
Feste  Kosten  (1  und  2)  Mk.  2311,40,  pro  Stunde.  .  .  Mk.  1,93
Veränderliche  Kosten  Mk.  546,80,  pro  Stunde  ....  45,6  Pfg.
Ölverbrauch  pro  Stunde  15  ,
für  die  Arbeitsstunde  60,6  Pfg.
Erhöht  sich  die  Zahl  der  Betriebsstunden  etwa  auf  1400,
so  ergibt  sich  folgende  Rechnung:  die  Kosten  unter  a)
bleiben  unverändert  Mk.  2311,40
1400  ä  60,6  ,  848,40
Gesamtkosten  für  1400  Betriebsstunden  Mk.  3  159,80
1  Stunde  =  Mk.  2,257.

’)  Andere  Betriebe  verrechnen  diese  Kosten  pro  Arbeitsbetriebsstunde,  d.  i.
für  eine  Betriebsstunde  Mk.  2,26.  Innerhalb  gewisser  Grenzen  werden  die  Kosten
bei  zunehmender  Leistung  für  die  Leistungseinheit  fallen.
        <pb n="205" />
        199

In  vielen  Betrieben  der  deutschen  Industrie  wird  der  angeführten
Förderung  genügt:  Einzelne  Werkstätten  werden  in  rechnerischer ­
  und  kalkulatorischer  Beziehung  in  einzelne
Arbeitsplätze  aufgelöst  und  die  Kosten  dieser  Arbeits-  und
Werkplätze  ermittelt.  Die  im  §  52  angegebenen  Berechnungsformeln ­
  bieten  genügende  Anhaltspunkte  für  die  praktische  Handhabung ­
  dieser  verfeinerten  Kalkulationsmethode.  (Vgl.  das  3.  Beispiel,
§  52.)
Die  Feststellung  der  Maschinenkosten  (monatlich,  vierteljährlich) ­
  kann  durch  ein  Maschinen-Journal  (s.  S.  160)  etwa
mit  folgenden  Posten  vorbereitet  werden:
Arbeitslöhne  (Fabrikationslöhne)  dieser  Maschine  Mk.  —,—
Zahl  der  Betriebsstunden  Stunden
1.  Abschreibung:  Anlagekosten  Mk  ä  .  .  .  .  °/o  für  das  Jahr.
(Buchwert)  d.  i.  Mk  Via  —  Mk.  —,—
2.  Anteil  an  der  Abschreibung  auf  Grundstücke  und  Gebäude.
Beanspruchter  Baum  *  .  .  .  qm  ä  ...  .  Pfg  —,—
3.  Allgemeine  Kosten:  Betriebslöhne  „  —,—
Gasverbrauch  ....  cbm  k  .  .  .  .  Pfg  „  —,—
Wasserverbrauch  ....  cbm  h  .  .  .  .  Pfg  „  —,—
Lichtverbrauch  ....  Lampen  ä  .  .  .  .  Pfg.  .....  ,  —,—
Kraftkosten  ....  PS-Stunden  ....  (Kilowattstunden)  .  „  —,—
Ölverbrauch  ....  Liter  ä  .  .  .  .  Pfg  ,  —,—
4.  Werkzeuge,  Reserveteile,  Packungen  1  ,
5.  Gerätschaften  [  Verbrauch  »  -,~
6.  Transmissionen  ,  —.—
7.  Transportmaschinen  (Aufzüge,  Kran)  Nr.  —  Betriebsstunden  .  ..  a.  „  —,—
Gesamtkosten  Mk.  —,—
Kosten  pro  Stunde  oder  in  Prozenten  der  Fabrikationslöhne ­
  ....  o/o.
Stundenzuschläge.
§  47.  In  den  Betrieben  der  Vereinigten  Staaten  ist  der  Stundenaufschlag ­
  üblich.  Zum  Preise  einer  jeden  Arbeits-  oder
Arbeiterstunde  wird  eine  Summe  hinzugerechnet,  die  die  allgemeinen
Unkosten  decken  soll.  Um  den  Zuschlag  zu  ermitteln,  wird  der
Gesamtbetrag  der  allgemeinen  Kosten  (eines  Betriebes,  einer  Werkstätte, ­
  einer  Maschine)  durch  die  Anzahl  der  Stunden  (dieses  Betriebes ­
  etc.)  geteilt.  Die  Berechnung  erfolgt  monatlich  oder  doch
in  kürzeren  regelmäßigen  Zeiträumen.
Die  Berechnung  des  Zeitaufschlages  kann  sich  beziehen:
1.  auf  die  Arbeitsstunden,  Betriebsstunden;  hier  bleibt  die
Zahl  der  Arbeiter  außer  Ansatz.  Dieser  Modus  findet  Anwendung
bei  der  Berechnung  der  stündlichen  Maschinenkosten  (§  46).
2.  auf  die  Arbeiter  stunde,  d.  h.  das  Produkt  aus  Arbeitszeit ­
  und  Arbeiterzahl.  Den  Unterschied  beider  Methoden  zeigt  die
nachfolgende  Tabelle:
        <pb n="206" />
        200

Monat  Oktober.

Werkstätte ­


Monatl.
Kosten

Betriebsstunden ­

26  Tage
h  10  Stunden

Kosten
einer
Arbeitsstunde ­


Arbeiterzahl ­


Arbeiterstunden ­


Kosten
einer
Arbeiterstunde ­


I

520,—

260

2,-30



7  800

6‘/s  Pfg.

II

780,-260



3,-40



10  400

7  V«  p fg.

Anwendung:
Arbeiter  Nr.  16  II.:  Lohn  für  65  Stunden  a  50  Pfg.  —  Mk.  32,50
65  Stunden  ä  7  V*  Pfg.  ==  „  4,87 s  (=15°/o  des
Gesamtesten  Mk.  37,37 6  Lohnes)
3.  Die  Verteilung  der  Werkstattkosten  auf  den  Arbeitertag
nach  2.  nimmt  auf  die  Höhe  der  Einzellöhne  keine  Rücksicht.  Will
man  darauf  Rücksicht  nehmen  und,  wie  der  prozentuelle  Lohnaufschlag, ­
  die  Lohnkosten  eines  teueren  Arbeiters  auch  mit  einem
höheren  Anteil  an  den  allgemeinen  Unkosten  belasten,  so  ist  die
Lohnsumme  der  Werkstätte  als  Rechnungsfaktor  mit  einzubeziehen,
z.  B.  (im  Anschluß  an  2.):

Werkstätte ­


Lohnsummen  der

Gesamtlohn ­
 ­


Anteil  der

pro  Arbeiterlohnstunde ­


Klasse  I
60  Pfg.

Klasse  II
40  Pfg.

Klassen  an
den  Kosten

1

2340,-15
  Arbeiter

1560,-15
  Arbeiter

3900,-I

  312,—  ')
II  208,—

I  8  Pfg.  *)
II  5  V»  Pfg.

Anwendung:
Arbeiter  Nr.  10  I.:  65  Stunden  k  60  Pfg.  =  Mk.  39,—
Zuschlag:  65  ,  ä  8  »  =  ,  5,20
Mk.  44,20

(Lohnkosten)
(==  13  V«  %  des
Lohnes)

Arbeiter  Nr.  18  II.:  65  Stunden  k  40  Pfg.  =  Mk.  26,—  (Lohnkosten)
Zuschlag:  65  ,  k  5  Vs  „  =  ,  3,47  (=  13  '/s®/o)
Mk.  29,47

Die  Ergebnisse  nach  der  2.  Methode  wären
Nr.  10:  Lohn:  39,—  Unkosten:  4,33
,18:  ,  26,-  „  4,88

Lohnprozente:  11,1
,  16  V»

‘)  3900  :  520  =  2340:  s.
s )  31200  :  3900  (d.  h.  260  Betriebsstunden  X  Arbeiterzahl).  Wir  haben  angenommen, ­
  daß  jeder  Arbeiter  lOstündige  Arbeitszeit  hat.
        <pb n="207" />
        201

Das  nachstehende  Kalkulationsschema  dient  zur  Berechnung
des  Verkaufspreises  eines  Produktes  unter  Anwendung  des  Stundenaufschlages. ­


I.

II.

III.

IV.

V.

VI.

VII.

VIII.

IX.

Material  aufs  chlag
(für  Bezugskosten,

©
bt)

Allgemeiner
Aufschlag:

'©'
fco

m
bo
fl
ö

-4-3
©  ►-&amp;lt;
fl  1—1
2  1

©
©

Magazin  u.  a.)
1.  entweder  a  Pfg.  auf

©
g

r Ö  o
fl  32

x  Pfg.  für
die  Arbeits--M


fl
©
s

fl
c8
w

©  1
•*1  a
t*2

s
©  fl
-fl  ©

Materialkosten

die  Maß-  oder  Gewichtseinheit ­
  oder
2.  in  •/«  vom  Einkaufswert ­


22
r rO
fl
.2
o3
M
-fl
o3
Cm

3  fl
i  cö
fl  fl
©  ©
£.S
w«  X
®  £
^  *

stunde

Sonderkosten
(Transport,  !

Aufschlag  für
kosten

.3*
-fl  bß
©  CQ
©  A
fl  **33
11  ©
fco

Aufschlag  für
Verkaufsspee

O

Die  Abteilungsaufschläge  (IV)  werden  beispielsweise  wie  folgt
berechnet:
A.  Maschinenwerkstätte:
a)  Bohrmaschinen,  Hobel-  und  Fräsmaschinen  a  Pfg.
b)  Drehbänke,  Schraubenmaschinen  .  .  .  .  b  „
c)  Alle  anderen  Maschinen  c  „
d)  Schlosserarbeiten  d  „
B.  Holzbearbeitungswerkstätte  1  .  .  .  .  e  „
C.  Gießerei  usf.  j
Eine  Verfeinerung  der  Gliederung  ist  möglich,  wenn  man  die
Abteilungsunkosten  spezifiziert;  z.  B.  könnte  obiges  Schema  wie  folgt,
ergänzt  werden:

Aufschlag

Eür

Abschreibung ­


Zinsen

Kraft

usf.

Summe

Pfg.  per  Stunde

a)  Bohrmaschine  usf.  .  .  .

25

13

15

a

b)  Drehbänke  usw.  .  .  .
usw.

19

8

13

b

Die  Anwendung  der  vorstehenden  Schemata  ergibt  sich  ohne
weiteres  von  selbst,  so  daß  die  Darstellung  eines  Beispiels  entfallen
kann.

für  eine
Lohnstunde ­
        <pb n="208" />
        —  202  —
4.  Eine  gröbere  Berechnungsweise  ist  die  Aufteilung  der  Betriebskosten ­
  pro  Arbeitstag.  Man  ermittelt  beispielsweise  die
Tageskosten  einer  Gießerei  sowie  die  durchschnittliche  Tagesleistung ­
  und  berechnet  aus  diesen  Faktoren  den  Aufschlag  auf  eine
bestimmte  Gewichtseinheit.  Z.  B.  wären  die  Tageskosten  Mk.  892,66
bei  einer  durchschnittlichen  Tagesproduktion  von  30  000  kg  Guß,

somit  für  100  kg  =  Mk.  2,98
allgemeine  Kosten,  dazu  die  Ausgaben  für  Eisen,  Abbrand, ­
  Löhne  —  &amp;gt;,17,—
Selbstkostendurchschnitt  für  100  kg  Rohguß  .  .  Mk.  19,98

Ein  Baugeschäft  rechnet  wie  folgt:  Die  Generalkosten  betragen ­
  Mk.  85  000,—,  geleistet  wurden  60  000  Lohntage  im  Jahr;
demnach  betragen  die  Kosten  pro  Tag  und  Mann  etwa  Mk.  1,45.
Die  Prozentaufschlagsmethode  verteilt  die  Unkosten  gewöhnlich
nach  Prozenten  der  Lohnsumme.  Ein  Beispiel:
Betrieb  A  arbeitet  2000  Std.  zu  60  Pf.  =  Mk.  1200,—  Lohnkosten
„  B  „  3000  „  „  50  „  =  „  1500-Summe
  Mk.  2700,—
Die  Unkosten  betragen  Mk.  6600,—,  d.  h.  244  4 / 9  %.  Verteilt
man  die  Kosten  nach  den  Lohnaufwendungen,  so  entfallen  auf
A.  neben  Mk.  1200,—  auf  B.  Mk.  1500,—
244  V 9 %  =  „  2933V3  und  ,,  3666  V s  =  244  */ 9 %.
Aufwand:  Mk.  4133 1 / 3  Mk.'5166 2 / 3
Beide  Betriebe  —  oder  Fabrikate  —  werden  somit  gleichmäßig
mit  244 4 / 9  0/0  Unkostenanteil  belastet,  obwohl  der  Betrieb  B  3000
Stunden  arbeitet!  Gerecht  kann  diese  Verteilung  nicht  sein 1 ).
B  wird  sicher  mit  einem  größeren  Anteil  zu  belasten  sein.  Abnutzung, ­
  Beleuchtung,  Heizung,  Verwaltungskosten  sind  größer  als
bei  A.  Trotzdem  ist  für  beide  Betriebe  und  deren  Fabrikate  rechnerisch ­
  die  prozentuelle  Belastung  gleich.
Wesentlich  anders  gestaltet  sich  das  Ergebnis,  wenn  die  Unkosten ­
  für  die  Betriebsstunde  berechnet  werden.  Eine  Stunde  kostet
(6600:5000)  Mk.  1,32.
A.  2000  Std.  zu  60  Pfg.  =  Mk.  1200,—  Lohnkosten
2000  „  „  Mk.  1,32=  „  2640,—  =  2200/0  Unkostenanteil
Mk.  3840,—
B.  3000  Std.  zu  50  Pfg.  =  Mk.  1500,—  Lohnkosten
3000  „  ,,  Mk.  1,32=  „  3960,—  =  262  0/0  Unkostenanteil
Mk.  5460,—.
')  An  sich  ist  sie  falsch,  weil  die  Berechnung  die  Aufschläge  nicht  nach
Abteilungen  trennt.
        <pb n="209" />
        —  203  —
Der  Unterschied  in  den  Unkostenanteilen  beträgt  T  Mk.  293  Vs,
im  Verhältnis  zum  Lohn  für  A  24 i / 3 °/o,  für  B  17  5 / 9 °/o.  Das  Ergebnis
der  zweiten  Verteilungsmethode  scheint  uns  richtiger  zu  sein,  denn
es  zeigt  die  prozentuelle  Belastung  dem  Verbrauch  entsprechend.
Die  Berechnung  der  Unkosten  für  den  einzelnen  Arbeiter  nach
den  Lohnausgaben  führt  zu  dem  gleichen  Ergebnis.
Z.  B.:  Der  Arbeiter  Nr.  1  braucht
10  Std.  zu  60  Pfg.  =  Mk.  6,—,  dazu  244 4 / 9 o/o'  =  Mk.  14,67,
Sa.  Mk.  20,67.
Der  Arbeiter  Nr.  2  braucht
15  Std.  zu  50  Pfg.  =  Mk.  7,50,  dazu  244 4 / 9 &amp;lt;&amp;gt;/o  =  Mk.  18,10,
Sa.  Mk.  25,60.
Der  zweite  Arbeiter  ist  also  insgesamt  um  etwa  Mk.  5,—  teurer:
beide  sind  gleichmäßig  mit  244 4 / 9 o/o  belastet.
Berechnet  man  die  Gesamtausgaben  für  einen  Arbeiter  unter
Berücksichtigung  des  Zeitaufwandes  (l 1  Stunde  verursacht  Mk.  1,32
Unkosten),  so  ändert  sich  das  Bild  wesentlich:
Nr.  l  :Mk.  6,—  Lohn  Nr.  2:Mk.  7,50  Lohn
„  13,20  Kosten  für  10  Std.  „  19,80  Kosten  für
15  Stunden.
Mk.  19,20  Mk.  27,30
Nr.  2  ist  im  Lohn  um  Mk.  1,50,  in  den  Generalkosten  um
Mk.  6,60  teurer!  Die  zweite  Berechnung  bringt  die  tatsächlichen
ungünstigeren  Verhältnisse  genau  zum  Ausdruck:  die  Arbeit  von
Nr.  2  ist  um  5  Stunden  zu  Mk.  1,32,  dem  größeren  Kraftverbrauch ­
  etc.  entsprechend,  teurer.  Läßt  man  eine  Arbeit  von  einem
Lehrling  besorgen,  auf  einer  billigen,  vielleicht  schon  völlig  abgeschriebenen ­
  Maschine  und  bezahlt  a  Mark  Lohn  und  ein  anderes
Stück  in  der  gleichen  Werkstatt  von  einem  Arbeiter  mit  teuren
Werkzeugmaschinen  fein  bearbeiten,  gleichfalls  für  a  Mark  Lohn,
so  werden  auf  beide  Lohnausgaben  ß  °/o  Generalspesen  geschlagen,
obwohl  die  Unkosten  für  beide  Arbeiten  stündlich  verschieden  sind.
Bezahlt  mau  2  Arbeitern  den  gleichen  Akkordlohn  für  die  nämliche ­
  Arbeit,  dann  ist  der  Prozentaufschlag  unrichtig,  wenn  die
Arbeitszeiten  für  die  Arbeiter  verschieden  sind.  Deshalb  ist  bei
dieser  Aufschlagsmethode  zu  sorgen,  daß  die  Akkordgrundzeit,  d.  h.
die  vorhergesehene  Normalzeit  eingehalten  wird.
Der  Stundenaufschlag  ist  beweglicher  und  läßt  sich  monatlich
berechnen;  doch  zeigt  sich  seine  besondere  Brauchbarkeit  nur  bei
der  Anwendung  auf  Nachkalkulationen.  Bei  Vorkalkulationen,  wo
mit  Akkordlöhnen  gerechnet  werden  muß,  ohne  die  genaue  Arbeitszeit ­
  zu  kennen,  wird  die  übliche  Lohn-Prozent-Methode  unter  Zurechnung ­
  eines  Prozentsatzes  für  Unvorhergesehenes  und  als  Sichen
heitsfaktor  praktischer  sein.
        <pb n="210" />
        204

Stündliche  Selbstkosten  einer  Dicktenhobelmaschinenarbeit
(Hobeln) 1 ).

I.  Anschaffungspreis  der  Maschine  (600  mm  Breite)
Riemen  (anteilig)

II.  Betriebskosten:
5°/o  Verzinsung  auf  2600  Mk.
10°/«  Abschreibungen  „  2000  „
25°/o  Abschreibungen  „  600  „
Antriebskraft  4  PS,  2500  Arbeitsstunden  zu  8  Pfg.  .
Schmiermittel,  Putzmittel
Verbrauch  an  Hobelmesser,  Schärfmittel
Arbeitsplatzmietswert,  Licht,  Heizung
Reparaturen
Feuerversicherung
Zwangsversicherung  .  ,
Steuern,  Lasten
Gehaltsanteil  des  Betriebsführers
Hoblerlöhne
Löhne  für  Hilfsarbeiter
2500  Jahresarbeitsstunden

.  2000  Mk.

2600  Mk.

.  Mk.

130

200

150

480

.  Mk.

800

104

120

165

65

1254

.  Mk.

35

76

25

200

336

2400

1800

4200

Kosten  6270

250  für  Nebenarbeiten  (Messerauswechseln,  Maschinenanlauf,  Stockungen
in  der  Werkstoffzuführung  .  .  .  .)
2250  zu  verrechnende  produktive  Arbeitsstunden.
Selbstkosten  für  1  Stunde  =»  2,79  Mk.  Betriebsunkosten,  1,72  Mk.
stündlich.
Leistungsvorschub  1  ‘/a  laufende  Meter  in  1  Minute,  Breitenausnutzung  ’/s  =  40  cm,
gibt  1,5.40.60  =  36  qm  stündlicher  Hobelfläche;  1  qm  =  8  Pfg.  Selbstkosten.
Nach  der  Lohnzuschlagsmethode  (3870:2400)  wären  etwa  162  °'o  zu  rechnen.
(Vgl,  auch  das  Beispiel  im  VII.  Abschnitt,  Textilindustrie.)
Die  Umrechnung  der  Stundenkosten  in  Lohnprozente ­
  zeigt  das  nachstehende  Beispiel  eines  kleineren  Betriebes:
Maschinensaal,  durchschnittlicher  Akkordstundenlöhn

125  Pfg.
Teuerungszuschlag  .  ...  j  ..  .  40  Pfg.  =  32  o/o
Schmiermaterial  20  „  =  16  „
Heizung,  Beleuchtung  10  „  =  8  ,,
Kraft  verbrauch  30  „  ='24.
Verschleiß  der  Maschinen,  Werkzeuge  .  40  „  =  32  „
Verzinsung  des  Anlagekapitals
7o/o  von  60000  =  4200  Mk  30  „  =  24  „
3  Hilfsarbeiter  auf  je  5  Mann  ....  80  „  =  64  „

Betriebskosten  stündlich  250  Pfg.  =  200%  des
Lohnes.

‘)  Der  Holzverkäufer,  13.  April  1917,  S.  195.
        <pb n="211" />
        205

§  48.  Ein  anderer  Verteilungsmodus  stützt  sich  auf  das  in
dem  Unternehmen  investierte  Betriebskapital  und  dessen
Leistungsfähigkeit 1 )  (Produktionsfähigkeit).
Jedes  Unternehmen  arbeitet  mit  einem  bestimmten  investierten
Betriebskapital.  Wenn  mit  n  Mark  Gesamt-Investitionskapital  ein
Jahresergebnis  (Wert  der  Jahresproduktion)  von  S  Mark  erreicht
g
werden  soll,  dann  entfallen  auf  eine  Mark  Kapital  —  Mark  der  veranschlagten ­
  Produktionsleistung.  Das  Produktionsergebnis  einer
g
Arbeitsstunde  bei  10  ständiger  Arbeitszeit  ist  somit  ——  —  a.
öUUL).  n
Braucht  man  für  eine  Arbeit  x  Arbeitsstunden,  so  entfallen  darauf
g
x  .  —  Mark  (—  x.  a);  sind  für  diese  Arbeit  y  Mark  investiertes
3000.n  '  J
Kapital  nötig,  dann  ist  das  Produktionsergebnis  dieser  Investitionssumme ­
  in  x  Arbeitsstunden:

ß  —  y  .x

3000  .n  ~  7  ’  X  •

d.  h.  daß  in  x  Stunden  mittelst  eines  investierten  Kapitals  von
y  Mark  ein  Wert:  y  .x.  a  erzeugt  werden  kann  und  erzeugt  werden
muß,  wenn  die  angestrebte  Leistungsmenge  erreicht  werden  soll.
Der  Wert  a  ist  für  jedes  Unternehmen  verschieden,  weil  die
angestrebte  Jahresleistung  (S)  und  das  investierte  Kapital  (n)  für
die  einzelnen  Fabriken  verschieden  sind.
Auch  für  jede  einzelne  Lohngruppe  (z.  B.  Dreher,  Fräser,
Stanzer)  oder  Werkstätte  sind  das  investierte  Kapital  und  die
Leistungsfähigkeit  verschieden.  Infolgedessen  ist  der  Wert  a  für
jede  Lohngruppe  anders  zu  bemessen.  Beschäftigt  ein  Auftrag  die
Werkstätten  1,  2,  3,  ...  mit  y v  y 2 ,  y 3  ...  Mark  investiertem  Kapital
durch  Xj,  x 2 ,  x 3  ...  Stunden,  so  beträgt  der  zu  erreichende  Produktionswert ­
  ß

ß  =  *i  Yi  a i  +  x 2  •  y 2  •  “2  +  x 3 .  y 3 .  « 3  4-'
Nun  sind  für  die  einzelnen  Lohngruppen  die  Werte  y  und  a  pro
Arbeitsstunde  konstant,  demnach  ist
ß  =  x x  c x  -f  x 2  c 2  -j-  x 3  c 3  -f
d.  h.  man  berechnet  den  Kosten  wert  eines  Fabrikates  auf  Grund  der
erreichbaren  Leistungsmöglichkeit  und  der  Höhe  der  Investitionen,
wenn  man  die  Stundenzahl  einer  jeden  Teiloperation  mit  der  kon-’)

  Ich  folge  hier  dem  Gedankengang  von  Rescei  („Einige  Erwägungen  in
der  Frage  der  Selbstkostenberechnung“  in  der  Zeitschrift  für  Elektrotechnik,
Wien  1904,  Heft  24),  dessen  freundliche  Mitteilungen  mich  auf  diesen  Verteilungsmodus ­
  aufmerksam  machten.
        <pb n="212" />
        206

Staaten  Zahl  für  die  betreffende  Lohngruppe  vervielfacht.  Wie  man
sieht,  ist  dieser  Kallnilationstyp  dem  Stundenaufschlagssystem  sehr
verwandt,  doch  werden  dort  die  Betriebskosten  für  die  Arbeitsstunde
zugrunde  gelegt.
Die  angegebene  Berechnungsmethode  nimmt  auf  die  produktiven
Löhne  keine  Rücksicht;  die  Arbeitslöhne  treten  in  der  Formel  direkt
überhaupt  nicht  in  Erscheinung.  Sie  stecken  in  dem  S,  d.  h.  der
veranschlagten  Leistung  der  einzelnen  Betriebsabteilungen.
Die  Konkurrenzfähigkeit  einer  Unternehmung  hängt  nicht  von
der  Höhe  der  Löhne,  sondern  davon  ab,  daß  die  größtmögliche
Leistungsfähigkeit  mittelst  des  investierten  arbeitenden  Kapitals  erreicht ­
  wipd.
Man  ermittelt  die  investierten  Kapitalien  für  die  einzelnen
Werkstätten  und  verteilt  die  übrigen  Kosten  nach  diesem  Maßstabe.
Diese  Verteilungsmethode  findet  man  in  Groß-  und  Kleinbetrieben,-obgleich
  picht  systematisch  für  alle  Kosten  durchgeführt;  vielfach
trifft 1 )  man  sie  in  Lohnwerkstätten,  die  von  Fabriken  Bestandteile
zur  Bearbeitung  überwiesen  erhalten.
Z.  B.  Ein  Meister  kalkuliert:  Arbeiten  auf  der  Maschine  I  kostep
stündlich  a  Mk.,  auf  der  Maschine  II  stündlich  b  Mk.,  oder  ein
Ingenieur  veranschlagt:  Ein  Tag  Kopf  bankarbeit  von  900  mm  Spitzenhöhe ­
  kostet  Mk.  20,—;  ein  Tag  Hobelarbeit  bei  1 / 2  m  Durchgang
kostet  Mk.  15,—  usf.
Kritik  der  Zuschlagsmethoden.
§  49.  Man  hat  folgende  Jahressummen  aus  den  kaufmännischen
Büchern  entnommen 2 ):  Gesamtwert  des  verarbeiteten  Materials
Mk.  120  000,—,  Löhne  Mk.  60000,—,  Generalkosten  Mk.  30  000,—;
daraus  soll  für  das  kommende  Betriebsjahr  der  Zuschlag  bestimmt
werden,  der  allen  Fabrikaten  anzurechnen  ist,  um  die  allgemeinen
Kosten  zu  decken.
Die  Verteilung  erfolgt  entweder
a)  nur  nach  dem  Materialwert  25  o/o'

oder  b)  nur  nach  der  Lohnsumme  50  o/o
oder  c)  nach  dem  Produktionswerte  (180000)  .  .  .  16 2 / 3  p/ 0

Nach  den  verschiedenen  Berechnungsmethoden  sind  die  Zuschläge ­
  verschieden.  Es  entsteht  die  Frage,  unter  welchen  Voraussetzungen ­
  diese  Zuschläge  tatsächlich  die  Kosten  decken.  Die  Anwendung ­
  auf  einen  Spezialfall  —  das  ist  stets  die  Probe  auf  die
Richtigkeit  eines  allgemeinen  Satzes  —  soll  dies  erläutern:  Ein
*)  Nach  brieflichen  Mitteilungen  des  Herrn  Rescei.
2 )  Andere  Beispiele  vgl.  Haeder,  Preisbildung  in  der  Maschinenindustrie.
Wiesbaden  1911,  S.  61.
        <pb n="213" />
        Der  Zuschlag  ist  in  allen  Teilen  gleich,  nämlich  Mk.  60,—;
würden  nur  gleichförmige  (d.  h.  nach  Art  und  Größe,  Ausführung
usf.  gleiche)  Fabrikate  erzeugt,  dann  müßte  man  500  solcher  Produkte ­
  erzeugen,  um  die  Unkosten  von  Mk.  30000,—  zu  decken.
Es  ist  für  Fabriken  mit  gleichförmiger  Produktion  gleichgültig,
nach  welcher  Methode  sie  die  Kostenzuschläge  berechnen  wollen.
II.  Fall.  Angenommen,  der  Umsatz  hätte  sich  im  nächsten
Jahre  im  Material  und  Lohn  um  50o/o  (auf  180  000,—  bzw.  90  000,—'),
in  den  Kosten  um  100  o/o  (auf  60  000,—)  gesteigert,  so  würden
sich  die  Zuschläge  wie  folgt  berechnen:  nach  Methode  a)  33 1  / 3 o/ 0
(früher  25  o/o),  nach  b)  66  2 / 3 %  (50%),  nach  c)  22  2 / 9  o/o  (16 2 / 3  %).
Hat  man  im  2.  Jahr  ein  Fabrikat  zu  kalkulieren,  dessen  Materialwert ­
  Mk.  900,—,  dessen  Löhne  Mk.  450,—  betragen,  so  müssen
den  verhältnismäßig  höheren  Unkosten  entsprechend  nunmehr
Mk.  300,—  (gegen  Mk.  225,—)  zugeschlagen  werden.
III.  Fall.  Nach  den  Angaben  des  I.  Falles  berechnet,  würde
ein  anderes  Fabrikat  (M  =  240,—,  L  =  180,—)  wie  folgt  zu  kalkulieren ­
  sein:
Methode  a)  Zuschlag  Mk.  60,—,  Selbstkosten  Mk.  480,—
„  b)  „  „  90,-,  „  „  410,-„
  c)  „  „  70,—,  „  „  490,—
IV.  Fall.  Ein  anderes  Beispiel:

Das  Produkt  I  erfordert:
Materialwert  Mk.  2,—  1  jq
Lohnkosten  „  8,—  /  ’
Sein  Verkaufspreis  ist:  20,—
M:L  =  1:4
Es  wird  ein  100*/»  Lohnaufschlag  berechnet:

Das  Produkt  II  verbraucht:
^I)  ■*-600,—

4:1
        <pb n="214" />
        r.

—  208  —

II.

M
L
Aufschlag  ....
Herstellungskosten
Verkaufspreis.  .  .

2,-  =

10%

CO
«4H

M

.  200,

40

°/o

8,-  =

40  %

««

00

L

.  60,

10

%

8,—  =

40%

u
&amp;lt;v

&amp;lt;3&amp;gt;

Aufschlag  .  .

.  60,—  =

10

7«

18,-=90%



fl

Kosten....

.  300,—  =

60

“/o

II
1
O

100%

0
&amp;gt;■

Verkaufspreis.

.  500,-  =

100

7»

Die  Lohnaufschlage  verhalten  sich  wie  4:25,  der  Verkaufswert
wie  1:25.  Die  erste  Ware,  bei  deren  Herstellung  die  Lohnkosten
überwiegen,  hat  den  vierfachen  Anteil  im  Verhältnis  zum  Verkaufspreis ­
  zu  tragen.  Setzt  man  die  Herstellungskosten  =  100o/o,
so  sind  die  prozentuellen  Anteile  von  Material,  Lohn  und  Kostenaufschlag ­
  für  I:  ll,lo/o,  44,4o/o  44 ; 5o/o;  für  II:  66 2 /s°/o,  16 2 / 3 o/ 0 ,
16  2/3  o/°.
Während  die  beiden  Fälle  I  und  II  nach  allen  drei  Methoden
den  gleichen  Zuschlag  und  Selbstkostenpreis  liefern,  ergeben  sich  im
HI.  Fall,  obwohl  nach  den  gleichen  Grundsätzen  berechnet,  verschiedene ­
  Resultate!  Wie  ist  dies  zu  erklären?  In  den  Fällen  I
und  II  waren  die  Kostenzuschläge  aus  den  Jahressummen  von
Material  und  Löhnen  berechnet,  deren  Wert  Verhältnis  2:1  war.  Die
Spezialfälle  zeigen  dasselbe  Wertverhältnis,  während  im  III.  Fall
Materialwert  und  Löhne  wie  4:3  stehen.
Daraus  ergeben  sich  die  nachstehenden  Schlußfolgerungen:
1.  Solange  das  Wertverhältnis  zwischen  Material  und  Löhnen
der  Einzelprodukte  annähernd  konstant  bleibt,  ist  es  gleichgültig,
nach  welcher  der  3  Methoden  der  Zuschlag  berechnet  wird.
2.  Die  einmal  gewählten  Zuschläge  behalten  nur  dann  ihre
Richtigkeit,  wenn  die  Jahressummen  von  Materialwert,  Löhnen  und
Unkosten  ihrem  Wertverhältnisse  nach  unverändert  bleiben;  für  das
Einzelfabrikat  nach  Methode  c)  dann,  wenn  dessen  Verhältnis
zwischen  Materialwert  und  Lohnsumme  annähernd  gleich  ist  dem
für  die  Berechnung  der  Zuschläge  maßgebenden  Verhältnisse  der
Jahressummen;  denn  der  Zuschlag  erfolgt  auf  eine  zusammengesetzte
Größe.  |  V  ;  ;.'  i  |  |
Die  Veränderung  der  angeführten  Wertverhältnisse  bedingt  eine
Änderung  der  Höhe  der  Zuschläge;  deshalb  sollen  diese  Verhältnisse
periodisch  auf  ihren  Bestand  geprüft  und  danach  die  Kalkulationsformel ­
  berichtigt  werden.;  Betriebe  mit  stark  schwankenden  Betriebs*-.
Verhältnissen  (z.  B.  schwankender  Beschäftigung)  werden  deshalb
gut  tun,  auf  Grund  monatlicher  Statistiken  fallweise  die  Aufschläge
zu  bestimmen,  die  für  die  Produktionskalkulation  in  Anwendung
        <pb n="215" />
        HHHHB

—  209  —  1
kommen  sollen.  Allerdings  wird  der  Verkaufspreis  vielfach  von
diesen  schwankenden  Zuschlägen,  die  dann  mehr  der  internen  Kontrolle ­
  dienen,  unabhängig  sein.
V.  Fall.  Wir  wollen  annehmen,  daß  im  II.  Falle  der  Zuschlag
auf  die  Arbeitszeit  berechnet  wird;  iunter  Annahme  eines  Durchschnittslohnes ­
  von  60  Pfg.  ergeben  Mk.  90  000,—  Löhne  150000
Stunden  mit  Mk.  60000,—  Kosten.  1  Stunde  somit  40  Pfg.  Unkosten. ­
  Die  Kalkulation  des  Spezialfalles  liefert:
M  +  L  =  1250,-1  =  Mk.  1650,—  Selbst-750
  Stunden  zu  40  Pfg.  =  300,—i  kosten.
Erhöhen  sich  die  Löhne  auf  70  Pfg.  infolge  Lohnsteigerung,
so  wird  gerechnet:
M  =  900,  j-  L  =  525,—,  Sa.  1415,—,  dazu
750  Stunden  mit  300,—  —  Sa.  1725,—  Mk.
Der  Aufschlag  bleibt  unverändert.  Der  Selbstkostenpreis  ist
um  Mk.  75,—  höher,  und  zwar,  wie  die  Rechnung  richtig  zeigt,
infolge  der  Lohnverteuerung.  Die  Prozentzuschläge  würden  in  diesem
Falle  unrichtige  Resultate  liefern.  Der  Stundenaufschlag  ist  somit
vom  Materialwert  und  von  Lohnsteigerungen  unabhängig;  nur  das
Verhältnis  der  jährlichen  Lohnstundenzahl  und  der  Kostensumme
muß  unverändert  bleiben.
Daß  die  allgemeinen  Betriebskosten  auf  die  direkten  oder  Fäbrikationslöhne
  geschlagen  werden  und  daß  gerade  diese  Methode  eine
so  weitgehende  Durchbildung  erfahren  hat,  wird  aus  folgender  Überlegung ­
  klar:  Die  Betriebskosten  entstehen  durch  die  Arbeit,  d.  h.
durch  die  Anfertigung  eines  Fabrikates  und  lasten  somit  auf  dem
Wert  der  technischen  Arbeit,  dem  Lohn.  Das  Verhältnis  zwischen
Lohn  und  Arbeitsleistung  wechselt  wenig.  Das  Wesen  der  Fabrikation
besteht  darin,  durch  chemische  oder  (und)  mechanische  Veränderung
der  Stoffe  neue  Werte  zu  schaffen.  Das  ökonomische  Prinzip,  mit
dem  geringsten  Aufwand  den  größten  Erfolg  zu  erzielen,  bezieht
sich  in  Gewerbebetrieben  nahezu  ausschließlich  auf  den  technischen
Prozeß  des  Produzierens.  Alle  wirtschaftlichen  Verbesserungen  des
Betriebes  kommen  schließlich  in  der  Tätigkeit  des  Produzierens  zum
Ausdruck:  die  Arbeit  zu  verbessern  und  zu  verbilligen.  Deshalb
sind  alle  Kosten,  welche  durch  diese  Tätigkeit  veranlaßt  werden,
dem  Wertmaß  dieser  Arbeit,  dem  Lohn,  anzurechnen.  Unkosten,
die  nicht  durch  die  Anfertigung  der  Ware  veranlaßt  werden,  sollen
deshalb  auch  nicht  dem  Lohne  zugeschlagen  werden  (vgl.  §  50).
Eine  namhafte  Steigerung  der  Preise  für  Rohmaterialien  und
Arbeitslöhne  bewirkt  eine  Änderung  der  Unkostenzuschläge.  Während
der  Kriegsjahre  trat  diese  Erscheinung  regelmäßig  zutage.  In  der
Regel  verlangten  die  Heereslieferanten  für  die  notorische  Material-Leitner,
  Selbstkostenberecbnung.  7.  Aufl.  14
        <pb n="216" />
        preis-  und  Arbeitskostensteigerung  die  nachträgliche  Bewilligung  eines
Teuerungszuschlages.  Dagegen  war  wenig  einziuwenden;  es  mußte
nachgeprüft  werden,  ob  der  beantragte  Teuerungsaufschlag  im  Einklang ­
  stand  mit  der  auf  die  Verbrauchsmenge  für  das  Fertigfabrikat
umgerechneten  Verteuerung  der  Selbstkosten.  Wenn  dann  aber  ein
Erzeuger  mit  Rücksicht  auf  die  erhöhten  Unkosten  an  Stelle  der
bisher  Angerechneten  p  %  nunmehr  p  -f-  n  o/o  Unkostenzuschlag
in  Ansatz  brachte,  so  war  dieser  Berechnungsmodus  in  der  Regel
abzulehnen.  Ein  Zahlenbeispiel:  Die  Materialien  steigen  um  100o/o,
die  Löhne  um  40o/ 0 ,  die  Unkosten  um  20%  (mit  Rücksicht  auf  Erhöhung ­
  der  Gehälter,  die  Einstellung  ungeübten  Personals,  Ersatz
der  männlichen  durch  weibliche  Arbeitskräfte,  Verpflegungskostenzuschüsse ­
  u.  a.  m.).  Der  Produzent  rechnete  dann  häufig  wie  folgt:

Friedenspreis:  M  =  100
L=  50
200  °/o  U  =  100
250
20  %&amp;gt;  Gewinn  50
300

Kriegspreis:  200  +  100°/o
70  +  40  %
220°/»  154  +  54%
424  -f-  69,6  °/o
84,8  +  69,6%
508,8  +  69,6  °/o

Unterschied  beider  Forderungen:
100  +  20  +  54  +  34,8  =  208,8.

Der  Unkostenzuschlag  des  Kriegspreises  ist  unrichtig,  unangemessen
hoch.  Wenn  mit  200%  =  100  Mk.  in  Friedenszeiten  die  Unkosten
gedeckt  waren  und  im  Kriege  um  20%  gestiegen  sind,  so  waren
nur  120  Mk.  zur  Deckung  in  diesen  teueren  Zeiten  erforderlich.
Bei  70  Mk.  Lohn  war  ein  Zuschlag  von  etwa  175,%’  gerechtfertigt.
Genauigkeit  der  Kalkulation  vorausgesetzt,  ist  der  Gewinn  von  50
auf  84,8  Mk.  ohne  erheblichen  Mehraufwand  an  Unternehmerarbeit
gestiegen,  d.  h.  um  69,6%.  In  der  Überdeckung  der  Unkosten  (154
-4-120)  liegt  ein  „stiller“  Nutzen  von  34  Mk.,  insgesamt  118,8  Mk.
Gewinn  =  30,5.%  der  wirklichen  Selbstkosten  (200  —f—  70  —120).
Selbst  wenn  die  Friedenszuschläge  von  nur  200%  in  Anrechnung
gebracht  worden  wären  (140  Mk.),  würde  die  Unkostendeckung  zu
hoch  gegriffen  sein.  Die  Wertverschiebungen  zwischen  Material,
Lohn  und  Unkosten  gegen  die  Friedensverhältnisse  würde  eine  Neuberechnung ­
  der  Verhältniszahl  für  die  Kostenaufschläge  bedingen,
die  zumeist  zu  einem  niedrigeren  Ergebnis  geführt  hätte,  es  sei
denn,  daß  die  Steigerung  der  Arbeitskosten  und  jene  der  Unkosten
gleich  hoch  war.
Noch  ist  darauf  hinzuweisen,  daß  sich  die  Gewinne  am  Kriegspreis ­
  wegen  des  Zuschlages  der  Gewinnprozente  auf  die  Selbstkosten, ­
  also  mit  Einschluß  der  Verteuerung  der  direkten  Kosten,
gleichfalls  steigern  mußten.  Wollte  man  im  Beispiel  den  Friedens-
        <pb n="217" />
        211

gewinn  von  50  51k.  als  angemessen  ansehen,  käme  eine  Zusehlagsquote ­
  von  niur  12,85  o/o  in  Frage.  Die  Berechnung  würde  nunmehr
wie  folgt  aufzumachen  sein:
M  =  200
L  =  70
U_=_120
Selbstkosten  390
-f-  Gewinn  50
440

Die  gewöhnliche  Aufstellung  der  Selbstkosten  unter  Anwendung
der  Zuschlagsmethoden  erfolgt  nach  folgendem  Schema:

Werkstoff  2,20
Arbeitslöhne  2,85
200  °/o  Unkosten  .  5,70
10,75
15  °/o  Ausschuß  ■  1,61
Herstellungskosten.  ......  12,36
10  °/ 0  Handlungsunkosten.  .  .  .  1,24
Selbstkosten.  13,60
-f-  20  °/o  Gewinn  ■  2,72
Verkaufserlös  16,32

Verteilt  man  Ausschuß,  Handlungsunkosten ­
  und  Gewinn  auf  die  Kostenteile, ­
  ergibt  sich  ein  anderes  Bild:
Werkstoff  2,20
-j-  15  o  Ausschuß....  —,33
2,53
-f-  10  °/o  Handlungskosten  —,25
2  78
-f-  Gewinn  —,56  3,34
Arbeitskosten  ....  2,85
+  200  °/o  5,70
8,55
+  15°/°  Ausschuß.  .  .  .  1,28
9,83
-j-  10%  Handlungsunkosten—,98
10,81
Gewinn  ■  2,17  12,98
16,32

Für  Materialausschuß  werden  33  Pfg.,  für  Bearbeitung ­
  sausschuß  1,28  Mk.  berechnet,  unter  Einrechnung  der
Handlungsunkosten  (3  Pfg.  bzw.  12,8  Pfg.)  36  Pfg.  und  141  Pfg.
Der  Gewinnzuschlag  verteilt  sich  wie  folgt:

Auf  Werkstoffkosten  .  .

.  .  .  44  Pfg.

Materialausschuß  ....

■•■07  ,

Handlungskosten  ....

.  ...  05  „

56  Pfg.

Arbeitskosten  .  .  .  .

.  .  57  Pfg.

Unkosten

-  114  „

Ausschuß

■  ■  26  „

*

Handlungskosten  ....

•  •  ■  19  „

216  Pfg.

272  Pfg.
14*
        <pb n="218" />
        212

Tabellarisch  zusammengefaßt:

Betrag

Mit  15  °/o
Ausschuß

Mit  10  °/o
Handlungsunkosten ­


Mit  20  %
Gewinn

Werkstoff  kosten  ....
Arbeitskosten

2,20
8,55

2,53
9,83

2,78
10,81

3,34
12,98

Die  kaufmännischen  Verwaltungs-  und  die  Vertriebskosten ­
  (Handlungsunkosten).
§  50.  Die  Erzeugung  eines  Produktes  erfordert  außer  den  unmittelbaren ­
  Kosten  eine  Summe  von  mittelbaren  Aufwendungen,  die
wir  als  Erzeugungs-,  Herstellungs-  oder  Fabrikationsunkosten  bezeichnet ­
  haben.  Sie  werden  gewöhnlich  ,,Betriebs“unkosten  —  im
Gegensatz  zu  den  Yertriebsunkosten  -—  genannt,  eine  Unterscheidung,
der  es  an  genügender  Klarheit  fehlt.
Die  Handlungsunkosten  —  Unkosten  der  ,,Handlung“,  d.  i.
Anschaffung  und  Weiterveräußerung  im  Gegensatz  zur  Fabrikation,
d.  i.  Bearbeitung,  Verarbeitung,  Umwandlung  —  umfassen:
a)  Die  Kosten  der  kaufmännischen  Verwaltung  der
Unternehmung  (Gegensatz:  Technische  Verwaltung)  mit  Einschluß
der  Verlustabschreibungen  (auf  Verwaltungsgebäude,  Bureau-Inventar, ­
  Verkaufseinrichtungen  etc.):  Persönliche  und  sachliche  Kosten
der  Verrechnung  (Buchführung,  Statistik,  Kalkulation,  Lohnbureau, ­
  kaufmännische  Korrespondenz,  Drucksachen);  Kosten  der
Bestandsverwaltung  (Magazine);  Kosten  der  Finanzverwaltung ­
  (Schuldzinsen  u.  dgl.).
b)  Die  Kosten  des  Vertriebes,  die  nach  der  Art  des
Absatzes  verschieden  benannt  sind:  Kosten  der  Expedition,  der  Versandabteilung; ­
  die  Kosten  der  Versendung  selbst  (Fracht,
Fuhrwerk,  Verpackung,  Automobile);  Kosten  der  Absatzförderung: ­
  Beisekosten,  sämtliche  Kosten  der  Propaganda  in  den  verschiedenen ­
  Formen,  die  Kosten  der  Absatzvermittelung
(Agenten,  Vertreter,  technische  Bureaus  im  Auslande,  auswärtige
Lager,  Vertriebsstellen  wie  Fabrikniederlagen,  Filialen).
Zu  den  Vertriebskosten  rechnen  teilweise  auch  die  Kosten
einzelner  technischer  Abteilungen,  z.  B.  Offertzeiclmungen  ohne
darauffolgende  Bestellung  (Konstruktionszeichnungen  für  Werkzeugstätten ­
  zählen  zu  den  Erzeugungsunkosten).
        <pb n="219" />
        213

I.  Die  Gesamtkalkulation  hat  vorerst  die  Handlungsunkosten ­
  in  ihrer  Gesamtheit  festzustellen,  für  die  ganze  Unternehmung ­
  und  für  die  Abteilungen  bziw.  Unterbetriebe.  Bei  dieser
Verteilung  zeigt  sich,  daß  es  auch  in  dieser  Gruppe  a)  indirekte,
mittelbare  Unkosten  gibt,  die  nicht  unmittelbar  dem  Unterbetrieb
etc.  zugeschrieben,  vielmehr  nur  nach  Maßgabe  eines  Verteilungsschlüssels ­
  aufgeteilt  werden  können.  Und  b)  direkt  verteilbare
Unkosten,  wie  z.  B.  Katalog-  oder  Beklamekosten  einer  bestimmten
Abteilung  der  Fabrik.
Vor  der  Verteilung  der  Handlungsunkosten  ist  zu  überlegen,
ob  alle  Betriebsabteilungen  oder  nur  solche,  die  Verkaufs  waren
liefern,  an  diesen  Unkosten  beteiligt  werden  sollen.  Soweit  Vertriebsunkosten ­
  in  Frage  kommen,  erscheint  es  gerechtfertigt  zu  sein,
z.  B.  Hilfsbetriebe  von  diesen  Kosten  frei  zu  lassen,  während  an  den
Kosten  der  kaufmännischen  Verwaltung  die  Haupt-,  Neben-  und
Hilfsbetriebe  beteiligt  werden  (S.  149).
Die  Verrechnung  der  kaufmännischen  Unkosten  ist  keine  einheitliche. ­
  Soweit  sie  Bestandteil  des  Anschaffungswertes  sind  —
vgl.  Einkaufskalkulation  S.  102  —,  werden  sie  sofort  oder  durch
Zwischenbuchung  den  Anschaffungskosten  zugeschlagen.  Die  Verwaltungskosten ­
  des  Magazins  sollen  teils  den  Materialunkosten  —
vgl.  S.  72,  183  —,  teils  den  Vertriebskosten  (Lagerkosten  der  Fertigfabrikate) ­
  zugerechnet  werden.  Der  Verteilung  der  allgemeinen
Handlungsunkosten  auf  die  Unterbetriebe  etc.  wird  die  Lohnsumme,
der  produzierte  Herstellungswert  oder  der  Umsatz  zugrunde  gelegt.
Dementsprechend  deckt  man  diese  Unkosten  in  der  Einzelkalkulation ­
  durch  Zuschlag  auf  die  Fabrikationslöhne,  auf  den  Herstellungswert ­
  oder  den  Umsatz.  Die  Erzeugungslöhne  sind  der  ungeeignetste
Verteilungsmaßstab  für  die  kaufmännischen  Unkosten,  da  eine  Proportionalität ­
  zwischen  beiden  in  der  Kegel  nicht  besteht.  Die  Verteilung ­
  im  Verhältnis  des  Umsatzes  hat  zu  berücksichtigen,  daß
die  Unkosten  im  Umsatz  enthalten  sind  und  daß  der  Verkaufsgewinn
annähernd  konstant  bleiben  muß,  sonst  würde  ein  Unterbetrieb,  der
günstigere  Verkaufspreise  erzielt,  mit  größeren  Unkostenteilen  belastet ­
  werden.
Eine  elektive  (individuelle)  Verteilung  der  Handlungsunkosten ­
  auf  die  einzelnen  Betriebsabteilungen
ist  denkbar,  praktisch  jedoch  vielfach  undurchführbar,  wenigstens
nicht  ohne  einen  Zeit-  und  Geldverlust,  der  die  Vorteile  dieser  Aufteilungsmethode ­
  übersteigt.  Inwieweit  einzelne  Unkosten  für  jeden
Betrieb  getrennt  berechnet  werden  sollen  oder  können,  muß  der  fallweisen ­
  Entscheidung  überlassen  werden.  So  können  z.  B.  Steuern
nach  dem  Ertrag,  Portospesen  nach  der  Briefanzahl  der  Betriebe ­
  verteilt  werden.  Reise-  und  Reklamespesen  können
        <pb n="220" />
        in  dem  einen  Fall  (z.  B.  wenn  der  Reisende  nur  die  Erzeugnisse
einer  Abteilung  vertreibt,  die  Kosten  eines  Abteilungskatalogs)
für  den  Einzelbetrieb  verrechnet  werden,  in  einem  anderen  müssen
sie,  wie  alle  übrigen  Geschäftsunkosten,  anteilsmäßig  belastet  werden.
Die  zuletzt  genannte  Aufteilung  ist  stets  eine  mehr  oder  weniger
willkürliche,  die  die  größeren  oder  geringeren  ( Yertriebsunkosten
der  Einzelfabrikate  berücksichtigt.  Eine  schablonenmäßige  Aufteilung ­
  führt  auch  hier  zu  Unrichtigkeiten;  einzelne  Abteilungen
haben  überhaupt  kaum  nennenswerte  Handlungsunkosten,  z.  B.
solche,  die  ihre  Produkte  an  ein  Syndikat  oder  ausschließlich  an  einen
Abnehmer  liefern  (staatliche  Aufträge).  Für  den  einen  Unterbetrieb
ist  die  Einkaufstätigkeit  des  kaufmännischen  Bureaus  hinsichtlich
der  Beschaffung  möglichst  billiger  Rohstoffe  (wie  in  der  Papier-,
Textil-,  (Metallindustrie)  wichtig,  für  einen  anderen  ausschließlich
dessen  ;Ver  kauf  Stätigkeit.  Eine  dritte  Abteilung  braucht  für  ihre
Produkte  eine  sehr  rege  Reklame.  Kurz,  die  Unterbetriebe  sind  völlig
ungleichmäßig  an  den  Absatzkosten  beteiligt.  Feste  Yerteilungsgrundsätze,
  wie  sie  für  die  Betriebsunkosten  bestehen,  können  hier
nicht  angeführt  werden.
Die  Art  des  Absatzes  bestimmt  den  Anteil  des
Einzelfabrikates  an  den  Absatzkosten.
In  einzelnen  Unternehmungen  ist  es  üblich,  Betriebs-  und  Handlungsunkosten ­
  gemeinsam  zu  verrechnen,  ein  Verfahren,  das  grundsätzlich ­
  zu  verwerfen  ist 1 ).  Eine  ordnungsmäßige  Kostenberechnung ­
  hat  anzugeben,  was  der  technische  Prozeß  der  Herstellung
und  was  der  Vertrieb  kostet.  Die  Tendenz,  den  berufsmäßigen
Zwischenhandel  auszuschalten,  beherrscht  auch  die  Industrie  und
führt  zu  einer  häufig  beobachteten  ununterbrochenen  Steigerung
der  sog.  Handlungsunkosten  (man  vergleiche  diese  Kosten  in  den
Bilanzen  der  Aktiengesellschaften) 2 ).  Ist  der  Selbstkostenpreis  eines
Artikels  verhältnismäßig  zu  hoch,  so  kann  der  technische,  aber  auch
der  kaufmännische  Betrieb  zu  teuer  arbeiten.  Im  ersten  Fall  müssen
die  Kräfte  rationeller  ausgenutzt,  die  Roh-  und  Hilfsstoffe  billiger
eingekauft  u.  dgl.,  im  anderen  Fall,  müssen  die  Bankspesen,  Verkaufskosten, ­
  Gehälter  usf.  vermindert  werden.  Ohne  Trennung
beider  Unkostengruppen  wird  es  der  Verwaltung  nicht  immer  möglich ­
  sein,  an  der  richtigen  Stelle  zweckmäßige  Vorkehrungen  zu
treffen.
Von  den  allgemeinen  Handlungsunkosten  sind  die  besonderen
V  e  r  k  a  u  f  s  s  p  e  s  e  n  zu  trennen  (siehe  §  30).  Ihre  Aufteilung  nach

*)  Balle  w  ski  a.  a.  O.  S.  39  legt  mit  Unrecht  wenig  Wert  auf  die  Trennung.
2 )  Vgl.  Rathenau,  Einfluss  der  Kapitals-  und  Produktionsvermehrung  auf
die  Produktionskosten  in  der  deutschen  Maschinen-lndustrie,  S.  72  ff.  Jena  1906.
        <pb n="221" />
        Unterbetrieben  unterbleibt;  sie  können  naturgemäß  nur  bei  der  Verkaufskalkulation
  berücksichtigt  werden  (siehe  S.  217).
Die  Kosten  der  Verpackung  und  Versendung  sind
entweder  vom  Verkäufer  oder  vom  Käufer  zu  tragen.
a)  Trägt  der  Unternehmer  die  Kosten  der  Verpackung  (Materialien ­
  und  Arbeitslohn),  so  zählen  sie  zu  den  allgemeinen  Kosten.
In  den  meisten  Fällen  können  diese  Ausgaben  für  die  einzelnen
Betriebsabteilungen  festgestellt  werden  (Packzettel).  Wo  dies  nicht
angeht,  verteilt  man  sie  nach  dem  Werte  des  Versandes  der  Einzelabteilungen. ­
  Einzelne  Unternehmungen  liefern  die  Waren  frei  ins
Magazin  des  Käufers  oder  doch  frei  Bestimmungsort,  tragen  somit
die  Kosten  der  Verpackung,  des  Transports,  Zölle  und  alle  damit
zusammenhängenden  Ausgaben.  Solche  Spesen  müssen  in  der  Kalkulationsformel ­
  bei  den  besonderen  Verkaufsspesen  mitberücksichtigt
werden.  Es  wird  sich  empfehlen,  für  die  Hauptabsatzgebiete ­
  und  -orte  tabellenförmig  die  gesamten  Verkaufskosten ­
  auf  eine  Einheit  zu  berechnen.
b)  Trägt  der  Käufer  die  Verpackungskosten  (bei  Verkäufen  ab
Fabrik  auch  die  Versendungskosten),  dann  ist  auf  sorgsame
Berechnung  Bedacht  zu  nehmen.  Der  Geldwert  wird  in  der  Rechnung ­
  für  den  Käufer  als  besonderer  Posten  angegeben.
Eine  sehr  genaue  Berechnung  der  Reisekosten  und  der  Kostenanteile ­
  eines  jeden  Einzelverkaufes  zeigen  die  folgenden  Schemata
einer  Fabrik  für  landwirtschaftliche  Maschinen,  die  auch  fertige
Maschinen  bezieht  und  vertreibt.  Die  Verkaufspreise  der  eingekauften ­
  Maschinen  sind  vom  Produzenten  festgelegt,  so  daß  die
genaue  Kostenberechnung  nur  den  Zweck  hat,  den  wirklichen  Gewinn ­
  zu  bestimmen,  zu  ermitteln,  ob  der  Handelsbetrieb  rentabel
ist  und  ob  die  Ra-battsätze  genügend  hoch  sind  *).
a)  Reisekosten  (Kartothek),  Vorderseite:

Reisender  N.  N.  Reisedauer  1.—6.  Mai  1915.

Datum

Fahrt

Taggeld

Sonstige
Kosten

Gehalt

Summe

1./5.

8,40

12-5,-

  '

12-37,40



etc.

:

5./5.

:

Summe

136,—

72,-21,-








1.  Mai:  Bestellnummern  315,  V 4  Tag  Kostenanteil  Mk.  9,35.
316,  3 /i  Tag  Kostenanteil  „  28,05.

‘)  Entnommen  Ergänzungsband  II,  S.  142/143.'
        <pb n="222" />
        216

b)  Lagerbuch.
Eingang  Ausgang

Datum

Verkaufspreis

Kabatt

Netto

Kosten

Konstante
Kosten

Gesamtkosten ­


Gewinn

Eingang

Ausgang

Fracht

1
d
s  3
SS
«  00
3
N

Zinsen

Abfuhr
Verpackung

Summe

d
a&amp;gt;
©
&amp;lt;s&amp;gt;
aa
K

Vertreter

a/4.

8./10.

730

219

511

38,20

4,70

18,25

4,35

65,50

—

110

1,20

687,70

42,30

II.  Einzelkalkulation.  Die  Erzeugungsunkosten  und  die
Handlungsunkosten  werden  häufig  nach  dem  gleichen  Schema  verteilt, ­
  sowohl  in  der  Unkosten  Verrechnung  wie  in  der  Einzelkalkulation. ­
  Diese  Art  der  Verteilung  ist  nicht  einwandfrei.  Die
einen  entstehen  durch  die'  Fabrikation,  belasten  die  Herstellung  und
werden  hauptsächlich  durch  Lohnzuschläge  gedeckt.  Die  Handlungsunkosten ­
  sind  zum  größten  Teil  allgemeine
Verkaufskosten,  die  durch  den  Vertrieb  der  Fabrikate  verursacht ­
  werden.  Ihre  Verteilung  soll  durch  Aufschlag  auf
den  Produktionswert  erfolgen.  Diese  Auffassung  entspricht ­
  kaufmännischer  Übung.  Ein  Kaufmann  berechnet  den  Verkaufspreis ­
  seiner  Ware  folgendermaßen:  Gestehungskosten  (d.  i.
Fakturawert  einschl.  Bezugs-  und  Deckungsspesen),  dazu  einen  Aufschlag ­
  für  allgemeine  Geschäftsunkosten;  auf  die  Summe  beider
Beträge  wird  ein  Gewinnaufschlag  gemacht.  (Vgl.  S.  5f.)
Dieser  Auffassung  kann  man  auch  bei  der  Kalkulation  industrieller ­
  ^Produkte  folgen.
Wir  sind  deshalb  der  Meinung,  daß  die  Fabrikationskosten
(Ausgaben  für  die  Herstellung)  im  weiteren  Sinn,  die  kaufmännischen
Verwaltungsunkosten  und  Kosten  für  den  Absatz  voneinander  zu
trennen  sind,  die  Handlungsunkosten  in  der  Einzelkalkulation  nach
dem  Produktionswert  verteilt  werden  sollen.  Eine  solche  Trennung
ist  insbesondere  notwendig,  wenn  neben  selbst  erzeugten  Produkten
noch  Handel  mit  gekauften  Waren  getrieben  wird.
Die  Kalkulationsformel  ist  demnach:
S  =  (M  ■  1,0  p m  +  L  .  1,0  pi).  1,0  p k
Produktionswert  S,
Der  Verkaufspreis  somit:  S x .  1,0  g,  worin  p k  und  g  die  Zuschläge ­
  für  kaufmännische  Kosten  und  Gewinn  bedeuten.
Eine  strenge  Scheidung  zwischen  Ha-ndlungs-  und  Fäbrikationsunkosten
  wird  nur  dort  möglich  sein,  wo  Betrieb  und  kaufmännische
        <pb n="223" />
        217

Verwaltung  örtlich  getrennt  sind.  Man  kann  als  Regel  auf  stellen:
Alle  Kosten,  die  entfallen  würden,  wenn  der  Produktionsbetrieb
nicht  existierte,  sind  Betriebskosten.

Kalkulationsbeispiel:  Maschinenbau.
Materialwert  ....  Mk.  1250,—
zu  10%'  Aufschlag  .  .  .  „  125,—  Mk.  1375,—
Fabrikationslöhne  .  .  .  Mk.  1120,50
Zuschläge  „  783,50  „  1904,—
Herstellungskosten  Mk.  3279,—
zu  15%  Handlungsunkosten  ....  „  491,85
Selbstkostenpreis  Mk.  3770,85
Wie  falsch  die  Verteilung  der  Verkaufskosten  nach  der
Lohnsumme  sein  kann,  dafür  ein  Beispiel  aus  der  Werkzeugfabrikation. ­
  Es  werden  Feilen  und  Sägen  erzeugt,  deren  Verkaufspreise ­
  ungefähr  gleich  sind.

Die  richtige  Berechnung:
Feilen  Sägen
1.  Materialwert  10  Pfg.  70  Pfg.
2.  Lohnkosten  50  »  IS  „
3.  „  Aufschläge  30  ,  22  „
4.  Allgemeine  Betriebskosten  30  %  auf
die  Summe  von  2  und  3  24  v  10  »
Herstellungskosten  114  Pfg.  115  Pfg.
+  20%  Vertriebskosten  23  „  23  ,,
Selbstkosten  137  Pfg.  138  Pfg.

Die  falsche  Verteilung  liefert:
Herstellungskosten  -  114  Pfg.  115  Pfg.
Vertriebskosten  50%  auf  die  Löhne.  .  25  „  07  „
139  Pfg.  122  Pfg.

d.  h.  trotz  des  gleichen  Herstellungswertes  werden  die  Feilen  ungefähr  mit  den
vierfachen  Verkaufskosten  belastet.
Die  besonderen  Verkaufsspesen  (vgl.  §  30)  können
nur  bei  der  Verkaufskalkulation  Berücksichtigung  finden;  sie  werden
durch  prozentuelle  Zuschläge  auf  den  Selbstkostenpreis
gedeckt.  Z.  B.:  Der  Selbstkostenpreis  eines  Fabrikats  beträgt  Mk.
240,—;  es  soll  mit  15%'  Nutzen,  2  o/o  Rabatt  für  den  Wiederverkäufer ­
  verkauft  werden.  Die  Berechnung  des  Verkaufspreises  ist
folgende:
        <pb n="224" />
        Mk.

276,—.

5,63:

Mk.

281,63

70,40

15  o/o  Gewinn  vom  Selbstkostenpreis
Dieser  Betrag  soll  nach  Abzug  aller  besonderen ­
  Verkaufsspesen  übrig  bleiben
2  o/o  Zinsenzuschlag 1 )  im

Hundert  für  Skonto

/276V  \
\  98  )
,63.20\
80  /

Mk.  352,03  Verkaufspreis  (Listenpreis).
Die  Abrechnung  für  den  Käufer:
Mk.  352,03  Listenpreis
70,40  —  20  o/o  Rabatt
Mk.  281,63
5,63  —  2  o/o  Skonto
Mk.  276,—  Erlös.
Die  obenstehende  Abrechnung  beweist  die  Richtigkeit  der  Kalkulation. ­
  Dabei  ist  zu  bemerken:  1.  Daß  die  Zuschläge  für  besondere
Verkaufsspesen  im  Hundert  zu  berechnen  sind.  2.  Daß  auch  die
Reihenfolge  der  Zuschläge  zu  berücksichtigen  ist:  die  Zuschläge
sind  in  einer  der  Abrechnung  für  den  Käufer  entgegengesetzten
Reihenfolge  zu  berechnen.  Würde  man  im  Beispiel  zuerst  den  Rabatt
(liefert  Mk.  69,—)  und  dann  Skonto  (7,03)  berechnen,  so  würde
das  Endergebnis  stimmen  (Mk.  352,03),  jedoch  würden  die  berechneten
Beträge  mit  den.  tatsächlichen  Ausgaben  nicht  übereinstimmen.
Die  Kalkulationsformel  S  =  ([Materialwert  -j-  10o/o]  -j-  [Hauptarbeit-)-- ­
  100  o/o]  -j-  [Nebenarbeit-)-  50  o/o])  -f-  60o/ 0  auf  das  Ganze,
nämlich  30  o/o  Gewinn,  20%  Rabatt,  10%  Umsatzprämie,  ist  somit
falsch.  Bei  einem  Materialwert  eines  Fabrikates  von  Mk.  24,—,
Hauptlohn  Mk.  15,—,  Nebenlöhnen  Mk.  6,—,  würde  diese  Formel
Mk.  104,64  ergeben.  Die  theoretisch  richtige  Formel  (Prämie,
Rabatt)  liefert  Mk.  118,09  als  Verkaufspreis;  der  beabsichtigte  Gewinn ­
  (19,62)  wird  durch  den  Unterschied  der  berechneten  und  der
tatsächlichen  Ausgaben  auf  Mk.  9,94  reduziert!  Trotz  genauer  Kontrolle ­
  der  Material-  und  Lohnkosten,  trotz  subtiler  Berechnung  der
Aufschläge  wird  dieses  Unternehmen  niemals  den  rechnungsmäßigen
Gewinn  erzielen  können.

