23 gehören, und anderseits noch große Gebiete bestehen, denen die segens reiche Wirkung der Konsumvereine überhaupt noch unbekannt ist. Dabei ist mit dein Austritt der Konsumvereine aus dem „Allgemeinen Verbände" zu rechnen. Eine verdienstvolle Aufgabe für den Reichs verband würde es sein, die vielen deutschen Beamtenkonsumvereine ein heitlich zu organisieren, worauf der Verband auch scheinbar Gewicht legt. Ueberhaupt fehlte bis heute eine Organisation, die auf Grund ihrer ganzen Zusammensetzung geeignet war, in die bürgerlichen Schichten einzudringen. Wenn dies dem „Reichsverbande deutscher Konsumvereine" gelingen sollte, so kann man ihn gewiß nicht der „Zersplitterung" bezichtigen. Der Deutsche sieht in allem die Partei. Da aber, wie es das Wort Partei schon voraussetzt, mehrere Parteien bestehen, so ist es auch nicht möglich, daß ein und dieselbe -Organisation alle Parteien für die Idee der Konsumgenossenschaft in Deutschland und vielleicht auch anderswo gewinnt. Die Folge ist, daß mehrere Zentralorganisationen entstehen. Allerdings verstößt man damit gegen das ökonomische Prinzip, und es ist anzunehmen, daß letzteres mit seiner alles durchdringenden Kraft am Ende doch noch einen Aus gleich in irgendeiner Weise schaffen wird?°n) Die Einrichtungen des „Reichsverbandes" sind natürlich noch im to a) Zur Klärung der Parteifrage erwähne ich noch, daß der Vorwurf, der dem Zentralverbande gemacht wird, eine rein sozialdemokratische Orga nisation zu sein, unrichtig ist. Er hat mit der sozialdemokratischen Partei als solcher nichts zu tun, sondern ist eine Organisation für sich. (Die belgischen Konsumvereine sind dagegen das Werk von Parteien und stehen in ihrem Dienste.) Sozialdemokratisch gesinnt ist nur ein großer Teil der Mitglieder der Konsumvereine des Zentralverbandes. Sv ■ kommt es, daß die meisten dieser Konsumvereine und ihre übergeordneten Organisationen eine sozialdemokratische Verwaltung haben und auch freundschaftliche Be ziehungen zur sozialdemokratischen Partei pflegen. Damit entsteht die Gefahr, immer engere Beziehungen zur Partei anzuknüpfen. Führende Männer im Zentralverbande sind bemüht, dem aus dem Wege zu gehen. Ob das immer möglich sein wird, und ob es bis heute schon immer möglich war, ist eine andere Frage, deren Erörterung den Rahmen dieser Arbeit überschreitet. — Dem Reichsverbande wird zum Borwurf gemacht, sich der Zentrumspartei zu sehr zu nähern und damit ebenfalls seine Neutralität zu verletzen. Dieser Vorwurf ist noch weniger berechtigt als der vorige. Die Zentrnmspartei stützt sich im Gegensatz zur sozialdemokratischen Partei auf einen sozial und wirtschaftlich sehr ungleichartigen Wählerkreis. Der eine Abgeordnete ist Anhänger der Konsumgenossenschaften, der andere ist ihr Gegner. Es ist deshalb unmöglich für den Reichsverband, mit der Zentrumspartei ein Bündnis zu schließen. Er ist vielmehr, wenn er nicht zurückgehen will, auf mehrere Parteien angewiesen, mit anderen Worten, er ist zur Neutralität gezwungen, wenn nicht ganz, so doch teilweise.