*)  Der  Zinsenaufschlag  erfolgt  bei  Arbeiten  auf  Bestellung  als  „Skonto“
wegen  de*  Verkaufszieles,  bei  Arbeiten  auf  Lager  als  „Lagerzinsen“  wegen  der
Zinsenverluste  bis  zum  voraussichtlichen  Verkauf.  Vgl.  auch  S.  11  ff.
        <pb n="225" />
        In  einzelnen  Unternehmen  ist  es  üblich,  die  Aufschläge  nach
den  erzeugten  Artikeln  verschieden  hoch  zu  bemessen  (Artikelaufschlag).
  Dieses  Verfahren  ist  vielfach  berechtigt.  Wenn  man
beispielsweise  eine  Ware  emailliert,  die  andere  nur  lackiert,  diese
stanzt  und  jene  falzt,  dann  wäre  ein  gleichmäßiger  Aufschlag  auf
beide  Ausführungen  offenbar  ungerecht.  In  größeren  Unternehmungen ­
  kann  man  werkstättenweise  die  Aufschläge  bestimmen.  In
kleineren  Betrieben  wird  eine  so  weitgehende  Spezialisierung  der
Kosten  wahrscheinlich  untunlich  sein.  In  anderen  Betrieben  ist  es
tatsächlich  unmöglich,  die  Unkosten  nach  der  Schwierigkeit  der  Ausführung, ­
  wie  es  einer  gerechten  Verteilung  entspricht,  zu  berechnen.
Auch  die  Vertriebs(Handlungs)unkosten  können  nicht  schablonenmäßig ­
  verteilt  werden.  Der  eine  Artikel  oder  die  eine  Artikelgruppe
erfordert  öfteres  Reisen,  mehr  Reklame,  verursacht  größere  Anstrengung ­
  hinsichtlich  des  Verkaufes  u.  ä.,  andere  „verkaufen  sich
von  selbst“.  Ein  Betrieb,  der  ausschließlich  auf  Bestellung  arbeitet,
wird  mit  anderen  Verkaufsspesen  zu  rechnen  haben  als  ein  solcher,
der  hauptsächlich  auf  Lager  arbeitet  und  durch  fortgesetzte  Reklame,
durch  Agenten,  Reisende  für  deren  Vertrieb  sorgen  muß.
Bei  Berechnung  der  Kostenaufschläge  erscheint  es  häufig  gerechtfertigt, ­
  anstatt  gleichmäßig  hoher  Aufschläge  diese  nach  Artikelgruppen ­
  zu  differenzieren,  um  den  besonderen  Verhältnissen
der  Ausführung  und  des  Vertriebes  Rechnung  zu  tragen.
Schließlich  sei  ein  Kalkulationsbeispiel  vorgeführt.  Eine  Porzellanwarenfabrik ­
  berechnet  eine  Vase,  Modell  Nr.  1346,  Gewicht  1,25  kg,

Brennraum  6,7  cbm:
Masse  Kr.  —,10
6,7  cbm  Brennraum  ä  12  h  ....  „  —,80
Dreher,  Maler,  Farben  „  —,80
2  mal  schmelzen  ä  12  h  .....  .  „  —,24
Kr.  1,94
50  o/o  Unkosten  —,97
Kr.  2,91!
15°/o  für  Bruch  —,44

Selbstkosten  Kr.  3,35
NB.  Die  Kosten  des  Brennens  und  Schmelzens  werden  nach  dem
Rauminhalt  des  betr.  Artikels  verteilt.  Die  Verluste  durch  Bruch
der  Waren  (vgl.  S.  101)  erstrecken  sich  auf  Materialwert,  Löhne
und  allgemeine  Unkosten;  deshalb  die  prozentuellen  Zuschläge  zum
Produktionswert.  Sie  sind  nach  den  Erzeugungsschwierigkeiten  und
dem  Grade  der  Zerbrechlichkeit  der  Fabrikate  abzustufen x ).
’)  Vgl.  Buchführung  und  Statistik  eines  Fabrikbetriebes;  Jahresbericht  der
Kommunalhandelsschule  Brüx  1904,  S.  34.
        <pb n="226" />
        220

Zusammenfassung:
§  51.  Des  besseren  Verständnisses  halber  fassen  wir  die  bisherigen ­
  Erörterungen  zusammen:
1.  Die  Unkostenbuchführung  hat  den  Gesamtaufwand
nachzuweisen;  die  Materialkosten  und  Fabrikationslöhne  können
außer  Betracht  bleiben.  Für  jeden  Einzelbetrieb  sind  die  Unkosten
gesondert  zu  verrechnen.  In  Unternehmungen  mit  verschiedenartigen
Spezialfabrikationen  ist  wegen  der  gerechten  und  richtigen  Kalkulation ­
  eines  jeden  Artikels  für  jede  einzelne  Werkstätte  eine  besondere ­
  Kostenberechnung  aufzustellen.
Die  Unkostenbuchführung  hat  die  Betriebs-  und  die  Vertriebskosten ­
  festzustellen,  zu  zergliedern  und  zu  verteilen.  Von  Wichtigkeit
ist  hier  die  Frage,  nach  welchen  Grundsätzen  die  Verteilung  der
einzelnen  Unkostenarten  stattfinden  soll.  (Vgl.  §  31',  Beispiele
S.  145.)  Die  Gliederung  der  Unkosten  hat  auf  die  Kalkulationsformel
Rücksicht  zu  nehmen.
2.  Die  Kalkulation  eines  Einzelfabrikates  soll  die
Selbstkosten  sowie  einen,  vielfach  nur  theoretischen,  Verkaufspreis
bestimmen.  Als  Grundlage  hierfür  dient  die  Unkostenbuchführung.
a)  Wo  Jdassen  gleichartiger  Fabrikate  erzeugt  werden  (z.  B.
in  der  chemischen  Industrie),  werden  die  Selbstkosten  einer
Maß-  und  Gewichtseinheit  durch  Division  der  Gesamtkosten
(Material,  Löhne,  allgemeine  Unkosten)  durch  die  Produktionsmenge ­
  berechnet.  Zuschläge  entfallen.
b)  In  der  Kalkulation  eines  Spezialartikels  müssen  neben  den
unmittelbar  berechenbaren  Material-  und  Lohnkosten  noch
für  allgemeine  Kosten  Aufschläge  berechnet  werden.  Die  Ermittelung ­
  der  Zuschläge  stützt  sich  auf  die  Unkostenstatistik
(1).  Die  Materialunkosten  belasten  den  Materialwert,  die  Lohnunkosten ­
  die  Fabrikationslöhne,  die  Betriebsunkosten  die  direkten ­
  Arbeitslöhne,  die  Handlungsunkosten  hingegen  den
Produktionswert,  und  zwar  verschieden  nach  der  Art  und
Verkaufsschwierigkeit  des  Artikels.  Die  besonderen  Spesen
(§  50)  sind  jeder  Ware  einzeln  und  unmittelbar  anzurechnen.
Die  Zuschläge  werden  nach  der  Gewichts(Maß)einheit,  prozentuell ­
  oder  nach  der  Zeit  berechnet.  Beim  Prozentsystem  handelt
es  sich  darum,  wie  die  Zuschläge  zu  ermitteln  sind  und  worauf
sie  sich  beziehen  (§  41).  Man  rechnet  alle  Unkosten  gemeinsam
oder  spezialisiert  einzelne  Unkostenarten.
Die  Zuschläge  sollen  für  jeden  Einzelbetrieb  besonders  ermittelt
werden.  Wo  die  indirekten  Aufwendungen  der  einzelnen  Werkstätten
erheblich  voneinander  abweichen,  müssen  Zuschläge  für  jede  Werk-
        <pb n="227" />
        221

stätte,  ja  für  einzelne  Maschinen  ermittelt  werden,  wenn  bei  diesen
Kraft-  und  Materialverbrauch  wesentlich  verschieden  sind.
Der  Stundenaufschlag  ermittelt  die  indirekten  Kosten  einer  jeden
Lohnarbeitsstunde.

Kalkulationsformeln.
§  52.  Die  nunmehr  folgenden  Kalkulationsformeln  sollen  die
Anwendung  der  in  den  §§  41  ff.  entwickelten  Grundsätze  zeigen.
1.  Beispiel.
Eine  Fabrik  für  Werkzeuge  —  Feilen,  Hämmer,  Sägen
—  rechnet  nach  dem  folgenden  Schema:
I.  Materialkosten  und  Aufschlag  für  Lager-Yerwaltungskosten.

II.  Arbeitslöhne  (Fabrikationslöhne).
III,  Ptrozentaufschlag  auf  die  Löhne  unter  II.  für  unmittelbare ­
  Betriebsunkosten  (Abschreibungen,  Reparaturen,
Kraft,  Licht,  Hilfsmaterialien,  Betriebslöhne,  Aufsicht)  getrennt
nach  Werkstätten,  Hand-  und  Maschinenarbeit.
(Vgl.  Schema  S.  201.)
IV.  Prozentaufschlag  auf  die  Summe  von  II.  und  III.  für  allgemeine ­
  Betriebsunkosten  (V  er  Sicherung,  Gebäudeunterhaltung, ­
  Steuern,  Betriebsbeamtengehälter).
V.  Verkaufskosten;  Prozentaufschlag  auf  die  Summe  von  I.
bis  IV.
2.  Beispiel:  Fabrik  für  Massenartikel  aus  künstlicher ­
  Mas  se.
1.  Materialkosten  und  prozentueller  Aufschlag  für  Materialverluste, ­
  Kosten  der  Lager-Verwaltung  und  der  Bearbeitung
der  Rohstoffe  wie  Reinigung,  Mischung  u.  a.
2.  Fabrikationslöhne  und  Prozentzusehlag  für  Versicherung
  und  Krankenkasse.
3.  Generalk.osten:

a)  Transportkosten:  et  Pfg.  pro  kg  X  Anzahl  der  Fabrikationsstadien ­
  (Kosten  der  Transportmaschine:  Kraftbedarf,  Abschreibung, ­
  Löhne,  Werkzeugverbrauch).
b)  Sonderkosten  für  Spezialeinrichtungen  (Abschreibung)  und
Vorarbeiten,  z.  B.  Modelle,  Zeichnungen  etc.

e)  Werkstattkosten
d)  Verwaltungskosten

verteilt  auf  iArbeitsmaschinen  und  -plätze
nach  dem  beanspruchten  Flächenraum
und  berechnet  pro  Stunde.
        <pb n="228" />
        e)  Abschreibungen  auf  Werkzeuge  und  Arbeitsmaschinen,  verteilt ­
  auf  Arbeitsstunden  unter  Berücksichtigung  des  Beschäftigungsgrades. ­

4.  Besondere  Verkaufskosten  I  prozentuell  berechnet  auf  die
5.  Ausschuß  |  Summe  I—3.
Reclmungsbeispiel:
Materialkosten  Mk.  4,80
Zeitkosten:  Stanzen  ,  —,80  Maschine  Nr.  8,2  Std.  (k  119  Pfg'.)
Drehen  2,00  „  ,  25,2  „  (k  18  „  )
Tauchen  —,25  Platz  „  103,1  ,  (ä  3  „  )
Material  „  --,10
Generalkosten:  2  Std.  h  119  Pfg.
5  ,  1  18  „  |  »  3,31
1  ,  k  3  ,
Transport:  6  kg  x  3  Stadien
ä  1  Pfg  „  —,18
Einrichtung  Mk.  20,—  k  10  %  .  .  „  2,-  /  besondere  Einrichtungen  für  die
.—  (  Erzeugung  dieses  Fabrikates)
Herstellungskosten  Mk.  13,44
Bruch  2  o/o  „  —,28
Verkaufskosten  12  °/o  „  1,63
Selbstkosten  Mk.  15,44
Verpackung
Fracht  —  |  besondere  Verkaufsspesen.
Provision  „  2,55  J
Gewinn  „  6,10
Verkaufspreis  Mk.  24,00
3.  Beispiel:  Kalkulationsformel  nach  West,  Richtige
Selbstkostenberechnung  in  Fabrikbetrieben  (Berlin  1905).
Berechnung  der  Kosten  eines  Arbeitsplatzes  innerhalb  der
Werkstätte:
I.  Zeitkosten,  unabhängig  davon,  ob  an  dem  Arbeitsplatz  gearbeitet ­
  wird  oder  nicht;  zunächst  als  Jahreskosten  ermittelt
und  auf  die  Maschinenstunde  umgerechnet.
A.  Verzinsung  und  Abschreibung,  Instandhaltung,  Feuerversichetrung
  der  Gebäude.  Heizungs-  und  Beleuchtungskosten  einschließlich ­
  Verzinsung  und  Abschreibungen  der  Anlagewerte;
Reinigung.  Die  Gesamtjahreskosten  der  Unternehmung  werden
auf  die  Arbeitsplätze  nach  Maßgabe  des  Flächenraumes  dieser
Plätze  verteilt.
B.  1.  Abschreibung  und  Verzinsung,  Instandhaltung  der  Werkzeugmaschinen, ­
  für  jeden  Arbeitsplatz  zu  berechnen.
2.  Verzinsung,  Abschreibung  und  Instandhaltung  der  Krafterzeugungs-
  und  Kraftübertragungsanlagen.  Gesamtjahreskosten, ­
  verteilt  auf  die  Arbeitsplätze  nach  dem  Kraftverbrauch. ­
        <pb n="229" />
        223

3.  Werkstattauf  sieht  —  Schreiber,  Meister  —  gleichmäßig  auf
die  Arbeitsplätze  verteilt.
II.  Leistungsbesten,  die  nur  dann  entstehen,  wenn  an  dem
betreffenden  Arbeitsplatz  gearbeitet  wird.
C.  Werkzeugabnutzung,  Kraftbedarf,  Betriebsmaterialien,  Betriebskosten, ­
  Arbeiterversicherung.  Die  vorjährigen  Gesamtausgaben ­
  werden  auf  Grund  praktischer  Erfahrungen  (?)  auf
die  einzelnen  Arbeitsplätze  verteilt  und  pro  Arbeitsstunden
berechnet.
4.  Beispiel:  Fabrik  der  elektrotechnischen  Branche.
I.  Gliederung  der  Kosten  (monatliche  Berechnung).
1.  Direkte  Kosten:  Materialien,  Arbeitslöhne.
2.  Allgemeine  Kosten:  a)  Werkstattkosten,  wie  üblich
berechnet.
ß)  Verwaltungskosten,  und  zwar:
aa)  Betriebsverwaltung  (Ingenieure,  Konstruktions-  und
Betriebsbureau,  Prüffeld,  Lager);  diese  Kosten  werden  für
jeden  der  vier  Betriebe  berechnet  und  innerhalb  der  Betriebe ­
  auf  die  Werkstätten  nach  der  Summe  der  bezahlten
Fabrikationslöhne  und  den  sonstigen  Werkstattkosten  verteilt. ­

bb)  Die  Kosten  der  Zentralverwaltung  —  Leitung,  Buchhaltung, ­
  Kalkulations-  und  Korrespondenzbureau,  Lohnkasse,
Expedition,  Einkaufsbureau  —  werden  im  Verhältnis  der
Gesamtkosten  (1.,  2.  a  und  ß  aa)  auf  die  Betriebe  verteilt
und  auf  Grund  der  Abrechnung  des  Vorjahres  der  Prozentsatz ­
  für  das  künftige  Betriebsjahr  festgelegt.
II.  W  er  kst^ttauf  Schläge  (2a).  Der  Betrieb  führt  folgende
Unkosten-Klassen:

J3  Das  Verhältnis  zwischen  Kosten  und  Ar-J
  beitslöhnen  gibt  den  durchschnittlichen  Lohnaufschlag
  der  betr.  Werkstätte.  Sind  innerhalb
einer  Werkstätte  die  Arbeitsmethoden  sehr  verg
  schieden,  so  werden  Löhne  und  Kosten  für  den
^  einzelnen  Arbeitsplatz  (siehe  3.  Beispiel)  bee
  rechnet  und  danach  die  Kostenklasse  für  diesen
CD
§  Platz  oder  diese  Maschine  bestimmt.
U
Ph

Klassse

1  50
2  60
3  80
4  100
5  120
6  150
7  175
8  200
9  250
10  300
11  350
12  400
13  500
14  600
15  700
16  800
        <pb n="230" />
        224

Kalkulationsbeispiel:  Schalttafel.

Material

Löhne

Klasse

Unkosten

Summe

Eisenrahmen

10,-Rahmen

  anfertigen.  .....

6,-5



7,20

23,20

Marmorplatte

16,-—



■

—

„  bohren

5,—

6

7,50

28,50

V  erbindungsschienen

8,-—



„  schneiden,  bohren

3,-5



3,60

14,60

Schrauben

4,80

4,80

Schalttafel  zusammenstellen.  .

12,—

4

12,—

24,—

Gestell  lackieren  j

—

1,50

8

s-4,50



1

38,80

27,50

—  j  33,30

99,60

-f-  6  %  Generalverwaltung  5,98
Selbstkosten  105,58
Die  im  vorstehenden  4.  Beispiel  dargestellte  Trennung  der  Unkosten ­
  in  Kosten  der  Betriebe  und  Kosten  der  Zentralverwaltung ­
  findet  man  fast  regelmäßig  bei  allen  Unternehmungen
mit  örtlich  verschiedenen  Betriebsstellen  und  einer  Zentralverwaltung,
z.  B.  die  Deutschen  Waffen-  und  Munitionsfabriken  haben  in  Karlsruhe, ­
  in  Moabit  und  in  Wittenau,  die  Köln-Rottweil  A.  G.  besitzt
Fabriken  in  Bottweil,  Düneberg,  Premnitz  usw.  Solche  Großbetriebe
mit  dezentralisierter  Fabrikation  rechnen  zumeist  nach  folgendem
Schema,  1.  an  den  Betriebsorten:  Material  -j-  Löhne  Fabrikunkosten; ­
  2.  zur  Summe  unter  1'.  werden  die  Generalkosten
der  Gesamtunternehmung  (Abschreibungen,  Finanzkosten,  Kosten  der
Zentralverwaltung),  häufig  im  Verhältnis  zum  Produktions  wert  der
Fabrik,  geschlagen.
5.  Beispiel:
Das  folgende  Berechnungsschema  einer  Masehinenfa  brik
mit  Eisenkonstruktion  ist  besonders  gut  durchgearbeitet.
I.  Auswärtige  Montage:  Die  Kosten  setzen  sich  wie  folgt
zusammen:  Ingenieurgehälter;  Arbeitslöhne  -j-40o/o  Zuschlag
für  Arbeiten  mit  Werkzeug,  20o/ 0  ohne  Werkzeug.  Das  an  Ort
und  Stelle  eingekaufte  Material  bleibt  ohne  Zuschlag.  Monteure,.
Hilfsarbeiter  und  Werkzeuge  werden  von  der  Firma  bereitgestellt. ­

II.  Materialzuschläge  für  Lagerverwaltung  und  Versand
(vgl.  S.  183).
1.  Ohne  Zuschlag  bleiben:  Materialien  für  eigene  Betriebsanlagen, ­
  kostenloser  Ersatz  und  Nacharbeiten  für  Kunden,
vom  Lieferanten  unmittelbar  dem  Kunden  gesandte  Mate ­
        <pb n="231" />
        Lei  tu  er,  Selbstkost&amp;amp;oberecluumg.  7.  Aufl.

15

rialien,  für  Kundenaufträge  fertig  bezogene  Materialien,  sofern
es  keiner  Bearbeitung  bedarf  (Passungsarbeit,  Zusammenbau),
für  Einlagerung  fertiger  Materialien  der  eigenen  Erzeugung.
Für  Schrot  und  Abbrand  auf  das  Fertiggewicht  der
Schmiedestücke  8  o/o.
Auf  den  Einkaufs-  oder  Selbstkostenwert  des  vom  Lager  verausgabten ­
  Materials  10o/o,  für  Kundenaufträge  bezogenes
Material,  das  einer  Bearbeitung  unterzogen  wird,  5  o/o.
III.  Lohn  Zuschläge:
1.  Unmittelbare  oder  Werkstattkosten:
a)  Zuschläge  in  Prozent  des  Werkstattlohnes  (produktive ­
  Arbeiter  mit  Einschluß  der  produktiven  Hilfsarbeiter) ­
  :
Modelltischlerei  130  o/o
Eisenkonstrubtion  80  o/o
Schlosserei  80%  usf.
b)  Zuschläge  für  Tageskosten  (8-Stundenschicht)  für  besonders ­
  teuere  Maschinen  und  Einrichtungen  (vgl.  S.  198  f.,
201);  z.  B.:
Große  Schmiedepressen  140  Mk.
Große  Drehbank  25  „
Große  Plandrehbank  20  ,,
Große  Karusselbank  15
Kleine  Bearbeitungsmaschine  3  ,,
Große  Bearbeitungsmaschine  8  „
2.  Für  allgemeine  Betriebsunkosten,  die  vom  ganzen
Werk  zu  tragen  sind,  ,  35  o/o  auf  die  produktiven  Löhne.
IV.  Handlungsunkosten:

T.

Ohne  Zuschläge  bleiben  Modell-  und  Montagekosten,  Kosten
für  eigene  Anlagen,  für  Lageraufträge  an  eigene  Betriebe.
Für  alle  Fabrikate  15  o/o  der  Werkstattkosten.
Für  Kundenaufträge  fertig  bezogene  Materialien  ohne  Weiterbearbeitung ­
  (vgl.  II.  1)  bei  Rechnungsbeträgen
unter  1000  Mk.  8o/ 0  des  Materialwertes
von  1000—5000  5  o/o
von  5000—50  000  3o/ 0
über  50000  2  o/o
für  schwere  Gußstücke  8  o/o.
        <pb n="232" />
        V.  Abschnitt.

Die  Abschreibungen.
Literatur:  Leitner,  Grundriß  der  Buchführung  und  Bilanzkunde.  1.  Bd.
S.  211  f.  2.  Bd.  S.  61  ff.  (Berlin  1919).  Langhaus,  Die  Privatfeuerassekuranz ­
  und  das  Reicksversicherungsgesetz.  Leipzig  1900.  Derselbe,  In  den
Annalen  des  Deutschen  Keiehes,  1903.  S.  923f.  Müller,  Brandschadenregulierung ­
  durch  Sachverständige.  Jena  1907.  Blum,  In  den  Annalen  des  Deutschen ­
  Beiches,  1913.  S.  32  f.  Prange,  Die  Theorie  des  Versicherungswertes
in  der  Feuerversicherung.  II.  Teil.  1.  Buch  (Die  Ermittlung  des  Versicherungswertes ­
  von  Baulichkeiten).  Jena  1902.  2.  Buch  (Die  Ermittlung  des  Versicherungswertes ­
  von  Waren)  und  3.  Buch  (Ermittlung  des  Versicherungswertes  von
beweglichen  Ertrags-  und  Gebrauchsgegenständen  [Maschinen,  Geräte  und  häusliches ­
  Mobiliar].  Jena  1907.  Schiff,  Die  Wertminderung  an  Betriebsanlagen
in  wirtschaftlicher,  rechtlicher  und  rechnerischer  Beziehung.  Berlin  1909.  Fischer,
Bilanzwerte,  was  sie  sind  und  was  sie  nicht  sind.  Leipzig  1905.  S.  55  ff.  In
den  Werken  über  Bilanzwesen  von  Simon  (Berlin  1905),  Relim  (München  1903).
Passow  (Leipzig  1910).  Dickmann,  Kgl.  Rentmeister  in  Krone,  Die  Berechnung ­
  der  Abschreibungen  für  Substanzverringerung  etc.  1902  (Selbstverlag);
Schatz,  in  der  Zeitschr.  für  Handelswissenschaft  und  Handelspraxis  1909;
Schmalenbach,  in  der  Zeitschr.  für  handelswissenschaftliche  Forschung.
2.  Jahrg.  S.  81  f.  Entscheidungen  des  Kgl.  Preußischen  Oberverwaltungsgerichts ­
  in  Staatssteuersachen,  Berlin  1893  ff.;  Dicksee,  Depreciation,  reserves
and  reserve  funds.  2.  Aufl.  London  1907;  Lemaire,  Des  amortissements  et
des  reserves  dans  les  societies  industrielles.  Liege  1907;  Kopf,  Du  calcul  de
l’amortissement  dans  les  entreprises  industrielles.  Paris  1904.
Übersicht.
1.  Offene  und  geheime  (verschleierte,  interne)  Abschreibungen.
2.  a)  Regelmäßige,  ordentliche,  jährliche  Abschreibungen,  und  zwar
notwendige  und  freiwillige  (übermäßige),  dann  gleichmäßige
und  ungleichmäßige  Abschreibungen.
b)  Außerordentliche  einmalige  Abschreibungen,  und  zwar  notwendige ­
  und  freiwillige,  d.  s.  übermäßige  Abschreibungen.
3.  Die  regelmäßigen  Abschreibungen  erfolgen  a)  vom  Anschaffungsoder ­
  Neuwert,  b)  vom  Buchwert  (Saldoabschreibung),  c)  in  Quoten
der  Produktion  oder  mit  Rücksicht  auf  den  Beschäftigungsgrad,
d)  in  Quoten  des  erzielten  Gewinnes  oder  e)  durch  Inventurbewertung ­
  der  Bestände  und  sind  demnach  f)  gleichbleibend,  g)  fallend, ­
  h)  steigend  oder  i)  unregelmäßig.
4.  Die  Abschreibungsprozente  berücksichtigen  Zinsen  auf  die  Abschreibungsbeträge ­
  oder  nicht.
        <pb n="233" />
        15*

227

5.  Die  Abschreibungsprozente  sind  kollektiv  für  ganze  Gruppen  von
Vermögensobjekten  oder  indivi  duell  für  jedes  einzelne  Vermügensstück.
6.  Die  Abschreibungsgründe  sind  teils  natürlicher,  teils  wirtschaftlicher ­
  Art.  Danach  kann  man  kurz  von  technischen  und
kaufmännischen  Abschreibungen  sprechen.
7.  Endlich  ist  zu  beachten,  wie  Neuanschaffungen  abgeschrieben
und  die  Unterhaltungskosten  bzw.  Reparaturen  buch-  und  bilanztechnisch ­
  behandelt  werden.
§  53.  Nach  den  auch  für  industrielle  Unternehmungen  geltenden
handelsrechtlichen  ^Vorschriften  soll  in  der  Jahresbilanz  die  Vermögenslage ­
  für  einen  bestimmten  Zeitpunkt  zur  Darstellung  kommen.
Die  Feststellung  des  Wertes  der  Vermögensteile  kann  durch  positive
oder  negative  Schätzung,  durch  direkte  oder  indirekte  Bewertung
erfolgen.  Man  schätzt  entweder  den  tatsächlichen  derzeitigen  Wert
des  Vermögensobjektes  (unmittelbare  Bewertung)  oder  den  Minderwert, ­
  den  Verlust,  der  durch  Abnutzung  usf.  entstanden  ist.  Der
letzte  Vorgang  ist  nur  der  Form  nach  eine  Feststellung  des  Wertes,
ein  mittelbarer  Weg  durch  Schätzung  des  Verlustes.  Abschreiben
heißt  also  Beträge  von  einem  Wert  absetzen.  Unter  Abschreibung
versteht  man  eine  „der  Abnutzung,  Substanzminderung  und  Entwertung ­
  entsprechende  allmähliche  Herabsetzung  der  Wertansätze
im  Inventarium“  und  in  der  Bilanz.
Veranlassung  zum  Abschreiben  von  einem  früheren  Werte  ist
entweder  eine  Entwertung,  beispielsweise  durch  Konjunkturänderungen ­
  oder  durch  nachträgliche  richtige  Bewertung  zu  hoher
Anfangsschätzungen;  oder  eine  allmähliche  Substanzverminderung ­
  oder  Bestands  Verminderung,  eine  quantitative  Verringerung
der  Vermögenssubstanz  durch  unmittelbaren  Verbrauch  oder  Ausgabe ­
  von  Werten  zur  Erzielung  eines  Reinertrages  (Bergbau,  Ziegelei,
Steinbrüche)  oder  endlich  Brauchbarkeitsminderung  infolge ­
  des  Betriebes  der  Unternehmung,  Abnutzung,  Erfindungen  und
dadurch  bedingte  Änderung  der  Betriebsweise,  äußere  Einflüsse
u.  ä.  m.
Nur  die  Wertminderung  infolge  der  Verwendung  der  Produktionsmittel ­
  zum  Betriebe  und  im  Geschäftsbetrieb  soll  uns  hier  beschäftigen. ­
  Der  Verlust  ist  durch  bestimmungsgemäße  Verwendung
eines  Vermögensobjektes  läßt  sieh  nicht  zahlenmäßig  ermitteln,  ebensowenig ­
  wie  der  Anteil  am  Gewinn  bestimmt  werden  kann,  der
aus  der  Benutzung  dieser  Objekte  erwächst.  Deshalb  begnügt  man
sich  mit  einem  erfahrungsmäßigen  annähernd  richtigen  Schätzungswerte ­
  des  Verlustes,  dessen  Höhe  gewöhnlich  in  flundertteilen
angegeben  wird.  Die  Abschreibungsquote  ist  stets  ein  unsicherer
Schätzungs-,  ein  Durchschnittswert.  Wie  groß  die  Abnutzung  tatsächlich ­
  war,  läßt  sich  erst  bei  der  Außerdienststellung  der  Maschine
usw.  ermessen.
        <pb n="234" />
        —  228  —

Bilanzschema  einer  Aktien-Aktiva
  (Kapital-Verwendung,  Arten  d.  Vermögensteile)

I.  Anlagevermögen  (Gebrauchsvermögen,  stehendes  Kapital,  Betriebsanlagen):
1.  Grundstücke  (Fahrikterrain,  Bergwerke,  Forstbesitz  usf.);
2.  Häuser  (Fabrik-Verwaltungsgebäude,  Beamten-  und  Arbeiterhäuser  u.  a.);
3.  Maschinen  (Arbeits-,  Kraftmaschinen),  Werkzeuge,  Modelle,  Fabrikund
  Bureauinventar;  Fuhrwerk  etc.;
4.  Sonstige  Betriebsanlagen:  Haupt-  und  Hilfsbetriebe,  z.  B.  Kraftanlage,
Hochöfen,  Wasser-  und  Gaswerk,  Schwebebahnen,  Versuchsanlagen  usf.
5.  Immaterielle  Güter:  Patente,  Urheberrechte  (Verteilung  der  Erwerbskosten ­
  auf  mehrere  Jahre).

II.  Betriebsvermögen  (umlaufendes  Kapital,  Betriebsmittel,  Verbrauchs-  oder
Umsatzvermögen):

A.  Vorräte  (Sachgüter):
1.  Bargeld,  Schecks,  Beichsbank-Giro-  und  Postscheckguthaben;
2.  fremde  Geldsorten,  Zinsscheine;
3.  W  ertpapiere:
ö)  im  eigenen  Besitz;
ß)  aktive  Lombard-  oder  Kautionseffekten,  als  Sicherstellung
hinterlegt  (nicht  verfügbar);  •
4.  Besitzwechsel:
a)  inländische  Währung  (Rimessenwechsel);
ß)  ausländische  Währung  (Devisen,  Cambien);
5.  Betriebsvorräte:
a)  auf  eigenem  Lager:  Rohstoffe,  Halb-  und  Ganzfabrikate,
Hilfsstoffe,  Betriebsmaterialien;
ß)  Vorräte  auf  fremdem  Lager:  Konsignationswaren,  Waren  der
Niederlagen  bei  Spediteuren  etc.
y)  schwimmende,  rollende  Waren.

Liquide
Mittel

B.  Forderungen  (Ansprüche  auf  Leistungen  aus  dem  Vermögen  eines
Dritten):
1.  Ungedeckt:  a)  sichere  Buchforderungen:  Debitoren  für  Warenverkäufe; ­
  Guthaben  bei  Banken.  Darlehensforderungen; ­
  Forderungen  an  Tochtergesellschaften.
ß)  zweifelhafte,  dubiose  Forderungen.
2.  Sichergestellte,  durch  Depots,  Bürgschaft  etc.  gedeckte  Forderungen; ­
  aktive  Hypotheken,  Rückständige  Einzahlungen  auf  nicht
volibezahlte  Aktien.

C.  Leistungs-,  Lieferungsansprüche:  eigene  Anzahlungen  auf
künftige  Warenlieferungen.
D.  Beteiligung  an  anderen  Unternehmen  (teils  Anlage,  teils  Betriebskapital). ­

E.  Eventualdebitoren  (als  Gegenposten  für  Eventualverbindlichkeiten).
Passiva  II.

III.  Rechnungsmäßige  Aktiva  (Interne  Ergänzungsposten):
1.  Wertkorrekturen  für  Passivposten  (selten);
2.  Transitorische  Ausgaben  (Verluste)  und  Einnahmen  (Gewinn-Antizipationen)
  auf  Rechnung  eines  künftigen  Bilanzjahres,  z.  B.
Disagio,  voraus  bezahlte  Versicherungsgebühren  etc.

229

gesellschaft  (Produktionsbetrieb) 1 ).
(Arten  der  Kapitalquellen,  Kapitalbeschaffung)  Passiva

I.  Eigene  Mittel:

Unverteilbares
gebundenes
Vermögen

Verteilbares
freies
Vermögen

r  1.  Grund-  oder  Aktienkapital:  Stamm-  und
aktien,
l  2.  Gesetzlicher  oder  Zwangs-Reservefonds;
3.  Statutarische  freiwillige  Reservefonds
zur  Deckung  bestimmter  Verluste  (z.  B.  echter
Delkrederefonds),  oder  bestimmter  Ausgaben
(Garantiefonds,  echter  Erneuerungs-,  Wohlfahrtsfonds ­
  u.  a.),  oder  ohne  Zweckbeschränkung ­
  (Spezialreserve,  Dispositionsfonds);
.  4.  Reingewinn,  Überschuß 2 ).

Vorzugs-II.

  Fremde  Mittel:

a)  Geldschulden  (Verbindlichkeiten  zu  Leistungen  aus  dem  eigenen
Vermögen):
Anla  e  (  1-  Hypothekarschulden;  Restkaufgelder;  feste,  .  f r £ s ti
1°  lfnö  !  Darlehen,  '  ang  ris - 1 ?
sciu  en  (  g  Anleiheschulden  (Obligationen);
!.  Buchschulden:  Kreditoren  für  Warenliefe-Betriebs-




tj  ii  j-,  (Kurzfristiges
rungen,  Bankkredite;  j  T  .,  y
4.  Wechselschulden:  Akzepte  und  Tratten  '  ei  pi  .
schulden  j  5.  Rückständige  Ausgaben:  Löhne,  Steuern,  noch  nicht  |  g 0 f 0r ^.
J  bezahlte  Dividenden-  und  Zinsscheine.  i
(  6.  Empfangene  Barkautionen.  ’
b)  Leistungsschulden:  Anzahlungen  der  Abnehmer  auf  noch  nicht
erfüllte  Lieferungsverträge.
c)  Eventualschulden  für  geleistete  Bürgschaften,  Avalakzepte  und
anderes.

III.  Rechnungsmäßige  Passiva  (Interne  Ergänzungsposten):
1.  Wertkorrekturen  für  Aktiva,  Ko.rrektivposten,  Bewertungskonten,
Wertminderungsposten,  z.  B.  Amortisationskonto,  Erneuerungsfondskonto.
2.  Transitorische  Einnahmen  (Erträgnisse)  und  Antizipationen  (Verlustausgaben) ­
  für  Rechnung  eines  künftigen  Bilanzjahres.

1 )  Entnommen  meiner  Bilanztechnik  und  Bilanzkritik,  4.  Auflage  Berlin
1920,  S.  12.
2 )  Infolge  gesetzlicher  Vorschriften  am  Schlüsse  der  Bilanz  besonders
anzuführen  (§  261,  Ziff.  6  Handelsgesetzbuch).
        <pb n="235" />
        ist  Erhaltung  des  Vermögens,  Sicherung  des  Besitzes.  Abschreibungen ­
  zählen  zu  den  Betriebskosten  im  Sinne  des  §  3,  da  sie  zur
Sicherung  und  Erhaltung  des  der  Produktion  dienenden  Anlagevermögens ­
  und  somit  auch  des  Ertrages  dienen.
Die  Abschreibungen  sind  eine  Form  der  Bewertung, ­
  ein  Hilfsmittel  der  Inventarbewertung
des  Gebrauchs-  und  Verbrauehsvermögens.  Die  alljährliche, ­
  direkte  Neubewertung  des  Zeitwertes  ist  zu  kostspielig
und  langwierig.  Anlagevermögen  wird  nur  ausnahmsweise  direkt
bewertet  bzw.  geschätzt 1 ),  beispielsweise  bei  Umwandlungsgründungen, ­
  Fusionen,  Verkauf  der  Unternehmung,  Auseinandersetzung
zwischen  Gesellschaftern  etc.  Die  Abschreibungen  bilden  einen
wichtigen  Faktor  der  Selbstkostenberechnung  und  der  Schadenregulierung ­
  bei  Elementarschäden,;  sie  sind  für  die  Vermögensund ­
  die  Ertragsbilanz  und  dadurch  auch  für  die  Steuerbemessung
von  größter  Bedeutung.

Absehreibungsmethoden.

§  54.  Die  offenen  Abschreibungen  sind  in  der  jährlichen
Schlußbilanz  bzw.  in  der  Gewinn-  und  Verlustrechnung  im  einzelnen
oder  summarisch  ersichtlich  gemacht.  Die  geheimen,  internen
Abschreibungen  treten  in  der  veröffentlichten  Jahresrechnung  nicht
zahlenmäßig  in  Erscheinung.  Es  sind  Wertminderungen  zu  Lasten
einer  Reserve,  eines  Gewinnes  oder  der  Unkosten.  Wir  haben  es  hier
nur  mit  den  offenen  Abschreibungen  zu  tun.  Die  wuchtigsten  Fragen
bei  der  Berechnung  und  Beurteilung  der  Abschreibungen  sind:  Von
welchem  Wert  soll  die  Abschreibung  berechnet  werden  und  welche
Faktoren  bestimmen  die  Höhe  der  Abschreibungsquoten.
Die  üblichen  Formen  der  Abschreibungen  lassen  sich  in  fünf
Gruppen  teilen  (vgl.  Übersicht  3.  a—e).
1.  Die  Abschreibung  erfolgt  in  jährlich  gleichbleibenden ­
  Prozenten  vom  Neuwert  bzw.  Anschaffungswert
des  Vermögensobjekts.  Bezeichnet  A  den  Anschaffmigswert,  M  den
Altmaterialwert,  n  die  ganze  Lebens-  bzw.  Abschreibungsdauer,  z
die  bereits  verflossene  Abschreibungszeit,  d.  h.  das  Alter  des  Objekts
und  p  den  Prozentsatz  der  jährlichen  Abschreibung,  endlich  a  den

jährlichen  Abschreibungsbetrag,  so  ist  a  =
A  —M  100

n  A

bringt  Moral,  Die  Taxation  maschineller  Anlagen.  Berlin  1911.

’)  Ein  Beispiel  für  die  Berechnung  des  Zeitwertes  maschineller  Anlagen
        <pb n="236" />
        —  231  —
Für  ein  bestimmtes  Jahr  ist  der  Bilanzwert:
n  —  z

Bw  =  (A  —  M).:

n

M.

In  diesen  Formeln  wird  die  Abschreibung  berechnet  aus  dem
Unterschied  zwischen  Anschaffungs-  und  Altmaterialwert  unter  Berücksichtigung ­
  der  Verwendungs-  bz\v.  der  gewählten  Abschreibungsdauer. ­
  Läßt  man,  der  Praxis  entsprechend,  den  Altmaterialwert
unberücksichtigt,  so  ist  a  =  —,  p  =  und  der  Bilanzwert  für  ein

beliebiges  Jahr:
Bw  =  a( 100

5—zp\
100  )'

100

eingesetzt,  gibt:  Bw  =  A

n  —  z

2.  Die  Abschreibungen  werden  vom  jeweiligen  Buchwert
berechnet  (Saldoabschreibung).  Da  in  der  kaufmännischen
Buchführung  auf  den  Anlagekonten  nur  Buchwerte  zur  Eintragung
kommen,  das  Maschinenkonto  beispielsweise  alljährlich  mit  dem
Bilanz-  bzw.  Buchwert  der  Maschine  am  Ende  des  unmittelbar  vorhergehenden ­
  Jahres  eröffnet  wird,  so  scheint  diese  Abschreibungsmethode ­
  durchaus  gerechtfertigt  zu  sein.  Unter  den  gleichen  Annahmen ­
  wie  vorhin  berechnet  sich  der  augenblickliche  Bilanzwert}
(A-M)  (^p) Z  +  M,

Bw

oder,  unter  Weglassung  des  Altmaterialwertes:
Wenn  nach  diesem  Abschreibungsmodus  innerhalb  der  gleichen  Zeit
das  gleiche  Ergebnis  erreicht  werden  soll  wie  bei  der  Abschreibung
vom  Anschaffungswert,  so  wird

100

M

oder  ohne  Altwert  p  =  100  11

n

3.  Während  die  Abschreibung  vom  Anschaffungswert  diesen,
in  alljährlich  gleichbleibenden  Amortisationsquoten  tilgt,
fallen  die  jährlichen  Abschreibungsquoten  bei  der  Abschreibung
vom  Buchwert.  Man  könnte  in  einzelnen  Fällen  auch  mit  steigenden ­
  Abschreibungsquoten  amortisieren  und  die  Abschreibungsprozente ­
  etwa  nach  der  Formel:  a  =  (~) n  berechnen 1 ).  Wäre  beispielsweise ­
  die  Abschreibungsdauer  10  Jahre,  so  wären  die  Abschreibungen ­
  der  einzelnen  Jahre  (A  =  1000):
&amp;gt;)  Dann  wäre  Bw  =  A  —  A  (  ^j  ohne  Rücksicht  auf  den  Altmaterialwert.
        <pb n="237" />
        232

n

Am  Ende  des
nächsten  Jahres
sind
abgeschrieben

Jährliche  Abschreibungs ­
 ­
  in  %
des  Neuwertes

Jährlicher  Abschreibungs ­
 ­

Mk.

Buchwert
am  Ende  des
nächsten
Jahres

i

10

i

10

990

2

40

3

30

960

3

90

5

50

910

4

160

7

70

840

5

250

9

90

750

6

360

11

110

640

7

490

13

130

510

8

640

15

150

360

9

810

17

170

190

10

1000

19

190

—

100

1000

An  einem  Rechnungsbeispiele  sollen  die  erheblichen  Unterschiede
bei  der  Abschreibung  vom  Anschaffungswert  bzw.  vom  Buchwert
gezeigt  werden.  Eine  Maschine  kostet  Mk.  1000,—,  die  Lebensbzw.
  Amortisationsdauer  ist  mit  10  Jahren  angenommen;  somit  sind
alljährlich  10  o/o  abzuschreiben.  Der  Altmaterialwert  bleibt  außer
Ansatz.

a)  Abschreibung  vom!  Anschaffungswert,  d.  h.  nach  10
Jahren  ist  der  Yermögenswert  gleich  Null.

Ende
des
Jahres

Buchwert
zu  Beginn  des
Jahres

Abschreibung
jährlich  Mk.  100.—
absolut;
im  Verhältnis  zum
Buchwert

Prozente
vom  jeweiligen
Buchwert

Vom  Neuwert
sind  bereits
amortisiert
Prozente

i

1000

1000
10

10

10

2

900

900
9

n,i

20

3

800

800
8

12,5

30

4

700

700
7

14,29

40

5

600

600
6

16  */»

50

6

500

500
5

20

60

7

400

i  ^
o  «
!  o

25

70

8

300

300
3

33  Vs

80

9

200

200
2'

50

90

10

100

100
1

100

100
        <pb n="238" />
        233

Gegen  Ende  der  Lebensdauer  wird  der  prozentuale  Anteil  der
Abschreibung  größer.
b)  Die  Abschreibungsprozente  werden  vom  jeweiligen  Buchwerte ­
  gerechnet  (Saldo-Abschreibung).

Ende  des
Jahres

Buchwert
zu  Beginn  des
Jahres

Abschreibungen

10%  vom  Buchwert

Prozente  vom
Anschaffungswerte
Mk.  1000.-1



1000

100

10

2

900

90

9

3

810

81

8,1

4

729

72,9

7,29

5

656,10

65,61

6,56

6

590,49

59,05

5,91

7

531,44

53,14

5,31

8

478,30

47,83

4,78

9

430,47

43,05

4,31

10

387,42

38,74

3,87

Summe  651,32  Mk.

65,13  °/o

Am  Ende  des  10.  Jahres  sind  erst  65  o/o  der  Anlagekosten  amortisiert. ­
  Die  volle  Abschreibung  (100  o/o)  ist  erreicht  etwa  mit  dem
35.  Jahr  unter  der  Voraussetzung  eines  alljährlich  gleichbleibenden
Prozentsatzes.  Wollte  man  in  10  Jahren  auch  nach  dieser  Methode
den  Endwert  Null  erreichen,  müßte  man  etwa  35  o/o  alljährlich  vom
Buchwert  ansetzen.
Übertragen  wir  die  beiden  Methoden  und  deren  Ergebnisse  in
ein  Schaubild  (Seite  234).
Schreibt  man  gleichmäßig  ab  unter  der  Voraussetzung,  daß  die
Entwertung  durch  Abnutzung  alljährlich  die  gleiche  bleibt,  so  verläuft ­
  die  Abschreibungskurve  in  einer  schrägen  Linie,  von  100o/ 0  bis
Oo/o.  Nach  der  zweiten  Methode  ist  die  Entwertung  anfänglich  eine
sehr  schnelle,  verlangsamt  sich  nach  und  nach,  bis  sie  im  Verlauf
einiger  Jahre,  etwa  vom  20.  ab,  kaum  merkbar  ist.  Die  Abschreibungen ­
  verlaufen  in  einer  Kurve,  die  etwa  eine  Viertelellipse  darstellt. ­
  Nach  Anschauung  der  einen  Partei  entspricht  dieses  Bild  den
praktischen  Verhältnissen;  eine  Maschine  nutzt  sich  bei  Beginn  der
Inanspruchnahme  rascher  ab.  Andere  Praktiker  sind  der  Meinung,
daß  die  Entwertung  bei  der  Inbetriebsetzung  langsam  und  mit  dem
zunehmenden  Alter  steigt;  für  diese  Partei  ist  die  Kurve  a-ß  die
richtige.
Die  erste  Gruppe  faßt  wohl  den  Veräußerungswert  ins  Auge  und
hat  insoweit  recht,  als  der  Veräußerungswert  einer  Maschine  nach
Inbetriebnahme  schnell  fällt,  in  späterer  Zeit  aber  ungefähr  konstant
        <pb n="239" />
        bleibt.  Wird  der  Altmaterialwert  einer  Maschine  mit  10  o/o  des  Anschaffungswertes ­
  angenommen,  so  ergibt  die  bildliche  Darstellung,
daß  dieser  Wert  in  etwa  22  Jahren  erreicht  ist.
Nach  Ansicht  der  zweiten  Gruppe  ist  die  Schätzung  des  wahrscheinlichen ­
  Yerkaufswertes  eines  Gebrauchsgegenstandes  nicht  der
Zweck  der  Abschreibungen;  diese  sollten  vielmehr  den  wirklichen
Wert  der  Abnutzung  zum  Ausdruck  bringen.
Die  yermögensbilanz  hat  zwei  Aufgaben  zu  erfüllen.  Sie  soll
zunächst  die  Lage  des  Vermögens,  d.  h.  den  Wert  der  Vermögensteile ­
  und  der  Schulden  zum  Ausdruck  bringen.  Folgerichtig  sollen
Veräußerungsgegenstände,  deren  Zweck  es  ist,  verkauft  zu  werden,
zum  zeitigen  Veräußerungswert  und  Gegenstände  zum  eigenen  Gebrauch ­
  nach  Anschauung  hervorragender  Bilanztheoretiker  zum  Gebrauchswert ­
  angesetzt  werden.
Welchen  Wert  Vermögensobjekte,  die,  wie  das  gesamte  Anlagevermögen ­
  und  die  Produktionsmittel,  dem  Betrieb  dauernd  erhalten
bleiben  sollen,  für  den  Besitzer  als  Gebrauchsvermögen  haben,  läßt
sich  zahlenmäßig  nicht  ausdrücken.  Welches  ist  der  Gebrauchswert
einer  Maschine?  Maßgebend  für  die  Aufnahme  in  die  Vermögensbilanz ­
  können  nur  die  Anschaffungskosten  sein,  in  der  Folgezeit
vermindert  um  den  Verlust  durch  Benutzung  bzw.  Abschreibung.
Bei  normaler  Fortsetzung  des  Betriebes  der  Unternehmung  wird  der
Augenblickswert  eines  Gegenstandes  des  Gebrauchsvermögens  nicht
unmittelbar  geschätzt,  sondern  mittelbar  berechnet  aus  dem  Unterschiede ­
  zwischen  Anschaffungspreis  und  dem  geschätzten  oder  angerechneten ­
  jährlichen  Verlust.  Dieser  Wert  wird  als  Gebrauchs-  oder
Geschäftswert  angenommen;  besser  ist  es,  von  einem  Bilanzwert,
einem  Rechnungswert  zu  sprechen.
Die  Bewertung  von  Gegenständen  des  Anlagevermögens  zum
Veräußerungswert  ist  bilanztechnisch  unrichtig  und  damit  auch  die
Anschauung,  durch  die  Abschreibung  solle  der  Veräußerungswert
zum  Ausdruck  kommen,  hinfällig.
Die  Abschreibung  soll  dem  Grade  der  Abnutzung,  der  Entwertung ­
  entsprechen.  Danach  hätten  jene  Ingenieure  recht,  die
verlangen,  daß  auf  Grund  technischer  Berechnungen  eine  möglichst
genaue  Ermittelung  dieser  Quote  versucht  werde  und  die  Fehlergrenze ­
  möglichst  weit  gegen  die  wirkliche  Wertminderung  hin  verschoben ­
  werde  (natürliche  Abschreibung).
Ein  massives,  gut  ausgeführtes  Gebäude  hält  etwa  400  Jahre 3 );

‘)  Vgl.  Tonindustrie-Zeitung  Nr.  134  von  1907.  Die  Formel  für  Gebäudeabschreibungen ­

  E  =  W.

A  .  A J
n  '  n'

W  =  Neuwert,  n  =  Lebensdauer,  A  =

WA
zeitiges  Alter.  Nach  der  Formel  ist  die  jährliche  Abnützung  eine  gleich-
        <pb n="240" />
        236

bei  einem  Neuwert  von  30  000  Mk.  und  einem  Alter,  von  200  Jahren
gibt  die  untenstehende  Formel  E  =  11  250,—,  d.  i.  eine  jährliche
Abschreibung  von  0,1875  vom  Hundert.  Unter  der  Voraussetzung,
daß  die  Annahmen  richtig  sind,  ist  der  Ingenieur  im  Recht,  der  die
Bemessung  der  Amortisation  nach  dieser  Formel  fordert.  Danach
wäre  die  übliche  Abschreibung  auf  Gebäude  von  3  o/o,  auf  Maschinen
10—15o/o  usf.  nicht  gerechtfertigt.
Die  kaufmännischen  Abschreibungen  gehen  über  die  durch  die
technische  Entwertung  begründete  Höhe  hinaus.  Die  Bilanz  hat
neben  der  Darstellung  des  Vermögens  auch  den  Reingewinn  der
Unternehmung  nachzuweisen.  Diese  beiden  Aufgaben  der  Vermögensbilanz ­
  beeinflussen  in  entgegengesetztem  Sinne  die  Bewertung.  Wer
die  Größe  seines  Vermögens  für  den  31.  Dezember  beispielsweise
darstellen  will,  hat  die  Verkaufswerte,  die  Wertsteigerungen  der
Grundstücke,  den  tatsächlichen  zeitigen  Wert  der  Maschinen  usw.
zu  berücksichtigen,  diese  Werte  zu  schätzen  und  in  die  Bilanz
einzusetzen.  Wer  hingegen  den  wirklichen  Verdienst,  den  Reinertrag
seiner  Unternehmung  nachweisen  will,  wird  es  unterlassen,  Gewinne
in  Erscheinung  treten  zu  lassen,  die  nur  fiktiv  sind,  nicht  realisiert,
nur  buchmäßig  durch  Berücksichtigung  von  Wertsteigerungen  des
Terrains,  des  Verkaufswertes  der  noch  auf  Lager  befindlichen  Waren
u.  a.  entstehen.
Wir  sind  der  Meinung,  daß  der  Nachweis  des  Reingewinns  in
der  Vermögensbilanz  einer  den  Betrieb  unverändert  fortsetzenden
Unternehmung  das  Hauptziel  dieser  Bilanz  ist,  obgleich  wir  uns
dadurch  mit  der  herrschenden  Lehrmeinung  in  Widerspruch  setzen  v ).
Man  ermittelt  das  Vermögen  und  die  Schulden  für  einen  bestimmten
Zeitpunkt,  um  durch  Vergleichung  des  Anfangs-  mit  dem  Schlußvermögen ­
  den  Wertzuwachs  oder  die  Wertminderung  zu  berechnen;
die  Vermögensbilanz  ist  Mittel  zum  Zweck  der  Erfolgsberechnung. ­

Dem  Kaufmann  kommt  es  bei  der  Bemessung  der  Abschreibungsquote ­
  nicht  darauf  an,  daß  dies,e  der  Abnutzung  so  ganz  entspricht.
Für  ihn  bedeutet  Amortisation  Reservebildung,  Mehrung  des  Betriebskapitals ­
  (siehe  weiter  unten)  oder  Zurückhaltung  flüssiger  Mittel,
wenn  es  sich  um  eine  Gewinnverteilungsgesellschaft  handelt.  Hohe
Abschreibungen  verbilligen  späterhin  die  Herstellungskosten,  wenn
das  Vermögensobjekt  abgeschrieben  ist  und  trotzdem  bei  der  Produktion ­
  mitwirkt.  Der  Kaufmann  denkt  wirtschaftlich:  er  will  einen
in  sicherer  Aussicht  stehenden  Vermögensverlust  —  Verlust  durch
W  A 2
mäßige,  nach  ■■■■  ,—  steigt  sie  mit  dem  Alter.  Die  Formel  E  nimmt  das  arithmetische ­
  Mittel.  Vgl.  die  Tabelle  S.  232.
’)  Zustimmend  Schmalenbach.
        <pb n="241" />
        237

Außerdienstsetzung  —  möglichst  rasch  erwirtschaften  (kaufmännische ­
  Abschreibung).
Wir  fassen  zusammen:  die  Abschreibungen  auf  Anlagevermögen
entsprechen  der  Wertminderung  in  technischer  Beziehung  und  wirtschaftlichen ­
  Erwägungen.  Dia  anzurechnende  Lebensdauer  des  Vermögensgegenstandes
  entspricht  bei  rein  technischen  Abschreibungen
der  natürlichen  Benutzungsdauer,  der  Zeit  der  Gebrauchsfähigkeit.
Der  Kaufmann  verteilt  die  Anschaffungskosten  auf  eine  geringere,
mehr  willkürliche  und  von  wirtschaftlichen  Erwägungen  beeinflußte
Zahl  von  Jahren.  Die  natürliche  Benutzungsdauer  muß  stets  die
Höchstgrenze  sein.  Für  anormale  Fälle  —  z.  B.  Vermögensauseinandersetzung ­
  bei  einer  offenen  Handelsgesellschaft  —  sollen  nicht
die  Werte  der  Bilanz,  sondern  besondere  Schätzungen  maßgebend
sein;  schnelle  Abschreibung  schädigt  den  ausscheidenden  Gesellschafter ­
  ebenso  wie  einen  ausscheidenden  Aktionär,  da  die  Bewertung
in  der  Vermögensbilanz  für  normale  Verhältnisse,  d.  i.  für  den
fortgesetzten  Betrieb  der  Hnternehüiung,  für  die  dauernde  Beteiligung
an  der  Unternehmung  und  die  Gewinnermittelung  erfolgt.
Die  Rechnungsbeispiele  beweisen  hinlänglich  die  Unrichtigkeit
der  Abschreibung  vom  jeweiligen  Buchwert,  obgleich  dieses  Verfahren ­
  in  der  Praxis  der  industriellen  Betriebe  sehr  häufig  anzutreffen
ist.  Die  einen  rechtfertigen  dieses  Verfahren  durch  Hinweis  darauf,
daß  sie  die  Kosten  der  Ausbesserungen,  Reparaturen,  nicht  dem  Anlagewert ­
  Zuschlägen,  sondern  den  Betriebsausgaben  zurechnen.  An
sich  können  Ausbesserungen  den  Entwertungsprozeß  nur  verzögern,
nicht  dauernd  hindern;  sie  wirken  nur  auf  die  Zeitdauer  und  sind
unseres  Erachtens  schon  bei  der  Bemessung  der  Abschreibungsquoten
zu  berücksichtigen.  Andere  wiederum  nehmen  bei  der  Abschreibung
vom  Buchwert  einen  im  Vergleich  zur  Abschreibung  vom  Anschaffungswert ­
  höheren  prozentuellen  Abzug  und  wollen  in  ungefähr ­
  gleicher  Zeit  die  gleiche  Wirkung  erzielen.
Die  in  der  nachstehenden  Tabelle  x )  angegebenen  Abschreibungsprozente ­
  beziehen  sich  auf  den  Neuwert  (Methode  S.  232).  Soll  aus
buchtechnischen  Gründen  die  Saldoabschreibung  zur  Anwendung
kommen,  müssen  die  Abschreibungsquoten  derart  erhöht  werden,
daß  die  Entwertung  bis  auf  den  Altmaterialwert  zur  gleichen  Zeit
eintritt,  die  sich  bei  der  Abschreibung  vom  Anschaffungswert  ergäbe. ­
  Nach  der  Dauer  des  Betriebsprozesses  wurden  unterschieden:
a)  reine  Tagbetriebe,  b)  Tag-  und  Nachtbetriebe,  c)  periodische  Betriebe, ­
  wie  Zuckerfabriken,  landwirtschaftliche  Brennereien,  d)  Betriebe ­
  im  Wandergewerbe,  insbesondere  in  der  Landwirtschaft  und
bei  Bohr-  und  Tiefbauunternehmungen.

*)  Vgl.  Technik  und  Wirtschaft,  1910,  S.  232  f.
        <pb n="242" />
        238

Abschreibungstabelle.

a

b

c

d

°/0

Baulichkeiten.

Fabrikgebäude  aller  Art,  massiv  ....

2-  4

2-5

dgl.  Bindewerkbauten  ....

3-  5

3—5

auch  Holzschuppen  .  .  .

4-  6

4—6

Krafterzeugung  mit  Zubehör.

Dampfkessel  mit  Rohrleitungen,  Überhitzer,

Vorwärmer,  Wasserreinigung  usw..  .  .

5—10

7,5—12

4-  7

Dampfmaschinen

4—10

5  —12,5

3—  5

Gasmaschinen,  Dieselmotoren

8-12

12  —15

7-  9

W  asserkraftmotoren  (Turbinen  und  W  asserräder)



6-  8

10  —15

5—  7

Vorgelege

5—10

7  —12

4-  7

Heizanlagen

4-10

6  —10

Elektrische  Beleuchtung

8  -12

Sammlerbatterien

10  -15

Transp  ort  Vorrichtungen.

Feldbahnanlagen,  einschließlich  Lokomotiven



4

-20

Eisenbahnen  im  Privatbetriebe

5

-r-10

Krane,  Hebezeuge,  Aufzüge,  Seilbahnen,

Bekohlungsanlagen

7-10

10  -15

5—  8

5-10

Geräte  und  Werkzeuge.

Geräte  aller  Art

10-25

15  -30

10-20

20-40

Werkzeuge  für  alle  Betriebe

d

urchweg  33

V»

Bergbau,  Hüttenwerke,  Eisen-Verarbeitung.



Berg-  und  Hüttenbetriebe

10  -12

Maschinenfabriken,  Kesselschmieden,  Her-Stellung

  von  Eisenkonstruktion  ....

5-10

7  -12

Mahl-  und  Schneidemühlen.

Mahl-  und  Ölmühlen:

a)  Reinigungsmaschinen

4-  8

7  —12

b)  Müllereimaschinen

5-  7

7—9

Ölpressen  usw  '

4—  7

6—8

Schneidemühlen  und  Holzverarbeitung.  .

5-10

7  —12

Gärun  gs  ge  werbe.

Zuckerfabriken

4-  8

Brauereien

6—12

Brennereien,  Preßhefefabriken

6  —12

4—  8

Stärkefabriken

5—  8

7  —12

Dextrinfabriken

6-10
        <pb n="243" />
        239

a

b

c

d

Abschreibungstabelle.

°/o

Chemische  Industrie.

Düngstoffabriken

6—9

8-12

Seifenfabriken

5—8

Gasanstalten,  Teerverarbeitung

5

-10

Pulver-  und  Sprengstoffabriken

10

-30

Textil  industrie.

Hanfspinnerei

7,5—10

9-12

Kammgarnspinnerei

7  -10

8—12

Baumwollspinnerei

6—9

7-12

Baumwollweberei

6—8

7-12

Appreturmaschinen

8  —10

9—14

Tuchfabriken

4—8

7—12

Holzverarbeitung  usw.

Holzschleifereien  und  Pappfabriken  .  .  .

3—10

Papierfabriken

4—12

Papierverarbeitungs  -  und  Kartonagefa  -

briken

4—8

Tapetenfabriken

5  —10

Tonverarbeitung.

Tonaufbereitung,  Ziegeleien

10  —15

Schamotte-  und  Porzellanfabriken  ....

7,5—12

10-15

Glasfabriken

10  -20

5-33 1 /»

Zementfabriken  und  Mörtelbereitung.  .  .

8  -10

9—15

Genuß  mittelfabrikation.

Bäckereien  und  Makkaronifabriken  .  .  .

5—8

7-12

Schlachthöfe  und  Fleischereien,  Gemüsetrocknung

  und  Apfelkeltereien  ....

5—8

7—12

Bekleidungsindustrie.

Schuhfabriken

5  -10

Hutfabriken

7  -10

Wäschereien

10  -12

Gerbereien  und  Lederverarbeitung  .  .  .

5  -10

Strumpfwirkereien  und  Strickereien  .  .  .

5  —10

Landwirtschaft.

Dampfpflüge

5—15

6—18

Dreschmaschinen  und  Lokomobilen  .  .  .

3—10

4-12

Schrotmühlen,  Schrotgänge,  Siedemaschinen,

  Haferquetschen  usw

3  -12

Brunnen  mit  Göpel-  und  Windmotoren  .

4-8

Ackergeräte  usw

4  —12
        <pb n="244" />
        240

Die  angegebenen  Zahlen  geben  Grenzwerte,  Mindestwerte  an,
nnter  die  nach  Anschauung  der  Bearbeiter  dieser  Tabelle  selbst  dann
nicht  gegangen  werden  darf,  wenn  vorübergehende  Betriebseinschränkungen ­
  oder  Betriebsstörungen  eingetreten  sind.  Den  Abschreibungsprozenten ­
  sind  normale  Betriebsverhältnisse  zugrunde  gelegt.
Die  Abschreibung  vom  Anschaffungswert  soll  zur  Anwendung
kommen  bei  Heimfallunternehmungen,  bei  Betrieben  auf  gepachtetem
Terrain,  bei  bergbaulichen  Unternehmungen,  die  mit  der  Erschöpfung
ihrer  Lager  zu  rechnen  haben,  auch  bei  Maschinen,  die  technisch
rasch  veralten  und  dementsprechend  schnell  amortisiert  werden
sollen.
§  55.  Bei  der  Berechnung  der  jährlichen  Abschreibungsbeträge ­
  wird  in  Betrieben  mit  stark  wechselnder  Produktion  häufig
der  Produktions  menge  bzw.  dem  Beschäftigungsgrad
ein  bestimmender  Einfluß  eingeräumt.  So  berechnen  beispielsweise
bergbauliche  Betriebe  die  Abschreibung  des  Grubenfeldes  nach  Maßgabe ­
  der  geförderten  Erz-  oder  Kohlenmenge,  Hüttenbetriebe  die
Amortisation  der  Hochöfen  nach  der  Menge  des  erblasenen  Roheisens,
der  Koksöfen  pro  Tonne  Koks,  jene  der  Walzenstraßen  pro  Tonne
Fertigware,  Zementfabriken  nach  der  Zahl  der  produzierten  Fässer
Zement  etc.  Ähnlich  rechnen  Fabriken  der  keramischen  Industrie.
Diese  Methode  ist  zulässig,  wenn  Produktion  und  Wertverbrauch
proportional  sind.
Der  Beschäftigungsgrad  bzw.  die  Inanspruchnahme  der
Maschinen  wird  von  Ingenieuren  bei  der  Bemessung  der  Abschreibungsquoten ­
  der  maschinellen  Einrichtungen  berücksichtigt.
Marr,  Kosten  der  Betriebskräfte,  gibt  folgendes  Beispiel:  Anlagekosten

  Mk.  13  000,—

,  4o/o  Verzinsung  der  Abschreibungen

Tägliche  Betriebszeit

Abschreibungsquote  in  Prozenten

in  Stunden

bei  360

bei  300  Arbeitstagen

1

3,8

3,73

2

4

3,90

4

4,4

4,24

8

5,2

4,96

10

5,6

5,32

12

6

5,66

24

8,4

7,92

West,  Kostenbuchführung  (Berlin  1908),  rechnet  für  maschinelle ­
  Einrichtungen  die  folgende  Skala:
bei  500  Betriebsstd.  im  Jahr  5°/o  von  den  Anschaffungskosten
»  1000  &amp;gt;,  „  „  6°/o  „  „
„  1500  „  „  „  7  o/o  „
„  2000  -„  „  „  8o/o  „  ,  „
Die  Abstufung  von  600  (5o/ 0 ),  1200  (6  o/o),  2400  (8 1 / 2 0 /o)  bis
7200  Betriebsstunden  (12 1 / 2 o/ 0 )  wäre  zweckmäßiger.
        <pb n="245" />
        J

iKV

feüsl

■■

241

Die  Abschreibung-  einer  Maschine  besteht  aus  zwei
Teilen:  der  eine  ist  unveränderlich  und  wird  verursacht  durch  allmähliche ­
  Brauchbarkeitsminderung  infolge  äußerer  Einflüsse  —  Luft,
Feuchtigkeit  u.  ä.  —  die  wirken,  auch  wenn  die  Maschine  nicht  beschäftigt ­
  ist.  Der  zweite  Teil  der  Wertminderung  entfällt  auf  die
Abnutzung  infolge  der  Benutzung.  Dieser  ist  veränderlich,  richtet
sich  nach  der  Benutzungsdauer.  Fischer r )  zerlegt  deshalb  die
Amortisationsquote  in  einen  festen  und  einen  von  der  Benutzungs-(kiuer
  abhängigen  Teil.  Er  rechnet  z.  B.  auf  einen  Dampfpflug  mit
2  Lokomobilen  (Anschaffungskosten  Mk.  67  000,—,  Tagesleistung
5  ha,  Benutzungszeit  100  Tage,  4°/o  Verzinsung  und  4  o/o  feste  Abschreibung), ­
  8.0/0  konstante  Kosten  des  Anlagekapitals  =  Mk.  5360,—.
Die  Tageskosten  sind:  9o/o  Abschreibung  und  Reparaturen  per  Jahr,
somit  für  den  Arbeitstag  0,09  o/ 0  =  Mk.  60,30,
die  übrigen  Tageskosten  (Löhne,  Gespanndienst,  Kohle)  „  56,—,
Mk.  116,30.
Die  Gesamtkosten  für  einen  Arbeitstag  sind  somit
Mt  fl^ca
’  +  Mk.  116,30  =  Mk.  169,90  oder  Mk.  34,-100



pro  ha.

Die  Trennung  der  beiden  Teile  der  Abschreibung  findet  teilweise ­
  auch  in  der  Praxis  der  Kostenberechnung  industrieller  Betriebe
Anwendung.  (Vgl.  die  Formeln  S.  221  ff.)
Langhans  stellt  folgende  Formel  für  die  Ingenieurberechnung ­
  von  Abschreibungen  in  Betrieben  mit  wechselnder  Beschäftigung ­
  auf:
a  =  Abschreibung  für  normale  Beschäftigung,
a,  =  Abschreibung  für  stärkere  Beschäftigung,
a 2  =  Abschreibung  für  schwächere  Beschäftigung',
n  ==  Lebensdauer,
b  =  normale  Betriebszeit  =  10  Stunden  täglich,
w  —  wirkliche  Betriebszeit.

(-+M

aj—a  b  a 2 —  „
Beispiel:  normale  Abschreibung  5°/«!  12  Betriebsstunden:
~  =  5,5  o/o.

a &amp;gt;  =  10
Wie  erwähnt,  schätzt  man  mit  größerer  oder  beabsichtigter
geringerer  Richtigkeit  die  Dauer  der  Verwendungsmöglichkeit,  die
‘)  Fischer,  Die  soziale  Bedeutung  der  Maschine  in  der  Landwirtschaft.
Schmollers  Forschungen,  20.  Band,  Leipzig  1902.
Leitner,  Selbatkostenbereclmtmg.  7.  Aufl.  16
        <pb n="246" />
        242

Tauglichkeit  des  Vermögensobjektes  und  berechnet  aus  der  so  geschätzten ­
  wahrscheinlichen  iVerwendungsdauer  und  dem  Unterschied
zwischen  dem  Anfangs-  und  dem  etwa  in  Frage  kommenden  End  wert
die  Abschreibungsprozente.  Gewöhnlich  schreibt  man  von  einem
Vermögensobjekt  alljährlich  den  gleichen  Prozentsatz  ab,
obgleich  die  Wertminderung  in  den  einzelnen  Jahren  der  Verwendung ­
  häufig  verschieden  ist.  Theoretisch  richtig  ist  es,  für  die
der  Abnutzung  unterliegenden  Vermögensteile  alljährlich  für  sich
das  Maß  der  Abnutzung  zu  bestimmen,  und  zwar  nicht  nach  100
Teilen  des  Anfangswertes,  ein  Weg,  der  für  den  größten  Teil  des
Anlagevermögens  zu  feuer  und  zu  umständlich  wäre.
Eine  gleichmäßige  Abschreibung  ohne  Rücksicht  auf
die  Abnutzung  und  den  Beschäftigungsgrad  der  Unternehmung  muß
auch  vom  kaufmännischen  Standpunkt  aus  zu  falschen  Ergebnissen
führen.  Eine  theoretisch  richtige  Berechnung  erfordert  Kenntnis
entweder  der  Zahl  der  Leistungen,  der  Benutzungen,  oder  der  Zeitdauer ­
  der  Benutzung,  der  Betriebsdauer.  Die  Abnutzung  einer
Maschine  beispielsweise  wird  bedingt  durch  Inanspruchnahme,  Mehrbelastung, ­
  durch  Überschicht,  Druck  usf.  Eine  Maschine,  die  Tag
und  Nacht  arbeitet,  wird  schneller  abzuschreiben  sein  infolge  der
größeren  Beanspruchung  und  Abnutzung.  Man  tut  in  einzelnen  Fällen
gut,  nicht  die  äußerste  Zeitdauer  der  Verwendungsmöglichkeit  einer
Maschine  der  Rechnung  zugrunde  zu  legen,  sondern  mit  Rücksicht
auf  die  Fortschritte  der  Technik  eine  kürzere  Lebensdauer  anzunehmen. ­

Sind  Reservemaschinen  vorhanden,  so  sind  deren  Zinsen
den  Betriebskosten  izuzurechnen;  bei  zeitweiliger  Mitbenutzung  ist
ein  angemessener  Abschreibungsbetrag  einzusetzen.  Der  konstante
von  der  Benutzung  der  Maschine  unabhängige  Teil  der  Abschreibung
(S.  241)  kann  jener  Betriebsabteilung  zugeschrieben  werden,  zu  deren
Verfügung  das  in  den  Maschinen  investierte  Kapital  steht.  Für
Arbeitsjnaschinon  läßt  sich  auch  die  Verrechnung  unter  den  Handlungs-
  bzw.  iVertriebsunkosten  rechtfertigen,  wenn  man  deduziert,
daß  infolge  der  Möglichkeit  eines  größeren  Absatzes  Maschinen  zwecks
Erreichung  einer  größeren  Produktivität  des  Betriebes  bereit  gehalten
werden  müssen.
§  56.  Manche  Unternehmer  verzinsen  auch  die  Abschreibungsbeiträge, ­
  „weil  in  den  Abschreibungen  sich  gewissermaßen ­
  ein  Kapital  ansammelt,  das  um  die  Zinsen  und  Zinseszinsen
vermehrt  wird“ 1 ).  Die  Anwendung  dieses  Berechnungsmodus 2 )  ge-’)

  Maatz,  Die  kaufmännische  Bilanz  und  das  steuerbare  Einkommen.
S.  138.  4.  Aufl.,  Berlin  1907.
! )  a  —  ^~yopn  ^  j^'  worin  p  der  landesübliche  Zinsfuß  ist.  Die  preußische
        <pb n="247" />
        16*

—  243  —
stattet  die  Anrechnung  eines  geringeren  Prozentsatzes.  „Die  Höhe
der  Prozentsätze 1 )  hängt  von  der  Verzinsung  der  zurückgelegten
Kapitalien  (Amortisationsfond)  ab.  Über  diese  Verhältnisse  gibt  die
nachstehende  (Tabelle 1 )  Aufschluß,  welche  die  anzusetzenden  Prozentsätze ­
  für  die  Abschreibungsquoten  angibt,  je  nachdem  der  Amortisationsfond ­
  mit  3&amp;lt;&amp;gt;/o,  3,5o/o,  4o/o  oder  5  0/0  verzinslich  angelegt  wird“.
Die  Anrechnung  von  Zinseszinsen  ist  auch  dann  nicht  gerechtfertigt,
wenn  die  abgeschriebenen  Beträge  tatsächlich  als  ein  besonderer
Fonds,  z.  B.  in  Effekten  angelegt  werden.  Die  Erträgnisse  eines
derartig  gebildeten  Fonds  (Amortisationsfonds)  vermehren  den  G  e  -
winn  der  Unternehmung  und  dienen  nicht  zur  Verminderung  der
Abschreibungen,  obgleich  es  im  Endergebnis  rechnerisch  auf  das
gleiche  hinausläuft  (Maatz  a.  a.  0.  S.  138).

Bei  Lebensdauer
(Jahre)

Bei  einer  Verzinsung  des  Amortisationsfonds  mit
3  0/.  |  3,5»/.  |  4&amp;lt;y0  |  5  °/o
sind  zu  rechnen:

50

0,9

0,8

0,7

0,5

45

1,1

0,9

0,8

0,6

40

1,3

1,2

1,1

0,8

35

1,7

1,5

1,4

1,1

30

2,1

1,9

1,8

1,5

25

2,7

2,6

2,4

2,1

20

3,7

3,5

3,4

3,0

19

4,0

3,8

3,6

3,3

18

4,3

4,1

3,9

3,6

17

4,6

4.4

4,2

3,9

16

5,0

4,8

4,6

4,2

15

5,4

5,2

5,0

4,6

14

5,9

5,7

5,6

5,1

13

6,4

6,2

6,0

5,6

12

7,0

6,8

6,7

6,3

11

7,8

7,6

7,4

7,0

10

8,7

8,5

8,3

7,9

9

9,8

9,6

9,4

9,1

8

11,2

11,0

10,9

10,5

7

13,1

12,9

12,7

12,3

6

15,5

15,3

15.1

14,7

5

18,8

18,6

18,5

18,1

4

23,9

23,7

23,5

23,2

3

32,3

32,2

23,0

31,7

2

49,2

49,1

49,0

48,8

Eisenbahn  Verwaltung  berechnet  die  Amortisation  der  Eisenbahnschienen  beispielsweise ­
  wie  folgt:
1  m  Schienen  wiegt  neu  35,5  kg,  Anschaffungskosten  a  Mk.  1
1  m  „  „  alt  31,0  „  Erlös  ß  „  ? für  100  k S
Lebensdauer  27  Jahre,  Gesamtlänge  L  km,  p  —  3,5  °/o
A  L  [a  .  35,5  —  ß  .  31]  0,035
—  1,035”  -  1
')  Nach  Hoppe,  a.  a.  0.,  S.  201,  202.
        <pb n="248" />
        244

§  57.  I.  In  manchen  Unternehmungen  werden  Abschreibungsund ­
  Dividendenpolitik  miteinander  verquickt.  Die  jährlichen  Abschreibungsquoten ­
  werden  in  solchen  Betrieben  von  der  Höhe  des
jährlichen  Reingewinn  es  bestimmt.  Sollen  schlechte  Jahresergebnisse ­
  verschleiert  werden,  wird  weniger  abgeschrieben.  In
Jahren  mit  reicheren  Erträgnissen  werden  höhere  Abschreibungsbeträge ­
  in  Ansatz  gebracht,  oder  man  schreibt  in  günstigeren  Jahren
vom  Anschaffungswert,  in  weniger  günstigen  Jahren  vom  Buchwert
ab.  Im  allgemeinen  amortisieren  dauernd  gut  rentierende  Betriebe
das  Anlagekapital  rascher  als  schlecht  rentierende,  die  gelegentlich
überhaupt  nichts  abschreiben.  Die  Politik  der  Stabilisierung  der
Dividenden  muß  in  vielen  Fällen  jährlich  schwankende  Absichreibungsbeträ.ge
  zur  Folge  haben,  falls  die  Unternehmer
nicht  andere  weniger  sichtbare  Bilanzierungsmethoden  an  wen  den,
beispielsweise  interne  Abschreibungen  vorziehen.
II.  Die  (regelmäßige)  Abschreibung  durch  Inventurbewertung
  der  Bestände  beschränkt  sich  auf  die  beweglichen  Teile
des  Gebrauchsvermögens,  beispielsweise  auf  Werkzeuge,  Formkasten,
in  Eisengießereien.  Der  Verbrauch  wird  durch  Aufnahme  des  Endbestandes ­
  und  Vergleichung  mit  dem  Anfangsbestand  Zugang
wie  folgt  berechnet:

1.  Anfangebestand  .
2.  Neuanschaffungen

5.  Anfangsbestand  11.

Werkzeug-Konto.

8
12
20

3.  Bilanzwert  des  Endbestandes ­
  (Stahlwert  der  gebrauchten ­
  ,  Anschaffungswert
der  ungebrauchten  Werkzeuge)  11
4.  Verbrauch  9
20

Der  Verbrauch,  die  Abschreibung,  rechnet  zu  den  mittelbaren
oder  unmittelbaren  Betriebsunkosten.  Wir  halten  bei  Werkzeugen
diese  Abschreibungsmethode  für  besser  als  die  Prozentmethode,  die
trotz  der  absoluten  Höhe  der  Abschreibungsquote  (25%,  30%)  verhältnismäßig ­
  zu  niedrig  sein  kann;  sie  macht  eine  zweckmäßig  eingerichtete ­
  Bestandskartothek  erforderlich.

III.  In  kaufmännischen  Bilanzen  wird  in  der  Regel  kollektiv
abgeschrieben,  d.  h.  auf  den  betreffenden  Anlagekonten  werden
einheitliche  Prozentsätze  in  Abzug  gebracht,  ohne  Rücksicht ­
  auf  die  Zusammensetzung  jenes  Vermögensteils,  dessen  Wert
auf  dem  Konto  verbucht  ist.  Z.  B.
        <pb n="249" />
        .

245

Maschine  n  konto  189  000  Mk.
18  900  „  =  10  o/o  Abschreibung
170100  Mk.  Buchwert.
Dieses  summarische  Verfahren  ist  in  jenen  Fällen  unzulänglich,
wo  für  die  einzelnen  Vermögensobjekte,  die  aus  buch-  und  bilanztechnischen
  Gründen  auf  einem  Konto  vereinigt  sind,  völlig  verschiedene ­
  Abschreibungsquoten  in  Ansatz  gebracht  werden  müssen.
Vom  Standpunkt  der  Ingenieurberechnung  ist  nur  eine  individuelle ­
  Abschreibung  der  einzelnen  Teile  des  Anlagekapitals,
insbesondere  der  Maschinen  richtig,  oder  doch  wenigstens  eine  Abschreibung ­
  nach  Gruppen  gleichartiger  Maschinen
(z.  B.  Kraftmaschinen,  Arbeitsmaschinen;  Maschinen  für  die  Vorbereitungsarbeiten ­
  und  Reinigung  getrennt  von  den  Maschinen  für
Weiterverarbeitung  in  Spinnereien,  Müllereien,  Erzaufbereitung  etc.).
Die  individuelle  Abschreibung  macht  die  Führung  besonderer  I  n  -
ventarbücher  für  einzelne  Vermögensteile  notwendig.
Bilanzbeispiel:  Maschinen  189  000  Mk.
19175  „  Abschreibungen
169  825  Mk.  Buchwert.
Läßt  man  nur'  die  natürlichen  Entwertungsgründe  als  Maßstab
für  die  Abschreibungsquoten  gelten,  so  ist  ziu  berücksichtigen,  daß
die  Abnutzung  der  einzelnen  Maschinenteile  durchaus
ung  1  eichmäßig  ist  und  daß  man  für  einzelne  Teile
der  Maschinen  besondere  Abschreibungsquoten  berechnen ­
  muß 1 ).
Die  Wertminderung  der  Maschinen  infolge  der  Verwendung
der  Produktionsmittel  im  Betriebe  läßt  sich  zahlenmäßig  genau  nicht
erfassen.  Man  begnügt  sich  deshalb  mit  einem  annähernd  richtigen,
in  der  Regel  unsicheren  Durchschnitts-  oder  Schätzungswert  des
Verlustes.  Bei  Beurteilung  der  Abschreibungsquoten
sind  vorerst  die  Abschreibungsgründe  zu  analysieren ­
 2 ).  Die  materiellen,  substanziellen,  in  der
Maschine  selber  liegenden  Entwertungen  sind  von  wechselnden,  zum
Teil  subjektiven  Momenten  abhängig,  teilweise  sichtbar  (z.  B.  Verschleiß ­
  der  Maschine),  teils  unsichtbar  (wie  innere  Veränderungen
durch  die  Beanspruchung):  die  Belastung  der  Maschine,  der  Beschäftigungsgrad ­
  der  Unternehmung,  die  Art  der  Fundamentierung
und  Montage,  die  Instandhaltung  der  Maschine  u.  a.  m.  Materielle, ­
  wirtschaftliche  Entwertungsgründe  sind:  Entwer-’)
  Vgl.  S.  227;  W.  Herrmann,  Entwertung  von  Maschinen  durch  den
Betrieb.  Zeitschr.  d.  V.  deutscher  Ingenieure,  1880,  S.  598  f.,  502  f.
’■)  Vgl.  Fiebelkorn,  Abschreibungen  auf  Ziegeleien  (Verlag  der  Tonindustrie-Ztg.,
  Berlin).  Hufnagl,  Amortisation  der  Sägewerke  (im  Handbuch
der  kaufm.  Holzverwertung,  Berlin  1905,  S.  56).
        <pb n="250" />
        tung  infolge  technischer  Neuerungen,  deren  Anschaffung  die  Konkurrenzfähigkeit ­
  der  Unternehmung  bedingen,  Änderungen  in  den  Arbeitsmethoden, ­
  Erlöschen  eigener  Patente  etc.
IV.  Neuanschaffungen  („Zugänge“)  an  Maschinen  und
anderen  Teilen  des  Anlagevermögens  sollen  pro  rata  temporis  (a)
abgeschrieben  werden.  Läßt  man  die  Zugänge  von  der  Abschreibung
frei  (b),  so  ist  das  Bilanzergebnis  zu  günstig;  schreibt  man  die  Neuanschaffungen ­
  mit  dem  vollen  Jahresprozentsatz  ab  (c),  so  ist  die
Abschreibung  übermäßig*).
V.  Die  Ausgaben  für  die  E  r  h  a  11  u  n  g  2 )  werden  als  Jahres-Verlust
  abgebucht,  belasten  dann  den  Betriebsgewihn  der  einzelnen
Jahre  in  wechselnder  Höhe,  in  den  späteren  Jahren  der  Verwendung
des  Produktionsmittels  in  steigendem  Maße,  wenn  bei  zunehmendem
Alter  die  Ausgaben  für  Instandhaltung  gleichfalls  zunehmen.  Die
Eeparaturkosten  werden  häufig  als  Vermehrung  des  Bestandwertes
als  Zugang  auf  dem  Anlagekonto  verbucht  und  durch  die  Abschreibungen ­
  auf  die  Dauer  der  Abschreibungsperiode  verteilt.  Erweiterungen ­
  der  Anlagen  und  Erhaltungsausgaben  werden  in  gleicher
Weise  verbucht  und  dadurch  die  Anschaffungs-  und  die  Erhaltungskosten ­
  des  Anlagevermögens  auf  die  Abschreibungsdauer  verteilt.
Werterhöhende  bzw.  die  Lebensdauer  verlängernde  Verbesserungen, ­
  Ergänzungen  und  Umbauten  müssen  in  einer
Ingenieur  berechnung  bei  Veranschlagung  der  Abschreibungen  berücksichtigt ­
  werden;  beispielsweise  wird  ein  Dampfkessel  mit  Überhitzer ­
  versehen,  eine  selbsttätige  Feuerung  wird  eingeführt,  eine
Zweizylinder-  wird  in  eine  Dreizylindermaschine  umgebaut,  die
alten  Lager  w-erden  durch  Kingschmierlager  ersetzt  usw.  Langhans
  bringt  hierfür  folgendes  Beispiel:  Anschaffungswert  einer
Dampfmaschine  22  000  Mk.,  Altmaterialwert  1000,  Lebensdauer
35  Jahre.  Nach  15  Jahren  werden  Verbesserungen  (für  6000  Mk.)
vorgenommen,  welche  die  Lebensdauer  der  Dampfmaschine  insgesamt
auf  50  Jahre  (seit  der  Anschaffung)  verlängern.  Der  Bilanzwert
nach  15  Jahren  seit  der  Anschaffung  ist  nach  Formel  S.  231:
(22  000—1000).  +  1000  =  Mk.  13  000.
*)  Z.  B.  Buchwert  800,  Abschreibung  10°/o,  Neuanschaffung  100,  in  Betrieb
genommen  Anfang  Oktober.
a)  800  b)  800  c)  800
80  -r  10»o  80  -f-  10°/o  100  +  Zugang
720  Zugang  100  720  900
97,5  -f-  2  V«  7»  2,5  100  +  Zugang  90  10  °/o
817,5  820  810
Vielfach  wird  der  Zugang  bis  auf  1  Mk.  (=  100  °/o)  abgeschrieben  (stille  Reserve).
2 )  Schmalenbach,  in  seiner  Zeitschr.,  2.  Jahrg.,  8.  472.  Leitner,
Grundriß  II,  S.  71.
        <pb n="251" />
        247

Der  abgesehriebene  Wert  10  Jahre  nach  Vornahme  der  Verbesserung ­
  ist:
(19  000-1000)  35 ^- 1 - ()  +  1000  =  etwa  Mk.  13,850.
OO  "
Ohne  Yerbesserung  wäre  der  abgeschriebene  Wert  für  den  gleichen
Zeitpunkt:
5F,  OF.
(22  000—1000)  --  4-1000  =  Mk.  7000.
Wo  die  fortschreitende  Technik  solche  Ergänzungen  und  Verbesserungen ­
  wiederholt  nötig  macht,  empfiehlt  sich  die  Abschreibung
vom  Anschaffungswert,  wodurch  die  Ergänzung  u.  ä.  rascher  amortisiert ­
  wird.
VI.  Bisher  wurden  nur  die  regelmäßigen  jährlichen,  ordentlichen ­
  Abschreibungen  behandelt.  Es  sind  teils  notwendige,  teils
übermäßige,  freiwillige  Abschreibungen.  Außerordentliche,
einmalige  Abschreibungen  bilden  keinen  Selbstkostenbestandteil,
  gleichgültig,  ob  besondere  Ereignisse  oder
Verhältnisse  eine  außergewöhnliche  Wertminderung  zur  Folge  haben,
oder  ob  nachträgliche  Entdeckung  von  Schätzungsfehlern,  eine  nachträgliche ­
  Korrektur  der  bisherigen  regelmäßigen,  aber  zu  niedrig
bemessenen  Abschreibungen  rechtfertigen,  d.  h.  zur  Beseitigung  einer
Überbewertung  dienen,  oder  ob  andere  Gründe  vorliegen,  beispielsweise, ­
  ob  durch  übermäßige  einmalige  Abschreibung  eine  entsprechend ­
  hohe  Gewinnrücklage  zu  schaffen  ist.  Außerordentliche
Abschreibungen  gehen  zu  Lasten  des  Reingewinns,  sind  außerordentliche ­
  Verluste,  die  die  Kapitalproduktion  der  Unternehmung  verringert. ­
  Notwendige  Abschreibungen  sind  im  allgemeinen  steuerfrei, ­
  freiwillige,  über  das  Maß  des  Notwendigen  hinausgehende
Abschreibungen,  gleichgültig  ob  regelmäßige  oder  einmalige,  sind
steuerpflichtig.
■Verteilung  der  Abschreibungsbeträge.
§  58.  Für  die  Selbstkostenberechnung  ist  häufig  eine  wiederholte ­
  Verteilung  der  Abschreibungssumme  erforderlich. ­
  Ein  Zwölftel  der  jährlichen,  ordentlichen  Abschreibungssumme
gibt  den  Anteil  eines  Monats.  Soweit  eine  weitergehende  Aufteilung
auf  die  einzelnen  Produktionsstellen  notwendig  wird,  wird  ein  Verteilungsschlüssel ­
  gewählt  werden  müssen,  der  den  Anteil  annähernd
richtig  bestimmen  läßt,  beispielsweise  das  Verhältnis  der  werbenden
Löhne  der  Produktionsstellen  zur  Gesamtsumme  der  produktiven
Löhne  der  Unternehmung  (für  Werkzeuge,  Gerätschaften,  Modelle);
nach  der  Höhe  der  Feuerversticherungssumme  (für  Gebäudeabschreibung); ­
  nach  der  Zahl  der  Leistungen  (z.  B.  Tonnenkilometer,
        <pb n="252" />
        248

für  Abschreibung  auf  Gleisanlagen,  Betriebsstunden  für  solche  auf
Maschinen)  etc.  (Tabellen  S.  248  f.  nach  Direktor  H.  Busch  man  m)-Tabelle

  I.  a)  Berechnungsgrundlagen  für  die  Gebäudeabschreibung.
(Siehe  Tabelle  II,  1.  Spalte.)

Gebäude  Nr.

Benutzter
Flächenraum
(ohne  Gänge
usw.&amp;gt;
qm

Abschreibung
Mk.

Auf  1  qm
entfallen
Mk.

I  Fabrikbau
la  Bureau,  Wohnung
Ib  Kunstverglasung
Ic  Modellschuppen
II  Werkstattgebäucle
III  Gürtlerei

3018,3
1044.6
66,3
262,5
3003.6
1417,2

1539,—
1462,—
99,—
263,—
4656,—
991,4-0,51


1,40
1,50
1-1,55

0,70

OO
00
k-1
u&amp;gt;
Cff

9010  —

Nach  den  angegebenen  Einheitswerten  ist  nunmehr  die  Aufteilung  der  Abschreibungen ­
  auf  die  Werkstätten  vorzunehmen.  Die  letzten  3  Posten  der
Tabelle  Ib  (14.—16.)  sind  den  allgemeinen  Betriebskosten  der  Gesamtfabrik  anzurechnen.

Als  Werte  sind  die  Werte  der  Feuerversicherung  für  die  angegebenen  Gebäude, ­
  nötigenfalls  gleich  dem  bei  der  Abschreibung  geübten  Verfahren  in  Einklang ­
  mit  dem  Buchwert  gebracht,  zugrunde  zu  legen  oder  es  ist  eine  besondere
Schätzung  vorzunehmen.
Wie  aus  der  umstehenden  Tabelle  ersichtlich  ist,  haben  einzelne  Werkstätten ­
  Anteil  an  verschiedenen  Gebäuden.
Bemerkung  zu  Tabelle  II:  Spalte  1—6.  Als  Grundlage  der  Verteilung
der  Abschreibungen  empfiehlt  sich  die  Einrichtung  eines  Inventarbuches,  das
die  einzelnen  Gegenstände,  nach  Werkstätten,  oder,  besser,  nach  Maschinengattungen, ­
  Holzeinrichtung  usf.  geordnet,  aufführt.  Bei  der  jährlichen  Inventuraufnahme ­
  ist  festzustellen,  welche  Maschinen,  Werkzeuge  nsw.  sich  in  den
Werkstätten  befinden.  Aus  dem  Inventarbuch  ist  die  Abschreibung  auf  die  einzelne ­
  Nummer  und  daraus  die  Summe  der  Amortisation  für  die  Werkstätte  zu
berechnen.
Ist  kein  Inventarbuch  vorhanden,  so  empfiehlt  sich  folgendes  Verfahren:
Man  schätzt  den  Wert  der  in  den  Werkstätten  befindlichen  Maschinen  u.  a.
Dieser  Schätzungswert  deckt  sich  natürlich  nicht  mit  dem  in  den  kaufmännischen
Büchern  ausgewiesenen  Inventurwert,  da  ein  gut  geleitetes  Unternehmen  die
Abschreibungen  höher  bemißt  als  der  tatsächlichen  Abnutzung  entspricht.  Deshalb
ist  die  Schätzungssumme  im  Verhältnis  zum  Inventurwert  herabzusetzen  und
danach  die  Verteilung  auf  die  Werkstätten  vorzunehmen.  Z.  B.  Schätzungswert
der  Maschinen:  Werkstätte  I:  Mk.  5400,—.  II  8400,—  usf.,  Summe  Mk.  270  000,—.
Inventurwert  lt.  Konto  Mk.  180  000,  —  .  Somit  sind  die  Schätzungswerte  im  Verhältnis ­
  von  180:270  oder  2:3  herabzusetzen  (1:3600,  II  5600,  .  .  .  Summe  180000)
        <pb n="253" />
        249

Tabelle  I.  b)  Verteilung  der  Abschreibungen  auf  die  einzelnen
Werkstätten.

W  erkstätte

31
Xi
Nr.

Flächeninhalt ­

qm

Abschreibung ­
  für
1  qm
Mk.

Betrag
Mk.

Summe
Mk.

1.  Metall-Dreherei  (Lageranteil)  .  .  .

I

90,0

0,51

46,-„

  „  (Werkstätte)  .  .  .

II

735,6

1,55

1140,—

1186,—

„  Schlosserei  (Lageranteil).  .  .

I

36,0
289,8

0,51

18,36

„  ,,  (Werkstätte)  .  .  .

II

1,55

449,19

467,55

2.  Mechanische  Dreherei  und  Fräserei  .

II

155,1

1,55

240,50

„  Schlosserei  .....

II

155,1

1,55

240,50

481,—

3.  Maschinen-Dreherei

I

428,4

0,51

218,50

„  -Schlosserei

I

581,4

0,51

296,50

Modelltischlerei

I

79,5

0,51

40,55

4.  Lackiererei

I

91,8

0,51

46,80

5.  Verzinnerei

I

54,6

0,51

27,85

6.  Klempnerei  (Werkstätte)

II

840,0

1,55

1302,—

„  (Lager)

III

745,2

0,70

521,65

1823,65

7  Gießerei  {  Pntzerei
'  UleUerel  i  Gießerei

I

438,0

0,51

223,50

II

828,0

1,55

1283,50

1507,—

8.  Gürtlerei  (Lageranteil)

I

270,0
672,0

0,51

137,90

„  (Werkstätte)

III

0,70

469,40

607,30

9.  Tischlerei

I

306,0

0,51

156,-10.

  Metallschleiferei

I

183,6

0,51

92,60

11.  Vernicklerei

I

244,8

0,51

124,80

12.  Glasschleiferei

I

214,2

0,51

109,25

13.  Kunstverglasung

Ib

66,3

1,50

99,50

14.  Wohnung
15.  Kanzlei  (kaufmännisch  und  technisch)

Ia

522,3

1,40

731,—

la

522,3

1,40

731,—

16.  Modellschuppen

Ic

262,5

L-262,50


9009,35

Wirkungen  der  Abschreibungen.
§  59.  Jede  Wertminderung  bedeutet  einen  Vermögensverlust!
und  führt  gleichzeitig  zu  einer  Verringerung  des  bilanzmäßig  dargestellten ­
  .Reinertrages  der  Unternehmung.  Abschreibungen  sollen
solche  Wertverluste  zahlenmäßig  zum  Ausdruck  bringen,  Verluste,
die  regelmäßig  durch  den  Betrieb  entstehen  und  zur  Erzielung  eines
Einkommens  dienen.  Solche  regelmäßige  Aufwendungen  zur  Gewinnerzielung ­
  sind  Werbungskosten,  sind  Teile  der  Selbstkosten.  Wollen
wir  die  Wirkung  angemessener  und  nicht  angemessener ­
  Abschreibungen  auf  das  Bilanzergebnis  untersuchen,
müssen  wir  vorerst  unterscheiden  zwischen  Vermögensverlusten,
welche  der  Unternehmer  allein  zu  tragen  hat  und  solchen,  für  welche
        <pb n="254" />
        Tabelle  II.

Abschreibunge

i  auf

Werkstätten

Gebäude
1

Werkzeugmaschinen ­

2

Werkzeuge
3

Holzein ­
 ­

4

Wellenleitung ­

5

Gas-,
Wasseru.
  Dampfleitung ­

6

Kiemenverbrauch ­

7

Instandsetzungen ­

8

1

j  Metall  Dreherei

1186

4  695

1076

170

_

246

_

90

660

_

8  740

1  ,,  -Schlosserei

467

55

330

—

260

—

165

—

73

—

45

—

li2

—

2  780

—

«Mechanische  Dreherei  und  Fräserei  .  .

240

50

1835

—

676

—

120

—

73

—

33

—

100

—

807

—

&amp;amp;

1  „  Schlosserei  .  .  .

240

50

335

—

150

—

45

—

15

—

10

—

86

—

807

—

Maschinen-Dreherei

218

50

1686

—

244

—

45

—

145

—

12

—

80

—

800

—

3

„  -Schlosserei  ....

296

50

363

—

320

—

85

—

24

—

33

—

42

—

600

—

Modelltischlerei

40

55

—

—

—

—

22

—

—

—

—

—

—

—

—

—

4

Lackiererei

46

80

—

—

120

—

6

—

—

—

3

—

—

—

150

—

5

Verzinnerei

27

85

—

—

—

—

9

—

—

—

3

—

—

—

120

—

6

Klempnerei

1823

65

890

—

75

—

161

—

6

—

160

—

3

—

9  208

—

7

Metallgießerei

1507

—

1  260

—

484

—

260

—

64

—

117

—

16

—

7  853

—

8

Giirtlerei

607

30

240

—

210

—

300

—

3

—

55

—

3

—

1  702

—

9

Tischlerei

'S

156

—

320

—

110

—

55

—

—

—

25

—

—

—

489

—

10

Metallschleiferei

»3-92



60

180

—

50

—

30

—

57

—

30

—

720

—

1  107

—

11

V  emicklerei

124

80

185

—

30

—

45

—

30

—

6

—

36

—

45

—

12

Glasschi  oiferei

«  JE-O
©

109

25

526

—

57

—

30

—

15

—

15

—

126

—

784

—

13

Knnstverglasung

99

50

184

—

90

—

24

—

8

—

10

—

—

—

697

—

Summe
Unkostenabschreibungen
%

7284
1724
9009

85
50
35

13  029

3952

1572

|  759
|

647

2054

36  689

250
        <pb n="255" />
        251

die  Möglichkeit  einer  Abwälzung,  einer  Überwälzung  auf  andere  besteht. ­

a)  Abschreibungen  als  Vermögenswertminderungen,  die  der
Unternehmer  allein  zu  tragen  hat,  mindern  die  Betriebseinnahmen,
den  Beinertrag  der  Unternehmung.  Hierher  gehören  Verluste  durch
Entwertung,  Verluste  an  Forderungen,  außerordentliche  Verluste  am
Anlagevermögen  u.  a.  Sie  sind  aus  dem  Einkommen  zu  decken,
bilden  keinen  Bestandteil  der  Selbstkosten,  sind  anorganische  Kosten.
Nicht  angemessene,  d.  h.  dem  wirklichen  Verlust  nicht  entsprechende
Abschreibungen  beeinflussen  in  diesem  Fall  zu  Unrecht  den  Reinertrag; ­
  zu  hohe  Abschreibungen  vermindern  den  Reingewinn,  zu
geringe  Herabsetzung  läßt  den  Reingewinn  ungerechtfertigt  zu  groß
erscheinen.
b)  Die  ordentlichen  Abschreibungen  auf  das  Anlagekapital,
werden  regelmäßig  mit  den  Selbstkosten  verrechnet;  dies  bedeutet
einen  Ersatz,  die  Wiedererstattung  der  Kapitalverluste  durch  den
Verbraucher  der  Erzeugnisse,  den  Käufer  :Eswerdenein  malige
Anla,gekosten  in  laufende  Betriebskosten  umgewandelt, ­
  Teile  des  Anlagekapitals,  die  Verlustquote, ­
  in  Betriebskapital  umgeformt.  Es  betragen  z.  B.
die  Abschreibungen  auf  das  gesamte  Anlagekapital  30000,—  Mk.;
sie  erscheinen,  richtige  Verteilung  dieser  Summe  vorausgesetzt,  als
ein  Teil  der  Selbstkosten  in  der  Gesamtheit  der  Kaufpreisforderungen
oder  des  Herstellungspreises  (im  Falle  des  Selbstverbrauches)  jener
Waren,  die  in  dem  Zeitraum  hergestellt  wurden,  für  welchen  die
Abschreibungen  berechnet  sind.  Was  durch  Wertminderung  infolge
Abnutzung  am  Anlagevermögen  verloren  geht,  wird  in  den  Herstellungskosten ­
  der  Produkte  zurückerstattet:  eine  allmähliche  teilweise ­
  Liquidierung  des  immobilen  Unternehmungskapitals.  Nach  vollständiger ­
  Abschreibung  einer  Anlage  soll  der  ursprüngliche  Anlagewert ­
  in  den  verschiedenen  Formen  des  Betriebskapitals  vorhanden
sein.  Im  Falle  des  Ersatzes  der  gebrauchsunfähigen,  bis  auf  den
Altmaterialwert  amortisierten  Maschinen  etc.  durch  gleichwertige
neue  wird  wiederum  Betriebskapital  festgelegt  und  das  so  investierte
Kapital  geht  entsprechend  den  alljährlichen  Abschreibungen  in
flüssiges  Kapital  über  usw.
Angemessene,  vollständig  und  richtig  verteilte
Abschreibungen  des  Anlagekapitals  als  Bestandteil ­
  der  Selbstkosten  beeinflussen  den  Reingewinn
tatsächlich  nicht,  obgleich  es  in  der  Bilanz  den  Anschein
hq,t,  als  ob  sie  ihn  vermindern.  Dem  Verlust  durch  Abschreibungen
stehen  höhere  Betriebseinnahmen  —  im  Falle  des  Verkaufs  der
Waren  —  oder  entsprechend  höher  bewertete  Aktivwerte  (Lagerwaren,
Produkte  für  den  Selbstverbrauch)  gegenüber.
        <pb n="256" />
        252

Unangemessene  Abschreibungen  beeinträchtigen  naturgemäß  den
Reingewinn,  gleichgültig,  ob  sie  in  ihrer  rollen  Höhe  auch  als
Selbstkosten  verrechnet  oder  nur  in  der  Bilanz  zum  Ausdruck  gebracht ­
  werden.  Bestimmen  die  Selbstkosten  den  Verkaufspreis,  dann
ist  dieser  zu  klein  oder  zu  groß;  ist  der  Verkaufspreis  unabhängig
von  den  Selbstkosten,  so  ist  das  Verhältnis  zwischen  beiden  unrichtig
dargestellt.  Im  erstgenannten  Falle  bedeuten  zu  hohe  Abschreibungen
in  den  Selbstkosten  den  Ersatz  eines  über  den  Vermögensverlust
hinausgehenden  Betrages,  d.  h.  ungerechtfertigte  Vermehrung  der
Betriebseinnahmen  und  Erhöhung  des  Reingewinnes;  dieses  Plus
an  Kapitalerstattung  vermehrt  das  eigene  Kapital  im  Falle  der  Verwendung ­
  des  Reingewinnes  zur  Kapitalsbildung  oder  es  vermehrt
zu  Unrecht  die  Quote  der  am  Gewinn  beteiligten  Personen.
Zu  geringe  Abschreibungen  in  den  Selbstkosten  von  Erzeugnissen, ­
  deren  Verkaufspreis  durch  diese  bestimmt  ist,  vermindern
mittelbar  den  Jahresreingewinn:  und  die  Gewinnquote  des  Erzeugnisses. ­
  Die  Vermögensverluste  durch  Wertverzehrung  sind  größer
als  der  Kapitalersatz!  durch  Anrechnung  der  Abschreibungen:  Ein
langsames  Aufzehren  größerer  oder  geringerer  Teile  des  Anlagevermögens, ­
  das  bei  längerer  Dauer  und  Verlustpreisen  der  Fabrikate
verhängnisvoll  werden  kann.
Unterläßt  man  Abschreibungen  überhaupt  oder  schreibt  zu
wenig  ab,  dann  ist  der  buchmäßig  dargestellte  sogen.  Reingewinn
nur  Bruttogewinn,  von  dem  Vermögensverluste  durch  Wertminderung
noch  abzusetzen  sind.  Eine  Gewinnverteilungsgesellschaft  würde
Gewinn  und  Teile  des  Anlagekapitals  zur  Ausschüttung  bringen.
In  einigen  Unternehmungen  fanden  wir,  daß  die  buchmäßigen
Abschreibungen  in  der  Jahresbilanz  höher  waren  als  jene  der  Selbstkostenbereehnung.
  Die  Wirkung  ist  offenkundig:  die  Selbstkosten
sind  richtig  berechnet,  der  Bilanzgewinn  aus  Gründen  der  Dividendenpolitik ­
  zu  gering.
Nach  Fischer  soll  durch  die  Abschreibungen  ein  Vermögensverlust,
  dargestellt  werden,  der  eigentlich  erst  in  dem  Jahr  der
Außerbetriebsetzung  des  Gegenstandes  entsteht.  „Richtig  ist,  daß
infolge  der  Abnutzung  und  des  Ablaufes  der  Zeit,  des  Altwerdens,
zu  einem  zukünftigen  Zeitpunkt  de.r  Verlust  des  ganzen,  in  der
Sache  angelegten  Kapitals  in  Aussicht  steht,  und  daß,  .  .  .  um
den  Verlust  .  .  .  auf  mehrere  Jahre  zu  verteilen,  die  Abschreibungen
vorgenommen  werden.“  Stellt  man  sich  auf  den  Standpunkt
Fischers,  daß  Abschreibungen  nichts  anderes  sind  als  eine  gleichmäßige ­
  Verteilung  des  zukünftigen  Verlustes  auf  die  Benutzungsdauer, ­
  dann  kann  man  auch  das  Verfahren  gutheißen,  wonach  in
guten  Jahren  mehr,  in  schlechten  weniger  oder  gar  nichts  abgeschrieben ­
  wird.  Im  letzteren  Falle  bedeutet  das  Unterlassen  „weiter
        <pb n="257" />
        253

nichts,  als  daß  der  Verlust,  der  bei  gewöhnlichem;  Geschäftsgang
dieses  Jahr  treffen  müßte,  wegen  besonders  schlechten  Geschäftsganges ­
  den  späteren  Jahren  belastet  ■wird“  (Fischer,  a.  a.  0.  S.  75).
Die  herrschende  Theorie  steht  auf  einem  entgegengesetzten  Standpunkte: ­
  die  natürlichen  Abschreibungen  sind  Verluste,  die  durch
den  Betrieb  entstehen,  bilden  also  wirtschaftlich  einen  Teil  der
Selbstkosten.  Sie  sind  gleichmäßig  und  unabhängig  von  der  Höhe
des  Geschäftsgewinnes  und  der  Geschäfts-  und  Dividendenpolitik
des  Unternehmers  anzusetzen.  Die  kaufmännischen  Abschreibungen
hingegen  wollen  die  Anlagekosten  des  Objektes  auf  eine  geringe
Zahl  von  Geschäftsjahren  verteilen,  die  Anlagekosten  amortisieren.
Die  Abschreibungsbeträge  sind  für  die  einzelnen  Haupt-  und
Hilfsbetriebe  getrennt  zu  berechnen  und  als  ein  Teil  der  aufzubringenden ­
  Betriebsunkosten  nach  den  für  diese  Kosten  üblichen
Grundsätzen  izu  verbuchen  und  zu  verrechnen.
An  verschiedenen  Stellen  dieses  Buches  wurden  die  Abschreibungen ­
  in  den  Beispielen  berücksichtigt;  es  erübrigt  sich
deshalb  die  Vorführung  eines  solchen.

Die  buchhalterische  Behandlung  der  Abschreibungen  auf
Anlagevermögen.
A.  I.  In  der  Vermögensbilanz  und  der  Gewinn  -
und  ;Verlustrechnung  (Ertragsbilanz).
§  60.  In  buchhalterischer  Beziehung  ist  die  Abschreibung  eine
Form  der  Bewertung;  von  Vermögensteilen.  Für  die  Feststellung  des
Bilanzwertes  eines  Vermögensobjekts  stehen  zwei  Wege  offen  (§  53):
Man  schätzt  oder  berechnet  den  wirklichen  Wert  des  betreffenden
Aktivums  •—  Schätzung  des  positiven  Wertes,  direkte  Bewertung  —;
oder  man  schätzt  den  Minderwert,  den  (z.  B.  infolge  Abnutzung)
entstandenen  oder  voraussichtlich  (z.  B.  an  Forderungen)  entstehenden ­
  Verlust,  Schätzung  des  negativen  Wertes,  indirekter  Weg.
Für  diesen  zweiten  Weg  gibt  es  wiederum  zwei  Formen  der
Darstellung  in  der  Vermögensbilanz,  die  rechnerisch  das  gleiche
Ergebnis  liefern,  die  Subtraktions-  und  die  Additionsmethode.
Das  Abschreibungskonto  auf  der  Passivseite  ist  ein  Berichtigungsposten ­
  für  ein  zu  hoch  bewertetes  Aktivum,  ist  somit  lediglich ­
  ein  Rechnungsposten.  Die  allgemein  verständliche  Benennung
dieses  Korrekturpostens  ist  Abschreibungs-  oder  Amortisations-Konto.
Undeutlicher,  zu  Verwechslungen  und  irrigen  Anschauungen  verleitend ­
  sind  die  Benennmagen:  Erneuenmgsfonds  (nach  §  261'  Ziffer  3
des  Handelsgesetzbuches),  Amortisations-  oder  Abschreibungsfonds'
Konto  u.  dgl.
        <pb n="258" />
        ■■■fl

Y  ermögensbilanz.

Aktiva  (Plusseite)

Mk.

Passiva  (Minusseite)

Mk.

a)  Sub  traktionsmethodej

1.  Jahr:  Anschaffungswert

58  400

Von  Zu-  und  Abgängen  wurde  abgesehen

—■  10  °/o  Abschreibung

5  840

Buchwert  am  Ende  des  1.  Jahres

52  560

2.  Jahr:  Anfangswert

52  560

-7-10  °/o  von  58  400  Mk

5  840

Buchwert  am  Ende  des  2.  Jahres

46  720

usw.

'

b)  Additionsmethode:

Abschreibungs-Konto:

1.  Jahr

58400

1.  Jahr

5  840

2.  Jahr

68  400

2.  Jahr

11680

3.  Jahr

58  400

3.  Jahr

17  520

usw.

USW.

%&amp;gt;■

254
        <pb n="259" />
        255

In  der  Vermögens-  und  in  der  Ertragsbilanz  können  die  Abschreibungen ­
  für  die  einzelnen  Anlagewerte  gesondert  oder  nur
summarisch,  in  einem  Sammelposten  ausgewiesen  werden,  und  zwar
in  der  Art,  daß  die  Abschreibungsbeträge  nur  für  das  Bilanzjahr
oder  die  Gesamtabschreibungen  seit  der  Anschaffung  ersichtlich
sind.  In  manchen  Bilanzen  werden  nur  die  bereits  abgeschriebenen
Nettowerte  eingestellt,  oder  es  wird  überhaupt  nicht  abgeschrieben.
Danach  ergibt  sich  folgende  Übersicht 1 ).
a)  In  der  Vermögensbilanz.
I.  Direkte  Abschreibung,  Subtraktionsmethode:
1.  Abschreibungen  auf  die  einzelnen  Vermögensobjekte,
2.  SUmSmarische  Abschreibungen.
Und  zwar  in  beiden  Fällen
a)  Abschreibungen  nur  für  das  Bilanzjahr,
ß)  Gesamtabschreibung  seit  der  Anschaffung  des  Aktivums.
II.  Indirekte  Abschreibung,  Additionsmethode  durch  Berichtigungsposten
  unter  den  Passiven:
1.  In  einzelnen  Beträgen  j  seit  der  Anschaffung  des  Ver-2.
  Summarisch  )  mögensobjekts.
III.  In  der  Bilanz  sind  Abschreibungen  nicht  ersichtlich:
1.  entweder  werden  nur  Nettowerte  eingestellt,  die  Abschreibungen ­
  aber  in  der  Erfolgsbilanz  ersichtlich  gemacht;
2.  oder  es  wird  überhaupt  nicht  abgeschrieben  und  der  unveränderte ­
  Wert  des  Anlage-Kontos  eingesetzt.
B.  In  der  Gewinn-  und  .Verlustrechnung  (Erfolgs-,  Er-1
  tragsbilanz):
1.  Abschreibungen  in  Einzelposten  1  nur  für  das
2.  Abschreibungen  als  Sammelposten  |  Bilanzjahr.
Die  detaillierte  und  die  summarische  Abschreibung  der  Ertragsrechnung ­
  können  mit  einer  spezialisierten  und  einer  zusammenfassenden
  Abschreibung  in  der  Bilanz  kombiniert  werden.
Zum  Beispiel:
In  der  Vermögensbilanz:  In  der  Gewinn-  und  Verlustrechnnng:

Einzel-Abschreibung  {  Sammelposten  (Summe)
1  Einzelposten  (Einzelbeträge)
Nettowerte  (lila)  /  Einzelbeträge  (4.  Beispiel)
i  Sammelposten  (5.  Beispiel,  1906).

l )  Vgl.  Leitner,  Grundriß,  I.  Bd.,  S.  211  f.,  II.  Bd.  S.  61  f.
        <pb n="260" />
        257

Aktiva.  Bilanz  von  Hartmann  &amp;amp;  Braun,
Bilanz  vom

Mk.

Pfg-Konti

  der  Betriebseinrichtungen.

1  Mobilien

1

125  662

30

2  Werkzeuge  .

2

126  062

32

3  Maschinen

.  3

245  050

07

4  Fabrikations-Gebrauchs-Apparate

4

92  707

31

5  lnstallations-Gebrauchs-Apparate

.  5

1578

—

6  Bücher  und  Cliches

6

20  292

13

7  Zeichnungen

.  7

93106

81

8  Modelle

.  8

25  798

86

9  Dampfkessel

9

11  347

80

10  Dampfmaschine

.  10

3  050

—

11  Dampfheizungs-  Anlage

.  11

37  966

88

12  Transmissionen

.  12

37  508

48

13  Akkumulatoren

.  13

34151

40

14  Elektrische  Licht-  und  Kraft-Anlage

.  14

211721

30

15  Elektrisches  Uhren-  und  Signalwesen

.  15

9129

46

16  Blitzableiter-Anlage

.  16

2106

85

17  Feuerlösch-Anlage

.  17

3  634

50

18  Geleise-Anlage

.  18

2181

29

19  Kantinen-Inventar

.  19

1  384

—

20  Einrichtung  der  Geschäftsstelle  Berlin.  20

6  749

42

Anschaffungswert

total:

1  091139

12

Gebäulichkeiten  (Fabrikbauten)

*  .  .

627  700

—

2°/«  Abschreibung  für  1901

10  720

2  °/o  Abschreibung  für  1902

10  720

2°/o  Abschreibung  für  1903

10  720

2  °/o  Abschreibung  für  1904

10  720

42  880

—

584  820

__

2%  Abschreibung  für  1905

10  820

Extraabschreibung

12  000

22  820

—

562  000

—

Beispiele:
1.  Abschreibungen  in  Einzelposten,  nur  für  das  Bilanzjahr
(Fall  a  X  1,  a)  Wayß  &amp;amp;  Freytag,  A.-G.  Neustadt  a.  H.
Maschinen-Konto:
Bestand  am  1.  Februar  1905  Mk.  168  982,11
Zugang  in  1905/06  „  82  039,81
Mk.  251  021,81
Abschreibung  10°/o  von  Mk.  356  233,61
Anschaffungswert  Mk.  35  623,36
Extraabschreibung  „  7  088,69  „  42  712,05
Bestand  am  31.  Januar  1906  Mk.  208  309,76

Im  Geschäftsbericht  wird  bemerkt,  daß  der  Anschaffungswert
der  Maschinen  seit  der  Gründung  betrage:  Mk.  453  053,04,  die  Ab-A.-G.

  Frankfurt  a.  M.  (Bruchstück)
31.  Dezember  1905.

Zuweisungen  zu  dem  Erneuernnesfonds
flnofoff  6  ’

anstatt  Abschreibungen.
1  Mobilien  1
2  Werkzeuge  2
3  Maschinen  3
4  Fabrikations-Gebrauchs-Apparate
  4
5  Installations-Gebrauehs-Apparate
  5
6  Bücher  und  Cliches  ....  6
7  Zeichnungen  7
8  Modelle  8
9  Dampfkessel  9
10  Dampfmaschine  10
11  Dampfheizungsanlage  ...  11
12  Transmissionen  12
13  Akkumulatoren  13
14  Elektrische  Licht-  und  Kraft-Anlage
  14
15  Elektrisches  Uhren-  und  Signalwesen ­
  15
16  Blitzableiter-Anlage  ....  16
17  Feuerlösch-Anlage  17
18  Geleise-Anlage  18
19  Kantinen-Inventar  ....  19
20  Einrichtung  der  Geschäftsstelle
Berlin  20

Gesamtbetrag  desErneuerungsfonds
 l )

Passiva.

Bis  31.  Dez
1904

für  1905

Zusammen

Mk.

Mk.

Mk.

Pfg.

54  656

17  752

72  408

57  143

20  706

77  749

,

81  834

32  644

114  478

38191

10  904

49  095

1577

1  577

12  639

2  679

15  318

70  000

15  000

85  000

21  787

4011

25  798

7  461

1  167

8  628

2152

270

2  422

.

16  814

5  289

22103

12  888

4  924

17  812

15158

4  749

19  907  '

21  421

90  339

68  918

1217

9128  1

7911

1846

260

2  106

3  453

181

3  634

2180

—

2180

1291

42

1  333

—

5  365

1384

6  749

483  164

144  600

627  764

—

Schreibung  Mk.  244  743,28,  der  Buchwert  am  1.  Februar  1906  wie
oben  Mk.  208  309,76.
2.  Beispiel.  Abschreibungen  seit  der  Gründung  bzw.  der  Anschaffung ­
  (Fäll  a  I,  1  ß)  Bilanz  der  A.-G.  „Weser“.
Maschinen  und  Apparate  .  .  .  .  Mk.  1338  875,71
Zuwachs  vom  1.  Juli  1903  bis  30.  Juni  1904  ,  574  674,45
Mk.  1913  550,16
Abschreibung  und  Abgang  •
pro  190304  Mk.  156  848,95  „  156  848,95  Mk.  1756  701,21
Gesamtabschreibung  u.  Abgang ­
  bis  30./6.  1903  .  .  „  1  706  625,53

‘)  Bis  31.  Dezember  1904  zugewiesen  Mk.  483  164,—
für  1905  zugewiesen  „  144600,—
Mk.  627  764,—
Leitner,  Selbstkostenbcrecbming.  7.  Aufl.  17
        <pb n="261" />
        Soll  Gewinn-  und  Verlust-Konto  1905.

Zuweisungen  zu  dem  Emeuerungsfonds
(Abschreibungen)

Totalbetrag  am
31.  Dezember
1905  ■)

Zuweisungen  zu
d.  Erneuerungsfonds ­
  bis
31.  Dez.  1904

Nettobetrag  am
31.  Dez.  1905
exkl.  Zuweisung
per  1905  &amp;gt;)

Zuweisungen
für  1905

Mk.

Mk.

Mk.

°/o

Mk.

Pfg.

Mobilien

125  662

54  656

71006

25

17  752

Werkzeuge

126  062

57  043

69019

30

20  796

—

Maschinen  .

245  050

81844

163  216

20

32  644

—

Fabrikations-Gebrauchs-Apparate  .....

92  708

38191

54  517

20

10  904

—

Installations-  Gebrauchs-Apparate

1578

1577

1

—

—

—

Bücher  und  Cliches

20  292

12  639

7  653

35

2  679

—

Zeichnungen

93107

70  000

23  107

—

14  000

—

Modelle

25  799

21787

4012

—

4011

—

Dampfkessel

11348

7  461

3  887

30

1167

—

Dampfmaschine

3  050

2152

898

30

270

—

Dampfheizungs-Anlage

37  196

16  814

21153

25

5  289

—

Transmissionen

37  508

12  883

24  620

20

4  224

—

Akkumulatoren

34  151

15158

18  993

25

4  749

—

Elektr.  Licht-  und  Kraft-Anlage

211  721

68918

142  803

15

21  421

—

Elektr.  Uhren-  und  Signalwesen

9129

7  911

1  218

—

1  217

—

Blitzableiter-Anlage

2107

1846

261

—

260

—

Feuerlösch-Anlage

3  635

3  453

182

—

181

—

Geleise-Anlage

2181

2180

1

—

—

Kantinen-Inventar

1334

1291

43

—

42

—

Einrichtung  Geschäftsstelle  Berlin

6  750

5  365

1  385

—

1  384

—

Gebäude,  Abschreibung

1  091139

483  416

607  759

144  600
10  820
12  000

—

167  420

—

*)  Total-  und  Nettobetrag  der  Anlagewerte,

Das  Soll  der  Gewinn-  und  Verlustrechnung  enthält  unter
anderen  Posten:
        <pb n="262" />
        17*

2.59

Die  Gewinn-  und  Verlust-Rechnung  lautet:
Soll  (Fall  ß  1):  Man  könnte  nach  B  2  buchen:
An  Maschinen-  und  Ap-  An  Abschr.-Konto  Mk.  210  914,32
parate-Konto  .  .  .  Mk.  156,848,96
An  Immobilien-Konto
usw.
Mk.  210  914,32
3.  Beispiel.  Abschreibungen  in  Einzelposten  in  der  Ertragsrechnung ­
  (Fall  B  1  und  a  III  1):  Bilanz  der  Ilse,  Bergbau-Aktiengesellschaft.

Aktiva:  1.  Grubenfelder  .  ...  .
Grubenfelder-Oberflächen  .
2.  Grubenanlagen
Grube  Ilse
„  Renate
„  Eva
„  Anna-Mathilde  .  .
3.  Ziegeleianlagen  ....
usf.

Mk.  3  807  664,53
.  1.-,
  74  410,-„
  83  460,—
132  832,—
„  133  431,—
„  204  234  —

Abgeschriebene
Werte,  Nettobeträge; ­
  in  der  Vermögensbilanz ­
  werden ­
  überhaupt  keine
Abschreibungen  angegeben. ­

Mk.  10  361  050,78

Gewinn-  und  Verlustrechnung:  Soll:

1.  Abschreibungen:
auf  Grubenfelder  Mk.  97  492,93
„  „  Oberflächen  „  74  960,—
Grubenanlagen:  Ilse  „  32825,84
„  Renate  ,,23  645,48
„  Eva  „  34  810,81
„  Anna-Mathilde  ....  „  17  558,69
2.  Ziegeleianlagen  „  21434,34
usf.

Mk.  1217  643,56

4.  Beispiel.  Eine  hinsichtlich  der  Abschreibungen  .mustergültige
Darstellung  (Fall  a  II  1,  und  B  1)  enthält  die  Tabelle  auf  Seite  256,
257  und  258.
5.  Beispiel.  Im  Gegensatz  zu  dem  4.  Beispiel  läßt  das  folgende
an  Unklarheit  und  Undurchsichtigkeit  nichts  zu  wünschen  übrig
(Fall  a  III  1,  B  2):

Aktiva

Bilanz  1906.

Immobilien  ....  Mk.  748  569,10
Einrichtung  ....  „  571442,95
usw.
        <pb n="263" />
        b)  Abschreibungs-Konten.
Im  System  der  doppelten  Buchführung  werden  die  Abschreibungen ­
  verrechnet:
1.  Mit  dem  Anlage-Konto  selbst  (1.  Beispiel,  Seite  256).
Eingang  Maschinen-Konto.  Ausgang

1.  Bestand

Mk.  168  982,11

3.  Abgang

Mk.  —

2.  Zugang

„  82039,70

4.  Wert  des  Schlußbestandes

Mk.  251  021,81

(Schlußbilanz-Konto)  .  .
5.  Gewinn-  u.  Verlust-Konto

„  208  309,76

Abschreibung  *  .  .  .  .

„  42  712,05

1

Mk.  251  021,81

2.  Mit  einem  besonderen  Sammel-Konto  *),  das  die  Abschreibungen
auf  die  einzelnen  Teile  des  Anlagevermögens  zusammenfaßt.
Übertrag  vom  Abschreibungs-Konto  (zu  Seite  256)  Übertrag  auf

Gewinn-  und  Verlust-Konto
  Mk.  210  516,75

Maschinen-Konto  .  .  Mk.  42  712,05
Immobilien-Konto
Gruben-Konto
usw.
Summe  aller  Abschrei-  ’
bungen  Mk.  210  516,75

3.  Mit  Erneuerungsfonds-Konto  im  Sinne  der  Additions-Methode
(1'.  Beispiel,  S.  256):
Debet  Maschinen-Konto.  Kredit
        <pb n="264" />
        26!

Debet

Erneuerungsfonds-Konto.

Kredit

2.  Schlußbilanz  .  .

.  Mk.  244  743,28

1.  Bilanz-Konto  .  .  .

Mk.  202031,23

(Gesamtabschreibungen  bis

(bis  1.  II.  1905)

1.  II.  1906).

2.  Gewinn-  und  Verlust

  (für  1905/6)

„  42  712,05

Mk.  244  743,28

Aktiva

Schluß

-Bilanz.

Passiva

Maschinen-Konto  .

.  Mk.  453  053,04

Erneuerungsfonds-Kto.

Mk.  244  743,28

Die  Veräußerung-  einer  Maschine  im  Anschaffungswerte  von
Mk.  3000,—,  die  bis  auf  Mk.  2000,—  abgeschrieben  und  für
Mk.  2400,—  verkauft  wird,  erfordert  folgende  Buchungen:

Soll

Maschinen-Konto.

Haben

1.  Eingangs-Bilanz  .  .  .  Mk.  3000,—
4.  Gewinn  .......  „  400,—

2.  Kassen-Konto  ....  Mk.  2400,—
3.  Erneuerungsfonds-Kto.
Übertrag  „  1000,—•

Soll

Erneuerungsfonds-Konto.

Haben

2.  Maschinen-Konto
Übertrag  Mk.  1000,—

1.  Eingangs-Bilanz

Mk.  1000,—

Das  heißt  die  bisherigen  Abschreibungen  sollen  auf  Maschinen-Konto
  übertragen  werden;  dieses  Konto  zeigt  den  Buchgewinn  auf.
Man  kann  beide  Konten  auch  mit  Gewinn-  und  Verlust-Konto  abschließen ­
  :

Verluste

Gewinn-  und  Verlust-Konto.

Gewinne

Maschinen-Konto.  .  .  .  Mk.  600,-Erneuerungsfonds-Konto

  .  Mk.  1000,-Die

  Bewertung  der  Fabrikate  und  der  Halbfabrikate
in  der  Bilanz.
§  61.  Das  Handelsgesetzbuch  gibt  an  zwei  Stellen  maßgebende
Vorschriften  über  die  Bewertung.  Die  lex  generalis  ist  in  §  40
enthalten.  (,,Bei  der  Aufstellung  des  Inventars  und  der  Bilanz  sind
        <pb n="265" />
        —  262  —
sämtliche  Vermögensgegensfeände  und  Schulden  nach  dem  Werte
anzusetzen,  der  ihnen  in  dem  Zeitpunkte  beizulegen  ist,  für  welchen
die  Aufstellung  stattfindet“,  d.  h.  kurz  gesagt  zum  Tages  wert.)
Sie  gilt  für  alle  Kaufleute,  auch  für  Kapitalgesellschaften,  soweit
sie  für  diese  nicht  eine  Einschränkung  in  §  261  erfahren.  Für  die
Bewertung  in  der  Bilanz  bzw.  dem  Inventar  können  in  Betracht
kommen:  Anschaffungs-  oder  Erwerbspreis  für  Vermögensteile,
  die  gegen  Entgelt  erworben  wurden.  Herstellungsund
  Selbstkosten  preis  für  Erzeugnisse  des  Gewerbes;  V  e  r  -
äußerungs-  oder  Verkaufs  preis,  Markt-  oder  Bö  rsenpreis,
  Tax-  oder  Schätzungswert.  Der  Zeit  nach  können  es  vergangene ­
  (ursprüngliche),  gegenwärtige  oder  zukünftige  Werte  sein.
Im  Interesse  einer  richtigen  Darstellung  der  Vermögenslage
und  des  Geschäftserfolges  ist  die  Vorschrift  des  §  40  als  Maximalgrenze ­
  anzusprechen;  der  Tageswert,  d.  i.  der  Veräußerungswert
der  für  den  Verkauf  bestimmten  Sachgüter,  bildet  die  Höchstgrenze
der  Bewertung.  Es  sind  nicht  Zukunfts-,  Hoffnungswerte,  sondern
es  ist  jener  Wert  einzusetzen,  der  die  augenblickliche  Vermögenslage ­
  am  richtigsten,  vollkommensten  widerspiegelt.
Wir  sind  der  Meinung,  daß  die  Bewertungsvorschriften ­
  des  §  261  des  Handelsgesetzbuches
jedem  Unternehmer  ohne  Rücksicht  auf  die  Rechtsform ­
  der  Unternehmung  als  Richtschnur  bei  der
Aufstell  ungdeslnventarsdienenkönnenundsollen.
Das  heißt:  1.  Waren  und  Wertpapiere,  die  einen  Börsen-  oder
Marktpreis  haben  und  andere  Vermögensgegenstände  (ohne  einen
solchen  Preis)  sind  höchstens  zu  dem  Anschaffungs-  oder  Herstellungspreis ­
  anzusetzen.
2.  Anlagevermögen  und  Gebrauchsgegenstände  sind  zum  Anschaffungs- ­
  oder  Herstellungspreis  unter  Berücksichtigung  der  Wertminderung ­
  infolge  der  Abnutzung  in  Ansatz  zu  bringen.
Der  Herstellungspreis  in  der  Bilanz  (nach  §261
HGB.)  ist  nicht  identisch  mit  dem  Selbstkostenpreis.
Für  ersteren  kommen  neben  direkten  Aufwendungen  (Spezialunkosten
nach  §  3f.)  nur  die  Betriebsunkosten  im  engeren  Sinn  in  Frage;
Handlungsunkosten  bleiben  außer  Ansatz,  Mit  Rücksicht  darauf
empfiehlt  es  sich,  schon  in  der  Berechnung  der  Unkosten  eine
entsprechende  Trennung  vorzunehmen.  Würde  man  die  Verwaltungsund ­
  die  anderen  oben  genannten  Unkosten  mitberechnen,  so  würden
diese  Jahresverluste  durch  Höherbewertung,  d.  h.  durch  deren  Einrechnung ­
  in  den  Herstellungs-  oder  Inventurwert,  wieder  aufgehoben,
Herstellungspreis  und  Selbstkostenpreis  werden
        <pb n="266" />
        263

häufigmiteinander  verwechselt 1 ).  Beide  Begriffe  decken
sich  nicht  ganz.  Die  Unterscheidung  zwischen  beiden  ist  für  die
Auslegung  des  §  261  des  HUB.  von  Bedeutung.  Was  als  Herstellungspreis ­
  anzusehen  ist,  entscheidet  das  Gesetz  nicht.  Nun  besteht  eine
wesentliche  Meinungsverschiedenheit  darüber,  was  im  Sinne  dieser
Vorschrift  zu  den  Herstellungskosten  zu  rechnen  ist,  insbesondere
darüber,  ob  dazu  auch  ein  Teil  der  allgemeinen  Unkosten  zählt.
Hier  wird  die  kaufmännische  Verkehrssitte  zu  berücksichtigen
sein.  Nach  kaufmännischer  Anschauung  zählt  man  zum  Anschaffungspreis ­
  (Erwerbspreis)  einer  Ware  alle  Geldausgaben,  welche  der  Erwerb ­
  verursacht.  Anschaffungspreis  ist  somit  nicht  Kaufpreis;
ersterer  setzt  sich  vielmehr  zusammen  aus  dem  Fakturen-  oder  Einkaufspreis ­
  und  allen  Bezugskosten  (Fracht,  Zoll,  Stempel,  Deckungskosten ­
  usw.),  welche  durch  die  Anschaffung  im  besonderen  verursacht
werden.  Dagegen  werden  allgemeine  Geschäftsunkosten,  wie  Ausgaben ­
  für  die  Verwaltung,  Miete,  Instandhaltung  usw.,  nicht  zu
den  Anschaffungskosten  gerechnet  (vgl.  §  3).  Der  Kaufmann  schlägt
diese  Unkosten  bei  der  Kalkulation  des  V  e  r  k  a  u  f  s  preises  seiner
Ware  zu,  verbucht  sie  jedoch  auf  Handlungskosten-Konto  und  als
Jahresverlust.  Die  Vorräte  am  Jahresschluß  sollen  zum  Einstandswert, ­
  dem  Erwerbspreis  in  das  Inventarium  eingesetzt  werden.  Bewertet ­
  sie  der  Unternehmer  mit  Einschluß  einer  Zuschlagsquote
für  die  Generalkosten,  so  schiebt  er  einen  Teil  dieser  Kosten  in  das
neue  Bilanzjahr  hinüber.
Schmalenbach 2 )  meint  gegen  Rehm  (a.  a.  0.  S.  711  f.):
„Der  Grundgedanke  des  Verfahrens,  die  Generalkosten  nicht  auf
Warenkonto,  sondern  auf  ein  besonderes  Generalunkostenkonto  zu
bringen,  ist  ein  kalkulatorischer.  Die  direkten  Unkosten  kann  man
direkt  ermitteln,  die  Generalkosten  dagegen  nur  durch  Beobachtung;
diese  Beobachtung  geschieht  durch  entsprechende  Kontierung.  Nicht,
um  sie  zuzuschlagen,  sondern  im  Gegenteil,  um  die  richtige  Zuschlagsquote ­
  zu  ermitteln,  richtet  man  ein  besonderes  Generalunkostenkonto ­
  ein“.  Dies  ist  richtig.  Doch  hat  die  buchhalterische  Scheidung
der  Anschaffungs-  und  der  General-  (besser  Handlungs-)Kosten  noch
einen  anderen  Grund:  die  aus  der  wertumsetzenden  Tätigkeit  des
Warenhändlers  resultierenden  Anschaffungskosten  der  Objekte  dieser
Tätigkeit  und  die  Ausgaben  für  die  anschaffende  und  veräußernde
Tätigkeit  an  sieh  zu  trennen,  da  diese  Kosten  wirtschaftlich  durchaus
verschiedenartig  sind.  Daß  diese  Scheidung  die  oben  angeführte
Berechnung  der  Zuschlagsquote  (vgl.  den  Anhang)  ermöglicht,  ist
eine  Nebenwirkung.
h  Vgl.  Rehm,  Die  Bilanzen  der  Aktiengesellschaften,  München  1903,
S.  709  ff.  Sinion,  desgleichen,  2.  Aufl.,  Berlin  1898,  S.  34  ff.
2 )  Generalunkosten  als  Produktionskosten.  Zeitschr.  f.  handelswissenschaftliche ­
  Forschung  Nr.  5  von  1908.
        <pb n="267" />
        264

Analog  wird  die  oben  angeführte  Streitfrage  zu  lösen  sein.  Zu
den  Herstellungskosten  zählen  in  wirtschaftlicher
Beziehung  alle  Ausgaben  und  Leistungen,  welche
unmittelbar  und  mittelbar  mit  der  'Herstellung
einer  Ware  in  Verbindung  stehen.  Dazu  gehören  Ausgaben ­
  für  Material,  Fabrikationslöhne,  Abteilungs-  und  allgemeine  Betriebsunkosten ­
  (Fabrikationsunkosten).  Zum  Selbstkostenpreis ­
  hingegen  gehören  nicht  allein  die  Herstellungskosten,  sondern
auch  alle  Ausgaben,  welche  die  Unternehmung  als  Ganzes,  nicht  die
einzelne  Ware  treffen  und  nicht  durch  die  Fabrikation  entstehen,
also  Ausgaben  für  die  Verwaltung  und  für  den  Verkauf.  Die  Kalkulation ­
  des  Verkaufspreises  muß  selbstverständlich  auch  auf  diese
Kosten  Rücksicht  nehmen  ;  denn  der  Unternehmer  muß,  abgesehen
von  den  Herstellungskosten,  auch  die  allgemeinen  Unkosten  hereinbringen,
  ehe  von  Gewinn  die  Rede  sein  kann.  Sie  werden  durch
Zuschlag  gedeckt.  Danach  wird  der  Selbstkostenpreis  sich  nach
den  früher  entwickelten  Formeln  berechnen.
Es  wird  keinem  Kaufmann  einfallen,  bei  der  Bewertung  der
eingekauften  und  vorrätigen  Waren  einen  Aufschlag  für  Abschreibung, ­
  Geschäftsmiete,  Gehälter  des  Personals  u.  dgl.  zu  machen.
Das  sind  eben  Geschäftsunkosten  und  Leistungen,  die  als  Jahresverluste ­
  angesehen  werden.  Würde  ein  Warenhändler  die  Vorräte
mit  einem  Kostenaufschlag  für  alle  Handlungskosten  bewerten,  so
würden  die  ausgewiesenen  Verluste  illusorisch.  Z.  B.  man  kauft
Waren  für  Mk.  15  000,  die  Geschäftsunkosten  wären  Mk.  8000.  -—
Angenommen,  es  sind  sämtliche  Waren  unverkauft.  Die  Buchung
stellt  sich  folgendermaßen  dar;
Eingang  Waren-Konto.  Ausgang

1.  Einkaufswert  .  .  .  Mk.  15  000,—  2.  Bilanzwert.  .  .  .  Mk.  23  000,—
2.  Scheingewinn  .  „  8000,—  =  15000-)-8000
Dagegen  ergibt  das  Unkostenkonto  einen  Verlust  von  Mk.  8000,—,
der  durch  den  gleich  hohen  scheinbaren  Gewinn  aufgehoben  wird!  Ist
ein  Teil  der  Waren  bereits  mit  Gewinn  veräußert,  dann  wird  eben
auch  ein  Teil  der  Unkosten  dadurch  gedeckt  sein.  Richtig  sind  die
W]aren  mit  dem  Anschaffungspreis  einzusetzen.  An  der  Ware  an
sich,  abgesehen  von  Verschleiß  und  Konjunktur,  die  bei  der  Bewertung ­
  mit  zu  berücksichtigen  wären,  wurde  nichts  verloren.  Verluste ­
  entstehen  durch  den  Betrieb  der  Unternehmung  als  Ganzes.
Der  Kaufmann  wird  sie  bei  der  Berechnung  des  Verkaufspreises
durch  einen  Aufschlag  von  etwa  53  o/o  decken.  Erst  beim  Verkauf
über  153o/o  wird  Gewinn  erzielt.
        <pb n="268" />
        265

Ähnlich  liegen  die  Verhältnisse  bei  der  Berechnung  des  Herstellungspreises. ­
  Wie  dort  der  Anschaffungspreis,  so  ist  hier  der
Herstellungspreis  zusammengesetzt.  Ein  Aufschlag  für  Generalkosten
(Verwaltung,  Handlungskosten)  führt  hier  zu  einem  ähnlichen  Resultat. ­
  Die  Kosten  der  Verwaltung  dürfen  nicht  als  Aktivuni  eingestellt ­
  werden  (§  261',  Ziff.  4  HGB.);  hier  werden  sie  ganz  oder
teilweise  durch  Vermittelung  eines  Aktivpostens  eingesetzt.  Verwaltungskosten ­
  sind  Verluste,  die  infolge  der  angeführten  unrichtigen
Bewertung  .aufgehoben,  d.  h.  für  die  Bilanz  und  die  Vermögensdarstellung ­
  unwirksam  gemacht  werden,  oder,  was  wirtschaftlich
dasselbe  ist,  der  Reingewinn  des  Unternehmens  in  der  Gewinnund
  Verlustrechnung  ist  gegenüber  den  tatsächlichen  Verhältnissen
zu  groß.  ,
Abschreibungen  sind  Kapitalkosten  (§  5)  und  zweifellos
Teile  der  Selbstkosten;  gehören  sie  zu  den  Herstellungs-  oder  den
allgemeinen  Verwaltungskosten  ?  Zählt  man  sie  mit  berechtigten
Gründen  zu  den  Herstellungskosten,  so  bilden  sie  auch  einen  Bestandteil ­
  des  Wertes  der  Vermögensobjekte  beim  Jahresabschluß.
Tatsächlich  handelt  es  sich  bei  dem  Streit  wegen  der  Auslegung
des  §  261  im  wesentlichen  um  die  Abschreibungen,  umdieFrage,
obsiebeider  Bewertungein  gerech  netwerd  endürfen
o  d  e  r  n  i  c  h  t.  Im  voraus  sei  bemerkt,  daß  dieser  Streit  häufig  rein
theoretischer  Natur  ist.  Auch  wenn  man  Gründe  gegen  die  Einrechnung ­
  der  Abschreibungen  findet,  ihre  praktische  Anwendung
ist  in  vielen  Fällen  unmöglich.  Lilienthal  (a.  a.  0.  S.  184ff.)
bringt  einige  beweiskräftige  Beispiele:  Die  Licht-  und  Kraftkosten,
(siehe  S.  171  f.),  die  Kosten  einer  Maschinenbetriebsstunde  (vgl.  S.  198),
der  einzelnen  Arbeitsstadien  usw.  werden  stets  mit  Einrechnung  der
Abschreibungsquote  ermittelt  und  verteilt,  diese  Kosten  bilden  einen
Bestandteil  der  Herstellungskosten  der  Produkte.  Man  müßte  versuchen, ­
  am  Jahresschluß  aus  den  Herstellungskosten  der  vorrätigen
Erzeugnisse  die  Abschreibungsquoten,  die  in  den  Kraft-,  Lichtkosten ­
  usf.  stecken,  auszuscheiden:  eine  Unmöglichkeit!  Wenn
Maschinen,  Normalien,  Werkzeuge  einige  Jahre  liegen,  müßte  bei
der  Bewertung  festgestellt  werden,  aus  welchem  Jahre  sie  stammen,
da  in  den  Selbstkosten  alljährlich  schwankende  .Abschreibungsquoten
enthalten  sind.
Doch  dürfen  Erwägungen,  daß  eine  theoretische  Wahrheit  bei
ihrer  praktischen  Anwendung  in  einigen  Fällen  auf  Schwierigkeiten
stößt,  nicht  maßgebend  sein  bei  der  Untersuchung  dessen,  was  als
richtig  angesehen  werden  soll.  Lilienthal  meint  (S.  183):  Wer
eine  Betriebskraft,  Lichtquelle,  einen  Fabrikraum  mietet,  rechnet
diese  Ausgaben  zu  den  Betriebskosten.  Die  Abschreibungen  dieser
        <pb n="269" />
        266

Anlagen  soll  der  Eigentümer  nicht  zu  den  Herstellungskosten  rechnen
dürfen?  „Diese  Wertminderungen  —  durch  Benutzung  —  sind
durch  die  Fabrikation  hervorgerufen  und  sind  gleichbedeutend  mit
den  Kosten,  die  für  Reparaturen  und  Ersatz  der  Gebäude,  Inventarien
und  Utensilien  ausgegeben  und  die  als  Betriebskosten  ebenfalls  in
den  Selbstkosten  der  Fabrikate  anteilig  enthalten  sind.  Ein  Grund
dafür,  daß  beide  Faktoren  verschieden  zu  behandeln  sind,  dürfte
schwer  zu  finden  sein.“
Zwischen  Ausgaben  und  Verlusten  ist  zu  unterscheiden.
Verluste  sind  Minderungen  am  Wert  oder  an  der  Menge  des
Vermögens-Objektes  oder  der  Leistung  ohne  Äquivalent;  z.  B.  Kurs-,
Gewichts-,  Gas-,  Wärme-,  Stromverluste,  Verluste  an  Forderungen,
durch  Wertzerstörung,  durch  Benutzung  u.  ä.  Ausgaben  sind  stets
an  eine  (sofortige  oder  spätere)  Geldwertbewegung  gebunden;  es
sind  Minderungen  des  Bestandes  an  aktiven  Vermögensteilen  (Barausgaben) ­
  oder  Minderungen  am  gesamten  Aktivvermögen  (durch
Kreditausgaben),  denen  eine  geldwerte  Leistung  des  Ausgabenempfängers ­
  gegenübersteht.  Verluste  und  Ausgaben  sind
also  nicht  identisch.  Der  Kaufmann  zwar  bezeichnet  auch
Ausgaben  zwecks  Erwerbung  einer  Leistung,  eines  Rechts  als  Verluste, ­
  bucht  sie  als  Verlust,  obgleich  solchen  Ausgaben  eine  Gegenleistung ­
  gegenübersteht:  den  Gehältern  die  Arbeitsleistung,  der.Miete
der  Gebrauch  des  vermieteten  Sachgutes,  der  Zinszahlung  die  Kapitalnutzung ­
  usf.  Bar-  oder  Kreditausgaben  werden  unmittelbar  verbucht, ­
  Verluste  hingegen  kommen  nur  mittelbar  zum  Ausdruck.
Hinsichtlich  der  Einrechnung  der  Abschreibungen  in  den  Herstellungswert ­
  bzw.  Selbstkostenwert  der  Fabrikate  sowie  hinsichtlich ­
  der  Bewertung  in  der  Jahresbilanz  glauben  wir  im  folgenden
eine  endgültige  Lösung  zu  bringen:
1.  Es  gibt  Abschreibungen,  die  weder  den  Erzeugungskosten ­
  noch  den  Selbstkosten  zuzurechnen
sind:  Übermäßige,  außerordentliche  und  interne  Abschreibungen.
Eine  Fabrik,  die  den  Zugang  an  Anlagevermögen  mit  Rücksicht
auf  die  Dividenden-  und  Bilanzpolitik  mit  100  o/o'  abschreibt,  oder
in  der  Gewinn-  und  Verlustrechnung  unter  den  Betriebsunkosten
verbucht,  kann  solche  Abschreibungsverluste  nicht  als  Bestandteil
der  Selbstkosten  ansehen,  ohne  sich  selbst  zu  täuschen.  Die
„Bilanz“abschreibungen  stimmen  nicht  in  allen  Unternehmungen
mit  den  „S  e  1  b  s  t  k  o  s  t  e  n“abschreibungen  überein.
2.  Die  Abschreibungen  auf  die  Produktionsmittel  gehören ­
  zu  den  Kosten  der  Produktion  bzw.  der  Produktionsbereitschaft, ­
  also  zum  Herstellungswert  im  Sinne  des  Gesetzes:
der  Verbrauch  an  Werkzeugen,  Substanzminderungen  etc.,  d.  h.  die
        <pb n="270" />
        267

regelmäßigen  ordentlichen,  durch  die  Benutzung  als  Produktionsmittel ­
  gerechtfertigte  Abschreibungen.
3.  Ein  Teil  der  Abschreibungen  bildet  einen  Bestandteil  der
Handlungsunkosten,  die  am  Jahresschluß  ebensowenig  zu
dem  Bilanzwert  der  Bestände  zugeschlagen  werden  dürfen  wie  die
Verkaufs-  und  die  kaufmännischen  Verwaltungskosten:  Abschreibungen ­
  auf  Verwaltungsgebäude,  auf  Vertriebsmittel  (Niederlagen,
auswärtige  Lager,  Transportfässer  der  Brauereien  etc.),  auf  Musterlager ­
  und  andere  dem  Verkauf  dienenden  Einrichtungen  und  Anlagen.
Im  Sinne  der  Bilanzvorschriften  gibt  es  demnach  zuschlagbare
und  nicht  zuschlagbare  Abschreibungen  x ).  Wegen  der  Unsicherheit,,
ob  der  Gesetzgeber  im  gegebenen  Falle  diesen  Anschauungen  beitreten ­
  wird  —  eine  Entscheidung  liegt  zur  Zeit  nicht  vor  —,  verrechnen ­
  zahlreiche  Fabrikbetriebe  alle  Abschreibungen  unter  den
Handlungsunkosten,  zählen  sie  also  nicht  zu  den  Herstellungskosten
(eine  Auffassung,  die  wir  in  früheren  Auflagen  dieses  Buches  vertreten ­
  haben).
Im  übrigen  überläßt  es  das  Gesetz  dem  „verständigen  Ermessen
in  jedem  einzelnen  Falle,  inwieweit  gewisse  allgemeinere  Kosten
als  Bestandteil  der  Herstellungskosten  berücksichtigt  werden  können“.
Es  ist  also  Sache  der  Geschäftsleitung,  zu  prüfen,  was  zu  den
Herstellungskosten  zu  rechnen  ist.
Ist  der  Herstellungspreis  für  ein  Fabrikat  genau  bestimmbar
wie  bei  Spezialartikeln  auf  Grund  der  Material-  und  Lohnverteilungs 1
bücher  und  Kommissionszettel,  so  ist  der  Vorrat  mit  diesem  Herstellungspreis ­
  zu  bewerten.  In  vielen  Fällen  läßt  sich  der  Herstellungspreis ­
  für  die  einzelne  Ware  am  Ende  der  Betriebsperiode
überhaupt  nicht  bestimmen,  da  in  vielen  Unternehmungen  die  Herstellungskosten ­
  starken  Schwankungen  unterworfen  sind.  Andererseits ­
  ist  zu  berücksichtigen,  daß  auch  die  Materialpreise  wechseln.
Wenn  wir  annehmen,  daß  eine  Fabrik  im  Laufe  einer  Betriebsperiode
x  kg  Rohstoff  zu  a  Mk.,  y  kg  zu  b  Mk.  usf.  einkauft,  dann  wird
es  vielfach  nicht  möglich  sein,  zu  ermitteln,  ob  für  die  vorrätigen
Erzeugnisse  der  Rohstoff  zu  a  oder  zu  b  Mk.  oder  beide  verwendet
wurden.  Hier  ist  ein  durchschnittlicher  Herstellungspreis,  wenn
dies  untunlich  ist,  ein  Schätzungswert  einzusetzen.
Ist  eine  noch'  vorrätige  Ware  auf  Bestellung  angefertigt,  so  ist
der  vereinbarte  Verkaufspreis  als  Wertansatz  zu  benutzen.
Halbfabrikate,  die  im  eigenen  Betrieb  zu  fertiger  Ware
verarbeitet  werden,  sind  aus  Zweckmäßigkeitsgründen  mit  den  bis-')

  Vgl.  Schlesinger,  Selbstkosten,  S.  89;  Schiff,  Abschreibungen,
S.  30  f.;  Meitzer,  Grundzüge,  S.  18  f.  und  S.  50ff.  dieses  Buches.
        <pb n="271" />
        268  —

hörigen  direkten  Herstellungskosten  (§  13)  zu  bewerten.
Darin  liegt  allerdings  eine  nicht  ganz  gerechte  Verteilung  der  allgemeinen ­
  Kosten.  Denn  das  Halbfabrikat  hat  bereits  einen  Anteil  an
diesen.  Durch  die  Bewertung  im  angegebenen  Sinne  wird  das  Jahr
der  Fertigstellung  mit  dem  ganzen  Betrag  belastet.  Doch  bleibt  es
dem  Unternehmer  unbenommen,  einen  verhältnismäßigen  Anteil  an
diesen  allgemeinen  Kosten  auch  dem  Halbfabrikant  zu  belasten 1 ).
Der  Bewertung  von  vorrätigen  Fabrikaten  zum
Selbstkostenpreis  liegt  eine  Absicht  zugrunde,  die
vielfach  nicht  erkannt  wird:  eine  transitorische
Buchung  der  allgemeinen  Kosten.  Die  Erzeugung  der
Ware  verursacht  Generalkosten,  die  beim  Verkauf  durch  erhöhten
Preis  gedeckt  werden  müssen;  da  nun  ein  Teil  der  Ware  unverkauft ­
  ist,  so  lastet  auf  diesen  Vorräten  auch  ein  Teil  der  allgemeinen
Kosten,  die  durch  den  zukünftigen  Verkauf  ausgeglichen  werden’
sollen.  Durch  die  Einrechnung  dieser  verhältnismäßigen  Anteile  in
den  Selbstkostenpreis  wird  dieser  Teil  der  Kosten  in  das  neue
Rechnungsjahr  mitübertragen,  vermindert  dort  den  zukünftigen
Jahresgewinn.  Diese  Art  der  Bewertung  bezweckt  also  eine  gerechtere
Verteilung  der  jährlichen  Generalkosten,  die  der  kaufmännischen
Auffassung  nicht  immer  entspricht.  Ebenso  könnte  ein  Warenhändler
durch  verhältnismäßigen  Aufschlag  zum  Einkaufswert  einen  Teil
seiner  Handlungskosten  in  das  nächste  Jahr  übertragen.  Verausgabte
Unkosten  sollen  im  Jahre  ihrer  Entstehung  als  Verluste  gebucht
werden.  Gut  fundierte  Unternehmungen  unterlassen  die  anteilsmäßige ­
  Übertragung  allgemeiner  Unkosten  und  verbuchen  die  Summe
aller  Kosten  vollständig  als  Verlust  des  laufenden  Jahres.
Falls  jedoch  die  Herstellung  eines  Fabrikates  mehrere  Betriebsjahre ­
  beansprucht,  z.  B.  der  Bau  von  Kriegsschiffen,  wird  der
Unternehmer  nur  durch  transitorische  Buchung,  d.  h.  durch  Einrechnung ­
  eines  Teiles  der  allgemeinen  Betriebskosten  zum  Herstellungspreis ­
  des  Halbfabrikates  ein  richtiges  Bild  von  der  wirtschaftlichen ­
  Lage  seines  Betriebes  erhalten.  Z.  B.:  Eine  Werft  arbeitet
drei  Jahre  an  einem  Schiffe;  im  ersten  Jahre  entstehen  Mk.  480000
Betriebsunkosten  bei  direkten  Kosten  von  Mk.  3  000  000,  im  zweiten
Jahre  520000.  Stellt  man  am  Ende  des  ersten  Jahres  nur  die  direkten
Ausgaben  mit  Mk.  3  000  000  als  Inventurwert  des  Halbfabrikates  ein,
so  erscheinen  in  diesem  Jahre  Mk.  480000,  im  zweiten  Mk.  520  000

')  Theoretisch  richtig  wäre  es,  vom  Verkaufswerte  des  Fabrikats  die  auf
die  Fertigstellung  noch  zu  verausgabenden  Kosten,  die  Verkaufsspesen  sowie
den  auf  die  Fertigstellung  entfallenden  verhältnismäßigen  Anteil  an  den  Verwaltungskosten, ­
  die  Zinsen  und  den  Untemehmergewinn  abzuziehen  Und  die
Halbfabrikate  mit  dem  so  berechneten  Wert  einzustellen  (Rehm,  a.  a.  O.  S.  714,
Anmerkung  7).
        <pb n="272" />
        ,  \

269

als  Verlust,  im  dritten  Jahr,  dem  Jahr  der  Ablieferung,  ein  um
diese  Summen  größerer  Jahresgewinn,  der  nicht  gerechtfertigt  erscheint; ­
  denn  in  dem  Erlös  des  Fabrikates  werden  die  verausgabten
Betriebskosten  von  Mk.  1000  000  mitbezahlt.  Durch  Bewertung  mit
Mk.  3  480000  werden  die  Betriebsunkosten  der  Gewinnrechnung  des
ersten  Jahres  paralysiert,  d.  h.  in  das  nächste  Jahr  übertragen.
Ein  anderes  Beispiel  gibt  Sperlich 1 ):  Es  werden  bei  einer
Waggonbauanstalt  75  Waggons  bestellt,  die  Ende  des  Jahres  bis
auf  den  Anstrich  und  die  Nebenarbeiten  fertig  sind.  Wollte  man
keine  Generalspesen  verrechnen,  so  entstünde  für  das  laufende  Betriebsjahr ­
  ein  bedeutender  Verlust.

*)  Reform  der  Unkostenberechnung.  S.  37.
        <pb n="273" />
        VI.  Abschnitt.

Normalkalkulationen,  Rentabilitätsrechnungen, ­
  Gründungsvoranschläge.
Normalkalkulationen.
§  62.  Schon  früher  (§§  41L)  wurde  erwähnt,  daß  einzelne
Unternehmer  Normalkalkulationen  aufstellen.  Eine  dort
nicht,  erwähnte  Verwendung  soll  hier  kurz  erörtert  werden.  Unternehmungen ­
  mit  gleichmäßig  verlaufenden  Betriebsverhältnissen
(Massenproduktion),  nur  für  solche  ist  das  Verfahren  wertvoll,  berechnen ­
  aus  den  Zahlen  des  Vorjahres  die  Gesamtausgaben  und  die
Gesamteinnahmen,  um  die  Leistungsfähigkeit  und  die  normalen  Aufwendungen ­
  des  Betriebes  zu  erkennen.  Daraus  berechnen  sie  den
durchschnittlichen  Herstellungspreis  des  Produktes,  wie  groß  der
Umsatz  war  und  sein  muß,  um  eine  berechnete  Rente  des  Kapitals
zu  erzielen,  wie  groß  der  durchschnittliche  Verkaufspreis  war  u.  a.
Diese  Normalzahlen  dienen  als  Vergleichsmaßstab  für  das  zukünftige
Jahr.  Normalkalkulation  in  diesem  Sinne  ist  somit  eine  Vorkalkulation ­
  und  ein  Wirtschaftsplan  für  die  folgende  Betriebs'periode.
Sie  erfüllt  zugleich  die  Aufgaben  einer  Betriebskontrolle;  sie  gibt
an,  wieviel  Kosten  innerhalb  eines  bestimmten  Zeitraumes  normalmäßig ­
  verausgabt  werden  dürfen  und  ob  die  Kosten  in  einem  richtigen ­
  Verhältnisse  zur  Produktion  (Gesamtheit  und  Einheit)  stehen.
Diese  Verwendung  der  Normalkalkulation  bietet  die  Möglichkeit  fortlaufender ­
  Kontrolle  des  Betriebsaufwandes,  der  Ursachen  eines
größeren  oder  geringeren  Verbrauches  (vgl.  dazu  Unkostenstatistik
§30)i).
1.  Beispiel.
Ein  lehrreiches  Beispiel  für  die  Ermittelung  einer  Normalzahl ­
  bringt  Bednarz 2 ),  dem  wir  hier  folgen.
’)  Vgl.  Tolkmitt,  Die  Kalkulation  im  Geschäftsleben,  Breslau  1896.
a )  Normalbilanzen  für  Zuckerfabriken,  in  der  Zeitschrift  für  Buchhaltung, ­
  Linz  a.  Donau,  1894.  In  Buchform  bereits  1892  erschienen,  Verlag  des
Vereins  der  Zuckerindustriellen  in  Böhmen.  Wir  nehmen  die  doppelten  Beträge
des  Originals  (dieses  in  Kreuzern).  Für  Brauereien  Schaer,  Der  Kaufmann  in
der  Brauerei,  Zürich  1905,  S.  42  f.
        <pb n="274" />
        271

I.  Auf  Grund  der  Betriebsrechnung  der  letzten  Kampagne  werden
die  Produktionskosten  für  100  kg  der  verarbeiteten  Rüben  ermittelt:
Schema.

Produktionskosten

Gesamtbetrag ­


Heller

für
100  kg

Heller

Summe

Heller

1.  Regie  =  konstante,  von  der  Menge  der  verarbeiteten ­
  Rüben  unabhängige  Kosten:
Gehälter
Steuern
Unterhaltung
Zinsen  usf
2  Betriebskosten:  Löhne
Brennmaterial  .  .  .  .
usf
3.  Rüben:  Ankaufspreis
Nebenausgaben
Gesamtkosten  (Sollseite  des  Fabrikationskontos) ­
  .  .  .
—■  Abfälle:  Melasse
Schnitzel
Schlamm
Normalherstellungspreis  für  je  100  kg  Rüben  .

23,68
80,40

256,—

7-4-




14,—

346,08

d.  h.  der  Normalquotient  für  die  aus  100  kg  Rüben  erzeugte  Menge  Zucker  ist
346,08  Heller.

II.  Anwendung  der  Normalzahl:

a)  Ausbeute:  Die  Herstellungskosten  für  100  kg  Rohzucker
sind  der  Ausbeute  indirekt  proportional,  sie  steigen  mit  sinkendem
Ausbeuteverhältnis,  dem  „Rendement“  und  umgekehrt.  Bednarz
nimmt  ein  Rendement  von  12,8  o/o',  d.  h.  aus  100  kg  Rüben
werden  12,8  Zucker  gewonnen,  je  100  kg  Zucker  kalkulieren  normal

Kr.  27,04.  Der  Gewinn  bei  einem  Verkaufspreis

von  Kr.  34,—  wäre  Kr.  6,96.

b)  Marktpreis:  Auf  Grund  eines  durchschnittlichen  Verkaufspreises ­
  von  Kr.  34,—  läßt  sich  eine  Normalausbeute  ermitteln,
die  als  Mindest-Rendement  die  Produktionskosten  gerade  deckt:
3,4608:34  =  x:100,  x  =  346,08:34  =  10,179o/ 0 ,  d.  h.  je  100  kg
Rüben  müssen  mindestens  10,179  kg  Zucker  liefern.  Das  tatsäch-
        <pb n="275" />
        272

liehe  Rendement  ist  12,8o/o,  d.  h.  gegen  die  Normalausbeute  mehr
2,621  o/o  ä  34,—  =  89,11  h  Gewinn  auf  je  100  kg  Rüben.  Für

100  kg  Zucker

braucht  man

781V*  kg  Rüben  ä  89,11  h

Gewinn  =  Kr.  6,96  Gewinn  für  je  100  kg  Zucker.
Die  erste  Methode  der  Gewinnberechnung  ist  einfacher.  Für
100  kg  Zucker  braucht  man  ,781 1 / i  kg  Rüben  ä  346,08  normale
Selbstkosten,  d.  i.  für  1  dz  Zucker  Kr.  27,04,  wie  oben.

c)  .Veränderte  Verhältnisse:
Veränderlich  sind  Ausbeute,  Rübenpreis,  Marktpreis  des  Zuckers
und  der  Abfälle,  die  Produktionsmenge,  kurz  alle  preisbestimmenden
Faktoren.  Wie  sich  unter  Annahme  anderer  Verhältnisse  die  Zahlen
ändern,  ist  ein  einfaches  Rechenexempel,  auf  dessen  Vorführung  wir
verzichten.
Die  Normalkalkulation  ermöglicht  die  Lösung  zweier  wichtiger
Probleme:  die  Berechnung  der  Mindestmenge  der  zu  verarbeitenden
Rüben  und  des  Höchstpreises  für  Rüben.

2.  Beispiel.

Angenommen  eine  Unternehmung  ist  auf  die  folgende  Normalproduktion ­
  berechnet:

7  000  Tonnen  I  zu  16,52
7  000  „  II  „  18,54
3  000  „  III  „  19,85

=  Mk.  115  640,—
=  „  129  780,—
=  „  59  550,-\

  unmittelbare  Herstellungskosten ­


17  000  Tonnen  Gesamtproduktion  =  Mk.  304  970,—

Allgemeine  Kosten  =  „  115  200,—p.  T.  Mk.  6,78  j  Normal-Kapitalverzinsung
  =  „  58  000,—  p.  T.  „  3,41  1  kosten.
Selbstkosten  =  Mk.  478  170,—  p.  T.  Mk.  10,19

Der  durchschnittliche  Verkaufserlös  ist  angenommen:
Für  Produkt  I  mit  29,—  =  Mk.  203  000,—
,,  ,,  II  „  31,  —  ,,  217  000,—
III  „  32,—  ==  „  96  000,—
Mk.  516  000,—

Gewinn  per  Tonne.
Kosten:  16,52  -j-10,19  =  26,71  Gewinn  Mk.  2,29
„  18,54-(-10,19  =  28,73  „  „  2,27
„  19,85  +  10,19  =  30,04  „  „  1,96
Erlös  Mk.  516  000,—  gegenüber  den
Selbstkosten  .  „  420170,—  ohne  Zinsen
bleibt  ein  Gesamtgewinn  von  ....  Mk.  95830,—
-r  Zinsen  „  58  000,—
Fabrikationsgewinn  Mk.  37  830,—  unter  normalen  Verhältnissen. ­
        <pb n="276" />
        273

Um  die  unterste  Grenze  der  Produktionsminderung  —  die  obere
ist  beding!  durch  die  Leistungsfähigkeit  der  Anlagen  —,  die  ohne
Verlust  möglich  ist,  durch  Rechnung  zu  ermitteln,  ist  festzustellen:
ob  die  Verkaufspreise  konstant  oder  dem  angenommenen  Durchschnitt
tatsächlich  entsprechen;  ob  Produktion  und  Absatz  der  rentabelsten
Produkte  I  und  II  forciert  werden  können;  welche  Bestandteile  der
Generalkosten  fest  und  welche  von  der  Leistung  der  Anlagen,  von
der  Produktionsmenge  abhängig  sind.  Erst  die  Kenntnis  dieser
Faktoren  ermöglicht  die  theoretische  Lösung  des  Problems.
Angenommen,  die  Verkaufspreise  entsprächen  dem  Durchschnitt
und  das  Verhältnis  der  produzierten  Menge  sei  nur  wenig  veränderlich, ­
  so  wird  sich,  unter  Abstufung  der  Gesamtproduktion  von  1000
Tonnen,  die  Rechnung  für  eine  Menge  von  12  000  Tonnen  etwa  wie
folgt  stellen:

Erlös:
1  4  900  Tonnen  ä  29,—  Mk.
II  4  900  „  „  31,—  „
III  2  200  „  „  32,-  „
12  000  Tonnen
Generalkosten  .  Mk.  8,90  |  pro
Zinsen  .  .  .  „  4,83  I  Tonne
Die  Tonne  .  .  Mk.  13,73

Mk.  142100,-„
  151900,—
„  70  400,-Mk.
  364  400,—
Mk.  380  104,—
Mk,  15  704,—
Verlust

Produktionskosten:
ä  16,52  Mk.  80948,-„
  18,54  „  90  646,—
„  19,85  „  43  670,—
Summe  Mk.  215  264,—
„  106  840,—
„  58  000,—
Mk.  380  104,-Der

  Verlust  wird  durch  die  Kapitalzinsen  wettgemacht.  Die
unterste  Grenze  der  Produktionsminderung  liegt  also  zwischen
13  000  und  12  000  Tonnen,  näher  der  letzten  Zahl.  Damit  ist  gleichzeitig ­
  bewiesen,  welchen  bedeutenden  Einfluß  der  Beschäftigungsgrad ­
  auf  das  Jahresergebnis  hat.
Die  folgende  Tabelle  (3.  Beispiel),  der  Praxis  einer  Waggonbauanstalt ­
  mit  einer  Normalproduktion  von  3000  Wagen  entnommen,
bedarf  keiner  besonderen  Erläuterung.

Zahl
der
Wagen

Direkte
Herstellungs ­
 ­


Allgemeine ­

Kosten

Selbstkosten ­


Erlös

Allgemeine  Kosten

Verlust  —

pro
Wagen
Mark

°/o  der
Herstellungs ­
 ­


Tausend  Mark

4000

9200

956

10156

10  800

+  644

239

10,4

3500

8050

885,5

8  935,5

9  450

+  514,5

253

10,-3000



(»900

840

7  740

8100

+  360

280

12,3

2500

5750

812.5

6  562,5

6  725

+  162,5

325

14,1

2000

4600

810

5  410

5  400

-  10

405

17,1

1500

3450

735

4185

4  050

—  135

490

21,3

1000

2300

670

2  970

2  700

—  270

670

29,1

Leitnor,  3aU&amp;gt;stkost«nber«chnung.  1.  Aufl.  18
        <pb n="277" />
        274

Mindestumsatz.

Jede  Produktionsunternehmung  ist  auf  eine  bestimmte  Produktions-Kapazität ­
  .eingestellt;  die  Beschäftigung  ist  normal,  über
oder  unter  dem  Normale.  Die  veränderlichen  Kosten  steigen  und
fallen  im  Verhältnis  zur  Produktionsmenge,  langsamer,  schneller
oder  im  gleichen  Verhältnis.  Die  festen  (eisernen,  konstanten)  Kosten
bleiben  ihrem  Gesamtbeträge  nach  innerhalb  gewisser  Grenzen  von
der  Produktionsmenge  oder  dem  Umsatz  unberührt,  sinken  verhältnismäßig ­
  auf  die  Einheit  bezogen  bei  steigenden  Umsätzen  und
steigen  verhältnismäßig  bei  sinkendem  Umsatz  bzw.  verringerter
Produktionsmenge.  Nimmt  man  einen  durchschnittlichen  Gewinn
(8.  6)  als  gegeben  oder  erreichbar  an  und  scheidet  die  unveränderlichen ­
  Kosten  von  den  veränderlichen,  so  läßt  sich  der  Mindest-Umsatz
  errechnen,  dessen  Erzielung  sämtliche  Kosten  deckt.  Z.  B.:
der  Umsatzgewinn  einschließlich  5  o/o  Kapitalverzinsung  wird  mit
15o/o  angenommen,  die  festen  Unkosten  seien  30000  Mk.,  die  veränderlichen ­
  etwa  9o/o  des  Umsatzes;  der  Mindestumsatz  =  x.  Der

Gewinn  am  Mindestumsatz

deckt  die  veränderlichen

(  —  « n d  die  konstanten  Kosten.  Die  Wortgleichung  ist:
Mindestumsatzgewinn  =  unveränderliche  und  veränderliche  Unkosten.

Die  algebraische  Gleichung:  =  30  000  -j-  ;  x=500  000  Mk.

Der  Rohgewinn  (75  000)  deckt  die  Unkosten  (30  000  -f-  45  000).
Jede  «Steigerung'  des  Absatzes  um  10000  Mk.  gibt  einen  Reingewinn ­
  von  (15o/o—9  o/o)  600  Mk.,  da  die  unveränderlichen  Kosten
bereits  gedeckt  sind.
In  der  vorstehenden  Gleichung  war  der  zur  Deckung  sämtlicher
Kosten  erforderliche  Mindestumsatz  zu  bestimmen.  Die  Fragestellung
kann  anders  lauten:  Der  Verkaufspreis  ist  gegeben;  er  wird  nicht
erst  im  Anschluß  an  die  Selbstkosten  festgesetzt.  Der  Grundsatz
des  ,Verkaufens  zu  Einheitspreisen  ändert  den  Ausgangspunkt  der
Kostenberechnung.  Die  Frage  würde  in  diesem  Falle  lauten:  Welche
Menge  muß  erzeugt  werden,  um  das  Fabrikat  zu  einem  vorher
festgesetzten  Preis  verkaufen  zu  können.  Man  könnte  auch  berechnen, ­
  wie  hoch  im  ungünstigsten  Falle  die  eisernen  Kosten  sein
dürfen,  wenn  die  Unternehmung  mit  bestimmten  veränderlichen
Kosten  und  einem  Einheitspreis  zu  rechnen  hat.
Unter  der  Voraussetzung:  daß  bei  jeder  Produktionsmenge
Material-,  Arbeits-  und  Betriebskosten  proportional  bleiben  —  bessere
Ausnutzung  der  Rohstoffe,  rationellere  Arbeitsmethoden  bei  größeren
        <pb n="278" />
        18*

Mengen  beispielsweise  können  eine  .Verschiebung  in  den  Grundkosten ­
  bewirken  —;  daß  auch  die  feststehenden  unveränderlichen
Kosten  ohne  Rücksicht  auf  die  Produktionsmenge  tatsächlich  konstant ­
  bleiben  und  endlich,  daß  auch  der  Gewinnzuschlag  proportior
nal  bleibt,  läßt  sich  durch  eine  einfache  Zeichnung  jene  Produktionsmenge ­
  bestimmen,  deren  Verkaufserlös  die  Selbstkosten  ohne  Gewinn

und  ohne  Verlust  deckt.  Im  ganzen  genommen  hat  die  zeichnerische
Darstellung  dieses  kritischen  oder  toten  Punktes,  die  für  die
Bestimmung  des  Betriebsplanes  der  Zukunft  nur  selten  Verwendung
finden  kann,  weniger  praktischen  Wert  als  theoretisches  Interesse  *)w
Wir  legen  das  Zahlenbeispiel  des  §  67  zugrunde.  Der  dort
berechnete  Mindestumsatz  ist  666  2 / 3  t.  Es  bedeutet:
l )  Zur  Vermeidung  von  Mißverständnissen  sei  darauf  lungewiesen,  daß  ich
diese  Zeichnung  bereits  in  meiner  Abendvorlesung  über  Kalkulationswesen  im
W.  S.  1908/09  zur  Verteilung  an  meine  Hörer  brachte.

'
        <pb n="279" />
        276

A—B  die.  Produktionsmenge  (t,  m,  kg,  Stück  usf.),  die  auf
der  Wagreckten  vom  Nullpunkt  A  ansteigt.
B—C  die  direkten  proportionalen  Kosten  (=  30000  Mk.).
B—D  die  festen  Kosten  (40000),  demnach  D—C  die  Selbstkosten ­
  (70000).
C—E  den  Gewinn  (20000),  somit  D—E  den  Verkaufserlös
(90000).
Die  durch  den  Verkauf  reproduzierten  Kosten  bewegen  sich
auf  der  Linie  C—A.  Der  kritische  Punkt  liegt  bei  x;  die  Senkrechte
x—p  auf  A—B  (Produktionslinie)  gibt  jene  Mindesterzeugung  an,
die  weder  Gewinn  noch  Verlust  ergibt.  (Hier  666  2 / 3  t;  Kosten
=  40  000  -f-  20  000  ==  60  000;  die  Senkrechte  von  y  gibt  die
.Zahlenverhältnisse  für  die  Normalproduktion  von  800  t.)
Bei  einer  Produktion  unter  der  Mindestmenge  steigen  die  Verluste ­
  in  dem  Dreieck  A  —  x—  F  an;  z.  B.  bei  500  t  (=55  000  Mk.
Selbstkosten  und  45  000  Mk.  Verkaufserlös)  ist  der  Verlust  =  y  —  A)
=  10000  Mk.  Würden  sich  bei  einem  festen  Verkaufspreis  die
Selbstkosten  erhöhen,  würde  der  kritische  Punkt  weiter  gegen  D—E
verschoben  werden,  d.  h.  die  Mindestmenge  der  Erzeugung  müßte
bei  abnehmenden  Gesamtgewinn  gesteigert  werden.

Monatliche  Gewinnermittelung.
§  63.  Die  Erfolge  eines  Betriebes  werden  den  Beteiligten  (Inhabern, ­
  Direktoren,  Aufsichtsräten)  durch  die  Geschäftsbücher  erst
beim 1  Jahresabschluß  bekannt.  Es  ist  klar,  daß  man  der  alljährlichen
Bilanzaufstellung  stets  mit  Unbehagen  und  Unsicherheit  entgegensieht, ­
  daß  man  aber  auch  versucht  hat,  den  erwähnten  Übelstand
zu  beseitigen  und  schon  während  des  Betriebsjahres  fortlaufend
den  Erfolg,  wenn  auch  nur  annähernd,  zu  ermitteln.  Der  Nachweis
der  genauen  Gewinnziffer  bedingt  die  Inventur  aller  Bestände.  Diese
zeitraubende  mühsame  Arbeit  kann  nur  einmal  oder  einige  Male
alljährlich  durchgeführt  werden.  Eine  periodische  Ertragsübersicht
während  des  Betriebsjahres  ist  aber  notwendig;  sie  bietet  gleichzeitig ­
  wertvolles  statistisches  Material  zur  Beurteilung  des  Betriebes,
die  Möglichkeit  rechtzeitigen  Eingreifens.
Bei  der  Ermittelung  der  Rentabilität  einer  Unternehmung ­
  handelt  es  sich  um  Feststellung  des  Reinertrages.  Reinertrag
ist  gleich  Rohertrag  abzüglich  aller  Spezial-  und  Generalkosten.
Die  Rente  stellt  somit  die  Verzinsung  des  Kapitals,  den  Unternehmergewinn ­
  und  die  Risikoprämie  dar.  Sie  soll  rechnerisch  ermittelt
werden  nicht  allein  für  die  ganze  Unternehmung  als  Einheit,  sondern
        <pb n="280" />
        277

auch,  soweit  es  möglich  ist,  für  jede  Abteilung  innerhalb  der  Unternehmung, ­
  um  die  Verschiedenheit  der  „Rente“  zu  kennen.  Andererseits ­
  ist  die  Feststellung  des  Erträgnisses  notwendig,  um  den  Gesamtgewinn ­
  der  Unternehmung  in  seinen  einzelnen  Teilen  zu  kennen;
denn  der  Gesamtgewinn  setzt  sich  zusammen  aus  Betriebs-  und  Fäbrir
kationsgewinn  und  anderen  teils  kaufmännischen,  teils  zufälligen
Erfolgen,  wie  Zinsen,  Miete,  Pachtgeldereinnahmen  u.  a.  (S.  29).
Die  Aufgaben  einer  monatlichen  Rentabilitätsübersicht  sind  so
zu  formulieren:  monatlicher  Gewinnnachweis  eines  jeden  Betriebes
ohne  Inventuraufnahme  der  Bestände.  Ein  Gewinnachweis  zu  jeder
Zeit  ist  nur  dann  möglich,  wenn  man  imstande  ist,  den  Wert  ,  der
Vorräte  jederzeit  festzustellen.  Und  daran  scheitern  wohl  die  meisten
Versuche,  die  gemacht  wurden,  dieses  Problem  zu  lösen.  Wie  der
Kaufmann  nur  durch  Aufnahme  (Inventur)  und  Bewertung  der
Vorräte  in  der  Lage  ist,  den  Stand  seines  Vermögens  und  den  Erfolg ­
  zu  ermitteln,  so  kann  auch  der  Industrielle  den  Fabrikationserfolg ­
  nur  durch  Inventur  der  Vorräte  völlig  genau  bestimmen.
1.  Eine  annähernd  richtige  Gewinnermittelung  ist  möglich,  wenn
sich  der  Selbstkostenpreis  eines  Fabrikates  individuell ­
  genau  bestimmen  läßt;  dann  gibt  die  Nachkalkulation
ein  annähernd  richtiges  Bild  vom  Erfolg.  Eine  ziffernmäßig  genaue ­
  Feststellung  ist  auch  hier  nicht  durchführbar,  weil  die  Kostenzuschläge ­
  in  der  Kalkulation  nie  ganz  genau  die  tatsächlichen  Unkosten ­
  decken.  Eine  derartige  Gewinnaufstellung  kann  beispielsweise ­
  folgende  Form  haben:

•s*
|s
«M

Name  des
Käufers

Gegenstand ­


Wert  des
verbrauchten ­

Materials

direkte
Löhne

Aufschlag

Summe
der
Selbstkosten ­


Verkaufs ­
 ­


Gewinn

Verlust

II
2148

N.  Weber

Bohrmaschine ­


1475

80

628

50

50  °/o

314

25

2418

55

2700

—

281

45

Ein  anderes  Schema  (Kesselschmiede):
Kalkulation:  Kessel  qm,  Heizfläche  Atm.,
Leistung  PS,  Preis:
        <pb n="281" />
        278

Das  Schema  für  die  (2.)  Nachberechnung  ist  das  gleiche;  die
Dauer  der  Herstellung  wird  angegeben.
Anzahl  und  Überschriften  der  Spalten  werden  sich  dem  im
Betriebe  eingeführten  Kalk  ulationsschema  anpassen.  Eine  solche
Kalkulations-  bzw.  Kentabilitätsübersicht  wird  anwendbar  sein  in
Maschinenfabriken,  Brückenbauanstalten,  Eisenkonstruktionswerkstätten ­
  usw.,  kurz  in  Betrieben  mit  individuell  bestimmbaren  Kostenpreisen. ­
  Es  ist  vorteilhaft,  in  solchen  Unternehmungen  einen  derartigen ­
  Nachweis  fortlaufend  zu  führen.  Zunächst  wird  der  Betriebserfolg ­
  zergliedert  ;  er  kann  in  besonderen  Zusammenstellungen
auf  die  einzelnen  Abteilungen  verteilt  werden. 1  Andererseits  ergeben
die  Schlußsummen  —  die  Spalten  senkrecht  aufaddiert  —  wertvolle
Kontrollziffern.  Insbesondere  wird  es  sich  zeigen,  ob  die  gewählten
Unkostenzuschläge  die  tatsächlichen  Ausgaben  decken,  ob  der  Voranschlag ­
  richtig  berechnet  war,  daß  ein  Betriebsgewinn  durch  Nachlieferungen, ­
  Nacharbeit  u.  ä.  als  Folge  schlechter  Ausführung  absorbiert ­
  wurde  u.  a.  m.
Der  umstehende  Monatsbericht  einer  Bergbau-Unternehmung
gibt  eine  Gesamtübersicht  über  den  Wirtschaftserfolg  eines  Großbetriebes ­
  und  seiner  Teile.
2.  Der  erste  Berechnungsmodus  stützt  sich  auf  die  Gewinnbestimmung ­
  im  Einzelfall  und  auf  die  Zusammenstellung  der  bisher
getätigten  Verkäufe  mit  ihren  Erfolgen  oder  Mißerfolgen  gegenüber
den  errechneten  Selbstkosten.
Ein  anderer  Lösungsversuch  will  dem  Ziel  näher  kommen  durch
fortlaufendeÜbersichtüber  den  Wert  der  Bestände,
        <pb n="282" />
        280

die  zur  Gewinnermittelung  notwendig  sind,  ohne  Inventuraufnahme. ­
  Unter  den  buchmäßig  aufgezeichneten  Beständen ­
  sind  solche,  deren  Buchwert  mit  dem  Tageswert  bzw.  mit  dem
Bilanzwert  vollständig  oder  nahezu  übereinstimmt,  zi  B.  Kasse,  Hypotheken, ­
  Bankguthaben,  oder  sich  leicht  durch  Berechnung  bestimmen
lassen,  z.  B.  Außenstände  und  Anlagewerte  unter  Berücksichtigung
der  Abschreibungen,  abgesehen  von  außerordentlichen  Entwertungen.
Bei  anderen  Konten  stimmen  Saldo  und  Bilanzwert  nicht  überein:
Konten,  auf  denen  Bestände  und  Umsatzerfolge  gleichzeitig  verrechnet ­
  werden,  die  sogenannten  Bestanderfolgskonten,  wie  Warenkonto, ­
  ’  Fabrikationskonto  etc.  Wo  nur  eine  geringe  Zahl  von  Warensorten ­
  in  Betracht  kommt,  wird  es  möglich  sein,  durch  buchmäßige
Aufzeichnung  der  Zugänge  und  der  Abgänge  jederzeit  den  Lagerbestand ­
  festzustellen  (Brauereien,  Malz;-,  Zement-,  Zuckerfabriken,
Mühlen)  und  den  Istbestand  durch  gelegentliche  Stichproben  während
des  Betriebsjahres  zu  kontrollieren.  Zweckentsprechende  Anordnung
der  Lagerbestände  (Gruppenlager,  Gestelle,  Fächer)  unter  Aufschreibungen ­
  der  Lagerveränderungen  (nach  Mengen  und  Wert;  gebundene ­
  Bücher,  lose  Blätter,  Kartenregister,  Steckkarten  an  den
Lagerorten),  Verbuchung  der  Veränderungen  sofort  und  einzeln  für
jeden  Posten  oder  nachträglich  und  summarisch  (Eingangsscheine,
Stücklisten,  Materialverlangzettel  u.  dgl.),  endlich  eine  scharfe  Kontrolle ­
  der  einzelnen  Aufzeichnungen  und  gelegentliche  (Aufnahme
der  tatsächlichen  Bestände  in  natura  sind  die  grundsätzlichen  Voraussetzungen ­
  für  das  Gelingen  der  ständigen  Inventur 1 ).
Am  einfachsten  ist  die  monatliche  Rentabilitätsberechnung,  wenn
die  Lagerbestände  leicht  ermittelt  werden  können.  Der  Erfolg  läßt
sich  dann  nach  folgender  Aufstellung  berechnen:
(Monatlicher  Verkaufswert  +  Schließlicher  Monatsbestand)  abzüglich:
Mk.  135  480,—  4-  49  800,—
Anfangsbestand  -f-  Monatsproduktion  =  Gewinn
56  800,—  +  123  000,-=  5480,—
Für  eine  derartige  Aufstellung  ist  Voraussetzung,  daß  alle
Unkosten  aufgeteilt  und  im  Produktionswert  verrechnet  sind  (vgl.
dazu  die  Unkostenstatistik  S.  147).
Ganz  anders  gestaltet  sich  die  Lösung  der  Aufgabe,  wenn  es
nicht  möglich  ist,  den  Gewinn  eines  jeden  Warenverkaufes  zu  ermitteln. ­
  Hier  muß  versucht  werden,  aus  den  Zahlen  der  Betriebsrechnung ­
  oder  durch  die  kaufmännische  Buchführung  ein  einigermaßen ­
  verläßliches  Resultat  zu  erzielen.  Einige  Versuche  sollen
hier  mitgeteilt  werden.

*)  Grull,  Die  Inventur.  Berlin  1911.  S.  156—212.  Foeil,  Monatliche
Gewinn-  und  Verlustermittelung  in  Fabriken,  erläutert  an  Beispielen.  Berlin  1909.
        <pb n="283" />
        a)  Johanning  (a.  a.  0.  S.  102)  verwendet  folgendes  Schema
(nach  einigen  Umstellungen  wiedergegeben):
A:  Bestand  am  Ende  des  Monats  lt.  Lagerbücher

1.  an  Rohstoffen  Mk.  3  000,—
2.  an  fertigen  Maschinenteilen  ...  „  —
3.  an  fertigen  Maschinen  „  38  000,—

Verkauf  des  betreffenden  Monats  (nach  den  Ausgabebüchern) ­
  „
Lieferungen  für  eigenen  Bedarf  (zum  Selbstkostenpreis) ­
  •  .  —
Summe  A  Mk.  41  000,—
B:  Bestand  am  Anfang  des  Monats  lt.  Lagerbücher
1.  an  Rohstoffen  Mk.  18  000,—

2.  an  fertigen  Maschinenteilen  (Halbfabrikate)



,v?

3.  an  fertigen  Maschinen

„  20000,—

Gesamtlöhne  für  den  Monat  (lt.

Lohnabrechnung)

„  2000,-Gesamtunkosten

  für  den  Monat  (aus  den  kaufmännisehen

  Büchern)

„  1000,-und

  zwar:  Verwaltung

.  .  Mk.  600,—

Betrieb  .  .  .

.  300,-Betriebsmaterial



.  .  ..  80,-Reparaturen



•  •  „  '20,

Summe  B  Mk.  41000,—
Der  Gewinn  =  Summe  A  —  Summe  B.

Wir  haben  in  dem  angeführten  Zahlenbeispiel  angenommen,
daß  nichts  verkauft,  hingegen  für  Mk.  18  000,—  neue  Wagen  —
richtig  kalkuliert  mit  Mk.  15  000,  j-  3000,—  -—  erzeugt  wurden.
Bei  der  Verwendung  dieser  Rentabilitätsformel  ist  der  Wert  des  im
Laufe  des  Monats  eingekauften  Materials  von  der  Summe  A  abzuzahlen, ­
  was  Johanning  allerdings  nicht  angibt.  Angenommejn,
wir  würden  im  nächsten  Monat  den  Betrieb  einstellen,  hingegen
alle  Warenvorräte  mit  Mk.  45  000,—  verkaufen  und  es  würden
infolge  früherer  Bestellungen  Mk.  10000,:—  Rohstoffe  eintreffen.
Nach  der  obenstehenden  Formel  würden  sich  die  Summen  wie  folgt
berechnen:
Summe  A:  Rohstoffe  13  000,—  -j-  Verkauf  45  000,—  Mk.  58  000
Summe  B:  Rohstoffe  3000,—  -f-  Fabrikate  38  000,—
-f-  Unkosten  1000,—  .....  ,,  42000
(Scheinbarer  Gewinn!)  Unterschied  Mk.  16  000
Der  Gewinn  beträgt  nur  Mk.  7000,—,  abzüglich  Mk.  1000,—  Kosten.
        <pb n="284" />
        282

Das  angegebene  .Verfahren  bedingt  eine  fortgesetzte  Kontrolle
der  Lagerbestände  und  dürfte  nur  in  Betrieben  anwendbar  sein,  die
mit  wenigen  Sorten  Rohmaterial  zu  rechnen  haben  und  dadurch  in
der  Lage  sind,  Zu-  und  Abgänge  in  den  Lagerbüchem  ordnungsmäßig ­
  z#i  verzeichnen.  Auch  wird  vorausgesetzt,  daß  der  Wert
der  Fabrikate  und  Halbfabrikate  sich  ohne  weiteres  bestimmen  läßt.

b)  Eine  Waggonbauanstalt,  die  nur  auf  Bestellung  hin  produziert,
rechnet  monatlich  den  Bruttogewinn  wie  folgt x ):

Arbeitslöhne  (produktive)

Mk.  .  .  .

Materialien  .  .

Unkosten  ...

,,  ...

Ausgaben

Mk.  .  .  .

Einnahmen  aus  Verkäufen

D  ...

Unterschied
-j-  Mehrbetrag  1  der  Halbfabrikate  am  Ende
—  Minderbetrag  f  des  Monats  oder  des  Jahres

Mk.  .  .  .

gegen  Monats(Jahres)anfang

Mk.  .  .  .

-f-  Erlös  für  Altmaterial

Bruttogewinn

Mk.  .  .  .

-f-  Zinsen,  außerordentliche  Gewinne  ....

Mk.  .  .  .

-5—  Abschreibungen  .  .

Mk.  .  .  .

c)  Eine  scheinbar  reicht  einfache  Formel  ist  in  einigen  Lehrbüchern ­
  über  Fabrikbuchhaltung  zu  finden:  Man  ermittelt  allmonatlich ­
  den  Verbrauch  an  Materialien,  direkten  Löhnen  und  allgemeinen
Unkosten  =  2  V,  dann  den  Wert  des  monatlichen  Warenverkaufes,
der  in  Arbeit  befindlichen  Waren  sowie  der  für  den  eigenen  Bedarf
erzeugten  Fabrikate  =  2  P.  Der  Gewinn  ist  dann  gleich  der  Differenz
von  2  P  und  2  V.
Diese  Formel  ist  ganz  falsch;,  sie  bedeutet  so  viel  als:  wenn
ein  Kaufmann  in  einem  Monat  für  Mk.  30000  Waren  verkauft  und
im  gleichen  Monat  Mk.  2000  Unkosten  hat,  dann  sind  Mk.  28  000
als  Monatsgewinn  anzusehen!  Die  angeführte  Formel  ist  nur  dann
richtig,  wenn  auf  Bestellung  gearbeitete  und  nur  die  Fabrikate
des  betreffenden  Monats  in  dieser  Zeit  auch  verkauft  werden,  oder
wenn  die  Verbrauchs-  und  Produktionsziffern  aller,  auch  die  vorhergehenden ­
  Monate  einschließlich  der  Anfangsbestände  eingesetzt

')  Vgl.  Schrey  a.  a.  O.  S.  135
        <pb n="285" />
        283

werden.  In  anderen  Fällen  steckt  in  2  P  der  Erlös  verkaufter  Waren,
deren  Verbrauch  nicht  im  Verkaufsmonat  verrechnet  wurde 1 ).
3.  Die  bisher  erörterten  Berechnungsweisen  setzen  eine  genaue
Selbstkostenberechnung  der  Fabrikate,  d.  h.  eine  vollständige
Verteilung  aller  Kosten  oder  eine  ständige  Inventur
voraus.  Wo  dies  nicht  möglich  ist,  versucht  man  die  monatliche
Gewinn  ermittelung  durch  Anwendung  von  Durchschnittsgewinnen ­
  oder  durchschnittlichenEinkaufspreisen.
a)  Unter  der  Annahme,  daß  der  Verkaufsgewinn  im  Durchschnitt ­
  25  0/0  vom  Umsatz  beträgt,  berechnet  sich  der  bisherige  Bruttogewinn ­
  recht  einfach  (Warenhandel):

Vorrat  aus  dem  Vorjahre  Mk.  11550,—
Wareneingang  einschließlich  Bezugskosten  .  .  „  326  780,—
Mk.  338  330,—
Warenverkauf  (nach  Abzug  der
Retourwaren  und  Verkaufskosten) ­

  Mk.  395  470,—
Abzüglich  25%'  Durchschnittsgewinn ­
  .  .  .  ,,  98  867,50
Einkaufswert  der  verkauften  Waren 2 )  .  .  .  .  Mk.  296  602,50
Schätzungswert  des  Lagerbestandes  Mk.  41727,50
Schade,  daß  die  geschäftlichen  Verhältnisse  in  der  Regel  nicht
so  einfach  sind  wie  diese  Berechnungen.
b)  Eine  andere  Berechnungsweise,  die  nach  jedem  neuen  Eingang ­
  von  Gütern  oder  periodenweise  den  durchschnittlichen
Einkaufspreis  (Bestandwert)  der  Lagerbestände  berechnet  und
danach  den  Erfolg  des  Einzelverkaufs  sofort  oder  nachträglich  ermittelt, ­
  haben  wir  wie  folgt  in  Vorschlag  gebracht.)  [Schema  S.  284.]

‘)  Eine  monatliche  Gewinnberechnung  auf  Grund  einer  statistischen  Ermittelung ­
  der  Lagerbestände  bringe  ich  in  meinem  Buche  über  die  Kontrolle,
1920,  S.  149  f.  und  S.  166  f.
! )  Nach  Wagner,  Über  die  Organisation  der  Warenhäuser,  Leipzig  1911,
S.  56  f.,  besteht  für  jede  der  zahlreichen  Abteilungen  eines  Warenhauses  ein
besonderer  Rentabilitätsfaktor,  d.  h.  ein  Bruttogewinnzuschlag  in  Prozenten
vom  Einkaufs-  und  vom  Verkaufspreis,  so  daß  sich  der  Einkaufswert  der  im
Monat  verkauften  Waren  berechnen  läßt.
        <pb n="286" />
        Eingang

Schema  eines  Lagerbuches  (Waren-Kontos)  mit  Zwischenabschluß.

Ausgang

Datum

Text

Menge

Einkaufspreis ­
  *)

91
’©
h
P*
co
•4-»
’ö
o

Betrag

Datum

Text

Menge

.93
©
U
Ps
£
3
Ci

Betrag  j

9}
*o
t-i
P&amp;lt;
91
'fl
A

Erfolg

(Q
A

A

kg

für  100  kg

3
Q

Mk.

kg

&amp;gt;

Mk.

l
Q

Jan.

1.

Inventur  ....

10  000

15

1500

Febr.

2.

An  Müller,  Berlin  .

20  000

21

4  200

17

+  800

V

5.

Schubert  &amp;amp;  Uie.
Hamburg  .  .  .

20  000

18

3  600

&amp;lt;7

10.

„  A.  E.  G.  .  .  .

30  000

22

6  600

17

+  1500

Febr.

16.

März

25.

„  B.  E.  W.  .  .  .

30  000

23

6  900

18,5

+  1300

Hecht  &amp;amp;  Pfeiffer,
Berlin  ....

30000

17

5100

n

31.

Schlußbestand  .  .

10  000

1  850

18,5

90  000

19  550

+  3650

60  000

17

10  200

März

23.

Bestand  Mk.1700.—.

10  000

—

17

ff

&amp;gt;7

Lieferung  von  N.  N.

30  000

19

5  700

40  000

—

18,5

15  900

Gesamtgewinn  .  .

3  650

n

31.

19  550

April

1.

Bestand  (Inventur)

10  000

18,5

1  850

’

')  Kalkulierter  Einstandswert  frei  Magazin.
a)  Der  Zwischenabschluß  kann  nach  jedem  Einkauf  erfolgen,  dann  kann  der  Gewinn  oder  Verlust  bei  dem  folgenden
Einzelverkauf  sofort  berechnet  werden  (am  23.  März),  b)  Oder  man  ermittelt  periodenweise  den  durchschnittlichen  Einstands,
preis  (am  23.  März  für  die  bisherigen  Einkäufe)  und  berechnet  auf  Grund  des  Ergebnisses  nachträglich  die  Einzelgewinne  oder
man  begnügt  sich  mit  der  summarischen  Erfolgsberechnung  für  diesen  Zeitraum,  c)  Der  übliche  Endabschluß  (hier  quartalsweise) ­
  muß  die  Richtigkeit  der  Erfolgsspalte  durch  Übereinstimmung  ihrer  Summe  mit  dem  Gesamtgewinn  ergeben.
        <pb n="287" />
        285

Die  Berechnung  zeigt  die  folgende  Aufstellung:
Eingang  Ausgang

l./l.  10  OOOkgzu  15,—  Mk.  1500,—
5./2.  20  000  „  „  18,—  „  3  600,—
16.;2.30  000  „  „  17,—  „  5  100,—
60  OuO  kg  zu  17,—
(Durchschnitt)  Mk.10200,—
23./3.  Bestand  10  000  kg
zu  17.—  (D  u  r  c  h  s  c  h  n.)Mk.l700,—
23./3.  Zugang  30  000  kg
zu  18,—  (Einkauf)  „  5700,—
10  000  kg  zu  17,—  l  lii  _  , AA
30  000  „  „  io!-  }  =  Mk ‘ 7400
40  000  kg  zu  durchschnittl.  Mk.  18,50
für  °/o  kg

15./2.  20  000  kg  zu  21,—  Mk.  4  200,
10./2.30000,,  „22—  „  6  600,

25./3.  30  000  kg  zu  23,—  „  6  900,
31./3.  Schlußbestand
10  000  kg  zu  18,50  „  1  850,
Mk.  iy  550,
Einkauf  „  15  900,-Gesamtgewinn
  Mk.  3  650,

+  800
+1500

+1350

+3650
im  einzelnen ­

berechnet ­


41  Warenhandels-  und  Fabrikationsbetriebe,  deren  Waren-  und
Lagerbestände  so  kompliziert  sind,  daß  eine  ständige  Inventur  immöglich ­
  oder  doch  zu  teuer  ist,  versuchen  durch  zweckentsprechende
Gliederung  der  Hauptbuchkonten  das  Problem  der  Gewinnermittelung ­
  ohne  Inventur  zu  lösen.
a)  Im  Warenhandel,  trennt  man  Wareneinkaufs-(ßestands-)
konto  und  W  aren  verkauf  Skonto  (Ergebnis-  und  Erfolgskonto 1  *  3  4  5 )).

1.  Wareneingangs-Konto.

1.  Anfangsbestand  ....  1  000
2.  Einkäufe  +  Kosten  ...  32  000
4.  Einstandswert  der  Retourwaren ­
  .  1000

2a.  Selbstkostenpreis  der  Verkäufe ­
  27  000
3.  Vergütung  der  Lieferanten  500
27  500
5.  Buchwert  des  Schlußbestandes ­
  6  500

34  000

34  000

Bestand  6  500

2.  Waren-Verkaufs-Konto.

2a.  Selbstkostenpreis  der  verkauften ­
  Waren  ....  27  000
3.  Besondere  Verkaufskosten  2  000
4.  Preisvergütung  an  Käufer  100
5.  Retourwaren  (Debitoren)
zum  Verkaufswert  .  .  .  1200
30  300
Bruttogewinn  8  700
39  000

1.  Verkaufserlös  38  000
5.  Retourwaren  (Wareneingangs-Konto),
  Selbstkosten.  1  000

39  000

*)  Leitner,  Die  doppelte  kaufm.  Buchhaltung.  4.  Aufl.,  S.  83f.
        <pb n="288" />
        286

Die  Anwendung  dieser  Buchungsmethode  setzt  voraus,  daß  der
Selbstkostenpreis  der  Verkäufe  bestimmbar  ist.  Trifft  dies  zu,  dann
scheint  uns  das  Verfahren  Nr.  1  (S.  277)  zweckmäßiger  zu  sein.  Es
vermeidet  die  Umbuchungen  zwischen  beiden  Konten  (Posten  2  a  und
Retourwaren).  ,  1  i  j  h  j  v
Über  ein  anderes  ähnliches  Verfahren  berichtet  Schmalenb
  a  e  h  *).

Konto  I.

1.  Eingang  der  Waren  zum

Einkaufspreis  180  000
3.  Übertrag  vom  Konto  II  .  40  OOO
220000
Verkaufsgewinn  50000
270000

2.  Umbuchung  auf  Konto  II:
Eingang  zu  Verkaufspreisen ­
  270  000

Konto  II  (Bestände  zu  Verkaufspreisen).

1.  Eingangzu  Verkaufspreisen  270  000

270  000
5.  Bestand  80  000

2.  Verkaufserlös  .  .  .  .  .  150  000
3.  Umbuchung  des  Gewinns
an  der  noch  unverkauften  40  000
Ware
4.  Saldo  =  Bestand  zu  Verkaufspreisen ­
  80  000
270  000

Dieses  Rechnungs-  und  Buchungsverfahren  ist  für  die  Zwecke
der  Gewinnermittelung  zu  umständlich.  Die  Waren  werden  hier  mit
einem  Nutzen  von  50  o/o  des  Einkaufs  bzw.  mit  33  73°/o  des  Verkaufspreises ­
  kalkuliert,  so  daß  die  Anwendung  des  Verfahrens  Nr.  3  b)
einfacher  erscheint.
b)  In  Fabrikbetrieben  werden,  soweit  es  angeht,  Aufwand, ­
  Produktion,  Lager  bestand  und  Verkaufsgewinn  kontenförmig
getrennt.  Die  hier  interessierenden  Bestand-  und  Ergebniskonten
sind  die  folgenden *  2 ):
a)  Das  Fabrikate-  oder  Lagerkonto  wird  belastet  für
die  Fertigfabrikate  zum  Selbstkosten-  oder  Normalpreis,  erkannt  finden ­
  Selbstkosten-  oder  Normalpreis  der  verkauften  Waren.  Der  Saldo
dieses  Kontos  gibt  den  Wert  der  Lagerbestände  an.
ß)  Das  Warenverkaufskonto  erhält  im  Soll  den  Selbstkosten- ­
  bzw.  den  Verrechnungspreis  der  Verkäufe  und  die  darauf
*)  In  seiner  Zeitschrift,  IV.  Jahrgang,  S.  503.
2 )  Leitner,  a.  a.  O.  S,  2601,  2671
        <pb n="289" />
        287
lastenden  besonderen  Verkaufskosten,  im  Haben  den  Verkaufserlös
der  verkauften  Waren.  Der  Kontensaldo  ist  gleich  dem  Bruttoverkaufsgewinn.

Günther 1 )  gibt  folgendes  Verfahren  an:  Materialien  und
Löhne  werden  bekanntlich  zunächst  einem  Hilfskonto  belastet,  um
nach  der  Verrechnung  den  Monatsverbrauch  auf  die  Fabrikationskonten ­
  ,  zu  verteilen.  Die  beiden  Konten  haben  folgendes  Aussehen:

Soll  (Eingang)  Materialien-Konto.  Haben  (Ausgang)

Bestand  laut  Inventar  .  .

120  237,65

Materialien  verbrauch  für  die

Zugang  und  Fracht  .  .  .

42  934,25

Fabrikation  laut  Auftei-Nach

  Bearbeitung  ins  Magalang



63  499,75

zin  zurückkehrende  Kohstoffe
  einschl.  Löhne  und
29  °/ 0  Fabrikationslöhne  .

2  605,60

desgl.  für  Instandhaltung
der  Maschinen,  Gebäude
etc

1180,85

165  777,50

desgl.  für  Bearbeitung  von
Lagerbeständen.  .  .  .
Saldo

1  385,15
66  065,75
99  711,75

Ausgaben

Lohn-Konto.

Verteilung

Löhne  des  Monats

.  .  .  38  257,30

Verteilung  auf
betriebe
Saldo  .  .  .

die  Einzel  -
36  302,20
.  .  .  1  955,10

Die  allgemeinen  Unkosten  werden  auf  einem
verbucht  bzw.  zusammengestellt:

gemeinsamen  Konto

Ausgaben

Unkosten(sammel)-Konto.

Verteilung

Betriebsspesen  .
Verkaufsspesen
(Abschreibungen)

....  8110,65
....  4699,30
3000,—

Aufteilung  .
Saldo  .  .  .

15  270,87

Üf§§|l§
mSm

Das  Materialien-Konto  zeigt  in  seinem  Saldo  den  Wert  des  Vorrates ­
  an  Rohmaterialien  und  der  in  Arbeit  befindlichen  Produkte  an,
also  kurz  den  Materialwert  des  Bestandes.  Um  den  Wert  des  vorrätigen ­
  Rohmaterials  von  jenem  der  in  Arbeit  befindlichen  Fabrikate
zu  trennen,  muß  versucht  werden,  die  Menge  des  Materials  der  Halbfabrikate ­
  festzustellen;  dieser  Betrag  ist  vom  Saldo  abzuzählen.  Ob
dies  auf  Grund  der  Materiallisten  möglich  ist,  mag  dahingestellt  sein.
Das  Lohn-Konto  und  das  Unkostensammel-Konto  zeigen  in  ihren
Saldi  den  Lohn-  und  Unkosten  verbrauch  an,  der,  bis  jetzt  un  verrechnet, ­
  auf  den  in  Arbeit  befindlichen  Produkten  lastet.  Denn
*)  Die  rechte  Hand  des  Fabrikanten.  Leipzig  o.  J.  S.  62ff.
        <pb n="290" />
        288

beide  Konten  haben  im  Debet  den  Verbrauch,  die  Ausgaben,  im
Kredit  die  Verteilung,  wobei  allerdings  vorausgesetzt  wird,  daß  die
Aufteilung  erst  nach  Fertigstellung  der  Waren  erfolgt  und
nicht  im  Verbrauchsmonat!  Die  Salden  geben  somit  die  verausgabten,
aber  noch  nicht  verteilten  Kosten  an,  d.  h.  die  bisherigen  Unkosten
der  in  der  Fabrikation  verbliebenen  Bestände.
Materialienkonto,  Lohnkonto  und  Unkostensammelkonto  geben
somit  den  Wert  der  Vorräte  an,  d.  h.  der  Rohstoffe,  der  Halbfabrikate ­
  einschließlich  der  darauf  lastenden  Kosten  (Mk.  99  711,75
-f-  1955,10  -J-  539,08  =  Mk.  102205,93).  Doch  sind  in  jedem
Monate  auch  alle  vorhergehenden  Monatssummen  mitzurechnen.  Damit ­
  wäre  also  ein  Ziel  erreicht:  annähernde  richtige  Ermittelung
des  Gesamtwertes  der  Vorräte  ohne  Inventur.
Der  Monats-Gewinn  läßt  sich  wie  folgt  ermitteln:  Man  errichtet
zum  Zwecke  der  Rentabilitätsermittelung  ein  Verbrauchs-  oder
Generalbetriebskonto,  das  den  Verbrauch  und  die  Produktion  verrechnet. ­


Ausgaben

V  erbrauchs-Konto.

Einnahmen

Inventurbestand:  Koh-,
Hilfsmaterialien,  Haibund ­
  Ganzfabrikate  .  .  120  237,65
Materialeingang  ....  42  934,25
Material  u.  Lönne  für  Bearbeitung ­
  von  Lagerbeständen ­
  2  605,60
Löhne  38  257,30
Gesamtunkosten  ....  12  809,95
Abschreibungen  ....  3  000,—

Gesamtsumme  aller  bisherigen ­
  Aufwendungen  .  219  844,75
Betriebsgewinn  .  .  .  18  390,38

Erlös  der  Verkäufe  bzw.
Produktionswert  fertiger

Waren  .  133463,20
Verbrauch  zur  Bearbeitung
von  Lagerbeständen  .  .  2  566,—
Wert  der  Vorräte  (wie  oben
ermittelt)  102  205,93
Gesamtwert  der  bisherigen
Produktion  238235,13

Wegen  des  weiteren  Ausbaues  dieser  Buchungsart  ist  auf  das
angegebene  Buch  Günthers  zu  verweisen.
Eine  Reihe  anderer  Versuche  wurde  unternommen;  jedes  Jahr
bringt  „neue  Buchführungsmethoden“,  die  es  sich  zur  Aufgabe
machen,  die  Rentabilität  jederzeit  nachzuweisen.  Zumeist  viel
Lärm  um  nichts.
5.  Über  sehr  brauchbare  Mittel,  den  Bruttogewinn  ohne  Bücherabschluß ­
  und  ohne  Anwendung  besonderer  Konten-Kunststücke  allmonatlich ­
  zu  berechnen,  verfügt  das  System  der  doppelten  Buchführung ­
  in  der  Konten-,  Monats-  oder  Probebilanz,  deren
Zahlen  dem  Kaufmann  und  dem  Ingenieur  einen  wertvollen  Einblick ­
  und  eine  Übersicht  über  die  Geschäftsgebärung  gewähren.  Die
        <pb n="291" />
        289

Monatlicher  Kontenauszug,
ergänzt  durch  Auszüge  aus  den  Betriebsbüchern.

Sollseite
Vorspalte  j  Hauptspalte

Habenseite

Rohmaterialien-Konto:

Bleche
Bandeisen
Stabeisen
Nieten
Dichtungsmaterialien
Anstrichmaterialien
Glaswaren
Verschiedene
Frachten

79  049,73
11  215,37
11  651,36
222,73
1611,15
1102,83
1  457,05
424,92
2529,75

109  264,89

Lohnkonto

22357,61

Betriebskos^en-Konto:

Miete.  .  ....
Kohlen
Betriebsmaterialien  ,  ,
Betriebslöhne,  -Gehälter
Kassenbeiträge
Versicherungsbeiträge  .  .*....
Reparaturenkonto  ?

2  250,—
1  241,95
312,76
1  613,98
424,06
573,69
1  274,59

7  691,03

Handlungskosten-Konto:

Postgebühren
Verschiedene
Reise
Bürobedarf
Gehälter
Skonto-Konto
Steuern

237,-1
  048,75
796,—
78,25
3  253,40
205,47
32,94

5  651,81

275,73

W  aren-Konto:

Verkäufe
Ausgangsfrachten,  Zinsen,  Provisions-Konto


2  981,44

141  963,89

Neuanlagen:

Patent-Konto
Maschinen-Konto  ....
Werkzeug-Konto
Mobilien-Konto
Immobilien-Konto

2  479,75
268,94
726,20
780,34

4  255,23

Arbeiterunterstützung
Debitoren-Konto
Kreditoren-Konto
Bank-Konto  j*.  '
Wechsel-Konto
Kassen-Konto
Akzepten-Konto

30,75
142  426,77
126  710,44
136  081,14
111  560,26
46  399,02
71  894,84

20,80
140  964,04
J  114  698,68
165  123,12
113  608,26
47  616,83
63  024,93

Generalbilanz  •

787  296,28

|  "787  296,28

Leitner,  Selbstkogteubereehuuug,  7.  Aufl.

19
        <pb n="292" />
        290

Probebilanz  eines  Monats  auf  S.  289  ist  ergänzt  durch  Auszüge  aus
den  Betriebsbüchern.  Der  Bruttogewinn  des  Monats  wird  durch
Gegenüberstellung  der  Ausgaben  und  der  Leistungen  ermittelt, ­
  Vom  Zahlenergebnis  ist  noch  der  monatliche  Anteil  an  den
Abschreibungen  und  den  anderen  noch  nicht  verbuchten  Kosten
abzuziehen,  um  dem  Beingewinn  näher  Zu  frommen.  Voraussetzung
für  dieses  Verfahren  ist  die  Kenntnis  oder  Schätzung  des  Lagerbestandes. ­


Monatliche  Selbstkosten:

Rohstoffe  etc

109  264,89

Löhne

22  357,61

Betriebskosten

7  691,03

Handlungskosten  ....

5  651,81

Ausgaben  ....

144  965,34

—  Skonto

275,73

144  689,61

—  Aktivwerte

143  237,63

Minderwert  ....

1  451,98

+  Bestände

29  000,-Bruttogewinn

  des  Monats  ,

27  548,02

Erworben  :
Neuanlagen  4  255,23
Verkauf  .  .  .  141  963,89
—  Frachten  .  .  2  981,49  138  982,40
143  237,68

Während  die  hier  gezeigte  Berechnungsmethode  auf  einer  sinngemäßen ­
  Verwendung  der  Buchzahlen  beruht,  haben  Huber 1 )  und
andere  ein  mehr  mechanisches  Verfahren  in  Vorschlag  gebracht,
um  ohne  Bilanz  und  ohne  Gewinn-  und  Verlustrechnung  am  Ende
jedes  Monats  das  Geschäftsergebnis  zu  ermitteln.  Es  handelt  sich
um  eine  bestimmt  «Gruppierung  der  Konten  des  Hauptbuches: ­
  1,  Beine  Bestandskonten,  die  im  Laufe  des  Jahres  weder
Gewinn  noch  Verlust  geben.  2.  Gemischte  Bestandskonten  (besser
Bestanderfolgskonten),  aus  denen  sieh  Bestände  und  Erfolge  ergeben.
8.  Beine  Ergebniskonten  (Erfolgskonten),  welche  Betriebsergebnisse,
keine  Bestände  liefern.  Die  Saldi  der  für  den  Erfolg  maßgebenden
Konten  werden  zusammengezählt,  die  Saldodifferenz  als  „Ergebniszahl“ ­
  (Huber,  Geifers)  wird  dem  durch  Inventur  oder
Schätzung  ermittelten  Wert  der  Bestände  gegenübergestellt.  Das  Geschäftsergebnis ­
  ist  dann  gleich:  Bestandswert  -4-  Sollsaldo  oder  Bestandswert ­
  -}-  Habensaldo.  Eine  Analyse  der  Ergebniszahl  führt  zu
den  vorhin  angegebenen  Methoden  der  Gegenüberstellung  von  Abgaben ­
  und  Leistungen.

*)  Wie  liest  man  eine  Bilanz?  Stuttgart  1904;  Gef  fers,  Monatliches
Geschäftsergebnis  ohne  Inventur  und  ohne  Abschluß,  Stuttgart  (Muth).  Vgl.
auch  Schär,  Der  Kaufmann  in  der  Brauerei.  Zürich  1905.  S.  13.
        <pb n="293" />
        291

Monatliche  Probebilanz.

Konto

Umsatz

Saldo

Soll

Haben

Soll

Haben

I.
Rohmaterialien.  .
Löhne
Betriebskosten  .  .
Handlungskosten  .
Waren

109  264,89
22  357,61
7  691,63
5  651,81
2  981,49

275,73
141  963,89

109  264,89
22  357,61
7  691,03
5  376,08

138  982,40

1  Ergebnisj
  Konten

11.

Patente  ....
Maschinen  .  .  .
Werkzeuge  .  .  .
Mobilien  ....
Immobilien  .  .  .
Arbeitsunterstützung ­

Debitoren
Kreditoren  .  .  .
Bank
Wechsel  ....
Kasse
Akzepte  ....

2  479,75
268,94
726,20
780,34
30,75
142  426,77
126  701,44
136  081,14
111  560,26
46  399,02
71  894,84

20.80
140  964,04
114  698,68
165  123,12
113  608,26
47  616,83
63  024,93

2  479,75
268,94
726,20
780,34
9,95
1  462,73
12  002,76
8  869,91

29  041,98
2  048,00
1217,81

Neuanlagen
&amp;gt;  (Bestandmehrung) ­


787  296,28

787  296,28

171290,19

171  290,19

Die  Ergebniskonten  (I)  liefern  als  Summe  der  Saldi:
Soll  144  689,61

—  Haben

138  982,40

Ergebniszähl  Soll

5  707,21

ab  Neuanlagen 1 )

4  255,23

Soll

1  451,98  (Vgl.  die  Zahl  S.  290).

ab  Bestände

29  000,00

Bruttogewinn

27  548,12  wie  früher  berechnet.

6.  In  manchen  Fällen  können  die  kaufmännischen  Konten  durch
Einschiebung  von  Zwischenkonten  iu  erhöhtem  Maße  den  kalkulatorischen ­
  bzw.  kontrollierenden  Zwecken  der  Unkostenverrechnung
dienstbar  gemacht  werden.  So  werden  beispielsweise  die  tatsächlich
verausgabten  Unkosten  den  verschiedenen  Unterkonten  des  Unkostenkontos ­
  belastet,  für  die  auf  die  Einzelbetriebe  durch  die  Selbstkostenberechnung
  verteilten  Unkosten  ein  „Konto  verreehneter
Unkosten“ 2 )  kreditiert  (Buchungssatz:  Fabrikationskonto  an
Konto  verreehneter  Unkosten).  Das  Zwischenkonto:  Unkostenverrechnungskonto ­
  weist  im  Laufe  des  Jahres  nur  einen  Kreditsaldo

’)  Diese  vergessen  Huber  u.  a.
2 )  Lilienthal,  a.  a.  0.  S.  163  f.,  S.  186,
19'
        <pb n="294" />
        *
..

auf.  Die  Summe  der  zu  verrechnenden  Unkosten  und  jene  der  durch
Lohnzuschläge  etc.  tatsächlich  verteilten  Unkosten  werden  fast  nie
übereinstimmen.  Im  Wertunterschied  werden  die  zu  wenig  oder  zu
viel  verteilten  Unkosten  zum  Ausdruck  kommen.  Die  Differenz  wird
den  Fabrikationskonten  oder  einem  allgemeinen  Erträgniskonto  gutgeschrieben ­
  oder  belastet.
Ein  ähnliches  Konto  dient  zur  Kontrolle  der  verrechneten  Abschreibungen. ­
  Allmonatlich  werden  die  abgeschätzten  Monatsraten
der  Abschreibungen  einem  „Konto  kalkulierter  Abschreibungen“ ­
 1 )  kreditiert,  zu  Lasten  jener  Betriebsabteilungen,  welche
die  Abschreibungsbeträge  in  den  Selbstkosten  zu  verrechnen  haben.
Am  Jahresschluß  werden  die  Abschreibungen  von  den  Anlagekonten
abgebueht  und  einem  Abschreibungskonto  belastet.
Konto  kalkulierter  Abschreibungen.

1.  Gebäude-Konto  .  .
Maschinen-Konto  etc.

500,-2.

  Gewinn-  und  Verlust-Konto  500,-Gewinn*

  und  Verlust-Konto.

Abschreibungen  .

500,-Verrechnete

  Abschreibungen  .  490,  -

Es  sind  10  Geldeinheiten  zu  wenig  verrechnet.  Diese  Verbuchungsweise
  läßt  auch  den  Charakter  der  Abschreibungen  als
Durchgangsposten  erkennen.  Man  könnte  den  Saldo  des  Abschreibung-Verrechnungskontos ­
  auch  auf  Abschreibungskonto  übertragen ­
  und  den  Unterschied  (500—490)  auf  Gewinn-  und  Verlustkonto. ­
  Wir  wollen  die  Abschreibungen  in  der  Jahresbilanz  ersichtlich
machen;  dann  müssen  die  verrechneten  Abschreibungen  in  der  veröffentlichten ­
  Bilanz  mit  dem  Fabrikationsüberschuß  zusammengeworfen ­
  werden.
Die  Verrechnung  auf  dem  vorerwähnten  Konto  kalkulierter  Abschreibungen ­
  ist  ,  eine  retrograde.  Wollte  man  die  progressive  Methode ­
  anwenden,  müßten  die  Soll  a-bschreibungen  den  tatsächlichen
*)  Berliner,  Schwierige  Fälle  der  kaufmännischen  Buchhaltung.  3.  Auf!.,
S.  213  f.  Hannover  1909.

2.  Gewinn-  und  Verlust-Konto  490,—

1.  Per  Fabrikations-Konto

  I  .  .  .  .

?

„  II  etc.  .  .  .

•  •  *

490,-Abschreibungs-Konto.
        <pb n="295" />
        I  s  t  abschreibungen  gegenüber  gestellt  werden.  Die 7  Monatsraten  der
Abschreibungen  werden  dem  Konto  verrechneter  Abschreibungen  belastet, ­
  das  gewöhnliche  Abschreibungssammelkonto  kreditiert.  Die
Aufwandskonten  werden  nach  der  kalkulatorischen  Verteilung  belastet. ­


Abschreibungs-Konto.

2.  Am  Jahresende:
An  Gebäude-Konto  ....  —,—
An  Maschinen-Konto  etc.  .  .  —,—
Bilanzmäßige  Abschreibungen  .  520,—

1.  Konto  verrechneter
Abschreibungen  500,—
Monatliche  Buchung  der  zu  verrechnenden ­
  Amortisationen

Konto  verrechneter  Abschreibungen.
Soll-Abschreibung  Tatsächlich  verrechnet

1.  An  Abschreibungs-Konto

500,-2.

  Fabrikations-Konto  I  .  .  .  —,—
„  „  II  etc.  .
Kraft-Konto  —,—

490,-Im

  ganzen  sind  30  zu  wenig  Abschreibungen  verrechnet.

Die  außerordentliche  Gestaltungsfähigkeit  der  doppelten  Buchführung ­
  läßt  noch  eine  dritte  Methode  der  Buchung  zu.  Die  Abschreibungen ­
  werden  in  Monatsraten  einem  Abschreibungsreserve-Konto ­
  kreditiert,  einem  Abschreibungskonto  belastet.
Bei  der  monatlichen  Gewinnberechnung  erscheint  Abschreibungsreserve-Konto ­
  als  Passivum,  das  Abschreibungskonto  als  Verlust.
Auch  die  nicht  monatlich  zahlbaren  Unkosten  können  ähnlich  in  der
Gewinnberechnung  Berücksichtigung  finden.  Der  monatliche  Anteil ­
  an  Steuern,  Versicherungsgebühren  etc.  wird  einem  Unkosten  -
reserve-Konto  zu  Lasten  des  Betriebsunkostenkontos  gutgeschrieben, ­
  die  Zahlungen  hingegen  dem  Unkostenreserve-Konto  belastet. ­
  Diese  antizipierende  Verteilung  vermindert  den  Gewinn  und
vermehrt  die  bereits  bezahlten  Betriebskosten 1 ).

Rentabilitätsber  e  clinun  gen.
§  64.  Die  Rentabilitätsberechnung  hat  entweder  den  Reinertrag ­
  der  ganzen  Unternehmung  im  Auge  —-  Beispiel:  Monatliche
Ermittelung  des  Erfolges,  Gründungspläne  —  oder  sie  untersucht
die  Rentabilität  einzelner  Betriebsabteilungen,  einzelner  Arbeits-')
  Vgl.  Foell,  Monatliche  Gewinn-  und  Verlustermittlung  in  Fabrikbetrieben.
Berlin  1909.  S.  21  u.  a.
        <pb n="296" />
        295

2.  Beispiel.
Im  folgenden  Beispiel  einer  Vergleichungsrechnung
(Voranschlag)  handelt  es  sich  um  die  kalkulatorische  Untersuchung
der  Frage,  ob  für  eine  bestimmte  Fabrik  die  Errichtung  eines
eigenen  .Wasserwerkes  billiger  ist  als  die  Benutzung  des
städtischen  Wassers,  das  ohne  Gewähr  für  die  Zuführung  der  erforderlichen ­
  Mengen  zu  6  Pfennig  je  Kubikmeter  Wasser  bezogen
werden  könnte.
Ergebnis:  Die  Errichtung  eines  eigenen  Wasserwerkes  ist  rechnungsmäßig ­
  unrentabel,  wenn  nicht  andere  wirtschaftliche  Erwägungen ­
  dafür  sprechen.  Würden  Abschreibungen  und  Verzinsungen
entfallen,  etwa  durch  Übernahme  der  Baukosten  seitens  einer  Behörde,
käme  ein  Kubikmeter  Wasser  nur  auf  (y^qqqq)  =  etwa  ^&amp;gt;7  Pfennig.
Die  rechnungsmäßige  Ersparnis  gegenüber  der  Entnahme  aus
dem  städtischen  Wasserwerk  durch  Eigenversorgung  betrüge
(170  000.3,3  =)  5610  Mk.,  die  Richtigkeit  des  Bau-  und  Betriebskostenvoranschlages ­
  vorausgesetzt.
Selbstkosten  für  1 !  cbm  Wasser  bei  Errichtung  einer
eigenen  Wasserversorgung,
a)  Der  Bedarf  an  Betriebswasser  beträgt  normal  14  cbm
für  die  Stunde,  in  den  heißen  Monaten  bei  Verbrauch  von  Kühlwasser
63  cbm  für  die  Stunde.
Es  wird  angenommen,  daß  während  zweier  Monate  in  der  Tagesschicht ­
  Kühlwasser  gebraucht  wird.  Der  Jahresverbrauch  bei  ununterbrochenem ­

  24stündigem  Betrieb  ist  dann:
zu  330  Tage.  24.14  .  .  =  110  880  .cbm
„  30  „  .24.63  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  =  45  360  „
für  Unvorhergesehenes  (Feuerlöschzwecke  usw.)  =  13  760  „

=  170000  cbm
b)  Das  Gebrauchswasser  beträgt  für  250  Mann  zu  je  100  1
pro  Tag  250.0,1.360  =  9000  cbm  im  Jahr.
Dieses  Gebrauchswasser  wird  auf  alle  Fälle  aus  der  städtischen
Leitung  von  100  mm  Durchmesser  und  2  Atm.  Druck  entnommen
und  scheidet  bei  der  aufzustellenden  Vergleichsrechnung  aus.
I.  Betriebskosten.
Jede  der  drei  vorgesehenen  Tief  pumpen  fördert  45  cbm  stündlich ­
  bei  einer  Gesamtförderhöhe  von  40  m.  Der  Kraftbedarf  einer
Pumpe  errechnet  sich  zu:
45  cbm  .  40  m  .  1000.1,5
60.60.75

10  PS.
        <pb n="297" />
        296

Zur  Förderung  von  170000  cbm  werden  gebraucht:

25765  Kw.-Std.  i.  J.

35050  PS.-Std.  jährlich;

Eine  Kilowattstunde  kostet  6  Pfg.
Stromkosten  im  Jahr  25  765.6  Pfg.  =  .....  Mk.  1  546,—

Anteilige  Kosten  für  Bedienung
Putz-  und  Schmiermittel  .  .

1500  —
254  —

Jährliche  Betriebskosten  Mk.  3  300,—

II.  Die  Anlagekosten  für  die  eigene  Wasserversorgung
setzen  sich  zusammen  wie  folgt:
Für  den  maschinellen  Teil  Mk.  40000,—
Für  die  Ilohrbrunnen  und  Rohrleitung  ....  „  45  000,—
Für  den  Wasserturm,  Mehrkosten  gegenüber  dem
im  Untergeschoß  errichteten  Turbinenhaus  .  .  „  90000,—

Zusammen:  Mk.  175  0Q0,—

Es  bleiben  zu  rechnen:
Für  Instandhaltung  3 / 4  o/o  von  Mk.  175  000  .  rd.  Mk.  1300,—
Für  Abschreibung  und  Verzinsung  der  Anlagen

10  o/o  =

17  500  —

Zusammen:  Mk.  18  800,—

Mithin  stellen  sich  die  Gesamtausgaben  im  Jahr:

Für  Betriebskosten

Mk.  3  300  —

Für  Instandhaltung,  Abschreibungen,  Zinsen  .  .  ,,18  800,—

Zusammen:  Mk.  22  100,

1  cbm  Wasser  kostet  demnach:

§  65.  Eine  größere  Rentabilität  einer  Unternehmung  kann
durch  Vermehrung  des  Umsatzes  oder  durch  Verminderung ­
  der  Selbstkosten  erzielt  werden.  Angenommen,
eine  Fabrik  hätte  bei  einem  Umsatz  von  1098  000  Mk.  eine  Unterbilanz ­
  erzielt  und  untersucht  nun  die  einzelnen  Faktoren  der  Selbstkostenberechnung ­
  und  findet,  daß  der  Umsatz  um  etwa  70o/o  erhöht,
sowie  der  durchschnittliche  Kostenaufschlag  von  185  o/o  auf  ca.
120o/o  herabgedrückt  werden  muß,  wenn  die  Fabrik  wieder  eine
        <pb n="298" />
        —  297  —

Rentabilität  erzielen  soll.  Die  summarische  Zusammenstellung  der
Selbstkosten  ergibt  einen  8o/oigen  Verlust  vom  Umsatz  wie  folgt:

Materialkosten
Arbeitslöhne
Unkosten

494  200  =  45  o/o
243  620  =  22o/o
449  510  =  41«P/o

vom  Umsatz
(bzw.  36,l°/o)

108  o/o;  (bzw.  103,1  o/o)
Da  in  den  Unkosten  53  350  Mk.  Zinsen  des  Anlagekapitals
eingerechnet  sind,  vermindert  sich  der  Verlust  um  diesen  Betrag
(103,1  o/o).
Der  Unternehmer  glaubt  an  die  Möglichkeit,  seinem  Betriebe
einen  größeren  Anteil  an  der  Bedarfsdeckung  sichern  zu  können.
Nun  muß  untersucht  werden,  wie  sich  die  einzelnen  Kosteneleniente
zu  dem  vermehrten  Umsatz  verhalten  und  wie  groß  die  Summe
der  jährlich  bezahlten  Fäbrikationslöhne  sein  muß,  um  auf  den
durchschnittlichen  Aufschlag  von  120  o/o  zu  kommen.

I.  Handlungsunkosten
a)  Variable  Kosten:

im  Vorjahre:

Geschätzt  für  die  Steigerung
des  Umsatzes

Porto,  Telegramme

4220

5  620

Frachten,  Bureaubedarf

4580

6  380

Provisionen

4  800

6  400

Sozialversicherung

7  600

11400

Steuern

5280

7  880

Zinsen,  Skonto

5  700

7100

Reklame

8  720

12320

Reisespesen

35  300

35  300

76  200

92400

b)  Konstante  Kosten

(Einzelheiten

weggelassen):

Hypothekenzinsen,  Sachversicherung,  vertragsmäßige ­
  Tantiemen,  Gratifikationen  Mk.  151  000,—
Abschreibungen  (bereits  reichlich  bemessen)'  .  .  „  41600,—
Verzinsung  des  Kapitals  „  53  350,—
Mk.  245  950,—
H-  „  92400,-Zusammen:
  Mk.  338  350,—

(Schätzung)
II.  Werkstattunkosten  (unmittelbar  durch  festliegende
Kommissionsnummern  und  Unkostenstatistik  verteilbar).  Die  Einzelheiten ­
  der  Berechnung  bleiben  hier  weg.  Im  letzten  Jahr  wurden
78  720  Mk.  Unkosten,  einschließlich  der  Reparaturen,  bezahlt.  Diese
Summe  dürfte  sich  nach  den  Einzelberechnungen  auf  94  240  Mk.
erhöhen.
        <pb n="299" />
        .

-
.  l  -V  -  -•  '

■  .

Werkstatt ­


1.  Fabrikationslöhne ­

(Geschäft)

2.  Direkte
Handlungs-Unkosten
  (Va)

3.  Werkstattkosten ­
  (II)

4.  Kraft  (III)

5.  Allgemeine
Betriebs-  und
Handlungsunkosten ­

52  °/o

6.  Summe
der  Spalten
1-5

7.  Lohnanfschlag

(abgerundet) ­


1

187  200  —

82  642,—

32  634,-20

  700,—

97  530,-233

  506,—

125

2

16  800,-3

  338,-3

  766,—

798,-8

  750,  -

16  652,—

100

3

67  500,—

32  198,-17

  500,—

14  540,-35

  160,—

99  398,—

150

4

48  000.—

10  088,—

5  046,—

798,-25

  000,—

40  932,-85



5

89  600,—

11  506,—

33  334,—

2  026,-46

  680,—

93  546,—

105

6

13  000,-2

  798,—

1  960,—

798,—

6  760,-12

  316,-95



422  100,-142

  570,—

94  240,-39

  660,—

219  880,—  &amp;gt;)

496  350,—

117,6

! )  Variable  Unkosten  92  400,—,  davon  in  der  Tabelle,  Spalte  2  verrechnet  47  620,—
Konstante  „  245  950,—  „  „  ,,  „  ,.  2  „  94  950,—

338  350,-bereits

  verrechnet  142  570,-195

  780,—  bleiben  noch  zn  verteilen
-f-  24100,—  Betriebskosten  (IV)
219  880,—  auf  Mk.  422  100,—  werbende  Löhne  =  52  °/o  Zuschlag.
        <pb n="300" />
        299

III.  Die  Kosten,  der  Kraftzentrale  (Bedienung,  Hilfsmaterialien, ­
  Reparaturen)  erhöhen  sich  von  28  740  Mk.  durch  die
größere  Beanspruchung  voraussichtlich  auf  39  760  Mk.
IV.  Unter  den  allgemeinen  Kosten  sind  einige  wenige
konstant,  z.  B.  Reparaturen  an  Verwaltungsgebäuden,  andere  erhöhen
sich,  infolge  der  größeren  Betriebsintensität.  Darauf  hat  die  Berechnung ­
  Rücksicht  zu  nehmen.  Die  Gesamtsumme  steigt  von
19  900  Mk.  auf  24  100  Mk.
V.  Für  die  Verteilung  der  Unkosten  auf  die  einzelnen  Werkstätten ­
  müssen  die  Handlungsunkosten  anders  gruppiert  werden,
a)  Für  die  einzelnen  Werkstätten  unmittelbar  zu  ermitteln  sind:
Abschreibungen,  Kapitalzinsen  (hier  als  Selbstkostenfaktor  eingerechnet), ­
  Reisespesen  und  Reklame  zusammen  138  970  Mk.  (vgl.  I.),
die  sich  auf  142  570  Mk.  erhöhen,  b)  Die  restlichen  Handlungsunkosten ­
  182180  Mk.,  erhöht  auf  195  780  Mk.,  werden  in  dieser
Fabrik  wie  die  allgemeinen  Betriebsunkosten  im  Verhältnis  der  produktiven ­
  Löhne  auf  dfe  Werkstätten  verteilt.  Die  Kraftkosten  werden
entsprechend  dem  größeren  Kraftverbrauch  aufgeteilt  (Tabelle  S.  298).
Legt  man  der  Berechnung  die  gleichen  Prozentanteile  des  Umsatzes ­
  wie  früher  zugrunde,  ergibt  sich  ein  Umsatz  von

Davon  entfallen  45  0/0  auf  Materialkosten  (angenommen ­
  der  gleiche  durchschnittliche  Marktpreis ­
  wie  im  Vorjahre)

Mk.

1918  600  —
863  370,—

22o/o  Lohnkosten  (Lohnsteigerungen  nicht  eingerechnet) ­
  ..............

422  100,—

Die  Unkosten  sind  entsprechend  geringer  =
25,9o/o  vom  Umsatz

5)

496  350  —

Berechnete  Selbstkosten  (einschl.  53  350  Mk.
Kapitalzinsen)

Mk.

1781820,—

Es  bleibt  rechnungsmäßig  ein  Nutzen  von  .  .

Mk.

136  780,—

-f-  Kapitalzinsen

y&amp;gt;

53  350,—

Gesamtgewinn

Mk.

190130,—

das  sind  zusammen  7  2 / 10 °/o  vom  Umsatz  oder  7  8 / 10  °/o  von  den
Selbstkosten,  bzw.  einschließlich  der  Kapitalzinsen  9,9  o/o  Umsatzgewinn,
  oder  10,7  o/o  der  Selbstkosten.

Die  in  Aussicht,  genommene  Erhöhung  des  Umsatzes  verringert
wegen  der  konstanten  und  der  degressiven  Kosten  den  Lohnaufschlag ­
  für  Unkosten.  Dieser  Lohnaufschlag  betrug  im  Verlustjahr
(243  620:449  510)  etwa  185o/o.  Nach  der  Annahme  des  Unternehmers ­
  würde  ein  Herabdrücken  dieses  Aufschlages  auf  120  o/o
oder  eine  Erhöhung  der  Produktionslöhne  um  54»/ 0  (154  Mk.  Lohn
zu  120o/o  Unkosten  —  185  Mk.  Unkosten)  die  Unterbilanz  beseitigen.
        <pb n="301" />
        —  300  —
Entsprechend  müßte  der  Umsatz  bei  185  Mk.  Unkosten  von  455  (22o/ 0
Löhne  =  100;  Unkosten  =  185)  auf  700  Mk.  steigen,  d.  h.  um
etwa  54o/o  gesteigert  werden  (22  o/o‘  =  154  Mk.  Löhne,  Unkosten
185  =  120o/o  der  Löhne).  In  der  Berechnung  wurde  eine  Ümsatzsteigerung
  von  75_%|  angenommen.
§  66.  Im  Anschluß  an  die  dargestellte  Umsatzberechnung  soll
noch  einmal  auf  den  Einfluß  der  festen  Unkosten  auf  die  Selbstkosten ­
  eingegangen  werden.  Angenommen,  eine  Fabrik  hätte  mit
einer  80  0/0  Ausnutzung  ihrer  Produktionsfähigkeit  als  Normale  zu
rechnen  und  kommt  in  die  Lage  (Konjunktur),  mit  voller  Ausnutzung, ­
  also  lOOp/0 1 ,  arbeiten  zu  können.  Die  übliche  Durchschnittskalkulation ­
  für  die  Gesamtproduktion  ergibt ­
  wegen  des  größeren  Umsatzes  und  verhältnismäßigen  Minderung
des  Anteils  an  konstanten  Kosten  einen  geringeren  durchschnittlichen
Herstellungswert  für  die  Produktionseinheit.  Ein  schematisches
Zahlenbeispiel:  Normale  Erzeugung  800  t,  unmittelbare  Kosten  (für
Materialien,  Löhne,  Betrieb)  30  Mk.  für  1 :  t;  die  eisernen  Kosten
betragen  40  000  Mk.,  für  1  t  demnach  50  Mk.;  Selbstkosten  50  Mk.,
Verkaufspreis  90  Mk.  für  1  t.  Steigt  die  Erzeugung  auf  1000  t
jährlich,  sinken  bei  einer  Durchschnittsrechnung  die  feststehenden
Kosten  auf  40  Mk.,  die  Selbstkosten  auf  70  Mk.  für  1  t.  Der  Verkauf ­
  sgewinn  bei  gleichen  Verkaufspreisen  steigt  von  12,5_°/o  auf
28,6  0/0,  die  Selbstkosten  sinken  um  12 1 / 2 °/o.

800  t

%

t

1000  t

&amp;gt;

t

Direkte  Kosten

24000

37,5

30

30  000

42«,

30

Konstante  Kosten

40  000

62,5

50

40  000

57  •/,

40

Selbstkosten

64  000

100

80

70000

100

70

Gewinn

8  000

12,5

10

20  000

28

20

Verkaufserlös

72  000

112,5

90

90  000

128,6

90

Dieser  Durchschnittskalkulation  kann  man  eine  Differenzkalkulation ­
  gegenüberstellen,  dabei  die  Normalproduktion  mit
den  gesamten  eisernen  Kosten  belasten,  diese  der  Mehrproduktion
nicht  anrechnen:
Selbstkosten  1  für  800  t,  wie  oben  64  000"Mk.
Gewinn  f  8  000  V„
72  000  Mk.
Selbstkosten  1  für  200  t  Mehrproduktion  6  000  Mk.
Gewinn  I  12,000  „
18  000  Mk.
Nach  dieser  Berechnung  ist  der  Gewinn  bei  der  Normalproduktion ­
  10  Mk.  (==  12,5p/o),  für  die  Mehrproduktion  60  Mk.  für  1  t
        <pb n="302" />
        301

(=  200%  der  Selbstkosten;,  ein  rechnerisch  richtiges,  wirtschaftlich-kalkulatorisch ­
  ein  unmögliches  Ergebnis.  Bei  einem  feststehenden ­
  Verkaufspreis  von  90  Mk.  braucht  man  (30x-j-40  000
=  90  x)  einen  Mindestumsatz  von  666  2 / s  t,  tun  durch  den  Verkaufserlös ­
  sämtliche  Kosten  (666  2 / 3 .30  x  -j-  40  000  =  60  000)  zu
decken.  Bei  einer  Produktion  über  die  Mindestmenge  hinaus  wird
Gewinn  erzielt.  Auf  eine  Tonne  Mindesterzeugung  entfallen  neben
30  Mk.  direkte  noch  60  Mk.  feste  Kosten.  Für  jede  Tonne  Mehrproduktion ­
  mindert  sich  der  durchschnittliche  Kostenpreis  nach  dem
bekannten  Gesetz  der  Praxis:  Die  letzte  Elle  ist  die  billigste:

die

1.  der  Mehrproduktion  kostet

9  Pfg.  weniger  an

festen  Kosten

11

10.  „

11  11

88  „

11

ii  ii

11

100.  „

11  11

783  „

■  11  11

31  11

11

133'/s.  „

11  ’&amp;gt;*•

1000  „

11  11

11  11

11

333 2 /a.  „

11  11

2000  „

11  11

11  11

Der  Gewinn  für  jede  Tonne  der  Mehrproduktion  muß,  als  natürliche
Folge  der  sinkenden  Produktionskosten  auf  die  Einheit  und  im
Durchschnitt  gerechnet,  gleichfalls  ansteigen.
Die  Differenzberechnung  verteilt  den  Gewinn  auf  die  Normalund
  die  Mehrproduktion  in  einer  von  der  üblichen  abweichenden
Weise.  Tatsache  ist,  daß  die  Preispolitik  des  Unternehmers  wegen  der
sinkenden  Selbstkosten  beeinflußt  werden  kann.  Er  könnte  den  Verkaufspreis ­
  der  Gesamtproduktion  herabsetzen  oder  die  Mehrproduktion
billiger  veräußern 1 ),  um  etwa  ein  neues  Absatzgebiet  zu  erobern;
man  könnte  bei  der  Preisberechnung  für  die  Mehrproduktion  sogar
bis  zum  Betrage  der  Herstellungskosten  (70  Mk.)  heruntergehen
(800  t  zu  70  Mk.  durchschnittliche  Selbstkosten,  Gewinn  16  000  Mk.;
200  t  zu  70  Mk.,  ohne  Nutzen)  und  auf  einen  Gewinn  verzichten;
der  Unternehmer  kann  die  Mehrproduktion  anstatt  mit  einer  dem
Mengenverhältnis  (8:2)  entsprechenden  Quote  mit  einer  geringeren
belasten  usf.  Preispolitische  Erwägungen  dieser  Art  stehen  aber
mit  einer  genauen  Kostenberechnung  nur  in  einem  losem :  Zusammenhang. ­

Das  Leitmotiv  eines  jeden  Industriekaufmanns  ist:  Die  Spannung ­
  zwischen  Selbstkosten  und  Gewinnquote  vergrößern,  mit  den
kleinsten  Mitteln  die  größtmögliche  Wirkung  erzielen.  Die  Mittel
’)  Ein  praktisches  Beispiel  bringt  Le  Coutre  (die  Preisentwicklung  in
der  Steinkohlengasindustrie,  Schriften  des  Vereins  für  Sozialpolitik,  142.  Band,
1914,  S.  77):  Der  Preisgestaltung  wird  eine  Abnahmemenge  zugrunde  gelegt  und
auf  diese  die  Kosten  für  Amortisation,  Löhne  usw.  berechnet.  Jede  Mehrproduktion ­
  verursacht  nur  Kosten  ftir  Kohlen  und  Beheizung  sowie  eine  geringe
Abnutzungsquote  für  Ofenverbrauch.  Gas,  das  außer  der  Lichtbedarfszeit  abgegeben ­
  wird,  kann  infolgedessen  billiger  abgegeben  werden.  (Koch-,  Heizgas,
Gas  für  industrielle  Zwecke.)
        <pb n="303" />
        302  —

zur  Erreichung  dieses  gelbst-  uud  Geschäftsinteresses  sind  verschieden. ­
  Kombination  durch  Angliederung  von  Unternehmungen ­
  verschiedener  Produktionsstufen,  um  durch  Selbsterzeugung
notwendiger  .Vorprodukte  bzw.  -Verarbeitung  von  Zwischen-,  Abfallund
  Nebenprodukten  die  zwischenhändlerischen  Gewinne  '  auszuschalten, ­
  die  Konzentration  kaufmännischer  und  technischer  Verwaltungsarbeit ­
  zu  ermöglichen  (z.  B.  Eisen-  und  Stahlindustrie:
Erzbergbau,  Kohlenzechen,  Aufbereitung  und  Verarbeitung  des
Eisens;  Bierbrauerei:  Selbsterzeugung  von  Malz).  Angliederung  von
Kompensationsbetrieben,  um  Beschäftigungs-  und  Gewinnausfälle
  —  die  normalen  und  die  durch  die  wechselnde  Konjunktur
verursachten  —  des  einen  Werkbetriebes  durch  Produktion  in  einem
andern  auszugleichen  (Vorteil  der  Arbeiterverschiebungen  innerhalb)
des  Betriebes  ohne  Arbeiterentlassungen  und  Ausschaltung  der  Nachteile ­
  wechselnder  Arbeiterbestände).  Verbilligung  der  Produktionskosten ­
  durch  Einführung  von  Arbeitsmaschinen  und  neuen
Herstellungsverfahren,  Spezialisation  der  Erzeugung,  also
Mittel  der  innern  betriebswirtschaftlichen  Organisation.  Erhöhung
des  Umsatzes  oder  der  Verkaufspreise,  Erzeugung  neuer
marktfähiger  Fabrikate;  Kartellbildung  und  Interessengemeinschaft ­
  der  Mitbewerber,  Fusion,  Beteiligung  und
wie  die  Kampfmittel  der  organisierten  oder  nicht  organisierten  aber
machtvollen  Unternehmer  heißen  mögen.
Die  wirtschaftspolitische  Analyse  der  Selbstkosten  einer  Unternehmung ­
  in  der  Absicht,  die  oben  erwähnte  Spannung  zu  verbessern, ­
  hat  zu  berücksichtigen,  daß  der  Unternehmer  gewissen
betriebswirtschaftlichen  Tatsachen  mehr  oder  weniger  machtlos  gegenübersteht. ­
  Es  sind  zunächst  Einflüsse,  die  sich  aus  der  sozialwirtschaftlichen ­
  Verkettung  der  Einzelwirtschaften  innerhalb  einer  staatsund
  volkswirtschaftlichen  Gesamtheit  ergeben  und  von  außen  her
auf  die  eigene  Betriebswirtschaft  einwirken:  die  Handels-,  Eisenbahntarif-, ­
  Steuerpolitik  eines  Staates  oder  einer  Staatengemeinschaft,
die  soziale  Gesetzgebung,  der  Zinssatz  für  Leihkapitalien,  Marktlage
und  Preise  für  Marktprodukte.  Dann  privatwirtschaftliche  Maßnahmen ­
  von  Interessenverbänden  wie  die  Preispolitik  der  Kartelle,
die  Lohnpolitik  der  Arbeitnehmerverbände.  Endlich  einzelwirtschaftliche ­
  Abhängigkeiten  von  andern  Unternehmungen  (z.  B.  übermäßige
Verbrauchsabschreibung  bei  schlechter  Ausführung  von  eingekauften
Maschinen),  vom  Arbeiter,  vom  Standort  der  Unternehmung  (Löhne,
Bodenpreise).  Ob  eine  Fabrik  im  Osten  oder  im  Westen,  an  der
Küste  oder  im  Süden  des  Reiches,  in  den  Großstädten  oder  auf  dem
Lande  liegt,  ist  für  die  Selbstkosten  nicht  gleichgültig.
Eine  kritische  Prüfung  der  Selbstkosten  auf
ihre  kausalen  Zusammenhänge  und  gegenseitigen
        <pb n="304" />
        803

Bedingtheiten  hat  zur  Voraussetzung,  daß  die  absoluten ­
  Kostenzahlen  in  Verhältniszahlen  umgerechnet ­
  werden 1 ).  Um  einige  Beispiele  zu  nennen:  Der  Prozentanteil ­
  der  Selbstkostenteile  zum  Gesamtkostenbetrag  der  Fabrikate,
das  Verhältnis  der  Zusammensetzung  -der  Einzelkosten  zum  Gesamtbetrag ­
  (Kraftkosten  —  10%:  Arbeitslöhne,  Kohlen-,  Materialverbrauch ­
  in  %,  dann  für  eine  PS-Stunde);  in  beiden  Fällen  wird  der
Einfluß  einer  Veränderung  in  den  Einzelkosten  auf  die  Gesamtkosten
zum  Ausdruck  kommen.  Das  Verhältnis  des  Kostenaufwandes  zur
Leistungseinheit  (PS  für  die  Kraftkosten;  Menge  der  verarbeiteten
Rohstoffe  auf  einen  Arbeiter,  für  100  Mk.  Umsatz  u.  a.),  zur  Leistungszeit ­
  (stündlicher,  täglicher  Kostenverhrauch).
Eine  solche  weitgehende  Würdigung  der  Selbstkosten  wird  den
Unternehmer  zum  Nachdenken  veranlassen,  ob  und  durch  welche
Mittel  er  die  nicht  gewollten  Einflüsse  auf  seine  Unternehmungskosten ­
  ausgleiehen  kann;  in  der  Mehrzahl  der  Fälle  wird  das  Ergebnis ­
  der  Kritik  zu'dem  Versuch  führen,  durch  betriebswirtschaftliche ­
  Maßnahmen  das  gesteckte  Ziel  zu  erreichen:  ganz  allgemein
gesprochen,  durch  eine  Verbesserung  der  Betriebs-  oder  der  Vertriebsorganisation.

Wie  weit  der  Unternehmer  in  der  angedeuteten  Zerlegung  und
wirtschaftlichen  Genauigkeit  seiner  Berechnungen,  insbesondere  hinsichtlich ­
  der  Anteilskosten,  geht,  hängt,  wie  schon  früher  erwähnt,
von  den  ökonomischen  Grenzen  ab,  die  er  sich  wegen  des
Kostenaufwandes  für  eine  richtige  Kostenberechnung  gesteckt
hat,  sowie  von  der  relativen  Bedeutung  der  Kostenbestandteile ­
  innerhalb  der  Gesamtkosten.
a)  Eine  einfache  Kostenzerlegung  soll  zeigen,  wie  wir  uns
diese  Kostenanalyse  denken.  Die  Gesamtkosten  im  Jahresdurchschnitt ­
  betrugen  1913  125%,  im  Kriegsjahr  1916  191  o/ 0 .  Im
einzelnen  betrugen  die  Unkosten:

1913  1916

llOo/o;  185o/o

Zählerbau  .  .  .
Gleichstrom  .  .  .
Wechselstrom  .  .  .
Allgemeiner  V  erka  u  f

145  „  200  „
156  „  223  „
125  „  181  „

*)  Die  gleiche  Forderung  habe  ich  für  eine  brauchbare  Bilanzkritik  aufgestellt, ­
  und  durch  zahlreiche  Beispiele  belegt;  vgl.  Grundriß  II,  S.  198  f.,  auch
mein  Buch  über  die  Kontrolle  in  der  privaten  Unternehmung  (Frankfurt  a.  M.
1920)  hinsichtlich  der  Pabrikstatistik,  S.  128  f.,  148  u.  a.  0.
        <pb n="305" />
        304

305

Die  191%  verteilen  sich  wie  folgt:
Unproduktive  Löhne  13,8%’
Betriebsunkosten  4,2  „
Unterhaltungskosten  der  Anlagen  ....  22,0  ,,
Abschreibungen  10,8  „
Steuern  2,4  „
Übertrag:  53,2%

Ausgaben  Ertragsberechnung

Konto

Pro  d  uktionskosten
(Pfennig)

Betrag

1906/07

1907/08

1907/08

pro  Ztr.  verarbeiteter
Hüben

Ztr.  Zucker

Mk.

Pfg.

Rüben

75,48

85,5

577,6

644  770

50

Rübensamen

1,10

1,51

10,2

11382

40

Rübenfeld

1,13

1,02

6,89

7  690

85

Fracht-  und  Fuhrlöhne  ....

0,92

0,73

5,50

5  614

25

Brennmaterialien

7,36

9,38

63,49

70  872

50

Gehälter

2,62

4,45

30,08

33  573

—

Löhne

9,60

10,75

72,60

81046

—

Säcke

0,81

1,25

8,44

9  421

30

Beleuchtung

0,17

0,31

2,11

2  357

40

Reparaturen.

2,76

4,04

27,16

30  316

60

Provision

1,05

1,05

7,09

7  915

—

Zinsen  und  Diskont  .  .  .  .  .

2,16

2,84

19,14

21  376

55

Obligationszinsen

0,74

1,02

6,89

7  690

50

Betriebskosten

6,98

9,59

64,78

72  317

60

112,88

133,44

901,95

1  006  344

45

Abschreibungen  auf  die  Betriebsanlagen



—

6,87

46,30

51  699

80

Selbstkosten

—

140,31

948,25

1  058  044

25

a)  1  Zentner  Hüben  verursacht  140,31  Pfg.  Verarbeitungskosten,  1  Zentner
Zucker  im  Durchschnitt  Mk.  9,4781  Selbstkosten.  Für  1  Zentner  Zucker
wurden  6,75 15  Zentner  Rüben  verbraucht.
b)  Durchschnittliche  Selbstkosten  pro  Zentner  Zucker  Mk.  9,478
der  durchschnittliche  Erlös  „  „  „  „  9,825
Gewinn  pro  Zentner  Zucker  Mk.  0,347
Erlös  der  Melasse  „  „  „  „  0,302
Fabrikationsgewinn  .  .  .  .  „  „  „  Mk.  0,649
c)  1  Zentner  Rüben  enthält  146,46  Pfg.  Zucker
4,45  „  Melasse
Produzierter  Wert  .  .  .  150,91  Pfg.
Selbstkosten  140,31  „
Mithin  Mehrwert  .  .  .  .  10,61  Pfg.  pro  Zentner  Rüben.

Übertrag:  53,2%

V  ersicherungen

.....  5,0  „

Gehälter

20,3  ,,

Kriegsunterstützungeu  .  .  .

.....  19,6  „

Verschiedene  Unkosten  .  .  .

100%;
von  191%  Kost-enzuschlag.
einer  Zuckerfabrik.  Einnahmen

Produktion:  754000  Zentner  Rüben;  daraus  erzeugt  und  verkauft;

Durclischnittl.
Ausbeute:  Verkaufspreis:
102  990  Zentner  I.  Produkt  \  1,10710/  9,85  1  Mk.  1  014  451,15.
4  610  „  I.  „  I  U,m  10,-  1  „  46100,-3
  035  „  II.  „  0,402  °o  9,—  '  „  27  315,—
995  .,  III.  „  0,133  %  8,95  »  8:905,25
111  630  Zentner  Zucker  Gesamtausbeute ­
  14,806  °/»  Mk.  1  096,771,40

Erlös  durch  Verkauf  der  Nebenprodukte  Melasse  9  920
Zentner  (=  1,316  °/o)  zu  Mk.  3,40  „  33  728,—
Mk.  1  130  499,40
-7-  Ausgaben  .  .  •  1  058  044,25
Fabrikationsgewinn  Mk.  72  455,15
4-  Mehrerlös  der  alten  Lagerbestände  „  '  ‘15  473,—
Gesamtgewinn  .  .  .  .  T  Mk.  87  928,15

d)  Auf  1  Zentner  Rüben  entfallen:
14,271  kg  Zucker  1  zu  9,85  =  140,569  Pfg.
0,402  „  „  II  „  9,-  =  3,618  „
0,133  „  „  III  „  8,95  =  1,190  „
14,806  kg  Zucker  im  Werte  von  145,377  Pfg
1,316  kg  Melasse  zu  3,4  4,474  „
Erlös  149,851  Pfg
Bearbeitungskosten:  140,31
-r  Rübenpreis  (bezahlt)  85,5  -7-  54,810  „
Der  berechnete  Rübenpreis  ohne  Rücksicht  auf
Gewinn  beträgt  .  .  95,041  Pfg
d.  h.  der  bezahlte  Rübenpreis  (85,5)  bleibt  gegen  den
berechneten  (95,04)  um  10,541  Pfg.  zurück,  d.  i.  ein
Gewinn  pro  Zentner  Rüben  (früher  berechnet  mit
10,61  Pfg.).
Leitner,  Selbstkostenherpchnuu*.  7.  Aufl,

20
        <pb n="306" />
        306

b)  In  der  folgenden  Tabelle  werden  Material-  und  .Lohnkosten
je  —  100  gesetzt  und  die  einzelnen  Kostenteile  auf  den  Gesamtbetrag ­
  umgerechnet;  die  Tabellen  zeigen,  welchen  verhältnismäßigen
Anteil  und  welche  Bedeutung-  die  einzelnen  Werkstoffkosten  und
Arbeitsvorgänge  haben.
100  PS-Wagen  für  Heereszwecke.

Material

1916

Steigerung ­

1917

Löhne

1916

Steigerung ­

1917

Eisen

1,27

0,224

Abstecherei....

1,07

0,43

S.  M.  Stahl  .  .

0,80

0,469

Anreißen

1,46

0,58

F.  431

0,39

0,108

Schmiede  .  .  .

12,20

4,88

S.  431

0,63

2,817

Dreherei

14,57

5,83

E.  724  .  .

3,76

nsf.

Karusseldrehbank

0,61

0,24

H.  B.  W.  Stahl

0,62

Fräserei

4,45

1,78

K.  W.  D.  „  .  .

0,49

Horizontalbohrer  .

3,79

1,52

B.  S  J.

0,23

Vertikalbohrer  .  .

3,68

1,47

B.  S.  J.  o

1,26

Groß.  Hobelmaschine

1,14

0,46

N.  c.  I.

2,13

Kl.  Hobelmaschine  .

1,14

0,46

Sonstiger  „  .  .  .

0,51

Kegelradhobeimasch.

0,95

0,38

Bronze,  Cu-Rohre  .

0,24

Schleiferei  ....

0,87

0,85

Stahlrohr  .  .

0,29

Nutenstoßmaschine  .

0,65

0,26

Jellow-Metall  .  .  .

0,01

Schlosserei  ....

34,13

13,65

Grünguß  ...

4,49

Schweißerei  .  .  .

0,63

0,25

Stahlguß  ....

14,15

12,19

Härterei  ...

0,56

0,22

Temperguß  ....

0,08

Kupferschmiede  .  .

1,87

0,75

Rotguß

6,93

Steilmacherei  .  .

2,77

1,10

Bronze

0,06

Modelltischlerei  .  .

12,69

5,08

Fertig  bezogen  .  .  ,

61,66

19,616

Anstreicherei  .  .  .

0,76

0,30

100  %

39,8  %

|  100  o/ 0

40%

c)  Die  Entwicklung  der  Unkosten  auf  eine  Reihe  von  Jahren
mit  Einschluß  der  Kriegsjahre  zeigt  die  nachstehende  Tabelle.  1917
betrag  der  Umsatz  etwa  63  Mill.,  die  produktive  Lohnsumme  10 1 / 2
Milk,  die  Kapitalverzinsung  brutto  50%.
§  67.  Die  bisherigen  Darlegungen  bezogen  sich  auf  ,V  er  suche,
während  des  Betriebsjahres  den  Betriebsgewinn,  die  Rentabilität,
festzustellen.  Das  Beispiel  auf  Seite  304  und  305  soll  zeigen,  wie
man  auf  Grand  der  Bilanzen  eines  Jahres  eine  Ertragsberechn
  u  n  g  aufstellt.  Die  Darstellung  ist  so  ausführlich  und  verständlich, ­
  daß  sich  weitere  Erklärungen  erübrigen.
Man  kann  sagen,  jede  Nachkalkulation  —  Stückpreisberechnung ­
  oder  Gesamtkostenermittlung  —  ist  eine  Rentabilitätsberechnung. ­
        <pb n="307" />
        20*

Unkosten

1911

1912

1913

1914

1915

19l\

»17

Abschreibungen  an  Betriebsanlagen ­

Gehälter
Handlungsunkosten
Diätare,  ßenumerationen.  .  .
Steuern
Sachversicherungen
Personalversicherungen  .  .  .
Versuchs-,  Patent-,  Lizenzkosten
Zinsen,  Debitorenverluste  .  .

31.6
38.6
26,0
5,5
4,8
0,1
4.4
7.5
12.7

45.6
39,1
23,3
5,1
4,6
0,6
5,0
5,o
13.6

43.4
35,9
22.4
5,1
3,4
0,3
6,6
5,8
18.4

43,0
38,3
22,1
6,2
3,6
1,5
8,1
4,8
2«,5

22,6
24.7
12,9
7.7
2.8
0,1
6,1
5,6
32.7

34.9
24,0
12.9
9,6
5,1
0,1
6,3
5,9
22,5

28.4
19.4
9.2
10,7
9.3
0,4
5,9
5.4
8.5

Handlungsunkosten

131,2

142,4

141,3

151,1

115,2

121,3

97,2

Kraft-,  Gas-,  Wasserverbrauch
Betriebsunkosten
Werkzeugverbrauch  ....
Reparaturen
Unproduktive  Löhne  ....
Kriegsunkosten  (Lebensmittel
usw.)

1,0
27.2
13,7
9,9
20.3
V/  v  J

1,0
31.3
17.3
12,5
23.3

2,3
36,7
19.1
12.2
24,1

2,9
36,4
15,0
9,8
7,7
0,9

3,4
33,5
10,1
8,1
32,0
6,8

2,9
40.2
10,7
8,5
33.3
10,0

3,3
48,5
11,8
13.2
39.3
15,2

Betriebsunkosten

72,1

85,4

94,4  |

72,7  |

93,9

105,6

131,3

Gesamtunkosten  in  Prozenten
der  Fabrikationslöhne

203,3

227,8

235,7

223,8

209,1

226,9

228,5

1.  Beispiel  einer  Nachberechnung  der  wirklichen
Kosten  für  die  Gesamtleistung.

Die  folgende  Berechnung  ist  methodologisch  interessant.  Es
handelt  sich  hier  um  reine  Arbeitsvorgänge  einer  Spezialmaschinenfabrik, ­
  die  mit  festen  Verkaufspreisen  ihrer  patentierten  Erzeugnisse
rechnen  kann.  Material-  und  Arbeitskosten  werden  wie  üblich  ermittelt; ­
  auf  die  produktiven  Löhne  werden  zunächst  33 1 / 3  o/o  zur
Deckung  der  allgemeinen  Unkosten  aufgeschlagen.  Die  Fabrikunkosten ­
  werden  monatlich  zusammengestellt  und  auf  die  produktiven
Löhne  des  Berechn  ungsmonates  verteilt.  Der  Best  der  noch  nicht
verrechneten  Unkosten  wird  nach  dem  Jahresdurchschnitt  des  Vorjahres

  auf  die  Herstellungskosten  verteilt:
Materialieu  (vom  Besteller  geliefert)

Mk.

Produktive  Löhne  .

80  682,87

33  1 / 3  %  Zuschlag

26  894,29

Fabrikunkosten  (Schmieröl,  Betriebskosten  usw.)

5?

70178,48

Herstellungskosten:

Mk.

177  755,64

30  %'  Generalkosten  (Abschreibungen,  Zinsen,  Miete,
Pacht,  Steuern,  Reklame,  Bureaubedarf,  soweit
sie  nicht  durch  33  x / 3  o/ 0(  gedeckt  erscheinen)  .

&amp;gt;&amp;gt;

53  326,69

Selbstkosten

Mk.

231  082,33

Erlös

y&amp;gt;

373  583,70

F  äbrikati  onsgewinn

Mk.

142  501,37

d.  h.  38,1  o/o  des  Verkaufspreises  oder  61,1%  der  Selbstkosten.
        <pb n="308" />
        308

Diese  Nachberechnung  der  Gesamtkosten  eines  vollständig  erledigten ­
  Auftrages  (nach  §  2,  Seite  4)  ist  hier  ohne  Stückpreisberechnung. ­

2.  Im  folgenden  Falle  wird  durch  Zwischenberechnung
für  das  Ende  des  Jahres  der  bisher  erzielte  Bruttogewinn  ohne  Abschreibungen ­
  und  sonstige  Generalkosten  ermittelt.

Nachkalkulation  der  1916  hergestellten  rohen  Granatenkörper.

Es  wurden  hergestellt:  ungetemperte  Körper  847  967  Stück
getemperte  ,,  738  667  „
Zur  Herstellung  der  ungetemperten  847  967  Körper  wurden
ausgegeben:
Löhne  Mk.  91873,02
Roheisen  „  254944,57
Koks  „  16  933,70
Formsand  ,,  4640,50
Klein  materialien  ,,  14450,90
Betriebsunkosten,  Licht,  Strom  etc  ,,  8  250,00
Direkte  Gehälter  auf  diesen  Auftrag  „  9  150,00
Mk.  400  242,69

das  Stück  47,3  Pfg.
Zur  Herstellung  der  getemperten  738  667  Stück  Körper

wurden  ausgegeben:
Löhne  lt.  Lohnbuch  .  Mk.  29  899,03
Verbrauch  von  Tempertöpfen  lt.  Inventur  .  .  .  „  35  204,00
Verbrauch  an  Erz  lt.  Inventur  ,,  5  921,60
Verbrauch  an  Braunkohlen  lt.  Inventur  ....  „  48872,25
Unkosten  auf  Retouren  „  4  890,50
Mk.  124787,38
das  Stück  17  Pfg.
Insgesamt  wurden  verausgabt  Mk.  525  020,07
Eingenommen  lt.  Rechnungen  „  585  088,20
100  000  fertige  Stücke  lt.  Inventur  „  100  000,—
106  000  ungetemperte  Stücke  lt.  Inventur  .  .  .  „  82  940,—
Mk.  768  028,20
Erlös  und  Bestände  Mk.  768  028,20
Ausgaben  „  525  020,07
Spannung  zwischen  Einnahmen  und  Ausgaben  .  Mk.  243  008,13
(Bruttogewinn)

ohne  Generalkosten.
        <pb n="309" />
        309

Grü  ndungsvoranschlag.
§  68.  Der  wirtschaftliche  Erfolg  einer  Unternehmung  ist  von
der  Anlage  der  Fabrik  im  einzelnen,  im  ganzen  und  von  der  Durchführung ­
  der  Fabrikation  abhängig.  Deshalb  muß  bereits  der  Bauplan ­
  von  ökonomischen  Gesichtspunkten  aus  gestaltet  werden:  die
Möglichkeit  späterer  Erweiterungen  ohne  erhebliche  Störungen  des
Betriebes,  zweckmäßige  Anordnung  der  Bäume,  insbesondere  mit
Rücksicht  auf  die  Aufeinanderfolge  der  Arbeitsprozesse  und  unter
Vermeidung  überflüssiger  Zeitverluste,  Wahl  der  Kraftquelle  und
Verteilung  der  Kraft,  Zentralisation  oder  Dezentralisation  des  Betriebes ­
  und  seiner  Hilfsmittel  müssen  in  Betracht  gezogen  werden.
Schon  die  Wahl  das  Ortes  der  Niederlassung  hat  auf  günstige
Produktionsbedingungen  (billiges  Terrain,  Vorhandensein ­
  der  Bohstoffe  und  wichtiger  Hilfsstoffe,  einer  Betriebskraft,
Arbeiterverhältnisse  des  Ortes,  Steuern  usf.)  zu  sehen,  die  Absatzverhältnisse
  (günstige  Handelsbeziehungen,  gute  Verkehrsstraßen, ­
  billige  Transportmittel,  Nähe  des  Hauptabsatzgebietes  u.  a.)
zu  berücksichtigen.  Die  Lage  des  Grundstückes  muß  ungestörten ­
  Betrieb  sichern  (Arrondierung  des  Grundstückes,  Abwässerentfernung, ­
  Nachbarschaft,  Straßen,  Hochwasser-  und  Feüersgefahr
usf.).  Es  ist  klar,  daß  jede  unzweckmäßige  Wahl  des  Ortes  und
der  Anordnungen  der  inneren  Einrichtungen  in  der  Größe  der  Selbstkosten ­
  zum  Ausdruck  kommt.
Der  Gründungsplan 1 )  soll  dem  Unternehmer  über  die
zukünftige  Ertragsfähigkeit  seines  Unternehmens  Auskunft  geben;
selbstverständlich  ist  es  stets  nur  eine  Wahrscheinlichkeitsrechnung,
der  eine  Ildealfabrik,  die  persönlichen  Erfahrungen  des  Unternehmers ­
  und  anderer  sowie  die  Annahme  einer  gewissen  Stabilität
der  einzelnen  Bechnungsfaktoren  zugrunde  liegen.  Die  meisten  Kalkulationsimomente
  lassen  sich  nicht  mit  absoluter  Sicherheit  im  voraus
berechnen.  Eine  Verminderung  des  Bedarfes,  Preissteigerungen  von
Betriebsimaterialien  und  Rohstoffen,  technische  Verbesserungen,  Entstehung ­
  neuer  Konkurrenz  u.  v.  ä.  machen  die  besten  Berechnungen
zunichte.
Der  Gründungsplan,  teilweise  ist  es  ein  Betriebs-  und  Wirtschaftsplan, ­
  hat  unter  anderem  folgende  Elemente  in  das  Bereich
seiner  Berechnungen  zu  ziehen:
i.  Kapitalbedarf  und  -Beschaffung 2 ).  Die  Berechnungen  erstrecken ­
  sich  auf  das  Anlage-  und  das  Betriebskapital  unter  Be-')
  Vgl.  zu  diesem  Kapitel:  Haushofer,  Der  Industriebetrieb,  2.  Aufl.,  1904.
Krafft,  System  der  technischen  Arbeit.  1902.
’)  Vgl.  Wolff-Birkenhihl,  Die  Praxis  der  Finanzierung,  2.  Auf!.,
Berlin  1908;  meine  Privatwirtschaftslehre,  3.  Aufl.,  Berlin  1921,  Technik
der  Finanzierung.
        <pb n="310" />
        310

rücksichtigung  der  Verzinsung,  der  Abschreibungen  und  einer  annähernd ­
  bestimmten  Rentabilität.
Das  Anlagekapital  ist  durch  die  Größe  der  Anlage,  die
Einrichtung  des  Betriebes  bedingt  und  ist  verhältnismäßig  einfach
zu  berechnen  (Einforderung  von  Voranschlägen,  Ermittelung  des
Grundstückpreises).  Mitzurechnen  sind  die  Zinsenverluste  während
der  Bauzeit.
Die  Bedarfsberechnung  des  Betriebskapitals  hat  Größe
(Menge,  Preise),  Raschheit  des  Umsatzes  (kürzere  oder  längere
Kreditfristen),  Notwendigkeit  der  Lagerhaltung  von  Fabrikaten,  Art
des  Betriebes  (ob  auf  Bestellung  oder  auf  Lager  gearbeitet  wird),
Größe  der  Betriebskosten  eines  Jahres,  Erzeugnisdauer  eines  Fabrikates ­
  (während  dieser  Zeit  wird  das  Kapital  festgelegt),  die  Schnelligkeit ­
  der  Kapitalbildung  durch  Gewinn,  schließlich  alle  Faktoren,
welche  die  Höhe  der  Selbstkosten  beeinflussen,  zu  berücksichtigen.
Mit  zu  berücksichtigen  ist,  daß  der  Kapitalbedarf  sich  nach  und  nach
ein  stellt,  dann  der  Rückf  luß  des  Kapitals  durch  Verkauf  der  Produkte, ­
  Anzahlungen,  Einziehung'der  Kaufgelder  und  vorzeitige  Liquidierung ­
  durch  Diskont  der  Kundenwechsel.
Die  Frage  der  Kapitalbeschaffung  bezieht  sich  auf  das  Kreditkapital,
  d.  h.  jenen  Betrag,  welcher  nach  Deckung  des  Geldbedarfes
durch  eigenes  Kapital  als  Erfordernis  übrig  bleibt.  Der  Unternehmer
wird  sich  über  die  Größe  des  Kreditkapitals  sowie  Art  der  Beschaffung ­
  (durch  Verwandte,  Banken,  Aufnahme  eines  tätigen  oder
stillen  Teilhabers,  Ausgabe  von  Aktien,  Obligationen,  Sicherstellung
des  Leihkapitals  durch  Hypotheken,  Bürgschaften,  Beleihung  fertiger
Produkte  usf.)  entscheiden.
Eine  richtige  Bemessung  des  Kapitals  ist  notwendig.  Das  Anlagekapital ­
  wird  eher  geringer  sein  müssen;  denn  eine  zu  kleine
Betriebsanlage  läßt  sich  später  leichter  vergrößern,  als  eine  verhältnismäßig ­
  zu  große  verringern.  Eine  dem  tatsächlichen  Bedarf
angepaßte  nachträgliche  Regelung  der  Größe  des  Betriebskapitals
ist  verhältnismäßig  einfach,  wenn  der  Kredit  nicht  schon  zu  Anfang
überspannt  wurde.  Darauf  ist  zu  achten,  daß  stets  für  die  Beschaffung ­
  flüssiger  Mittel  der  nötige  Spielraum  bleibt,  um  unvorhergesehenen ­
  Geldbedarf  jederzeit  decken  zu  können.
2.  Produktions-,  .Verwaltungs-  und  Verkaufskosten,  die  unter
Annahme  eines  bestimmten  Umsatzes  entstehen.  Dabei  sind  zu  berücksichtigen ­
  :  ortsüblicher  Tagelohn,  Rohstoffpreise,  Art  des  Verkaufes, ­
  kurz  alle  Faktoren,  die  auf  die  genannten  Berechnungselemente ­
  bestimmend  einwirken.
3.  Umsatz.  Zunächst  die  Frage,  wie  groß  muß  der  Umsatz
sein,  wenn  eine  bestimmte  Rentabilität  erzielt  werden  soll.  Zu  erwägen ­
  sind:  Absatzmenge,  voraussichtlicher  Bedarf  und  dessen  Ent-
        <pb n="311" />
        311

Wicklungsfähigkeit,  Leistungsfähigkeit  der  Konkurrenz  (Produktionsfähigkeit, ­
  Arbeits-  und  Kapitalkraft),  Kaufkraft  der  Kundschaft  und
deren  Stabilität,  Art  des  zu  erzeugenden.  Artikels  (ob  Modewaren,
Saisonwaren,  Luxus-  oder  Bedarfsartikel  usf.),  Preisverhältnisse  (ob
vom  Markt,  d.  h.  von  Angebot  und  Nachfrage  abhängig,  Kreise  der
Konkurrenz'unter  Berücksichtigung  ihrer  besonderen  Produktionsund ­
  Absatzverhältnisse,  Schwankungen  der  Rohstoffpreise).
4.  Produktionsmenge,  die  erzeugt  werden  kann  oder  soll.  Die
einzelnen  Faktoren  des  Gründungs-  und  Betriebsplanes  stehen  in  so
inniger  Wechselwirkung  zueinander,  daß  einer  den  andern  mitbestimmt. ­

Daß  .Voranschläge  (Gründungspläne)  mitunter  ganz  schematisch
auf  gestellt  werden,  beweist  die  Gründungszeit  der  Calcium-Carbid-Industrie
  *).  Dort  bildet  die  Produktionsfähigkeit  der  Öfen  die  Grundlage ­
  des  Voranschlages.  „Tendenziöse  Reklam'e  der  bauausführenden
Firmen  und  Sorglosigkeit  brachten  es  mit  sich,  daß  die  Öfen  kaum
ein  Drittel  der  garantierten  Leistung  erreichten.  Die  Folge  war,
daß  für  einzelne  Werke  sich  die  tatsächlichen  Unkosten  der  ersten
Jahre  um  das  3,6  fache  der  ursprünglich  veranschlagten  Unkosten
erhöhten.“

Gründungsplan  und  Rentabilitätsberechnung  einer  Sandsteinfabrik ­
  m.  b.  H.
I.  Kapitalbedarf.
a)  Anlagekapital:  Maschinelle  Einrichtungen

einschließlich  Fracht  und  Montage  ....  Mk.  140000,—
Beleuchtungsanlage  6  000,—
Anschlußgleise  .  ;,  10  000,—
Unterführung  der  Eisenbahn  .......  ,,  12  000,—

Fabrikgebäude,  Kesseleinmauerung,  Schornsteine  „  30000,—
Unvorhergesehenes  (Sicherheits-Koeffizient)  .  „  18  000,—
Mk.  216  000  —
Grundstückwert  (davon  bleiben  64  000  Mk.  Pestkaufhypothek) ­

  •  ■  .  .  „  154  000,—
b)  Betriebskapital  „  60000,—

Kapitalbedarf  Mk.  430  000,

')  Nach  Wangemann.  Die  Oalcium-Caibid-Industrie,  Dresden  1904,  S.  33.
        <pb n="312" />
        312  —

II.  Finanzierung.
1.  Hypothek  der  Bank  auf  Fabrikanlagen  und
Grundstück  Mk.  170000,—
Davon  zur  Ablösung  des  Restkaufgeldes  64  000  Mk.
verwendet
2.  Hypothek  der  Maschinenfabrik  „  60000,—
Mk.  230000,—
Von  den  Gesellschaftern  aui'zubringende  Stammeinlagen
  „  200  000,—

Mk.  430000,—
Von  der  Stammeinlage  übernimmt
der  kaufmännische  Direktor  .  Mk.  50000,—
der  technische  Direktor  ...  „  50000,—
Unterzubringen  bleiben  .  .  ,,  100  000,—
Mk.  200  000,—

Aktiva

Gründungsbilanz.

Passiva

Grundstücke  .  .  .
Maschinen  etc.  .  .  .
Liquide  Mittel  .  .  .

.  .  .  154  000
.  .  .  198  000
...  78  000

Stammkapital  .  .  .
Hypotheken  .  .  .  .

.  .  .  200  000
.  .  .  230  000

430  000

430000

III.  Rentabilitätsberechnung.
Jahresproduktion  15  Mill.  Steine,  300  Arbeitstage  zu  12  Stunden,
zwei  Zwillingspressen  mit  einer  Tagesproduktion  von  zusammen
50000  Steinen.
Arbeitslohn:
7  Männer  (Heizer,Schlosser,Kesselarbeiter)  zu  3,50  Mk.  Mk.  24,50
6  Männer  an  den  Pressen  (Abnehmer,  Aufpasser)

zu  3,75  Mk  22,50
27  Männer  (Sandgräber,  Sandführer,  Entlader,  Einwerfer ­
  etc.)  zu  3,25  Mk.  .........  .  ,,  87,75
Mk.  134,75
I  Werkführer  Mk.  3000,—,  das  sind  pro  Tag  .  10,—
I I  Vorarbeiter  pro  Tag  5 ; —
Arbeitslöhne  pro  Tag  \  .  Mk.  149,75
Arbeitslöhne  pro  Mille  Steine  ....  Mk.  3,—
Kalk  und  Kohle  pro  Mille  Steine  ...  „  5,85

Direkte  Herstellungskosten  pro  Mille  Mk.  8,85
        <pb n="313" />
        313

Demnach  für  das  Jahr  300.50.8,85  Mit.  132  750,—
Abschreibungen  auf  Maschinen  10  o/o  von
156  000  Mk  „  15600  —
Abschreibungen  auf  Gebäude  5  o/o  von  42  000  .  .  ,,  2100,—
Schmieröl,  Beleuchtung  ,,  4  000,—
Reparaturen,  Unkosten  „  8  000,—
Versicherung,  Krankenkasse,  Steuern  .....  „  6  000,—
Mk.  168  450,—
Zur  Abrundung  (Sicherheits-Koeffizient)  ....  ,,  11  550,—
Selbstkosten  für  die  Jahresproduktion  ....  Mk.  180000,—
Selbstkosten  für  1000  Stück  Mk.  12,—
-f-  Bahnfracht  bis  Berlin  „  4,—
Mk.  16,—
Durchschnittlicher  Händlerpreis  netto  Kasse  (Verkaufspreis) ­
  -  „  25  —
Brutto-Gewinn  für  1000  Stück  Mk.  9,—
Gesamt-Bruttogewinn  für  15  Mill  Mk.  135  000,—

ab  Bureaukosten  Mk.  7  200,—
Gehälter  der  Direktoren  .  .  „  20000,—
5  o/o  Hypothekenzinsen  auf
170000  Mk  „  8  500  —
5  r/2  °/o  Hypothekenzinsen  auf
60000  Mk  „  3  300,—  ,;  39  000,—
Bleibt  R  eingewinn:  Mk.  96  000,—
In  der  sonst  recht  vorsichtig  aufgemachten  Berechnung  fehlt
die  Abschreibung  auf  den  Grundwert  für  Substanzverminderung.
Die  Absatzmöglichkeit  ist  nicht  weiter  erörtert.  Auch  fehlen
die  Nebenkosten  für  die  Kapitalbeschaffung  (Abschlußprovision,
Stempelkosten),  die  Gründungskosten  u.  a.  m.
Die  Berechnung  des  erforderlichen  Betriebskapitals ­
  wird  Aufwand  und  Deckungsmittel  einander  gegenüberstellen. ­
  Der  Aufwand  läßt  sich  in  seinen  einzelnen  Teilen  selten
genau  berechnen,  weshalb  eher  ungünstigere  Verhältnisse  anzunehmen
und  entsprechende  Sicherheitskoeffizienten  in  Ansatz  zu  bringen
sind.  Die  sachlichen  Umstände,  welche  den  Bedarf  beeinflussen,
wurden  angeführt.  Auch  die  Persönlichkeit  des  Unternehmers,  dessen
Geschicklichkeit  und  Umsicht,  sind  wichtige  Faktoren.
Zur  Deckung  des  Kapitalbedarfs  stehen  eigene  und  fremde  Mittel
zur  .Verfügung.  Die  Frage,  wie  eine  industrielle  Unternehmung
finanziert  wird,  soll  hier  nicht  weiter  erörtert  werden.  Das  Größen-
        <pb n="314" />
        314

Verhältnis  zwischen  Anlage-  und  Betriebsvermögen,  die  Bentabilität,
die  Kosten  der  Finanzierung,  ob  eine  Unternehmung  mit  konstantem,
schwankendem  oder  steigendem  Geldbedarf  zu  rechnen  hat,  und
viele  andere  Umstände  werden  die  Rechtsform  der  Unternehmung
und  die  Art  der  Beschaffung  des  .Kreditkapitals  bestimmen.  Die
Berechnung  der  Deckung  des  Betriebskapitals  wird  die  Möglichkeit
der  Geldkapitalzuschüsse  berücksichtigen  müssen,  z.  B.  die  [Vermehrung ­
  der  eigenen  Mittel  durch  neue  Kapitaleinlagen  des  Unternehmers, ­
  Aufnahme  von  Gesellschaftern,  die  Möglichkeit  der  Beschaffung ­
  von  .Verwandtschaftsdarlehn  und  Beteiligungskapital,  Zubußen, ­
  KachschußVerpflichtungen  etc.
Einige  Berechnungsbeispiele  mögen  die  bisherigen  Erörterungen
illustrieren.
Eine  Unternehmung  des  Warenhandels  rechnet  mit  einem  auf
das  Jahr  gleichmäßig  verteilten  Umsatz  von  800  000  Mk.,  davon
600000  Mk.  gegen  Kasse,  der  Rest  gegen  ein  Verkaufsziel  von
6  Monaten.  Der  durchschnittliche  Bruttogewinn  betrage  25  o/o  vom
Umsatz,  der  durchschnittliche  Lagerbestand  250000  Mk.,  Lieferantenziel ­
  3  Monate,  Geschäftsspesen  60  000  Mk.  in  ungefähr  gleichmäßiger
Verteilung  auf  das  ganze  Geschäftsjahr 1 ).
Umsatz  800  000
200000  25o/o  Bruttogewinn,
600000  Mk.  Einkaufspreis  der  Verkäufe.
Beim  Einkaufsziel  von  3  Monaten  ist  der  durchschnittliche!
Kreditorenbestand  150000  Mk.  Die  Zeit  des  größten  Geldbedarfs
ist  die  Mitte  des  Jahres  (6  Monate),  wenn  die  Abnehmer  die  ersten
Zahlungen  leisten;  für  das  Ende  dieser  Zeit  stellt  sich  die  Berechnung ­
  wie  folgt:
1.  Kapitalbedarf  Lagerbestand  .  .  Mk.  250  (Tausender)
Außenstände  zum  Einkaufspreis  berechnet
(100  -H-25  o/o)  „  75
Unkostenanteil  .  .  ,,  30
Mk.  355
2.  Deckung  des  Kapitalbedarfs:  Kreditoren
(die  Warenlieferungen  des  ersten  Quartals
sind  bezahlt)  Mk.  150
Gewinn  aus  Barverkäufen  (300  zu  25o/o)  .  „  75  Mk.  225
Das  erforderliche  Betriebskapital  beträgt  Mk.  130.
')  Nach  der  Zeitsehr.  f.  handelsw.  Forschung,  IV.  Jahrg.,  S.  55.  Vgl.  auch
Prinzhorn,  Die  finanzielle  Führung  kaufm.  Geschäfte  und  Unternehmungen.
Berlin  1902.
        <pb n="315" />
        315

Die  Bilanz  für  diesen  Zeitpunkt.

Warenlager  ....

....  250

Kreditoren

...  150

Forderungen  ....

....  100

Betriebskapital  .  .  .

...  130

Gewinn

...  70

Die  Richtigkeit  der  Berechnung  kann  durch  folgende  Aufstellung
bewiesen  werden:

Bareinnahmen  aus  Barverkäufen  300
Bareinnahmen  durch  Einziehen  der
Forderungen  —

Gesamteinnahmen  300
Es  fehlen  an  Bargeld  ....  130

Ausgaben  für  Unkosten  ....  30
Ausgaben  für  Lagereinkäufe  .  .  250
Ausgaben  für  Warenbezüge  des
1.  Semesters  .  .  .  .  ■  ■  .  150
Gesamtausgaben  430

In  den  ersten  drei  Monaten  des  Geschäftsjahres  ist  der  Einnahmeüberschuß ­
  45  (Barverkäufe  Unkosten),  im  vierten  Monat
beginnen  die  Zahlungen  an  die  Lieferanten  für  die  Warenbezüge  des
ersten  Monats  und  die  Bezahlung  des  Lagervorrates.  Demnach  ein
Geldbedarf  von  250  -j-  50  -j-  5  (Spesen)  ~  Geldvorrat  135  =  120.  Im
fünften  und  sechsten  Monat  stehen  50  Geldeinnahmen  55  Geldausgaben ­
  gegenüber  (Lieferanten  50  -f-  Unkosten),  also  ein  Bargeldminus ­
  für  beide  Monate  von  10.  Demnach  muß  der  Betriebsfonds  Ende
des  sechsten  Monats  130  Mk.  sein.  Im  siebenten  Monat  beginnen
die  Zahlungen  der  Kunden  mit  durchschnittlich  16  2 / 3 ,  der  Einnahmeüberschuß ­
  von  11 2 / 3 ,  d.  h.  der  Gesamtüberschuß  der  sechs
Monate  ist  70.
Die  Berechnung  des  Kapitalbedarfs  ist  natürlich  wesentlich
schwieriger,  wenn  Einnahmen  und  Ausgaben  für  die  einzelnen
Monate  schwanken.  Stets  ist  die  Berechnung  für  die  ungünstigste
Zeit,  d.  h.  für  das  Maximum  des  Geldbedarfs  aufzustellen.
Im  gegebenen  Beispiel  ist  bei  dem  durchschnittlichen  Lagerbestand ­
  von  250  und  einem  Umsatz  von  600  (Einkaufspreis)  der
Umschlagskoeffizient  (600:250)  =  2,4,  die  Umschlagsdauer ­
  der  Waren  (365:2,4)  152  Tage.  Die  durchschnittliche  Kreditfrist ­
  bei  den  Kreditoren,  d.  i.  die  Zeitspanne  zwischen  Wareneingang ­
  und  Geldausgang,  ist  90  Tage.  Ebenso  groß  ist  die  Zeitspanne
zwischen  Geldausgang  (Kreditorenzahlung)  und  Geldeingängen  durch
Einziehen  der  Forderungen.  Zwischen  Warenausgang  durch  Verkauf
und  dem  Geldeingang  durch  Zahlung  der  Debitoren  liegt  ein  sechsmonatlicher ­
  Zwischenraum.
        <pb n="316" />
        1

316

Erweiternngsvoranschläge.
§  69.  In  dem]  Beispiel  des  §  68  wurde  die  Gründungs-  und
Ertragsberechnung  einer  erst  zu  errichtenden  Unternehmung  gezeigt. ­
  Im  folgenden  Fall  will  eine  bereits  bestehende  Unternehmung
einen  neuenArtikel  erzeugen  und  zu  diesem  Zwecke  die  maschinellen. ­
  Anlagen  erweitern.  Angenommen  wird  ein  fester  Auftrag
auf  eine  bestimmte  Menge  eines  Artikels  besonderer  Konstruktion,
Wert  des  Auftrags  rund  3  Mill.  (1915).
1.  a)  Die  Betriebsingenieure  ermitteln,  daß  etwa  200  Maschinen,
hauptsächlich  Fräsmaschinen  zu  einem  Durchschnittspreis  von
1900  Mk.,  zusammen  ein  Aufwand  von  380  000  Mk.  erforderlich  ist.
Die  Berechnung  des  Maschinenkapitals  ist  nach  oben  abgerundet  und
mit  angemessenen  Sicherheitsfaktoren  veranschlagt.
b)  Für  den  Werkzeugbau  sind  etwa  26  Maschinen  notwendig,
Durchschnittspreis  der  Maschinentype  etwa  3500  Mk.,  zusammen
91000  Mk.
c)  Einrichtungskosten  der  Werkstätte  etwa  9000  Mk.
d)  Der  erforderliche  Baum  (zur  Aufstellung  der  Maschinen,  für
die  Werkstätten,  Montagerjäume,  Betriebsbureau,  Kleiderablage  der  Arbeiter) ­
  ist  etwa  2000  qm.  Für  die  Aufstellung  der  Maschinen,
Einrichtung  der  Fabrikation  und  andere  vorbereitende  Arbeiten
werden  10  Monate  angesetzt,  für  die  eigentliche  Fabrikation,  d.  h.
für  die  Erledigung  des  Auftrages  sind  etwa  14=  Monate  erforderlich.
Als  Mietspreis  werden  10  Mk.  pro  qm  jährlich  angenommen,  für
2  Jahre  somit  40000  Mk.
2.  a)  Für  die  Fabrikation  sind  an  Beamten  erforderlich:
1'  Oberingenieur  Mk.  10000
1  Obermeister  ,,  5  000
3  Meister  „  12  000
15  Vorarbeiter  „  54  000
I  Lagerverwalter  ,,  3  600
1  Expedient  .  „  3  000
zusammen  Mk.  87  600
abgerundet  auf  Mk.  88  000.
Zur  Deckung  der  allgemeinen  Unkosten  während  der  Vorbereitungszeit ­
  (hier  mit  9  Monaten  angenommen),  zl  B.  Zwangsversicherung, ­
  Bureaubedarf,  Licht  usw.,  werden  100  o/o  für  das  Jahr,
also  gut  auskömmlich  in  Ansatz  gebracht,  auf  88  000  Mk.,  demnach
750/0-  =  66  000  Mk.
b)  Nach  Beschaffung  der  Maschinen  unter  1.  treten  die  Werkzeugmacher ­
  in  Tätigkeit.  Die  Vorbereitungszeit  wird  mit  7  Monaten
reichlich  bemessen  sein.  Erforderlich  sind:  8  Dreher,  2  Fräser,
        <pb n="317" />
        2  Rundschneider,  2  Hobler,  6  Werkzeugmacher,  zusammen  20  Mann
mit  einem  durchschnittlichen  Wochenverdienst  von  72  Mk.,  in  30
Wochen  =  43  200  Mk.  -f-  100°/o  Unkosten,  zusammen  86  400  Mk.
c)  Mit  etwa  70  Arbeitern  können  in  Tagesschicht  täglich  35
Stück  des  bestellten  Artikels  hergestellt  werden.  Bei  der  Aufnahme
eines  neuen  Fäbrikationszweiges  ist  die  Anfangsarbeit  erfahrungsgemäß ­
  stets  Unkosten-,  d.  h.  unproduktive  Arbeit.  Wir  nehmen
eine  Anlernungszeit  von  6  Wochen  an  =  420  Lohnwochen;  demnach
als  Unkosten  zu  rechnen,  bei  einem'  durchschnittlichen  Wochenverdienst ­
  von  42  Mk.,  mit  17  640  Mb.  -f-  100o/ o  Unkosten,  zusammen
35  280  Mk.
3.  Für  Lehren,  Feilen,  Schmirgel  usw.  werden  20000  Mk.  als
ausreichend  angesehen.
Zusammenstellung  der  Kosten.
a)  Maschinen,  mit  50  o/o  abgeschrieben
b)  Werkzeugmaschinen,  desgl.
c)  Einrichtung  100  o/ 0
d)  Miete
a)  Gehälter-f-75o/o  .  .
b)  Werkzeugmacher  .  .
c)  Einarbeitung  ....

1.

Mk.

190  000
45  500
9  000
40000
154000
86  400
35  280

Unkosten:  Mk.  560180
Es  entstehen  ohne  Rücksicht  auf  Materialkosten,  bei  einem  Aufträge ­
  auf  10000  Stück  bereits  56  Mk.  Unkosten,  ehe  ein  Stück  zur

Rechnet  man  Werkstoffbosten  mit  .

Mk.

18

Löhne  in  laufender  Fabrikation  .  .

45

200  0/0  Unkosten  (des  Betriebes)  .  .

90

Unkosten  der  Vorbereitung  .  .  .

56

Selbstkosten  etwa

Mk.

209

Brutto-Gewinn,  43 1 / 2  %

&amp;gt;&amp;gt;

91'

Lieferpreis)

Mk.

300

Bei  der  Neuaufnahme  einer  Fabrikation  kommt  außer  den
Einarbeitungskosten  noch  der  Ausnutzungsgrad  der  Neuanlagen ­
  als  wesentliches  Preisbestimmungsmoment  in  Frage.  Ist
mit  einer  fortlaufenden  Fabrikation  zu  rechnen,  genügt  die  Einrechnung ­
  der  normalen  Abschreibung  und  Verzinsung  des  Anlagekapitals. ­
  Ist  die  Auftragsmenge  begrenzt,  sind  Wiederholungen  der
Aufträge  nicht  zu  erwarten,  muß  eine  entsprechende  Verteuerung
der  Selbstkosten  eintreten,  weil  der  Divisor  auf  das  Anlagekapital
—  abzüglich  Schrotwert  und  Wieder  Veräußerungsmöglichkeit  —
kleiner  wird.  In  der  folgenden  Preisstaffelung  (Waffenindustrie)
        <pb n="318" />
        318

kommen  diese  Verhältnisse  klar-  zum  Ausdruck.  Die  Anschaffungskosten ­
  für  Neubauten,  Werkzeuge  usw.  belaufen  sich  auf  etwa
1  Mill.  Mark:
Stück,  Preis  das  Stück  Mk.  3  000  1  .  ,,  ...
o  roh  I  einschl.  Umarbeitung
j&amp;gt;  &amp;gt;1  ^  OUU  )
„  2200
„  1900
„  „  1800
1700
..  1500
..  1300
Wenn  man  einen  neuenArtikelfüreine  Massenfertigung ­
  auf  nimmt,  hierfür  Werkzeuge  und  Werkzeugmaschinen  beschafft, ­
  so  wird  das'  Verhältnis  zwischen  Einrichtungszeit
und  Ausnutzungszeit  ganz  wesentlich  die  Selbstkosten  beeinflussen. ­
  Sie  werden  beispielsweise  für  eine  Menge  von  100  000  Stück
verhältnismäßig  größer  sein  als  für  300  000  Stück,  weil  die  ersten
Kosten  (Einrichtungs-  und  Anlagekosten)  sich  auf  eine  verhältnismäßig ­
  geringe  Produktionsmenge  und  Produktionszeit  verteilen.
Selbst  innerhalb  der  Fertigungsdauer  müssen  die  Stücke-Selbstkosten
zu  Beginn  der  Fabrikation  erheblich  größer  sein  als  in  einem  späteren
Zeitraum,  wenn  die  Fabrikation  läuft,  Betriebserfahrungen  vorliegen
und  die  Werkzeugmaschinen  auf  ;die  Massenproduktion  eingestellt
sind.  Der  anfängliche  Stückakkordsatz  wird  gewöhnlich  zu  hoch
geschätzt,  die  Produktivität  der  Arbeiter  ist  geringer,  der  Anteil
an  den  festen  Kosten  entsprechend  größer.
FürdieSelbstkostenberechnungneueingeführter
Massenfabrikation  ist  der  Zeitpunkt  der  Kostenbestimmung ­
  für  das  Endergebnis  wesentlich.  In
einem  zu  frühen  Zeitpunkt  werden  die  Selbstkosten  zu  hoch,  über
normal  erscheinen.  Ein  Beispiel:  Die  Auftragsmenge  ist  260000
Stück,  die  Kostenberechnung,  als  Nachberechnung,  erfolgt  nach  Ablieferung ­
  von  21  000  Stück  und  nach  Fertigung  von  75  000  Stück,
die  Höchstleistung  ist  erreicht,  eine  Steigerung  nicht  mehr  möglich.
Dem  Preisangebot  liegt  eine  Vorkalkulation  zugrunde,  nach
betriebswirtschaftlichen  Erfahrungen  und  theoretischen  Berechnungen ­
  (für  die  Akkordlöhne)  ermittelt.  Die  Preisvereinbarung  erfolgt ­
  auf  Grund  der  Nachberechnung,  der  die  bisher  bezahlten ­
  Akkordlöhne,  Materialkosten:  und  die  normalen  Unkostenzuschläge ­
  zugrunde  gelegt  werden.  Der  Lieferpreis  wird  für  die
Restlieferung  festgelegt,  Kostenschwankungen  gehen  zu  Lasten  oder
zugunsten  des  Lieferers,  der  naturgemäß  mit  einer  gewissen

400
700
1000
2  000
3  000
5  000
10  000
15  000
        <pb n="319" />
        319

Kostenreserve  kalkulieren  muß.  Nach  Auslieferung  soll  eine
Ertragsberechnung  für  die  Gesamtmenge  stattfinden,  die  tatsächliche ­
  Ausgaben  und  Einnahmen  einander  gegenüberstellt.  Reicht
die  Fertigungsdauer  noch  in  das  nächste  Betriebsjahr,  muß  für  die
Zwecke  der  Inventurberechnung  eine  Zwischenberechnung
der  bisher  entstandenen  Kosten  der  in  Fertigung  befindlichen,  der
fertigen,  aber  noch 1  nicht  abgelieferten  Stücke  vorgenommen  werden.
In  der  Serienfabrikation,  z.  B.  \Motore,  Kraftwagen,  werden  die
Kosten  häufig  für  die  einzelnen  Serien  von  25  oder  50  Stück  kalkuliert ­
  (Serienberechnung).
Ein  Beispiel  aus  dem  Leben.  Es  werden  zwei  Kostenberechnungen ­
  für  je  sechs  Monate  einander  gegenübergestellt:  Die
erste  (I.)  aus  der  Zeit  vom  Beginn  der  Erzeugung  (nach  Fertigstteilung ­
  der  Neuanlagen)  bis  zur  Erreichung  der  mittleren
Monatsleistung  (Anfangsperiode  init  ihren  technischen  Schwierigkeiten ­
  bei  der  Einarbeitung  der  Arbeiter  und  Maschinen).  Die  zweite
(II.)  aus  der  Zeit  der  anschließenden  Normalleistung  mit  fortlaufenden
Fabrikation,  aber  ohne  Erreichung  der  Höchstleistung  von  300  t
monatlich:  Abschreibungen  auf  die  Anlagen  sind  nicht  eingerechnet.

I  II
Monatliche  Durchschnittsleistung ­
  92,41  280  t
Löhne  (Stundenlohn,  1918)  100,—  Mk.  54,15  Mk.
Betriebs-  und  Handlungsunkosten ­
  160,25  „  (160%)  91,68  „  (169%)
Materialien  165,77  „  165,77  „
426,02  Mk.  311,60  Mk.
15%  Verwaltungskosten  63,90  „  46,75  „
für  100  kg  489,92  Mk.  358,35  Mk.
Lieferpreis  560,—  Mk.  420,—  Mk.

Bei  einer  Steigerung  der  Produktionsmenge  um  203  o/o  (92,4  t
=  100o/o)  sinkt  der  Selbstkostenpreis  um  27o/o,  die  Lohnkosten
allein  fallen  um  46  o/o 1 .
In  welchem  Grade  die  Unkosten  fozw.  die  Einarbeitungskosten ­
  die  ersten  Monate  der  Fertigung  eines  neuen  Artikels  belasten, ­
  ist  im  folgenden  praktischen  Beispiel  der  Metallbearbeitung
ersichtlich  gemacht.  Die  Arbeitslöhne  der  ersten  Produktionsmonate
sind  hauptsächlich  solche  für  die  Herstellung  von  Werkzeugen  und
Einrichtungen  (es  handelt  sich  um  Eisenzünder,  1918):
        <pb n="320" />
        -

320

—

1.  Monat

778o/o

Unkosten

2-  „

580  „

5)

3.  „

438  „

4.  „

394  „

n

5-  „

320  „

6.

292  „

7-  „

251  „

&amp;gt;&amp;gt;

8-  „

253  „

*  3  J

Im  Anschluß  an  die  vorhergehende  Vergleichsreehnung  soll
die  Berechnung  eines  angemessenen  Kaufpreises  für  ein
angrenzendes  Grundstück  gezeigt  werden,  das  die  Fabrik  zwecks
Neubaues  einer  Maschinenwerkstätte  erwerben  will
(1917).  Das  Grundstück  hat  laut  Katasterauszug  eine  Fläche  von
11144  qm;  bei  einer  Bebauung  nach  dem  festgesetzten  Fluchtlinienplan ­
  muß  ein  Geländestreifen  von  2139  qm  als  Straßenland  abgetreten ­
  werden,  sonstige  bauliche  Beschränkungen  hinsichtlich  der
Flächenausnutzung,  abgesehen  von  baupolizeilichen  Vorschriften,  bestehen ­
  nicht.
(
I.  Berechnung  des  Ertrags  wertes.  Nach  den  zur  Zeit
des  beabsichtigten  Erwerbes  in  Frage  kommenden  Verhältnissen
(1917)  ist  die  für  die  Abschätzung  des  Wertes  in  Frage  kommende
günstigste  Ausnutzung  die  Bebauung  mit  kleinen  Wohnungen  (2  Zimmer, ­
  Kammer,  Küche,  Bad)  mit  einer  Grundfläche  von  rund  80  qm
mit  Einschluß  sämtlicher  Nebenräume.  Der  jährliche  Zimmerpreis
kann  mit  250  Mk.  für  das  Jahr  eingesetzt  werden.  Nach  Abzug
des  abzutretenden  Straßengeländes  bleibt  eine  Fläche  von  (11144
-f-  2139  —)  9005  qm.  Nach  der  baupolizeilichen  Verordnung  der
betreffenden  Stadt  gehört  das  Baugelände  zur  Bauklasse  II,  d.  h.
es  kann  mit  60  o/o  und  mit  4  bewohnbaren  Geschossen  bebaut  werden.
Die  zulässige  Bebauung  beträgt  somit  (9005.06  =)  5403  qni  =
/5403  \
(  gQ  =  )  68  Wohnungen  rund  in  jedem  Geschoß,  im  ganzen
(68.4  =)  272  Wohnungen  =  544  Zimmer  einschließlich  Nebenräume. ­
  544  Zimmer  zu  250  Mark  geben  einen  Ertragswert  von
Mk.  136  000
abzüglich  18  o/o  Unkosten  „  24  480
bleiben  Mk.  111520.
Diese  Summe  mit  5  o/o  verzinst  und  kapitalisiert  gibt  einen  Kapitalwert ­
  des  Grundstückes  von  2  230400  Mk.
        <pb n="321" />
        321

Lei  in  er,  Selbstkostenberechmmg.  7.  Aufl.

21

II.  Berechnungder  Baukosten:
a)  Infolge  der  Tiefenlage  des  Grundstückes  zur
Strajße  ist  für  das  nicht  bebaute  Gelände  eine  Aufhöhung ­
  von  2 1 / 2  m  erforderlich.  T  cbm  kostet
etwa  2,5  Mk.  Kosten  insgesamt
[(9005  qm  5403).  2,5.  2,5  =]  .  .  .  Mk.  22  513,—

b)  Kosten  für  die  Aufhöhung  des  Straßenstreifens ­
  rund  2139  qm  um  2 1 / 2  m  =  .  .  .  .
c)  Der  tragfähige  Baugrund  liegt  rund  10  m
unterhalb  des  jetzigen  Geländes,  der  Grundwasserstand ­
  übersteigt  zeitweise  die  jetzige  Geländeoberfläche, ­
  so  daß  neben  der  künstlichen  Gründung
noch  eine  Grundwasserabdichtung  für  die  Keller
in  Betracht  kommt;  Kosten  etwa-  45  Mk.  je  qm,
Gesamtkosten  (5403.45  =)
d)  Bebaute  Fläche  5403  qm,  Gehäudehöhe
17  m,  umbauter  Baum  =  91  851  qm,  Baukosten,
durchschnittlich  17,50  Mk.  für  1  qm,  insgesamt  .
e)  Anliegerbeiträge  für  Straßenland  von  190  m
zu  200  Mk.  =
Gesamtbaukosten  (a  —(—  b&amp;gt;  —}—  c  —j—  d.  —|—  e  =)
f)  Baugeldverzinsung  während  des  Baujahres
Gjp/ö',  berechnet  für  ein  halbes  Jahr  Bauzeit  .  .  .
Baukosten  im  ganzen
III.  Ertragswert  nach  I
minus  Baukosten  nach  II
-4-  Zinsverluste  bis  zur  Bebauung  des  Grundstückes ­
  nach  1.,  hier  mit  fünf  Jahren  angenommen,
5V 3 .°/o
Grundstücks  wert
für  11144  qm.  Für  1  qm  16,16  Mk.;  ein  Preis
erscheint  demnach  angemessen.

13'368,75

243  135  —

„  1  607  392,50
„  38  000—
Mk.  1924  409,—
57  731',-Mk.
  1982140,—
„  2230400  —
„  F  982  140,—
Mk.  248  260,—
„  66  203,-Mk.
  T82  057,—
von  16—17  Mk.
        <pb n="322" />
        VII.  Abschnitt.

Selbstkostenberechnung  in  einzelnen
G  e  werbegruppen.
Die  Kalkulation  in  der  Textilindustrie.
Literatur:  Geiersbach,  Die  Fabrikbuchhaltung.  Außig  1897.  Bittner,
Fabrikbuchhaltung  für  Webereien.  Wien  1902.  Heiser,  Betriebs-  und  Warenkalkulation ­
  für  Textilstoffe  unter  Berücksichtigung  der  Wollwaren.  Leipzig
1903.  Sch  am  s,  Webereikalkulation,  4.  Aufl.  Leipzig  1907.  Br  enger,  Die
Einrichtung  einer  modernen  Buntweberei  und  die  Grundlagen  für  die  Ermittlung
der  Selbstkosten  für  Buntwaren.  Düsseldorf  1911.  Boetzkes,  Seidenwarenproduktion ­
  und  Seidenwarenhandel  in  Deutschland.  Tübingen  1909.  Ephraim,
Organisation  und  Betrieb  einer  Tuchfabrik.  Tübingen  1910.  In  der  Zeitschrift
für  handelsw.  Forschung,  3.  Jahrg.,  S.  493  f.  (Schütz,  Kalkulation  einer  Leinenspinnerei ­
  und  -Zwirnerei);  S.  517  f.  (Klußmann,  Kalkulation  von  Jutegarn,
-gewoben  und  -Säcken);  S.  551  f.  (Bexroth,  Kalkulationsbeispiele  aus  der
Weberei.)
Vgl.  auch  S.  79,  89,  98,  108  f.  dieses  Buches.
Auch  die  Textilindustrie  weist  hinsichtlich  der  Einzelheiten
in  der  Selbstkostenberechnung  mannigfache  Unterschiede  auf.  „Es
bestehen  fast  so  viele  Einzelkalkulationsmethoden  als  es  Fabriken
gibt.  Fast  jeder  Fabrikant  hat  darin  einen  kleinen  Unterschied  von
seinem  Nachbar  und  fast  jeder  glaubt,  die  beste  Methode  selbst
zu  haben.“  (Reiser,  a.  a.  O.  S.  135.)  Schon  die  Feststellung
des  Gewichts  der  verbrauchten  Rohmaterialien  wird  nach  verschiedenen ­
  Methoden  gehandhabt:  In  Webereien  beispielsweise  berechnet ­
  man  die  Kette  aus  der  Fadenzahl  und  der  Garnnummer,
unter  Anrechnung  eines  Prozentsatzes  für  Abfälle,  ohne  Rücksicht
darauf,  daß  die  Garnnummern  nicht  immer  stimmen,  die  Maße  nicht
immer  der  Wirklichkeit  entsprechen.  Die  fertige  Kette  wird  gewogen, ­
  wenn  sie  vom  Scheren  kommt,  unter  Berücksichtigung  der
Abfallprozente  und  des  Gewichts  des  Scherbaumes.  Die  Kette  wird
gewogen,  wenn  sie  geleimt  und  getrocknet  ist,  unter  Abzug  von
Prozenten  für  Leim  und  Schlichte.  Das  fertig  appretierte  Stück
        <pb n="323" />
        323

21*

wird  gewogen,  wobei  der  Gewichtsverlust  in  der  Weberei  und  Appretur ­
  genau  bekannt  sein  muß.  Welche  dieser  Methoden  richtig  ist,
darüber  haben  sich  die  Fachleute  zu  unterhalten.  Hier  interessiert  in
der  Hauptsache  die  Verteilung  der  Generalunkosten.
Man  verteilt  die  Zusatzkosten  lediglich  nach  dem  Gewicht,
nach  dem  Maß,  der  Menge  oder  dem  Flächeninhalt  der
Fabrikate,  z.  B.  in  Webereien,  Spinnereien,  und  dividiert  einfach
die  Jahressumme  aller  Unkosten  durch  die  Produktion.  Man  nimmt
also  auf  die  Feinheit  der  Zwirne,  Garne  etc.  keine  Rücksicht,
differenziert  die  Kostenanteile  der  Fäbrikatsgruppen  nicht  und  ermittelt ­
  einfach  und  bequem,  aber  unrichtig  einen  Durchschnittskostenpreis ­
  der  Mengen-,  Gewichts-  oder  Maßeinheit.  Oder  man
greift  einige  Unkosten,  z.  B.  Lohn-  und  Materialunkosten  heraus,
verteilt  sie  nach  der  Länge  der  Fertigfabrikate  und  den  Rest  der
Unkosten  nach  dem  Gewicht,  wobei  nicht  einzusehen  ist,  in  welchem
ursächlichen  Zusammenhang  die  Verteilungsmaßstäbe  zur  Proportionalität ­
  der  Unkosten  stehen.  Solche  summarische  Kalkulationen
sind  richtig,  wenn  eine  Fabrik  stets  die  gleiche  Produktion  erzielt,
gleich  nach  Menge  und  Qualität,  so  daß  der  Kostenanteil  der  Produktionseinheit ­
  Schwankungen  nicht  unterworfen  ist.  Produziert
der  Unternehmer  mehr  als  das  Normale,  verringern  sich  die  wirklichen ­
  Selbstkosten  gegenüber  den  berechneten.  Bei  günstiger  Konjunktur ­
  kann  der  Produzent  zu  Normalpreisen  verkaufen  und  trotzdem ­
  einen  Mehrgewinn  erzielen,  bei  Absatzvergrößerung  hingegen
kann  er  den  Überschuß  über  die  normale  Produktion  zu  billigeren
Preisen  abgeben  (vgl.  Differentialkalkulation).
In  Webereien  versucht  man  eine  Differenzierung  der
Unkostenzuschläge  mit  Rücksicht  auf  die  Verschiedenheit
der  Ware,  indem  man  die  Rohstoff  kosten  sowie  die  Arbeitskosten,
diese  nach  Arbeitsstadien  getrennt,  berechnet,  für  die  Ergänzungskosten ­
  aber  einen  Aufschlag  pro  Meter  Fertigware  anrechnet, ­
  der,  wenn  er  verhältnismäßig  richtig  sein  soll,  nach  Art
der  Ware,  ob  einfacher,  schwieriger,  hochschäftiger,  Verschieden
sein  muß.  Der  Aufschlag  bleibt  ein  gefühlsmäßiger  Schätzungswert, ­
  der  nicht  rechnerisch  auf  seine  Richtigkeit  geprüft  wird.
Andere  Betriebe  berechnen  einen  durchschnittlichen  Prozentaufschlag ­
  auf  die  direkten  Herstellungskosten  oder
rechnen  verschiedene  Prozentaufschläge,  welche  die  Art  der  Ware,
wie  beim  Meteraufschlag,  oder  den  Verkaufswert  berücksichtigen,
dergestalt,  daß  die  bessere  und  teure  Ware  einen  größeren  Kostenzuschlag ­
  zu  tragen  hat.  Wiederum  andere  Fabriken  verteilen  die
Ergänzungskosten  nur  nach  der  Höhe  der  Fabrikationslöhne,  ohne
Rücksicht  darauf,  daß  ein  Teil  der  Unkosten  nicht  den  Arbeitskosten
proportional  ist.
        <pb n="324" />
        324

Es  gibt  in  der  Praxis  Kalkulationsmethoden,  die  auf  die  Berechnung ­
  der  Erzeugungskosten  der  einzelnen  Produktionsstellen
(Arbeitssäle)  verzichten,  die  Fabrikation  kalkulatorisch  als  eine
Einheit  auffassen,  den  Gesamtaufwand  durch  die  Gesamtproduktion ­
  dividieren.  Dieses  Verfahren  verstößt  gegen  die  einfachen ­
  Grundsätze  der  Kalkulationslehre.  Bei  der  Berechnung  der
Einzelkosten  der  Arbeitsprozesse  verteilt  man  die  Zusatzkosten
nach  dem.  Gewicht  der  Stühle  und  für  die  Arbeitsstunden,  differenziert ­
  also  die  Stundenaufschläge,  indem  man  der  Breite  der
Stühle,  bzw.  des  Gewebes,  mittelbar,  einen  Einfluß  auf  den  Kostenanteil ­
  einräumt.

Eine  mechanische  .Weberei ] )  besitzt  442  einschützige
glatte  Stühle,  178  Wechselstühle.  Die  Anlagen  (Maschinen,  Transmissionen) ­
  stehen  mit  Mk.  288  017,—,  Liegenschaften  und  Gebäude
mit  Mk.  196  142,—  zu  Buche.

Die  monatlichen  Unkosten  erfordern:
5  o/o;  Abschreibung  auf  Maschinen
1 4 %  „  „  Liegenschaften
2&amp;lt;&amp;gt;/o:  „  „  Gebäude
5„°/o  Zinsen  auf  das  Anlagekapital
ö.o/o  ,,  ,,  „  Betriebskapital  (300  000)
Verwaltung
Bauunterhaltung  .  1  .  .
Maschinen-  und  Geräte-Unterhaltung
Versicherung,  Steuern
Dampf  .
Gas
Meister,  Bobinenfahrer,  Spulenabgabe
Gehilfen
Stückschreiber  und  Nachseher  .
Putzerinnen,  Näherinnen
Betriebslöhne  für  Schlosser,  Schreiner,  Heizer,
Knechte,  Taglöhner,  Packer
Schlichtmaterial  ............
zusam’men

Mk.

1200,07

80,-166,90



2  017,43

1250,—

1763,30

360,60

1586,50

647,—

1261,20

&amp;gt;1

288,05

1571,70

214  —

374,10

243,20

1293,50

&amp;gt;&amp;gt;

570  —

Mk,  14  887,55

Das  Betriebsjahr  umfaßt  303  Arbeitstage  z,u  je  11  Arbeitsstunden, ­
  von  deren  Gesamtzahl  55  Stunden  für  früheren  Schluß  der
Arbeitszeit  am  Tage  vor  Sonn-  und  F'eiertagen  abgehen.  Es  verbleiben ­
  ([303  X  11]  —55):  12  für  den  Monat  —  gleichmäßiger  Betrieb ­
  vorausgesetzt  —  273  Betriebsstunden.  Auf  1'  Arbeitsstunde
entfallen  somit  Mk.  54,53 s  Betriebsunkosten.

*)  Vgl.  Österreichs  Wollen-  und  Leinen-Industrie,  1903.
        <pb n="325" />
        Nun  müssen  diese  Kosten  auf  die  einzelnen  Maschinen  verteilt
werden.  Die  Weberei  hat  im  Betrieb:

418

einschützige  Stühle  100

cm

breit  zu  9  Zentner

'  fl  &amp;lt;D
fl  1  ©  H3

7,831

24

77  77

120

7?

77

»  10

77

fl
i«  -{3  &amp;lt;d  •

8,701

66  Wechselstühle

105

&amp;gt;7

7?

„  12

•  77

10,441

34

77

145

77

77

»  14

77

.  -p  ®  n

12,181

24

&amp;gt;7

125

77

77

„  15

77

s-S

13,052

4

75

160

77

7?

„  16

77

13,922

8

77

165

77

77

»  16

77

T-f  «H  ©  fl  O

13,922

16

77

180

77

77

„  17

77

00*©  fl  —  '®

14,792

22

77

200

7?

77

„  18

77

tf-al-g«

15,662

4

77

240

77

77

„  24

77

20,882

TJ
fl
3

42
■3

Die  Verteilung  der  Unkosten  soll  nach  dem 1  Stuhlgewicht  erfolgen ­
  :  dieses  beträgt  für  620  Stühle  nach  obiger  Aufstellung  6586
Zentner;  wenn  täglich  30  Stühle  außer  Betrieb  sind,  so  sind  die

Kosten  auf  insgesamt

6586  X  590
620

6267  Zentner  zu  verrechnen.

Auf  1 :  Zentner  Stuhlgewicht  entfallen  (5453:6267)  0,8701  Pfg.  Betriebskosten ­
  für  1  Arbeitsstunde.

Die  Benutzung  der  Stundenaufschläge  ist  folgende:  Z.  B.  für
137  cm  rohe  Damaste  22/24  Fäden  aus  24/26  Garn  verbraucht  man:

Material  Mk.  37,95
Spulen,  Zetteln,  Schlichten,  Andrehen ­
  ..........  „  2  50
Weblohn  .  ’,  7’—
35  Stunden  Arbeit  auf  145cm
breiten  Stühlen  zu  12,181  Pfg.
Betriebskosten  .  ,,  6,70
Herstellungskosten  für  100  m’  Mk.  54,15
ausschließlich  der  Handlungs-  und  Verkaufsspesen.
In  Webereien  trennt  man  die  Kosten  nach  Arbeitsprozessen
und  verteilt  die  allgemeinen  Unkosten  gewöhnlich  nach  den  Webelöhnen. ­
  Eine  Ware,  die  schnell  webt,  verbraucht  weniger  Unkosten
und  geringeren  Lohn.  Die  produzierte  Menge  ist  größer,  dementsprechend ­
  der  Kostenanteil  kleiner.  Für  eine  qualitativ  bessere
Ware  werden  höhere  Löhne  bezahlt,  demgemäß  wird  auch  ein
größerer  Unkostenanteil  angerechnet.  Hingegen  läßt  sich  gegen  die
Webelöhne  als  alleiniges  Betriebsmaß  sagen,  daß  eine  billigere  Ware,
für  die  weniger  Lohn  bezahlt  wird,  langsamer  weben  kann  als  die
höher  bezahlte  bessere  Ware,  somit  ein  größerer  Anteil  an  konstanten
Unkosten  berechnet  ist.
        <pb n="326" />
        326

Kalkulationsbeispiel 1  2  3 ):  Textilindustrie.
Berechnung  einer  zweischäftigen  Streichgarnware  im  Stück  gefärbt.
Man  braucht  18®/ 3  Kettengarn  zu  4,50  Mk.  84,—
(280000  m  zu  15  000  m  Länge  auf  1  kg)
4%  Materialverlust’)  „  3,86
Schußmaterial:  1900  Schüsse  auf  1  m;  Webverlust  8%,  von
100  m  Kettengarn  verbleiben  92  m  Rohware  zu  1900  Schüsse  =
174  800  Schüsse;  Länge  der  Ware  auf  dem  Webstuhl  einschl.
der  Leisten  2,05  m;  somit  174  800  X  2,05  =  358  340  m  Schußgarn;

öoö  04U  ■  1UU
5%  Web  Verlust  des  Schusses,  somit  sind  —  (d.  h.  5%
95
im  Hundert  Aufschlag)  =  377  200  m  Schußgarn  notwendig;  bei
14  500  m  Länge  auf  1  kg  des  vorhandenen  Spinnmaterials  ergibt ­
  dies  26,013  kg  zu  5,—  130,05
4%  Materialverlust’)  „  5,20
Leistenmaterial:  42  Faden  zu  102  m  Länge  ==  3264  m  zu  6000  m
Länge  auf  1  kg  =  544  zu  3  Mk  1,63
Rohstoffkosten  Mk.  224,24
Kettenscheren,  Leimen,  Trocknen,  Aufbäumen  Va  Pf.  für  1000m
Kettenfaden  „  1,40
für  Meisterlohn,  Leim,  Dampfkraft,  Abschreibung  der  Maschinen,
Zuschlag  hierauf  120%  „  1,68
Knüpf  lohn  6  Pfg  für  100  Kettenfäden  (von  2809  Kettenfäden)  .  „  1,68
Weblohn  11  Pfg.  für  1000  Schüsse  (von  174  800  Schüssen)  ...  „  19,23
für  Gehälter  des  technischen  Personals,  Licht,  Kraft,  Abschreibungen,
Reparaturen,  Zuschlag  hierauf  50%  „  9,62
Stopf-  und  Nopplohn,  Mk.  5.—  für  2  Stück  5,—
für  Auf-  und  Nachseher,  Brand,  Nähseide  u.  a.,  Zuschlag  40%  .  „  2,—
Appretur:  35  Pfg.  für  1  m  fertige  Ware,
(im  eigenen  92  m  Rohware,
Betriebe)  18,7  m  20%  Verlust  durch  Eingang
73,6  m  zu  35  Pfg.  „  25,76
für  Wasser-  und  Dampf  kosten,  Soda,  Seife,  Karden  etc.  Zuschlag ­
  50%  ,  .  .  .  .  „  12,88
Karbonisieren,  Neutralisieren,  Spülen  „  8,00
Färben  (im  Lohn,  auswärts)  laut  Rechnung  „  11,70
Selbstkosten  Mk.  323,19
Gewinn  10%  „  32,32

Mk.  355,51

’)  Nach  Reiser,  a.  a.  O.  S.  139  f.
2 )  Jede  Kette  webt  sich  auf  dem  Webstuhl  infolge  der  Fadenkreuzung  ein.
Der  Verlust  ist  abhängig  von  der  Spannung  der  Kette,  Dicke  des  Schußgarns,
Anzahl  der  Fadenkreuzung  und  der  Schüsse.
3 )  Der  Schußfaden  geht  ein  wegen  der  geringen  Spannung  beim  Ablauf
und  des  Zurückprallens  des  Schützen  vom  Kasten.
        <pb n="327" />
        327

Übertrag:  Mk.  335,51

Besondere  Verkaufsspesen:

Zinsverluste  durch  Zielüberschreitung  und  während  der  Fabrikation ­
  4°/«,  Musterspesen  Vs°/oi  Zuschlag  für  fehlerhafte  Ware
Vs 0 /«)  Bankspesen,  Verluste  an  Außenständen  5%i  Frachtkosten

1%&amp;gt;  zusammen  10  */ 4 %  im  Hundert

Hundert

Mk.  398,^3
+  6%  Skonto  i.  H.  „  25,42
Mk.  423,75
+  1%  Verkaufsprovision  i.  H.  „  4,28

Verkaufspreis  für  73,6  m  Mk.  428,03
1  m  3=  Mk.  5,81.

NB.  Die  Ausgaben  für  Hilfs-  und  Nehenmaterial  (öl,  Schützen,  Karden,
Nadeln,  Stickseide,  Verpackung  u.  a.)  und  die  Betriebsverwaltung  (Zeichner,
Meister,  Aufseher,  Nachseher,  Musterweber  usw.)  sind  in  den  Lohnaufschlftgen
verrechnet.
In  beiden  Kalkulationsbeispielen  werden  Rohstoff-  und  Arbeitskosten ­
  getrennt,  die  Zusatzkosten  im 1  ersten  Beispiel  summarisch
aufgeschlagen  (pro  Arbeitsstunde,  in  anderen  Fällen  x«/ 0 .  yom  Umsatz, ­
  Herstellungswert  etc.),  im  zweiten  Beispiel  hingegen  spezialisiert ­
  nach  den  einzelnen  Arbeitsstadien  bzw.  nach  Einzelposten,
Nach  einer  dritten  Methode  werden  die  Arbeitskosten  einschließlich ­
  der  Zusatzkosten  kalkuliert,  die  Unkosten  also  vollständig ­
  verteilt  und  eingerechnet.  Das  Schema  dieser  Kalkulationsformel ­
  ist  beispielsweise:

Jutegarn.

1.  Materialwert  einschl.  Materialunkosten  ....  Mk.
2.  Arbeitskosten:

Mk.  0,725

Schlichten
.Weben  .

Kröppen

Kalandern
Mangeln  .
Doublieren
Legen  .  ,

v  &amp;lt;&amp;lt;146
„  0,146  „  5,393

Für  100  m  Fertigware  Mk.  .  .

Auf  Seite  324  und  326  wurden  Kalkulationsmethoden  aus  der
Textil-Industrie  angegeben;  die  erste  verteilt  die  Generalkosten  nach
der  Zahl  der  Betriebsstunden,  die  zweite  durch  Aufschlag  auf  die
Arbeitslöhne.  Die  folgende  Methode  verteilt  sie  auf  die  Produktionsmenge. ­
        <pb n="328" />
        328

Berechnungsentwurf  einer  mechanischen  Buntweberei. ­


I.

G^rn  preis:
a)  Rohgarn  einschließlich  Fracht
10  Pfd.  engl.  —  4,5  kg  =  Mk.  14,30
1  „  =  „  3,18

b)  Garn,  in  einer  Lohnbleicherei  gebleicht:

Rohgarn
Bleichlohn
10  o/o  Gewichtsverlust
Beförderung
c)  Gefärbt:  Rohgarn
Färberlohn
Beförderung

Mk.  3,18
„  -,15
„  -,32
„  —,03  Mk.  3,68  f.  1  kg
Mk.  3,18
„  —,60  im  Durchschnitt
„  —  ,03  Mk.  3,81  f.  1  kg

II.  K  e  11  e  n  s  p  u  1  m  a  s  c  h  i  n  e  n:
a)  Kosten:  Zinsen  und  Amortisation  auf
die  Anlagekosten  bzw.  den  jeweiligen
Buchwert,  10%'  von  Mk.  =  Mk.
Betriebskosten  dieser  Maschine  (vgl.  Maschinenkosten, ­
  8.  198)  „

Gesamtkosten  für  10  Maschinen  zu  70
Haspel  =  700  Haspel  und  300  Arbeitstage ­


Mk.  4  043.55

b)  Leistung:  Trommelumfang  70  cm,  Tourenzahl  130  pro
Minute;  i
Soll-Fadenlänge  70  X  130  ==  91  m
pro  Stunde  =  5  460  m
in  10  Arbeitsstunden  =  54  600  m
Die  Sollänge 1 )  eines  36  er  Garns  ist  36  X  768  m  auf
T768  ■  36  -10"

1  Pfd.  engl.  d.  i.

4,5

61.440  m  auf  1  kg.  Die

berechnete  Leistung  eines  Haspels  ist  54  600  m,  die  tat

')  Die  technische  Methode  (siehe  S.  44,  73)  legt  ihrer  Berechnung  die  theoretische ­
  oder  Sollfadenlänge  des  Garns  zugrunde  und  ermittelt,  wieviel  Garn
für  eine  bestimmte  Stofflänge  erforderlich  ist  (Länge  des  Stoffes  mal  Anzahl
der  Kettenfäden  für  die  Kette;  Stoffbreite  mal  Anzahl  der  Schußfäden  für  das
Schußgam)  unter  Berücksichtigung  der  Verluste  während  der  Verarbeitung.
Der  tatsächliche  Verbrauch  wird  von  dieser  theoretischen  Bedarfsrechnung
ah  weichen;  er  wird  beeinflußt  von  der  wirklichen  Länge  und  dem  tatsächlichen
Gewichte  des  Garns,  der  Gewissenhaftigkeit  und  Geschicklichkeit  des  Arbeiters,
dem  Grade  des  Einwebens  des  Stoffes  usf.,  Faktoren,  die  man  bei  der  technischen ­
  Methode  der  Kostenermittelung  mit  in  Rechnung  ziehen  kann.
Im  obigen  Beispiel  handelt  es  sich  um  die  Ermittelung  von  Durchschnittswerten. ­
        <pb n="329" />
        329

sächliche  etwa  70o/o',  d.  i.  38  220  m  pro  Tag  =  622  g.
Die  Betriebskosten  für  l 1  kg  Garn  stellen  sich  auf  3,1  Pfg.,
1  Haspel  verursacht  19 1 / 4  Pfg.  tägliche  Kosten  (ohne  Löhne),
1 !  Tag  erfordert  Mk.  13,48  Generalkosten,  d.  i.  pro  Stunde
134,8  Pfg.
III.  Die  Betriebskosten  für  die  Kettenschermaschinen  sind  in
gleicher  Weise  zu  ermitteln  und  aus  der  durchschnittlichen  Leistung
und  dem  Lohn  einer  Arbeiterin  die  Durchschnittskosten  pro  Meter
Kette  zu  berechnen.
IY.—VI.  Die  Kosten  des  Schlichtens,  des  Schuß-Spulens  und
des  Webens  sind  ähnlich  zu  berechnen.
a)  Die  durchschnittliche  Tagesproduktion  der  Spülmaschinen
a
=  ——  xbxaix  600  berechnet  sich  aus  dem  durchschnittlichen
Umfang  der  Konusspule  (a),  der  Tourenzahl  pro  Minute  (b),  Zahl
der  Spindel  (m)  bei  lOstündiger  Arbeitsleistung,  70  o/o 1  effektiver
Leistung  und  der  Soll-Länge  des  verwendeten  Garns  auf  l l  kg  (siehe
II.);  die  Spulkosten  sind  zu  verteilen  autf  ll’  kg  Garn.  Z.  B.  Mk.  952,-—:
.  800.100.600  =  3,840  000  m  Fadenlänge  zu  70°/o  =  2,688  000  m
Tagesproduktion  zu  61,440  m  auf  1  kg  Garn  Nr.  36  =  40  kg
Tagesproduktion,  X  300  =  12  000,  d.  h.  8  Pfg.  Betriebskosten  für
1  kg  Garn  ohne  Materialkosten  und  Arbeitslöhne.
b)  Die  Tagesleistung  der  Webstühle  ist  zu  ermitteln  aus  der
stündlichen  Schußzahl,  dividiert  durch  die  Zahl  der  Fäden  pro  cm
Stoff,  mal  der  täglichen  Arbeitszeit  und  unter  Anrechnung  der  tatsächlichen ­
  Leistung  (etwa  60—70%!  der  theoretischen).
Die  Webekosten  werden  für  1  m  berechnet.
Die  Formel  für  die  Kalkulation  des  Einzelfabrikates  entspricht
der  auf  S.  326  angeführten;  doch  entfallen  die  prozentuellen  Lohnzuschläge, ­
  da  die  Betriebskosten  und  die  Arbeitslöhne  der  Spülmaschinen ­
  für  1  kg,  alle  anderen  Herstellungskosten  für  1  m  berechnet ­
  sind.
Wir  verteilten  alle  Fabrikationskosten  auf  die  einzelnen  Arbeitsstadien, ­
  also  auch!  die  Zinsen  und  Abschreibungen  auf  die  gemeinsamen ­
  Betriebsanlagen,  Kraft,  «Licht,  Aufsicht,  Betriebslöhne,  d.  h.
wir  ermittelten  die  Platzkosten  für  die  einzelnen  Maschinengruppen
und  Arbeitssäle.  Ungenauer  ist  die  Verteilung  dieser  gemeinsamen
Kosten  auf  die  Gesamtproduktion  des  Jahres,  auch  dann,  wenn  sie
etwa  die  Breite  der  Stoffe,  die  Zahl  der  Fäden  pro  cm  Stoff  in  Berücksichtigung ­
  zieht.
Zum  Schluß  ein  Beispiel  aus  der  Kriegswirtschaft  —  Mai
1918  —  für  Mischgewebe:
        <pb n="330" />
        330

Einstellung:  Kette  143  Faden  auf  10  cm,  2,1—2,4er  Papier,
Schuß  46  Faden  auf  10  cm,  3  er  Papier  und  7  mm
Imitatgam  zu  kg  •_
Kietbreite  100;  Warenbreite  100.
Kette:
143  Faden  einschl.  Kantfaden  68,0  kg
Ketteinweben  .  .  .  20%  13,6  „
81,6  kg

Kettabfall  5  %
Nr.-  u.  Feuchtigkeits-Differenz
  ....  15%
20%
Scheren  und  Fadeneinziehen
Schuß:
460  Fäden
Schußeinweben...  10  %
Spul-  und  Webabfall  5%
Nr.-  u.  Feuchtigkeits-Differenz
  .  .  .  .  15%
20%
Spullohn  des  Schusses  .  .
Weblohn
Unkosten  400  “/(

16,3  kg  97,9  kg  zu  Mk.  2,20.  .
97.9  kg  zu  10  Pfg
21.9  kg
2,2  „
24,1  kg

4,8  kg  28,9  kg  zu  Mk.  4,49
28,9  kg  zu  10  Pfg

Gewinn  10%
Ausrüstung  roh,  kalandern  und  dichten  ...
126,8  kg  Garn-  und  Gewebefracht  zu  20  Pfg
7&amp;gt;%  für  den  Kriegsausschuß  .  .
100  Meter  kosten:

Mk.  2,20

Mk.  215,38
„  9,79

„  129,76
„  2,89
„  25,00
„  100,00
Mk.  482,82
„  48,28
„  130,00
„  25,86
j,  343
Mk.  689,89

1  Meter  ungefärbt  kostet  Mk.  6,90.

Die  Selbstkostenberechnung  in  der  Maschinenindustrie.
Literatur:  Peiser,  Grundlagen  der  Betriebsrechnung  in  Maschinenbauanstalten. ­
  Berlin  1919.  Schlesinger,  Selbstkostenberechnung  im  Maschinenbau. ­
  Berlin  1911;  Lilienthal,  Fabrikorganisation,  Fabrikbuchführung  und
Selbstkostenberechnung  der  Firma  Ludwig  Loewe  &amp;amp;  Co.,  A.-G.,  Berlin  1907  f.;
Brünier,  Selbstkostenberechnung  für  Maschinenfabriken.  Berlin  1908;  Messerschmidt,
  Die  Kalkulation  im  Maschinenwesen.  2.  Aufl.  Essen  1903;  Johanning, ­
  Die  Organisation  der  Fabrikbetriebe.  3.  Aufl.  Braunschweig  1908;  Erlache ­
  r,  Briefe  eines  Betriebsleiters  über  die  Organisation  technischer  Betriebe.
Hannover  1906;  4.  Aufl.  unter  dem  Titel:  Organisation  von  Fabrikbetrieben,
1913;  Grimshaw,  Werkstattbetrieb  und  Werkstattorganisation  mit  besonderem
Bezug  auf  Werkstattbuchführung.  Hannover  1903,  3.  Aufl.  1908;  Lewin,  Werkstattbuchführung ­
  für  moderne  Betriebe.  Berlin  1906;  Sperlich,  Unkostenkalkulation. ­
  2.  Aufl.  Hannover  1906;  Ballewski-Lewin,  Der  Fabrikbetrieb.
3.  Aufl.  Berlin  1912;  Möller,  Aus  der  amerikanischen  Werkstattpraxis.  Berlin
1904;  Blum,  Gesamtorganisation  der  Berliner  Anhaitischen  Maschinenbau  A.-G.
Berlin  1911;  Meyenberg,  Einführung  in  die  Organisation  von  Maschinenfabriken ­
  unter  besonderer  Berücksichtigung  der  Selbstkostenberechnung;  2.  Aufl.
Berlin  1919.  Liske,  Die  Organisation  einer  mittleren  Maschinenfabrik.  Leipzig
        <pb n="331" />
        331

1913;  Ergänzungsband  1  der  Zeitschrift  für  handelswissensehaftliche  Forschung, ­
  Leipzig  1910:  Bing:  Die  Grundlagen  der  Selbstkostenberechnung  im
Eisenbahnwagenbau,  und  Schrey,  Fabrikbuchführung  und  Selbstkostenberechnung ­
  beim  Bau  von  Eisenbahnwagen;  Ergänzungsband  II.  Leipzig  1911:
Pfeiffer  (Maschinenbau  und  Gießerei);  Moeser  (Maschinenfabrik  mit  Eisengießerei); ­
  Dehez  (Dampfkessel,  Maschinenbauanstalt);  Gl  unk  (Fabrik  landwirtschaftlicher ­
  Maschinen  mit  Eisengießerei  und  Handelsabteilung).  In  der
Zeitschrift  für  handelswissenschaftliche  Forschung.  3.  Jahrgang,
S.  1  f.  (Bestellungswesen  und  Einzelverrechnung  in  Maschinenfabriken.)  4.  Jahrgang, ­
  S.  94  ff.  (Kuse,  Selbstkostenberechnung  der  Werkzeugfabrikation  mit
verschiedenen  Artikeln),  S.  225  ff.  (Leb  eis,  Selbstkostenberechnung  einer  Fabrik
für  Beleuchtungsartikel.)  Hartleib,  Lohnbuchführung  mit  besonderer  Rücksicht ­
  auf  die  Maschinenfabrikation,  2.  Aufl.,  Leipzig  1907.
Im  Maschinenbau  scheint  man,  seit  man  überhaupt  anfing  zu
rechnen,  stets  die  produktiven  Löhne  als  den  geeignetsten  Verteilungsmaßstab ­
  angewendet  zu  haben,  a)  Die  Kalkulationsformeln
waren  einfach  wie  die  Betriebsverhältnisse  selbst:  Materialkosten
-{-  Löhne  -{-  100’%'  Unkosten  auf  die  Lohnsumme.  Es  wird  behauptet,
daß  heute  noch  diese  ebenso  einfache  wie  falsche  Formel  in  einigen
Betrieben  zur  Anwendung  kommt,  insbesondere  dort,  wo  die  Fabrik
ohne  Konkurrenz  arbeitet  und  der  geforderte  Preis  vom  Konsumenten
bezahlt  werden  muß.  Der  Durchschnittsaufschlag  ist  heute
noch  geeignet  für  Betriebe  mit  gleichmäßiger  Massenfabrikation  und
für  Spezialfabriken,  die  nur  einen  Gegenstand  erzeugen  *).  Ein  Durchschnittsaufschlag ­
  kommt  auch  bei  Voranschlägen  zur  Anwendung,
b)  Schon  Bailewski  (Kalkulation  für  Maschinenfabriken,  Magdeburg ­
  1877,  2.  Aufl.  1880)  wies  auf  die  Unzulänglichkeit  eines
Durchschnittsaufschlages  für  den  ganzen  Betrieb  hin  und  forderte
die  Berechnung  der  Werk  Stattunkosten  sowie  die  Verteilung
der  Generalkosten  auf  die  produktiven  Löhne  der  Werkstätten.
1903  wurde  diese  Forderung  von  Benjamin  in  der  Zeitschrift
des  Vereins  deutscher  Ingenieure  wieder  aufgenommen,  1904  von
Sp  er  lieh  (Reform  der  Unkostenberechnung  in  Fabrikbetrieben.
Hannover  1904.  2.  Aufl.  unter  dem  Titel  Unkostenkalkulation.  1906)
wiederholt  und  seit  dieser  Zeit  von  allen  Theoretikern  und  Praktikern
vertreten.  Die  Differenzierung  der  Unkosten  nach  Fabrikabteilungen ­
  ist  insbesondere  notwendig,  wenn  der  Wettbewerb  und
die  zunehmende  Vielseitigkeit  der  Fabrikation  zu  scharfem  Rechnen
zwingen.
c)  Die  zunehmende  Differenzierung  der  Arbeitsmethoden,  die
Mechanisierung  und  Automatisierung  des  Arbeitsprozesses  ließen
auch  die  Werkstattauf  schlage  in  vielen  Fällen  unzulänglich  lerischeinen.
  West  —  in  der  deutschen  Industrieizeitung  1905:  Fälsche
’)  Über  einen  ähnlichen  Pauschalzuschlag  berichtet  Dribbusch,  Kalkulation
und  Generalienberechnung  der  Sägewerke  und  Holzbearbeitungsbetriebe.
Berlin  1910.
        <pb n="332" />
        332

Selbstkostenberechnung  in  Fabrikbetriebein;  Richtige  Selbstkostenberechnung ­
  —  ging  in  der  Spezialisierung  der  .Verrechnung  nach
amerikanischem  Vor  bilde  weiter  und  verlangte  diese  Ermittelung
der  Kosten  des  einzelnen  Arbeitsplla.tzies.
Es  erscheint  überflüssig,  mit  Rücksicht  auf  die  vorzüglichen  Monographien ­
  über  die  Selbstkostenberechnung  im  Maschinenbau,  hier
noch  einmal  ausführlicher  auf  die  Berechnungsmethoden  einzugehen.
Es  erübrigt  sich  auch  deshalb,  weil  an  verschiedenen  Stellen  dieses
Buches  auf  die  Berechnungsverfahren  Bezug  genommen  wurde  (vgl.
177  ff.).  Auf  einen  Umstand  .aber  wollen  wir  hier  nachdrücklich  hinweisen
  :  Die  monographischen  Darstellungen,  so  ausgezeichnet  sie
sind,  geben  fast  nie  jene  Faktoren  an,  die  für  die  Beurteilung  der  in
Vorschlag  gebrachten  Organisation  maßgebend  sind:  Die  Größe  des
Betriebes  nach  Arbeiter-,  Beamtenzahl  und  Umsatz,  die  Kosten  der
vorgeschlagenen  Selbstkostenberechnung.  Es  gibt  notwendige,
aber  auch  überflüssige  Unternehmungskosten,  auch
überflüssige  Kosten  der  Kostenermittelung.  Je  subtiler ­
  die  Kostenberechnung,  um  so  teurer  wird  sie  naturgemäß.  Es
können  unter  Umständen  die  Fehler  der  bisherigen  Kostenermittelung
geringer  sein  als  die  Kosten  einer  genaueren:  ex  malis  eligere
minima.
Die  Verteilungsmethoden  der  Unkosten  sind  bekannt:  Differenzierte ­
  Lohnaufschläge,  Maschinenbetriebsstunden, ­
  Arbeit.sk  osten  plätze.  Gelegentlich  wurde  erwähnt, ­
  daß  die  Betriebsverhältnisse  in  manchen  Unternehmungen  es
notwendig  erscheinen  lassen,  nicht  für  die  ganze  Unternehmuing
einen  Modus  zu  wählen,  sondern  an  den  verschiedenen  P'roduktionsstellen
  auch  verschiedene  Berechnungsweisen  zur  Anwendung  zu
bringen.  Ein  gutes  Beispiel  hierfür  bietet  ‘  die  Monographie  von
Lilien  thal,  in  der  die  Unkostenverteilung  wie  folgt  erledigt  wird:
I.  Allgemeiner  Maschinenbau.  (Katalogmäßige  Werkzeugmaschinen ­
  in  Serien  von  10—100  Stück.)
Prozentaufschlag  auf  produktiven  Arbeitslohn,  differenziert ­
  für  jede  der  15  Unterabteilungen.
Gliederung  der  Betriebsunkosten:
;1.  iAb  teilungsunk  osten,  direkt  für  jede  Abteilung  bestimmbar: ­
  Abschreibungen  und  Reparaturen  an  Werkzeugmaschinen, ­
  Verbrauch  an  Werkzeugen,  Kraft,  Riemen,  Hilfsmaterialien; ­
  Löhne  für  Hilfsarbeiter,  Lehrlinge;  Meistergehälter ­
  etc.
2.  Allgemeine  Werkstattunkosten  (Verwaltung,
Revision,  technisches  Bureau  etc.).
        <pb n="333" />
        333

3.  Gemeinschaftliche  Unkosten  (Fuhrwesen,  Bahnanschluß, ­
  Bureau  für  Arbeiterangelegenheiten,  Lichtpausanstalt).

II.  Spezialinaschinenbau  (teilweise  Einzelfabrikation).
a)  -Maschinenunkosten  (Abschreibung,  Kraft)  verteilt
pro  Maschinenarbeitsstunde.
b)  Abteilungs  Unkosten:  Prozentaufschlag  auf  produktive- ­
  Löhne,  differenziert  nach  Abteilungen.
c)  GemeinschaftlicheUnkosten:  Prozentual  gleicher
Lohnaufschlag  für  alle  Abteilungen.
III.  Werkzeugbau,  wie  I.  9  Unterabteilungen.
IV.  Spezialwerkzeugbau:  Einheitlicher  Unkostenaufschlag  für
alle  Arbeiten  der  ganzen  .Abteilung.
V.  Normalienfabrik  (vorwiegend  automatischer  Betrieb).
a)  Maschinenunkosten  für  jedö  Maschine  ermittelt,
verteilt  nach  der  Arbeitszeit  (Maschinenstunden).
b)  Werkstattunkosten:  prozentual  auf  die  produktiven
Löhne.
VI.  Eisengießere  i  (vgl.  S.  3341).
VII.  Einrichtern  (Hilfs-,  nicht  Produktionsbetrieb),  durchschnittlicher ­
  Prozentaufschlag  (Löhne).
VIII.  Schmiede:
a)  Schmiedearbeiten:  Lohnzuschlag.
,f b)  (Abstecherei;  die  gesamten  Kosten  werden  als  Betriebsunkosten ­
  verrechnet  und  den  entnehmenden  Abteilungen ­
  im  .Verhältnis  des  Wertes  des  entnommenen
Materials  belastet.
c)  Härterei:  wie  b.
IX.  Modelltischlerei:  Lohnaufschlag.
X.  Betriebswerkstätten:  Lohnzuschläge,  differenziert  für
a)  Arbeiten  ohne  Werkzeuge  und  Maschinen,
b)  Arbeiten  mit  Hilfe  von  Werkzeugen,
c)  Arbeiten,  die  maschinellen  Betrieb  erfordern.
XI.  Kraftzentrale  (Kosten  auf  12  Unterkonten  verrechnet!):
Das  Konto  wird  für  die  Stromlieferungen,  Kosten  der  Heizung,
Druckluft  und  Dampf  kreditiert;  wegen  der  monatlich  schwankenden ­
  Kosten  wird  der  Verrechnung  ein  Einheitspreis  pro
Kilowattstunde  zugrunde  gelegt  und  am!  Jahresschluß  der
Unterschied  zwischen  dem  wirklichen  und  dem  angenommenen
Preis  den  verschiedenen  Betriebskonten  gutgeschrieben  bzw.
nachberechnet.
        <pb n="334" />
        XII.  Chemisches  Laboratorium  (physikalische  und  chemische  Untersuchung ­
  der  Rohmaterialien  etc.);  die  Verrechnung'  der
Kosten  erfolgt  auf  12  Unterkonten,  die  Entlastung  monatlich.

Die  Selbstkostenberechnung  in  der  Eisengießerei.
Literatur:  Messerschmidt.  Die  Kalkulation  in  Eisengießereien.  4.  Aufl.
Essen  1907.  Winkler,  Die  kaufmännische  Verwaltung  einer  Eisengießerei.
Berlin  1906.  Lilienthal,  a.  a.  O.  S.  106—132.  Leber,  Die  Frage  der  Selbstkostenberechnung ­
  von  Gußstücken  in  Theorie  und  Praxis.  Düsseldorf  1910.  Ergänzungsband ­
  II  der  Zeitschrift  für  handelswissenschaftliche  Forschung. ­
  Leipzig  1911;  S.  18  ff.  (Pfeiffer),  59  ff.  (Moeser),  82  ff.  (Bergner),
165  ff.  (Glück).  Stahl  und  Eisen  1906.  S.  1062,  1132  ff.  Vgl.  auch  S.  100,
176  dieses  Buches.
Die  Kalkulation  in  der  Eisengießerei  hat  wie  jede  andere  Industrie ­
  verschiedene  Reinheitsgrade  aufzuweisen.  Trotz  der  umfangreichen ­
  Literatur  scheint  eine  allseitig  befriedigende  Lösung  der
Frage  nach  der  richtigen  Kalkulationsmethode  noch  nicht  gefunden
zu  sein,  dürfte  sich  unserer  Ansicht  nach  auch  nicht  finden  lassen
wegen  der  Mannigfaltigkeit  der  produktions-technischen  Verhältnisse: ­
  Die  Eigenart  des  Betriebes,  die  Arbeitsweisen  und  die  Art
der  herzustellenden  Waren  (Form-,  Maschinen-,  Hand-,  Sandguß,
Lehm-  und  Zylinderguß,  Masseguß,  Herdguß);  ob  eine  Eisengießerei
nur  für  den  eigenen  Betrieb  als  Rohimüteriallieferantin  arbeitet  oder
nur  Kundenguß,  oder  für  das  eigene  Werk  und  für  Kunden  produziert.
ll  Die  einfachste  Methode  für  Betriebe  mit  gleichartiger  und
Massenproduktion  einfachster  Art  ist  die  Berechnung  eines  einheitlichen ­
  Durchschnittspreises  für  brauchbare  Ware:
Die  Gesamtkosten  dividiert  durch  die  Produktion,  umgerechnet  auf
100  oder  1000  kg  Fertigguß.  Diese  Methode  kann  man  auch  in
Betrieben  mit  komplizierter  Produktion  für  statistische  Zwecke
verwenden,  um  monatlich  die  durchschnittlichen  Selbstkosten  der
Gießerei  festzustellen,  die  Schwankungen  in  den  einzelnen  Unkosten
(Durchschnittswerte)  und  ihre  Ursachen  zu  erforschen  (Lilienthal,
  a.  a.  O.  S.  120).
2.  Da  nach  der  ersten  Methode  einfache  und  komplizierte  Gußstücke ­
  gleichmäßig  falsch  kalkuliert  werden,  teilen  einige  Fabriken
die  Guß  waren  in  verschiedene  Gruppen,  entweder  nach  der
Herstellungsart  oder  nach  dem  Gewicht  und  berechnen  für  jede
Gruppe  die  Selbstkosten  oder  bestimmen  für  jede  Gruppe  einen
festen  Grundpreis,  der  nach  den  Schwankungen  des  Roheisenpreises
erhöht  oder  erniedrigt  wird  (Gruppenberechnung).
3.  Die  bisher  angeführten  Kalkulationsmethoden  berechnen  den
Anteil  der  Fertigware  an  den  allgemeinen  Unkosten  und  an  den
        <pb n="335" />
        335

Fabrikationskosten  gleichmäßig  auf  100  oder  1000  kg  brauchbaren
Guß.  Die  von  Messerschmidt  (1881)  *)  zuerst  eingeführte  Methode ­
  trennt  zunächst  die  Kosten  des  Schmelzens  von  jenen
des  Formens  und  Gießens.  Die  Kosten  des  Schmelzens,  Abbrand ­
  und  Modellerhaltung  werden  auf  1000  kg  berechnet,  die  Putzerlöhne, ­
  die  allgemeinen  Unkosten,  Abschreibungen  imd  der  Gewinn
auf  die  produktiven  Löhne  der  Former  und  Kernmacher  verteilt.
Sie  kombiniert  demnach  Gewichts-  und  Lohn  Zuschlag  (vgl.  die
Normalkalkulation  S.  176).
4.  Eine  Weiterbildung  der  Kalkulationsmethoden  stellt  die  durch
Winkler  zuerst  1906 *  2 )  bekannt  gewordene  Methode  dar.  Dieser
Berechnungsmodus  individualisiert  die  Stückekalkulation  teilweise,
indem  man  den  Eisenwert  (unter  Berücksichtigung  des  Abfalles
und  Abbrandes),  den  Schmelzkoksverbrauch  und  die  Schmelzerlöhne,
Former-  und  Kernmacherlöhne  durch  Einzelermittelung  auf
dasStück  berechnet,  dann  aber  Gußstücke  von  annähernd  gleichen
Abfällen  und  gleichem  Gewicht  in  Gruppen  zusammenfaßt  und
einen  entsprechenden  Tabellenwert,  Gruppenwert,  kalkuliert.
Der  Aufbau  der  Kalkulation  sei  durch  folgende  Zusammenstellung
charakterisiert.  \
I.  Wert  des  eingesetzten  Eisens.  Zu  berücksichtigen  sind  Abbrand
und  Abfall  für  Einguß,  Läufe  und  Steiger.
a)  Abbrand.  Eisenverbrauch  40000  kg  =  Mk.  2980  zu  7,45  Durchschnittspreis ­

Eisengewicht  der  gewogenen
Ware  36  400  „
Abbrand  3  600  kg
d.  i.  Mk.  8,17  pro  100  kg  mit  Rücksicht  auf  den  Abbrand  von  9%.
b)  Abfall.  Durchschnittlich  werden  66 2 / 3  vom  Eiseneinsatz  guter  brauchbarer ­
  Guß  erzielt.  Man  rechnet  mit  einem  durchschnittlichen  Abfall
von  50°/o  der  Fertigware.  (Die  Abfälle  werden  auf  die  Fertigware  bezogen: ­
  300  kg  eingesetztes  Eisen,  200  kg  reiner  Guß,  Abfall  100  kg  =
50%.)  Die  Abfallmenge  beeinflußt  den  Wert  des  eingesetzten  Eisens.
Sie  schwankt  nach  Ausführung  und  Art  der  Gußstücke,  weshalb  es  sich
empfiehlt,  nach  einer  Tabelle  zu  rechnen,  die  mit  einem  durchschnittlichen ­
  Eisenpreis  aufgestellt  wird 3 ).  Z.  B.  30%  Abfall;  für  100  kg
reinen  Guß  bei  einem  Abfall  von  30%  Abfall  sind
130  kg  erforderlich
zuzüglich  11,7  „  9%  Abbrand
Einsatz  141,7  kg
')  Die  Kalkulation  in  der  Eisengießerei  und  der  Gießereitechniker  in  seinem
Betrieb,  nebst  Anhang  über  Akkordverträge  und  die  gebräuchlichen  Akkordsätze, ­
  sowie  Beispiele  der  Anwendung  der  Kalkulation  auf  Vormmaschinenbetriebe.
  Essen  1881.  In  zwei  Bänden  erscheint  das  Werk  seit  1903  (3.  Aufl.).
2 )  Auch  Lilienthal,  a.  a.  O.  S.  119;  Kritik  der  Methoden  3.  und  4.  bei
Leber.
3 )  Winkler,  S.  55  f.;  Lilienthal,  S.  122  f.
        <pb n="336" />
        336

berechnet  zum  Durchschnittspreis  von
Mk.  8,50  =  12,05  Mk.
—  1,80  „  Bruch  wert  des  Abfalles  30  kg  zu  6  Mk.
10,25  Mk.  Wert  des  Eisens  pro  100  kg.
Bei  besonderer  Zusammensetzung  des  Roheisens  muß  eine  Richtigstellung
dieses  Einheitspreises  erfolgen.
II.  Schmelzkosten,  getrennt  berechnet  für  Eisen  und  Metall,  weil
einzelne  Materialkosten  verschieden  sind.  Beispielsweise  verbraucht  die  Metallgießerei ­
  mehr  Schmelzkoks  und  Schmelzmaterialien.  Die  Kostenermittelung
trennt  die  Löhne  der  Ofenarbeiter  für  die  Beschickung  der  Kupolöfen  und  für
das  Schmelzen.  Für  die  Stückkalkulation  wird  ein  Durchschnittspreis  pro  100  kg
Fertigware  angenommen  oder  man  stuft  Schmelzerlöhne  und  Schmelzkoks
unter  Annahme  eines  50°  oigen  Normalabfalls  nach  oben  und  nach  unten  ab.
III.  Gießereikosten:  Arbeitslöhne  für  Former,  Kernmacher,  Putzer.
IV.  Al  lg  em  eine  Betriebskosten,  Hilfsmaterialien  und  Hilfslöhne.
Die  Behandlung  ist  verschieden  schon  hinsichtlich  der  Aufteilung.  Manche  Kalkulatoren ­
  rechnen  die  Schmelzkosten  wie  unter  II  angegeben,  die  allgemeinen
Kosten  des  Schmelzprozesses  und  jene  der  Gießerei  summarisch.  Winkler
und  Lilienthal  rechnen  Hilfsmaterial  und  Hilfslöhne  in  der  Stückkalkulation
prozentual  zu  den  Former-  und  Kemmacherlöhnen  auf  Grund  des  Jahresdurchschnittes. ­
  Die  Gußstücke  werden  im  Stückakkord  oder  im  Gewicktsakkord  gereinigt. ­
  Im  letzten  Fall  stellt  man  den  Gruppenpreis  in  Rechnung.
Das  Schema  der  Berechnung  ist  wie  folgt:
Eisenpreis  Mk.  .  .  .
Löhne  für  Former  und  Kernmacher  „  ...
-j-  62  o/o  auf  die  Löhne  für  Hilfsmaterialien,  Hilfslöhne, ­
  T'rockenmaterial ;  Form-  und  Kernsand  .  „  ...
Schmelzerlöhne  nach  der  Tabelle  „  ...
Schiüelzkoks  nach  der  Tabelle  ,,  ...
-f-  25  o/o  Betriebsunkosten  „  ...
Mk.  .  .  .

5.  Die  bisher  skizzierten  Berechnungsmethoden  sind  Zu  summarisch ­
  und  berücksichtigen  die,  man  möchte  fast  sagen,  individuellen
Verhältnisse  der  einzelnen  Gußstücke  nicht  oder  zu  wenig.  Die
nun  folgenden  Schemata  der  Gesamt-  und  Einzelkalkulation  mögen
zeigen,  wie  man  bestrebt  ist,  den  besonderen  Verhältnissen  des
Betriebes  auch  in  der  Berechnungsmethode  gerecht  zu  werden  *).
Tabelle  I  gibt  eine  gute  Gliederung  der  Unkosten  Verrechnung,
während  die  Kalkulation  des  einzelnen  Stücks  mangelhaft  erscheint
(Seite  337).
Das  Schema  trennt  die  Schmelzkosten  von  denen  der  Formerei
und  Putzerei.  Der  Nettomaterialwert  ergibt  sich  aus  dem
Aufwand  an  Rohstoffen  abzüglich  des  Wertes  der  Abfälle.  Das

*)  Ergänzungsband  II,  S.  61  f.,  19  f.,  166  f.
        <pb n="337" />
        337

Tabelle  I.
Monatliche  Zusammenstellung  der  Gesamtkosten.

Gießerei.  (Ofenanlage,  Formerei  und  Putzerei.)  Monat  Juli  19  .

Gegenstand

Gewicht
k g

Ofenanlage ­

Mk.  |Pfg.

Formerei
MkJPfg.

Putzerei
Mk.  |Pfg.

Summa
Mk.  I  Pfg.

Metallischer  Einsatz  .  .
Zuschläge  u.  Brennmaterial
Summe
Davon  ab  Abfälle  .  .  .
Netto  -  Materialaufwand ­

Hilfsmaterial.....
Löhne  .
Gehälter
Betriebsregie  ....
Fabriksregie
Werkzeuge
Erhaltungskosten  .  .  .
Dampfkosten.....
Elektrische  Beleuchtung
„  Kraft  .  .  .
Versuchskosten  ....
Abschreibungen....
Zinsen

Ausschußkosten  der  Appreturwerkstätte ­

Ausschußkosten  der  Schmiede  .  .

Material-  und  Fabrikationsaufwand
in  Sa
Verreehnungswert  vom  kg  Erzeugg
  '

Betriebsergebnisse  ,

Rohmaterial  wird  durch  Aufzeichnungen  während  einer  längeren
Betriebsperiode  (buchmäßiger  Verbrauch)  oder  durch  monatliche
Inventur  (Anfangsvorrat  -|-  Einkäufe  -4-  Schlußbestand  =  tatsächlicher ­
  Verbrauch)  ermittelt.  Häufig  wird  das  zweite  Verfahren  zur
Kontrolle  des  ersten  angewendet.  Der  Kalkulation  wird  der  tatsächliche ­
  Verbrauch  zugrunde  gelegt.  Als  Wert  der  Abfälle  ist
der  „Geschäftswert“  anzusetzen,  d.  h.  der  Wert,  den  sie  für  den
Betrieb  haben.  Der  Stückpreis  (Einzelkalkulation)  besteht  aus
Materialwert,  Löhnen  und  Zuschlägen.'  Die  Zuschläge  werden
nach  folgendem  Schema  getrennt:
Leitner,  SelbstkosUnbereclinuug.  7.  Aufl.

22
        <pb n="338" />
        338

A.  Formerei:
a)  Allgemeine  Kosten  (für  Sand,  Graphit,  Werkzeuge,  Siebe,
Gehälter  der  Betriebsbeamten,  Abschreibungen,  Unter-,Tabelle

  II.
Ermittelung  des  Eisen-  und  Metallpreises.

Eisengießerei

Metallgießerei

Lehm-  und
Zylinderguß

Masseguß

Sandguß

c3
a
eg
’S
£

Kotguß

Stopfbüchsen ­


kg  fertiger  Guß  ....

1000-1000,—



1000,—

1000,—

1000,—

1000,-Lohn

  Former

60,—

50,—

40,-40,-







  Kernmacher  .  .  .

—

30

—

—

—

„  Putzer
Preis  Eisen  und  Metall  .

110,-30,—


100,—

90,—

3000,—

2000,-2000



Preis  für  100  kg  einschl.
Abbrand

11,-10,—



t
9,-300,—



200,—

200,—

Sonstiges  Material  .  .  .
Schmelzkoks  ....

1,-1-





1,50

2,50

2,50

Trockenkoks  ....

1,—

1,—

—,50

Holzkohlen

—,50

—  50

Lykopodium  ....

—

—

—

—

—^50

—

Lehm

—,50

,

Tiegel

—

—

—

2,-2,—



2,-Pferdedünger

  ....

—,50

—,50

-.50

—,50

—,50

—,50

Verschiedenes  ....

—,50

—,50

—,50

—,50

—,50

—,50

Ofenarbeiter  ....

—,50

—,50

—,50

15,50

14,—

12,—

Kernmacher

1,50

1,50

Putzer

1-1»—



1-—



—

—

Former

16,50

16,50

14,50

304,50

206,—

205,50

6,-5,-











haltung  der  Gebäude)  werden  für  das  einzelne  Gußstück
auf  alle  Formerlöhne  verteilt,
b)  Besondere  Betriebskosten  für  Formmaschinen,  die
durch  Aufschlag  auf  die  Maschinenlöhne  gedeckt  werden.
B.  Putzerei:
a)  Allgemeine  Kosten  ähnlich  wie  1'.  a).
b)  Besondere  Betriebskosten
a)  für  Putzen  von  Hand-  (Werkzeuge,  Preßlufthämmer ­
  etc.),
ß)  für  Putzen  mit  dem  Sandstrahlgebläse.
        <pb n="339" />
        339

Tabelle  II  ist  in  bezug  auf  die  Einzelkalkulation  gut  gegliedert,
die  Gesamtkostenberechnung  ist  summarisch.
Das  Formular  der  Lohnverteilung  für  diese  Gießerei  trennt
die  Löhne  für  Kernmacher,  Putzer,  Lehm-,  Masse-  und  Sandformer,
Metallformer,  Arbeiter  für  Einstampfen  und  Ausschachten,  Schlosser,
Schmiede,  Zimmerleute.  Die  Aufstellung  ergibt  die  Kosten  für  100  kg
Guß  wäre  (nicht  flüssigen  Eisens).  Die  im  Schema  nicht  angegebenen
Generalkosten  der  Gießerei  werden  in  der  Einzelkalkulation  durch
Aufschlag  auf  die  Formerlöhne  gedeckt.
Tabelle  III  wendet  die  für  die  Masehinenindustrie  geforderte
Platzkostenmethode  an  (Seite  196  f.).
Die  Kosteneinteilung  und  -Verteilung  ist  die  folgende:  a)  Löhne
(ca.  700  t  Guß  jährlich),  die  Mischung  des  Eisens  ungefähr  gleichbleibend. ­
  b)  Rohmaterialien,  c)  Betriebskosten.

a)  Konstante  Betriebskosten:

1.  Kupolofen  |  Verzinsung,  Abschreibung,  Unterhaltung  für
2.  Ventilator  i  das  Jahr  berechnet  und  durch  die  Erzeugungs-3.
  Elektromotor)  menge  dividiert.
4.  Gebäude  und  Einrichtungen  der  Gießerei,  berechnet  nach
der  Grundfläche  jedes  Arbeitsplatzes.
5.  Werkstättenaufsicht,  auf  die  Arbeitsplätze  gleichmäßig  verteilt. ­

6.  Modellkosten,  wie  die  Kosten  1.—3.  berechnet,
ß)  Veränderliche  Betriebskosten:

7.  Beleuchtung,  Heizung,  Reinigung,  nach  Maßgabe  der  Grundfläche ­
  auf  die  Arbeitsplätze  verteilt.
8.  Versuche,  Analysen,  wie  1.—3.  berechnet.
9.  Material  und  Werkzeuge,  für  jeden  Arbeitsplatz  besonders
berechnet.

10.  Einmauerungskosten  des  Kupolofens ­

11.  Kosten  der  Formereimaschinen
12.  Hilfsmaschinen  nebst  Löhnen

für  jede  Gußperiode  berechnet ­
  und  nach  der
Menge  der  Produktion  verteilt. ­


6.  In  einer  vortrefflichen  kritischen,  vom  Standpunkt  des  Eisengießerei-Ingenieurs ­
  geschriebenen  Studie  unternimmt  es  Leber,
die  Mängel  der  üblichen  Kalkulationsmethode,  der  indirekten  oder
Durchschnittskalkulation,  aufzudecken  und  ein  neues  an  die  Berechnungsmethode ­
  im  Maschinenbau  erinnerndes  Kalkulationssystem
zu  entwickeln,  die  direkte  Kalkulation  auf  das  Stück.
Er  unterscheidet  zwischen  allgemeinenünkosten  (Zinsen,  Abschreibungen, ­
  Versicherung,  Gehälter  der  kaufmännischen  und  Be-22*
        <pb n="340" />
        Tabelle  III.
Kostenerinittelung  für  jede  Gießcharge.

Hilfskosten

Platz-Nr.

Art  des  Platzes

Betriebszeit
Stunden

Platzkosten
pro  Stück

a
&amp;lt;x&amp;gt;
CQ  Ö
°  Es
*4  cö
3  8
eö  &amp;amp;C
s

Löhne

Gesamtkosten ­


128

Kernmacher  .  .

17

12,2

2,08

6,80

8,88

129

18

12,2

2,20

7,20

9,40

130

18

12,1

2,17

6,85

9,02

131

Gußputzer

20

15,3

3,06

8,40

11,46

132

20

15,3

3,06

8,40

11,46

133

19

15,3

2,91

7,60

10,51

134

Sandmüller  .  .

15

13,7

2,06

5,40

7,46

135

Kranenfiihrer  .  .

20

7,2

1,44

8,-9,44



136

Arbeiter  .  .  .

20

—

'

137

„  usw.

20

—

—

—

—

Sa.

212,80

Hilfskosten  .  pro  100  kg  Mk.  4,84
Laufende  Kosten  (1  —  3,  7)  .  „  100  „  „  2,23
Modellkosten  „  100  „  „  —,45
Gesamtzuschlag  Mk.  7,52

Eisenrechnung
Preis  pro  100  kg

25%—1250  kg  Hämatit
15%  —  755  „  Kraft  III
5%—  250  „  Weißeisen
50%  —2500  „  Bruch
5°/o=  250  „  Schmiedeeisenabfälle  .

7,40
6,75
6,20
5,95
3,20

Mk.  92,50
»  51,-„
  15,50
„  148,50
ii  8,—

100  %  —  5005  kg  Eisen

Mk.  315,50

Zurück:  320  „  Trichter,  Schrott  usw.  zu  5,50

„  17,60

4685  kg  Verbrauch
Abbrand:  290  „  -\-  6,1  °/o
4395  kg  Fertigware

Mk.  297,90

100  „  Füllkoks
350  „  Setzkoks
450  kg  Koks  zu  3,—  Mk.  13,50
Kalksteine  „  1,10
Gesamtausgabe  für  den  Einsatz  Mk.  312,50
Einsatzkosten  pro  100  kg  7,11
Zuschlag  pro  100  kg  7,52
Kosten  pro  100  kg  Fertigguß  Mk.  14,63

340
        <pb n="341" />
        341

triebsleitung),  die  mit  dem  unmittelbaren.  Erzeugungsprozeß  nichts
zu  tun  haben,  und  F'abrikationdunk  osten,  die  zlwar  für
das  einzelne  Stück  nicht  unmittelbar  angegeben  werden  können,
aber  als  direkte  Fabrikationsausgaben  betrachtet  werden  müssen
(Reparaturen,  Hilfsmaterialien,  Gehälter  der  Meister  und  Vorarbeiter
usw.).  Der  ganze  Betrieb  —•  das  ausgearbeitete  Beispiel  bezieht
sich 1  auf  einen  Betrieb  mit  231 !  Arbeitern  und  eine  monatliche  Lohnsumme ­
  von  38  700  Mk.  —  wird  in  Abteilungen  zergliedert  (Kernmacherei, ­
  Trocknerei,  Massen-,  Sand-,  Lehm-,  Maschinenformerei,
Schmelzerei  etc.).  Jeder  Abteilung  werden  die  von  ihr  verursachten
Fabrikationsunkosten  belastet,  während  die  allgemeinen  Unkosten
den  Abteilungen  proportional  den  Lohn-  und  Materialausgaben  zugeschrieben ­
  werden.  Das  Eisengewicht  und  die  produktiven  Löhne
bilden,  nach  Leber,  keinen  Maßstab  für  den  Wert  des  Gußstückes,
also  auch  keinen  Verteilungsmaßstab  für  die  Unkosten.  Für  jede
Abteilung  werden  Lohn-  und  Materialaufwand  allmonatlich  aufgestellt. ­
  Eine  genaue  E  i  n  z  e  1  ermittelung  des  Lohn-  und  Materialverbrauchs ­
  auf  das  Stück  (direkte  Kalkulation)  ist  notwendig,  um
die  in  Vorschlag  gebrachte,  in  der  Praxis  recht  komplizierte  Kostenberechnung ­
  nach  den  Vorschlägen  Lebers 1 )  konsequent  durchführen ­
  zu  können,  ein  Berechnungsmodus,  der  allerdings  eine  weitgehende ­
  Individualisierung  der  Selbstkosten  der  Gußstücke  ermöglicht.
Beispiel  einer  Kostenberechnung  für  Graugußkörper
(April  1917).

1.  Einsatz.
30  kg  Roheisen  zu  95,—  Mk  =  28,50
30  „  fremder  Schrott  „  135,—  „  =  40,50
35  „  Trichter,  Eingüsse  „  120,—  „  =  42,—
5  „  Stahlschrott  „  100,—  „  =  5,—
100  kg  116,—
7°/o  Abbrand  8,15
124,15
20°/o  Koks  zu  29,—  Mk  5,80
4  °/o  Kalk  „  6,—  „  —,25
130,20

II.  Schmelzkosten

einschl.  Unkostenzuschlag  und  Zuschlag  für  Nachtarbeit  und  Überstunden ­

  (ISO 0 / 0  +  10  °/o)  5,20
1  Tonne  flüssigen  Stahls  135,40

’)  Man  vergleiche  beispielsweise  die  genaue  Verrechnung  der  Hilfslöhne
bei  Leber,  S.  35  f.  und  die  Berechnung  des  Einheitspreises  für  das  Eisenund
  Formmaterial  S.  42.
        <pb n="342" />
        .  —

5246,75

930,—

.  —

1800,-.

  —  2516,75

2,55

30

08

04

03

45

25

1,70

—,45

—,35

—,45

5,50

Die  Selbstkostenberechnung-  im  Bergbau,  in  Hüttenbetrieben ­
  und  Walzwerken.
Literatur:  Ältere  Werke:  Mannlicher,  Leitfaden  der  Verrechnungskunde ­
  von  Montanwerken  nach  dem  System  der  doppelten  Buchführung.  Graz
1865;  Gottschalk,  Die  Grundlagen  des  Rechnungswesens  und  ihre  Anwendung ­
  auf  industrielle  Anstalten,  insbesondere  auf  Bergbau,  Hütten-  und  Fabrikbetriebe. ­
  Leipzig  1865.
Waink,  Leitfaden  der  montanistischen  Buchführung.  Leoben  1898;  Derselbe, ­
  Montanistische  Buchführung  in  Tabellenform.  Wien  1910;  Wagner,
Selbstkostenberechnung  gemischter  Werke  der  Großeisenindustrie.  Berlin  1912
(vgl.  dazu  Hey  mann,  Die  gemischten  Werke  im  deutschen  Großeisengewerbe.
Münchener  volkswirtschaftliche  Studien.  Stuttgart  1914,  für  die  volkswirtschaftliche ­
  Seite.  Gemeinfaßliche  Darstellung  des  Eisenhüttenwesens.
Herausgegeben  vom  Verein  deutscher  Eisenhüttenleute  in  Düsseldorf,  8.  Aufl.
1912,  für  die  technische  Seite);  Schuchart,  Die  Selbstkostenberechnung  für
Hüttenwerke,  insbesondere  für  Eisen-  und  Stahlwerke.  Düsseldorf  1909;  Paulukat,
  Buchführung  in  Bergwerksbetrieben.  Staßfurt  1909;  in  der  Zeitschrift
für  handelswissenschaftliche  Forschung,  3.  Jahrg.,  S.  121  ff.  (Calmes,
  Die  Buchführung  und  das  Selbstkostenwesen  einer  Eisenhütte);  4.  Jahrg.,
S.  226f.  (Kupp,  Selbstkostenwesen  eines  gemischten  Hüttenwerkes);  S.  138f-(Schwarz,
  Selbstkostenberechnung  von  Drähten  und  Drahtstiften);  S.  187  f.
(N.  N.,  Kalkulation  von  Walzdraht);  S.  298  f.  (Kahlenbeck,  Selbstkostenberechnung ­
  in  der  Nähnadelfabrikation)
Vgl.  auch  S.  37,  43  f.  dieses  Buches.
Calmes,  Die  Fabrikbuchhaltung.  Leipzig  1909.  (S.  136  f.,  Buchhaltung
einer  Eisenhütte);  Berliner,  Schwierige  Fälle  der  kaufmännischen  Buchhaltung.
3.  Aufl.  1909,  Hannover.  (S.  201  f.  Braunkohlenwerk  nebst  Brikettfabrik.)
Die  Schwierigkeiten  der  Kostenberechnung  in  gemischten  [Betrieben ­
  hat  Wagner  am  besten  behandelt:  Die  Verrechnung  der
        <pb n="343" />
        einzelnen  Teilbetriebe  untereinander,  die  Ermittelung  der  Kosten
für  das  Einzelprodukt.
Das  hier  folgende  Beispiel  zeigt  die  Einkaufskosten  eines  Hochofenwerkes ­
  nebst  Unterlagen  (Erzlieferungsvertrag  und  Abrechnungen) ­
  sowie  die  Kostenanalyse  für  einen  Monat.  Im  Original ­
  sind  die  Betriebskosten  und  die  Gutschriften  für  Abfälle  und
Nebenprodukte  im  einzelnen  gegliedert.  Der  Einfachheit  halber  wurde
von  der  vollständigen  Wiedergabe  abgesehen.  Die  Gutschriften
sind  im  Beispiel  von  den  Gesamtkosten  in  Abzug  gebracht  worden;
in  anderen  Betrieben  werden  sie  vom  Einsatz  abgerechnet.  Einsatz, ­
  Kosten  der  Umwandlung  und  allgemeine  Unkosten  abzüglich
Gutschrift  bilden  die  Herstellungskosten  pro  Tonne  Gußeisen.
Das  Hochofenwerk  ist  Mitglied  des  Roheisen-Syndikats.  Allmonatlich ­
  wird  vom  Syndikat  ein  der  Marktlage  entsprechender
Abrechnungspreis 1 )  bestimmt  (mit  Ausnahme  des  Selbstverbrauches ­
  ist  die  ganze  Erzeugung  der  ,Verkaufsstelle  zur  Verfügung ­
  zu  stellen);  der  Unterschied  zwischen  dem  Grundpreis
(Durchschnittspreis  der  Verkäufe  eines  Monats)  und  dem  Abrechnungspreis ­
  wird  dem  Syndikat  gutgeschrieben.
Beispiel  für  die  Berechnung  des  Grundpreises:
Verkauf-Nr.  ...  80  t  Eisen;  Fakturenpreis:  67,—
-4-  Frachtkosten  7,—
-4-  Sortenüberpreis  2,—
pro  Tonne

300  t:

Durchschnittspreis  Mk.  59,65  pro  Tonne,  Abrechnungspreis  Mk.  58,—,
Gutschrift  (1,65  X  380)  Mk.  627,—.
Das  auf  S.  350  ff.  folgende  Schema  der  Konten  möge  einen
Einblick  in  die  komplizierte  Verrechnungstechnik  eines  Hüttenbetriebes ­
  geben.
I.  Erzlieferungsvertrag
des  am  15.  März  1914  zwischen  dem  Hochofenwerk  als
Käufer  der  Firma  S.  M.  Cook,  London,  als  Verkäuferin  auf  Grund  der  vorherigen ­
  Abmachungen  getätigten  Abschlusses.
1.  Quantum:  10  000  Tonnen  englische  zu  1015  kg.
Gegenstand:  Erstklassige  Santandererz  aus  den  Carbaceno-Gruben  in
Spanien.
Preis:  21  sh  4 1 /e  d  per  englische  Tonne  zu  1015  Kilo  cif.  Hochofenwerk.
Lieferzeit:  Vom  1.  April  bis  31.  Oktober  1914  in  ungefähr  gleichmäßiger

2.

3.
4.

Verteilung.
5.  Garantie:  Basis  60°/o  Eisen  im  Feuchten.
6.  Skala:  3  Pence  per  Prozent  Eisen  und  per  Tonne  Erz  auf  und  ab 2

*)  Vgl.  Nicklisch,  Kartellbetrieb,  Leipzig  (Poeschel).
-)  Für  jede  Abweichung  von  60°/»  Eisengehalt  wird  eine  Vergütung  von
3  d  per  Prozent  Eisen  gewährt,
        <pb n="344" />
        344

7.  Probenahme:  Dieselbe  erfolgt  gemeinschaftlich,  auf  dem  Hochofen  werk
durch  deutsche  Chemiker,  und  zwar  sind  genaue,  dem  Durchschnitt  der
Ladung  entsprechende  Muster  während  der  Löschung  aus  dem  Schiff  in
unparteiischer  Weise  zu  entnehmen;  mindestens  1  * /t 0 /o  der  Ladung  ist  für
die  Probe  zu  entnehmen.  Der  gegenseitige  Analysenaustausch  erfolgt
gleichzeitig.
8.  Schiedsanalyse.  Bei  Differenzen  über  l°/o  hat  Schiedsanalyse  durch  Dr.
X.  Y.  zu  erfolgen.  Die  Kosten  dafür  trägt  stets  diejenige  Partei,  deren
Ergebnis  am  meisten  von  dem  Kesultat  der  Schiedsanalyse  abweicht.
Analysen-Differenzen  bis  1  °/o  werden  geteilt.
9.  Gewichtsbestimmung:  Auf  Grund  der  dem  Kapitän  mitzugebenden
Bahnzertifikate,  bei  deren  Fehlen  auf  Grund  des  auf  dem  Werk  ermittelten
Gewichts.
10.  Bezahlung:  75°/o  des  Fobwertes  der  Ladungen  gegen  Ladeschein  und
Police.  Fracht  bei  Empfang,  Rest  am  15.  des  der  Ablieferung  im  Hochofenwerk ­
  folgenden  Monats  netto  Kasse.
11.  Beladung:  Außer  Tum.’)
12.  Entlöschung:  400  Tonnen  werktäglich,  Sonntage  nnd  Feiertage  ausgenommen. ­
  Dampfer  sind  verpflichtet,  Nachtlöschung  sowohl  an  Sonn-  und
Feiertagen  als  auch  an  Werktagen  zu  gestatten  und  auf  Wunsch  der  Käufer
Dampf,  Winschen  und  Winschenleute  ohne  Berechnung  zu  stellen.  Dispatch*) ­
  wird  an  Käufer  mit,  lt.  Charter-Party,  3  sh/3  d  pro  ersparte  Stunde,
Demurrage*)  mit,  lt.  Charter-Party,  16  sh/8  d  pro  Stunde  Überliegezeit  an  Verkäufer ­
  vergütet.  Die  Löschzeit  ^  beginnt  nach  erfolgter  zollamtlicher  Klarierung, ­
  jedoch  nicht  vor  morgens  6  Uhr  des  der  Ankunft  folgenden  Wochentages. ­
  Käufer  nehmen  das  Erz  frei  aus  dem  Schiff  und  erhalten  dafür  vom
Verkäufer  6  Pence  pro  engl.  Tonne  vergütet 3 ).  Wassertiefe  am  Werk  21',
Leichterkosten,  wenn  nötig,  bezahlt  das  Schiff.
13.  Klarierung 4 ):  Im  Beladehafen  bei  Verkäufers  Agenten  gegen  die  üblichen
Bedingungen.  Am  Orte  des  Hochofenwerkes  und  der  Zollstation  des  See-  '
hafens  bei  Käufern  bzw.  deren  Vertretern  gegen  Vergütung  der  usancemäßigen ­
  Kosten  an  Verkäufer.  (Usancemäßige  Kosten  sind:  im  Seehafen,
bei  Vertreter  50,—  Mk.
im  Hochofenwerk  bei  Käufer  100,—  ,,  )
14.  Allgemeine  Bedingungen:  Arbeiterausstände,  Betriebsstörungen  und
Force  majeure  auf  den  liefernden  Gruben  oder  auf  dem  Hochofenwerke,  Krieg,
in  welchen  Spanien  oder  Deutschland  mit  anderen  europäischen  Mächten
verwickelt  wird,  entbinden  Verkäufer  von  der  Lieferung  bzw.  Käufer  von
der  Abnahme  für  die  Dauer  dieser  Behinderungen  und  in  dem  Umfange,
in  welchem  dieselben  einwirken.
Sollten  die  Regierungen  oder  Lokalbehörden  des  Produktions-  und  Bestimmungslandes ­
  außer  den  bei  Abschluß  des  Vertrags  bestehenden  Abgaben
neue  Abgaben  auf  obige  Erze  einführen,  so  sind  Käufer  verpflichtet,  diese
zu  übernehmen  oder  auf  Lieferung  des  noch  nicht  verschifften  Quantums
zu  verzichten.
’)  D.  h.  das  Schiff  muß  vom  Verkäufer  nach  Ankunft  im  Abgangshafen
sofort  beladen  werden,  selbst  wenn  er  mit  der  Ladung  eines  anderen  Schiffes
beschäftigt  ist.
*)  D.  i.  eine  schnellere  Entlöschung  des  Schiffes;  Demurrage  ist  ein  langsameres ­
  Entlöschen.
3 )  Der  Verkäufer  hat  das  Erz  bis  auf  Deck  zu  liefern;  die  Entlöschung
wird  jedoch  vom  Käufer  besorgt;  deshalb  die  Vergütung  des  Lieferanten.
4 )  D.  i.  Erledigung  der  Hafen  und  Zollformalitäten.
        <pb n="345" />
        II.  Abrechnung  mit  dem  Schiffsfübrer:  (11.  November  1914).
3/XI.  14.  Kapitän:  A.  Schaer  Ablader:  S.  M.  Cook,  London
Schiff:  Magdeburg
gekommen  von:  Santander  mit  1  991  752  kg  Sant.-Erz.
bestimmt  nach:  Hafen  x.

ausgeliefert  1  994,573  kg
1016  kg  =  1963,162  engl.  Tonnen

Fracht  61.—
für  Demurrage

Hiervon  ab:
Löschkosten  10  d')  .  .  .
Bankspesen  l /8°/o  .  .  ,  .
Adreßprovision  2°/o 2 )  .  .
Kommission  V»  von  5°/o 8 )
Klarierung
Zollstelle

Unkosten  wie  unten
Frachtvorschuß  .  .

£

sh

d

81

16

—

14

Vb

11

15

*/s

9

16

V»

5

05

—

—

15

—

Mk.

3338,55

11

6000,—

Unkosten  und  Auslagen

Deklaration  und  Zettelgeld  ein-  und  ausgehend  .  .  .
Hafengeld,  Verholungs-,  Lotsen-  und  Brückengeld  .  .
Für  Pässe,  Musterrolle,  Bootsgeld  etc
Hafengeld  ein-  und  ausgehend
10  Pfg.  pro  cbm  ....  272,90
20  %&amp;gt;  Zuschlag  54,60
12  Pfg.  Tonnenabgaben  .  239,10
Lotsgeld  nach  Seehafen
Lotsfooge  5  plus  6,50  Mk
Zollwachgelder
Dampfboot-Bugsierungskosten  20  plus  60  Mk.  .  .  .
Bar  an  Kapitän,  Vorschuß
Briefporto  und  ldeine  Kosten  .  .
Depeschen  und  Telephon
Rechnung  Agent  —  Seehafen
Statistik  (staatliche  Angaben  10  Pfg.  pro  10  000  Kilogramm) ­

Connossementsstempel  .  ....
Vollmachtsstempel
Rechnung  Wilh.  Mauer-Lübeck  für  Käufe  des  Kapitäns

Eigene
Rechnung
Mk.  Pfg.

20
10
1

Reederei

Mk.

Pfg :

5

80

3

20

9

70

566

60

77

—

11

50

48

—

80

40

1000

—

4

90

7

80

173

65

1350

3388

55

*)  Geteilt  zwischen  Verkäufer  und  Käufer  (6  d  und  4  d).
s )  Erhält  der  Verkäufer.
        <pb n="346" />
        346

III.  Abrechnung  mit  dem  Lieferanten.
a  Die  Firma  S.  M.  Cook  hat  inzwischen  folgende  Rechnung  gesandt:
London,  C..  lOth  November  1914.
D.  „Magdeburg“.
1994  753  kg  =  1963,162  to  £  21.  4.  6.
1  Ladung  Ia  Santander-Erz  unter  Kontrakt  vom  15.  III.  1914.
Eisen
Basis  60  %&amp;gt;  im  Feuchten
Analyse  53,27 85  im  Feuchten
6,72 16  zu  3  d  &amp;gt;)  £  1.  8.  16
£  19.  8.  34  =  £  1935.  2.  6
abzüglich  Ihre  Zahlung  von  „  1156.  18.  10
£  778.  3.  8
val.  15.  11.  1914.
Zahlbar  abzüglich  Fracht  pp.  bei  Herren  James  &amp;amp;  Co.,  Bankers,  London.
Das  Hochofenwerk  macht,  wegen  der  für  Rechnung  des  Lieferanten  verausgabten ­
  Kosten,  die  nachstehende  Aufstellung  als  Gegenrechnung.

b)  Schlußabrechnung:

Monat:  November  1914.

Nr.

Per:  Materialien-Konto  Erze  pp.

geb.

An:  Deutsche  Bank.

geb.

Überweisung  an
S.  M.  Cook,  London.
Für  Santander-Erz  per  S.  S.  „Magdeburg“
Ia  Santander-Erz  1  994  573  kg  =
Hiervon  ab  unsere  Auslagen:
Fracht  6/—  per  1016  kg  =
abzüglich:
2%  Adreßprovision  £  11.  15.  7
*/3  von  5°/»  Kourtage  „  9.  16.  4
4d  per  1015  kg  Entlöschung ­
  „  32.  15.  1
54.  7,  —  „  534.  12.  -
£  243.  11.  8
zu  Mk.  20,52  =  Mk.  4997,45

')  Die  chemische  Analyse  hat  ein  Minus  von  6,72 150 /o  Eisengehalt  ergeben
und  diese  Differenz  ist  laut  Vertrag  Position  Nr.  6  mit  3d  pro  Tonne  Erz  und
pro  Prozent  Eisen  abzugsfähig.  Von  dem  so  ermittelten  Betrag  von  £  1935.  2.  6
gehen  noch  ab  für  bereits  geleistete  Zahlung  „  1156,  18,  10
so  daß  noch  zu  zahlen  wären  £  778.  3.  8

£  778.  3.  8
£  588.  19.  —
        <pb n="347" />
        347

Kostenanalyse  eines  Hochofenwerkes.

Aufwand

Betrag

pro
Tonne

Normalzahlen ­


Einsatz.

Erze

350  047

26,61

Koks

322  885

24,54«

Zuschlag  .  .

18  528

1,40®

Löhne

13  868

1,05*
53,61 8

Unterhaltung.

Gichtaufzüge

1592

0,12‘

Öfen

3  289

0,25
0,36*
0,73 s

Formen

4  792

Allgemeine  Unkosten.

Gehälter

4  058

0,30 8

Löhne  ....

22  544

1,71*

Versicherungen

2  648

0,20'
2,22 3

Betriebsunkosten.

Dampf

5  675

0,43»
0,46°

Elevatoren,  Elektrische  Anlagen

6  169

Lokomotive,  Gebläse,  Pumpen,  Kondensation,
Granulierung

0,42*

6156

Drahtseilbahn,  Werkstätten,  Materialien,  Laboratorium,

  Inventarersatz,  Gebäude  etc.

12  996

0,98®
2,31«

Summe

775  247

58,89’

Davon  ab

Gutschriften

18  772

1,42 7

Herstellungskosten

756  475

57,46 5

Kostenberechnung  für  Siemens-Martinstahl.
Tagesproduktion  125  Tonnen;
Anlagekosten  1  180  000  Mk.  Betrag:
(19,8  °/o)  2120  kg  Hämatitroheisen  zu  180,5
(76°/o)  8150  „  Schrott  eigener  „  90  \
fremder  ,,  110
(1,4  u /o)  145  „  Ferromangan,  50°/o  „  275
(l,4°/o)  150  „  Ferrosilizium,  13°/«  „  207
(0,4  °/o)  40  „  Ferrosilizium,  45°,o  „  545
(0,9  °/o)  90  „  Spiegel  „  130,5
(100  °/o)  10  695  kg
695  „  Abbrand  =  6  V*  °/o

für
1  Tonne
.  27,65
.  89,62
4,07
3,11
2,29
1,23
127,97

/

10  000  kg
        <pb n="348" />
        348

Übertrag:  127,97

Holz  _; 6 7
Kohlen  7
Ton,  Lehm,  Sand  usf  3,45
Löhne  einschl.  Zuschläge  5,35
Abschreibung,  Verzinsung  15%  3,87
(Frühjahr  1917)  Selbstkosten  148,81
Analyse  der  Selbstkosten:
Eisenwert  127,97  =  86%
Bearbeitung  20,84  =  16,3  °/o  =  14°/o
iöö%
Wert  des  Stahles  148,81
Wert  des  Roheisen  mit  Berücksichtigung  des  Abbrandes  .  .  120,—
Wertsteigerung  (ohne  Gewinn)  —  28,81  =  24  %

Analyse  der  Selbstkosten:
Mk.  104,42  Eisen  —  71,70/0
„  41,13  Bearbeitung  =  39,4  %  des  Eisenwertes  =  28,3  %
Mk.  145,55  Selbstkosten  =  100  %
1  t  Stahl  kostet  Mk.  145,55
1  t  Eisen,  roh  (^)  ....  „  96,18
Wertsteigerung  49,37  =  51,3%

Kostenberechnung  für  flüssigen  Bessemerstahl.

|  Einsatz
kg

Preis

Betrag

für  1  t

Kupolofen:
Roheisen  50%  )

3540

120,-424,80



Schrott  I  25%  &amp;gt;  Gattierung  .  .

1780

90,-160,20



Schrott  II  25  °/o  )

1780

55,—

97,90

7100

682,90

-r  8%  Abbrand

560

6540

104,42

8%  Schmelz-  und  Füllkoks  .  .  .

1278

19,5

24,95

3,80

Materialien

3,92

—,60

Betriebskosten  (Kraft,  Licht)  .  .
Löhne  1,75  Mk.  für  t-f  200%  Zu-15,70



2,40

schlag

34,35

5,25

78,92

116,47

Konverter
Aus  dem  Kupolofen

6540

116,47

761,82

1%  Ferromangan  zu  50%  .  .  .

65

200,-13,-



  Ferrosilizium  zu  45%  .  .

32,5

400,-13,-



  12  °/o  Abbrand

6637,5

787,82

796,5

Flüssiger  Stahl
Materialien

5841

136,60
2,50

Betriebskosten

•

3,70

Löhne  1  Mk.  für  1  t  +  175%  •  •

2,75

Selbstkosten

145,55

(Frühjahr  1917)
        <pb n="349" />
        349

Die  folgende  Kalkulation  (Anfang  1918)  ist  vom  Zweckverbande
Deutscher  Stahlgießereien  als  Durchschnittsberechnung  der  angeschlossenen ­
  Firmen  aufgestellt  worden,  als  Grundlage  für  Preisverhandlungen ­
  mit  der  Heeresverwaltung,  also  stark  nach  oben  abgerundet. ­


Durchschnitts-Selbstkostenrechnung  der  21  cm  Gr.  14.
Gewicht  der  abgestochenen  Hülle  113  kg

Gewicht  der  rohen  Hülle  172  „
Gewicht  der  fertig  bearbeiteten  Hülle  75  „
Preis  des  flüssigen  Stahls  für  100  kg  Mk.  19,—
Preis  des  Abfalls  für  100  kg  „  8,—
Bei  Zugrundelegung  von  30  °/o  Ausschuß  sind  von  100  Rohlingen ­
  brauchbar  .  .  70  Stück

A.  Rohling.
1.  Formen,  Gießen,  Putzen,  Abstechen  Mk.  2,48
2  a.  Kosten  des  Betriebes  |
2b.  Geschäftsunkosten  /  270  °/«  6,70
3.  Material  für  Herstellen  der  Formen  „  2,82
4.  Kosten  für  Anfertigen  der  Proben  „  1,80
Summe  1—4  Mk.  13,80
5.  Kosten  des  flüssigen  Stahls  172  kg  ,.  „  32,68
l  Mk.  46,48
6.  Zuschlag  für  Ausschuß  30  %  „  13,94
Summe  1—6  Mk.  60,42
7.  Abzügl.  Wert  des  Abfalls
100  Köpfe  zu  59  kg  =  5900  kg
30  Granaten  „  80  „  =  2400  „
8300  kg  für  70  Granaten

für  1  Granate  =  119  kg  zu  Mk.  8.—  %  kg.  .  „  9,52

8.  Selbstkosten  der  abgestochenen  rohen  Hülle  Mk.  50,90

9.  Kosten  der  Ausschußbearbeitung 1 ).
Gießereiausschuß  8°/o,  undichte  Granaten  4%,  verdrehte  Granaten ­
  2%  Mk.  1,95
10.  Selbstkosten  des  vollständigen  Rohlings  Mk.  52,85
11.  Gewinnzuschlag  15°/o  7,93
12.  Rohlingspreis  Mk.  60,78
rund  Mk.  60,80

*)  30%  Ausschuß  sind  zulässig.  Davon  kommen  6%  auf  Ausschuß ­

  in  der  Gießerei,  10%  Ausschuß  werden  umsonst  bearbeitet.
Zu  vergüten  sind:
8%  Gießereiausschuß  sind  zu  vergüten  mit  20%  des  Bearbeitungswertes ­
  (22,—)  =  für  1  Stück  Mk.  4,40,  also  für  100  Granaten
sind  aufzuwenden  8  X  4,40  =  Mk.  35,20
4  %  undichte  Granaten  sind  zu  vergüten  mit  80%  des  Bearbeitungswertes ­
  =  für  100  Granaten  „  70,40
        <pb n="350" />
        350

Kontierungsschema  eines  Hüttenbetriebes.

A.  Konten  der  Be
I.  Konten  der
Produktionskosten
(Betriebsstatistik):
1.  Puddelwerk-2.
  Martinwerk-3.
  Blockstrecke-4.
  Laufstab-5.
  Tiegelei-6.
  Zementstahl-7.
  Walzwerk-8.
  Blechstrecken-9.
  Kaltwalzwerk-10.
  Gußstahlofen-11.
  Stahlformguß-12.
  Hammerwerk-13.
  Stanzwerk-14.
  Rohrstrecken-15.
  Fitt-  und  Fagonschmiede-16.
  Grobeisenstrecke-17.
  Grobblechstrecke-18.
  Universaleisenstreckeriebsbuehhaltung.


II.  Konten  der  Fabrikate
(Roherfolgskonten):
1  a  Puddeleisen-  Konto
2  a  Block-  „
3  a  Flußeisen-  „
4  a  Laufstab-  ,,
5  a  Tiegel-  ,,
6  a  Zementstahl-  „
7  a  Walzeisen-  ,,
2.  8  a  Eisenblech-  „
9  a  Bandstahl-  „
“  10  a  Ingots-  „
o’  11  a  Stahlformguß-  „
5-  12  a  Gußstahl-  „
°  13  a  Stanzwerkprodukten-  „
14  a  Röhren-  „
15  a  Fittings-  und  Muffen-  „
16  a  Grobeisen-  „
17  a  Grobblech-  „
18  a  Universaleisen-  „

HI.  Konten  der  Hilfsbetriebe  (vgl.  S.  55ff.,  166):
19.  Werkstatt-Konto;  Wert  der  Leistungen ­
  au f  die  beteiligten  Betriebe
20.  Modelltischlerei-Konto;  Modell-  (1—27)  übertragen,
kosten
21.  Beleuchtungskonto;  Ausgaben  verteilt  auf  die  Konten  1—27
nach  dem  Verbrauch.

Übertrag:  Mk.  105,60
2  °/o  Bearbeitungsausschuß.
Der  Rohling  kostet  ohne  Gewinn  Mk.  50,90  und  stellt  als
Schrottwert  dar:  75  X  8,—  =  Mk.  6,—,  also  stellt  ein  bearbeiteter ­
  Rohling  einen  Verlust  dar  von  Mk.  44,90,  für  2  Rohlinge ­
  hat  man  bei  100  Rohlingen  einen  Verlust  von  ....  „  89,90
insgesamt  also  Mk.  195,50
also  bei  einem  Rohling  von  „  1,95
        <pb n="351" />
        351

22.  Dampf  erzeugungskonto;  verteilt  auf  die  Konten  1—27  nach:  dem
Dampf  verbrauch  (berechnet).  (Vgl.  S.  57.)
23.  Kondes.  Unterhaltungs-Konto;  Übertrag  auf  Konto  22.
24.  Laboratoriulm-Konto;  Verteilung  auf  Konto  2  und  10.
25.  Röhren-Appretur-Konto;  Umbuchung  auf  Konto  14.
26.  Verzinkerei-Konto;  Umbuchung  auf  Konto  14a  und  15a.
27.  Eisenbahnbetriebs-Konto;  Ausgaben  verteilt  auf  Konto  1—18
(nach  Tonnenzahl).

IV.  Konten  der  Generalkosten:

28.  Gehälter-29.
  Bureaumaterialien-30.
  Zinsen-31.
  Versicherung-32.
  Werkgebäude-Reparatur-33.
  Porto-  und  Depeschen-34.
  Steuern-35.
  Wohlfahrts-36.
  Handlungskosten-37.
  Reisespesen-38.
  Gespann-39.
  Wegeunterhaltungs-Die

  auf  den  Konten  28—39
verbuchten  Kosten  werden  auf
„Generalunk  osten-Konto“
(40)  gesammelt  und  von  da  auf
die  Betriebskonten  1—18  nach  der
Lohnsumme  dieser  Betriebe  aufgeteilt. ­

(Vgl.  §  31;  die  Verteilung  ist
eine  kumulative,  daher  teilweise
falsch.)

B.  Konten  der  Geschäftsbuchhaltung.
V.  Konten  der  Produktionsmittel:
41.  Grundstück-Konto.
42.  Konten  für  die  Anlagewerte  der  Betriebe,
z.  B.:  Walzwerksanlage:  Konto  der  Walzenstraßen,
„  „  Hochbauten,
„  „  Maschinen,
„  „  Lagereinrichtungen,
„  „  Wärmeöfen;
Dampfkesselanlage-Konto,  Eisenbahn-  und  Wegeanlage-Konto
u.  a.  Konten  der  Beamtenwohnhäuser,  der  Arbeiterwohnhäuser,
Neubau-Konto,  Konto  des  Verwaltungsgebäudes.
43.  Konten  der  Inventarbestände,  z.  B.  Koquillen-Konto,  (Walzen-Konten
  für  die  Betriebe  3,  7,  8,  9,  16,  17,  18,  Inventar-Konten
des  Laboratoriums,  des  Eisenbahnbetriebes  und  anderer  Betriebe.
        <pb n="352" />
        352

\

YI.  Konten  für  den  äußeren  Betrieb:
Bestände  und  Schulden:
44.  Wechsel-,  Kassa-,  Effekten-,  Kautionseffekten-,  Konto-Korrent-Konto,
  Beteiligungs-,  Komhaissionslager-Konto,  Anleiheschulden-,
Kautions-,  Kautionsakzepte-Konto.
45.  Verbandsabgaben-,  Abrechnungs-,  Frachtanteil-  und  Zonenpreise-Konto,
  Konto  Mehrversand-Produkte  A.'  i
46.  Konten  der  Kosten  des  Yertriebes  und  der  Schulden:  Frachtund
  Zoll-,  Provisions-,  Rabatt-  Anleihezinsen-,  Disagio-Konto,
H  an  d  1  u  n  g  s  k  o  st  eil  -  K  o  n  to  des  auswärtigen  Lagers.
Y1I.  Konten  für  interne  Verrechnung:
47.  Abschluß  -Konten:  Abschreibungs-,  Bilanz-,  Gewinn-  und
Yerlust-Konto,  Konto  für  transitorische  Buchungen,  Kapital-Konten
  wie  Aktienkapital-,  Kapital-,  Reserve-,  Spezialreservefonds-Konto. ­

48.  Gewinnverteilungs-Konten:  Dividenden-,  Tantiemen-,
Gratifikations-,  pensionskassen-Konto.
Die  Funktion  der  Konten  der  Gruppe  I  und  II  soll  an  einem
Beispiel  gezeigt  werden.

Soll  (8.)  Blechstrecken-Betriebskonto.  Haben

Bestand

Mk.

Aufwand:  Unmittelbare
Kosten:
Löhne  und  Gehälter....  Mk.
Walzenverbrauch  „  ,
Glühkisten  „  ,
Fluß-,  Walzeisen,  Zünder,
Zoggel,  Gußstahl,  Röhren  .  „  .

Anteilsmäßige  (mittelbare)
Kosten:  §  31.
Dampferzengung
(Konto  22)  .  .  Mk
Beleuchtung  (  „  21)  .
Werkstatt  (  „  19)  .
Generalkosten  (  „  40)  .
Modellkosten  (  „  20)  .
Eisenbahn  (  „  27)  .

V  errechnung:
1.  Verkaufseriös  für  Zünder  etc.,  Abfälle.
2.  Die  Produkte  werden  zum  kalkulierten ­
  Sei  bstkostenp  reis  auf
Konto  8  a  übertragen.  (Soll  2.  Post.)
3.  Wert  der  noch  in  Arbeit  befindlichen
Produkte  (Saldo).
        <pb n="353" />
        353

(8  a.)  Eisenblech-Konto.

Laitner,  Selbstkostsnbereehniing.  1.  Aull.

23

Gesamtbetrag
        <pb n="354" />
        354

Das  Kalkulationss  c  h.  e  m  a  für  den  Betrieb:  Blechstreeken:

Einsatz
kg  Flußeisen  für  °/o  kg
„  Schweißeisen ­
  „  „  „
„  Bänder  „  „  „

,.  Mk.

kg  durchschnittl.
  für  °/o  kg  ...  Mk.

Betrag
Mk.  .

zus.  Mk.

ab  Nebenerzeugnisse
Ausschußbleche  ...  °/o  kg
Blechabschnitte  ...  °/«  kg

Mk.
Mk.

Erzeugung
.  ..  kg  Stahlbleche
.,.  „  dekupierte
Bleche
...  „  Glanzbleche
...  „  Handels  -
bleche
...  kg  gute  Bleche

Selbstkosten

Betrag

für  100  kg

Normalzahl
°/o  kg

Arbeiter-  und  Meisterlöhne
Feuerfestes  Material  einschl.  Löhne  .  .  .
Gezähe
Glühkisten  und  Zubehör
Walzen  und  Löhne  dabei
Schmiermaterialien
Dampferzeugungskosten
Beleuchtungskosten
Reparatur  der  Maschinen
Gehälter
Handlungsunkosten
usw.

a

Mk.

als  Erlös  aus  Zünder  „

Mk.

Abriß  der  Selbstkostenbereclmung  einer  Metallwarenfabrik. ­

Im  folgenden  soll  die  Selbstkostenberechnung  einer  Metallwarenfabrik ­
  größten  Stils  skizziert  werden;  sie  erzeugt  Kartuschhülsen,
  Stangen,  Drähte,  Bänder  usf.  aus  verschiedenen  Metallen
und  Metallegierungen  und  in  verschiedenen  Dimensionen,  auf  Lager
und  auf  Bestellung:  eine  spezialisierte  Massenerzeugung,  die  mit
täglichen  Schwankungen  der.  Rohstoffpreise  zu  rechnen  hat.  Eine
gewisse  kalkulatorische  Gruppierung  der  Erzeugnisse  ergibt  sich
aus  den  technischen  Herstellungsverfahren  von  selbst  —  Hülsen,
        <pb n="355" />
        355

23*

Bleche,  Drähte  .  .  .  Innerhalb  der  Fabrikategruppen  ist  die  Verteilung ­
  der  Herstellungskosten  auf  die  einzelnen  Stärken  und  Dimensionen ­
  schwierig,  vielfach  auf  Schätzungs-  und  Erfahrüngswerten
aufgebaut  (Yerhältniszahlen,  Prozentzahlen,  Taxwerte).  Die  Bildung
von  Werkabteilungen  (Blechwalzwerk,  Drahtzieherei  .  .  .)  sowie  eine
entsprechende  Unterabteilung  nach  Produkten  (Drähte,  Hülsen,  Bleche
.  .  .  verschiedener  Stärken)  ist  für  kalkulatorische  Zwecke  unerläßlich. ­
  Die  monatliche  Kostenberechnung  für  die  Produktion  wird
nach  der  Divisionsmethode  (Gesamtkosten:  Menge),  eine  Spezialkalkulation ­
  nur  in  Ausnahmefällen  durchgeführt.
Die  Materialberechnung  stützt  sich  auf  Gewichtsscheine,
die  das  Rohmaterial  vom  Eintritt  in  die  Erzeugungsstätte  bis  zur
Ablieferung  an  das  Lager  für  Fertigfabrikate  begleitet.  Die  Menge
der  guten  Waren,  des  Abfalles,  des  Ausschusses  (der  Bearbeitung,
Abnahme  durch  Behörden),  die  Gewichtsverluste,  sowie  die  für  die
Beurteilung  der  Fabrikation  wichtigen  Verhältniszahlen  lassen  sich
auf  Grund  dieser  Aufzeichnungen  ermitteln.  Die  Angaben  der  Gewichtsscheine ­
  werden  an  den  Zwischenstellen  der  Fabrikation  in
Betriebsbüchern  gesammelt.  Monatliche  Aufrechnungen  der  Betriebsbücher ­
  liefern  Angaben  über  die  Produktionsmengen  nach  Fäbrikategruppen,
  über  durchschnittliche  Abfallprozente  und  für  andere  betriebswirtschaftlich ­
  wichtige  statistische  Beobachtungen.
Die  Lohnverrechnungsbücher  stellen  wie  üblich  für
jeden  Arbeiter  und  jede  Werkabteilung  die  Lohnsummen  fest,  für
die  Hauptbetriebe  weitgehend  zerlegt,  für  Nebenarbeiten  und  -betriebe
summarischer.  Berechnung  des  durchschnittlichen  Lohnes  der
einzelnen  Arbeiter  für  die  Schicht  und  für  100  kg  der  Erzeugung.
Wie  weit  man  in  der  Gliederung  der  Lohn  Verteilung  gehen  will  und
muß,  ist  eine  Kosten-  und  Zweckmäßigkeitsfrage  im  Einzelfall  und
für  die  einzelnen  Werkabteilungen,  insbesondere  hinsichtlich  der
sogenannten  Neben-  und  Hilfsarbeiten,  z.  B.  Transporte  innerhalb
des  Werkes,  Wiegen  u.  a.
Die  Aufteilung  der  Arbeitslöhne  innerhalb  der  Werkabteilungen
und  Unterabteilungen  auf  die  Fäbrikationsgruppen  macht  besondere
Schwierigkeiten,  wenn  es  unzweckmäßig  oder  unmöglich  erscheint,
für  die  einzelnen  Stärken  und  Dimensionen  die  Lohnäusgaben  unmittelbar ­
  festzustellen.  Der  Betriebsleiter  wird,  nach  Schwierigkeiten;
der  Herstellung,  Kraftverbrauch  für  die  Dimensionen,  abgestufte
oder  nach  andern  betriebstechnisch  und  kalkulatorisch  zu  rechtfertigenden ­
  Verhältniszahlen  als  Verteilungsschlüssel  berechnen
müssen.  Ein  Beispiel:  Gesamtlöhne  Mk.  1253  000.
        <pb n="356" />
        356

Grüße

I

II

III

Gesamtlöhne

Ziehen

54  864  =  1'

64  545  =  1*

22591  =  1*

142  000=  v

Schweißen

13  908

16  364

5  728

36  000

Glühen

42  500

50000

17  500

110  000

Beizen

103  931

122  274

42  795

269  000

Drehen

62  977

74  090

25  933

163  000

Fertigmachen

29  363

34545

12  092

76  000

Sonstiges

176  569

207  727

72  704

457  000

Zusammen

484112

569545

199  343

1253  000

Die  Gesamtlöhne  werden  im  Verhältnis  425:500:175  (gekürzt:
17:20:  7)  verteilt,  dementsprechend  errechnen  sich  die  Lohnanteile
der  einzelnen  Größen  für  die  erste  Teiloperation  wie  folgt:
1  *:  2  —  17  :  44;  1 1  =  142  000.  "/«  =r  54  869  Mk.  für  das  Ziehen
1  ’:  .2  =  20  :  44;  1  ’  =  142  000.  «/«  =  64545  „  „  „  „
\‘:2=  7:44;  1 3  =  142000.  ’/«  =  22  591  „  „  „  „

In  einer  andern  Abteilung  —  Drahtzieherei  —  werden  die
Produktionsjnengen  mit  einem  dem  Kraftverbrauch  der  Ziehpressen
entsprechenden  Verteilungsschlüssel  vervielfacht  (vgl.  S.  133).
Von  den  Betriebskosten  greifen  wir  nur  die  wichtigsten
heraus:

a)  Kraftkosten  monatlich:

Davon  entfallen
auf:

b)  Die  Abschreibungen  und  die  Verzinsung  des  Anlagekapitals, ­
  getrennt  für  Gebäude,  Maschinen,  Öfen  usf.  werden
auf  Grund  von  Inventarkarten  für  die  einzelnen  Werkbetriebe  ermittelt, ­
  die  Produktionsmenge  gegenübergestellt  und  der  Anteil  für
        <pb n="357" />
        357

100  kg  der  Produktion  berechnet.  Genauer  wäre  die  Berechnung,
wenn  man  die  Abschreibungen  im  Verhältnis  der  Verteilungsgewichte ­
  der  Produktion  verteilte;  die  gleichmäßige  Belastung  für
100  kg  ohne  Rücksicht  auf  die  betriebstechnische  Schwierigkeit  und
Beanspruchung  ist  unrichtig.  Die  Verteilungsgewichte  ergeben  sich
aus  der  Vervielfachung  der  Produktionsmenge  mit  den  Verteilungskonstanten ­
  (im  Beispiel  425:  500:175  *))
z.  B.:  Größe  I:
50000  kg  Produktion;  (50  000x  17)  850  000  kg  Verteilungsgewicht
Größe  II:
60  000  kg  Produktion;  (60  000  X  20)  1  200  000  kg  „
Größe  III:
20  000  kg  Produktion;  (20  000  x  7)  140  000  kg  „
Abschreibungen  76  650  Mk.  auf  2  190  000  kg
d.  s.  3,50  Mk.  für  100  kg  Verteilungsgewicht;  demnach  für  Größe  I
29  750  Mk.;  II  42  000  Mk.;  III  4900  Mk.  Die  erstgenannte
Verteilungsart  würde  ergeben:  29  480;  35  376  und  11  792  Mk.;
Größe  I  und  II  sind  unverhältnismäßig  hoch  belastet.
c)  Die  Zinsverluste  auf  die  Materialbestände,  diese  nach
dem  Durchschnitt,  der  letzten  3  Jahre  berechnet,  werden  in  der
gleichen  Weise  verteilt.  Die  Aufrechnung  der  Zinsverluste  während
der  Fabrikation  muß  die  Umlaufzeit  des  Rohstoffes  bis  zur
Ablieferung  der  Fabrikate  an  das  Lager  bzw.  die  Expedition  berücksichtigen. ­

Die  Aufteilung  der  Versicherungsbeiträge,  der  Wohlfahrtskosten ­
  und  der  Gehälter  der  technischen  Beamten  auf  die  Werkabteilungen ­
  bzw.  die  Werkbetriebe  erfolgt  nach  der  vorjährigen
Summe  des  Produktionswertes  dieser  Berechnungselemente.  Z.  B.
Werk  I  hat  123  747  Mk.  verausgabt;  auf  Betrieb  a  entfallen  ll,5o/o
dieses  Betrages  =  14  230  Mk.;  für  100  kg  der  Jahres-Produktion
(840  Tonnen)  1,70  Mk.
Die  Handlungsunkosten  werden  scharf  von  den  Betriebsunkosten ­
  geschieden:  Betriebs-  und  Vertriebsfrachten,  Betriebskrankenkasse ­
  und  Kasse  der  Kaufleute  usw.  Ihrer  Verteilung  wird
der  Umsatz  nach  Menge  oder  Produktionswert  der  Fertigfabrikate
(unter  Ausscheidung  der  Zwischenprodukte)  und  mit  Berücksichtigung ­
  der  größeren  oder  geringeren  Kosten  und  Mühe  des  ,Vertriebes ­
  (Absatzes)  zugrunde  gelegt  (Prozentzahlen).
Eine  etwas  summarische  Berechnung  zeigt  das  folgende  Beispiel
eines  Kupferwalzwerkes;  die  Arbeitsstufen  sind  getrennt  berechnet;

*)  Um  das  Beispiel  nicht  zu  weitläufig  werden  zu  lassen,  sind  die  übrigen
Arbeitsprozesse  hier  zusammengezogen;  vgl.  S.  83,  146,  161  f.
        <pb n="358" />
        358

die  Gewichtsverluste  (4o/ 0 )  berücksichtigen  die  fortschreitende  Werterhöhung ­
  durch  Arbeit  nicht,  sie  werden  stets  vom!  Einstandspreis
des  Werkstoffes  berechnet.

Kalkulation  für  Kupferbänder  (1917).

100  kg  Cu  frei  Werk  (75  kg  zu  Mk.  350,

25  kg  zu  Mk.  170  °/ 0  kg)  =

Gießerei:

Wiegen

.  Mk.  —,20

Löhne  einschließlich  Meister

.  „  2,50

Tiegelverbrauch  .  ...

•  „  5,-Koks

  verbrauch  40  •/„  .  .  .

•  51

Ofenverschleiß,  Werkzeuge  .

•  „  1,-Gebläse,

  Beleuchtung  ,  .  .

3  kg  3%  Abbrand  von  Mk.  305  .

.  „  9,15

Mk.  19,15

97  kg  Gegossene  Blöcke:

Preßlohn

.  Mk.  1,50

Anwärmen

■  „  -40

Kraft,  Licht,  Wasser  .  .  .

■  „  1,75

Verschleiß,  Material  .  .  .

•  „  1,-Meisterlohn



•  „  -75

0,5  kg  ’/'a  %  Verlust  von  Mk.  305  .

.  „  1,55

Mk.  6,95

96,5kg  Gepreßte  Stangen:

Ziehlohn

.  Mk  18,-Glühlohn,

  Meister  ....
Zerschneiden,  Anspitzen  .  .

•  „  3,

•  „  2,

Maßschneiden,  Revision  .  .

•  „  4,-Kraft,

  Verschleiß,  Material  .

.  n  1,20

0,5  kg  Ya'/o  Verlust

■  „  1,55

Mk.  29,75

96  kg

:x =  Fracht  auf  Rohstoff  .  .  .

.  Mk.  3,—

Indirekte  Löhne

•  „  —,55

Generalkosten  ....

•  »  2,

Mk.  5,55

je  100  kg  Bänder

Mk.  305,—

Mk.  61,40
Mk.  366,40

Ausbeute:
75  kg  Bänder  zu  Mk.  425  (Verkaufspreis)  .  Mk.  318,75

20
1

Abfälle
Späne

305
80

feste  Preise

61,-—,80


Einnahmen

Gewinn  für  100  kg

Mk.  380,55
Mk.  14,15

Zusammenstellung  der  Kosten  (ohne  Werkstoff):

Löhne  Mk.  31,75
Abbrand  4°  o  12,25
Betriebskohlen  „11,85
Allgemeine  Kosten  2,55
Fracht  3,—

Mk.  61,40
        <pb n="359" />
        Monats-Kalkulation  einer  Brikett-Fabrik.

Es  wurden  produziert  Tonnen.

Betrag
Mk.

Pf.

Kostei
pro  Tor
Mk.

1
ne
Pf.

1.  Kohlen  verbrauch
Verbrauch  —  T.  zum  Kalk.-Satze  —  Pfg.
2.  Löhne
Fabrikationslöhne
Löhne  für  Verladung
Heizer  und  Maschinenwärter
Reparaturlöhne  der  Handwerker  ....
Löhne  für  Hilfsarbeiter
3.  Materialien
Materialien  für  Reparaturen
Schmiermaterialien
Beleuchtungsmaterialien  .......
Allgemeine  Materialien
4.  Unkosten
Gehälter  und  Prämien  für  Beamte  .  .  .
Feuerversicherungsgebühren
Anteil  an  den  Werkstatt-Unkosten  .  .  .
Anteil  an  den  Fuhrwerks-Unkosten  .  .  .
Allgemeine  Fabrik-Unkosten
Gebäude-Unterhaltungskosten
Bahnentransportgebtthren
Gesamt-Summe  Mk.

Anteil  an  den  Abschreibungen  auf  Brikettfabrik-Anlage-Kosten

Anteil  an  Obligations-Zinsen,  General-Unkosten,  Steuern,
Arbeiter-Versicherungen  pp
Gesamtkosten  pro  Tonne  Mk.
        <pb n="360" />
        360

Beispiel  einer  jährlichen  Dnrchschnittskalkulation.  (Brikettfabrik.)

Betrag

für
100  kg

I.  Erzeugungskosten
1  890  795  hl  Kohle  zu  14  Pfg.  &amp;gt;)

264  711,30

29,69  Pfg.

Löhne

50  821,26

5,07  „
)

Betriebskosten

21  235,59

Gehälter,  Tantieme ,J )

6  378,79

3,28  „

Berufsgenossenschaft  *)

1676,58

Anteilige  Generalkosten

10  832,00

1,22  „

Ab  Erlös  ftir  Knorpelkohle  usw

355  655,52
39  703,98

39,89  Pfg.
4,45  „

Selbstkosten

315  951,54

35,44  Pfg.

Verkäufe:  Eisenbahnversand

132  875,52

39,48  Pfg.

Kreditverkäufe

167  272,13

36,91  „

Barverkäufe

24  660,12

43,05  „

Selbstverbrauch

8  868,30

35,-  „

872  420  dz
+  23  500  „  Bestand  am  31.  12.  1911

333  676,07
7  050,-30,—

  Pfg.

895  920  dz

340  726,07

4-4  278  „  Bestand  am  1.  1.  1911

1  283,40

30,-  Pfg.

891  642  dz  erzeugt

339  442,67

38,07  Pfg.

Abzüglich  Selbstkosten

315  951,54

35,44  „

23491,13

2,63  Pfg.

Bestand  an  Kohlen
am  1.  1.  1911  3  750  hl  =  525,—
Bestand  an  Kohlen
am  31.  12.  1911  11  750  hl  =  1645,—
Somit  mehr  8  000  hl  =  1120,—

1120,-—,13

  „

Reingewinn

24  611,15

2,76  Pfg.

*)  Verrechnungspreis  der  Grube;  deren  durchschnittliche  Selbstkosten  betrugen ­
  11,09  Pfg.,  der  Verkaufspreis  15  Pfg.  für  1  hl  Kohle.
2 )  Auf  100  Mk.  Lohn  12,6  Mk.  Gehälter.
3 )  Auf  100  Mk.  Lohn  3,3  Mk.  Beitrag  des  Unternehmers.
        <pb n="361" />
        361

Kalkulationsbeispiele  aus  der  chemischen  Großindustrie.
(Vgl.  S.  380  den  Hinweis  auf  die  betreffenden  Stellen  dieses  Buches.)
In  der  chemischen  Großindustrie  (der  Farben,  Säuren  u.  ä.)
spielen  die  Arbeitslöhne  eine  untergeordnete  Eolle  im  Verhältnis
zu  den  übrigen  Selbstkosten,  insbesondere  den  Materialkosten.  Die
Unterscheidung  zwischen  Produktiv-  und  Nichtproduktivarbeitern  ist
hinfällig,  gelernte  Arbeiter  (Handwerker  für  Bau-  und  Reparaturarbeiten) ­
  sind  in  der  Minderheit.  Die  in  der  mechanisch-technologischen ­
  Industrie  üblichen  Kalkulationsmethoden  können  in  der
chemisch-technologischen  keine  Anwendung  finden,  es  sei  denn,  daß
sich  an  die  chemische  Gewinnung  der  Vorprodukte  eine  mechanische
Verarbeitung  bis  zum  Endprodukt  anschließt,  z.  B.  Verarbeitung
der  Rohmasse  in  der  Fabrikation  der  Nitrozellulose-  und  des  Nitroglyzerinpulvers, ­
  Pressen  und  Körnen  von  Schwarzpulver,  Sprengkörpern. ­
  Doch  erscheint  es  empfehlenswert  in  solchen  Fällen  (der
Massenproduktion  und  der  Möglichkeit  monatlicher  Kostenermittlung) ­
  mit  einem  einheitlichen  Berechnungsmodus  zu  arbeiten  und
die  Kosten  auf  100  kg  bzw.  1  kg,  also  auf  die  Gewichtseinheit  umzurechnen ­
  (Divisionsmethode).  Hauptsache  für  diese  Industrie  ist
eine  weitgehende  Zerlegung  der  Unkosten  der  Herstellung  —  Materialkosten, ­
  Fabrikationskosten,  das  sind  hier  Fabrikationslöhne  und  Betriebsunkosten, ­
  Generalkosten  der  Zentralverwaltung  —  getrennt  für
Haupt-,  Hilfs-  und  Nebenbetriebe  und,  soweit  erforderlich,  für  die
einzelnen  Zwischenprodukte  bzw.  Fabrikationsstufen,  wie  das  später
folgende  Beispiel  der  Kostenberechnung  für  Schwefelsäure  es  erkennen ­
  läßt.
Ein  anderes  Beispiel:  Für  Pikrinsäure  kann  Benzolsalz  oder
Chlorbenzol  als  Ausgangsprodukt  genommen  werden,  beide  Verfahren
sind  kalkulatorisch  auseinander  zu  halten.  Der  ungefähre  Weg  des
ersten  Verfahrens  ist:  Benzolsalzi,  Reinphenol,  Pikrinsäure  roh  aus
Phenol,  endlich  Pikrinsäure  rein.
In  der  folgenden  Kostenberechnung  sind  die  Produkte  des  eigenen
Betriebes  —  Reinbenzol,  Schwefelsäure,  Salpetersäure,  S0 3  usw.  —
mit  dem  Verrechnungspreis  bzw.  Verkaufspreis,  die  von  den  fremden
Betrieben  eingekauften  Säuren  mit  ihrem  Einstandwert  frei  eigene
Fabrik  eingestellt.  Kontrolle  der  Ausbeute,  Verrechnung  der  wiedergewonnenen ­
  Säuren  usw.  In  dem  folgenden  Beispiel  werden  die
Zwischenprodukte  mit  Unkosten  belastet,  die  Generalkosten  sowie
der  Gewinn  jedoch  erst  auf  das  Endprodukt  geschlagen  (S.  84  f).
Die  Berechnung  bzw.  Verteilung  der  Fäbrifckosten  auf  die  Zwischenprodukte ­
  erfolgt  nach  dem  Schema  S.  147  f.
        <pb n="362" />
        362

1.  Beispiel.
Es  soll  hier  nur  die  Berechnungsmethode  für  das  letzte  Erzeugungsstadium  angedeutet ­
  werden.
I.  Pikrinsäure,  roh,  aus  Phenol,  3.  Quartal  19  .  .
Einsatz  nach  Menge,  Einheitspreis  und  Gesamtkosten  berechnet,  davon
ab  die  Wiedergewinnung  an  Säuren.  Ausbeutemenge  daraus  berechnet:
Preis  f.  100  kg

Material  Mk.  259,35
Fabrikkosten  einschließlich  Löhne  (direkte  Unkosten)  ...  „  9,30
Besondere  Kriegsunkosten,  .  .  .  %  der  Kosten  „  2,48
Abschreibungen,  allgemeine  und  besondere  „  4,96

Mk.  276,09

II.  Pikrinsäure,  rein

Einsatz:  .  .  .  .  kg  Pikrinsäure,  roh,  feucht,  zu  Mk.  276,09  .  Mk,
....  „  Säuren,  Kalkulations-  und  Einstandspreis  „
Ausbeute:  ....  kg  feucht,
....  „  trocken

.  ...  kg  zusammen  zu  Mk.  2,87 3  für  1  kg.
Preis  f.  100  kg
trocken

Material  Mk.  2,87 3
Fabrikationskosten  —,25 2
Besondere  Kriegsunkosten  —,05"
Abschreibungen  „  —,13*
Mk.  3,31 8

15%  Generalkosten  „  —,49 8
Selbstkosten  Mk.  3,81 6

2.  Beispiel.
Die  „Verwaltungsstelle  für  private  Schwefel  Wirtschaft“  (Kriegs-Chemikalien-A.-G.)
  hatte  1918  das  nachstehende  Formular  zur  Zusammenstellung  von
Fabrikationskosten  für  die  Erzeugung  der  Schwefelsäure  durch  Abrösten  von
Schwefelkies  verwendet.  Es  trennt  die  Kosten  der  einzelnen  Prozesse  (Brechen
des  Kieses,  Transport,  Rösten,  Kammer-  bzw.  Kontaktanlage,  Konzentration)
unter  Verteilung  der  Betriebsunkosten.  Die  Generalkosten  folgen  zum  Schluß.
Gestehungskosten  der  Schwefelsäure  fiir  das  11.  Halbjahr  1917.
Wie  hoch  ist  der  Wert  Ihrer  Gesamtanlage
a)  Brecheranlage:
b)  Röstanlage:
c)  Kammeranlage:
d)  Kontaktanlage:
e)  Konzentrationsanlage:  .......
f)  Verschiedenes(wieBureaugebäude,  Arbeiterwohnungenetc.):  .  .  .  .
Wieviel  Kies  (.  .  .  %  S)  haben  Sie  im  II.  Halbjahr  1917  abgeröstet:  ....  kg
„  Schwefelsäure  60°  Be  haben  Sie  erzeugt:  .  .  .  .  „
„  Oleum  20%  haben  Sie  erzeugt:  .  .  .  .  „
„  Schwefelsäure  60°  Be  können  Sie  erzeugen:  .  .  .  .  „
„  Oleum  20%  können  Sie  erzeugen:  .  ...  „
        <pb n="363" />
        III.  Röstanlage:
T  ...  )  wieviel  Arbeiter
^  6  I  ein  Tageslohn  Mk
b)  Reparaturen
c)  Kohlen  flir  Dampf  und  Kraft
(1  to  Kohle  Mk  )  .
d)  Elektrische  Kraft  (1  KW  Mk
e)  Betriebsmaterialien  .  .
f)  Sonstige  Betriebsunkosten
g)  Abschreibung

Gesamtkosten

IV.  Kammeranlage  bzw.  Kontaktanlage:
Wieviel  Systeme  in  Betrieb:
a)  Kammerbetrieb
b)  Kontaktbetrieb
Wie  groß  ist  die  Tagesproduktion:
a)  60  er  Säure  to
b)  Oleum  20  °L  ....  to
.  T  kv.  1  wieviel  Arbeiter  ....
a)  Löhne  J  ein  Tageslohn  Mk.  .  .  .
b)  Stickstoff  (in  welcher  Form):
c)  Kohlen  für  Dampf  und  Kraft
(1  to  Kohle  Mk  )
d)  Elektr.  Kraft  (1  KW  Mk  )
e)  Reparaturen
f)  Sonstige  Betriebsunkosten  ....
g)  Abschreibungen  (wieviel  %  .  .  ■  .)
Gesamtkosten:

Kosten
im  II.
Halbjahr ­

1917

p.  to
60  er
Säure

Kosten
im  II.
Halbjahr ­

1917
        <pb n="364" />
        364

Kosten  im  p.  to
II.  Halbjahr  60  er

1917

Säure

V.  Konzentration:

Welches  System:
Wieviel  Anlagen:
Wieviel  60  er  Säure  wurde  konzentriert:  kg
Wie  hoch  ist  der  Konzentrationsverlust:  ....  kg
in  %  ...  .

r  »u«  \  wieviel  Arbeiter
Ll0nne  /  ein  Tageslohn  Mk
Kohlen  bzw.  Koks  f.  Heizung:  1  to  Kohle  Mk.  .  .
1  to  Koks  Mk.  .  .
Kraft  (Kohle  bzw.  elektrische  Kraft)  .  .  .  .
Reparaturen
Betriebsmaterialien
Sonstige  Betriebsunkosten
Abschreibung:  wieviel  %
Gesamtkosten:
Wieviel  Säure  66°  Be
(.  .  .  .  %  H,SQ 4 )  wurde  erzeugt:  ....  kg
VI.  Generalunkosten  (wie  Beamten-  u.  Meistergehälter, ­
  Versicherungen,  Steuern,  Handlungsunkosten ­
  etc.)

VII.  Abschreibung  auf  Verschiedenes:
wieviel  %  •  •

3.  Beispiel.
Kalkulation  der  Erlenholzkohlen.
Qualität  78/82%  Kohlenstoffgehalt,  bis  2V 2 %  Aschengehalt,  frei  von  Destillationsprodukten. ­

Mk.  18,—  je  1  Raummeter  Erlenholz  ab  Versandstation
„  8,50  Fracht  und  Spesen  bis  Fabrik
„  1,85  7%  Mindermaß  für  Ablängen  und  Verlust  auf  dem  Transport
Mk.  28,35
„  3,95  14%  Rindenverlust
Mk.  32,30  je  1  Raummeter,  1  RM  =  0,44  Festmeter,  ^usbente*
Faktor  —,44,  für  1  Festmeter  Mk.  73,40  40,78

Fabrikationsunkost  e'n:
Ge ‘  =  Mk.  7,67  per  F.  M.
Steinkohlen  und
Ätzkalk  =  „  7,06  „  „  „
Fabrikausgaben  =  „  9,38  „  „  „

für  100  kg  Ausbeute:
Mk.  4.26

(  3,88  Löhne
\  —,88  Gehälter

3,92
5,21

Mk.  24,11  per  F.  M.  Mk.  13,39

Mk.  24,11  13,39
Mk.  97,51  54,17
        <pb n="365" />
        365

/

Ausbeutebereehnung:  für  100kg  Ausbeute:
für  Ausbeute  *
an  Holzkalk  =  Mk.  22,50  Mk.  12,50  (50—%  kg,  fester  Preis)

für  Ausbeute
an  Holzgeist  =

„  10,80

?&amp;gt;  6)  (120  „  „  „

„  )

für  Ausbeute
an  Teer  —

,,  8,-„

  4,44  (20  „  ,,  „

)

Holzkohlenabfall ­
  =

„  1,56

i
00
«o
i—*
r

»  )

Mk  42,86

Mk.  23,81

Mk.  42,86  23,81

bleiben  zu  decken  Mk.  54,65  30,36
*)
Ausbeute  an  Versandholzkohlen  180  kg  —  Mk.  54,65
oder  für  100  kg  =  „  30,86*)
+  20%  Bruttogewinn  =  „  6,07
=  Mk  36,43  ohne  Abschreibungen,  Ver-:
  kaufskosten  usw.

Kalkulationsbeispiele  aus  verschiedenen  Industrien.
1.  Beispiel  der  Kalkulation  einer  Möbelfabrik.
1  Ottomane,  Lager  Nr.  24  568.

Gestell,  gekauft  ....

Mk.

13,50

Mechanik,  Scharnier  .  .

2,80

Fracht

n

-,70

&amp;gt;

Mk.

17,-2

  Dutzend  Federn  zu  50  Pfg.

das  Stück

12,-Gurten,

  Spannstoff  Kordel,

Nägel  usw. 1 )  ....

7,-6

  Pfcl.  Roßhaare  zu  2,75

16,50

5  „  Wolle  und  Werg  .

n

4,-M£.



56,50

Ottomanedecke  ....

52,-15

  Stunden  Lohn  für  Polster

  und  Bezug  zu  70  Pfg.

»

10,50

Mk.  119,-4°/o

  Unkosten“)  ....

tr

4,75

Mk.  123,75

10°/o  Gewinn

V

12,35

Mk.  136,10

6*/o  Zinsen  für  */*  Jahr 2 )

2,05

Mk.

138,15

Bemerkungen:
')  Der  Zuschlag  für  Material  läßt
sich  nur  schätzen,  nicht  berechnen,  da
man  für  die  einzelnen  Artikel  verschiedene ­
  Mengen  verbraucht.  Überdies ­
  sind  die  Unterschlagungen  der
Arbeiter  zu  berücksichtigen,  die  nicht
zur  Kenntnis  des  Prinzipals  kommen.
J )  Die  geringen  Unkosten  und  Zinsen
sind  damit  zu  erklären,  daß  auf  Bestellung ­
  gearbeitet  wurde.  Wenn  auf
Lager  gearbeitet  wird,  erhöhen  sich
diese  Kosten  ganz  bedeutend;  je  länger
die  Ware  unverkauft  bleibt,  desto
größer  werden  die  Ausgaben  für  Lagerarbeiten ­
  und  die  Zinsverluste.
        <pb n="366" />
        367

2.  Beispiel.

Kostenberechnung

Herstellung^-Gesamtbetrag


1  a

1
Produktion  in
Tonnen
b

Einzelkosten
per  Tonne  der
Produktion
(Mark)
c

1.  Gewinnungskosten  imSteinbruch

2.  Transport  in  die  Mühle
(Bahnanlage)
3.  Zerkleinern,  Trocknen  (Rohmühle)
  ....
4.  Ziegelpresse  (Rohziegel)  .
5.  Klinker  brennen  (Zementofen) ­
  .  .  .
6.  Zementmühle
7.  Verpackung,  Verladung  in
den  entsprechendenRäumen

1  467  450,-108
  903,—
700  581,—
560566,—
1  203  160,—
771  850,—
335  920,—

1  153130
153  680
153  620
154  020
154  250
145  500

3,053
0,711
4,559
3,648
7,811
5,004
2,240

Generalia:
Allg.  Betriebskosten  .  .  .

755  755,-(Durchschnitt)


152  370

4,960

Herstellungskosten
Abschreibungen  .  .

4  894  185,—
325  769,—

31,986
2,122

Handlungsunkosten  ....

222  615,—

(Versand)
145  500

34,108
1,530

Selbstkosten  .  .

5  442  569,—

35,638

Gesamt-Kalkulation


Spezialkalkulation ­


Anmerkung:  Das  Schema  entspricht  den  Anforderungen  der  §  7,
Seite  21  Ziffer  3,  und  §  10,  Seite  47  und  ermöglicht  eine  genaue  Berechnung
der  jeweiligen  Bearbeitungsstufen.

einer  Zementfabrik 1 ).

koste  n

Abschreibungen

Selbstkosten
der  Halbfabrikate ­

(c  +  g)
h

In  Prozenten
der
Selbstkosten

Verteilung  der
Betriebskosten
auf  die
Produktionsstadien ­

d

Gesamtkosten
der  Produktionsstadien ­

e

Betrag
f

Verteilung
auf  die
Produktion
(Mark)
g

8,6

5  o/o  ==  0,248

3,301

22  969,—

0,150

3,451

2

5  °/o  =  0,248

4,260

11178,—

0,073

4,483

12.3
10.3

30  o/o  =  1,488
20  °/o  =  0,992

10,307
14,947

43  799,—
33  028,—

0,285
0,215

10,815
15,670

00
CQ  *-4

10o/o  =  0,496
20  o/o  =  0,992

23,254
29,250

80  700,—
63  243,—

0,524
0,410

24,501
30,907

6,3

10o/„  =  0,496

31,986

14

4,960

©  ©  ©  C©
»-4  Ol  CO  00
ll  II  ll  2-70

  852,—

0,465

34,108

89,8
6
4,2

+  11
~r  zo
©'-Ö-Ö  5
HIMCO  ^
«++i+
§££  9«

352  769,—

2,122

OO
ii

OO
©
r—4
II

t—
CO
kO
II

100,0

.§++  ~
«  «  &amp;lt;D  &amp;lt;*&amp;gt;

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O

CO
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CQ

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©
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s
CQ

CJ
oJ
+
o
CO
©
rH

CQ
O
+
L—
r-4

')  Vgl.  Zeitschr.  f.  Handelsw.  Forschung,  3.  Jahrg.,  S.  237f.  Pasehke,
Selbstkostenberechnung  und  Buchführung  für  Ziegeleibetriebe;  ebenda  S  289f.
        <pb n="367" />
        —  368  —

3.  Schematisches  Beispiel  für  die  Betriebsrechuung

Verbucht  auf

Gegenstand

10

Kohlen-Konto

Gasproduktions-Kouto

Gasproduktions-Konto  oder  einem
Konto  der  Gasbehandlung

Koks-Konto

Konto  für  Nebenprodukte  oder
auf  Spezial-Konten

Kesselhausbetriebs-Konto
Betriebskosten-Konto  (oder  Konto
der  elektrischen  Zentrale  u.  a.)
Betriebskosten-Konto  oder  auf
Spezial-Konten

Amortisations-Konto

Kohlen 1 )  zur  Vergasung
Kohlentransport  bis  zur  Verwendungistelle
Ofenhausbetrieb:  Löhne  einschließlich ­
  Zwangsversicherungsbeiträge
Behandlung  des  Gases:  Wasserverbrauch ­
  ;  Kosten  der  Reinigung;  Messung;
Aufbewahrung

Koks 2 )  für  Retortenöfen,  und  zwar  Kosten
der  Lagerung,  Sortierung  des  Verkaufes ­


Kosten  auf  die  Nebenprodukte 3 )  Teer,
Ammoniak,  Gaswasser,  Reinigungswasser, ­
  Retortengraphit
Kraf  terzeugung  für  den  Betrieb
Beleuchtung,  Heizung  der  Räume

Gehälter  und  Tantiemen  der  Beamten,
Kosten  des  Laboratoriums,  Unterhaltung
der  Anlagen
[Abschreibungen  *)  auf  Betriebsanlagen]

Summe

Literatur:
Greineder,  Selbstkostenberechnung  für  Gaswerke.  Z.  f.  Handelsw.
Forschung  5.  Jahrg.  S.  409  ff.
Derselbe,  Betriebsbuchführung  für  Gaswerke.  München  1910.
Derselbe,  Finanzielle  Überwachung  der  Gasunternehmungen.  München  1911.
Schäfer,  Buchführung  für  Gasanstalten.  Leipzig  1906.
Le  Coutre,  Preisentwicklung  in  der  Steinkohlen-Industrie.  Leipzig  1914
(Schriften  des  Vereins  für  Sozialpolitik).

369

eines  Gaswerkes  (nur  Fabrikation).

Betrag

Anmerkungen

‘)  Einkaufswert  -|-  Nebenkosten  (Anfuhr,
Lagerung).  Der  Monatsbetriebsrechnung  kann
man  einen  Durchschnittspreis  zugrunde  legen.
*)  Der  Materialwert  steckt  bereits  in  den
Kohlenkosten,  auch  sind  die  Löhne  für  die
Erzeugung  an  anderer  Stelle  (3)  mitverrechnet.
3 )  Hier  wird  der  Verkauf  der  Nebenprodukte ­
  angenommen.  Werden  sie  vom  Gaswerk ­
  im  Nebenbetrieb  verarbeitet,  so  sind
Kosten  und  Erlös  auf  Sonderkonten  (Teerkonto, ­
  Ammoniakkonto,  Wassergaskonto)  zu
verbuchen.  Wegen  der  Bewertung  in  diesem
Falle  vgl.  §  17.
*)  Hinsichtlich  der  Anlagen-Amortisation
und  Verzinsung  sind  zwei  \Vege  möglich:
Entweder  man  verrechnet  die  Summe  aller
Abschreibungen,  wie  hier,  als  einen  Sonderposten ­
  und  kann  ersehen,  wieviel  Abschreibung
auf  1  cbm  Gas  entfallen,  oder  man  verrechnet
die  Abschreibungsbeträge  monatlich  auf  den
Betriebskonten,  so  daß  z.  B.  Selbstkosten,  Beleuchtung, ­
  Kosten  der  Gaserzeugung  einschließlich ­
  der  Abschreibungen  kalkuliert
werden.
Betriebskontrolle:  Für  die  Berechnung
und  Ermittelung  von  Durchschnitts-  oder
Normalzahlen  und  zwecks  Vergleichung  der
tatsächlichen  Ausgaben  mit  dem  Normale
empfiehlt  es  sich,  die  Einzelausgaben  auf  die
Leistungseinheit  zu  reduzieren.  Z.  B.  die
Kosten  unter  2.  auf  1  Tonne  vergaster  Kohlen,
unter  3.  und  4.  auf  1  Tonne  erzeugten  Gases  usf.

Leituer,  Solbätkoatenberechmuig.  7.  Aull.

24
        <pb n="368" />
        370

Das  ,Verrechnungswesen  eines  Gaswerkes  soll  auseinanderhalten ­
  :  a)  Gaserzeugung  und  -  vertrieb  (Fortleitung,  Abgabe);
b)  Hauptbetrieb  und  Nebenbetriebe  (Teer  etc.),  sofern  die  Nebenprodukte ­
  im  eigenen  Betriebe  weiter  verarbeitet  werden.
Die  Abrechnungen  städtischer  Gaswerke  trennen  selten  die
Kosten  nach  den  unter  a)  angegebenen  Gesichtspunkten.  Die  Betriebskosten ­
  der  Gasverteilung!  (u.  a.  Unterhaltung  der  Rohrleitung,
Gasmesser  und  -Automaten,  Lokalmiete  für  die  Reviere,  Löhne  und
Kosten  der  Gäsverbrauchsaufnahme,  des  Inkassos  usf.)  werden  vermengt ­
  mit  den  Kosten  der  öffentlichen  Beleuchtung,  obgleich  diese
und  der  sonstige  Bedarf  der  Gemeinde  der  Stadt  voll  angerechnet
werden  sollte.
Die  Ertragsberechnung  stellt  sich  zumeist  wie  folgt:  (beispielsweise)

Gasproduktion  63  885  760  cbm
Abgegeben  wurden  für:
1.  Selbstverbrauch  des  Werkes  731450  „
2.  öffentliche  Beleuchtung  5  256  376  „

3.  Privatverbrauch:  Heiz-,  Koch-,  Kraft-,
Leuchtgas  der  Gemeinde  und  Privatleute  57  374  704  „
63  362  530  cbm  Nntzgas

Gasverlust  und  ev.  unbezahlt  gebliebene
Gasbezüge  .  523  230  „
Gesamtaufwand  Mk.  12  961  366,40
1  cbm  erzeugten  Gases  =  20,289  Pfg.
1  „  Nutzgas  =  20,456  Pfg.

Ausgaben  Die  Ertragsrechn  ung:  Einnahmen

1.  Betriebsausgaben  laut  Abrechnung ­
  S.  368
2.  Gasverteilung:
Unterhaltung  des  Rohrnetzes  .  .  .
Unterhaltung  d.  öffentlichen
Beleuchtung
Unterhaltung  der  Gasmesser  .  .  .
Sonstige  Vertriebskosten

Bruttokosten  2  A'
-r  Einnahmen  2  E'
Nettokosten  des  Gases  .  .  .  N
~  Erlös  für  Gas  G
Uberschuß  Ü

Nebenprodukte
Hausanschluß,  Gasmessermiete
und  andere  Einnahmen  .  .  ■  .
2  E'
für  Gas  G
        <pb n="369" />
        4.  Kalkulationsbeispiel  für  Leder  (vgl.  S.  99,  179).
Partie  Nr.  213;  eingeweicht  am  21.  August;  Leder  gewogen  28.  Februar.
60  Häute:
Metzgergewicht  (Einzelheiten  weggelassen)  4989  Pfd.  Durchschnittspreis ­
  60  Pfg.  pro  Pfd.  =  Mk.  2933,40  loko  Fabrik.
II.  Crouponierte  Häute  28
oo-i  q  pr  j  I  Lern  1350  Pfd.
2319  «a.  |  Ab£aU  9g9  „
Blößengewicht  (gerbfertig)  2097  „  1758  „  {  Lern  1010  „
Rendement  78,7  %
Ledergewicht  1420  Pfd.
Rendement  (Grüngewicht)  53,2  %

I.  Sohlenleder.  32  Häute
Grüngewicht  (Metzgergewicht)  2670  Pfd.

Abfall  743
75,2%
1186  Pfd.  {
1  Abfall  456
51,2%

a)  Gesamtkosten

b)  Kosten
d.  Crouponö
u.  Abfälle

Betrag

pro  Haut

Betrag

1.  Kosten  der  Häute
2.  Wasserwerkstatt
3.  Arbeitskosten,  Gerbstoffe,  Farben  ....

2993,40
42,—
45,-49,89


-,70
—&amp;gt;75

(2319  Pfd.)
1391,40
19,60

Arbeit  Gerbstoffe

1  —&amp;gt;65
1  —,63

1.  Versenk

39  38

77,-1.

  Satz

12  145

157,-\

  -20
1  2,42

2.  Satz

12  84

96,—

1  -20
1  1,40

Umsetzen

12  42

54,-1

  -,20
I  —,70

3.  Satz

15  38

53,-1

  —&amp;gt;25
/  —  ,63

90  347

4.  Kosten,  Materialien  (Erfahrungssatz)  .  .  .
5.  Zurichten  für  32  Häute
v  28  „
6.  Abfälle:  Extrakt  86;  Gerbstoff  34  ...  .

42,-22,40

12,60
110,-—,70


-70
—  ,45
1  1,43
1  —,40

12,60
110,—

Löhne  .

28,80

—,48

28,80

Gesamtkosten
ab  Herstellungskosten  der  Croupons  ....

3733,20
1562,40

62,78

1562,40

Kosten  für  Sohlenleder

2170,80

I.  Herstellungskosten
pro  Pfd.  Leder
Generalkosten
Selbstkosten
II.  Croupons:
-r  Abfallwert
+  Generalkosten

Mk,  2170,80  (1420  Pfd.  Leder)
Mk.  1,53
„  ~,15
Mk.  1,68  (einschließlich  Zinsverluste)
„  1562,40
,,  &amp;gt;
5J  1

Selbstkosten  Mk.  —,—
Wegen  der  technischen  Einzelheiten  vgl.  Kaul  a.  a.  O.

24*
        <pb n="370" />
        5.  Kalkulationsbeispiel  aus  der  Papierindustrie  (Zeitungsdruckpapier).
Komm  Nr.  1295  Maschine:  Nr.  3.
Format:  63  X  95  Mischer:  12.
Verkaufspreis:  39  —  frachtfrei  Stunden:  10%
Maschinenstellung  195  cm
(2  X  95  +  5  cm  Abfall).

Gewicht:

Preis:  Betrag:

33,03  %  Zellulose  I.  .

.  .  .  91  kg

ZU

23,-  =  20,93

2,54%  Zellulose  II.  .

.  .  .  7  „

18,—  =  1,26

24,96%  Holzstoff  I.  .

.  .  .  68,75  „

10,5  =  7,22

24,96%  Holzstoff  II  .  .

.  .  .  68,75  „

10,—  =  6,87

8,71%  Schnitzel  .  .

.  .  .  24  „

25,—  =  6,—

5,08%  Schnitzel  .  .

.  .  .  16

18,—  =  2,88

100%

275,5  kg

=  45,16

Erde

...  30  „

3,4  =  2,04

Asbestine

...  10  „

11,—  =  2,20

Farbe

—,34

Leim

2,34

Für  1  Mischer

315,5  kg  Stoff  52,08

Eintrag:  12  Mischer  zu

315,5  kg  =  3768  kg

Ergebnis:  Von  der  Maschine  3920

Nach  der  Sortierung  3705

&amp;gt;&amp;gt;

Gewinnberechnung:
Fakturengewicht  3428  kg  netto  zu  89,—  ....  1336,92
Abfall  277  „  „  zu  15,—  ....  41,55
3705  kg  1378,47
Abzügl.  Fracht:  3628  kg  brutto  zu  1,91  ....  -f-69,49
Skonto  2%  von  1336,92  -j-26,74
Erlös  für  3705  kg  1282,24  für  100  kg  -  34,61
Selbstkosten:  ....  Stoff  52,08  x  12624,96  „  „  ,  =16,87
Betriebskosten 1 )  571,81  1196,77  „  „  „  =  15,43

Gewinn  85,47  32,30
Gewinn  für  100  kg  =  2,31

*)  Betriebskosten:
Gewiehtskosten  (Kiloregie):  3920  kg  zu  4,60  180,32
Zeitkosten  (Stundenregie):  IO 1 / 1 !  St.  zu  25,—  262,50

Satinage  3920  kg  zu  —,72  28,22
Schneiden  3920  kg  zu  —,20  7,84
Sortieren,  Zählen  88,07  Neuries  zu  —,16  14,09
Rahmen  (Packen)  3428  kg  zu  2,30  für  %  78,84
für  3705  kg  571,81  =  15,43  für  1  kg
        <pb n="371" />
        Kalkulation  für  100  kg.

33,03  Zellulose  I  zu  23,—  7,60
2,54  »  H  „  18,-  —,46
24,96  Holzstoff  I  „  10,5  2,62
24,96  „  II  „  10,-  2,50
8,71  Schnitzel  ,  25,—  2,17
5,80  „  18,-  ■  1,04
100,—  kg  16,39
10,89  „  Erde  „  3,40  —,74
3,63  „  „  ,  11,—  —,80
114,52  kg  Kosten  17,93
100,—  kg  Stoffkosten  15,66
Farbe  —,11
Leim  ,  —,74
3705  kg  brutto  zu  16,51  =  611,70  100  kg  brutto  ....  16,51
277  „  Abfall  „  15,—  —  41,55  100  „  netto  16,63  Stoffkosten
3428  kg  netto  =  570,15
100  „  „  16,63

Kiloregie  .  .

5,26  ■)

Stundenregie  .

7,66  2 )

Satinage  .  .

—,82

Schneiden  .  .

—-,23

Sortieren  .  .

-.41

Packen  .  .  .

2,30

Selbstkosten  33,31
Erlös  36,19»)

für  °/ 0  kg  netto  Gewinn  2,88

Kontrolle:
3428  kg  netto  zu  2,88  Gewinn  =  98,73
Selbstkosten  berechnet  mit  16,87
Stoffkosten  wie  oben  16,51
Verlust  —,36
3705  kg  Verlust  zu  —,36  —  13,34

Gewinn  85,39
früher  berechnet  85,47
Durch  Abrundungen  —,08  Unterschied
beider  Berechnungs ­
 ­


')  180,32  :  34,28  =  5,26
*)  262,5  :  34,28  =  7,66
*)  3705  kg  =  1282,24
4-  277  „  Abfall  =  41,55
3428  kg  netto  =  1240,69
100  ”  36Ö9
        <pb n="372" />
        374

6.  Kalkulation  von  Dachpappe  (Juli  1918).

I.  Vorkosten:
a)  Rohpappe:  ab  Fabrik  für  %  kg  Mk.  70,—
Umlage  „  —,40
Fracht  —,35
Rollgeld,  Abladen,  Stapeln,  Transport ­
  zur  Pfanne  „  —,15
3°/o  Gewichtsverlust  beim  Lagern  Mk.  71,65
und  Ausladen  „  1,45
Selbstkosten  für  100  kg  Rohpappe  frei  Pfanne

b)  Imprägniermasse:
1.  Kriegsteer  im  Kesselwagen  Mk.  8,50
Kesselwagenmiete  „  —,90
Fracht  „  —,35
Rollgeld,  Rangieren  „  —,12
Abfüllen:  Löhne  „  —,05
Dampf  „  —,25
Mk.  10,17
3°/o  Verlust  .'  „  —,30
Selbstkosten  für  100  kg  Teer
2.  Teerpech:  7  [-10  Pfg.  Fracht  -[-  40  Pfg.
Lohn  =  Mk.  7,50
3  °/o  Verlust  .  .  .  „  —,25

Teer  und  Pech  in  der  Masse  1  :1  gemischt:

50  kg  Teer  zu  Mk.  10,40  Mk.  5,20
50  kg  Pech  „  „  7,75  „  3,90
Feuerung  6  kg  „  „  4,70  für  °/o  kg  .  .  „  —,28
Löhne  „  —,50

für  100  kg  Imprägniermasse

c)  Sand:
1  cbm.  nasser  Sand=  1000  kg;  =  .  .  .  .  Mk.  4,50
Feuerung  zur  Trocknung  „  2,50
Arbeitslöhne  „  2,—
Mk.  9,—
40  °/o  Trocken-  und  Sieb  verlust;  100  kg  Trockensandkosten ­
  Mk.  1,50

Mk.  73,10

Mk.  10,40
Mk.  7,75

Mk.  10,—
einschl.
F  rächt
für  1000  kg
        <pb n="373" />
        375

II.  Kostenberechnung  (auf  1  qm) 1 )

80®r

100*r

150  er

Tagesleistung  je  21000  qm

Erforderlich:

Rohpappe
Tränkmasse
Sand
3°/o  Verlust  —  630  qm

13  125kg
39  380  „
33  000  „

10500  kg
31  600  „
31  000  „

7  000  kg
21  000  „
27  300  „

Materialkosten:

Rohpappe  73,10  °/o  kg
Tränkmasse  10,—
Sand  1,5

9  594,38
3  938,—
495,—

7  675,5
3  150,—
465,—

5  117,—
2  100,—
409,5

Zusammen

14  027,38

11  290,5

7  626,5

Herstellungskosten:

Löhne:  Legen,  Streuen,  Rollen,  Binden,
Transport,  Verladen
Dampf,  Kraft

415,—
315,—

415,—
280,—

415,—
168,—

14  757,—

11  985,-8

  210,—

Allgemeine  Unkosten  20°/o

2  951,4

2  397,—

1  642,—

Für  je  [21  000  —  630  =}  20370  qm  ...  .

17  708,—

14  382,—

9  852,—

1  qm

87  Pfg.

70,6  Pfg.

48,4  Pfg.

7.  Beispiel  einer  Kostenberechnung  mit  Einheitspreisen  (vgl.  S.  178)’).
I.  Voranschlag  und  Angebot:
Bahnanlage  (mit  Ausschluß  der  Maurerarbeiten):
Veranschlagtes  Gewicht  170  t  +  5%  =  179t
Veranschlagte  Bauzeit....  .  .  135  Tage
Veranschlagte  Kosten  mit  Einschluß  der  allgemeinen  Unkosten:
70  Mk.  die  Tonne,  zusammen  ........  (179,70)  Mk.  12530,—
Tageskosten  (Richtmeister  16  Mk.,  7  Arbeiter  zu  11  Mk.)  .  93,—*)
Angebotspreis:  Mk.  36,  h  1  Mk.  die  100  kg:
insgesamt  Mk,  66  230,  —
*)  Die  Kostenberechnung  ist  gut  aufgebaut,  die  Selbstkosten  der  Rohstoffe
sind  im  einzelnen  genau  ermittelt,  die  Mengenverluste  berücksichtigt.  Die
Einzelheiten  der  Lohnberechnungen  sind  hier  fortgelassen;  die  gleichmäßige  Belastung ­
  der  verschiedenen  Sorten  ist  nicht  einwandfrei.  Die  Bearbeitungskosten
haben  im  Verhältnis  zu  den  Rohstoffkosten  geringe  Bedeutung:  die  Generalkosten ­
  werden  auf  die  Herstellungskosten,  im  wesentlichen  nach  dem  Materialwert, ­
  verteilt  (§  44,  S.  198).  Der  Berechnung  wurde  die  durchschnittliche  Tagesleistung ­
  zugrunde  gelegt  und  daraus  der  Preis  für  1  qm  ermittelt;  sofort  auf
1  qm  zu  rechnen,  erscheint  unzweckmäßig,  eine  Kalkulation  auf  100  kg  Fertigprodukt ­
  wäre  unrichtig.
*)  Jucho,  Die  Selbstkosten-Berechnung  im  Eisenhoch-  und  Brückenbau.
Dissertation.  Hannover  1917.
3 )  Mit  eingerechnet  die  allgemeinen  Kosten.
        <pb n="374" />
        --  376

II.  Tatsächliche  Bauzeit  185  Tage.

„  Lohnkosten  .  ....

Mk.

16  434,50

Anteilige  Kosten  des  Baubureaus  ....

2  670,-Barackenbau

  .

1  870,-Sonstige

  Unkosten

y&amp;gt;

745,-Tatsächliche

  Kosten

Mk.

2!  719,50

Mk.

121,34  die  Tonne

Veranschlagte  „

J»

Verlust

Mk.

51,34  „  „

Verausgabt  Mk.  21  719,50
Veranschlagt  „  12  530,—

Gesamtverlust  Mk.  9189,50

8.  Beispiel  für  Kostenberechnungen  der  Industrie  der  Metallverarbeitung.
Das  nachfolgende  Beispiel  des  Berechnungsschema  für  Eisenzünder  wurde
gegen  das  Ende  des  Weltkrieges  von  einer  lnteressentenvereinigung  entworfen
und  zeugt  für  die  „  Rechenhaftigkeit“  dieser  Unternehmergruppe  jener  Zeit.  Besonders ­
  interessiert  die  Einrechnung  jeglichen  nur  möglichen  Eisikos  —  vgl.  X,
Risikoprämien  —  also  das  Bestreben,  durch  den  Gewinnzuschlag  rein  zu  verdienen, ­
  und  durch  die  nicht  eingetretenen  Risiken  noch  etwas  mehr.  Abgesehen ­
  davon  ist  die  Aufstellung  systematisch  gegliedert  und  vollständig.
Kalkulationsschema  für  Zünder.
I.  Gesamtbetrag  der  Einzelteile:
a)  Wert  der  Teile,  dio  von  außerhalb  bezogen  sind,
b)  Wert  der  Teile,  die  aus  eigener  Fabrikation  stammen,  einschl.  Ausschuß,
c)  Wert  für  Lack  usw.,
d)  Einkaufs-  und  Beschaffungsspesen,
e)  Frachtdifferenz  zwischen  Eil-  und  Frachtgut.  Anfuhrspesen,
f)  Lager-  und  Versicherungsspesen,
g)  Zinsverluste,
h)  Verluste  durch  Diebstahl.
II.  Löhne  für:
a)  Kontrolle  der  Einzelteile,
b)  Nacharbeiten  der  von  auswärts  bezogenen  Teile,
c)  Laborieren.
III.  Zuschlag  auf  Löhne  für  Betriebsunkosten:
a)  Aufwendungen  für  die  Betriebsverwaltung:
1.  Gehälter  und  Wochenlöhne,  2.  garantierte  Leistungsprämien,
3.  Kranken-,  Invaliden-  und  Unfallversicherungen,  4.  Berufsgenossenschaften, ­
  5.  Schreib-  und  Zeichenmaterialien;
b)  Aufwendungen  für  die  Betriebs  räume:
1.  Miete,  2.  elektrische  Beleuchtung,  3.  Dampf-  und  Heizung,  4.  Reinigung ­
  einschl.  erforderlichen  Materials,  5.  Reparatur  an  Gebäuden,
6.  bauliche  Änderungen;
c)  Aufwendungen  für  Instandhaltung  der  Betriebsmittel:
1.  Reparatur  an  Modellen  und  Formen,  2.  Reparatur  an  Maschinen,
3.  Reparatur  und  Ersatz  von  Werkzeugen,  4.  Reparatur  und  Ersatz ­
  von  Utensilien,  5.  Schmieren  und  Reinigen  der  Maschinen  einschließlich ­
  Material,  6.  Diebstahl  (!);
        <pb n="375" />
        377

d)  Aufwendungen  für  die  Fabrikations-Hilfsmittel:
1.  elektrische  Kraft,  2.  Nutzwasser,  8.  Gas,  4.  Dampf  für  die  Fabrikation, ­
  5.  Material  zu  Erwärmungszwecken,  6.  Beiz-,  Schleif-,  Lackiernnd
  Poliermittel,  7.  Betriebspackmaterial,  8.  Kleinmaterial,  9.  Transportlöhne, ­
  10.  Kontroll-  und  Einrichterlöhne,  11.  Hilfsarbeiten.
IV.  Zuschlag  auf  Löhne  für  allgemeine  Unkosten:
1.  Verwaltungsbureaus,  2.  Hausverwaltung,  3.  Rohmateriallager,  4.  Feuerwehr, ­
  5.  Unfallstationen,  6.  Badeanstalten,  7.  Kantine,  8.  Post-,  Telegramm- ­
  und  Femsprech-Spesen,  9.  Umzüge,  10.  Versuche,  11.  Zinsen,
12.  Versand-  und  Lagerspesen,  13.  Feuer-  und  Haftpflichtversicherung.
V.  Zuschlag  auf  Lohn  für  Kriegssonderunkosten:
1.  Notstandszulagen,  2.  Gratifikationen  an  Beamte,  3.  Kriegsunterstützungen ­
  an  Beamte,  4.  Kriegsunterstützungen  an  Familien  der  Beamten
und  Arbeiter,  5.  Kosten  und  Aufwendungen  für  Beschlagnahme-Organisation, ­
  6.  Werkspeisung  und  Lebensmittel-Beschaffung,  7.  Entschädigung
an  Arbeiter  für  Feierschichten,  8.  Aufwendungen  für  Zurückleitung  in  die
Friedenswirtschaft,  9.  Versicherung  gegen  Fliegergefahr  und  Aufwendung
für  Unterhaltung  der  Abwehr.
VI.  Kosten  für  Abnahme  und  Beschuß.
VII.  Kosten  für  Laborierausschuß.
VIII.  Kosten  durch  Beanstandungen.
IX.  Handlungsunkosten  und  Verkaufsspesen:
1.  Spesen  der  Verkaufsabteilungen,  2.  Steuern  insgesamt  (!  also  einschließlich ­
  Kriegsgewinnsteuer!),  3.  Obligationszinsen,  4.  Kriegsunterstützungen
an  Angehörige  der  Verkaufsabteilung,  5.  Kriegsfürsorge  der  Verkaufsabteilung, ­
  6.  Abschreibungen  des  Verwaltungsgebäudes,  7.  Provisionen
und  Gewinnanteile  (!),  8.  Zinsverluste.
X.  Risiko-Prämien:
1.  Unkosten  infolge  Fliegergefahr  (siehe  V.  9):  a)  durch  Arbeitsunterbrechungen ­
  bei  Alarm,  b)  durch  eingetretene  Beschädigungen,  2.  Explosionsgefahr, ­
  3.  Unkosten  durch  verspätete  Erteilung  des  Auftrages  resp.
Zuweisung  der  Metalle,  4.  Ausfall  durch  Krankheiten  usw.,  5.  Störungen,
veranlaßt  durch  Verfügungen  hzw.  Konstruktionsänderungen  des  Auftraggebers, ­
  6.  Störungen  durch  Fehlen  von  Zeichnungen,  verspäteten  Versand
usw.,  7.  Unkosten,  die  durch  übrigbleibende  Teile  entstehen,  8.  Verlust
durch  Steigen  der  Materialpreise,  9.  höhere  Unkosten  bei  Lohnerhöhungen ­
  (!),  Zuschläge  für  Überstunden,  Nachtschichten  usw.,  10.  Brandschaden, ­
  11.  größerer  Ausschuß:  a;  Zulieferanten,  b)  eigene  schlechte  Arbeit, ­
  12.  minderwertige  Kohlen,  13.  Strombeschränkung,  14.  Transportschwierigkeiten, ­
  15.  Einarbeiten  von  neuen  Arbeitern,  16.  höhere  Lebensmittel-Aufwendungen ­
  gegenüber  dem  in  den  Unkosten  enthaltenen  Satz»
17.  höherer  Prozentsatz  an  verworfenen  Zündern,  18.  Unvorhergesehenes  (!)•
XI.  Erforderliche  Abschreibungen.
XII.  Verdienstzuschlag.

9.  Beispiel.
Die  nachfolgende  Zwischenberechnung  war  wegen  Widerruf  des  Auftrages ­
  (§  2)  infolge  der  Ereignisse  des  November  1918  notwendig  geworden.  Sie
soll  nur  methodologisch  das  Verfahren  veranschaulichen;  ihrem  Inhalte  nach
ist  sie  anfechtbar.
        <pb n="376" />
        378

Selbstkostenberechnung  (Zwischenkalkulation)
für  die  Gesamtfabrikation  bis  zur  Bestandaufnahme  am  8.  Dezember  1918.

1.  Gezahlte  Löhne  Mk.  247  872,—
2.  Betriebsunkosten  einschließlich  Kosten  für  neue  Maschinen,
etwa  288%  .  „  715  240,85
3.  Materialien  (fertig  bezogen):  Nadelträger  „  68  505,—■
Zünderkörper  „  121309,80
Messingröhrchen  „  19  841,52
Frachten  „  5  704,15
4.  Herstellungskosten  Mk.  1  178  473,32
5.  Handlungsunkosten-Zuschlag  15  %  „  176  770,—

Geschätzte  Selbstkosten  Mk.  1  355  243,32

Bewertung  des  Bestandes  am  8.  Dezember  1918  (Schätzung):

1.  Zünderkörper:  Rohlinge  .  .  .  224  Stck.  zu  Mk.  1,16
Bearb.  Stücker:  Operationen  1—10  =  5  549  „  „  „  —,41
„  „  „  11-20=15104  „  „  „  1,02
„  „  „  21-41  =  18  056  „  „  „  1,58
Materialwert  für  38  933  Stck.  zu  Mk.  1,15
und  3  Pfg.  Fracht
2.  Nadelträger:  Rohlinge  ....  7  285  Stck.  zu  Mk.—,69
„  bearb.  St.  :Op.  1—12  =  25  608  „  „  „  —  ,20
„  „  „■  „  13-18  =  22  091  „  „  „  0,65
Materialwert  für  54  984  Stck.
für  %  Stck.  zu  Mk.  69,—
3.  Materialwert  für  60  000  Röhrchen  0/00  =  Mk.  97  ....
4.  250  %  Betriebsunkosten  von  Mk.  65  635,17

10,7%  Handlungsunkosten

-r-10%  Ausschuß

von  der  Laborierfirma  für  gelieferte  Zünderkörper  erhalten
vorhanden  7  300  kompl.  Zünderkörper  o.  Rostschutz  zu  15,15
„  1  650  „  „  m.  „  „  15,50
2  800  „  „  „15,50

Einnahmen
Ausgaben
Unterschied

Mk.

259,84

77

2  275,09

77

15  406,08

77

28  528,48

77

45  940,94

77

5  026,55

77

5  121,60

77

14  303,92

77

37  938,96

77

5  820,—

77

164  087,92

Mk.

324  709,36

»7

34  743,90

Mk.

359  453,28

77

35  945,32

Mk.

323  507,96

77

513  400,—

77

110  595,—

77

25  575,—

77

43  400,—

Mk.  1016  477,96

77

1  355  243,32

Mk.

338  765,36
        <pb n="377" />
        Literatur  (Auswahl).
B.  =  Berlin;  Lp.  =  Leipzig;  Stntt.  =  Stuttgart.
Literaturübersicht  (1908/1913)  einschl.  Zeitschriften  bei  Sinner,  Betriebswissenschaften, ­
  Berlin  1919  (N.  W.  7,  Verlag  des  Vereins  deutscher  Ingenieure);
Schmalenbach  in  seiner  Zeitschrift;  13.  Jahrgang,  1919,  S.  299f.
1.  Werke  allgemeinen  Inhaltes:
Voigt,  Technische  Ökonomik;  Blum,  Grundsätze  für  die  Ermittelung  der
Selbstkosten,  beide  in:  Wirtschaft  und  Recht  der  Gegenwart,  2.  Band  (Tübingen
1912).  Tolkmitt,  Die  Kalkulation  im  Geschäftsleben;  Lp.  1896.  Schwarz,
Die  Kalkulation  des  Handwerkers  und  ihre  wirtschaftlichen  Grundlagen;  Stutt.
1906.  Lewin,  Theorie  und  Praxis  der  industriellen  Selbstkostenberechnung;
Lp.  1909.  Meitzer,  Das  Wirtschaften  auf  Ertrag  in  der  industriellen  Unternehmung; ­
  B.  1911  (im  wesentlichen  ein  Abdruck  aus  der  Zeitschrift  des  Vereins
deutscher  Ingenieure,  1908,  S.  981  und  später:  Kalkulation  und  Selbstkostenwesen). ­
  Derselbe,  Grundzüge  der  geschäftlichen  Kostenberechnung  (Südwestdeutsche ­
  Flugschriften,  Heft  12);  Saarbrücken  1910.  Herrmann-Trott,  Die
Einrichtung,  Instandhaltung  und  Ökonomie  der  Fabrik-  und  Gewerbebetriebe;
Nürnberg  1902.  F  ehr  mann,  Maschinen-Kontrolle  und  Maschinenbetriebsführung
in  den  Gärungsgewerben;  B.  1910.  Moral,  Revision  und  Reorganisation  industrieller ­
  Betriebe;  B.  1911.  Woldt,  Der  industrielle  Großbetrieb;  Stutt.  1911.
Stern,  Die  kaufmännische  Organisation  im  Fabrikbetrieb;  Lp.  1911.  Taylor,
Grundsätze  wissenschaftlicher  Betriebsführung  (Übersetzung);  München  1913.
Laschinski,  Die  Selbstkostenberechnung  im  Fabrikbetriebe;  2.  Au  fl.,  B.  1918.
Be  an,  The  cost  of  production;  Chicago  1905  (System  Compagny).  Woods,
Organizing  a  factory;  Chicago  1905  (ebenda).  Ridgway,  Cost  account  in  principle
  and  practice;  London  (etwa  1911;  Pitman  &amp;amp;  Sons).  Evans,  Cost  keeping
and  scientific  management;  New-York  (Graw-Hill).  Bunnelt,  Cost  keeping  for
manufacturing  plank;  New-York  1911  (Appleton).  Garcke  &amp;amp;  Fells,  Factory
accounts:  their  principles  and  practice;  6.  Aufl.,  London  1911  (Lookwood  &amp;amp;
Sons).
Daubresse,  Prix  de  revient  industriels;  o.  J.  (Brüssel).
2.  Fabrikbuchführung:
Leitner,  Grundriß  der  Buchhaltung  und  Bilanzkunde;  I.  Band,  S.  237  f.;
4.  Aufl.,  B.  1920;  II.  Band,  Bilanztechnik  und  Bilanzkritik;  4.  Aufl.,  B.  1920;
5.  246f.;  Sachregister  zu  II.  Calmes,  Die  Fabrikbuchhaltung;  Lp.  1909  f.
Daele,  Moderne  Fabrikbuchhaltung;  2.  Aufl.,  Lp.  1910.  Pachmann,  Die
Fabrikbuchhaltung  nach  den  Regeln  der  doppelten  Buchhaltung;  3.  Aufl.,  Lp.  1897.

3.  Abschreibungen,  vgl.  S.  227  ff.
        <pb n="378" />
        380

4,  Maschinenbau,  vgl.  S.  330.
Piesehel,  Kalkulation  im  Metallgewerbe  und  Maschinenbau;  2.  Aufl.,
B.  1919.  Derselbe,  Kalkulation  im  Schmiedegewerbe;  2.  Auf!.,  B.  1919.
v.  Brieland.  Praktische  Kalkulation  im  Fabrikbetriebe,  insbesondere  für  Maschinen-, ­
  Eisen-  und  Metallwarenfabriken;  Stutt.  1914.  Siegerist-Bork,  Moderne ­
  Vorkalkulation  in  Maschinenfabriken;  2.  Aufl.,  B.  1917.  Lauffer,  Moderne
Betriebsorganisation  in  mittleren  Maschinenfabriken;  Lp.  1914.  Hall,  Selbstkostenberechnung ­
  und  moderne  Organisation  von  Maschinenfabriken;  München  1913.
5.  Eisengießerei,  vgl.  S.  334  ff.
6.  Textilindustrie,  vgl.  S.  322  ff.
7.  Hüttenwerke,  Walzwerke,  vgl.  S.  342  ff.

8.  Leder:
Kaul,  Die  Kalkulation  in  der  Lederfabrik,  mit  besonderer  Berücksichtigung ­
  der  verschiedenen  Fabrikationsstadien;  Freiberg  i.  S.,  o.  J.  Spöhrer,
Gerberei-Buchführung;  2.  Aufl,,  1898.  Heck  mann,  Organisation  einer  Vachelederfabrik; ­
  in  der  Zeitschrift  f.  handelsw.  Forschung,  3.  Jahrg.,  S.  97  f.  Pape,
Grundlagen  der  Kalkulation  in  der  Schuh-  und  Schäftebranche;  B.  1909.
9.  Holz:
Dribbusch,  Kalkulation  und  Generalienberechnung  der  Sägewerke  und
Holzbearbeitungsbetriebe;  B.  1910.  Hufnagl,  Handbuch  der  kaufmännischen
Holzverwertung  und  des  Holzhandels;  B.  1905.  Goetze,  Die  doppelte  Buchführung ­
  im  Sägeinühlenbetriebe;  2.  Aufl.,  Eisenach  1903.  Höh  rieh,  Buchhaltung ­
  für  Fabrikgeschäfte  (Möbel);  2.  Aufl.,  Lp.  1900:  Müller,  Buchführung
und  Kalkulation  für  das  Schreinergewerbe;  Nürnberg  1903.

10.  Mühlenbetrieb:
Liefka,  Kalkulation  im  Mühlenbetriebe;  Wien  1907.  Rückert,  Kalkulation ­
  im  Mühlenbetriebe;  in  der  Zeitschr.  f.  handelsw.  Forschung;  4.  Jahrg.,
S.  402  f.

11.  Keramische  Industrie  etc.:
Klein,  Unkostenberechnung  und  die  Kalkulation  in  der  Steinindustrie;
München  1907.  Paschke,  Betriebsbuchführung  und  Selbstkostenberechnung
einer  Ziegelei;  Lp.  1909.  N.  N.,  Selbstkostenberechnung  für  die  Herstellung  von
Portlandzement;  vgl.  S.  386.  Buerdorff,  Buchführung  für  Ziegeleien;  2.  Aufl.,
Lp.  1906.

12.  Chemische  Industrien:
Wolf  rum,  Methodik  der  industriellen  Arbeit  als  Teilgebiet  der  Industriekunde; ­
  Stutt.  1904.  Zänker,  Kalkulation  und  Organisation  in  Färbereien  und
verwandten  Betrieben;  B.  1911.
        <pb n="379" />
        —  381 1  —

13.  Zuckerfabrikation:
G  o  e  b  e  1,  Rentabilitätsfaktoren  von  Zuckerfabriken;  Thiinen-Archiv,  2.  Jahrg.,
Jena  1907.  Pohle,  Probleme  aus  dem  Leben  eines  industriellen  Großbetriebes.
Rostocker  Dissert.,  Naumburg  a.  S.  1905  (behandelt  Gebr.  Stollwerk,  Cöln).
14.  Brauereien:
Leautey,  Traite  de  comptabilite  industrielle  precision;  Paris  o.  J.  Pohl-Tausing,
  Brauereibuchhaltung;  2.  Aufl.,  Lp.  1901.  Liinemann,  Leitfaden
der  doppelten  Brauereibuchhaltung;  Lp.  1909.  Schaer,  Der  Kaufmann  in  der
Brauerei;  Zürich  1905.
15.  Elektrizität:  \
Hoppe,  Wie  stellt  man  Kostenanschläge  und  Betriebsrechnungen  für
elektrische  Anlagen  auf?  6.  Aufl.,  Lp.  1914.  Siegel,  Die  Preisstellung  beim
Verkauf  elektrischer  Energie;  B.  1906.  Schulte,  Selbstkostenberechnung  bei
einem  Elektrizitätswerke;  Zeitschr.  f.  handelsw.  Forschung;  4.  Jahrg.,  S.  332  f.
)
16.  Rentabilitätsberechnung:
Hillmann,  Die  wirtschaftliche  Entwicklung  der  deutschen  Zinkindustrie
mit  besonderer  Berücksichtigung  der  Rentabilität  der  deutschen  Zinkhütten-Aktiengesellschaften;
  Dissert.,  Erlangen  1911.

*

|
|

"f
i
        <pb n="380" />
        Sachregister.

Abdampf  155  f.
Abfallstoffe  90  f.
Absatzkosten  =  Verkaufskosten.
Abschreibungen  137,  158,  227  f.,  356.
Abschreibungskonten  253  f.,  260,  292.
Abschreibungstabelle  228.
Abteilungskosten  143.
Akkordlohn  112  f.
„  tarif  117.
Akkordmeister  119.
Analyse  der  Gewinne  29.
Anlagekosten  14.
Anschaffnngskosten  4,  15,  75,  230.
Arbeiterkontrolle  129  f.
Arbeitskosten  111  ff.
„  löhne  111  f.,  121.
„  stundenzuschlag  199  f.
Artikelaufschlag  219.
Aufgaben  der  Selbstkostenberechnung
23  f.
Ausschuß  174,  211,  349.
Baisseklausel  76.
Betriebskalkulation  34.
*  kapital  49,  310  f.
,  kraft  153  ff.
„  löhne  127,  165.
„  material  163  f.
„  Unkosten  14,  136  f.,  141,  143  f.,
168  f.,  181,  376.
Bewertung  der  Fabrikate  261  f.
Bezugskalkulation  =  Einkaufskalkulation. ­

Bilanz  als  Grundlage  der  Kalkulation
47  f.,  288  f.
Bilanzabschreibungen  266.
„  Schema  228.
Buchhaltung  und  Kostenberechnung
48,  54  ff.,  80,  96,  164,  220,  253  f.,
285  f.,  291  1.,  350  f.,  368  f.
Dampfkosten  56  f.,  148,  154  f.
Darlehnszinsen  12.
Darstellungsform  der  Selbstkosten  20  f.,
37.

Diagramme  =  Schaubilder.
Differenzierung  der  Selbstkosten  26.
„  „  Unkostenzuschläge
177  f.,  323,  331.
Differenzkalkulation  300  f.
Divisionsmethode  103,  177,  178  f.
Durchschnittspreise  77,  87  f.,  283,  334.
„  rechnung  88f.,  284f-,  300f.,
334,  349,  360.
Einarbeitungskosten  319.
Einheitsberechnung  114,  178,  375.
Einkaufskalkulation  4,  102  f.
Einkaufskosten  5,  103  f.
Einzelkalkulation  3,  21,  34,  42,  103  f.,
168  f-,  176  f.,  194,  216  f.,  221  f.,  358,
364  f.
Elektrische  Kraft  156.
Elementenberechnung  115.
Ergänzungskosten  5,  8,  15,  168.
Ersatzlieferungen  99.
Erspamisgewinne  29,  32.
Ertragsrechnung  =  Kentabilitätsrechnung.

Erzeugungskosten  =  Herstellungskosten ­

Erweiterungsvoranschläge  316  f.
Fabrikpreis  5.
Fabrikationsbetriebe  21,  149.
„  gewinn  29.
„  löhne  127.
„  material  72.
„  Unkosten  136  f.,  141,  143  f.,
181,  196.
Fehlarbeit  100.
Feste  Kosten  138,  170,  222,  297.
Feste  Zahl  108.
Fleißprämien  111,  126.
Fuhrwerkskosten  164.
Gaskraftkosten  156.
Geldprämien  126.
Generalkosten  17,  71,  136  f.
        <pb n="381" />
        —  383

Gesamtkalkulation  3,  18,  42,  143  f.,
194,  213  f.
Gewinnanalyse  29.
„  Aufschlag  6  f.,  30,  67,  174,  210.
„  beteiligung  126  f.
„  ermittelung,  monatliche  276  f.
Gewichtsspesen  103,  177,  178,  335.
Gliederung  der  Kostenberechnung  18  f.,
41  f.,  366,  368,  376.
Grenzpreis  110.
Gründungsplan  309  f.
Grundkosten  8,  15,  168.
Grundpreis  78  f.,  343.
Gruppenberechnung  3,  84,  334.
„  akkorde  120.
Halbfabrikate  267.
Handarbeit  188,  221.
Handelsgewinn  29.
Handlungsunkosten  5,  136,  141,  212  f.,
225,  357,  377.
Hauptarbeit  133,  187,  218.
Haupt-  und  Hilfsbetriebe  21,  55,  149,
350.
Herstellungskosten,  -preis  4,  7,  8,  17,
19,  137  f.,  262  f.
Hilfsmaterial  163.
Indexzahlen  39.
Kalkulationen  im  allgemeinen  1  f.
Kalknlationsformeln  175  f.,  201,  218,
221  f.,  323  332.
Kalkulationstabellen  37,  105  f.
Kapitalkosten  15.
Kommissionsnummer  145.
Kontensysteme,  -Schemata  56  f.,  59.
Kontierungsschema  60  f.,  144,  350  f.
Kontrolle  der  Zuschläge  170  f.
Kostenanalysen  47,  303,  347  f.
„  buchführung  55.
„  gliederung  5  f.,  14  f.
Kaufm.  Methode  45.
Kosten,  konstante  138,  170,  222,  297,
339.
Kosten,  veränderliche  139,  339.
„  degressive  139.
„  progressive  139.
„  reserve  33,  319.
„  Verrechnung  =  Betriebskalkulation. ­

Kraftkosten  154  f.,  356.
Kriegswucherverordnung  9.

Leistungskosten  138.
Lohnaufschläge  177,  223  f.
„  Auszahlung  134.
„  Skalen  112.
„  Unkosten  128.
„  Verrechnung  127,  128,  132.
„  Verteilung  130  f,,  356.
Maschinenarbeit  188,  221.
Maschinenjournal  160,  199.
„  kosten  198.
Materialaufschlag  183,  224.
„  kontrolle  74.
„  kosten  58,  72  f.
„  preise  75.
„  preisgewinn  29.
„  Unkosten  72,  183,  201.
„  verbrauch  72  f.
„  Verluste  74,  90  f.,  96  f.
Methoden  der  Kostenermittelung  44  f.,
162.
Mindestumsatz  274.
Modellkosten  166.
Monatsbilanzen  288  f.
Monatliche  Gewinnberechnung  276  f.
Montagekosten  166.
Nachberechnung  307  f.
Nachkalkulation  2  f.
Nebenarbeit  133,  187,  218.
Nebenbetriebe  21,  149.
„  produkte  90  f.
Normalkalkulation  175  f.,  270  f.
„  preise  85,  87  ,  93,  107,  343.
„  zahlen  26,  270  f.,  354.
Paritätsmethode  105.
Platzkosten  196,  221  f.,  324.
Prämienlohnsystem  122.
Preispolitik  16,  28  f.,  69,  140.
Preisprüfungen  64  f.
Preisveränderungstabelle  77.
Produktionskalkulation  4.
Produktionskostenpreis  85.
Produktive  Löhne  =  Fabrikationslöhne.
Prozentaufschläge  104,  177  f.
Qualitäts-  und  Quantitätskontrolle  130.
Rabatt  16,  217  f.
Reisekosten  215.
Reklamekosten  213.
        <pb n="382" />
        384

Rentabilitätsberechnungen  4,  293f.,  3041,
312.
Reparaturen  157,  167.
Reserven  30,  33,  76,  319.
Reservemaschinen  242.
Risikoprämie  11,  377.
Schaubilder  37,  40,  122,  173,  234,  275.
Schwankungen  im  Materialpreis  76  f.
Selbstkostenabschreibnngen  266.
Selbstkosten  im  allgemeinen  4  ff.,  15.
Selbsterzeugung  81,  191,  294.
Selbstkostenpreis  im  Warenhandel  5  f.,
15,  102  f.,  345  f.
Selbstkostenpreis  im  Fabrikhandel  7f.,
16.
Selbstkosten  +  10%)  3.
Serienkalkulation  3.
Skonto  11,  217.
Sonderkosten  17,  103,  134,  150,  214  f.
Speditionskonto  165.
Spezialkalkulation  =  Einzelkalkulation.
Spezialkosten  70.
Subjektivität  der  Selbstkostenzurechnung ­
  9,  11,  34.
Standardpreis  78  f.
Standort  26,  309.
Statistik  46,  171  f.
Stille  Gewinne  29.
Stiickberechnung  114,  335.
Stundenaufschlag  177,  199  f.,  221,  225,
325.
Stundenlohn  111.
Submissionen  27.
Tabellen  37  f.,  66,  77,  116  f.,  139  f.,  151,
171  f.,  192  f„  238,  248  f.,  273,  277  f.,
298,  304  f.,  337  f.,  359,  362  f.
Tageskosten  202,  225.
Technische  Methode  44,  73,  98,  162,
326,  328.
Teilkostenpreis  85.
Teuerungszuschlag  78,  126.
Transportkosten  20.

Übernahmepreis  =  Normalpreis.
Umsatz  274,  296.
„  Steigerung  296.
Unkosten  136.
„  löhne  [unproduktive  Löhne]
127,  165.
Unkostenmaterial  72,  163.
„  Verrechnung  143f.,  212  f.
Unternehmungskosten  137.
Verhältniszahlen  37.
Verkauf  zu  Fabrikpreisen  5.
„  zum  Selbstkostenpreis  -f  10%,  5.
Verkaufskalkulation  4,  110,  211  f.
„  kosten  8,  16,  17,  50,  137,  212  f.
„  preis  im  Handel  5,  16.
Verrechnungspreise  =  Normalpreise.
Versendungskosten  215.
Verteilung  der  Unkosten  145  f.,  169  f.,
177  f.,  247  f.
Vertriebskosten  =  Verkaufskosten.
Verwaltungskosten  136,  150,  212.
Vorkalkulation  =  Voranschlag  3,  61  f.,
110,  295  f.,  309  f.
Vorkosten  81  f.,  374.
Warenhandel  4,  15,  102  f.,  345.
Wasserwerkskosten  56.
Werkstättenaufschlag  58,  186  f.,  223  f.
Werkstattkosten,  143,  195.
Werkstoff  =  Fabrikationsmaterial.
Werkzeuge  164,  191,  221,  244.
Werkzeugkonto  244.
Wertspesen  103,  177,  179  f.
Zeitkosten  138,  177.
Zeitprämien  126.
Zentralverwaltung  223.
Zinsen  in  der  Kostenberechnung  10  f.,
242  f.,  356.
Zusatzkosten  5,  15,  168,  327.
Zusammenhängende  Preise  32.
Zuschlagsmethoden  104,177,  179  f.,  206  f.
Zwischenkalkulation  3,  308,  319,  377.
„  produkte  84  f.
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        J.  D.  SauerländerV  Verlag,  Frankfurt  a.  M.

In  meinem  Verlag  erschien  ferner  von  demselben  Verfasser:
Das  Bankgeschäft
und  seine  Technik
unter  Berücksichtigung  der  gesetzlichen  Bestimmungen
von
Friedrich  Leitner
Professor  an  der  Handels-Hochschule  Berlin.
Vierte  Auflage,
gr.  8°.  VIII  u.  708  Seiten.
Preis:  geb.  M.  43.20

Dieses  von  der  gesamten  Fachpresse  auf  das  glänzendste  beurteilte
Werk,  bietet  eine  erschöpfende  Darstellung  des  ganzen  schwierigen  Gebietes
in  leicht  faßlicher  Form,  unter  besonderer  Berücksichtigung  der
Bedürfnisse  des  Bank-Kunden,
Jeder  Industrielle  kann  sich  somit  aus  diesem  Werk  über  alle
ihm  im  Verkehr  mit  seiner  Bank  auftauchenden  Fragen  leicht  und
zuverlässig  orientieren.

Inhaltsverzeichnis:
Über  den  Kredit  —  Von  den  Banken  im  allgemeinen  Einteilung  der
Bankgeschäfte  —  Von  den  Notenbanken  im  besonderen  —  Geschäftsbedingungen ­
  der  Banken  —  Das  Kommissionsgeschäft  —  Der  Konto-Korrentverkehr
  —  Zahlungsmethoden  und  Zahlungsverkehr  —  Der  Wechsel-  und
Wechsel  verkehr  —  Wechselwirtschaftskunde  —  Vom  Darlehen  im  allgemeinen  —
Kurzfristige  Darlehensgeschäfte  —  Das  Wechseldiskontgeschäft  —  Effektendiskontgeschäft
  —  Warrantdiskontgeschäft  —  Diskontierung  von  Buchforderungen ­
  —  Lombarddarlehen  —  Langfristige  Kreditgeschäfte  —  Hypothekardarlehensgeschäfte
  —  Hypothekenpfandbriefe  —  Kreditleihgeschäfte  —  Das
Depositengeschäft  —  Die  Handelsgeschäfte  der  Banken—  Der  Metall-  und
Münzhandel  —  Der  Geldhandel  —  Der  Devisenhandel  —  Der  Effektenhandel
—  Das  Coupongeschäft  —  Das  Emissions-,  Gründungs-  und  Beteiligungsgeschäft ­
  —  Die  Effektenbörse  und  ihre  Geschäfte.

Einige  Urteile  der  Presse.
Deutsche  Wirtschat'tszeitung.  Das  Buch  enthält  alles,  was  über
diesen  Gegenstand  überhaupt  zu  sagen  ist,  und  durch  das  beigefügte, ­
  mit  großer  Sachkenntnis  ausgewählte  Beispiel-Material  wird  sein
Verständnis  auch  für  die  der  Praxis  ferner  Stehenden  ungemein  erleichtert.
Staatsanzeiger  für  Württemberg.  Ein  ausgebreitetes  Wissen  ist  in
diesem  Buche  in  mustergültiger  W  eise  niedergelegt.  Die  Anlage  des  ganzen
Werkes  und  die  Form  der  Darstellung  ist  sehr  geschickt  und  gediegen.
Straßburger  Biirgerzeitung.  Das  Werk  gibt  auf  dem  Gebiete  der
Bankbetriebslehre  vom  Guten  das  Beste.  Leitner  übertrifft  alle  durch  die
harmonische  Vereinigung  tiefen  Wissens  und  reicher  Erfahrung.  Er  versteht
mit  Virtuosität  die  Wissenschaft  in  den  Dienst  der  Praxis  und  diese  in  den
Dienst  jener  zu  stellen.
        <pb n="384" />
        95,041  Pfg

äzahlte  Rübenpreis  (85,5)  bleibt  gegen  den
(95,04)  um  10,541  Pfg.  zurück,  d.  i.  ein
e  Zentner  Rüben  (früher  berechnet  mit
►
tberpehnuug-  7.  Aufl.
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        ﻿
        <pb n="386" />
        ﻿
        <pb n="387" />
        ﻿
        <pb n="388" />
        ﻿
        <pb n="389" />
        ﻿
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